Ein Kurs in Wundern *)

*) Die amerikanische Originalausgabe dieses Buches A Course in Miracles wurde 1976 von der Foundation for Inner Peace veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung erschien 1994 im Greuthof Verlag. Diese Website über Religion, Spiritualität und insbesondere Ein Kurs in Wundern ist ausschließlich ein Ausdruck meiner Begeisterung für den Kurs und dient nicht der kommerziellen Nutzung. Ich fasse hier zusammen, was mich inspiriert und mir hilfreich erscheint. Die Inhalte dieser Website können und wollen den Kurs nicht ersetzen, sondern sollen einzig und allein auf den Kurs aufmerksam machen.

“Diese Welt, in der du zu leben scheinst, ist nicht dein Zuhause. Und irgendwo in deinem Geist erkennst du, dass das wahr ist. Eine Erinnerung an Zuhause hört nicht auf, dich heimzusuchen, als gebe es einen Ort, der dich zur Rückkehr riefe, […]. Es gibt niemanden, der nicht wüsste, wovon wir sprechen. Doch einige versuchen, ihr Leiden in Spielen wegzulegen, die sie spielen, um ihre Zeit zu füllen und ihre Trauer von sich fernzuhalten. Andere verleugnen, dass sie traurig sind, und sehen ihre Tränen gar nicht. Noch andere behaupten, dass das, wovon wir sprechen, Illusion ist und nur als Traum betrachtet werden sollte. Wer aber würde - in schlichter Ehrlichkeit, ohne Abwehrhaltung und Selbsttäuschung - leugnen, dass er die Worte, die wir sprechen, wohl versteht?”
(EKIW: Lektion 182, 1.&2.)

Tief im Bewusstsein des menschlichen Geistes liegt ein Tor zur Erfüllung der Sehnsucht des Menschen nach der Verwirklichung seiner eigenen göttlichen Vollkommenheit. Hinter den illusionären Grenzen von Raum und Zeit liegt die Entdeckung der unendlichen Weiten des universellen GEISTES. Hinter diesem Portal liegt die fesselnde Erfahrung der Vermählung von Religion und Wissenschaft, der Verschmelzung von Psychologie und Philosophie und der Integration von Herz und Verstand. Dieser Punkt der Kommunikation mit GOTT ist nicht mehr an Form, Konzept oder Angst gebunden und wird als die Erfahrung der singulären Wirklichkeit selbst in Erinnerung bleiben. So wird unser menschliches Verständnis auf eine neue Schwingungsresonanz der LIEBE angehoben und zu einer Erinnerung an uns selbst als eins miteinander und mit der Quelle der gesamten Schöpfung. Dieser Transformationsprozess der Erleuchtung ist unsere evolutionäre Bestimmung.

Ein Kurs in Wundern ist ein spiritueller Weg in der Sprache des Christentums, der Psychologie und der Pädagogik, ein Weg des spirituellen Erwachens - ein Beginn und nicht das Ende. Ein Kurs in Wundern verwendet die christlichen Begriffe nicht in dem Sinne, in dem sie von den meisten christlichen Kirchen verwendet werden, sondern in dem Sinne, in dem sie von Jesus immer schon gemeint waren. Obwohl der Kurs in seiner Ausdrucksweise christlich ist, behandelt er universelle spirituelle Themen. Der Kurs ist nur eine Version des universellen Lehrplans. Es gibt viele andere, und dieser unterscheidet sich nur in der Form von ihnen.

Alle Wege die wahrhaft GOTT zum Ziel haben, führen zu GOTT, allein des Zwecks wegen. Der Weg mit dem Kurs ist anders als viele traditionelle Wege, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen. Wobei die heilige Beziehung keine romantische Beziehung zwischen zwei bestimmten Personen ist, sondern eine geistige Ausrichtung auf den einzig wahren Zweck - die Erlösung aus der Illusion der Trennung. Unser Bruder ist unser Erlöser. Und jeder ist unser Bruder. Ein Augenblick, den wir gemeinsam mit unserem Bruder verbringen, gibt uns beiden das Universum wieder, denn wo zwei oder drei in SEINEM Namen versammelt sind, da ist ER mitten unter ihnen. Indem wir das wahre SELBST - den CHRISTUS - in allen unseren Brüdern anerkennen, erkennen wir SEINE GEGENWART in uns selber wieder.

Der Kurs beschreibt einen Weg, der uns in den heiligen Augenblick - das Jetzt - führt. In aller Kürze lässt sich der Kurs daher auch folgendermaßen zusammenfassen: Es gibt nur Jetzt, es gibt nur einen von UNS und einzig LIEBE ist wirklich.

Der Kurs lehrt nicht, uns von der Welt der Formen kategorisch abzuwenden, sondern er lehrt uns, diese vom Ego gemachte Welt als Mittel zur Erlösung zu nutzen. Es geht also darum, der Welt einen neuen Zweck zu geben - den einzig wahren Zweck - der Erlösung aus der Illusion der Trennung von GOTT und unseren Brüdern. Es hat keinen Sinn, über die Welt zu jammern. Es hat keinen Sinn, zu versuchen, die Welt zu verändern. Sie ist nicht imstande, sich zu verändern, weil sie bloß eine Wirkung ist. Hingegen hat es in der Tat einen Sinn, unsere Gedanken über die Welt zu ändern. Damit verändern wir die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern.

Die vom Ego gemachte Welt ist ein Angsttraum von Hass und Angriff, von Bitterkeit und Tod, von Schmerz und von Verlust. Diese Welt wurde als "Angriff auf GOTT" gemacht. Doch GOTT kann nicht wirklich angegriffen werden, diese Welt ist eine Illusion. Diese Welt ist eine Projektion des Egos - des Gedankens der Trennung. Diese Welt wurde vom Ego geschaffen, um die Illusion der Trennung scheinbar wahr zu machen und immer und immer wieder zu bestätigen. Diese Welt ist eine Welt der Dualität.

Dualität bedeutet, dass alles in dieser Welt von Anfang an sein Gegenteil enthält. Was diese Welt Liebe nennt, enthält Hass, was sie Frieden nennt, enthält Krieg, was sie Freiheit nennt, enthält Gefangenschaft, was sie Gewinn nennt, enthält Verlust, was sie Lust nennt, enthält Schmerz, was sie Gesundheit nennt, enthält Krankheit, und was sie Leben nennt, enthält den Tod. Wenn wir also wollen, dass diese Welt wirklich ist, dann wollen wir, dass Hass wirklich ist, dass Krieg wirklich ist, dass Gefangenschaft wirklich ist, dass Verlust wirklich ist, dass Schmerz wirklich ist, dass Krankheit wirklich ist, und vor allem, dass der Tod wirklich ist. Kann das unser wahrer Wille sein? Kann das GOTTES WILLE sein? Selbstverständlich nicht - GOTT hätte uns das nie angetan. Das haben wir erfunden. Es ist ein Bild dessen, was wir zu sein denken und wie wir uns selber sehen.

Diese Welt ist das Symbol der Angst. Und Angst ist die Abwesenheit der LIEBE GOTTES, die kein Gegenteil kennt. Diese Welt wird nicht länger bleiben, als dem Gedanken, der sie erschuf, geglaubt wird. Und Vergebung ist der Schlüssel zum Glück. Die Vergebung setzt allem Leiden und Verlust ein Ende. Vergebung bedeutet, die Dinge aus dem Blickwinkel GOTTES zu betrachten, alles mit der LIEBE GOTTES zu sehen. Dann ist GOTT in allem, was wir sehen, weil GOTT in unserem Geist ist.

Wenn der Gedanke der Trennung in einen Gedanken der wahren Vergebung umgewandelt worden ist, wird die Welt in einem ganz anderen Licht gesehen werden - in einem Licht, das zur Wahrheit führt, wo die ganze Welt und alle ihre Irrtümer verschwinden müssen. Dies ist der glückliche Traum, der im Erwachen in die Einheit GOTTES enden wird, denn GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück.

In der Einleitung des Kurses findet sich folgende Zusammenfassung des Kurses:

     “Nichts Wirkliches kann bedroht werden.
     Nichts Unwirkliches existiert.

Hierin liegt der Frieden GOTTES.”

Evolution der Religion

Worte sind nur Symbole von Symbolen. So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt. Daher können Worte nur auf die Wahrheit jenseits der Worte verweisen. Und da es naturgemäß das Ego ist, das sich mit Spiritualität beschäftigt, ist dies das Thema, bei dem seit jeher die größte Verwirrung herrscht, denn das Ego tarnt sein wahnsinniges Denksystem seit Anbeginn der Zeit auch als Religion und Spiritualität. Um etwas Ordnung in dieses Chaos zu bringen, kann es hilfreich sein, die Evolution der Religion zu betrachten, vom primitiven Aberglauben zur wahren Natur der Religion - zur Spiritualität des Geistes - wie sie auch Ein Kurs in Wundern lehrt.

Die “Gesetze” des Egos können ans Licht gebracht, wenn auch niemals verstanden werden, weil Wahnsinn außerhalb der Sphäre der Vernunft liegt. Je mehr wir über das Ego lernen, desto klarer wird uns, dass es nicht glaubhaft ist. Jedoch ist es grundlegend wichtig, dass verstanden wird, wozu die “Gesetze” des Egos da sind, weil es ihr Zweck ist, bedeutungslos zu machen und die Wahrheit anzugreifen.

Alle Fragmente dieser Welt sind Traumsymbole für den einen schlafenden Geist der Trennung träumt. Alle Symbole dienen dem einen Träumer des Traums dazu, um mit der Hilfe des HEILIGEN GEISTES zu erwachen. Wenn ich im Folgenden Menschen und Menschengruppen als Symbole verwende, um bestimmte Aspekte des Ego-Denksystems zu verdeutlichen, dann dürfen wir dabei nicht vergessen, dass alle Dinge, von denen wir denken, dass wir sie sehen, Ideen widerspiegeln. Das, was wir sehen, spiegelt einen Prozess in unserem Geist, der mit unserer Idee dessen beginnt, was wir wollen. Das ist der Grundgedanke der Erlösung. Es geht hier also einzig und allein um die Berichtigung unseres Geistes.

Es geht bei diesen Betrachtungen auch nicht um geschichtliche Tatsachen, weil es keine geschichtlichen Tatsachen gibt. Es gibt keine Vergangenheit und GOTT und seine Schöpfung - die ist wie ER SELBST - ist die einzige TATSACHE. Es geht einzig und allein darum mit dem GROSSEN WANDLER der Wahrnehmung eine sorgfältige Erforschung unseres Geistes zu unternehmen, der diese Welt gemacht hat, um die scheinbaren Beweggründe aufzudecken, um derentwillen wir sie gemacht haben. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER uns bringt, wenn wir IHM nachfolgen, wird ER uns zeigen, dass es in dieser Welt des Egos überhaupt keine Vernunft gibt.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die lineare Zeit eine Illusion ist und der Weg mit dem Kurs dazu dient, aus ihr zu erwachen. Die Evolution der Religion ist Teil der horizontalen Ebene, der Ebene von Raum und Zeit, während die Spiritualität des Geistes eine Evolution auf der vertikalen Ebene ist, raus aus der Illusion von Raum und Zeit. So ist jede Idee von "Evolution" in der Zeit immer nur ein Hilfsmittel, das uns hilft unsere Werte in Frage zu stellen, denn das Ego neigt dazu, die Vergangenheit immer und immer wieder zu wiederholen. Den Kurs zu lernen erfordert die Bereitwilligkeit, jeden Wert in Frage zu stellen, den wir haben. Es gibt nicht einen einzigen, den wir versteckt und verschleiert halten können, ohne unser Lernen zu gefährden. Keine Überzeugung ist neutral. Eine jede hat die Macht, jede Entscheidung zu diktieren, die wir treffen. Denn eine Entscheidung ist eine Schlussfolgerung, die auf allem gründet, was wir glauben.

Darüber hinaus werden wir bei der Betrachtung der “Evolution” entdecken, dass es seit Jahrtausenden immer wieder wertvolle Hinweise auf die Wahrheit jenseits dieser Welt gegeben hat, von denen im Folgenden auch einige genannt werden. Bisher waren es immer nur wenige, die die Wahrheit erkannten, jetzt besteht die berechtigte Hoffnung, dass es viel mehr werden.

Die Ursprünge der Anbetung

In der Evolution der Menschheit erscheint die Anbetung in ihren primitiven Äußerungen, lange bevor der menschliche Verstand fähig ist, die komplexeren Vorstellungen vom hiesigen und jenseitigen Leben zu formulieren, die es verdienen, als Religion bezeichnet zu werden. Die Gegenstände der Verehrung bestanden aus den Dingen der Natur, welche sich gerade in Reichweite befanden oder die den einfachen Gemütern der primitiven Menschen in ihrer alltäglichen Erfahrung bedeutungsvoll erschienen. Der Wilde betrachtete die ganze Natur als etwas Belebtes, wovon irgendetwas Besitz ergriffen hatte. Es gab Naturgeister für Seen, Bäume, Wasserfälle, Regen und hundert andere gewöhnliche irdische Phänomene. Als die Religion sich über die Anbetung der Natur hinaus entwickelte, gewann sie Wurzeln geistigen Ursprungs, war aber trotzdem immer noch durch das soziale Umfeld bedingt.

Zu irgendeinem Zeitpunkt hat der Mensch alles angebetet, was es auf der Erdoberfläche gibt, sich selber mit eingeschlossen. Er hat auch so ziemlich alles verehrt, was sich im Himmel und unter dem Erdboden nur ausdenken lässt. Der primitive Mensch fürchtete alle Äußerungen von Naturgewalt; er verehrte jedes Naturphänomen, das er nicht verstehen konnte. Immer noch werden die unerklärlichen Dinge des Lebens als „Handlungen Gottes“ und „geheimnisvolles Walten der Vorsehung“ bezeichnet.

Der erste Gegenstand, den der sich entwickelnde Mensch verehrte, war ein Stein. Auch heute noch ist der Steinkult auf der ganzen Welt weit verbreitet. Der Grabstein ist ein symbolisches Überbleibsel der in Stein gemeißelten Stand- und Götzenbilder im Zusammenhang mit dem Glauben an Geistwesen und an die Geister verstorbener Gefährten. Auch der moderne westliche Mensch glaubt noch an die Wirkung von Steinen, vor allem in Form von Kristallen und bestimmten Mineralien. Allein daran können wir erkennen, was Jesus im Kurs meint, wenn er darauf hinweist, dass "es keine Geschichte geben würde, wenn dieselben Fehler in der Gegenwart nicht wiederholt würden.“

Der Glaube an das Unwirkliche führt zu Anpassungen der Wirklichkeit, damit sie zum Ziel der Verrücktheit passt. Das, wonach der Mensch verlangt, das wird er sehen. Und ist dessen Wirklichkeit falsch, so wird er sie dadurch aufrechterhalten, dass er all die Anpassungen, die er eingeführt hat, um sie zu dem zu machen, nicht bemerken. Der Glaube, beispielsweise an die Wirkung von Steinen, wird zur Wahrnehmung der Wirkung von Steinen führen, aber das ist lediglich ein für wahr nehmen und keine Wirklichkeit. Mit anderen Worten: Die Welt ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Auf die Anbetung der Steine folgte die Anbetung der Berge. Rasch stellte sich der Glaube ein, dass die Götter auf den Bergen wohnten, so dass hohe Landerhebungen aus diesem zusätzlichen Grund verehrt wurden. Mit der Zeit verknüpfte man bestimmte Berge mit bestimmten Göttern, und sie wurden deshalb heilig.

Der Versuch, die Form zu vergöttlichen, ist eine der zentralen Strategien des Egos, um von der Wahrheit abzulenken. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Berge für heilig erklärt werden, eine Religion die Erschaffung der Welt Gott zuschreibt oder in esoterischen Konzepten von der heiligen Mutter Erde die Rede ist. Es ist derselbe Irrtum.

"Alles, was des Körpers Augen sehen können, ist ein Fehler, ein Wahrnehmungsirrtum, ein verzerrtes Fragment des Ganzen ohne die Bedeutung, die das Ganze geben würde. Und dennoch können Fehler ungeachtet ihrer Form berichtigt werden. Die Sünde ist nur ein Irrtum in einer besonderen Form, die das Ego verehrt. Es möchte alle Irrtümer bewahren und sie zu Sünden machen. Denn darin liegt seine eigene Stabilität, sein schwerer Anker in der wechselhaften Welt, die es gemacht hat, der Felsen, auf den es seine Kirche baute und wo seine Anbeter an Körper gebunden sind und glauben, dass des Körpers Freiheit ihre eigene sei."
(EKIW: Kapitel 22, III. 4. 2.-6.)

"Es gibt nichts, was so blind macht wie die Wahrnehmung der Form."
(EKIW: Kapitel 22, III. 6. 7.)

“GOTT kennt keine Form.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 4. 5.)

Das Naturerlebnis wird auch vom modernen Menschen zum Kult stilisiert. Es gibt Orte, die der Mensch immer wieder besucht, da hier die Natur scheinbar in ihrer besonderen Größe sichtbar wird und er zugleich weiß, dass all dies momentan nur für ihn selbst existiert, einen unglaublich exklusiven Charakter besitzt und die eigene Person erhöht. Die Natur ist beim modernen Menschen auch deswegen so beliebt, weil sie, ganz im Gegensatz zu seinen Mitmenschen, nicht sein persönliches Selbstbild gefährdet - sie stört seine Vorstellung von der eigenen Besonderheit nicht. Der moderne, nach Individualität strebende Mensch reagiert daher zusehends verärgert, wenn er an seinen „heiligen“ Orten auf andere Menschen trifft. Berge eignen sich ganz besonders als Metapher für individuelle Einzigartigkeit. Nicht zuletzt wegen dieser Bedeutung ist das Gebirge die Pilgerstätte der Individualitätshungrigen.

“Bitte lasst mich zum Himalaya gehen. Ich hoffe, dass es mir dort in der ungestörten Einsamkeit eher gelingen wird, Gott zu finden.” Diese Worte richtete der junge Yogananda tatsächlich einmal an seinen Meister Giri Yukteswar. Der Guru antwortete ihm: “Viele Bergbewohner leben im Himalaya, ohne Gott zu kennen. Weisheit muss man bei einem erleuchteten Meister suchen und nicht bei leblosen Bergen.”

Der zentrale Irrtum liegt in der fragmentierten Wahrnehmung, sie ist Ausdruck des gespaltenen Geistes. Die Unterscheidung zwischen Natur und Nicht-Natur ist ein Aspekt der fragmentierten Wahrnehmung. Aber der Heilige Geist kann alles, was das Ego geschaffen hat, zu unserer Erlösung verwenden - auch das, was üblicherweise Natur genannt wird. Die westlich adaptierte Form der Vision Quest ist beispielsweise eine Art Sinnsuche im Spiegel der Natur. Wenn sie der Führung durch den Heiligen Geist (Spirit) unterstellt wird, ist sie ein kraftvolles Ritual. Doch Ziel des spirituellen Weges ist es, nicht nur gelegentlich im Rahmen eines Rituals auf die Stimme für Gott zu hören, sondern in ständiger Verbindung mit ihr zu stehen. Das einzig Natürliche in dieser Welt ist das Verlangen, GOTT zu erkennen.

“Es ist sehr wohl möglich, GOTT zu erreichen. In der Tat ist es sehr leicht, weil es das Natürlichste in der Welt ist. Du könntest sogar sagen, dass es das einzig Natürliche in der Welt ist.”
(EKIW: Lektion 41, 8. 1.&2.)

Ein Kurs in Wundern ist ein spiritueller Weg dessen zentrales Mittel die heilige Beziehung ist - mit Jesus (in der Einheit mit dem Heiliger Geist) als Meister -, weil dies der schnellste Weg zu GOTT ist. In der Beziehung zu seinen Mitmenschen kommt der Mensch am schnellsten in Kontakt mit seinem unbewussten Gedankensystem. Jesus lehrt in EKIW: „Dein Bruder ist der Spiegel, in dem du das Bild deiner selbst siehst, solange die Wahrnehmung währt.“

Die Pflanzen wurden wegen der berauschenden Flüssigkeiten, die man aus ihnen gewann, zuerst gefürchtet und dann angebetet. Die primitiven Menschen glaubten, dass man durch den Rausch göttlich wurde. Man nahm an, dass in einer solchen Erfahrung etwas Ungewöhnliches und Heiliges liege. Auch heutzutage noch bezeichnet man den Alkohol als „Geist“. Die Kulte der Baumverehrung finden sich bei den ältesten religiösen Gruppen. Alle frühen Heiraten wurden unter Bäumen abgehalten, und wenn Frauen Kinder wünschten, fand man sie manchmal draußen im Wald, wo sie liebevoll eine starke Eiche umarmten.

Der primitive Mensch besaß ein ganz besonderes und kameradschaftliches Gefühl für die höheren Tiere und so wurden auch Tiere verehrt und mit symbolischer Bedeutung belegt. Schon früh in der evolutionären Religion wurde das Lamm zum typischen Opfertier und die Taube zum Symbol für Frieden und Liebe.

Tiere sind in gewissem Grade unentbehrlich sowohl für die intellektuelle als auch für die physische Entwicklung des Menschen, die Wiedersehensfreude eines Hundes über sein Herrchen ist ein wunderbares Symbol für bedingungslose Liebe, doch Pflanzen und Tiere überleben in der Zeit lediglich durch die Technik der Weitergabe identischer Partikel ihrer selbst von einer Generation zur anderen. Nur das vergeistigte Bewusstsein des Menschen überlebt den irdischen Tod durch die enge Verbindung ihrer Identität mit dem ihr innewohnenden Funken der Göttlichkeit, der unsterblich ist.

Eine weitere Strategie des Ego-Geistes, um den Konflikt im eigenen Geist nicht wahrnehmen zu müssen, ist die Abkehr von den Mitmenschen und die Hinwendung zu den Tieren. “Wer den Menschen kennt, liebt die Tiere." lautet ein beliebter Spruch, der meist Arthur Schopenhauer zugeschrieben wird. Wahrheitsgemäß müsste diese Aussage lauten: "Wer nicht bereit ist, die dunklen Seiten seines eigenen Selbst zu betrachten, wendet sich von den Menschen ab und den Tieren zu.”

Die Menschheit verehrte die Elemente und hat Erde, Luft, Wasser und Feuer angebetet. Die primitiven Menschen verehrten die Quellen und beteten die Flüsse an. Noch jetzt blüht in der Mongolei ein bedeutender Flusskult und Indien ist voll heiliger Flüsse. Einige frühere Stämme verehrten das Feuer als eine wirkliche Gottheit; andere verehrten es als das flammende Symbol des reinigenden und läuternden Geistes der Gottheiten, denen sie huldigten. Jungfräulichen Vestalinnen wurde das Amt anvertraut, über heilige Feuer zu wachen, und im einundzwanzigsten Jahrhundert brennen immer noch überall Kerzen als Teil des Rituals vieler religiöser Dienste.

Die Fünf-Elemente-Lehre ist eine sehr alte Theorie zur Beschreibung der Natur und erfreut sich auch beim modernen Menschen wieder großer Beliebtheit. Die Fünf-Elemente-Lehre untersucht die Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich dynamische Transformationsprozesse im Bereich des Materiellen abspielen, betont also Werden, Wandlung und Vergehen. Es handelt sich also um eine Beschäftigung mit dem Vergänglichen - mit der Illusion - und nicht um eine Beschäftigung mit dem ewigen Sein - mit der Wahrheit jenseits der Illusion des Vergänglichen. Diese alte Lehre wirkt weiter in der traditionellen chinesischen Medizin, in der Akupunktur und in den sogenannten ganzheitlichen Ansätzen der neueren westlichen Medizin. In diesem Zusammenhang von ganzheitlichen Ansätzen zu sprechen ist widersinnig, wenn nicht auf das Wesentliche, das einzig Wirkliche und einzig Ursächliche - den Geist - geachtet wird, sondern in erster Linie die Materie und damit der Körper betont wird. Viele moderne, westliche Menschen wenden sich vom modernen westlichen Materialismus angewidert ab und wenden sich stattdessen alten materialistischen Traditionen zu. Das alles klingt dann irgendwie alternativ, ist aber keine wirkliche Alternative, denn es ändert nichts am grundlegenden Irrtum - dem Glauben an die Wirkung von Materie.

Die Anbetung von Felsen, Bergen, Bäumen und Tieren entwickelte sich über die furchtsame Verehrung der Elemente ganz natürlich hinauf zur Vergöttlichung von Sonne, Mond und Sternen. Die Mondanbetung ging der Sonnenanbetung voraus.

Nachdem der Mensch auf dem Erdboden und droben im Himmel alles angebetet hatte, zögerte er nicht, nun auch sich selber mit solcher Anbetung zu ehren. Der frühe Mensch betrachtete alle ungewöhnlichen Personen als übermenschlich, und er fürchtete sich vor solchen Wesen so sehr, dass er sie in heiliger Scheu verehrte; in gewissem Maße betete er sie buchstäblich an. Geisteskranke und Epileptiker wurden von ihren normalen Gefährten oft angebetet, weil sie glaubten, dass in solchen abnormen Wesen Götter wohnten. Priester, Könige und Propheten wurden verehrt. Die Anbetung des Menschen durch den Menschen erreichte ihren Höhepunkt, als zeitliche Herrscher solche Verehrung von ihren Untertanen forderten und sich zur Unterstützung ihres Anspruchs auf ihre Abstammung von der Gottheit beriefen.

Was die Verehrung der Person angeht, so ist Jesus im Kurs absolut klar, wenn er sagt: „Du bist eine vollkommene Schöpfung und solltest Ehrfurcht nur in Gegenwart des SCHÖPFERS der Vollkommenheit empfinden. Das Wunder ist daher ein Zeichen der Liebe zwischen Ebenbürtigen. Ebenbürtige sollten keine Ehrfurcht voreinander haben, weil Ehrfurcht Ungleichheit impliziert. Sie ist daher eine unangemessene Reaktion mir gegenüber. Ein älterer Bruder hat Anspruch auf Achtung um seiner größeren Erfahrung und auf Gehorsam um seiner größeren Weisheit willen. Er hat auch Anspruch auf Liebe, weil er ein Bruder ist, und auf Hingabe, wenn er hingebungsvoll ist. Nur meine Hingabe gibt mir ein Anrecht auf die deine. Ich habe nichts an mir, was du nicht erreichen kannst. Ich habe nichts, was nicht von GOTT kommt. Der jetzige Unterschied zwischen uns ist, dass ich nichts anderes habe. Dadurch bin ich in einem Zustand, der in dir nur potenziell vorhanden ist.“

Alle Formen der Anbetung tauchen auch in der modernen Zivilisation immer wieder auf. Die Selbstanbetung - der Glaube an die eigene Besonderheit - erreicht gerade einen noch nie dagewesenen Höhepunkt. Die Menschheit befindet sich aktuell in einem recht ungünstigen Geisteszustand, in einer Kombination aus absurdem Aberglauben und individuellem Größenwahn, in einem Geisteszustand der auf möglichst schnelle Bedürfnisbefriedigung und Durchsetzung des individuellen Willens abzielt.

Frühe Evolution der Religion

Die Evolution der Religion, ausgehend vom bereits vorhandenen primitiven Drang zur Anbetung, ist nicht von Offenbarung abhängig. [In diesem Abschnitt über die Evolution der Religion wird der Begriff Offenbarung in einem allgemeineren Sinne als im Kurs verwendet.] Nebst dem natürlichen Drang zur Anbetung hatte die frühe evolutionäre Religion ihre Wurzeln in der menschlichen Erfahrung des Zufalls - im so genannten Glück, in ganz alltäglichen Geschehnissen. Der beschränkte intellektuelle Horizont des Wilden konzentriert seine Aufmerksamkeit so sehr auf den Zufall, dass Glück und Pech in seinem Leben zu einem ständigen Faktor werden. Der frühe Mensch lebte in Unsicherheit und ständiger Furcht vor den Launen des Schicksals - vor Unglück. Es verwundert nicht, dass teilweise zivilisierte Menschen immer noch an den Zufall glauben und einen hartnäckigen Hang zum Spielen zeigen.

Der primitive Verstand war logisch, enthielt aber nur wenig Ideen, die sich intelligent miteinander verknüpfen ließen; der Verstand des Wilden war ungebildet, völlig unverbildet. Wenn auf ein Ereignis ein anderes folgte, betrachtete der Wilde sie wie Ursache und Wirkung. Was der zivilisierte Mensch heute als Aberglauben betrachtet, war beim Wilden nichts als schlichte Unwissenheit. Doch es geht weit darüber hinaus, denn der grundlegende Glaube an Ursache und Wirkung in der Zeit ist ein zentraler Gedanke der Ego-Illusion.

Der Mensch neigt ganz natürlich dazu, an das zu glauben, was ihm für sich das Beste scheint, was in seinem unmittelbaren oder ferneren Interesse liegt; Eigeninteresse verdunkelt die Logik weitgehend. Die moderne Psychologie verwendet dafür den Begriff Barnum-Effekt. Er bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden. Dieses psychologische Phänomen wird auch als Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung bezeichnet und findet seine Anwendung bei Horoskopen, beim Handlesen und generell bei allen Formen von „Readings“. Der Unterschied zwischen den Gemütern von Wilden und von zivilisierten Menschen besteht mehr im Inhalt als im Wesen, ist mehr ein gradueller als ein qualitativer Unterschied.

Glück im weltlichen Sinne ist nur ein Wort, das geprägt wurde, um in jedem Zeitalter menschlicher Existenz das Unerklärliche zu verhüllen; es bezeichnet jene Phänomene, welche zu ergründen die Menschen unfähig oder nicht willens sind. Glück ist ein Ausdruck, der bedeutet, dass der Mensch zu unwissend oder zu träge ist, um die Ursachen zu bestimmen. Die Menschen betrachten ein natürliches Ereignis nur dann als bösen Zufall oder Pech, wenn sie ohne Neugier und Einfallsreichtum sind, wenn es den Menschen an Initiative und Abenteuergeist fehlt.

Der Tod war für den sich entwickelnden Menschen der allergrößte Schock, die verwirrendste Kombination aus Zufall und Geheimnis. Der Tod als natürliches und zu erwartendes Lebensende war dem Bewusstsein der Primitiven nicht klar, und der Mensch brauchte ganze Zeitalter, um die Unausweichlichkeit des Todes zu realisieren. Die Vorstellung von einer übermateriellen Phase der sterblichen Persönlichkeit entstand aus der unbewussten und rein zufälligen Verknüpfung von Begebenheiten des täglichen Lebens mit dem Phantomtraum.

Die Tatsache, dass der Glaube an eine künftige Existenz seine Wurzeln im Traum hat, erklärt die Neigung, sich nie erblickte Dinge stets in Gestalt bekannter Dinge vorzustellen. Und bald begann diese aus Phantomträumen hervorgegangene neue Vorstellung von einem zukünftigen Leben, ein wirksames Gegengift gegen die mit dem biologischen Instinkt der Selbsterhaltung einhergehende Todesangst zu liefern.

Die primitive Lehre von einem Fortleben nach dem Tode war nicht notwendigerweise ein Glaube an Unsterblichkeit. Die Menschen damals waren schwerlich imstande, sich die Unendlichkeit oder Ewigkeit vorzustellen; sie dachten eher an wiederkehrende Inkarnationen. Die Idee der Reinkarnation entsprang der Beobachtung, dass Nachkommen in Erbmerkmalen und Wesenszügen oft ihren Ahnen glichen. Der Brauch, Kinder nach ihren Großeltern und anderen Vorfahren zu benennen, hatte seinen Grund im Glauben an die Reinkarnation.

Der frühe Mensch dachte weder an Hölle noch an künftige Bestrafung. Der Wilde stellte sich das zukünftige Leben gerade so wie das hiesige vor, abzüglich des Pechs. Später kam man auf die Idee einer getrennten Bestimmung für gute Phantome und böse Phantome - Himmel und Hölle.

Der nichtmaterielle Teil des Menschen ist verschiedentlich als Phantom, Geist, Schatten, Gespenst und später als Seele bezeichnet worden. Die Seele war der Traum-Doppelgänger des frühen Menschen; sie glich in jeder Hinsicht genau dem Sterblichen selber, außer dass sie nicht auf Berührung reagierte. Dieser Glaube an Traum-Doppelgänger führte direkt zu der Vorstellung, dass gleich den Menschen alle lebendigen und leblosen Dinge Seelen hätten. Und diese Auffassung trug lange Zeit dazu bei, den Glauben an Naturgeister aufrechtzuerhalten; die Eskimos leben noch immer mit der Vorstellung, dass alles in der Natur einen Geist habe.

Mit fortschreitender Zivilisation wird diese abergläubische Vorstellung von der Seele abgebaut, und der Mensch ist nun auf Offenbarung und persönliche spirituelle Erfahrung angewiesen für seine neue Idee von der Seele. Da der Begriff Seele noch immer sehr kontrovers verwendet wird, wird er im Kurs außer in wörtlichen biblischen Zitaten nicht verwendet. Er wäre richtig verstanden gleichbedeutend mit dem reinen Geist, in dem Verständnis, dass sie, da sie von GOTT ist, ewig ist und nie geboren wurde.

Den frühen Menschen gelang es gewöhnlich nicht, die beiden Konzepte eines innewohnenden Geistes und einer Seele evolutionärer Natur auseinanderzuhalten. Das Fehlen vernünftigen Denkens bei so viel Ratlosigkeit erklärt die krasse Unlogik, die der Wilde in seinen Ansichten über Seelen, Phantome und Geister bewies.

Der Primitive empfand die Notwendigkeit einer Versicherung, und er bezahlte deshalb willig seine drückenden Prämien aus Angst, Aberglauben, Bedrohung und Priestergeschenken für seine magische Versicherungspolice gegen Pech. Die primitive Religion war nichts anderes als die Bezahlung von Versicherungsprämien gegen die Gefahren der Wälder; der zivilisierte Mensch bezahlt materielle Prämien, um sich gegen Industrieunfälle und die Risiken moderner Lebensweisen abzusichern. Jede vorbeigehende Generation lächelt über die läppischen abergläubischen Vorstellungen der Altvorderen, während sie in Denken und Religion an irrigen Vorstellungen festhält, die ihrerseits eine aufgeklärte Nachwelt zum Lächeln bringen werden.

Die moderne Gesellschaft verlagert das Versicherungswesen aus dem Zuständigkeitsbereich der Priester und der Religion in den wirtschaftlichen Sektor. Die Religion selber beschäftigt sich immer mehr mit der Lebensversicherung jenseits des Grabes. Die bewussteren unter den modernen Menschen bezahlen keine kostspieligen Prämien mehr, um sich das Glück gefügig zu machen. Langsam erhebt sich die Religion zu höheren philosophischen Ebenen im Gegensatz zu ihrer früheren Rolle als Versicherungssystem gegen Pech.

Doch während die Menschen im Begriff sind, die irrige Vorstellung aufzugeben, dass die Wechselfälle des Lebens durch Geister verursacht werden, legen die meisten eine erstaunliche Bereitschaft an den Tag, eine fast ebenso trügerische Lehre anzunehmen, die sie einlädt, alle menschlichen Ungleichheiten politischen Fehlanpassungen, sozialer Ungerechtigkeit und industriellem Wettbewerb zuzuschreiben.

Die Phantomkulte

Der Mensch hat mit dem Phantomkult einen langen und erbitterten Kampf gefochten. Nichts in der ganzen Menschheitsgeschichte vermag mehr Mitleid zu erregen als dieses Bild des durch seine Furcht vor phantomatischen Geistern elendiglich geknechteten Menschen. Aber gerade mit der Geburt dieser Furcht leitete die Menschheit den Aufstieg der religiösen Evolution ein. Die menschliche Einbildungskraft hat die Küste des Selbst verlassen und wird nicht eher wieder einen Ankerplatz finden, als bis sie zum Konzept wahrer Göttlichkeit gelangt.

Man fürchtete den Tod, weil er bedeutete, dass sich wieder ein Phantom aus seinem physischen Körper befreit hatte. Die Alten taten, was sie nur konnten, um dem Tod vorzubeugen, um der Schwierigkeit, mit einem neuen Phantom ringen zu müssen, aus dem Wege zu gehen. Sie waren immer ängstlich bemüht, das Phantom dazu zu bewegen, die Sterbeszene zu verlassen und sich auf die Reise ins Totenland zu begeben. Am meisten fürchtete man sich vor dem Phantom während der vermuteten Übergangsphase zwischen seiner Befreiung zum Zeitpunkt des Todes und seiner späteren Abreise in die Heimat der Phantome, dem einer verschwommenen und primitiven Vorstellung entsprungenen Pseudohimmel.

Die Alten glaubten, dass für einen Leichnam Licht beschafft werden müsse; ein toter Körper durfte nie im Dunkeln liegen bleiben. Im zwanzigsten Jahrhundert lässt man in den Totenzimmern immer noch Kerzen brennen, und die Menschen halten immer noch Totenwache. Der so genannte zivilisierte Mensch hat die Furcht vor Leichen kaum vollständig aus seiner Lebensphilosophie verbannt.

Der Phantomkult war in ständiger Entwicklung. So wie von den Phantomen angenommen wurde, sie schritten von einer unvollkommenen zu einer höheren Existenzphase weiter, so entwickelte sich der Kult schließlich zur Verehrung von Geistern und sogar von Göttern. Aber ungeachtet des verschieden gearteten Glaubens an weiter fortgeschrittene Geister glaubten sämtliche Stämme und Rassen einmal an Phantome.

Als die Lehre von den guten und bösen Geistern schließlich ausreifte, wurde sie zu dem am weitesten verbreiteten und dauerhaftesten religiösen Glauben überhaupt. Das Konzept von Gut und Böse als gleichwertigen kosmischen Gegenspielern ist in der menschlichen Philosophie auch im einundzwanzigsten Jahrhundert noch sehr lebendig; die meisten Religionen der Welt tragen noch immer dieses kulturelle Muttermal aus den längst entschwundenen Tagen des aufblühenden Phantomkults, weil die Unterscheidung in gut und böse die Basis des Ego-Gedankensystems bildet.

Nicht nur aus Neugier versuchten die Alten, die Zukunft zu kennen; sie wollten dem Unglück ausweichen. Hellseherei war ganz einfach ein Versuch, Schwierigkeiten zu vermeiden. In jener Zeit hielt man die Träume für prophetisch, und alles, was aus dem gewöhnlichen Rahmen fiel, wurde als Omen betrachtet. Und noch heute sind die zivilisierten Menschen mit dem Glauben an Zeichen, Symbole und andere abergläubische Überbleibsel aus dem einstigen fortschreitenden Phantomkult gestraft. Langsam, nur sehr langsam trennen sich die Menschen von den Methoden, mit deren Hilfe sie so allmählich und unter Schmerzen die evolutionäre Lebensleiter hinaufgestiegen sind.

Seit der Morgendämmerung der Zivilisation hat jede ansprechende Bewegung gesellschaftlicher Kultur oder religiösen Fortschritts ein Ritual, ein symbolisches Zeremoniell, hervorgebracht. Der Kult hat die Gefühle geschützt und die Empfindungen befriedigt, aber er ist immer das größte Hindernis gesellschaftlichen Umbaus und geistigen Fortschritts gewesen. Der frühe christliche Kult war das wirksamste, ansprechendste und dauerhafteste aller je ersonnenen oder erfundenen Rituale.

Die große Schwierigkeit, einen neuen und befriedigenden Symbolismus zu finden, besteht darin, dass die modernen Menschen als Gruppe eine wissenschaftliche Haltung einnehmen, sich gegen Aberglauben sträuben und Unwissenheit verabscheuen, während sie sich einzeln heftig nach dem Geheimnisvollen sehnen und das Unbekannte verehren. Der Mensch muss sich vom Kult lösen, um zu persönlicher geistiger Erfahrung zu gelangen.

Fetische, Zauber und Magie

Aus einem völlig falschen Verständnis von Ursache und Wirkung heraus wollten die primitiven Menschen immer aus allem Außerordentlichen einen Fetisch machen. Jemand ist krank, da geschieht etwas, und es geht ihm wieder gut, also machte man daraus einen Fetisch. Der gute Ruf vieler „Heilmittel“ beruht auf diesem völlig falschen Verständnis. Im 21. Jahrhundert glauben moderne Menschen noch an die Homöopathie, die auf Vorstellungen aus dem Jahr 1796 beruht. Ein Fetisch hat keine Wirkung, sondern lediglich der Glaube an einen Fetisch erzeugt die entsprechende Wahrnehmung.

Was viele moderne “alternative” Denker eint, ist ein Stolz, nicht an das zu glauben, was im „Mainstream“ verbreitet wird. Sie sehen sich selbst als kritische, selbstdenkende Geister, die nur nicht an das glauben, was Experten und anerkannte Wissenschaftler behaupten - schon gar nicht, wenn es auch die vorherrschende Meinung in der Politik ist. So taucht auch im 21. Jahrhundert immer wieder die Theorie von einer im Inneren bewohnten hohlen Erde auf.

Es ist der Glaube an die eigene Besonderheit, den das Ego fleißig fördert. Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als an das eigene Selbst. Glaube wird in die eigene Person allein investiert. Alles andere wird zu einem Feind, der gefürchtet wird und angegriffen, der tödlich und gefährlich ist, gehasst und nur der Zerstörung würdig. Ganz gleich, welche Sanftheit die Besonderheit anbietet, sie ist nur Täuschung, ihr Hass jedoch ist echt.

Der primitive Mensch machte aus dem Geschlecht keinen übertriebenen Fetisch; der Fortpflanzungsfunktion wurde nur beschränkte Aufmerksamkeit geschenkt. Der Wilde hatte ein natürliches und kein obszönes oder laszives Empfinden. Nur der moderne Mensch macht aus seinem Geschlecht einen Fetisch und inszeniert sich und sein Geschlecht. Den Höhepunkt dieser Inszenierung bildet die Idee einer Geschlechtsidentität unabhängig vom biologischen Geschlecht des Körpers. Das Ego benutzt den Körper für Angriff, Lust und Stolz. Die Idee der Geschlechtsidentität lässt sich für alle drei Zwecke verwenden - für Stolz bei regelmäßig stattfindenden Pride Parades, zur Glorifizierung sexueller Lust und für Angriff auf all jene die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollen.

Die Idee einer vom Körper unabhängigen Geschlechtsidentität weist hilfreicher weise auch darauf hin, dass das Geschlecht lediglich eine Idee im schlafenden Geist ist, nicht aber eine Wirklichkeit. Auch der Begriff Transgender weist auf eine tiefere Wahrheit hin, nämlich dass es darum geht, über die Idee des Geschlechts hinauszugehen. Das Geschlecht ist eine durch den Körper manifestierte Idee aus dem egoischen Gedankensystem der Trennung. In der Form gibt es nur Unterschiede, Gleichheit in der Form ist unmöglich. Die Befreiung aus der Identifikation mit dem Körper und damit mit dem Geschlecht ist das Ziel des spirituellen Weges. Unsere Wirklichkeit kennt kein Geschlecht, weil unsere Wirklichkeit EINHEIT ist.

Früher nahm man an, die Phantome bewohnten mit Vorliebe Gegenstände, die ihnen zu Lebzeiten gehört hatten. Dieser Glaube erklärt die Wirksamkeit vieler moderner Reliquien. Die Alten verehrten stets die Gebeine ihrer Führer, und die Skelettreste von Heiligen und Helden werden noch immer von vielen mit abergläubischer Ehrfurcht umgeben. Auch heute noch werden Pilgerfahrten zu den Gräbern großer Menschen unternommen.

Als Moses dem alten Sittenkodex das zweite Gebot hinzufügte, geschah es in dem Bemühen, die Fetischverehrung der Hebräer in den Griff zu bekommen. Er verfügte mit Bedacht, dass sie keine Bilder herstellen sollten, die zu Fetischen hätten geweiht werden können. Er machte deutlich: „Du sollst dir kein Götzenbild und keine Darstellung von irgendetwas machen, was im Himmel oben oder auf der Erde hienieden oder im Wasser der Erde ist.“ Das Bilderverbot wurde vielfach von den Christen als für ungültig vernachlässigt. Um die Zehnzahl zu bewahren, unterteilen sie das Verbot des Begehrens in zwei Verbote.

Und schließlich wurden die Worte zu Fetischen, insbesondere diejenigen, die als Gottes Worte betrachtet wurden; auf diese Weise wurden die heiligen Bücher vieler Religionen zu fetischistischen Gefängnissen, die für die geistige Einbildungskraft des Menschen zu Kerkern wurden. Was die angehäuften Fetischschriften betrifft, die die verschiedensten Gläubigen für heilige Bücher halten, so wird nicht nur geglaubt, dass, was im Buch steht, wahr ist, sondern auch, dass das Buch die ganze Wahrheit enthält. Wenn eines dieser heiligen Bücher die Erde zufällig als flach beschreibt, dann werden ansonsten vernünftige Männer und Frauen sich generationenlang weigern, eindeutige Beweise dafür, dass sie rund ist, zu akzeptieren.

Im deutschen Sprachraum ist das Gendern Ausdruck modernen Fetischismus. Der moderne Mensch ist inzwischen so sexualisiert, dass er den Unterschied zwischen genus und sexus gar nicht mehr kennt. Das grammatische Geschlecht (= genus) und das biologische Geschlecht (= sexus) sind etwas völlig anderes, wie sich an Worten wie das Mädchen, die Polizei, der Käse und die Wurst sehr deutlich erkennen lässt. Die Nachsilbe -in bezeichnete ursprünglich gar nicht eine weibliche Person an sich, sondern war besitzanzeigend. Die Frau Apothekerin war ursprünglich nicht eine Frau, die Pharmazie studiert hatte, sondern die Frau des Apothekers. Die Frau des Huber Bauern war die Huberin. Wo es in der deutschen Sprache auf den Unterschied des sexus besonders ankommt, wird von alters her gar nicht die Nachsilbe -in gebraucht, sondern es werden Wörter mit anderem Stamm verwendet: Mann und Frau, nicht Männin; Bruder und Schwester, nicht Bruderin, Sohn und Tochter, nicht Sohnin. Etwa die Hälfte aller Sprachen der Welt kennt gar kein genus. Im Englischen ist dessen Bedeutung stark abgeschwächt. In Ländern deren Sprache gar kein genus kennt, ist es um die Gleichbehandlung allerdings schlechter bestellt als in den deutschsprachigen Ländern - trotz genus. Allein das sollte zu denken geben. Doch inzwischen wird nicht nur die Person Betreffendes gegendert, sondern auch materielle Dinge und so ist von „deiner Körperin“ zu lesen.

Ein demokratischer Abgeordneter sprach das Eröffnungsgebet bei der Eröffnung des 117. Kongresses am Sonntag, dem 03.01.2021 und entschied sich, das Gebet mit einem "amen and awoman" zu beenden. So groß ist die Verwirrung, die das Ego bei diesem Thema schon angerichtet hat und so groß ist die Schuld in unserem Geist, dass nun alles auf Teufel komm raus gegendert wird, das die drei Buchstaben “m”, “e” und “n” enthält. Doch Amen hat nichts mit Männern zu tun, sondern kommt aus dem Hebräischen und kann übersetzt werden mit „sich ausrichten auf Gott“.

Es ist mehr denn je wichtig zu erkennen, dass nicht Worte an sich diese Welt erschaffen, sondern unser Verlangen nach Trennung. Nicht der Versuch unterschiedlich wahrgenommene Menschen gleich zu behandeln ist die Lösung, sondern die Erlösung aus der fragmentierten Wahrnehmung. Auf der weltlichen Ebene ist Gleichheit unmöglich, denn Ungleichheit ist die Basis für alle Urteile der Welt. Was es zu erkennen gilt, ist die Wirklichkeit der Gleichheit auf der Ebene des Geistes.

Jesus verwendet in Ein Kurs in Wundern die alten christlichen Begriffe und gibt ihnen ihre wahre Bedeutung zurück. So sind auch die Begriffe Vater, Sohn und Bruder geschlechtsneutral zu verstehen. Der Kurs ist ein Geistestraining und stellt unser altes Denken völlig auf den Kopf. Die Begriffe Vater, Sohn und Bruder geschlechtsneutral zu denken, ist Teil dieses Geistestrainings. Der Bruder ist der Mitmensch, der Sohn unsere göttliche Wirklichkeit, die den Vater nie verlassen hat. Der Begriff Vater verweist auf den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Der Primitive glaubte, dass Namen, und insbesondere Namen von Göttern, mit Respekt behandelt werden müssten. Der Wilde konnte sich einen neuen Namen verschaffen, indem er ihn vom Stammeshäuptling kaufte; immer noch investieren die Menschen viel in Titel und Grade und viele Menschen die sich mit Spiritualität beschäftigen legen immer noch großen Wert auf einen sogenannten spirituellen Namen.

Wortkombinationen, mit Gesängen und Beschwörungen einhergehende Rituale waren hochmagisch. Einige frühere Beschwörungen entwickelten sich schließlich zu Gebeten. Bald wurde auch imitative Magie geübt; Gebete wurden dargestellt; magische Tänze waren nichts anderes als dramatische Gebete. Allmählich trat das Gebet an die Stelle von Magie, um Opferhandlungen zu begleiten. Auch der moderne Mensch im einundzwanzigsten Jahrhundert glaubt teilweise, er könne durch Tanz („Sweat your Prayers“) oder schamanische Rituale (Schwitzhütte) Gebete ausschwitzen. Jede Handlung ist an sich völlig neutral und ob wir dabei schwitzen oder nicht, ist völlig egal, so dass die alles entscheidende Frage immer lautet: Wozu? Anders formuliert: Worum bete ich?

Die Magie war jener Zweig am Baum der evolutionären Religion, der am Ende die Frucht des wissenschaftlichen Zeitalters trug. Der Glaube an Astrologie führte zur Entwicklung der Astronomie, der Glaube an den Stein der Weisen führte zur Beherrschung der Metalle, während der Glaube an magische Zahlen die Wissenschaft der Mathematik begründete.

Schrittweise entfernt die Wissenschaft das Glücksspiel-Element aus dem Leben. Aber wenn die modernen Erziehungsmethoden scheitern sollten, gäbe es eine fast augenblickliche Rückkehr zum primitiven Glauben an Magie. Solcher Aberglaube verweilt immer noch im Gemüt des modernen Menschen. Auch intelligente Menschen glauben immer noch an Glück, bösen Blick und Astrologie.

Die alte Magie war der Kokon moderner Wissenschaft, zu ihrer Zeit unentbehrlich, aber jetzt nicht mehr von Nutzen. Und so bewegten die aus unwissendem Aberglauben geborenen Phantasmen die primitiven Gemüter der Menschen, bis die Konzepte der Wissenschaft geboren werden konnten. Heute befindet sich die Menschheit in einer zwielichtigen Zone ihrer intellektuellen Entwicklung. Eine Hälfte der Welt strebt begierig nach dem Licht der Wahrheit und den Tatsachen wissenschaftlicher Entdeckung, während die andere Hälfte in den Stricken alten Aberglaubens und kaum verhüllter Magie schmachtet.

Aber selbst in modernen, zivilisierten Gesellschaften ist eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Naturwissenschaften zu beobachten. Wie sich einst die Kirche gegen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften wehrte, wehren sich nun moderne Menschen, die meist auch der Kirche ablehnend gegenüberstehen, gegen die Wissenschaft und kehren zu altem Aberglauben zurück.

In vielen alten Kulturen glaubten die Menschen, dass allen materiellen Dingen ein Geist innewohnt, und sie waren in dieser Hinsicht der Wahrheit sogar näher als ein rein materialistisch gesinnter moderner Mensch heute. Wenn man in einer von reinem Materialismus gefühllos gewordenen Welt lebt, spürt man die Lebendigkeit der Verbindung mit Gott nicht. Die Rückbesinnung auf alte religiöse Vorstellungen wie den Schamanismus ist dann zwar ein Fortschritt, aber aus der Sicht der Evolution der Religion ein Rückschritt um Jahrtausende.

Solange der Mensch Religion hatte und an Gott glaubte, hatte sein Leben einen tieferen Sinn, ganz gleich, wie falsch seine Vorstellungen von Gott waren. Mit der Befreiung vom falschen christlichen Gottesbild haben sich viele Menschen auch - meist völlig unbewusst - von Gott “befreit”. Sie haben buchstäblich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Die Naturwissenschaften sind nicht das Problem, ganz im Gegenteil, die Quantenphysik wird immer spiritueller, sondern die Gottlosigkeit. Eine Welt ohne Vertrauen in GOTT ist bedeutungslos und erzeugt Angst. Wer nur an seine eigene Besonderheit glaubt, fühlt sich bedroht und sieht überall Spiegelungen seiner Angst. Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es. Wer seine Verbindung zu GOTT nicht verloren hat, hat auch keine Angst vor den Wissenschaften, sondern wird ihre Erkenntnisse und technischen Entwicklungen unter SEINER Führung zum Zwecke der Erlösung nutzen. Lehrer GOTTES haben heute mit Hilfe der modernen Kommunikationstechnologien und mit Hilfe der sozialen Medien die Möglichkeit, viele Menschen einfach und schnell zu erreichen.

Sünde, Opfer und Sühne

Allein wenn wir das Wort Sünde von seiner religiösen und kollektiven Aufladung befreien, verweist es sehr wohl auf die Wahrheit. Der griechische Ausdruck ἁμαρτία (hamartía) des Neuen Testaments und das hebräische Wort chata’a oder chat’at (חַטָּאָה/חַטָּ֣את) des Tanach bedeuten Verfehlen eines Ziels und werden in deutschen Bibelübersetzungen mit Sünde wiedergegeben. Im Deutschen wurde „Sünde“ erstmals als christlicher Begriff gebraucht.

Eine volksetymologische Deutung führt es auf das germanische sund zurück, weil Sund eine Trennung zweier Landmassen (durch eine Meerenge) bezeichnet. Das Wort lässt sich auch vom altnordischen Verb sundr herleiten. Es bedeutet „trennen“ oder „aufteilen“. Das ist es, was Sünde ist, es ist das Verlangen nach Trennung. Dieses Verlangen erzeugt den Traum von Trennung, aber dieser Traum ändert nichts an der Wirklichkeit unserer EINHEIT mit GOTT.

Es gibt keine Sünde im moralischen oder religiösen Sinne. Unser Glaube an das Denksystem des Ego ist ein gewaltiger Irrtum, aber keine Sünde im moralischen oder religiösen Sinne. Es ist sehr wichtig, den Irrtum nicht mit Sünde zu verwechseln, und es ist diese Unterscheidung, die die Erlösung möglich macht. Die Sünde - in ihrem egoischen Verständnis - ist die größenwahnsinnige Illusion, die dem gesamten Größenwahn des Ego zugrunde liegt. Die Idee der Sünde ist das »allerheiligste« Konzept im Denksystem des Ego.

Der primitive Mensch sah sich den Geistern gegenüber als Schuldner, als jemand, der wieder gutzumachen hatte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Vorstellung zu der Doktrin von Sünde und Errettung. Man nahm an, dass die Seele schon schuldbeladen zur Welt kam - mit der Erbsünde beladen. Die Seele musste losgekauft werden; ein Sündenbock musste beschafft werden. Zuerst plagten die Menschen nur Sünden, die sie begangen hatten, aber später beunruhigte sie auch die Sünde, gewisse Dinge unterlassen zu haben. Und das ganze spätere Opfersystem wuchs aus diesen beiden Ideen heraus.

Die Beachtung eines Tabus war das Bemühen des Menschen, einem Missgeschick aus dem Wege zu gehen - sich dadurch, dass er etwas zu tun vermied, davor zu bewahren, die Geisterphantome zu beleidigen. Das Tabu ist die Quelle zeremonieller Normen und der Vater primitiver Selbstbeherrschung. Als die Religion in der Entwicklung des Tabus eine bedeutendere Rolle zu spielen begann, wurde ein mit einem Verbot belegter Gegenstand als unrein und später als unheilig betrachtet.

Die zehn Aufforderungen an die Hebräer waren eindeutige Tabus, und sie waren fast alle in derselben negativen Form abgefasst wie die meisten alten Verbote. Aber diese neueren Gesetzessammlungen brachten eine wahre Emanzipation, weil sie an die Stelle von Tausenden von früheren Tabus traten. Und noch mehr als das: Diese späteren Gebote versprachen eindeutig etwas als Gegenleistung für Gehorsam.

Die frühen Nahrungstabus hatten ihre Wurzeln in Fetischismus und Totemismus. Den Phöniziern war das Schwein heilig, den Hindus die Kuh. Das ägyptische Tabu auf Schweinefleisch haben hebräischer und islamischer Glaube fortbestehen lassen. Auch der moderne Mensch hat in den letzten Jahrzehnten begonnen wieder eine Unmenge an Nahrungstabus zu entwickeln.

Als der Verstand des Wilden sich bis zu dem Punkt entwickelt hatte, an dem er die Geister in gute und böse zu scheiden begann, und als das Tabu von der sich entwickelnden Religion feierlich bestätigt worden war, war der Rahmen für das Erscheinen der neuen Vorstellung von Sünde gegeben. Die Sünde-Idee war längst weltweit verbreitet, bevor die offenbarte Religion Einzug hielt. Nur das Sünde-Konzept konnte dem primitiven Verstand eine logische Erklärung für den natürlichen Tod liefern. Sünde war die Übertretung eines Tabus, und der Tod war die Bestrafung für die Sünde.

Sünde war ritueller, nicht rationaler Natur; sie war ein Akt, kein Gedanke. Die gewohnheitsmäßige Verletzung eines Tabus wurde zum Laster; das primitive Gesetz machte das Laster zu einem Verbrechen; die Religion machte es zu einer Sünde.

Die Idee von Beichte und Vergebung trat in der primitiven Religion schon früh auf. Die Menschen pflegten bei einer öffentlichen Versammlung um Vergebung für Sünden zu bitten, die sie in der darauf folgenden Woche zu begehen beabsichtigten.

Entsagung war der nächste Schritt in der religiösen Evolution; Fasten war eine allgemeine Praxis. Bald wurde es Brauch, auf viele Formen physischen Vergnügens, insbesondere sexueller Natur, zu verzichten. Das Fastenritual war in vielen alten Religionen tief verwurzelt, und von da ist es praktisch in alle modernen theologischen Gedankensysteme eingegangen.

Armut war nur ein Teil des Rituals zur Kasteiung des Fleisches, das unglücklicherweise in die Schriften und Lehren vieler Religionen, insbesondere des Christentums, Eingang fand. Buße tun ist die negative Form dieses oft unsinnigen Entsagungsrituals. Aber all dies lehrte den Wilden Selbstbeherrschung, und das war ein lohnender Fortschritt in der gesellschaftlichen Evolution. Selbstverleugnung und Selbstbeherrschung waren zwei der größten gesellschaftlichen Gewinne aus der frühen evolutionären Religion. Selbstbeherrschung brachte dem Menschen eine neue Lebensphilosophie; sie lehrte ihn, einem höheren Wert zu dienen, anstatt immer nur die Anzahl eigennütziger Befriedigungen erhöhen zu wollen.

Es war nur natürlich, dass der Kult der Entsagung und Demütigung sein Augenmerk auf die geschlechtliche Befriedigung lenkte. Der Kult der Enthaltsamkeit entstand als Ritual unter Kriegern, bevor sie sich in den Kampf warfen; in späteren Zeiten wurde er zur Praxis von „Heiligen“. Dieser Kult duldete die Ehe nur als ein Übel, das weniger schlimm war als Hurerei. Manche der großen Weltreligionen sind von diesem alten Kult zu ihrem Nachteil beeinflusst worden, aber keine deutlicher als das Christentum. Der Apostel Paulus, der Jesus nie begegnet ist, war ein Anhänger dieses Kults, und seine persönlichen Ansichten spiegeln sich in den Lehren wider, die er fest mit der christlichen Theologie verknüpfte: „Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren.“ „Ich wünschte, alle Menschen wären wie ich.“ „Zu den Unverheirateten und Witwen sage ich deshalb: Es ist gut für sie, wenn sie so bleiben wie ich.“ Paulus wusste sehr wohl, dass solche Lehren nicht zu Jesu Evangelium gehörten, und sein Wissen darum kommt in seiner Erklärung zum Ausdruck: „Ich sage dies, weil es mir gestattet wurde, und nicht, weil es mir geboten wurde.“ Aber dieser Kult führte Paulus dazu, auf die Frauen herabzuschauen. Und das Bedauerliche an alledem ist, dass seine persönlichen Meinungen lange Zeit die Lehren einer großen Weltreligion beeinflusst haben. Wenn der Ratschlag des Paulus buchstäblich und allgemein befolgt würde, käme die Menschheit zu einem plötzlichen und unrühmlichen Ende.

Eines Tages sollte der Mensch lernen, sich seiner Freiheit ohne Zügellosigkeit zu erfreuen, seiner Speisen ohne Unersättlichkeit und seines Vergnügens ohne Ausschweifung. Selbstbeherrschung ist eine bessere Politik zur Steuerung des menschlichen Verhaltens als extreme Selbstverleugnung. Doch nie hat Jesus seine Anhänger solch unvernünftige Ansichten gelehrt.

Wie viele andere Anbetungsrituale hatte das Opfer als Teil religiöser Glaubensübungen nicht einen einfachen und einzigen Ursprung. Der primitive Mensch beurteilte den Wert seines Opfers nach dem Schmerz, den er dabei ausstand. Als die Opferidee sich zum ersten Mal mit dem religiösen Zeremoniell verband, wurde kein Opfer in Betracht gezogen, das nicht Schmerz bereitete. Die ersten Opfer bestanden in Haarausraufen, Schnittwunden, Verstümmelungen, Einschlagen von Zähnen und Fingerabschneiden. Selbstverletzung bei Jugendlichen ist auch in modernen, zivilisierten Gesellschaften wieder ein Thema. Jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat sich schon mal selbst geritzt, geschlagen oder verbrüht.

In der Evolution der Religion kam der Mensch auf die Idee, sein wie auch immer geartetes Opfer könnte als Überbringer einer Botschaft an die Götter funktionieren; es könnte wie ein süßer Geruch in den Nasenlöchern der Gottheit sein. Das führte zu Weihrauch und anderen ästhetischen Charakteristiken des Opferrituals, das sich nun auf ein Opferfest hinentwickelte und mit der Zeit stets komplizierter und mit immer reicherem Schmuck ausgestattet wurde.

Umringt von so vielen empfindlichen Geistern und habgierigen Göttern, sah sich der primitive Mensch einem solchen Heer von Gläubigergottheiten gegenüber, dass es ein Leben lang all der Priester, Rituale und Opferhandlungen bedurfte, um ihn von geistiger Schuld zu befreien. Die Lehre von der Erbsünde oder Rassenschuld versetzte jeden Einzelnen den geistigen Mächten gegenüber in schwere Schuld.

Obwohl Kannibalismus für die moderne Zivilisation traditionell etwas Entsetzliches ist, war sie ein Teil der gesellschaftlichen und religiösen Struktur der primitiven Gesellschaft. Die Menschenfresserei kam zu einer Zeit auf, als die Menschen die Erfahrung intensiver und erbitterter Gefühle gegenüber ihren Feinden machten. Das Verspeisen von Menschenfleisch wurde Teil einer feierlichen Rachezeremonie; man glaubte, dass das Phantom eines Feindes auf diese Weise zerstört oder mit demjenigen des Essenden vereinigt werden konnte.

Das Menschenopfer war eine indirekte Folge des Kannibalismus und zugleich das Mittel, um von ihm geheilt zu werden. Menschenopfer gab es praktisch überall. Die Idee, das Erstgeborene als Opfer darzubringen, war bei den Alten weit verbreitet. Der auf den feinfühligen Zivilisierten schockierend wirkende Anblick Abrahams, der gezwungen ist, seinen Sohn Isaak zu opfern, hatte für die Menschen jener Tage nichts Neues oder Befremdliches. Es war für Väter lange Zeit eine gängige, gelegentlich mit einer gefühlsmäßigen Zerreißprobe einhergehende Praxis, ihre erstgeborenen Söhne zu opfern.

Moses versuchte, den Menschenopfern ein Ende zu bereiten, indem er als Ersatz den Loskauf einführte. Eine Nebenerscheinung des zu Ende gehenden Kinderopfers war der Brauch, zum Schutz des Erstgeborenen die Türpfosten der Häuser mit Blut zu beschmieren. Später kam die Praxis auf, die erstgeborenen Söhne als Geheiligte oder Geopferte zu weihen; man ließ sie aufwachsen und schickte sie dann ins Exil, anstatt sie zu töten; und das war der Beginn der Kolonisation. Die Römer bedienten sich dieser Sitte in ihrem Kolonisierungsplan.

Viele der seltsamen Verbindungen zwischen sexueller Lockerheit und primitivem Kult entstanden im Zusammenhang mit Menschenopfern. Wenn in alter Zeit eine Frau Kopfjägern begegnete, konnte sie ihr Leben durch sexuelle Preisgabe freikaufen. Später hatte eine den Göttern als Opfer geweihte junge Frau die Möglichkeit, ihr Leben dadurch loszukaufen, dass sie ihren Körper lebenslänglich dem geheiligten sexuellen Tempeldienst verschrieb; auf diese Weise konnte sie ihr Geld für den Loskauf verdienen. Die Alten betrachteten es als höchst erhebend, Geschlechtsverkehr mit einer Frau zu haben, die ihr Leben in dieser Weise freikaufte. Der Verkehr mit diesen heiligen Töchtern war eine religiöse Zeremonie, und zusätzlich bot dieses ganze Ritual einen annehmbaren Vorwand für ganz gewöhnliche sexuelle Befriedigung. Das war eine subtile Art der Selbsttäuschung, der sich sowohl die Töchter als auch ihre Gefährten mit Wonne hingaben. Diese subtile Art der Selbsttäuschung findet sich auch in so manchem modernen Tantra-Workshop, wo ein alter Tantra-Lehrer Sex mit jungen Workshop-Teilnehmerinnen als spirituelle Zeremonie glorifiziert.

Die Menschen kamen schließlich auf die Idee, dass man anstelle des älteren vollständigen Menschenopfers ebenso gut irgendeinen Körperteil opfern konnte. Auch physische Verstümmelung wurde als annehmbarer Ersatz betrachtet. Haare, Nägel, Blut und sogar Finger und Zehen wurden geopfert. Der ältere und so gut wie universelle Ritus der Beschneidung erwuchs aus diesem Kult des partiellen Opfers; er war eine reine Opferhandlung, kein Gedanke an Hygiene war damit verbunden. Die Männer wurden beschnitten, den Frauen wurden die Ohren durchbohrt. Die Kastrierung war am Anfang eine Abwandlung der Idee vom Menschenopfer. Das Durchbohren von Nase und Lippen wird in Afrika immer noch praktiziert, und das Tätowieren ist eine künstlerische Entwicklung der früheren Sitte, den Körper mit rohen Narben zu überziehen. Auch in unserer modernen Zivilisation ist das Durchbohren des Körpers und das Anbringen von Metallteilen sowie von Tätowierungen wieder äußerst beliebt. Hinter der modernen Form der Tätowierungen verbirgt sich aber auch ein ausgeprägter Körperkult - Körperkult als Ersatzreligion. Kirchen werden durch Fitness-Tempel ersetzt.

Aber letzten Endes brach die Idee durch, mit den Göttern einen Bund zu schließen. Der evolutionäre Mensch erwarb schließlich soviel sittliche Würde, dass er es wagte, mit seinen Göttern zu verhandeln. Und so verwandelte sich das Geschäft des Darbringens von Opfern allmählich in das Spiel eines philosophischen Feilschens des Menschen mit Gott. Die primitiven Gebetsformen waren nicht mehr und nicht weniger als ein Feilschen mit den Geistern, eine Auseinandersetzung mit den Göttern. Es war eine Art Tauschgeschäft, bei dem man, anstatt etwas Greifbareres und Kostbareres zu spenden, plädierte und zu überzeugen suchte.

Das frühe Gebet war kaum Anbetung; es war ein feilschendes Gesuch um Gesundheit, Reichtum und Leben. Und in vieler Hinsicht haben sich die Gebete im Laufe der Zeitalter nicht stark verändert. Sie werden immer noch aus Büchern gelesen, förmlich aufgesagt oder abgeschrieben, um an Räder geheftet und an Bäumen aufgehängt zu werden, wo das Blasen des Windes den Menschen der Mühe enthebt, dafür seinen eigenen Atem zu verausgaben.

Im Laufe der Evolution der Rituale ist das menschliche Opfer von der blutigen Angelegenheit der Menschenfresserei zu höheren, symbolischeren Ebenen aufgestiegen. Aus den frühen Opferritualen gingen die späteren sakramentalen Zeremonien hervor. In jüngerer Zeit nahm nur noch der Priester einen Bissen vom kannibalistischen Opfer oder einen Tropfen menschlichen Blutes zu sich, wonach sich alle anderen an einem tierischen Ersatz gütlich taten. In Verbindung mit dem Kult der Mutter Gottes benutzte man in Mexiko und anderswo schließlich ein Sakrament aus Kuchen und Wein anstelle von Fleisch und Blut wie beim älteren Menschenopfer. Die Hebräer befolgten dieses Ritual lange als Teil ihrer Passahzeremonien, und aus diesem Zeremoniell ist die spätere christliche Version des Sakramentes hervorgegangen.

Die alten sozialen Bruderschaften gründeten auf dem Ritus des Bluttrinkens; die frühe jüdische Bruderschaft war eine blutige Opferangelegenheit. Paulus begann, auf dem „Blut des ewigen Bundes“ einen neuen christlichen Kult aufzubauen. Und obwohl er das Christentum vielleicht unnötigerweise mit Lehren über Blut und Opfer belastet hat, so hat er doch den Lehren vom Freikauf durch Menschen- oder Tieropfer ein für alle Male ein Ende gesetzt. Seine theologischen Kompromisse lassen erkennen, dass sogar die Offenbarung sich der stufenweisen Herrschaft der Evolution fügen muss. Paulus zufolge wurde Christus das letzte und allem genügende Menschenopfer; der göttliche Richter ist jetzt völlig und für immer befriedigt.

Und so hat sich nach langen Zeitaltern der Opferkult zum Sakramentenkult entwickelt. Die Sakramente der modernen Religionen sind also die rechtmäßigen Nachfolger jener frühen schockierenden Zeremonien mit Menschenopfern und der noch früheren kannibalistischen Rituale. Viele sind für ihre Errettung immer noch vom Blut abhängig, aber dieses ist wenigstens bildlich, symbolisch und mystisch geworden.

Die Idee des Opfers ist ein zentrales Element des wahnsinnigen Ego-Denksystems. Auch die besondere Beziehung ist Ausdruck dieser Idee. Wir glauben fest daran, dass wir unsere Zeit, unsere Energie, unsere Freiheit und vieles mehr für die Menschen, die wir "lieben", opfern. Ein erleuchteter Geist weiß nichts von Opfern, weil für ihn Geben und Empfangen eins sind.

Jesus lehrt im Kurs Folgendes:

Opfer ist ein Begriff, der GOTT völlig unbekannt ist. Er entspringt allein der Angst, und Menschen, die Angst haben, können bösartig sein. Jede Art des Opferns ist ein Verstoß gegen mein Geheiß, du sollest barmherzig sein, wie auch dein VATER im HIMMEL barmherzig ist. Vielen Christen ist es schwergefallen, zu begreifen, dass das für sie selber gilt. Gute Lehrer versetzen ihre Schüler niemals in Angst und Schrecken. In Angst und Schrecken versetzen heißt angreifen, und das führt zur Zurückweisung dessen, was der Lehrer bietet. Das Ergebnis ist Lernversagen.

Man hat mich richtig als »das Lamm GOTTES, das hinwegnimmt die Sünden der Welt« bezeichnet, aber diejenigen, die das Lamm blutbefleckt darstellen, verstehen die symbolische Bedeutung nicht. Richtig verstanden ist es ein ganz einfaches Symbol, das meine Unschuld ausdrückt. Der Löwe und das Lamm, die beieinander liegen, symbolisieren, dass Stärke und Unschuld nicht miteinander in Konflikt sind, sondern von Natur aus in Frieden miteinander leben. »Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden GOTT schauen« ist eine andere Art, dasselbe zu sagen. Ein lauterer Geist erkennt die Wahrheit, und das ist seine Stärke. Er verwechselt Zerstörung nicht mit Unschuld, weil er Unschuld mit Stärke und nicht mit Schwäche assoziiert.”

Das Bewusstsein von Sünde ist im Verstand der Menschen weiterhin vorhanden, aber die Gedankenmodelle für die Befreiung davon sind überlebt und veraltet. Die Sünde muss neu definiert werden als vorsätzlicher Irrtum, als vorsätzliche Verleugnung der Wahrheit. Die Möglichkeit, in sich Schuldgefühle zu entdecken, ist ein Kennzeichen, das die Menschheit in transzendenter Weise auszeichnet. Sie stempelt den Menschen nicht zu etwas Gemeinem. Sie sondert ihn vielmehr ab als ein Geschöpf von potentieller Größe und ewig aufsteigender Herrlichkeit. Das Gefühl der Nichtswürdigkeit ist der anfängliche Anstoß, der rasch und sicher zu jenen Eroberungen des Glaubens führen sollte, die den Verstand des Sterblichen auf die großartigen Ebenen sittlichen Adels, kosmischer Schau und geistiger Lebensweise versetzen; dadurch verwandeln sich alle zeitlichen Bedeutungen der menschlichen Existenz in ewige, und alle Werte steigen vom Menschlichen zum Göttlichen auf.

Sich zu seinen Sünden - im Sinne von Irrtümern - bekennen ist eine beherzte Distanzierung von Illoyalität gegenüber der Wahrheit, schwächt indessen in keiner Weise die zeitlich-räumlichen Folgen dieser Illoyalität ab. Aber das Eingeständnis der Sünde - die aufrichtige Erkenntnis des Wesens der Sünde - ist unabdingbar für religiöses Wachstum und geistigen Fortschritt. Nur wenn wir wirklich bereit sind, unsere Irrtümer aufzugeben und sie SEINER Berichtigung zu überlassen, kann die Erlösung kommen.

Der Kurs lehrt uns, dass es keine Sünde im althergebrachten Sinne gibt. Es handelt sich lediglich um einen Irrtum in unserem schlafenden Geist. Wenn wir nicht versuchen, vor IHM Gedanken privat zu halten, kann ER sie für uns berichtigen. In einer Kursgruppe geschieht dies auch dadurch, dass die eigenen Irrtümer vor der Gruppe ausgesprochen und nicht privat gehalten werden.

Jesus verweist in Ein Kurs in Wundern sehr klar darauf, dass diese Welt ein Bild der Kreuzigung von GOTTES SOHN ist. Und solange uns nicht klar ist, dass GOTTES SOHN nicht gekreuzigt werden kann, ist das die Welt, die wir sehen werden. Doch wird uns dies erst dann klar werden, wenn wir die ewig gültige Tatsache akzeptiert haben, dass GOTTES SOHN nicht schuldig ist. Er verdient nur Liebe, weil er nur Liebe gegeben hat. Er kann nicht verurteilt werden, weil er niemals verurteilt hat. Die SÜHNE, wie sie der Kurs lehrt, ist die letzte Lektion, die er zu lernen hat, denn sie lehrt ihn, dass er der Erlösung nicht bedarf, weil er nie gesündigt hat. Jesus hat sich nicht geopfert und er hat nicht gelitten! Die einzige Botschaft der Kreuzigung ist die, dass wir das Kreuz dieser Welt überwinden können. Die Kreuzigung ist nichts weiter als ein extremes Beispiel. Die Botschaft der Kreuzigung ist vollkommen klar: "Lehre nur Liebe, weil du nur Liebe bist."

Auch wenn die Kreuzigung Jesu zu seinen Lebzeiten vor 2000 Jahren sogar von den meisten Aposteln missverstanden wurde, so war selbst die missverstandene Kreuzigung eine wichtige Hilfe für die Menschen der damaligen Zeit, um sich von der Idee der schwer auf ihnen lastenden Idee der Erbsünde zu befreien.

Schamanismus - Medizinmänner und Priester

Als das Ritual entsprechend der immer komplexeren Vorstellung des Menschen von den übermateriellen Reichen stets komplizierter wurde, geriet es unweigerlich unter die Herrschaft der Medizinmänner, Schamanen und Priester. Der primitive Mensch gelangte in seinen sich fortentwickelnden Vorstellungen schließlich zu der Überzeugung, dass die Welt der Geister dem gewöhnlichen Sterblichen nicht antworte. Nur ein aus der Menge herausragender Mensch konnte sich bei den Göttern Gehör verschaffen; nur einer außergewöhnlichen Männer- oder Frauengestalt liehen die Geister ihr Ohr. Die Religion tritt jetzt in eine neue Phase ein, in ein Stadium, wo sie schrittweise aus zweiter Hand bezogen wird; denn immer tritt jetzt ein Medizinmann, ein Schamane oder ein Priester zwischen den Glaubenden und den Gegenstand seiner Anbetung.

Auch wenn sie vielleicht in kleineren Dingen zu Täuschungen griffen, so glaubten die Schamanen doch in ihrer großen Mehrheit an die Tatsache ihrer Besessenheit durch Geister. Aber nicht alle Schamanen unterlagen einer Selbsttäuschung; viele waren gerissene und geschickte Schwindler. Die Schamanen entwickelten eine besondere Berufstracht und hatten ein geheimnisvolles Gehabe. Sie gebrauchten oft Drogen, um gewisse physische Zustände herbeizuführen, die die Stammesangehörigen beeindruckten und hinters Licht führten. Taschenspielerkunststücke wurden vom einfachen Volk als übernatürlich empfunden, und Bauchrednerei wurde zuerst von gerissenen Priestern angewandt. Viele der alten Schamanen entdeckten ungewollt den Hypnotismus; andere versetzten sich selber in Hypnose.

Die Medizinmänner setzten großes Vertrauen in Zeichen und Vorzeichen wie: „Wenn du es in den Wipfeln der Maulbeerbäume rascheln hörst, dann beeile dich!“ Sehr früh in der Geschichte der Menschheit wandten die Schamanen ihre Aufmerksamkeit den Sternen zu. Weltweit glaubte man an primitive Astrologie und pflegte sie; auch Traumdeutung breitete sich stark aus. All dem folgte bald das Erscheinen jener leicht erregbaren Schamaninnen, die beteuerten, mit den Geistern der Verstorbenen kommunizieren zu können.

Viele vermeintlich intelligente moderne Menschen glauben immer noch, dass man unter der Herrschaft eines glücklichen oder unglücklichen Sterns geboren werden kann und dass das Nebeneinander der Himmelskörper den Eintritt verschiedener irdischer Ereignisse bestimmt. Immer noch sind die Leichtgläubigen die Schirmherren der Wahrsager.

Auf manche Weise und durch abwegige Methoden bauten die einstigen Schamanen ihren Ruf als Stimmen Gottes und Hüter der Vorsehung auf. Sie besprengten die Neugeborenen mit Wasser, sie verliehen ihnen Namen und beschnitten die männlichen unter ihnen. Sie leiteten alle Begräbniszeremonien und gaben in aller Form die wohlbehaltene Ankunft der Verstorbenen im Lande der Geister bekannt.

Das ganze Leben der alten Menschen war prophylaktisch; ihre Religion war in nicht geringem Maße eine Technik zur Krankheitsverhütung. Und ungeachtet der Irrtümer ihrer Theorien wandten sie diese aus voller Überzeugung an; sie hatten grenzenloses Vertrauen in ihre Behandlungsmethoden, und das ist an sich ein mächtig wirkendes Heilmittel. Der Glaube, den es brauchte, um dank den unsinnigen Handlungen eines dieser alten Schamanen zu genesen, unterschied sich letztlich nicht wesentlich von dem Glauben, der erforderlich ist, um sich von einem seiner Nachfolger späterer Zeiten, der Krankheiten in nichtwissenschaftlicher Weise behandelt, heilen zu lassen.

Das Wesentliche des Rituals ist die Vollkommenheit seiner Ausführung; unter Wilden muss es mit peinlichster Genauigkeit eingehalten werden. Nur wenn das Ritual richtig durchgeführt worden ist, besitzt die Zeremonie zwingende Macht über die Geister. Wenn es fehlerhaft ist, erregt es nur den Ärger und Groll der Götter. Da der sich langsam entwickelnde Verstand des Menschen der Anschauung war, dass die Technik des Rituals der entscheidende Faktor seiner Wirksamkeit sei, war es unvermeidlich, dass die frühen Schamanen sich früher oder später zu einer Priesterschaft entwickelten, die in der Leitung des peinlich genau beobachteten Rituals geschult war. Und so haben während Zehntausenden von Jahren endlose Rituale die Gesellschaft behindert und sich wie ein Fluch auf die Zivilisation gelegt, haben als unerträgliche Bürde auf jedem Lebensakt, jedem Unternehmen der Menschen gelastet.

Die Priester versuchten das einfache Volk immer dadurch zu beeindrucken und mit heiliger Scheu zu erfüllen, dass sie das religiöse Ritual in einer alten Sprache und mit allerlei magischen Kunstgriffen zelebrierten, womit sie die Gläubigen hinters Licht führten und ihren eigenen Ruf der Frömmigkeit und ihre Autorität verstärkten. Die große Gefahr bei alledem ist, dass das Ritual die Tendenz hat, zu einem Ersatz für die Religion zu werden.

Die Evolution des Gebets

Die frühen Menschen erkannten nicht, dass materielle Dinge nicht zum Reich des Gebets gehören. Diese einfachen Gemüter sagten sich, dass Nahrung, Obdach, Regen, Spiele und andere materielle Güter das gesellschaftliche Wohl fördern, und begannen deshalb, für diese physischen Segnungen zu beten. Das war zwar eine Verfälschung des Gebets, aber es ermutigte Anstrengungen zur Verwirklichung dieser materiellen Zielsetzungen durch soziale und ethische Aktionen.

Als die Menschen erkannten, dass das Gebet die Götter nicht zu zwingen vermochte, wurde es mehr zu einem Gesuch, zu einer Bitte um Gunsterweisung. Während der früheren Zeiten der menschlichen Evolution und auch heutzutage in der täglichen Erfahrung der meisten Menschen ist das Gebet hauptsächlich ein Phänomen des Austauschs des Menschen mit seinem eigenen Unterbewussten. Das wahre Gebet ist etwas anderes, es ist eine Verbindung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer. Es gibt keine andere Technik, die jeden Menschen, unabhängig von all seinen anderen irdischen Leistungen, befähigt, sich so wirksam und unmittelbar der Schwelle jenes Reichs zu nähern, wo er mit seinem Schöpfer in Verbindung treten kann, wo das Geschöpf mit der Wirklichkeit des Schöpfers, durch den HEILIGEN GEIST, Kontakt aufnehmen kann.

Die großen religiösen Lehrer und Propheten vergangener Zeitalter waren keine extremen, der Welt abgewandten, Mystiker. Es waren Gott kennende Männer und Frauen, die ihrem Gott dadurch am besten dienten, dass sie sich ihren Brüdern selbstlos widmeten. Jesus führte seine Apostel oft für eine kurze Zeit der Meditation und des Gebets abseits, aber meist hielt er sie in dienendem Kontakt mit der Menge.

Wenn des Gebet allzu ästhetisch wird, wenn es fast ausschließlich aus einer wunderbaren und glückseligen Betrachtung paradiesischer Göttlichkeit besteht, verliert es viel von seiner sozialisierenden Kraft und tendiert zu falschem Mystizismus und zu einer Isolierung derer, die es pflegen. Es liegt eine gewisse Gefahr in allzu häufigem privatem Beten; sie kann durch Beten in der Gruppe, durch gemeinsame Andacht, ausgeglichen und vermieden werden.

Das Gebet kann spontaner Ausdruck von Gottesbewusstsein oder ein sinnloses Hersagen theologischer Formeln sein. Es kann ekstatischer Lobpreis einer Gott kennenden Seele oder sklavischer Gehorsam eines von Furcht gepeinigten Sterblichen sein. Es ist manchmal der ergreifende Ausdruck geistiger Sehnsucht und manchmal das angeberische Ausposaunen frommer Phrasen. Das Gebet kann eine kindische Bitte um das Unmögliche oder das reife Verlangen nach geistigem Wachstum und geistiger Macht sein. Eine Bitte kann das tägliche Brot betreffen oder eine von ganzem Herzen kommende Sehnsucht in sich schließen, Gott zu finden und seinen Willen zu tun. Es kann ein ganz und gar eigensüchtiges Verlangen oder eine wahre und großartige Geste zur Verwirklichung selbstloser Brüderlichkeit sein.

Den modernen Menschen befremdet der Gedanke, mit Gott auf eine rein persönliche Weise Dinge zu besprechen. Viele haben das regelmäßige Gebet aufgegeben; sie beten nur, wenn sie unter außergewöhnlichem Druck stehen - in Notfällen. Der Mensch sollte sich nicht scheuen, mit Gott zu sprechen, aber nur, wer geistig noch sehr unreif ist, würde es wagen, Gott überzeugen zu wollen, oder sich unterfangen, ihn umstimmen zu wollen.

Wahres Beten erreicht tatsächlich die Wirklichkeit. Wahres Beten fördert das geistige Wachstum, ändert die Einstellung und gewährt die Befriedigung, die aus der Verbindung mit der Göttlichkeit fließt. Es ist ein spontaner Ausbruch von Gottesbewusstsein.

Worte sind ohne Bedeutung für das Gebet; sie sind nur der intellektuelle Kanal, in den sich der Strom geistigen Verlangens ergießen kann. Der Wert von Gebetsworten ist rein autosuggestiv bei individueller Andacht und soziosuggestiv bei Gruppenandacht. Gott antwortet auf die Haltung des menschlichen Geistes und nicht auf Worte. Die Sehnsucht des Menschen und sein Verlangen nach der Wahrheit ist das wahre Gebet.

Die Spätere Evolution der Religion

Die Religion ist die starrste, unnachgiebigste aller menschlichen Institutionen, aber sie passt sich jeweils mit Verspätung der sich verändernden Gesellschaft an. Letztenendes ist die evolutionäre Religion ein Spiegel der sich verändernden Sitten, die ihrerseits unter Umständen durch offenbarte Religion beeinflusst worden sind. Langsam, sicher, aber nur sehr ungern schwimmt die Religion (der Kult) im Kielwasser der Weisheit - dem Wissen, das von einer aus Erfahrung schöpfenden Vernunft gelenkt und von göttlicher Offenbarung erleuchtet wird.

Die Religion hat zu irgendeinem vergangenen Zeitpunkt alle möglichen widersprüchlichen und inkonsequenten Verhaltensweisen gebilligt, hat irgendwann einmal praktisch all das gutgeheißen, was jetzt als unmoralisch gilt. Sofern nicht Erfahrung das Gewissen lehrt und Vernunft ihm nicht hilft, ist es nie ein sicherer und unfehlbarer Lenker des menschlichen Verhaltens gewesen und kann es nie sein. Das Gewissen ist keine göttliche Stimme, die zu der menschlichen Seele spricht. Es ist nur die Summe des sittlichen und ethischen Inhalts der Sitten einer laufenden Existenzphase; es stellt nur gerade die vom Menschen erdachte ideale Reaktionsweise unter irgendwelchen gegebenen Umständen dar.

Die menschliche Religion kann nur im Lichte der evolutionären Zivilisation gerechtfertigt werden. Wäre der Mensch nicht das aufsteigende Produkt tierischer Evolution, dann gäbe es für einen derartigen Verlauf religiöser Entwicklung keine Rechtfertigung.

Offenbarung ist evolutionär, aber immer fortschrittlich. Durch alle Zeitalter der Geschichte hindurch werden die Religionsoffenbarungen immer umfassender und erleuchtender. Es ist die Sendung der Offenbarung, die aufeinander folgenden evolutionären Religionen zu sichten und zu zensieren. Damit sie integriert werden kann, hat Offenbarung immer mit der Evolution in Fühlung zu bleiben, und sie tut es auch. Immer muss offenbarte Religion sich durch das menschliche Aufnahmevermögen beschränken lassen.

Die evolutionäre Religion ist gefühlsbetont, nicht logisch. Sie ist die Reaktion des Menschen auf seinen Glauben an eine hypothetische Phantom- und Geisterwelt - der menschliche Glaubensreflex, der durch das Innewerden des Unbekannten und die Furcht vor ihm hervorgerufen wird. Die evolutionäre Religion ist Ausdruck der sich auf Umwegen vortastenden Menschheit auf der Suche nach Wahrheit; die Offenbarungsreligion ist diese Wahrheit selbst.

Die meisten großen religiösen Epochen sind durch das Leben und die Lehren irgendeiner überragenden Persönlichkeit eingeweiht worden; Führerschaft hat die Mehrzahl der nennenswerten sittlichen Bewegungen der Geschichte ausgelöst. Und die Menschen haben immer dazu geneigt, den Führer zu verehren, sogar auf Kosten seiner Lehren, und seine Persönlichkeit zu beweihräuchern, auch wenn sie dabei die Wahrheiten, die er verkündete, aus den Augen verloren. Viele Völker haben sich vorgestellt, dass ihre Führer von Jungfrauen geboren wurden; sie übersäten ihren Lebensweg großzügig mit wunderbaren Episoden, und immer wird ihre Rückkehr von den jeweiligen Gruppen erwartet.

Aber ungeachtet der abergläubischen Ehrfurcht, mit der diese Lehrer oft umgeben wurden, bleibt die Tatsache bestehen, dass sie die zeitlichen persönlichen Stützpunkte für die Hebel der offenbarten Wahrheit waren, um Sittlichkeit, Philosophie und Religion der Menschheit voranzubringen.

Viele Wahrheitsverkünder erhoben sich im sechsten Jahrhundert vor Christus, in diesem Jahrhundert religiösen Erwachens, einem der größten dieser Art, die die Erde je erlebt hat. Unter diesen sollten Gautama, Konfuzius, Laotse, Zarathustra und die jainistischen Lehrer erwähnt werden. Die Lehren Gautamas haben in Asien weite Verbreitung gefunden, und er wird als Buddha von Millionen verehrt. Konfuzius war für die chinesische Sittlichkeit, was Plato für die griechische Philosophie war, und obwohl beide Lehren religiöse Auswirkungen hatten, war genau genommen weder der eine noch der andere ein religiöser Lehrer; Laotse erfasste im Tao mehr von Gott als Konfuzius in der Humanität oder Plato im Idealismus.

Als religiöser Lehrer begann Jesus mit dem Kult, den Johannes der Täufer eingeführt hatte, und er entfernte sich, soweit er nur konnte, von Fasten und Formen. Von Jesus abgesehen waren Paulus von Tarsus (Apostel Paulus) und Philo von Alexandrien die größten Lehrer dieser Ära. Ihre religiösen Vorstellungen haben bei der Entwicklung des Glaubens, der den Namen von Christus trägt, eine beherrschende Rolle gespielt.

Im sechsten Jahrhundert nach Christus gründete Mohammed eine Religion, die vielen religiösen Überzeugungen seiner Zeit überlegen war. Es war ein Protest gegen die sozialen Forderungen, die die fremden Religionen stellten, und gegen die Zusammenhangslosigkeit des religiösen Lebens seines eigenen Volkes.

Das fünfzehnte Jahrhundert nach Christus wurde Zeuge von zwei religiösen Bewegungen: dem Zerbrechen der Einheit des Christentums im Abendland und der Synthese einer neuen Religion im Orient. In Europa hatte das institutionalisierte Christentum einen solchen Grad von Starrheit erreicht, dass sich weiteres Wachstum nicht mehr mit Einheit vereinbaren ließ. Im Orient fassten Nanak (Gründer Guru Nanak Dev) und seine Nachfolger die kombinierten Lehren von Islam, Hinduismus und Buddhismus in der Sikhreligion zusammengefasst, einer der fortgeschrittensten Religionen Asiens.

Die fortgeschrittensten Religionen der alten Zeiten waren Judaismus und Hinduismus, und beide haben jeweils den Lauf der religiösen Entwicklung im Morgen- und Abendland gewaltig beeinflusst. Sowohl Hindus wie Hebräer glaubten, dass ihre eigene Religion inspiriert und offenbart sei, und dachten, dass alle anderen entartete Formen des einzigen wahren Glaubens seien.

Das kollektive Selbstbild der Juden litt furchtbar unter der babylonischen Gefangenschaft. In ihrer Reaktion gegen nationale Unterlegenheit verfielen sie in das andere Extrem nationaler und rassischer Selbstüberhebung, in der sie ihre Überlieferungen verzerrten und verfälschten, um sich als das auserwählte Volk Gottes über alle Völker zu erheben; demzufolge überarbeiteten sie ihre sämtlichen Schriften sorgfältig mit dem Ziel, Abraham und ihre anderen nationalen Führer hoch über alle anderen Personen zu stellen und nahmen davon nicht einmal Melchisedek aus. Deshalb zerstörten die hebräischen Schriftgelehrten alle Berichte die nicht in die neue Lehre passten. Sie verloren die Wahrheit so vollständig aus den Augen, dass nur sehr wenige von ihren Nachkommen fähig oder gewillt waren, Jesus als den zu erkennen, der er war - der Messias wie in die Propheten angekündigt hatten.

Es ist eine beliebte Strategie des Egos, dem unangenehmen Gefühl der Minderwertigkeit durch Selbsterhöhung zu entkommen. Um die neue Idee der eigenen Besonderheit zu stärken, wird die eigene Biografie in diesem Sinne umgedeutet. Der Glaube an die eigene Besonderheit ist die Zurückweisung der Botschaft Jesu.

Die christliche Religion ist die Religion über Leben und Lehren Christi, basierend auf der Theologie des Judaismus, modifiziert durch die Einverleibung gewisser zoroastrischer Lehren und griechischer Philosophie, und in der Hauptsache formuliert durch drei Persönlichkeiten: Philo, Petrus und Paulus. Das Christentum hat seit der Zeit des Paulus viele Evolutionsphasen durchgemacht und ist so durch und durch verwestlicht worden, dass viele nichteuropäische Völker es ganz natürlich als eine seltsame Offenbarung eines seltsamen Gottes für Fremde empfinden.

Der Islam ist das religiös-kulturelle Bindeglied zwischen Nordafrika, der Levante und Südostasien. Es war die jüdische Theologie in Verbindung mit den späteren christlichen Lehren, die den Islam monotheistisch machte. Die Jünger Mohammeds stolperten über die fortgeschrittenen Lehren der Trinität; sie konnten die Doktrin von drei göttlichen Persönlichkeiten und einer einzigen Gottheit nicht begreifen. Es ist immer schwierig, evolutionäre Gemüter dazu zu bringen, fortgeschrittene offenbarte Wahrheit plötzlich anzunehmen. Der Mensch ist ein evolutionäres Geschöpf und muss seine Religion über evolutionäre Techniken erwerben.

Die Religionen können nie hoffen, eine Uniformität der religiösen Überzeugungen, Dogmen und Rituale zu erreichen - diese sind intellektueller Natur; aber sie können und werden eines Tages zu einer Einheit in der wahren Anbetung des Vaters aller gelangen, denn diese ist geistiger Natur, und es ist für immer wahr, dass im Geiste alle Menschen gleich sind.

Der moderne Mensch ist sich in angemessener Weise der Religion bewusst, aber seine Andachtsgewohnheiten sind wirr und durch den beschleunigten gesellschaftlichen Wandel und die nie dagewesenen wissenschaftlichen Entwicklungen in Misskredit geraten. Der moderne Mensch ist vor die Aufgabe gestellt, im Verlauf einer einzigen Generation bei den menschlichen Werten mehr Neuanpassungen vorzunehmen, als in zweitausend Jahren geschehen sind. Und all das beeinflusst die gesellschaftliche Haltung gegenüber der Religion, denn Religion ist ebenso sehr eine Lebensweise als eine Technik des Denkens.

Bhagavad Gita

Die Bhagavad Gita („der Gesang des Erhabenen“) ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus. Sie hat die Form eines spirituellen Gedichts. Der vermutlich zwischen dem 5. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. entstandene Text ist eine Zusammenführung mehrerer verschiedener Denkschulen des damaligen Indien auf Grundlage der älteren Veden (Frühvedische Schriften ca. 1200 v. Chr. bis 900 v. Chr.), der Upanishaden (Spätvedische Schriften ca. 700 v. Chr. bis 500 v. Chr.), des orthodoxen Brahmanismus (ca. 800 v. Chr. bis 500 v. Chr.), des Yoga u. a. m., steht aber den Upanishaden gedanklich am nächsten.

Die Bhagavad Gita wurde schon früh kommentiert. Der älteste bekannte Kommentar stammt vom indischen Philosophen Shankara (788-820). Er schrieb, dass die Bhagavadgita die Quintessenz der Veden sei und dass sie den Menschen in die Befreiung führe. Paramahansa Yogananda, Verfasser der Autobiografie eines Yogi, schrieb einen umfangreichen Kommentar für Yogis und speziell für seinen Kriya-Yoga. Die Bhagavad Gita gehört neben dem Tao de King und der Bibel zu den meist übersetzten Werken der Welt. Ihre Bedeutung geht also weit über Indien hinaus.

Arthur Schopenhauer (1788-1860) sagte über sie: "Wie wird doch der, dem dieses Buch durch fleißiges Lesen geläufig geworden ist, von seinem Geiste im Innersten ergriffen. Es ist die belehrendste und erhabenste Lektüre, die auf der Welt möglich ist; sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein."

In der Bhagavad Gita bildet sich ein spirituelles Lehrgespräch zwischen Krishna, einer irdischen Erscheinungsform von Vishnu, dem Lehrer, und Arjuna, dem Schüler, ab. Krishna repräsentiert die Verbindung mit dem Höchsten in Form eines mit dem Höchsten verbundenen Lehrers. Er symbolisiert die Verbindung zum Höchsten, wir mögen es Gott, das Absolute, Ursprung, Quelle oder Tao nennen. Das Höchste wird uns immer mit offenen Armen empfangen, egal woher wir kommen und woran wir glauben. Deshalb sagt Krishna in der Gita:

“Auf welche Weise auch die Menschen mich suchen - ich nehme sie an.”

Wenn wir dazu überhaupt "irgendwohin gehen" müssen, dann in unser eigenes Inneres, das ist der Weg der Mystik. Das Wort Mystik kommt vom Griechischen und bedeutet: die Augen schließen. In der Meditation geschieht genau das: wir schließen die Augen und ziehen die Sinne zurück, um uns der Weisheit unserer inneren Dimension zu öffnen. Krishna sagt im zweiten Kapitel der Gita:

“Wer seine Sinne von den Objekten der Welt lösen kann, so wie eine Schildkröte ihre Glieder einzieht, dessen Weisheit schwankt nicht.”

Der Dialog zwischen Krishna und Arjuna ist dramaturgisch angesiedelt auf einem Schlachtfeld unmittelbar vor Beginn eines Kampfes. Auf tiefster Ebene freilich zeigt sich, dass das Schlachtfeld Kurukshetra, das Feld der Kurus, eigentlich Dharmakshetra ist, das Feld der Wahrheit. Dieses Feld ist unser eigener Geist. Und die Feinde sind unsere eigenen mentalen Schöpfungen: Wut, Hass, Groll, Neid, Gier, Angst, Sorge, Eifersucht, Stolz, Trägheit und viele andere unangenehme Geisteszustände. Obgleich sie uns oft leiden lassen, halten wir sie fest. Doch es gibt Hoffnung ...

„Der GEDANKE des Friedens wurde GOTTES SOHN in jenem Augenblick gegeben, als sein Geist an Krieg gedacht hat.“
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, ZWEITER TEIL, 2. 2. 1.)

Es geht im Kern um die Frage aller Fragen: Wer bin ich? Die 18 Kapitel der Gita sind die Antwort darauf. Sie lässt sich in letzter Konsequenz auf nur drei Worte verdichten: Tat Tvam Asi - DU bist DAS. In der Sprache des Kurses klingt das in Lektion 229 folgendermaßen: “Die Liebe, die mich schuf, ist, was ich bin.” Oder in Lektion 252: "Der Sohn Gottes ist meine Identität."

Am Beginn der Bhagavad Gita steht die menschliche Krise. Arjuna ist verzweifelt, weil er in einen Krieg ziehen soll, der unsägliches Leid bringen wird. Die Krise war immer schon der Ausgangspunkt allen spirituellen Suchens. Solange wir gesund und munter sind und solange wir Spaß haben, beginnen wir nicht zu suchen. Wozu auch? Erst die Erkenntnis, dass Leid existiert - und sei es auch nur so wenig, dass zum vollkommenen Glück noch irgendetwas fehlt -, öffnet uns für Fragen nach dem Sinn des Seins.

So erging es auch Gautama Siddharta, der Prinz, den man später Buddha, den Erwachten, nennen sollte. Am Beginn seiner Lehre steht die einfache Aussage, dass Leiden existiert.

Das älteste geschlossene philosophische System Indiens ist Sankhya, die Philosophie, die dem praktischen Weg des Yoga zugrunde liegt. Auch die Sankhya-Philosophie beginnt mit der Feststellung, dass Leiden existiert. Die Krise ist der Ausgangspunkt, der die Suche nach Befreiung einleitet - eine Suche, deren Ziel die existentielle Erkenntnis der eigenen Unsterblichkeit und der Verbundenheit mit allem Sein ist. In diesem Sinne wird die Krise zur Gnade.

“Die Anerkennung deiner eigenen Schwäche ist ein notwendiger Schritt in der Berichtigung deiner Irrtümer, aber er reicht kaum aus, um dir das Vertrauen zu geben, dessen du bedarfst und auf das du ein Anrecht hast.”
(EKIW: Lektion 47, 6. 1.)

Es beginnt mit einer Krise, in der wir unsere eigene Schwäche und Hilflosigkeit als Person erkennen. Doch erst wenn wir erkennen, dass unsere wirkliche Stärke in Gott begründet ist und wir auf diese Stärke vertrauen, beginnt der Weg zurück in die Sicherheit des heiligen Augenblicks.

Die Bhagavad Gita beginnt mit Arjunas Verzweiflung über den bevorstehenden Krieg. Doch im wirklichen Sinne stirbt kein Wesen. Solange wir das nicht erkennen, solange wir nicht wissen, wer wir wirklich sind, leben wir in Avidya, in spiritueller Blindheit. Krishna antwortet daher auf Arjunas Verzweiflung mit folgenden Worten:

“Du versuchst zwar wie ein Weiser zu sprechen, doch weinst du um jene, um die du nicht weinen solltest. Wirklich weise Menschen weinen weder um die Toten noch um die Lebenden. Denn nie war eine Zeit, in der ich nicht war, noch du, noch irgendeiner dieser Könige. Und keine Zeit wird je kommen, da wir aufhören zu sein.”

Rishis oder Seher werden die alten Weisen in Indien genannt, denen Gott sich einst offenbarte. Die Weisheit der Bhagavad Gita gründet in den Upanishaden, dem esoterischen Teil der Veden, den man auch Vedanta nennt, was so viel heißt wie: der Schluss der Veden. Darin geht es um die Erkenntnis des Höchsten. Bereits im zweiten Kapitel der Gita weist Krishna Arjuna auf die höchste Wahrheit hin:

“Wenn die Sinne die Objekte der Welt berühren, entstehen Empfindungen wie heiß und kalt, angenehm und unangenehm. Sie sind unbeständig, sie kommen und gehen. Deshalb ertrag sie geduldig, Arjuna.
Die Wahrheit ist: Wer sich von seinen Sinneserfahrungen nicht irritieren lässt, wer in Schmerz und Freude sein Gleichgewicht bewahren kann, der ist bereit für die Unsterblichkeit.
Was unwirklich ist, kann niemals sein, was wirklich ist, kann niemals enden. Diese Wahrheit haben die Seher erkannt.”

In der Einleitung von Ein Kurs in Wundern wird der Kurs folgendermaßen zusammengefasst: "Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Frieden GOTTES."

Machiventa Melchisedek

Die Inkarnation Machiventa Melchisedek erfolgte etwa 2000 Jahre vor Jesu Geburt, und diente dazu die Wahrheit soweit aufrechtzuerhalten „bis zu der Ankunft eines sich selbst hingebenden Sohnes“. Innerhalb weniger Jahre hatte Melchisedek eine Gruppe von Schülern, Jüngern und Gläubigen um sich geschart, die den Kern der späteren Gemeinde von Salem bildeten. Man kannte ihn bald in ganz Palästina als den Priester El Elyons, des Allerhöchsten, und als den Weisen von Salem. Unter den Stämmen der Umgebung wurde er oft Scheich oder König von Salem genannt. Salem war der Ort, aus dem nach dem Verschwinden Melchisedeks die Stadt Jebus wurde und der in der Folge Jerusalem hieß. Melchisedek wird in der Bibel sowohl im Alten als auch im Neuen Testament (Brief an die Hebräer) erwähnt.

Melchisedek lehrte seine Schüler alles, was sie zu empfangen und assimilieren in der Lage waren. Sogar viele moderne religiöse Ideen über Himmel und Erde, Mensch, Gott und die Engel sind nicht weit von diesen Lehren Melchisedeks entfernt. Aber dieser große Lehrer ordnete alles der Doktrin eines einzigen Gottes unter, eines himmlischen Schöpfers, eines göttlichen Vaters. Das Schwergewicht wurde auf diese Lehre gelegt, um die Anbetung der Menschen wachzurufen und den Weg für das spätere Erscheinen Jesu zu bereiten.

Aber sogar ein so kurzes und einfaches Glaubensbekenntnis der Kolonie von Salem war für die Menschen jener Tage eindeutig zu viel und zu fortgeschritten. Sie konnten ganz einfach die Idee, göttliche Gunst umsonst - nur durch den Glauben - zu empfangen, nicht fassen. Zu tief saß ihr Glaube, der Mensch sei in der Schuld der Götter geboren. Zu lange und mit zu großem Ernst hatten sie geopfert und den Priestern Geschenke dargebracht, als dass sie die gute Nachricht hätten begreifen können, Errettung, göttliche Gunst werde all jenen als unentgeltliches Geschenk zuteil, die an den Bund Melchisedeks glauben wollten.

In der Kolonie von Salem waren zwar keine Opfer erlaubt, aber Melchisedek wusste sehr wohl, wie schwierig es ist, tief verwurzelte Sitten plötzlich auszurotten, und so hatte er diesen Menschen als Ersatz für das ältere Opfer aus Fleisch und Blut ein Sakrament aus Brot und Wein gegeben. Es steht geschrieben: „Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus.“ Aber auch diese vorsichtige Neuerung war nicht sehr erfolgreich; die verschiedenen Stämme unterhielten in der nahen Umgebung Salems Hilfszentren, wo sie Opfer darbrachten und Gaben verbrannten. Sogar Abraham wandte diese barbarische Sitte nach seinem Sieg über Kedor-Laomer an; er fühlte sich einfach nicht ganz wohl, solange er kein konventionelles Opfer dargebracht hatte. Und es gelang Melchisedek nie, diese Neigung zu Opfern aus den religiösen Praktiken seiner Anhänger und selbst Abrahams zu entfernen.

Vierundneunzig Jahre lang lehrte Melchisedek in Salem elementare offenbarte Wahrheit, und im Laufe dieser Zeit besuchte Abraham die Schule von Salem zu drei verschiedenen Malen. Er bekannte sich schließlich zu den Lehren Salems und wurde einer der glänzendsten Schüler und eine der hauptsächlichsten Stützen Melchisedeks.

Abraham hatte zu Beginn königliche Ambitionen und militärische Ziele. Als Melchisedek von Abrahams Kriegserklärung gegen seine Nachbarn hörte, machte er sich auf, um ihn davon abzuhalten. Aber er holte seinen ehemaligen Schüler erst ein, als dieser siegreich von der Schlacht zurückkehrte. Abraham pochte darauf, dass der Gott von Salem ihm den Sieg über seine Feinde gegeben habe. Abraham war auf dem besten Weg, in Palästina einen mächtigen Staat zu errichten. Erst im Verlauf einer weiteren Aussprache überzeugte der Priester von Salem Abraham davon, seinen Plan einer materiellen Eroberung und zeitlichen Herrschaft zugunsten des geistigen Konzepts des himmlischen Königreichs fallen zu lassen.

Was die alttestamentlichen Schriften als Gespräche zwischen Abraham und Gott beschreiben, waren in Wirklichkeit Besprechungen zwischen Abraham und Melchisedek. Spätere Schriftgelehrte sahen den Ausdruck Melchisedek als ein Synonym für Gott an. Die Beschreibung so vieler Kontakte Abrahams und Sarahs mit „dem Engel des Herrn“ bezieht sich auf ihre zahlreichen Gespräche mit Melchisedek.

Melchisedek fuhr noch einige Zeit fort, seine Studenten auszubilden und die Missionare Salems zu schulen, die sich danach zu allen Stämmen der Umgebung begaben, insbesondere nach Ägypten, Mesopotamien und Kleinasien. Und während Jahrzehnt um Jahrzehnt verging, entfernten sich diese Lehrer auf ihren Reisen immer weiter von Salem und trugen Machiventas Evangelium des Glaubens und Vertrauens in Gott mit sich hinaus.

Ein Volk, das in Siedlungen an den Ufern des Vansees (heute Türkei) lebte, hörte den Lehrern des Salemkultes willig zu. Von diesem Zentrum aus wurden Lehrer in die entlegensten Gegenden Europas und Asiens entsandt. Missionare aus Salem drangen überall in Europa ein und stießen bis zu den Britischen Inseln vor. Der Ortsname Salem, einer Gemeinde im Süden Deutschlands, in der Nähe des Bodensees, erinnert noch an diese Zeit. Eine Gruppe gelangte über die Färöer bis zu den Andoniten Islands, während eine andere China durchquerte und die Japaner auf den östlichen Inseln erreichte. Leben und Erfahrungen der Männer und Frauen, die von Salem, Mesopotamien und vom Vansee aus zum Abenteuer aufbrachen, um den Stämmen der östlichen Hemisphäre das Licht zu bringen, sind ein heroisches Kapitel in der Geschichte der Menschheit.

Aber die Aufgabe war so groß und die Stämme waren so rückständig, dass die Resultate fraglich und unbestimmt waren. Von einer Generation zur anderen fand das Evangelium da und dort Aufnahme, aber außer in Palästina vermochte die Idee von einem einzigen Gott nie einen ganzen Stamm oder ein ganzes Volk dauerhaft für sich zu gewinnen. Lange vor Jesu Kommen waren die Lehren der Missionare von Salem im Allgemeinen in den älteren und weiter verbreiteten abergläubischen Vorstellungen untergegangen. Das ursprüngliche Evangelium Melchisedeks war fast völlig im Glauben an die Große Mutter und an die Sonne und in anderen alten Kulten aufgegangen.

Eine neue Lehre neigte immer dazu, in der älteren Anhäufung von religiösen Lehren und magischer Praxis aufzugehen. Eine neue Offenbarung wird immer durch die älteren evolutionären Glaubensinhalte infiziert. Das geschieht naturgemäß auch mit Ein Kurs in Wundern. Manche versuchen ihn mit kirchlichen Vorstellungen, mit Seelenkonzepten oder diversen körperlichen Selbstheilungskonzepten in Einklang zu bringen. Manchmal wird auch versucht, moderne Vorstellungen von Selbstverwirklichung mit dem Kurs zu verbinden. Das ist der gröbste Irrtum hinsichtlich der Botschaft des Kurses.

Die Lehren Melchisedeks im Orient

Die Lehren Melchisedeks im vedischen Indien

Die Zurückweisung des Evangeliums Melchisedeks vom Vertrauen in Gott und von der Errettung durch den Glauben stellte für Indien einen entscheidenden Wendepunkt dar. Die Missionare aus Salem hatten viel zum Verschwinden des Glaubens an all die vedischen Götter beigetragen, aber die führenden vedischen Priester weigerten sich, die Lehre von einem einzigen Gott und einem einfachen Glauben anzunehmen.

In dem Bemühen, die Lehrer aus Salem zu bekämpfen, trafen die Brahmanen unter den heiligen Schriften jener Tage eine Auswahl, und diese Zusammenstellung, die später noch überarbeitet wurde, hat sich als Rigveda, als eines der ältesten heiligen Bücher, bis in die heutige Zeit erhalten. Ihm folgten die zweite, dritte und vierte Veda, mit denen die Bramanen versuchten, ihre Anbetungs- und Opferrituale für die Völker jener Tage zwingend zu formalisieren und zu fixieren. Im Besten, was sie enthalten, kommen diese Schriften an Schönheit des Konzepts und an Wahrheit der Erkenntnis jeder anderen Sammlung ähnlichen Charakters gleich. Aber immer mehr wurde diese hoch stehende Religion durch die Tausende und Abertausende von abergläubischen Vorstellungen, Kulten und Ritualen Südindiens infiziert und verwandelte sich allmählich in das buntscheckigste aller jemals von Menschen entwickelten theologischen Systeme. Beim Durchgehen der Veden wird man einige der höchsten und einige der allerniedrigsten jemals konzipierten Gottesvorstellungen entdecken.

Um sich gegen fremde Einflüsse zu wehren, versuchte die Kaste der Brahmanen, sich über alles andere zu erheben. In keinen anderen Völkern maßten die Priester sich an, sich sogar über ihre Götter zu stellen, die ihren Göttern zustehenden Ehren an sich selber weiterzuleiten. Aber sie trieben ihre anmaßenden Ansprüche in so absurder Weise auf die Spitze, dass das ganze zweifelhafte System bei der Begegnung mit den verderblichen Kulten, die von den weniger fortgeschrittenen Zivilisationen der Umgebung hereinströmten, zusammenbrach.

Die ungebührliche Selbstbezogenheit der Brahmanen führte zwangsläufig zu der Furcht vor einem nichtevolutionären Fortdauern des Selbst in einem endlosen Kreis aufeinanderfolgender Inkarnationen als Mensch, Tier oder Unkraut. Und von allen verseuchenden Glaubensvorstellungen, die sich dem anhefteten, was vielleicht ein erwachender Monotheismus war, war keine verdummender als der Glaube an Seelenwanderung - die Lehre von der Reinkarnation der Seelen. Dieser Glaube an den müden und monotonen Kreislauf wiederholter Seelenwanderungen beraubte die Sterblichen ihrer Hoffnung.

Unter Reinkarnation wird üblicherweise das Fortdauern des persönlichen Selbst verstanden. Doch das persönliche Selbst ist nur ein Eindruck der entsteht, wenn sich ein individuelles Bewusstsein mit einer Geschichte, mit der Bewegung eines Körpers durch Raum und Zeit identifiziert. In dem Moment, wo der Körper stirbt und sich das Bewusstsein aus dieser Identifikation löst, ist der Eindruck dieses persönlichen Selbst verschwunden.

Auf die philosophisch entkräftende Lehre von der Reinkarnation der Seelen folgte bald die Erfindung der Doktrin, nach welcher man dem Selbst auf ewig entrinnen kann, indem man in die universale Ruhe und den universalen Frieden der absoluten Einheit mit Brahman, durch völlige Abwendung von der Welt, eintaucht. Irdisches Wünschen und menschlicher Ehrgeiz wurden wirkungsvoll erdrosselt und praktisch zerstört, und so wurden die Türen für den Eintritt jener späteren Kulte und Lehren weit geöffnet, welche viele Hinduvölker praktisch in die Ketten geistiger Hoffnungslosigkeit gelegt haben.

Das im einundzwanzigsten Jahrhundert immer noch Väter oder Brüder ihre Töchter oder Schwestern ermorden, weil diese Sex vor der Ehe hatten und gleichzeitig Massenvergewaltigungen an Frauen nahezu alltäglich sind, zeigt sehr deutlich, dass es noch ein weiter Weg zu wahrer Mitmenschlichkeit ist. Abtreibung weiblicher Babys, Mädchentötung, Ehrenmorde, Mitgiftmorde, Vergewaltigung - das Ausmaß der Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Indien ist enorm.

Der Hinduismus hat überlebt, weil er seinem Wesen nach ein integrierender Bestandteil des grundlegenden gesellschaftlichen Gewebes Indiens ist. Er kennt keine große Hierarchie, die gestört oder vernichtet werden könnte; er ist in das Lebensmuster des Volkes eingewoben. Er besitzt eine Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen, die alle anderen Kulte übertrifft, und er zeigt vielen anderen Religionen gegenüber eine tolerante und aufnahmebereite Haltung; von Gautama Buddha und sogar von Christus wird behauptet, sie seien Inkarnationen Vischnus gewesen.

Das Ringen um Wahrheit in China

Während die Missionare aus Salem durch Asien zogen und die Lehre vom Allerhöchsten Gott und von der Errettung durch den Glauben verbreiteten, nahmen sie auch vieles vom philosophischen und religiösen Denken der verschiedenen Länder an, durch die sie kamen. Aber die von Melchisedek beauftragten Lehrer und ihre Nachfolger verrieten ihren Auftrag nicht; sie gingen tatsächlich zu allen Völkern des eurasischen Kontinents, und um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends gelangten sie nach China.

Eine direkte Folge dieser Lehrtätigkeit war die früheste Form des in China entstehenden Taoismus, einer Religion, die von derjenigen, die heute diesen Namen trägt, sehr verschieden war. Aber die Salemiten hatten sich nicht umsonst abgemüht. Denn auf den Grundlagen ihres Evangeliums bauten die großen chinesischen Philosophen des sechsten Jahrhunderts ihre Lehren auf. Sittliche Atmosphäre und geistige Gefühle der Zeit von Lao-tse und Konfuzius wuchsen aus den in einem früheren Zeitalter gesäten Lehren der Missionare Salems.

Lao-tse stützte sich direkt auf die Konzepte der Überlieferungen Salems, wenn er erklärte, Tao sei die Einzige Erste Ursache der ganzen Schöpfung. Lao war ein Mann mit einer sehr großen geistigen Vision. Er lehrte, dass „des Menschen ewige Bestimmung die nie endende Vereinigung mit Tao, dem Höchsten Gott und Universalen König sei“. Lao-tse verkündete auch als einer der ersten die Lehre, Böses mit Gutem zu vergelten: „Güte erzeugt wiederum Güte, aber im wahrhaft Gütigen erzeugt auch Böses Güte.“

Sein Verständnis vom ewigen Vorhaben Gottes war klar, denn er sagte: „Die Absolute Gottheit kämpft nicht, sondern ist immer siegreich; sie zwingt die Menschheit nicht, sondern hält sich stets bereit, deren wahre Wünsche zu beantworten; Gottes Wille ist ewig geduldig und sein Ausdruck auf ewig unvermeidlich.“ Und damit die Wahrheit ausdrückend, dass es seliger ist zu geben als zu nehmen, sagte er vom wahrhaft religiösen Menschen: „Der gute Mensch versucht nicht, die Wahrheit für sich selber zu behalten, sondern trachtet vielmehr danach, solche Reichtümer seinen Gefährten weiterzugeben, denn das ist die Verwirklichung der Wahrheit. Der Wille des Absoluten Gottes ist immer wohltätig, nie zerstörerisch; der wahre Gläubige nimmt sich stets vor zu handeln, hingegen nie, Zwang auszuüben.“

Laos Lehre von der Widerstandslosigkeit und der Unterschied, den er zwischen Handeln und Zwingen machte, wurden später zum Glauben des „nichts sehen, nichts tun und nichts denken“ pervertiert. Aber Lao lehrte nie einen solchen Irrtum; seine Darlegung der Widerstandslosigkeit war vielmehr ein Faktor in der Weiterentwicklung der Vorliebe der chinesischen Völker für den Frieden.

Aber der volkstümliche Taoismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts hat sehr wenig gemein mit den erhabenen Gefühlen und kosmischen Konzepten des alten Philosophen, der die Wahrheit lehrte, wie er sie wahrnahm, nämlich dass der Glaube an den Absoluten Gott die Quelle jener göttlichen Energie ist, die die Welt neu machen wird und durch welche der Mensch hinaufgelangt zur geistigen Vereinigung mit Tao, der Ewigen Gottheit.

Gautama Siddharta

Zugleich mit Lao-tse und Konfuzius in China trat in Indien ein anderer großer Lehrer auf. Gautama Siddharta wurde im sechsten Jahrhundert vor Christus in der nordindischen Provinz Nepal geboren. Seine Anhänger ließen ihn später als den Sohn eines märchenhaft reichen Herrschers erscheinen, aber in Wirklichkeit war er der gesetzliche Thronfolger eines kleinen Stammesfürsten, der über ein kleines und abgelegenes Bergtal im südlichen Himalaja herrschte. Nach sechs Jahren Yogapraxis formulierte Gautama die Theorien, aus denen sich die Philosophie des Buddhismus entwickelte.

Mitten in die Wirrnis und extremen Kultpraktiken Indiens kamen die gesünderen und gemäßigteren Lehren Gautamas wie ein erleichtertes Aufatmen. Da Gautama nicht an die Existenz individueller menschlicher Seelen glaubte, kämpfte er natürlich tapfer gegen den altehrwürdigen Seelenwanderungsglauben. Er unternahm eine edle Anstrengung, die Menschen von Furcht zu befreien und dafür zu sorgen, dass sie sich im Großen Universum wohl und wie zu Hause fühlten, aber er war nicht in der Lage, ihnen den Pfad zu jenem realen und himmlischen Zuhause der aufsteigenden Sterblichen und zum wachsenden Dienst in einer ewigen Existenz zu weisen.

Wenn es in seiner besten Form verkündet wurde, war Gautamas Evangelium von der universalen Errettung, frei von Opfern, Marter, Ritual und Priestern, für seine Zeit eine revolutionäre und erstaunliche Doktrin. Und es kam einem Wiederaufleben des Evangeliums von Salem erstaunlich nahe. Es brachte Millionen von verzweifelnden Menschen Hilfe, und trotz seiner in späteren Jahrhunderten erfolgten grotesken Entstellung bleibt es immer noch die Hoffnung von Millionen menschlicher Wesen.

Siddharta lehrte viel mehr an Wahrheit als in den modernen Kulten, die seinen Namen tragen, überlebt hat. Der moderne Buddhismus ist nicht mehr die Lehre Gautama Siddhartas, als das Christentum die Lehre Jesu von Nazareth ist. Doch der Buddhismus ist heute eine lebendige, wachsende Religion, weil es ihm gelingt, viele der höchsten sittlichen Werte seiner Anhänger zu bewahren. Er fördert innere Ruhe und Selbstbeherrschung, erhöht Heiterkeit und Glück und trägt viel dazu bei, Schmerz und Trauer vorzubeugen.

Die Lehren Salems in Arabien

Die Lehren Melchisedeks vom einen Gott wurden in der arabischen Wüste erst in relativ junger Zeit heimisch. Wie in Griechenland scheiterten die Missionare Salems auch in Arabien wegen ihres falschen Verständnisses der Anweisungen Melchisedeks. Nicht einmal in China oder Rom scheiterten die Lehren Melchisedeks vollständiger als in dieser so nahe bei Salem gelegenen Wüstengegend. Lange nachdem die Mehrheit der Völker im Morgen- und Abendland Buddhisten beziehungsweise Christen geworden waren, lebte man in der arabischen Wüste wie vor Jahrtausenden weiter. Jeder Stamm verehrte seinen althergebrachten Fetisch, und viele einzelne Familien hatten ihre eigenen Hausgötter.

Es gab zahlreiche Zentren, die auf Jesu Evangelium hätten ansprechen können, aber die christlichen Missionare dieser Wüstenländer waren eine gestrenge und unbeugsame Gruppe, ganz im Gegensatz zu den kompromissfreudigen Neuerern, die als Missionare in den Mittelmeerländern tätig waren. Hätten Jesu Anhänger seine Weisung, „in alle Welt zu gehen und das Evangelium zu predigen“, ernster genommen und wären sie bei dieser Predigt freundlicher und in den damit einhergehenden gesellschaftlichen Ansprüchen eigener Erfindung weniger streng gewesen, dann hätten viele Länder einschließlich Arabiens glücklich das einfache Evangelium des Zimmermannssohnes angenommen.

Trotz der Tatsache, dass es den großen Monotheismen der Levante misslang, in Arabien Fuß zu fassen, war dieses Wüstenland fähig, einen Glauben hervorzubringen, der, obwohl geringere gesellschaftliche Ansprüche stellend, nichtsdestoweniger monotheistisch war.

Es gab im Zusammenhang mit den primitiven und unorganisierten Glaubensvorstellungen der Wüste nur einen einzigen Faktor stammverwandter oder nationaler Natur, und das war der ganz besondere und allgemeine Respekt, den beinahe alle arabischen Stämme gewillt waren, einem bestimmten Fetisch aus schwarzem Stein in einem bestimmten Tempel in Mekka zu bezeugen. Dieser gemeinsame Punkt des Kontaktes und der Verehrung führte in der Folge zur Errichtung der islamischen Religion.

Die Verehrung des Schwarzen Steins geht auf den altarabischen Steinkult zurück. Im Zuge der Islamisierung dieses Rituals wurde dem Stein eine übernatürliche Herkunft zugeschrieben. Einige Prophetengefährten standen seiner Verehrung dagegen kritisch gegenüber, weil sie darin ein Relikt des altarabischen Heidentums sahen. Während der Belagerung von Mekka im Oktober 683 wurde der Schwarze Stein von einem Katapultgeschoss getroffen und zerbrach in drei Stücke. In späterer Zeit wurde er noch mehrmals beschädigt und wird seither von einer Silbereinfassung zusammengehalten.

Die Stärke des Islams ist seine scharf gezeichnete und klar definierte Darstellung Allahs als der einen und einzigen Gottheit gewesen, seine Schwäche, militärische Gewalt mit seiner Verkündigung zu verbinden, und seine Herabwürdigung der Frau. Aber er hat standhaft an seiner Darstellung der Einen Universalen Gottheit aller festgehalten, des Gottes, „der das Unsichtbare und das Sichtbare kennt. Er ist der Erbarmende und der Mitleidvolle.“ „Gott ist wahrhaft voller Güte zu allen Menschen.“ „Und wenn ich krank bin, ist er es, der mich heilt.“ „Denn wann immer drei miteinander reden, ist Gott als vierter gegenwärtig“, denn ist er nicht „der Erste und der Letzte und auch der Sichtbare und der Verborgene?“

Moses und die Zeit danach

Die Entwicklung der hebräischen Konzepte und Ideale von einem Höchsten Schöpfer beginnt mit dem Auszug der Semiten aus Ägypten unter dem großen Führer, Lehrer und Organisator Moses. Seine Mutter gehörte der königlichen Familie Ägyptens an; sein Vater war ein semitischer Verbindungsoffizier zwischen der Regierung und den gefangenen Beduinen.

Den Verlockungen der Kultur des Königreichs am Nil zum Trotz entschloss sich Moses, sein Los mit dem Volk seines Vaters zu teilen. Zu der Zeit, als dieser große Organisator seine Pläne für die schließliche Befreiung des Volkes seines Vaters schmiedete, besaßen die gefangenen Beduinen kaum eine dieses Namens würdige Religion; sie waren praktisch ohne wahre Gottesvorstellung und ohne Hoffnung in der Welt. Kein Führer hat es je unternommen, eine verlorenere, niedergeschlagenere, hoffnungslosere und unwissendere Schar menschlicher Wesen zu reformieren und aufzurichten.

Auch wenn Moses Versuch den Auszug aus Ägypten auf diplomatische Wege zu erreichen letztendlich scheiterte, ließ Moses sich nicht entmutigen. Er wartete den richtigen Augenblick ab, und nach weniger als einem Jahr, als die militärischen Kräfte Ägyptens voll damit beschäftigt waren, gleichzeitig dem Ansturm von aus dem Süden vorstoßenden Lybiern und einer griechischen Schiffsinvasion aus dem Norden zu widerstehen, führte dieser unerschrockene Organisator seine Landsleute in einer spektakulären nächtlichen Flucht aus Ägypten. Dieser kühne Sprung in die Freiheit wurde sorgfältig geplant und gewandt ausgeführt. Und sie waren erfolgreich, obwohl ihnen der Pharao und eine kleine Abteilung von Ägyptern dicht auf den Fersen folgten, dabei aber von den sich verteidigenden Flüchtlingen sämtlich vernichtet wurden und eine große Beute zurückließen, die noch vermehrt wurde durch die Plünderungen der vorrückenden Scharen befreiter Sklaven auf ihrem Weg nach ihrer angestammten Heimat in der Wüste.

Moses hatte von den Lehren Machiventa Melchisedeks sowohl durch seinen Vater wie durch seine Mutter erfahren, denn der beiden gemeinsame religiöse Glaube war die Erklärung für diese ungewöhnliche Verbindung zwischen einer Frau königlichen Blutes und einem eines gefangenen Volkes angehörenden Mann.

Moses wurde also als ein El Schaddaist aufgezogen; unter dem Einfluss seines Schwiegervaters wurde er El Elyonist; und bis zu der Zeit, als die Hebräer nach ihrer Flucht aus Ägypten am Berg Sinai lagerten, hatte er sich ein neues und erweitertes, aus all seinen vorhergehenden Glaubensvorstellungen bezogenes, Gottheitskonzept ausgedacht, das er sich weise entschloss, seinem Volk als erweitertes Konzept seines alten Stammesgottes Jahve zu verkünden.

Moses hatte versucht, diese Beduinen die Idee El Elyons zu lehren, aber noch vor dem Auszug aus Ägypten war er zu der Überzeugung gelangt, dass sie diese Vorstellung nie recht verstehen würden. Deshalb entschied er sich vorsätzlich für die Kompromisslösung, ihren Stammesgott der Wüste zu übernehmen und ihn zu dem einen und einzigen Gott seiner Gefolgsleute zu machen. Moses lehrte nicht ausdrücklich, dass andere Völker und Nationen nicht auch andere Götter haben könnten, aber er hielt, insbesondere gegenüber den Juden, entschieden daran fest, dass Jahve über allen anderen stehe. Aber immer litt er unter der misslichen Lage, dass er versuchen musste, diesen unwissenden Sklaven seine neue und höhere Gottheitsidee unter der Maske der alten Bezeichnung Jahve darzubieten, der immer im goldenen Kalb der Beduinenstämme symbolisiert worden war.

Die Tatsache, dass Jahve der Gott der fliehenden Hebräer war, erklärt, weshalb sie so lange vor dem heiligen Berg des Sinai verweilten und weshalb sie dort die zehn Gebote erhielten, die Moses im Namen Jahves, des Gottes des Horeb, verkündete. Während dieses langen Aufenthaltes vor dem Sinai wurde das religiöse Zeremoniell des sich neu entwickelnden hebräischen Kultes weiter vervollkommnet.

Es scheint nicht, dass es Moses jemals gelungen wäre, seine ziemlich fortschrittliche zeremonielle Gottesverehrung einzuführen und seine Gefolgsleute während eines Vierteljahrhunderts zusammenzuhalten, wenn es nicht zu einem heftigen Ausbruch des Horebs in der dritten Woche ihres andächtigen Aufenthaltes an seinem Fuße gekommen wäre. „Der Berg Jahves verzehrte sich in Feuer und der Rauch stieg auf wie Rauch aus einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte gewaltig.“ Angesichts dieser Naturkatastrophe ist es nicht verwunderlich, dass Moses seinen Brüdern die Lehre einhämmern konnte, ihr Gott sei „mächtig, schrecklich, ein verzehrendes Feuer, furchterregend und allmächtig“.

Moses verkündete, dass Jahve der Herr Gott Israels sei, der die Hebräer als sein auserwähltes Volk ausgesucht habe; er war dabei, eine neue Nation aufzubauen, und er gab seinen religiösen Lehren wohlweislich einen nationalistischen Anstrich, wobei er seinen Anhängern sagte, dass Jahve ein harter Arbeitgeber, ein „eifersüchtiger Gott“, sei. Aber nichtdestoweniger versuchte er, ihre Vorstellung von Göttlichkeit zu erweitern, wenn er sie lehrte, dass Jahve der „Gott der Geiste alles Fleisches“ sei, und wenn er sagte: „Der ewige Gott ist eure Zuflucht, und unter euch sind seine ewigen Arme.“ Moses lehrte, dass Jahve ein Gott sei, der Verträge einhalte; dass er „euch nicht verlassen, noch euch vernichten oder den Bund eurer Väter vergessen wird, denn der Herr liebt euch und wird den Eid nicht vergessen, den er euren Vätern geschworen hat“.

Moses unternahm eine heroische Anstrengung, Jahve zu der Würde einer höchsten Gottheit zu erheben, wenn er ihn darstellte als den „Gott der Wahrheit und ohne Falsch, gerecht und gerade in all seinem Tun“. Und doch machte es trotz dieser erhabenen Lehre das begrenzte Verständnis seiner Anhänger nötig, von Gott als von einem Wesen nach dem Bilde des Menschen zu sprechen, das Anfällen von Unmut, Zorn und Strenge unterworfen war, das sogar rachsüchtig und durch menschliches Verhalten leicht beeinflussbar war.

Durch Mose Lehrtätigkeit wurde aus Jahve, diesem Naturgott eines Stammes, der Herr Gott Israels, der ihnen durch die Wüste und schließlich sogar ins Exil folgte, wo man sich ihn sehr bald als den Gott aller Völker dachte. Die spätere Gefangenschaft, die die Juden in Babylon versklavte, befreite endlich das sich entwickelnde Konzept Jahves, der nun die monotheistische Rolle des Gottes aller Nationen übernahm.

Der ganz einmalige und erstaunliche Aspekt der religiösen Geschichte der Hebräer ist diese ununterbrochene Entwicklung des Gottheitskonzeptes vom primitiven Gott des Bergs Horeb über die Lehren ihrer aufeinander folgenden geistigen Führer bis zu der hohen Entwicklungsstufe, die in den Gottheitsvorstellungen der beiden Jesajas zum Ausdruck kommt, die das wundervolle Konzept des liebenden und erbarmenden Schöpfer-Vaters verkündeten.

Moses war eine außergewöhnliche Kombination aus militärischem Führer, sozialem Organisator und religiösem Lehrer. Er war der wichtigste einzelne Lehrer und Führer der Welt zwischen Machiventa und Jesus. Moses versuchte, in Israel viele Reformen einzuführen, von denen es keine Kunde mehr gibt. Im Laufe eines einzigen Menschenlebens führte er die vielsprachige Horde der so genannten Hebräer hinaus aus Sklaverei und unzivilisiertem Herumziehen und legte den Grund zu der späteren Geburt einer Nation und zum Fortdauern eines Volkes.

Von Mose großem Werk ist deshalb so wenig überliefert, weil die Hebräer zur Zeit des Exodus keine geschriebene Sprache besaßen. Der Bericht über die Zeit Mose und seine Taten wurde den Überlieferungen entnommen, die mehr als tausend Jahre nach dem Tod des großen Führers noch vorhanden waren.

Moses glaubte an die Vorsehung; er war vollkommen durchdrungen von den ägyptischen Lehren betreffend die übernatürliche Lenkung des Nils und der anderen Naturkräfte. Er hatte eine großartige Sicht Gottes, aber er war vollkommen aufrichtig, wenn er die Hebräer lehrte, dass wenn sie Gott gehorchten, „Er euch lieben, segnen und vermehren wird. Er wird vermehren die Frucht eures Schoßes und die Frucht eures Landes - Korn, Wein, Öl und eure Herden. Ihr sollt über alle anderen Völker gesegnet sein, und der Herr euer Gott wird alle Krankheit von euch nehmen und keine der schlimmen Leiden Ägyptens über euch bringen.“ Er sagte sogar: „Denkt an den Herrn euren Gott, denn er ist es, der die Macht gibt, Reichtum zu gewinnen.“ „Ihr sollt vielen Nationen leihen, aber ihr sollt nicht borgen. Ihr werdet über viele Nationen regieren, aber sie sollen nicht über euch regieren.“ Die Vorstellung von den Juden als Geldverleiher und damit als das Volk, das die Welt durch Geld beherrscht, ist religiösen Ursprungs und ist über 2500 Jahre alt.

Moses hatte Bedenken, Jahves Barmherzigkeit zu verkünden. Er zog es vor, sein Volk mit heiliger Furcht vor der Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen, und er sagte: „Der Herr euer Gott ist der Gott der Götter und der Herr der Herrn, ein gewaltiger Gott, ein mächtiger und schrecklicher Gott, der des Menschen nicht achtet.“ Und wiederum versuchte er, die turbulenten Klane unter Kontrolle zu behalten, wenn er erklärte: „Euer Gott tötet, wenn ihr ihm nicht gehorcht; er heilt und schenkt Leben, wenn ihr ihm gehorcht.“ Aber Moses lehrte diese Stämme, dass sie das auserwählte Volk Gottes nur unter der Bedingung werden würden, „dass sie all seine Gebote hielten und all seinen Gesetzen gehorchten“.

Obwohl Moses die Kinder Israels flüchtige Blicke auf eine universale und wohltätige Gottheit werfen ließ, war ihr alltägliches Jahvebild im Ganzen dasjenige eines Gottes, der nur wenig besser als die Stammesgötter der umliegenden Völker war. Ihr Gotteskonzept war primitiv, roh und anthropomorph; als Moses verschied, kehrten diese Beduinenstämme rasch zu den halbbarbarischen Ideen von ihren alten Göttern des Horeb und der Wüste zurück. Die erweiterte und erhabene Gottesvision, die Moses seinen Führern dann und wann vorlegte, wurde rasch aus den Augen verloren, während sich das Volk überwiegend wieder der Anbetung seiner goldenen Fetischkälber, dem Stierkult, dem Jahvesymbol der palästinensischen Hirten, zuwandte.

Bild Bild Der Stierkult ist in vielen alten Kulturen der Welt zu finden, aber es ist bemerkenswert, dass auch der moderne Mensch zum Stierkult zurückgekehrt ist. Im Bowling Green Park im Financial District in Manhattan, New York City, steht der Charging Bull, auch bekannt als der Wall Street Bull. Er ist das Symbol für aggressiven finanziellen Erfolg. Ein gigantischer Bulle aus Stahl mit goldenen Hörnern steht in der Mitte des Red-Bull-Rings in Spielberg, Österreich, und dient als unverwechselbares Wahrzeichen der Marke Red Bull. Milliarden von Getränkedosen transportieren das Symbol und die Botschaft des aggressiven roten Bullen über den ganzen Planeten. Der Götze des modernen Menschen ist der Erfolg im wirtschaftlichen und sportlichen Wettbewerb, der mit Geld belohnt wird.

Bild Bild Der Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel brachte diese Haltung des modernen Menschen eindrucksvoll zum Ausdruck, als er sich beim Großen Preis von Indien 2013, nach seinem vierten und letzten Gewinn des Weltmeistertitels, in Form einer religiösen Niederwerfung vor seinem roten Bullen verneigte. Auch wenn es in erster Linie ein Ausdruck seines Dankes an sein Team war, so war es gleichzeitig eine beeindruckende Symbolik für das intensive Streben des modernen Menschen nach individuellem, weltlichem Erfolg - dem Götzen des modernen Menschen.

Das Streben nach geistiger Befreiung und die Orientierung an höheren Werten spielt für die meisten modernen Menschen keine Rolle mehr. Selbst die Beschäftigung mit Spiritualität ist vielfach zu einem persönlichen Egotrip verkommen; statt einer wirtschaftlichen oder sportlichen Karriere wird nun eine "spirituelle" Karriere angestrebt. Der klassische Lebenslauf wird durch den "spirituellen" Lebenslauf ersetzt, in dem alles aufgelistet wird, was irgendwie nach Spiritualität klingt. Die selbsternannten spirituellen Lehrer verweisen gerne darauf, wie lange sie sich schon auf einem bestimmten spirituellen Weg befinden. Das ist besonders widersinnig, da es beim spirituellen Weg darum geht, ans Ziel zu kommen, und nicht darum, möglichst lange unterwegs zu sein. Gerade der Kurs ist ein Wegweiser, der hilft, den Weg aus der Illusion der Trennung, mit Hilfe der heiligen Beziehung, zu verkürzen. Eine jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Kurs, ohne im glücklichen Traum - im Jetzt . anzukommen, ist Ausdruck unseres Widerstands gegen die Wahrheit, aber nichts, was uns zur Ehre gereicht.

Die Hebräer waren damals nahe daran, jede Idee von Monotheismus zu verlieren; sie begaben sich beinah ihrer Chance, das Volk zu werden, das in der geistigen Evolution der Erde als unentbehrliches Bindeglied dienen sollte, die Gruppe, die Melchisedeks Lehre vom einen Gott bis in die Tage der Inkarnation eines sich selbst hingebenden Sohnes des Vaters aller bewahren sollte. Sie wurden götzendienerisch und ausschweifend, und ihre Gottheitsidee fiel tief unter die ägyptischen und mesopotamischen Gotteskonzepte hinab, die von bestimmten überlebenden Gruppen Salems aufrechterhalten wurden und in einigen Psalmen und im so genannten Buch Hiob festgehalten sind.

Die Psalmen sind das Werk von etwa zwanzig oder mehr Verfassern; ägyptische und mesopotamische Lehrer haben viele von ihnen geschrieben. In jenen Zeiten, als man in der Levante die Naturgötter verehrte, gab es immer noch eine stattliche Anzahl von Menschen, die an die alles überragende Stellung El Elyons, des Allerhöchsten, glaubten.

Keine Sammlung religiöser Schriften drückt solch einen Reichtum an Hingabe und inspirierenden Ideen über Gott aus wie das Buch der Psalmen. Und es wäre sehr hilfreich, wenn man sich beim sorgfältigen Durchlesen dieser wundervollen Sammlung andächtiger Literatur die Quelle und die zeitliche Stellung jeder einzelnen Hymne des Lobes und der Anbetung eingedenk dessen vergegenwärtigen könnte, dass keine andere einzelne Sammlung sich über einen derart langen Zeitraum erstreckt. Das Buch der Psalmen ist die Niederschrift der verschiedenen Vorstellungen, die sich die überall in der Levante an die Religion Salems Glaubenden von Gott machten, und es umfasst den ganzen Zeitraum von Amenemope bis Jesaja. In den Psalmen wird Gott in allen Auffassungsphasen dargestellt, von der kruden Idee einer Stammesgottheit bis zu dem gewaltig erweiterten Ideal der späteren Hebräer, worin Jahve als ein liebender Herrscher und erbarmungsvoller Vater geschildert wird.

Und wenn man sie unter diesem Blickwinkel betrachtet, bildet diese Psalmensammlung die wertvollste und hilfreichste Auswahl hingebungsvoller Gefühle, die von Menschen bis hinab ins zwanzigste Jahrhundert je zusammengetragen wurde.

Das im Buch Hiob gezeigte vielgesichtige Bild der Gottheit war die Frucht einer sich über fast dreihundert Jahre erstreckenden Arbeit von mehr als zwanzig religiösen Lehrern Mesopotamiens.

Gottes Weisheit und alles durchdringende Gegenwart wurden in Palästina oft erfasst, aber nur selten seine Liebe und Barmherzigkeit.

Heilige und weltliche Geschichte der Hebräer

Die Gewohnheit, die Berichte über die Erfahrungen der Hebräer als heilige Geschichte und die Geschehnisse der restlichen Welt als profane Geschichte zu betrachten, ist für einen guten Teil der Verwirrung verantwortlich, die im menschlichen Gemüt hinsichtlich der Interpretation der Geschichte herrscht. Und diese Schwierigkeit entsteht, weil es keine weltliche Geschichte der Juden gibt. Nachdem die Priester im babylonischen Exil ihre neue Version vom angeblich mirakulösen Umgang Gottes mit den Hebräern fertig gestellt hatten - die heilige Geschichte Israels, wie sie im Alten Testament dargestellt wird - zerstörten sie die existierenden Berichte über die hebräischen Angelegenheiten sorgfältig und vollständig - Bücher wie „Die Taten der Könige Israels“ und „Die Taten der Könige Judas“ nebst mehreren anderen mehr oder weniger genauen Beschreibungen der hebräischen Geschichte.

Um zu verstehen, wie es kam, dass der von der weltlichen Geschichte ausgehende zerstörerische Druck und unentrinnbare Zwang die gefangenen und von Fremden regierten Juden derart terrorisieren konnten, dass sie eine vollständige Neuschreibung und Neufassung ihrer Geschichte versuchten, sollten wir rasch durch die Stationen ihrer erstaunlichen nationalen Erfahrung gehen. Es muss daran erinnert werden, dass es den Juden nicht gelang, eine angemessene nichttheologische Lebensphilosophie zu entwickeln. Sie schlugen sich mit ihrem ursprünglichen ägyptischen Konzept göttlicher Belohnungen für Rechtschaffenheit, verbunden mit grässlichen Strafen für Sünde, herum. Hiobs Drama war so etwas wie ein Protest gegen diese irrige Philosophie. Der unverhohlene Pessimismus des Predigers Salomo war damals eine nützliche weltliche Reaktion auf diesen übertrieben optimistischen Glauben an die Vorsehung.

Kohelet, der Prediger Salomos, erkannte die Bedeutungslosigkeit der Welt des Egos, aber er kannte keinen Weg zur Erlösung, weil er die Botschaft Jesus nicht kannte. Kohelet verstand, dass alles "Windhauch" ist, also bedeutungslos, weil vergänglich, aber als praktische Konsequenz empfiehlt er am Ende seiner Botschaft, sich eben diesem Windhauch zuzuwenden: ”Also: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel. Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt!” Damals eine verständliche Reaktion, aber an sich eine metaphysische Bankrotterklärung. Es ist die Stimme des Egos, die uns dazu einlädt, die Illusion der Trennung von GOTT erträglich zu gestalten, um sie aufrechtzuerhalten. Es ist der Versuch, aus Windhauch das Beste zu machen. Die Zeit hat an dieser zentralen Strategie des Egos nichts geändert - wir lassen uns immer noch dazu verführen.

Das Ego flüstert uns zu:
“Das Ende des Lebens kommt unweigerlich, auf welche Weise jenes Leben immer zugebracht wird. Vergnüge dich denn mit dem Schnellvergänglichen und Flüchtigen.”
(EKIW: Kapitel 27, I. 7. 7.&8.)

“Dies sind keine Sünden, sondern Zeugnisse für den merkwürdigen Glauben, dass Sünde und Tod wirklich sind und Unschuld und Sünde auf die gleiche Weise mit dem Grabe enden werden. Wenn das wahr wäre, gäbe es einen Grund, sich damit zu begnügen, nach flüchtigen Freuden zu suchen und kleine Vergnügungen zu schätzen, wo immer man kann. Der Körper aber wird in diesem Bild nicht als neutral und ohne Ziel begriffen, das ihm selber innewohnt. Denn er wird zum Symbol des Vorwurfs, zum Zeichen der Schuld, deren Folgen nach wie vor zu sehen sind, so dass die Ursache nie geleugnet werden kann.”
(EKIW: Kapitel 27, I. 8.)

Fünfhundert Jahre fremder Oberherrschaft waren selbst für die geduldigen und langmütigen Juden zu viel. Die Propheten und Priester begannen auszurufen: „Wie lange, oh Herr, wie lange noch?“ Wenn ein ehrlicher Jude die Schriften durchforschte, wurde seine Verwirrung nur noch schlimmer. Ein alter Seher hatte versprochen, dass Gott sein „auserwähltes Volk“ beschützen und befreien werde. Amos hatte gedroht, dass Gott Israel verlassen werde, wenn es nicht zu seinen Kriterien nationaler Rechtschaffenheit zurückkehre. Der Verfasser des Deuteronomiums hatte das Bild der Großen Wahl entworfen - zwischen Gut und Böse, zwischen Segen und Fluch. Der erste Jesaja hatte einen wohltätigen Befreier-König gepredigt. Jeremia hatte eine Ära innerer Rechtschaffenheit verkündet - den auf die Tafeln des Herzens geschriebenen Bund. Der zweite Jesaja sprach vom Heil durch Opfer und Erlösung. Hesekiel verkündete Befreiung durch hingebungsvollen Dienst, und Esra versprach Wohlstand durch Gesetzestreue. Aber trotz alledem schmachteten sie weiter in Sklaverei, und die Befreiung schob sich hinaus. Da entrollte Daniel sein Drama von der unmittelbar bevorstehenden „Krise“ - die Zerschmetterung der großen Statue und unverzügliche Errichtung der ewigen Herrschaft der Rechtschaffenheit, des messianischen Königreichs.

Und all diese falschen Hoffnungen führten zu einem derartigen Grad völkischer Enttäuschung und Frustration, dass die Führer der Juden in ihrer großen Verwirrung die Sendung und das Wirken eines göttlichen Sohnes verkannten und zurückwiesen, als dieser in Menschengestalt auf sie zukam.

Alle modernen Religionen haben beim Versuch, gewisse Epochen der menschlichen Geschichte auf mirakulöse Weise zu deuten, grobe Fehler begangen. Die Verfasser des Neuen Testamentes und spätere christliche Schriftsteller haben die Verdrehung der hebräischen Geschichte durch ihre gut gemeinten Versuche, die jüdischen Propheten ins Transzendente zu deuten, nur noch kompliziert. So ist die hebräische Geschichte sowohl durch jüdische wie christliche Autoren auf verheerende Weise ausgebeutet worden. Die weltliche hebräische Geschichte ist vollständig dogmatisiert worden. Sie ist in eine Fiktion heiliger Geschichte übergeführt und unentwirrbar mit den sittlichen Konzepten und religiösen Lehren der so genannten christlichen Nationen verknüpft worden.

Obwohl die hebräische Theologie sich einer Erweiterung verwehrte, spielte sie eine wichtige Rolle in der Entwicklung zweier anderer Weltreligionen - nicht nur des Christentums, sondern auch des Islams. Von den sogenannten Weltreligionen haben das Judentum und der Islam die meisten Gemeinsamkeiten. Beide Religionen sind monotheistisch und glauben an einen strafenden Gott, beide gehen auf den Stammvater Abraham zurück, die Grundlage ihres Glaubens ist eine heilige Schrift, der Koran im Islam und die Thora (Tanach) im Judentum, beide Schriften beziehen sich auf die Zehn Gebote des Moses, auch wenn sie im Koran in etwas abgewandelter Form erscheinen, beide erkennen Jesus als Propheten oder zumindest teilweise als Rabbi an, beide Religionen haben strenge Speise-, Bekleidungs- und Reinheitsvorschriften, in beiden Religionen haben Frauen keine religiöse Deutungshoheit, und beide Religionen verwenden den gleichen Gruß, Salam im Islam und Schalom im Judentum, was jeweils Frieden und Heil bedeutet. Und gerade die Vertreter dieser beiden Religionsgemeinschaften stehen sich seit Jahrhunderten als erbitterte Feinde gegenüber. Das zeigt wunderbar, wie das Ego-Denksystem funktioniert. Die eigenen unerlösten Themen werden nach außen projiziert und dort verurteilt und angegriffen.

Aus aktuellem Anlass erscheint es mir wichtig, auf Folgendes hinzuweisen: Es ist wichtig, die “Gesetze” des Chaos ans Licht zu bringen und zu verstehen, wozu sie da sind. Es sind die Gesetze, die die vom Ego gemachte Welt beherrschen. Und dennoch herrschen sie über nichts und sind bedeutungslos. Sie brauchen nicht gebrochen, sondern nur betrachtet und überschritten werden. Wenn wir jedoch glauben, im Nahen Osten tatsächlich Hass und Konflikt zu sehen, dann ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass es in Wahrheit keinen Konflikt im Nahen Osten gibt. Es gibt nur einen Konflikt in unserem eigenen gespaltenen Geist, den wir im Nahen Osten zu sehen glauben. Jesus weist uns im Kurs ganz klar darauf hin, dass wir uns nie über eine Tatsache ärgern können. Es ist immer eine Deutung, die negative Gefühle aufkommen lässt, ungeachtet ihrer anscheinenden Rechtfertigung durch das, was als Tatsachen erscheint. Wenn wir also glauben, im Nahen Osten Hass zu erblicken, dann ist es der Hass in unserem eigenen gespaltenen Geist. Alles Böse, das wir im Nahen Osten zu sehen glauben, ist der Konflikt und der Mangel an Liebe in unserem eigenen Geist.

“Die Wahrnehmung ist ein Spiegel, keine Tatsache.
Und das, worauf ich schaue, ist mein Geisteszustand,
der sich außen spiegelt.”
(EKIW: Lektion 304, 1. 3.&4.)

Wir können uns also ganz konkret fragen: Wo habe ich Schwierigkeiten im Zusammenleben mit anderen Menschen auf engem Raum? Wo sind meine Konflikte im Zusammenleben mit Menschen, die den gleichen Lebensraum wie ich als ihr Zuhause betrachten? Wo sind meine ganz konkreten Schwierigkeiten mit Menschen aus anderen Kulturen? Und die zentralen Fragen dahinter lauten: Welchen inneren Konflikt projiziere ich dabei nach außen? Warum schaue ich weiterhin durch die Augen der Angst auf die Welt und bringe so meinem Geist die Zeugnisse des Schreckens? Es ist keine Liebe in der Angst, also warum halte ich weiter daran fest? Warum halte ich weiterhin die Welt der Schatten für die Wirklichkeit?

Platons Höhlengleichnis

Das Höhlengleichnis ist eines der bekanntesten Gleichnisse der antiken Philosophie. Es stammt von Platon, der es von seinem Lehrer Sokrates erzählen lässt. Es beschreibt wunderbar den Weg des spirituellen Erwachens - das Erwachen zu jenem Wahrnehmungszustand, den Jesus im Kurs die wirkliche Welt nennt.

Die wirkliche Welt ist ein Symbol, wie alles übrige, was die Wahrnehmung anbietet. Doch steht sie für das, was dem entgegengesetzt ist, was wir gemacht haben. Unsere Welt wird durch die Augen der Angst gesehen und bringt unserem Geist die Zeugnisse des Schreckens. Die wirkliche Welt kann nicht wahrgenommen werden außer mit Augen, die die Vergebung segnet, so dass sie eine Welt erblicken, wo Angst und Schrecken unmöglich sind und keine Zeugnisse der Angst gefunden werden können.

Die wirkliche Welt ist das Symbol dafür, dass der Traum von Sünde und von Schuld vorbei ist und dass GOTTES SOHN nicht länger schläft, d.h. nicht mehr in der Höhle gefangen ist. Seine erwachenden Augen nehmen die deutliche Widerspiegelung von seines VATERS LIEBE wahr, das sichere Versprechen, dass er erlöst ist. Die wirkliche Welt bedeutet das Ende der Zeit, denn ihre Wahrnehmung macht die Zeit zwecklos.

Der HEILIGE GEIST braucht die Zeit nicht mehr, wenn sie SEINEM Zweck gedient hat. Jetzt wartet ER nur noch jenen einen Augenblick, da GOTT SEINEN letzten Schritt tut, dann ist die Zeit verschwunden und hat die Wahrnehmung im Gehen mitgenommen und nichts zurückgelassen als die Wahrheit, damit sie sie selbst sei. Jener Augenblick ist unser Ziel, denn er enthält die Erinnerung an GOTT. Und während wir auf eine Welt schauen, der vergeben ist, ist ER es, DER uns ruft und kommt, um uns heimzuholen, indem ER uns an unsere IDENTITÄT erinnert, DIE unsere Vergebung uns zurückerstattet hat.

Ich bin nicht das Opfer der Welt, die ich sehe.
Wie kann ich das Opfer einer Welt sein, die völlig aufgehoben werden kann, sobald ich mich dafür entscheide? Meine Ketten sind gelöst. Ich kann sie fallen lassen, einfach dadurch, dass ich danach verlange. Das Tor des Gefängnisses steht offen. Ich kann es verlassen, indem ich einfach hinausgehe. Nichts hält mich in dieser Welt. Nur mein Wunsch, zu bleiben, hält mich gefangen. Ich möchte meine wahnsinnigen Wünsche aufgeben und endlich an das Licht der Sonne treten.”
(EKIW: Lektion 57, 1(31))

Und im Sonnenlicht wirst du stehen, in Stille, in Unschuld und gänzlich ohne Angst. Und von dir wird die Ruhe, die du fandest, sich ausdehnen, sodass dein Frieden niemals wegfallen und dich obdachlos lassen kann. Diejenigen, die allen Frieden schenken, haben eine Wohnstatt im HIMMEL gefunden, die die Welt nicht zerstören kann. Denn sie ist groß genug, um die Welt in ihrem Frieden zu enthalten.”
(EKIW: Kapitel 25, IV. 4. 7.-10.)

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In der Höhle leben Menschen, die dort ihr ganzes Leben als Gefangene verbracht haben. Sie sind sitzend an Schenkeln und Nacken so festgebunden, dass sie immer nur nach vorn auf die Höhlenwand blicken und ihre Köpfe nicht drehen können. Daher können sie den Ausgang, der sich hinter ihren Rücken befindet, nie erblicken und von seiner Existenz nichts wissen. Auch sich selbst und die anderen Gefangenen können sie nicht sehen; das Einzige, was sie je zu Gesicht bekommen, ist die Wand, der sie zugedreht sind. Erhellt wird ihre Behausung von einem Feuer, das hinter ihnen weit oben in der Ferne brennt. Die Gefangenen sehen nur dieses Licht, das die Wand beleuchtet, nicht aber dessen Quelle. Auf der Wand sehen sie Schatten.

Da die bewegten Gegenstände auf die Höhlenwand, der die Gefangenen zugewendet sind, Schatten werfen, können die Höhlenbewohner die bewegten Formen schattenhaft wahrnehmen. Wenn jemand spricht, hallt das Echo von der Höhlenwand so zurück, als ob die Schatten sprächen. Daher meinen die Gefangenen, die Schatten könnten sprechen. Sie betrachten die Schatten als Lebewesen und deuten alles, was geschieht, als deren Handlungen. Das, was sich auf der Wand abspielt, ist für sie die gesamte Wirklichkeit und schlechthin wahr. Sie entwickeln eine Wissenschaft von den Schatten und versuchen, in deren Auftreten und Bewegungen Gesetzmäßigkeiten festzustellen und daraus Prognosen abzuleiten.

Würde einer der Gefangenen losgebunden und genötigt werden, aufzustehen, sich umzudrehen, zum Ausgang zu schauen und sich den Gegenständen selbst, deren Schatten er bisher beobachtet hat, zuzuwenden. Diese Person wäre schmerzhaft vom Licht geblendet und verwirrt. Sie hielten die nun in ihr Blickfeld gekommenen Dinge für weniger real als die ihr vertrauten Schatten. Daher hätte sie das Bedürfnis, wieder ihre gewohnte Position einzunehmen, denn sie wäre überzeugt, nur an der Höhlenwand sei die Wirklichkeit zu finden. Gegenteiligen Belehrungen eines wohlgesinnten Befreiers würde sie keinen Glauben schenken.

Wenn man einen Befreiten mit Gewalt aus der Höhle schleppte, würde er sich dagegen sträuben und wäre noch verwirrter, denn er wäre vom Glanz des Sonnenlichts geblendet und könnte daher zunächst gar nichts sehen. Langsam müsste er sich an den Anblick des Neuen gewöhnen, wobei er erst Schatten, dann Spiegelbilder im Wasser und schließlich die Menschen und Dinge selbst erkennen könnte. Nach diesen Erlebnissen und Einsichten hätte er keinerlei Bedürfnis mehr, in die Höhle zurückzukehren, um sich mit der dortigen Schattenwissenschaft zu befassen.

Sollte er dennoch an seinen alten Platz zurückkehren, so müsste er sich erst wieder langsam an die Finsternis der Höhle gewöhnen. Daher würde er einige Zeit bei der dort üblichen Begutachtung der Schatten schlecht abschneiden. Das Leben von Eckhart Tolle ist ein wunderbares Beispiel für diese Situation. Er verbrachte die ersten zwei Jahre nach seinem spontanen Erwachen bei Freunden oder in buddhistischen Klöstern und übernachtete ohne Obdach in einem Park im Norden von London auf einer Bank. Das aber in einem total glücklichen Zustand. Seine Familie hielt ihn für „unverantwortlich, gar von Sinnen“. Erst viel später begannen die Menschen in seinem Umfeld, Tolle's Glückszustand zu spüren und ihn nach seinen Überzeugungen zu fragen. Und so wurde aus Eckhart Tolle ein spiritueller Lehrer.

Auch das Höhlengleichnis beschreibt, dass die Höhlenbewohner das innere Glück des Zurückgekehrten nicht erkennen könnten und so würden sie daraus folgern, er habe sich oben die Augen verdorben. Sie würden ihn auslachen und meinen, es könne sich offenbar nicht lohnen, die Höhle auch nur versuchsweise zu verlassen. Wenn jemand versuchte, sie zu befreien und nach oben zu führen, würden sie ihn umbringen, wenn sie könnten.

Die Feststellung, dass die Höhlenbewohner einen Befreier am liebsten umbrächten, ist eine Anspielung auf das Ende des Sokrates, der im Jahr 399 v. Chr. wegen seines unerwünschten Einflusses auf die Jugend zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Auch Jesus wurde etwa vierhundert Jahre nach der Erzählung dieses Gleichnisses zum Tode verurteilt und hingerichtet, weil er die frohe Botschaft vom Licht verkündet hatte.

Die christliche Religion

Das Christentum wurde in der Levante und im Abendland durch die Jünger Jesu verbreitet, und ihr missionarischer Eifer kam dem ihrer illustren Vorgänger, der Sethiter und Salemiten, und dem ihrer ernsten asiatischen Zeitgenossen, der buddhistischen Lehrer, gleich.

Die christliche Religion als Glaubenssystem entstand aus der Vermengung folgender Lehren, Einflüsse, Glaubensvorstellungen, Kulte und individueller persönlicher Haltungen:
  1. Die Lehren Melchisedeks. Sie bilden den Grundfaktor aller Religionen von Okzident und Orient, die in den letzten viertausend Jahren entstanden sind.

  2. Das hebräische System der Sittlichkeit, Ethik, Theologie und des Glaubens an die Vorsehung sowie an den höchsten Jahve.

  3. Die zoroastrische Auffassung vom Kampf zwischen dem kosmischen Guten und Bösen, die ihren Stempel bereits dem Judaismus und dem Mithraismus aufgedrückt hatte. Durch den lang währenden Kontakt, den die Kämpfe zwischen Mithraismus und Christentum mit sich brachten, wurden die Lehren des iranischen Propheten zu einem mächtigen und bestimmenden Faktor in der theologischen und philosophischen Art und Bauweise der Dogmen, Lehrsätze und der Kosmologie der hellenisierten und latinisierten Versionen von Jesu Lehren.

  4. Die Mysterienkulte, insbesondere der Mithraismus, aber auch die Verehrung der Großen Mutter im phrygischen Kult. Selbst auf die Legenden über Jesu Geburt färbte die römische Version von der wunderbaren Geburt des iranischen Retters und Helden Mithras ab, bei dessen Ankunft auf Erden nur eine Handvoll Hirten zugegen waren, die Geschenke darbrachten und denen Engel das unmittelbar bevorstehende Ereignis bekannt gegeben hatten.

  5. Die historische Tatsache des menschlichen Lebens Josua ben Josephs, die Realität Jesu von Nazareth als des verherrlichten Christus, des Sohnes Gottes.

  6. Der persönliche Gesichtspunkt von Paulus von Tarsus. Und es sollte daran erinnert werden, dass während seiner Adoleszenz die dominierende Religion von Tarsus der Mithraismus war. Paulus hätte sich nie träumen lassen, dass seine in guter Absicht verfassten Briefe an seine Bekehrten eines Tages von späteren Christen als „Wort Gottes“ betrachtet würden. Man darf solche wohlmeinenden Lehrer nicht für den Gebrauch verantwortlich machen, den spätere Nachfolger von ihren Schriften machen.

  7. Das philosophische Denken der hellenistischen Völker, von Alexandrien und Antiochien über Griechenland bis nach Syrakus und Rom. Die Philosophie der Griechen stand mehr in Harmonie mit der paulinischen Version des Christentums als mit jedem anderen der damaligen religiösen Systeme und wurde zu einem wichtigen Faktor des Erfolges des Christentums im Abendland. Immer noch bildet die griechische Philosophie im Verein mit der Theologie des Paulus die Grundlage der europäischen Ethik.
Während die ursprünglichen Lehren Jesu im Abendland eindrangen, wurden sie verwestlicht, und mit ihrer Verwestlichung begannen sie, ihre potentiell universale Anziehungskraft auf alle Völker und Arten von Menschen einzubüßen. Das heutige Christentum ist zu einer Religion geworden, die den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Sitten der westlichen Welt gut angepasst ist. Es hat seit langem aufgehört, Jesu Religion zu sein, obwohl es Einzelnen, die aufrichtig seiner Unterweisung nachzuleben trachten, immer noch mutig eine schöne Religion über Jesus bietet. Es hat Jesus als den Christus, den messianischen Gesalbten Gottes verherrlicht, aber es hat weitgehend des Meisters Evangelium vergessen.

Wenn wir nun versucht sind, über das traditionelle Christentum die Nase zu rümpfen oder uns darüber lustig zu machen, sollten wir daran denken, dass nicht das Christentum das Problem ist, sondern das Denksystem des Egos, von dem wir selbst noch nicht befreit sind. Schuld, Opfer und Strafe sind zentrale Eckpfeiler des Ego-Denksystems, unabhängig davon, ob wir Christen oder Atheisten sind.

Amerikanische Kurs Lehrer sind immer wieder überrascht, wie schwer sich die Menschen in Europa, vor allem in den deutschsprachigen Ländern, mit den christlichen Begriffen tun und wie schwer es ihnen fällt, von Jesus oder Gott zu sprechen. Das hat seine Gründe. In den modernen Industrienationen Europas, in denen sich die meisten Menschen von den kirchlichen, vor allem von den römisch-katholischen Glaubensvorstellungen befreit haben, tun sich diese Menschen nun besonders schwer mit den christlichen Begriffen in Ein Kurs in Wundern. Zweitausend Jahre Kirchengeschichte mit all den Gräueltaten der Vergangenheit und den sexuellen Missbrauchsfällen der Gegenwart sind eine tiefrote Spur im kollektiven Bewusstsein der Europäer. Die Aussage „Zustände wie im alten Rom“ verweisen auf die Zustände der römischen Kirche vergangener Zeiten. Das christliche Fälschungswesen, der Wunder- und Reliquienschwindel, die Wallfahrtswirtschaft, die Verdummung und der Ruin der antiken Bildung durch die Kirche, die christliche Büchervernichtung, die innige Verfilzung weltlicher und kirchlicher Macht, die doppelzüngige Soziallehre und die tatsächliche Sozialpolitik der Großkirche sind im Bewusstsein vieler Menschen noch nicht vergeben. Die Konstantinische Schenkung ist wahrscheinlich die größte Urkundenfälschung der Weltgeschichte. Dann gab es da noch die Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, die Kreuzzüge von Christen gegen Christen, die Vernichtung der Templer, die Ausrottung der Heiden im Nordosten, das christliche Judenmorden und nicht zuletzt die totalitäre Inquisition. Dem folgten die Hexenverfolgung, das Abendländische Schisma (Glaubensspaltung innerhalb der lateinischen Kirche mit konkurrierenden Papstansprüchen in Rom und Avignon von 1378 bis 1417), die Renaissance-Päpste, der Kampf gegen die innerchristliche Opposition (Wycliff, Hus und das Konzil von Konstanz, Luther und der Bauernkrieg).

Moderne, an Spiritualität interessierte Menschen in Europa begeistern sich daher eher für Quantenphysik, Non-Dualität, Schamanismus, Engeln und selbst mit Maria Magdalena haben sie kein Problem, aber mit Jesus und Gott tun sie sich schwer.

Es ist daher nicht überraschend, dass Ein Kurs in Wundern in Amerika und nicht in Europa offenbart wurde. In den USA gab es mit der von Mary Baker Eddy gegründeten Christian Science Church bereits eine wunderbare Basis für die Botschaft des Kurses. Zur Zeit seiner Geburt und frühen Kindheit waren die Eltern von Bill Thetford, der viele Jahre später maßgeblich an der Veröffentlichung des Kurses beteiligt war, Mitglieder der Christian Science Church.

Meister Eckhart

Meister Eckhart war ein einflussreicher thüringischer Theologe und Philosoph des Spätmittelalters. Er war eine wahre Lichtgestalt unter den christlichen Theologen und hatte die Essenz der Lehre Jesu erkannt, die uns nun in vollkommener Klarheit in Ein Kurs in Wundern zur Verfügung steht.

Der wohl bekannteste spirituelle Lehrer unserer Zeit Eckhart Tolle änderte seinen Vornamen Ulrich in Eckhart, was einigen Berichten zufolge zu Ehren Meister Eckharts geschah.

Nach langjähriger Tätigkeit im Dienst des Ordens der Dominikaner wurde Meister Eckhart erst in seinen letzten Lebensjahren wegen Irrlehre denunziert und angeklagt. Eckhart starb vor dem Abschluss des gegen ihn eingeleiteten Verfahrens. Papst Johannes XXII. (1316–1334) verurteilte einige seiner Aussagen als Irrlehren und verbot die Verbreitung der Werke, die diese enthielten. Dennoch hatte Eckharts Gedankengut beträchtlichen Einfluss auf die spätmittelalterliche Spiritualität im deutschen und niederländischen Raum. Im Benediktinerkloster Melk wurden im 15. Jahrhundert deutsche Predigten und Sprüche Eckharts abgeschrieben, wobei der Name des Autors sogar angegeben wurde. In einer bearbeiteten, entschärften Fassung sollten sie zur Belehrung der Laienbrüder dienen. Auch in anderen österreichischen Klöstern waren im Spätmittelalter Texte Eckharts bekannt.

In Eckharts Lehre ging es vor allem um Einsicht, die auf Vernunft und Erfahrung beruht. Er hielt seine Einsichten für universal gültig und wollte seinem Publikum den Nachvollzug auch anspruchsvoller Inhalte ermöglichen. Allerdings erfordert der Nachvollzug viel mehr als ein rein gedankliches Erfassen der Schlüssigkeit der Darlegungen. Jeder, der Eckharts zentrale Aussagen wirklich verstehen und beurteilen will, hat erst in sich selbst die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen: “Denn, solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, solange wird er diese Rede nicht verstehen; denn dies ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar. Dass wir so leben mögen, dass wir es ewig erfahren, dazu helfe uns Gott.” Sind die Voraussetzungen geschaffen, so kann die Wahrheit als solche mit Gewissheit erkannt werden.

Laut Eckhart ist für das Verhältnis des Menschen zu Gott der Unterschied zwischen Glauben und Kennen fundamental; der Glaube verhält sich zum Schauen oder vollkommenen Erkennen wie eine Meinung zum Beweis, wie etwas Unvollkommenes zum Vollkommenen. Es gilt also nicht beim Glauben zu bleiben, sondern vom Glauben zum Kennen voranzuschreiten.

Damit bringt Eckhart etwas zum Ausdruck, was sich auch in Ein Kurs in Wundern wiederfindet: “Überhaupt ist der Glaube an GOTT kein wirklich sinnvolles Konzept, denn GOTT kann nur erkannt werden.” Erkennen lässt sich wohl am besten als vergeistigtes Denken, d.h. als nicht-sprachliches Denken beschreiben.

Eckhart weist den Begriffen „Gott“ und „Gottheit“ nicht die gleiche Bedeutung zu, sondern er bezeichnet mit ihnen unterschiedliche Ebenen, auf denen sich die göttliche Wirklichkeit dem Menschen zeigen kann. Er behauptet, Gott und Gottheit seien so weit voneinander verschieden wie Himmel und Erde. Durch die Offenbarung begegnet dem nach Gotteserkenntnis strebenden Menschen zunächst der im Sinne der Trinitätslehre dreifaltige Gott. Vom Dasein Gottes, insoweit er Schöpfer ist und seinen Geschöpfen in dieser Eigenschaft entgegentritt, unterscheidet Eckhart eine höhere Ebene der Wirklichkeit des Göttlichen, auf der dieses als „Gottheit“ oder als „einfaltiges Eins“ erscheint, „oberhalb von Gott“. Die Gottheit ist der überpersönliche Aspekt der göttlichen Gesamtwirklichkeit. Nichts Bestimmtes kann über sie ausgesagt werden, da sie sich jenseits jeglicher Differenzierung befindet. Terminologisch ist die Unterscheidung zwischen Gott und Gottheit bei Eckhart allerdings nicht durchgängig konsequent durchgeführt. Er verwendet das Wort „Gott“ auch für Aussagen, die sich auf das beziehen, was er sonst „Gottheit“ nennt. Damit richtet er sich nach der seinem Publikum - insbesondere den Hörern seiner Predigten - geläufigen Ausdrucksweise. Was gemeint ist, ist jeweils aus dem Zusammenhang ersichtlich.

Gott als Person mit persönlichen Eigenschaften, die in seinen Namen ausgedrückt werden, existiert auf einer Ebene, die von derjenigen der Gottheit abgetrennt und ihr untergeordnet ist. Wenn er sich seinem eigenen unpersönlichen Aspekt zuwenden wollte, so müsste er - ebenso wie ein Mensch, der dies tut - alles beiseitelassen, was seine Besonderheit ausmacht. Somit kommt auch die Eigenschaft, Dreifaltigkeit zu sein, zwar Gott zu, nicht aber der Gottheit. Dazu bemerkt Eckhart: "Dies ist leicht einzusehen, denn dieses einige Eine ist ohne Weise und ohne Eigenheit. Und drum: Soll Gott je darein lugen, so muss es ihn alle seine göttlichen Namen kosten und seine personhafte Eigenheit; das muss er allzumal draußen lassen, soll er je darein lugen."

Das Denken (im Sinne von Erkennen) ist das höherrangige Prinzip die Grundlage von Gottes Sein. Denken und Sein werden allerdings nur zum Zweck einer analytischen Betrachtung getrennt. Hinsichtlich ihres Vorhandenseins in Gott sind sie nicht getrennte Elemente, sondern existieren ununterschieden in ihm. Die Aussage „Gott ist Sein“ ist ebenso wahr wie die Aussage „Gott ist Denken (Erkennen)“, wobei seine Seinsweise allerdings von derjenigen der Schöpfung scharf zu unterscheiden ist.

Eckhart betont jedoch die Schärfe des fundamentalen Gegensatzes zwischen Gott und allem Geschaffenen. Gottes Einfachheit, Erhabenheit, Unwandelbarkeit und Allursächlichkeit (universalis causalitas) steht in Kontrast zu den entgegengesetzten Merkmalen des Geschaffenen. Alles Geschaffene ist mannigfaltig, veränderlich, erleidend (patiens), verursacht und vergänglich. Nichts Wandelbares kann einfach sein, denn zu jedem Zeitpunkt ist es in einer bestimmten Hinsicht beharrend und in einer anderen im Wandel begriffen.

Aufgrund seiner Vergänglichkeit weist das Geschaffene kein „Sein“ im eigentlichen Sinne, im Sinne einer absoluten, überzeitlichen Existenz auf. So gesehen existiert es nicht wirklich. Verwendet man den Begriff „Sein“ im Sinne des absoluten Seins Gottes, so „sind“ die Dinge nicht; verwendet man ihn in dem Sinne, in dem er auf die Dinge angewendet wird, so „ist“ Gott nicht.

Doch Eckhart verwendet auch für den Schöpfer des Zeitlichen den Begriff "Gott". Für Kursschüler bedeutet dies, dass Eckhart auch für den schlafenden Geist des SOHNS den Begriff "Gott" verwendet und für GOTT den Begriff “Gottheit”.

Verständnis der Schöpfung bedeutet somit Verständnis des Phänomens Zeit. Der überzeitlich existierende Gott im Sinne Eckharts schafft in einer permanenten Gegenwart, im „Jetzt“ oder „Nun“ (lateinisch nunc, mittelhochdeutsch nû) seiner Zeitlosigkeit (Ewigkeit). Eckhart unterscheidet zwischen dem nû der zît, dem Zeitpunkt innerhalb des Zeitflusses, und dem nû der êwicheit, dem Jetzt der Ewigkeit (lateinisch nunc aeternitatis). Die Überzeitlichkeit des Ewigen wird in Eckharts Sprache als „Augenblick“ („nun“) wiedergegeben, doch ist dieser „Augenblick“ nicht mit einem Zeitpunkt zu verwechseln, sondern er umfasst „alle Zeit“, also die Gesamtheit dessen, was in aller Zeit gegeben ist. Das Jetzt der Ewigkeit ist auch nicht im Sinne eines statischen Zustands zu verstehen, es bedeutet keinen Stillstand (das wäre eine unangemessene Beschreibung aus der Perspektive der Zeitlichkeit). Gemeint ist eine überzeitliche „Gegenwart“, die wegen ihrer Gegenwärtigkeit (lateinisch praesentialitas) eine Bezeichnung erhält, die an den innerzeitlichen Gegenwartsbegriff anknüpft. Als „Fülle der Zeit“ unterscheidet sich die Gegenwärtigkeit des ewigen „Jetzt“ vom Zeitpunkt dadurch, dass sie nicht der vergangenen und künftigen Gegebenheiten beraubt ist, sondern diese in sich einschließt.

Eckhart Tolles erstes Buch heißt “Jetzt! Die Kraft der Gegenwart. Ein Leitfaden zum spirituellen Erwachen.” Jesus verwendet im Kurs dafür den Begriff „heiliger Augenblick“.

Meister Eckhart verweist weiters darauf, dass aus der Perspektive der Ewigkeit die Welt als anfangslos erscheint, weil ihr Dasein nicht eine Aneinanderreihung von Zeitpunkten ist. Dass sie einen Anfang in der Zeit gehabt habe, ist nur eine für das menschliche Denken nötige und angemessene Vorstellung, nicht eine Aussage über die Schöpfung an sich. Nur aus der menschlichen Perspektive, die auf der Vorstellung einer linearen zeitlichen Ordnung mit „vorher“ und „nachher“ basiert, ist die Schöpfung ein zeitlicher Vorgang. In Wirklichkeit ist Gott nicht zeitlich „früher“ als die Welt. Der Mensch lebt aber in der Zeit, in der die Einheit des göttlichen Seins zerfallen ist. Daher bewegen sich seine Vorstellungen innerhalb eines Rahmens, der sich aus seinem Erleben von Zeit ergibt.

Der göttliche Kernbereich der Seele, ihr „Innerstes“, ist der zeit- und raumlose „Seelengrund“, in dem völlige Ruhe herrscht. Eckhart verwendet dafür auch andere Bezeichnungen. Er betont aber auch, dass der Seelengrund eigentlich so wie die Gottheit namenlos ist. Der Seelengrund steht so hoch über der Sinneswelt wie der Himmel über der Erde.

Von den vergänglichen und daher nichtigen Aspekten seines Daseins kann der Mensch sich emanzipieren, indem er sich dem zuwendet, was in ihm - das heißt in der Seele - göttlich ist. Dank Gottes Anwesenheit in der Seele ist ihre Selbsterkenntnis Gotteserkenntnis. Unter diesem Aspekt sind alle menschlichen Seelen gleich. Die hier gemeinte Gotteserkenntnis ist nicht eine reflektierte, in der ein Subjekt einem Objekt betrachtend gegenübersteht, sondern eine unmittelbare, in der keine Distanz zwischen dem Erkennenden und seinem göttlichen Erkenntnisobjekt besteht.

Als höchste Manifestation seelischer Aktivität betrachtet Eckhart wie andere Dominikaner den Intellekt. Dabei verwendet Eckhart den Begriff Intellekt in einem anderen Sinn als dem heute gängigen. Der Intellekt „als solcher“ (intellectus inquantum intellectus) ist für Eckhart nicht eine der Fähigkeiten („Seelenvermögen“) oder Instrumente, über welche die Seele verfügt, sondern eine eigenständige in der Seele tätige Instanz. Er ist etwas nicht Geschaffenes, sondern Göttliches im Menschen, das einer Dimension oberhalb von Raum und Zeit angehört.

Dem Willen misstraut Eckhart, denn er sieht in ihm den gottfernen, auf das Geschaffene abzielenden Eigenwillen, der auch dann, wenn er sich auf Gott richtet, die Getrenntheit von Subjekt und Objekt, Seele und Gott voraussetzt: “Darum ist die Vernunft allwegs nach innen suchend. Der Wille hingegen geht nach außen auf das hin, was er liebt.”

Zu den genannten Annahmen passt Eckharts Verständnis der Sünde, die in seinen Werken ebenso wie Beichte und Buße eine auffallend geringe Rolle spielt. Mit der Lehre von der Erbsünde und der Vorstellung einer Sühne durch ein stellvertretendes Leiden Christi setzt er sich nicht auseinander. Sünde ist für ihn eine willentliche Abkehr von Gott. Philosophisch ausgedrückt ist sie „immer ein Zurückschreiten vom Einen zu den vielen Dingen“. Das bedeutet, dass „die Ordnung der Dinge aufgehoben wird und das Obere dem Niederen unterworfen wird“. Man soll zwar nicht sündigen, aber man soll auch eine begangene Sünde nicht bereuen in dem Sinne, dass man wünscht, sie wäre nicht geschehen. Ein solcher Wunsch wäre Ausdruck eines Eigenwillens, der sich gegen den Willen Gottes richtet, denn Gott hat das Geschehene zum Besten des Menschen gewollt.

Die Hinwendung zu Gott soll zu einer Erfahrung führen, die in Eckharts Lehre eine zentrale Rolle spielt. Er nennt sie Gottesgeburt in der Seele. Gemeint ist, dass die Seele die Göttlichkeit ihrer eigenen Natur wahrnimmt und so Gott in sich selbst findet. Sie wird nicht etwas, was sie vorher nicht war, sondern erkennt das, was sie überzeitlich ist. Die Gottesgeburt geht vom Seelengrund des einzelnen Menschen aus und erfasst die Seele in ihrer Gesamtheit. Es handelt sich nicht um ein punktuelles Ereignis, das zum Abschluss kommt, sondern um einen fortdauernden Vorgang ohne Ende. Die Betonung der Prozesshaftigkeit des Geschehens ist ein besonderes Merkmal von Eckharts Denken.

Die Gottesgeburt in der Seele geschieht, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, zwangsläufig. Sie zu veranlassen ist für Gott eine Naturnotwendigkeit, er folgt dabei seiner eigenen Natur, könnte also gar nicht anders wollen und handeln. Die Grundlagen der Gottesgeburt sind nicht der Glaube, ein Gefühl oder eine Vision des betreffenden Individuums, sondern seine Erkenntnis und Vernunft („Vernünftigkeit“). Die Erkenntnis „läuft voran“ und „bricht durch“; die Vernunft „fällt ins reine Sein“.

Eckhart betont, dass die menschliche Natur Christi keine andere sei als die jedes anderen Menschen. Alle Menschen haben die menschliche Natur mit Christus gemeinsam, und zwar in gleichem Sinn und auf die gleiche Weise (univoce et equaliter). Da Eckhart überdies jedem Menschen eine in der Seele liegende Göttlichkeit zuspricht, besteht aus seiner Sicht auch hinsichtlich der göttlichen Natur kein prinzipieller Unterschied zwischen Christus und anderen. Christus ist zwar ein unerreichtes Vorbild, nicht aber von Natur aus von anderen Menschen prinzipiell verschieden. Grundsätzlich ist jeder befähigt, das zu verwirklichen und zu vollbringen, was Christus verwirklicht und vollbracht hat.

Voraussetzung für die Gottesgeburt ist, dass sich die Seele von dem reinigt, was nicht zu ihr gehört, und dadurch ihre wahre Natur hervortreten lässt. Gott kann nur in der Seele geboren werden, wenn der Mensch ihm dafür Raum schafft und das entfernt, was im Wege steht. Das sind nicht nur Sünden und Laster im herkömmlichen Sinn, sondern schlechthin alles Ungöttliche und daher Vergängliche. Dazu gehören insbesondere die „Bilder“ der Sinnesobjekte, die man aufgenommen hat, denn sie binden und behindern den Menschen. In dem Maße, wie der Mensch die Hindernisse beiseiteschafft, wird er für Gott empfänglich. Was dabei in der Praxis zu beachten ist, erläutert Eckhart ausführlich.

Für die Ermöglichung der Gottesgeburt ist nicht eine diskursiv gewonnene Einsicht in den Wahrheitsgehalt philosophisch-theologischer Lehrsätze ausschlaggebend, sondern die Lebenspraxis. Daher besteht ein Unterschied zwischen dem „Lesemeister“, der in seinen Schriften argumentiert, beweist und widerlegt, und dem „Lebemeister“, der das von der Theorie Geforderte in seinem eigenen Leben umsetzt. Ein Eckhart zugeschriebener Ausspruch lautet, ein Lebemeister sei nötiger als tausend Lesemeister.

Gott kann auf viele verschiedene Weisen ergriffen werden. Niemand kann alle Weisen verwirklichen, sondern man soll eine von ihnen haben - diejenige, die Gott einem zugewiesen hat - und konsequent bei ihr bleiben. Einem anderen, der auf eine andere Weise lebt, die eigene Weise aufzudrängen ist verkehrt, vielmehr soll jeder in seiner Weise das Gute aller Weisen finden. Christus hatte zwar die höchste Weise, aber das bedeutet nicht, dass jeder versuchen soll, die Weise Christi zu übernehmen.

Die Hinwendung zu Gott ist mit einem auf die Welt gerichteten Wollen und Begehren unvereinbar. Daher ist die erste Aufgabe des Menschen, der eine Einigung mit Gott erstrebt, sich von allen solchen Bestrebungen zu reinigen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass er vergöttlicht wird. Das Ergebnis der Abtrennung von der Welt nennt Eckhart „Abgeschiedenheit“. Der Seelengrund ist von Natur aus immer abgeschieden. Es kommt aber darauf an, auch die übrigen Seelenbereiche restlos von „allen Dingen“ zu trennen, sodass der Mensch leer wird wie ein aufnahmebereites Gefäß. Dann kann Gott die gesamte Seele ausfüllen. Der Mensch “soll Gott in allen Dingen ergreifen und soll sein Gemüt daran gewöhnen, Gott allzeit gegenwärtig zu haben.”

Zu den „Dingen“, von denen der Mensch sich befreien soll, gehört in erster Linie er selbst: “Richte dein Augenmerk auf dich selbst, und wo du dich findest, da lass von dir ab; das ist das Allerbeste.” Er soll seine persönliche Hauptschwäche herausfinden und seinen Fleiß darauf richten, sie zu überwinden. Befreiung von sich selbst bedeutet aber mehr als das: Wer sich für Gott empfänglich machen will, hat alle Hoffnungen, Wünsche und Ziele, die sein eigenes Wohlergehen im Diesseits oder Jenseits bezwecken, aufzugeben. Er vergisst sich selbst und alle Dinge. Damit verzichtet er auf seinen Eigenwillen. Alle Erwartungen und alle damit verknüpften Empfindungen verschwinden gänzlich. Dadurch werden Gemütsbewegungen wie Hoffnung, Furcht und Jammer verunmöglicht. Alles Leid endet, denn es ist ausnahmslos eine Folge der Hinwendung zu den geschaffenen Dingen. In der Seele tritt an die Stelle des Weggeräumten die Leere und geistige Armut. So erlangt man die „Gelassenheit“. Dieser anscheinend von Eckhart neu gebildete Begriff bezeichnet die Haltung dessen, der nicht nur die Dinge gelassen hat, sondern gelassen ist. Beim Lassen geht es zuerst um ein innerliches Sein, erst danach um ein äußerliches Handeln. Man kann nicht durch ein Lassen im Handeln zu einem gelassenen Sein gelangen.

Dieser Hinweis auf das Loslassen von sich selbst klingt im Kurs wie folgt: “Lass mich nicht vergessen, dass mein Selbst nichts ist, dass aber mein SELBST alles ist.”

Aufzugeben ist der Eigenwille nicht nur insoweit er auf das eigene Wohlergehen zielt, sondern auch in einer anderen seiner Erscheinungsformen, in welcher er scheinbar verschwunden ist, indem das Individuum seinen Willen mit dem Willen Gottes identifiziert hat. Zu wollen, was Gott will, ist aber immer noch ein Eigenwille und bildet als solcher ein Hindernis zwischen dem Menschen und Gott. Der Abgeschiedene will nicht das, was Gott will, sondern er will gar nichts, damit Gott in ihm wollen kann. Auch das Streben nach der Ewigkeit und nach Gott, das den ursprünglichen Antrieb zum Beschreiten des Erkenntniswegs bildete, ist als Eigenwille abzustreifen. Wer die Ewigkeit und Gott begehrt, ist noch nicht richtig arm (aller Wünsche entblößt). Ein wahrhaft armer Mensch ist nur der, der nichts will und nicht begehrt. Er lässt nicht nur sich selbst los, sondern auch Gott. Seine Armut besteht darin, dass er nichts „hat“; er verfügt weder über einen Willen noch über Wissen noch über Besitz. Gott soll nicht im Menschen eine Stätte zum Wirken finden, sondern erforderlich ist, dass der Mensch „so ledig Gottes und aller seiner Werke steht“, dass Gott, wenn er in der Seele wirken will, jeweils selbst die Stätte ist, in der er wirken will.

Die Lebensweise, für die Eckhart eintritt, ist ein Leben „ohne Warum“ (mittelhochdeutsch sunder warumbe). Gott hat kein „Warum“ außer und neben sich, und auch seine Liebe ist grundlos. Ebenso sind auch göttliche Werke des Menschen dadurch gekennzeichnet, dass sie ohne Grund vollbracht werden. Was einen Grund hat, besteht um des Grundes willen und ist ihm somit untergeordnet. Das Grundlose ist sein eigener Grund und Zweck und damit höherrangig als das, was einer Begründung durch etwas anderes bedarf.

Eckhart fordert Abwendung von allem, was in der Welt ist, und ausschließliche Konzentration auf den eigenen Seelengrund, wo Gott zu finden ist. Die damit erreichte Abgeschiedenheit äußert sich aber nicht als Gleichgültigkeit gegenüber der Welt. Der Mensch hat sich zwar auf der Suche nach Gott konsequent von der Welt abgewendet, aber Gott, den er in seinem Seelengrund gefunden hat und dem er die Herrschaft über sich restlos überlassen hat, ist den Menschen zugewandt. Das äußert sich darin, dass der Abgeschiedene und Gelassene kein zurückgezogenes Leben führt, sondern ein aktives und soziales. Er vollbringt Werke, die seinen Mitmenschen zugutekommen. Im Unterschied zu denen, welche die Gottesgeburt nicht erlebt haben, verfolgt er damit nicht weltliche Ziele, sondern göttliche. Nur wenn dies der Fall ist, haben seine Werke einen Wert, und dann ist er ein „Gerechter“. Anderenfalls können sich gute Werke sogar als Hindernis erweisen, denn sie bieten dem, der sie verrichtet, „Halt, Stütze und Verlass“. Damit trennen sie die „guten Menschen“ von Gott, der „will, dass er allein ihr Halt und Verlass sei“.

Eckharts Gerechtigkeitsbegriff hat mit modernen Gerechtigkeitsvorstellungen nichts zu tun. Unter Gerechtigkeit versteht Eckhart nicht eine bestimmte Art der Verteilung irdischer Güter, sondern die Haltung desjenigen, der nicht aus eigenem Antrieb, sondern aus göttlichem Impuls handelt und daher stets das Richtige - der jeweiligen Situation Angemessene - tut. Der im Sinne Eckharts Gerechte bewahrt gegenüber allen äußeren Verhältnissen und Ereignissen Gleichmut, sein Gemütszustand kann von äußeren Entwicklungen nicht berührt werden: “Wenn die Menschen ein Ding erfreuen kann und ein anderes sie betrüben, so sind sie nicht gerecht; vielmehr, wenn sie zu einer Zeit froh sind, so sind sie zu allen Zeiten froh.”

Eckhart betont, dass die Heiligkeit niemals auf ein Tun gegründet ist, sondern ausschließlich auf ein Sein. Die Werke heiligen den, der sie vollbringt, ganz und gar nicht, sondern soweit jemand heilig ist, heiligt er alle seine Werke, „sei es Essen, Schlafen, Wachen oder was immer“. Für den spirituellen Status einer Person sind ihre Werke bedeutungslos; wesentlich ist nur, ob ihr Sein von Abgeschiedenheit geprägt ist. Die Werke sind aber untrennbar mit der Spiritualität verbunden. Daher sind sie keineswegs nebensächlich oder gar entbehrlich, sondern eine notwendige Folge des rechten Seins; der Gerechte kann nicht anders als gerecht handeln.

Eckharts Hochschätzung der von einem göttlichen Impuls geleiteten sozialen Aktivität führt ihn sogar zu einer unkonventionellen Auslegung der biblischen Erzählung von den Schwestern Maria und Martha, die dem herkömmlichen Verständnis völlig widerspricht. Er folgt nicht der traditionellen Interpretation der Darstellung im Lukasevangelium (Lk 10,38–42 EU), wonach Christus dort den Vorrang der rein kontemplativen Haltung Marias gegenüber der aktiven Marthas feststellt. Vielmehr steht nach Eckharts Deutung die äußerlich aktive Martha höher als die nur Christus zuhörende Maria. Martha war zwar mitten in den Sorgen der Welt tätig, aber unbekümmert, auf besonnene Weise und ohne dabei Gott aus dem Auge zu verlieren. So verband sie in ihrer Haltung die Vorzüge von Kontemplation und Aktion. Maria hingegen beschränkte sich auf die Kontemplation, da sie das rechte Handeln noch nicht gelernt hatte. Martha war die ältere der beiden Schwestern und hatte daher mehr Erkenntnis gewinnen können als die noch unerfahrene, auf kontemplativen Genuss ausgerichtete Maria. Das Lob, das Christus Maria spendete, bezieht sich nach Eckharts Auslegung auf eine Einsicht, die Maria damals noch nicht hatte, sondern die ihr noch bevorstand. Eckharts Ablehnung einer weltflüchtigen Haltung ergibt sich aus seiner Überzeugung, dass nicht die Dinge an sich Hindernisse sind, sondern nur ein verkehrtes Verhältnis des Menschen zu ihnen.

Die Liebe unter den Menschen, soweit sie aus einem menschlichen Impuls kommt, erkennt auch Eckhart als spirituell wertlos: “Alle Liebe dieser Welt ist gebaut auf Eigenliebe. Hättest du die gelassen, so hättest du die ganze Welt gelassen.” Im Kurs klingt dies wie folgt: “Du kannst nur lieben, wie GOTT liebt. Suche nicht, anders als ER zu lieben, denn es gibt keine Liebe losgelöst von der SEINEN.” “Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.”

Die Religion in Menschlicher Erfahrung

Während Religion ein Wachstum an Bedeutungen und eine Steigerung der Werte bewirkt, entsteht immer dann Übles, wenn rein persönliche Beurteilungen auf absolute Ebenen gehoben werden. Die wichtigsten Wachstumshemmnisse sind Vorurteil und Unwissenheit.

Viele Menschen sind zu beschäftigt, um zu wachsen, und laufen deshalb große Gefahr, geistig zu erstarren. Das Ego geht in der Frage des Ewigen einen Kompromiss ein, genauso wie es das in allen Fällen tut, wo die wirkliche Frage in irgendeiner Weise berührt wird. Indem es sich mit Randproblemen beschäftigt, hofft es, die wirkliche Frage zu verbergen und aus dem Bewusstsein fernzuhalten. Die typische Geschäftigkeit des Ego, die sich um Nebensächlichkeiten dreht, dient genau diesem Zweck. Die Beschäftigung mit Problemen, die so angelegt sind, dass keine Lösung möglich ist, ist ein Lieblingsmittel des Ego, um den Lernfortschritt aufzuhalten. Bei all diesen Ablenkungsmanövern aber lautet die eine Frage, die von denjenigen, die sie verfolgen, nie gestellt wird: "Wozu?" Das ist die Frage, die wir in Verbindung mit Allem stellen lernen müssen. Was ist der Sinn und Zweck? Was immer er auch sei, er wird unsere Bemühungen automatisch lenken. Wenn wir uns also für den Zweck entscheiden, haben wir eine Entscheidung über unsere zukünftigen Bemühungen getroffen, eine Entscheidung, die so lange wirksam bleibt, bis wir anderen Geistes werden.

"Wozu?" ist auch die entscheidende Frage, wenn es um die Erziehung unserer Kinder geht. Wir sollten jedem heranwachsenden Kind Gelegenheit geben, in seiner eigenen religiösen Erfahrung zu wachsen und ihm nicht eine fertige Erwachsenenerfahrung überstülpen. Der von Jahr zu Jahr erzielte Fortschritt in einem bestehenden Erziehungssystem bedeutet nicht notwendigerweise intellektuellen Fortschritt und noch viel weniger geistiges Wachstum. Erweiterung des Vokabulars heißt nicht Entwicklung des Charakters. Wachstum bekundet sich nicht wirklich in bloßen Resultaten, sondern vielmehr im Fortschritt. Wahres erzieherisches Wachstum gibt sich in einer Verstärkung der Ideale kund, in wachsender Würdigung von Werten, in neuen Bedeutungen, die Werten gegeben werden, und in einer stärkeren Treue gegenüber höchsten Werten.

Kinder werden bleibend nur durch die Wahrhaftigkeit ihrer erwachsenen Gefährten beeindruckt; Vorschriften oder sogar Beispiele sind auf die Dauer nicht wirksam. Wahrhaftige Personen sind wachsende Personen, und Wachstum ist eine eindrückliche und inspirierende Realität. Wenn wir heute wahrhaftig leben und wachsen, so wird morgen für sich selber sorgen. Die rascheste Art für eine Kaulquappe, zu einem Frosch zu werden, ist, jeden Augenblick authentisch als eine Kaulquappe zu leben.

Der für religiöses Wachstum unerlässliche Nährboden setzt voraus: ein dynamisches Leben der Selbsterforschung, Koordinierung natürlicher Neigungen, Betätigung der Neugierde und Freude an vernünftigen Abenteuern, Empfinden von Gefühlen der Befriedigung, das Funktionieren der Furcht, um Aufmerksamkeit und Bewusstheit zu stimulieren, Staunen vor dem Wunderbaren und ein normales Bewusstsein der persönlichen Kleinheit. Wachstum gründet auch auf der Erforschung des Selbst einhergehend mit Selbstkritik - Bewusstheit, denn Bewusstheit ist in Wirklichkeit Kritik an sich selbst anhand der eigenen Wertmaßstäbe, der persönlichen Ideale.

Religion kann man nicht schenken, empfangen, ausleihen, lernen oder verlieren. Sie ist eine persönliche Erfahrung, die im Maße des zunehmenden Verlangens nach der endgültigen Wahrheit wächst. Deshalb gehen die Anhäufung von Bedeutungen und unablässig erhöhte Werte mit kosmischem Wachstum einher. Aber Seelenadel an sich ist immer ein unbewusstes Wachstum.

Die unbewusste Natur des religiösen Wachstums bedeutet indessen nicht, dass es eine Aktivität ist, die sich in den angeblich unterbewussten Bereichen des menschlichen Intellekts abspielt; sie ist vielmehr ein Zeichen schöpferischer Aktivitäten auf den überbewussten Ebenen des menschlichen Verstandes. Die Erfahrung, sich der Realität unbewussten religiösen Wachstums innezuwerden, ist der einzige positive Beweis der funktionellen Existenz des Überbewusstseins.

In Ein Kurs in Wundern heißt es daher: "Ein Wunder ist eine Berichtigung." "Wunder sind Gewohnheiten und sollten unwillkürlich geschehen. Sie sollten nicht unter bewusster Kontrolle stehen. Bewusst ausgewählte Wunder können fehlgeleitet sein."

Die geistige Entwicklung hängt erstens von der Aufrechterhaltung einer lebendigen geistigen Verbindung mit wahren geistigen Kräften ab, und zweitens vom steten Hervorbringen geistiger Früchte: von der dienenden Weitergabe dessen an seine Mitmenschen, was man von seinen geistigen Wohltätern empfangen hat. Geistiger Fortschritt gründet auf dem intellektuellen Feststellen der eigenen geistigen Armut sowie auf dem Bewusstsein, nach Vollkommenheit zu hungern, auf dem Wunsch, Gott zu kennen und ihm zu gleichen, und auf der rückhaltlosen Entschlossenheit, den Willen des Vaters im Himmel zu tun.

Geistiges Wachstum ist erst einmal ein Erwachen zu Bedürfnissen, dann ein Erkennen von Bedeutungen und schließlich ein Entdecken von Werten. Der Beweis wahrer geistiger Entwicklung besteht im Erscheinen einer menschlichen Persönlichkeit, deren Motivation die Liebe, deren Triebkraft selbstloser Dienst ist und die beherrscht wird von einer aus ganzem Herzen kommenden Verehrung der Vollkommenheitsideale der Göttlichkeit. Und diese ganze Erfahrung bildet die Realität der Religion im Gegensatz zu bloß theologischem Fürwahrhalten.

Jesus beschrieb die tiefe Sicherheit eines Gott kennenden Sterblichen, als er vor zweitausend Jahren sagte: „Was kümmert es den, der Gott kennt und an das Königreich glaubt, wenn alle irdischen Dinge in Trümmer gehen?“ Zeitliche Sicherheiten sind verwundbar, aber geistige Sicherheiten sind unbezwingbar. Wenn die Wogen menschlicher Not, Selbstsucht, Grausamkeit, Todfeindschaft, Bosheit und Eifersucht über der menschlichen Seele zusammenschlagen, können wir in der Sicherheit ruhen, dass es eine innere Bastion, die Zitadelle des Geistes, gibt, die absolut uneinnehmbar ist; wenigstens trifft das für jedes menschliche Wesen zu, das seine Seele der Obhut des ihm innewohnenden Geistes des ewigen Gottes anvertraut hat.

Das Gleichnis Jesu vom Haus auf Fels oder auf Sand beschreibt wunderbar die beiden unterschiedlichen geistigen Ausrichtungen. Das Haus gilt allgemein als Symbol für das Ich, so dass die Art und Weise, wie wir wohnen, immer auch einen Hinweis auf unsere geistige Haltung liefert. Wenn die Identifikation mit dem Körper noch sehr stark ist und kein Gottvertrauen vorhanden ist, wird ein Einbruch in die eigene Wohnung, oder ins eigene Haus, als persönlicher Angriff erlebt und kann traumatische Folgen haben, selbst dann, wenn der Einbruch in der eigenen Abwesenheit erfolgte. Der Hausbau steht symbolisch für das Leben des Menschen. Sein Haus auf Fels zu bauen bedeutet auf Gott zu vertrauen. Der Bau auf Sand symbolisiert das Vertrauen des Menschen in die eigene Kraft und die eigenen Werke ohne das Vertrauen auf Gott. Geistiges Wachstum bedeutet aufzuhören sein Haus auf Sand zu bauen und statt dessen einzig und allein auf den Fels in der Brandung des Lebens zu vertrauen.

Nach einer derartigen geistigen Vollbringung, die durch allmähliches Wachstum oder durch eine besondere Krise herbeigeführt worden ist, geschieht eine Neuorientierung des Bewusstseins und entwickelt sich ein neuer Wertemaßstab. Solche aus dem Geiste geborene Wesen sind in ihrem Leben derart neu motiviert, dass sie ruhig zusehen können, wie ihre teuersten Ambitionen sterben und ihre innigsten Hoffnungen zusammenbrechen; sie wissen mit Sicherheit, dass solche Katastrophen nur in eine neue Richtung weisende Erschütterungen sind, die ihre zeitlichen Schöpfungen vernichten, bevor mit dem Bau edlerer und dauerhafterer Realitäten auf einer neuen und erhabeneren Ebene universeller Vollbringung begonnen werden kann.

Es sollte klar gemacht werden, dass das Sich-Bekennen zu höchsten Idealen - das psychische, gefühlsmäßige und geistige Erleben des Gottesbewusstseins - ein natürliches, allmähliches Wachstum sein kann oder manchmal zu einem kritischen Zeitpunkt, wie anlässlich einer Krise, erfahren wird. Gerade eine solch plötzliche und Aufsehen erregende Bekehrung erfuhr der Apostel Paulus an jenem denkwürdigen Tag auf der Straße nach Damaskus. Gautama Siddharta machte eine ähnliche Erfahrung in jener Nacht, als er allein dasaß und in das Geheimnis letzter Wahrheit einzudringen versuchte. Viele andere machten verwandte Erfahrungen, aber viele echte Gläubige sind ohne plötzliche Bekehrung im Geiste fortgeschritten.

Wenn die mentale Mobilisierung auf jeder Ebene psychischen Verlangens nach geistiger Erfüllung absolut total geworden ist, wenn die menschliche Motivation der Treue zur göttlichen Idee vollkommen ist, dann ereignet sich sehr oft ein plötzliches Zupacken des innewohnenden Geistes, um sich mit dem konzentrierten und geweihten Vorsatz des überbewussten Verstandes des gläubigen Sterblichen zu synchronisieren. Es sind solche Erfahrungen der Einigung intellektueller und geistiger Phänomene, welche die Bekehrung bilden; und diese besteht aus Faktoren, die jenseits und oberhalb rein psychischer Vorgänge liegen.

Aber Gefühlswallung allein ist eine falsche Bekehrung; man muss ebenso stark vertrauen wie fühlen. In dem Maße, wie die psychische Mobilisierung nur partiell ist, wie die Motivation der menschlichen Treue nicht vollständig ist, in dem Maße wird die Bekehrungserfahrung eine gemischte intellektuelle, gefühlsmäßige und geistige Realität sein.

Eine große Gefahr ist mit der geläufigen Praxis der religiösen Träumerei verbunden; Mystizismus kann eine Technik zur Umgehung der Realität werden, obwohl er manchmal ein Mittel echter geistiger Kommunikation gewesen ist. Kurze Perioden des Rückzugs aus den geschäftigen Szenen des Lebens bilden kaum eine ernsthafte Gefahr, aber eine länger dauernde Absonderung des Bewusstseins ist höchst unerwünscht. Unter gar keinen Umständen sollte der tranceartige Zustand visionären Bewusstseins als religiöse Erfahrung gepflegt werden.

Für den mystischen Zustand charakteristisch ist ein verschwommenes Bewusstsein mit grellen Inseln gespannter Aufmerksamkeit bei relativ passivem Intellekt. Alles Derartige zieht das Bewusstsein eher ins Unterbewusste hinab als in Richtung des Bereichs geistigen Kontaktes, ins Überbewusste. Viele Mystiker haben ihre mentale Dissoziation bis zum Auftreten abnormaler mentaler Phänomene getrieben.

Eine der Gesundheit zuträglichere Art geistiger Meditation findet man in nachdenklicher Anbetung und im Dankgebet. Die direkte Verbindung mit dem HEILIGEN GEIST, wie sie in den späteren Lebensjahren des inkarnierten Jesus stattfand, sollte nicht mit diesen so genannten mystischen Erfahrungen verwechselt werden. Die Faktoren, die zum Eintritt der mystischen Vereinigung beitragen, sind ein Hinweis auf die Gefahren solcher psychischer Zustände. Der mystische Zustand wird begünstigt durch Umstände wie: physische Ermüdung, Fasten, psychische Dissoziation, tiefe ästhetische Erlebnisse, lebhafte sexuelle Impulse, Furcht, Bangigkeit, Wut und wildes Tanzen. Ein Großteil des im Gefolge solcher Vorbereitungen an die Oberfläche geschwemmten Materials hat seinen Ursprung im unterbewussten Verstandesbereich, also in der Domäne des Egos.

Wie günstig auch immer damals die Bedingungen für mystische Phänomene gewesen sein mögen, sollte doch klar verstanden werden, dass Jesus von Nazareth zur Verbindung mit dem VATER nie zu solchen Methoden griff. Jesus unterlag keinen unterbewussten Täuschungen oder überbewussten Illusionen.

Für den Gläubigen wird das Wort Gott zu einem Symbol, das die Annäherung an die höchste Realität und die Anerkennung göttlicher Werte bedeutet. Menschliche Vorlieben und Abneigungen bestimmen nicht, was gut und böse ist; sittliche Werte gehen nicht aus der Erfüllung von Wünschen oder aus enttäuschten Gefühlen hervor.

Bei der Betrachtung von Werten müssen wir zwischen dem unterscheiden, was ein Wert ist, und dem, was einen Wert hat. Wir müssen die Beziehung erkennen zwischen angenehmen Tätigkeiten und ihrer bedeutungsvollen Integration und gesteigerten Verwirklichung auf immer höheren Ebenen menschlicher Erfahrung.

Werte können nie statisch sein; Realität bedeutet Veränderung, Wachstum. Veränderung ohne Wachstum, ohne Bedeutungserweiterung und Steigerung der Werte - ist wertlos, potentiell übel. Je höher die Qualität kosmischer Anpassung ist, umso mehr Bedeutung besitzt jede Erfahrung. Werte sind keine vorstellungsmäßigen Illusionen, sie sind wirklich, aber sie hängen immer von der Tatsache von Beziehungen ab. Werte sind immer zugleich wirklich und potentiell - nicht was war, sondern was ist und was sein soll.

Die Verknüpfung von Wirklichem und Potentiellem ist gleich Wachstum, erfahrungsmäßige Verwirklichung von Werten. Aber Wachstum ist nicht nur Fortschritt. Fortschritt ist immer bedeutungsvoll, aber ohne Wachstum ist er relativ wertlos. Der höchste Wert des Menschenlebens besteht im Wachstum von Werten, im Fortschritt der Bedeutungen und in der Verwirklichung der kosmischen gegenseitigen Verflechtung dieser beiden Erfahrungen. Und ebendiese Erfahrung ist gleichbedeutend mit Gottesbewusstsein. Ein solcher Sterblicher wird, wenn auch nicht übernatürlich, so doch wahrhaft übermenschlich; eine unsterbliche Seele entwickelt sich.

Der Mensch kann Wachstum nicht verursachen, aber er kann günstige Bedingungen dafür schaffen. Wachstum, ob physischer, intellektueller oder geistiger Natur, geschieht immer unbewusst. Die Liebe wächst in dieser Art; sie kann nicht geschaffen, hergestellt oder gekauft werden; sie muss wachsen.

Ein Kurs in Wundern zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die uns daran hindern, uns der Gegenwart der Liebe, die unser angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein. Das Gegenteil von Liebe ist Angst, doch was allumfassend ist, kann kein Gegenteil haben.

Das große Problem religiösen Lebens besteht in der Aufgabe, die Seelenkräfte der Persönlichkeit durch die Herrschaft der LIEBE zu einen. Gesundheit, intellektuelle Leistungsfähigkeit und Glück ergeben sich aus der Einigung der physischen Systeme, der mentalen Systeme und der geistigen Systeme. Der Mensch versteht viel von körperlicher und mentaler Gesundheit, aber an Glück hat er wahrhaft herzlich wenig vollbracht. Das höchste Glück ist unauflöslich an geistigen Fortschritt gebunden. Geistiges Wachstum zeitigt bleibende Freude und einen Frieden, der alles Begreifen übersteigt.

Evolutionäre Religionen und offenbarte Religionen mögen sich in ihren Methoden stark voneinander unterscheiden, aber in ihrem Beweggrund sind sie sich sehr ähnlich. Religion ist keine spezifische Lebensfunktion; sie ist vielmehr eine Lebensweise. Wahre Religion ist eine rückhaltlose Hingabe an eine Realität, die in den Augen des Glaubenden für ihn selber sowie für die ganze Menschheit allerhöchsten Wert besitzt. Und die hervorstechenden Merkmale sämtlicher Religionen sind: bedingungslose Treue gegenüber höchsten Werten und völlige Hingabe an sie. Diese religiöse Hingabe an höchste Werte zeigt sich in der Beziehung einer angeblich areligiösen Mutter zu ihrem Kind und im glühenden Einstehen Nichtgläubiger für die Sache, der sie sich verschrieben haben.

Was ein Glaubender als höchsten Wert angenommen hat, mag niedrig oder gar falsch sein, aber es ist nichtsdestoweniger religiös. Eine Religion ist genau in dem Maße authentisch, wie der Wert, den sie für den höchsten hält, wirklich eine kosmische Realität von echter geistiger Gültigkeit ist.

Aber wahre Religion ist eine lebendige Liebe, ein Leben des Dienens. Die Loslösung des Gläubigen von vielem rein Zeitlichen und Trivialen führt nie zu gesellschaftlicher Isolation und sollte den Sinn für Humor nicht zerstören. Echte Religion nimmt der menschlichen Existenz nichts weg, hingegen bereichert sie das ganze Leben mit neuen Bedeutungen; sie erzeugt neue Arten von Enthusiasmus, Eifer und Mut.

Eines der erstaunlichsten Merkmale wahren religiösen Lebens ist jener dynamische und sublime Friede, jener Friede, der alles menschliche Begreifen übersteigt, jenes kosmische Gleichgewicht, das von Abwesenheit allen Zweifels und jeglicher Aufregung zeugt. Solche Ebenen geistiger Stabilität sind immun gegen Enttäuschung. Solche Gläubige sind wie der Apostel Paulus, der sagte: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder gegenwärtige noch zukünftige Dinge, weder Höhen noch Tiefen noch irgendetwas anderes uns von der Liebe Gottes wird scheiden können.“

Ein Gefühl von Sicherheit, das mit dem Erleben triumphierender Herrlichkeit einhergeht, herrscht im Bewusstsein des Gläubigen, der die Realität des Supremen erfasst hat und das Ziel des Ultimen verfolgt.

Die große Charaktervollkommenheit die Jesus von Nazareth während seines Aufenthaltes in Menschengestalt erwarb, kann jedem menschlichen Gläubigen als Vorbild dienen. Der einmalige Wesenszug der Persönlichkeit des Meisters war weniger ihre Vollkommenheit als ihre Symmetrie, ihre wunderbare und ausgewogene Einigung.

Die nie versiegende Freundlichkeit Jesu rührte die Herzen der Menschen, aber seine robuste Charakterstärke erstaunte seine Anhänger. Er war wahrhaftig aufrichtig; es gab in ihm keine Spur von Heuchelei. Er war frei von jeder Affektiertheit; er war stets von so erfrischender Echtheit. Er ließ sich nie zu Verstellung herab und nahm nie zu Täuschung Zuflucht. Er lebte die Wahrheit gerade so, wie er sie lehrte. Er war die Wahrheit.

Der Menschensohn war immer eine wohlausgewogene Persönlichkeit. Selbst seine Feinde bewahrten immer einen heilsamen Respekt vor ihm; sie fürchteten seine Gegenwart sogar. Jesus war unerschrocken. Er quoll über von göttlichem Enthusiasmus, wurde aber nie fanatisch. Er war emotional aktiv, aber nie sprunghaft. Er war imaginativ, aber immer praktisch. Er trat den Realitäten des Lebens offen gegenüber, war aber nie langweilig oder prosaisch. Er war mutig, aber nie verwegen; vorsichtig, aber nie feige. Er war mitfühlend, aber nie sentimental; einmalig, aber nicht exzentrisch. Er war fromm, aber nicht frömmelnd. Und er war so ausgewogen, weil er so vollkommen geeint war.

Jesu Originalität wurde durch nichts unterdrückt. Er war nicht durch Tradition gebunden oder durch Hörigkeit gegenüber engen Konventionen behindert. Er sprach mit zweifelsfreier Zuversicht und lehrte mit absoluter Autorität. Aber seine prachtvolle Originalität ließ ihn die Juwelen der Wahrheit in den Lehren seiner Vorgänger und Zeitgenossen nicht übersehen. Und die originellste seiner Lehren war die Betonung von Liebe und Barmherzigkeit anstelle von Furcht und Opfer.

Jesus war eine ungewöhnlich fröhliche Person, aber er war nicht blind und unvernünftig optimistisch. Seine ständige Aufforderung war: „Seid guten Mutes!“ Er konnte seine vertrauensvolle Haltung beibehalten wegen seines unerschütterlichen Vertrauens an Gott und seines unbeirrbaren Vertrauens in die Menschen. Er brachte allen Menschen stets rührende Aufmerksamkeit entgegen, weil er sie liebte und an sie glaubte. Und doch blieb er seinen Überzeugungen immer treu und war wunderbar fest in seiner Hingabe an die Ausführung des Willens seines Vaters.

Der Meister war immer freigebig. Er wurde nie müde zu sagen: „Es liegt größerer Segen im Geben als im Nehmen.“ Er sagte: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Und doch war er bei all seiner grenzenlosen Großzügigkeit nie verschwenderisch oder extravagant.

Dieser Mann aus Galiläa war nicht ein Mann der Schmerzen; er war eine von Freude erfüllte Seele. Immer wieder sagte er: „Freut euch und seid über alles fröhlich.“ Aber wenn die Pflicht es verlangte, war er willens, tapfer durch das „Tal der Todesschatten“ zu schreiten. Er war freudig, aber zugleich demütig.

Seinem Mut kam nur seine Geduld gleich. Wenn man ihn zu verfrühtem Handeln drängte, erwiderte er nur: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Er war nie in Eile; seine Fassung war sublim. Aber Irrtümer im Geiste duldete er nicht. Er fühlte sich oft mächtig gedrängt, sich gegen Dinge aufzulehnen, die dem Wohl seiner Erdenkinder zuwiderliefen. Aber seine Empörung angesichts von Irrtümern im Geiste führte ihn nie zu Zorn über den Irrenden.

Sein Mut war großartig, aber er war nie tollkühn. Seine Losung war: „Fürchtet euch nicht.“ Seine Bravour war umwerfend und sein Mut oft heroisch. Aber sein Mut war mit Diskretion verbunden und durch Vernunft beherrscht. Es war ein aus Vertrauen geborener Mut und nicht die Verwegenheit blinder Anmaßung. Er war wahrhaft unerschrocken, aber nie waghalsig.

Jesus war die vollkommen geeinte menschliche Persönlichkeit. Und heute wie damals in Galiläa fährt er fort, die menschliche Erfahrung zu einen und die Anstrengungen der Sterblichen zu koordinieren. Er eint das Leben, veredelt den Charakter und vereinfacht die Erfahrung. Er zieht in den menschlichen Verstand ein, um ihn zu heben, zu verwandeln und zu verklären. Es ist buchstäblich wahr: „Hat jemand Jesus Christus in sich, ist er ein neues Geschöpf; das Alte geht dahin; siehe, alle Dinge werden neu.“

Die Wahre Natur der Religion

Die Wahre Natur der Religion und Religion als Kult, wie sie gewöhnlich verstanden wird, als evolutionäre oder formalisierte Religion, ist etwas grundsätzlich anderes. In dieser Welt gibt es die erstaunliche Tendenz, widersprüchliche Wörter in einem Begriff zu verbinden, ohne den Widerspruch überhaupt wahrzunehmen. Die Spaltung im Geiste drückt sich auch in Form der unterschiedlichen und teilweise unversöhnlichen Weltreligionen aus. Doch damit nicht genug, die Weltreligionen sind auch in sich selbst gespalten und selbst diese Gruppierungen stehen sich teilweise feindlich gegenüber. Der Versuch, die Religion zu formalisieren, ist so offensichtlich ein Egoversuch, das Unvereinbare miteinander zu vereinen, dass er hier keiner genaueren Ausführung bedarf. Wahre Religion ist Erfahrung.

Überhaupt ist der Glaube an GOTT kein wirklich sinnvolles Konzept, denn GOTT kann nur erkannt werden. Glaube beinhaltet, dass Unglaube möglich ist, aber die Erkenntnis GOTTES hat kein wirkliches Gegenteil. GOTT nicht zu erkennen heißt, keine Erkenntnis zu haben. Und ohne Erkenntnis kann man nur Glauben haben.

Auch Atheismus ist eine Religion im Sinne eines Glaubens, der eine klare Vorstellung von Gott beinhaltet, denn es kann nur an etwas nicht geglaubt werden, von dem man eine Vorstellung hat.

Es gibt tatsächlich eine wahre, echte innere Stimme, jenes wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt. Und diese geistige Führung, in Ein Kurs in Wundern als HEILIGER GEIST bezeichnet, ist verschieden von der ethischen Eingebung des menschlichen Bewusstseins. Das Gefühl religiöser Gewissheit ist mehr als ein emotionales Gefühl. Die Gewissheit der Religion übersteigt die Vernunftgründe des Verstandes und sogar die Logik der Philosophie. Wahre Religion ist Glaube, Vertrauen und Gewissheit.

Wahre Religion ist nicht ein System philosophischer Anschauungen, die man durchdenken und durch natürliche Beweise erhärten kann, noch ist sie eine phantastische, mystische Erfahrung unbeschreiblicher ekstatischer Gefühle, die nur von den romantischen Anhängern des Mystizismus genossen werden kann. Religion ist nicht das Produkt der Vernunft, aber von innen her betrachtet, ist sie ganz und gar vernünftig. Religion leitet sich nicht von der Logik menschlicher Philosophie ab, aber als eine menschliche Erfahrung ist sie ganz und gar logisch. Religion ist das Erfahren der Göttlichkeit im Bewusstsein eines sittlichen Wesens evolutionären Ursprungs; sie stellt eine wahre Erfahrung mit ewigen Realitäten im Zeitlichen dar, die Verwirklichung des Friedens GOTTES schon in Menschengestalt.

Der göttliche Geist tritt mit dem Menschen nicht über Gefühle und Emotionen in Kontakt, sondern in der Zone des höchsten und vergeistigten Denkens. Unsere Gedanken sind es, und nicht unsere Gefühle, die uns gottwärts leiten. Der Geist, der Gott tatsächlich erkennt, ist der reine Geist. Solch innere und geistige Verbindung nennt man geistige Schau oder CHRISTI Schau.

Die Tatsache der wahren Religion besteht ganz und gar in der religiösen Erfahrung. All jene Menschen, die eine derartige Erfahrung gemacht haben, brauchen keine Argumente, die für GOTTES Realität sprechen, während für alle anderen Menschen, die GOTTES nicht in dieser Weise sicher sind, kein denkbares Argument je wahrhaft überzeugend sein kann.

Die Tatsache menschlicher Erfahrung ist der Beweis, dass Offenbarung wirklich Offenbarung ist: die Tatsache, dass Offenbarung effektiv die scheinbar auseinanderklaffenden Naturwissenschaften und die Theologie der Religion miteinander in einer harmonischen und folgerichtigen Metaphysik des Lebens versöhnt.

Auch wenn das Ziel jedes spirituellen Weges die Erfahrung ist, braucht es als Basis eine wahrhaftige und klare Metaphysik, denn wenn die Metaphysik falsch ist, führt die darauf aufbauende Praxis nicht zum Erwachen.

Die Offenbarung der Wahrheit erfolgt, entweder durch direktes persönliches Wirken des HEILIGEN GEISTES, in diesem Sinne wird der Begriff in Ein Kurs in Wundern verwendet, oder durch die Selbsthingabe göttlicher Söhne an die Welt (Jesus), oder durch Offenbarungen des geschriebenen Wortes, wie sie Ein Kurs in Wundern darstellt. Ein Kurs in Wundern ist eine inspirierte Offenbarung von Jesus, der zum auferstandenen SOHN GOTTES geworden ist. Jesus ist die Manifestation des HEILIGEN GEISTES, DEN er auf die Erde herabrief, nachdem er vollständig mit dem CHRISTUS gleichgesetzt ward, dem SOHN GOTTES, wie ER IHN schuf.

Offenbarungen - im allgemeinen Sinne und nicht wie der Begriff im Kurs verwendet wird - sind nicht notwendigerweise inspiriert. Die Kosmologie der Offenbarung, aus der die hier gemachten Aussagen über die Evolution der Religion weitgehend stammen, kommt aus dem Urantia-Buch, stammt also von geistigen Entitäten, ist aber nicht inspiriert. Sie hält sich in den Grenzen zur Koordinierung und Sortierung des heutigen Wissens. Geistige oder CHRISTI Schau ist ein Wunder, aber menschliche Weisheit muss sich entwickeln. Obwohl Ausführungen über Kosmologie nie inspiriert sind, sind derartige Enthüllungen doch von immensem Wert in dem Sinne, dass sie das Wissen wenigstens vorübergehend klären.

Die Natur bietet keinen Ansatzpunkt für einen logischen Glauben an das Fortleben des menschlichen Geistes. GOTT kann durch die Natur allein nicht gefunden werden, aber wenn der Mensch ihn auf anderem Weg gefunden hat, wird das Studium der Natur ganz und gar mit einer höheren und geistigeren Interpretation des Universums vereinbar. Wenn unser Geist berichtigt ist und wir uns nicht mehr auf die Sinne des Körpers verlassen, sondern auf die Stimme für GOTT hören, dann wird Lektion 151 aus dem Kurs zu unserer alltäglichen Erfahrung: "Alle Dinge sind ein Echo der Stimme für Gott."

Jesu Lehren bildeten die erste Religion der Erde, die eine volle harmonische Koordination von Wissen, Weisheit, Glauben, Wahrheit und Liebe enthielt, dass sie gleichzeitig und vollständig gewähren konnte: Ruhe in der Zeit, intellektuelle Gewissheit, sittliche Erleuchtung, philosophische Stabilität, ethisches Feingefühl, Gottesbewusstsein und die eindeutige Gewissheit geistigen Fortlebens. Jesu Lehre wies den Weg nach der Endgültigkeit menschlicher Errettung, nach der Ultimität menschlicher Vollbringung im Universum, da er gewährte:
  1. Errettung aus den materiellen Ketten durch das persönliche Innewerden der Sohnesbeziehung zu GOTT, der Geist ist.

  2. Errettung aus intellektueller Versklavung: Der Mensch soll die Wahrheit kennen lernen, und die Wahrheit wird ihn befreien.

  3. Errettung aus geistiger Blindheit, das menschliche Gewahrwerden der Brüderlichkeit aller Universumsgeschöpfe; die Entdeckung geistiger Realität durch Dienen, und die Offenbarung der Güte der Geisteswerte durch tätige Liebe.

  4. Errettung aus der Unvollständigkeit des Selbst.

  5. Errettung vom Selbst, Erlösung aus den Begrenzungen des Selbstbewusstseins.

  6. Errettung aus der Zeit, die Erringung eines ewigen Lebens nie endenden Fortschritts in der Erkenntnis GOTTES und im Dienst an ihm.

  7. Errettung vom Endlichen, das vervollkommnete Einssein mit der Gottheit.
Jesu Erkenntnis kam dem Status eines universalen Absoluten nahe, insoweit etwas Derartiges in dem sich entwickelnden Kosmos von Zeit und Raum überhaupt manifestierbar ist. Der Mensch, der sich Jesu Lehre aneignet, kann schon in der Zeit einen Vorgeschmack von den Realitäten der Ewigkeit bekommen. Jesus machte - in menschlicher Erfahrung - die Entdeckung des VATERS, und wir irdischen Brüder können ihm in dieser selben Erfahrung der VATER-Entdeckung nachfolgen. Wir können sogar, so wie wir sind, in dieser Erfahrung mit dem VATER dieselbe Befriedigung erreichen wie Jesus, so wie er war. Jesus ist auf dem Weg vorangegangen.

Jesus war und ist der neue und lebendige Weg, über den der Mensch seine göttliche Erbschaft antreten kann, die nach des VATERS Beschluss die seine sein soll, wenn ihn bloß danach verlangt. Jesus bleibt ein ERLÖSER, weil er das Falsche sah, ohne es als wahr zu akzeptieren. Und CHRISTUS brauchte seine Gestalt, auf dass ER Menschen erscheinen und sie aus ihren eigenen Illusionen erlösen konnte. In Jesus zeigen sich im Überfluss Anfang und Ende der Glaubenserfahrung der Menschheit. Doch es genügt nicht bloß ein Fan von Jesus zu sein, sondern es braucht die bedingungslose Bereitschaft zur Nachfolge.

In seiner vollständigen Identifikation mit dem CHRISTUS - dem vollkommenen SOHN GOTTES, SEINER einen Schöpfung und SEINEM Glück, für immer wie ER SELBST und eins mit IHM - wurde Jesus zu dem, was wir alle sind. Er ging auf dem Weg voran, auf dass wir ihm folgen. Er führt uns zu GOTT zurück, weil er die Straße vor sich sah und ihr folgte. Er traf eine klare Unterscheidung, die für uns immer noch verschleiert ist, zwischen dem Falschen und dem Wahren. Er hat uns eine endgültige Demonstration geboten, dass es unmöglich ist, GOTTES SOHN zu töten; noch kann sein Leben in irgendeiner Weise durch Sünde und das Übel, Böswilligkeit, Angst oder Tod verändert werden.

Die Fundamente Religiösen Glaubens

Zu Überzeugungen über Gott kann man durch weise Überlegung gelangen, aber das Wissen um Gott erlangt der Einzelne nur durch persönliche Erfahrung. Bei vielem, was das Leben betrifft, muss man mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, aber wenn es sich um den Kontakt mit der kosmischen Realität handelt, kann man Gewissheit erfahren, wenn man sich solchen Bedeutungen und Werten durch lebendiges Gottvertrauen nähert. Der Gott kennende Mensch wagt zu sagen „Ich weiß“, selbst wenn dieses Wissen um Gott durch den Unwissenden in Frage gestellt wird, der eine solche Gewissheit verneint, weil sie nicht gänzlich auf intellektueller Logik beruht. Jedem derartigen Zweifler antwortet der Wissende nur: „Wie weißt du, dass ich nicht weiß?“

Gott ist die erste Wahrheit und die letzte Tatsache; deshalb hat alle Wahrheit ihren Ursprung in ihm, während alle Tatsachen in Beziehung zu ihm existieren. Gott ist absolute Wahrheit. Deshalb lehrt uns Jesus in EKIW: "Vielleicht wird es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass sich niemand über eine Tatsache ärgern kann. Es ist immer eine Deutung, die negative Gefühle aufkommen lässt."

Der überzeugende Beweis dieser geistigen Gewissheit besteht in den sozialen Früchten des Geistes, die solche Menschen aufgrund dieser echten geistigen Erfahrung hervorbringen. Jesus sagte: „Wenn ihr eure Nächsten liebt, wie ich euch geliebt habe, werden alle Menschen wissen, dass ihr meine Jünger seid.“

Für die Wissenschaft ist Gott eine Möglichkeit, für die Psychologie eine Wünschbarkeit, für die Philosophie eine Wahrscheinlichkeit, für die Religion eine Gewissheit, eine Wirklichkeit religiöser Erfahrung. Der Materialismus setzt den Wert des menschlichen Lebens herab; das Evangelium Jesu erhöht jeden Sterblichen auf unerhörte Weise und vergöttlicht ihn. Die menschliche Existenz muss als etwas angesehen werden, das aus der fesselnden und faszinierenden Erfahrung besteht, sich der Realität der Begegnung zwischen menschlichem Aufschwung und göttlichem, rettendem Herabbeugen bewusst zu werden.

Es ist wahr, dass aus nichtreligiösen Wurzeln viele anscheinend religiöse Wesenszüge wachsen können. Der Mensch kann in seinem Intellekt Gott verneinen und trotzdem sittlich gut, treu, ein guter Sohn, ehrlich und gar idealistisch sein. Der Mensch kann seiner zugrunde liegenden geistigen Natur viele rein humanistische Zweige aufpfropfen und damit scheinbar seine Behauptungen über eine Religion ohne Gott beweisen, aber solch eine Erfahrung ist ohne Fortlebenswerte, ohne Kenntnis Gottes und ohne Aufstieg zu Gott. In einer solchen menschlichen Erfahrung erscheinen nur soziale, aber keine geistigen Früchte.

Der Gott Kennende ist nicht jemand, der für Schwierigkeiten blind wäre oder Hindernisse nicht gewahren würde, die einem Finden Gottes angesichts des Irrgartens aus Aberglauben, Tradition und materialistischen Tendenzen der modernen Zeit im Wege stehen. Er ist all diesen Abschreckungsmitteln begegnet und hat über sie gesiegt, sie durch lebendiges Gottvertrauen überwunden und ihnen zum Trotz das Hochland geistiger Erfahrung betreten. Aber es ist wahr, dass viele, die Gottes in ihrem Inneren sicher sind, sich davor fürchten, solche Gefühle der Gewissheit laut auszusprechen wegen der Vielzahl und Gerissenheit jener, die Einwände gegen das Vertrauen in Gott zusammentragen und die damit verbundenen Schwierigkeiten aufbauschen. Es braucht keine große Tiefe des Intellekts, um Schwachpunkte aufzugreifen, Fragen zu stellen oder Einwände zu erheben. Hingegen bedarf es eines glänzenden Verstandes, um auf solche Fragen zu antworten und solche Schwierigkeiten zu lösen; Glaubensgewissheit ist die größte Technik, um mit all diesen oberflächlichen Anfechtungen zurechtzukommen. Dabei geht es jedoch nicht darum, auswendig gelernte Konzepte herunterzubeten, sondern darum den Geist für den Heiligen Geist zu öffnen und den Verstand seiner Führung zu unterstellen.

Der stärkste Beweis für die Realität und Wirksamkeit der Religion liegt in der Tatsache der menschlichen Erfahrung, nämlich darin, dass der Mensch, von Natur aus furchtsam und argwöhnisch, mit einem angeborenen starken Selbsterhaltungstrieb ausgestattet und sich nach einem Fortleben nach dem Tode sehnend, gewillt ist, die wesentlichsten Interessen seiner Gegenwart und Zukunft der Obhut und Leitung jener Macht anzuvertrauen, die sein Glaube mit Gott bezeichnet. Das ist die zentrale Wahrheit aller Religion. Aber hinsichtlich dessen, was diese Macht vom Menschen im Gegenzug für seine Behütung und schließliche Errettung verlangt, sind sich nicht zwei Religionen einig; in der Tat sind sie alle mehr oder weniger verschiedener Meinung.

Die Unterschiede zwischen den Religionen verschiedener Zeitalter hängen allein von den Unterschieden im menschlichen Erfassen der Realität ab und von der unterschiedlichen Einstufung sittlicher Werte, ethischer Beziehungen und geistiger Realitäten.

Während die persönliche Religion der Entwicklung menschlicher Sittlichkeit vorauseilt, ist es eine bedauerliche Tatsache, dass die institutionelle Religion ausnahmslos den sich langsam verändernden Sitten der menschlichen Völker nachgehinkt ist. Organisierte Religion hat sich als konservativ träge erwiesen. Im Allgemeinen haben die Propheten das Volk zu religiöser Entwicklung geführt, während die Theologen es gewöhnlich zurückgehalten haben. Da Religion eine Angelegenheit innerer oder persönlicher Erfahrung ist, kann sie sich nie sehr weit über die intellektuelle Evolution der Völker hinausentwickeln.

Immer und ewig wurzelt Religion in persönlicher Erfahrung und gründet auf ihr. Und unsere höchste Religion, das Leben Jesu, war gerade solch eine persönliche Erfahrung: der Mensch, der sterbliche Mensch, der Gott sucht und ihn während eines einzigen kurzen Erdenlebens in Fülle findet, während in derselben menschlichen Erfahrung Gott erschien, der den Menschen suchte und ihn fand. Und das ist Religion, ja sogar die höchste bis dahin in unserem Universum offenbarte Religion - das irdische Leben Jesu von Nazareth.

Die Realität Religiöser Erfahrung

Die Einheit religiöser Erfahrung ist auf die identische Natur des dem Einzelnen innewohnenden Gottesfragmentes zurückzuführen. Es ist dieses Göttliche im Menschen, was sein selbstloses Interesse am Wohlergehen anderer Menschen entstehen lässt. Aber da die Persönlichkeit einmalig ist - keine zwei Menschen sind sich gleich - folgt daraus zwangsläufig, dass keine zwei menschlichen Wesen die Weisungen und Impulse des in ihrem Verstand wohnenden göttlichen Geistes gleich interpretieren werden. Eine Gruppe von Menschen kann eine geistige Einheit erfahren, aber nie zu philosophischer Uniformität gelangen.

Wenn ein Mensch mit der religiösen Philosophie eines anderen Menschen voll übereinstimmt, zeigt dieses Phänomen, dass diese beiden Wesen in den Dingen, auf die sich ihre gleichartige philosophische religiöse Interpretation bezieht, eine gleiche religiöse Erfahrung gehabt haben.

Zwar ist unsere Religion eine Sache persönlicher Erfahrung, aber es ist äußerst wichtig, dass wir mit einer großen Zahl verschiedener Interpretationen anderer Menschen bekannt werden, um unser religiöses Leben davor zu bewahren, egozentrisch zu werden - eng, eigensüchtig und asozial.

Es fällt den Menschen viel leichter, über religiöse Werte - Ziele - einer Meinung zu sein als über Glaubensvorstellungen - Interpretationen. Und das erklärt, weshalb Religion sich in Werten und Zielen einig sein kann, während sie das verwirrende Schauspiel bietet, an Hunderte von sich bekämpfenden Vorstellungen - Kredos - zu glauben. Und das erklärt auch, weshalb eine gegebene Person an ihrer religiösen Erfahrung festhalten kann, obwohl sie viele ihrer religiösen Überzeugungen aufgibt oder ändert.

Alles wird ganz einfach, wenn Erlösung unser einziges Ziel ist. Wenn wir in jeder Situation nur dieses eine wahre Ziel sehen, sie wird es ein Mittel sein, nur dies zu bringen. Wenn wir die Wahrheit als Ziel für unsere Beziehungen akzeptieren, werden wir sicher zu einem Friedensbringer. Dann wird sich unser Ziel nie verändern, denn wir haben angenommen, was sich niemals ändern kann. Unsere Befreiung ist gewiss. Wir geben so, wie wir empfangen haben. Und zeigen auf, dass wir uns weit über jede Situation erhoben haben, die uns zurück - und von IHM getrennt halten könnte, auf DESSEN Ruf wir geantwortet haben.

Schon bevor die Religion in das menschliche Bewusstsein eintritt, wirkt sie im menschlichen Verstand und ist als Erfahrung verwirklicht worden. Ein Kind hat bereits etwa neun Monate lang existiert, bevor es die Erfahrung der Geburt macht. Aber die „Geburt“ der Religion ist nichts Plötzliches; es handelt sich vielmehr um ein allmähliches Erwachen. Trotzdem gibt es früher oder später einen „Tag der Geburt“ (siehe Filmanalyse von Die Truman Show). Man findet keinen Eintritt ins Königreich des Himmels, außer man sei „wiedergeboren“ - aus dem Geiste geboren. Viele geistige Geburten sind von großer geistiger Angst und ausgeprägten psychologischen Störungen begleitet, gerade so wie viele physische Geburten durch „starke Wehen“ und andere Anomalien der „Entbindung“ gekennzeichnet werden. Andere geistige Geburten sind ein natürliches und normales Wachstum des Erkennens höchster Werte, einhergehend mit einer verstärkten geistigen Erfahrung, obwohl keine religiöse Entwicklung ohne bewusste Anstrengung und eindeutige individuelle Entscheidungen vor sich geht. Religion ist nie eine passive Erfahrung, eine negative Haltung.

Aber all jene, die von ihren Eltern so erzogen wurden, dass sie im Bewusstsein aufwuchsen, die Kinder eines liebenden himmlischen Vaters zu sein, sollten jene Mitmenschen nicht scheel ansehen, die nur durch eine psychologische Krise, einen Gefühlsaufruhr zu einem solchen Bewusstsein der Kameradschaft mit Gott gelangen konnten.

Der evolutionäre Boden des menschlichen Gemütes, in dem der Samen offenbarter Religion keimt, ist die sittliche Natur, die schon so früh ein soziales Bewusstsein entstehen lässt. Die ersten Eingebungen der sittlichen Natur eines Kindes haben nichts mit Geschlecht, Schuld oder persönlichem Stolz zu tun, sondern sind Regungen der Gerechtigkeit und Fairness, der Drang, Liebes zu tun, seinen Mitmenschen zu helfen. Und wenn solch ein frühes sittliches Erwachen unterstützt wird, findet eine allmähliche Entwicklung des religiösen Lebens statt, das von Konflikten, Erschütterungen und Krisen vergleichsweise frei ist.

Jedes menschliche Wesen erlebt schon sehr früh so etwas wie einen Konflikt zwischen seinen selbstsüchtigen und seinen altruistischen Regungen, und viele Male gelangt man zur ersten Erfahrung von Gottesbewusstsein, nachdem man zur Lösung solch sittlicher Konflikte übermenschliche Hilfe gesucht hat.

Die Psychologie eines Kindes ist von Natur aus positiv und nicht negativ. So viele Sterbliche sind negativ, weil man sie so erzogen hat. Wenn wir sagen, dass das Kind positiv ist, beziehen wir uns auf seine sittlichen Impulse, jene mentalen Kräfte, deren Erwachen die Ankunft des Heiligen Geistes verrät.

Sittliche Entscheidungen sind gewöhnlich mehr oder weniger von sittlichen Konflikten begleitet. Und der allererste Konflikt im kindlichen Verstand entsteht zwischen dem Drängen des Egoismus und den Regungen der Selbstlosigkeit. Der Heilige Geist übersieht den Wert des egoistischen Motivs für die Persönlichkeit nicht, aber er arbeitet im Sinne einer leichten Bevorzugung des selbstlosen Impulses, der zum Ziel menschlichen Glücks und zu den Freuden des Himmelreichs führt.

Wenn sich ein sittliches Wesen, das den Drang zu egoistischem Handeln verspürt, zu selbstlosem Handeln entschließt, ist das eine primitive religiöse Erfahrung. Kein Tier kann eine solche Wahl treffen; solch eine Entscheidung ist sowohl menschlich als auch religiös. Sie schließt die Tatsache des Gottesbewusstseins ein und lässt den Impuls zu sozialem Dienen, der Grundlage menschlicher Brüderlichkeit, erkennen. Wenn sich der Verstand in einem freien Willensakt für ein echt sittliches Urteil entscheidet, ist solch eine Entscheidung eine religiöse Erfahrung.

Aber bevor sich ein Kind genügend entwickelt hat, um sittliche Fähigkeiten zu erwerben und deshalb den selbstlosen Dienst wählen zu können, hat es bereits eine starke, gut geeinte egoistische Natur entwickelt. Und die Tatsache dieser Situation lässt die Theorie vom Kampf zwischen der „höheren“ und der „niedrigeren“ Natur entstehen, zwischen dem „alten sündigen Menschen“ und der „neuen Natur“ der Gnade. Dies ist der scheinbare Kampf von der Dunkelheit gegen das Licht. Es ist ein Prozess im Geiste des Menschen und kein Kampf gegen dunkle Mächte im Außen. Außerdem ist es nur ein scheinbarer Kampf, weil die Dunkelheit eine Illusion ist. Wer sich wahrhaftig dem Licht zuwendet wird zur Erkenntnis gelangen, dass es keine Dunkelheit gibt und nie gegeben hat.

Der Mensch neigt dazu, den Trieb, sich selbst zu dienen, mit seinem Ich - mit sich selber - zu identifizieren. Im Gegensatz dazu identifiziert er den Willen, selbstlos zu sein, eher mit einem von außen kommenden Einfluss - mit Gott. Und in der Tat hat er mit seinem Urteil recht, denn alle derartigen selbstlosen Wünsche entspringen wirklich den Weisungen des Heiligen Geistes. Der Impuls des geistigen Mentors wird im menschlichen Bewusstsein als das Verlangen wahrgenommen, selbstlos, auf das Wohl seiner Mitgeschöpfe bedacht zu sein. Wenigstens ist dies die frühe, grundlegende Erfahrung des kindlichen Gemütes. Wenn dem heranwachsenden Kind die Einigung der Persönlichkeit misslingt, kann ein fehlgeleitetes Bewusstsein für manchen Konflikt, für viel Sorgen und Leid und menschliches Unglück ohne Ende verantwortlich werden.

Der charakteristische Unterschied zwischen einem gesellschaftlichen Ereignis und einer religiösen Versammlung besteht darin, dass die religiöse im Kontrast zur weltlichen Veranstaltung von einer Atmosphäre geistiger Verbundenheit durchdrungen ist. Auf diese Weise erzeugt ein menschlicher Zusammenschluss ein Gefühl der Verbindung mit dem Göttlichen, und das ist der Beginn der Anbetung in der Gruppe. Die Teilnahme an einem gemeinsamen Mahl war die früheste Art sozialer Verbindung mit Gott, und so sorgten die frühen Religionen dafür, dass ein Teil des zeremoniellen Opfers von den zur Anbetung Versammelten verspiesen wurde. Selbst im Christentum behält des Herrn Abendmahl diese Art der Verbindung bei. Jesus hatte sich dieses Mittels bedient, aber sein Ziel war es nicht, sein Blut und Fleisch zu teilen, sondern die Menschen dazu zu bringen, zumindest während der Mahlzeiten innezuhalten und sich mit Gott zu verbinden. Die Mahlzeiten sollten als Hilfsmittel dienen, damit die Menschen sich regelmäßig an seine Lehre erinnern würden. Die Atmosphäre des gemeinsamen Teilens gewährt eine erfrischende und stärkende Atempause im Konflikt des sich selbst suchenden Ego mit dem altruistischen Drängen des innewohnenden geistigen Mentors. Und das ist das Vorspiel zu wahrer Anbetung - der Praxis, sich der Gegenwart Gottes stets bewusst zu sein - die zum Erwachen der Bruderschaft unter den Menschen führt.

Schuldgefühl (nicht die Idee der Sünde) kommt entweder von unterbrochener geistiger Verbindung oder einer Herabwürdigung der eigenen sittlichen Ideale. Befreiung aus einer solch misslichen Lage kann nur die Erkenntnis bringen, dass unsere höchsten sittlichen Ideale nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit dem Willen Gottes sind. Der Mensch kann nicht hoffen, auf der Höhe seiner erhabensten Ideale zu leben, aber er kann seinem Vorsatz treu bleiben, Gott zu finden und ihm immer mehr zu gleichen.

Jesus fegte alles Opfer- und Sühnezeremoniell hinweg. Er zerstörte die Grundlage all dieser fiktiven Gefühle der Schuld und des Alleinseins im Universum durch seine Erklärung, dass der Mensch ein Kind Gottes ist; dadurch wurde die Geschöpf-Schöpfer-Beziehung auf das Kind-Eltern-Fundament gestellt. Gott wird für seine sterblichen Söhne und Töchter zu einem liebenden Vater. Alles Zeremonielle, das nicht ein berechtigter Teil dieser innigen Familienbeziehung ist, wurde für immer abgeschafft.

Das Idee-Ideal, anderen Gutes zu tun - der Impuls, seinem Nächsten zuliebe dem Ego etwas zu versagen - hält sich am Anfang in sehr engen Grenzen. Der primitive Mensch betrachtet als seine Nächsten nur die ihm sehr nahe Stehenden und freundlich Gesinnten; mit dem Fortschritt der religiösen Zivilisation erweitert sich die Vorstellung vom Nächsten und schließt den Klan, den Stamm und die Nation ein. Und dann dehnte Jesus ihren Gültigkeitsbereich auf die ganze Menschheit aus, dermaßen, dass wir sogar unsere Feinde lieben sollen. Und im Inneren jedes normalen Menschenwesens gibt es etwas, das ihm sagt, dass diese Lehre sittlich - richtig - ist. Selbst diejenigen, die diesem Ideal am wenigsten nachleben, lassen gelten, dass es theoretisch richtig ist.

In Ein Kurs in Wundern korrigiert Jesus auch noch die Idee der Feindesliebe: „An Feinde glauben ist deshalb an Schwäche glauben, und was schwach ist, ist nicht der WILLE GOTTES.“ „Wenn ich mir selbst vergeben und mich daran erinnert habe, WER ich bin, werde ich alles und jeden segnen, den ich sehe. Es wird keine Vergangenheit geben - und deshalb keine Feinde. Ich werde mit Liebe auf alles schauen, was ich vorher nicht sehen konnte.“ Mit anderen Worten: Wenn wir an Feinde glauben, müssen wir beten, aber nicht für unsere Feinde, sondern für die Berichtigung unserer Wahrnehmung von Feinden.

Die menschliche Interpretation der frühen Konflikte zwischen Ego-Willen und anders-als-eigensüchtigem Willen ist allerdings nicht immer zuverlässig. Am Beginn des Weges ist es mitunter schwierig zwischen der lauten Stimme des Egos und der leisen inneren Stimme für GOTT zu unterscheiden. Nur ein schon recht gut geeintes Bewusstsein kann Schiedsrichter sein im vielgestaltigen Widerstreit der Ego-Sehnsüchte mit dem knospenden religiösen Bewusstsein.

Menschliches Glück wird nur erreicht, wenn der Ego-Wunsch des Selbst und das selbtslose Drängen des höheren Selbst (des göttlichen Geistes) durch den geeinten Willen der integrierenden und überwachenden Bewusstseins miteinander koordiniert und versöhnt werden. Der Verstand des evolutionären Menschen sieht sich ständig mit dem verwickelten Problem konfrontiert, zu entscheiden im Streit zwischen der natürlichen Expansion emotionaler Impulse und dem sittlichen Wachstum selbstloser Regungen, die auf geistiger Schau gründen. Jesus spielte auf dieses Paradox an, als er sagte: „Wer immer sein Leben rettet, wird es verlieren, aber wer immer sein Leben um des Himmelreichs willen verliert, wird es finden.“

Die Verfolgung des einzig wahren Ziels - das Streben nach der Einheit mit GOTT - ist eine ständige Anstrengung, vor dem natürlichen Tode und danach. Das Leben nach dem Tode unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von der irdischen Existenz. Alles Wahrhaftige, das wir in diesem Leben tun, trägt direkt zu einer Bereicherung des künftigen Lebens bei. Wirkliche Religion fördert nicht sittliche Überempfindlichkeit und geistige Trägheit, indem sie die leere Hoffnung unterhält, das Durchschreiten der Pforte des natürlichen Todes genüge, um mit allen Tugenden eines edlen Charakters beschenkt zu werden. Wahre Religion verringert keineswegs die menschlichen Bemühungen um Fortschritt während der irdischen Lebensfrist. Jeder Gewinn des Sterblichen trägt direkt zur Bereicherung der ersten Stadien der Fortlebenserfahrung als Unsterblicher bei.

Es trägt den Menschen aus sich und weit über sich hinaus, wenn ihm einmal voll zum Bewusstsein kommt, dass in ihm etwas lebt, das ewig und göttlich ist. Und so kommt es, dass ein lebendiger Glaube an den übermenschlichen Ursprung unserer Ideale unsere Vorstellung, dass wir die Söhne Gottes sind, bestätigt und unsere selbstlosen Überzeugungen, die Gefühle menschlicher Brüderlichkeit, wirklich werden lässt.

In seinem geistigen Bereich, besitzt der Mensch tatsächlich einen freien Willen - die einzige Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Der sterbliche Mensch ist weder ein hilfloser Sklave der unnachgiebigen Souveränität eines allmächtigen Gottes noch das Opfer der hoffnungslosen Fatalität eines mechanistischen kosmischen Determinismus. Der Mensch ist im wahrhaftigsten Sinne der Architekt seiner eigenen ewigen Bestimmung.

Der Verstand - Schauplatz des Wählens

Obwohl das Wirken des Heiligen Geistes geistiger Natur ist, muss er all seine Arbeit zwangsläufig auf einer intellektuellen Grundlage verrichten. Der materielle Verstand ist der Schauplatz, wo die menschlichen Persönlichkeiten leben, ihrer selbst bewusst sind, Entscheidungen treffen, Gott wählen oder sich von ihm abwenden.

Die materielle Evolution hat uns eine Lebensmaschine, unseren Körper, zur Verfügung gestellt; der Vater selber hat uns mit der reinsten im Universum bekannten geistigen Realität, mit dem Heiligen Geist ausgestattet. Aber in unsere Hände ist der Verstand gelegt worden, der unseren eigenen Entscheidungen unterworfen ist. In diesem Verstand und mittels dieses Verstandes treffen wir jene sittlichen Entscheidungen, die uns befähigen, dem Heiligen Geist ähnlich zu werden, was heißt, Gott ähnlich zu werden.

Der sterbliche Verstand ist ein vorübergehendes intellektuelles System, das den menschlichen Wesen für die Dauer eines materiellen Lebens zum Gebrauch geliehen ist, und je nachdem, wie wir diesen Verstand benutzen, akzeptieren oder verwerfen wir unser Entwicklungspotential. Der Verstand ist so ziemlich das Einzige, das unserem Willen unterworfen ist.

"Die Einführung der Vernunft in das Gedankensystem des Ego ist der Anfang von dessen Aufhebung, denn die Vernunft und das Ego widersprechen einander."
(EKIW: Kapitel 22, III. 1. 1.)

"Vernunft an sich ist nicht Erlösung, aber sie schafft Platz für den Frieden und versetzt dich in einen Geisteszustand, in dem Erlösung dir gegeben werden kann."
(EKIW: Kapitel 22, III. 3. 1.)

Das menschliche Bewusstsein arbeitet im Verstand, dessen es bewusst ist. Und nicht so sehr das, was der Verstand versteht, als das, was der Verstand zu verstehen wünscht, ist entscheidend. Nicht so sehr, wie der Verstand ist, als wie er sich zu sein anstrengt, bedeutet eine Identifikation mit dem Geist. Nicht so sehr die Tatsache, dass der Mensch sich Gottes bewusst ist, als dass er sich nach Gott sehnt, hat den Aufstieg zur Folge. Was wir heute sind, ist weniger wichtig, als was wir Tag für Tag und in der Ewigkeit werden.

Der Verstand ist das kosmische Instrument, auf dem der menschliche Wille die Missklänge der Zerstörung spielen kann, oder dem derselbe menschliche Wille die erlesenen Melodien der Identifikation mit Gott und des daraus folgenden ewigen Fortlebens entlocken kann. Der dem Menschen geschenkte Heilige Geist ist letztlich gegen alles Schlechte gefeit und des Irrtums unfähig, aber der menschliche Verstand kann durch das Ränkespiel eines perversen und eigensüchtigen menschlichen Willens verdreht, verbogen, schlecht und hässlich werden. Ebenso kann derselbe Verstand im Einvernehmen mit dem vom Geist erleuchteten Willen eines Gott kennenden Menschenwesens edel, schön, wahr und gut - wirklich groß - werden.

Die hier verwendeten Begriffe wie gut und schlecht stellen keine Wirklichkeit dar, sondern sind lediglich als anschauliche Hinweise auf Irrtum beziehungsweise Wahrheit zu verstehen. Es gibt scheinbar den Irrtum und es gibt die Wahrheit. Nur die Wahrheit ist wahr. Die Wahrheit ist. Innerhalb der Illusion gibt es zwei Gedankensysteme, das des Egos und das des reinen Geistes. Zwischen diesen beiden gibt es keinen Berührungspunkt. Sie sind völlig gegensätzlich zueinander. Deshalb ist der Wechsel von einem zum anderen naturgemäß ein äußerst herausfordernder Prozess und eine Zeit voller innerer Widersprüche.

Gänzlich stabil und verlässlich ist der evolutionäre Verstand nur, wenn er sich an den beiden extremen Enden der kosmischen Intellektualität manifestiert - dem völlig mechanisierten und dem durch und durch vergeistigten. Zwischen den intellektuellen Extremen rein mechanischer Kontrolle und wahrer geistiger Natur befindet sich das gewaltige Heer der sich entwickelnden und aufsteigenden Verstandeswesen, deren Stabilität und Ruhe von unserer persönlichen Wahl und Identifikation mit dem Geiste abhängen. Für einen Menschen mit einem rein mechanistischen Weltbild erscheinen spirituelle Sucher daher ganz natürlich als verrückt. Und das sind sie in gewisser Weise auch, denn sie schwanken zwischen zwei Weltanschauungen und ihre Ansichten sind daher voller Widersprüche. Das ist das menschliche Paradoxon, dem jeder Mensch auf seinem Weg zu Gott begegnet. Unser innerer Friede auf unserem Weg hängt davon ab, ob wir der Stimme des Egos oder der Stimme für GOTT folgen.

Aber der Mensch übergibt dem Heiligen Geist seinen Willen nicht in passiver, sklavischer Weise. Vielmehr entschließt er sich, dessen Führung aktiv und in positivem und kooperativem Geiste zu folgen, wenn ihm bewusst wird, dass diese Führung von den Wünschen und Impulsen des natürlichen menschlichen Verstandes abweicht. Der Heilige Geist manipuliert wohl den Verstand des Menschen, beherrscht ihn aber nie gegen seinen Willen; für den Heilige Geist steht der menschliche Wille zualleroberst. Er achtet ihn hoch und respektiert ihn, während er sich bestrebt, auf dem beinah unbegrenzten Kampfplatz des sich entwickelnden menschlichen Intellektes die geistigen Ziele der Berichtigung und der Charakterverwandlung zu erreichen.

Der Verstand ist unser Schiff, der Heilige Geist unser Lotse, und der menschliche Wille ist der Kapitän. Der Herr über das menschliche Boot sollte die Weisheit haben, es dem göttlichen Lotsen vertrauensvoll zu überlassen, im Prozess der Berichtigung. Nur aus Eigensucht, Trägheit und Verblendung kann der menschliche Wille die Führung eines so liebevollen Lotsen ablehnen, kann die irdische Laufbahn an den üblen Klippen zurückgewiesener Barmherzigkeit und an den Felsen bejahten Irrtums Schiffbruch erleiden. Mit unserem Einverständnis wird uns dieser treue Lotse unversehrt durch die Sperren der Zeit und die Behinderungen des Raums zur Quelle führen.

Bedeutungen werden abgeleitet aus einer Kombination von sensorischen Wahrnehmen und Verstehen. In einer restlos sensorischen oder materiellen Welt gibt es keine Bedeutungen. Bedeutungen und Werte werden nur in den inneren oder übermateriellen Sphären der menschlichen Erfahrung wahrgenommen.

Die Lektionen 1 und 2 von EKIW lauten: „Nichts, was ich sehe, bedeutet etwas.“ „Ich habe allem, was ich sehe, die gesamte Bedeutung gegeben, die es für mich hat.“

Nur auf den höheren Ebenen des überbewussten Verstandes, wo dieser an das geistige Reich menschlicher Erfahrung grenzt, kann man jene höheren Konzepte zusammen mit wirksamen Haupt-Urmustern finden, die zum Bau einer besseren und dauerhafteren Zivilisation beitragen werden. Das individuelle Bewusstsein ist von Natur aus schöpferisch, aber es kann nur im Innenleben des Einzelnen schöpferisch wirken.

Glück und Freude entspringen dem inneren Leben. Wahre Freude kann nicht allein erfahren werden. Ein einsames Leben ist für das Glück unheilvoll. Selbst Familien und Nationen werden sich stärker am Leben freuen, wenn sie es mit anderen teilen.

Die Lektionen 93 und 355 in EKIW lauten: „Licht und Freude und Friede weilen in mir.“ „Aller Friede und alle Freude und alle Wunder, die ich geben werde, haben kein Ende, wenn ich GOTTES WORT annehme.“

Wir können die äußere Welt - unser Umfeld - nicht vollständig kontrollieren. In Wahrheit können wir sie persönlich gar nicht kontrollieren, aber es gibt einen gewissen Bereich der scheinbaren Kontrolle. Unserer Führung am stärksten unterworfen ist die Kreativität der inneren Welt, weil unser individuelles Bewusstsein dort so weitgehend von den Fesseln der weltlichen Gesetze von Ursache und Wirkung befreit ist. Mit den individuellen Bewusstsein ist eine begrenzte Souveränität des Willens verbunden.

Die Entscheidung für den Vaterwillen ist das geistige Finden des Geist-Vaters durch den sterblichen Menschen. Diese Wahl besteht nicht so sehr in der Verneinung des Geschöpfeswillens - „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe“ - als in der positiven Bekräftigung des Geschöpfes: „Es ist mein Wille, dass der deine geschehe.“ Lektion 102 in EKIW lautet daher: "Ich teile den WILLEN GOTTES, DER mein Glück will." Und ist diese Wahl einmal getroffen, wird der sich für Gott entscheidende Sohn früher oder später die innere Vereinigung mit dem ihn bewohnenden Fragment Gottes finden, und derselbe sich vervollkommnende Sohn wird höchste persönliche Erfüllung in der anbetenden Verbindung der menschlichen Persönlichkeit mit seinem Schöpfer finden: Es ist die Geburt einer neuen ewigen Partnerschaft zwischen dem Willen des Menschen und dem Willen Gottes.

Das menschliche Paradox

Dem sterblichen Menschen erwachsen viele seiner zeitlichen Schwierigkeiten aus seiner zweifachen Beziehung zum Kosmos. Der Mensch ist ein Teil der Natur - er existiert in der Natur - und doch ist er fähig, die Natur zu transzendieren. Der Mensch ist endlich, aber er wird von einem Funken der Unendlichkeit bewohnt. Diese doppelte Situation liefert nicht nur das Potential zum Üblen, sondern schafft auch viele gesellschaftliche und sittliche Situationen, die mit viel Unsicherheit und recht großer Angst verbunden sind.

Der Mut, den es zur Bezwingung der Natur und zur Transzendierung des Selbst braucht, ist ein Mut, welcher den Versuchungen des Hochmutes erliegen könnte. Der Mensch, der sein Selbst transzendieren kann, könnte der Versuchung nachgeben, sein eigenes Selbstbewusstsein zu vergöttlichen.

Das Dilemma des Sterblichen liegt in der doppelten Tatsache, dass der Mensch in den Fesseln der Natur liegt und zugleich eine einmalige Freiheit besitzt - die Freiheit geistigen Wählens. Auf den materiellen Ebenen sieht sich der Mensch der Natur unterworfen, während er auf geistigen Ebenen über die Natur und alle zeitlichen und endlichen Dinge triumphiert. Ein solches Paradox ist untrennbar verbunden mit Versuchung, potentiell Üblem und Entscheidungsirrtümern; und wenn das Selbst hochmütig und arrogant wird, führt dies zu Verstärkung des zentralen Irrtums, anstatt zur Erlösung.

"Nichts, was die Augen des Körpers zu sehen scheinen, kann irgend etwas anderes als eine Form der Versuchung sein, weil dies der Sinn und Zweck des Körpers selber war. Doch haben wir gelernt, dass der HEILIGE GEIST eine andere Verwendung für all die Illusionen hat, die du gemacht hast, und deshalb sieht ER einen anderen Sinn und Zweck in ihnen. Für den HEILIGEN GEIST ist die Welt ein Ort, an dem du lernst, dir das zu vergeben, was du für deine Sünden hältst. In dieser Wahrnehmung wird die physische Erscheinung der Versuchung zur geistigen Anerkennung der Erlösung."
(EKIW: Lektion 64, 2.)

Der Mensch kann Gottes Gesetze ohne Liebe entdecken, aber nie kann er beginnen, die unendliche Symmetrie, himmlische Harmonie und herrliche Fülle der allumfassenden Natur des Ersten Zentralen Ursprungs zu würdigen, bevor er göttliches Gesetz und göttliche Liebe gefunden und sie auf dem Erfahrungsweg in seiner eigenen, sich entwickelnden kosmischen Philosophie geeint hat.

Es ist nur natürlich, dass der sterbliche Mensch von Gefühlen der Unsicherheit bedrängt wird, wenn er sich unauflösbar an die Natur gebunden sieht, während er geistige Kräfte besitzt, die alle zeitlichen und endlichen Dinge völlig transzendieren. Nur Vertrauen in Gott kann dem Menschen inmitten solch schwieriger und verwirrender Probleme Halt geben.

Wenn der Mensch sich von einer Seite zur anderen begibt, von einem Denksystem zum anderen, von der falschen zur wahren Wahrnehmung, von der Dunkelheit zum Licht, befindet er sich auf einer Brücke zwischen zwei Welten. Das Bild von der Brücke verweist auf jenen Zustand, der durch einen ständigen Wechsel zwischen den beiden Seiten gekennzeichnet ist, durch einen ständigen Wechsel zwischen dem Denksystem des Egos und dem des reinen Geistes, durch einen ständigen Wechsel zwischen dem Nein und dem Ja zu Gott. Diese grundlegenden Konzepte kennen keine Grade. Bestimmte fundamentale Konzepte können nicht in Form von Gegensätzen verstanden werden. Es ist unmöglich, sich Licht und Dunkelheit oder alles und nichts als nebeneinander bestehende Möglichkeiten vorzustellen. Sie sind entweder ganz wahr oder ganz falsch. Der Verstand des Gott suchenden Menschen schwankt zwischen den beiden extremen Enden der kosmischen Intellektualität, dem völlig mechanisierten Verstand und dem durch und durch vergeistigten Verstand. Es ist für den Menschen daher unerlässlich zu begreifen, dass sein Denken so lange unberechenbar sein wird, bis er sich fest dem einen oder anderen verpflichtet hat. Deshalb ist es wichtig, dass er sich nicht unnötig lange mit diesem Übergang aufhält, dass er die Brücke zwischen den beiden Denksystemen so schnell wie möglich überquert. Eine Brücke ist im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Übergangslösung, der Mensch soll sich also kein persönliches Konzept daraus machen. In den Worten der Bibel ausgedrückt: Der Mensch soll sein Haus nicht auf Sand und auch nicht auf einer Brücke bauen, sondern einzig und allein auf Fels.

Das Ego versucht jedoch bei der Beschäftigung mit Spiritualität immer die Wahrheit in die Illusion zu bringen, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Egal, ob es Advaita-Konzepte gebetsmühlenartig wiederholt, oder ob es alles Dunkle aus dem eigenen Umfeld nach außen projiziert. Dahinter steckt immer derselbe Irrtum, zu glauben, dass Licht und Dunkelheit nebeneinander bestehen könnten. Es ist unmöglich, Licht in die Dunkelheit zu bringen, sondern es geht darum, die scheinbare Dunkelheit ans Licht zu bringen, damit sie erleuchtet, das heißt als Illusion erkannt wird.

Bild Auch wenn der Ausdruck dieses Bildes sehr veraltet ist, drückt es doch wunderbar aus, worum es geht. Vereint als Brüder und Schwestern, unter der Führung des Heiligen Geistes, begeben wir uns auf den Weg vom Denksystem des Egos zum Denksystem des reinen Geistes. Das erfordert Bereitschaft, Mut und bedingungsloses Vertrauen in Gott. Und Vergebung ist die Brücke der Wahrheit auf die andere Seite:

“Und was außer der Wahrheit könnte einen Gedanken haben, der eine Brücke zu ihr baut, die Illusionen auf die andere Seite bringt?”
(EKIW: Lektion 198, 8. 3.)

“Der Frieden ist die Brücke, die ein jeder überqueren wird, um diese Welt zurückzulassen. Doch beginnt der Frieden innerhalb der Welt, die als anders wahrgenommen wird, und führt von dieser neuen Wahrnehmung zur Himmelspforte und zum Weg dahinter.”
(EKIW: Lektion 200, 8. 1.&2.)

Von allen Gefahren, die die sterbliche Natur des Menschen belagern und seine geistige Integrität gefährden, ist der Hochmut, der Glaube an die eigene Besonderheit, die größte. Mut ist heldenhaft, aber Selbstüberhebung ist prahlerisch und selbstmörderisch. Ein vernünftiges Selbstvertrauen ist nicht zu beklagen. Die Fähigkeit des Menschen, über sich selbst hinauszuwachsen, ist das, was ihn vom Tierreich unterscheidet. Doch Hochmut ist betrügerisch, berauschend und gebiert Leid, ob er sich in einem Einzelnen, einer Gruppe, eines Volkes oder einer Nation findet. Es ist buchstäblich wahr, dass „Hochmut vor dem Fall kommt“.

Der uns innewohnende Heilige Geist kann dem Kampf, den wir während unserer Laufbahn in der Zeit fechten, nicht Einhalt gebieten oder ihn auch nur materiell verändern; der Heilige Geist kann die Härten des Lebens, denen wir auf unserer Reise durch diese Welt der Mühsal begegnen, auf der Ebene der Form nicht lindern. Der göttliche Bewohner kann sich nur geduldig im Hintergrund halten, während wir den Kampf des Lebens, wie es auf unserem Planeten gelebt wird, liefern; aber wir könnten, wenn wir nur wollten - während wir arbeiten und uns sorgen, kämpfen und uns abmühen - dem Heiligen Geist erlauben, mit uns und für uns zu arbeiten. Wir könnten uns außerordentlich bestärken und inspirieren, fesseln und faszinieren lassen, wollten wir dem Heiligen Geist nur erlauben, ständig die Bilder des wahren Beweggrundes, letztendlichen Ziels und ewigen Zwecks dieses ganzen schwierigen Sich-Emporarbeitens und Ringens mit den alltäglichen Problemen unserer gegenwärtigen materiellen Welt vor unser Augen zu halten.

Warum helfen wir dem Heiligen Geist nicht bei der Aufgabe, uns das geistige Gegenstück all dieser harten materiellen Anstrengungen zu zeigen? Warum erlauben wir ihm nicht, uns mit den geistigen Wahrheiten kosmischer Macht zu stärken, während wir mit den zeitlichen Schwierigkeiten der menschlichen Existenz ringen? Warum ermutigen wir den himmlischen Helfer nicht, uns mit der klaren Vision des ewigen heiligen Ausblicks auf das ewige Leben zu erfreuen, während wir mit Perplexität die Probleme der zerrinnenden Stunde betrachten? Warum weigern wir uns, uns durch die Sichtweise des Universums erleuchten und inspirieren zu lassen, während wir uns inmitten der Hindernisse der Zeit abmühen und im Irrgarten der Ungewissheiten umhertappen, die unsere irdische Lebensreise umstellen? Warum erlaubt wir dem Heiligen Geist nicht, unser Denken zu vergeistigen, obwohl unsere Füße auf den materiellen Pfaden irdischer Anstrengung gehen müssen?

Solange wir uns nicht vollständig der Führung des Heiligen Geistes unterstellt haben, ist es äußerst hilfreich, uns immer wieder die Frage zu stellen, nach dem warum nicht, denn die Antwort auf diese Frage wird uns jene Aspekte der Illusion zeigen, an denen wir noch festhalten.

Bei all dem dürfen wir nicht vergessen, dass es in Wahrheit kein Paradoxon gibt, nur die Illusion dieser Welt schafft ein scheinbares Paradoxon. Wenn wir uns wirklich SEINER Führung unterstellen, verschwindet jedes Gefühl des Paradoxen. In Wahrheit sind wir reiner Geist ohne jedes Gegenteil.

Unterschied zwischen individuellem Bewusstsein und Selbst

Die evolutionären Planeten sind die Sphären des menschlichen Ursprungs, die Ausgangswelten für die aufsteigende Laufbahn der Sterblichen. Wenn die Zeit durchschritten ist und das Endziel des Glaubens erreicht ist; werden wir ewig mit dem HEILIGEN GEIST vereint werden. Dann wird unser wirkliches Leben beginnen, das aufsteigende Leben, wozu unser gegenwärtiger sterblicher Zustand nur das Vorspiel ist. Und in all diesen aufeinander folgenden Zeitaltern und Stadien evolutionären Wachstums gibt es einen Teil von uns, der absolut unverändert bleibt, und das ist das individuelle Bewusstsein - Beständigkeit inmitten des Wandels.

Was ich hier als individuelles Bewusstsein bezeichne, wird auch als getrennter, individueller Geist, als höhere Form der Persönlichkeit oder häufig als Seele bezeichnet. Da aber der Begriff Seele mit den unterschiedlichsten Vorstellungen verbunden ist, verwende ich ihn hier nicht und er wird deswegen auch im Kurs nicht verwendet. Im illusionären Zustand der Welt scheint das Konzept eines individuellen Geistes bedeutungsvoll zu sein. Er wird deshalb im Kurs so beschrieben, als ob er zwei Teile hätte - den reinen Geist und das Ego. Der Illusion eines individuellen Geistes entsprechend gibt es auch die Illusion eines individuellen Bewusstseins. Da das Bewusstsein der Empfangsmechanismus ist, der Botschaften vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego empfängt, verwende ich hier den Begriff individuelles Bewusstsein. Es geht einfach um die individuelle Erfahrung innerhalb der Illusion der Trennung, also um jenen Zustand, der der Erlösung bedarf.

Diese individuelle Facette des Bewusstseins werde ich in diesem Artikel mit IB abkürzen. Seine Reise zurück in die Einheit geht nach dem Tod des Körpers weiter - wenn es seinen Willen dem EINEN WILLEN untergeordnet hat. Es gibt letztlich nur ein Bewusstsein, aber dieses bildet eine Matrix aus scheinbar individuellen Facetten, deren Erlösungserfahrungen zu der einen Bewegung zurück in die EINHEIT beitragen. Niemand erwacht allein zu seiner wahren IDENTITÄT als SOHN GOTTES - weil es nur EINEN von UNS gibt.

Obgleich das IB keine Identität besitzt, kann es die Identität jedes lebendigen Energiesystems einen. Es kann seinen freien Willen der Ausführung von Gottes Willen widmen. Es ist etwas, was zum Geist hinzutreten kann, und illustriert damit das Primat des Vaters gegenüber dem Sohn. (Es ist nicht nötig, dass dem Geist Verstand hinzugefügt wird!) Das IB ist sich auf einzigartige Weise der Zeit bewusst, doch das ist etwas anderes als die Zeitwahrnehmung durch den Verstand. Das IB als eine potentiell ewige Gabe ist bestimmt, auf zahlreichen Ebenen und in aufeinander folgenden Universumssituationen zu funktionieren, von den niedrigsten endlichen - bis an die Grenzen der absoluten.

Das IB ist in der Vereinzelung - als Selbst - nicht sehr leistungsfähig. Der Mensch ist von Natur aus ein geselliges Geschöpf; die Sehnsucht nach Zugehörigkeit beherrscht ihn. Es ist buchstäblich wahr, dass „kein Mensch für sich allein lebt“.

Aber das Bewusstseinskonzept, worunter man das Ganze des lebendigen Geschöpfes versteht, bedeutet viel mehr als die Integration von Beziehungen; es bedeutet ebenso sehr Einigung aller Faktoren der Realität wie Koordination von Beziehungen. Zwischen zwei Objekten bestehen Beziehungen, aber drei oder mehr Objekte rufen ein System ins Leben, und ein solches System ist viel mehr als nur ein erweitertes oder komplexes Beziehungsgeflecht. Dieser Unterschied ist entscheidend, denn in einem kosmischen System sind die individuellen Glieder miteinander nie anders verbunden als in Beziehung zum Ganzen und durch die Individualität des Ganzen. Darauf hat Jesus schon vor zweitausend Jahren mit den Worten hingewiesen: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18,20)

Im menschlichen Organismus bildet die Summe seiner Teile das Selbst - die Individualität - aber dieser Prozess hat überhaupt nichts zu tun mit dem IB, das all diese Faktoren in ihrer Beziehung zu den kosmischen Realitäten eint.

Es könnte hilfreich sein, sich beim Studium des Selbst zu vergegenwärtigen:
  1. Dass die physischen Systeme untergeordnet sind.
  2. Dass die intellektuellen Systeme beigeordnet sind.
  3. Dass das IB übergeordnet ist.
  4. Dass die innewohnende geistige Kraft potentiell führend ist.
Bei allen Auffassungen vom Selbst sollte man erkennen, dass die Tatsache des Lebens zuerst kommt und erst danach seine Beurteilung oder Interpretation. Ein Kind lebt zuerst und denkt erst später über sein Leben nach.

Jesus Botschaft in Ein Kurs in Wundern ist klar und unmissverständlich:

„Das Lernen der Welt baut auf ein Konzept des Selbst auf, das angepasst ist an die Wirklichkeit der Welt. Es passt gut zu ihr. Denn es ist ein Bild, welches sich für eine Welt der Schatten und der Illusionen eignet. Hier ist es zu Hause, wo das mit ihm eins ist, was es sieht. Der Aufbau von einem Konzept des Selbst ist es, wozu das Lernen der Welt dient.“

Ein Konzept des Selbst wird von dir gemacht. Es hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit dir. Es ist ein Götze, der dazu gemacht ist, den Platz deiner Wirklichkeit als SOHN GOTTES einzunehmen. Das Konzept des Selbst, das die Welt lehrt, ist nicht das Ding, das es zu sein scheint.“

Teile des Selbst können in mancher Weise funktionieren - als Denken, Fühlen, Wünschen - aber nur die koordinierten Attribute des IB konzentrieren sich in einer intelligenten Handlung; und all diese Gaben verbinden sich mit der geistigen Begabung des sterblichen Verstandes, wenn ein menschliches Wesen ein anderes menschliches oder göttliches Wesen aufrichtig und selbstlos liebt.

Während des physischen Lebens ist das materielle Selbst, die Ego-Wesenheit der menschlichen Identität, abhängig vom ununterbrochenen Funktionieren des materiellen Lebensträgers, von der dauernden Existenz des unausgewogenen Gleichgewichts der Energien und des Intellekts, dem man auf der Erde den Namen Leben gegeben hat. Aber ein Selbst mit Fortlebenswert, ein Selbst, das die Todeserfahrung transzendieren kann, entwickelt sich nur durch die Schaffung einer potentiellen Verlegung des Identitätssitzes der sich entwickelnden des IB vom vergänglichen Lebensträger - dem materiellen Körper - in die dauerhaftere und unsterbliche Natur und weiter auf jene Ebenen, wo sich die Seele von der geistigen Realität durchdringen lässt und schließlich deren Zustand erreicht. Dieser tatsächliche Übergang von der Vereinigung mit der Materie zu morontieller Identifikation geschieht durch die Aufrichtigkeit, Beharrlichkeit und Standhaftigkeit der Entscheidungen des menschlichen Geschöpfes auf seiner Suche nach Gott.

Was vom Vater kommt, ist ewig wie der Vater, und diese Wahrheit gilt ebenso sehr für das IB, wie für den HEILIGEN GEIST, der ein Fragment Gottes ist. Da das IB als Antwort auf den Willen des Vaters erschienen ist, wird es die Bestimmung der Gottheit erreichen, aber der Mensch muss wählen, ob er bei der Erreichung dieser Bestimmung dabei sein wird oder nicht. Der Zyklus ist vorherbestimmt, aber die Teilnahme des Menschen daran ist freiwillig, persönlich und erfahrungsmäßig.

Wir können die Letzte Wirklichkeit nicht ändern, aber wir können unsere Erfahrung von ihr verändern. GOTT ist immer da, doch wir müssen ihn auch erkennen. Wenn wir im Nicht-GOTT-erkennen in den irdischen Tod eintreten, wird GOTT da sein und wir werden GOTT - nicht anders als im irdischen Leben - nicht erfahren. Es geschieht nach unserem Verlangen. Da wir aber die Wirklichkeit nicht verändern können, werden wir letztendlich mit Hilfe himmlischer Begleiter aus diesem Zustand erweckt werden und zur Wahrheit geführt werden.

Der HEILIGE GEIST ist wahrhaftig der Pfad zum Paradies, aber der Mensch muss diesem Pfad aufgrund seiner eigenen Entscheidungen, der Wahl seines freien Willens, folgen.

Wenn man sagt, der Mensch habe eine Identität, stellt man damit fest, dass er einen Verstandeskreislauf besitzt, der den Handlungen und Entscheidungen des Willens der menschlichen Persönlichkeit unterworfen ist. Aber dabei handelt es sich um eine materielle und rein zeitweilige Erscheinung, genauso wie der menschliche Embryo ein vorübergehendes, parasitisches Stadium des menschlichen Lebens ist. Aus kosmischer Perspektive kommen, leben und vergehen die menschlichen Wesen vergleichsweise in einem Augenblick; sie dauern nicht. Aber das menschliche Bewusstsein besitzt kraft seiner eigenen Wahl die Macht, den Sitz seiner Identität vom vorübergehenden materiell-intellektuellen System in das höhere morontiell-seelische System zu verlegen, das in Zusammenarbeit mit dem HEILIGEN GEIST als neues Instrument für den Bewusstseinsausdruck geschaffen wird.

Und gerade diese Macht zu wählen, dieses universelle Kennzeichen der mit freiem Willen ausgestatteten Geschöpfeswelt, stellt die größte Chance des Menschen und seine höchste kosmische Verantwortung dar. Von der Integrität des menschlichen Verlangens, von der Ehrlichkeit der menschlichen Wahl, hängt das Schicksal des künftigen Finalisten ab.

Der Aufstieg des individuellen Bewusstseins

Es gibt in Wirklichkeit nichts Individuelles, das wandert, daher ist weder Reinkarnation noch Aufstieg im wirklichen Sinne möglich. Was hier als Aufstieg des individuellen Bewusstseins beschrieben wird, ist der Prozess der Loslösung von der Idee von Individualität. Wenn sich das individuelle Bewusstsein immer mehr seiner Verbindung mit der göttlichen EINHEIT bewusst wird, ist das wunderbar und erzeugt für das individuelle Bewusstsein bis dahin unbekannte Erfahrungen von Glück und Verbundenheit, doch die Wahrheit ist EINHEIT jenseits von Bewusstsein und Individualität - die EINHEIT, DIE alle Dinge in SICH SELBST hält.

Der zentrale Irrtum am Reinkarnationsglauben besteht darin, dass an eine zeitliche Abfolge von physischen Leben geglaubt wird. Doch es passiert alles gleichzeitig - in einem Augenblick. Der Glaube an Reinkarnation verschiebt die Hoffnung auf das Erwachen in die ferne Zukunft, in ein nächstes Leben und fördert somit die Bindung des Menschen an die Illusion der linearen Zeit und verhindert so das Erwachen im Jetzt. Das heißt, auch wenn wir jetzt einen scheinbar zeitlichen Prozess betrachten, geht es immer um Erlösung, egal an welchem Punkt der linearen Zeit wir uns zu befinden scheinen.

Üblicherweise werden für diesen Prozess des etappenweisen Wieder-Erinnerns die Begriffe physische, astrale und kausale Welt, Sphäre oder Ebene verwendet. Astrale oder kausale Sphäre oder astrale oder kausale Welt sind lediglich Hilfsbegriffe für uns im Zustand der Verkörperung. Wir dürfen uns daran nicht festhalten. Deshalb sind die Informationen über diese Ebenen, die immer wieder auftauchen, unterschiedlich, denn jeder Versuch, uns etwas darüber zu sagen, kann nur eine Annäherung an etwas für uns Unverständliches sein.

Außerdem ist davon auszugehen, dass es neben diesen drei häufig beschriebenen Ebenen noch weitere “höhere” Ebenen gibt. Aber das ist alles nicht wichtig, es gilt lediglich zu verstehen, dass es sich um einen Prozess des Wiedererinnerns handelt, um eine Reise, die schon vorbei ist, eine Reise ohne Entfernung zu einem Ziel, das sich niemals verändert hat. Die Reise zu GOTT ist lediglich das Wiedererwachen der Erkenntnis dessen, wo wir immer und was wir ewig sind.

Die astrale Welt besteht aus feinen Licht und Farbschwingungen und ist viel größer als der physische Kosmos, die ganze grobstoffliche Welt. Der astrale Kosmos kann sich viel leichter als die Erde dem göttlichen Willen und dem vollkommenen göttlichen Erlösungsplan angleichen. Die Menschen können nicht in die astralen Sphären schauen, es sei denn, dass ihr sechster Sinn bis zu einem gewissen Grad entwickelt ist. Es gibt einige Erdenbewohner die für kurze Augenblicke ein Astralwesen oder eine der Astralwelten erblickt haben.

Die geheimnisvolle Kausalsphäre ist kaum zu beschreiben. Für ein Kausalwesen passiert alles nur in Gedanken.

Als individuelles Bewusstsein gesehen, ist der Mensch im Wesentlichen ein Kausalkörper. Der astrale und der physische Körper sind dem untergeordnet. Die Kohäsionskraft, die alle drei Körper zusammenhält, sind die Wünsche. Es ist diese Triebkraft der unerfüllten Wünsche, welche die Knechtschaft des Menschen verursacht. Körperliche Wünsche wurzeln im Egoismus und in der Sinneslust. Der Zwang, den die Sinne ausüben, und die sinnlichen Verlockungen sind meist stärker als der Wunsch nach astralen oder kausalen Wahrnehmungen.

Astrale Wünsche wurzeln in Genüssen der astralen Wahrnehmung, z.B. in Lichterscheinungen und der ätherischen Musik, die sich durch Schwingungen mitteilen.

Kausale Wünsche können nur durch geistige Wahrnehmungen erfüllt werden. Kausale Wesen nehmen den ganzen Kosmos als projizierte Traumgedanken wahr. Ein Wesen, das nur noch mit einem feinen Kausalkörper bekleidet ist, besitzt ungeheure Kraft zur Erschaffung von Welten.

Das individuelle Bewusstsein kann nur dann wahrgenommen werden, wenn es sich mit einem oder mehreren Körpern bekleidet. Das bloße Vorhandensein eines Körpers bedeutet also, dass er aufgrund unerfüllter Wünsche entstanden ist. Solange das individuelle Bewusstsein in ein, zwei oder drei körperliche Gefäße eingeschlossen ist, die fest mit dem Korken der Unwissenheit und der Wünsche verschlossen sind, kann es nicht mit der EINHEIT des GEISTES verschmelzen. Wenn das grobstoffliche körperliche Gefäß im Tode zerstört wird, bleiben noch die beiden anderen Behälter bestehen, der astrale und der kausale und hindern das individuelle Bewusstsein daran, sich mit der allgegenwärtigen EINHEIT zu vereinigen. Erst wenn man Weisheit und dadurch Wunschlosigkeit erlangt hat, lösen sich auch die anderen beiden Gefäße auf. Dann endlich ist das individuelle Bewusstsein frei und wird eins mit der unermesslichen EINHEIT des GEISTES. Die Suche nach dem Glück als individuelles Bewusstsein ist zu Ende. Es herrscht dann ewige Freude, ewiges Glück, ewiges Leben. Christus hatte diese endgültige Freiheit bereits erlangt, bevor er als Jesus geboren wurde, um der Menschheit als Erlöser zu dienen.

Das wechselseitige Durchdringen der drei Körper zeigt sich auch in der dreifachen Natur des Menschen. Im Wachzustand ist sich der Mensch mehr oder weniger aller drei Körper bewusst. Wenn seine Sinne mit schmecken, riechen, tasten, hören und sehen beschäftigt sind, wirkt er vor allem durch seinen physischen Körper. Wendet er Willens- und Vorstellungskraft an, wirkt er in erster Linie durch seinen Astralkörper, und wenn er tief nachdenkt, Innenschau oder Meditation übt, wirkt er hauptsächlich durch seinen Kausalkörper.

Der Mensch identifiziert sich täglich etwa 16 Stunden mit seiner körperlichen Hülle, dann schläft er ein. Wenn er träumt, bleibt er in seinem Astralkörper und erschafft ebenso mühelos wie die Astralwesen beliebige Formen. Im tiefen und traumlosen Schlaf aber versetzt er sein Bewusstsein, das heißt sein individuelles Bewusstsein, sein Ich-Bewusstsein, für einige Stunden in den Kausalkörper. Ein solcher Schlaf ist erquickend. Solange er jedoch träumt, ist er mit seinem astralen und nicht mit seinem kausalen Körper in Verbindung und fühlt sich nach dem Schlaf nicht völlig erfrischt. Ein Asket der viel Zeit in tiefer Meditation verbringt, braucht so gut wie keinen Schlaf.

Der Versuch, all diese Ebenen und Welten im Detail zu verstehen, ist nicht hilfreich und lenkt vom Wesentlichen ab. Es ist jedoch wichtig, zwei Aspekte zu verstehen. Erstens, dass alle Welten, ob physisch, astral oder kausal, Ebenen der Traumwelt sind. Sie alle sind Ausdruck des Traums der Trennung. In vielen östlichen spirituellen Konzepten wird fälschlicherweise angenommen, dass GOTT auch die Traumwelt erschaffen hat, doch es ist der getrennte Geist der Trennung träumt und nicht GOTT SELBST. Zweitens, dass auf allen Ebenen und in allen Stadien der Entwicklung das einzige wirkliche Ziel immer die Erlösung ist - wie immer wir es nennen wollen, ob Erlösung, Sühne, Berichtigung, Vergebung, wahre Wahrnehmung, Befreiung, Erwachen, Aufhebung der Trennung, Gottverwirklichung. Dies ist der einzige Sinn und Zweck, der dieser Welt und der langen Reise durch alle Welten jegliche Bedeutung gibt, die überhaupt in ihnen liegt. Darüber hinaus sind sie bedeutungslos.

Das Physische-Materielle umfasst nur einen ganz kleinen Teil des gesamten multidimensionalen Universums, der von untergeordneter Bedeutung ist und die Verkörperung eines individuellen Bewusstseins in der Physis ist in diesem Teil noch weiter untergeordnet. Und es bedarf eines besonderen Mutes, sich als Mensch auf unserem Planeten zu inkarnieren. Das liegt daran, dass die Einsamkeit, die Getrenntheit vom Ganzen hier besonders groß ist.

Es ist daher nützlich, ein Grundwissen über die Welten zu haben, um uns daran zu erinnern, dass wir uns in der Identifikation mit einem physischen Körper im schlimmstmöglichen Zustand der Trennung befinden und dass wir selbst innerhalb des physischen Universums eine äußerst primitive Zivilisation sind. Dieses Wissen bewahrt uns vor der größten Gefahr auf dem spirituellen Weg, dem Stolz.

“Du, der du dein Leben damit zugebracht hast, die Wahrheit der Illusion und die Wirklichkeit der Phantasie zu überbringen, du bist den Weg der Träume gegangen. Denn du bist vom Wachsein in den Schlaf gegangen und immer weiter in einen noch tieferen Schlaf hinein. Jeder Traum hat zu anderen Träumen geführt, und jede Phantasie, die ein Licht in die Finsternis zu bringen schien, hat nur die Finsternis noch tiefer gemacht. Dein Ziel war Finsternis, in die kein Lichtstrahl dringen konnte. Du hast eine so vollständige Schwärze gesucht, dass du dich für immer vor der Wahrheit verstecken könntest, in vollständigem Wahnsinn. Was du dabei vergessen hast, ist nur, dass GOTT SICH SELBER nicht zerstören kann. Das Licht ist in dir. Die Finsternis kann es zwar bedecken, aber nicht auslöschen.”
(EKIW: Kapitel 18, III. 1.)

“Inkarnationszyklus” und Erleuchtung

Der Begriff Inkarnationszyklus bezieht sich auf den Zustand des Gefangenseins in der Illusion der Zeit. Innerhalb dieser Illusion findet Entwicklung - im Sinne von Entfaltung - statt, wenn wir die Zeit SEINER Führung unterstellen. Doch Inkarnation ist keine Wirklichkeit, sondern nur der Versuch, die Illusion von Entwicklung zu beschreiben. Innerhalb dieser Illusion kann es Momente der Befreiung geben, Augenblicke der Erleuchtung, Augenblicke der Erkenntnis, eine kurze Erfahrung der direkten Vereinigung mit GOTT.

Erleuchtung ist ein Zustand des Erkannthabens. Die Befreiung von Angst führt zu einer so großen Erleichterung, einer so immensen Entspannung, zu einem so unglaublichen Lustgefühl, dass der Mensch, der solches erlebt, zunächst einmal in ein Staunen verfällt, dass sich in einem Lachen löst, das oft als kosmisches Gelächter bezeichnet wird. Kosmisch deshalb, weil diejenigen, die davon ergriffen werden, sich durch dieses Lachen eingebunden und vereint fühlen mit all dem, was außerhalb von ihnen ist. Sie haben die Illusion ihrer Begrenzungen erkannt. Sie sind bereit, sie aufzugeben, solange sie sich in diesem Zustand halten können. Und auch wenn dieser Zustand abgeklungen ist, verflüchtigt sich doch nicht das Wissen darum, dass es einen solchen Zustand gibt, und auch nicht die Erinnerung an die Wonnen, die sich auftun in dieser Befreiung.

Erleuchtung kann für einen Menschen im Körper kaum ein Zustand der Dauer sein. Dennoch verändert dieses fundamentale Erlebnis von Angstfreiheit den Menschen, dem er zu Teil wird, so nachhaltig, dass es ihm, selbst wenn er wollte, nicht gelingen könnte, zu dem Status zurückzukehren, wenn er vor der Erleuchtung innehatte.

Erleuchtung tritt dann ein, wenn der Mensch bereit ist, das Drama seiner inkarnierten Existenz nach dem finalen Akt als beendet anzuerkennen und sich aus dem Theater, indem er selbst so viele verschiedene Rollen gespielt hat, zu entlassen. Aber das Drama muss einen sinnvollen, einleuchtenden Abschluss gefunden haben. Es ist irrig anzunehmen, dass ein Mensch in der Mitte seines Existenzdramas Erleuchtung erleben kann, ohne die Erlösung aus der Verstrickung in die Handlung erfahren zu haben.

Damit soll klargestellt werden, dass jene Lehrer irren, die verkünden: Ein jeder kann unmittelbar dort, wo er steht, erleuchtet werden. Erleuchtung bedeutet Abschluss. Erleuchtung bedeutet, bereit zu sein, ohne Angst zu leben. Erleuchtung bedeutet, in der Lage zu sein, die veränderte, fast unerträglich scheinende Energie mit ihrer ungewohnten Frequenz ertragen zu können, anstatt sie zur Begründung einer neuen Angst zu verwenden. Diese Fähigkeit wird erst auf den letzten Stufen der individuellen Entwicklung in der Körperwelt erreicht.

Wenn dies auf einer frühen Entwicklungsstufe passiert, wird das individuelle Bewusstsein, was ihm als Wahrheit und Gewissheit zu Teil wurde, nicht halten können. Und nicht selten wird eine neue Angst an seine Stelle treten, die - gepaart mit der Sehnsucht nach Wiederholung - verhindert, dass sich ein solcher Befreiungs- und Erleuchtungsvorgang verankern kann.

Solche Erlebnisse, die unter dem Namen ”Satori” bekannt sind oder auch mit “Verzückung” bezeichnet werden, treten auf früheren Stufen durch Veränderungen des Bewusstseins ein, die auf unterschiedlichen Maßnahmen des Körpers oder des Geistes beruhen. Es kann sich um das Ergebnis langjähriger Meditationen handeln, um Veränderungen, die durch Drogen oder Krankheit vorgerufen werden, durch religiöse Ekstase oder auch durch ein Nahtoderlebnis. Man erkennt einen Menschen, der ein solches Erlebnis gehabt hat, daran, dass er eine Fähigkeit zum Schweigen erworben hat, eine Stille, die von ihm ausgeht, die anderen nicht zugänglich ist. Solch ein Mensch ist still, auch wenn er redet, und sein Schweigen ist lebendig. Seine Augen sind von einem Leuchten erfüllt, von dem Leuchten der Erinnerung an das, was er geschaut hat. Das, was er geschaut hat, ist Einheit als Liebe und Liebe als Einheit. Und das wird ihn nie mehr verlassen. Auch wenn das Licht seiner punktuellen Erleuchtung mit der Zeit weniger hell scheint, an Kraft verliert und sogar fast erloschen ist, wird doch dadurch sein Wissen um das, was er geschaut hat, nicht ungültig.

Wir dürfen daher die innere Wahrheit eines Menschen, der die Verzückung vorübergehend erlebt hat, nicht an dem Zustand messen, indem wir ihn später erblicken. Wir dürfen seine innere Wahrheit nicht an den Maßstäben messen, die wir aus unerfindlichen Gründen für die Erleuchtung aufgestellt haben.

Wenn die Erleuchtung auf der letzten Entwicklungsstufe passiert und sich verankert hat, dann hat der Erleuchtete keine Angst mehr um sein Überleben im Körper. Und so wird Essen, Trinken und Schlafen für ihn nicht mehr wichtig sein. Er wird es vernachlässigen. Er wird vergessen, seinen Körper zu pflegen, da er nicht mehr davon zu überzeugen ist, dass der Körper ihm dienlich sein muss. Die einzige Motivation seinen Körper nicht augenblicklich abzulegen besteht darin, wenn Menschen um ihn herum sich seiner annehmen, ihn umsorgen und ihn auffordern, unter ihnen zu bleiben, weil sie von seiner hohen Energieniveau das den ganzen Menschen umfasst, lernen wollen und sich daran wärmen möchten. Ramana Maharshi befand sich in dieser Situation.

Erleuchtung und das Ausscheiden aus dem Zyklus der Inkarnationen gehen nicht so eng Hand in Hand, wie es von einigen Religionen postuliert wird. Erleuchtung wird nur dann zur Krönung des abgeschlossenen Inkarnationszyklus führen, wenn sie eben an seinem Ende, auf der letzten Entfaltungsstufe, geschieht.

Auch ist Erleuchtung kein Begriff, der sich von seiner inneren Wirklichkeit her genau umreißen und fest definieren ließe. Die Begriffe Erleuchtung und innerer Friede sind so häufig verwendet und missbraucht worden, dass sie eine fast sinnentleerte Hülse darstellen. Es sollte nicht "Ereignislosigkeit" bedeuten, sondern Freude am Ereignis. Die Sehnsucht oder Sucht nach Erleuchtung wird oft verwechselt mit der Suche nach der Ereignislosigkeit des intra-uterinen Traums.

Ganz allgemein können wir sagen: Wer mit sich selbst und der Welt, mit dem inneren und äußeren Geschehen, das er wahrnimmt und erlebt, in vollkommenem Frieden ist, befindet sich auf der höchsten Stufe der Erkenntnis und der ungetrennten Empfindung. Der Erleuchtete kann nur noch lachen, weil er im Moment der Erleuchtung erfährt, wie einfach alles, wie klar, wie durchsichtig, wie lächerlich simpel. Der Erleuchtete liebt ohne Grund. Er liebt.

Wir dürfen jedoch diejenigen Lehrer nicht verschmähen, die nach unserer Definition der Erleuchtung zwar sehr nahe sind, sie aber dennoch nicht vollzogen haben. Von keinem lebenden Menschen können wir mehr lernen als von denen, die kurz davor stehen, den Zyklus ihrer Inkarnationen abzuschließen. Sie sind ein leuchtendes und weithin strahlendes Beispiel für das, was wir alle erreichen können und erreichen werden, auch wenn es nach irdischen und nach kosmischem Gesetz seine Zeit braucht. Wenn wir einen Lehrer suchen, so orientieren wir uns immer daran, ob wir seine Liebe zum Menschen spüren können. Dazu genügt es häufig, dass ein Mensch, der uns etwas lehren kann, in seiner individuellen Entwicklung einige Stufen weiter fortgeschritten ist. Wir sind nicht unweigerlich darauf angewiesen, von einem schon fast Erleuchtenden zu lernen. Die Möglichkeit, an der Liebe eines Menschen zu wachsen, besteht immer, unmittelbar in unserer Nähe.

Im Handbuch für Lehrer in Ein Kurs in Wundern finden wir zum Thema dieses Kapitels unter anderem Folgendes:

“Im eigentlichen Sinne ist Reinkarnation unmöglich. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft, und die Idee der Geburt in einen Körper - ob einmal oder mehrere Male - hat keine Bedeutung. Reinkarnation kann also nicht in irgendeinem wirklichen Sinne wahr sein. Unsere einzige Frage sollte sein: Ist das Konzept hilfreich? Und das hängt natürlich davon ab, wofür es verwendet wird. Wenn es verwendet wird, um die Einsicht in das ewige Wesen des Lebens zu stärken, ist es in der Tat hilfreich. Ist irgendeine andere Frage dazu wirklich nützlich, um den Weg zu erhellen? Wie viele andere Überzeugungen kann es bitter missbraucht werden. Geringstenfalls bietet ein solcher Missbrauch Beschäftigung mit der Vergangenheit und vielleicht auch Stolz darauf an. Schlimmstenfalls ruft er Trägheit in der Gegenwart hervor. Dazwischen sind viele Arten von Torheit möglich.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 24. 1.)

“Es gibt diejenigen, die GOTT direkt erreicht haben, ohne eine Spur weltlicher Grenzen beizubehalten, und die sich vollkommen an ihre eigene IDENTITÄT erinnern. Diese könnte man die LEHRER der Lehrer nennen, weil ihr Bild, obwohl sie nicht mehr sichtbar sind, noch angerufen werden kann. Und sie werden erscheinen, wann und wo es hilfreich ist, dass sie es tun. Denjenigen, für die solche Erscheinungen beängstigend wären, geben sie ihre Ideen. Niemand kann sie vergeblich anrufen. Auch gibt es niemanden, dessen sie nicht gewahr wären. Alle Bedürfnisse sind ihnen bekannt; und alle Fehler werden von ihnen wahrgenommen und übersehen. Die Zeit wird kommen, wenn dies verstanden werden wird. Und in der Zwischenzeit geben sie alle ihre Gaben den Lehrern GOTTES, die sich um Hilfe an sie wenden und in deren NAMEN und in keinem anderen um alle Dinge bitten.

Manchmal mag ein Lehrer GOTTES eine kurze Erfahrung der direkten Vereinigung mit GOTT haben. In dieser Welt ist es fast unmöglich, dass diese von Dauer ist. Sie kann vielleicht nach viel Andacht und Hingabe gewonnen und dann für einen großen Teil der Zeit auf Erden aufrechterhalten werden. Aber das ist so selten, dass es nicht als ein realistisches Ziel betrachtet werden kann. Wenn es geschieht, so sei es. Wenn es nicht geschieht, so sei es ebenso. Alle weltlichen Zustände müssen illusionär sein. Wenn GOTT in einem anhaltenden Bewusstseinszustand direkt erreicht würde, würde der Körper nicht lange aufrechterhalten. Diejenigen, die ihren Körper abgelegt haben, nur um ihre Hilfe auf diejenigen auszudehnen, die zurückbleiben, sind wenige für wahr. Und sie brauchen Helfer, die immer noch in Knechtschaft sind und noch immer schlafen, so dass durch ihr Erwachen GOTTES STIMME gehört werden kann.

Verzweifle also nicht wegen der Begrenzungen. Es ist deine Funktion, ihnen zu entrinnen, aber nicht, ohne sie zu sein. Wenn du von denjenigen gehört werden möchtest, die leiden, musst du ihre Sprache sprechen. Wenn du ein Erlöser sein möchtest, musst du verstehen, woraus zu entrinnen ist. Die Erlösung ist nicht theoretisch. Sieh das Problem, bitte um die Antwort, und dann nimm sie an, wenn sie kommt. Auch wird ihr Kommen nicht lange verzögert werden. Alle Hilfe, die du annehmen kannst, wird bereitgestellt werden, und kein Bedürfnis, das du hast, wird nicht befriedigt werden. Wir wollen uns denn nicht zu sehr um Ziele kümmern, für die du nicht bereit bist. GOTT nimmt dich, wo du bist, und heißt dich willkommen. Was könntest du mehr wünschen, da dies alles ist, was du brauchst?”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 26. 2.-4.)

Das Leben Jesu

All die Verfasser der biblischen Evangelien gaben ehrliche Darstellungen von Jesus, so wie sie ihn sahen, sich an ihn erinnerten oder von ihm gehört hatten und wie ihre spätere Annahme der christlichen Theologie des Paulus ihre Sicht jener fernen Ereignisse beeinflusste. Die ursprünglichen Niederschriften sind danach noch beträchtlich abgeändert worden. Zahlreiche Abschnitte wurden daraus entfernt und spätere Inhalte hinzugefügt. Und diese Schriften genügten trotz ihrer Unvollkommenheit, um den Lauf der Geschichte der Erde seit fast zweitausend Jahren zu verändern.

Die hier angeführten Ereignisse aus dem Leben Jesus stammen aus dem IV. Kapitel des Urantia Buch. Sie sind eine Neudarstellung der Lehren Jesu von Nazareth und eine Neuerzählung seines Wirkens auf Basis aller Quellen von Aufzeichnungen und planetarischer Information. Der leitende Gedanke des Autors war die Erstellung eines Berichtes, der nicht nur für die Generation der heute lebenden Menschen erhellend, sondern auch allen zukünftigen Generationen hilfreich wäre. Aus dem ihm zugänglich gemachten, umfangreichen Informationsmaterial hat er für das zur Erreichung dieses Ziels am besten Geeignete ausgewählt. Der folgende Text ist wiederum eine Auswahl und Zusammenfassung dieser 774 kleingedruckten Seiten des Urantia Buches und wurde um den einen oder anderen kleinen Hinweis des Autors dieser Website ergänzt.

Jesus kam nicht zu einer Zeit geistigen Niedergangs in diese Welt. Zur Zeit seiner Geburt erlebte die Erde eine Renaissance geistigen Denkens und religiösen Lebens, wie es sie weder in seiner ganzen vorangegangenen Geschichte gekannt noch in irgendeiner Epoche danach erfahren hat. Zur Zeit Jesus bot die Welt für die Selbsthingabe des Schöpfersohns eine günstigere Voraussetzung, als sie je zuvor oder danach existierte. In den diesen Zeiten unmittelbar vorausgehenden Jahrhunderten hatten sich griechische Kultur und Sprache über das Abendland und den Vorderen Orient ausgebreitet. Die Juden als levantinisches Volk und von Natur aus halb abend-, halb morgenländisch, brachten hervorragende Voraussetzungen mit, um derartige kulturelle und sprachliche Grundlagen zur wirksamen Verbreitung einer neuen Religion in Ost und West zu verwenden. Diese äußerst günstigen Umstände wurden durch das tolerante politische Regiment der Römer in der Mittelmeerwelt noch verbessert.

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Bei Jesu Geburt war die ganze Mittelmeerwelt ein geeintes Imperium. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte verbanden gute Straßen viele wichtige Zentren. Die Meere waren von Piraten gesäubert, und schnell entwickelte sich eine große Ära des Handels und der Reisen. Zur Zeit Jesu erfreuten sich Palästina und Syrien einer Phase des Wohlstands, relativen Friedens und ausgedehnter Handelsbeziehungen mit den Ländern des Ostens und Westens. Europa erfreute sich danach nie wieder einer solchen Handels- und Reiseperiode bis zum neunzehnten Jahrhundert nach Christus.

Dieses ganze Ineinandergreifen von Welteinflüssen wird durch das Wirken des Paulus gut veranschaulicht, der, seiner religiösen Kultur nach ein Hebräer unter den Hebräern, das Evangelium eines jüdischen Messias in griechischer Sprache verkündete, während er selber ein römischer Bürger war.

Ungefähr zweitausend Jahre später, als Ein Kurs in Wundern in die Welt kam, begann zur genau gleichen Zeit die Entwicklung des Internets. Wiederum ein äußerst günstiger Zeitpunkt für die Verbreitung der Offenbarung Jesu in zeitgemäßer Sprache und Form. Anstelle der römischen Straßen stehen nun die Datenautobahnen des Internets zur Verfügung, um die Botschaft schnell und einfach in der Welt zu verbreiten. Außerdem wurde der Kurs in Englisch offenbart, der Sprache, die als die Weltsprache schlechthin gilt. Auch wenn der Kurs inzwischen in 26 Sprachen übersetzt wurde, können viele Menschen ihn im Original lesen und sich mit Gleichgesinnten in aller Welt austauschen. Der Beginn des 3. Jahrtausends kann zum Beginn einer neuen Renaissance (französisch: Wiedergeburt, Wiedererweckung) des geistigen Denkens und des religiösen Lebens werden - wenn wir die Bereitschaft und das Verlangen nach der Wahrheit aufbringen, die dafür notwendig sind.

Obgleich Palästina die Heimat der religiösen Kultur der Juden und die Geburtsstätte des Christentums war, wohnten die Juden überall in der Welt, lebten in vielen Nationen und trieben in jeder Provinz Roms und Partiens Handel. Griechenland steuerte seine Sprache und Kultur bei, Rom baute die Straßen und einte ein Imperium, aber die Zerstreuung der Juden, mit ihren mehr als zweihundert über die ganze römische Welt verteilten Synagogen und ihren gut organisierten religiösen Gemeinden, lieferte die kulturellen Zentren, wo das neue Evangelium des Himmelreichs zuerst Aufnahme fand, und von wo aus es danach bis in die entlegensten Gegenden der Welt verbreitet wurde.

Jede jüdische Synagoge duldete eine kleine Zahl nichtjüdischer Glaubensbrüder, „devoter“ oder „gottesfürchtiger“ Menschen, und gerade aus den Reihen dieser Proselyten gewann Paulus die meisten seiner früh zum Christentum Bekehrten. Sogar der Tempel in Jerusalem besaß einen reich geschmückten Hof der Heiden. Zwischen der Kultur, dem Handel und dem Kult von Jerusalem und Antiochia (heute Antakya in der Türkei) bestanden sehr enge Bande. In römischer und byzantinischer Zeit war Antiochia neben dem ägyptischen Alexandria und (später) Konstantinopel (heute Istanbul) die größte und bedeutendste Stadt im östlichen Mittelmeerraum und zeitweise die drittgrößte Stadt der Welt. Die Anhänger von Paulus wurden zuerst in Antiochia „Christen“ genannt.

Die Selbsthingabe eines Schöpfersohnes in dieser Form war einmalig. Doch auch wenn es sich um eine ganz besondere Inkarnation handelte, waren die Empfängnis und die Geburt Jesus von Nazareth ein völlig natürlicher Vorgang. Gabriels Verkündigung an Maria hatte am Tag nach der Empfängnis Jesu stattgefunden und war das einzige übernatürliche Ereignis im Zusammenhang mit Marias gesamter Erfahrung, das Kind der Verheißung zu tragen und zu gebären.

Sowohl Palästina als Land, als auch die Familie Josephs und Marias waren sorgfältig ausgewählt. Joseph, der menschliche Vater von Jesus (Josua ben Joseph), war ein Hebräer unter Hebräern, er war Zimmermann und später Unternehmer. Maria, Jesu irdische Mutter, war Nachfahrin einer langen Reihe von einzigartigen Ahnen, die viele der bemerkenswertesten Frauengestalten der Geschichte der Erde einschloss. Maria als Gottesmutter zu bezeichnen ist allerdings widersinnig. GOTT hat keine Mutter. Maria ist lediglich die Mutter von Jesus.

Über Maria/Maryam wird im Koran mehr und ausführlicher erzählt als im Neuen Testament der Bibel. Nach ihr ist sogar eine ganze Sure benannt (Sure 19), was eine besondere Ehre ist, da nur fünf weitere Suren Personennamen tragen. In Sure 3 wird Maria als die besonders erwählte Frau beschrieben. Sie ist die Mutter des Propheten Jesus und damit das Symbol für die Offenheit der Seele. An ihr, so sagt es Sure 19, zeigt sich die Barmherzigkeit Gottes. Das hohe Ansehen, das Maria unter Muslimen genießt, ist zu einem Großteil auf ihre Stellung im Koran zurückzuführen. Frauen werden im Koran nicht sehr häufig erwähnt und Maryam wird als einzige Frau namentlich genannt. Außerdem berichtet der Koran sowohl von der Verheißung Gottes als auch von der Geburt Jesu. In Sure 19 Vers 34 heißt es: „Das ist Jesus, der Sohn Marias. Es ist das Wort der Wahrheit, woran sie [die Juden] zweifeln.“

Jesu Lebenswerk auf der Erde wurde schon durch Johannes den Täufer begonnen. Zacharias, der Vater des Johannes, gehörte zur jüdischen Priesterschaft, während seine Mutter Elisabeth ein Mitglied des wohlhabenderen Zweiges desselben großen Familienverbandes war, dem auch Maria, die Mutter Jesu, angehörte. Zacharias und Elisabeth, obschon seit vielen Jahren verheiratet, waren kinderlos geblieben.

Es war spät im Monat Juni des Jahres 8 v. Chr., ungefähr drei Monate nach der Heirat von Joseph und Maria, als Gabriel eines Tages um die Mittagsstunde Elisabeth erschien, genauso wie er später Maria seine Gegenwart kundtat. Er sprach: „Während dein Mann Zacharias in Jerusalem vor dem Altar steht und das versammelte Volk für das Kommen eines Erlösers betet, bin ich, Gabriel, gekommen, um dir zu verkünden, dass du bald einen Sohn gebären wirst, der der Vorläufer des göttlichen Lehrers sein wird. Und du sollst deinen Sohn Johannes heißen. Er wird ganz dem Herrn, deinem Gott hingegeben aufwachsen, und als Mann wird er dein Herz erfreuen, weil er viele Seelen zu Gott hinwenden wird. Er wird auch das Kommen des Seelenheilers deines Volkes und des Geist-Befreiers der ganzen Menschheit ankündigen. Deine Verwandte Maria wird die Mutter dieses Kindes der Verheißung sein, und ich werde ihr ebenfalls erscheinen.“

Johannes wurde am 25. März des Jahres 7 v. Chr. in der Stadt Juda geboren. Zacharias und Elisabeth waren von großer Freude erfüllt, als ihnen klar wurde, dass ihnen ein Sohn geschenkt worden war, wie Gabriel es versprochen hatte. Vom zartesten Kindesalter an wurde Johannes von seinen Eltern mit Bedacht die Idee eingepflanzt, er sei bestimmt, zu einem geistigen Führer und religiösen Lehrer heranzuwachsen. Und der Boden seines Herzens nahm solch eine suggestive Saat immer willig auf. Schon als Kind fand man ihn oft im Tempel während der Dienstzeiten seines Vaters, und die Bedeutung all dessen, was er sah, beeindruckte ihn gewaltig.

Gabriel erschien Maria etwa Mitte November des Jahres 8 v. Chr., während sie in ihrem Heim in Nazareth bei der Arbeit war. Gabriel sprach zu ihr, nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hatte: „Ich komme auf Geheiß eines, der mein Meister ist und den du lieben und nähren sollst. Dir, Maria, bringe ich eine frohe Botschaft mit der Kunde, dass deine Empfängnis vom Himmel bestimmt ist und dass du zur gegebenen Zeit Mutter eines Sohnes werden wirst. Du sollst ihn Josua nennen, und er wird unter den Menschen das Königreich des Himmels auf Erden eröffnen. Sprich mit niemandem darüber außer mit Joseph und deiner Verwandten Elisabeth, der ich ebenfalls erschienen bin und die auch bald einen Sohn zur Welt bringen wird; er wird Johannes heißen und der Wegbereiter für die Erlösungsbotschaft sein, die dein Sohn den Menschen mit großer Macht und tiefer Überzeugung verkünden wird. Und zweifle nicht an meinen Worten, Maria; denn dieses Haus wurde zum menschlichen Heim des Kindes der Vorsehung ausgewählt. Mein Segen ruht auf dir, die Kraft der Allerhöchsten wird dich stärken und der Herr der ganzen Erde wird über dir wachen.“

Joseph konnte sich mit der Idee, Maria würde die Mutter eines außergewöhnlichen Kindes werden, nur schwer anfreunden bis zu dem Augenblick, als er einen sehr eindrucksvollen Traum hatte. In diesem Traum erschien ihm ein strahlender himmlischer Bote, der ihm unter anderem sagte: „Joseph, ich erscheine dir auf Geheiß Dessen, der jetzt im Himmel herrscht, und ich habe den Auftrag, dich über den Sohn, den Maria gebären und der ein großes Licht in der Welt sein wird, zu unterrichten. In ihm wird das Leben wohnen, und sein Leben soll zum Licht der Menschheit werden. Er wird zuerst zu seinem eigenen Volk kommen, aber dieses wird ihn kaum aufnehmen. All jenen hingegen, die ihn aufnehmen, wird er offenbaren, dass sie Kinder Gottes sind.“ Nach dieser Erfahrung zweifelte Joseph nie wieder gänzlich an Marias Geschichte vom Besuch Gabriels und an dessen Versprechen, dass das ungeborene Kind ein göttlicher Sendbote für die Welt werden würde.

Während all dieser Besuche wurde das Haus David mit keinem Wort erwähnt. Es fehlte auch jeglicher Hinweis darauf, dass Jesus der „Befreier der Juden“ oder gar der lang erwartete Messias sein würde. Jesus war nicht ein Messias, wie ihn die Juden erwartet hatten, aber er war der Befreier der Welt. Seine Sendung galt allen Völkern, nicht nur einer bestimmten Gruppe.

Die meisten der so genannten messianischen Prophetien des Alten Testaments wurden lange nachdem Jesus auf Erden gelebt hatte geschrieben, um auf ihn Anwendung zu finden. Jahrhundertelang hatten die hebräischen Propheten das Kommen eines Erlösers verkündet, und diese Verheißungen deuteten die aufeinander folgenden Generationen so, als bezögen sie sich auf einen neuen jüdischen Herrscher, der auf dem Throne Davids sitzen und es unternehmen würde, mit Hilfe der angeblich mirakulösen Methoden des Moses die Juden in Palästina als mächtige, von aller Fremdherrschaft befreite Nation wiederherzustellen. Wiederum wurden viele bildliche Stellen, die überall in den hebräischen Schriften zu finden waren, später fälschlich auf Jesu Lebenssendung angewendet. Viele alttestamentliche Aussagen wurden so verändert, dass sie sich auf irgendeine Episode des irdischen Lebens des Meisters zu beziehen schienen. Jesus selber bestritt einmal öffentlich jede Verbindung mit dem königlichen Hause Davids. Sogar die Stelle „eine junge Frau wird einen Sohn gebären“ lautete nun: „eine Jungfrau wird einen Sohn gebären“. Dasselbe trifft auch auf die vielen Stammbäume sowohl Josephs wie auch Marias zu, die nach Jesu Erdentagen konstruiert wurden. Manche dieser Abstammungslinien enthalten viele Vorfahren des Meisters, sind aber im Großen und Ganzen nicht authentisch und, was die Fakten betrifft, nicht verlässlich. Die frühen Anhänger Jesu unterlagen nur allzu oft der Versuchung, all die alten prophetischen Äußerungen in ein solches Licht zu rücken, dass sie im Leben ihres Herrn und Meisters in Erfüllung zu gehen schienen.

Joseph war ein Mann von sanftem Umgang, äußerst gewissenhaft und in jeder Weise den religiösen Sitten und Gebräuchen seines Volkes treu ergeben. Er sprach wenig, aber dachte viel. Die missliche Lage des jüdischen Volkes erfüllte ihn mit großer Trauer.

Marias Temperament war demjenigen ihres Ehemanns ganz und gar entgegengesetzt. Sie war im Allgemeinen fröhlich, war nur sehr selten niedergeschlagen und besaß ein immer sonniges Wesen. Maria gab ihren Gefühlen gern frei und häufig Ausdruck, und niemand hatte sie bis zum plötzlichen Tod Josephs je traurig gesehen. Kaum hatte sie sich von diesem Schock erholt, als die Ängste und Fragen im Zusammenhang mit dem außerordentlichen Werdegang ihres ältesten Sohnes, der sich vor ihren erstaunten Augen so schnell entwickelte, sie bedrängten. Aber während dieser ganzen ungewöhnlichen Erfahrung war Maria gefasst, mutig und recht besonnen im Umgang mit ihrem seltsamen und wenig verstandenen erstgeborenen Sohn und seinen überlebenden Brüdern und Schwestern.

Von Joseph erhielt Jesus seine strenge Schulung in den Gebräuchen des jüdischen Zeremoniells und seine außergewöhnliche Vertrautheit mit den hebräischen Schriften; Maria verdankte er eine weniger enge Auffassung vom religiösen Leben und eine großzügigere Vorstellung von persönlicher geistiger Freiheit.

Die Familien beider, sowohl Josephs als auch Marias, waren für ihre Zeit sehr gebildet. Die Bildung Josephs und Marias lag weit über dem Durchschnitt jener Tage und ihrer gesellschaftlichen Stellung. Er war ein Denker; sie war eine Planerin, verstand es, sich mit Leichtigkeit anzupassen und war praktisch in der unmittelbaren Ausführung.

Der größere Teil von Josephs Familie schloss sich Jesu Lehren an, aber nur sehr wenige von Marias Anhang glaubten an ihn, bevor er aus dieser Welt schied. Joseph neigte mehr dem geistigen Konzept vom erwarteten Messias zu, aber Maria und ihre Familie, besonders ihr Vater, hielten sich an die Idee vom Messias als einem zeitlichen Befreier und politischen Herrscher.

Im März des Jahres 8 v. Chr. (dem Monat der Heirat Josephs und Marias) verordnete Kaiser Augustus, dass alle Einwohner des Römischen Reiches gezählt werden sollten. Diese Volkszählung sollte einer besseren Besteuerung dienen. Die ablehnende Haltung der Juden zur Volkszählung und innenpolitische Schwierigkeiten des Herodes, König von Judäa, bewirkten eine Verschiebung der Volkszählung im jüdischen Königreich um ein Jahr, sodass sie erst im Jahre 7 v. Chr., abgehalten wurde.

Es war nicht nötig, dass Maria zur Eintragung in die Register nach Betlehem ging - Joseph war dazu für die ganze Familie ermächtigt - aber Maria, die eine unternehmungslustige und energische Person war, bestand darauf, ihn zu begleiten. Eigentlich verbot Joseph es Maria, ihn zu begleiten, aber ohne Erfolg. Maria fürchtete sich davor, das Kind allein und in Josephs Abwesenheit zur Welt zu bringen, und da Betlehem nicht weit von der Stadt Juda entfernt war, sah sie außerdem der Möglichkeit eines angenehmen Besuchs bei ihrer Verwandten Elisabeth entgegen.

Am 20. August erreichten Joseph und Maria Jerusalem, besuchten den Tempel und langten in Betlehem, ihrem Reiseziel, mitten am Nachmittag an. Die Herberge war überfüllt und Joseph sah sich deshalb nach einer Unterkunft bei entfernten Verwandten um, aber jeder Raum in ganz Betlehem war überbelegt. Bei seiner Rückkehr in den Hof der Herberge erfuhr er, dass man aus den Karawanenställen, die in die Felswand gehauen waren und sich gerade unterhalb der Herberge befanden, die Tiere entfernt und die Ställe für die Aufnahme von Gästen gereinigt hatte. Joseph ließ den Esel im Hof, lud ihre Kleider- und Proviantsäcke auf die Schultern und stieg mit Maria die Steinstufen zu ihrer Unterkunft hinab. Sie fanden sich in einer früheren Kornkammer auf der Vorderseite der Boxen und Krippen untergebracht. Vorhänge aus Zeltstoff waren aufgehängt worden, und sie schätzten sich glücklich, ein so bequemes Quartier zu haben.

Die ganze Nacht über war Maria unruhig, so dass keiner von beiden viel schlief. Bei Tagesanbruch war es klar, dass die Geburtswehen eingesetzt hatten, und um die Mittagsstunde des 21. August 7 v. Chr. wurde Maria dank der Hilfe und den freundlichen Diensten mitreisender Frauen von einem Knaben entbunden. Jesus von Nazareth war in diese Welt hineingeboren, man wickelte ihn in die Tücher, die Maria für solch einen Fall mitgebracht hatte und legte ihn nahebei in eine Krippe.

Weihnachten ist im Christentum das Fest der Geburt Jesu Christi. Festtag ist der 25. Dezember, dessen Feierlichkeiten am Vorabend, dem Heiligen Abend, beginnen. Nach einer religionsgeschichtlichen Hypothese ist das Weihnachtsdatum als Reaktion auf den kultisch begangenen Geburtstag des römischen Reichsgottes Sol Invictus entstanden, den Kaiser Aurelian im Jahre 274 auf die Wintersonnenwende am 25. Dezember legte; am selben Tag des Jahres wurde in der Yalda-Nacht auch die Geburt des Mithras gefeiert. Der Mithraismus hatte starken Einfluss auf das Christentum. Selbst auf die Legenden über Jesu Geburt färbte die römische Version von der wunderbaren Geburt des iranischen Retters und Helden Mithras ab, bei dessen Ankunft auf Erden nur eine Handvoll Hirten zugegen waren, die Geschenke darbrachten und denen Engel das unmittelbar bevorstehende Ereignis bekannt gegeben hatten.

Als Kaiser Konstantin den Sonntag als „verehrungswürdigen Tag der Sonne“ durch Erlass zum öffentlichen Ruhetag erklärte, war dies eine Regelung, die für Anhänger verschiedener Religionen konsensfähig war, neben Christen auch Verehrer des Mithras und des Sol invictus. Die Vorstellung Christi als des wahren Sol invictus, des Siegers über den Tod, konnte zu einer harmonischen Ordnung des Kalenders systematisiert werden: Danach war das Sonnenjahr so geordnet, dass zur Zeit der Herbsttagundnachtgleiche am 24. September die Verkündigung und Empfängnis Johannes des Täufers, zur Sommersonnenwende am 24. Juni dessen Geburt, zur Frühlingstagundnachtgleiche die Empfängnis Jesu und zur Wintersonnenwende seine Geburt stattfanden.

In eben der Weise, in der alle Säuglinge seit eh und je zur Welt gekommen sind, wurde auch Jesus geboren. Und am achten Tage wurde er nach jüdischem Brauch beschnitten und in aller Form Josua (Jesus) genannt. Da der Mensch dazu neigt aus allem einen Kult zu machen, entstand im Mittelalter ein Kult um die heilige Vorhaut (sanctum praeputium). Sie gilt als christliche Reliquie, bei der es sich um die Vorhaut Jesu von Nazaret handeln soll. Von Jesu Körper sollen nach seiner Himmelfahrt nur jene Bestandteile auf Erden zurückgeblieben sein, die er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hatte. Im Mittelalter behaupteten mehrere Kirchen, im Besitz dieser Reliquie zu sein. Dieser Kult führte zu den skurrilsten Geschichten. Im 13. Jahrhundert berichtete ein Bauernmädchen aus Plambach, einer Marktgemeinde im Bezirk Sankt Pölten-Land in Niederösterreich, die sogenannte Mystikerin Agnes Blannbekin, sie hätte beim Kosten der Eucharistie das Empfinden von Christi Vorhaut in ihrem Munde verspürt. Die diesbezüglichen Aufzeichnungen ihres Seelsorgers (Vita et Revelationes), 1731 von dem Benediktiner Bernhard Pez veröffentlicht, wurden auf Betreiben der Jesuiten eingezogen. Derartige Geschichten sind Auswüchse eines falschen, romantisch verklärten Mystizismus.

Am Tag nach Jesu Geburt schrieb Joseph sich ein. Er traf auf einen Mann, mit dem sie sich zwei Abende zuvor in Jericho unterhalten hatten, und dieser brachte ihn zu einem wohlhabenden Freund, der ein Zimmer in der Herberge hatte und sie wissen ließ, dass er gerne bereit wäre, mit dem Paar aus Nazareth die Quartiere zu tauschen. Am selben Nachmittag zogen sie in die darüber liegende Herberge um und blieben dort fast drei Wochen lang, bis sie im Hause eines entfernten Verwandten Josephs Unterkunft fanden.

An jenem Mittag der Geburt Jesu sangen die versammelten Seraphim Hymnen der Lobpreisung über der Krippe von Betlehem, aber kein menschliches Ohr vernahm sie. Weder Hirten noch irgendwelche anderen menschlichen Geschöpfe kamen, um das Kind von Betlehem zu verehren, bis zum Tage der Ankunft gewisser Priester aus Ur, die Zacharias von Jerusalem herabgesandt hatte.

Ein eigenartiger Religionslehrer ihres Landes hatte diesen Priestern aus Mesopotamien einige Zeit zuvor eröffnet, ihm sei in einem Traum mitgeteilt worden, dass das „Licht des Lebens“ in Kürze auf Erden als ein Kind und unter den Juden erscheinen werde. Dahin lenkten diese drei Lehrer ihre Schritte auf der Suche nach dem „Licht des Lebens“. Nach vielen Wochen vergeblichen Nachforschens in Jerusalem waren sie nahe daran, nach Ur zurückzukehren, als Zacharias sie traf und ihnen seine Ansicht eröffnete, dass Jesus das Objekt ihrer Suche sei, und sie nach Betlehem wies, wo sie das Kind fanden und ihre Geschenke bei seiner irdischen Mutter Maria ließen. Das Kind war zur Zeit ihres Besuchs fast drei Wochen alt.

Diese weisen Männer sahen keinen Stern, der sie nach Betlehem führte. Die schöne Legende vom Stern von Betlehem entstand folgendermaßen: Jesus wurde am Mittag des 21. August 7 v. Chr. geboren. Am 29. Mai 7 v. Chr. fand eine außergewöhnliche Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische statt. Und es ist eine bemerkenswerte astronomische Tatsache, dass gleiche Konjunktionen sich auch am 29. September und am 5. Dezember desselben Jahres ereigneten. Von diesen außerordentlichen, aber völlig natürlichen Vorgängen ausgehend, schufen die Glaubenseiferer der nächsten Generation in gut gemeinter Absicht die rührende Legende vom Stern von Betlehem und den verehrenden Magiern, die von ihm zur Krippe geführt wurden, wo sie das neugeborene Kind erblickten und anbeteten. Die fern- und nahöstlichen Gemüter ergötzen sich an Märchen, und sie weben immer wieder solch schöne Mythen um das Leben ihrer religiösen Führer und politischen Helden. Als der größte Teil des menschlichen Wissens in Ermangelung von Druckerzeugnissen mündlich von einer Generation auf die nächste überging, geschah es sehr leicht, dass Mythen zu Traditionen und diese schließlich als Tatsachen anerkannt wurden.

Moses hatte die Juden gelehrt, dass jeder erstgeborene Sohn dem Herrn gehöre, dass er aber, anstatt geopfert zu werden, wie es bei den heidnischen Völkern der Brauch war, unter der Voraussetzung am Leben bleiben könne, dass seine Eltern ihn gegen Bezahlung von fünf Schekel bei irgendeinem bevollmächtigten Priester loskauften. Es gab auch eine mosaische Verordnung, welche verlangte, dass eine Mutter nach Ablauf einer bestimmten Zeit zur Reinigung im Tempel zu erscheinen hatte (oder das angemessene Opfer durch jemand anderen an ihrer Stelle erbringen lassen musste). Es war Sitte, beide Zeremonien gleichzeitig zu vollziehen. Also gingen Joseph und Maria selber zum Tempel nach Jerusalem, um Jesus den Priestern darzubringen, seinen Loskauf zu erwirken und auch, um das erforderliche Opfer zu bringen, das die zeremonielle Reinigung Marias von der angeblichen Unreinheit der Geburt gewährleisten sollte.

Aber die Späher des Herodes waren nicht untätig. Als sie ihm über den Besuch der Priester von Ur in Betlehem Meldung erstatteten, forderte Herodes diese Chaldäer auf, vor ihm zu erscheinen. Er erkundigte sich bei den weisen Männern eingehend nach dem neuen „König der Juden“, aber sie gaben ihm nur die unbefriedigende Auskunft. Als die Häscher des Herodes nach mehr als einjähriger Suche Jesus nicht gefunden hatten, und weil der Verdacht bestand, dass das Kind noch immer in Betlehem versteckt gehalten wurde, ordnete er eine systematische Durchsuchung jedes Hauses in Betlehem und die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an.

Dieser Kindermord geschah Mitte Oktober 6 v. Chr., als Jesus etwas über ein Jahr alt war. Es gab aber sogar unter den Höflingen des Herodes einige, die an den kommenden Messias glaubten, und einer von ihnen, der vom Befehl zur Abschlachtung der Knäblein von Betlehem Kenntnis erhalten hatte, setzte sich mit Zacharias in Verbindung, der seinerseits einen Boten zu Joseph sandte. Am Abend vor dem Massaker verließen Joseph und Maria Betlehem mit ihrem Kind in Richtung Alexandria in Ägypten. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, reisten sie allein mit Jesus nach Ägypten. Sie bestritten die Reise nach Alexandria mit Geldmitteln, die Zacharias zur Verfügung gestellt hatte. Dort arbeitete Joseph in seinem Beruf, während Maria und Jesus bei wohlhabenden Verwandten der Familie Josephs Wohnung fanden. Ihr Aufenthalt in Alexandria dauerte zwei volle Jahre, und sie kehrten erst nach dem Tode des Herodes nach Betlehem zurück.

* * *

In seinem zehnten Lebensjahr drückte Jesus zum ersten Mal Gefühle und Ideen aus, die darauf hinwiesen, dass er sich der ungewöhnlichen Natur seiner Lebensaufgabe bewusst wurde. Seine Eltern hörten den bedeutsamen Worten ihres Sohnes aufmerksam zu, sagten aber nur wenig dazu und gaben selber keine Auskunft. Es dauerte fast zwei Jahre, bevor Jesus erneut mit seinen Eltern über die zunehmende Offenbarung im eigenen Bewusstsein bezüglich der Natur seiner Persönlichkeit und der Art seiner Sendung auf Erden sprach.

Jesus ungewöhnlichster und auffallendster Charakterzug in seinen Jugendjahren war vielleicht, dass er es ablehnte, für seine Rechte zu kämpfen. Da er doch ein für sein Alter so gut entwickelter Knabe war, kam es seinen Spielgefährten merkwürdig vor, dass er eine Abneigung hatte, sich selber zu verteidigen, sogar wenn er Unrecht erlitt oder persönlich misshandelt wurde. Es fügte sich, dass er dank seiner Freundschaft mit Jakob, einem um ein Jahr älteren Nachbarsjungen, wegen dieser Eigenheit nicht viel zu leiden hatte. Dieser war der Sohn des Steinmetzen, eines Geschäftspartners Josephs. Jakob war ein großer Bewunderer von Jesus und machte es sich zur Aufgabe, darüber zu wachen, dass niemand es wagte, Jesu Abneigung gegen körperlichen Kampf auszunützen.

In seinem zehnten Lebensjahr begann Jesus, eine offenkundige Vorliebe für die Gesellschaft älterer Personen zu zeigen. Er liebte es, sich mit Älteren über kulturelle, erzieherische, soziale, wirtschaftliche, politische und religiöse Dinge zu unterhalten, und die Tiefe seiner Gedankengänge und die Schärfe seiner Beobachtung bezauberten seine erwachsenen Gesprächspartner so sehr, dass sie ihn nur zu gern für ein Gespräch aufsuchten.

Im elften Jahr (5 n. Chr.) wurde Jesus Bruder Jude geboren. Die Geburt dieses siebenten Kindes war mit Komplikationen verbunden. Maria war mehrere Wochen lang so sehr krank, dass Joseph zu Hause blieb. Jesus war vollauf beschäftigt mit Besorgungen für seinen Vater und mit vielen Pflichten, die sich aus der ernsthaften Erkrankung seiner Mutter ergaben. Nie wieder wurde es diesem Jungen möglich, zu dem kindlichen Verhalten seiner früheren Jahre zurückzukehren. Von der Krankheit seiner Mutter an - gerade bevor er elf Jahre alt wurde - war er gezwungen, die Verpflichtungen des erstgeborenen Sohnes zu übernehmen, und zwar ein oder zwei Jahre früher, als diese Last normalerweise auf seine Schultern hätte fallen sollen.

Das zwölfte Jahr (6 n. Chr.) war ein ereignisreiches Jahr in Jesu Leben. Während dieses Jahres durchlebte er manche Zeit der Unsicherheit, wenn nicht gar richtigen Zweifels bezüglich der Natur seiner Sendung. Sein sich natürlich entwickelnder menschlicher Verstand erfasste die Tatsache seiner Doppelnatur noch nicht ganz. Der Umstand, dass er nur eine einzige Persönlichkeit besaß, machte es seinem Bewusstsein schwer, den doppelten Ursprung der Faktoren zu erkennen, die die Natur ausmachten, mit der ebendiese Persönlichkeit verbunden war.

Ungefähr um diese Zeit kam ihm auch der Unterschied zwischen den Standpunkten Josephs und Marias hinsichtlich der Natur seiner Sendung klar zu Bewusstsein. Und im Laufe der Jahre vertiefte sich diese Kluft zwischen ihren Auffassungen. Maria verstand die Bedeutung von Jesu Sendung immer weniger, und immer gekränkter war diese gute Mutter darüber, dass ihr Lieblingssohn ihre teuersten Erwartungen nicht erfüllte. Der Glaube Josephs an die geistige Natur der Sendung Jesu hingegen wuchs.

Im dreizehnten Jahr ging der Junge aus Nazareth vom Knabenalter zum Jünglingsalter über; der Stimmbruch begann und andere Zeichen an Geist und Körper kündeten den herannahenden Status des Mannesalters an. In dieser Zeit gelangte Jesus menschlich zur Gewissheit, dass er dazu ausersehen sei, auf Erden eine Sendung zur Erleuchtung der Menschheit und zur Offenbarung Gottes auszuführen.

Jesus, der nun die Schwelle des Jünglingsalters erreicht und seine Abschlussprüfung an der Synagogenschule in aller Form bestanden hatte, erfüllte die Voraussetzungen, um sich mit seinen Eltern nach Jerusalem zu begeben und dort mit ihnen an seinem ersten Passahfest teilzunehmen. Als Jesus auf der Kuppe des Ölberges stand, sah er zum ersten Mal die Heilige Stadt, die anmaßenden Paläste und den inspirierenden Tempel seines Vaters. Zu keiner Zeit seines Lebens erlebte Jesus so eine rein menschliche Erregung wie jene, die ihn ganz und gar ergriff, als er an diesem Aprilnachmittag auf dem Ölberg stand und zum ersten Mal den Anblick Jerusalems in sich aufnahm. Jahre danach stand er an derselben Stelle und weinte über die Stadt, die sich wiederum anschickte, einen Propheten, den letzten und größten ihrer himmlischen Lehrer, zurückzuweisen.

Am Abend des Passah-Sabbats rollten Flutwellen geistiger Erleuchtung durch das sterbliche Bewusstsein Jesu und füllten sein menschliches Herz bis zum Überquellen mit liebendem Erbarmen für die geistig blinden und sittlich unwissenden Massen, die da zur alten Passaherinnerungsfeier versammelt waren. Dies war einer der außerordentlichsten Tage, die der Mensch gewordene Sohn Gottes erlebte; und während der Nacht erschien ihm zum ersten Mal auf seinem irdischen Lebensweg ein himmlischer Bote, der sagte: „Die Stunde ist gekommen. Es ist Zeit, dass du beginnst, dich um die Angelegenheiten deines Vaters (Gott) zu kümmern.“

Damit endet der Werdegang des Knaben von Nazareth und beginnt die Geschichte des heranwachsenden Jünglings - des sich seiner selbst immer bewusster werdenden göttlichen Menschen - der sich nun anschickt, über seinen weltlichen Lebensweg nachzusinnen, während er sich gleichzeitig bemüht, seine sich entfaltende Lebensaufgabe mit den Wünschen seiner Eltern und den Verpflichtungen gegenüber seiner Familie und der damaligen Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Kein Vorkommnis auf dem gesamten ereignisreichen irdischen Lebensweg Jesu war anziehender, menschlich erregender als dieser in seiner Erinnerung erste Besuch Jerusalems. Die Erfahrung, an den Tempeldiskussionen ganz auf sich selber gestellt teilzunehmen, regte ihn besonders an, und lange hob sie sich aus seinen Erinnerungen als das große Ereignis seiner späten Kindheit und frühen Jugend heraus. Das war die erste Gelegenheit, einige Tage unabhängigen Lebens und das Vergnügen zu genießen, ohne Zwang und ohne Einschränkung zu kommen und zu gehen. Diese kurze, ohne Führung verlebte Zeit in der auf das Passahfest folgenden Woche war das erste vollkommene Freisein von Verantwortung, das er je genossen hatte. Und es sollte danach viele Jahre dauern, ehe ihm wiederum, und sei es auch nur für kurze Zeit, eine ähnliche, von allem Verantwortungsgefühl freie Periode vergönnt war.



[Fortsetzung folgt]



Zentrale Themen

“Die Einführung der Vernunft in das Gedankensystem des Ego ist der Anfang von dessen Aufhebung, denn die Vernunft und das Ego widersprechen einander. Auch können sie in deinem Bewusstsein nicht nebeneinander existieren. Denn die Vernunft zielt darauf ab, klar und deshalb offensichtlich zu machen.”
(EKIW: Kapitel 22, III. 1. 1.-3.)

Spiritualität

Spiritualität (von lateinisch spiritus ,Geist, Hauch‘) ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit.

Der Weg des geistigen Übens mit dem Ziel der Vereinigung mit einer höheren Wirklichkeit (Gott, Transzendenz) ist ein Aspekt von Spiritualität. Spiritualität verbindet alle Religionen und spirituellen Richtungen miteinander. Spiritualität heißt Ausrichtung des Lebens auf die Erfahrung einer höheren Wirklichkeit. Spiritualität heißt, nach einem höheren Sinn zu streben und sein Leben nach diesem höheren Sinn auszurichten.

Alle wahrhaft spirituellen Wege verweisen im Kern mit unterschiedlichen Worten auf ein und dieselbe Wahrheit jenseits der Worte. Der erlöste Zustand entsteht durch den Prozess der Erleuchtung, des Erwachens aus der Illusion, der Erkenntnis:

Illusion / Trennung Erlösungsweg erlöster Zustand
Hinduismus (Advaita Vedanta) Maya (Illusion) / Samsara rechte Unterscheidung / Moksha oder Mukti Atman (absolutes Selbst, ewige Essenz des Geistes)
Buddhismus Samsara Edler achtfacher Pfad Nirvana
Taoismus Yin und Yang (Dualität) Wu wei („Nicht-Eingreifen“, „Nicht-Handeln“, „Nicht-Erzwingen“) Harmonie mit dem Tao (= GOTT), Verwirklichung des Tao
Mystische Alchemie Schwärzung (Fäulnis): Individuation Weißung: Vergeistigung, Erleuchtung Rötung: Vereinigung des Menschen mit Gott
Gnostizismus Demiurg Erkenntnis Pneuma
Christliche Mystik Verhülltheit des Geistes Zurücknahme des ‚Ich‘ Unio Mystica
EKIW Ego = Illusion der Trennung → Selbst heilige Beziehung SELBST / CHRISTUS

Alle wahrhaft spirituellen Lehrer weisen mit unterschiedlichen Symbolen und Konzepten auf die eine Wahrheit jenseits der Worte hin, wie Machiventa Melchizedek, Lao-Tse, Siddhartha Gautama, Jesus, Adi Shankara, Meister Eckhart, Mary Baker Eddy, Ramana Maharshi, Paramahansa Yogananda, Krishnamurti und gegenwärtig lebende Lehrer wie Byron Katie, A. H. Almaas, Mooji, Eckhart Tolle oder christliche Mystiker wie David Steindl-Rast und der Ein-Kurs-in-Wundern-Lehrer und Mystiker David Hoffmeister.

Die Meister, welche die Erde betraten, sind diejenigen, die sich weigerten, die Gesetze dieser Welt der Dualität als Wirklichkeit anzuerkennen. Kurz gesagt: Meister sind jene, die sich nur für die LIEBE entschieden haben - in jedem Augenblick, in jedem Moment, unter allen Umständen. Selbst als sie verfolgt, unterdrückt oder getötet wurden. Es spielt keine Rolle, welcher Art die Philosophie, die Tradition, die Religion war - es ist das, was jeder Meister tat. Die Lektion der LIEBE ist uns äußerst klar dargelegt worden; es wurde uns immer und immer wieder vor Augen geführt: in allen Zeitaltern und an allen Orten, in allen unseren “Leben” und in jedem Moment. Die Stimme für GOTT bedient sich des ganzen Universums, um uns diese Wahrheit nahe zu bringen: in Liedern und Geschichten, in der Dichtung und im Tanz, in Worten, in Filmen und in Büchern. Vom höchsten Berggipfel erschallt sie, am allertiefsten Ort ist ihr Wispern zu vernehmen. Durch die Korridore jedweder menschlicher Erfahrung hallt diese Wahrheit wider: LIEBE ist die Antwort. Von uns - braucht es die Bereitschaft zu hören.

Es braucht Mut und Disziplin, den ganzen Tag auf die Stimme für GOTT zu hören. Viele spirituelle Schulen sind deshalb dazu übergegangen, scheinbar der gesamten Welt zu entsagen. Das heißt, diejenigen, die wirklich hingebungsvoll spirituell üben, sind nicht selten sogar bereit, auf alles “Weltliche” zu verzichten, sowohl auf Besitz, auf Sex, als auch auf Ehe und Familie, also alles, was uns in dieser Welt scheinbar irgendwie verführen kann. Sie verpflichten sich zu Gehorsam und Demut.

In Ein Kurs in Wundern ist das alles nicht erforderlich, und das aus gutem Grund. Denn es ist ein Irrtum zu denken, dass etwas Äußeres unser spirituelles Wachstum tatsächlich begrenzen kann, dass es besonders sündige Dinge im Außen gibt, Dinge, die extrem unspirituell sind. Das ist einfach nicht wahr, denn die ganze Welt ist unspirituell, weil sie nicht Spirit ist. In dem Moment, in dem etwas nicht Geist ist, ist es nicht spirituell. Es gibt überhaupt keine Unterschiede, und gerade das Beurteilen von Aspekten der Welt ist der "Sündenfall", der Eintritt in die Illusion der Trennung.

Was aber der Grund ist, warum es Mut braucht, aufrichtig und tief ins Üben zu kommen, ist einfach die Tatsache, dass GOTT für die Wahrheit steht. GOTT wird niemals unsere Illusion wahr machen. GOTT wird niemals unseren Versuch unterstützen, aus der von ihm geschaffenen EINHEIT eine Illusion der Dualität zu machen. ER wird uns nie dabei unterstützen diese Welt als wirklich erscheinen zu lassen.

Ein individuelles Streben nach Glück ohne die Ausrichtung auf ein transzendentes Ziel - auf GOTT - hat daher nichts mit Spiritualität zu tun. Das alleinige Streben nach einem angenehmen weltlichen Lebensgefühl ist der Weg des Egos, richtig widersinnig wird es, wenn dieses Streben als spirituell verstanden wird. Das wird gerne übersehen, ganz einfach weil unser Verstand bei dem Versuch, mit unserem Unwissen und Misstrauen umzugehen, so unglaublich komplex geworden ist.

Auch wenn ich hier die Gemeinsamkeit der verschiedenen spirituellen Wege aufzeige, ist es nicht hilfreich, sie zu vermischen, da dies nur zu weiterer Verwirrung und unnötigen Verzögerungen führt. Es ist das Ego, das uns glauben lässt, wir könnten aus verschiedenen spirituellen Richtungen unsere eigene Vorstellung von Spiritualität zusammenbasteln. Es steht uns nicht frei, den Lehrplan zu wählen, nicht einmal die Form, in der wir ihn lernen werden. Wir sind allerdings frei zu entscheiden, wann wir ihn lernen wollen. Es gibt verschiedene Formen, d.h. verschiedene Symbole, aber der Lehrplan ist immer derselbe, und in welcher Form wir ihn lernen, ist uns gegeben. Ein Mensch, der im indischen Kulturkreis lebt, wird ihn vielleicht in Form der Bhagavad Gita lernen und dort lesen: "Was unwirklich ist, kann niemals sein, was wirklich ist, kann niemals enden. Diese Wahrheit haben die Seher erkannt.” Ein Mensch im Westen wird ihn vielleicht mit Hilfe des Neuen Testaments lernen und dort lesen "... denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig." oder in Form von Ein Kurs in Wundern: "Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Frieden GOTTES."

Wir brauchen die Wahrheit nicht zu suchen, sie findet uns, wenn wir innerlich dazu bereit sind. Ein spiritueller Weg ist etwas, das uns gegeben ist; unser Beitrag besteht in der Bereitschaft, in die Tiefe zu gehen, in dem aufrichtigen Verlangen nach der Wahrheit - der Wahrheit jenseits der Worte.

Seit der Morgendämmerung der Zivilisation hat jede ansprechende Bewegung gesellschaftlicher Kultur oder religiösen Fortschritts ein Ritual, ein symbolisches Zeremoniell, hervorgebracht. Der Kult hat die Gefühle geschützt und die Empfindungen befriedigt, aber er ist immer das größte Hindernis geistigen Fortschritts gewesen. Der frühe christliche Kult war das wirksamste, ansprechendste und dauerhafteste aller je ersonnenen oder erfundenen Rituale. Die große Gefahr bei alledem ist, dass das Ritual die Tendenz hat, zu einem Ersatz für wahrhafte Spiritualität zu werden.

Für viele moderne westliche Menschen ist die tägliche Yogastunde zu einem Ritual geworden, das kaum noch etwas mit einer Ausrichtung auf GOTT zu tun hat. Eine Yogastunde macht für eine kurze Zeit ein angenehmes Gefühl, das ist unbestreitbar, aber ohne die Ausrichtung auf GOTT ist dieses Gefühl genauso vergänglich und damit bedeutungslos wie alles in der Welt von Raum und Zeit, die das Ego gemacht hat.

Yoga (Sanskrit für: anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren) ist eine aus Indien stammende spirituelle Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Kriyas, Meditation und Askese umfasst. Der Begriff Yoga kann sowohl „Vereinigung“ oder „Integration“ bedeuten, als auch im Sinne von „Anschirren“ (vgl. „jochen“) des Körpers zur Sammlung und Konzentration mit dem Ziel der Einswerden mit dem Göttlichen. Die indischen Yogis haben ihr ganzes Leben der Hingabe und der Liebe zum Göttlichen gewidmet, ganz gleich, welchen spezifischen Begriff sie dafür verwendet haben. Der Weg des Yogi ist ein Weg der totalen Hingabe. Die Yogis verbrachten Jahrzehnte, wenn nicht sogar ihr ganzes Leben, in Einsiedeleien mit ihrem Meister oder allein in Höhlen im Himalaya. Traditioneller, indischer Yoga unterscheidet sich grundsätzlich vom westlichen, modernen Yoga und enthält sehr viel komplexere Lehren und Praktiken als die modernen Formen. Das moderne westliche Verständnis von Yoga führt eher zu einer Verstärkung der Identifikation mit dem Körper als zu einer Befreiung von dieser Identifikation. Wieder einmal ist es dem Ego gelungen, ein edles Konzept so zu verdrehen, dass es seinem Denksystem dient.

In der Einleitung von Ein Kurs in Wundern heißt es: "Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein." Anders ausgedrückt, bedeutet dies: Von Licht und Liebe zu reden ist nichts. Doch das wahrhaftige Verlangen danach und die totale Hingabe ist alles.

Der göttliche Geist tritt mit dem Menschen nicht über Gefühle und Emotionen in Kontakt, sondern in der Zone des höchsten und vergeistigten Denkens. Unsere Gedanken sind es, und nicht unsere Gefühle, die uns gottwärts leiten. Der Geist, der GOTT tatsächlich erkennt, ist der reine Geist. Solch innere und geistige Verbindung nennt man geistige Schau oder CHRISTI Schau. Das sogenannte dritte Auge ist ein Symbol für die geistige Schau.

Die Tatsache der wahren Spiritualität besteht ganz und gar in der spirituellen Erfahrung. All jene Menschen, die eine derartige Erfahrung gemacht haben, brauchen keine Argumente, die für GOTTES Wirklichkeit sprechen, während für alle anderen Menschen, die GOTTES nicht in dieser Weise sicher sind, kein denkbares Argument je wahrhaft überzeugend sein kann.

Jesus verweist in Ein Kurs in Wundern auf Folgendes: Überhaupt ist der Glaube an GOTT kein wirklich sinnvolles Konzept, denn GOTT kann nur erkannt werden. Glaube beinhaltet, dass Unglaube möglich ist, aber die Erkenntnis GOTTES hat kein wirkliches Gegenteil. GOTT nicht zu erkennen heißt, keine Erkenntnis zu haben, und genau dahin führt alle Nichtvergebung. Und ohne Erkenntnis kann man nur Glauben haben.“

Bei Spiritualität geht es im Wesentlichen nicht um Konzepte oder darum, über Spiritualität zu sprechen, auch wenn auf dem spirituellen Weg Konzepte gebraucht werden, sondern es handelt sich in jedem Fall um intensive Zustände und Erfahrungen, die direkte Auswirkungen auf die Lebensführung und die ethischen Vorstellungen des Menschen haben.

Kein Mensch kann „spirituell sein“. Es gibt Menschen, die sich für das Thema interessieren und solche, die es nicht tun, aber auch das ist nicht entscheidend, denn viele interessieren sich für Spiritualität, um als spirituell zu erscheinen, aber sie fühlen keine wirkliche Sehnsucht nach GOTT. Die Einteilung in spirituelle und unspirituelle Menschen ist also ein Urteil aus dem dualen Denksystem des Egos. Und auch wer wirklich getrieben von der Sehnsucht nach der Wahrheit einen spirituellen Weg geht, ist deshalb nicht spirituell als Person. Jeder spirituelle Weg ist ein Tun und kein Sein im wirklichen Sinne. Das Ziel des Weges ist das SEIN.

Die moderne Vorstellung einer „humanistischen oder säkularen Spiritualität“, also Spiritualität ohne Transzendenzbezug, ist völlig widersinnig. Jesus weist im Kurs in diesem Zusammenhang auf Folgendes hin: „In dieser Welt gibt es die erstaunliche Tendenz, widersprüchliche Wörter in einem Begriff zu verbinden, ohne den Widerspruch überhaupt wahrzunehmen.“

Und so ist der Begriff Spiritualität zu einem vielfach verschwommenen Modewort geworden, läuft unter den Oberbegriffen Esoterik und Lebenshilfe und ist auch bereits in nahezu allen profanen Bereichen präsent. Aktuell findet der Begriff Spiritualität auch als Schlagwort Anwendung, im Zusammenhang mit New Age und alternativer Heilkunde, und auch politisch im Programm und der Bezeichnung einer Partei. Die Werbe- und Marketingbranche betrachtet Spiritualität als Produkt auf einem „Sinnmarkt“. Eine Werbeagentur definiert sie folgendermaßen: „Ganz traditionelle Player wie die Kirchen kämpfen mit ganz neuen Playern um den Markt des Seelenheils. Spiritualität wird in Zukunft Bestandteil eines modernen Lebensstils sein, der sich an Nachhaltigkeit und Qualität orientiert. Spiritualität im 21. Jahrhundert erstreckt sich auf eine große Zahl von Bedürfnissen, beispielsweise auf Lebenshilfe, Ernährung, Gesundheit, Beratung und Coaching. Das persönliche Lebensgefühl und die eigene Identität werden durch Spiritualität aufgewertet.“

Die Werbebranche bringt das Ego-Denksystem wunderbar zum Ausdruck, sie weiß sehr genau, dass sie die Menschen denen sie Dinge verkaufen will, die diese nicht unbedingt brauchen, davon überzeugen muss, dass diese Dinge dem etwas hinzufügen, wie sie sich selbst sehen oder von anderen gesehen werden, mit anderen Worten, dass ihr Selbstgefühl - ihre scheinbare Identität - eine Aufwertung erfährt. Das tut die Werbung zum Beispiel, indem sie uns erzählt, dass wir uns durch das betreffende Produkt von der Menge abheben und infolgedessen mehr wir selbst sind. Wir kaufen also in vielen Fällen kein Produkt, sondern einen Identitätsverstärker. Für den modernen Ego-Geist sind auch Religion und Spiritualität nur noch ein Produkt zur Verstärkung der persönlichen Identität. Der unbewusste Zwang zur Identifikation ist strukturell bedingt, es ist die grundsätzliche Art und Weise, wie der Ego-Geist funktioniert. Bei wahrer Spiritualität geht es um die Befreiung aus der Identifikation mit dieser Welt, um die Befreiung aus der Identifikation mit einem persönlichen Selbst.

Das Streben des Ego-Geistes nach einem von GOTT getrennten Selbst, nach einem durch Identifikation erzeugten Konzept, nach einem illusionären Ich-Gefühl, ist die Ursache allen Leidens. Der Aufbau von einem Konzept des Selbst ist es, wozu das Lernen der Welt dient. Das Konzept des Selbst ist ein Götze, der dazu gemacht ist, den Platz unserer Wirklichkeit als SOHN GOTTES einzunehmen. Das Konzept des Selbst, das die Welt lehrt, ist nicht das Ding, das es zu sein scheint - es ist eine Illusion. Man könnte die Ziele, des illusionären Selbst, auch so beschreiben, dass man sagt, sie drehen sich alle um „persönliche“ Interessen. Da wir in Wahrheit keine persönlichen Interessen haben, drehen sich seine Ziele tatsächlich um nichts. Das Ego ist die bruderlose Illusion und das Selbst, das allein zu sein scheint im ganzen Universum. Es ist ein Ding des Wahnsinns und überhaupt keine Wirklichkeit, nur ein Traum. Das Ego ist nichts, aber in einer Form, die wie etwas zu sein scheint.

Das Ego versucht immer, den grundlegenden Konflikt aufrechtzuerhalten, der eine Folge seines Glaubens an Trennung ist. Es ist sehr raffiniert im Ersinnen von Wegen, die den Konflikt zu vermindern scheinen, weil es nicht will, dass wir den Konflikt derart unerträglich finden, dass wir darauf bestehen, ihn aufzugeben. Das Ego versucht daher, uns davon zu überzeugen, dass es uns vom Konflikt befreien kann, damit wir nicht das Ego aufgeben und uns selbst befreien. Aber das Ego betreibt nur Konfliktmanagement, um den Konflikt auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, um ihn zu behalten. Das Ego versucht, unseren Angriff hinter politisch korrekter, gewaltfreier Kommunikation zu verbergen, um ihn zu behalten. Das Ego benutzt Projektion, um Angst und Schuld auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, damit wir sie behalten. Das Ego bietet uns seine zeitgeistige Vorstellung von Spiritualität an, um unser Unglück erträglich zu machen, damit wir es behalten.

GOTTES WILLE für uns ist vollkommenes Glück. Es ist unsere wahre Bestimmung, glücklich zu sein. Doch dieses Glück ist nicht das, was die Welt unter Glück versteht. Es ist nicht vernünftig, Glück von irgend etwas zu erwarten, was das Ego jemals vorschlug. Das wahre Glück ist auf der Ebene des persönlichen Selbst nicht zu finden. GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück und Vergebung ist der Schlüssel zum Glück. Jesus fordert uns im Kurs auf: "Sei glücklich, denn Glück ist deine einzige Funktion hier."

Ego, Bewusstsein, Selbst, HEILIGER GEIST, SELBST, GOTT

Manchmal haben wir vielleicht Schwierigkeiten mit den spezifischen christlichen Begriffen in Ein Kurs in Wundern wie Heiligkeit, Christus, Heiliger Geist, Himmel und Gott, aber es liegt in der Natur der Sache, dass wir spezifische Begriffe brauchen, wenn wir versuchen, auf etwas zu verweisen, das jenseits unserer mentalen Vorstellungskraft liegt. Wir können nicht auf eine Wirklichkeit jenseits dieser Welt verweisen, wenn wir ausschließlich Begriffe verwenden, die in dieser Welt eine konkrete Bedeutung haben. Es ist unmöglich, allein mit Begriffen, die diese Welt der Dualität beschreiben, auf die Wahrheit zu verweisen, die kein Gegenteil kennt. Gleichzeitig verwendet Jesus im Kurs die alten christlichen Begriffe mit weltlicher Bedeutung und gibt ihnen ihre wahre spirituelle Bedeutung zurück. So sind die Begriffe Vater, Sohn und Bruder geschlechtsneutral zu verstehen. Der Kurs ist ein Geistestraining und stellt unser altes Denken völlig auf den Kopf. Die Begriffe Vater, Sohn und Bruder geschlechtsneutral zu denken, ist Teil dieses Geistestrainings. Der Bruder ist der Mitmensch, der Sohn unsere göttliche Wirklichkeit, die den Vater nie verlassen hat. Der Begriff Vater verweist auf den Unterschied zwischen Schöpfer und Schöpfung. Die Großschreibung einiger Begriffe bedeutet, dass sich diese Begriffe direkt auf die Wirklichkeit, auf GOTT, auf das SELBST oder auf die Stimme für GOTT - den HEILIGEN GEIST - beziehen.

Der spirituelle Weg besteht zu 1 % aus Metaphysik und zu 99 % aus Praxis, aber die Metaphysik bildet die Grundlage der Praxis. Wenn die Metaphysik falsch ist, ist alles Üben umsonst.

Als westliche Sucher in den 1960er Jahren begannen, den spirituellen Reichtum Indiens zu entdecken, brachten sie viel wertvolles Wissen mit in den Westen und leisteten damit einen bedeutenden Beitrag zur zivilisatorischen und geistigen Entwicklung der Menschheit. Es handelt sich dabei um jene philosophische Stufe, bei der wir Freiheit von allen konventionellen und traditionellen Hemmnissen erreichen und wagen, ehrlich, loyal, furchtlos und wahrheitsliebend zu denken, zu handeln und zu leben.

Die spirituellen Sucher jener Zeit brachten aber auch zwei zentrale Irrtümer der indischen Spiritualität in den Westen: Zum einen den Glauben an die Seelenwanderung und zum anderen den Glauben, dass die Erlösung allein durch eigene Anstrengungen, ohne Hilfe des Heiligen Geistes, erreicht werden könne. Doch die Erfahrung von Individualität und damit von Trennung ist der zentrale Irrtum. Trennung ist unser einziges Problem, gleichgültig, welche Form sie annimmt. Dieses Problem können wir niemals mit demselben Geist lösen, durch den es entstanden ist. Der damalige Versuch, westliche Psychologie mit indischer Spiritualität zu verbinden, führte zur Verwechslung von persönlichem Selbst und wahrem SELBST.

Gleichzeitig mit der Verwirrung über das Selbst und das SELBST, die in den 1960er Jahren aufkam, kam Ein Kurs in Wundern in die Welt, der dieses zentrale Missverständnis wieder berichtigte. Ein Kurs in Wundern entstand zwischen 1965 und 1972 und wurde im Jahre 1976 das erste Mal als Buch veröffentlicht. Der Kurs kam mit Hilfe zweier US-amerikanischer Psychologen in die Welt und im Kurs finden sich zentrale Begriffe der westlichen Psychologie. ER lehrt uns, dass unser Selbst nichts ist, dass aber unser SELBST alles ist.

Das SELBST ist der CHRISTUS ist GOTTES SOHN, wie GOTT IHN schuf. Das SELBST ist das, was wir miteinander teilen und das uns miteinander und auch mit GOTT eint. ES ist der vollkommene GEDANKE im GEIST GOTTES. Das SELBST, oft auch als wahres Selbst bezeichnet, hat die Einheit mit GOTT nicht verlassen. Das SELBST ist das Bindeglied, das uns eins mit GOTT erhält und dafür bürgt, dass die Trennung nicht mehr als eine Illusion ist.

Das SELBST ist der einzige Teil von uns, der in Wahrheit Wirklichkeit besitzt. Der Rest sind Träume. Wenn es in Lektion 132 heißt: “Es gibt keine Welt! Das ist der zentrale Gedanke, den der Kurs zu lehren versucht.” So fordert uns Jesus nicht auf die Welt zu leugnen, sondern er fordert uns auf, so zu leben, als gäbe es keine Welt. Er lädt uns ein, ein ewiges Leben unter der Führung des HEILIGEN GEISTES zu leben. Dann werden alle Träume verblassen und endlich wird uns unser heiliges SELBST, CHRISTUS, offenbart werden.

Das SELBST ist heilig, jenseits aller Gedanken der Heiligkeit, die wir uns jetzt vorstellen können. Seine Liebe ist grenzenlos und von einer Intensität, die alle Dinge in der Ruhe stiller Gewissheit in sich birgt. Seine Stärke kommt nicht von brennenden Impulsen, die die Welt bewegen, sondern von der grenzenlosen LIEBE GOTTES SELBST. Wie weit jenseits dieser Welt muss unser SELBST sein und dennoch wie nah bei uns und nah bei GOTT.

Nichts Wirkliches lässt sich vermehren außer durch Miteinanderteilen.
Deshalb hat GOTT dich erschaffen.
Die GÖTTLICHE ABSTRAKTION freut sich am Teilen.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 5. 2.-5.)

“Das Sein muss ausgedehnt werden.
Das ist die Art und Weise, wie es die Erkenntnis seiner selbst beibehält.”
(EKIW: Kapitel 7, IX. 2. 6.&7.)

GOTT ist kein Wesen. GOTT ist nicht das Universum und auch keine Energie. GOTT ist reine Abstraktion. GOTT ist das Namenlose, das Ewige, das Unbegrenzte. GOTT ist alles was wirklich IST. GOTT ist SELBST die Vollständigkeit. GOTT ist die QUELLE allen SEINS und das SEIN SELBST. GOTT ist reine, grenzenlose und somit gegenstandslose, vollkommene LIEBE.

Verweise auf die Wirklichkeit, auf GOTT und das SELBST, sollen nicht den Eindruck erwecken, wir könnten die Wirklichkeit verstehen. Die Wirklichkeit kann grundsätzlich nicht verstanden, sondern nur erfahren werden. Die Verweise dienen lediglich dazu, uns bewusst zu machen, dass unsere alltägliche menschliche Erfahrung nicht unsere Wirklichkeit ist und dass im Grunde alles, was wir über die Wirklichkeit verstandesmäßig zu wissen glauben, falsch ist.

"Einssein ist einfach die Idee: Gott ist. Und in seinem Sein umfasst er alle Dinge. Kein Geist birgt irgendetwas außer ihm. Wir sagen: »Gott ist«, und dann hören wir auf zu sprechen, denn in dieser Erkenntnis sind Worte bedeutungslos."
(EKIW: Lektion 169, 5. 1.-4.)

Der HEILIGE GEIST ist die optimierende Schubkraft der Wirklichkeit, er ist der einzige Teil der HEILIGEN DREIEINIGKEIT, der symbolische Funktion hat. ER wird als der HEILER, TRÖSTER und FÜHRER bezeichnet. Der HEILIGE GEIST ist der CHRISTUSGEIST, der sich der Erkenntnis bewusst ist, die jenseits der Wahrnehmung liegt. Er wurde im Urtext des Kurses auch als spirituelles Auge bezeichnet. In der Bhagavad Gita repräsentiert Krishna den Heiligen Geist. Der HEILIGE GEIST ist die INSPIRATION, die die ganze SOHNSCHAFT miteinander teilt. ER übersetzt Anblicke und Geräusche von den Zeugnissen der Angst in diejenigen der Liebe. Er löst eine Art der Wahrnehmung aus, in der viele Elemente denjenigen im geeinten GEIST selbst gleichen. Der HEILIGE GEIST ist der Geist der Freude. ER ist der RUF zur Umkehr, mit dem GOTT den Geist SEINER getrennten SÖHNE gesegnet hat. Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist die STIMME FÜR GOTT. Sie befiehlt nicht, sie fordert nicht, sie erinnert nur, sie ist immer leise, weil sie vom Frieden spricht. Die Stimme des Egos ist normalerweise die lauteste Stimme in uns und gerade am Beginn des Weges zu GOTT braucht es unsere totale Bereitschaft, um die leise STIMME FÜR GOTT zu hören. Sie ist nicht an sich leise, doch wird sie durch unseren Unwillen begrenzt, sie zu hören. Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist so laut wie unsere Bereitschaft, zuzuhören.

Der HEILIGE GEIST ist, wie das Ego, eine Entscheidung. Zusammen bilden sie die einzigen Alternativen, die der Geist annehmen und denen er gehorchen kann. Der HEILIGE GEIST und das Ego sind die einzigen Entscheidungsmöglichkeiten, die uns offen stehen. Die beiden Stimmen sprechen gleichzeitig für verschiedene Deutungen derselben Sache, oder fast gleichzeitig, denn das Ego spricht immer zuerst. Das Ego spricht urteilend, und der HEILIGE GEIST kehrt dessen Entscheidung um. Die Entscheidungen des Ego sind immer falsch, weil sie auf dem Irrtum beruhen, zu dessen Aufrechterhaltung sie getroffen wurden.

“Weder GOTT noch das Ego vertreten ein partielles Denksystem. Jedes ist in sich stimmig, aber sie sind einander in jeder Hinsicht diametral entgegengesetzt, so dass eine teilweise Treue unmöglich ist.”
(EKIW: Kapitel 11, Einleitung, 1. 3.&4.)

Der Begriff Ego wird in der Welt in völlig unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Der alltagssprachliche Begriff Ego hat mit dem Begriff Ego im spirituellen Sinn absolut nichts zu tun und auch im spirituellen Kontext wird der Begriff Ego unterschiedlich verwendet. Im Sinne des Kurses ist das Ego das Verlangen nach Trennung. Es ist der Wunsch, etwas zu sein, was GOTT nicht schuf, das Verlangen nach mehr als ALLES.

Das Ego steht für den Versuch, sich über GOTT zu stellen. Das Ego will nicht die Nummer zwei sein. Die Stimme des Egos in unserem Bewusstsein klingt folgendermaßen: “Ich stell dir eine Umgebung zur Verfügung, in der du dein eigenes Selbst machen kannst und du kannst dir immer wieder ein neues Selbst machen und die gute Nachricht dabei ist, du bist die Nummer Eins.” Die Welt aus Raum und Zeit ist diese Umgebung. Doch alles, was wir hier finden, ist nur Krankheit, Leiden, Verlust und Tod. Diese Welt wurde als Angriff auf GOTT gemacht. Sie ist Symbol der Angst. Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist.

Das Ego ist die geträumte Autonomie vom WILLEN GOTTES. In dieser schrecklichen Autonomie ist es dazu verdammt, zu leiden und sein Leben im Tod zu enden. Es träumt von Strafe, und es zittert vor den Gestalten in seinen Träumen, seinen Feinden, von denen es sich ständig bedroht fühlt, bevor es dadurch für seine Sicherheit sorgen kann, dass es sie angreift. Das Ego ist wahnsinnig. Voll Angst steht es, abgesondert von ALLEN und in Trennung vom UNENDLICHEN.

Das Ziel des Ego ist ganz ausdrücklich Ego-Autonomie. Von Anfang an bezweckt es also, getrennt zu sein, sich selber zu genügen und von keiner Macht abhängig zu sein, außer seiner eigenen. Deshalb ist es das Symbol der Trennung. Der Glaube an Ego-Autonomie kostet uns die Erkenntnis unserer Abhängigkeit von GOTT, in welcher unsere Freiheit liegt. Das Ego sieht jegliche Abhängigkeit als bedrohlich an und hat sogar unsere Sehnsucht nach GOTT zu einem Mittel verdreht, um sich selbst zu etablieren und zu erhöhen. Lassen wir uns von seiner Deutung - dem sogenannten “spirituellen Ego” - nicht täuschen.

Das Ego ist die bruderlose Illusion und das Selbst, das allein zu sein scheint im ganzen Universum. Es ist ein Ding des Wahnsinns und überhaupt keine Wirklichkeit, nur ein Traum. Das Ego ist nichts, aber in einer Form, die wie etwas zu sein scheint.

Der erste Schritt auf dem Weg des spirituellen Erwachens ist, den Wahnsinn des Egos überhaupt erst einmal zu bemerken, erst einmal zu erkennen, wie wahnsinnig es ist, etwas anderes sein zu wollen als vollkommenes Glück und vollkommene Liebe. Aber das ist gar nicht so einfach, denn das Ego hält uns mit Geschichten gefangen, mit Geschichten von Erfolg und Misserfolg, von erfüllten und unerfüllten Wünschen. Scheinbarer persönlicher Erfolg hält uns von der Suche nach der Wahrheit ab, weil wir in diesen Phasen keinen Grund sehen, nach der Wahrheit zu suchen. Misserfolg und unerfüllte Wünsche halten uns gefangen, weil wir dann immer noch glauben, dass die Erfüllung unserer Wünsche uns das erhoffte Glück bringen würde. Milliarden von Menschen, die in materieller Armut leben, sind gefangen in der Hoffnung auf materiellen Wohlstand und dem Glauben, dass dieser ihnen Glück bringen wird. Oft ist es daher so, dass erst dann, wenn wir materiellen Wohlstand und persönlichen Erfolg erfahren haben und merken, dass auch dies nicht den ersehnten dauerhaften inneren Frieden bringt, in uns die Bereitschaft entsteht, die Richtung unserer Suche umzukehren, den Blick von außen nach innen zu richten.

“I can't get no satisfaction
I can't get no satisfaction
'Cause I try, and I try, and I try, and I try
I can't get no, I can't get no”
(The Rolling Stones - Satisfaction)

“There are no satisfactions in the world.”
(ACIM: Lesson 133, 2. 5.)

Das Ego ist wie ein Eisberg, das meiste befindet sich unter der Oberfläche im Unterbewusstsein. Daher wird der spirituelle Weg oft auch mit dem Vordringen in die Tiefen eines Kaninchenbaus verglichen. Down the Rabbit Hole ist eine Metapher für das Abenteuer ins Unbekannte vorzudringen, wie sie in Alices Abenteuer im Wunderland verwendet wird. Das Ego versucht, seine Dunkelheit unter einer scheinbar glänzenden Oberfläche zu verbergen. Diese Dunkelheit muss an die Oberfläche gebracht werden, damit sie dort in SEINEM Licht schmelzen kann.
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In vielen spirituellen Traditionen wird für das Ego das Symbol Dunkelheit verwendet und für den SOHN GOTTES das Symbol Licht. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Dunkelheit eine Illusion ist und es daher keinen Kampf zwischen Dunkelheit und Licht gibt. Wenn wir uns dem Licht zuwenden, erkennen wir, dass es keine Dunkelheit gibt und nie gegeben hat. Es ist, als würde man in einen dunklen Keller gehen und das Licht anknipsen. Es findet kein Kampf statt, die Dunkelheit ist augenblicklich verschwunden.

Der egoische Zustand ist ein Zustand der doppelten Verleugnung, zuerst der Verleugnung des Lichts und dann der Verleugnung der daraus resultierenden Dunkelheit. Solange wir die Dunkelheit dieses Zustandes verleugnen, werden wir das Licht nicht erreichen. Wir müssen die Dunkelheit ans Licht bringen, um Erleuchtung zu erfahren.

Es kann nicht wirklich eine Definition dessen geben, was das Ego ist, weil es eine Illusion ist, aber wir können sagen, was es nicht ist. Es ist nicht die Wahrheit und es ist nicht der SOHN GOTTES.

Jesus verweist im Verlauf des Kurses auf etwas sehr Wesentliches:
„Dass es eine Wahl gibt, ist eine Illusion. Doch in dieser Illusion liegt das Aufheben jeder Illusion, diese nicht ausgeschlossen.“

Mit anderen Worten: Das Ego hat die Illusion der freien Entscheidung gemacht und der HEILIGE GEIST nutzt alles, was das Ego gemacht hat, um uns aus dieser Illusion zu befreien. Im HIMMEL - also im Zustand des reinen, vereinheitlichten GEISTES - gibt es keine Wahl. In der Illusion finden Entscheidungen fortlaufend statt. Üblicherweise treffen wir die meisten Entscheidungen unbewusst. Jede unbewusste Annahme und Überzeugung wird zu einem Glaubenssatz und all diese Glaubenssätze sind unbewusste Entscheidungen. Die Basis unserer Erfahrung bildet der Glaubenssatz, von GOTT getrennt zu sein und den HIMMEL verlassen zu haben.

"Die Erlösung endet kurz vor dem HIMMEL, denn nur die Wahrnehmung bedarf der Erlösung. Der HIMMEL war niemals verloren und kann somit nicht erlöst werden. Wer aber kann eine Wahl zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle treffen, solange er nicht sieht, dass sie nicht dasselbe sind? Dieser Unterschied ist das Lernziel, das sich dieser Kurs gesetzt hat. Er geht nicht über dieses Ziel hinaus. Sein einziger Zweck ist nur, zu lehren, was dasselbe und was verschieden ist, und damit lässt er Raum, die einzige Wahl zu treffen, die getroffen werden kann."
(EKIW: Kapitel 26, III. 5.)

“Es gibt nur zwei Richtungen, die du einschlagen kannst, solange die Zeit bestehen bleibt und Wahl Bedeutung hat. Denn nie wird ein anderer Weg gemacht werden als der Weg zum HIMMEL. Du wählst nur, ob du auf den HIMMEL zugehst oder weg nach nirgendwo. Es gibt nichts anderes zu wählen.”
(EKIW: Kapitel 26, V. 1. 9.-12.)

In dieser Welt ist die einzig verbleibende Freiheit die Freiheit der Wahl - immer zwischen zwei Wahlmöglichkeiten oder zwei Stimmen. Das Bewusstsein ist der Empfangsmechanismus, der Botschaften von oben oder unten empfängt - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego. Das Bewusstsein hat Ebenen, und das Gewahrsein kann ziemlich drastisch wechseln, aber es kann den Wahrnehmungsbereich nicht transzendieren. Höchstenfalls wird es der wirklichen Welt gewahr, und es kann darin geschult werden, dies immer mehr zu tun. Doch schon die Tatsache, dass es Ebenen hat und geschult werden kann, zeigt auf, dass es nicht die Erkenntnis erreichen kann. Die Struktur eines individuellen Bewusstseins ist im wesentlichen unerheblich, weil es ein Konzept ist, das den Erbirrtum darstellt.

Im spirituellen Kontext wird immer wieder versucht das individuelle Bewusstsein selbst zu vergöttlichen. Auch den Irrtum selbst - das individuelle Bewusstsein - zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es uns für wahr gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.



Stellen wir uns vor, wir füllen eine Flasche mit allem, was Heinrich Dornmayr ausmacht, mit seinem Körper, seiner Persönlichkeitsstruktur, seiner Biographie und seinem Wissen. Dann schauen wir uns in der Flasche um. Das, was sich umschaut, ist das individuelle Bewusstsein. Heinrich Dornmayr ist lediglich eine gefüllte Flasche. Und selbst die Flasche ist keine Wirklichkeit, sondern nur eine private Idee im schlafenden Geist.

Mehr zum Unterschied zwischen individuellem Bewusstsein und Selbst findet sich unter: Unterschied zwischen individuellem Bewusstsein und Selbst

Der Mensch in seinem "Normalzustand" befindet sich in völliger Identifikation mit dem Inhalt einer bestimmten Flasche, d.h. er identifiziert sich mit diesem Inhalt und schaut aus der Flasche auf eine Welt, die ihn umgibt und ihm als von ihm getrennt erscheint. Durch die Identifikation mit der Flasche und ihrem Inhalt entsteht der Eindruck eines persönlichen Selbst. Ein in der Ego-Identifikation gefangener Mensch ist ein Flaschengeist, ein Homunkulus. Diesen Zustand könnten wir satirisch auch als "Krampf im Bewusstsein" bezeichnen. Erleuchtung bedeutet, sich aus der Identifikation mit der Form zu lösen und in der Welt der Formen, mit all ihren Flaschen, nur die Liebe GOTTES widergespiegelt zu sehen.

Es gibt nur einen Geist, der Trennung träumt. Der erste Schritt in den Traum ist das Bewusstsein. Deshalb gibt es letztendlich auch nur ein Bewusstsein, aber - um die Illusion perfekt zu machen - konzentriert es sich auf eine ganz bestimmte Figur im Traum. Dieses Geschehen lässt sich auch mit zwei Handpuppen wunderbar darstellen. In dieser Metapher stellt unser Körper das eine Bewusstsein dar und die Hände in den Stoffpuppen beschreiben den individualisierten Zustand. Im individualisierten und identifizierten Zustand nehmen wir die Traumwelt aus der sehr spezifischen Sicht einer Person durch die Augen des Körpers dieser Person wahr. Dadurch entsteht der Eindruck der Trennung, und wir erleben eine andere Person als von uns getrennt - wie zwei Stoffpuppen, die glauben, sie seien jeweils eine Person, weil sie vergessen haben, wer sie wirklich sind. Wenn die Puppen doch nur verstehen könnten, dass sie von einer Kraft bewegt werden und sich selbst in die Augen sehen, wenn sie den scheinbar anderen sehen. Es gibt ein wundervolles Lied von The Waterboys, in dem es heißt: “I'm gonna look twice at you, until I see the Christ in you.”


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Der Aufbau von einem Konzept des Selbst ist es, wozu das Lernen der Welt dient. Jede weltliche Form der “Selbstverwirklichung” dient dem Aufbau und der Aufrechterhaltung der Illusion eines persönlichen Selbst, getrennt von GOTT und seinen Mitmenschen. Dieser egoische Wahn kommt wunderbar in der aktuell so beliebten Aufforderung „Sei ganz du selbst“ zum Ausdruck, was soviel bedeutet wie „Sei ganz dein Selbstbild“. Die Stimme des Egos lehrt uns: "Glaub an Dich." Das persönliche Selbst ist der Versuch, aus einer Lüge das Beste zu machen.

Das übliche Verständnis von „Selbstverwirklichung“ ist ein Widerspruch in sich, da sich eine Illusion nicht verwirklichen lässt. Wir müssen nur damit aufhören, das Unwirkliche für das Wirkliche zu halten. Der Begriff der Selbstverwirklichung im spirituellen Sinne (Self-realization) bezieht sich auf den Prozess der Wiedererinnerung an die Wirklichkeit als das wahre SELBST. Für diesen Prozess verwendet Jesus im Kurs meistens den Begriff Vergebung. Dieser Prozess ist das genaue Gegenteil von dem, was das Ego unter Selbstverwirklichung versteht. Die Stimme für GOTT lehrt uns daher: "Erkenne GOTT und erkenne dich SELBST.” Das Ziel des spirituellen Weges ist SELBSTerkenntnis, den letzten Schritt dazu macht GOTT für uns und dieser letzte Schritt ist das Ende der Welt. Die Welt wird in Lachen enden, weil sie ein Ort der Tränen ist und durch Glück ersetzt wird.

Die Stimme des Egos ist nicht nur die Stimme, die uns und unsere Mitmenschen kritisiert, sondern auch die Stimme, die uns und unseren Mitmenschen schmeichelt. Gerade wenn sie uns schmeichelt und uns zuflüstert, dass wir etwas besonders gut gemacht haben, ist es am schwersten, ihr nicht zu glauben. Aber jede Betonung unserer Leistung, und damit jede Betonung von uns als Handelnden, kommt vom Ego. Das Drehbuch ist geschrieben. Wir sind nicht wirklich für unser Handeln verantwortlich, sondern einzig und allein für unser Denken.

Wenn ich im Folgenden die Symbole Elvis Presley, Frank Sinatra und Falco verwende, um bestimmte Aspekte des Ego-Denksystems zu verdeutlichen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass alle Dinge, von denen wir denken, dass wir sie sehen, Ideen widerspiegeln. Das, was wir sehen, spiegelt einen Prozess in unserem Geist, der mit unserer Idee dessen beginnt, was wir wollen. Das ist der Grundgedanke der Erlösung. Es geht hier also nicht darum, andere Menschen zu beurteilen - denn es gibt in Wahrheit keine anderen Menschen - sondern einzig und allein um die Berichtigung unseres Geistes! Es geht darum, die "Elvis Presley", "Frank Sinatra" und "Falco" Ideen in unserem eigenen Geist zu entdecken und diese Gedanken SEINER Berichtigung zu übergeben. Wenn unser Geist berichtigt ist, erblicken wir, was nur GOTTES Ideen widerspiegelt, denn SEINE, und nur die SEINEN, begründen die Wahrheit.

Eine der bekanntesten Hymnen auf den persönlichen Erfolg als handelnde Person ist der Song "I did it my way" von Frank Sinatra. Dieses auch als “Sinatra-Doktrin” bekannte Credo ist die Hymne des Egos. Als Frank Sinatra einmal erschöpft auf der Bühne zusammenbrach, während er dieses Lied sang, war dies ein beeindruckendes Symbol für den Weg, den uns das Ego anbietet. Denn jede persönliche Erfolgsgeschichte endet spätestens mit dem Tod. Und doch ist dieser Song das Lied, das in Großbritannien am häufigsten auf Beerdigungen gespielt wird. Die völlige Bedeutungslosigkeit des persönlichen Erfolges im Moment des Todes wird durch das Ego "erfolgreich" verdrängt.

Frank Sinatra veröffentlichte 1966 sein Album "That's Life" und sang darauf den Song "The Impossible Dream". Der Song beginnt mit den Zeilen: "To dream the impossible dream. To fight the unbeatable foe. To bear with unbearable sorrow." Der Song "The Impossible Dream (The Quest)" ist das beliebteste Lied aus dem Broadway-Musical „Man of La Mancha“ von 1965. Der Kampf Don Quijotes gegen Windmühlen ist die berühmteste Episode des Romans, auf dem das Musical basiert. Don Quijote ist der „Held“ des Traums der Welt, der Ego-Geist der den Traum für die Wirklichkeit hält und gegen Illusionen kämpft. Dieser Song und insbesondere sein Titel fasst in wenigen Worten zusammen, was die Welt des Egos ist - ein unmöglicher Traum.

Wenn das Ego in seinem unmöglichen Traum, in seinem Versuch der Selbstverwirklichung - der Verwirklichung des persönlichen Selbst, des persönlichen Erfolgs - irgendwann scheitert, dann sucht es die Erlösung im Tod.

“Der Tod wird nämlich als Sicherheit gesehen, als großer, dunkler Retter vor dem Licht der Wahrheit, als Antwort auf die ANTWORT, als einer, der die STIMME, DIE für GOTT spricht, zum Verstummen bringt. Aber der Rückzug in den Tod ist nicht das Ende des Konflikts. Nur GOTTES ANTWORT ist sein Ende.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. a) 7. 2.-4.)

Am 6. Februar 1998 starb der österreichische Musiker Falco kurz vor seinem 41. Geburtstag bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Bei der Obduktion wurden bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,5 Promille und große Mengen an Kokain sowie etwas Marihuana nachgewiesen. Drei Wochen nach Falcos Tod, wurde das Album Out of the Dark (Into the Light) veröffentlicht.

"Muss ich denn sterben, um zu leben?
Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt
Into the light"

(Falco - Out of the Dark)

"Versuche nicht mehr, durch Verlust zu gewinnen noch zu sterben, um zu leben."
(EKIW: Lektion 200, 2. 2.)
“For he has come with Heaven’s Help within him,
ready to lead him out of darkness into light at any time.”
(ACIM: Chapter 25, III. 6. 3.)

Auch Elvis Presley folgte der Stimme des Egos und auch sein Leben endete in Ess-, Medikamenten- und Drogensucht. Eine seiner Filmpartnerinnen hingegen folgte DER STIMME FÜR GOTT und entschloss sich, in ein Kloster einzutreten, wo sie heute Priorin ist. Dolores Hart war Anfang der 60er-Jahre die bestbezahlte Schauspielerin der Welt und spielte in Elvis-Presley-Filmen und gab Elvis Presley seinen ersten Filmkuss. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ging sie ins Kloster. Zehn Filme drehte Dolores Hart in ihrer nur fünf Jahre währenden Schauspiel-Laufbahn 1957 bis 1962. Auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere, während der Dreharbeiten zu ihrem fünften Film im Jahr 1959 kamen ihr ernsthafte Zweifel an ihrem bisherigen Lebensweg als Schauspielerin. Als sie sich in ihrer Kabine gerade die Haare kämmte und in den Spiegel sah, hat sie in ihrem Kopf die folgenden Worte vernommen: „Du weißt, dass das nicht ist, was du willst“. Diese STIMME FÜR GOTT ist in den folgenden zwei Jahren immer wieder gekommen. Anfang 1963 kehrte Dolores Hart Hollywood den Rücken, löste ihre Verlobung mit dem Geschäftsmann Don Robinson, der danach nie heiratete und sie bis zu seinem Tod 2011 jährlich an Ostern und Weihnachten besuchte, und trat ins Kloster Regina Laudis der Benediktinerinnen in Bethlehem, Connecticut, ein. Ihr in der Tat bemerkenswertes Leben wurde mittlerweile verfilmt. „God is the bigger Elvis“ ist der Titel des Films.

Das Konzept des Selbst ist ein Götze, der dazu gemacht ist, den Platz unserer Wirklichkeit als SOHN GOTTES einzunehmen. Das Selbst, und damit unsere Wahrnehmung von uns als Person mit bestimmten Eigenschaften, ist Teil der Ego-Illusion. Buddha sprach in diesem Zusammenhang von Nicht-Selbst. Das Konzept des Selbst, das die Welt lehrt, ist nicht das Ding, das es zu sein scheint. Denn es ist gemacht, um zwei Zielen zu dienen, wovon der Geist jedoch nur eins wahrnehmen kann.

Das erste bietet das Gesicht der Unschuld dar, jenen Aspekt, auf welchen eingewirkt wird. Es ist dieses Gesicht, das lächelt und bezaubert und sogar zu lieben scheint. Es sucht nach Gefährten, und es schaut - zuweilen mitleidsvoll - auf die Leidenden und bietet manchmal Trost an. Es glaubt, gut zu sein in einer bösen Welt. Dieser Aspekt kann ärgerlich werden, denn die Welt ist seiner Meinung nach niederträchtig und unfähig, die Liebe und den Schutz bereitzustellen, den die „Unschuld“ verdient. Und so ist dies Gesicht oft tränennass angesichts der Ungerechtigkeiten, die die Welt scheinbar jenen zumisst, die großzügig und gut sein möchten.

Dieser Aspekt des Selbst greift nie als Erster an. Doch jeden Tag verüben hundert Kleinigkeiten einen kleinen Anschlag gegen seine „Unschuld“ und fordern ihn zu Reizbarkeit und schließlich zu offener Beschimpfung und Beleidigung heraus. Das Gesicht der Unschuld, das das Konzept des Selbst so stolz zur Schau trägt, kann Angriff zur Selbstverteidigung tolerieren, denn es ist aus seiner Sicht ein wohlbekannter Fakt, dass die Welt wehrloser Unschuld hart mitspielt. Niemand, der ein Bild von sich macht, lässt dieses Gesicht weg, denn er hat es nötig. Die andere Seite möchte er nicht sehen. Der Aspekt, welcher der Welt präsentiert wird, ist eine lächelnde Maske, welche die teuflische Fratze des Selbst verbirgt. Doch diese wird vom Lernen der Welt angepeilt, denn hier ist die „Wirklichkeit“ der Welt festgesetzt, um dafür zu sorgen, dass der Götze von Dauer ist.

Unter dem Gesicht der Unschuld ist eine Lektion, die zu lehren das Konzept des Selbst gemacht ward. Es ist eine Lektion in einer schrecklichen Verschiebung und von einer derart vernichtenden Angst, dass das Gesicht, welches über ihr lächelt, ewig wegblicken muss, damit es den Verrat nicht wahrnimmt, welchen es verbirgt. Das ist der Traum, den wir im Geheimen träumen, der so dunkel und schrecklich ist, dass wir nichts davon wissen wollen. Das ist unsere Entscheidung für den Krieg im Geheimen, bei dem die Ergebnisse des Konflikts unerkannt gehalten werden. Diese Lektion lehrt dies: Ich bin das Ding, das du aus mir gemacht hast, und während du mich ansiehst, bist du - um dessentwillen, was ich bin - verurteilt. Dieser Auffassung des Selbst lächelt die Welt zustimmend zu, verbürgt sie doch, dass die Weltenpfade sicher erhalten bleiben und diejenigen, die auf ihnen wandeln, nicht entrinnen werden.

Die Idee vom eigenen „gut sein“ basiert immer auf der Idee von den bösen Anderen, immer ist es jemand anderer der Schuld ist. Hier ist die zentrale Lektion, die sicherstellt, dass unser Bruder ewiglich verurteilt ist. Denn was wir sind, das wurde nun zu seiner Sünde. Vergebung dafür ist nicht möglich. Und was er tut, spielt keine Rolle mehr, denn unser anklagender Finger zeigt, in seinem Ziel unerschütterlich und tödlich, auf ihn hin. Der Finger zeigt zugleich auf uns, doch das wird in den Nebeln unter dem Gesicht der Unschuld noch tiefer versteckt. Wir könnten es bildlich auch so ausdrücken: Wenn wir mit einem Finger auf unseren Bruder zeigen, zeigen wir gleichzeitig mit drei Fingern auf uns.

Wie viel Leid ist seit jeher im Namen des Guten verursacht worden. Früher waren es kirchliche Dogmen, heute sind es Umweltschutz und die Rettung der Welt, hinter denen sich die "Guten" verstecken und einen Angriff zur "Selbstverteidigung" für gerechtfertigt halten.

Daher muss der HEILIGE GEIST einen Weg finden, um uns verstehen zu helfen, dass das Konzept des persönlichen Selbst aufgehoben werden muss, wenn Geistesfrieden uns gegeben werden soll. Auch kann es nicht verlernt werden, außer durch Lektionen, die darauf abzielen, uns zu lehren, dass wir etwas anderes sind. Denn sonst würden wir gebeten, das, was wir jetzt glauben, gegen den totalen Selbstverlust zu tauschen, und ein noch größerer Schrecken würde aufkommen in uns.

Die Welt der Formen ist leer. Schon Kohelet im Alten Testament hat darauf hingewiesen, indem er sagte, dass alles Windhauch ist. Buddha verwies auf die Leere aller Dinge und Jesus verweist bereits in seiner ersten Lektion im Übungsbuch des Kurses auf die Bedeutungslosigkeit der Form. Doch allein mit der Bewusstwerdung dieser Leere ist noch nichts erreicht. Erst wenn wir uns in unserer wahren IDENTITÄT als SOHN GOTTES erkennen, sind wir zu Hause angekommen. Wenn der schlafende Geist sich der totalen Leere bewusst wird, ohne eine stabile Verbindung zu seiner wahren IDENTITÄT, wird dies zu einer extrem angstbesetzten Erfahrung. Dies ist schon vielen im Drogenrausch passiert.

Der Gipfel des Wahnsinns ist der Versuch des persönlichen Selbst, spirituell zu sein. Es ist verrückt, wenn die Illusion versucht, die Wirklichkeit zu sein. Auf jedem wahrhaft spirituellen Weg geht es darum, sich dem Prozess der Loslösung von allen Selbstkonzepten hinzugeben. Das, was am Ende übrig bleibt, ist dann das wahre SELBST.

Ein besserer Mensch werden zu wollen, ist ein Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt ist, es sei denn, es passiert ein Bewusstseinswandel. Das liegt daran, dass dieser Wunsch selbst ein Teil der egoischen Störung ist. Eine subtilere und raffiniertere Form der Selbsterhöhung, der Gier nach mehr, nach einer Stärkung der eigenen eingebildeten Identität oder Selbstbildes. Ein innerer Kampf gegen die dunkle Seite des Selbst ist sinnlos, da der Kämpfer selbst Teil des Egos ist.

"Und wenn du feststellst, dass der Widerstand stark ist und die Hingabe schwach, dann bist du nicht bereit. Bekämpfe dich nicht selbst."
(EKIW: Kapitel 30, I. 1. 6.&7.)

Der Versuch, besonders spirituell, besonders heilig zu sein, ist eine besonders raffinierte Absicht des Egos. Der ego-getriebene Verstand glaubt, es selbst tun zu müssen. Es ist notwendig zu erkennen, dass alles, was von uns persönlich benötigt wird, die Bereitschaft und das Verlangen nach Erlösung ist; den Rest erledigt die Gnade GOTTES. Deshalb heißt es in Lektion 168 und 169: “DEINE Gnade ist mir gegeben. Ich erhebe jetzt Anspruch auf sie." “Durch Gnade lebe ich. Durch Gnade werde ich befreit.

Als Person sind wir Marionetten, deren Fäden das Ego - der Trennungsgedanke - fest in der Hand hält und doch glauben wir, dass wir die Handelnden sind. Erst wenn wir uns von diesem Glauben verabschieden und die Fäden SEINER Führung überlassen, wird unser Leben zu einem glücklichen Traum. Dann wird die Welt als stabil gesehen und unseres Vertrauens völlig würdig, ein glücklicher Ort, an dem wir eine Weile ruhen können, wo wir nichts zu fürchten, sondern nur zu lieben brauchen. Wer ist denen unwillkommen, die guten Herzens sind? Und was könnte die wahrhaft Unschuldigen verletzen?

Ein ganz entscheidender Schritt auf dem Weg in die Freiheit des glücklichen Traums ist es, unsere Vorstellung von uns selbst SEINER Berichtigung zu überlassen. Erst wenn wir bereit sind anzuerkennen, dass wir nicht wissen, was wir sind, kann in ebendiesen offenen Geist die Wahrheit unbehindert zurückkehren. Wo Konzepte des Selbst abgelegt sind, wird die Wahrheit ganz genauso offenbart, wie sie ist.


In manchen spirituellen Konzepten wird behauptet, das Ich-Gefühl sei das Problem. Aber nicht das Ich-Gefühl an sich ist das Problem, sondern unsere falsche Vorstellung vom Ich, das falsche illusionäre Ich-Gefühl, das persönliche Selbst. Durch die Identifikation mit privaten Gedanken entsteht das falsche, vom Verstand künstlich aufrecht erhaltene Selbst, das uns mit Angst und Leid überschattet. Dadurch verleugnen wir unsere Wirklichkeit als SOHN GOTTES. Jesus war sich seiner SOHNSCHAFT bewusst und sagte deshalb zu seinen Jüngern: “Noch ehe Abraham wurde, bin ich."

Das Ego in der Mythologie

Im Neuen Testament, in christlichen Interpretationen des Alten Testaments sowie in apokryphen Büchern und im Koran ist die Vorstellung eines abtrünnigen Engels verbreitet. Der Engel wird für seine Auflehnung mit der Vertreibung aus dem Himmel durch Gott und seine übrigen Engel bestraft. Häufig wurde dieser gefallene Engel dann mit Luzifer, Iblis, Samael oder dem personifizierten Bösen, mit dem Titel Satan, dem Teufel, in Verbindung gebracht.

Als Gründe für den Fall des Engels werden genannt: Streben nach Gottgleichheit im Sinne einer Erhebung gegen Gott, Stolz, die Weigerung dem Menschen Respekt zu bezeugen, Willensfreiheit und Lust. Diese Motive treten auch in gemischter Form auf und beschreiben den Wahnsinn des Egos sehr genau.

Es gilt in diesem Zusammenhang nur zu verstehen, dass auch der Glaube an die Strafe Gottes, Teil der Illusion der Trennung, also Teil der Ego-Illusion ist und mit GOTT in Wirklichkeit nichts zu tun hat. Wenn wir träumen, von GOTT getrennt zu sein, dann ist die Idee der Schuld Teil unseres Traumes. Dies entspricht einfach dem Gesetz der Dualität, eine Kraft erzeugt immer eine gleichwertige Gegenkraft, es gibt in der Welt des Ego nichts, was nicht sein Gegenteil in sich bürgen würde.

“Mythen gehören ganz dem Bereich der Wahrnehmung an und sind in ihrer Form derart doppeldeutig und ihrem Wesen nach so typisch gut und böse, dass sogar der wohlwollendste Mythos nicht ohne furchterregenden Beiklang ist. Mythen und Magie stehen in enger Verbindung zueinander, da Mythen sich gewöhnlich auf die Ursprünge des Ego beziehen und Magie auf die Kräfte, die sich das Ego zuschreibt. Mythologische Systeme enthalten gewöhnlich irgendeinen Bericht über die »Schöpfung« und bringen diesen mit ihrer besonderen Form der Magie in Verbindung. Der sogenannte »Kampf ums Überleben« ist nur das Ringen des Ego um Selbsterhaltung und seine Deutung seiner eigenen Anfänge. Diese Anfänge werden gewöhnlich mit der körperlichen Geburt in Verbindung gebracht, weil man schwerlich behaupten kann, dass das Ego schon vor jenem Zeitpunkt existierte. Die »religiöser« orientierten Egoanhänger glauben vielleicht, dass die Seele vorher existierte und dass sie nach einem vorübergehenden Fall in das Egoleben weiter existieren wird. Einige glauben sogar, dass die Seele für diesen Fehltritt bestraft werden wird. Die Erlösung betrifft jedoch nicht den reinen Geist, der nicht in Gefahr ist und nicht erlöst zu werden braucht.”
(EKIW: Kapitel 4, II. 9.)

Im 1. Buch Mose, auch Genesis genannt, des Alten Testaments wird die Erschaffung der Welt leider Gott zugeschrieben, aber in den meisten Religionen, die sich nicht auf das Alte Testament beziehen, kommt ganz klar zum Ausdruck, dass diese Welt nicht von Gott erschaffen wurde. Im Gnostizismus wird klar unterschieden zwischen einem transzendenten, verborgenen Gott und einen niederen Demiurg, der die sichtbare Welt schuf. Das buddhistische Lebensrad der Wiedergeburten wird von einem Dämon umklammert, wodurch die Zeit symbolisiert werden soll.

Der Kurses stellt auch völlig klar, dass Sünde ein Irrtum in unserem schlafenden Geist ist. Dass es Sünde im moralischen Sinn oder gegen GOTT nicht gibt, ist eine der Kernaussagen des Kurses. GOTT weiß nicht einmal etwas von unseren Irrtümern, er kennt nur unsere wahre IDENTITÄT als wahres SELBST.

Vom philosophischen Standpunkt des Universums aus lässt sich Sünde aber auch als die Haltung eines individuellen Bewusstseins betrachten, das sich bewusst der kosmischen Realität widersetzt. Die Sünde ist ein der göttlichen Wirklichkeit vorsätzlich geleisteter Widerstand, der einen Grad der Bewusstseinsdesintegration bedeutet, der an kosmische Verrücktheit - an Wahnsinn - grenzt. Das Ego ist eine narzisstische Störung kosmischen Ausmaßes. Wenn wir uns den Begriff Ego als Abkürzung für “Edging God Out” (Verdrängung GOTTES) vorstellen, verweist er wunderbar darauf, worum es dem Ego geht.

Es ist unser schlafender Geist der sich gegen GOTT auflehnt und sein Verlangen nach Trennung von GOTT träumt. Dieser totale Größenwahn, sich gegen GOTT zu erheben, ist spürbar, wenn wir in die Tiefen unseres Unterbewusstseins vordringen. Wir sind geradezu berauscht vom Gefühl einer von GOTT getrennten Identität. Es ist dieser Rausch, der das Erwachen aus der Illusion der Trennung verhindert. Dies zu erkennen ist der Beginn der Reise zurück in die Einheit mit GOTT, und diese Erkenntnis erfüllt uns wieder mit Ehrfurcht vor GOTT - und nur vor GOTT.

Besonderheit

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(Narziss - Caravaggio)
Als Menschheit erfahren wir gerade ein noch nie dagewesenes Verlangen nach individueller Besonderheit. Der USP (das Alleinstellungsmerkmal) steht nicht nur im wirtschaftlichen Kontext an erster Stelle. Die Einzigartigkeit der eigenen Person und besondere Fähigkeiten sind ein Must-have unserer Zeit und das oberste Gebot des Glaubens an das persönliche Selbst. Dieser Narzissmus findet seinen Ausdruck in den sozialen Medien und der endlosen Zahl von Selfies und Tweets.

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(Narziss 2.0)

Die seit jeher erfolgreichste Strategie des Egos ist es, unser Augenmerk von GOTT weg auf unser eigenes Ich zu richten. Das Ego lädt uns ein, nur auf unseren Gemütszustand zu achten und in sich durch eigene Anstrengung gewisse Gefühle zu erregen. Das Ego macht uns so zu Jägern und Sammlern im emotionalen Sinne. Dies führt dazu, dass sich unsere Gedanken durch die Anstrengung, das Unmögliche zu erreichen, endlos um uns selbst drehen. Das Ego fördert alles Übertriebene, mit Ausnahme einer völligen Hingabe an GOTT. Jede kleine Clique, zusammengehalten durch ein gemeinsames Interesse, das von andern verworfen oder ignoriert wird, hat die Tendenz, nach innen eine Treibhaushitze gegenseitiger Bewunderung, nach außen aber einen großen Hochmut und Hass zu entwickeln.

Das Selbst, das individuelle Ich-Gefühl, ist eine Illusion, es ist totale Leere. Um dieser Leere, Sinnlosigkeit und völligen Bedeutungslosigkeit zu entkommen, erfinden wir ein besonderes Selbstbild. Doch damit nicht genug, dieses Selbstbild muss ständig erweitert werden, um attraktiv zu bleiben und erfolgreich von der Wahrheit abzulenken. So investieren wir viel in unser Aussehen, in unsere Ausbildung, ganz allgemein in unsere Besonderheit. Mit einem neuen Look, einem neuen Diplom und am besten noch mit einem neuen spirituellen Namen ersetzen wir immer wieder unser altes Selbstbild durch ein neues, um uns selbst von der Wahrheit abzulenken.

Eine der zentralen Aussagen des Kurses lautet daher: „Du bist nicht besonders. Wenn du denkst, du seist es, und deine Besonderheit gegen die Wahrheit dessen verteidigst, was du wirklich bist, wie kannst du die Wahrheit dann erkennen?“ Viel Widerstand gegen Ein Kurs in Wundern kommt daher, weil er uns lehrt, dass wir und unser Bruder gleich sind und dass absolut jeder unserer Bruder ist, ob wir ihn persönlich kennen oder nicht.

Was GOTT erschaffen hat, das kann nicht angegriffen werden, denn es gibt nichts im Universum, das sich nicht gleich ist. Aus Sicht der Wahrheit ist Verschiedenheit der zentrale Irrtum. In der Welt des Egos ist Verschiedenheit hingegen positiv besetzt. Doch was verschieden ist, verlangt nach einem Urteil, und dieses muss von jemand „Besserem“ kommen, von jemandem, der unfähig ist, so zu sein wie das, worüber er urteilt, jemandem, der „darübersteht“ und im Vergleich zu diesem ohne Fehler ist. Und so wird die Besonderheit zum Mittel und zum Zweck in einem. Denn die Besonderheit sondert nicht nur aus, sondern dient auch als Grundlage, von der aus Angriff auf diejenigen, die unter dem Besonderen zu sein scheinen, „natürlich“ und „gerecht“ ist. Die Besonderen fühlen sich schwach und gebrechlich aufgrund von Unterschieden, denn was sie besonders macht, ist ihr Feind. Dennoch schützen sie diese Feindschaft und nennen sie „Freund“. Zu ihren Gunsten kämpfen sie gegen das Universum, denn nichts in der Welt schätzen sie höher.

Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als an das eigene Selbst. Glaube wird in die eigene Person allein investiert. Alles andere wird zu einem Feind, der gefürchtet wird und angegriffen, der tödlich und gefährlich ist, gehasst und nur der Zerstörung würdig. Ganz gleich, welche Sanftheit die Besonderheit anbietet, sie ist nur Täuschung, ihr Hass jedoch ist echt.

Die Basis des Glaubens an die eigene Besonderheit ist Angst. Solange wir nicht in der Erkenntnis ruhen, dass wir von der LIEBE GOTTES erhalten werden, glauben wir uns selbst erhalten zu müssen. Besonders deutlich wird dies im Konzept der Selbstversorgung, für das sich inzwischen ein eigener Begriff entwickelt hat. Prepper bezeichnet Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf verschiedene Arten von Katastrophen vorbereiten. Dahinter steckt immer Angst, die sich an der Oberfläche als Hass auf andere zeigt.

Besonderheit muss verteidigt werden. Illusionen können sie angreifen, und sie tun es. Wenn das wirklich verstanden und integriert ist, ist ein großer Schritt in Richtung Erlösung getan.

Der deutsche Schriftsteller Jean Paul (1763 - 1825) drückte es in seiner "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei." folgendermaßen aus: "Das ganze geistige Universum wird durch die Hand des Atheismus zersprengt und zerschlagen in zahlenlose quecksilberne Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen und auseinander fließen, ohne Einheit und Bestand. Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner - er trauert mit einem verwaiseten Herzen, das den größten Vater verloren." Jean Paul, schrieb als Begleitnotiz zu seinem Text: "Wenn einmal mein Herz so unglücklich und ausgestorben wäre, daß in ihm alle Gefühle, die das Dasein Gottes bejahen, zerstöret wären: so würd’ ich mich mit diesem meinem Aufsatz erschüttern und - er würde mich heilen und mir meine Gefühle wiedergeben." Zwei mystische Erfahrungen in frühen Jahren gaben dem Gang seiner geistigen Entwicklung eine unverlierbare Richtung. Und so beschrieb Jean Paul bereits im 18. Jahrhundert genau das, was wir als Menschheit derzeit im großen Stil erleben - zahlenlose quecksilberne Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen und auseinander fließen, ohne Einheit und Bestand.

Die Aufspaltung des weißen Lichts, des Symbols für GOTT und damit für EINHEIT, in die Farben des Regenbogens ist ein wunderbares Symbol für die Welt des Egos. Der Regenbogen ist das Symbol für das wahnsinnige Verlangen nach mehr als alles. Auf diese Weise schuf der Trennung träumende Geist eine Welt der Dualität. Das Ego liebt die bunte Vielfalt der Regenbogenfarben, denn sie sind das Symbol für Trennung, für eine fragmentiert wahrgenommene Welt und damit für Individualität.

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Das Ego in seinem individuellem Ausdruck ist äußerst raffiniert in seiner Vorgehensweise: Zuerst entwickelt es ein Gefühl für seine eigene Besonderheit und versucht, sich selbst und der Welt zu beweisen, dass es etwas Besonderes und daher anders ist, und ist auch stolz darauf, anders zu sein. Dann - der Gipfel der Verrücktheit - versucht es, die Anerkennung der Gleichheit von denen zu fordern, von denen es sich zuvor durch sein Anderssein abgegrenzt und unterschieden hat.

Das Ego fragmentiert die Welt in immer kleinere Teile, Menschen werden nach immer mehr Details beurteilt (Rassen, Ethnien, spirituell-unspirituell, Geschlechtsidentitäten, sexuelle Vorlieben, emotionale Empfindlichkeit, Begabungen, ...) und dann versucht das Ego, seine Vorstellung von weltlicher Gerechtigkeit zwischen all diesen Fragmenten herzustellen. Doch Ungerechtigkeit ist die Basis für alle Urteile der Welt. In der Form gibt es nur Unterschiede, Gleichheit in der Form ist unmöglich. Eine weltliche Gerechtigkeit ist daher ein Ding der Unmöglichkeit und genau mit dem Versuch, etwas Unmögliches zu schaffen, hält uns das Ego in der Illusion gefangen. Die wahre Symbolik des Regenbogens ist, dass wir trotz aller scheinbaren Unterschiede die uns die Augen des Körpers zeigen aus einer Quelle stammen, dass es nur eine Wirklichkeit, dass es nur Ganzheit gibt. Es geht also darum, die Farben des Regenbogens zu übersehen, um das weiße Licht dahinter wahrzunehmen.

Das psychophysiologische Konstrukt der Hochsensibilität stammt von der US-amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron. Nach ihrer „Vorstellung bedeutet Hochsensibilität sowohl eine hohe Sensitivität für subtile Reize als auch eine leichte Übererregbarkeit“. Mehrere hundert Forschungsstudien zu Themen im Zusammenhang mit Hochsensibilität zeigen auch, dass hochsensible Personen (HSP) derzeit sehr beliebt bzw. „in Mode“ sind. Wenn wir uns als hochsensibel erleben, ist es wichtig, nicht der Einladung des Egos zu folgen und daraus eine Besonderheit zu machen. Richtig verstanden bedeutet Hochsensibilität, dass wir die Auswirkungen unserer eigenen Urteile auf uns selbst sehr intensiv wahrnehmen, und das ist eine wunderbare Voraussetzung für die Arbeit mit dem Kurs.

Es ist eine der zentralen Lernaufgaben des Kurses, zu erkennen, dass wir die Ursache all dessen sein müssen, was uns die Welt scheinbar ungefragt und ungebeten aufzwingt. Wir können die Wirklichkeit unserer Träume erst dann in Frage stellen, wenn wir die Rolle sehen, die wir dabei spielen, sie zu machen und wirklich scheinen zu lassen.

Erlauben wir uns nicht, an den eingebildeten Folgen dessen zu leiden, was nicht wahr ist. Befreien wir unseren Geist vom Glauben, dass das möglich sei. In dessen völliger Unmöglichkeit liegt unsere einzige Hoffnung auf Befreiung. Freiheit von Illusionen liegt nur darin, dass wir sie nicht glauben. Es gibt keinen Angriff, aber es gibt unbegrenzte Kommunikation und daher unbegrenzte Macht und Ganzheit. Die Macht der Ganzheit ist Ausdehnung. Halten wir das, was wir mit GOTT denken, nicht in dieser Welt zurück, dann werden wir unseren Geist für die Schöpfung in GOTT öffnen.

Das Ego ist ein Symbol der Unmöglichkeit, eine Entscheidung für Wahlmöglichkeiten, die nicht existieren. Das Ego hat Angst vor GOTT, vor dem strahlenden weißen Licht und SEINER EINHEIT. Eine der Strategien des Egos, die Illusion der Trennung aufrechtzuerhalten, besteht daher darin, sich von der Masse abzuheben. Alles, was irgendwie nach Masse klingt, wird verurteilt, und nur das Besondere wird gewürdigt. Gerade im religiösen und spirituellen Kontext ist die Idee von der eigenen Besonderheit weit verbreitet. In diesem Zusammenhang ist manchmal von “Auserwählten” die Rede. In EKIW verweist Jesus darauf, dass der Satz aus der Bibel „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“ (Matthäus 22,14) richtigerweise lauten sollte: “Alle sind berufen, aber wenige wählen es, zu hören.“ Deshalb wählen sie nicht richtig.

Es ist ironisch, dass Menschen mit starken spirituellen Überzeugungen oft viel starrer sind, viel unbewusster urteilen und sich in ihrer Umgebung unwohler fühlen als Menschen, die wenig Interesse an spirituellen Lehren haben. Denjenigen, die das Konzept der Einheit schätzen, fehlt oft der Wunsch, Einheit und Gleichheit mit allen Menschen zu fühlen. So ist auch die Einteilung in spirituelle und unspirituelle Menschen ein Urteil aus dem dualen Gedankensystem des Egos. Es ist der Glaube an die eigene Besonderheit, der Glaube an und das Verlangen nach Trennung, das sich hinter einem solchen Urteil verbirgt.

Die größte Gefahr am Weg des spirituellen Erwachens ist Stolz - der Glaube an die eigene Besonderheit. Das liegt unter anderem daran, dass es bei der persönlichen Entwicklung, wie sie die Welt lehrt, darum geht, Selbstvertrauen zu entwickeln, während es auf dem spirituellen Weg darum geht, Vertrauen in das wahre SELBST - in GOTT - zu entwickeln. Dies sind zwei grundlegend verschiedene Ausrichtungen. Stolz ist berauschend, aber trügerisch, das Vertrauen in die Führung durch den HEILIGEN GEIST hingegen führt zu wahrem inneren Frieden.

Wir sind nicht besonders, wir sind heilig. Nur kann das Ego das nicht begreifen und nutzt es für seine Zwecke, indem es versucht, uns einzureden, wir könnten unser persönliches Selbst zu unserer Heiligkeit erklären. Unsere Wirklichkeit ist Heiligkeit, jenseits aller Gedanken der Heiligkeit, die wir uns jetzt vorstellen können, aber nicht unser persönliches Selbst - das ist eine Illusion. Unser Glaube an unsere persönliche Großartigkeit ist in Wahrheit der Glaube an unsere Kleinheit. Alles in dieser Welt ist klein, denn es ist eine Welt, die aus Kleinheit gemacht ist im seltsamen Glauben, dass Kleinheit uns zufriedenstellen kann.

Besonderheit vergleicht immer, denn sie wird durch einen Mangel, der im anderen gesehen wird, begründet und beibehalten. Und immer würde der, den sie auf diese Weise klein macht, unser Erlöser sein, hätten wir uns nicht entschieden, ihn stattdessen zu einem kleinen Maßstab für unsere Besonderheit zu machen. Gegen die Kleinheit, die wir in ihm sehen, stehen wir groß und stattlich da, rein und ehrlich, lauter und unbefleckt im Vergleich zu dem, was wir sehen. Und wir verstehen nicht, dass wir es selbst sind, den wir auf diese Weise klein machen.

Der Glaube an die eigene persönliche Großartigkeit ist Größenwahn und Größenwahn ist immer ein Deckmantel der Verzweiflung. Er ist hoffnungslos, weil er nicht wirklich ist. Er ist ein Versuch, unserer Kleinheit entgegenzuwirken, und beruht auf dem Glauben, dass die Kleinheit wirklich ist. Ohne diesen Glauben ist der Größenwahn bedeutungslos, und wir könnten ihn unmöglich wollen. Es ist ein wahnhafter Versuch, jemand anderen zu übertreffen, nicht aber den Irrtum hinsichtlich unserer Identität aufzuheben. Es der Versuch Größe in Kleinheit zu finden. Es ist der Glaube, Kleinheit könne zu einem Gefühl von Größe aufgeblasen werden, das uns zufriedenstellen kann. Doch Größe ist in Kleinheit nicht zu finden.

Es ist leicht, Größe von Größenwahn zu unterscheiden, weil Liebe erwidert wird, Stolz aber nicht. Stolz erzeugt keine Wunder und entzieht uns daher die wahren Zeugen unserer Wirklichkeit. Unsere Kleinheit täuscht uns, aber unsere Größe ist von IHM, DER in uns wohnt und in DEM wir wohnen. Das Scheinwerferlicht des Egos, mit dem wir unser persönliches Selbst zu beleuchten versuchen, wirft harte Schatten. Das Licht GOTTES hingegen löst alle Schatten auf, es erleuchtet uns und lässt uns in Liebe strahlen.

Der heilige Augenblick birgt die ganze Befreiung von der Kleinheit. Wir dürfen jedoch nicht glauben, dass wir die Erlösung auf unsere eigene, ganz persönliche Weise finden und haben können. Es gilt, jeden Plan, den wir für unsere Erlösung gemacht haben, aufzugeben, im Tausch für GOTTES Plan. SEINER wird uns zufrieden stellen, und nichts sonst kann uns Frieden bringen. Denn Friede ist von GOTT und von niemandem außer IHM. Seien wir demütig vor IHM und dennoch groß in IHM. Die Demut wird nie verlangen, dass wir uns weiterhin mit Kleinheit zufriedengeben. Vielmehr erfordert sie, dass wir uns nicht mit weniger zufriedengeben als mit einer Größe, die nicht von uns kommt.

Unsere einzige wahre Funktion dabei ist Vergebung. Das bedeutet, die Berichtigung unseres gespaltenen Geistes durch den HEILIGEN GEIST anzunehmen. In diesem Prozess der Berichtigung, im Heilsplan des HEILIGEN GEISTES, ist für uns eine ganz spezielle Aufgabe vorgesehen. Diese Aufgabe ist einzigartig und in diesem Sinne besonders, aber es ist die Aufgabe und nicht wir als Person, daher trennt uns diese spezielle Aufgabe nicht von unseren Brüdern, sondern verbindet uns mit ihnen.

“Das ist die gütige Wahrnehmung des HEILIGEN GEISTES von der Besonderheit; so verwendet ER das, was du gemacht hast, zum Heilen statt zum Schaden. Jedem gibt ER eine besondere Funktion in der Erlösung, die er allein erfüllen kann, eine Rolle nur für ihn. Und der Plan ist nicht vollständig, so lange er seine besondere Funktion nicht findet und die Rolle nicht erfüllt, die ihm zugewiesen wurde, um sich in einer Welt, in der Unvollständigkeit herrscht, vollständig zu machen.”
(EKIW: Kapitel 25, VI. 4.)

Es ist gut, sich immer wieder daran zu erinnern: Es gibt keine Menschen, die mich nichts angehen. Alle sind meine Menschen. Was immer ich sehe, spiegelt meine Gedanken wider. Meine Gedanken sind es, die mir sagen, wo ich stehe und was ich bin.

Die Tatsache wahrer Spiritualität besteht ganz und gar in der spirituellen Erfahrung und diese Erfahrung ist immer auch eine Erfahrung von Einheit. Sie trägt den Menschen aus sich heraus und weit über sich hinaus, sobald er sich voll bewusst wird, dass in ihm etwas lebt, das ewig und göttlich ist. Und so kommt es, dass das lebendige Wissen um unseren übermenschlichen Ursprung und die Vorstellung, dass wir alle Kinder Gottes sind, das Gefühl echter Mitmenschlichkeit bestätigt und verwirklicht.

Wenn wir im Frieden Gottes ruhen, so ist dieser Frieden völlig unabhängig davon, ob wir uns gerade in einem tibetischen Kloster am Fuße des Kailash oder in einem Einkaufszentrum am Samstagnachmittag befinden. In diesem Geisteszustand werden wir uns in der Gegenwart anderer Menschen nie unwohl fühlen. Solange unser Geistesfrieden jedoch von scheinbar äußeren Umständen abhängt, hat dies nichts mit spirituellem Erwachen zu tun. Erwacht sein bedeutet, von der Illusion der Trennung erlöst zu sein. Wer sich im erwachten Geisteszustand befindet, ist in Frieden und bringt Frieden mit, wohin auch immer er geht. Dunkelheit, Aufruhr und Angst sind verschwunden. Das Licht ist gekommen.

Gesetze des Chaos

Es ist wichtig, die “Gesetze” des Chaos ans Licht zu bringen und zu verstehen, wozu sie da sind. Es sind die Gesetze, die die vom Ego gemachte Welt beherrschen. Und dennoch herrschen sie über nichts und sind bedeutungslos. Sie brauchen nicht gebrochen, sondern nur betrachtet und überschritten werden.
  1. Die Wahrheit ist für jeden eine andere.

    Wie alle diese Grundsätze behauptet dieses, dass jeder separat ist und eine andere Gedankenausrichtung hat, die ihn von den andern abhebt. Dieser Grundsatz entspringt dem Glauben, es gebe eine Hierarchie der Illusionen; einige seien wertvoller und deshalb wahr. Jeder legt dies für sich selbst fest und macht es wahr durch seinen Angriff auf das, was ein anderer wertschätzt. Und das ist gerechtfertigt, weil die Werte sich voneinander unterscheiden und die, die sie haben, scheinbar nicht gleich und deshalb Feinde sind.

    Wann immer wir glauben, eine bessere politische oder wirtschaftliche Lösung zu kennen als unser Bruder, wann immer wir glauben, uns gesünder zu ernähren oder umweltfreundlicher zu verhalten als unser Bruder, glauben wir an eine Hierarchie der Illusionen. Doch Illusionen sind Illusionen - eine Hierarchie ergibt keinen Sinn. Es gibt keine persönliche Wahrheit, nur eine persönliche Wahrnehmung, aber keine Wahrnehmung erreicht die Wirklichkeit, die uns jenseits aller Illusionen erwartet.

  2. Jeder muss sündigen und verdient deshalb Angriff und den Tod.

    Dieser Grundsatz, der mit dem ersten eng verwandt ist, ist die Forderung, dass Irrtümer nach Strafe und nicht nach Berichtigung verlangen. Denn die Zerstörung dessen, der den Irrtum begeht, stellt ihn jenseits der Berichtigung und der Vergebung. So wird, was er getan hat, als unwiderrufliches Urteil über ihn gedeutet, welches zu überwinden selbst GOTT machtlos ist.

    Der Gedanke der Strafe zieht sich durch unser gesamtes Leben, von der Kindererziehung über den Sport und die Wirtschaft bis hin zum staatlichen Strafvollzug. Eine Welt ohne Strafe scheint kaum vorstellbar zu sein.

  3. GOTT muss den Glauben SEINES SOHNES darüber, was er ist, akzeptieren und ihn dafür hassen.

    Die Angst vor GOTT wird durch diesen dritten Grundsatz noch verstärkt. Jetzt kann es keine Befreiung, kein Entrinnen geben. So wird die SÜHNE nun zum Mythos, und Rache ist der WILLE GOTTES, nicht Vergebung. Die Bibel ist voll von Verweisen auf den Zorn Gottes und in anderen Religionen ist es nicht viel anders. Wir dürfen nicht glauben, dass das Ego es uns möglich machen wird, ein Entrinnen aus dem, was es will, zu finden. Es ist die Funktion dieses Kurses, der dem, was dem Ego lieb und teuer ist, keinen Wert beimisst.

  4. Wir haben, was wir genommen haben.

    Für das Ego ist nur wertvoll, was es nimmt. Dadurch wird der Verlust des anderen unser Gewinn, und so wird nicht wahrgenommen, dass wir nie jemandem etwas nehmen können als uns selbst. Alle anderen Gesetze müssen zu diesem führen. Denn Feinde geben einander nicht bereitwillig, noch würden sie die Dinge mit andern zu teilen suchen, die sie selber schätzen.

    Hier sieht man alle Mechanismen der Verrücktheit zutage treten: der "Feind", der dadurch stark gemacht wird, dass er das wertvolle Erbe, welches unser sein sollte, versteckt hält; unser gerechtfertigter Standpunkt und Angriff wegen dem, was vorenthalten worden ist; und der unvermeidliche Verlust, den der Feind erleiden muss, damit wir gerettet werden. Auf diese Art beteuern die Schuldigen ihre "Unschuld". Wären sie durch das skrupellose Verhalten des Feindes nicht zu diesem gemeinen Angriff gezwungen worden, würden sie nur mit Güte reagieren. Indessen können Gütige in einer brutalen Welt nicht überleben, deshalb müssen sie nehmen, sonst wird ihnen genommen.

    Das Ego fordert immer gegenseitige Rechte, weil es konkurriert, statt zu lieben. Es ist immer bereit, einen Handel abzuschließen, kann aber nicht verstehen, dass wie ein anderer zu sein bedeutet, dass es nicht möglich ist, einen Handel abzuschließen. Bei dem egoischen Versuch, einen Handel abzuschließen, gibt es keinen Unterschied zwischen einem Handel mit Hilfe von Geld oder einem regionalen Tauschkreis ohne Geld. Die Verwendung von Geld vereinfacht lediglich den Tausch, ändert aber nichts an der egoischen Idee des Handels selbst.

    Dieses vierte Gesetz steht hinter jeder Form des Wettbewerbs. Das Wesen des Größenwahns ist Konkurrenzdenken, weil er immer Angriff beinhaltet. Jede Form des Wettbewerbs ist Krieg, ob es sich nun um einen militärischen Konflikt, wirtschaftliches Konkurrenzdenken oder künstlerischen Wettstreit handelt.

    Die École de guerre économique (deutsch: Schule für Wirtschaftskrieg) in Paris wurde 1997 gegründet. Sie ist die erste europäische Institution, die eine Ausbildung für „Angriffs- und Verteidigungsmethoden“ anbietet, mit denen sich die Unternehmen im Kontext der Globalisierung scheinbar auseinandersetzen müssen.

    Dieses Gesetz ist auch die Grundlage unseres modernen Kapitalismus. Der zentrale Ausdruck dieses Denksystems ist unser Geldsystem, das darauf beruht, dass das Guthaben des einen immer die Schuld des anderen ist. Seit Anfang der 1970er Jahre befinden wir uns endgültig in einem Schuldgeldsystem. Das Ego-Denksystem spiegelt sich immer deutlicher in unserem Geldsystem wider und wird damit immer offensichtlicher. Von der Ökonomik (Hausverwaltungskunst) sind wir zur Chrematistik (Kunst des Gelderwerbs) gewechselt und sind uns meist gar nicht mehr bewusst, dass Zinsgewinne ganz grundsätzlich nichts zum Gemeinwohl beitragen, weil der Gewinn des einen immer der Verlust des anderen ist (vgl. Aristoteles). Mit dem Konzept der Zinsen haben wir uns auch noch fest an die Illusion der Zeit gekettet (“Zeit ist Geld.”). Indem es sich an die Zeit klammert, versucht das Ego, dem heiligen Augenblick, dem Jetzt, zu entkommen.

    Die Welt der Dualität ist das illusorische Versteck für den schlafenden Geist, der glaubt, sich von GOTT getrennt zu haben. Die ganze Welt aus Raum und Zeit ist der Versuch des Egos, einen Ersatz für die Wirklichkeit GOTTES zu machen. Das SEIN muss ausgedehnt werden. Das ist die Art und Weise, wie es die Erkenntnis SEINER SELBST beibehält. Das Ego versucht, diese Ausdehnung durch ungebremstes Wachstum auf der Ebene der Form zu ersetzen.

    Das einzige Maß für Fortschritt im Denken der westlichen Welt ist das mehr, das unkontrollierte Streben nach mehr, nach endlosem materiellem Wachstum. Ein Wirtschaftswachstum, das sich in einem jährlich konstanten Prozentsatz ausdrückt, ist noch dazu ein exponentielles Wachstum, da sich der Prozentsatz auf einen immer höheren Ausgangswert bezieht. Unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten anzustreben ist reiner Wahnsinn. Es ist eine Störung, eine Krankheit, es ist die gleiche Störung wie sie sich bei Krebszellen zeigt, deren einziges Ziel die Vermehrung ist und die nicht ahnen, dass sie sich selbst zerstören, wenn sie den Organismus zerstören, indem sie leben. Manche Ökonomen sind der Idee des grenzenlosen Wachstums so verhaftet, dass sie nicht mehr ohne das Wort auskommen und eine Rezession als eine Zeit des negativen Wachstums bezeichnen.

    "Jeder Götzenanbeter hegt die Hoffnung, dass seine besonderen Götter ihm mehr geben werden, als andere Menschen haben. Mehr muss es sein. Es spielt nicht wirklich eine Rolle, mehr wovon - mehr Schönheit, mehr Intelligenz, mehr Wohlstand oder sogar mehr Bedrängnis und mehr Schmerz. Für mehr von etwas ist ein Götze da. Und wenn einer versagt, dann nimmt ein anderer dessen Platz ein mit der Hoffnung, mehr von etwas anderem zu finden. Lass dich nicht täuschen von den Formen, die dieses »Etwas« annimmt. Ein Götze ist ein Mittel, um mehr zu bekommen. Und ebendies ist gegen GOTTES WILLEN."
    (EKIW: Kapitel 29, VIII. 8. 6.-13.)

    Es ist gegen GOTTES WILLEN, weil GOTT nicht viele SÖHNE hat, sondern EINEN nur. Also kann niemand mehr haben, und niemandem kann weniger gegeben werden. Mehr als den HIMMEL können wir niemals haben. Und wenn der HIMMEL inwendig in uns ist, warum sollen wir dann nach Götzen suchen?

    Obwohl Wettbewerb eine äußerst verschwenderische und höchst ineffiziente Form des Wirtschaftens ist, hat er in der Praxis zu scheinbar besseren Ergebnissen geführt als der Kommunismus, der auf Ideen der sozialen Gleichheit, des gemeinsamen Eigentums und der kollektiven Problemlösung beruht. Dies liegt ganz einfach daran, dass der Kapitalismus dem Denksystem des Egos entspricht. Der vom Ego getriebene Mensch ist bereit, sich zu seinem vermeintlichem Vorteil bis zum Burnout zu arbeiten, aber für das Gemeinwohl ist er es nicht. Das praktische Scheitern des Kommunismus (Realsozialismus) in vielen Ländern dieser Welt zeigt eines sehr deutlich: Brüderlichkeit ohne GOTT funktioniert nicht, weil ihr die Grundlage fehlt. Für den gottlosen, vom Ego getriebenen Menschen gibt es keine andere Motivation zu wettbewerbsfreier Zusammenarbeit als Angst, und Angst ist keine gute Basis.

    In dieser Welt ist daher während der früheren Entwicklungsphasen der Wettbewerb für den Fortschritt der Zivilisation unerlässlich. Erst mit fortschreitender Evolution der Menschheit wird Zusammenarbeit immer wirksamer. In fortgeschrittenen Zivilisationen ist Zusammenarbeit leistungsstärker als Wettbewerb. Die frühen Menschen werden durch den Wettbewerb stimuliert. Die frühe Evolution charakterisiert sich durch das Überleben der biologisch am besten Ausgerüsteten, aber spätere Zivilisationen werden durch intelligente Zusammenarbeit, verstehende Brüderlichkeit und geistige Bruderschaft gefördert. Als Menschheit sind wir noch immer eine äußerst primitive Zivilisation.

    Die Betrachtung von Entwicklung erzeugt zwangsläufig eine Hierarchie der Illusionen. Da Entwicklung ein zeitliches Phänomen ist und die Zeit Teil der Illusion ist, ist natürlich auch Entwicklung eine Illusion und damit jede Art von Hierarchie. Die Betrachtung einer "Entwicklung" ist lediglich ein Hilfsmittel auf dem Weg aus der Illusion. Sie hilft uns zu erkennen, wie tief wir noch im Gedankensystem des Egos verstrickt sind.

  5. Es gibt einen Ersatz für die Liebe.

    Das ist die Magie, die all unseren Schmerz „kurieren“ wird, der Faktor, der in unserer Verrücktheit noch gefehlt hat und sie "vernünftig" macht. Das ist der Grund, weswegen wir angreifen müssen. Hier ist das, was unsere Rache rechtfertigt. Alle unsere besonderen Beziehungen bezwecken nur, uns des Ersatzes für die Liebe zu bemächtigen und sie uns anzueignen. Doch die besondere „Liebe“ des Egos ist immer mit Angst verbunden, die Angst um den „geliebten“ Menschen, denn Angst bildet die Basis des Egos. Die "Liebe" des Egos ist immer exklusiv. Wahre Liebe ist GOTTES LIEBE, sie ist absolut inklusive - allumfassend. Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.

    Die besondere Beziehung ist der Verzicht auf GOTTES LIEBE und der Versuch, die Besonderheit für das Selbst zu sichern. Die besondere Beziehung ist ein Ritual der Form, das darauf abzielt, die Form auf Kosten des Inhalts auf den Platz GOTTES zu erheben. In der Form liegt keine Bedeutung und wird sie niemals liegen.

    Die Suche nach besonderen Beziehungen (zum eigenen Kind, zum "Herzensmenschen", zum Seelenpartner, zu Gleichgesinnten, ...) ist das Zeichen dafür, dass wir uns mit dem Ego und nicht mit GOTT gleichsetzen. Denn die besondere Beziehung hat nur für das Ego einen Wert. Ist eine Beziehung nicht von besonderem Wert, so ist sie für das Ego bedeutungslos, denn es nimmt alle Liebe als besonders wahr. Doch das kann nicht natürlich sein, denn es gleicht nicht der Beziehung zwischen GOTT und SEINEM SOHN, und alle Beziehungen, die dieser nicht gleichen, müssen unnatürlich sein. Denn GOTT schuf die Liebe, wie ER sie haben wollte, und gab sie, wie sie ist. Die Liebe hat keine Bedeutung, außer wie sie ihr SCHÖPFER durch SEINEN WILLEN definierte. Es ist unmöglich, sie anders zu definieren und zu verstehen.

    Auch wenn wir bereits einsehen, dass das Denksystem, das die besondere Beziehung schützt, nur ein Wahnsystem ist, scheint uns dennoch die besondere Beziehung noch immer irgendwie anders zu sein. Die besondere Beziehung hat den imposantesten und täuschendsten Rahmen aller Abwehrmechanismen, deren das Ego sich bedient. Sein Denksystem wird hier angeboten, von einem Rahmen umgeben, der derart schwer und kunstvoll ist, dass das Bild durch seine imposante Beschaffenheit beinahe ausgelöscht wird. In den Rahmen sind vielerlei Arten phantastischer und fragmentierter Liebesillusionen eingeflochten, eingefasst in Opferträume und Träume der Selbsterhöhung, verwoben mit Goldfaden der Selbstzerstörung. Das Glitzern des Blutes leuchtet wie Rubine, die Tränen sind geschliffen, Diamanten gleich, und funkeln in dem trüben Licht, in dem die Gabe dargeboten wird.
Wir, die wir glauben, dass wir in geistiger Gesundheit auf festem Boden stehen und durch eine Welt gehen, in der eine Bedeutung gefunden werden kann, sollten dies bedenken: Das sind die Gesetze, auf denen unsere „geistige Gesundheit“ zu beruhen scheint. Das sind die Grundsätze, die den Boden unter unseren Füßen fest erscheinen lassen. Das sind die Gesetze, die wir für unsere „Erlösung“ gemacht haben. Sie halten den Ersatz für den HIMMEL an seinem Platz. Das ist ihr Zweck, und dafür werden sie gemacht. Nach ihrer Bedeutung zu fragen hat keinen Zweck. Das ist offensichtlich. Die Mittel der Verrücktheit müssen wahnsinnig sein. Sind wir auch so sicher, dass uns klar ist, dass das Ziel Verrücktheit ist?

Niemand will Verrücktheit, noch klammert jemand sich an seine Verrücktheit, wenn er sieht, dass es sich darum handelt. Was die Verrücktheit schützt, ist der Glaube, sie sei wahr. Es ist die Funktion des Wahnsinns, den Platz der Wahrheit einzunehmen. Er muss als Wahrheit angesehen werden, um geglaubt zu werden. Wenn er aber die Wahrheit ist, dann muss sein Gegenteil, das vorher Wahrheit war, jetzt Verrücktheit sein. Eine solche Umkehrung, die vollständig auf dem Kopf steht, bei der der Wahnsinn geistige Gesundheit, die Illusion wahr, Angriff Güte, Hass Liebe und Mord ein Segen ist, ist das Ziel, dem die Gesetze des Chaos dienen. Das sind die Mittel, durch die GOTTES Gesetze scheinbar umgekehrt werden.

Und dennoch, wie kann es sein, dass man Gesetzen glaubt wie diesen? Es gibt einen seltsamen Trick, der das ermöglicht. In Wahrheit funktioniert er nicht, in Träumen aber, in denen bloß Schatten die Hauptrollen spielen (siehe Platons Höhlengleichnis), scheint er höchst wirkungsvoll zu sein. Kein Gesetz des Chaos könnte den Glauben durch etwas anderes erzwingen als dadurch, dass die Form betont und der Inhalt außer acht gelassen wird. Keiner, der glaubt, dass eines dieser Gesetze wahr ist, sieht, was es aussagt. Einige Formen, die es annimmt, scheinen Bedeutung zu haben, aber das ist alles.

Wenn wir nach einem der Welt immanenten Sinn suchen oder versuchen konkrete weltliche Ereignisse zu verstehen, sind wir wieder einmal der Stimme des Egos gefolgt. Die Gesetze des Egos können niemals verstanden werden, aber es ist wichtig, sie ans Licht zu bringen. Aus den Gesetzen des Chaos folgen dann all die anderen wahnsinnigen Vorstellungen des Ego-Denksystems:

“Denk an die Freiheit in der Einsicht, dass du an all die sonderbaren und verdrehten Gesetze nicht gebunden bist, die du aufgestellt hast, um dich zu retten. Du meinst tatsächlich, dass du verhungerst, wenn du nicht Stapel farbiger Papierschnipsel und Haufen kleiner Scheiben aus Metall besitzt. Du meinst tatsächlich, dass ein kleines rundes Kügelchen oder eine Flüssigkeit, die durch eine spitze Nadel in deine Adern gedrückt wird, Krankheit und Tod abwendet. Du meinst tatsächlich, du seiest allein, wenn nicht ein anderer Körper bei dir ist.

Es ist der Wahnsinn, der diese Dinge denkt. Du sagst, dass sie Gesetze sind, und reihst sie unter verschiedenen Bezeichnungen in einen langen Katalog von Ritualen ein, die nutzlos sind und keinen Zweck erfüllen. Du denkst, du müsstest den »Gesetzen« der Medizin, der Wirtschaft und Gesundheit folgen. Schütze den Körper, und du bist gerettet.

Dies sind keine Gesetze, sondern es ist Wahnsinn. Der Körper wird durch den Geist gefährdet, der sich selbst verletzt. Der Körper leidet bloß, damit der Geist nicht sieht, dass er sein eigenes Opfer ist. Des Körpers Leiden ist eine Maske, die vom Geist emporgehalten wird, um das zu verbergen, was wirklich leidet. Er will nicht verstehen, dass er sein eigener Feind ist; dass er sich selber angreift und sterben will. Das ist es, wovor deine »Gesetze« den Körper schützen wollen. Das ist der Grund, weshalb du meinst, du seiest ein Körper.”
(EKIW: Lektion 76, 3.-5.)

Es gibt kein Leben außerhalb des HIMMELS. Wobei der HIMMEL kein Ort, sondern ein Geisteszustand ist. Wo GOTT das Leben schuf, da muss das Leben sein. In jedem Zustand, der getrennt vom HIMMEL ist, ist Leben eine Illusion. Im besten Fall sieht es so aus wie Leben, im schlimmsten Fall wie Tod. Doch beides sind Urteile über etwas, was nicht Leben ist, und gleich in ihrer Unrichtigkeit und ihrer fehlenden Bedeutung. Leben, das nicht im HIMMEL ist, ist unmöglich, und was nicht im HIMMEL ist, ist nirgendwo. Außerhalb des HIMMELS besteht nur der Konflikt von Illusionen, sinnlos, unmöglich und jenseits jeder Vernunft und dennoch wahrgenommen als eine ewige Schranke vor dem HIMMEL. Illusionen sind nur Formen. Ihr Inhalt ist nie wahr.

Die typischen Eigenschaften der Lehrer GOTTES

Ein Lehrer GOTTES ist jeder, der sich entscheidet, einer zu sein. Sie kommen von überall her auf der Welt. Sie kommen von allen Religionen und von keiner Religion. Sie sind diejenigen, die auf SEINEN RUF geantwortet haben. Ihre Funktion ist es, Zeit einzusparen. Es ist denn auch die Zeit allein, die erschöpft dahin läuft, und die Welt ist jetzt sehr müde. Sie ist alt und verschlissen und ohne Hoffnung. Doch hat die Zeit ein Ende, und die Lehrer GOTTES sind dazu bestimmt, dieses herbeizuführen.

Ein kurze Zusammenfassung ihrer typischen Eigenschaften:

I. Vertrauen
Das ist das Fundament, auf dem ihre Fähigkeit beruht, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Entwicklung von Vertrauen erfolgt in mehreren Phasen. Diese Phasen sind im Kurs genau beschrieben.

II. Ehrlichkeit
Nur die, die vertrauen, können sich Ehrlichkeit leisten, denn nur sie können ihren Wert sehen. Ehrlichkeit bezieht sich nicht nur auf das, was sie sagen. Der Begriff bedeutet eigentlich, dass sie konsequent sind. Auf keiner Ebene stehen sie im Konflikt mit sich selbst. Deshalb ist es für sie unmöglich, mit irgendjemandem oder irgendetwas in Konflikt zu sein.

III. Toleranz
GOTTES Lehrer urteilen nicht. Ohne Urteil sind alle Dinge gleichermaßen annehmbar, denn wer könnte anders urteilen? Ohne Urteil sind alle Menschen Brüder, denn wen gibt es, der abseits steht? Kein Lehrer GOTTES kann urteilen und zu lernen hoffen.

IV. Sanftmut
Es gibt keinen Lehrer GOTTES, der nicht lernen muss - und das ziemlich früh in seiner Schulung -, dass Schaden zufügen seine Funktion vollständig aus seinem Bewusstsein auslöscht. Deshalb sind GOTTES Lehrer gänzlich sanft. Sie brauchen die Stärke der Sanftmut, denn in ihr wird die Funktion der Erlösung leicht.

V. Freude
Freude ist die unvermeidliche Folge von Sanftmut. Lehrer GOTTES sind gewiss, dass sie geliebt werden und sicher sind. Weshalb sollten sie nicht freudig sein? Freude ist ihr Lied des Dankes.

VI. Wehrlosigkeit
GOTTES Lehrer haben keine Träume, die der Abwehr gegen die Wahrheit bedürfen. Ihre Freude kommt von ihrem Verständnis dessen, WER sie erschaffen hat. Und was GOTT erschaffen hat, braucht keine Abwehr.

VII. Großzügigkeit
Die Bedeutung des Begriffs Großzügigkeit für den Lehrer GOTTES ist nicht die übliche Bedeutung des Wortes; tatsächlich ist es eine Bedeutung, die erlernt werden muss, und zwar sehr sorgfältig erlernt. Für die Welt bedeutet Großzügigkeit weggeben im Sinn von aufgeben. Für die Lehrer GOTTES bedeutet sie weggeben, um zu behalten. Dies ist vielleicht dem Denken der Welt fremder als viele andere Ideen in unserem Lehrplan. Ihre größere Merkwürdigkeit liegt einfach in der Offensichtlichkeit ihrer Umkehrung des Denkens der Welt.
Der Lehrer GOTTES will nichts, was er nicht weggeben kann, weil ihm klar ist, dass es definitionsgemäß für ihn wertlos wäre. Deswegen sucht er nichts, was nur er behalten könnte. Aber er will alle Dinge für sich selbst behalten, die von GOTT - und deshalb für SEINEN SOHN - sind. Dies sind die Dinge, die ihm gehören. Diese kann er in wahrer Großzügigkeit weggeben und auf immer für sich schützen.

VIII. Geduld
Diejenigen, die sich des Ausgangs gewiss sind, können es sich erlauben, ohne Ängstlichkeit zu warten. Geduld ist für den Lehrer GOTTES natürlich. Alles, was er sieht, ist der sichere Ausgang zu einer Zeit, die ihm vielleicht noch unbekannt ist, die aber nicht in Zweifel steht.

IX. Gläubigkeit
Gläubigkeit ist das Vertrauen des Lehrers GOTTES in das WORT GOTTES, dass es alle Dinge richtig stellt - nicht einige, sondern alle! Alle Probleme einer einzigen ANTWORT zu übergeben heißt, das Denken der Welt voll und ganz umzukehren. Und das allein ist Gläubigkeit. Gläubigkeit vereint die anderen Eigenschaften der Lehrer GOTTES in sich.

X. Geistige Offenheit
Geistige Offenheit lädt IHN ein, hereinzukommen. Sie erlaubt es dem SOHN GOTTES durch die STIMME FÜR GOTT in SEINEM NAMEN beurteilt zu werden.

Die Liste der Eigenschaften der Lehrer GOTTES enthält keine Dinge, die das Erbe des SOHNES GOTTES sind. Begriffe wie Liebe, Sündenlosigkeit, Vollkommenheit, Erkenntnis und ewige Wahrheit erscheinen in diesem Zusammenhang nicht. Sie wären hier äußerst unangebracht. Was GOTT gegeben hat, liegt so weit jenseits unseres Lehrplans, dass Lernen in dessen Gegenwart einfach verschwindet. Doch solange dessen Gegenwart verschleiert ist, gehört das Augenmerk richtigerweise dem Lehrplan.

Die Lektionen des HEILIGEN GEISTES lauten wie folgt:

“A. Damit du hast, gib allen alles.”
“B. Damit du Frieden hast, lehre Frieden, um ihn zu lernen.”
“C. Setze deine Wachsamkeit nur für GOTT und SEIN REICH ein.”

Die Funktion der Lehrer GOTTES ist es, wahres Lernen in die Welt zu bringen. Genaugenommen ist es Verlernen, denn das ist wahres Lernen in der Welt.

Urteil und Erkenntnis

Die Physik hat bereits im Jahr 1802 mit dem berühmten Doppelspaltexperiment erkannt, dass die Wahrnehmung, die Physik spricht von Messung, die Welt der Formen beeinflusst. Die Quantenphysik hat später erkannt, dass das, was wir Materie nennen, überhaupt erst im Moment der Wahrnehmung entsteht.

Außerdem hat die Physik schon lange erkannt, dass es so etwas wie eine feste Materie nicht gibt. Alles ist Energie, alles ist Schwingung. Information - also eine Idee - ist die Basis aller Schwingungen. Unter Quanteninformation versteht man in quantenmechanischen Systemen Information, die nicht mit den Gesetzen der klassischen Informationstheorie beschrieben werden kann. Bei Phänomenen wie Superposition und Verschränkung von Zuständen spielt sie eine zentrale Rolle.

Anders gesagt, es gibt keine Trennung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten, dem Subjekt und dem Objekt. Die Welt, die wir betrachten, ist völlig subjektiv; es gibt keine objektive Welt außerhalb unseres Geistes.

“Ideen verlassen ihre Quelle nicht, und ihre Wirkungen sind nur dem Scheine nach getrennt von ihnen. Gedanken sind vom Geist. Das, was nach außen projiziert wird und scheinbar außerhalb des Geistes ist, ist überhaupt nicht außen, sondern eine Wirkung dessen, was innen ist und seine Quelle nicht verlassen hat.”
(EKIW: Kapitel 26, VII. 4. 7.- 9.)

Stellen wir uns einen Moment lang einen wachen Geist vor. Dieser Geist ruht in der Ganzheit, Gleichheit und Beständigkeit der Einheit des Himmels, also im göttlichen Geisteszustand. Plötzlich scheint ein Gedanke des Zweifels aufzutauchen. Jetzt hat der Geist zwei unversöhnliche Gedankensysteme - eines der Liebe und eines der Angst. Die Spannung, die entsteht, wenn man versucht, diese Spaltung zusammenzuhalten, ist unerträglich, da die beiden Gedankensysteme keine Gemeinsamkeit haben und einander völlig entgegengesetzt sind. Deshalb versucht der Geist, die Spaltung im Außen zu sehen, anstatt im Inneren, wo sie entstanden ist. So entsteht eine Welt der Dualität und der Gegensätze: ein Ort mit gegensätzlichen Ansichten und wechselnden Wünschen.

Das Ego sagt: "Ich weiß, wie du diese schreckliche Spannung lindern kannst: Du musst nur deine Gefühle von Schmerz und Schuld loswerden, indem du sie auf die Welt projizierst." Auf diese Weise wurden Schmerz, Angst und Kummer zur allgemeinen Erfahrung in dieser Welt. Auf diese Weise schuf der Trennung träumende Geist eine Welt der Dualität, des Oben und Unten, des Guten und Schlechten, des Richtigen und Falschen. Der einzige Grund, warum wir scheinbar Gesundheit und Krankheit, Krieg und Frieden, Leben und Tod und all die Variationen, Abstufungen und Extreme erleben, ist das Urteilen. Das ist der Trick dieser Welt. Wann immer wir urteilen oder verurteilen, projiziert der schlafende Geist und sagt: "Diese Person, Sache oder Situation da draußen ist schuld." Er tut dies, um die Schuld der Trennung von Gott zu verdecken, die, ob wir es glauben oder nicht, der Kern jedes erdachten Problems in dieser Welt ist.

Dies ist eine Welt, in der Urteilen normal zu sein scheint - und als gerechtfertigt angesehen wird. Auf immer mehr Internetplattformen werden wir aufgefordert, eine Bewertung abzugeben. All diese Aufforderungen sind Einladungen des Egos zu urteilen. Auch alle auf den ersten Blick gerechtfertigt erscheinenden moralischen Urteile, wie die folgenden, sind nur Projektionen unserer Ängste und unseres Glaubens an Schuld. "Amazon ist böse, aber der Bioladen um die Ecke ist gut", "Monsanto ist böse, aber Urban Gardening ist das Beste", "Hollywood-Filme sind schlecht, aber die Videos auf meinem YouTube-Kanal sind toll", "Massenmedien sind schlecht, aber der Blog meiner Yogalehrerin ist besonders gut", “Bill Gates ist an allem schuld, doch der Spitzenkandidat meiner alternativen Partei weiß es besser”, “die Mächtigen sind der Feind, doch Anarchie ist die Lösung“, „Politiker sind macht- und geldgierig, aber die Menschen in meiner Kursgruppe sind ganz besonders tolle Menschen“. Jede Fragmentierung, jede Wahrnehmung eines separaten Objekts ist ein Urteil. Jedes Urteil ist Ausdruck unseres Verlangens nach Trennung.

Lektion 347 lautet: “Ärger muss von Urteil kommen. Urteil ist die Waffe, die ich gegen mich verwende, um das Wunder von mir fernzuhalten.” Wir können nicht gleichzeitig ärgerlich und glücklich sein, wir können nicht gleichzeitig ärgerlich und liebevoll sein. Unterschätzen wir das nicht. Es gibt keine Grade von Illusionen. Es besteht kein Unterschied zwischen leicht genervt sein und blankem Hass. Das Wunder unterscheidet nicht zwischen Graden der Fehlwahrnehmung. Es geht um jedes Stirnrunzeln, um jeden Ärger, um jeden Menschen, dem wir lieber aus dem Weg gehen oder von dem wir hoffen, dass er sich eines Tages ändern wird. Solange wir wollen, dass unser Ärger gerechtfertigt ist, sei es der Ärger über die christliche Sprache des Kurses, sei es der Ärger über die Ideen politisch motivierter Menschen, sei es der Ärger über eine Krankheit, von der wir glauben, dass wir sie haben, sei es der Ärger über unsere Kindheit, von der wir glauben, dass wir sie durchlebt haben, werden wir leiden. Wenn wir mit unserem Ärger recht haben wollen, wenn wir mit unseren Urteilen recht haben wollen, dann verweigern wir uns selbst das Wunder der Berichtigung unseres Geistes, das Wunder der Liebe.

Jesus weist im Kurs auf Folgendes hin: “Ungerechtigkeit ist die Basis für alle Urteile der Welt”. Er sagt nicht: “Ungerechtigkeit ist die Basis der Welt.” Sondern er sagt weiters: “Was diese Ungerechtigkeit dir antut, der du ungerecht beurteilst und so siehst, wie du geurteilt hast, kannst du gar nicht abschätzen.” Das heißt, die Welt der Formen an sich ist völlig neutral, die Buddhisten würden von Leerheit sprechen, nur unsere Urteile sind falsch. Das ist wesentlich!

"Möchtest du lieber recht haben oder Glücklich sein?"
(EKIW: Kapitel 29, VII. 8.)

Ein armer chinesischer Bauer hatte nur ein Pferd und einen Sohn. Eines Tages lief ihm sein Hengst davon und die Nachbarn bedauerten ihn sehr und sagten, was für ein Unglück er doch habe. Der Bauer antwortete darauf: "Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, wer kann das schon sagen?"

Tage später kam der Hengst mit einem Rudel Wildpferden zurück und der Bauer war auf ein Mal der Reichste von allen. Wieder kamen die Nachbarn zum Bauern und sagten, was das wohl für ein Glück sei und der Bauer antwortete: "Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, wer kann das schon sagen?"

Am nächsten Tag versuchte der Sohn eines der Wildpferde zu zähmen, stürzte dabei vom Pferd und brach sich das Bein. Wieder kamen die Nachbarn zum Bauern und bedauerten ihn und meinten, was für ein Unglück er doch habe. Der Bauer antwortete darauf: "Ob es ein Glück ist oder ein Unglück, wer kann das schon sagen?"

Tage später brach ein Krieg aus und alle jungen Männer wurden zum Militär eingezogen und mussten in den Krieg ziehen. Der Sohn des Bauers wurde wegen seines gebrochenen Beines nicht eingezogen. Aus dem Krieg kamen nur wenige wieder zurück. ...

Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Urteilen ist der Prozess, auf dem die Wahrnehmung, nicht aber die Erkenntnis, beruht. Urteilen beinhaltet immer Zurückweisung. Letztlich spielt es keine Rolle, ob unser Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzen wir unseren Glauben in das Unwirkliche. Das ist bei jeder Art von Urteil unvermeidlich, weil es die Überzeugung voraussetzt, es stehe uns frei, aus der Wirklichkeit auszuwählen. Wir haben keine Ahnung von der außerordentlichen Befreiung und dem tiefen Frieden, die eintreten, wenn wir uns selber und unseren Brüdern völlig ohne jedes Urteil begegnen. Sobald wir begreifen, was wir sind und was unsere Brüder sind, werden wir einsehen, dass es bedeutungslos ist, sie in irgendeiner Weise zu beurteilen. Tatsächlich ist ihre Bedeutung für uns verloren, gerade weil wir über sie urteilen.

“Urteil und Liebe sind Gegenteile.
Von dem einen kommen alle Kümmernisse der Welt.
Doch von dem andern kommt der Frieden GOTTES SELBST.”
(EKIW: Lektion 352)

Das Aufgeben des Urteils, die offensichtliche Voraussetzung für das Hören der STIMME GOTTES, ist gewöhnlich ein ziemlich langsamer Prozess, nicht weil es schwierig ist, sondern weil es leicht als persönlich kränkend wahrgenommen wird. Die Schulung der Welt ist darauf ausgerichtet, ein Ziel zu erreichen, das in direktem Gegensatz zum wahren Lehrplan steht. Die Welt schult, sich auf sein eigenes Urteil als Kriterium für Reife und Stärke zu verlassen. Der wahre Lehrplan schult uns im Aufgeben des Urteils als notwendiger Bedingung der Erlösung.

Wir können uns selbst immer und immer wieder an unsere einzig wahre Funktion erinnern, indem wir uns sagen: "Ich bin ein Erlöser. Ich erlöse die Welt von meinen Urteilen."

Wenn wir in dieser Welt aufwachsen, gibt es eine Menge Druck und hohe Erwartungen, etwas Konstruktives zu tun und spezielles Wissen zu erlangen, um Fähigkeiten zu entwickeln, mit deren Hilfe wir uns selbst versorgen können. Es wird uns gesagt, dass es wichtig ist, immer höhere Ausbildungsabschlüsse zu erwerben und immer mehr Spezialwissen anzuhäufen. Das ist anstrengend und entspringt einem starken kulturellen Glauben an die persönliche Verantwortung, der im Kern Schuld beinhaltet. Er ist in das System eingebaut, und es scheint edel und gut zu sein, doch der Druck zur Selbstverantwortung schadet uns.

Das Ego hat uns dazu gebracht, ständig gestresst zu sein und immer zu denken, dass es etwas gibt, das wir ändern oder besser machen könnten. Das ist ein seltsames, erlerntes Verhalten, aber es gibt eine andere Perspektive, ein vollkommen anderes und vollkommen sanftes Mittel.

In Ein Kurs in Wundern heißt es in Lektion 24: „In keiner Situation, die sich ergibt, bist du dir des Ergebnisses bewusst, das dich glücklich machen würde.“ - nicht in manchen - in keiner! Aber wir werden nicht im Stich gelassen; denn es heißt weiter: „Es ist demnach unvermeidlich, dass du nicht deinem eigenen Besten dienst.“ Dies bedeutet, dass alles zu unserem eigenen Besten ist. Alles! Das kann sich genauso schockierend anfühlen wie die erste Botschaft.

Alle Dinge wirken zusammen zum Guten, ohne Ausnahmen, außer in der Beurteilung des Egos. Das ist die Entmachtung des analytischen Verstandes! Plötzlich hat es keinen Sinn mehr, irgendetwas zu analysieren oder zu beurteilen. Was für eine Erleichterung! In den Worten der berühmten Gestalttherapeutin Barry Stevens ausgedrückt: "Don't Push the River, it Flows by Itself."

Das gewaltigste Problem, das wir haben, ist das Denken, die Stereotypisierung, der Mechanismus, der alles fragmentiert. Man könnte es auch den vom Ego gesteuerten "Ich-weiß"-Verstand nennen. Das Ego ist immer fragmentiert; es hat für sich selbst eine fragmentierte Welt geschaffen, und es ist immer dabei, Dinge zu kategorisieren, zu analysieren, zu diagnostizieren und zu reparieren. Es ist ein sehr dysfunktionales Denksystem, das auf dem Mythos der Trennung basiert.

In der traditionellen Genesis-Geschichte sagte Gott zu Adam: „Doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.“ (1Mo 2,17) Doch die Schlange verleitete Eva dazu, einen Apfel zu essen, und sie gab ihn Adam. Nach dem biblischen Mythos wurden sie daraufhin aus dem Garten Eden vertrieben. Dies ist der Sündenfall - die Trennung von Gott, nach der eine Menge Dunkelheit und Angst im Geist der Menschen entstand, die sich in Form von Kriegen, Spaltung in der Religion und allen möglichen verrückten Bestrebungen niederschlug. Die Religionen versuchen fast alle durch Rituale und Traditionen einen Weg zurück zu Gottes Liebe zu finden.

Es gibt einen anderen Weg als Rituale und Traditionen, eine andere Geschichte über einen Gott, der niemanden hinausgeworfen hat. Wir können dies die metaphysische Version der traditionellen Geschichte nennen: Gott hat uns nie im Stich gelassen. Der "Sündenfall" ist nichts weiter als eine Wahrnehmungsstörung, eine gewaltige Illusion, in der der Geist glaubte, etwas geschafft zu haben, was in Wirklichkeit unmöglich ist: die Trennung von einem allwissenden, über alles liebenden Schöpfer.

Wir haben einen sehr mächtigen Geist, der in der Lage ist, sich dieses ganze Universum vorzustellen oder "auszudenken". In dieser Korrektur der Genesis gibt es keinen Apfel. Wir haben einfach eine Frage gestellt: Könnte es etwas geben, das mehr ist als der Himmel oder die Einheit, mehr als alles? Diese Frage war wie ein kleiner Hauch von Wahnsinn, denn "mehr als alles", mehr als vollkommene Liebe und Harmonie, ist natürlich völlig unmöglich. Stellen wir uns diese Idee, diese Frage oder diesen zweifelnden Gedanken als eine dieser kleinen weißen Löwenzahnsamen vor, die über die Straße wehen. Unser mächtiger Geist hat es zugelassen, dass sich der Gedanke, dieser Löwenzahnsame, ausbreitet. Es war natürlich eine völlig lächerliche Idee, aber anstatt sie mit unserem allmächtigen, göttlichen Geist wegzulachen, haben wir sie ernst genommen. Indem wir diese Idee ernst nahmen, vergaßen wir die Wahrheit, dass wir alles haben und eins mit GOTT sind. Wir verschlossen uns und begannen zu träumen, wir seien ein winziger Teil einer unmöglichen Welt. Viele Menschen fragen sich, wie das passieren konnte, wenn unser Geist Teil von GOTTES Geist ist und wir göttlich sind. Die Wahrheit ist, dass es nicht geschehen ist, abgesehen von unserem Glauben daran, und dass es ein wahres Wissen oder Bewusstsein darüber gibt, sobald alle unsere falschen Überzeugungen in Frage gestellt und losgelassen werden.

GOTT ist nicht in Konflikt. Die Trennung war kein Verlust der Vollkommenheit, sondern ein Versagen der Kommunikation.

Eine direkte Offenbarung bewirkt eine vollständige, aber vorübergehende Aufhebung von Zweifeln und Ängsten und spiegelt die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen GOTT und SEINEN Geschöpfen wider. In einer solchen Erfahrung wurde ich mir der göttlichen Vollkommenheit bewusst, während ich das Geschehen vor meinen Augen als absolut einheitlich und neutral wahrnahm. All dies geschah in einem Augenblick während einer Tanzveranstaltung und verschwand danach, aber die Gewissheit blieb. Dass es während einer Tanzveranstaltung geschah, empfinde ich im Nachhinein als ein wunderbares Symbol für den "Tanz des Lebens", der sich vor dem Hintergrund absoluter Vollkommenheit abspielt.

Jesus weist schon im ersten Kapitel des Kurses auf etwas hin, das ich lange Zeit nicht akzeptieren wollte. Ich habe mich immer wieder bei Gott beklagt, dass ich, obwohl ich eine Offenbarung und mehrere heilige Augenblicke erlebt habe, immer noch in der Illusion feststecke. Dieser folgende Hinweis von Jesus hat mir erklärt warum:

“Heilung ist letztlich von GOTT. Die Mittel werden dir sorgsam erklärt. Die Offenbarung mag dir zuweilen das Ziel enthüllen, doch um es zu erreichen, sind die Mittel nötig.
(EKIW: Kapitel 1, VII. 5.)

Der Vergleich mit bereits erlebten Zuständen ist ein raffinierter Trick des Egos, um uns vom Hier und Jetzt, dem einzigen Moment, in dem Befreiung möglich ist, abzulenken und uns in Selbstmitleid und Klagen zu verlieren. Jedes Mal, wenn wir dieser Einladung des Egos folgen, bestätigen wir unsere Opferrolle und leugnen, dass wir es sind, die die Trennung aufrechterhalten. Wir verleugnen unsere wahre Größe. Wir verleugnen unsere SOHNSCHAFT. Das kann nicht unser wahrer Wille sein. Das dürfen wir nicht ernst nehmen.

“GOTT hat dein Reich für dich bewahrt, aber ER kann SEINE Freude nicht mit dir teilen, solange du sie nicht mit deinem ganzen Geist erkennst. Offenbarung ist nicht genug, weil sie nur Kommunikation von Seiten GOTTES ist. GOTT hat es nicht nötig, dass IHM die Offenbarung zurückgegeben wird, was eindeutig unmöglich wäre, aber ER will, dass sie Anderen gebracht wird. Das kann man mit der eigentlichen Offenbarung nicht tun; ihr Inhalt kann nicht ausgedrückt werden, weil er dem Geist, der sie empfängt, zutiefst persönlich gilt. Er kann jedoch von jenem Geist anderen Geistern zurückgegeben werden: durch die Haltung, die die Erkenntnis aus der Offenbarung mit sich bringt.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 7.)

Die “Schöpfung” der Welt wird im Kurs wie folgt beschrieben:

„In die Ewigkeit, wo alles eins ist, kam eine winzig kleine Wahnidee geschlichen, und GOTTES SOHN erinnerte sich nicht daran, sie auszulachen. Und weil er das vergaß, ist der Gedanke zu einer ernsten Idee geworden und sowohl der Umsetzung als auch realer Wirkungen fähig. Gemeinsam können wir sie beide weglachen und verstehen, dass die Zeit sich nicht in die Ewigkeit eindrängen kann. Es ist ein Witz, zu glauben, die Zeit könne kommen, um die Ewigkeit zu überlisten - was bedeutet, dass es keine Zeit gibt.“

„Es ist nur vernünftig zu fragen, wie der Geist je das Ego machen konnte. Tatsächlich ist das die beste Frage, die du überhaupt stellen kannst. Allerdings hat es keinen Sinn, eine Antwort mit Bezug auf die Vergangenheit zu geben, weil die Vergangenheit keine Rolle spielt und es keine Geschichte geben würde, wenn dieselben Fehler in der Gegenwart nicht wiederholt würden.

Wenn wir auf der Ebene des Verstandes akzeptiert haben, dass all dies in Wahrheit nicht geschehen ist, abgesehen von unserem Glauben daran, dann folgt darauf häufig die Frage, warum wir uns als Sohn GOTTES entschieden haben, überhaupt an diese Illusion zu glauben. Der letzte Satz im obigen Zitat beantwortet auch diese Frage. Wir haben uns nicht irgendwann entschieden, an die Illusion zu glauben, wir tun es jetzt - in diesem Augenblick. Daher können wir auch nur in diesem Augenblick aus dem Traum erwachen und nicht irgendwann in der Zukunft.

Viele Mystiker nennen dies die Welt der Dualität. Das ist es, worauf die Geschichte von Adam und Eva und dem Garten Eden hinweist. Der Glaube an die Dualität von Gut und Böse - generell das Urteilen - ist der Sündenfall oder die Trennung. Es ist dies auch der Glaube an Schuld und dieser Glaube beinhaltet den Glauben an den Tod. Danach wollten sich Adam und Eva im Garten verstecken, also bedeckten sie sich und ihre "privaten Teile" mit Feigenblättern. Sie fühlten sich schuldig und schämten sich für das, was sie getan hatten. In dieser Analogie projiziert der Geist, weil sich diese Schuld so schrecklich anfühlt, die Schuld nach außen als den Raum-Zeit-Kosmos, der dann zu einem riesigen Feigenblatt wird, unter dem der Geist versucht, sich vor seinem Schöpfer zu verstecken. Der in der Illusion der Trennung gefangene Geist möchte das, was er für seine privaten Gedanken hält, verbergen, weil er Angst vor GOTTES Liebe hat, und so schafft er eine falsche Identität, die Persona. Auch wenn es im ersten Moment noch so unglaublich klingt, es ist die Gottesfurcht - die Angst vor GOTT -, die uns in der Illusion der Trennung gefangen hält. Wenn wir GOTT wirklich lieben würden, würden wir augenblicklich aus dem Alptraum der Trennung erwachen.

GOTT ist reine Liebe und Einheit. ER hat kein Bewusstsein von Trennung; daher kann ER nicht in die Dualität kommen. Die Welt der Dualität ist das illusorische Versteck für den schlafenden Geist, der glaubt, sich von GOTT getrennt zu haben. Zu diesem Geist sagt das Ego: "Sei zufrieden mit dem Körper, und die Welt ist dein neues Zuhause. Wir werden alles wiederherstellen, was du in der Einheit zu haben schienst. Wir werden eine neue Art von Liebe mit Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Freiheit mit der Bewegung von Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Glück mit Sinnesfreuden erschaffen, die den Platz deines HEIMS im HIMMEL einnehmen wird. Und GOTT kann nicht hereinkommen und dich hier finden, du wirst deine Privatsphäre haben und du kannst alles tun, was du willst." So wurde der Körper zum zentralen Fokus für das Ego.

Audi bringt die Einflüsterungen des Egos, in fünf Minuten auf den Punkt. Das Ego versucht uns Nichts als das Wesentliche zu verkaufen: „Audi urbansphere concept“.

Das Ego möchte, dass GOTT seine neue Welt segnet und dem Traum von Zeit und Raum Wirklichkeit verleiht. Tief im Inneren des Geistes herrscht Ärger, weil GOTT dies nicht tun kann. GOTT kann einem projizierten Traum von Form keine Wirklichkeit geben! GOTT ist göttliche Liebe. GOTT kennt uns nur als göttliche Liebe. Diese Liebe ist totale Freude, ständige Kommunikation und Frieden. Sie ist unendlich und vollkommen. GOTT wäre nicht GOTT, wenn ER den Wunsch des Egos erfüllen würde, dieser Welt Wirklichkeit zu geben. Deshalb beruht aller Ärger auf dem Wunsch, dass das Vergängliche wahr und wirklich sein soll. Das Ego versucht, uns vorzugaukeln, dass wir in einer Welt der Form frei sind, aber es sagt uns nicht, dass es der Herrscher ist. Es denkt, solange wir damit beschäftigt sind, die Zukunft zu planen, von einer besseren Form zu träumen (oder die Vergangenheit zu beklagen), werden wir nicht an GOTT und die Einheit denken, die unsere wahre Identität ist. Dies zeigt uns, dass das Ego ein Gedankensystem in unserem Geist ist, das uns nicht zu einer wahren Erfahrung dessen führt, wer wir sind. Es sorgt nur dafür, dass wir in der Welt der Form, in Zeit und Raum beschäftigt bleiben.

“Willst du die Freiheit des Körpers oder die des GEISTES?
Denn beides kannst du nicht haben.
Welche ist für dich von Wert?
Welche ist dein Ziel?”
(EKIW: Kapitel 22, VI. 1. 1.-4.)

Wir können unsere Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, die sie geschaffen hat. Wir können die Lösung nicht auf der Ebene des Problems, auf der Ebene der Trennung finden; die Antwort muss ein Denken höherer Ordnung sein, das uns aufrichtet und zurück in die Harmonie bringt. Man kann sich einer Lösung nicht mit dem schlafenden Geist nähern, denn es war der Geist, der überhaupt erst an das Problem geglaubt hat. Man muss sich über die Ebene des Problems erheben, über die Ebene, auf der das Problem wahrgenommen wird, um die Antwort zu finden. Wir haben ein Wahrnehmungsproblem, und solange wir versuchen, die Dinge zu verbessern und auf der Ebene des Egos zu lösen, kommen wir nicht weiter. Wir drehen uns nur im Kreis wie ein Hamster im Hamsterrad, und es gibt überhaupt keinen Fortschritt. Aber wenn wir aufhören, alles zu fragmentieren, zu kategorisieren, zu etikettieren und zu ordnen, kommen wir zur Ruhe. Wir identifizieren uns mit unserem wahren SELBST und nicht mit einer separaten Identität. Der Frieden, den wir finden, ist ein Geisteszustand, in dem wir wahrnehmen, dass alles perfekt ist, dass es schon immer perfekt war und dass nichts aus der Ordnung geraten ist. Unser Geist braucht nur etwas Training, um dieses Bewusstsein zu erreichen.

Der Sündenfall, die Trennung, die eine Idee im Geist und kein Punkt auf der Zeitlinie ist, hat uns nicht für immer verloren und ohne Antwort gelassen. Im Moment der winzigen verrückten Idee - der Trennung - gab GOTT sofort eine Antwort. Als allwissende Liebe antwortete ER auf diesen zweifelhaften Gedanken, diese winzige verrückte Idee, mit dem Bewusstsein, dass dies niemals geschehen ist, dass es unmöglich ist. Wir können diese Antwort den HEILIGEN GEIST nennen. Der HEILIGE GEIST kann als die stille, kleine Stimme in unserem Geist bezeichnet werden, oder als Intuition, die uns leitet. Er ist wie eine Präsenz, die wir spüren können, wenn wir still genug werden, um uns einzustimmen und nach innen zu lauschen. Wir müssen das wissen und uns auch bewusst machen, wie leicht Abwehrmechanismen wie Verurteilung, weltliches Wissen, Verleugnung und Verdrängung vom Ego eingesetzt werden, um unseren Geist zu vernebeln und uns daran hindern, GOTTES Antwort zu erfahren.

Wir gehen nicht von der Fragmentierung und dem Urteilen in die Vollkommenheit über, ohne die Bereitschaft zu sagen: "Zeig es mir HEILIGER GEIST; ich muss es sehen." Selbst in Momenten, in denen wir mit GOTT, mit dem Leben, mit der Art und Weise, wie wir die Situationen, in die wir verwickelt sind, wahrnehmen, unzufrieden sind, müssen wir bereit sein, die Dinge anders wahrzunehmen und uns dafür öffnen, uns auf die geheilte Wahrnehmung des Geistes zu verlassen.

Wir brauchen Hilfe, um wirklich eine andere Welt zu sehen als die, die wir aus der Angst, dem Zweifel und der Sorge unseres Egos projiziert haben. Wir können frei sagen: "Du musst mich überzeugen", und alles dem HEILIGEN GEIST überlassen. Bitten wir darum, dass uns eine andere Welt gezeigt wird. Lassen wir es eine Überzeugungsarbeit für die Vielzahl der Engel sein, die jedes Mal jubeln, wenn wir eine Bewegung in Richtung Vertrauen in unsere Intuition machen. Das sollte unsere Aufmerksamkeit erregen und uns auf das Wunder in unserem Geist lenken. Wir brauchen die Hilfe des HEILIGEN GEISTES, um die Dinge so zu sehen, wie sie sind, um klar zu sehen, ohne Projektion, Beurteilung und Interpretation.

Sobald das Ego einen anderen Menschen als mangelhaft beurteilt, vergleicht es immer und sagt uns: "Nun, du bist nicht so, du stehst darüber." Das fördert Ungleichheit, Spaltung und Trennung. Wir müssen den HEILIGEN GEIST bitten, den Filter, durch den wir sehen, zu reinigen, denn das ist die einzige Hoffnung, die wir haben, wirklich nicht zu urteilen. Sobald wir diese Hilfe in Anspruch nehmen, ist es herrlich. Jeder Moment ohne Filter ist herrlich. Aber wenn ein Konzept oder ein Urteil im Spiel ist, dann ist es besser, einfach innezuhalten und sich bewusst zu machen, was dieser Filter ist. Wir können die Bereitschaft kultivieren, jeden Wert und jedes Konzept, das wir haben, zu hinterfragen. Wenn wir uns dabei ertappen, dass wir urteilen oder glauben, etwas zu wissen, ist es ratsam, folgendes zu praktizieren: "Anhalten, loslassen, und folgen." Zuerst halten wir unsere laufenden Gedanken und unsere Reaktionen an; wir halten inne! Zweitens üben wir uns in der Bereitschaft, unsere Gedanken los zu lassen. Und drittens, lassen wir uns vom HEILIGEN GEIST leiten.

Je klarer unser Filter wird und je intuitiver und weniger wertend wir werden, desto mehr ernten wir die emotionalen Vorteile. Wir merken es daran, wie wir uns fühlen: Wir sind stabiler, wir sind ruhiger, und so wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Daraus entwickelt sich Akzeptanz und ein empfänglicher Geist, ein offener Geist, ein Geist, der nicht "schon alles weiß". Dann kann das innere Wunder geschehen.

Es ist normal in dieser Welt, Meinungen zu fördern, aber Meinungen blockieren die Erfahrung des Friedens. Meinungen haben nichts mit der Wahrheit oder der Wirklichkeit zu tun. Der "Ich-weiß-nicht"-Zustand ist demütig. In der Zen-Tradition wird er als Geist des Anfängers bezeichnet. Es ist eine großartige Erfahrung, jeden Tag aufzuwachen und das Gefühl zu haben, nichts zu wissen. Es ist ein schönes Gefühl, keine Meinung zu haben, sondern offen dafür zu sein, sich etwas zeigen zu lassen.

Wenn wir in einem Zustand des Nicht-Urteilens leben, leben wir ganz natürlich in einem Zustand der ultimativen Freiheit und des Mitgefühls, weil wir jeden und alles akzeptieren, egal, was passiert. In einem Zustand des Nichtwissens zu sein, eröffnet eine Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks. Der Ich-weiß-nicht Geist ist der höchste Zustand des Geistes, höher als "Ja" oder "Nein". Dies ist wesentlich.

Dieser Geisteszustand urteilt nicht. Er interpretiert nicht: gut, schlecht, richtig, falsch. Er ist der wahren Erkenntnis nahe, der Erkenntnis GOTTES. Alles, was wir bereits zu wissen glauben, ist ein Hindernis für wahre Erkenntnis. Alles, wovon wir eine vorgefasste Meinung haben, blockiert wahre Erkenntnis. Das liegt daran, dass Meinungen und Vorurteile uns von der Erfahrung einer unschuldigen Wahrnehmung abhalten. Wir verpassen auch den gegenwärtigen Moment und die Führung, die uns zur Verfügung steht, wenn wir damit beschäftigt sind, etwas intellektuell zu "wissen" oder im Autopilot-Modus zu leben. Wenn wir glauben, dass wir es am besten wissen und dass unser Wissen wertvoll ist, identifizieren wir uns mit den Meinungen, die wir vertreten. Unsere Identität wird zu einem kleinen Selbst. Alle persönlichen Interpretationen von absolut allem in Zeit, Raum und Geschichte sind falschgesinnt und fehlerhaft. Eine Meinung zu haben ist dasselbe, wie nicht zu wissen, wer man ist und nicht zu wissen, wer GOTT ist.

Jetzt können wir uns entspannen, wenn wir uns die Gewohnheit der persönlichen Beurteilung und Interpretation abgewöhnen wollen. Es ist eine Erleichterung zu wissen, dass wir kein Urteil oder eine Meinung über unsre Identität als Person mit uns herumtragen müssen - gut oder schlecht, spirituell oder nicht spirituell, und so weiter. Wir müssen die Welt auch nicht interpretieren, beurteilen oder gar verstehen, obwohl wir wählen können, wie wir sie wahrnehmen - aber dazu im folgenden Kapitel mehr. Tatsächlich ist die einzige Möglichkeit, zur göttlichen Unschuld zurückzukehren, wenn wir sagen können: "Wow! Ich habe mich in absolut allem geirrt. Ich habe mich nicht zu 99,9 Prozent geirrt. Ich bin völlig hinters Licht geführt worden; ich bin völlig getäuscht worden. Ich habe mich in allem geirrt!"

Deshalb sollten wir uns nicht mit dem Aufgeben des Urteils abmühen, denn die einzige Erkenntnis, zu der wir kommen können, ist, dass wir überhaupt nie dazu fähig waren. Wir sind wirklich nicht fähig, zu urteilen. Das ist die gute Nachricht!

Wahrnehmung

“Die Wahrnehmung ist ein Spiegel, keine Tatsache.
Und das, worauf ich schaue, ist mein Geisteszustand,
der sich außen spiegelt.”
(EKIW: Lektion 304, 1. 3.&4.)

Es gibt nie etwas, das an sich falsch ist an dem, was in der Welt vor sich geht, oder an der Art und Weise, wie sich die Dinge entwickeln. Wann immer wir ein Problem bei der Arbeit, in einer Beziehung oder sonst wo haben, haben wir ein Wahrnehmungsproblem. Die Art und Weise, wie wir es sehen, ist das Problem. Das, worauf wir schauen, ist unser Geisteszustand, der sich außen spiegelt. Alle Dinge, von denen wir denken, dass wir sie sehen, spiegeln nichts anderes als unsere eigenen Ideen wider. Jede Idee beginnt im Geist des Denkenden und dehnt sich nach außen aus. Daher ist das, was sich vom Geist ausdehnt, noch immer in ihm. Und anhand dessen, was der Geist ausdehnt, erkennt er sich selbst.

Dein Bruder ist der Spiegel, in dem du das Bild deiner selbst siehst, solange die Wahrnehmung währt. Und die Wahrnehmung wird so lange währen, bis die SOHNSCHAFT sich als ganz erkennt. Du hast die Wahrnehmung gemacht, und sie muss so lange währen, wie du sie haben willst.“
(EKIW: Kapitel 7, VII. 3. 9.- 11.)

Das Ego hält die Illusion der Dualität aufrecht, indem es die äußere Welt beschuldigt, und dazu gehört auch die eigene Person, meist sind es jedoch andere Personen oder scheinbar äußere Umstände. Wenn wir wütend werden, dann deshalb, weil das Ego sagt: "Gib dieser Person die Schuld, oder gib dieser Sache die Schuld." Wir können unseren Chef beschuldigen, Bill Gates, Donald Trump, Vladimir Putin, die Regierung, die „Mächtigen“, die großen Konzerne, unsere Mutter, unsere Vergangenheit oder den Hund unseres Nachbarn. Dies ist eine Welt, in der die Schuld überall zu sein scheint - und als gerechtfertigt angesehen wird. Der schlafende Geist benutzt Schuldzuweisungen, um seinen Glauben an die Trennung nicht betrachten zu müssen. Er beschuldigt alles, was sich für ihn unangenehm anfühlt, ohne die Verantwortung für die Trennung zu übernehmen und ohne die Heilung der Trennung durch den HEILIGEN GEIST zu akzeptieren. Wenn wir jedoch erkennen, dass der Ärger von unseren eigenen Angriffsgedanken und Groll herrührt, hinter denen immer der ängstliche Glaube an die Trennung steckt, können wir diese Gedanken loslassen.

"Ich rege mich auf, weil ich eine bedeutungslose Welt sehe.
Dieser Gedanke ist deswegen so wichtig, weil er eine Berichtigung einer der wichtigsten Wahrnehmungsverzerrungen enthält. Du denkst, dass das, was dich aufregt, eine beängstigende Welt oder eine traurige Welt oder eine gewalttätige Welt oder eine wahnsinnige Welt ist. All diese Eigenschaften werden ihr von dir verliehen. Die Welt an sich ist bedeutungslos."
(EKIW: Lektion 12, 1.)

Wahrnehmungsprobleme sind niemals wirkliche Probleme, obwohl sie uns auf das eine Problem des Glaubens an die Trennung zurückführen können. Letztendlich sind unsere Wahrnehmungen im Geist nur Assoziationen aus der Vergangenheit - Erinnerungen und Glaubenssätze. Schon Lektion 2 des Kurses lehrt uns, dass wir allem, was wir sehen, die ganze Bedeutung gegeben haben, die es für uns hat. Das ist alles, was geschieht. Nichts anderes geschieht jemals. Unser Geist ist voller vergangener Gedanken, und diese vergangenen Gedanken projizieren wir auf die Welt.

Bild Die Welt spielt sich in unseren Köpfen ab: die Welt der Bilder und der Gedanken, die wir denken. Dies ist die Grundlage dafür, wie wir die äußere Welt wahrnehmen. Die äußere Welt und die innere Welt sind dasselbe. Sie sind identisch. Es spielt keine Rolle, ob uns jemand bei der Arbeit anschreit, oder ob wir gerade zu Hause sitzen und darüber nachdenken, wie es war, als uns jemand anschrie, oder ob wir uns unserer Gedanken gar nicht bewusst sind und wir nur wissen, dass wir uns schlecht und deprimiert fühlen. Es sind Gedanken der Vergangenheit - Gedanken, die nicht von GOTT geschaffen wurden.

“Du machst, indem du projizierst, doch GOTT erschafft, indem ER sich ausdehnt.”
(EKIW: Kapitel 11, Einleitung, 3. 1.)

Wenn wir das wissen, können wir erkennen, dass wir unsere Wahrnehmung klären müssen, denn es gibt keine objektive Welt von Ereignissen und Umständen, die von unserer Wahrnehmung und Interpretation getrennt ist. Die Erkenntnis lautet: "Meine Gedanken sind Bilder, die ich gemacht habe." Was wir wahrnehmen, ist nur ein Film dessen, was wir glauben.

Die moderne Psychologie entspringt dem Denksystem des Egos. Sie lehrt uns, dass die Welt und unsere Erfahrungen in der Welt die Ursache für unsere grundlegenden Überzeugungen und unserer Probleme sind. Doch in Wahrheit ist es genau umgekehrt. Das Modell der Ebenen des Geistes nach David Hoffmeister, einem amerikanischen Kurs in Wundern Lehrer, beschreibt den wahren Zusammenhang. Das Ego möchte, dass wir denken, die Ursache liege auf der Ebene der Wahrnehmung, der äußeren Schicht. Auf diese Weise möchte das Ego, dass wir denken, dass Ereignisse ursächlich sind. In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Die Ursache befindet sich in der Mitte, wo das Verlangen ist, und die Wirkung befindet sich auf dem äußeren Ring. Alles folgt aus dem Verlangen unseres Herzens.

"Wonach du verlangst, das wirst du sehen.
Das ist das wirkliche Gesetz von Ursache und Wirkung,
so wie es sich in der Welt auswirkt."
(EKIW: Lektion 20, 5, 5.&6.)
Bild
  1. Die Wahrnehmung ist die Art und Weise, wie wir die Welt sehen und mit ihr interagieren, und umfasst auch das, was wir in der Welt wahrnehmen. Sie umfasst alles, was die fünf Sinne an uns zurückmelden.

  2. Gefühle bestimmen unsere Wahrnehmungen. Sie können auf Angst beruhen, wie beispielsweise Gier, Scham, Neid, Sorge, Zorn - oder auf Liebe, wie beispielsweise Frieden, Freude, Glück, Freiheit.

  3. Gedanken bestimmen unsere Gefühle. Sie sind die unaufhörliche, von Moment zu Moment stattfindende Bewegung von Ideen und Bildern in unserem Geist. Sie können vom HEILIGEN GEIST inspiriert oder vom Ego gesteuert sein.

  4. Überzeugungen sind die Grundlage unseres Denkens. Überzeugungen sind Konzepte. Sie können sich beispielsweise auf die Rolle im Beruf und die berufliche Identität beziehen oder auf die Identität in der Familie als Vater, Mutter, Ehemann, Ehefrau, Schwester, Bruder, Tochter oder Sohn. Sie können sich auf die Rolle in Freundschaften oder auf kulturelle, religiöse oder klassenbezogene Rollen beziehen. Sie umfassen Meinungen über den Planeten, die Gesellschaft, Psychologie, Philosophie und Politik, sowie Überzeugungen über Ernährung, Gesundheit und Bildung. Auch Zeit und Raum sind tatsächlich nur Glaubenssätze. Alle Überzeugungen basieren auf dem Ego, bis auf eine - Vergebung.

  5. Das Verlangen steht im Mittelpunkt und bestimmt unsere Überzeugungen. Es geht darum, was wir im Kern unseres Wesens suchen. Wir können immer nur zwischen Liebe oder Angst, GOTT oder Ego wählen. Mit dem Glauben an die Trennung wurde das Verlangen gespalten. Gespaltenes Verlangen ist egoisch, während das einzige Verlangen nach LIEBE geeint ist und das Verlangen nach GOTT ist.
Wenn unser zentrales Verlangen gespalten ist und wir das Unmögliche versuchen, nämlich den reinen GEIST und das Ego zu versöhnen, geht die Reinheit verloren. Das Verlangen im Kern unseres Geistes und unseres Wesens diktiert unsere Erfahrungen an der Oberfläche des Bewusstseins. Nichts kommt unaufgefordert zu uns. Aus einem gespaltenen Verlangen folgen alle anderen Schichten. Der Glaube wird egoisch, die Gedanken sind Angriffsgedanken, das Gefühl ist Angst, und die Wahrnehmung wird fragmentiert und verzerrt. Die fragmentierte Wahrnehmung umfasst alles, was wir sehen, hören und berühren, all die verschiedenen Facetten des Kosmos, einschließlich der Menschen, der Ereignisse und der Welt der einzelnen Objekte. Das erklärt, warum alle Unterschiede des gesamten Kosmos dem Wunsch nach mehr als der von GOTT gegebenen Einheit entspringen, als ob wir mehr als alles bekommen könnten. Doch auch die Macht, unsere Wahrnehmung zu verändern, liegt im Kern unseres Geistes. Aufgrund unseres mächtigen Geistes wird das Gebet oder der Wunsch unseres Herzens immer erhört.

Was wir mit Hilfe des Modells der Ebenen des Geistes noch sehr leicht erkennen können ist Folgendes: Das Wahrnehmen von Gefühlen ist wichtig, weil es der Orientierung dient hinsichtlich unseres Verlangens. Aber das so beliebte „reinspüren“ als Grundlage für Entscheidungen beruht auf einem zentralem Irrtum. Wenn wir „reinspüren“, nehmen wir nur unsere eigenen Urteile über eine Situation wahr und nicht irgendeine "Energie" außerhalb von uns. Wenn sich also eine Situation nicht gut anfühlt, sind unsere eigenen Urteile über die Situation dafür verantwortlich, nicht eine von uns getrennte Situation. Nicht die Situation ist das Problem, sondern wir haben ein Wahrnehmungsproblem.

Auch wenn wir die Metaphysik hinter der Entstehung von Wahrnehmung intellektuell verstanden zu haben scheinen, begehen wir am Beginn unseres Weges meist noch einen zentralen Fehler. Wir sehen eine Welt voller Herausforderungen und Probleme und bitten dann GOTT oder den HEILIGEN GEIST um inneren Frieden angesichts dieser verrückten Welt. Das heißt, wir beurteilen die Welt zunächst nach dem Gedankensystem des Egos und bitten dann erst um inneren Frieden. Doch es ist unsere Wahrnehmung von Herausforderungen und Problemen, die einer Berichtigung bedarf. Es ist verrückt, inneren Frieden im Angesicht einer falsch und fragmentiert wahrgenommen Welt zu erwarten. Aber wir haben die Garantie, dass unsere falsche Wahrnehmung berichtigt wird, wenn wir bereit dazu sind.

Die Stimme für GOTT kann auch als Intuition bezeichnet werden, jedoch ist es wichtig, sie nicht mit anderen Stimmen zu verwechseln. Intuition ist nicht das Ergebnis eines Denkprozesses, Intuition ist auch keine Gefühlsregung und auch kein Instinkt, sondern ein intuitives Wissen, das nicht vom Menschen ausgeht.

Eine hilfreiche Metapher, um zu beschreiben, wie unsere auf einem verrückten Verlangen basierenden Überzeugungen uns einschränken, ist die folgende: Das Ego ist der Gefangene und das Gefängnis. Mauersteine in der Gefängnismauer sind Rollen, Identitäten, Erinnerungen, Glaubenssätze, Meinungen, Urteile, Vorlieben, und dergleichen - entsprechend dem Song von Pink Floyd "Another Brick in the Wall". Was dabei häufig übersehen wird, ist, dass jede Art von Vorliebe auch ein Mauerstein in der Gefängnismauer ist. Jedes liebgewonnene Ritual, wie der tägliche Latte Macchiato im Lieblingscafé um die Ecke, ist eine Beschränkung - ein Schleier, der den Geist von der Vollkommenheit des heiligen Augenblicks trennt.

“Götzen sind Grenzen. Sie sind der Glaube, dass es Formen gibt, die Glück bringen werden, und dass durch Begrenzung alles zu erreichen sei.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 1. 4.&5.)

“Wenn du über die Form dessen, was du willst, entscheidest, verlierst du das Verständnis seines Zweckes.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 2. 9.)

Immer wenn wir von etwas Konkretem Glück erwarten, verleugnen wir unsere Grenzenlosigkeit und damit unsere Ganzheit und Vollkommenheit. Mit allem, dem wir eine Wirkung auf uns zugestehen, verleugnen wir unsere Macht und Herrlichkeit und laden stattdessen die Angst ein.

Wir leben in Gefängnissen, mit unseren Lebensweisheiten und den Ideen davon, was man darf und was man nicht darf, was wir uns erlauben und was wir uns verbieten. Jede Regel, jedes Gesetz, jede verfestigte Meinung ist ein Mauerstein unseres persönlichen Gefängnisses. Wir wollen das so, weil uns die Freiheit des Jetzt, die vollkomme Unschuld des heiligen Augenblicks, ohne Zukunft und Vergangenheit und den darauf aufbauenden Urteilen, Angst macht, weil die Freiheit uferlos ist, weil sie voller Gefahren zu sein scheint, voller unverlangter Wendungen. Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt, eine Mauer um uns herum zu errichten, eine Mauer aus politisch korrekten Wörtern und Gedanken, aus Ideen und Regeln, aus Vorlieben und Abneigungen, die immer höher wird und hinter der wir nie wieder hervorkommen wollen. Wir sind Gefangene unseres eigenen geistigen Horizonts, weil wir uns davon Sicherheit versprechen. Wir klammern uns an unsere Einteilung der Welt in Gut und Böse, weil uns das Halt zu geben scheint. Auf diese Weise wiederholen wir ständig die Vergangenheit, weil wir nur die Vergangenheit sehen.

Das Licht kann nicht durch die Mauern dringen, die wir errichtet haben, um es auszusperren, und es ist nie und nimmer gewillt, das, was wir gemacht haben, zu zerstören. Es braucht daher unsere Bereitschaft zur Umkehr, die es dem Licht ermöglicht, uns zu erreichen. Und es braucht unsere vollkommene Offenheit, in der nichts verborgen und deshalb nichts angsterregend ist. Es gibt keine Dunkelheit, die das Licht der Liebe nicht auflösen würde, es sei denn, sie wird vor der Mildtätigkeit der Liebe geheimgehalten.

Eine hilfreiche spirituelle Übung ist es, uns immer wieder möglichst unvorbereitet völlig neuen Situationen auszusetzen. Jede Reise in ein unbekanntes Land ohne Plan ist eine Übung in diesem Sinne. Wenn wir innerlich bereit dazu sind, dann sind derartige Situationen wunder-volle Gelegenheiten, um uns von Urteilen, Meinungen, Rollen und Vorlieben zu lösen und ganz auf GOTT zu vertrauen.

Wenn wir unser Denken dahingehend ändern, dass es vom GEIST inspiriert ist und nicht vom Ego, dann hat sich unser zentrales Verlangen geändert. Es ist singulär und nicht mehr gespalten. Diese Veränderung durchdringt alle Schichten des Geistes. Dies ist das Wunder, das zur folgenden Transformation führt: Der Glaube ist Vergebung, die Gedanken sind wahre Gedanken, die Emotion ist Liebe und die Wahrnehmung ist wahre Wahrnehmung und damit friedliche Wahrnehmung. Mit Hilfe des Wunders wird das Denksystem auf den Kopf gestellt, weg von seiner früheren verkehrten egoischen Art. Das Wunder ist eine Veränderung auf der Ebene des Geistes. Wunder sind Äußerungen der Liebe, aber möglicherweise haben sie nicht immer beobachtbare Wirkungen.

Erleuchtung oder Heilung ist eine Frage des Verlangens. Dies ist die Welt der Ablenkung, der Isolation und des Versteckens vor dem Licht. Wenn es aber das Gebet unseres Herzens ist, die LIEBE zu erfahren, dann können uns die Symbole oder die Mittel dafür recht schnell gegeben werden.

“Die Wahrheit wird dir durch dein Verlangen wiedergegeben,
so wie sie durch dein Verlangen nach etwas anderem für dich verloren war.”
(EKIW: Kapitel 20, VIII. 1. 2.)

Das einzige Problem in der Welt ist das des Geistes. Ein klares Verständnis der Ebenen des Geistes hilft uns, uns dessen bewusst zu werden - was unsere Wahrnehmung verursacht, wenn wir alle unsere Projektionen bis zum zentralen Verlangen zurückverfolgen. Dabei können wir Überzeugungen und Annahmen aufdecken, von denen wir vielleicht gar nicht wussten, dass sie existieren. Der Geist wird weiter in diese Überzeugungen investieren, bis klar wird, dass sie nicht das bieten, was wir wirklich wollen. Wenn wir bereit sind, das, was wir glauben, mit dem HEILIGEN GEIST zu hinterfragen, sind die Ergebnisse nichts weniger als wundervoll. Alles, was es braucht, ist ein wenig Bereitschaft, die Dinge anders zu sehen. Um alte, wenig hilfreiche Konditionierungen aufzudecken und loszulassen, müssen wir uns Schritt für Schritt durch alle Ebenen des Geistes hindurcharbeiten.

Die Macht des Verlangens bestimmt unseren Geisteszustand. Kleine Schritte können zu großen Verschiebungen in unserem Bewusstsein führen. Es ist wichtig, auf unsere Wahrnehmung und die Tendenz zu achten, beunruhigende Dinge als echte Probleme wahrzunehmen. Dies ist ein Prozess, in dem wir unseren Geist ehrlich betrachten und gleichzeitig zulassen, dass das Verlangen unseres Herzens geläutert wird.

Das Diagramm der Ebenen des Geistes besteht aus fünf Ringen. Wenn wir unseren Geist SEINER Führung unterstellen, werden wir zum Herrn der Ringe.

Obwohl Ein Kurs in Wundern uns dabei hilft, uns von der besonderen Beziehung zu befreien, um zur heiligen Beziehung zu gelangen, ist das Verlieben an sich ein wunderbares Beispiel für eine sprunghafte Veränderung unserer Wahrnehmung. Ein kleiner Moment verändert unsere Wahrnehmung der Welt blitzartig. Wenn wir uns wirklich voll und ganz auf das Verlieben einlassen, sind wir glücklich und fühlen uns frei und lebendig wie eine Feder im Wind, die vollkommen damit einverstanden ist, wohin der Wind sie trägt. Unsere Urteile über die Welt werden plötzlich deutlich milder.

Die Frage, die wir uns also stellen sollten, lautet: Warum sind wir nicht ständig verliebt? Hinter der Sehnsucht nach dem Zustand der Verliebtheit verbirgt sich die Sehnsucht nach der LIEBE GOTTES. Die Verliebtheit in eine andere Person ist reiner Wahnsinn, aber das Gefühl weist in die richtige Richtung - den Zustand des glücklichen Traums, zu dem uns Ein Kurs in Wundern führt.

Die Verliebtheit in eine bestimmte Person ist naturgemäß nicht dauerhaft, während der glückliche Traum unabhängig von äußeren Bedingungen ist. Das liegt einfach daran, dass die veränderte Wahrnehmung der Welt im Zustand der Verliebtheit selbst eine egoische Projektion ist, wenn auch eine äußerst angenehme. Wenn wir aus dem Zustand der Verliebtheit ein Beziehungskonzept machen, geht der Zauber schnell verloren, weil wir uns dadurch wieder verstärkt an die Illusion der linearen Zeit ketten. Die sogenannten "Liebesschlösser" an Brücken und Gittern sind ein verhängnisvolles Symbol dafür. Wir ketten uns gemeinsam an die Materie und werfen den Schlüssel zum Glück in den Fluss. Deshalb sprechen wir ab diesem Moment davon, dass es sich um etwas Ernstes handelt. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins ist verschwunden und wurde durch etwas Ernstes ersetzt - was für ein Glück ;-).

Die spirituelle Reise erreicht ihren Höhepunkt, wenn wir uns für die spirituelle Sicht, die Schau CHRISTI, öffnen, die uns über den Körper hinaus in einen erwachten Zustand versetzt. Die geistige Sicht ist eine gewaltige Erfahrung. Der Beobachter und der Beobachtete sind durch geheilte, friedliche Wahrnehmung eins. Wenn wir den gesamten Kosmos als einheitlich und neutral wahrnehmen, haben wir die wahre Wahrnehmung erreicht. Es ist wie ein glücklicher Film, der alles und jeden einschließt. Das Ziel ist, alles durch die friedliche Perspektive oder Interpretation des HEILIGEN GEISTES zu sehen. Daher entsteht die friedliche Wahrnehmung der Welt aus dem Frieden unseres Geistes. In dieser Wahrnehmung ist nichts ein Kampf. Das Wunder ist eine Lektion in totaler Wahrnehmung.



“Es kann nicht oft genug betont werden, dass die Berichtigung der Wahrnehmung lediglich ein vorübergehender Notbehelf ist. Er ist nur deshalb nötig, weil Fehlwahrnehmung eine Blockade für die Erkenntnis ist, während die korrekte Wahrnehmung ein Sprungbrett zu ihr hin ist. Der ganze Wert der richtigen Wahrnehmung liegt in der unvermeidlichen Einsicht, dass jegliche Wahrnehmung unnötig ist. Das beseitigt die Blockade gänzlich.”
(EKIW: Kapitel 4, II. 11. 1.-4.)

Angst

“Die Angst minimieren - nicht aber sie aufheben - ist des Ego ständiges Bemühen, und das ist in der Tat eine Fertigkeit, in der es sehr raffiniert ist.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 9. 2.)

Die Stimme des Egos, also die Stimme der Angst, ist diejenige, die wir im unbewussten Zustand am häufigsten und am lautesten hören. Und viele, wenn nicht die meisten unter uns, verwechseln die Stimme der Angst - die Ratschläge, die diese Stimme gibt - mit dem, was üblicherweise als Intuition bezeichnet wird. Die Stimme der Angst suggeriert uns ununterbrochen, was als nächstes zu tun oder zu lassen sei, damit wir uns wohlfühlen und uneingeschränkt entfalten können. Sie sagt uns auch, wo wir Schutz vor der Stimme für GOTT finden. Sie macht uns Vorschläge, wie wir uns verhalten sollen, damit wir die Kontrolle über unsere Lebenssituation behalten können. Die Stimme der Angst ist dann am lautesten, wenn wir glauben, keine Angst zu haben. Sie schmeichelt und lobt. Sie gibt sich freundschaftlich und schützend, und oft nimmt sie gerade den Ton an, der eigentlich derjenige der Stimme für GOTT ist. Die Stimme der Angst ist flexibel und anpassungsfähig wie ein Chamäleon.

Eine Metapher

Wir befinden uns in einer Wüste, in einer lebensfeindlichen Umgebung. Was tun? In unserem Bewusstsein gibt es zwei Stimmen.

Ego:
“Trage Kleidung, die deinen Schweißverlust minimiert. Helle Kleidung reflektiert mehr Hitze, aber dunkle Kleidung bietet normalerweise einen besseren Schutz vor UV-Strahlen, welche einen Sonnenbrand verursachen kann. Sei sparsam mit dem Wasser und sammle den morgendlichen Tau. Achte auf Anzeichen einer Dehydrierung. Suche nährstoffreiche Nahrung. Bewege dich nur nachts, suche tagsüber Schatten auf oder verstecke dich in einer Höhle. Wenn du einen einigermaßen erträglichen Ort gefunden hast, bleib an Ort und Stelle. Sende Hilfssignale an vorbeifliegende Flugzeuge. Halte dich von gefährlichen Tieren fern. Halte dich von stacheligen Pflanzen fern. Orientiere dich nach den Sternen. Du schaffst das.”

HEILIGER GEIST:
“Verlass die Wüste. Wenn du mir deine Hand gibst, führe ich dich auf dem schnellsten Weg raus.”

Es ist unmöglich, Liebe zu erkennen, zu fühlen und zu identifizieren, wenn wir die Angst nicht kennen. Angst ist ein Kontrastmittel. Wir kommen aus der EINHEIT und bewegen uns zurück in die EINHEIT, und die Angst ist das Mittel, um zu überprüfen, wo wir stehen.

“Unter jedem Eckstein der Angst, auf dem du dein wahnsinniges Glaubenssystem errichtet hast, liegt die Wahrheit verborgen. Das kannst du jedoch nicht erkennen, denn dadurch, dass du die Wahrheit in der Angst verborgen hast, siehst du keinen Grund zu glauben, dass du, je länger du die Angst anschaust, sie um so weniger siehst und dass dann desto klarer wird, was sie verbirgt.”
(EKIW: Kapitel 14, VII. 2. 7.&8.)

Der erste Schritt auf dem Weg ist also zu lernen, die Stimme der Angst von der Stimme für GOTT zu unterscheiden und uns unserer Angst überhaupt erst einmal bewusst zu werden. Wenn wir wirklich Befreiung wollen, dann ist es unumgänglich, uns unserer Angst zu stellen. Die Strategie des Egos, mit der Angst umzugehen, besteht darin, sie nach außen zu projizieren.

Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, auf welch dünnem Eis wir uns auf der Ebene des Egos bewegen. In einer Krisensituation brechen Angst und Schuld - die Basis des Egos - durch und erscheinen ungefiltert als Projektionen. Die Angst vor dem Virus, die Angst vor den Maßnahmen, die Angst vor Überwachung, die Angst vor der Impfung - all das haben wir nach außen in vermeintlich Schuldige projiziert. Wenn “spirituell sein" zu einem Teil unseres persönlichen Selbstbildes geworden ist und wir daher glaubten frei von Angst zu sein, dann haben wir unseren Mitmenschen auch noch Angstmache vorgeworfen, denn das Ego ist nicht bereit, die Angst im eigenen Inneren zu betrachten. Die Abstandsregeln waren keine wirkliche Einschränkung, sondern ein ausdrucksstarkes Symbol für unsere Angst vor dem scheinbar Anderen. Die Abkürzung COVID weist bemerkenswerterweise auch darauf hin, worum es wirklich geht: COVID = Concept Of Vast Individual Delusion (Konzept des riesigen Wahns von Individualität)

Solange wir mit unserem Körper identifiziert sind, glauben wir an den Tod, und all unser hektisches Treiben in der Welt dient dazu, uns von der Angst vor dem Tod und der damit verbundenen völligen Bedeutungslosigkeit dieser Welt abzulenken. Wir sorgen auf die unterschiedlichste Weise für unser Überleben in dieser Welt, um uns davon abzulenken, dass es kein Überleben in dieser Welt gibt. Wir wollen nicht wahrhaben, dass jeder Mensch, den wir lieben, jeden Moment sterben kann. Wir glauben an den Tod und deswegen wollen wir nicht an ihn denken. Immer wieder sagen wir uns: "Unsere Kinder sind die Zukunft". Doch in der Zukunft wartet der Tod. Zum Glück hat das wirkliche Leben nichts mit dem Körper zu tun, und es kennt weder Vergangenheit noch Zukunft.

Der englische Begriff für Angst „Fear“ liefert eine wunderbare Abkürzung für das was Angst ist: False Evidence Appearing Real (Falsche Zeugnisse, die echt erscheinen).

Jesus verweist im Kurs darauf, dass es nur zwei Gefühle gibt, Angst und Liebe. Angst und Liebe machen oder erschaffen, je nachdem, ob das Ego oder der HEILIGE GEIST sie erzeugt oder inspiriert, aber sie werden zum Geist des Denkenden zurückkehren und seine ganze Wahrnehmung beeinflussen.

Im Kurs weist Jesus noch auf etwas sehr Wesentliches hin, das im Gegensatz zu den Lehren dieser Welt steht:

“Es wurde schon gesagt, dass du glaubst, du könnest die Angst nicht kontrollieren, weil du sie selbst gemacht hast, und dein Glaube an sie scheint sie deiner Kontrolle zu entziehen. Doch jeder Versuch, den Irrtum dadurch aufzulösen, dass du versuchst, die Angst zu meistern, ist nutzlos. Tatsächlich wird die Macht der Angst durch ebendie Annahme bekräftigt, sie müsse gemeistert werden. Die wahre Lösung beruht voll und ganz auf Meisterung durch Liebe. In der Zwischenzeit ist allerdings ein Gefühl des Konflikts unvermeidlich, da du dich selbst in eine Lage gebracht hast, in der du an die Macht dessen glaubst, was nicht existiert.”
(EKIW: Kapitel 2, VII. Auszug)

Angst am spirituellen Weg

Wenn wir bereit sind, unsere Angst nicht mehr nach außen zu projizieren, dann beginnt die Reise nach innen, dann beginnt der spirituelle Weg. Die Angst, die dem Ego zugrunde liegt, bezieht sich auf etwas viel Wesentlicheres, als all die scheinbaren Bedrohung im Außen, tatsächlich ist es die Angst, nach innen zu schauen und die Sünde zu erblicken, von der wir denken, dass sie dort sei. Wir hätten keine Angst, das zuzugeben. Angst in Verbindung mit der Sünde hält das Ego für ganz angemessen, und es lächelt Beifall. Es hat keine Angst zuzulassen, dass wir uns schämen. Es zweifelt nicht an unserer Überzeugung und an unserem Glauben an die Sünde. Seine Tempel geraten deshalb nicht ins Wanken. Unter unserer Angst, nach innen zu schauen, weil wir die Sünde fürchten, liegt noch eine andere Angst, und das ist eine, die das Ego zittern lässt. Was wäre, wenn wir nach innen schauten und keine Sünde sähen? Diese furchterregende Frage ist eine Frage, die das Ego niemals stellt. Wenn wir aber, die Frage jetzt stellen, bedrohen wird das ganze Abwehrsystem des Ego zu ernstlich, als dass es sich noch Mühe geben würde, so zu tun, als wäre es unser Freund.

“Die Raffiniertheit des Ego hinsichtlich seiner Selbsterhaltung ist enorm, stammt aber aus ebender Macht des Geistes, die das Ego verleugnet. Das bedeutet, dass das Ego das angreift, wodurch es erhalten wird, was extreme Angst zur Folge haben muss. Deshalb merkt das Ego nie, was es tut. Es ist vollkommen logisch, aber eindeutig wahnsinnig.”
(EKIW: Kapitel 7, VI. 3. 1.-3.)

Wenn wir uns wahrhaftig auf die Suche nach der Wahrheit, auf die Suche nach GOTT, nach unserer Wirklichkeit machen, dann dürfen wir eines nicht vergessen: Die Wahrheit ist das Ende des Egos und damit auch unseres persönlichen Selbst. Das Ego wird auf diese Bedrohung seines Abwehrsystems reagieren.

Wenn wir darüber hinaus persönlich versuchen, mystische Erfahrungen durch verschiedene extreme Methoden zu erzeugen und diese mystischen Zustände visionären Bewusstseins als spirituelle Erfahrungen pflegen, ohne unseren Geist bewusst SEINER Führung zu unterstellen, kann die Reaktion des Egos sehr heftig sein. Diese Reaktion ist eine Reaktion unseres Unterbewusstseins und kann die unterschiedlichsten Formen annehmen, aber häufig ist sie eine Form von Krankheit. Das ist kein Grund, Angst zu haben, aber es ist ein Grund, sich dessen bewusst zu sein.

Jesus zeigt im Kurs aber auch deutlich auf, was passieren kann, wenn wir nicht wachsam sind:

Krankheit ist eine Entscheidung. Sie ist nicht ein Ding, das dir geschieht, völlig ungebeten, etwas, was dich schwächt und was dir Leiden bringt. Sie ist eine Entscheidung, die du triffst, ein Plan, den du entwirfst, wenn die Wahrheit einen Augenblick lang in deinem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und deine ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen. Jetzt bist du krank, damit die Wahrheit weggehen möge und deine Einrichtungen nicht länger bedrohe.

Wie, glaubst du, dass Krankheit es vermöchte, dich von der Wahrheit abzuschirmen? Weil sie beweist, dass der Körper nicht von dir getrennt ist, also musst du von der Wahrheit getrennt sein. Du leidest Schmerz, weil dein Körper das tut, und in diesem Schmerz wirst du eins mit ihm gemacht. So wird deine »wahre« Identität bewahrt, und der sonderbare, quälende Gedanke, du könntest etwas jenseits dieses kleinen Häufchens Staubes sein, wird zum Schweigen gebracht und beschwichtigt. Denn sieh, dieser Staub kann dich leiden machen, deine Glieder verrenken und dein Herz anhalten, kann dir befehlen, dass du stirbst und aufhörst zu sein.”

Wenn etwas unsere Welt erschüttert, das kann ein Blick hinter den Schleier dieser Welt sein, aber auch ein schwerer Schicksalsschlag, oder eine Situation, für die wir in unserem schlafenden Geist absolut keine Lösung sehen, wenn also etwas unser falsches Selbstbild massiv zu bedrohen scheint, dann reagieren wir sehr heftig darauf. Im identifizierten Zustand ist es uns extrem wichtig, nicht “das Gesicht zu verlieren”, also durch unrichtiges Verhalten Ansehen, Glaubwürdigkeit, Würde, Respekt einzubüßen. Als egoische Reaktion können wir unsere Angst entweder nach außen projizieren und unser Gegenüber angreifen, oder wir können uns selbst angreifen. Entweder wir entscheiden uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden oder wir begehen gleich Selbstmord. Seppuku (Harakiri) bezeichnet eine ritualisierte Art des männlichen Suizids, die etwa ab der Mitte des 12. Jahrhunderts in Japan innerhalb der Schicht der Samurai verbreitet war. Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen.

Wenn wir uns der Angst vor dem Erwachen, dieser für das Ego existentiellen, aber gleichzeitig unbewussten Angst nähern, ist dies in der persönlichen Wahrnehmung eine scheinbar grundlose Angst, eine Angst völlig ohne Geschichte. Der "Grund" ist die Illusion der Trennung in der sich der schlafende Geist befindet. Im Grunde genommen ist das spirituelle Erwachen der größte "Gesichtsverlust" überhaupt; es ist das Ende des persönlichen Selbst, des Selbstbildes, das wir so mühsam aufrechtzuerhalten versuchen. Wenn wir dieser Angst begegnen, so ist dies eine äußerst intensive Phase. Auch Vipassana-Meditations-Meister berichten immer wieder von dieser Erfahrung. Viele Meditierende glauben im ersten Moment etwas falsch gemacht zu haben, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir uns der Basis unseres persönlichen Ich-Gefühls - der Illusion der Trennung von GOTT - nähern, begegnen wir der Angst (→ Der Ring der Angst).

Es braucht einige Vorbereitung, um die Angst vor GOTT anzuschauen. Nur die geistig Gesunden können den nackten Wahnsinn und die rasende Verrücktheit mit Erbarmen und mit Mitgefühlt betrachten, aber ohne Angst. Denn nur wenn sie daran teilhaben, scheinen diese furchterregend zu sein, und wir haben so lange daran teil, bis wir unseren Bruder mit vollkommenem Glauben und vollkommener Liebe und Zärtlichkeit ansehen. Vor der vollständigen Vergebung stehen wir und haben noch immer nicht vergeben. Wir haben Angst vor GOTT, weil wir unseren Bruder fürchten. Diejenigen, denen wir nicht vergeben, fürchten wir. Und niemand gelangt zur Liebe mit Angst an seiner Seite.

SEINE Führung ist SEINE Antwort auf unsere Angst.

Wenn wir uns mit unseren Brüdern verbunden haben, haben wir uns von der Überzeugung losgesagt, dass unsere Identität im Ego liegt. Eine heilige Beziehung ist eine Beziehung, in der wir uns mit dem verbinden, was in Wahrheit Teil von uns ist.

Angst und Liebe können nicht nebeneinander existieren und es ist unmöglich, ganz von Angst erfüllt zu sein und lebendig zu bleiben, daher ist der einzig mögliche Zustand der Ganzheit derjenige der Liebe. Es gibt keinen Unterschied zwischen Liebe und Freude. Daher ist der einzig mögliche Zustand der Ganzheit einer der vollkommenen Freude. Heilen oder froh machen ist demnach dasselbe wie integrieren und eins machen.

In Lektion 50 des Kurses heißt es :

„Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten.

1. Hier ist die Antwort auf jedes Problem, dem du - heute und morgen und in aller Zeit - begegnen wirst. In dieser Welt glaubst du, dass alles mögliche dich erhält, nur nicht GOTT. Du vertraust auf die trivialsten und wahnsinnigsten Symbole: auf Pillen, Geld, »schützende Kleidung«, Einfluss, Ansehen, Beliebtheit, Beziehungen zu den »richtigen« Menschen und auf eine endlose Liste von Formen des Nichts, die du mit magischen Kräften ausstattest.

2. All diese Dinge sind dein Ersatz für die LIEBE GOTTES. All diese Dinge werden gehegt, um die Identifikation mit dem Körper sicherzustellen. Sie sind Loblieder auf das Ego. Vertraue nicht auf Wertloses. Es wird dich nicht erhalten.

3. Nur die LIEBE GOTTES wird dich in allen Umständen schützen. Sie wird dich aus jeder Anfechtung erheben, hoch empor über all die von dir wahrgenommenen Gefahren dieser Welt, hinauf in eine Atmosphäre vollkommenen Friedens und vollkommener Sicherheit. Sie wird dich in einen Geisteszustand versetzen, den nichts bedrohen, nichts stören kann und wo nichts in die ewige Ruhe des SOHNES GOTTES eindringen kann.“

Angst und Konflikt

Die Angst kann nicht von IHM kontrolliert werden, aber sie kann von uns selbst kontrolliert werden. Die Angst hindert uns daran, IHM die Kontrolle zu geben. Die Gegenwart der Angst zeigt an, dass wir Körpergedanken auf die Ebene des Geistes gehoben haben. Das entzieht sie SEINER Kontrolle und führt dazu, dass wir uns persönlich für sie verantwortlich fühlen. Das ist eine offensichtliche Verwechslung der Ebenen.

Immer wenn wir sagen ”Ich bin erschöpft”, “Ich habe Schmerzen”, “Ich bin pleite” oder “Ich bin Mutter von zwei Kindern” heben wir Körpergedanken auf die Ebene des Geistes und verleihen damit der Illusion scheinbare Wirklichkeit. Lassen wir nichts, was mit Körpergedanken in Verbindung steht, unseren Fortschritt zur Erlösung verzögern, sondern übergeben jeden Körpergedanken SEINER Berichtigung.

Wir müssen uns zur Berichtigung dieser Verwechslung der Ebenen entscheiden. Möglicherweise glauben wir, dass wir verantwortlich sind für das, was wir tun, aber nicht für das, was wir denken. Die Wahrheit ist, dass wir verantwortlich sind für das, was wir denken, weil wir nur auf dieser Ebene eine Wahl treffen können. Was wir tun, kommt von dem, was wir denken.

Sobald wir das, was wir denken, SEINER Führung unterstellen, wird automatisch auch unser Verhalten von IHM kontrolliert. Jedes Mal, wenn wir Angst haben, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass wir unserem Geist erlaubt haben, fehlzuerschaffen, und IHM nicht erlaubt haben, dass ER uns lenkt.

Es ist sinnlos, zu glauben, dass die Folgen unseres falschen Denkens zu kontrollieren zu Heilung führen kann. Wenn wir angsterfüllt sind, haben wir uns falsch entschieden. Das ist der Grund, weshalb wir uns dafür verantwortlich fühlen. Wir müssen anderen Geistes werden, nicht unser Verhalten ändern, und das ist eine Frage der Bereitwilligkeit. Wir brauchen keine Führung außer auf der Ebene des Geistes. Die Berichtigung gehört nur auf die Ebene, auf der Veränderung möglich ist. Veränderung bedeutet nichts auf der Ebene der Symptome, auf der sie nicht wirksam sein kann.

Für die Berichtigung der Angst sind wir verantwortlich. Wenn wir um Befreiung von der Angst bitten, sagen wir damit, dass wir es nicht sind. Stattdessen sollten wir in jenen Umständen um Hilfe bitten, die die Angst verursacht haben. Auf dieser Ebene können wir etwas ändern. Wir sind viel zu nachsichtig gegenüber dem Umherschweifen von Gedanken und entschuldigen stillschweigend die Fehlschöpfungen unseres Geistes. Das jeweilige Ergebnis ist nicht von Belang, der grundlegende Irrtum jedoch ist es. Die Berichtigung ist immer dieselbe. Bevor wir beschließen, irgendetwas zu tun, fragen wir IHN, ob unsere Entscheidung mit der SEINEN in Einklang ist. Wenn wir sicher sind, dass das der Fall ist, wird keine Angst da sein.

Angst ist stets ein Zeichen von Anstrengung, die immer dann entsteht, wenn das, was wir wollen, mit dem in Konflikt steht, was wir tun. Diese Situation entsteht auf zweierlei Arten:

Erstens können wir beschließen, miteinander in Konflikt stehende Dinge zu tun, entweder gleichzeitig oder nacheinander. Das führt zu einem konflikthaften Verhalten, das für uns unerträglich ist, weil jener Teil des Geistes, der etwas anderes tun will, entrüstet ist. Wohin dieser Konflikt führen kann zeigt das Beispiel eines Passauer Pfarrers, der im November 2015 wegen Pornosucht Selbstmord beging. In seinem Abschiedsbrief hatte der Pfarrer den Wunsch geäußert, dass alle in seiner Gemeinde den Grund für seinen Freitod erfahren sollten.

Zweitens können wir uns so verhalten, wie wir glauben, es tun zu müssen, ohne es aber voll und ganz zu wollen. Das erzeugt ein beständiges Verhalten, bringt aber große Anstrengung mit sich.

In beiden Fällen sind Denken und Handeln nicht in Einklang miteinander, was eine Situation zur Folge hat, in der wir etwas tun, das wir nicht wirklich tun wollen. Das löst ein Gefühl von Zwang aus, welches gewöhnlich Wut erzeugt, und darauf folgt mit einiger Wahrscheinlichkeit Projektion. Jedes Mal, wenn Angst da ist, liegt es daran, dass wir uns nicht entschieden haben. Unser Geist ist deswegen gespalten, und es ist unvermeidlich, dass unser Verhalten sprunghaft wird. Eine Berichtigung auf der Verhaltensebene kann den Irrtum von der ersten Art zur zweiten verschieben, wird aber die Angst nicht auslöschen.

Es ist möglich, einen Zustand zu erreichen, in dem wir unseren Geist ohne bewusste Anstrengung SEINER Führung unterstellen, doch setzt das eine Bereitwilligkeit voraus, die wir erst entwickeln müssen. Der HEILIGE GEIST kann nicht mehr verlangen, als wir zu tun bereit sind. Die Stärke, es zu tun, entsteht aus unserem ungeteilten Entschluss. Es liegt keine Anstrengung darin, GOTTES WILLEN zu tun, sobald wir begreifst, dass es auch unser eigener ist. Diese Lektion ist ganz einfach, wird aber besonders leicht übersehen.

Jeder empfindet Angst. Dabei bräuchte es nur ein klein wenig richtiges Denken, um zu begreifen, warum Angst auftritt. Wenige schätzen die wirkliche Macht des Geistes richtig ein, und niemand bleibt sich ihrer die ganze Zeit hindurch völlig bewusst. Wenn wir indessen hoffen, uns Angst zu ersparen, so gibt es einige Dinge, über die wir uns im Klaren sein müssen, und zwar voll und ganz. Der Geist ist sehr machtvoll und büßt seine schöpferische Kraft nie ein. Er schläft nie. Jeden Augenblick erschafft er. Es ist schwer zu begreifen, dass Gedanke und Glaube sich miteinander zu einer Kraftwoge verbinden, die buchstäblich Berge versetzen kann. Wir ziehen es häufig vor zu glauben, dass unsere Gedanken keinen wirklichen Einfluss ausüben können, weil wir nämlich Angst vor ihnen haben. Das mag zwar das Schuldbewusstsein verringern, aber zu dem Preis, den Geist als ohnmächtig wahrzunehmen. Wenn wir glauben, das, was wir denken, sei wirkungslos, hören wir möglicherweise auf, Angst davor zu haben, aber wir werden es wahrscheinlich auch kaum achten. Es gibt keine nichtigen Gedanken. Alles Denken bringt Form auf irgendeiner Ebene hervor.

Die Angst vor dem Jetzt

Diese Angst vor dem Jetzt, vor dem Heiligen Augenblick, ist die Angst vor der Wahrheit, die Angst vor dem HEILIGEN GEIST.

Was wäre, wenn wir wüssten, dass alles, was wir tun - all die Pläne, all die Geschäftigkeit, aber auch das Drama, die Verwirrung, die Verzweiflung und der Konflikt - von einem Geist gewählt wird, der Angst davor hat, präsent zu sein? Diese Angst vor dem Jetzt tarnt sich als viele andere Ängste. Es kann die Angst vor dem Alleinsein sein, die Angst, jemanden zu verlieren, die Angst davor, was andere Menschen über uns denken, die Angst vor Unfällen und Katastrophen oder die Angst vor Drohungen, Gewalt und Missbrauch, um nur einige zu nennen.

Angst dient einem egoischen Zweck: uns davon abzuhalten, das Wunder, die Schönheit und die ewige Ruhe des gegenwärtigen Augenblicks zu spüren. Der getrennte Geist ist untrainiert und unwillig, auf das Jetzt konzentriert zu sein, da er Angst davor hat. Er hat Angst vor dem HEILIGEN GEIST. Der Grund dafür ist, dass der getrennte Geist glaubt, das Ego, und damit die Trennung von GOTT, sei wirklich. Dies ist der Glaube, dass die Sünde wirklich sei. Dieser Glaube an die Sünde ist die Hölle.

Wir alle haben schon einmal Angst verspürt; es ist eine universelle Erfahrung. Es ist eine Erfahrung, die in unserem Geist existiert, aber aufgrund der Projektion scheint sie immer äußere Ursachen und auch Lösungen zu haben, aber diese Lösungen sind nie dauerhaft. Angst sperrt uns ein, schottet uns ab und isoliert uns von der Welt. Solange sie nicht hinterfragt wird, hält sie uns in einer kleinen und getrennten Existenz gefangen. Die Angst entspringt dem Glauben an eine Welt der Dualität. Sobald die Angst in Frage gestellt wird, wird sie unseren Geist nicht mehr beherrschen.

Auf dem spirituellen Weg werden wir wahrscheinlich feststellen, dass wir uns berufen fühlen, einige Veränderungen in unserem Leben vorzunehmen. Aber aus Angst finden wir vielleicht Gründe, uns nicht zu bewegen oder gar einen Schritt zu tun. Auch wenn wir anfangs zögern, werden wir, wenn wir uns bereit fühlen, feststellen, dass es sich lohnt, uns unbehaglich zu fühlen, unsere Routinen loszulassen, um die ganze Freude der Liebe Gottes zu finden, die verfügbar ist. Es kann sich manchmal wie eine einsame Reise anfühlen, weil man in sich gehen muss, um die Antworten zu finden. Zu anderen Zeiten tauchen Begleiter auf, die uns auf dem Weg helfen.

Der Verstand kann von einem der beiden Gedankensysteme gelenkt werden: entweder von der Angst oder von der Liebe. Das Ego-Gedankensystem erzeugt Angst. Das Gedankensystem des HEILIGEN GEISTES erzeugt Liebe. Das Ego spricht zuerst, weil es impulsiv ist. Es ist normalerweise sehr hart und kritisch. Und die Stimme des GEISTES muss geduldig warten, und dann, wenn unser Geist offen ist, können wir erleben, wie ER da ist, unaufhörlich und sehr sanft uns an die Wahrheit dessen erinnert, wer wir sind. Das Ego möchte, dass wir an sein Gedankensystem und seine Tricks glauben, um uns im Schlaf und in unseren Träumen zu halten, während der GEIST möchte, dass wir unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Überzeugungen sehen, damit wir uns ihrer bewusst werden und beginnen, die Fesseln zu lösen, die uns einschränken. Dies zu wissen, vereinfacht die Dinge, da wir erkennen, dass wir wählen können, welches Gedankensystem wir benutzen. Es ist eine Entscheidung im Geist.

Wir werden sehen, dass wir auf dem ganzen Weg Entscheidungen treffen. Wir schwanken zwischen zwei Gedankensystemen und zwischen zwei Emotionen, und es muss einen Weg geben, dem ein Ende zu setzen. Wir können eine Entscheidung treffen. Es geht darum, darauf zu achten, welcher Stimme wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Diejenige, der wir mehr Aufmerksamkeit schenken, wird im Bewusstsein stärker werden. Es ist ähnlich wie in der alten Geschichte über den schwarzen und den weißen Wolf im Kopf: Der eine steht für die Angst, der andere für die Liebe. Die Frage ist: Welchen Wolf werden wir füttern?

Der Ring der Angst

Kapitel 18, IX. 3. 9.: „Du bist ernstlich versucht, IHN am äußeren Ring der Angst zu verlassen, ER aber möchte dich sicher dort hindurch und weit darüber hinaus führen.“

Kapitel 18, IX. 4. 1.-4.: „Der Kreis der Angst liegt genau unterhalb der Ebene, die der Körper sieht, und scheint das ganze Fundament zu sein, auf das die Welt sich gründet. Hier sind alle Illusionen, alle verdrehten Gedanken, alle wahnsinnigen Angriffe, die Wut, die Rache und der Verrat, die gemacht sind, um die Schuld an ihrem Platz zu halten, so das die Welt aus ihr entstehen und sie verborgen halten konnte. Ihr Schatten steigt zur Oberfläche auf, gerade weit genug, um ihre äußerlichsten Manifestationen in der Dunkelheit zu halten, ihm Verzweiflung und Einsamkeit zu bringen und ihn freudlos zu erhalten. Doch ihre Intensität wird verschleiert durch ihre schweren Hüllen und ferngehalten von dem, was gemacht ward, um sie versteckt zu halten.“

Bei der Erklärung der Ebenen des Geistes haben wir gesehen, dass sich unter der groben Wahrnehmungswelt eine Gefühlsebene befindet. Ein Kurs in Wundern nennt dies "den Ring der Angst". Diese ganze Welt - alles, was wir mit den fünf Sinnen wahrnehmen - ist auf unbewusster Angst aufgebaut. Wie kann das sein? Wie übersetzt sich unsere Angst in Objekte von Zeit und Raum: Häuser, Gebäude, Straßen und Menschen? Durch die Macht unseres Geistes. Der Geist kann einfach nur sehen, was er glaubt, und deshalb müssen wir falsche Überzeugungen loslassen. Letztendlich geht es am spirituellen Weg darum, sich dieser unbewussten Angst zu stellen. Dies ist die Umwandlung der projizierten Welt in Frieden.

Wenn wir auf dem Weg zur Entdeckung von Frieden und wahrer Freiheit Schritte nach innen machen, stoßen wir zuerst auf den Ring der Angst, und der wird gewöhnlich ziemlich intensiv. Neben der Angst befinden sich auch all unsere anderen Emotionen direkt unter dem äußersten Wahrnehmungsring. Das bedeutet, dass wir als Ausgangspunkt wirklich mit unseren Emotionen in Kontakt kommen müssen. Wenn wir jemals den Punkt der Wahrheit tief in unserem Geist erreichen wollen, müssen wir uns auf den natürlichen Prozess des Zulassens unserer Emotionen einlassen. Das Ego versucht, uns zu kontrollieren, indem es uns mit vielen hypothetischen Konsequenzen Angst einjagt, so dass wir all unsere Emotionen zurückstellen und unterdrücken.

Die meisten von uns sind nicht dazu erzogen worden, mit unseren Gefühlen und Gedanken in Kontakt zu kommen. Vielen von uns wurde, wenn wir uns ärgerlich, wütend oder streitsüchtig fühlten, gesagt: "Geh auf dein Zimmer!" oder "Du hast Hausarrest!" Die Antwort war nicht: "Oh, Schatz, sag mir, was du denkst." Unsere Eltern waren meist keine spirituellen Psychotherapeuten, die von bedingungsloser Liebe und positiver Wertschätzung erfüllt waren. Sie haben wahrscheinlich nicht gesagt: "Lass uns mit den Gedanken in Kontakt kommen, die hinter der Tatsache stecken, dass du gerade ein Loch in die Wand geschlagen hast." Sie sagten: "Du hast Hausarrest! Du wirst das Loch in der Wand reparieren, und wir werden dir dein Taschengeld wegnehmen." Wenn unsere Emotionen hochkamen, wurden sie der Regel mit viel Härte empfangen.

Es gibt eine andere Art, mit Gefühlen umzugehen, und wenn wir die Metaphysik des Geistes verstehen, entdecken wir, was jenseits unsrer Wahrnehmung in den unteren Ebenen des Geistes liegt. Wir können viel sensibler für das werden, was unter der Oberfläche liegt. Manchmal, wenn wir in der Meditation beginnen, sehr tief nach innen zu sinken, kann eine sehr überraschende Angst auftauchen, und sie scheint aus dem Nichts zu kommen. Wir kommen in Kontakt mit der Dunkelheit des Unterbewusstseins. Das ist eine Angst, die sehr tief vergraben ist. Sie ist der Grund, warum eine persönliche Identität geschaffen wurde. Die persönliche Identität wurde geschaffen, um eine sehr tiefe Angst zu überdecken, dass wir von GOTT, von allem, von unserem SELBST getrennt sein könnten - dass wir uns von unserem VATER und von der Einheit entfremden und völlig verloren sein könnten. Mystiker und Heilige haben oft erzählt, dass sie dieser Angst begegnen, wenn sie beginnen, ihre persönliche Identität loszulassen und sich der Verschmelzung mit GOTT nähern. Die innere Stille ist so mächtig, dass sie das "Selbst" zu verbrennen scheint. Dies ist eine große Bedrohung für das Ego, weshalb es sich wie ein Verbrennen oder Auflösen anfühlt.

Das angstbasierte Ego-Glaubenssystem beruht darauf, dass wir in einer dunklen Welt der Verletzungen und Bedürfnisse keine Sicherheit haben und an die Realität von Opfern und Täter glauben. Dies ist nur deshalb so, weil wir uns im Geist mit dem Selbst als Körper identifizieren. Aber wie könnten wir wirklich von Sicherheit und Trost wissen, wenn wir uns nicht mit etwas Wirklichem und Wahrem identifizieren, etwas, das nicht sterben oder sich verändern kann?

Jeder, der in dieser Welt schläft und träumt, hat genau genommen Angst vor dem HEILIGEN GEIST. Denn obwohl das Leben der Menschen in der Zeit nicht glücklich und erfüllt ist, gibt es eine Vertrautheit mit der linearen Zeit. Die Dinge und Aktivitäten der linearen Zeit werden als sicher angesehen, während der HEILIGE GEIST mit dem Unbekannten assoziiert wird und etwas völlig anderes ist als alles in der Zeit. Im Zustand des Einsseins ist der Geist natürlich in Frieden. Die erste Angst war der Sündenfall. Es war eine gewaltige Veränderung des Geistes, von liebevoll, friedlich und glücklich zu erschreckend und beängstigend. Jeder Schritt, den wir mit dem HEILIGEN GEIST unternehmen, wird also mit einem gewissen Nachhall von Angst verbunden sein. Denn auch wenn wir aus einem Alptraum erwachen, hat das Ego Angst vor diesem Erwachen. Das Ego hat Angst, dass es ausgelöscht wird, dass es aufhört zu existieren.

Wenn wir etwas Beängstigendes wahrnehmen, können wir uns immer erlauben, einen Moment innezuhalten, anstatt zu reagieren. Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, um unseren Geist zu öffnen und den HEILIGEN GEIST in unsere Wahrnehmung einzuladen, laden wir eine wunderbare Veränderung in unserer Sicht der Dinge ein, und wir können beginnen, gewohnte Reaktionen und konditionierte Verhaltensweisen loszulassen. Wir öffnen uns für Inspiration.

Das Schöne an der Reise zu Glück und Freiheit ist, dass wir alle die Macht haben, unserer Inspiration und unserem GEIST zu folgen. Wir entscheiden uns dafür und leben nicht länger aus Angst vor den Konsequenzen. Wie könnten wir sonst jemals diese Angst vor der Liebe überwinden? Wir treffen die Entscheidung, nicht mehr die scheinbar vorsichtige, sichere Wahl zu treffen, die auf unseren bisherigen Erfahrungen beruht. Wir entscheiden uns gegen den geschlossenen Kreislauf der Vergangenheit und lassen das Wunder zu.

Ängste können zu Möglichkeiten werden

Angst im Geist ist nichts anderes als ein aktiver Angriff des Egos auf unseren Geistesfrieden. Das bedeutet, dass wir häufig eine Menge Angriffsgedanken und Gedanken des Zweifels erleben. In diesen Momenten ist es wichtig, sich den Ängsten zu stellen und wirklich zu fragen: "Wovor habe ich Angst?" Wenn wir in der Lage sind, unsere Ängste zu sehen und zu erkennen, was dahinter steckt, können wir wirklich in die Kraft kommen, uns dafür zu entscheiden, mit dem GEIST zu sein und zu erkennen, dass es nichts gibt, was uns bedrohen könnte. Die Angst wird verschwinden. Dann leben wir ein völlig angstfreies Leben, weil wir der ganzen Dunkelheit erlaubt haben, ans Licht zu kommen. Wir haben aufgehört, sie zu verstecken und zu schützen. Wir benutzen keine Verteidigungsmechanismen mehr. Wenn wir uns weigern, die Dunkelheit zu verdrängen und sie ganz hochkommen lassen, dann kommt sie, und wir kehren zurück ins Licht des heiligen Augenblicks.

Dies ist in jeder Situation wichtig, in der wir die Berufung unseres Herzens und unseren Weg zurück zum Frieden finden wollen. Wir müssen sehr ehrlich zu uns selbst sein und uns ansehen, wovor wir Angst haben, es zu verlieren. Wenn wir sehen, wovor wir Angst haben, sind wir in der Lage, dem HEILIGEN GEIST zu sagen: "Zeig mir einfach, ob es dein Wille ist." Unser Geist ist jetzt offen für alle Möglichkeiten und alle Optionen. Von einem Ort, an dem wir die Freude und den Frieden fühlen, können wir dann leicht Zugang zu tieferer Inspiration finden. Und wir werden in der Lage sein, eine Menge Zeichen und Symbole zu sehen, denn der HEILIGE GEIST gibt uns nicht nur Führung, ER gibt uns auch immer die Mittel, um tiefere Inspiration zu erreichen!

Wir dürfen den nächsten Schritt auf unserer Reise annehmen, und uns ermutigen lassen, unserem Herzen zu folgen, trotz aller Ängste, die wir vielleicht haben. Unsere Reise ist eine Reise der Inspiration - der Öffnung für alles, was mit dem HEILIGEN GEIST möglich ist.

Schuld


“Wenn du dich mit dem Ego identifizierst, musst du dich als schuldig wahrnehmen. Jedes Mal, wenn du auf dein Ego reagierst, wirst du Schuld verspüren und Bestrafung fürchten.”
(EKIW: Kapitel 5, V. 3. 5.&6.)

Es gibt keinen Unterschied zwischen der Überzeugung, dass wir persönlich schuldig sind, und dem Versuch, die Schuld nach außen zu projizieren und anderen die Schuld zu geben. Am Ende ist es immer der Glaube an die eigene Schuld. Wir fühlen uns schuldig, weil wir glauben, uns von GOTT getrennt zu haben und außerdem glauben, GOTT hätte ein Problem damit. Es ist letztendlich immer noch der Glaube an einen rachsüchtigen Gott. Im ersten Moment werden wir eine solche Aussage immer von uns weisen, mit so einer irrsinnigen Idee wollen wir nichts zu tun haben. Ja, es gibt den einen oder anderen Moment, in dem wir uns ein wenig schuldig fühlen, aber das ist doch normal, oder? Nein - das ist nicht normal, der Glaube an Schuld ist Wahnsinn.

“Das Ende der Schuld kommt so lange nicht, wie du glaubst, es gebe einen Grund für sie. Denn du musst lernen, dass Schuld immer total wahnsinnig und grundlos ist.”
(EKIW: Kapitel 13, X. 6. 2.&3.)

Was ist also die Blockade, die uns daran hindert, das wahrzunehmen, was offensichtlich da ist - die Heiligkeit und Unschuld des heiligen Augenblicks? Wenn wir uns also ehrlich die Frage stellen, was das Gegenteil von Heiligkeit ist, woran wir stattdessen glauben, ist die offensichtliche Antwort Unheiligkeit. Aber was bedeutet Unheiligkeit? Der Kurs verwendet Unheiligkeit synonym mit dem Festhalten an der Sünde, dem Glauben an die Sünde, dem Glauben an die Sündhaftigkeit.

Sünde

Es ist sehr wichtig, den Irrtum nicht mit Sünde zu verwechseln, und es ist diese Unterscheidung, die die Erlösung möglich macht. Denn Irrtum kann berichtigt und das Falsche richtiggestellt werden. Die Sünde ist kein Irrtum, denn die Sünde bringt eine Arroganz mit sich, die der Idee des Irrtums fehlt. Die Sünde verkündet, dass Angriff wirklich und Schuld gerechtfertigt ist. Die Sünde verlangt nach Strafe, wie der Irrtum nach Berichtigung verlangt, und die Überzeugung, Strafe sei Berichtigung, ist eindeutig wahnsinnig. Strafe ist nur eine weitere Form des Schutzes für die Schuld, denn das, was Strafe verdient, muss wirklich getan worden sein.

Die Sünde ist die größenwahnsinnige Illusion, die dem gesamten Größenwahn des Ego zugrunde liegt. Die Idee der Sünde ist das »allerheiligste« Konzept im Denksystem des Ego. Hierin liegt sein Panzer, sein Schutz und der fundamentale Zweck der besonderen Beziehung, wie es sie deutet. Man kann tatsächlich sagen, dass das Ego seine Welt auf der Sünde machte. Die Anziehungskraft der Schuld ist in der Sünde zu finden, nicht im Irrtum.

Das heißt, alles was im Kurs unheilig genannt wird, alles was uns davon abhält, die Heiligkeit zu erfahren, ist in der Tat die Anziehungskraft der Schuld - die sich in unserem Glauben an Schuld äußert. Vielleicht geht's dir auch manchmal so. Ich denke immer wieder mal, klar fühle ich mich manchmal ein bisschen schuldig, aber doch nicht so, dass dies so eine riesen Blockade ist, dass sie die ganze wirkliche Welt vor mir verbergen kann. Na klar fühle ich mich manchmal schuldig, aber es sind doch Kleinigkeiten, na klar fühle ich mich in meiner Rolle als Mann manchmal schuldig, weil ich manchmal denke, war ich jetzt irgendwie sexuell übergriffig, weil ich zu lange hingeguckt habe, oder ich fühle mich schuldig, weil ich denke, ich habe jetzt irgendwelche Erwartungen nicht erfüllt, oder ich fühle mich schuldig, weil ich denke ich habe irgendwas nicht gut genug gemacht, ich habe zu viel gegessen, zu wenig den Kurs gemacht, habe ich vielleicht mir selber mal was angetan oder jemandem was gesagt, was ich eigentlich gar nicht so gemeint habe, war ich vielleicht irgendwie komisch in einer Situation?

Wenn wir uns einmal wirklich intensiver mit dem Thema Schuld befassen, findet etwas ziemlich Verrücktes statt, etwas was vielleicht in unserem Alltagsbewusstsein überhaupt gar keinen Zugang findet. Wir werden feststellen, dass wir uns schon Milliarden Geschichten von Schuld erzählt haben und die meisten davon scheinen irgendwie harmlos oder natürlich zu sein.

Ich versuche dann, meine Schuldgefühle zu rechtfertigen, indem ich mir sage: Ja, das war jetzt aber wirklich nicht in Ordnung. Aber letztlich ist es doch völlig egal, wie ich mir meine Schuld rechtfertige. Es geht hier nicht darum, weltliches Verhalten zu rechtfertigen, sondern es geht darum zu spüren, äh, der "Sohn Gottes" fühlt sich schuldig und zwar wegen jedem Scheiß! In jeder Situation kann ich mir irgendwie eine Schuld daraus basteln, beim Essen, Trinken, Schlafen, Autofahren, Einkaufen, egal wo ich anfange und wo ich aufhöre. Ich fühle mich jetzt hier ein bisschen schuldig, dann ist mir das ein bisschen peinlich, das ein bisschen unangenehm, hier fühle ich mich wieder unvollkommen und nicht richtig. Diese Gedanken tauchen immer und immer wieder auf, wenn ich ganz ehrlich bin. Und hier darf ich anfangen zu graben, hier sehe ich die Oberfläche, hier sehe ich die Spitze des Eisbergs. Hier kann ich echt anfangen aufzuräumen, hier spüre ich, warum es im Kurs heißt: “Deine Heiligkeit ist deine Erlösung.” Weil ich noch überhaupt keine Vorstellung habe, wie sehr die Idee von Schuldigkeit, die Idee davon, dass ich nicht gut so bin, wie ich bin, meine Lebensqualität, meine Lebensenergie und meine Liebe, meine Natürlichkeit, mein Vertrauen in andere, einfach nur begrenzt, einfach nur untergräbt.

“Der glückliche Schüler kann sich nicht schuldig fühlen, dass er lernt. Das ist so wichtig für das Lernen, dass man es nie vergessen sollte. Der schuldlose Schüler lernt leicht, weil seine Gedanken frei sind. Doch zieht dies die Einsicht nach sich, dass Schuld Störung ist, nicht Erlösung, und überhaupt keinerlei nützliche Funktion erfüllt.”
(EKIW: Kapitel 14, III. 1. 1.-4.)

Heiligkeit ist unsere Erlösung. Wie wir uns in dieser Heiligkeit fühlen, das ist in der Tat so, als könnten wir Berge versetzen, weil uns unsere Idee der Schuld überhaupt gar keine Grenzen mehr auferlegen kann, weil uns die Heiligkeit immer von Ewigkeit und von Unverletzlichkeit und auch von unserer eigenen Harmlosigkeit erzählt. Wenn wir wirklich von Herzen daran glauben könnten, dass wir ganz und gar harmlos sind, wie frei können wir dann sein, wenn wir wüssten, dass wir in der Tat nicht verletzen können und auch nicht verletzen wollen, dass Angriff eine völlig absurde Idee ist.

Jesus drückt sich im Kurs absolut unmissverständlich aus, wenn er sagt:

"Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Die Welt, die du siehst, ist das Wahnsystem derjenigen, die die Schuld verrückt gemacht hat. Sieh dir diese Welt sorgfältig an, dann wird dir klar, dass es so ist. Denn diese Welt ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes. Kinder werden unter Schmerzen und durch Schmerzen in sie hineingeboren. Von Leiden begleitet wachsen sie auf und lernen, was Kummer, Trennung und Tod sind. Ihr Geist scheint in ihrem Gehirn gefangen zu sein, und seine Kräfte scheinen abzunehmen, wenn ihr Körper verletzt wird. Sie scheinen zu lieben, doch sie verlassen und werden selbst verlassen. Sie scheinen zu verlieren, was sie lieben; das ist vielleicht die wahnsinnigste aller Überzeugungen. Und ihr Körper welkt dahin und röchelt, wird in die Erde gelegt und ist nicht mehr. Und keinen gibt es unter ihnen, der nicht gedacht hat, dass GOTT grausam ist.

Wäre das die wirkliche Welt, dann wäre GOTT tatsächlich grausam. Denn kein VATER könnte SEINE Kinder als Preis für die Erlösung solchem unterwerfen und dennoch liebevoll sein. Die Liebe tötet nicht, um zu erlösen. Wenn sie es täte, wäre Angriff Erlösung, das aber ist des Ego Deutung und nicht diejenige GOTTES. Nur die Welt der Schuld könnte solches fordern, denn nur für die Schuldigen wäre dies denkbar. Die »Sünde« Adams hätte niemanden berühren können, hätte er nicht geglaubt, dass es der VATER war, DER ihn aus dem Paradies verstieß. Mit diesem Glauben nämlich ging die Erkenntnis des VATERS verloren, weil nur jene, die IHN nicht verstehen, dieses glauben konnten.

Diese Welt ist ein Bild der Kreuzigung von GOTTES SOHN. Und solange dir nicht klar ist, dass GOTTES SOHN nicht gekreuzigt werden kann, ist das die Welt, die du sehen wirst. Doch wird dir dies erst dann klar werden, wenn du die ewig gültige Tatsache akzeptiert hast, dass GOTTES SOHN nicht schuldig ist. Er verdient nur Liebe, weil er nur Liebe gegeben hat. Er kann nicht verurteilt werden, weil er niemals verurteilt hat. Die SÜHNE ist die letzte Lektion, die er zu lernen hat, denn sie lehrt ihn, dass er der Erlösung nicht bedarf, weil er nie gesündigt hat."

Wenn wir uns wahrhaftig dem Thema Schuld stellen, dann werden wir nochmals der Angst begegnen: Schuld muss aufgegeben, nicht verborgen werden. Auch kann dies nicht ohne einigen Schmerz geschehen, und auch einem Schimmer von der Barmherzigkeit dieses Schrittes mag eine Zeit lang ein Rückzug in die Angst hinein folgen. Denn die Abwehrmechanismen der Angst sind in sich selbst Angst erregend, und wenn sie wahrgenommen werden, bringen sie ihre Angst mit sich. Das Entrinnen aus der Angst kann nur in der Einsicht liegen, dass die Schuld vergangen und vergeben ist und sie in Wirklichkeit nie existiert hat.

Schauen wir uns das Thema Schuld einmal genauer an. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, Schuld- und Schamgefühle zu haben. Meistens verbinden wir Schuld- und Schamgefühle mit etwas in der Form, etwas, von dem wir glauben, dass wir es falsch gemacht haben, oder etwas, das wir nicht getan haben, was aber von uns erwartet wurde, oder wir haben das Gefühl, dass wir zu kurz gekommen sind. Das zeigt uns, dass Schuldgefühle immer mit einem Verhalten zusammenhängen, sei es unser Verhalten oder das Verhalten eines anderen.

Wenn wir uns weigern, uns der Schuld der Trennung zu stellen, projizieren wir diese Schuld, diese "ontologische" Schuld, auf viele verschiedene Dinge. Wir können uns wegen des Essens schuldig fühlen. Wir können uns schuldig fühlen in Bezug auf Sexualität, Körperbild oder vergangener Erinnerungen an Verhaltensweisen. Wenn wir einen Menschen treffen, der uns in die Augen sieht und uns im Geiste fragt: "Kann ich dir ein Geheimnis anvertrauen? Und wirst du mich danach immer noch lieben?" Sobald er erkennt, dass wir das tun, erzählt er uns sein tiefstes, dunkelstes Geheimnis, was ihn am meisten beschämt. Wenn jemand seine Schuld auf diese Weise offenbart, bleiben wir in der Gegenwart der Liebe und verurteilen nicht, was immer er getan hat. Und indem der Mensch es offenlegt, wird es automatisch dem HEILIGEN GEIST übergeben. Der erste Schritt, die ontologische Schuld zu enthüllen, ist getan.

Das war auch der ursprüngliche und sinnvolle Zweck der Beichte. Sie sollte dazu dienen, durch das Aussprechen privater Gedanken vor GOTT die Seele von der Last der Schuld zu befreien. Aber das Ego hat auch dieses Konzept entsprechend seinem wahnsinnigen Glaubenssystem verdreht und erst recht wieder eine Schuld und Strafe Geschichte daraus gemacht.

Das Ego agiert mit Schuldgefühlen. Deshalb verstärken wir das Gefühl der Schuld immer dann, wenn wir den Körper oder die Welt für die Zwecke des Egos benutzen. Der Zweck des Egos könnte Besitzdenken oder "bekommen" sein. Es kann sich verteidigen, angreifen, konkurrieren oder den Körper für Stolz oder Vergnügen benutzen. Die Schuld ist nicht mit irgendetwas verbunden. Es ist nur der Zweck, den wir den Dingen geben, der bestimmt, ob wir Schuld oder Frieden fühlen. Der Zweck, den wir irgendetwas geben, kann entweder die Trennung verstärken oder er kann zur Heilung und Vergebung genutzt werden.

Es ist die Aufgabe des HEILIGEN GEISTES, den Geist zu läutern. Wir müssen IHM erlauben, alles neu zu interpretieren, was das Ego geschaffen hat, einschließlich des Körpers. Das ist nichts, was wir überspringen können; es wird eine Menge Schuldgefühle geben, die auftauchen werden, während wir in dieser Welt leben.

Das Ego versucht Angst und Schuld zu minimieren, ohne sie wirklich loszulassen. Stattdessen minimiert das Ego die Angst und die Schuldgefühle so weit, dass sie erträglich sind - damit wir sie behalten!

Das Ego-Denksystem will sie nicht loswerden, also handelt es raffiniert: Es minimiert die Intensität, um uns gefangen zu halten. Es ist so, als ob wir gezwungen würden, einen Becher mit tödlichem Gift zu trinken, uns aber der Wunsch gewährt würde, zu entscheiden, wie wir es trinken mögen. Unser Wunsch war es, das Gift zuerst mit dem Ozean zu vermischen, es sich vermischen zu lassen und dann den Becher zu füllen. Das ist es, was das Ego tut; es lässt uns das Gift verdünnen, bevor wir es trinken. Es verdünnt die Schuld, damit sie unerkennbar und für den schlafenden Geist akzeptabel wird. Aber verdünntes Gift ist immer noch Gift, auch wenn es schwieriger zu erkennen ist.

Der Ursprung der Schuld

Schuldgefühle sind das Gefühl, dass etwas falsch gelaufen ist. Der Verstand ist darauf fixiert, er greift ganz automatisch nach etwas, das nicht liebevoll ist. Aber wie werden wir uns dieses Gefühls des Nicht-richtig-seins bewusst und lassen es los?

Schuld ist auch mit linearer Zeit verbunden. Projektion und Schuld sind die "Macher" der Zeit, denn ohne sie gibt es nur die zeitlose Ewigkeit, in der alles eins ist. Weil das Ego die lineare Zeit erfunden hat, sagt es uns, dass wir in der Vergangenheit schuldig waren, dass es in der Vergangenheit viel Unrecht gegeben hat und dass der gegenwärtige Moment nichts oder unbedeutend ist. Das Ego überrollt oder überspringt den gegenwärtigen Moment, in dem die Antwort des Friedens liegt, und bewegt sich in die Zukunft und lässt uns glauben, dass die Zukunft genauso sein wird wie die Vergangenheit. Diese Schuldgefühle kommen von ganz tief innen. Sie haben ihren Ursprung in dem Glauben, dass wir von GOTT getrennt sind. Das Ego-Gedankensystem benutzt die lineare Zeit, um den Geist in der Schuld gefangen zu halten, und dann hält es die Schuld durch die Wiederholung desselben Fehlers der Trennung aufrecht, immer und immer wieder. Aber das ist alles nur ein großer Trick, um das Gefühl aufrechtzuerhalten, dass wir etwas falsch gemacht haben.

Auf diese Weise hat Schuld nichts mit Verhaltensweisen zu tun. Schuld entsteht aus der zentralen Spaltung im Geist, nicht aus den Dingen in der Welt, obwohl sie sofort als die Welt der Formen nach außen projiziert wird. Das bedeutet, dass die Erfahrung von Schuld einzig und allein ein Ergebnis des Zwecks ist, den das Ego den Dingen gibt.

Der Zweck ist entscheidend, nicht das Verhalten auf der Ebene der Form. Wir können zum Beispiel essen, um unseren Körper gesund und attraktiv zu halten, und damit dem Ego folgen. Dann fühlen wir uns jedes Mal schuldig, wenn wir beim Essen über die Stränge schlagen. Wir können das Essen aber auch als Gelegenheit für heilende Begegnungen sehen, um uns mit anderen Menschen zu verbinden, mit dem einzig wahren Zweck - der Vergebung, dem Erwachen aus der Illusion der Trennung. Wenn GOTT unser Ziel ist, bei allem was wir tun, wird kein Schuldgefühl da sein.

Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewusst, und egal wie sehr wir versuchen, unser Verhalten zu ändern, die Schuld ist immer noch da. Der Glaube an die Hölle, den Teufel oder irgendeine dunkle Macht trennt den Geist von der Erfahrung, eins mit GOTT zu sein. Metaphysisch gesehen, ist es unsere eigene Schuld, die die ganze Idee einer externen dunklen Macht oder Hölle projiziert. Da das Ego an Gegensätze glaubt und Angst vor GOTT und der Liebe hat, erfindet es Ideen wie die Hölle, den Teufel und die Sünde. Es ist, als ob das Ego das, was das Heiligste sein sollte, benutzt, um den Verstand mit entgegengesetzten Ideen zu erschrecken.

Zum Beispiel ist das Christentum in seinem Kern rein. Es soll die Menschen zu GOTT führen. Die reinen Lehren Jesu - die im mystischen Christentum, im Gnostizismus und im Urantia-Buch IV zu finden sind - haben genau das zum Inhalt. Und das Ego scheint das, was am reinsten ist, zu nehmen und es dunkel zu machen, um Angst zu erzeugen. Moderne esoterische Konzepte tun genau dasselbe: Statt vom Teufel ist nun von dunklen Mächten oder einfach von den Mächtigen die Rede. Das Ego tarnt seine Strategie einfach durch neue Worte, aber es ist immer das gleiche Spiel.

Diese Trennungsschuld ist völlig unbewusst. Die meisten Menschen kommen nicht von einem emotional schlechten Tag nach Hause und sagen zu ihrem Partner: "Verdammt, es ist dieser Glaube, dass ich mich von GOTT getrennt habe; ich habe ihn den ganzen Tag über ausgelebt." Wir kommen nicht in erhöhtes Verkehrsaufkommen und sagen: "Der Kerl hat versucht, mir den Weg abzuschneiden! Ah ... schon wieder Trennung von GOTT!" Und wir essen nicht zu Mittag und sagen: "Oh, ich habe zu viel gegessen; ich fühle mich aufgebläht ... ahhh ... Trennung von GOTT." Diese Trennung von GOTT taucht auf, und wir fühlen uns so schuldig. Aber wir gehen nicht mit dem Bewusstsein durch den Tag, dass wir uns von GOTT getrennt haben. Wir sind uns nicht bewusst, dass diese Trennung unser einziges Problem ist, noch fragen wir uns, warum wir dieses Spiel immer wieder spielen. Wir sind uns nicht bewusst, dass es die ontologische Schuld ist, die all die spezifischen Probleme verursacht.

Wenn wir versuchen, unser Leben in Ordnung zu bringen oder zu heilen, konzentrieren wir uns fälschlicherweise sehr stark auf bestimmte Dinge. Der Verstand wird verworren und kompliziert; deshalb können wir jahrelang mit einem Psychotherapeuten arbeiten und nur sehr wenig Fortschritte machen - weil wir uns auf die falsche Sache konzentrieren. Es ist, als würde man die Liegestühle auf der Titanic neu arrangieren, während das Schiff untergeht. Solange wir Schuldgefühle haben, ist die tiefe Angst vor der Liebe tief in unserem Geist verankert. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, es gibt eine enorme Angst vor der Liebe. Natürlich ist es der Terror des Egos, und solange wir mit dem Ego identifiziert sind, werden wir seine Emotionen spüren. Wir werden die Schuld des Egos fühlen.

Wie das Ego Schuldgefühle ausnutzt, um uns gefangen zu halten

Wir müssen uns vom Ego trennen, es entlarven und seine Nichtigkeit zeigen. Sobald wir uns vom Ego losgelöst haben, sind wir für immer frei von Schuld. Wie also hält das Ego die Schuld aufrecht?

Es gibt eine Menge Schuldgefühle im schlafenden Geist. Das Ego nutzt Schuldgefühle, um uns in einem kleinen Selbstkonzept gefangen zu halten, das sehr begrenzt und erfahrungsgemäß sehr weit von unserem wahren SELBST entfernt ist. Es tut dies durch Erinnerungen, Konditionierung und Erwartung. Wir haben einfach immer wieder bestimmte Erinnerungen und erleben Ereignisse, die die Schuldgefühle immer wieder verstärken. Das liegt daran, dass Schuldgefühle an Verhaltensweisen gebunden sind. Aber egal, wie sehr wir uns bemühen, uns richtig zu verhalten und ein guter Junge oder ein gutes Mädchen zu sein, und egal, wie alt wir werden, wegen der Schuldgefühle scheinen wir immer noch Fehler zu machen. Und wir scheinen immer noch Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die wir mit Schuldgefühlen in Verbindung bringen. Es scheint, als wären wir mit einem Bein in einer Falle gefangen, aus der wir nicht mehr herauskommen, weil die Schuldgefühle durch die Erinnerungen und die Konditionierung immer wiederkehren. Und unsere Erwartung, dass es nun einmal so ist, projiziert die Schuld auf die Zukunft, und wir erleben sie immer wieder.

Ein Kurs in Wundern lehrt uns, dass Schuld immer völlig verrückt ist und keinen Grund hat. Das ist eine ziemlich klare Lehre von Jesus: Es gibt keinen Grund für Schuld. Andererseits heißt es: "Jeder Ärger ist nichts anderes als ein Versuch, jemanden dazu zu bringen, dass er sich schuldig fühlt." Wir können das die unheilige Dreifaltigkeit nennen: Schuld, Angst und Ärger. Sie kommen aus dem Glaubenssystem des Egos und führen zu Projektion. Projektion ist der egoische Versuch, unsere eigenen Schuldgefühle nicht wahrnehmen zu müssen, was in Wirklichkeit nur unsere Idee von Schuld und unseren Ärger aufrechterhält. Wenn also diese Emotionen in uns auftauchen, ist es wichtig, uns nicht auf Ego-Rechtfertigungen oder Rationalisierungen für sie einzulassen oder nach Ursachen in der Welt zu suchen, denen wir die Schuld geben können.

Wir können uns nur wütend, schuldig oder ängstlich fühlen, solange wir noch am Glauben an die Trennung in unserem Geist festhalten. Alle Schuld entsteht aus dem Versuch, anders zu denken, als GOTT denkt. GOTT ist Liebe und die Illusion von Schuld kann nur dadurch entstehen, dass wir Gedanken haben, die nicht von GOTT sind. Es müssen Ego-Gedanken sein, denn das ist der Glaube an die Trennung von GOTT. Ein Kurs in Wundern besagt, dass Schuldgefühle nur ein Zeichen dafür sind, dass wir nicht wissen, dass GOTT SELBST unsere Gedanken ordnet und dass wir glauben, wir könnten getrennt von IHM denken.

Was hat das mit all den Problemen zu tun, die wir in der Welt sehen? Zu glauben, wir könnten unabhängig von GOTT denken, ist "das Autoritätsproblem". Es ist der Glaube, dass wir uns selbst erschaffen können. Das Autoritätsproblem ist also eine Frage der Urheberschaft: Bin ich der Autor von mir, oder ist GOTT der Autor von mir? Bin ich so, wie GOTT mich geschaffen hat, als GEIST, oder kann ich mich selbst zu etwas anderem als GEIST machen: physischer Körper, getrennt, winzig und klein? Dies geschieht im Geist, aber es wird in die Form projiziert. Dieses egoische Spiel beginnt, wenn Kinder Probleme mit ihren Eltern haben. Denken wir an zweijährige Kinder und das erste "Nein!" in Richtung Mama oder Papa. In den Teenagerjahren intensiviert sich der Prozess noch weiter. Der Krieg beginnt vielleicht gegen die Eltern und überträgt sich auf Mitschüler und Lehrer, und dann, wenn der Mensch erwachsen wird, gibt es Autoritätsprobleme mit Polizisten, Politikern, Anwälten und Chefs. So geht es immer weiter. Es ist alles eine Projektion des ursprünglichen Autoritätsproblems, des Denkens, dass wir der Autor unseres Selbst sind.

Schuld und Urteil gehen immer zusammen. Wir urteilen, weil wir uns schuldig fühlen. Aber woher kommt die Schuld? Woher kommt dieses tiefe ontologische Gefühl der Ungerechtigkeit, der Trennung? Ich meine jetzt nicht die persönliche Schuld, dass wir persönlich unwürdig sind oder nicht gut genug, mit der die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang zu kämpfen haben. Ich meine das grundsätzliche Gefühl der Ungerechtigkeit, dass etwas dramatisch schief gelaufen ist, dass diese ganze Fragmentierung nicht gewollt war - die Kernschuld. Es kommt von dem Glauben, dass wir unsere eigenen Gedanken ordnen können, dass wir urteilen können. Es kommt davon, dass wir glauben, wir könnten tun was wir wollen.

Es ist fast wie die New-Age-Lehre, die besagt: "Erschaffe deine eigene Realität." Das ist es, was dahinter steckt: der Glaube, dass wir eine Auswahl in Zeit und Raum haben und aus all den verschiedenen Möglichkeiten auswählen und ein synthetisches persönliches Selbst schaffen können.

Mit einem Gespür für diese Dynamik, die im schlafenden Geist abläuft, können wir lernen, den HEILIGEN GEIST für uns urteilen zu lassen. Der HEILIGE GEIST, DER uns so kennt, wie wir wirklich sind, beurteilt jeden und alles als unschuldig. Wir können uns auch auf den biblischen Ausdruck beziehen: “Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!” (Lk 6,37) Darauf wurde von Jesus also schon vor zweitausend Jahren hingewiesen, aber wer lebt das wirklich? Jesus stellt uns jetzt - in diesem heiligen Augenblick - die Frage: „Möchtest du die Rückkehr in den HIMMEL immer noch aufhalten? Wie lange, o heiliger SOHN GOTTES, wie lange noch?“

Heimkehr zu unserem VATER

Jesus erzählte das Gleichnis vom verlorenen Sohn, in dem ein Sohn wegging, nachdem er um sein Erbe gebeten hatte. Er machte sich auf den Weg und verbrauchte sein gesamtes Erbe für ein ausschweifendes Leben, bis er nichts mehr hatte, bis er hungrig war, bis seine einzige Aufgabe darin bestand, die Schweine zu füttern. Der junge Mann war so hungrig, dass er die Schoten, die er an die Schweine verfütterte, am liebsten selbst gegessen hätte. Aber niemand gab ihm etwas. Und nach einiger Zeit sagte er: "Sogar die Knechte meines Vaters haben mehr als ich. Vielleicht sollte ich zurückgehen." Und er ging beschämt zurück, er ging mit Schuldgefühlen zurück. Er ging mit gesenktem Kopf zurück.

Aber noch bevor er sich seinem Zuhause näherte, kam sein Vater die Straße heruntergerannt, um ihn willkommen zu heißen, um ihn zu feiern. Auf die gleiche Weise werden unsere Scham, unsere Schuld und unsere vermeintlichen Fehler mit offenen Armen empfangen. Der Vater kann nur die Unschuld des Sohnes sehen, also feiert er ein Fest, indem er ein gemästetes Kalb schlachtet. Und dann sieht der andere Sohn, der pflichtbewusste Sohn, der Sohn, der versucht hat, auf Nummer sicher zu gehen und alles richtig zu machen, den verurteilten Bruder zurückkommen. Er sagt: "Was ist hier los? Eine Party? Ich bin hier die ganze Zeit pflichtbewusst an deiner Seite geblieben, und nicht ein einziges Mal hast du ein Kalb für mich getötet. Dieser Wanderer, dieser Verräter, dieser Schwächling, der alles vermasselt hat, den nimmst du wieder auf und feierst ein Fest?" Der pflichtbewusste Sohn ist zornig. Und der Vater sagt zu ihm: "Lieber Sohn, alles, was ich habe, gehört dir; es war schon immer deins. Aber dein Bruder, mein Sohn, er war verloren, und jetzt ist er gefunden." Es gibt nichts Wichtigeres, als gefunden zu werden, unser wahres Erbe wiederzufinden, unabhängig davon, was zu geschehen schien, als wir verloren waren.

Diese zweite Chance ist der Olivenzweig, der für jeden von uns da ist. GOTT sagt: "Nimm einfach den Olivenzweig, nimm einfach den Zweig des Friedens." Diese Erkenntnis ist es, was die Wiederkunft CHRISTI bedeutet. Es ist unsere SELBST-Erkenntnis. Wenn das Bewusstsein des wahren SELBST aufdämmert - das Wissen, dass alles vergeben ist und dass wir eins sind in GOTT, wo wir schon immer waren - wissen wir, dass wir nichts anderes sind als Geist. Dieser Geist ist ganz und vollständig. Er hat nie von Angst, Verlust und Trennung geträumt. Er ist frei und glücklich in GOTT. Er ist schuldlos - unschuldig!

Das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11–32), in dem ein Sohn in seinem Leben scheinbar alles richtig macht, tatsächlich aber komplett danebenliegt; vermittelt uns eine tiefgehende Botschaft und lehrt uns gleichzeitig viel über die Funktionsweise von Gleichnissen.

Das Gleichnis erlaubt es, gleichzeitig sehr unterschiedliche Verstandes- und Geistesebenen anzusprechen. Das Gleichnis stimuliert die Vorstellungskraft, fordert das Unterscheidungsvermögen heraus und provoziert kritisches Denken; es fördert Gleichgestimmtheit, ohne Gegensätze wachzurufen. Das Gleichnis geht von bekannten Dingen aus und führt zur Erkenntnis der unbekannten. Das Gleichnis benutzt das Materielle und Natürliche als Mittel, um das Geistige und Übermaterielle einzuführen. Das Gleichnis umgeht manches Vorurteil, führt eine neue Wahrheit sanft in das Bewusstsein ein und vollbringt all das bei einem Minimum an Abwehrreaktionen persönlichen Unwillens. Um eine Wahrheit zurückzuweisen, die in eine gleichnishafte Analogie gekleidet ist, bedarf es einer bewussten intellektuellen Tätigkeit, die die eigene Vernunft geradezu verachtet. Der Gebrauch der Unterrichtsform in Gleichnissen erlaubt es dem Lehrer, neue und sogar überraschende Wahrheiten zu vermitteln und gleichzeitig Kontroversen und den äußeren - nicht aber den inneren - Zusammenprall mit Tradition und alten Vorstellungen weitgehend zu vermeiden. Das Gleichnis hat auch den Vorteil, die vermittelte Wahrheit jedesmal ins Gedächtnis zurückzurufen, wenn man später denselben vertrauten Szenen wiederbegegnet.

Betrachten wir also das Gleichnis vom verlorenen Sohn also noch etwas genauer. Sünden, also Irrtümer, können wir ohnehin nicht vermeiden, und wenn wir dies allzu fieberhaft versuchen, verursacht dies oft noch schlimmere Probleme. Die Idee vom eigenen „gut sein“ basiert immer auf der Idee von den bösen Anderen, immer ist es jemand anderer der Schuld ist. Hier ist die zentrale Lektion, die sicherstellt, dass unser Bruder ewiglich verurteilt ist. Denn was wir sind, das wurde nun zu seiner Sünde. Vergebung dafür ist nicht möglich. Und was er tut, spielt keine Rolle mehr, denn unser anklagender Finger zeigt, in seinem Ziel unerschütterlich und tödlich, auf ihn hin. Der Finger zeigt zugleich auf uns, doch das wird in den Nebeln unter dem Gesicht der Unschuld noch tiefer versteckt. Der egoische Versuch, ein guter Mensch sein zu wollen, ist eine subtilere und raffiniertere Form der Selbsterhöhung, der Gier nach mehr, nach einer Stärkung der eigenen eingebildeten Identität oder Selbstbildes.

Die Erfahrung, dass der Weg zuerst nach unten führen muss, bevor er uns nach oben bringen kann, passt weder in unsere westliche Philosophie des Fortschritts noch zu unserem Streben nach sozialem Aufstieg oder zu unserer egoischen Auffassung von Vollkommenheit oder Heiligkeit. Doch lehren uns alle Weisheitstradition, dass es immer zutrifft. Der heilige Augustinus nannte es das «Pessachmysterium», das Mysterium des Durchgangs (durch das Schilfmeer). Es liegt in der Natur der Sache, dass der Schmerz, den die Illusion der Trennung verursacht, erst erfahren werden muss, damit der Wunsch nach Erlösung wirklich entstehen kann. Oder wie es im Kurs heißt: “Wer aber kann eine Wahl zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle treffen, solange er nicht sieht, dass sie nicht dasselbe sind?”

Niemand würde sich freiwillig für einen solchen Umbruch entscheiden; wir müssen irgendwie «hineinfallen». Wenn wir besonders sorgfältig an den Systemen zur Aufrechterhaltung unserer Überlegenheit herumtüfteln, wollen wir so etwas natürlich nicht zulassen. Manchmal sind nichtreligiöse Menschen für einen solchen Strategiewandel viel offener als religiöse Menschen, die ihren eigenen Erlösungsplan schon minutiös ausgearbeitet haben. Der pflichtbewusste Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn stellt eine Verbindung zu den Pharisäern und Schriftgelehrten zur Zeit Jesu her, die sich über Jesu Gemeinschaft mit Sündern und Zöllnern empörten und durch diese Figur angesprochen werden sollen.

Und so können auch wir uns immer wieder ehrlich die Frage stellen: Wann bin ich selbst der pflichtbewusste Sohn, der Pharisäer, der glaubt, besser oder spiritueller zu sein als jemand anderer? Wann benutze ich einen Bruder, um mich schlecht behandelt zu fühlen oder um mir Besonderheit zu beweisen?

Die erlösende Erkenntnis besteht darin: “Bruder, ich habe dir diese Rolle zugewiesen. Ich sehe das im Außen, was ich im Inneren nicht sehen will. Und dafür benutze ich dich, ja - ich benutze dich dafür, um mich schlecht behandelt zu fühlen. Im Zustand der Ego-Identifikation liebe ich Menschen nicht, sondern ich benutze sie, ich weise ihnen Rollen zu, um mir Trennung zu beweisen. Ich benutze meinen heimkehrenden Bruder, um mir Besonderheit zu beweisen, um mich besser zu fühlen. Ich benutze meinen Bruder, um meine eigenen Schuldgefühle nicht betrachten zu müssen. Damit verhindere ich Vergebung.”

Dann können wir uns ehrlich eingestehen und beten: “Dass ich dich benutzt habe, um mir Trennung zu beweisen, das tut mir leid. Ja - in meinem Leben löst das Leid aus und ich will das nicht mehr. Ich will das nicht mehr. VATER ich will mich belehren lassen, wie du uns siehst, dass wir beide aus deiner Quelle strömen, gleichermaßen nebeneinander als Brüder ewig im Geiste verbunden und einander so zu Dank verpflichtet. Lass mich das fühlen. Und lass mich spüren, wie alles andere einfach nur ein Albtraum ist. Ich öffne mich ganz und gar. Danke, danke, danke, dass uns hier nie etwas passiert ist und unsere wahre Unschuld von diesem Albtraum nie berührt wurde.“

Lassen wir Wunder anstelle von Schuldgefühlen treten

Nichts, was wir wahrnehmen, ist zufällig da; es ist genau so, wie es ist, weil unser Geist es so haben will. Indem wir uns unsere unbewusste Schuld bewusst machen und sie dann loslassen, können wir heilen und beginnen, die Welt anders wahrzunehmen. Wir haben die Wahl, wie wir die Dinge interpretieren. In Wahrheit gibt es überhaupt keine Schuld. Sie hat keinen Zweck. Nur solange wir noch ein unbewusstes Verlangen nach Schuld haben, interpretieren wir die Welt auf eine harte Art und Weise. Wir können lernen, sanfter mit uns selbst umzugehen und uns von diesen harten Interpretationen befreien und unbeschwert sein! Wir können lachen und vor Freude singen und wirklich spüren, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Warum nicht jeden Tag so sein lassen?

In unseren Herzen können wir die Unschuld finden, auch wenn die Dinge auseinanderzufallen und zu implodieren scheinen. Versuchen wir nicht, unser altes Selbst- und Weltbild zusammenzuhalten! Wir gehen nach HAUSE. Wir wachen auf. Es gibt keinen Grund, es noch komplizierter zu machen als das. Wir sind hier, um das Schuldspiel des Egos zu entlarven. Alles, was das Ego tut - jede Scham, jede Verteidigung, jeder Trick - zielt darauf ab, die Schuld aufrecht zu erhalten. Lassen wir sie aufkommen und lassen wir sie los.

Wir sind so sehr mit unseren Gedanken identifiziert, dass wir uns schuldig fühlen für unsere Angriffsgedanken. Aber wir sind nicht für den Irrtum verantwortlich und all unsere Irrtümer wurden bereits von IHM berichtigt. Unsere einzige Verantwortung besteht darin, SEINE Berichtigung zu akzeptieren! Wir haben uns nicht selbst erschaffen, sondern GOTT hat uns erschaffen. Was wir wirklich sind, ist nicht der Denker der Angriffsgedanken. Nicht umsonst erinnert uns der Kurs 22 Mal mit folgendem Übungssatz an die Wahrheit: “Mein Geist birgt nur, was ich mit GOTT denke.”

Wir müssen erkennen, wie sehr wir mit den Gedanken, die wir denken, identifiziert sind. Wenn wir Urteile auf die Welt projizieren, wie könnten wir uns dann nicht schuldig fühlen? Natürlich sind wir in Wahrheit nicht schuldig, denn GOTT hat die Schuld nicht erschaffen. GOTT hat nicht einen Strom von Schuldgedanken erschaffen und gesagt: "Das ist mein geliebter Strom von Schuldgedanken, an dem ich Wohlgefallen habe!" GOTT arbeitet nicht auf diese Weise! Nein, ER sagt: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." GOTT ist erfreut über den CHRISTUS, den CHRISTUS der reinen Liebe, der reinen Unschuld, der wir sind, und nicht ein Strom von Schuldgedanken!

Während das Ego darauf abzielt, uns schuldig zu machen, ist es die Aufgabe des GEISTES, unsere Unschuld zu beweisen. Deshalb müssen wir nach innen gehen und die Schuld zum HEILIGEN GEIST bringen. Bringen wir diese Dunkelheit ans Licht, damit wir sehen, dass die Schuld überhaupt nichts mit der Welt oder unserem Verhalten zu tun hat. Wenn wir tiefer gehen, beginnen wir zu erkennen, dass es nie einen Grund gibt, sich schuldig zu fühlen - es ist nur ein Teil des falschen Ego-Glaubenssystems. Wir beginnen zu erkennen, dass der Ausweg in Wundern liegt. Je wundersamer unser Leben wird, desto mehr werden wir gewohnheitsmäßig auf Wunder bedacht, und wir erleben die Unschuld, die aus dem Wunderbewusstsein entsteht.

Wir haben einen Schimmer dieser Unschuld bereits gehabt. Wir brauchen uns nicht zu ändern. Wir müssen nicht besser in etwas werden. Wir müssen nichts in Ordnung bringen. Wir sind einfach perfekt.


Im nächsten Kapitel werden wir noch mehr Klarheit schaffen, wenn wir uns mit der Bedeutung unserer Gedanken und der Macht unseres Geistes beschäftigen.

Denken wir an alle unsere Beziehungen. Wie würde es sich anfühlen, wenn wir sehen würden, dass jeder perfekt ist? Was wäre, wenn jemand zu uns käme und sagte: "Oh, ich fühle mich so schlecht wegen dem, was ich getan habe", und wir könnten einfach lächeln, ihn umarmen und sagen: "Ich liebe dich so sehr." Wenn wir uns selbst dieses Geschenk machen können, haben wir die Kraft, es allen zu geben: all unseren Freunden, Familienmitgliedern, Mitarbeitern und den Leuten im Supermarkt. Und es fühlt sich so gut an, dieses Geschenk zu machen. Es muss vom HEILIGEN GEIST kommen, denn das Ego könnte sich ein solches Geschenk niemals vorstellen. Es ist die größte Freude in unserem Leben, das Geschenk der Unschuld zu verschenken: "Du bist nicht schuldig; du bist unschuldig. Ich sehe dich als unschuldig, ich werde dich als unschuldig behandeln und ich werde an dich als unschuldig denken." Nur wenn wir das verschenken, was wir für uns selbst wollen, können wir der Schuld entkommen!

Private Gedanken

Wir kommunizieren durch Worte, durch Sprache und durch den Austausch unserer Gedanken. Das geschieht jeden Tag: in unseren Familien, in der Schule und am Arbeitsplatz. Wenn wir unsere Gedanken mit anderen teilen, erweitern wir unsere Sichtweise, knüpfen Verbindungen und wachsen. Die Kommunikation kann auch wortlos erfolgen und dennoch deutlich vermittelt werden, zum Beispiel durch die Körpersprache. Aber wenn wir niemanden haben, mit dem wir reden können, glauben wir, dass unsere Gedanken nicht geteilt werden. Es scheint, als könnten wir über alles nachdenken, was wir wollen, und niemand sonst weiß davon. Das ist der Glaube, dass wir in unseren Gedanken eine Privatsphäre haben. Aber unsere Gedanken allein machen die ganze (scheinbar private) Welt aus, die wir sehen.

Ein privater Geist mit privaten Gedanken scheint die Grundlage der menschlichen Existenz zu sein: Der Mensch schätzt Privatsphäre, Autonomie und Unabhängigkeit. Es wird gesagt, dass diese Dinge den Menschen ausmachen, aber das ist ein Spiel der Täuschung, eine Finte. Diese unwirklichen Konzepte und Ideen erzeugen eine Fiktion der menschlichen Rasse, eine Fiktion der Individualität und des Getrenntseins. In dieser Fiktion scheint jeder Mensch seinen eigenen Weg zu gehen und ein Leben in Abgeschiedenheit zu führen, nur um sich zu bestimmten Zeiten mit anderen zu treffen. Das hat uns noch nie dauerhaft Freude, Glück, Frieden oder Zufriedenheit gebracht. Der Glaube an die Abgeschiedenheit führt dazu, dass wir mit unseren privaten Gedanken umherwandern und uns in Zeit und Raum verlieren. Wir müssen uns einfach öffnen und teilen.

Der Drang, Dinge für sich zu behalten und nicht zu teilen, entspringt unserem Bedürfnis, uns zu verteidigen und zu schützen. Aber das Bedürfnis, sich zu verteidigen, kann nur entstehen, wenn wir uns mit einer Illusion von unserem Selbst identifiziert haben. Wenn wir einen Gedanken nehmen, der uns kommt, ein Gefühl von leichter Beunruhigung oder ein bisschen Sorge, und ihm in unserem Geist folgen, werden wir ein Bild von uns finden, das nicht unser wahres SELBST ist. Es ist ein Bild, das geschaffen wurde, um den Platz unseres wahren SELBST einzunehmen.

Es geht nicht darum, dass uns gute oder schlechte Dinge widerfahren. Wir können lernen, die Form nicht zu beurteilen und stattdessen zu sehen, dass alles eine Gelegenheit ist, unsere Ängste, Zweifel und Überzeugungen zu offenbaren. Wir haben uns daran gewöhnt, Dinge anzunehmen, sie persönlich zu nehmen, uns schlecht zu fühlen und das Gefühl zu haben, dass wir es nicht wert sind, etwas mitzuteilen, nicht wert zu sein.

Das Erleben und Wahrnehmen einer äußeren Welt hat seine Wurzeln im Verstecken und Festhalten an privaten Gedanken. Wenn wir uns unserer Gedanken und Überzeugungen bewusster werden, werden wir feststellen, dass das, was in der Form zu geschehen scheint, mit unserer inneren Gefühlserfahrung verbunden ist. Die innere und die äußere Welt sind nicht wirklich verschieden; sie verschmelzen. Es scheint, als gäbe es eine Welt außerhalb des Geistes, aber in Wirklichkeit ist sie nicht da draußen. Sie ist ein Synonym für den Geist. Das bedeutet, dass wir wirklich keine zwischenmenschlichen Beziehungsprobleme haben. Wir haben wirklich keine körperlichen Probleme. Wir haben wirklich keine Probleme mit dem, was mit der Umwelt passieren könnte. Es ist alles in unserem Geist. Es ist alles geistig.

Der zentrale private Gedanke

Auf unserem Weg der Befreiung geschieht die große Veränderung, wenn wir unsere privatesten Gedanken ans Licht bringen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben. Unter all den anderen gibt es ein zentrales Geheimnis, das unerträglich ist, wenn man es versteckt behält, und das ist diese Idee: "Ich bin von Gott getrennt." Dieser zentrale private Gedanke markiert die Geburt eines Glaubens an die Zeit und projiziert eine ganze Welt. Dieser Gedanke bringt alles, was Angst macht, "nach draußen", ebenso wie das, was als angenehm empfunden wird. Hier kommen Überzeugungen wie Freude und Schmerz ins Spiel, die versuchen, die Vorstellung zu verstärken, dass wir ein Körper sind. Wir können sagen, dass Gedanken der Wertschätzung des Körpers und der Identifikation mit ihm verwässerte private Gedanken sind, die den zentralen privaten Gedanken der Trennung überdecken. Im Grunde genommen sind alle Gedanken, die ein "Ich" und ein "Du" trennen, private Gedanken.

Gedanken, die uns von der Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks wegführen, oder alle Gedanken, die mit Zeit zu tun haben, sind private Gedanken. Das liegt daran, dass die Zeit, wie sie vom Ego verwendet wird, die Erfahrung der Gegenwart, das Wunder, ausschließt. Ein privater Gedanke bezieht immer die Vergangenheit oder die Zukunft auf die eine oder andere Weise mit ein. Das Bedauern über etwas, das in der Vergangenheit geschehen zu sein scheint, oder die Sorge über etwas, das in einer hypothetischen Zukunft geschehen kann, sind Beispiele dafür. Diese Gedanken, oft Sorgen, Befürchtungen oder sogar Hoffnungen, betreffen nur die Wahrnehmung einer einzelnen Person. Sie werden daher auch als hypothetische Gedanken bezeichnet. Hypothetisch gesprochen, als ob in der Zukunft etwas eintreten könnte oder nicht. Wenn wir unsere Gedanken wirklich beobachten, werden wir feststellen, dass es eine Menge hypothetischer, privater Gedanken gibt. Einige davon werden als sehr wünschenswert eingestuft, was erklärt, warum wir immer wieder an sie denken. Manche sind sehr ängstlich oder besorgniserregend und mit vielen Zweifeln, Ärger und Schuldgefühlen verbunden. Aber sie sind alle Teil eines Mechanismus, der uns ablenkt und uns davon abhält, den gegenwärtigen Moment zu erleben.

Der HEILIGE GEIST weiß, dass der schlafende Geist stark in private Gedanken investiert ist. Wenn das SELBST verwirklicht ist und es eine Erfahrung des reinen Einsseins gibt, gibt es keine Erfahrungen mit privaten Gedanken mehr, aber die Bedingung, in dieser Welt zu sein, ist, an diese Gedanken zu glauben. Man glaubt sogar, dass sie die einzige Realität sind. In Wahrheit haben wir also keine privaten Gedanken, aber als getrenntes Selbst sind uns nur die privaten Gedanken bewusst. Das muss bedeuten, dass das getrennte Selbst nicht das ist, was wir sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass private Gedanken aus einem individuellen Geist kommen, mit Erinnerungen und Gedanken an die Vergangenheit sowie Zukunftsplänen und Vorfreude auf Dinge. Indem wir also all unsere Gedanken dem HEILIGEN GEIST und vielleicht einem sehr vertrauenswürdigen Freund offenlegen, öffnen wir uns für eine ganz andere Erfahrung, als wir sie je zuvor gemacht haben.

Wir bemerken immer wieder, dass mit privaten Gedanken viele Emotionen verbunden sind, und deshalb kann es den Anschein haben, dass die menschliche Existenz eine einzige emotionale Achterbahnfahrt ist. Auf und ab. Oft wird sogar gesagt: "Das Leben ist dazu bestimmt, eine Reihe von Herausforderungen zu meistern" und "Es ist unvermeidlich, dass jeder Tag voller Herausforderungen ist." Und das ist eine Erfahrung, die die meisten Menschen machen, die sich ausschließlich auf diese privaten Gedanken und die damit verbundenen Gefühle stützen. Wenn wir den Willen GOTTES für uns definieren müssten, dann wäre es vollkommenes Glück. GOTTES Wille ist definitiv nicht eine Achterbahnfahrt der Gefühle und schmerzhafte Erfahrungen. Deshalb scheint es viel bewusste Bereitschaft zu erfordern, private Gedanken ins Bewusstsein zu lassen und dann bereit zu sein, sie nicht zu schützen, sie nicht zu unterdrücken oder zu verdrängen und sie nicht zu leugnen. Erlauben wir ihnen einfach, ins Bewusstsein zu kommen, und lassen wir sie dann los, um sie dem HEILIGEN GEIST zu übergeben.

Das ist nicht wie bei vielen spirituellen Konzepten, wo uns beigebracht wurde, das Positive zu betonen und das Negative zu eliminieren oder positive Affirmationen zu verwenden. Das ist ein beliebtes Konzept auf dem spirituellen Weg, als ob man einfach das Negative eliminieren könnte und dann nur noch positive Gedanken in seinem Geist hätte. Aber die positiven und die negativen Gedanken kommen beide aus einer dualistischen Perspektive, sie sind Teil eines Kontinuums, und genau dieses Kontinuum ist die Blockade.

Die Erlangung von Glück und innerem Frieden ist also eine Frage der Bereitschaft, private Gedanken nicht zu verstecken und zu schützen. Weil wir unsere privaten Gedanken als schrecklich oder falsch beurteilen, verstecken wir sie. Es gibt eine Maske, die der Geist trägt. Er trägt die Maske der Persönlichkeit mit den zugrunde liegenden Überzeugungen und Gedanken, vor denen er zu viel Angst hat, weil er sie für real hält. Wir glauben, wenn die Menschen von diesen Gedanken wüssten, würden sie nicht in unserer Nähe sein wollen.

Aber wenn wir diese privaten Gedanken mehr und mehr preisgeben, kommen wir an einen Punkt, an dem wir sagen: "Aaah, das sind nur Gedanken in meinem Kopf. Ich kann nicht glauben, dass ich so lange an ihnen festgehalten habe." Der einzige Weg zu unserem wahren Selbst oder zu diesem Gefühl der Unverwundbarkeit und des ständigen Glücklichseins besteht darin, die Maske loszulassen, den Teil von uns, der eine Rolle als persönliches Selbst spielt. Lassen wir den Glauben los, dass diese Gedanken wirklich das sind, was wir sind, und hinterfragen wir die Gültigkeit dieser Gedanken. Das Ego hat sie so eingerichtet, um die Wahrheit darüber, wer wir sind, zu verschleiern. “Und doch ist es nur das Verborgene, das erschrecken kann, und nicht um dessentwillen, was es ist, sondern um seiner Verborgenheit willen.” Das Ego hat all die Unterschiede geschaffen, die zu all den privaten Gedanken geführt haben. Deshalb können wir nur durch das Bewusstsein, dass es keine privaten Gedanken gibt, die Freiheit und die Liebe erkennen, wie sie wirklich ist, die Liebe, die im Kern unseres Wesens ist, die Liebe, die unser wahres, göttliches SELBST ist.

Sich öffnen, teilen und frei sein

Wir verstecken unsere Gedanken nur aus Angst und Schuldgefühlen, und das ist nur ein Festhalten an einer vorgetäuschten Identität der Schuld. Wenn wir private Gedanken wirklich dem HEILIGEN GEIST überlassen, lassen wir sie für immer los. Es ist wie ein Gespräch mit dem besten Freund. Der beste Freund nimmt diese Gedanken nicht ernst und lacht vielleicht, wenn wir sie ihm mitteilen, und dann lachen auch wir, weil wir sehen, wie albern sie sind. Auf diese Weise geschieht Heilung.

Wir haben vom tiefen Wert der Kommunikation gehört und ihn oft gespürt. Der heilige Augenblick ist die Erfahrung der totalen Kommunikation. Wir können es Kommunion nennen. Kommunion mit GOTT ist totale Kommunikation, bei der alles offen ist. Auf dem ganzen Weg zur Erleuchtung und SELBSTverwirklichung geht es darum, die privaten Gedanken freiwillig, bereitwillig und sanft in unser Bewusstsein zu lassen. Wenn wir sehen, dass sie uns nicht mehr dienen, erkennen wir, dass wir sie nicht zum Überleben brauchen. Wir brauchen sie nicht, um uns wohl zu fühlen. Wir werden uns entspannen, in den gegenwärtigen Moment eintauchen und erfahren, dass alles, was wir jemals wollen oder brauchen könnten, in diesem Moment ist.

Es braucht viel Vertrauen, um Gedanken loszulassen, von denen wir glauben, sie brächten Sicherheit, Geborgenheit und viele, viele wünschenswerte Dinge. Aber sie haben nicht wirklich zu Sicherheit geführt. Sie haben uns nur vom gegenwärtigen Moment der Erfahrung ferngehalten. Wenn wir tiefer gehen, erhalten wir Einsichten darüber, dass unser tägliches Leben nur das widerspiegeln kann, was in unserem Geist ist - unsere Gedanken. Arbeiten wir mit den Gedanken, die immer wieder auftauchen; es sind Themen und Möglichkeiten, die nur darauf warten, aufgelöst zu werden. Versuchen wir, die Heilung, die immer stattfindet, nicht zu stören.

Wenn wir offenen Herzens sind und wir uns in einem rechtgesinnten Geisteszustand befinden, werden manchmal Menschen den starken Wunsch verspüren, sich uns zu öffnen und mitzuteilen, was in ihrem Herzen ist. Manche Menschen legen ihre dunkelsten Geheimnisse, ihre tiefste Scham oder ihre tiefste Angst offen. Dies ist ungeheuer aufrichtig und schön. Es ist wunderschön, vom HEILIGEN GEIST als Instrument der Unschuld und der Heilung eingesetzt zu werden. Wenn wir in dieser Geisteshaltung mit jemandem zusammensitzen, sagen seine Augen oft: "Kann ich dir vertrauen? Wirst du mich noch lieben, wenn ich die nächsten Worte zu dir sage?" Und dann tun sie es. Was auf diese Gespräche folgt, ist in der Regel ein Moment funkelnder Augen, und wir sind beide in Glück und Liebe, weil die Liebe GOTTES alles übersteigt, was das Ego sich ausdenken kann, jede Erinnerung, jede Wahrnehmung. Wir machen die Erfahrung unserer göttlichen Unschuld, und das ist es, was wir uns alle wünschen.

Ein sehr hilfreicher Schritt, um die Welt nicht so ernst zu nehmen und die Dinge nicht persönlich zu nehmen, ist ein sicheres Umfeld, eine sichere Atmosphäre wie ein bester Freund, bei dem wir unsere privaten Gedanken und Sorgen loswerden können. Stellen wir uns vor, wir hätten jemanden, vielleicht unseren Ehepartner, einen Arbeitskollegen, einen engen Freund oder einen Verwandten, dem wir einfach unser Herz ausschütten können, weil wir wissen, dass er uns liebt. Wir vertrauen ihm und wissen, dass er nichts von dem, was wir sagen, persönlich nehmen wird; wir können all die dunklen Dinge aussprechen. Ich sehe darin, den ursprünglichen Sinn des Beichtstuhls in der katholischen Kirche - sich zu entlasten. Mit jemandem zu sprechen, der liebevoll und fürsorglich ist, ist ein Symbol dafür, dass man alles GOTT überlässt und an nichts mehr festhält. Je mehr wir sagen: "Ich will heilen; ich will das zur Sprache bringen, loslassen und übergeben", desto mehr hören wir, wie andere genau die gleichen Gedanken und Gefühle äußern. Und wenn wir derjenige sind, der ihnen zuhört, denken wir: "Oh, wie können sie das von sich denken? Wie konnten sie das glauben? Ich fühle Liebe für sie; sie sind wunderbar.” Und das Gefühl ist: “Ich liebe dich,” wenn die privaten Gedanken ausgedrückt werden!

Der Film Wie im Himmel ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Aussprechen privater Gedanken unter SEINER Führung zur Befreiung aller Beteiligten führt.

Ganz gleich, ob wir Gedanken preisgeben oder hören, wie jemand anderes private Gedanken äußert, wir sehen klar, dass es das Ego ist, das entblößt wird, und dass es nicht das ist, was wir oder sie sind. Wir können diese Gedanken wirklich sehen, und sie werden leichter und leichter und lustiger und lustiger. Was wirklich kraftvoll ist, ist, dass wir nicht versuchen, die Gedanken zu korrigieren oder die Geschichte anzupassen. Wir lassen sie einfach los, damit ein tieferes Bewusstsein an die Stelle der geschäftigten Gedanken treten kann. Die Probleme lösen sich einfach auf, und wir erkennen, dass der HEILIGE GEIST wirklich der Heiler ist. Es ist das Üben des Gebets, Illusionen der Wahrheit zu bringen und zu beten, die Dunkelheit zum Licht der Liebe zu bringen, das die Heilung bringt!

Übung: Private Gedanken ausdrücken

Ein großes Missverständnis in Bezug auf private Gedanken ist die Vorstellung, dass wir all den Wahnsinn, den wir in unserem Geist haben, vor allen anderen - und das bei jeder Gelegenheit - aussprechen müssten. Was Jesus uns im Kurs sagt, ist, dass wir keine privaten Gedanken gegenüber dem HEILIGEN GEIST verstecken oder schützen dürfen, wenn wir Erlösung wollen. Wann es hilfreich ist, diese privaten Gedanken auch einem anderen Menschen gegenüber auszusprechen, sollten wir auch SEINER Führung überlassen. Außerdem geht es beim Aussprechen privater Gedanken nicht darum, unsere Urteile über andere Menschen als persönliche Wahrheit verkaufen zu wollen. Wenn es etwas zum Aussprechen gibt, dann ist es der Umstand, dass der eigene Geist immer noch voller Urteile ist, und das Eingeständnis der Angst, die mit diesen Urteilen verbunden ist. Aber in der Regel geht es nicht darum, die konkreten Urteile über andere Menschen auszusprechen, denn dadurch würde ihnen nur eine Wirklichkeit verliehen, die sie nicht haben. Es geht beim Aussprechen um unsere eigenen dunkelsten Geheimnisse, unsere eigene tiefste Scham oder unsere eigene tiefste Angst. Eine hilfreiche Übung im Umgang mit privaten Gedanken ist es, private Gedanken aufzuschreiben:

Teil 1: Schreiben wir einen Brief

Stellen wir uns eine Person vor, der wir voll und ganz vertrauen können, der wir alles sagen können und die uns nicht verurteilen wird. Diese Person kann real oder imaginär sein; wir könnten sogar an den HEILIGEN GEIST schreiben. Dieser Freund hört uns liebevoll zu und lässt sich von nichts, was wir sagen, oder von den Gedanken, für die wir uns schämen, beeinflussen. Es ist jemand, der uns mit einem fürsorglichen Herzen zuhört und uns bedingungslose Liebe schenkt.

Wir werden nun einen Brief an diesen Freund schreiben. Setzen wir uns ruhig hin und lassen wir alle privaten Gedanken in unseren Kopf kommen. Schreiben wir unsere Gedanken in diesem Brief auf: Gedanken, die wir versteckt haben, Gedanken, die Angst verursachen, Gedanken, die wir verurteilen, Gedanken, von denen wir glauben, dass sie andere dazu bringen würden, uns zu verurteilen, Gedanken, für die wir uns schämen, lieblose Gedanken, die wir anderen oder uns selbst gegenüber haben, Gedanken, von denen wir befürchten, dass sie eine Person dazu bringen würden, uns ihre Liebe zu entziehen.

Erinnern wir uns daran, wie wichtig es ist, private Gedanken ans Licht zu bringen: Wenn etwas verborgen ist, kann es nicht geheilt werden. Atmen wir tief durch und schreiben wir weiterhin alle versteckten Gedanken und Gedanken auf, die so unerträglich sind, dass wir es vermieden haben, sie aufzuschreiben. In der Aufdeckung dieser Gedanken liegt die Heilung. Sie können jetzt aufgegeben werden. Dieser Brief ist ein Beweis dafür, dass wir bereit sind, alles anzuschauen, was auf unserem Weg zur Heilung auftaucht.

Wenn wir mit dem Schreiben fertig sind, setzen oder stellen wir uns vor einen Spiegel und lesen wir unseren Brief laut vor. Erlauben wir uns, die auftauchenden Emotionen zu fühlen, in dem Wissen, dass es eine liebevolle Präsenz gibt, die uns unabhängig von diesen Gedanken bedingungslos annimmt.

Die nächsten Schritte sind uns überlassen. Wir können diesen Brief aufbewahren, ihn mit einem vertrauenswürdigen Freund teilen oder ihn sogar verbrennen, wenn uns nach einem symbolischen Akt des Loslassens dieser alten Gedanken der Sinn steht. Diese Gedanken haben keinen Einfluss auf unseren Wert. Wichtig ist, dass wir unseren privaten Gedanken erlaubt haben, an die Oberfläche zu kommen, sie anzuerkennen und sie dann loszulassen.

Nehmen wir uns nach dieser Übung viel Zeit, um uns zu erholen und auszuruhen. Lassen wir alle verbleibenden Emotionen, Gedanken oder Selbstverurteilungen vorüberziehen; lassen wir sie den Frieden, der unser Geburtsrecht ist, nicht behindern. Wenn wir in der Lage waren, uns dieser Übung vollständig hinzugeben, werden wir eine tiefere Akzeptanz unserer selbst und eine Würdigung der Heilung spüren, die wir erfahren.

Teil 2: Sich ins Freie wagen

Gehen wir die folgenden Fragen langsam durch, eine nach der anderen. Schreiben wir in unserem Tagebuch andächtig unsere Gedanken und Antworten auf, ohne die nächste Frage vorher zu lesen.

  1. Wählen wir eine intime Beziehung oder eine Freundschaft, in der wir bemerken, dass wir uns zurückhalten, unsere Gedanken und Gefühle zu äußern.

  2. Fragen wir uns, warum wir glauben, dass wir uns in dieser Beziehung zurückhalten, unsere Gedanken auszudrücken.

  3. Wie fühlen wir uns, wenn wir uns zurückhalten? Wie reagieren wir?

  4. Was befürchten wir, was passieren wird, wenn wir authentisch und transparent mit unseren Gedanken sind?

  5. Wie würde sich unser Leben verändern, wenn wir uns erlauben würden, das, was wir denken und fühlen, den Menschen, die uns am nächsten stehen, mitzuteilen?

Im Licht der Liebe löst Kommunikation das Ego auf

Sobald wir alles offengelegt haben, wird der HEILIGE GEIST in uns sich ausdehnen wollen, aber das Ego hat Angst davor, so dass dies ein weiteres Hindernis sein kann, das es zu überwinden gilt. Das Ego wird wollen, dass wir uns zurückhalten, dass wir unsere Liebe, unsere Freude und unser Glück verschlossen halten. Erlauben wir uns, uns mitzuteilen, es einfach herausfließen zu lassen, damit wir erkennen können, dass wir keine Angst vor dieser Liebe haben müssen. Die Liebe strömt durch uns hindurch, drückt sich durch uns aus, wie eine reinigende, läuternde Erfahrung, und es ist nur das Ego, das sich fürchtet. Machen wir uns bewusst, dass das Ego weiß, dass es aufgelöst wird, wenn die Liebe weiter aus uns herausströmt. Das Ego will existieren, also wird das Verstecken für das Ego zu einer Frage des Überlebens.

Die Entscheidung für das Ego, indem wir selbst liebevolle private Gedanken für uns behalten, ist oft eine unbewusste Entscheidung. Es ist der Glaube, dass man Gedanken hegen kann, die man nicht teilen möchte, und dass es sicher ist, die Gedanken für sich zu behalten. Denn mit privaten Gedanken teilen wir nur das mit, was wir selbst mit anderen teilen möchten. Dadurch wird das Potenzial für eine vollständige Kommunikation mit den Menschen um uns herum und mit GOTT, der uns alle gemeinsam umgibt, ausgeschaltet. Jeder Gedanke, den wir versteckt halten, verschließt die Kommunikation. Öffnen wir uns also weiterhin für den Austausch und die Ausdehnung der Liebe, und die Hindernisse und die Angst des Egos werden verschwinden.

Solange wir der Vorliebe des Egos nachgeben, private Gedanken zu haben und sie zu behalten, können wir den heiligen Augenblick nicht erleben. Der heilige Augenblick findet im gegenwärtigen Moment statt, ohne die Ego-Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft. Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der wir vollkommene Kommunikation empfangen und geben. Es ist ein Moment in der Zeit, in dem unser Geist offen ist, sowohl zu empfangen als auch zu geben. Der heilige Augenblick ist die Akzeptanz des einzigen Willens, der alle Gedanken beherrscht. Auf diese Weise erfahren wir die Wunder, derer wir uns bisher nicht bewusst waren. In der heiligen Erfahrung dieses Augenblicks versucht der Geist, nichts zu verändern, sondern lediglich alles zu akzeptieren. Dieser heilige Augenblick, dieser Moment, ist die Erkenntnis, dass alle Geister in Kommunikation sind.

Führung

Im Vorwort zum Textbuch des Kurses, das Helen Schucman etwa ein Jahr nach Erscheinen des Kurses schrieb, hielt sie fest: Er ist nicht als Grundlage für einen weiteren Kult gedacht. Sein einziger Zweck ist, einen Weg zur Verfügung zu stellen, der es einigen Menschen ermöglichen wird, ihren eigenen inneren Lehrer zu finden.

Geistestraining und Führung bringen den Kurs auf die Ebene der praktischen Anwendbarkeit. Geistestraining ist auch Teil vieler anderer spiritueller Wege, aber die Führung durch den HEILIGEN GEIST wird nur selten betont. Dabei ist gerade dies der entscheidende Aspekt auf dem Weg des spirituellen Erwachens, denn Führung befreit uns am schnellsten von Zeit, Schuld und Angst. Ob wir diese innere Führung nun HEILIGER GEIST oder SPIRIT nennen und ob wir sie konkret als Krishna, Jesus oder in einer anderen Form erfahren, spielt keine Rolle.

Doch denken wir an die vielen Arten, auf die wir versucht haben, Erlösung unter der Führung des Ego zu finden. Haben wir sie gefunden? Waren wir wirklich glücklich? Haben wir beständigen Geistesfrieden erreicht? Haben wir den glückseligen Zustand völliger Unschuld erfahren, der unser wahres Erbe ist? Wir brauchen sehr viel Ehrlichkeit, um uns einzugestehen, dass es niemals vernünftig war, Glück von irgendetwas zu erwarten, was das Ego jemals vorschlug. Wir können uns vom Ego nicht die Befreiung vom Ego erwarten. Und doch ist das Ego die einzige Alternative zur STIMME des HEILIGEN GEISTES. Wenn wir nicht auf IHN hören, hören wir auf das Ego.

GOTTES Heilsplan gelingt einfach deshalb, weil, wenn wir SEINER Führung folgen, wir dort nach der Erlösung suchen, wo sie ist. Wenn wir aber Erfolg haben wollen, wie GOTT es uns verspricht, müssen wir bereit sein, sie nur dort zu suchen. Sonst ist unser Sinn und Zweck gespalten, und wir versuchen, zwei Heilsplänen zu folgen, die einander in jeder Hinsicht diametral entgegengesetzt sind. Das Ergebnis können nur Verwirrung, Elend und ein tiefes Gefühl des Versagens und der Verzweiflung sein.

Die letzten Lektionen des Kurses 361-365 lauten daher alle gleich:

„Diesen heiligen Augenblick möchte ich DIR geben.
Hab Du die Führung. Denn DIR möchte ich folgen,
gewiss, dass DEINE Anleitung mir Frieden bringt.“

Am Anfang des Weges ist es oft so, dass wir die innere STIMME für GOTT selten direkt hören, aber wenn wir uns SEINER Führung anvertrauen, wird ER Wege finden, uns zu erreichen. Wir können IHN jederzeit fragen, was auch immer. Er wird einen Weg finden, um uns die Antwort zu geben. Dazu wird ER sich des ganzen Universums bedienen. Also seien wir wachsam. Wir können den Kurs selbst als Orakel verwenden. Aber auch ohne Buch wird ER uns immer erreichen, wenn wir bereit dafür sind. Wir halten einfach die Augen offen. Wir hören zu: den Worten des nächsten Liedes, dem wir lauschen. Wir achten auf die Information im nächsten Artikel, den wir lesen. Das Thema des nächsten Films, den wir uns anschauen. Die beiläufige Äußerung der nächsten Person, die wir treffen. Oder das Flüstern des nächsten Flusses, des nächsten Ozeans, der nächsten Brise, die unser Ohr liebkost - all das sind SEINE Mittel -, all diese Wege stehen IHM offen. ER wird zu uns sprechen, wenn wir zuhören. ER wird zu uns kommen, wenn wir IHN einladen. ER wird uns dann zeigen, dass ER immer da war. Überall.

Es ist ein häufiges Problem, aus Gewohnheit zu entscheiden, was zu tun ist, bevor wir um Führung bitten. Es ist eine Gewohnheit eines Geistes, der glaubt, ein menschliches Wesen zu sein - ein Geist, der glaubt, ein "Handelnder" zu sein. Seelenfrieden kann nur entstehen, wenn wir die Gewohnheit ablegen, erst zu entscheiden, was wir tun sollen, und dann um Führung zu bitten. Wir müssen es uns zur Gewohnheit machen, den HEILIGEN GEIST wirklich zu fragen, was ER von uns möchte, das wir tun und sagen. Die Offenheit, um Führung zu bitten, macht die schreckliche Unabhängigkeit und Autonomie der Trennung rückgängig und öffnet uns für eine natürliche Erfahrung der GOTT-Abhängigkeit.

In einem kindlichen Zustand des Nichtwissens zu sein, ist einer der wichtigsten Schritte, um zu lernen, die innere Stimme des GEISTES zu hören und ein Leben ohne Angst zu beginnen. Kinder sind ein wunderbares Beispiel für ihr großes Vertrauen. Kleine Kinder, die mit ihren Eltern spazieren gehen, sind wunderbar zu beobachten, weil sie ihre Hand heben und darum bitten, geführt zu werden. Ihr Geist ist offen und aufnahmebereit, um zu entdecken und zu lernen, weil sie darauf vertrauen, dass sie sicher geführt werden und ihnen der Weg gezeigt wird. Ein erster Schritt zu diesem Zustand des "Ich weiß nicht" und des Geführtwerdens besteht darin, den Geist zu öffnen und bereit zu sein, unsere Vorstellungen darüber zu lockern, was irgendetwas bedeutet. Das Ziel ist es, von dieser Stimme so innerlich geführt zu werden, dass wir keine "Hinweise" mehr von der äußeren Welt annehmen, es sei denn, wir erkennen sie als GEIST-voll.

Wenn du gelernt hast, wie man mit GOTT entscheidet, werden alle Entscheidungen so leicht und richtig wie das Atmen. Es bedarf keiner Mühe, und du wirst so sanft geleitet, als würdest du im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen. Nur dein eigenes Wollen scheint das Entscheiden so schwer zu machen. Der HEILIGE GEIST wird nicht zögern, dir jede deiner Fragen zu dem, was du tun sollst, zu beantworten. ER weiß es. Und ER wird es dir sagen und es dann für dich tun. Du, der du müde bist, wirst sehen, dass das erholsamer als Schlaf ist. Du kannst deine Schuld in den Schlaf mitnehmen, aber nicht in dies hinein.”
(EKIW: Kapitel 14, IV. 6.)

Führung bedeutet nicht, unser weltliches Leben in den Griff zu bekommen und zu verbessern. Ziel und Zweck der Führung ist der heilige Augenblick.

Eine Frage, die im Zusammenhang mit dem Thema Führung irgendwann zwangsläufig auftaucht, ist: Wenn das Drehbuch geschrieben ist, warum spielt Führung dann eine Rolle? Wenn alles, was wir wahrnehmen, nur Vergangenheit ist, wozu brauchen wir dann Führung? Das-Drehbuch-ist-geschrieben ist ein sehr, sehr hoher Geisteszustand, und der einzige Weg, diesen Geisteszustand zu erreichen, ist ganz praktisch, auf Führung zu hören - durch all unsere Filter und Vorstellungen von dem, was wir glauben, wer wir sind. Solange wir glauben, eine Person zu sein, und solange wir glauben, in Zeit und Raum zu sein, ist Führung etwas sehr Praktisches, denn sie kommt durch unsere Filter und erreicht uns in einer Sprache, die wir verstehen können, auf eine Weise, die uns relevant erscheint, und auf eine Weise, die uns hilfreich erscheint. Die Metapher “Drehbuch” verweist auf eine lineare Angelegenheit und ist damit selbst Teil der Illusion von Raum und Zeit und damit nicht der heilige Augenblick, in dem alles simultan geschieht. Und natürlich gibt es im HIMMEL, im vereinten, reinen GEIST, keine Führung, weil es keine Notwendigkeit dafür gibt.

Der erwachte GEIST braucht keine Hilfe, aber wir, die wir Trennung träumen, brauchen Hilfe. Daher beten wir: “Ich glaube, ein Mensch zu sein, HEILIGER GEIST, hilf mir, erreich mich durch diesen Filter, zeige mir den Weg, führe mich, mache es offensichtlich, damit ich erkennen kann, was mich blockiert und scheinbar trennt von meiner Wirklichkeit als SOHN GOTTES.”

Ein besonders berührendes Beispiel für Führung ist Svavas Reise mit Ein Kurs in Wundern und ihre Beziehung zu Jesus:



Vertrauen

Vertrauen ist die wichtigste Eigenschaft, die wir kultivieren müssen, wenn wir unsere spirituelle Reise beginnen. Dann werden andere Eigenschaften folgen, wie Ehrlichkeit, Sanftmut und Freude. Sie alle beruhen auf Vertrauen. Deshalb ist Vertrauen in den HEILIGEN GEIST so wichtig.

Lektion 24 “Ich nehme nicht wahr, was zu meinem Besten ist.” und Lektion 25 “Ich weiß nicht, wozu irgendetwas dient.” weisen uns gleich zu Beginn des Kurses darauf hin, warum Vertrauen im Prozess des spirituellen Erwachens wichtig ist. Auf dem spirituellen Weg können viele Dinge geschehen, die wir aus der Sicht des Ego-Denksystems vielleicht als Katastrophe empfinden, und gerade in diesen Momenten ist das Vertrauen in den HEILIGEN GEIST enorm wichtig. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder das Ende einer Beziehung können für unseren Befreiungsprozess hilfreich sein, auch wenn wir es im Moment des Geschehens als Katastrophe erleben.

Der größere Plan des Heiligen Geistes

Wenn es um Arbeit, Karriere, Beziehungen, Häuser und unsere körperliche Gesundheit geht, scheinen wir unseren persönlichen Entscheidungen eine große Bedeutung beizumessen. Es ist, als ob wir alles selbst in die Hand nehmen wollen. Wir sagen zum HEILIGEN GEIST: "Du hilfst mir einfach, friedlich zu sein, und den Rest erledige ich schon selbst. Ich kümmere mich um die Kinder, den Job, das Haus und die Menschen." Es ist, als würden wir sagen: "Du gibst mir den Frieden, und ich werde mein Leben führen." Wir erkennen nicht, dass diese Ziele nicht zusammenpassen. Wenn wir versuchen, einige Aspekte unseres Lebens zu steuern, stellen wir unsere Persönlichkeit an die erste Stelle und den HEILIGEN GEIST an die zweite.

"Vertraue Gott, aber binde dein Kamel an"

Das Sprichwort ist auch im deutschen Sprachgebrauch bekannt und geht auf eine Überlieferung des Propheten Muhammad zurück. Hintergrund ist, dass ein Beduine, der eine Rede des Propheten Muhammad über das Vertrauen in Gott gehört hatte, diesen fragte, ob es bei diesem Vertrauen in Gott notwendig sei, sein Kamel anzubinden, damit es nicht weglaufe.

Im Original der Überlieferung, heißt es allerdings nicht "aber", sondern "und". Zudem ist die Reihenfolge anders, also: "Binde dein Kamel an und vertraue Gott". Der Wechsel von "und" zu "aber" ist wahrscheinlich bei der interkulturellen Übertragung vom Islam zum Christentum erfolgt, da die beiden Religionen damals eine unterschiedliche Einstellung zur Naturwissenschaft hatten.

Dieses Zitat richtig verstanden bedeutet, dass ein Leben der Hingabe zu führen nicht bedeutet, die Verantwortung abzugeben. Die Übung besteht darin, darauf zu vertrauen, dass wir innerhalb unserer Verantwortlichkeiten auf eine Weise geführt werden, die Angst und Kontrolle abbaut. Unsere einzige wahre Verantwortung besteht darin, SEINE Berichtigung zu akzeptieren!

Aber das Ego benutzt diesen Spruch gerne für seine Zwecke, um die sogenannten weltlichen Dinge unter seine Kontrolle zu bringen und gleichzeitig von Gott zu erwarten, dass er sich ganz unabhängig davon um den Geistesfrieden kümmert. Wenn aber unser Geist mit alltäglichen Sorgen um Haus, Job, Geld, Kinder und Kamele vollgestopft ist, wie kann sich dann der Friede GOTTES in unserem Geist ausbreiten? Wenn wir ständig auf die ängstliche Stimme des Egos hören, wie können wir dann jemals die Stimme für GOTT hören? Wenn unser Geist so sehr in der Welt gefangen ist, wie kann er sich jemals darüber erheben?

Solange wir auch nur mit einem Finger an dieser Welt hängen, ziehen wir die ganze Welt hinter uns her.

Alles verändert sich ständig in dieser Welt. Bei einigen dieser Veränderungen denken wir: "Hmm... das gefällt mir", und manchmal denken wir: "Das ist eine Bedrohung, und es könnte sehr, sehr gefährlich oder riskant sein.” Wenn wir unseren Geist beobachten, können wir sehen, dass das Gefühl der Bedrohung von einer Art Interpretation oder Bedeutung herrühren muss, die wir den Situationen geben. Wenn wir beispielsweise Angst haben, etwas zu verlieren, dann liegt dies an der Bedeutung und Wichtigkeit, die wir diesen Dingen gegeben haben. Die Frage ist: Kann ich meine Wahrnehmung ändern und zu dem Vertrauen kommen, das zu der Erfahrung führt, dass ich buchstäblich von der Liebe GOTTES erhalten werde?

Irgendwann kommen wir an einen Punkt, an dem wir erkennen, dass wir darauf vertrauen müssen, dass alle unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Dann gilt es, darauf zu vertrauen, dass man sich um uns kümmern wird. Und wenn wir später zurückblicken, werden wir sehen, dass unsere Bedürfnisse seitdem immer erfüllt wurden. Der spirituelle Weg wird zu einer wunderbaren Reise des Vertrauens und der Öffnung des Bewusstseins. Wenn wir auf dieser Reise nach innen sanft zu uns selbst sind und die Symbole, die uns begegnen, mit Freude und Wertschätzung annehmen, entdecken wir die Schönheit der Absicht des HEILIGEN GEISTES.

Vom Überleben zur göttlichen Fürsorge

Wir Menschen wenden so viel Energie und Mühe auf, nur um zu überleben. Es geht ums Überleben, um Sicherheit und um die Planung der Zukunft. Es wird so viel Mühe darauf verwendet, den Körper am Leben zu erhalten. Wir müssen unser Bewusstsein von der Anstrengung und Energie, die wir in die Aufrechterhaltung des Körpers stecken, auf die Anstrengung und Energie verlagern, die wir in die Vergebung unserer illusorischen Gedanken, Gefühle und Überzeugungen stecken, und uns an unsere natürliche spirituelle Wirklichkeit erinnern.

Nur das Chaos regiert eine Welt, die das Abbild des Ego-Denksystems ist - und das Chaos kennt keine Ordnung. Das völlig Wahnsinnige erzeugt Angst, weil es gänzlich unzuverlässig ist und keine Grundlage für Vertrauen bietet. Nichts in der Verrücktheit ist verlässlich. Es bietet keine Sicherheit und keine Hoffnung. Aber eine solche Welt ist nicht wirklich. Wir haben ihr die Illusion der Wirklichkeit verliehen und gelitten, weil wir an sie glaubten. Jetzt können wir beschließen, diesen Glauben zurückzunehmen und unser Vertrauen in die Wirklichkeit zu setzen.

Wir brauchen Vertrauen, um von einem Leben im Nirgendwo zu einem Leben in der Freude, dem Glück und der Vitalität unseres wahren SELBST, zu gelangen. Wenn wir unser Vertrauen vertiefen, erkennen wir, dass alles, was wir brauchen, ohne unsere eigene Anstrengung bereitgestellt wird; wir müssen nicht einmal daran denken. Das ist neu und wunderbar. Man kann es wie ein Experiment behandeln, aber nicht wie einen Test, bei dem man z. B. ohne Geld in eine weit entfernte Stadt reist, um zu sehen, ob man dort versorgt wird. Es geht um mehr als das. Es heißt: "Was wäre, wenn ich mich entscheide, von jetzt an, genau hier in diesem Moment, darauf zu vertrauen, dass alles, was ich für Heilung und Glück brauche, bereitgestellt wird, wenn ich authentisch bin, wenn ich transparent bin und wenn ich offen für Heilung und Glück bin?" Dies ist das Versprechen der Einheit, der Liebe, dass alles, was wir brauchen, um Glück zu erfahren, bereitgestellt wird.

“Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?” Mit diesen berühmten Worten antwortete Jesus schon vor zweitausend Jahren auf die Sorge um das tägliche Überleben.

Was das Leben kompliziert macht und das Vertrauen behindert, ist der Ehrgeiz, "mehr" zu wollen oder etwas anders zu wollen, als es gerade ist. Wann immer wir uns von der Einfachheit des Augenblicks entfernen, wird es sehr kompliziert. Jegliche Wünsche können uns quälen, wenn sie sich in unserem Kopf zu drehen beginnen, weil wir verwirrt sind, weil wir denken, dass diese Wünsche irgendetwas von Wert mit sich bringen. Der Schlüssel ist, sich zu entspannen und zu vertrauen. Und damit meine ich nicht das Vertrauen in das Geldsystem, das Vertrauen in Regierungen oder das Vertrauen in einen bestimmten Menschen. Ich spreche vom göttlichen Vertrauen, dem Vertrauen darauf, dass der HEILIGE GEIST uns alles geben wird, was wir brauchen, um glücklich zu werden. Natürlich sind auch andere Menschen daran beteiligt, aber wir wissen, dass es letztlich keine anderen Menschen gibt, sondern dass alles ein einziger Traum mit scheinbar verteilten Rollen ist.

Vertrauen zu wagen, ebnet den Weg für Wunder

Glaube und Vertrauen, die synonym sind, lassen sich nicht quantifizieren. Entweder wir vertrauen oder wir vertrauen nicht. Entweder wir haben Vertrauen oder nicht. Wir können nicht sagen, dass wir ein wenig oder viel Vertrauen haben. Um den Wechsel von unserer gewöhnlichen Lebenserfahrung zur Erfahrung der Herrlichkeit des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren, müssen wir Vertrauen in das Göttliche entwickeln. Das göttliche Vertrauen, von dem wir sprechen, beinhaltet, dass wir unsere Anziehung zu einer persönlichen Perspektive loslassen und allmählich den Raum schaffen, um eine ganz und gar einheitliche Perspektive anzunehmen. Um zu vertrauen und ein wirklich hingebungsvolles Leben zu führen, brauchen wir einen schrittweisen Prozess, so wie Kinder es tun, wenn sie wachsen. Kinder brauchen viel Vertrauen, um zu lernen. Sie müssen ihren Bezugspersonen vertrauen. Diese Art von Vertrauen ist der Schlüssel für die gesamte spirituelle Reise.

Vertrauen hängt davon ab, wessen Hand uns führt. Deshalb arbeiten wir an der Unterscheidung zwischen unserem wahren SELBST und dem Hochstapler-Selbst, dem Ego. In dem Maße, in dem wir dem Hochstapler Glauben und Vertrauen schenken, kennen wir unsere wahre Identität nicht. Wir lernen, zwischen dem Hochstapler und unserem wahren SELBST zu unterscheiden, indem wir uns bewusst machen, wie wir uns fühlen. In jedem Moment können wir fragen: "Wie fühle ich mich?", und die Antwort wird uns erlauben zu erkennen, woher die Führung kommt. Unsere Unterscheidungsfähigkeit wird gestärkt, wenn wir dies mehr und mehr praktizieren, und wenn unser göttliches Vertrauen wächst, löst sich die Angst auf.

Je vertrauensvoller wir werden, desto entspannter werden wir. Wenn wir dann bemerken, dass eine Reaktion oder eine Emotion auftaucht, können wir erkennen, dass das eine gute Sache ist, denn es hilft uns zu sehen, wo das Ego noch einen Einfluss auf unseren Geist hat. Wir sind hier, um das Unbewusste willkommen zu heißen, damit wir es loslassen können. Wir sind nicht hier, um zu versuchen, eine Show abzuliefern. Wir sind nicht einmal hier, um die Dinge richtig zu machen, denn der Versuch, die Dinge in der Form richtig zu machen, war Teil des Spiels, um unsere Gefühle der Unwürdigkeit zu überdecken.

Vertrauen in den HEILIGEN GEIST zu entwickeln, kann als herausfordernd, beunruhigend und unangenehm erlebt werden. Wenn manche Menschen das im Voraus wüssten, hätten sie vielleicht Angst und würden sich etwas suchen, das sie für etwas sanfter halten. Aber wenn man tiefer geht, ist der Gewinn an Erfahrung immens.

Der Plan des HEILIGEN GEISTES ist es, den Geist von dem zu befreien, was er zu brauchen glaubt, ohne ein Gefühl des Opferns. Da die egoische Interpretation der Nachfolge des HEILIGEN GEISTES durch die Linse des Verlustes erfolgt, wird sie selten als sanft erlebt, aber es ist gut zu wissen, dass Sanftmut und Opferlosigkeit möglich sind.

Der Glaube an das Opfern kann sich auf viele verschiedene Arten auswirken. Da wir uns in einer Welt der offensichtlichen Wahlmöglichkeiten befinden, scheint es, dass die Entscheidung für eine Sache bedeutet, dass wir auf andere Dinge verzichten müssen. Die Möglichkeit, auf diese Weise "zu kurz zu kommen", gibt uns das Gefühl, dass wir immer auf die eine oder andere Weise zu kurz kommen. Um einen Zustand des Vertrauens zu entwickeln, müssen wir die Wichtigkeit der Wahl der richtigen Form loslassen und stattdessen erkennen, dass die wirkliche Wahl auf einem glücklichen Geisteszustand beruht. Das Ergebnis in der Form ist nicht so wichtig, aber das Gefühl der Wichtigkeit unseres Ziels ist es, wo unser Glück liegt.

Der Inspiration zu folgen und sich bei allen täglichen Entscheidungen leiten zu lassen, schafft Vertrauen und ebnet den Weg für eine wunderbare Geistesverfassung. Denn wenn wir tiefer gehen, werden wir sehen, dass wir nichts verloren haben. Es ist kein Opfer erforderlich, und die Belohnung in Form von Geistesfrieden ist unermesslich. Wenn wir die Fähigkeit entwickeln, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie in unser Leben kommen, scheinen sich die Türen des Glücks vor uns zu öffnen, eine nach der anderen.

Stressoren offenbaren unseren Grad an Vertrauen

Es kann Herausforderungen im Leben geben, die uns zeigen, wo wir mit unserem Vertrauen stehen. Wir können sie als Barometer dafür nutzen, wie sehr wir vertrauen, wenn es um etwas wie den Tod eines geliebten Menschen, den Tod eines Haustiers, eine Trennung, eine Naturkatastrophe oder andere psychische Stressfaktoren geht. Wie reagieren wir? Bewegt es uns zu Glauben, Vertrauen und einem tieferen Gebet? Werden wir durch diese Prüfungen und Schwierigkeiten stärker, oder knicken wir ein und fühlen uns erdrückt? Haben wir das Gefühl, dass es keine Hoffnung gibt? Diese Erfahrungen können zu Chancen werden. Wir können uns öffnen und zulassen, dass sie uns zu einem viel tieferen Vertrauen anspornen, bei dem wir uns viel mehr auf den HEILIGEN GEIST als auf die Umstände verlassen.

Der Weg mit dem Kurs ist ein sehr direkter Weg; es ist wirklich ein Weg der Erfahrung. Wir brauchen Erfahrungen, die uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir weiterhin vertrauen können. Wenn wir Schritte gemacht haben und keine Leichtigkeit, Unbeschwertheit oder Ausbrüche von Freude und Glück gespürt haben, dann könnten wir sogar den Verdacht haben: "Okay, ich habe diesen Schritt gemacht, und...?" Es muss eine erfahrungsbasierte Reise sein. Wir brauchen Erfahrungen, um die vergangenen Konditionierungen zu ersetzen. Wir brauchen freudvolle Erfahrungen, die uns weiterführen, wie ein Kind, das geführt wird: "Gut, gut, gut, jetzt komm, mach noch einen Schritt. Komm weiter, komm weiter!"

Indem wir loslassen und dem HEILIGEN GEIST die Führung überlassen, kehren wir die Ego-Mentalität um, die besagt, dass wir, wenn wir etwas tun wollen, uns die Mittel einfallen lassen müssen. GOTT kennt das Gebet unseres Herzens, bevor wir auch nur ein Wort sprechen. Wir sind eingeladen, an einen Ort der Stille tief im Inneren unseres Geistes zu gelangen, um eine Erfahrung von Zweck und Absicht zu machen. Bei Zweck und Absicht geht es um eine innere Verbindung mit dem HEILIGEN GEIST. Es ist eine Erfahrung von Kraft und Klarheit, die uns den Weg zeigt.

Vertrauen ist die Bereitschaft, in die Gegenwart einzutauchen und authentisch "loszulegen". Wir kommen in einen Zustand, in dem wir nichts mehr planen; wir folgen dem starken inneren Kompass, der der HEILIGE GEIST ist, von Augenblick zu Augenblick. Wir wissen vielleicht nicht, wohin uns das führt, aber eines ist sicher: Es wird ein Wunder sein!

Das ist unser Thema: GOTTES Wille für uns ist vollkommenes Glück, und wir sind wie Kinder, die sich für diese Erfahrung öffnen. Das Gebet unseres Herzens lautet: "Zeig mir, zeig mir!" So lernen wir, GOTT zu vertrauen und von ihm abhängig zu werden. “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.” (Matthäus 18, 3) bedeutet, dass wir die wahre Kraft unserer wahren Beziehung zu GOTT nicht erkennen können, wenn wir nicht unsere völlige Abhängigkeit von ihm erkennen.

Ich liebe die Neugierde von Kindern, weil sie ein Zeichen von Offenheit ist. Wenn man neugierig ist, denkt man nicht, dass man schon alles weiß. Das ist so wichtig; das ist eines dieser Dinge, die man bewusst kultivieren sollte, einfach neugierig zu bleiben und offen dafür zu sein, sich etwas zeigen zu lassen. Es ist ähnlich wie bei einer Vertrauenswanderung, bei der einem die Augen verbunden werden, und man streckt die Arme aus und vertraut darauf, dass der Führer einen führt und einem etwas zeigt. Es ist einfach fantastisch, weil man wirklich loslassen muss, was man mit seinen Sinnen zu wissen glaubt. Man hat die Augen verbunden, die Hand ausgestreckt, und der Führer begleitet einen bei jedem Schritt. Es ist das intuitive Vertrauen, das uns von Augenblick zu Augenblick an einen Ort des tiefen Friedens und der Freude bringt.

Eine Methode, die mich immer besonders berührt hat, ist Wasser-Shiatsu. Es nährt die Seele, lässt Gottvertrauen wachsen und hilft, mit Ängsten umzugehen. Wasser-Shiatsu - kurz Watsu® genannt - macht sich die gefühlte Schwerelosigkeit des Körpers im Wasser zunutze, entscheidend ist jedoch das Vertrauen in den Übungspartner. Richtig verstanden bedeutet es, mit dem anderen zu SEIN, nicht etwas zu tun. Es ist daher auch eine wunderbare, heilsame Methode für Paare.

Diese Reise mit dem HEILIGEN GEIST erfordert Vertrauen und Sanftmut, und wenn wir für jede kleine Bereitschaft, die wir aufbringen können, dankbar sind, werden wir ganz natürlich im Vertrauen wachsen und uns für Wunder öffnen. Wenn wir anfangen, im Wunder zu leben, verschwinden unsere Sorgen und Kämpfe und kommen nicht mehr zurück.

Übung: Sprung des Vertrauens

Nehmen wir uns jetzt etwas Zeit, um nach innen zu schauen. Bitten wir den HEILIGEN GEIST, uns bei der Vorbereitung auf diese Aufgabe zu begleiten.

Uns an die Wunder zu erinnern, die wir erlebt haben, und sie dann mitzuteilen, ist eine sehr hilfreiche Methode, um die Wahrheit in unserem Geist zu festigen und Vertrauen aufzubauen. Erlauben wir es, uns eine Zeit vor Augen zu führen, in der wir angeleitet wurden, einen "Vertrauenssprung" zu machen. Es könnte der Zeitpunkt sein, an dem wir uns gezwungen fühlten, mit jemandem Kontakt aufzunehmen, oder an dem wir das Gefühl hatten, dass es an der Zeit war, den Arbeitsplatz zu wechseln. Notieren wir unsere Antworten auf diese Fragen in unserem Tagebuch.
  1. Beschreiben wir eine Situation, in der wir aufgefordert wurden, eine Entscheidung zu treffen oder etwas zu unternehmen.

  2. Erinnern wir uns daran, was wir befürchteten zu verlieren, wenn wir diesen Schritt wagen würden? Beschreiben wir etwaige Gedanken und Gefühle des Zögerns.

  3. Was hat uns dazu bewogen, diesen Vertrauensvorschuss zu geben, obwohl wir uns des Ergebnisses nicht sicher sein konnten?

  4. Welche Erfahrungen haben wir danach gemacht? Wie haben wir und alle anderen in dieser Situation von unserer Bereitschaft zu vertrauen profitiert?

  5. Gibt es weitere Schritte, vor denen wir uns fürchten? Erforschen wir alle unsere Gedanken und Gefühle in unserem Tagebuch, damit sie sich auflösen können.
Erinnern wir uns im Gebet und im Vertrauen, dass Frieden und Liebe unsere gewünschten Ergebnisse sind. Lassen wir diese Vorstellung unsere Absicht unterstützen, mit Klarheit vorwärts zu gehen!

Gebet: “HEILIGER GEIST, hier bin ich”

Ein sehr kurzes Gebet, das uns für das Vertrauen öffnen kann, ist "HEILIGER GEIST, hier bin ich." Sprechen wir dieses Gebet und warten still mit offenem Geist. Bleiben wir aufmerksam und entspannt. Beobachten wir, was kommt. Benutzen wir dieses Gebet, um uns mit der tiefen, stillen Erfahrung des HEILIGEN GEIST in unserem Geist zu verbinden. Unser Fokus liegt darauf, die stille Mitte in unserem Inneren zu finden, wo das Licht in unserem Geist willkommen geheißen und offenbart werden kann. Lassen wir jedes Gefühl los, etwas tun zu müssen. Seien wir stattdessen einfach da und beobachten diesen Moment. Wenn wir in der Lage sind, den Ort der wachen Stille in unserem Geist zu finden, bemerken wir, wie es sich ganz natürlich anfühlt, zu vertrauen. HEILIGER GEIST, hier bin ich.

Seien wir ruhig und wissen wir, dass Vertrauen jedes Problem jetzt löst!

Vertrauen in das, was gegeben wird

Wenn wir uns im Vertrauen üben, werden wir die Dinge, die auf uns zukommen, als echte Geschenke und nicht als Bedrohungen oder Probleme betrachten. Wir alle haben Wunder, die in der Gegenwart auf uns warten. Wunder wollen auf eine sehr schöne Weise geschehen, aber wir müssen sie zulassen. Wenn wir in "sollte ich" und "könnte ich" erstarren, dann sind wir in den Zweifeln und Vergleichen des Egos gefangen, und wir verschließen uns dem Vertrauen.

Sicherlich kann es Phasen der Orientierungslosigkeit geben. Diese kommen, weil wir uns vom Einfluss des Egos auf unser Leben und seinen Gesetzen von Knappheit, Mangel, Verteidigung und Gegenseitigkeit lösen. Wir werden eine Menge Reaktionen haben, die aus der Angst vor dem Licht kommen. Aber die gute Nachricht ist, dass wir aus diesen Phasen der Desorientierung segelnd und schwebend herauskommen werden, in dem herrlichsten Geisteszustand, den wir uns nur wünschen können.

Anfangs können Wunder ein wenig seltsam erscheinen, weil wir nicht daran gewöhnt sind. Wir sind es nicht gewohnt, pünktlich zu einem Treffen zu erscheinen, das unmöglich zu sein schien. Wir sind es nicht gewohnt, dass der HEILIGE GEIST Zeit und Raum für uns arrangiert und das Leben wie ein wunderbarer Fluss ist. Das Ego mag versuchen, die Wunder abzutun und diese Erfahrungen aus dem Bewusstsein zu verdrängen, aber je länger wir dabei bleiben, desto beständiger wird die Erfahrung von Geistesfrieden und Freude.

Ich wurde in meinem Leben von einem Job zum nächsten geführt, bei allen handelte es sich um sehr unterschiedliche Positionen und Aufgaben und in keinem verweilte ich länger als sieben Jahre. Zu Beginn erkannte ich noch nicht, dass die Jobs mir helfen sollten, einen sehr zentralen Aspekt meines persönlichen Selbst zu erkennen, zu heilen und mehr vom HEILIGEN GEIST abhängig zu werden. Einerseits war ich immer schon von einem relativ starken Urvertrauen erfüllt, ohne mir dessen bewusst zu sein und andererseits war da immer noch ein großer Teil Vertrauen in mein falsches Selbst. Erst als ein wirklich großer Lernschritt in Form von großen Schwierigkeiten in meinem Leben auftauchte, wurde ich mir meines noch immer mangelnden Vertrauens in GOTT bewusst und musste erst ein noch tieferes, bewusstes Vertrauen in die Führung durch den HEILIGEN GEIST entwickeln. Und vor allem musste ich mein Vertrauen in mein falsches Selbst völlig aufgeben. Denn bei all dem, was in unserem Leben so geschieht, können wir nicht immer beurteilen, was für unsere Heilung am förderlichsten ist.

Ein Leben der Hingabe zu führen bedeutet nicht, die Verantwortung abzugeben. Die Übung besteht darin, darauf zu vertrauen, dass wir innerhalb unserer Verantwortlichkeiten auf eine Weise geführt werden können, die Angst und Kontrolle abbaut. Wenn unsere Überzeugungen stark sind, müssen sie durchschaut und vollständig übergeben werden, sonst bleiben sie im Hintergrund unseres Bewusstseins bestehen und lenken unsere Gedanken und Handlungen. Und ja, die Hingabe an GOTT wird uns letztlich völlig von weltlichen Pflichten und Sorgen befreien. Wir werden unser Leben mit solcher Hingabe leben wollen, dass wir die Sorgen dieser Welt tatsächlich verblassen lassen. Wenn die Dinge im Fluss sind und wir Vertrauen haben, werden wir flexibel sein, zum Beispiel in Bezug auf unsere täglichen Pflichten und Zeitpläne. Das liegt daran, dass sich unsere Wahrnehmung verändert hat und wir uns geöffnet haben, um die Dinge aus der Perspektive des HEILIGEN GEISTES zu sehen, aus tiefer Akzeptanz und Frieden. Wir beginnen alles für dieses Ziel, für diese Erfahrung des Vertrauens zu nutzen.

Sobald diese Verbindung mit unserem inneren Lehrer hergestellt ist, ist unser Weg geebnet. Wir erleben einen klaren Weg. Im Vertrauen spüren wir, dass der HEILIGE GEIST vor uns geht, Er führt, leitet und gibt uns alles ein, was wir sagen und tun sollen, jeden Menschen, den wir treffen sollen, und jeden Ort, an den wir gehen sollen. Wir erleben unseren Lebensweg so, als gäbe es bereits einen ganz bestimmten Plan und wir müssten ihn nicht erst herausfinden. Wir müssen nicht das Für und Wider abwägen oder versuchen, die Zukunft vorauszusehen, und es gibt auch keinen Grund, uns zu fürchten. Wir bewegen uns in die Richtung, das Bedürfnis nach persönlicher Kontrolle aufzugeben, weil wir uns auf die Erfahrung einlassen, dass der HEILIGE GEIST alles für uns plant und organisiert und wir von dem Glauben befreit, dass wir selbst planen müssen. Wir werden von dieser schweren Last der Kontrolle, der Planung und des Managements unseres Lebens befreit. Jede Sekunde, die wir im Vertrauen verbringen, wird uns enorm belohnen: mit Zufriedenheit und Frieden.

Wenn wir alles mit dem HEILIGEN GEIST in unserem Geist annehmen, können wir alles für Frieden und Heilung nutzen. Wir werden erkennen, dass wir nicht in der Lage sind zu beurteilen, welche Aktivitäten und Beziehungen am hilfreichsten für unsere Öffnung ins Jetzt sind. Wir wollen nicht länger das Spiel des Aussuchens und Wählens spielen. Wenn wir darauf vertrauen und akzeptieren, dass unser ganzes Leben vom HEILIGEN GEIST gegeben wird, kommen wir in eine solche Empfänglichkeit und einen solchen Fluss, dass wir alles als perfekte Unterstützung sehen, als nur für uns gegeben!

Zum Abschluss eine Metapher

Wenn Vertrauen da ist, können wir unsere Flügel ausbreiten und losfliegen, um in den Himmel einzugehen, aber wenn kein Vertrauen da ist, klammern wir uns an die Erde und versuchen uns zu „erden“. Mit der Entwicklung von Vertrauen, wie sie im Kurs sehr genau beschrieben wird, ist es wie mit dem Start einer Rakete. Der Start ist schwierig, weil zu diesem Zeitpunkt der Ballast noch groß und die Erdanziehungskraft sehr stark ist. Erst wenn der meiste Ballast abgeworfen ist, wird es leichter. Die Schwerelosigkeit der Erdumlaufbahn symbolisiert den glücklichen Traum.



Akzeptanz

Das Ego analysiert, der HEILIGE GEIST akzeptiert.
Nur durch Akzeptanz kann die Ganzheit gewürdigt werden,
denn analysieren heißt zerlegen oder heraustrennen.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 13. 1.&2.)

Wenn wir mit der Bereitschaft in unserem Herzen vertrauen, geheilt zu werden, sind wir offen, alles anzunehmen, was auf uns zukommt. Aber müssen wir alles so akzeptieren, wie es in dieser Welt ist? Schließlich ist diese Welt im wahrsten Sinne des Wortes aus der Weigerung entstanden, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, aus der Weigerung, die Vollkommenheit des HIMMELS als alles was ist, zu akzeptieren. Es scheint so viele Probleme zu geben. Die Menschheit scheint sich viel zu beklagen, es gibt so viel Protest und Widerstand gegen alles und jeden. Es ist zum Beispiel sehr verbreitet, sich über die Umwelt zu beklagen. Es scheint normal und vernünftig, sich über laute Geräusche, Umweltverschmutzung, Erderwärmung, heißes oder kaltes Wetter oder grauen Himmel zu beklagen. Aus diesem Grund wird es auch als wertvoll und wichtig angesehen, ein Aktivist zu sein, sich für die Rettung der Umwelt einzusetzen usw. Abgesehen von dem Versuch, alles zu ändern und ein Aktivist zu sein, scheint die einzige andere Option, sich zurückzuziehen und sich um die Dinge, so wie sie wahrgenommen werden, nicht weiter zu kümmern. Oder gibt es eine dritte Option? Gibt uns der HEILIGE GEIST einen anderen Weg?

Ich versuche immer wieder, mich ganz bewusst gerade mit den Dingen zu verbinden, die aus weltlicher Sicht üblicherweise als Missstände wahrgenommen werden, mit Umweltverschmutzung, Industrieanlagen, Einkaufszentren, überfüllten Fast Food Restaurants, Lärm, Krawall, trübem Regenwetter, etc. In meinem Geist verbinde ich mich mit allem, weil alles in meinem Bewusstsein vereinigt ist. Wenn wir in unserem Wunsch nach GOTT oder nach Frieden allumfassend werden, machen wir die Erfahrung, dass es nichts außerhalb gibt, dass es nichts anderes gibt und dass es daher nichts zu beurteilen gibt.

Umweltverschmutzung ist völlig neutral. Aber wenn wir dieses Konzept nehmen und es beurteilen, indem wir zum Beispiel sagen: "Verschmutzt ist das Gegenteil von sauber", dann projizieren wir diese Überzeugung und finden Beweise für unser Urteil. Wir müssen über etwas geurteilt haben, damit Ärger, Irritation und Verärgerung auftreten können. Dann sehen wir den Beweis für das, was wir beurteilt haben. Die Entscheidung, etwas nicht zu mögen, führt einfach dazu, dass es auf unserem mentalen Bildschirm erscheint.

Auch der Versuch, positiv zu denken, basiert auf einem vorausgehenden Urteil in der Dualität von positiv und negativ. Wenn es in unserem Geist nicht grundsätzlich negative Urteile geben würde, bräuchten wir dem überhaupt keine positiven Urteile gegenüberstellen. Mit positivem Denken bestätigen wir nur unsere völlige Abhängigkeit von äußeren Umständen. Wenn sich unsere Akzeptanz nur auf das Positive in der Welt konzentriert, werden wir eine Zeit lang glücklich sein, dann kommt der Kummer und der Schmerz zurück. Wir pendeln zwischen Schmerz und Glück hin und her, und das Leben ist wie ein emotionales Jo-Jo. Aber es gibt etwas in uns, das weiß, dass wir ein Recht auf mehr als das haben, dass wir ein Recht auf ein Gefühl der Beständigkeit als Geisteszustand haben, auf wahren Geistesfrieden. Wenn wir aus einem Zustand der vom GEIST inspirierten Akzeptanz leben, wird dies unsere Wahrnehmung vereinheitlichen und unsere Gefühle stabilisieren.

Wenn wir hingegen Ziele und Ergebnisse der Form anstreben, die in einer Welt der Gegensätze und Konflikte entstehen, bedarf es einer Unmenge an Positivem in dieser Welt, um diesen Zustand der Identifikation mit dem Ego-Denksystem einigermaßen erträglich zu machen, während der Zustand der Erleuchtung Glück ohne Gegensatz ist.

Alles in dieser Welt, von dem du glaubst, es sei gut, wertvoll und erstrebenswert, kann dich verletzen und wird es tun. Nicht, weil es die Macht, dich zu verletzen, hat, sondern nur, weil du geleugnet hast, dass es nur eine Illusion ist, und ihm Wirklichkeit verliehen hast. Und es ist für dich wirklich. Es ist nicht nichts. Durch seine wahrgenommene Wirklichkeit ist die ganze Welt der kranken Illusionen eingetreten. Der ganze Glaube an die Sünde, an die Macht des Angriffs, an Verletzung und an Schaden, an Opfer und an Tod, ist zu dir gekommen. Denn niemand kann eine einzige Illusion wirklich machen und dennoch allen übrigen entrinnen.”
(EKIW: Kapitel 26, VI. 1. 1.-7.)

Wahrer Geistesfrieden ist ein Frieden, der von innen kommt, aus der QUELLE. In diesem Geisteszustand brauchen wir uns nicht zu bemühen, den scheinbar äußeren Umständen etwas Positives abzugewinnen, denn keine Umstände auf der Ebene der Form haben dann noch Einfluss auf unseren Geisteszustand - den Zustand vollkommener Glückseligkeit im heiligen Augenblick.

Bewusste Akzeptanz wird unter SEINER Führung zu unserem Weg. Bewusste Akzeptanz ist eine Praxis, die zu Freude führt, so sicher wie die Weigerung, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, zu Schmerz und Elend führt. Um bewusste Akzeptanz wirklich zu verstehen, müssen wir das Problem des Urteils verstehen. Das Urteilen ist die Geburt aller Wahrnehmung. In unserem Glauben an die Trennung haben wir metaphysisch gegen GOTT geurteilt, und so entstanden Vielfalt und Wahlmöglichkeiten in der Form. Deshalb ist die Wahrnehmung immer selektiv, und wir scheinen in der Lage zu sein, das zu akzeptieren, was wir wollen, und das abzulehnen, was wir nicht wollen, gewöhnlich auf der Grundlage des Schmerz-und-Freude-Mechanismus - auf der Grundlage subjektiver und persönlicher "Vorlieben" und "Abneigungen". Aber wissen wir wirklich, was wir wollen? Können wir erkennen, dass wir in einem Zustand der geglaubten Trennung nicht wirklich wissen, was wir wollen? Die Grundlage unseres Gedankensystems besteht aus einer ursprünglichen Opposition gegen das, was ist, und so ist die Akzeptanz und das Bewusstsein von dem, was ist - GOTT - zu einem fremden Konzept geworden.

Akzeptanz im wahren spirituellen Sinne bedeutet, nach innen zu gehen und Projektion und Beurteilung aufzugeben, indem wir die äußeren Bedingungen so sein lassen, wie sie sind. Sie sind nicht das eigentliche Problem. In diesem Zustand des Bewusstseins hat es keinen Sinn, sich über Umweltverschmutzung oder schlechtes Wetter zu beklagen. In diesem Zustand des Vertrauens und der Akzeptanz zu sein, ist keine passive Erfahrung. Es ist vielmehr ein Zustand, in dem wir aktiv präsent sind mit dem, was das Leben bietet. In diesem Zustand sind wir das Licht der Welt. In diesem Zustand sind wir in unserer einzig wahren Funktion. Wenn wir unser Leben aus einem Zustand geistig inspirierter Akzeptanz heraus leben, gelangen wir tiefer in unsere Bestimmung. Wir erkennen, dass wir nur mit einem Glück wahrhaft zufrieden sein werden, das ewig ist.

Das Gefühl der Akzeptanz ist das eines empfänglichen Geistes, eines offenen Geistes. Es ist eine Schlüsseleigenschaft, um das innere Wunder zu erfahren. Das Wunder ist im Grunde eine Verschiebung der Wahrnehmung von der Opposition des Egos zum wirklichen Leben, um alles als zu unserem höchsten Wohl gegeben wahrzunehmen.

Durch bewusste Akzeptanz mit allem verschmelzen

Es ist wunderbar, wenn wir erkennen, dass wir uns im Geist mit allem in diesem Universum verbinden können: einem Anblick, einem Klang, einer Erinnerung, einem Objekt. Die Übung besteht darin, zum GEIST zurückzukehren, zu einem tieferen Punkt zu gelangen, an dem wir nicht wissen, wie oder was wir beurteilen sollen, zu dem Ort im Inneren, an dem wir tatsächlich nicht wissen, was gut oder schlecht ist. Das bringt uns zurück zum Zustand des ICH BIN (“I-am-ness”), der vor dem Urteil steht. In dieser Akzeptanz liegt unsere Stärke. Unsere Unverwundbarkeit liegt im SEIN, im Zustand des ICH BIN.

"Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch:
Noch ehe Abraham wurde, bin ich."
(Bibel Einheitsübersetzung, Joh 8,58 )

Wenn wir den Weg aus unserem Urteil nicht kennen, führt der Weg zu unserer eigenen Heilung über bewusste Akzeptanz. Bewusstes Annehmen bedeutet, einen Schritt zurückzutreten, sich einzustimmen und sich führen zu lassen. Nicht, weil es gut oder richtig ist, sondern weil es der einzige Weg ist, der funktionieren wird. Letztendlich werden wir mit der inneren Führung in Resonanz kommen, denn das ist es, was uns befreien wird. Sie wird uns zurück in die wahre Freiheit führen.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass alles zu unserem Besten zusammenarbeitet. Für die meisten von uns ist das nicht die Art und Weise, wie wir unser tägliches Leben erleben, denn alle Ziele des Egos - Ziele, die mit Form, Erscheinungen, Ergebnissen und Vorlieben zu tun haben - haben nichts mit der Wahrheit oder der Wirklichkeit zu tun. Wir können nicht wahrnehmen, was in unserem eigenen Interesse ist, wenn wir Ziele und Ergebnisse der Form anstreben, die in einer Welt der Gegensätze und Konflikte entstehen.

Bereits in Lektion 24 von Ein Kurs in Wundern heißt es: "In keiner Situation, die sich ergibt, bist du dir des Ergebnisses bewusst, das dich glücklich machen würde." In keiner Situation. In keiner! Und so ist es: Es gibt niemals ein bestimmtes Ergebnis, das uns dauerhaft glücklich machen würde - niemals -, weil es keines gibt, das existiert. Wir werden gebeten, sehr aufrichtig zu sein und uns diese entscheidende Erkenntnis einzugestehen, dass unsere allgemeinen Ziele nicht wirklich in unserem besten Interesse sind. Wir verfolgen Ziele, bei denen es ums Überleben, um Komfort, um materiellen Gewinn, um zwischenmenschliche Liebe und um Situationen, Menschen, Orte und Ereignisse geht, die unsere Erwartungen erfüllen: "Ich werde glücklich sein, wenn die Welt so aussieht, wenn mein persönliches Leben so aussieht." Wir legen dem GÖTTLICHEN unsere eigenen Grenzen auf. GOTT ist so viel größer, weiter, reicher, freier und glücklicher, als wir es uns vorstellen können. Wäre es also nicht besser, all das anzunehmen, was er gibt und was immer nur aus der göttlichen Liebe kommen kann?

Übung: Ich nehme meine eigenen Interessen nicht wahr

Nehmen wir uns jetzt etwas Zeit, um nach innen zu schauen, zu atmen und uns zu entspannen, und laden wir den HEILIGEN GEIST ein, uns bei der Vorbereitung auf unsere nächste Aufgabe zu begleiten.

Diese Übung erfordert viel mehr Ehrlichkeit, als wir es vielleicht gewohnt sind. Wir werden unsere form- und zeitbezogenen Ziele direkt ansprechen. Das können Ziele sein, denen wir viel Bedeutung beigemessen haben. Im Licht und aus der Perspektive des HEILIGEN GEISTES verlieren sie jedoch sehr wahrscheinlich einen Großteil ihrer früheren Bedeutung. Wir werden vielleicht bemerken, dass wir eine Reihe von Zielen haben, die aus Vorstellungen darüber resultieren, wie die Welt funktionieren sollte.

Wählen wir ein paar ungelöste Situationen oder Konflikte in unserem Leben. Schreiben wir mehrere gewünschte Ergebnisse auf, die uns unserer Meinung nach helfen würden, diese Situationen zu lösen. Der Schwerpunkt sollte darauf liegen, das Ergebnis, das wir uns erhoffen, herauszuarbeiten. Dabei werden wir vielleicht feststellen, dass einige unserer Wunschergebnisse sogar im Widerspruch zueinander stehen. Der Zweck des Aufschreibens besteht einzig und allein darin, die Vorstellung aufzugeben, dass unser Glück von unseren eigenen Wunschergebnissen abhängt. Wenn wir mehrere Minuten lang unseren Geist durchsucht haben und keine gewünschten Ergebnisse mehr finden können, halten wir inne und denken über die Lektion 24 aus dem Kurs nach:

“Ich nehme nicht wahr, was zu meinem Besten ist.

In keiner Situation, die sich ergibt, bist du dir des Ergebnisses bewusst, das dich glücklich machen würde. Deshalb hast du keine Richtschnur für angemessenes Handeln und keinerlei Möglichkeit, das Ergebnis zu beurteilen. Was du tust, wird durch deine Wahrnehmung der Situation bestimmt, und diese Wahrnehmung ist falsch.”

Gehen wir nun die folgenden Fragen durch:
  1. Haben wir bei unserer Untersuchung widersprüchliche persönliche oder formale Ziele gefunden?

  2. Sind wir in der Lage zu erkennen, dass die Betonung von Ergebnissen vom Ziel des Geistesfriedens ablenkt?

  3. Sind wir bereit, uns von der Vorstellung zu lösen, dass wir glauben zu wissen, was in unserem eigenen Interesse ist, damit wir lernen können, was unser bestes Interesse ist?
Wenn wir unsere verschiedenen Ziele auf diese Weise erkunden, werden wir vielleicht erkennen, dass wir eine große Anzahl von Anforderungen an Situationen stellen. Wir werden auch erkennen, dass viele unserer Ziele widersprüchlich sind, dass wir kein einheitliches Ergebnis vor Augen haben und dass wir im Zusammenhang mit einigen unserer Ziele Enttäuschungen erleben müssen, wie auch immer die Situation sich entwickelt.

Öffnen wir uns nun dafür, das Streben nach diesen Zielen und die Befriedigung unserer Vorstellungen darüber, wie unser Leben verlaufen sollte, aufzugeben. Der HEILIGE GEIST lädt uns ständig ein, auf diese Weise loszulassen und den Geistesfrieden als unser Ziel und einziges Ergebnis in jeder Situation zu akzeptieren.

Es braucht Vertrauen, um zu erkennen, dass wir das Ergebnis weder kontrollieren müssen noch können. Entspannen wir uns und akzeptieren wir, dass wir in keiner Situation das Ergebnis kennen, das uns glücklich machen würde. Lassen wir uns von der Führung des HEILIGEN GEISTES leiten, und in der Akzeptanz sehen wir, dass wir das haben, was wir immer wollten - Frieden.

Die Leichtigkeit des wundersamen Flusses

Was könnten wir nicht akzeptieren, wenn wir wüssten, dass alles, was geschieht, alle Ereignisse, vergangene, gegenwärtige und zukünftige, sanft von EINEM geplant sind, DESSEN einziges Ziel unser Wohl ist? Vielleicht haben wir SEINEN Plan missverstanden, denn ER würde uns niemals Schmerz zufügen. Aber unsere Abwehr ließ uns nicht erkennen, dass SEIN liebevoller Segen in jedem unserer Schritte leuchtet. Während wir Pläne für den Tod gemacht haben, hat ER uns sanft zum ewigen Leben geführt.

Oder wie es der spirituelle Sucher John Lennon einmal formulierte: “Leben ist das, was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.”

Wir alle haben Zeiten erlebt, in denen wir geweint haben und verzweifelt waren. Aber wir kommen an einen Punkt, an dem wir wirklich lachen können. Es wird immer lustiger und lustiger. Das ist Akzeptanz. Das ist, mit dem HEILIGEN GEIST in Einklang zu sein.

Wir wissen, dass wir in Akzeptanz sind, wenn wir uns in unserem Leben hingeben: weg von Meinungen, weg von Plänen, weg von dem Versuch, die Welt, Ereignisse und Situationen zu kontrollieren. Akzeptanz fördert eine wundervolle Erfahrung des mühelosen Flusses (“flow”). Wir können erkennen, dass wir die Kontrolle losgelassen haben und uns in Akzeptanz befinden, wenn wir unser Leben und die Welt mit Leichtigkeit erleben. Wenn alles in einem Rhythmus zu sein scheint, wenn sich alles einfach einfügt und an seinen Platz fällt, und wenn wir völlig mühelos durch die Welt gleiten, dann wissen wir, dass wir in der Akzeptanz sind.

Dann befinden wir uns in jenem Geisteszustand, der im Daoismus mit dem Begriff Wu wei beschrieben wird. Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre wohl „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“.

In dem Maße, in dem das Vertrauen in die Führung wächst, nimmt auch die Fähigkeit zur Akzeptanz zu, was letztlich zu der Erfahrung führt, dass alle Dinge gleichermaßen akzeptabel sind. Dieser Zustand des Nicht-Urteilens bedeutet, dass wir alle Dinge und Erscheinungen als wirklich hilfreich für unsere Heilung sehen und akzeptieren. Das bedeutet nicht, dass wir eine Art Verpflichtung gegenüber jeder Situation haben, die uns begegnet. Aber unsere Haltung wird einladend und offen, statt misstrauisch gegenüber den Dingen, die geschehen. Wir entwickeln unsere Intuition, um Unterscheidungsvermögen zu nutzen, während wir lernen, dass alles auf uns zukommt, um zu heilen.

Dieser Geisteszustand führt dazu, dass wir mehr und mehr Wunder erleben. Akzeptanz in Verbindung mit Vertrauen ist das Rezept für Wunder. Es ist unvermeidlich, dass wir Wunder erleben werden, sobald wir beginnen, dem Fluss und der Inszenierung aller Ereignisse zu vertrauen. Wir haben uns für eine ganz andere Wahrnehmung geöffnet. Wir erkennen, dass alles einen wahren Sinn und Zweck hat. Wir haben die Bedingungen für unser Leben mit dem GEIST des Wunders erfüllt, und die LIEBE siegt!

Liebe

“Du erkennst die Bedeutung der Liebe nicht, und das ist deine Behinderung.”
(EKIW: Kapitel 12, V. 6. 1.)

Zwei Grundüberzeugungen bilden die Basis dessen, was das Ego unter Liebe versteht: Die erste ist, dass die Liebe begrenzt ist - Freunde, Familie, Kinder, Ehemann, Ehefrau. Und die zweite ist, dass es verschiedene Arten von Liebe gibt. Unseren Ehemann oder unsere Ehefrau lieben wir auf die eine Art, unsere Kinder lieben wir auf eine andere Art, und unsere Eltern, unsere Familie, unsere Lehrer lieben wir wieder anders, und dann unsere Freunde wieder anders.

Sex wird häufig auch mit Liebe verwechselt. Wir sprechen dann von “Liebe machen”. Die “Liebe” des Egos ist voller Leidenschaft und Anhaftung. Diese “Liebe” ist nicht wirkliche LIEBE. Diese “Liebe” ist nur ein Vorhang, hinter dem sich Leidenschaft, Anhaftung und Sex verbergen. Nach außen hin nennen wir es Liebe, innen ist es etwas anderes.

Dass „Liebe“ für das Ego bestenfalls eine Art Tauschhandel ist und immer mit Tun und wenig mit SEIN zu tun hat, zeigt auch das Modell der Fünf Sprachen der Liebe des baptistischen Pastors, Beziehungsberaters und Bestsellerautors Gary Chapman. Es zeigt darüber hinaus den zentralen Glauben des Egos an verschiedene Arten von Liebe und seine Verknüpfung von Liebe und Opfer. Dahinter steht die Vorstellung, dass der andere Mensch dazu da ist, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Chapmans Buch gilt zwar als Standardwerk in der Paarberatungs- und Coaching-Szene, eignet sich aber hervorragend für Unterstellungen von Liebesmangel, Forderungen nach artgerechter Liebe und alle anderen Manipulationsversuche des Egos. Es ist die “Liebe”, die der Beweise auf der Ebene der Form bedarf: “Wenn er mir Geschenke macht, dann liebt er mich!“, „Wenn wir jede Woche vier Mal Sex haben, dann liebt sie mich!“, „Wenn wir täglich stundenlange Gespräche führen und er mir immer wieder sagt, wie sehr er mich bewundert, dann liebt er mich!“ Dieses Verständnis von Liebe ist das Problem, nicht die Lösung.

Die “Liebe”, die die Welt lehrt, ist nicht die Liebe, über die Jesus spricht. Die weltliche “Liebe” ist bestenfalls ein Tauschhandel, meist aber ein Verlustgeschäft, ein Opfer. In der Identifikation mit dem Ego-Denksystem glauben wir tatsächlich, uns für unsere “Lieben” aufopfern zu müssen und glauben deshalb auch, dass Jesus sich für uns geopfert hat. Das ist reiner Wahnsinn.

“Deine Verwechslung von Opfern und Liebe geht so tief, dass du dir Liebe ohne Opfer nicht vorstellen kannst. Und genau das musst du dir ansehen: Opfern ist Angriff, keine Liebe. Wenn du nur diese eine Idee akzeptieren wolltest, deine Angst vor der Liebe würde schwinden. Schuld kann nicht andauern, wenn die Idee des Opferns beseitigt worden ist.”
(EKIW: Kapitel 15, X. 5. 9.-13.)

Die weltliche “Liebe” ist nichts anderes als die Kehrseite von Angst, es ist der Ersatz des Egos für die LIEBE GOTTES. Daher braucht sie einen Grund: Gestern ist jemand freundlich zu uns gewesen, er war so nett, dass wir ihn “lieben”. Das ist nicht Liebe, das ist die Kehrseite von Angst - der Grund beweist es. Das ist Angst in der Verkleidung der Liebe - darum kann diese “Liebe” in jedem Moment in Angst umschlagen. Wenn jemand ein bisschen an unserem Selbstbild kratzt, dann verschwindet die “Liebe” und Angst keimt auf. Diese Angst zeigt sich an der Oberfläche als Scham, Schuldgefühl, Enttäuschung, Ärger, Wut oder Hass.

Angst ist die Idee, dass es einen Mangel an Liebe gibt. Angst ist so etwas wie Dunkelheit - sie existiert nur durch die Vorstellung, dass es einen Mangel an Licht gibt. Sie hat keine Substanz an sich, weil sie keine Ursache an sich hat. Das heißt also, wenn wir in irgendeiner unserer Beziehungen, in irgendeiner unserer Begegnungen etwas anderes als Liebe und die Derivate der Liebe, wie Freude, wie Glück, wie Wohlwollen, Güte, Wonne, Fülle, spüren, dann können wir ganz ehrlich zu uns sagen: Ich habe Angst. Ich habe Angst vor diesen Menschen und da wird sich das Ego einmischen und sagen, warte mal, ich habe keine Angst vor ihm, ich finde ihn nur dumm, ich habe keine Angst vor ihm, ich fühle mich nur gestört, ich habe wirklich keine Angst vor ihm, aber ich kann mich nicht wirklich mit allem abfinden und solche Argumente werden kommen. Aber erinnern wir uns, die Liebe liebt, sie freut sich, sie ist im Überfluss, sie wünscht nur Gutes und sie akzeptiert, ja sie lässt wirklich SEIN und genießt es und alles andere ist Angst, bei allem anderen glauben wir, wir müssten jetzt etwas verteidigen und wir wissen: Verteidigung ist einfach unsere Art, anzugreifen und uns gleichzeitig unschuldig zu fühlen - was für ein Wahnsinn.

Wir begeben uns in einen ängstlichen Zustand, weil wir uns nicht in einen liebevollen Zustand begeben, weil jemand etwas sagt, das uns nicht zu passen scheint, das nicht zu unserem Lernen zu passen scheint. Deshalb fühlen wir uns angegriffen, wir fühlen uns ängstlich, weil jemand unsere Stille zu stören scheint, wir fühlen uns angegriffen, weil Menschen sich einfach anders ausdrücken, an etwas anderes glauben, ein anderes Lernen haben. Wir haben Angst, wenn wir versuchen, jemanden zu korrigieren, jemanden zu verändern, jemanden aus unserem Leben zu vertreiben, uns vor jemandem zurückzuziehen. Wenn wir tatsächlich GOTTES LIEBE wählen statt Schmerz, dann können wir uns einfach klar machen, hey, ich habe Angst vor dieser Person, ich glaube, diese Person bedroht mich, bedroht etwas, was mir wichtig ist, hier versuche ich, die Illusion wahr zu machen.

Und jetzt können wir uns die so machtvolle Frage stellen: Wofür benutze ich diesen Kurs oder einen anderen spirituellen Weg?

Will ich ihn verwenden, um mich besonders gescheit zu fühlen oder überlegen? Will ich ihn dafür verwenden mich einsam zu fühlen, weil ich denke andere Menschen denken nicht das, was ich denke, die wollen nicht das, was ich will, die fühlen nicht das, was ich fühle, die verstehen nicht das, was ich verstehe?

Oder nutze ich meinen spirituellen Weg, um mir mein komplettes erfahrungsmäßiges Erleben an der Basis anzuschauen und mir die einfache Frage zu stellen: Ist es gerade Liebe was ich fühle, oder ist es Angst? Dann kann ich mich neu entscheiden, dann kann ich mir erstmals eingestehen, okay, ich benutze hier diese Menschen, ich benutze das was sie sagen, ich benutze das was sie tun, ich benutze das was ich von ihnen wahrnehme, um der Angst eine Basis zu geben, um den Mangel an Liebe eine Basis zu geben. Hier versuche ich getrennt von Gott zu schaffen, genau hier liegt meine Beurteilung, hier liegt die Verurteilung, die ich dauernd aufrecht erhalte und das ist doch wirklich der reine Wahnsinn.

Das heißt, schauen wir uns unsere Beziehungen an und fragen uns für einen Moment, was darf ich mir heute noch mal neu anschauen, wo kann ich heute noch ein bisschen Angst verlieren, wo will ich vielleicht jemanden und vor allem mich nicht frei sein lassen, denn genau das ist die Liebe ja. In dem Moment wo es gleich-gültig ist, was meine Mitmenschen glauben, was sie sagen, oder wie sie sich ausdrücken. In dem Moment in dem ich meinen spirituellen Weg dafür benutze das ewige wundervolle reine Unschuldige in ihnen zu lieben, in dem Moment verändert sich die komplette Welt und die Menschen werden mir ganz von selbst zuhören, sich mir ganz von selber öffnen.

Stellen wir uns vor, wir gehen auf jemanden zu und dieser jemand meint, er wisse etwas besser als wir, so werden unsere Widerstände sofort hochfahren. Und nun stellen wir uns vor, dass jemand auf uns zugeht und während er auf uns zugeht, bekommt sein Gesichtsausdruck etwas Weiches, etwas Herzliches, etwas Wiedererkennendes, etwas Harmloses und Freudiges. Ist es nicht allein schon von diesem kleinen Bild eine wundervolle Begegnung, ist nicht allein dieser Prozess schon ein Weg des Lehrens und ein Weg ist Verbindens und unser Weg der völligen Entwaffnung? Fragen wir uns also immer wieder, wie lerne ich, wie nutze ich meinen spirituellen Weg? Machen wir uns klar, hä, ich bin in einigen Beziehungen bewaffnet und kämpfe einen Kampf, die nicht gewonnen werden kann.

Wenn wir versuchen, der Angst eine Grundlage zu geben, die sie nicht hat, dann treffen wir eine neue Entscheidung und sagen, hey Bruder, ich will keine Angst mehr vor dir haben. Nein, ich will dich sehen, ich will dich einfach nur sehen und ich will alles, was ich hier lerne und gelernt habe, dazu benutzen, dich zu lieben und nichts anderes. Halleluja! Es kann so einfach und so leicht und so wunderbar sein, wenn wir die Dinge einfach so sein lassen, wie sie wirklich sind.

“Liebe und tu, was du willst.”
(Augustinus Aurelius (354 - 430),
Bischof von Hippo und Kirchenlehrer)

Kurz und bündig, aber auch radikal und provozierend sagt Augustinus, um was es Jesus geht. Das heißt, wenn wir in Liebe sind, spielt es keine Rolle, was wir auf der Ebene der Form tun, denn dann ist alles, was wir tun, von der Liebe geleitet. Liebe Gott aus ganzem Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst! „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“, erklärte Jesus schon vor zweitausend Jahren. Bekannt ist auch das „Hohe Lied der Liebe“ beim Apostel Paulus. Es wird gerne als Bibeltext für Hochzeiten verwendet: “Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.” (1.Korintherbrief, Kap.13). Die Liebe ist das „Lebenselixier“. Aber was ist wahre Liebe?

Es braucht nur unsere kleine Bereitschaft, um uns erkennen zu lassen, dass all unsere alten Vorstellungen und Gefühle nicht die LIEBE GOTTES sind, die LIEBE unseres SEINS, unseres ewigen SELBST - die einzige LIEBE die es wirklich gibt. LIEBE ist kein Gefühl, das kommt und geht, sondern ein Seinszustand. In diesem Seinszustand sind wir nicht verliebt, sondern wir sind LIEBE. Die enorme Schönheit der LIEBE ist, dass sie keine Gründe braucht. Die LIEBE fließt ohne Grund aus uns heraus, sie ist unser verströmendes Glück, sie ist das Teilen unseres Herzens. Sie ist das Teilen eines Gesangs, der aus unserem SEIN kommt. Und Teilen ist so beglückend - daher teilen wir. Teilen um des Teilens willen, ohne jeden anderen Grund. LIEBE ist wie atmen: wenn sie uns widerfährt, sind wir einfach LIEBE. Es ist gleich, wer uns nahe kommt, der „Sünder“ oder der „Heilige“, denn LIEBE beruht auf der Erkenntnis, dass es in Wahrheit nur einen von UNS gibt. Wer immer uns in dieser Welt nahe kommt, fühlt die Schwingungen der LIEBE, ist glücklich. LIEBE ist bedingungsloses Geben.

“Die Liebe dehnt sich nach außen aus,
einfach weil sie nicht zurückgehalten werden kann.
Da sie grenzenlos ist, hört sie nicht auf.”
(EKIW: Kapitel 7, I. 3. 4.&5.)

LIEBE ist Ausdehnung. Die kleinste Gabe vorzuenthalten heißt, den Sinn und Zweck der LIEBE nicht erkennen. Die LIEBE schenkt alles für immer. Wenn wir nur eine Überzeugung, eine Gabe zurückhalten, ist die LIEBE dahin, weil wir einen Ersatz gebeten haben, an ihren Platz zu treten. Und dieser Ersatz ist immer Krieg, auch wenn wir ihn als Langeweile, Desinteresse, Gleichgültigkeit, Kompromiss oder Distanz bezeichnen, um uns selbst zu täuschen.

Es ist unmöglich, Liebe irgendwie zu verstehen. Deshalb bedeutet von Licht und Liebe reden allein noch nichts. Doch das wahrhaftige Verlangen danach ist alles. In der Einleitung von Ein Kurs in Wundern finden wir den folgenden ganz zentralen Hinweis zum Thema Liebe:

“Der Kurs zielt nicht darauf ab, die Bedeutung der Liebe zu lehren, denn das ist jenseits dessen, was gelehrt werden kann. Er zielt vielmehr darauf ab, die Blockaden zu entfernen, die dich daran hindern, dir der Gegenwart der Liebe, die dein angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein.”

Gefühlsduselei, emotionale Empfindsamkeit und Sentimentalität sind nicht Liebe, sondern nur eine Ablenkung des Egos von der Wahrheit. Die einzig wahre Liebe, die LIEBE GOTTES, ist ein Geisteszustand vollkommener Glückseligkeit, jenseits jeder Vorstellung und jenseits der Gefühle auf psychischer Ebene. Am Anfang des Weges ist es daher notwendig, uns mit unseren Irrtümern zum Thema Liebe näher zu befassen, um sie infolgedessen IHM zur Berichtigung übergeben zu können.


Das fünfte der im Kurs beschriebenen Gesetze des Chaos lautet: “Es gibt einen Ersatz für die Liebe. Das ist die Magie des Egos, die laut Ego all unseren Schmerz „kurieren“ wird. Es ist der Faktor, der in unserer Verrücktheit noch gefehlt hat und sie "vernünftig" macht. Das ist der Grund, weswegen wir angreifen. Hier ist das, was unsere Rache rechtfertigt. Alle unsere besonderen Beziehungen bezwecken nur, uns des Ersatzes für die Liebe zu bemächtigen und sie uns anzueignen.

Der Glaube an die egoische Vorstellung von Liebe ist die größte Versuchung am spirituellen Weg. Auch wenn wir bereits einsehen, dass das Denksystem, das die besondere Beziehung schützt, nur ein Wahnsystem ist, scheint uns dennoch die besondere Beziehung noch immer irgendwie anders zu sein. Die besondere Beziehung hat den imposantesten und täuschendsten Rahmen aller Abwehrmechanismen, deren das Ego sich bedient.

Jedes Mal, wenn ein alter, reicher Mann eine hübsche, einige Jahrzehnte jüngere Frau heiratet, ist dies eine wunderbare Gelegenheit, unsere Gefühle und die dahinter verborgenen Gedanken zu beobachten. Wenn unser Geist auf dieses Ereignis negativ reagiert, bedeutet das, dass wir immer noch an der romantischen Seite des egoischen Konzepts von Liebe festhalten und nicht bereit sind, die dunkle Seite dieses Konzepts in unserem Geist ans Licht kommen zu lassen. Es geht dabei einzig und allein um unseren Geist, die scheinbar anderen Menschen sind nur unsere Projektionsfläche.

Zum Glück ist die besondere „Liebe“ des Egos immer mit Angst verbunden, denn daran können wir sie erkennen. Das Gegenteil der “Liebe” des Egos ist Angst, die sich an der Oberfläche als Hass, Eifersucht, Sehnsucht, Sorge und dergleichen äußert. Es ist die Angst um den „geliebten“, ganz besonderen Menschen, es ist die Angst, seine Liebe zu verlieren. Die "Liebe" des Egos ist immer exklusiv und dementsprechend sind alle damit verbundenen Vorstellungen absurd verzerrt. Wir freuen uns beispielsweise, wenn uns ein geliebter Mensch während unserer Abwesenheit vermisst und uns das mitteilt. Wir freuen uns also über das emotionale Leid unseres Geliebten. Was stimmt nicht mit uns?

Eine zentrale Idee im Denksystem des Egos ist die Idee des Opfers. Wenn wir nun im Kurs lernen, dass es auf dem Weg des spirituellen Erwachens um die Erlösung von der Idee der besonderen Liebe geht, dann wird uns die Stimme des Egos suggerieren, dass wir die Liebe zu den ganz besonderen Menschen in unserem Leben opfern müssen. Aber wir müssen nie und nimmer die Liebe opfern, sondern nur die Idee der Besonderheit. Das bedeutet, dass wir die Liebe, die wir für einige besondere Menschen empfinden, auf alles und jeden ausdehnen.

Sehr deutlich wird die Vorstellung des Egos von Liebe beim Thema Selbstliebe. Das Konzept der Selbstliebe kommt zunächst scheinbar harmlos daher mit dem Gedanken "Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben". Aber diese innere Haltung ist pure Grausamkeit. Sie erzeugt eine Trennung in mich und die anderen, sie erschafft Grade in dem Sinne, dass ich wichtiger bin als die anderen, und sie degradiert alle anderen zu Statisten in meinem Leben. Infolgedessen versuche ich, meine persönlichen Bedürfnisse gegenüber allen anderen durchzusetzen. Mit der inneren Haltung von "Ich zuerst".

Die Basis dieser Vorstellung von "Liebe" ist Angst. Diese sogenannte Selbstliebe wird daher mit Angriffsgedanken gleichgesetzt. Darunter wird das Konzept verstanden, dass ich mich selbst schützen muss, vor toxischen Beziehungen oder Kontakten. Unter dieser Vorstellung von Selbstliebe wird verstanden, sich selbst liebevoll, wie die Mutter ihr krankes Kind, wieder aufzupäppeln und damit das Elend in dem wir stecken wieder und wieder und wieder wahr zu machen, einzig und allein unter der großen Headline: “Ja, ich bin verletzlich, ich bin ein verletzliches Wesen.”

Deshalb glauben wir dann einen Safe Space errichten und erhalten zu müssen. Wenn wir glauben, uns vor anderen Menschen schützen zu müssen, dann ist das der aussichtslose Versuch, uns vor unseren eigenen Urteilen über uns und andere Menschen zu schützen. In Wahrheit ist ein Safe Space eine eiserne Rüstung, eine Festung, mit der wir uns vor der Liebe GOTTES schützen. Die eigene Wut oder Angst auf jemanden zu projizieren, ist ungefähr so, wie Gift zu schlucken und zu hoffen, dass der andere stirbt.

EKIW, LEKTION 26:

Meine Angriffsgedanken greifen meine Unverletzlichkeit an.

Es ist sicher offensichtlich, dass du, wenn du angegriffen werden kannst, nicht unverletzlich bist. Du siehst Angriff als eine wirkliche Bedrohung an. Das ist so, weil du glaubst, dass du wirklich angreifen kannst. Und was durch dich Wirkungen hat, muss auch auf dich Wirkungen haben. Es ist dieses Gesetz, das dich letztlich erlösen wird, aber jetzt missbrauchst du es. Du musst deshalb lernen, wie es zu deinem Besten genutzt werden kann statt dagegen.

Weil deine Angriffsgedanken projiziert werden, hast du Angst vor Angriff. Und wenn du Angst vor Angriff hast, musst du glauben, dass du nicht unverletzlich bist. Angriffsgedanken machen dich deshalb in deinem eigenen Geist verletzlich, dort, wo die Angriffsgedanken sind. Angriffsgedanken und Unverletzlichkeit können nicht gemeinsam akzeptiert werden. Sie widersprechen einander.

In Kapitel 13. V. 6. fordert uns Jesus daher auf, die egoische Vorstellung von Selbstliebe zu hinterfragen:

“Wenn du deine Welt mit offenen Augen ansiehst, muss dir auffallen, dass du dich in den Wahnsinn zurückgezogen hast. Du siehst, was nicht vorhanden ist, und hörst, was kein Geräusch erzeugt. Deine Äußerungen von Gefühlen sind das Gegenteil dessen, was die Gefühle selber sind. Du kommunizierst mit niemandem und bist genauso isoliert von der Wirklichkeit, als wärest du allein im ganzen Universum. In deinem Wahnsinn übersiehst du die Wirklichkeit vollständig und siehst überall, wo du hinschaust, nur deinen eigenen gespaltenen Geist. GOTT ruft dich, und du hörst nicht, denn du bist mit deiner eigenen Stimme beschäftigt. Und die Schau CHRISTI ist nicht in deiner Sicht, denn du schaust nur dich selber an.

Mit Gnade, mit göttlicher LIEBE, mit dieser wundervollen, allgegenwärtigen, mit allen geteilten bedingungslosen, liebevollen Freundlichkeit hat die egoische Vorstellung von Selbstliebe überhaupt nichts zu tun. Es fühlt sich sogar ziemlich leer an, ziemlich rast- und ruhelos. Auch wenn wir gerade nicht spüren, dass wir kämpfen, fühlen wir doch nicht diesen wundervollen leuchtenden Frieden und die reine Freude GOTTES.

Wer liebt wen in der Selbstliebe? Wer sind die beiden - der Liebende und der Geliebte? Anders gefragt: Brauche ich überhaupt eine Beziehung zu mir selbst? Warum bin ich nicht einfach ich selbst? Wenn ich eine Beziehung zu mir selbst habe, bin ich zweigeteilt - ich und mein Selbst, Subjekt und Objekt. Diese vom Ego-Denken geschaffene Dualität ist die Grundursache für all die Komplikationen, Probleme und Konflikte in unserem Leben. Im Zustand der Erleuchtung BIN ICH. Ich beurteile mich nicht und bedauere mich nicht, ich bin nicht stolz auf mich, ich liebe mich nicht und hasse mich nicht, usw. Die durch die Selbstreflexion des Bewusstseins bewirkte Spaltung ist beseitigt, ihr Fluch ist aufgehoben. Da ist kein persönliches Selbst, das ich weiterhin nähren, schützen oder verteidigen muss. Im Zustand der Erleuchtung fällt eine Beziehung weg - die Beziehung zu mir selbst. Sobald ich diese Beziehung aufgegeben habe, verwandeln sich alle meine scheinbar "anderen Beziehungen" in Liebesbeziehungen, weil die Illusion der Trennung aufgehoben ist. GOTT liebt seine ganze Schöpfung mit derselben grenzenlosen LIEBE, und wenn ich mich SEINER LIEBE öffne, dann strömt sie auch durch mich in die Welt, dann ist da LIEBE zu allen Menschen, dann erstrahlt mein wahres SELBST in heiliger Freude.

In Lektion 190 heißt es:

“Nichts außerhalb von deinem Geist kann dich in irgendeiner Weise verletzen oder kränken. Es gibt keine Ursache jenseits von dir, die herabreichen und Bedrängnis bringen könnte. Niemand außer dir beeinflusst dich.”

“Mein heiliger Bruder, denk eine Weile über dieses nach: Die Welt, die du siehst, tut nichts. Sie hat überhaupt keine Wirkungen. Sie stellt nur deine Gedanken dar. Und sie wird sich völlig verändern, wenn du beschließt, anderen Geistes zu werden, und die Freude GOTTES als das wählst, was du wirklich willst. Dein SELBST erstrahlt in dieser heiligen Freude, unverändert, unveränderlich und unwandelbar, auf immer und auf ewig.”

Selbst die Mutterliebe, die so sehr verehrt und hoch geschätzt wird, ist nicht die Liebe GOTTES, denn auch Mutterliebe ist immer mit Sorge, Angst und dem Glauben an den Tod verbunden. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern und ihr Bedürfnis, sie zu beschützen, kommt daher, dass sie diese als einen Teil von sich betrachten. Niemand gibt etwas auf, was er als Teil von sich betrachtet. Wir reagieren zwar als Eltern ähnlich wie GOTT auf SEINE Schöpfungen, mit Liebe, Schutz und Barmherzigkeit - und trotzdem ist die Liebe GOTTES etwas grundsätzlich anderes. Die weltliche Eltern-Kind-Beziehung ist nie nur von reiner Liebe durchdrungen und ist immer von Sorge und Angst begleitet. Sorge ist Angst und Angst ist nicht LIEBE. Sorge ist Lieblosigkeit. Sorge ist immer ein Ausdruck unseres mangelnden Vertrauens in die Stärke GOTTES. Sorge ist der Glaube, dass Wirkliches bedroht sein könnte.

GOTT liebt mit einer LIEBE, die sich nie verändert und die kein Gegenteil kennt. GOTT ist DER liebende MUTTER&VATER, der sein schlafendes Kind sanft im Arm hält und ihm jede Unterstützung anbietet, um aus seinem Albtraum aufzuwachen. Doch GOTT weiß nichts vom Inhalt des Alptraums seines Kindes, sondern kennt nur die Wirklichkeit, also die Göttlichkeit seines Kindes. GOTT hat keine Sorge und keine Angst um sein Kind, weil er nur dessen wahres SEIN kennt, so wie ER ES erschaffen hat. Wenn unser Geist berichtigt ist, sind wir nicht nur Kinder Gottes, sondern wir leben auch als solche, unbedarft, sorgenfrei und umsorgt und lassen Christi Schau für uns auf alle Dinge blicken und beurteilen sie nicht, sondern geben stattdessen jedem ein Wunder der Liebe. So erleuchtet die LIEBE GOTTES durch uns die Welt.

“Dein Ego kann IHN nicht daran hindern, auf dich zu leuchten,
aber es kann dich daran hindern, IHN durch dich hindurch leuchten zu lassen.”
(EKIW: Kapitel 4, IV. 9. 6.)

Wohl am deutlichsten zeigt sich der Wahnsinn der egoischen Vorstellung von Liebe in der besonderen Paarbeziehung. Die „Liebe“ des Egos ist eine Leidenschaft, also etwas, das Leiden schafft. In unzähligen Geschichten erzählen wir uns immer wieder das gleiche Drama von dem, was das Ego unter Liebe versteht, von jener „Liebe”, die sich in Hass verwandeln kann. In der Oper Carmen sticht Don José, blind vor Wut und Eifersucht, sein Messer in die Brust seiner Geliebten und sinkt mit den Worten nieder: "Ah! Carmen! Meine angebetete Carmen!"

Wenn wir nur die Liebe kennen gelernt haben, die voller Leidenschaft und Anhaftung ist, können wir die Worte von Jesus: ‚GOTT ist LIEBE‘ nicht verstehen. Immer wieder stellen verzweifelte „Liebende“ daher die Frage: „Warum muss Liebe weh tun?“ Was ist das für eine völlig verrückte Vorstellung von Liebe? Damit sind wir bei der dritten großen Lüge des Egos über die Liebe angelangt, der Vorstellung, dass Liebe zeitlich begrenzt ist. Deshalb haben wir Angst vor der Liebe, weil wir Angst haben, sie wieder zu verlieren.

Wenn sich die egoische Liebe nicht in Hass verwandelt, dann neigt sie zumindest dazu, zu erkalten und in emotionsloser Distanz zu erstarren oder sich in alltäglichen Routinen zu verlieren. Ab jenem Moment, wo wir auch noch unsere Sehnsucht nach der LIEBE verloren haben, sind wir tot vor unserem Tod, sind wir bereits ins Grab gestiegen. Ohne LIEBE hat unser Leben keinen Sinn. LIEBE gibt ihm einen Sinn, LIEBE ist der einzige Sinn.

Ohne LIEBE ist ein Mensch ganz allein, vom Herzen der Existenz abgetrennt. Ohne LIEBE ist jeder eine einsame Einheit, er ist ohne Verbindung zu anderen. Vor lauter "Selbstverwirklichung" sind heutzutage immer mehr Menschen im Geiste vollkommen allein. Wir alle schließen uns vom anderen ab, in uns selbst gefangen.

Zu lieben und Liebe zu brauchen ist zweierlei. Jeder, der Liebe haben will, leidet, denn LIEBE kann man nicht fordern, LIEBE kann man nur geben. Die LIEBE ist wie der Duft einer Rose, sie verströmt sich und ist für alle da, denn Geben und Empfangen sind in Wahrheit eins. Wenn wir allerdings im Ego-Denksystem gefangen sind und die Person, von der wir Liebe erwarten, auch von uns Liebe erwartet, dann ist es, als ob sich zwei Bettler treffen und sich gegenseitig anbetteln, sich gegenseitig in die Tasche greifen und enttäuscht sind, dass sie leer ist.

"Es gibt nichts, was so blind macht wie die Wahrnehmung der Form."
(EKIW: Kapitel 22, III. 6. 7.)

“GOTT kennt keine Form.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 4. 5.)

Wenn wir zuerst auf die Form (schönes Gesicht, Kleinkind, süßes Kätzchen, …) schauen, in der Hoffnung, uns so an die LIEBE GOTTES zu erinnern, wird das nicht funktionieren. Die Erlösung besteht darin, aus der LIEBE GOTTES heraus auf die Welt der Formen zu schauen. Wenn wir mit der LIEBE GOTTES auf die Welt schauen, wird alles nur die LIEBE GOTTES widerspiegeln.

Solange wir Form vor Inhalt sehen, solange wir Sterblichkeit vor Ewigkeit sehen, solange wir Angst vor Liebe sehen, solange sind all unsere Gedanken wahnsinnig, weil sie falsch sind.

Der Weg zur LIEBE GOTTES beginnt damit, uns daran zu erinnern, dass wir nicht wissen, wer wir sind, dass wir nicht verstehen, was wir sehen, dass wir nicht wissen, wozu irgendetwas dient. Dieser "Ich-weiß-nicht"-Zustand ist demütig. In der Zen-Tradition wird er als Geist des Anfängers bezeichnet.

Nächstenliebe ist auch einer jener Begriffe, die seit jeher zu großen Missverständnissen geführt haben. Schon zu Beginn des Kurses in Kapitel 2 unter V. 9. & 10. beschreibt Jesus daher den Begriff Nächstenliebe sehr genau:

“Heilen ist eine Fähigkeit, die nach der Trennung entwickelt wurde, vor welcher sie unnötig war. Wie alle Aspekte des Glaubens an Raum und Zeit ist sie vorübergehend. Solange jedoch die Zeit anhält, wird die Heilung als ein Schutzmittel benötigt. Das rührt daher, dass Heilung auf Nächstenliebe beruht und Nächstenliebe eine Art ist, die Vollkommenheit eines anderen wahrzunehmen, auch wenn du sie in dir nicht wahrnehmen kannst. Die meisten erhabeneren Konzepte, deren du jetzt fähig bist, sind zeitabhängig. Die Nächstenliebe ist in Wirklichkeit eine schwächere Widerspiegelung eines viel mächtigeren Umfasstwerdens von der Liebe, das weit über jede für dich jetzt vorstellbare Form der Nächstenliebe hinausgeht. Die Nächstenliebe ist in dem begrenzten Sinn, in dem sie jetzt erreichbar ist, für die Rechtgesinntheit wesentlich.

Die Nächstenliebe ist eine Art, einen anderen so anzusehen, als sei er schon weit über das hinausgegangen, was er in der Zeit tatsächlich erreicht hat. Da sein eigenes Denken fehlerhaft ist, kann er die SÜHNE nicht für sich selber sehen, sonst bräuchte er keine Nächstenliebe. Die Nächstenliebe, die ihm zuteil wird, ist sowohl eine Anerkennung, dass er Hilfe braucht, als auch die Einsicht, dass er sie akzeptieren wird. Beide Wahrnehmungen sind eindeutig zeitabhängig und verdeutlichen, dass die Nächstenliebe immer noch innerhalb der Begrenzungen dieser Welt liegt. Ich sagte bereits, dass nur die Offenbarung über die Zeit hinausgeht. Das Wunder - als ein Ausdruck der Nächstenliebe - kann sie nur verkürzen. Es gilt jedoch zu verstehen, dass du jedes Mal, wenn du einem anderen ein Wunder schenkst, euer beider Leiden verkürzt. Diese Berichtigung ist sowohl rückwirkend wie auch vorgreifend wirksam.

Der letzte Satz verweist auf noch etwas sehr Wesentliches. Ein Wunder findet im heiligen Augenblick statt und da der heilige Augenblick - das Jetzt, jenseits der linearen Zeit - alles enthält, auch Vergangenheit und Zukunft, verändert ein Wunder immer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein heiliger Augenblick der LIEBE, den wir gemeinsam mit unserem Bruder verbringen, wirkt heilend auf alles und es ändern sich Zustand, der Raum und die Zeit. Jedes Wunder der LIEBE ist wie ein Kieselstein, der in einen Teich geworfen wird, er zieht Kreise im ganzen Teich.

Wahre Liebe ist DIE LIEBE GOTTES, sie ist absolut inklusive - allumfassend und was allumfassend ist, kann kein Gegenteil haben.

Die Lektionen 103, 127 und 171 im Kurs lauten:
“GOTT, DER die LIEBE ist, ist auch das Glück.”
“Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.”
“GOTT ist nur LIEBE, und daher bin ich es auch.”

In Lektion 168 heißt es:
“ER liebt SEINEN SOHN. Es gibt keine Gewissheit außer dieser, diese aber genügt. Er wird SEINEN SOHN lieben in alle Ewigkeit. Wenn sein Geist weiterschläft, liebt ER ihn dennoch. Und wenn sein Geist erwacht, liebt ER ihn mit einer LIEBE, die sich nie verändert.”

“Wie GOTT denken heißt, SEINE Gewissheit darüber mit IHM zu teilen, was du bist; wie ER erschaffen heißt, die vollkommene LIEBE mit IHM zu teilen, die ER mit dir teilt. Dahin führt dich der HEILIGE GEIST, damit deine Freude vollkommen sei, weil das REICH GOTTES ganz ist.”
(EKIW: Kapitel 7, I. 6. 1.&2.)

Erst durch LIEBE wird jeder Moment an sich wertvoll. Dann fragen wir nicht mehr nach dem Sinn. Wenn jemand fragt, was ist der Sinn des Lebens, dann wissen wir, dass ihm LIEBE fehlt. Wenn jemand fragt, was bedeutet das Leben, dann fragt er, weil er noch nie geliebt hat. Wenn jemand liebt, dann fragt er nicht nach dem Sinn des Lebens. Er kennt den Sinn, er braucht nicht zu fragen. Der Sinn ist da: LIEBE ist der Sinn des LEBENS.

Ohne LIEBE hat das Leben keine Poesie. Ohne LIEBE existiert der Baum, aber er erblüht nicht. Ohne LIEBE können wir nicht tanzen, nicht feiern, wir können uns nicht dankbar fühlen, nicht andächtig sein. Ohne LIEBE sind Tempel einfach normale Häuser, mit LIEBE wird ein normales Haus in einen Tempel verwandelt. Ohne LIEBE bleiben wir nur eine Möglichkeit - leere Gesten. Mit LIEBE werden wir zum ersten Mal echt. Wenn die LIEBE erscheint, zieht sich das Ego zurück und der Geist erwacht ...

In einer Vision wurde mir einmal gezeigt, was es bedeutet, dass nur die Liebe wirklich ist. Ich sah, was die Welt ein Schlachtfeld nennt. Aus weltlicher Sicht tobte hier ein gewaltiger Krieg. Aber ich sah keinen Krieg, ich sah nur Liebe. Ich sah einen Soldaten, der seinen verwundeten Kameraden unter Einsatz seines eigenen Lebens aus der Schusslinie zog. Ich sah die Liebe eines Soldaten zu seinen Kameraden. Ich sah eine Mutter, die mit ihren beiden Kindern in den nächsten Luftschutzkeller flüchtete. Ich sah die Liebe dieser Mutter zu ihren Kindern. Ich sah, wie die Menschen im Luftschutzkeller das Wenige, was sie hatten, miteinander teilten. Ich sah die Liebe im Akt des Teilens. Ich sah keinen Krieg, ich sah nur Liebe.

“Jeder liebevolle Gedanke, den der GOTTESSOHN je hatte, ist ewig. Die liebevollen Gedanken, die sein Geist in dieser Welt wahrnimmt, sind die einzige Wirklichkeit der Welt. Sie sind immer noch Wahrnehmungen, weil er immer noch getrennt zu sein glaubt. Doch sind sie ewig, weil sie liebevoll sind. Und da sie liebevoll sind, sind sie wie der VATER und können deshalb nicht sterben. Die wirkliche Welt ist tatsächlich wahrnehmbar. Das einzige, was dazu nötig ist, ist die Bereitwilligkeit, nichts anderes sonst wahrzunehmen.”
(EKIW: Kapitel 11, VII. 2.)

Vom egoischen Ersatz für die Liebe ist es ein herausfordernder Weg zur LIEBE GOTTES. Denn das Ego ist sich sicher, dass Liebe gefährlich ist, und das ist immer seine zentrale Lehre. Es drückt das nie so aus; im Gegenteil, jeder, der sich mit dem Ego-Denksystem identifiziert, scheint sich intensiv mit der Suche nach Liebe zu beschäftigen. Doch das ist eine Suche ohne Ende, denn das Ego kann nicht lieben, und in seiner fieberhaften Suche nach Liebe sucht es etwas, was zu finden es sich fürchtet. Die LIEBE ist nichts Persönliches, sie ist grenzenlos. Uns auf die LIEBE zuzubewegen bedeutet, uns auf einen Abgrund zuzubewegen. Es bedeutet, uns auf das letzte Hindernis vor dem Frieden zuzubewegen - auf die Angst vor GOTT, die Angst vor EINHEIT. Wir fangen an zu zittern, es wird uns schwindelig. Wir fühlen uns beinahe gelähmt: Wir können nicht weglaufen, wir können nicht springen. Wir erzittern einfach in Furcht.

Was können wir tun? Es ist nicht möglich zurück zu gehen, denn die LIEBE zieht uns an: die LIEBE ruft unsere Tiefe, die LIEBE ruft unser Potential, die LIEBE gibt uns einen Einblick in das, was wir sind. Wir müssen uns selbst fallen lassen - alles, von dem wir dachten, das seien wir - unser Image, unsere Vergangenheit, unsere Zukunft, unsere falsche Identität. Wir springen einfach, ohne uns darum zu kümmern, was danach passiert, es geht nur um den Sprung und das brennende Gefühl beim freien Fall in den weiten HIMMEL. Am anderen Ende erwartet uns eine weiche, sanfte Landung in den Armen GOTTES. Vor dem Sprung erscheint das Risiko zu hoch. Wenn wir einmal springen … dann wissen wir, dass alles, was wir losgelassen haben, nichts ist, und das, was wir gewonnen haben, ist unendlich wertvoll. Die LIEBE fordert, dass wir das fallen lassen, was wir nicht haben, und die LIEBE bietet uns das an, was wir schon sind. Die LIEBE möchte, dass wir das loswerden, was wir nicht haben, das, was nie existiert hat.

“Wenn Angst und Liebe nicht nebeneinander existieren können und wenn es unmöglich ist, ganz von Angst erfüllt zu sein und lebendig zu bleiben, dann ist der einzig mögliche Zustand der Ganzheit derjenige der Liebe. Es gibt keinen Unterschied zwischen Liebe und Freude. Daher ist der einzig mögliche Zustand der Ganzheit einer der vollkommenen Freude.
(EKIW: Kapitel 5, Einleitung, 2.-4.)

“Deshalb solltest du nur eine einzige Lektion lehren. Wenn du selbst frei von Konflikten sein willst, darfst du nur vom HEILIGEN GEIST lernen und nur durch IHN lehren. Du bist nur Liebe, wenn du das aber verleugnest, machst du das, was du bist, zu etwas, woran du dich erinnern lernen musst. Ich habe schon gesagt, dass die Botschaft der Kreuzigung lautete: »Lehre nur Liebe, weil du nur Liebe bist.« Das ist die eine Lektion, die vollkommen geeint ist, weil sie die einzige Lektion ist, die eins ist. Nur dadurch, dass du sie lehrst, kannst du sie lernen. »Wie du lehrst, so lernst du.« Wenn das wahr ist, und es ist in der Tat wahr, dann vergiss nicht, dass das, was du lehrst, dich lehrt. Und was du projizierst oder ausdehnst, glaubst du.”
(EKIW: Kapitel 6, III. 2.)

Besondere Beziehung

Jede Beziehung, die auf der Besonderheit einer bestimmten Person beruht, ist eine besondere Beziehung. Die besondere Beziehung ist der Verzicht auf GOTTES LIEBE und der Versuch, die Besonderheit für das Selbst zu sichern.

“Die Suche nach besonderen Beziehungen ist das Zeichen dafür, dass du dich mit dem Ego und nicht mit GOTT gleichsetzt. Denn die besondere Beziehung hat nur für das Ego einen Wert. Ist eine Beziehung nicht von besonderem Wert, so ist sie für das Ego bedeutungslos, denn es nimmt alle Liebe als besonders wahr. Doch das kann nicht natürlich sein, denn es gleicht nicht der Beziehung zwischen GOTT und SEINEM SOHN, und alle Beziehungen, die dieser nicht gleichen, müssen unnatürlich sein. Denn GOTT schuf die Liebe, wie ER sie haben wollte, und gab sie, wie sie ist. Die Liebe hat keine Bedeutung, außer wie sie ihr SCHÖPFER durch SEINEN WILLEN definierte. Es ist unmöglich, sie anders zu definieren und zu verstehen.”
(EKIW: Kapitel 16, VI. 1.)

Bei der Betrachtung der besonderen Beziehung ist es notwendig, erst einmal zu merken, dass sie ein großes Maß an Schmerz beinhaltet. Beängstigung, Verzweiflung, Schuld und Angriff, sie alle gehen in sie ein und sind von Phasen unterbrochen, in denen es so aussieht, als seien sie nicht mehr da. Sie alle müssen als das verstanden werden, was sie sind. Welche Form sie auch immer annehmen mögen, sie sind immer ein Angriff auf das Selbst, um den anderen schuldig zu machen. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Paarbeziehung - der besonderen »Liebesbeziehung«.

“Die besondere Liebesbeziehung ist ein Versuch, die zerstörerischen Wirkungen des Hasses dadurch zu begrenzen, dass man einen Hafen im Sturm der Schuld findet.”
(EKIW: Kapitel 16, IV. 3. 1.)

Die besondere Liebesbeziehung ist die Hauptwaffe des Ego, um dich vom HIMMEL fernzuhalten. Sie sieht nicht aus wie eine Waffe, aber wenn du bedenkst, welchen Wert du ihr beimisst und warum, wirst du merken, was sie sein muss.”
(EKIW: Kapitel 16, V. 2. 4.-5.)

“In der besonderen Beziehung sieht es nicht so aus, als suchtest du ein Ausagieren von Rache. Und sogar dann, wenn Hass und Brutalität für kurze Zeit durchbrechen, ist die Illusion der Liebe nicht tiefgreifend erschüttert. Doch das eine, bei dem das Ego nie zulässt, dass es das Bewusstsein erreicht, ist, dass die besondere Beziehung das Ausagieren von Rache an dir selbst ist. Was könnte sie denn sonst sein? Wenn du die besondere Beziehung suchst, suchst du nicht nach der Herrlichkeit in dir. Du hast verleugnet, dass sie in dir ist, und die Beziehung wird zu deinem Ersatz dafür.”
(EKIW: Kapitel 16, VII. 5. 1.-6.)

Am eigenartigsten ist das Selbstkonzept, das das Ego in der besonderen Liebesbeziehung fordert. Dieses »Selbst« sucht die Beziehung, um sich vollständig zu machen - es sucht seine »bessere Hälfte«. Das »bessere« Selbst, welches das Ego sucht, ist immer eines mit noch mehr Besonderheit. Und wer auch immer ein besonderes Selbst zu besitzen scheint, der wird für das »geliebt«, was ihm genommen werden kann. Doch wenn es die besondere Beziehung findet, in der es glaubt, es könne das erreichen, gibt es sich selber weg und versucht, sich gegen dass Selbst eines anderen »einzutauschen«. Wo beide Partner dieses besondere Selbst im anderen sehen, da sieht das Ego »eine im HIMMEL geschlossene Verbindung«. Keiner von beiden wird dann merken, dass er um die Hölle gebeten hat.

Die vielleicht am weitesten verbreitete unhinterfragte Erwartung, die in der Gesellschaft hochgehalten wird, ist das Ehegelübde. Es gibt eine Erwartung der Langlebigkeit, bei der silberne, goldene und diamantene Jahrestage als respektable Errungenschaften angesehen werden. Das Ego lebt in und von der Zeit und verteilt deshalb Prämien für Langlebigkeit. Doch kein Hochzeitsritual kann uns verbinden, weil wir bereits verbunden sind. Wir können nicht getrennt sein. GOTT hat nur EINHEIT erschaffen. Was GOTT erschaffen hat, das kann der Mensch nicht trennen und er kann es auch nicht verbessern. Ein Hochzeitsritual kann daher nur eine Erinnerung an die ewige Verbindung in GOTT sein.

Besondere Beziehung und die Erwartung
½ + ½ = 1

Besondere Beziehung und der Faktor Zeit
½ x ½ = ¼

Heilige Beziehung im heiligen Augenblick
1 x 1 = EINS

Die besondere Beziehung ist ohne Körper völlig bedeutungslos. Wenn wir sie wertschätzen, müssen wir auch den Körper wertschätzen. Und was wir wertschätzen, das behalten wir. Die besondere Beziehung ist eine Einrichtung, um unser Selbst auf einen Körper zu begrenzen und unsere Wahrnehmung anderer auf den ihren. Aber wenn wir unseren Bruder als Körper wahrnehmen, ist seine Wirklichkeit für uns verloren und somit auch unsere eigene. Körper lassen sich nicht zum Zweck der Vereinigung benutzen - auch wenn das Ego uns beharrlich das Gegenteil zu lehren versucht. Wenn wir also unseren Bruder als Körper sehen, dann haben wir eine Voraussetzung geschaffen, unter der eine Vereinigung mit ihm unmöglich ist. Es ist unmöglich, unseren Bruder sündenlos zu sehen und ihn dennoch als Körper zu betrachten.

Nur das Gewahrsein des Körpers ist es, das die Liebe begrenzt erscheinen lässt. Denn der Körper ist eine Begrenzung der Liebe. Der Glaube an begrenzte Liebe war sein Ursprung, und er wurde gemacht, dass Unbegrenzte zu begrenzen. Denk nicht, dass das bloß allegorisch ist, denn er wurde gemacht, um dich zu begrenzen.”
(EKIW: Kapitel 18, VIII. 1. 1.-4.)

Wenn wir einem Menschen begegnen, zu dem wir uns zutiefst hingezogen fühlen, dann gibt es am Anfang oft einen heiligen Augenblick, in dem wir den anderen so sehen, wie er wirklich ist. Da ist ein flüchtiger Eindruck der Wirklichkeit. Aber die meisten Beziehungen sind voll von Erwartungen, voll von Glauben an die Vergangenheit und an die Zukunft. Mit anderen Worten, wenn wir auf der persönlichen Ebene, d.h. im Zustand der Identifikation mit dem Ego-Denksystem, einem anderen Menschen begegnen, begegnen wir ihm nicht so, wie er wirklich ist, sondern wir begegnen einer Version von ihm, die auf unseren vergangenen Erfahrungen und unserem vergangenen Lernen basiert. Vor allem sind es all unsere vergangenen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht an sich und all unsere Erfahrungen mit bestimmten Vertretern des anderen Geschlechts, die in unsere Begegnungen einfließen.

Je mehr Beziehungen wir in unserem Leben gehabt haben, desto mehr Vergangenheit schleppen wir mit uns herum und desto größer wird die Rache an der Vergangenheit. In der unheiligen Beziehung wird die Vereinigung nicht mit dem Körper des anderen versucht, sondern mit den Körpern derer, die nicht da sind. Denn sogar der Körper des anderen, der bereits eine stark begrenzte Wahrnehmung von ihm darstellt, ist nicht der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das, was wir für unsere Rachephantasien nutzen, sind all die vergangenen Erfahrungen mit anderen Körpern. Meist rächen wir uns auch immer noch an den ersten Bezugspersonen in unserem Leben, an Vater oder Mutter, die mit im Bett jeder unheiligen Beziehung liegen. Jeder Schritt, der beim Eingehen, Aufrechterhalten und Abbrechen der unheiligen Beziehung getan wird, ist ein Schritt hin zu weiterer Fragmentierung und Unwirklichkeit. Die Schattengestalten dringen immer stärker ein, und derjenige, in dem sie zu sein scheinen, wird selbst immer unwichtiger.

“Die besondere Liebesbeziehung ist ein Versuch, Liebe in die Trennung zu bringen.”
(EKIW: Kapitel 16, IV. 7. 2.)

Die romantische Vorstellung von der besonderen Paarbeziehung ist jenes Konzept, das das Ego am stärksten verteidigt. Das Ego wird daher einwenden, aber es gibt doch dauerhaft glückliche Beziehungen in dieser Welt. Für dieses scheinbare Glück gibt es eine einfache Erklärung. Die Anziehungskraft der unheiligen Beziehung beginnt fast augenblicklich zu verblassen und in Frage gestellt zu werden. Wurde sie erst einmal eingegangen, müssen Zweifel Einlass finden, weil ihr Zweck unmöglich ist. Das romantische Ideal der unheiligen Beziehung wird also eine, in der die Wirklichkeit des andern überhaupt nicht eindringt, um den Traum vom Glück zu verderben. Und je weniger der andere wirklich in die Beziehung einbringt, desto “besser” wird sie. So wird der Vereinigungsversuch zu einem Mittel, sogar den auszuschließen, mit dem die Vereinigung gesucht wurde. Sie wurde nämlich eingegangen, um ihn daraus zu vertreiben und sich in scheinbarer “Glückseligkeit” mit Phantasien zu verbinden. Wir schaffen so viel Distanz zum anderen, dass er unsere Beziehungsphantasie nicht mehr stört.

“Es ist unmöglich, die Vergangenheit loszulassen, ohne die besondere Beziehung aufzugeben. Denn die besondere Beziehung ist ein Versuch, die Vergangenheit aufs neue zu inszenieren und zu verändern. Eingebildete Kränkungen, erinnerter Schmerz, vergangene Enttäuschungen, wahrgenommene Ungerechtigkeiten und Entbehrungen gehen alle in die besondere Beziehung ein, die zu einer Weise wird, wie du deine verletzte Selbstachtung wiederherzustellen suchst. Welche Basis hättest du ohne die Vergangenheit, um einen besonderen Partner auszuwählen? Jede derartige Wahl wird wegen etwas Bösem in der Vergangenheit getroffen, an das du dich klammerst und wofür jemand anders sühnen muss.”
(EKIW: Kapitel 16, VII. 1.)

Die besondere Beziehung rächt sich an der Vergangenheit. indem sie versucht, Leiden in der Vergangenheit zu beseitigen, übersieht sie in ihrer Beschäftigung mit der Vergangenheit und ihrer totalen Verpflichtung ihr gegenüber die Gegenwart. Keine besondere Beziehung wird in der Gegenwart erlebt. Schatten der Vergangenheit umhüllen sie und machen sie zu dem, was sie ist. Sie hat keine Bedeutung in der Gegenwart, und wenn sie jetzt nichts bedeutet, kann sie überhaupt keine wirkliche Bedeutung haben. Wie kannst du die Vergangenheit verändern, außer in der Phantasie? Und wer kann dir das geben, wovon du glaubst, die Vergangenheit habe es dir entzogen? Die Vergangenheit ist nichts. Suche nicht, ihr die Schuld für den Entzug zuzuweisen, denn die Vergangenheit ist vorbei. Du kannst nicht wirklich nicht loslassen, was schon vorbei ist. Daher muss es so sein, dass du die Illusion aufrechterhältst, dass es nicht vorbei ist, weil du denkst, es diene irgendeinem Zweck, den du erfüllt haben möchtest. So muss es denn auch sein, dass dieser Zweck sich in der Gegenwart nicht erfüllen ließe, sondern nur in der Vergangenheit.”
(EKIW: Kapitel 16, VII. 2.)

Songtitel wie "I Want You", "I Think I Love You Too Much", "Love Is The Drug", "I Will Follow You into the Dark", "Love Will Tear Us Apart", "Too Much Love Will Kill You", "Gimme All Your Lovin' or I Will Kill You" beschreiben sehr treffend die wahnsinnigen Ideen, die der besonderen »Liebesbeziehung« zugrunde liegen. Der Kurs enthält nicht umsonst 272 mal das Wort „Wahnsinn“.

“I was lookin' for love in all the wrong places
Lookin' for love in too many faces
Searchin' their eyes
Lookin' for traces of what I'm dreaming of
Hoping to find a friend and a lover
I'll bless the day I discover another heart
Lookin' for love”
(Lookin' for Love - Johnny Lee)

In zahllosen Liebesromanen, romantischen Filmen, Opern und diversen Liebesdramen erzählen wir uns die Geschichte von der besonderen »Liebesbeziehung«. Am Ende jedes romantischen Liebesfilms liegen sich die beiden, die von Anfang an füreinander bestimmt waren, nach einer Unmenge an Schwierigkeiten und Missverständnissen endlich in den Armen. Doch der Kuss am »glücklichen Ende« der Geschichte ist eine Lüge, er ist der als Ende getarnte Anfang der besonderen Beziehung. Kein »Liebesfilm« zeigt uns die dunkle Seite der besonderen Beziehung.

Im Zustand der Ego-Identifikation besteht unser zentrales Bestreben darin, unser persönliches Selbstbild, also unsere falsche Identität, aufrechtzuerhalten. Das hat zur Folge, dass wir wahrhaft intime Beziehungen - also Intimität auf der Ebene des Geistes - entweder von vornherein vermeiden oder, wenn wir uns doch darauf einlassen, sie stark einschränken und kontrollieren. Doch die Aufrechterhaltung eines persönlichen Selbst in intimen Begegnungen kostet Kraft. Wir glauben nämlich, dass das Zusammensein das schmälert, was wir zu sein glauben. Deshalb müssen wir unser Selbstbild immer wieder stärken - getrennt vom Anderen. Um diesen Graben zwischen uns und dem anderen aufrechtzuerhalten, treffen wir stillschweigend eine Vereinbarung. Eine vorsichtige Beziehung, die in ihrem Umfang und in ihrem Ausmaß sorgfältig begrenzt ist, wird zum Vertrag, den wir - meist unausgesprochen - miteinander schließen. Der Graben zwischen uns ist das Symbol für das Versprechen, uns zu treffen, wenn wir es wollen, und uns zu trennen, bis wir uns wieder treffen. Nur unter dem Vorbehalt des »Rechts« auf Trennung vereinbaren wir, uns von Zeit zu Zeit zu treffen und uns fernzubleiben in Zwischenzeiten der Trennung, die uns vor den Opfern der »Liebe« schützen.

Der Kurs enthält viele Kapitel die sich sehr ausführlich, nicht nur mit der besonderen »Liebesbeziehung«, sondern mit dem Wahnsinn der besonderen Beziehung an sich beschäftigen. Im Folgenden die Absätze 6 bis 10 aus dem Kapitel 15, Abschnitt VII „Das unnötige Opfer“:

Auf die eine oder andere Weise fußt jede Beziehung, die das Ego eingeht, auf der Idee, es werde größer, indem es sich selbst opfert. Das »Opfer«, welches es als Läuterung betrachtet, ist eigentlich die Wurzel seines bitteren Grolls. Es würde nämlich lieber direkt angreifen und vermeiden, das zu verzögern, was es wirklich will. Doch erkennt das Ego die »Wirklichkeit« so an, wie es sie sieht, und begreift, dass niemand den direkten Angriff als Liebe deuten könnte. Schuldig machen aber ist ein direkter Angriff, auch wenn es nicht so aussieht. Denn die Schuldigen erwarten Angriff, und da sie ihn erbeten haben, zieht er sie an.

In solchen wahnsinnigen Beziehungen scheint die Anziehungskraft dessen, was du nicht willst, viel stärker zu sein als die Anziehungskraft dessen, was du willst. Denn jeder glaubt, dem anderen etwas geopfert zu haben, und dafür hasst er ihn. Das aber ist es, was er zu wollen glaubt. Er ist gar nicht in den anderen verliebt. Er glaubt nur, er sei ins Opfern verliebt. Und er verlangt, dass der andere für dieses Opfer, das er sich selber abverlangt, die Schuld annimmt und sich auch opfert. Vergebung wird unmöglich, denn das Ego glaubt, einem anderen vergeben heiße ihn verlieren. Nur durch Angriff ohne Vergebung kann das Ego die Schuld sicherstellen, die all seine Beziehungen zusammenhält.

Doch scheinen sie nur zusammenzusein. Denn für das Ego bedeuten Beziehungen nur, dass Körper zusammen sind. Das Ego verlangt stets nur das und hat nichts dagegen einzuwenden, wohin der Geist geht oder was er denkt, denn das erscheint unwichtig. Solange der Körper da ist, um sein Opfer zu empfangen, ist es zufrieden. Für das Ego ist der Geist privat, und nur der Körper lässt sich mit andern teilen. Ideen sind grundsätzlich nicht von Belang, außer insofern, als sie den Körper eines andern näher bringen oder in die Ferne rücken. In diesem Sinn bewertet es Ideen als gut oder schlecht. Was einen andern schuldig macht und ihn durch Schuld festhält, ist »gut«. Was ihn von Schuld befreit, ist »schlecht«, weil er dann nicht mehr glauben würde, dass Körper miteinander kommunizieren, und somit wäre er »fort«.

Leid und Opfer sind die Gaben, mit denen das Ego alle Verbindungen »segnen« möchte. Und die, die an seinem Altar vereint sind, akzeptieren Leid und Opfer als den Preis der Vereinigung. In ihren ärgerlichen Bündnissen - aus Angst vor Einsamkeit geboren und dennoch dem Fortbestand der Einsamkeit verschrieben - sucht jeder nach Entlastung von der Schuld, indem er sie im andern mehrt. Denn jeder glaubt, dass das die Schuld in IHM vermindert. Der andere scheint ihn immer anzugreifen und zu verletzen, viel leicht in kleinen Dingen, vielleicht »unbewusst«, doch nie, ohne ein Opfer zu fordern. Die Wut derjenigen, die am Altar des Ego verbunden sind, ist weitaus größer, als du gewahr wirst. Denn was das Ego wirklich will, das merkst du nicht.

Jedes Mal, wenn du dich ärgerst, kannst du sicher sein, dass du eine besondere Beziehung eingegangen bist, der das Ego seinen »Segen« erteilt hat, denn Ärger ist sein Segen. Der Ärger nimmt viele Formen an, aber er kann diejenigen nicht lange täuschen, die lernen wollen, dass Liebe keinerlei Schuld mit sich bringt und dass, was Schuld mit sich bringt, nicht Liebe sein kann und Ärger sein muss. Jeder Ärger ist nichts anderes als ein Versuch, jemanden dazu zu bringen, dass er sich schuldig fühlt, und dieser Versuch ist die einzige Basis, die das Ego für besondere Beziehungen akzeptiert. Schuld ist das einzige Bedürfnis, das das Ego hat, und solange du dich mit IHM identifizierst, wird Schuld für dich anziehend bleiben. Aber erinnere dich an folgendes: Mit einem Körper zusammensein ist nicht Kommunikation. Wenn du das glaubst, fühlst du dich schuldig wegen der Kommunikation und hast Angst, den HEILIGEN GEIST zu hören, da du in SEINER STIMME dein eigenes Bedürfnis nach Kommunikation erkennst.“

In der Einleitung zu Kapitel 22 heißt es weiter:

„Wer braucht die Sünde? Nur die, die einsam und allein sind und ihre Bruder anders sehen als sich selbst. Gerade dieser Unterschied, der zwar gesehen wird, aber nicht wirklich ist, lässt das Bedürfnis nach der Sünde, das nicht wirklich ist, aber gesehen wird, gerechtfertigt erscheinen. Das alles wäre wirklich, wenn die Sünde es wäre. Denn eine unheilige Beziehung fußt auf Unterschieden, bei denen jeder denkt, der andere habe das, was er nicht hat. Sie kommen zusammen, jeder, um sich selber zu vervollständigen und den andern zu bestehlen. Sie bleiben so lange, bis sie denken, es gebe nun nichts mehr zu stehlen, und dann ziehen sie weiter. So wandern sie durch eine Welt von Fremden, die anders sind als sie, leben vielleicht mit ihren Körpern unter einem gemeinsamen Dach, das weder einen noch den anderen schützt, im selben Raum und doch in einer Welt für sich.“

Die besondere Beziehung hat den imposantesten und täuschendsten Rahmen aller Abwehrmechanismen, deren das Ego sich bedient. Sein Denksystem wird hier angeboten, von einem Rahmen umgeben, der derart schwer und kunstvoll ist, dass das Bild durch seine imposante Beschaffenheit beinahe ausgelöscht wird. In den Rahmen sind vielerlei Arten phantastischer und fragmentierter Liebesillusionen eingeflochten, eingefasst in Opferträume und Träume der Selbsterhöhung, verwoben mit Goldfaden der Selbstzerstörung. Das Glitzern des Blutes leuchtet wie Rubine, die Tränen sind geschliffen, Diamanten gleich, und funkeln in dem trüben Licht, in dem die Gabe dargeboten wird.

Sieh dir das Bild an. Lass nicht zu, dass dich der Rahmen ablenkt. Diese Gabe wird dir zu deiner Verdammnis gegeben, und wenn du sie nimmst, wirst du glauben, dass du verdammt bist. Du kannst den Rahmen nicht ohne das Bild haben. Was du schätzt, ist der Rahmen, denn dort siehst du keinen Konflikt. Der Rahmen aber ist nur die Verpackung für die Gabe des Konflikts. Der Rahmen ist nicht die Gabe. Lass dich durch die oberflächlichsten Aspekte dieses Denksystems nicht täuschen, denn diese Aspekte umfassen das Ganze, das in jedem seiner Aspekte vollständig ist. Der Tod liegt in dieser glitzernden Gabe. Lass deinen Blick nicht auf dem hypnotischen Glanz des Rahmens haften. Sieh das Bild an und begreife, dass der Tod dir angeboten wird.
(EKIW: Kapitel 17, IV. 8.-9.)

Versuchen wir es mal mit einem »Liebesbrief«, der nichts verheimlicht:

„Ich will dich.
Ich will nur dich.
Ich »liebe« nur dich.
Alle anderen sind mir mehr oder weniger egal.

Ich »liebe« dich, auch wenn es gelogen ist.
In Wahrheit fürchte ich mich, dich zu »lieben«,
weil ich glaube, dass mich das verletzlich macht.
Wenn ich ehrlich bin, liebe ich es viel mehr, zu hassen,
weil ich im Geheimen glaube, Hass sei Liebe.

Ich will dich ganz, den ganzen Körper
und die Zeit, die dieser Körper in der Welt verbringt.
Ich werde allerdings immer wieder Zeit für mich brauchen,
denn das Zusammensein mit dir kostet Kraft.
Es verringert das, was ich glaube zu sein.
Daher muss ich mein Selbst immer wieder - getrennt von dir - stärken.

Wenn ich dich zu nahe kommen ließe, täte ich einen Sprung zurück;
wenn ich mich näherte, dann zögest du dich augenblicklich zurück.

Wir wissen das beide und darum,
haben wir stillschweigend einen Deal gemacht.
Eine vorsichtige Beziehung, begrenzt im Umfang
und sorgfältig eingeschränkt im Ausmaß,
wurde zu dem Vertrag, den wir miteinander geschlossen haben.

Es gibt einen Graben zwischen uns.
Es gibt in unserem eingeschränkten Bündnis eine Trennungsklausel,
die wir übereingekommen sind unversehrt zu erhalten.
Gegen diese zu verstoßen,
sehen wir als einen unzulässigen Vertragsbruch an.

Der Graben zwischen dir und mir ist nicht ein Raum zwischen unseren Körpern,
denn diese scheinen nur unsere separaten Geister voneinander abzutrennen.
Der Graben zwischen uns ist das Symbol eines Versprechens,
uns zu begegnen, wenn wir es wollen, und uns zu trennen,
bis du und ich beschließen, einander wieder zu begegnen.

Dann scheinen unsere Körper miteinander in Kontakt zu treten
und dadurch eine Stätte der Begegnung kundzutun, wo wir uns verbinden können.
Doch ist es für dich und für mich stets möglich,
dass wir unsere separaten Wege gehen.

Nur unter dem Vorbehalt des »Rechtes«, uns zu trennen,
stimmen wir miteinander überein, uns von Zeit zu Zeit zu treffen
und uns fernzubleiben in Zwischenzeiten der Trennung,
die uns vor den Opfern der »Liebe« schützen.

Der Körper rettet uns, denn auf diese Weise entgeht er dem totalen Opfer
und gibt uns Zeit, unser separates Selbst wiederaufzubauen,
von dem wir wahrlich glauben, es werde vermindert,
wenn du und ich uns begegnen.

So statten wir den Körper aus mit einer Macht, die ihm nicht selber innewohnt.
Und hierin liegt die Macht, die er nun über uns hat.
Jetzt glauben wir nämlich, er lege fest, wann du und ich uns begegnen,
und er begrenze unsere Fähigkeit, im Geist in Kommunion zu treten.

Der Körper passt sich diesem an, weil wir es so haben wollen.
Er wird nur begrenzt erlauben, dass wir in der »Liebe« schwelgen,
mit Intervallen von Hass dazwischen.
Und er wird das Kommando übernehmen darüber,
wann wir »lieben« sollen und wann es sicherer ist,
in die Angst zurückzuweichen.

Ich »liebe« dich, darum opfere ich mich für dich auf,
indem ich dir entgegenkomme, indem ich Kompromisse eingehe.
Und erwarte mir, dass du das gleiche für mich tust.
Irgendwann werde ich dich dafür hassen,
dass ich mich für dich aufgeopfert habe,
du mir aber nicht das Glück verschafft hast,
das ich mir von dir erwartet habe.

Dann werde ich dich verlassen und dir aus dem Weg gehen.
Um ganz ehrlich zu sein:
Ich habe dich nie wirklich geliebt, so wie du bist.
Ich wusste von Anfang an, was mit dir nicht stimmt,
aber ich habe großzügig darüber hinweg gesehen und dir eine Chance gegeben.
Doch du hast sie nicht genutzt und dich nicht meiner würdig erwiesen.

Und so kommt der Moment,
in dem du dein wahres Gesicht zeigst.
Ich drehe und wende die Fakten.
Und Fakt ist, ich brauch dich eigentlich nicht.“

Das Ego wird uns immer dazu auffordern, eine aktuelle Beziehung durch andere zu ersetzen, wenn diese nicht mehr unserer Phantasie von Beziehung entspricht. Das Ego versucht uns davon zu überzeugen, dass wir unserer Not nur dadurch entrinnen können, dass wir unseren Bruder loswerden. Ein Angebot macht uns das Ego noch: Wir bräuchten uns nicht ganz zu trennen, wenn wir das nicht wollen. Aber wir müssen große Bereiche der Phantasie von unserem Bruder ausschließen, um uns zu retten. Und so herrschen in der besonderen Beziehung drei Zustände vor: Verlangen, frustriertes Verlangen (Wut, Groll, Schuldzuweisungen, Klagen) und Gleichgültigkeit.

Wenn eine Paarbeziehung dem Denksystem des Egos unterworfen ist, kann sie nur in Trennung enden, denn das Ego ist das Verlangen nach Trennung. Auch wenn es vielleicht erst der Tod ist, der die Trennung herbeiführt. Nur eine Beziehung, die im einzig wahren Zweck geeint ist, kann erfüllend sein, weil es eine heilige Beziehung ist.

Von den besonderen Beziehungen zur heiligen Beziehung

Wenn wir etwas von einem anderen wollen, ist es unmöglich, ihn so sein zu lassen, wie er wirklich ist. Aber das ist der “Normalzustand” des Menschen: ein Zustand des Verlangens oder der Anhaftung an eine bestimmte idealisierte Form. Wenn der Geist schläft, sehnt er sich verzweifelt nach Unschuld und Liebe, da er glaubt, sie verloren zu haben. Solange das Ego uns in unseren Beziehungen leitet, versuchen wir, Erfüllung und Befriedigung in einer Form, in einem Körper zu finden. Aber diese Formen sind Götzen, und wir werden durch sie nie vollständig erfüllt werden. Man könnte sagen, dass das himmlische Einssein oder der heilige Augenblick ein perfekter Zustand wunschloser Zufriedenheit ist. Er bedeutet, nichts zu wollen oder zu brauchen, nicht zu hoffen, dass etwas anders oder besser wäre. Es ist nicht die Suche nach Antworten. Es ist ein Zustand, der einfach da ist. Metaphysisch gesehen ist es eigentlich unmöglich, Liebe zwischenmenschlich oder mit etwas "Äußerem" zu finden. Die einzig wahre Liebe ist die LIEBE des GEISTES im Inneren.

Solange wir Angst haben und glauben, dass wir eine getrennte Identität sind, werden wir immer wieder versuchen, diese Liebe im Außen zu finden. Eine häufige Frage ist, ob es das Ego ist, das hinter unserer Anziehung zu einer anderen Person steckt. In der Tat spricht das Ego zuerst - und am lautesten! Das Ego ist ungestüm und impulsiv; es will sofortige Befriedigung zu seinen eigenen Bedingungen. Aber der HEILIGE GEIST kann die Anziehungskraft wunderbar nutzen, wenn wir uns erlauben, uns auf eine Beziehung einzulassen und sie zur Heilung des Geistes zu nutzen. Herzöffnungen und Erfahrungen des Verliebtseins sind immer hilfreich und führen letztendlich zu einem Bewusstsein der wahren LIEBE.

Beziehungen und Zweck

Was wir gemeinsam heilen wollen, sind die nicht hilfreichen Abhängigkeiten und Verzweiflungen, die in einem tiefen Glauben an den Mangel wurzeln. Das Ego hat immer ein Ziel für Beziehungen, wie z.B. um jeden Preis zusammenzubleiben oder es an der Oberfläche gut aussehen zu lassen, während der GEIST eine Anleitung dafür bietet, wie Beziehungen von Augenblick zu Augenblick zur Heilung und zum Auflösen von Dingen wie ungesunder Abhängigkeit, Kontrolle und Verlustangst genutzt werden können. Die Wahrheit ist, dass wir im heiligen Augenblick nie jemanden wirklich brauchen, weil uns die Verbindung mit GOTT vollkommen erfüllt. In diesem Zustand ist unser einziges Ziel, die LIEBE GOTTES auszudehnen. Aber wenn wir uns zu jemandem sehr hingezogen fühlen, können wir uns gleichzeitig auf den GEIST einstimmen. Er wird das Symbol der Beziehung für unser Erwachen nutzen. Sich in jemanden zu verlieben, kann im wahrsten Sinne des Wortes dazu benutzt werden, tief nach innen zu gehen, über die Form hinaus zur Essenz, zu einer Gemeinschaftserfahrung, zu einem Gefühl der totalen Gemeinschaft, Synergie und Telepathie, weit über die Form hinaus.

Jeder wünscht sich eine Liebe, die nicht zu Ende geht. In Liebesliedtexten ist meist von "für immer" und "ewig" die Rede, und das Ideal einer dauerhaften, immerwährenden, harmonischen, kontinuierlichen Beziehung klingt sicherlich gut. Doch diese Begriffe beschreiben in der Regel nicht die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Welt. Denn selbst in den "besten Beziehungen", wenn sie scheinbar Bestand haben, wird immer noch der Eindruck erweckt, dass der Tod des Körpers oder die Trennung und das Weiterziehen die Beziehung hinter dem Ideal zurücklassen. Aus dieser Perspektive betrachtet, scheint es ein Ende zu geben. Bei einer Trennung kann es den Anschein haben, dass es an Liebe mangelt, dass man Liebeskummer hat. Wenn jedoch eine Beziehung zu Ende zu gehen scheint und wir nicht mehr zusammen sind, aber der Gedanke an diese Person ständig in Ihrem Kopf auftaucht, dann sind wir tatsächlich noch in dieser Beziehung. Unsere Heilung und unser Lernen gehen weiter, auch wenn die Körper nicht mehr zusammen sind. Menschen sind Gedanken in unserem Geist, und deshalb bleiben wir nie ohne eine Gelegenheit zur Heilung. Es dauert eine Weile, bis wir gut darin werden, uns unserer Gedanken bewusst zu sein. Die Versuchung besteht darin, den Geist nur zu bestimmten Zeiten zu beobachten und dann wieder in die Gedankenlosigkeit abzugleiten. Doch dieses Beobachten des Geistes, vor allem in unseren Beziehungen, ist eine der wichtigsten Funktionen, um immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren.

Die Liebe ist in Wahrheit immer jenseits der Form. Während die besondere Liebe in Beziehungen durch den Zweck und die Form definiert wird, die sie annimmt, hat die göttliche LIEBE keine Grenzen. Sie ist reiner Geist. Freiheit und Intimität kann man nur finden, wenn man nach innen geht, ganz gleich, ob man Single ist oder in einer Beziehung lebt. Wir werden diese Wahrheit nur erfahren, wenn wir uns von der Anhaftung an Ergebnisse befreien und dem HEILIGEN GEIST erlauben, die Grenzen zu beseitigen, die wir dem Teilen und Ausdehnen unserer Liebe auferlegen.

Auf dem Weg zu einer heiligen Beziehung

Es ist ein Segen, dass wir alle unsere Beziehungen nutzen können, um zu sehen, wo wir Heilung in unserem Geist brauchen und wo wir immer noch Groll haben. Sogar in einer besonderen Beziehung kann der HEILIGE GEIST, wenn wir ihn einladen, uns helfen zu sehen und uns zu zeigen, was in unserem Geist losgelassen werden muss, indem wir beobachten, was unser Partner uns zurückspiegelt.

Ein Kurs in Wundern hat neun Kapitel, die den besonderen Beziehungen gewidmet sind! In besonderen Beziehungen in dieser Welt geht es hin und her zwischen: "Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich; und ich könnte dich umbringen!" Die Wut und die Leidenschaft liegen nur eine Rasierklingenbreite auseinander. So nah. Wenn das der Fall ist, wie kann dann eine besondere Beziehung zum Mittel der Erleuchtung, des spirituellen Erwachens werden? Es ist durch Vergebung im täglichen Leben. Wir können allen Menschen in unserem Leben dankbar sein, weil sie uns unsere Urteile aufzeigen.

Wenn wir Schritte unternehmen, um den wahren Zweck all unserer Beziehungen zu akzeptieren, müssen wir nicht nur in Gedanken daran denken, sondern es auch leben. Stellen wir uns vor, wir wären ein Mathematiker, der nie mit Gleichungen üben wollte, oder ein Automechaniker, der nicht unter die Motorhauben von Autos käme. Stellen wir uns einen Maurer vor, der Mörtel und Ziegel nicht ausstehen kann; wir würden lachen! Genauso müssen wir als Menschen erwachen, indem wir uns auf unsere Beziehungen zu anderen Menschen beziehen und diese betrachten.

"Keine Erwartungen haben" ist der Weg, die Dinge genau so sein zu lassen, wie sie sind. Um zu dieser Einstellung zu gelangen, muss man den Filter des Bewusstseins stark reinigen. David Hoffmeister hat einmal eine Hochzeit durchgeführt, bei der das Paar, nachdem es am Vortag einen Vortrag von ihm besucht hatte, das Gelübde "Ich liebe dich jetzt" ablegte, was ein wunderbares Gelübde ist. Sie waren sich der Falle der Zukunftserwartungen sehr bewusst. Sie wollten zulassen, dass der HEILIGE GEIST die Beziehung zur Heiligkeit benutzt, um den Geist von jeglichen subtilen Erwartungen zu befreien.

Wenn wir uns auf heilige Beziehungen zubewegen, wird das Ego ziemlich stark versuchen, unsere Hinwendung zur Heilung zu unterbrechen. Es wird versuchen, die Mission der Heilung zu sabotieren und abzubrechen, indem es die Spiegelung intensiviert. Aber an dieser Stelle gilt es mutig zu bleiben, einfach durchzuhalten und den HEILIGEN GEIST um Hilfe zu bitten. Der Durchbruch wird in der Überwindung des Versuchs und der Sehnsucht des Egos liegen, die Liebe zu objektivieren und zu lokalisieren, und in dem Versuch, sie von der Weite, die sie ist, zu verkleinern. Die Überwindung dieses Hindernisses ist die Auflösung der besonderen Liebesbeziehung und der Übergang zur heiligen Beziehung.

Der Übergang

Der Übergang von der Welt des Egos zur wirklichen Welt ist immer ein Übergang von den besonderen zur heiligen Beziehung. Früher oder später muss jeder den Graben überbrücken, von dem er sich einbildet, das er zwischen seinen Selbsten existiere. Jeder baut diese Brücke, die ihn über den Graben trägt, sobald er willens ist, ein wenig Mühe für die Überbrückung aufzuwenden. Die Brücke selbst ist nichts anderes als ein Übergang in der Betrachtungsweise der Wirklichkeit.

Die Zeit vor dem eigentlichen Übergang ist naturgemäß eine Phase der Desorientierung und Verwirrung. Fürchten wir uns aber nicht davor, denn es bedeutet nur, dass wir gewillt sind, den verzerrten Bezugsrahmen loszulassen, der unsere Welt zusammenzuhalten schien. Dieser Bezugsrahmen ist um die besondere Beziehung herum erbaut. Ohne diese Illusion könnte es keine Bedeutung geben, nach der wir hier noch immer suchen würden.

Genau in dieser Phase braucht es Disziplin in unserem Üben, totale Hingabe an die innere Führung und das intensive Gebet, denn jede Verzögerung wird uns jetzt mehr verletzen als zuvor, einfach weil wir begreifen, dass es eine Verzögerung ist und das Entrinnen aus dem Leid tatsächlich möglich ist.

In dieser Desorientierungsphase lösen sich die besonderen Beziehungen immer mehr auf. Wir finden keinen Halt mehr in ihnen. Gleichzeitig überflutet das Ego unser Bewusstsein noch einmal mit einer Unmenge an Angriffsgedanken. Dann fühlen wir uns manchmal wie eine Eisscholle im Ozean. Wir sind vom festen Packeis abgebrochen, aber noch nicht eins mit dem Ozean. Einerseits gibt es eine große Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem Ozean und gleichzeitig eine große Angst vor der völligen Auflösung. So entsteht immer wieder der Wunsch nach einer neuen, besonderen Beziehung, obwohl wir gleichzeitig genau wissen, dass sie nicht mehr funktionieren würde, dass sie uns auch nicht mehr die Illusion von Liebe bringen würde, weil wir nicht mehr in der Lage sind das Verlangen nach der LIEBE GOTTES, nach der Erfahrung unserer vollkommenen Heiligkeit weiter zu verleugnen.

Wir sind immer noch ein völliger Neuling auf den Wegen der Erlösung, und wir denken, wir haben den Weg verloren. Unser Weg ist verloren, doch dürfen wir nicht glauben, das sei ein Verlust. Erinnern wir uns in unserem Neusein daran, dass wir und unser Bruder nochmals begonnen haben, und zwar gemeinsam. Und so nehmen wir seine Hand, um gemeinsam mit ihm eine Straße entlangzugehen, die uns weitaus vertrauter ist, als wir jetzt glauben.

Und so lassen wir IHN den verborgenen Funken der Schönheit in all unseren Beziehungen aufdecken und ihn uns zeigen. Sein Liebreiz wird uns so anziehen, dass wir nicht gewillt sein werden, ihn jemals wieder aus den Augen zu verlieren. Und wir werden diesen Funken die Beziehung verwandeln lassen, damit wir ihn immer mehr sehen können. Wir werden ihn nämlich immer mehr wollen und immer mehr Unwillens sein, zuzulassen, dass er uns verborgen bleibt. So werden wir lernen, nach den Bedingungen zu suchen und sie herbeizuführen, unter denen diese Schönheit sichtbar wird.

Der heilige Zweck

Unseren Beziehungen einen heiligen Zweck zu geben, ist das Mittel, um die transzendente Perspektive zu erreichen, die den Körper ähnlich wie tanzende Blätter im Wind an einem Herbsttag betrachtet. Wenn der Wind die Blätter ein wenig umweht, nimmt man alle Farben mit Gelassenheit wahr. Wir sagen nicht: "Rot, orange, braun, grün". Wir beobachteten den Strudel von einem Ort der völligen Unbefangenheit aus. Und das ist es, was eine heilige Beziehung ausmacht. Seien wir in unseren täglichen Beziehungen wachsam gegenüber Versuchungen:
  • Perfektion im Verhalten eines anderen zu wünschen
  • Fehler und Ungereimtheiten zu tadeln und zu betonen, entweder laut oder im Stillen
  • Vergleiche anstellen
  • auf Kosten der Unschuld unseres Bruders oder unserer Schwester Recht haben wollen.
Wenn wir uns mit einem anderen in der Absicht verbinden, den Geist zu heilen, finden wir Liebe. Üben wir uns darin, unsere Aufmerksamkeit darauf zu richten:
  • Ego-Gedanken und Muster in unserem eigenen Geist zu untersuchen, damit sie gesehen und geheilt werden können
  • erlauben wir unseren Beziehungen, uns zu zeigen, was in unserem eigenen Geist geheilt werden muss
  • schauen wir über Form und Verhalten in unseren Beziehungen hinaus
  • lassen wir Urteile und Vergleiche los
  • praktizieren wir Wehrlosigkeit in unserer Kommunikation
  • haben wir Frieden als Ziel in der Verbindung mit anderen und der Welt
  • sehen wir das Geschenk, das darin liegt, das oben Genannte zu praktizieren!

Der Segen der Beziehung

Wenn wir uns durch unsere Beziehungen in Richtung Heilung bewegen, werden wir dankbar für die Geschenke sein, die sie uns machen. Wenn wir den Punkt erreichen, an dem wir spüren, dass wir einen anderen nicht mehr angreifen oder beschuldigen, wissen wir, dass wir spirituell gereift sind. Das bedeutet, dass sich unser Bewusstsein erweitert hat und wir verstehen, dass alles, was außerhalb von uns zu geschehen scheint, in Wirklichkeit unserem eigenen Geist entspringt. Selbst in unseren schwierigen Beziehungen können wir wertvolle Lektionen lernen. Wir können also anfangen, ehrlich zu fragen, was uns jede Beziehung über unseren Geist zeigt. Und wenn wir die Muster und Überzeugungen erkennen können, die eine Beziehung widerspiegelt, dann werden wir den Segen und das Heilungspotential erkennen.

Wir sind nie dazu bestimmt, von einer Beziehung abhängig zu sein, sondern wir sind dazu bestimmt, den HEILIGEN GEIST in ihr zu finden, denn im Grunde haben wir alle den gleichen Zweck: aufzuwachen. Nach und nach fühlen wir uns durch diese Praxis erfüllter, von innen heraus erfüllt, und unser Motiv für Beziehungen wandelt sich von dem Versuch, etwas von einem anderen zu bekommen, zu einer Gelegenheit zu geben und zusammenzuarbeiten, wovon alle profitieren!

Wenn wir bereit sind für diese erneuerte Absicht, werden wir beginnen, uns von den vertrauten und besonderen Beziehungen der Welt auf heile und heilige Beziehungen zuzubewegen. Nun ist es Ego nicht mehr unser Freund und wird uns massiv angreifen, aber dann ist der HEILIGE GEIST immer da, um zu helfen und zu sagen: "Du bist so weit gekommen; bleib bei deinem Glauben. Ich bin mit dir." Unser Gebet an den HEILIGEN GEIST wird zu: "Ich lasse DEINE Vision an die Stelle meiner Wahrnehmung treten, die nur eine Darstellung der Vergangenheit ist, die noch einmal erscheint, als ob sie immer noch stattfände."

Das macht den Weg frei für eine neue Vision der Liebe, die es uns ermöglicht, jemandem neu zu begegnen, ohne unsere Überzeugungen aus der Vergangenheit auf ihn zu projizieren.

Das Wunder der Beziehung ist eine Reise von der Besonderheit zur Heiligkeit, von der Exklusivität, zur Erfahrung der Einbeziehung und von der Trennung, Angst und Einsamkeit zur wahren Verbindung, Liebe und Freude. Es ist ein Erwachen, eine Verschiebung der Wahrnehmung von getrennten Interessen wie "ich", "mein", "was habe ich davon" und “ich muss mich abgrenzen” hin zu einem gemeinsamen Interesse, Zweck und Ziel. So werden wir gesegnet; je mehr Liebe wir durch uns fließen lassen, desto mehr werden wir uns bewusst, wie mächtig diese Liebe ist, und unsere Beziehungen werden aufblühen und sich ausdehnen.

Es ist daher von Vorteil, offen zu bleiben und die Beziehungen zu würdigen, die sich uns bieten, wie auch immer sie anfangs aussehen mögen. Und wenn wir lernen, sie auf wirklich hilfreiche Weise zu nutzen, werden sie uns erlauben, zu heilen, die Besonderheit loszulassen und uns zu GOTT zurückführen.

Heilige Beziehung

Das Ego verwendet seine besonderen Beziehungen als eine letzte Waffe zum Ausschließen und als eine Demonstration der Getrenntheit. Der HEILIGE GEIST verwandelt Beziehungen in vollkommene Lektionen der Vergebung und des Erwachens aus dem Traum. Jede ist eine Gelegenheit, Wahrnehmungen heilen und Irrtümer berichtigen zu lassen. Jede ist eine weitere Möglichkeit, uns selber dadurch zu vergeben, dass wir dem anderen vergeben. Und jede wird zu einer weiteren Einladung an den HEILIGEN GEIST und die Erinnerung an GOTT.

Der Unterschied zwischen einer besonderen und einer heiligen Beziehung ist kein Unterschied auf der Ebene der Form, sondern beschreibt einen unterschiedlichen Geisteszustand. Die heilige Beziehung ist die geistige Ausrichtung auf den einzig wahren Zweck - die Erlösung aus der Illusion der Trennung. In welcher Art Beziehungskonzept auf der Ebene der Form zwei Menschen Beziehung zu leben scheinen, sagt nichts über ihre Beziehung auf der geistigen Ebene aus.

Die zeitliche Dauer einer Beziehung spielt keine Rolle. Es gibt keine Bonuspunkte für das Zusammenleben in linearer Zeit. Der Grund für unsere Sehnsucht nach einer langen Beziehung ist Ausdruck der Krankheit unserer Seele, die ihre Verbindung zu GOTT verloren hat. Die wahre Kontinuität in Beziehung ist nicht etwas Zeitliches, sondern etwas Geistiges. Die geteilte Freude und Glückseligkeit eines heiligen Augenblicks, in dem wir mit einem Menschen ganz im Geiste verbunden sind, ist tausendmal wertvoller als zig Jahre gemeinsam verbrachter linearer Zeit.

“Jedes Mal, wenn dich irgendeine Form der besonderen Beziehung in Versuchung führt, Liebe im Ritual zu suchen, dann erinnere dich, dass Liebe Inhalt ist und nicht irgendeine Art von Form. Die besondere Beziehung ist ein Ritual der Form, das darauf abzielt, die Form auf Kosten des Inhalts auf den Platz GOTTES zu erheben. In der Form liegt keine Bedeutung und wird sie niemals liegen.”
(EKIW: Kapitel 16, V. 12. 1.-3.)

Die erste Lektion des HEILIGEN GEISTES lautet: “Damit du hast, gib allen alles.” Das ist ein Schritt, der ganz am Anfang steht, und auch der einzige, den wir selber tun müssen. Es ist nicht einmal nötig, dass wir den Schritt selber vollenden, aber es ist notwendig, dass wir uns in diese Richtung wenden. “Unter der Anleitung des HEILIGEN GEISTES wird jede Beziehung als eine totale Verpflichtung angesehen, und dennoch steht sie keineswegs mit andern in Konflikt.”

Die Ebenen des Lehrens

Das Wichtigste am Konzept der “Ebenen des Lehrens” im 3. Kapitel des Handbuchs für Lehrer ist die Erkenntnis, dass jede Begegnung und damit jede Beziehung eine Lehr- und Lernerfahrung bietet. Wenn wir zum Beispiel an einem spirituellen Seminar teilnehmen und uns in den Pausen beim Personal des Seminarhotels über Umstände beschweren, die nicht unseren Erwartungen entsprechen, dann haben wir das Wesentliche nicht verstanden.

“Wenn du jemandem begegnest, so erinnere dich daran, dass es eine heilige Begegnung ist. Wie du ihn siehst, wirst du dich selber sehen. Wie du ihn behandelst, wirst du dich selbst behandeln. Wie du über ihn denkst, wirst du über dich selbst denken. Vergiss dies nie, denn in IHM wirst du dich selbst finden oder verlieren. Jedesmal, wenn zwei GOTTESSÖHNE einander begegnen, ist ihnen eine neue Gelegenheit zur Erlösung gegeben. Geh nie von irgendjemandem fort, ohne ihm Erlösung geschenkt und sie selber empfangen zu haben. Denn ich bin immer mit dir dort, zu deinem Gedächtnis.”
(EKIW: Kapitel 8, III. 4.)

Jesus erwähnt daher gleich zu Beginn des Kapitels: “Die Lehrer GOTTES haben keine festgelegte Ebene des Lehrens.” Um diese Aussage zu verstehen und keinen Widerspruch zu konstruieren, ist es notwendig, sich ganz auf dieses Kapitel im Kurs einzulassen. Jede Lehr- und Lernsituation ist maximal in dem Sinne, dass jede beteiligte Person das meiste lernen wird, was sie zu diesem Zeitpunkt von der anderen Person lernen kann. In diesem - und nur in diesem - Sinne können wir von Ebenen des Lehrens sprechen. Hier eine kurze Zusammenfassung der drei Ebenen:

Die einfachste Ebene des Lehrens besteht aus Begegnungen, die anscheinend ganz zufällig sind und ziemlich oberflächlich erscheinen. Doch das sind keine zufälligen Begegnungen. Jede von ihnen hat das Potential, eine Lehr- und Lernsituation zu werden. Vielleicht werden scheinbar Fremde im Fahrstuhl einander gegenseitig anlächeln, oder jemand spricht ein Wort der Dankbarkeit. Selbst auf der Ebene der beiläufigsten Begegnung ist es für zwei Menschen möglich, ihre separaten Interessen aus den Augen zu verlieren, und sei es nur für einen Augenblick. Dieser Augenblick wird genügen. Die Erlösung ist gekommen.

Die zweite Ebene des Lehrens ist eine länger anhaltende Beziehung, in der zwei Personen eine Zeitlang eine ziemlich intensive Lehr- und Lernsituation eingehen und sich dann zu trennen scheinen. Wie auf der ersten Ebene sind diese Begegnungen nicht zufällig, noch ist das, was wie das Ende der Beziehung erscheint, ein wirkliches Ende. Wiederum hat jeder das meiste dessen, was er zu jenem Zeitpunkt lernen kann, gelernt. Doch alle, die einander begegnen, werden einander eines Tages wieder begegnen, denn es ist das Schicksal aller Beziehungen, heilig zu werden.

Die dritte Ebene des Lehrens tritt in Beziehungen auf, die, sind sie einmal eingegangen worden, lebenslänglich währen. Das sind Lehr- und Lernsituationen, in denen jeder Person ein ausgewählter Lernpartner gegeben wird, der ihm unbegrenzte Gelegenheiten zum Lernen bietet. Von diesen Beziehungen gibt es im allgemeinen wenige, weil ihre Existenz voraussetzt, dass die daran Beteiligten gleichzeitig ein Stadium erreicht haben, in dem das Gleichgewicht von Lehren und Lernen tatsächlich vollkommen ist. Das bedeutet nicht, dass sie das notwendigerweise begreifen - in der Tat erkennen sie es im allgemeinen nicht. Sie mögen einander sogar für einige Zeit oder vielleicht ein Leben lang feindlich gesinnt sein. Doch sollten sie sich dafür entscheiden, sie zu lernen, dann liegt die vollkommene Lektion vor ihnen und kann gelernt werden.

Da wir uns als Menschen mehr und mehr mit unserem egoischen Denken identifizieren, wurzeln die meisten Beziehungen nicht in GOTT. So verwandeln sie sich in eine Quelle der Schmerzen und werden von Problemen und Konflikten beherrscht. Wenn Beziehungen, wie es heute der Fall ist, Ego-Denkmuster nähren und verstärken, warum akzeptieren wir diese Tatsache nicht einfach, statt davor zu fliehen? Warum arbeiten wir nicht damit, statt Beziehungen zu meiden oder weiterhin dem Phantom des idealen Partners für uns hinterher zu jagen, der die Lösung all unserer Probleme sein und uns ein Gefühl der Erfüllung vermitteln soll? Sobald die Tatsache anerkannt und akzeptiert wird, stellt sich auch ein gewisses Maß an Freiheit von ihr ein. Wenn uns zum Beispiel bewusst ist, dass eine Disharmonie da ist und in diesem Wissen verweilen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben, kommt ein neuer Faktor ins Spiel, so dass die Disharmonie nicht unverändert fortbestehen kann.

Was wir gemeinhin als Beziehung bezeichnen, beginnt immer als besondere Beziehung. Und das ist überhaupt kein Problem, wenn es unser Bestreben ist, daraus eine heilige Beziehung werden zu lassen. Wenn unsere Sehnsucht nach der LIEBE lebt und wir dieser Sehnsucht folgen und IHN in unsere Beziehungen einladen, dann wird aus jeder Beziehung eine heilige Beziehung. Unser Verlangen nach SEINER Liebe ist das wahre Gebet. Die heilige Beziehung teilt GOTTES Zweck - die Erlösung -, anstatt darauf abzuzielen, einen Ersatz dafür zu machen. Eine heilige Beziehung ist eine gemeinsame Geistesverfassung, in der beide ihre Irrtümer froh der Berichtigung übergeben, damit beide glücklich als eins geheilt sein mögen. Die heilige Beziehung ist der Ausdruck des heiligen Augenblicks, wenn wir in dieser Welt leben.

Die heilige Beziehung wird erlernt. Sie ist die alte, unheilige Beziehung, die umgewandelt und neu gesehen wird. Die heilige Beziehung ist eine phänomenale Leistung des Lernens und Lehrens. In all ihren Aspekten - ihrem Anfang, ihrer Entwicklung und Vollendung - stellt sie die Umkehrung der unheiligen Beziehung dar. Das einzige schwierige Stadium ist der Anfang. Denn hier wird das Ziel der Beziehung unvermittelt genau ins Gegenteil dessen verschoben, was sie war. Das ist die erste Folge davon, dass die Beziehung dem HEILIGEN GEIST angeboten wurde, damit ER sie für SEINE Zwecke nutze. Das ist der Moment, in dem wir dankbar sind, einen Begleiter oder Partner zu haben, und sagen können: "Auf geht's, ein weiterer Tag dieses wunder-vollen Heilungsprozesses. Lass uns verbindlich dem einzig wahren Zweck folgen, und wir werden bereit sein für alles, was da kommen mag!”


Wenn wir uns stärker für die Heilung unseres Geistes einsetzen und wenn wir eine Beziehung zu einem speziellen Partner haben, spüren wir vielleicht, wie sich unsere Beziehung zu wandeln und zu verändern beginnt, während wir uns auf den Weg des GEISTES ausrichten und öffnen. Die Beziehung verlässt im Grunde ihr früheres Ziel, vielleicht die Befriedigung scheinbar emotionaler und körperlicher Bedürfnisse, zugunsten eines höheren Ziels, des Seelenfriedens. Dies ist eine Erfahrung, bei der Beziehungen weniger persönlich und stattdessen umfassender werden. Mit anderen Worten: Der Übergang von einer besonderen Beziehung zu einer heiligen Beziehung steht in direktem Zusammenhang mit dem Übergang von einem besonderen - abgegrenzten und separaten - Ziel zu einem heiligen Ziel in unserem Geist. Die Entscheidung für Heiligkeit oder heilige Beziehungen kommt von innen und spiegelt sich in jeder Begegnung und Situation in ihrem tief empfundenen Zweck wider. Eine heilige Beziehung einzugehen bedeutet, dass wir in der Stille unseres Geistes einen tieferen Sinn finden. Wir werden glücklich sein, weil wir die Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks und das Wunder, das unsere Essenz ist, erfahren. Dies ist die Geburt und das Sein unseres SELBST.


[Fortsetzung folgt]



Heilung

Da alles Bewusstsein ist, findet alles, was wir sehen und erleben, in Wirklichkeit nur im Geist statt. Es kann zunächst überraschend, ja schockierend sein, aber was wir als physische Symptome im Körper bezeichnen, sind in Wirklichkeit Gedanken im Geist. Mit anderen Worten: Wie die ganze Welt ist auch unser Körper nur eine Projektion. Dies bringt uns zu der logischen Schlussfolgerung, dass alles, was mit Krankheit zu tun hat - Symptome, verschiedene Krankheiten, Schmerzen und Leiden - nichts anderes als eine Projektion des Geistes ist.

Wir erhalten immer mehr Hinweise und Anhaltspunkte, dass die Dinge nicht das sind, was sie zu sein scheinen, auch im Bereich der Medizin. Es gibt zahlreiche Forschungsstudien über die Macht des Geistes über die Materie und die Macht des Vertrauens, des Gebets und des Glaubens. Ärzte verschreiben Placebos und erzielen damit Ergebnisse. All dies befreit uns immer mehr von der Vorstellung, dass irgendetwas in der Form eine ursächliche Wirkung auf den Körper hat. Es verweist uns zurück auf die Macht des Geistes.

Das medizinische Krankheitsbild der dissoziativen Identitätsstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass verschiedene Persönlichkeitszustände (dissoziative Identitäten) abwechselnd die Kontrolle über das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen übernehmen. Diese Identitäten verfügen über eigene Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wahrnehmungs- und Denkmuster. Zusätzlich treten Erinnerungslücken zu Ereignissen oder persönlichen Informationen auf, die nicht mehr durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärbar sind. Markante Unterschiede zwischen den einzelnen Identitäten sind dabei nicht ungewöhnlich; auch das empfundene Alter oder Geschlecht, und die Handschriften können sich unterscheiden. Bemerkenswert ist, dass diese Menschen in den verschiedenen Persönlichkeitszuständen auch unterschiedliche körperliche Symptome zeigen, beispielsweise niedrigen Blutdruck in einem Persönlichkeitszustand und hohen Blutdruck in einem anderen. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass allein der Geist ursächlich und der Körper nur die Wirkung ist.

Die Welt unterscheidet fälschlicherweise zwischen verschiedenen Krankheiten, aber das, was die Welt als psychosomatische Krankheiten bezeichnet, sind nur Krankheiten, bei denen der Mechanismus von Ursache und Wirkung offensichtlich ist, während dies bei den sogenannten organischen Krankheiten nicht der Fall ist. In Wirklichkeit gibt es nicht den geringsten Unterschied, alles ist eine Projektion des Geistes.

Wenn von einem Zusammenhang zwischen Krankheitssymptomen und dem Geist die Rede ist, kommt es häufig zu Missverständnissen. Die Betroffenen fühlen sich schuldig, und die Nichtbetroffenen fallen leicht auf die Schmeicheleien des Egos herein, das ihnen dies als spirituellen Fortschritt zu verkaufen versucht. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Krankheitssymptomen und Angriffsgedanken, aber keinen direkten Zusammenhang in umgekehrter Richtung. Es ist offensichtlich, dass unser Geist voller Angriffsgedanken sein kann und wir dennoch einen medizinisch gesunden Körper haben können. Häufig nennen wir diese Zeit unsere “besten Jahre”, auch wenn das eine Lüge ist.

Jeder gespaltene Geist benötigt Berichtigung. Die Medizin versucht jedoch, allein den Körper zu berichtigen, denn das Ego neigt dazu, kranke Körper zu fürchten, weil es sie nicht ertragen kann. Auch Ego-Schwäche kann das Ego nicht ohne Ambivalenz ertragen, weil es sowohl vor seiner eigenen Schwäche als auch vor der Schwäche seiner Wahlheimat - dem Körper - Angst hat. Auf diejenigen mit kranken Körpern schaut das Ego aufgrund seiner Überzeugung herab, dass nur ein vollkommener Körper es wert ist, sein eigener Tempel zu sein. Ein Geist, der vor kranken Körpern zurückschreckt, hat selbst großen Bedarf an Berichtigung.

Wenn wir von körperlicher Krankheit betroffen sind, ist es wichtig zu verstehen, dass wir nicht für unsere Irrtümer verantwortlich sind. Wenn die einzige Verantwortung des Wunderwirkenden die ist, die SÜHNE für sich selbst anzunehmen - und es so ist -, dann kann die Verantwortung für das, was die SÜHNE sühnt, nicht unsere sein. Wir haben nicht gegen die Gesetze GOTTES verstoßen, sondern wir haben uns lediglich mit dem Gedankensystem des Egos identifiziert. Wir sind jedoch meist so sehr mit unseren privaten Gedanken identifiziert, dass wir uns schuldig fühlen für die Angriffsgedanken in unserem schlafenden Geist. Aber wir sind nicht für für unsere Irrtümer verantwortlich, daher ist Krankheit keine Strafe. Auch wurden all unsere Irrtümer bereits von IHM berichtigt. Unsere einzige Verantwortung besteht darin, SEINE Berichtigung zu akzeptieren. Wir haben uns nicht selbst erschaffen, sondern GOTT hat uns erschaffen. Und GOTT hat nur Vollkommenheit erschaffen. Eine Krankheit ist ein Weckruf, ein Zeichen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Angriffsgedanken und Irrtümern ehrlich zu betrachten, sie aus der Dunkelheit ans Licht zu holen und SEINE Berichtigung zu akzeptieren, um uns so wieder an unsere vollkommene Unschuld als GESCHÖPF GOTTES zu erinnern.

Heilung bedeutet zu erkennen, wer wir wirklich sind. Es gibt viele wunderbare Beschreibungen von Nahtoderfahrungen, bei denen die Nahtoderfahrung zur vollständigen Heilung einer schweren Krankheit geführt hat. Eine Nahtoderfahrung ist eine Erinnerung an die eigene Wirklichkeit und dieser Moment des Wiedererkennens - dieses Eintauchen in die LIEBE GOTTES - löst die Krankheit im Körper vollständig auf.

“Den Frieden anzunehmen heißt die Illusion leugnen, und Krankheit ist eine Illusion. Doch jeder GOTTESSOHN hat die Macht, Illusionen überall im HIMMELREICH zu leugnen, einfach dadurch, dass er sie in sich selber voll und ganz leugnet.”
(EKIW: Kapitel 10, III. 7. 2.&3.)

Das Wichtigste beim Thema Krankheit und Heilung ist zu verstehen: Es ist der Geist, der krank ist, wenn er glaubt, dass der Körper krank sein könnte. Ob ein Mensch einen Splitter im Fuß hat, an den Folgen eines Unfalls leidet, Krebs oder Aids hat, ist nicht von Belang, denn es gibt keine Hierarchie der Illusionen und Krankheit hat nichts mit dem Körper zu tun. Der Glaube, ein Körper zu sein, ist die Geisteskrankheit, unter der wir alle leiden, ganz gleich, ob unser Körper normal und gesund ist und perfekt funktioniert oder kurz vor dem Zusammenbrechen ist. Und doch ist es oft gerade so, dass die Erfahrung von Krankheit im Körper uns ein starker Aufruf und Ansporn sein kann, nach innen zu gehen und mit Hilfe des HEILIGEN GEISTES die Dinge anders zu sehen.

Es geht bei Heilung nie um die Heilung des Körpers. Es geht nicht um einen armseligen Tausch eines Traums von Krankheit gegen einen „schöneren“ Traum von Gesundheit, sondern darum, aus dem Traum zu erwachen. Es geht um die Heilung des schlafenden Geistes, der glaubt, ein Körper zu sein. Heilung ergibt sich daraus, dass der Körper einzig und allein zur Kommunikation eingesetzt wird. Da das natürlich ist, heilt es dadurch, dass es ganz macht, was auch natürlich ist. Jeder Geist ist ganz, und der Glaube, ein Teil davon sei physisch oder nicht Geist, ist eine fragmentierte oder krankhafte Deutung.

"Wann immer du versuchst, ein Ziel zu erreichen, bei welchem die Verbesserung des Körpers zum Hauptnutznießer wird, versuchst du, deinen Tod herbeizuführen. Dann glaubst du nämlich, dass du Mangel leiden kannst, und Mangel ist Tod."
(EKIW: Kapitel 29, VII. 4. 1.&2.)

Solange wir versuchen, mit den verschiedensten Heilungsansätzen punktuell eine "Lösung" für körperliche Symptome zu finden, auch wenn dies kurzfristig zu funktionieren scheint, sind wir nicht wirklich geheilt und das nächste Problem wird nicht lange auf sich warten lassen. Jede therapeutische Methode, die die Heilung des Körpers zum Ziel hat, auch wenn es sich um eine geistige Methode handelt, dient nicht dem einzig wahren Zweck - der Erlösung aus der Illusion der Trennung - und kann daher nicht zu wahrer Heilung führen. Solange der Körper das Ziel ist, bedeutet dies eine Bestätigung der Illusion der Trennung und ist somit auch eine Bestätigung unseres Glaubens an den Tod.

Nur Vergebung heilt Nichtvergebung, und nur Nichtvergebung kann diese Körperwelt und damit Krankheit irgendeiner Art überhaupt entstehen lassen. Keine Heilung kann etwas anderes sein als Vergebung.

Krankheit ist ein Groll

Krankheit ist, mit anderen Worten, falschgesinntes Denken. Sie ist ein Groll, und nur Vergebung heilt einen Groll. Dieser Groll liegt viel, viel tiefer als die oberflächlichen Symptome, derer wir uns bewusst sind. In der Tat scheint der Groll wahrscheinlich nicht einmal eine offenkundige oder offensichtliche Verbindung zu dem Symptom zu haben. Wir werden es nicht bewusst verstehen, aber wir werden beginnen, einen Impuls zu spüren, viel, viel tiefer zu gehen und das Unbewusste ins Bewusstsein zu bringen. Und dies ist wirklich eine Zeit der Freude. Es ist nicht die Zeit, in der wir denken, dass wir keine Lösung für dieses spezifische Symptom gefunden haben. Mit Groll auf Groll zu reagieren, macht alles nur noch schlimmer. Es ist eher eine Zeit der Freude darüber, dass wir an den Punkt gelangt sind, an dem wir viel tiefer in uns hineinschauen möchten. Anstatt nach der Linderung von Symptomen zu suchen, fangen wir an, nach der Linderung von Wahrnehmungsproblemen zu suchen. Das ist ein großer Unterschied! Es ist eine Erleichterung, nicht mehr zu versuchen, ein Symptom zu heilen, sondern sich auf das unbewusste, falsche Denken zu konzentrieren, das die schmerzhaften Symptome projiziert hat: die Geschichte, wie es dazu kam, die Lebenssituation im Allgemeinen, den Körper und das ganze Universum.

Wir können Krankheit als einen Ruf nach Hilfe sehen. Sie ist ein Ruf nach Liebe. Indem wir unsere Bereitschaft trainieren, unsere Angriffsgedanken zu entlarven und zu vertreiben, können wir diesem Hilferuf nachkommen und Heilung erfahren - körperlich, emotional und geistig. Wir beginnen klar zu erkennen, dass das Ego ständig versucht, uns einen großen Streich zu spielen, indem es den ursprünglichen Angriffsgedanken der Trennung mit anderen oberflächlichen Angriffsgedanken überdeckt, die die Krankheit erzeugen: Angriffsgedanken rund um den Körper, Angriffsgedanken und Angstgedanken rund um jedes Symptom, das wir zu haben scheinen.

Es kann eine Menge Überzeugungsarbeit erfordern, um zu akzeptieren, dass alle Krankheiten in Wirklichkeit Geisteskrankheiten sind, dass alles im Geist stattfindet. Die Überzeugungsarbeit wird durch Wunder geschehen, die uns helfen, den Glauben, dass Ereignisse und Umstände die Ursache von Krankheit sind, vollständig loszulassen.

Sich krank zu fühlen ist ein Aufruf an uns, unsere unbewussten Überzeugungen und Schlussfolgerungen zu hinterfragen und sanft eine andere Wahrnehmung einzuladen. Wir tun dies Schritt für Schritt, nach und nach, indem wir mit dem üben, was wir gerade in unserem Bewusstsein, in unserem Leben vor uns haben.

Wenn jemand sagt, dass er krank ist, sind die unmittelbaren Gedanken, die folgen, normalerweise Fragen darüber, was mit ihm nicht stimmt, was ihm weh tut, was die Symptome sind und wie die Diagnose lautet. Man konzentriert und fixiert sich auf den Körper und die körperlichen Symptome, auf die Besonderheiten der Krankheit und die Form der Erkrankung. Die Welt hat ein ausgeklügeltes medizinisches Modell zur Behandlung und Vorbeugung von körperlichen und geistigen Gesundheitsproblemen entwickelt. Daher besteht meist der Wunsch, die Antworten auf der Ebene der Form zu finden. Die Lösungsversuche sind endlos: Diät, Bewegung, Chirurgie und eine schier endlose Zahl verschiedener Therapien und Praktiken. Es gibt keinen Unterschied zwischen Schulmedizin und sogenannter Alternativmedizin, denn grundsätzlich steckt hinter jeder Idee von Medizin die Idee, dass der Körper krank sein könnte und dass Therapien und Praktiken auf der Ebene der Form zur Heilung führen könnten. Der Körper selbst ist aber nie wirklich krank, er ist ein ganz und gar neutrales Ding - auch mit Symptomen.

Was die Welt unter Heilung versteht, ist Magie. Die Magie sieht im Heiler (Mediziner, Arzt, Therapeut, Schamane, …) immer etwas »Besonderes«, was er glaubt, jemandem, der es nicht hat, als Gabe anbieten zu können. Vielleicht fragen wir uns, wieso denn manchmal Heilung von dieser Art des Denkens kommt? Dafür gibt es einen Grund: Wie sehr der sogenannte magische Heiler auch fehlgeleitet sein mag, er versucht auch hilfreich zu sein. Er ist zwiegespalten und instabil, doch hat er der Sohnschaft beizeiten etwas zu bieten und das einzige, was die Sohnschaft annehmen kann, ist Heilung. Wenn diese sogenannte Heilung funktioniert, dann gab es eine Übereinstimmung zwischen dem Impuls zu helfen und dem Wunsch nach Hilfe. Dies geschieht jedoch eher zufällig. Es ist der Glaube im Geiste des Patienten, der Heiler sei hilfreich, der ihm hilft. Der HEILIGE GEIST wirkt nicht nach dem Zufallsprinzip und Heilung, die von ihm stammt, funktioniert immer. Heilung ist an sich beständig, da nur Beständigkeit konfliktfrei ist und nur die Konfliktfreien ganz sind. Auf alles, was von GOTT ist, ist Verlass, weil alles von GOTT gänzlich wirklich ist. Auf wahre Heilung ist Verlass, weil sie von SEINER STIMME inspiriert wird und in Einklang mit SEINEN Gesetzen steht.

Auflösen und heilen

Ein Patient geht normalerweise zu einem Arzt oder Therapeuten, weil er eine magische Veränderung wünscht. Wir wollen ein besseres Leben auf der Ebene der Form. Wir wollen, dass der Arzt uns auf magische Weise unsere Probleme, unsere Schwierigkeiten, unsere Schmerzen und Symptome abnimmt. Und hier liegt das Problem. Ein besseres Leben auf der Ebene der Form zu bekommen, ist nur eine vorübergehende Veränderung; sie kann nie von Dauer sein. Der wahre Heiler, der HEILIGE GEIST, ist der wahre Therapeut und Arzt. Der Patient überlegt es sich jedoch zweimal, ob er diese Heilung annimmt, denn die Heilung durch den HEILIGEN GEIST erfordert eine völlige Veränderung. Sie bedeutet, dass unser Selbstverständnis, unsere ganze Welt, in Frage gestellt wird. Wir könnten denken: "Ich habe dich nicht gebeten, mir mein Leben wegzunehmen. Ich habe dich gebeten, es besser zu machen. Gib mir ein besseres Leben; gib mir eine bessere Illusion statt der völligen Auflösung.” Aus Angst vor dem Verlust dieses Lebens, wie wir es kennen, vertrauen die Patienten dem HEILIGEN GEIST nicht, so dass die Krankheit und die vorübergehenden Lösungen wie eine Tretmühle immer weiterlaufen.

Aber die Auflösung ist das, was wir jetzt vor uns haben. Wenn wir uns auf den Weg der Heilung begeben, müssen wir alles loslassen, was wir glauben und was wir zu wissen glauben, und auf diese Weise entdecken wir das Potenzial unseres heiligen Geistes. Heilung geschieht in dem Moment, in dem wir keinen Wert mehr in der Krankheit sehen. Es kann schwer zu verstehen sein, was das überhaupt bedeutet! Zuerst müssen wir zugeben, dass wir eine Art Anziehung zur Krankheit haben müssen - eine kranke Anziehung zu falschgesinntem Denken, eine kranke Anziehung zu Schmerz, eine kranke Anziehung zu Schuld oder eine Sucht nach Elend. Und wir müssen uns eingestehen, dass wir tief im Inneren unsere Krankheit selbst wählen. Sie kommt von einer schlechten Denkgewohnheit. Aber wir können unsere Gewohnheit ändern. Was immer wir gemacht haben, kann wieder rückgängig gemacht werden. Was immer wir dachten, dass wir getan haben, kann rückgängig gemacht werden. Egal, wie schlimm es unserer Meinung nach geworden ist, es ist umkehrbar, weil wir die Korrektur in unserem Geist akzeptieren können. Wir müssen nur aufhören, uns zu verstecken. Wir müssen nach innen gehen, uns dem stellen, was da ist, und es vergeben.

Wir sind verantwortlich für das, was wir denken, und wenn wir an Ego-Gedanken festhalten, wird Angst unweigerlich das Gefühl sein, das wir erleben. Gewöhnlich gibt es Widerstand, diese Gedanken vollständig loszulassen, weil viele von ihnen Teil des Abwehrmechanismus sind, mit dem der Geist versucht, die Dinge so zu belassen, wie sie sind. Wir müssen durch Wunder davon überzeugt werden, dass es sicher ist, unser gewohnheitsmäßiges Denken - die Urteile und die Angriffsgedanken - loszulassen, und darauf vertrauen, dass dies der einzige Weg ist, wie wir unseren Geist heilen können. Wir sind eingeladen, uns mit dem HEILIGEN GEIST zu verbinden, um unsere unbewussten Themen ins Bewusstsein zu holen, damit wir sie vollständig überwinden können. Wenn wir uns über das Schlachtfeld unserer Konflikte und Verletzungen erheben, kehrt in unseren Geist Frieden ein. Dann gibt es keinen Grund mehr, den Groll und das falsche Denken in Form von Krankheit auszuleben.

Frei von Groll

Die Versuchung kann groß sein, während unseres Heilungsprozesses hart mit uns selbst ins Gericht zu gehen. Geben wir dieser Versuchung nicht nach. Das Ego will den gesamten Heilungsprozess sabotieren, indem es uns dazu bringt, das Handtuch zu werfen, weil wir denken, es sei zu schwierig. Vielleicht denken wir, dass wir es nicht gut genug machen oder dass wir niemals die Hindernisse, die Krankheit oder die Dunkelheit unseres falschgesinnten Denkens überwinden werden. Das Ego will nur, dass wir zu irgendeiner Schlussfolgerung kommen, um unsere Bereitschaft einzubüßen. Aber es ist eine Tatsache, dass das Ego keine Chance hat, wenn unsere Bereitschaft mit dem HEILIGEN GEIST verbunden ist. Das setzt eine gewaltige, kraftvolle Heilung in Gang. Das Einzige, worum wir wirklich gebeten werden, ist unsere Bereitschaft anzubieten, und wenn wir bereit bleiben, kann es eine ziemlich schnelle Reise sein!

Frei von Groll zu sein bedeutet, dass jeder aus unserem Leben auftauchen könnte; wir könnten uns einfach hinsetzen, ihm in die Augen schauen und lächeln; wir könnten ihm eine große, lange Umarmung geben; und wir könnten ihn lieben, ohne ein Gefühl der Feindseligkeit, ohne den Glauben an ein Fehlverhalten, nicht einmal ein Gefühl der Irritation oder des Grolls.

Wenn wir uns daran erinnern, wer wir sind, werden wir jeden und alles, was wir sehen, segnen. Es wird keine Vergangenheit und somit keine Feinde geben. Und wir werden mit Liebe auf all das schauen, was wir vorher nicht gesehen haben.

Wir haben uns nur geirrt, als wir wahrgenommen haben, dass unser Bruder oder unsere Schwester uns angreifen oder verletzen wollten. Wir waren es, die etwas, das in uns verletzt war, auf sie projizieren wollten. Das Loslassen von Kränkungen und Groll ist unser praktischstes Heilmittel. Es ist ein Wunder!

Sich selbst zu heilen bedeutet, das Universum zu heilen

Wenn wir um Heilung beten, uns aber weiterhin mit den Symptomen beschäftigen und nach ihnen Ausschau halten, müssen wir unseren Geist neu ausrichten, sonst kann keine Heilung stattfinden. Es erfordert viel Wachsamkeit, um unsere Aufmerksamkeit wieder auf unseren Geist zu lenken und alle Sorgen und Bedenken bezüglich der Symptome an den HEILIGEN GEIST abzugeben. Es erfordert Entschlossenheit, die Gedanken des Zweifels und der Angst zu beobachten und sie immer wieder abzugeben. Wenn die Angst zu groß wird, haben wir vielleicht das Gefühl, dass der Gang zum Arzt oder die Einnahme von Medikamenten uns vorübergehend unterstützen wird, während wir aufrichtig mit all unseren Gedanken und Situationen, die nach Vergebung rufen, arbeiten und diese betrachten. Das ist in Ordnung, denn ein ängstlicher Geist ist selbst ein Hindernis für die Heilung, für das Gewahrwerden der Gegenwart der Liebe. Das Gefühl des Vertrauens entsteht ganz natürlich mit einem entspannten und dankbaren Geist. Kommen wir in das Gebet unseres Herzens, seien wir bereit, unsere Wahrnehmung zu verändern, und spüren wir die Freude der Heilung! Wir sind es wert, unsere wahre Bestimmung zu erfahren, den einzigen Weg zu echter und dauerhafter Heilung.

Es ist wichtig zu sehen, dass es offensichtlich eine Wahl gibt. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten, uns vom Lockangebot des Egos verführen zu lassen und uns selbst als getrennt, angegriffen, zurückgewiesen und verlassen wahrzunehmen. Das Ego hat dieses Angriffs- und Verteidigungsspiel so lange unterstützt, und jetzt werden wir uns verändern und für die Heilung öffnen. Dies ist eine große Veränderung des Geistes. Wenn wir beginnen, unsere Krankheit als einen Ruf nach Liebe zu sehen, werden wir eine Erleichterung, eine Veränderung sowohl in unserem Geist als auch in unserem täglichen Leben feststellen. Und wenn wir zulassen, dass die Liebe, die wir als fehlend empfinden, ausgedehnt wird, empfangen wir sie sofort. Sie wird wie ein Wunder direkt zu uns zurückgespiegelt. So funktioniert die Heilung des Geistes und des Körpers. Genau wie bei der geistigen Heilung kann die körperliche Heilung immer nur vom Geist ausgehen. Wenn der Geist in vollständiger und offener Kommunikation steht und alle falschgesinnten Gedanken ans Licht gebracht wurden, wird die Heilung folgen. Der Körper wird ein gesundes Werkzeug oder Fahrzeug für einen Geist sein, der glücklich und in Frieden ist.

Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass wir uns nicht darauf konzentrieren, ob die Symptome bleiben oder verschwinden, wenn wir uns wirklich Heilung für uns selbst oder für andere wünschen. Der Schlüssel liegt darin, nicht in ein körperliches Ergebnis oder Erscheinungsbild investiert zu sein. Erinnern wir uns daran, dass es bei der Heilung nicht wirklich um die Beseitigung von Symptomen geht; es geht darum, unseren Geist zu GOTT zurückzuführen. Wenn wir unseren Geist mit GOTT, unserer QUELLE, verbinden, erhalten wir völlige Klarheit und das Bewusstsein unserer wahren Identität. Wenn wir dies erfahren, wenn wir im Augenblick des Wunders völlig präsent sind, werden wir keine Krankheit mehr wahrnehmen, sondern nur noch unendlichen Frieden, einen Frieden jenseits des Verstehens.

Indem wir zu Inspiration und Lebendigkeit zurückkehren, heilen wir. Wir tun dies, indem wir in jedem Moment die Hand des HEILIGEN GEISTES halten. Ob wir Heilung für ein Leiden wünschen, Müdigkeit heilen wollen, um wach und lebendig zu werden, oder einfach nur einen inspirierenden Tag haben wollen, es ist immer so. Dies ist unsere Funktion der Vergebung in dieser Welt, und sie wird viele Wunder bewirken, die unser ganzes Leben verändern. Bringen wir dies in unser tägliches Denken und unsere tägliche Entscheidungsfindung ein, von Augenblick zu Augenblick. Dies ist der Weg, das Ego loszulassen. Wenn wir harmlos sind, können wir niemanden oder uns selbst verletzen, weder unseren Geist noch unseren Körper.

Weil wir mit unserer Wahrnehmung arbeiten, werden andere heilen, während wir vergeben und heilen. Es ist aufregend, denn es ist eine Einladung des HEILIGEN GEISTES zu einer ganz neuen Art zu leben. Wenn wir die Werkzeuge, die wir haben, und die Menschen in unserem Leben betrachten, können wir weise und hilfreiche Entscheidungen treffen, die die Liebe in unserem Herzen würdigen. Wir werden unser sich öffnendes, sich ausdehnendes und entfaltendes Herz wertschätzen. Und wir werden uns mit allem umgeben wollen, was unserer Heilung förderlich ist.

Vergebung

“GOTT vergibt nicht,
weil ER nie verurteilt hat.”
(EKIW: Lektion 46, 1. 1.)

Wenn unser Geist dazu bereit ist, ist die Wahrheit offensichtlich, aber das Ego versucht uns seit Anbeginn der Zeit vom Gegenteil zu überzeugen. Besonders deutlich wird dies beim Thema Vergebung. Vergebung ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie das Ego funktioniert, wie es selbst die edelsten Wahrheiten so verdreht, dass sie in sein wahnsinniges Denksystem zu passen scheinen.

Im Alten Testament finden wir folgende Aussagen:

5 Mose 32,35:
“Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wankt. Denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.”

Sprüche 20,22:
“Sag nicht: Ich will das Böse vergelten. Vertrau auf den HERRN, er wird dir helfen!”

Im Neuen Testament finden wir folgende Aussage:

Römer 12,19:
“Übt nicht selbst Vergeltung, Geliebte, sondern lasst Raum für das Zorngericht Gottes; denn es steht geschrieben: Mein ist die Vergeltung, ich werde vergelten, spricht der Herr.”

Was die Aussagen der Bibel betrifft, so hat Jesus im Kurs einen hilfreichen Hinweis für uns: “Wenn du die Lehren der Apostel liest, denke daran, dass ich selbst ihnen sagte, sie würden vieles später verstehen, weil sie in jener Zeit noch nicht voll und ganz bereit waren, mir nachzufolgen.” (EKIW: Kapitel 6, I. 16. 1.)

Die Aussage aus dem Buch der Sprüche ist an sich völlig klar, wurde aber immer wieder missverstanden. Das Missverständnis des Apostels Paulus ist Teil des Neuen Testaments geworden. Was schon die Sprüche im Alten Testament uns sagen wollen, ist jedoch, dass wir unsere Rachegefühle IHM zur Berichtigung übergeben sollen. Das ist alles! GOTT kennt weder Rache noch Vergebung.

Vergebung ist im HIMMEL unbekannt, wo das Bedürfnis danach unvorstellbar wäre. Vergebung ist eine Illusion, die eine Antwort auf die andern ist. Vergebung ist das einzige, was innerhalb der Illusionen dieser Welt für die Wahrheit steht. Durch die Vergebung wird das Denken der Welt umgekehrt. Sie sieht die Nichtigkeit der Illusionen und schaut geradewegs durch die tausenderlei Formen hindurch, in denen sie auftreten mögen. Sie ist das Mittel, das der HEILIGE GEIST verwendet, um Besonderheit von Sünde in Erlösung zu übersetzen.

Vergebung ist für alle. Doch erst wenn sie auf allen ruht, ist sie vollständig und ist jede Funktion dieser Welt mit ihr vervollständigt. Dann ist die Zeit nicht mehr. Die Vergebung ist die große Befreiung von der Zeit. Sie ist der Schlüssel zum Lernen, dass die Vergangenheit vorbei ist. Die Vergebung ist das Ende der Träume, weil sie ein Traum des Erwachens ist. Wir erwachen aus dem Traum der Trennung und erkennen uns wieder als das, was wir immer waren, so wie GOTT uns erschaffen hat, ganz, vollkommen und unschuldig.

In dieser Welt der Zeit jedoch ist die Vergebung eine notwendige Berichtigung für all die Fehler, die wir gemacht haben. Vergebung anzubieten ist die einzige Möglichkeit, sie selbst zu haben, denn sie spiegelt das Gesetz des HIMMELS wider, dass Geben und Empfangen dasselbe sind. Vergebung ist das Mittel, durch das wir uns an unsere Wirklichkeit wieder erinnern werden.

In jedem Bruder sehen wir nur das Spiegelbild dessen, was wir beschlossen, dass er für uns sei. Wenn wir ihn verurteilen, wird er zu unserem Bringer des Todes. Wenn wir ihm vergeben, wird er zu unserem Erlöser. Er ist der Weg zu HIMMEL oder Hölle - entsprechend unserer Wahrnehmung. Die Rolle, die wir ihm geben, wird auch uns gegeben, und wir werden den Weg gehen, den wir ihm gewiesen haben, weil das unser Urteil über uns selbst ist.

Vergebung ist das Ende der Besonderheit. Nur Illusionen können vergeben werden, und dann verschwinden sie. Vergebung ist die Befreiung von allen Illusionen, und genau deshalb ist es unmöglich, nur zum Teil zu vergeben. Niemand, der sich an eine einzige Illusion klammert, kann sich als sündenlos sehen, denn er bewahrt sich einen Irrtum, den er immer noch für schön hält. So nennt er ihn denn »unverzeihlich« und macht ihn zur Sünde. Wie kann er dann seine Vergebung gänzlich geben, wenn er sie nicht für sich selbst empfangen möchte? Denn es steht fest, dass er sie ganz und gar empfinge in dem Augenblick, in dem er sie so geben würde. Und somit würde seine geheime Schuld verschwinden, vergeben von ihm selbst.”
(EKIW: Kapitel 24, III. 1.)

“GOTT vergibt nicht, weil ER nie verurteilt hat. Und es muss eine Verurteilung geben, bevor Vergebung nötig wird. Vergebung ist, was diese Welt dringend braucht, aber nur deswegen, weil es eine Welt der Illusionen ist. Diejenigen, die vergeben, befreien sich dadurch von Illusionen, während diejenigen, die Vergebung vorenthalten, sich an Illusionen binden. Genau wie du nur dich selbst verurteilst, vergibst du auch nur dir selbst.
(EKIW: Lektion 46, 1.)

Ausdehnung der Vergebung ist die Funktion des HEILIGEN GEISTES. Wir brauchen sie nur IHM zu überlassen. Unsere Aufgabe besteht nur darin, IHM das zu geben, was ausgedehnt werden kann.

“Vergebung ist der Schlüssel zum Glück.”
(EKIW: Lektion 121)

Doch was die Welt unter Vergebung versteht, ist nicht das, worum es in Wahrheit geht, denn auch das Ego hat einen Plan für die Vergebung. Der Plan des Ego ergibt natürlich keinen Sinn und wird nicht funktionieren. Die Vorstellung des Egos von Vergebung ist, dass eine Person zuerst ihre eigenen Fehler oder die eines anderen sieht und sie dann großzügig “vergibt”. Im Sinne von: "Ich vergebe mir, was ich dir angetan habe, oder ich vergebe dir, was du mir angetan hast." Der Plan des Ego ist also, dass wir den Fehler zuerst deutlich sehen und ihn dann übersehen. Wie aber können wir das übersehen, dem wir Wirklichkeit verliehen haben? Dadurch, dass wir den Fehler deutlich sehen, haben wir ihm Wirklichkeit verliehen und können ihn nicht gleichzeitig übersehen. Viele haben das in Gottes Namen zu tun versucht und haben nicht erkannt, dass dies überhaupt keinen Sinn ergibt.

Die Vergebung, die Jesus lehrt, bedient sich nicht der Angst, um die Angst aufzuheben. Auch macht sie das Unwirkliche nicht wirklich und zerstört es dann. Vergebung durch den HEILIGEN GEIST besteht einfach darin, von Anfang an über den Fehler hinwegzusehen und ihn auf diese Weise für uns unwirklich sein zu lassen. Wir dürfen keinen Glauben an seine Wirklichkeit in unseren Geist eindringen lassen, sonst werden wir ebenfalls glauben, dass wir aufheben müssen, was wir gemacht haben, damit uns vergeben werde. Was keine Wirkung hat, das existiert nicht, und für den HEILIGEN GEIST sind die Wirkungen des Irrtums nicht existent.

Zu diesem Weg der Vergebung - der wirklich funktioniert - gehört, dass wir alle unsere Projektionen zurücknehmen und die volle Verantwortung für unseren Geist und unsere Gedanken übernehmen. Wir vergeben unsere Wahrnehmung, unsere Vorstellung von dem, was wir dachten, dass der andere getan hat, denn in Wahrheit hat er es nicht getan. Es war nur eine Projektion unseres Glaubens. Das mag seltsam klingen; das Ego kratzt sich am Kopf und sagt: "Oh, zu vergeben, was man nicht getan hat, das klingt ziemlich schwierig." Aber unser Geist ist mächtig und erschafft alles, was wir wahrnehmen. Vollständige Vergebung bedeutet zu sehen und tief zu erfahren, dass nichts passiert ist. Das ist wahrer Geistesfrieden, der höchste Zustand.

Der Vergebungsplan des Ego wird viel öfter angewendet als derjenige GOTTES. Das liegt daran, dass er von ungeheilten Heilern ausgeführt wird und daher vom Ego kommt. Wir wollen jetzt den ungeheilten Heiler sorgfältiger ins Auge fassen. Definitionsgemäß versucht er etwas zu geben, was er nicht empfangen hat. Ist ein ungeheilter Heiler beispielsweise Theologe, so fängt er vielleicht mit der folgenden Prämisse an: »Ich bin ein elender Sünder, und du bist es auch.« Ist er ein Psychotherapeut, so beginnt er eher mit der gleichermaßen unglaubhaften Überzeugung, dass Angriff für ihn wie auch für den Patienten wirklich ist, aber dass er für keinen von beiden eine Rolle spielt.”
(EKIW: Kapitel 9, V. 1.)

“Es ist von Vorteil, Alpträume bewusstzumachen, aber nur um zu lehren, dass sie nicht wirklich sind und dass alles, was sie enthalten, bedeutungslos ist. Der ungeheilte Heiler kann das nicht tun, weil er das nicht glaubt. Alle ungeheilten Heiler folgen auf die eine oder andere Weise dem Vergebungsplan des Ego. Handelt es sich um Theologen, so ist wahrscheinlich, dass sie sich selbst verurteilen, Verurteilung lehren und für eine angsterfüllte Lösung eintreten. indem sie die Verurteilung auf GOTT projizieren, lassen sie IHN als rachsüchtig erscheinen und fürchten SEINE Vergeltung. Dabei haben sie nichts anderes getan, als sich mit dem Ego zu identifizieren und dadurch, dass sie wahrnehmen, was dieses tut, sich selbst auf Grund dieser Verwechslung zu verurteilen. Es ist verständlich, dass es zu Auflehnung gegen diese Vorstellung gekommen ist, aber sich gegen sie auflehnen heißt immer noch daran glauben.”
(EKIW: Kapitel 9, V. 3.)

“Ein Therapeut heilt nicht: Er lässt die Heilung geschehen . Er kann auf die Dunkelheit hinweisen, aber er kann von sich aus kein Licht bringen, denn das Licht ist nicht von IHM. Doch da es für ihn ist, muss es auch für seinen Patienten sein. Der HEILIGE GEIST ist der einzige THERAPEUT. ER macht die Heilung in jedweder Lage deutlich, in welcher ER der FÜHRER ist. Du kannst IHN nur SEINE Funktion erfüllen lassen. Dazu braucht ER keine Hilfe. ER wird dir genau sagen, was zu tun ist, um jemandem zu helfen, den ER als Hilfesuchenden zu dir schickt, und ER wird durch dich zu IHM reden, wenn du dich nicht einmischst.”
(EKIW: Kapitel 9, V. 8. 1.- 9.)

“Wenn das, was du anbietest, vollständige Vergebung ist, dann musst du die Schuld losgelassen haben, indem du die SÜHNE für dich angenommen und gelernt hast, dass du schuldlos bist.”
(EKIW: Kapitel 14, I. 1. 6.)

Die Hauptschwierigkeit, die du dabei hast, aufrichtig zu vergeben, ist die, dass du noch immer glaubst, du müssest die Wahrheit vergeben und nicht die Illusionen. Du stellst dir die Verzeihung als den vergeblichen Versuch vor, über das hinwegzusehen, was da ist; die Wahrheit zu übersehen, in einer unbegründeten Bemühung, dich selbst zu täuschen, indem du eine Illusion wahr machst. Dieser verzerrte Standpunkt spiegelt nur wider, wie stark der Einfluss ist, den die Idee der Sünde noch immer auf deinen Geist ausübt, wie du dich selbst betrachtest.”
(EKIW: Lektion 134, 3.)

Ruf nach Liebe

Wenn wir glauben, etwas Schreckliches in der Welt zu sehen, das wir nicht vergeben können, dann erinnern wir uns daran, dass es ein Ruf nach Liebe ist - und zwar unser eigener Ruf nach Liebe. Ein Ereignis, das sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat, ist "Nine Eleven" (9/11). Jeder der dieses Ereignis bewusst wahrgenommen hat, weiß noch genau, wo und unter welchen Umständen ihn die Nachricht vom 11. September 2001 erreicht hat und erinnert sich an den Angriff, der darauf folgte. Die zentrale Notrufnummer in den USA ist seit über 60 Jahren 911. Was für ein Symbol! 9/11 ist ein Notruf - ein Ruf nach Liebe.

“Das ist das eigentlich Wertvolle daran, wenn du lernst, Angriff als einen Ruf nach Liebe wahrzunehmen. Wir haben bereits gelernt, dass Angst und Angriff unausweichlich miteinander verbunden sind. Wenn nur Angriff Angst erzeugt und wenn du Angriff als den Hilferuf siehst, der er ist, muss es dir dämmern, dass die Angst unwirklich ist. Denn Angst ist ein Ruf nach Liebe, im unbewussten Erkennen dessen, was verleugnet wurde.
(EKIW: Kapitel 12, I. 8. 10.- 13.)

Das einzige Urteil dabei ist, dass der HEILIGE GEIST nur zwei Kategorien unterscheidet: Die eine ist die Liebe und die andere der Ruf nach Liebe. Du kannst diese Einteilung nicht verlässlich treffen, denn du bist viel zu verwirrt, um entweder Liebe zu erkennen oder zu glauben, dass alles andere nichts als ein Ruf nach Liebe ist. Du bist zu sehr an die Form gebunden, nicht an den Inhalt. Was du als Inhalt ansiehst, ist überhaupt nicht Inhalt. Es ist nur Form, sonst nichts. Du reagierst nämlich nicht auf das, was dir ein Bruder tatsächlich anbietet, sondern nur auf die jeweilige Wahrnehmung seines Angebotes, der zufolge das Ego es beurteilt.”
(EKIW: Kapitel 14, X. 7.)

In Lektion 14 sind wir ganz konkret aufgefordert folgendes zu üben:
“Gott hat diesen Krieg nicht erschaffen, und somit ist er nicht wirklich.
Gott hat diesen Flugzeugabsturz nicht erschaffen, und somit ist er nicht wirklich.
Gott hat dieses Unglück [benenne es genau] nicht erschaffen, und somit ist es nicht wirklich.”

Das Ego fordert uns ständig zu Kompromissen auf, es lebt von Kompromissen. In der Welt des Egos wird der Kompromiss als etwas Positives angesehen. Kompromisse schließen ist das Ziel des Traums dieser Welt. Wir machen Kompromisse im Beruf, im Privatleben, in unseren Beziehungen und auch bei Themen wie Heilung und Vergebung. Was das Ego unter Vergebung versteht, ist nichts weiter als ein fauler Kompromiss.

Dabei sollte jedoch betont werden, dass zwischen allem und nichts letztlich kein Kompromiss möglich ist. Eine einzige Illusion, die man hegt und gegen die Wahrheit verteidigt, macht die gesamte Wahrheit bedeutungslos und alle Illusionen wirklich. Derart ist die Macht des Glaubens. Er kann keine Kompromisse schließen. Und Glaube an die Unschuld ist Glaube an die Sünde, wenn er ein einziges Lebewesen ausschließt und es draußen hält, abseits von seiner Vergebung.

Erlösung ist kein Kompromiss irgendwelcher Art. Wenn wir den Gedanken des Kompromisses in unseren Geist eindringen lassen, verlieren wir das Bewusstsein für das Ziel der Erlösung, weil wir sie nicht wahrnehmen. Der Kurs ist leicht, gerade weil er keine Kompromisse schließt. Nur denen kommt er schwierig vor, die noch immer glauben, Kompromiss sei möglich. Doch es ist nicht möglich, wegen diesem anzugreifen und wegen jenem zu lieben und die Vergebung zu verstehen. Diejenigen, die glauben, der Friede lasse sich verteidigen und Angriff sei gerechtfertigt um seinetwillen, können nicht wahrnehmen, dass er in ihnen liegt. Wir dürfen Waffenstillstand nicht mit Frieden und Kompromiss, nicht mit Entrinnen aus Konflikt verwechseln. Von Konflikt befreit zu sein bedeutet, dass er vorbei ist, es bedeutet, dass wir das Schlachtfeld hinter uns gelassen haben.


Vergebungsübung



Die Hindernisse vor dem Frieden

Dieser Artikel enthält ausschließlich eine Sammlung einiger prägnanter Zitate aus Kapitel 19, IV des Kurses und kann all jenen als Erinnerungsstütze dienen, die den Kurs schon mindestens einmal durchgearbeitet haben. Diesen Hindernissen werden wir immer wieder begegnen, bis wir sie endgültig überwunden haben:

A. Das erste Hindernis: der Wunsch, ihn loszuwerden
     a) Die Anziehungskraft der Schuld

B. Das zweite Hindernis: der Glaube, der Körper sei wertvoll um dessentwillen, was er bietet
     a) Die Anziehungskraft des Schmerzes

C. Das dritte Hindernis: die Anziehungskraft des Todes
     a) Der unverwesliche Körper

D. Das vierte Hindernis: die Angst vor GOTT
     a) Das Lüften des Schleiers

“Während der Frieden sich aus der Tiefe deines Inneren ausdehnt, um die ganze SOHNSCHAFT zu umfassen und ihr Ruhe zu schenken, wird er auf viele Hindernisse stoßen.”

“Du kannst den HEILIGEN GEIST nicht sehen, aber du kannst deine Brüder wahrheitsgemäß sehen. Und das Licht in ihnen wird dir alles zeigen, was du zu sehen brauchst. Wenn der Frieden in dir so weit ausgedehnt ist, dass er jeden umfasst, dann wird die Funktion des HEILIGEN GEISTES hier vollbracht sein.”

A. Das erste Hindernis: der Wunsch, ihn loszuwerden

“Und dennoch, dieser kleine Rest von Angriff, den du noch immer gegen deinen Bruder hegst, er ist das erste Hindernis, auf das der Frieden in dir stößt, wenn er vorangeht. Diese kleine Mauer des Hasses widersetzt sich noch immer dem WILLEN GOTTES und hält ihn in Grenzen.”

“Hab keine Angst vor diesem kleinen Hindernis! Es kann den WILLEN GOTTES nicht zurückhalten. Der Frieden wird darüber hinwegfließen und sich ungehindert mit dir verbinden. Die Erlösung kann dir nicht vorenthalten werden. Sie ist dein Ziel. Du kannst nichts anderes wählen.”

“Der kleine wahnsinnige Wunsch, IHN loszuwerden, DEN du hereingebeten hast, und IHN hinauszustoßen, muss Konflikt erzeugen. Während du die Welt betrachtest, kann dieser kleine Wunsch, entwurzelt und planlos dahintreibend, irgendwo landen und sich für eine kurze Zeit auf irgend etwas niederlassen, denn jetzt hat er kein Ziel mehr. Bevor der HEILIGE GEIST eingekehrt war, um in dir zu wohnen, schien er ein mächtiges Ziel zu haben: die starre und unveränderbare Hingabe an die Sünde und an ihre Folgen. Jetzt ist er ziellos, irrt zwecklos hin und her und verursacht nicht mehr als winzige Unterbrechungen in der Anziehungskraft der Liebe.”

     a) Die Anziehungskraft der Schuld

“Die Anziehungskraft der Schuld erzeugt Angst vor der Liebe, denn die Liebe würde überhaupt nie auf die Schuld schauen. Es ist das Wesen der Liebe, dass sie nur auf die Wahrheit schaut, mit der sie sich in heiliger Vereinigung und Vollständigkeit verbinden möchte.”

“Die Angst ist nämlich gnadenlos, sogar zu ihren Freunden. Ihre Boten stehlen sich schuldbewusst davon in hungriger Suche nach der Schuld, denn ihr Herr lässt sie frieren, darben und sehr bösartig werden und sich nur an dem weiden, was sie ihm zurückbringen. Auch nicht das kleinste Fünkchen Schuld entgeht ihren hungrigen Augen.”

“Der HEILIGE GEIST hat dir die Boten der Liebe gegeben, damit du sie anstelle derjenigen aussendest, die du durch Angst abgerichtet hast. Sie sind eben so begierig, dir wiederzubringen, was ihnen lieb und teuer ist, wie es die andern sind. Und sendest du sie aus, werden sie nur das Schuldlose und das Schöne, das Sanfte und das Gütige sehen. Sie werden ebenso sorgfältig darauf achten, nicht einen kleinen Akt der Nächstenliebe, nicht eine winzige Äußerung der Vergebung, nicht einen schwachen Hauch der Liebe ihrer Aufmerksamkeit entgehen zu lassen. Und sie werden wiederkehren mit all den glücklichen Dingen, die sie gefunden haben, um sie liebevoll mit dir zu teilen.”

B. Das zweite Hindernis: der Glaube, der Körper sei wertvoll um dessentwillen, was er bietet

“Das ist der Wert, von dem du denkst, der Frieden werde ihn dir rauben. Das ist es, was er, wie du glaubst, enteignen werde und wodurch du obdachlos würdest. Das ist es, um dessentwillen du dem Frieden ein Zuhause verweigern möchtest. Das erscheint dir als ein zu großes »Opfer«, als zuviel von dir verlangt. Ist es ein Opfer oder eine Befreiung? Was hat der Körper dir denn wirklich gegeben, das deinen sonderbaren Glauben rechtfertigt, in ihm liege die Erlösung? Siehst du denn nicht, dass dies der Glaube an den Tod ist?”

“Der Schmerz ist das einzige »Opfer«, das der HEILIGE GEIST fordert, und diesen möchte ER entfernen.”

     a) Die Anziehungskraft des Schmerzes

“Man kann unmöglich Lust durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion der Lust wird dasselbe sein wie Schmerz.”

“Genau diese Idee liegt der gesamten riesigen Investition des Ego in den Körper zugrunde. Und genau diese wahnsinnige Beziehung hält es versteckt, während es sich davon nährt. Dich lehrt es, dass des Körpers Lust Glück ist. Bei sich aber flüstert es: »Sie ist der Tod.«”

“Höre nicht seine [Ego] Verrücktheit, und glaube nicht, dass das Unmögliche wahr ist. Vergiss nicht, dass das Ego den Körper dem Ziel der Sünde hingegeben hat und seinen ganzen Glauben in ihn setzt, dass dies erreichbar ist. Seine traurigen Jünger singen ohne Unterlass ein Loblied auf den Körper, während sie feierlich des Ego Herrschaft zelebrieren. Und da ist keiner, der nicht glauben muss, dass der Anziehungskraft der Schuld nachzugeben das Entrinnen aus dem Schmerz ist. Keiner, der nicht den Körper als sich selbst ansehen muss, ohne den er sterben würde, in dem jedoch sein Tod ebenso unausweichlich ist.”

C. Das dritte Hindernis: die Anziehungskraft des Todes

“Was Angst vor dem Tod zu sein scheint, ist in Wirklichkeit seine Anziehungskraft.”

“Als du die Zielsetzung des HEILIGEN GEISTES anstelle derjenigen des Ego angenommen hast, hast du dem Tod entsagt und ihn gegen das Leben eingetauscht.”

     a) Der unverwesliche Körper

“Vom Ego kamen Sünde, Schuld und Tod, in Opposition zum Leben und der Unschuld und dem WILLEN GOTTES SELBST.”

“Die Arroganz der Sünde, der Stolz der Schuld und das Grabmal der Trennung sie alle sind Teil deiner unerkannten Hingabe an den Tod.”

“Für dich gibt es eine andere Hingabe, die den Körper unverweslich und vollkommen erhält, solange er für deinen heiligen Zweck nützlich ist. Der Körper stirbt ebenso wenig, wie er fühlen kann. Er tut nichts. Von sich aus ist er weder verweslich noch unverweslich. Er ist nichts. Er ist die Folge einer winzig kleinen Wahnidee der Verweslichkeit, die berichtigt werden kann.”

“Wer den Tod fürchtet, sieht nicht, wie oft und laut er ihn ruft und ihn zu sich kommen heißt, damit er ihn vor der Kommunikation errette. Der Tod wird nämlich als Sicherheit gesehen, als großer, dunkler Retter vor dem Licht der Wahrheit, als Antwort auf die ANTWORT, als einer, der die STIMME, DIE für GOTT spricht, zum Verstummen bringt. Aber der Rückzug in den Tod ist nicht das Ende des Konflikts. Nur GOTTES ANTWORT ist sein Ende.”

“Mein Bruder, Kind unseres VATERS, das ist ein Traum vom Tod. Es gibt keine Beerdigung, keine dunklen Altäre, keine finsteren Gebote noch verdrehten Rituale der Verurteilung, zu denen dich der Körper führt. Bitte nicht ihn, dich zu befreien. Sondern befreie ihn von den gnadenlosen, unerbittlichen Befehlen, die du ihm auferlegt hast, und vergib ihm das, was du ihm zu tun befahlst. Indem du ihn überhöht hast, befahlst du ihm zu sterben, denn nur der Tod konnte das Leben bezwingen. Und was sonst als der Wahnsinn konnte auf die Niederlage GOTTES blicken und denken, dass sie wirklich ist?”

“Die Angst vor dem Tod wird vergehen, wenn ihr Reiz der wirklichen Anziehungskraft der Liebe abgetreten wird. Das Ende der Sünde, das sich ruhig in die Sicherheit deiner Beziehung schmiegt, ist sehr nah, geschützt durch deine Vereinigung mit deinem Bruder und bereit, zu einer mächtigen Kraft für GOTT anzuwachsen. Die Erlösung wird als kleines Kind sorgsam gehütet von der Liebe und vor jedem Gedanken bewahrt, der sie angreifen würde; still wird sie dafür bereit gemacht, die mächtige Aufgabe zu erfüllen, für die sie dir gegeben wurde. Deine neugeborene Zielsetzung wird genährt von Engeln, dem HEILIGEN GEIST ist sie lieb und teuer, und GOTT SELBST beschützt sie. Sie braucht deinen Schutz nicht: Sie ist dein. Denn sie ist todlos, und in ihr liegt des Todes Ende.”

“Wenn dir irgend etwas als eine Quelle der Angst erscheint, wenn irgendeine Situation dich in Angst und Schrecken versetzt, deinen Körper zittern lässt und kalter Angstschweiß ihn überkommt, dann erinnere dich daran, dass es immer aus einem Grund geschieht: das Ego hat es als Symbol der Angst, als Zeichen der Sünde und des Todes wahrgenommen.”

“Siehst du dich einer solchen scheinbaren Ungewissheit der Bedeutung gegenüber, beurteile sie nicht. Erinnere dich an die heilige Gegenwart DESSEN, DER dir gegeben ward, um des Urteils QUELLS zu sein. Übergib es IHM, für dich zu urteilen, und sage:

     Nimm dies von mir, betrachte es und beurteile es für mich.
     Lass es mich nicht als Zeichen der Sünde und des Todes sehen noch zur Zerstörung nutzen.
     Lehre mich, wie ich daraus kein Hindernis für den Frieden mache,
     sondern es DICH für mich nutzen lasse, um sein Kommen zu erleichtern.”

D. Das vierte Hindernis: die Angst vor GOTT

“Das ist der dunkelste Schleier, der durch den Glauben an den Tod aufrechterhalten und durch seine Anziehungskraft geschützt wird.”

“Jedes Hindernis, über das der Frieden hinwegfließen muss, wird immer auf dieselbe Weise überwunden: Die Angst, die es errichtet hat, weicht der dahinterliegenden Liebe und so ist die Angst vergangen.”

“Es scheint dir, dass die Welt dich ganz und gar im Stiche lassen wird, wenn du nur deinen Blick erhebst. Doch alles, was geschehen wird, ist, dass du die Welt für immer verlassen wirst. Das ist die Wiedereinsetzung deines Willens. Sieh ihn mit offenen Augen an, und du wirst nimmermehr glauben, dass du in der Gewalt von Dingen jenseits von dir bist, von Kräften, die du nicht kontrollieren kannst, und von Gedanken, die dir gegen deinen Willen kommen. Es ist dein Wille, dieses anzusehen. Kein verrücktes Verlangen, kein trivialer Impuls, das wieder zu vergeben, kein Stich der Angst, noch der kalte Schweiß des scheinbaren Todes können deinem Willen standhalten. Denn was dich von jenseits des Schleiers her anzieht, das ist auch tief in dir, der du ungetrennt davon bist und vollständig eins.”

     a) Das Lüften des Schleiers

“Der FÜHRER, DER dich hergebracht hat, bleibt bei dir, und wenn du deinen Blick erhebst, wirst du bereit sein, auf schieren Schrecken ohne die geringste Angst zu schauen. Zuerst jedoch hebe deinen Blick und schaue deinen Bruder an in Unschuld, geboren aus der vollständigen Vergebung seiner Illusionen, und mit des Glaubens Augen, der sie nicht sieht.”

“Niemand kann unerschrocken auf die Angst vor GOTT schauen, wenn er die SÜHNE nicht angenommen und gelernt hat, dass Illusionen nicht wirklich sind. Niemand kann allein vor diesem Hindernis stehen, denn er wäre nicht so weit gelangt, wenn sein Bruder nicht neben ihm hergegangen wäre. Und niemand würde es wagen, es zu betrachten, ohne seinem Bruder in seinem Herzen vollständig vergeben zu haben. Bleibe hier eine Weile stehen und zittere nicht. Du wirst bereit sein. Wir wollen uns in einem heiligen Augenblick an diesem Ort verbinden, an den der Zweck, der dir im heiligen Augenblick gegeben ward, dich führte. Auch wollen wir uns in dem Glauben verbinden, dass ER, DER uns gemeinsam hier herbrachte, dir die Unschuld schenken wird, die du brauchst, und dass du sie annehmen wirst um meiner und um SEINER Liebe willen.”

“Hier, angesichts des Endes deiner Reise, siehst du ihren Zweck. Und hier triffst du die Wahl, ob du ihn anschaust oder weiterwanderst, nur um zurückzukehren und noch einmal die Wahl zu treffen.”

“Es braucht einige Vorbereitung, um die Angst vor GOTT anzuschauen. Nur die geistig Gesunden können den nackten Wahnsinn und die rasende Verrücktheit mit Erbarmen und mit Mitgefühl betrachten, aber ohne Angst. Denn nur wenn sie daran teilhaben, scheinen diese furchterregend zu sein, und du hast so lange daran teil, bis du deinen Bruder mit vollkommenem Glauben und vollkommener Liebe und Zärtlichkeit ansiehst. Vor der vollständigen Vergebung stehst du und hast noch immer nicht vergeben. Du hast Angst vor GOTT, weil du deinen Bruder fürchtest. Diejenigen, denen du nicht vergibst, fürchtest du. Und niemand gelangt zur Liebe mit Angst an seiner Seite.”

“Dieser Bruder, der neben dir steht, scheint immer noch ein Fremder zu sein. Du erkennst ihn nicht, und deine Deutung von ihm ist sehr furchterregend. Auch greifst du ihn noch immer an, um das, was du selbst zu sein scheinst, vor Schaden zu bewahren. Deine Erlösung aber liegt in seinen Händen. Du siehst seine Verrücktheit, die du hasst, weil du sie teilst. Und das ganze Mitleid und die Vergebung, die sie heilen würden, weichen der Angst. Bruder, du brauchst Vergebung deinem Bruder gegenüber, denn ihr werdet euch gemeinsam in die Verrücktheit oder in den HIMMEL teilen. Auch werdet ihr eure Augen gemeinsam im Glauben erheben oder gar nicht.”

“Befreiung wurde dir gegeben, damit du sie deinem Bruder gibst und so empfängst. Wem du vergibst, der ist frei, und was du gibst, das teilst du. Vergib die Sünden, die dein Bruder begangen zu haben glaubt, und alle Schuld, die du in ihm zu sehen glaubst.”

“Gemeinsam werden wir eingehen in die GEGENWART jenseits des Schleiers, nicht um verloren, sondern um gefunden zu werden, nicht um gesehen, sondern um erkannt zu werden. Und in der Erkenntnis, dass nichts im Plan, den GOTT für die Erlösung aufgestellt hat, ungetan gelassen wird. Das ist der Sinn und Zweck der Reise, ohne den die Reise bedeutungslos ist. Hier ist der Frieden GOTTES, der dir in Ewigkeit von IHM gegeben ist. Hier sind die Ruhe und die Stille, die du suchst und die von Anfang an der Grund für diese Reise waren. Der HIMMEL ist die Gabe, die du deinem Bruder schuldest, die Dankesschuld, die du dem SOHNE GOTTES schenkst als Dank für das, was er ist und was zu sein sein VATER ihn erschuf.”

Der Heilige Augenblick - das Jetzt

Zuerst Ursache, dann Wirkung - diese tief in unser Verständnis der Welt eingebettete Abfolge wird von der modernen Quantenphysik auf den Kopf gestellt. Denn in der Welt der Quantenmechanik sind Umstände möglich, in denen ein einzelnes Ereignis zugleich Ursache und Wirkung eines anderen Ereignisses sein kann.

Im Bereich der Spiritualität ist schon seit Jahrtausenden bekannt, dass die lineare Zeit eine Illusion ist, lediglich ein Eindruck, der entsteht, wenn sich ein individuelles Bewusstsein entlang eines Pfades im Raum-Zeit-Kontinuum bewegt. Die Zeit bewegt sich nicht, die Zeit ist immer Jetzt. Wir sind es, die sich auf einer Reise befinden. Wir bewegen uns durch die Zeit. Wo immer wir uns auf dieser Reise durch die Zeit auch befinden mögen, es ist immer Jetzt. Das Ziel jedes wahrhaft spirituellen Weges ist das Eintauchen in das Jetzt - den heiligen Augenblick, die Erlösung aus der linearen Zeit.

Die unbewusste Suche nach dem Jetzt

Auch hinter Extremsportarten wie Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen steht die Sehnsucht nach dem heiligen Augenblick. Der freie Fall nach dem Sprung von einer Brücke oder aus einem Flugzeug ist geradezu eine Einladung an den heiligen Augenblick. Viele haben das schon erlebt, ohne sich bewusst zu sein, was sie da erlebt haben und dass es einen Weg gibt, der dauerhaft in diesen glückseligen Zustand führt.

Auch der tief religiöse Formel-1-Rennfahrer Ayrton Senna hatte während seiner Rennen mystische Erfahrungen, die er eindeutig mit Gott in Verbindung brachte. Während eines Trainings zum Grand Prix von Monaco im Jahre 1988 tauchte er in den heiligen Augenblick ein und erlebte einige Runden in einem erweiterten Bewusstseinszustand - in der Träumer-des-Traums-Perspektive. Senna beschrieb diese Erfahrung mit folgenden Worten "Ich war schon auf Pole, und ich wurde immer schneller. Runde für Runde, schneller, schneller und schneller. Plötzlich war ich fast zwei Sekunden schneller als alle anderen, selbst als mein Teamkollege im gleichen Auto. Dann habe ich realisiert, dass ich das Auto nicht mehr bewusst fahre." Senna fuhr sich in eine andere Dimension - als er das realisierte, ging er an dem Tag nicht mehr zurück auf die Strecke. Als christlich geprägter Mensch wusste er nichts über diesen Zustand und war erschrocken.

Am Tag vor seinem tödlichen Unfall in Imola am 1. Mai 1994 schlug Senna die Bibel auf und las, dass GOTT ihm sein größtes Geschenk machen würde: die Begegnung mit IHM. Die Erfahrung, die die Welt Tod nennt, beinhaltet eine Vereinigung mit GOTT, ein Eintauchen in die LIEBE GOTTES. "Nichts kann mich von der Liebe Gottes trennen" steht auf dem Grabstein Sennas.

Was Jesus in Ein Kurs in Wundern meist den heiligen Augenblick nennt, nennt Eckhart Tolle, der wohl bekannteste spirituelle Lehrer unserer Zeit, das Jetzt. Eckhart Tolle hat sein erstes und bekanntestes Buch unter dem Titel „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ veröffentlicht. Der Begriff Gegenwart führt immer wieder zu Missverständnissen, denn unter Gegenwart wird üblicherweise ein Zeitpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft verstanden. Das Jetzt im spirituellen Sinne, ist aber kein Zeitpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, sondern ein Zustand jenseits der linearen Zeit. Wenn die lineare Zeit kollabiert, landen wir im Jetzt.

Die lineare Zeit ist eine Erfindung des Egos, um von der Wahrheit abzulenken. “Zeit ist ein Kunstgriff, ein Taschenspielertrick, eine Riesenillusion, in der Figuren wie durch Zauberei kommen und gehen.” Damit das Ego überleben kann, muss es dafür sorgen, dass Zeit - Vergangenheit und Zukunft - wichtiger ist als der heilige Augenblick. Unser schlafender Geist, der in der linearen Zeit gefangen ist, ist ständig mit Gedanken aus der Vergangenheit beschäftigt. All diese Gedanken sind bedeutungslos. Solange unser Geist mit bedeutungslosen Ideen beschäftigt ist, ist die Wahrheit blockiert. Unser schlafender Geist kann das Jetzt - die einzige Zeit, die es gibt - nicht erfassen. Auch die Beschäftigung mit der scheinbaren Zukunft ist nichts anderes als die Projektion vergangener Gedanken in eine scheinbare Zukunft.

“Ich mache mir Sorgen, weil ich nicht weiß, wie es in meinem Leben weitergehen soll”, ist eine oft gehörte, aber völlig widersinnige Aussage. Wenn wir wirklich nicht wissen, wie es weitergeht, dann befinden wir uns im heiligen Augenblick. Dieser glückselige Zustand des Nichtwissens ist Erleuchtung. Wenn wir uns Sorgen machen, befinden wir uns nicht im Zustand des Nichtwissens, sondern wir glauben zu wissen, was in der Zukunft alles Schreckliches passieren könnte, und genau deshalb sind wir nicht in Frieden. Das Ego bombardiert uns mit Horrorvorstellungen über die Zukunft oder mit Hoffnungen auf Glück in der Zukunft, und beides basiert auf “Wissen” aus der Vergangenheit.

Die Einflüsterungen des Egos werden wunderbar in der Metapher des Esels und der Karotte (im Englischen: carrot on a stick) ausgedrückt. Die Metapher beschreibt, dass einem Esel als Anreiz eine Karotte - sichtbar, aber nicht erreichbar - vors Maul gehalten wird, um ihn dazu zu bringen, eine Last zu tragen oder in eine bestimmte Richtung zu laufen. Das Ego verspricht uns immer Glück in der Zukunft, dann, wenn wir genug Geld verdient haben, dann, wenn wir endlich berufliche Erfüllung gefunden haben, dann, wenn wir unseren Seelenpartner gefunden haben, dann, wenn die Kinder außer Haus sind, dann, wenn wir endlich in Rente gehen, dann, wenn diese Krankheit endlich vorbei ist, und der größte Trick am scheinbaren Ende dieser Geschichte - dann, wenn wir irgendwann in einem nächsten “Leben” die Erleuchtung erlangt haben. Doch neben den großen zukünftigen Zielen, die wir immer vor Augen haben, sind es vor allem die kurzfristigen Ziele, von denen wir uns vom Jetzt ablenken lassen. Die ständigen Einflüsterungen des Egos klingen ungefähr so: Gönn dir erst einmal ein gutes Essen, dann geht es dir gleich besser. Jetzt machst du erstmal das und dann machst du eine wohlverdiente Pause. Schlaf mal drüber, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Karotte-Esel-Metapher

Der letzte große Trick des Egos um uns von der Erlösung fernzuhalten, besteht darin, uns davon zu überzeugen, dass wir zwischen der Zeit, in der wir vergeben, und jener, in der wir den Gewinn aus dem Vertrauen in unseren Bruder empfangen, ein Intervall sehen. Doch Erlösung ist augenblicklich, Wirkung und Ursache sind immer eins - daran liegt es nicht. In Wahrheit ist es so, dass wir immer noch eine Distanz zwischen uns und unserem Bruder behalten möchten, und diesen Raum nehmen wir als Zeit wahr, weil wir noch immer glauben, wir seien außerhalb von ihm. Das macht Vertrauen unmöglich. Die gegenwärtige Verbindung ist das, wovor wir immer noch große Angst haben. Aber wir lassen uns vom Ego täuschen und hoffen auf die Zukunft. Und so geben wir uns mit einem Seufzer zufrieden und mit dem Argument, dass wir es jetzt noch nicht verstehen, doch eines Tages verstehen werden. Das ist nicht Vernunft, das ist ein Opfern des Jetzt.

Das Ego verspricht uns zukünftiges Glück, hat uns aber nur einen einzigen Weg anzubieten und der führt immer in den Tod. Es ist nicht vernünftig, Glück von irgendetwas zu erwarten, was das Ego jemals vorschlug. Das Angebot GOTTES hingegen ist Glück jetzt.

“Gib dich nicht mit zukünftigem Glück zufrieden.
Es hat keine Bedeutung und ist nicht deine gerechte Belohnung.
Denn du hast Grund zur Freiheit jetzt.”
(EKIW: Kapitel 26, VIII. 9. 1.-3.)

“Warum auf den Himmel warten?
Diejenigen, die das Licht suchen, bedecken nur ihre Augen.
Das Licht ist jetzt in ihnen.
Erleuchtung ist gar keine Veränderung,
sondern nur ein Wiedererkennen.”
(EKIW: Lektion 188, 1. 1.-4.)

Eckhart Tolle änderte seinen Vornamen Ulrich in Eckhart, was einigen Berichten zufolge zu Ehren Meister Eckharts, eines einflussreichen thüringischen Theologen und Philosophen des Spätmittelalters, geschah. Schon Meister Eckhart im Spätmittelalter hatte ein tiefes Verständnis des Phänomens Zeit. Die Überzeitlichkeit des Ewigen wird in Eckharts Sprache als „Augenblick“ („nun“) wiedergegeben, doch ist dieser „Augenblick“ nicht mit einem Zeitpunkt zu verwechseln, sondern er umfasst „alle Zeit“, also die Gesamtheit dessen, was in aller Zeit gegeben ist. In der Sprache des Kurses bedeutet dies: “Das Drehbuch ist geschrieben”.

Eckhart Tolle stand unter einem solchen Leidensdruck, dass er bereit war, bewusst zu sterben, woraufhin er spontan im heiligen Augenblick und damit im inneren Frieden landete. Erst nachdem er lange Zeit auf einer Parkbank saß und selig vor sich hin grinste, beschäftigte er sich mit der Frage, was eigentlich mit ihm geschehen war. Erst dann wurde er als Lehrer wahrgenommen. Dies ist ein deutliches Zeichen für ein "reifes Bewusstsein", aber die wenigsten Menschen sind an diesem Punkt und brauchen deshalb zunächst noch scheinbar einen “Weg” wie den Kurs, der sie sanft an den heiligen Augenblick heranführt.

Auch Eckhart Tolle verwendet ausgewählte Passagen aus Ein Kurs in Wundern in seinen Teachings: Eckhart Tolle Reads A Course in Miracles

Da wir uns als Menschen mehr und mehr mit unserem egoischen Denken identifizieren, ist es wichtig zuerst einmal Gedanken zu denken, die auf die Wahrheit jenseits der Worte verweisen, um uns so dem heiligen Augenblick zu nähern. Dazu dient der Kurs: “Dieser Kurs ist ein Beginn, kein Ende.” (EKIW, ÜBUNGSBUCH, EPILOG) Das “Ende” ist der Frieden GOTTES, jenseits aller privaten Gedanken. Und auch Jesus im Kurs lädt uns immer und immer wieder in den heiligen Augenblick ein. Lektion 182 lautet: „Ich will einen Augenblick lang still sein und nach Hause gehen.“

“Mind”

Worte sind nur Symbole von Symbolen, so sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt. Daher besteht immer die Gefahr, sie auch total falsch zu interpretieren. Das Wort, das meiner Erfahrung nach die meiste Verwirrung stiftet, ist das englische Wort “mind”. “Mind” bedeutet Geist, Verstand, Sinn, Seele, Gedanke, Gedanken, Absicht, Ansicht, Denkweise und noch mehr.

Mehr zum Thema Gedanken findet sich in folgendem Kapitel: Gedanken und Geistestraining

Die meisten, der als erwacht bezeichneten Lehrer wie Eckhart Tolle, verwenden den Begriff “mind” im Sinne von Verstand und in diesem Sinne wird der Begriff meist negativ besetzt verwendet, weil der Verstand weder das Bewusstsein, noch der reine Geist ist. Im Fokus dieser Lehrer steht meist auch nicht der Geist, sondern der Prozess der Loslösung des individuellen Bewusstseins vom ewig gleichen Gedankenstrom des vom Ego dominierten Verstandes. In Ein Kurs in Wundern hingegen wird der Begriff “mind” für den Geist verwendet und hat damit eine tiefere Bedeutung.

Lektion 30:
„GOTT ist in allem, was ich sehe, weil GOTT in meinem Geist ist.“
„God is in everything I see because God is in my mind.“

Die Unterscheidung zwischen Geist und Verstand ist aber auch bei der Arbeit mit dem Kurs wichtig. GOTTES SOHN ist der vollkommene Gedanke im Geist GOTTES, DER nach wie vor im GEIST wohnt, der SEINE QUELLE ist. Der “Gedanke im Geist GOTTES” ist selbstverständlich kein verstandesmäßiger privater Gedanke. Der sterbliche, also im weltlichen Sinne denkende Verstand ist ein vorübergehendes intellektuelles System, das den menschlichen Wesen für die Dauer eines materiellen Lebens zum Gebrauch geliehen ist, und je nachdem, wie wir diesen Verstand benutzen, akzeptieren oder verwerfen wir unser Entwicklungspotential. Der Verstand ist so ziemlich das Einzige, das unserem Willen unterworfen ist.

“Der Begriff Geist (mind) wird benutzt, um die aktivierende Kraft des reinen Geistes (spirit) darzustellen, die dessen schöpferische Energie liefert. Wenn der Begriff in Kapitälchenschrift verwendet wird, bezieht er sich auf GOTT oder CHRISTUS (z.B. der GEIST GOTTES oder der GEIST CHRISTI). Der reine Geist ist der GEDANKE GOTTES, den ER wie SICH SELBST schuf. Der geeinte Geist ist der eine SOHN GOTTES oder CHRISTUS.”
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG, 1. 1)

Was den meisten modernen nondualen Konzepten völlig fehlt, ist der Hinweis auf die Führung durch den HEILIGEN GEIST (spirit) und der Hinweis auf die göttliche LIEBE. Doch ohne diese LIEBE ist es nicht das vollkommene Glück das unser wahres Erbe ist. Viele nonduale Lehrer, die geübt sind in der Mechanik des heiligen Augenblicks, haben den leuchtenden und funkelnden Glanz der Erkenntnis göttlicher LIEBE nie erfahren.

Tatsächlich beruhen die meisten modernen westlichen nondualen Konzepte auf einem Missverständnis. Sie beziehen sich auf Advaita-Vedanta, die heute populärste Richtung der indischen Spiritualität. Wesentliches Merkmal des Advaita-Vedanta ist die Wesensidentität von Atman und Brahman, deshalb die Bezeichnung Advaita-Vedanta, also „Vedanta der Nichtzweiheit“. Richtig verstanden verweist dies auf die Einheit GOTTES (Brahman) und seines SOHNES (Atman), häufig als wahres SELBST bezeichnet. Der SOHN GOTTES, das wahre SELBST, ist der reine geeinte Geist, die ewige Essenz des Geistes. Nondualität, wie sie im Westen üblicherweise verstanden wird, erklärt die Dualität zu einem Teil der Nondualität und verklärt in der Folge das weltliche Leben als göttliches Spiel. Das ist die Wiederholung des gleichen Irrtums wie wir ihn in den christlichen Kirchen finden, die die Erschaffung der Welt Gott unterstellen. Doch die WIRKLICHKEIT GOTTES ist ohne Gegenteil und sie ist kein Spiel. Das Spiel ist der Traum der Trennung, der Traum der Dualität, den das Ego - also der schlafende Geist - träumt. Der Traum (Maya) ist nicht Teil der Wirklichkeit und auch kein Gegensatz zur Wirklichkeit - er ist ein Traum. Solange wir uns des Traumes bewusst sind, bedeutet Befreiung, alle Dinge mit der LIEBE GOTTES zu betrachten. Dann sehen wir GOTT überall, weil GOTT in unserem Geist ist, aber das macht die Welt der Formen selbst nicht göttlich. GOTT kennt keine Form.

Die meisten jener nondualen Lehrer, denen das Eintauchen in den heiligen Augenblick spontan widerfahren ist, lehren kein methodisches Geistestraining. Der Versuch, einzig den heiligen Augenblick direkt zu lehren, führt in der Regel nicht zu einem dauerhaften Verweilen in ihm.

Der heilige Augenblick ersetzt die Notwendigkeit des Lernens nicht, denn der HEILIGE GEIST darf dich als dein LEHRER so lange nicht verlassen, bis der heilige Augenblick sich weit über die Zeit hinaus ausgedehnt hat. Bei einer Lehraufgabe, wie es die SEINE ist, muss ER alles in dieser Welt für deine Befreiung nutzen.”
(EKIW: Kapitel 15, VIII. 1. 1.&2.)

Immer wenn sich ein gewohnheitsmäßiges Nein zum Leben in ein Ja verwandelt und wir diesen Augenblick so zulassen, wie er ist, lösen wir sowohl Zeit als auch Ego auf. Das ist das Wunder. Die Form, die sich im Jetzt zeigt zu übersehen, bedeutet Vergebung. Solange wir dagegen innerlich Widerstand leisten, bildet die Form, das heißt die Welt, ein unüberwindliches Hindernis, das uns von dem trennt, was wir jenseits der Form sind. Damit das Ego überleben kann, muss es dafür sorgen, dass Zeit - Vergangenheit und Zukunft - wichtiger ist als der heilige Augenblick. Wenn wir dieser Ego-Motivation folgen, sind wir in der Zeit gefangen wie der Sand in einer Sanduhr. Gevatter Tod, eine aus dem Mittelalter stammende personifizierte, anthropomorphe Allegorie des Todes, wird nicht umsonst häufig mit einer Sanduhr in der Hand dargestellt.

Jedes Mal, wenn wir davon sprechen, dass wir uns in einem intensiven Prozess oder in irgendeiner Phase befinden, bestätigen wir die Illusion der Zeit. Wahre Heilung geschieht aber nicht in der Zeit, sondern im heiligen Augenblick.

„Dieser Augenblick ist die einzige Zeit, die es gibt.“
(EKIW: Lektion 308)

Das einzige Intervall, in dem wir von der linearen Zeit erlöst sein können, ist jetzt. Denn in diesem Augenblick kommt die Vergebung, um uns zu befreien. CHRISTI Geburt ist jetzt. ER ist gekommen, um der Welt SEINEN gegenwärtigen Segen zu geben und sie der Zeitlosigkeit und Liebe zurückzuerstatten. Und die Liebe ist allgegenwärtig, hier und jetzt.

“Jetzt herrscht Schweigen rund um die ganze Welt.
Jetzt herrscht da Stille,
wo zuvor ein fieberhafter Ansturm von Gedanken war,
die keinen Sinn ergaben.”
(EKIW: Lektion 198)

In den evolutionären Universen ist die Ewigkeit eine zeitliche ewige Dauer - das ewige Jetzt. Es ist die größtmögliche Annäherung an die Ewigkeit Gottes. Lektion 300 lautet daher: “Nur einen Augenblick lang dauert diese Welt.” Das vergeistigte Bewusstsein des sterblichen Geschöpfes kann ewig werden durch Selbstidentifikation mit dem Heiligen Geist durch Anwendung der Technik, die Ausführung des Willens des Vaters zu wählen. Eine solche Weihung des Willens ist gleichbedeutend mit dem Innewerden der Ewigkeitsrealität des Vorhabens. Das bedeutet, dass das Ziel des Geschöpfes unverrückbar geworden ist. So münden die Wahl des Geschöpfes und Gottes Wahl ein in die ewigen Realitäten der nie endenden Vereinigung des Geistes Gottes mit der wahren Natur des Menschen.

Die letzte Frage [Und will ich sehen, was ich verleugnet habe, weil es die Wahrheit ist?] aber fügt deinem Verlangen, die wirkliche Welt zu sehen, den Wunsch nach Konstanz bei, und so wird das Verlangen zu deinem einzigen. Dadurch, dass deine Antwort auf die letzte Frage ja ist, fügst du den Entscheidungen, die du bereits für alle übrigen getroffen hast, Aufrichtigkeit hinzu. Denn erst dann hast du der Möglichkeit entsagt, noch einmal anderen GEISTES zu werden.
(EKIW: Kapitel 21, VII. 11. 4.-6.)

Unser ganzes Leben, mit Vergangenheit und Zukunft, ist unser heiliger Augenblick der Befreiung - unsere Reise ohne Entfernung zum endgültigen Ja zu GOTT. Deshalb gilt Lektion 227 immer:

“Dies ist mein heiliger Augenblick der Befreiung.”
(EKIW: Lektion 227)

In jedem gegebenen Intellekt besteht eine direkte Beziehung zwischen Reife und Einheit des Zeitbewusstseins. Die Zeiteinheit kann einen Tag, ein Jahr oder eine längere Periode betragen, aber sie ist zwangsläufig das Kriterium, aufgrund dessen das bewusste Selbst die Lebensumstände beurteilt und der konzipierende Intellekt die Tatsachen der zeitlichen Existenz misst und bewertet. Im reifen, sich entwickelnden Bewusstsein vereinigen sich Vergangenheit und Zukunft, um die wahre Bedeutung der Gegenwart zu erhellen. Reif werden heißt, intensiver in der Gegenwart leben und zugleich den Begrenzungen der Gegenwart entschlüpfen. Die auf vergangener Erfahrung gründenden Pläne der Reife treten in der Gegenwart in einer Weise ins Dasein, die die Werte der Zukunft erhöht.

Die Zeiteinheit der Reife offenbart die koordinierte Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so, dass das individuelle Bewusstsein damit beginnt, Einblick in die Gesamtheit der Ereignisse zu gewinnen, damit beginnt, die Landschaft der Zeit aus einer panoramischen Perspektive erweiterter Horizonte zu betrachten, vielleicht sogar beginnt, das ewige Kontinuum ohne Anfang und Ende, dessen Fragmente man Zeit nennt, zu erahnen.

Auf den Ebenen des Unendlichen und des Absoluten enthält der Augenblick der Gegenwart die ganze Vergangenheit und die ganze Zukunft. ICH BIN ist Ausdruck der Zeitlosigkeit.

"Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch:
Noch ehe Abraham wurde, bin ich."
(Bibel Einheitsübersetzung, Joh 8,58 )

Die Dinge werden durch die Zeit bedingt, aber die Wahrheit ist zeitlos. Die Wahrheit ist unerschütterlich - auf ewig frei von allen vorübergehenden Wechselfällen, obwohl nie tot und förmlich, immer vibrierend und anpassungsfähig - von strahlender Lebendigkeit. Je näher wir der Wahrheit kommen, desto mehr verschiebt sich unsere Wahrnehmung vom Zeitlichen ins Räumliche. Der Raum kommt von allen nichtabsoluten Dingen absolutem Sein am nächsten. Obwohl es im Zusammenhang mit dem Raum viel Absolutes gibt, heißt das nicht, dass der Raum absolut ist.

“Denn Zeit und Raum sind eine Illusion, die verschiedene Formen annimmt. Wenn sie über deinen Geist hinausprojiziert ist, denkst du, sie sei Zeit. Je näher sie dorthin gebracht wird, wo sie ist, desto eher stellst du sie dir in räumlichen Begriffen vor.”
(EKIW: Kapitel 26, VIII. 1. 3.-5.)

Ich hatte einmal eine Vision, in der ich mich in einem engen Rennbob durch einen Eiskanal bewegte. Die Richtung war vorgegeben, und meine einzige Wahl war meine Reaktion auf diesen vorgegebenen Weg. Wenn ich mir eine Rechtskurve wünschte, aber es kam eine Linkskurve, konnte ich mich ärgern oder es so hinnehmen, wie es war. Am Ende dieses Eiskanals wurde ich in ein wunderschönes grünes Tal hinaus katapultiert und fühlte mich frei. Für mich beschreibt diese Vision wunderbar die Erlösung aus der linearen Zeit, das Eintauchen in die Glückseligkeit des heiligen Augenblicks.

„Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.“
(Bibel Einheitsübersetzung, Psalm 23, 1.-3.)

Solange wir in der Illusion der Zeit gefangen sind, bewegt sich unser individuelles Bewusstsein entlang eines konkreten Pfades im aktuellen Raum-Zeit-Kontinuum. Wenn wir aus der Illusion der Zeit, und damit aus der Identifikation mit einer bestimmten Geschichte, in den heiligen Augenblick - das Jetzt - eintauchen, entsteht Freiheit.

Was nun - ist es ein Prozess oder ein Augenblick? So lautet eine häufig gestellte Frage. Es ist ein Augenblick. Aber es ist ein Prozess, bis wir den heiligen Augenblick erreichen. Es scheint, als würden wir durch einen Prozess in der Zeit gehen, bis wir den heiligen Augenblick erreichen, wo die glückliche Erkenntnis auf uns wartet, dass es immer nur ein Augenblick war. Dieser Kollaps der Zeit ist das Wunder und das endgültige Ende der Opferrolle. Jesus befand sich in diesem Zustand während seiner Kreuzigung - auch sein Drehbuch war geschrieben. Natürlich hätte er seine Kreuzigung verhindern können, aber er wollte es nicht, weil er um die Bedeutung wusste.

Die tiefere Bedeutung der Aussage im Kurs “Das Drehbuch ist geschrieben.” besteht darin, dass alle möglichen Entscheidungen schon getroffen wurden und alle möglichen Szenarien in unterschiedlichen Zeitdimensionen existieren. Das Wunder der Vergebung kann zu einem Wechsel in eine andere Zeitdimension führen, in der unter Umständen verschiedene schwierige Erfahrungen nicht mehr gemacht werden müssen, weil sie nicht mehr notwendig sind. Dies stellt eine Entscheidung dar, sich ein anderes alternatives Ende seines Lebensfilms anzusehen. Aber dadurch ändern wir das Drehbuch nicht, sondern wir sehen uns lediglich einen anderen Teil davon an, und der alte Teil kann vom Heiligen Geist gelöscht werden. Es ist nicht so, dass wir uns den neuen Teil nach und nach ausdenken - es gibt ihn schon. Wie der Kurs sagt, wir sehen uns schließlich immer noch etwas im Geist an, das schon passiert ist. Dieser Aspekt ändert sich nie.

Sowohl einzelne Personen wie auch die Menschheit als Ganzes bestimmen immer durch ihre Entscheidungen über die Art ihrer Erfahrung.

In diesem Zusammenhang muss jedoch vor einem Trugschluss gewarnt werden: Nur weil wir vergeben, heißt das nicht, dass wir in jeder Situation zu einem "angenehmen" Ausgang wechseln werden. Und es sind nicht wir, die bestimmen, ob wir in eine andere Zeitdimension wechseln. Das kann nur der Heilige Geist, denn er hat den Überblick und nicht wir. Offensichtlich wurden Jesus am Ende seiner irdischen Abenteuer keine angenehmen Erfahrungen gegeben, aber der Heilige Geist wusste, dass er damit umgehen konnte. Seine Praxis der Vergebung war so weit fortgeschritten, dass er keinen Schmerz mehr spürte.

Unsere Aufgabe ist es immer, zu vergeben, egal was geschieht, und wir müssen lernen, dem Heiligen Geist immer mehr zu vertrauen. Aus der Sicht unseres Geistes, der sich noch mit Raum und Zeit identifiziert, könnte man es so formulieren: “Auch wenn etwas schon geschehen ist, müssen wir es trotzdem noch tun.”

(Siehe auch “Schrödingers Katze” und die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik.)

Der Irrtum bei endlichem Wählen ist an die Zeit gebunden und wird durch die Zeit begrenzt. Er kann nur in der Zeit existieren. Solch irriges Wählen ist in der Zeit möglich und zeigt den gewissen Spielraum an, den unreife Geschöpfe zum Wählen besitzen müssen, um sich des Fortschrittes im Universum zu erfreuen, indem sie aufgrund ihres freien Willens mit der Realität in Kontakt treten.

Der sterbliche Mensch ist eine Maschine, ein lebendiger Mechanismus; er hat seine Wurzeln in der physischen Welt der Energie. Viele menschliche Reaktionen sind mechanischer Natur; das Leben ist in manchem maschinenmäßig. Aber der Mensch, ein Mechanismus, ist viel mehr als eine Maschine; er ist mit Verstand begabt und vom Geist bewohnt; und obwohl er während seines ganzen materiellen Lebens nie den chemischen und elektrischen Mechanismen seiner Existenz zu entrinnen vermag, kann er immer besser lernen, diese Maschine physischen Lebens der aus Erfahrung gewonnenen, steuernden Weisheit unterzuordnen, indem er den menschlichen Verstand der Ausführung der geistigen Anstöße des Heiligen Geistes weiht.

Der Geist befreit die Funktion des Willens, der Mechanismus begrenzt sie. Unvollkommene Wahl, die weder durch den Mechanismus kontrolliert wird, noch sich mit dem Geist identifiziert, ist gefährlich und destabilisierend. Mechanische Dominanz garantiert Stabilität auf Kosten des Fortschritts; der Bund mit dem Geist befreit die Wahl von der physischen Ebene und verschafft gleichzeitig jene göttliche Stabilität, die aus vertiefter Universumsschau und zunehmendem kosmischem Verständnis hervorgeht.

Der Mensch befindet sich in Gefahr, wenn er eine Befreiung von den Fesseln der Lebensmechanismen erreicht, es aber versäumt, diesen Stabilitätsverlust durch die Herstellung einer harmonisch arbeitenden Verbindung mit dem Geist wettzumachen. Der wählende Mensch, der sich von der mechanischen Stabilität relativ freigemacht hat, kann versucht sein, eine noch weitergehende Selbstbefreiung unabhängig von stärkerer Identifikation mit dem Geist anzustreben (z.B. durch den sogenannten Lichtnahrungsprozess). Wenn dies ohne Verbindung mit dem HEILIGEN GEIST geschieht, wird es gefährlich.

In Lektion 50 “Ich werde von der Liebe Gottes erhalten.” heißt es gleich im ersten Absatz:

“Hier ist die Antwort auf jedes Problem, dem du - heute und morgen und in aller Zeit - begegnen wirst. In dieser Welt glaubst du, dass alles Mögliche dich erhält, nur nicht Gott. Du vertraust auf die trivialsten und wahnsinnigsten Symbole: auf Pillen, Geld, »schützende Kleidung«, Einfluss, Ansehen, Beliebtheit, Beziehungen zu den »richtigen« Menschen und auf eine endlose Liste von Formen des Nichts, die du mit magischen Kräften ausstattest.”

Wenn wir das jetzt ernst nehmen, dann werden wir ja gerade dazu aufgefordert, der Schulmedizin zu entsagen, dem Familienleben zu entsagen, jeglicher unserer weltlichen Ambitionen und jeder Sicherheitsmaßnahme auf irgendeine Art und Weise zu entsagen. Doch dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Wenn wir das machen, uns aber die Erkenntnis fehlt, dass wir in der Tat von Gottes Liebe am Leben erhalten werden - und das ist eine Erkenntnis alla Buddha und Jesus - dann werden wir in die Angst gehen. Wenn wir dermaßen im Außen anfangen loszulassen und uns lediglich mantramäßig vorbeten, “ich werde von der Liebe Gottes erhalten”, dann wird dies nicht funktionieren.

Naja also was tun? Diese Übung bietet uns einen Ausblick. Stellen wir uns mal vor, was das für ein Leben wäre, stellen wir uns mal vor, es wäre uns ganz klar, ja, alles was uns am Leben hält ist Gott, der mit seiner wundervollen, mächtigen, friedvollen, gütigen, sanftmütigen und wunderschönen Liebe auf uns blickt. Dies ist nicht nur ein unglaubliches Gefühl, sondern genau das, was uns am Leben hält, genau das, was uns unverwundbar macht, genau das, was uns die ultimative Freiheit gibt. In der Tat schwankt Gott nicht und deswegen ist ER ein Fels, ein wahrer Fels, der wesentlich stabiler ist als unsere Karriere, unsere Familie oder unsere körperliche Gesundheit. Das heißt, wir bekommen mit der Lektion 50 einen Ausblick geschenkt, genauer noch, wir bekommen die Möglichkeit eines Ausblicks.

Das Große Universumsabenteuer des Menschen besteht im Übergang seines sterblichen Verstandes von der Stabilität mechanischer Statik zur Göttlichkeit geistiger Dynamik, und er schafft diese Verwandlung durch die Kraft und Unveränderlichkeit seiner persönlichen Entscheidungen, indem er in jeder Lebenssituation erklärt: „Es ist mein Wille, dass dein Wille geschehe.“

Die Natur des Universums ist ein einziger Augenblick, das Jetzt, diese größtmögliche Annäherung an die Ewigkeit. Das ist jener Moment, in dem GOTT eine Frage stellt: “Willst Du eins sein mit der Ewigkeit, willst du im Himmel sein?" Und wir sagen: “Nein, danke. Nicht gerade jetzt.” Zeit ist in Wahrheit nur unser ständiges Nein zu GOTTES Einladung. Das ist es, was Zeit ist, unser Nein in diesem Augenblick.

Eine Quelle für die wahrgenommene Entmutigung, unter der wir leiden mögen, ist unser Glaube, das Lernen brauche Zeit und die Ergebnisse dessen, was der HEILIGE GEIST lehrt, würden weit in der Zukunft liegen. Das trifft nicht zu. Denn der HEILIGE GEIST nutzt die Zeit in SEINER EIGENEN Weise und ist durch sie nicht gebunden.

So wie das Ego die Zeit benutzt, gibt es kein Entrinnen aus der Angst. Der HEILIGE GEIST, DER nur die Gegenwart erkennt, nutzt sie dazu, die Angst aufzuheben, durch die das Ego die Gegenwart nutzlos machen möchte. Die Angst gehört nicht zur Gegenwart, sondern nur zur Vergangenheit und Zukunft, die es gar nicht gibt. Es gibt keine Angst in der Gegenwart, wenn jeder Augenblick klar und von der Vergangenheit getrennt dasteht und ohne dass sein Schatten in die Zukunft reicht. Jeder Augenblick ist eine reine, unbefleckte Geburt, in der der GOTTESSOHN aus der Vergangenheit in die Gegenwart hervortritt. Und die Gegenwart dehnt sich ewig aus. Sie ist so schön und rein und frei von Schuld, dass dort nichts als Glück ist. Es gibt keine Erinnerung an Dunkelheit, und Unsterblichkeit und Freude sind jetzt.

Wir können uns in der Art üben, wie der HEILIGE GEIST die Zeit gebraucht, als Lehrhilfe zu Glück und Frieden. Wir nehmen genau diesen Augenblick, jetzt, und stellen ihn uns als die gesamte Zeit vor, die es gibt. Hier kann uns nichts aus der Vergangenheit erreichen, und hier sind wir vollständig freigesprochen, voll ständig frei und gänzlich ohne Verurteilung. In diesem erlösenden Augenblick liegt der HIMMEL. Und der HIMMEL wird sich nicht verändern, denn die Geburt in die heilige Gegenwart ist die Erlösung aus der Veränderung. Veränderung ist eine Illusion, die diejenigen lehren, die sich nicht als schuldlos sehen können. Es gibt keine Veränderung im HIMMEL, weil es keine Veränderung in GOTT gibt. Im heiligen Augenblick, in dem wir uns vor Freiheit strahlend sehen, werden wir uns an GOTT erinnern. Denn uns an IHN erinnern heißt uns an die Freiheit erinnern.

Wir werden dem HEILIGEN GEIST diesen heiligen Augenblick niemals zugunsten unserer Befreiung geben, solange wir nicht willens sind, ihn unseren Brüdern zugunsten der ihren zu geben. Denn der Augenblick der Heiligkeit wird mit andern geteilt und kann nicht nur der unsere sein. Wunder sind die Augenblicke der Befreiung, die wir schenken und empfangen werden. Sie bezeugen unsere Bereitwilligkeit, befreit zu werden und dem HEILIGEN GEIST Zeit zu schenken, damit ER sie auf SEINE Weise gebrauchen kann.

Ein Wunder ist eine Veränderung im Jetzt und da das Jetzt auch Vergangenheit und Zukunft enthält, verändert es auch diese. Wunder sind sowohl ein Anfang als auch ein Ende, und somit verändern sie die zeitliche Ordnung. Sie heben die Vergangenheit in der Gegenwart auf und befreien auf diese Weise die Zukunft. Wunder sind Teile einer ineinandergreifenden Kette der Vergebung, die, wenn sie vollständig ist, die SÜHNE ist. Die SÜHNE ist allezeit und in allen Dimensionen der Zeit wirksam. Das Wunder ist eine Lerneinrichtung, die den Bedarf an Zeit vermindert. Es schafft eine Zeitspanne außerhalb des zeitlichen Musters, die den gewöhnlichen Zeitgesetzen nicht untersteht. In diesem Sinne ist es zeitlos. Das Wunder ist die einzige Einrichtung, die uns zur Kontrolle der Zeit unmittelbar zur Verfügung steht. Nur die Offenbarung transzendiert es, da diese mit der Zeit gar nichts zu tun hat.

Die Zeit ist unser Freund, wenn wir sie dem HEILIGEN GEIST zu SEINER Verwendung überlassen. ER braucht nur sehr wenig, um uns GOTTES ganze Macht zurückzuerstatten. ER, DER die Zeit für uns transzendiert, versteht, wozu die Zeit dient. Heiligkeit liegt nicht in der Zeit, sondern in der Ewigkeit. Es gab nie einen Augenblick, in dem der GOTTESSOHN seine Reinheit verlieren konnte. Sein unveränderlicher Zustand ist jenseits der Zeit.

Ein Augenblick, der dem HEILIGEN GEIST angeboten wird, wird GOTT zu unseren Gunsten angeboten, und in jenem Augenblick werden wir sanft in IHM erwachen. Im gesegneten Augenblick werden wir all unser vergangenes Lernen loslassen, und der HEILIGE GEIST wird uns geschwind die ganze Lektion des Friedens schenken. Die Wahrheit liegt so weit jenseits der Zeit, dass sie als Ganzes auf einmal geschieht.

"Doch wird er [der heilige Augenblick] kommen, und du wirst ihn mit vollkommener Gewissheit erkennen. Keine Gabe GOTTES wird auf irgendeine andere Art erkannt. Du kannst dich in der Mechanik des heiligen Augenblickes üben und wirst dabei viel lernen. Doch seinen leuchtenden und funkelnden Glanz, der dich durch seine eigene Schau buchstäblich blenden wird für diese Welt, den kannst du nicht beschaffen."
(EKIW: Kapitel 15, II. 5. 2.-5.)

Ein Kurs in Wundern ist deswegen einfach, weil die Wahrheit einfach ist. Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Wir könnten für immer im heiligen Augenblick leben, der jetzt beginnt und bis in alle Ewigkeit reicht - wenn nicht ein ganz einfacher Grund uns hinderte. Der einfache Grund ist, einfach ausgedrückt, der folgende: Der heilige Augenblick ist eine Zeit, in der wir vollkommene Kommunikation empfangen und geben. Das bedeutet aber, dass er eine Zeit ist, in der unser Geist offen ist, um sowohl zu empfangen wie zu geben. Er ist die Einsicht, dass jeder Geist mit jedem anderen in Kommunikation steht. Der heilige Augenblick sucht deshalb nichts zu verändern, sondern nur alles anzunehmen.

Ein spiritueller Sucher erreichte eines Tages in einer abgelegenen Höhle im Himalaya einen alten Weisen und stellte ihm die für ihn so wichtige Frage: “Stimmt es, dass der Glaube Berge versetzen kann?” Der alte Weise antwortete: “Es stimmt, aber mir gefallen sie so, wie sie sind.”

Wir können nicht alles annehmen, wenn wir es vorziehen, private Gedanken zu haben und sie zu behalten. Jeder Gedanke, den wir verborgen halten möchten, schneidet die Kommunikation ab, weil wir es so haben möchten. Die notwendige Bedingung für den heiligen Augenblick ist nicht, dass wir keine unreinen Gedanken haben. Sie ist jedoch, dass wir keine haben, die wir behalten möchten. Wir versuchen also beim Üben nur, der Täuschung gegenüber wachsam zu sein, und suchen nicht, die Gedanken zu schützen, die wir für uns behalten möchten. Wir lassen sie von der Reinheit des HEILIGEN GEISTES wegleuchten und bringen unser ganzes Bewusstsein zur Bereitschaft für die Reinheit, die ER uns anbietet. So wird ER uns bereit machen, anzuerkennen, dass wir Gastgeber GOTTES sind.

Der heilige Augenblick ist die nützlichste Lerneinrichtung des HEILIGEN GEISTES, um uns die Bedeutung der Liebe zu lehren. Denn sein Zweck ist, das Urteilen völlig einzustellen. Urteilen beruht immer auf der Vergangenheit, denn die vergangene Erfahrung ist die Basis für unser Urteil. Urteilen wird ohne die Vergangenheit unmöglich, denn ohne sie verstehen wir nichts. Wir würden auch keinen Versuch zu urteilen unternehmen, denn es wäre für uns ganz offensichtlich, dass wir nicht verstehen, was irgend etwas bedeutet. Und davor haben wir Angst, weil wir glauben, dass ohne das Ego alles Chaos wäre. Doch in Wahrheit ist es so, dass ohne das Ego alles Liebe wäre.

Im heiligen Augenblick vereinen wir uns direkt mit GOTT, und alle unsere Brüder verbinden sich in CHRISTUS. Diejenigen, die in CHRISTUS verbunden sind, sind in keiner Weise getrennt. Denn CHRISTUS ist das SELBST, das die SOHNSCHAFT teilt, wie GOTT SEIN SELBST mit CHRISTUS teilt.

Der heilige Augenblick ersetzt die Notwendigkeit des Lernens nicht, denn der HEILIGE GEIST darf uns als unser LEHRER so lange nicht verlassen, bis der heilige Augenblick sich weit über die Zeit hinaus ausgedehnt hat. Bei einer Lehraufgabe, wie es die SEINE ist, muss ER alles in dieser Welt für unsere Befreiung nutzen. ER muss sich mit jedem Zeichen und jedem Beweis unserer Bereitwilligkeit, von IHM zu lernen, was die Wahrheit sein muss, verbünden. Umgehend nutzt ER, was wir IHM auch immer dafür anbieten. SEINE Anteilnahme an uns und SEINE Fürsorge für uns sind grenzenlos.

So, wie das Ego unsere Wahrnehmung unserer Brüder auf den Körper begrenzen möchte, so möchte der HEILIGE GEIST unsere Schau befreien und uns die GROSSEN STRAHLEN sehen lassen, die aus ihnen leuchten und so unbegrenzt sind, dass sie bis zu GOTT reichen. Es ist dieser Wechsel zur wahren Schau, der im heiligen Augenblick vollbracht wird. Doch ist es erforderlich, dass wir lernen, was genau dieser Wechsel mit sich bringt, damit wir willens werden, ihn dauerhaft zu machen. Ist diese Bereitwilligkeit gegeben, wird sie uns nicht verlassen, denn sie ist dauerhaft.

Im heiligen Augenblick, in dem die GROSSEN STRAHLEN im Bewusstsein den Körper ersetzen, wird uns das Erkennen von Beziehungen ohne Grenzen zu teil. Aber um dies zu sehen, ist es nötig, jede Verwendung aufzugeben, die das Ego für den Körper hat, und die Tatsache zu akzeptieren, dass das Ego keinen Zweck hat, den wir mit IHM teilen möchten.

Wenn der Körper aufhört, uns anzuziehen, und wir ihm keinen Wert mehr beimessen als einem Mittel, um irgend etwas zu bekommen, dann wird es keine Störung in der Kommunikation mehr geben, und unsere Gedanken werden so frei sein wie diejenigen GOTTES. Indem wir den HEILIGEN GEIST uns lehren lassen, wie wir den Körper nur zu Zwecken der Kommunikation nutzen können und auf seine Verwendung für die Trennung und den Angriff verzichten, die das Ego in ihm sieht, werden wir lernen, dass wir den Körper gar nicht brauchen. Im heiligen Augenblick gibt es keine Körper, und wir erfahren nur die Anziehungskraft GOTTES. Indem wir diese als ungeteilt annehmen, verbinden wir uns gänzlich mit IHM, in einem Augenblick, denn wir setzen unserer Vereinigung mit IHM keine Grenzen. Die Wirklichkeit dieser Beziehung wird zur einzigen Wahrheit, die wir je wollen konnten. Die ganze Wahrheit ist hier.

Der heilige Augenblick ist wahrhaft die Zeit CHRISTI. Denn in diesem befreienden Augenblick wird dem SOHN GOTTES keine Schuld auferlegt, und so wird IHM seine unbegrenzte Macht zurückgegeben. In Indien sprechen die spirituellen Lehrer daher davon, dass in diesem Zustand kein Karma entsteht. Im heiligen Augenblick ist die Bedingung für die Liebe erfüllt, denn Geist verbindet sich mit Geist ohne die Störung durch den Körper, und wo Kommunikation ist, da ist Frieden. Viele spirituelle Lehrer berichten, dass nach dem Eintauchen in den heiligen Augenblick ihr Verlangen nach Sex plötzlich verschwand.

Der heilige Augenblick ist das Ergebnis deiner Entschlossenheit, heilig zu sein. Er ist die Antwort. Das Verlangen und die Bereitwilligkeit, ihn kommen zu lassen, gehen seinem Kommen voraus. Du bereitest deinen Geist nur in dem Masse auf ihn vor, wie du begreifst, dass du ihn mehr als alles andere willst. Es ist nicht nötig, dass du mehr tust; vielmehr ist es notwendig, dass du einsiehst, dass du nicht mehr tun kannst. Versuche nicht, dem HEILIGEN GEIST etwas zu geben, worum ER nicht bittet, denn sonst wirst du IHM das Ego beifügen und dann die beiden miteinander verwechseln. ER bittet nur um wenig. ER ist es, DER die Größe und die Macht beifügt. ER verbindet sich mit dir, um den heiligen Augenblick weitaus größer zu machen, als du verstehen kannst. Gerade deine Einsicht, dass du so wenig zu tun brauchst, ermöglicht es IHM, so viel zu geben.

Vertraue nicht deinen guten Absichten. Sie reichen nicht aus. Vertraue aber blind auf deine Bereitwilligkeit was immer sonst eintreten mag. Konzentriere dich nur darauf, und lass es dich nicht stören, dass Schatten sie umgeben. Deshalb bist du gekommen. Wenn du ohne sie kommen könntest, bräuchtest du den heiligen Augenblick nicht. Komme nicht in Arroganz zu ihm, indem du annimmst, dass du den Zustand erreichen musst, den sein Kommen mit sich bringt. Das Wunder des heiligen Augenblicks liegt in deiner Bereitwilligkeit, ihn sein zu lassen, was er ist. Und in deiner Bereitwilligkeit dazu liegt auch dein Annehmen deiner selbst, so wie du gemeint warst.

Das ist es, was den heiligen Augenblick so leicht und so natürlich macht. Du erschwerst ihn, weil du darauf bestehst, dass es mehr geben muss, was du zu tun hast. Du findest es schwierig, die Idee zu akzeptieren, dass du so wenig nur zu geben brauchst, um so viel zu empfangen. Und es fällt dir schwer einzusehen, dass es keine persönliche Beleidigung ist, dass dein Beitrag und derjenige des HEILIGEN GEISTES in einem solchen Missverhältnis zueinander stehen. Du bist noch immer davon überzeugt, dass dein Verständnis ein mächtiger Beitrag für die Wahrheit ist und sie zu dem macht, was sie ist. Doch haben wir betont, dass du nichts zu verstehen brauchst. Die Erlösung ist einfach, gerade weil sie nichts verlangt, was du nicht gleich jetzt geben kannst.“
(EKIW: Kapitel 18, IV. 1.&2.&7.)


Erwachen

Du wirst zuerst vom Frieden träumen und dann zu IHM erwachen. Der erste Austausch dessen, was du gemacht hast, gegen das, was du willst, ist der Austausch deiner Alpträume gegen die glücklichen Träume der Liebe. In diesen liegen deine wahren Wahrnehmungen, denn der HEILIGE GEIST berichtigt die Welt der Träume, wo alle Wahrnehmung ist. Erkenntnis bedarf keiner Berichtigung. Die Träume der Liebe jedoch führen zur Erkenntnis. In ihnen siehst du nichts, was Angst macht, und deshalb sind sie das Willkommen, das du der Erkenntnis bietest. Die Liebe wartet auf ein Willkommen, nicht auf die Zeit, und die wirkliche Welt ist nichts anderes, als dass du das willkommen heißt, was immer war. Deshalb ist der Ruf der Freude in ihr, und deine frohe Antwort ist dein Erwachen zu dem, was du nicht verloren hast.”
(EKIW: Kapitel 13, VII. 9.)

In diesem einen Absatz ist bereits alles enthalten, was es zum Thema Erwachen zu wissen gibt. Aber auch das Ego liebt die Idee des Erwachens, weil es ihm eine weitere Gelegenheit bietet, alles unheimlich kompliziert und schwierig darzustellen. Da unser vom Ego dominierter Verstand so kompliziert und unharmonisch geworden ist, erfordert es in der Praxis dann doch wiederum eine Menge Arbeit, Intelligenz und Energie, die dicke Schicht der Komplexität und Dunkelheit zu durchdringen, um zu entdecken, worin die eigentliche Wahrheit besteht. Die Wahrheit selbst ist sehr einfach und unkompliziert, doch wir können ihre Einfachheit nicht sehen. Deshalb noch ein paar Worte …

Eine beliebte Analogie für das spirituelle Erwachen ist der Kinobesuch. Inkarnieren bedeutet, ins Kino zu gehen und sich so mit dem Geschehen auf der Leinwand zu identifizieren, dass der Eindruck entsteht, der Protagonist des Films zu sein und das Filmgeschehen sei real. Auf dem Weg des spirituellen Erwachens geht es zunächst darum, sich bewusst zu machen, dass wir in einem Kino sitzen und einen Film sehen, der längst gedreht ist und dessen Drehbuch wir selbst geschrieben haben. Dabei geht es aber nicht um ein rein intellektuelles Verständnis, sondern um ein bewusstes Erleben. Dadurch fühlen wir uns nicht mehr als Opfer des Geschehens auf der Leinwand und unser Kinoerlebnis wird zu einer glücklichen Erfahrung. Wenn wir uns SEINER Führung anvertrauen, dann wird ER uns mehr und mehr von der Illusion des Kinobesuchs befreien, bis dann GOTT SELBST den Filmprojektor abschaltet.

"Du kannst dich selber nicht aufwecken.
Doch kannst du dich aufwecken lassen."
(EKIW: Kapitel 29, III. 3. 2.&3.)

Einige nonduale Konzepte behaupten: “Unser Geist ist wie ein Filmprojektor, unser wahres Selbst ist die Leinwand.” Aber das ist grundlegend falsch, es muss richtig heißen: “Unser schlafender Geist ist wie ein Filmprojektor, das Bewusstsein ist die Leinwand.” Der zentrale Irrtum vieler nondualer Konzepte ist die Vergöttlichung des Bewusstseins. Doch das Bewusstsein ist die Domäne des Egos. Das Bewusstsein ist der Glaube an etwas Äußeres. Den Irrtum selbst - das individuelle Bewusstsein - zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es uns gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.

Das Bewusstsein - die Ebene der Wahrnehmung - war die erste Spaltung, die nach der Trennung in den Geist eingeführt wurde, was den Geist zu einem Wahrnehmenden anstatt zu einem Schöpfer machte. Das Bewusstsein wird zutreffend als Domäne des Ego bezeichnet. Das Ego ist ein falschgesinnter Versuch, dich so wahrzunehmen, wie du sein möchtest, statt wie du bist. Doch kannst du dich nur so erkennen, wie du bist, weil das das Einzige ist, dessen du gewiss sein kannst. Alles andere ist fraglich.”
(EKIW: Kapitel 3, IV. 2.)

Der immer wieder auftauchende Begriff des Christusbewusstseins ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich, denn CHRISTUS ist der reine Geist, wie ihn GOTT erschaffen hat, und das Bewusstsein ist die Domäne des Egos. Auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird, im Bewusstsein gibt es keine Erlösung. Es ist unmöglich, in der Domäne des Egos dem Ego zu entkommen.

Die Transzendenz des Bewusstseins ist das, was im Kurs als die Träumer-des-Traums-Perspektive bezeichnet wird. Von manchen spirituellen Lehrern wird dieser Zustand als “pure awareness” bezeichnet. Das ist die Vergebung. Ab dem Moment wo wir uns als Träumer des Traums erkannt haben, ist es nicht mehr schwierig, den Traum zu ändern. Dann nehmen wir den Traum an, den ER uns statt des unseren gab. Der Traum der Schuld verblasst vor unserer Sicht, wenn unsere Augen auch geschlossen sind. Ein Lächeln ist gekommen, unser schlafendes Antlitz zu erhellen. Der Schlaf ist jetzt friedlich, denn dies ist der glückliche Traum.

Aber auch der glückliche Traum ist immer noch ein Traum und nicht das Erwachen zur EINHEIT im reinen GEIST - zu unserer wahren IDENTTITÄT.

„Ich habe wiederholt betont, dass eine Ebene des Geistes für eine andere nicht verständlich ist. Das gilt auch für das Ego und den HEILIGEN GEIST, für Zeit und Ewigkeit. Die Ewigkeit ist eine Idee GOTTES, daher versteht der HEILIGE GEIST sie vollkommen. Die Zeit ist ein Egoglaube, daher nimmt das niedere Selbst, die Domäne des Ego, sie auch fraglos an. Der einzige Aspekt der Zeit, der ewig ist, ist jetzt.“
(EKIW: Kapitel 5, III. 6.)

Es ist ein zentraler und weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass mit dem Eintauchen in den heiligen Augenblick, was oft auch als Essenzerfahrung bezeichnet wird, die Befreiung aus der Illusion erledigt wäre, dass damit der Geist vollständig berichtigt sei. Doch eine zeitweilige Essenzerfahrung allein ist noch nicht das vollständige Erwachen zu unserer wahren IDENTITÄT auf welche Ein Kurs in Wundern verweist.

Der heilige Augenblick ersetzt die Notwendigkeit des Lernens nicht, denn der HEILIGE GEIST darf dich als dein LEHRER so lange nicht verlassen, bis der heilige Augenblick sich weit über die Zeit hinaus ausgedehnt hat. Bei einer Lehraufgabe, wie es die SEINE ist, muss ER alles in dieser Welt für deine Befreiung nutzen.”
(EKIW: Kapitel 15, VIII. 1. 1.&2.)

“Ein Augenblick, der dem HEILIGEN GEIST angeboten wird, wird GOTT zu deinen Gunsten angeboten, und in jenem Augenblick wirst du sanft in IHM erwachen.”
(Kapitel 15, II. 1. 4.)

Im heiligen Augenblick geschieht das Erwachen - das bedeutet der Prozess des Erwachens. Aber der heilige Augenblick ist nicht der endgültige Zustand des Erwacht-Seins, wie immer wieder behauptet wird. Erwachen zum SELBST, Erwachen in GOTT, ist ein Prozess, der erst dann abgeschlossen ist, wenn der schlafende Geist aus dem Traum der Trennung erwacht, also in die Einheit Gottes zurückgekehrt ist. GOTT vollzieht den letzten Schritt des Erwachens zur Erkenntnis. Das ist das Ende der Individualität und auch das Ende des Bewusstseins. Erwachen ist also kein Zustand, den jemand erreichen kann, d.h. keine Person kann erwacht sein.

Das Höchste, was ein individuelles Bewusstsein erreichen kann, und das ist auch das Ziel jedes spirituellen Weges, ist das Ruhen im heiligen Augenblick, die Erlösung aus der linearen Zeit - der glückliche Traum.

Solange der Geist noch nicht vollständig berichtigt ist, kann das Eintauchen in den heiliger Augenblick auch wieder verschwinden und ohne ein tieferes Verständnis der Metaphysik des Lebens und ohne Führung durch den HEILIGEN GEIST können sich die Irrtümer des Ego-Denksystems sehr leicht einschleichen. Außerdem können Menschen, denen die Erfahrung des Heiligen Augenblicks relativ spontan passiert ist und denen ein tieferes Verständnis fehlt, keinen Weg beschreiben, den sie ihren Mitmenschen vermitteln könnten. Genau hier setzt Ein Kurs in Wundern an, denn das Erwachen ist ein gemeinschaftliches Unterfangen, niemand erwacht alleine, denn das Erwachen löst die Illusion der Trennung auf.

"Vergiss nicht, dass, wenn diese Reise erst einmal begonnen ist, das Ende sicher ist. Auf dem Weg werden Zweifel kommen und gehen - und gehen, um erneut zu kommen. Doch ist das Ende sicher. Niemand kann das zu tun versäumen, was GOTT bestimmte, dass er tue. Wenn du vergisst, erinnere dich, dass du mit IHM gehst und mit SEINEM WORT auf deinem Herzen. Wer könnte verzweifeln, wenn eine HOFFNUNG wie diese sein ist? Illusionen der Verzweiflung mögen zu kommen scheinen, doch lerne, wie du dich nicht von ihnen täuschen lässt. Hinter einer jeden ist die Wirklichkeit und ist GOTT."
(EKIW: EPILOG, 1.)

Manche spirituelle Lehrer beschreiben ihr Erwachen so, dass sie sich plötzlich selbst in den Augen ihres Gurus erkannten. Jesus weist auch im Kurs darauf hin, dass wenn der Geist irgendeinen Teil der SOHNSCHAFT wiedererkennt, erkennt er sich selbst.

“Des Lehrers ungeachtet, den du wählst, ist das Ziel des Lehrplans: »Erkenne dich selbst.« Es gibt nichts anderes zu suchen. Jeder sucht sich selbst und die Kraft und die Herrlichkeit, die er verloren zu haben glaubt. Jedesmal, wenn du mit jemandem zusammen bist, hast du eine neue Gelegenheit, sie zu finden. Deine Kraft und Herrlichkeit sind in ihm, weil sie dein sind.”
(EKIW: Kapitel 8, III. 5. 1.-5.)

Im Berechtigungsprozess des Geistes geht es insbesondere darum, die fundamentale Wahrheit des Nichtgetrenntseins immer wieder zu erleben - bis zu dem Punkt, wo wir wieder im Wissen dieser Wahrheit ruhen. Der Geist kann nicht durch das Erleben eines Essenzzustandes allein geheilt werden. Jede erneute Erfahrung der essenziellen Wahrheit vertieft aber unseren Kontakt zum wahren SELBST.

Der vom Ego geprägte Geist schläft. Das ist der Grund, warum die Erleuchtung Erwachen genannt wird - der Geist wacht zu dem auf, was wirklich ist. Die Erfahrung eines heiligen Augenblicks bedeutet jedoch noch nicht das vollständige Erwachen aus dem Traum der Trennung. Einige Teile des gespaltenen Geistes mögen erwachen, aber der gespaltene Geist ist zutiefst vom Ego geprägt, und diese Tiefenschichten des Geistes erwachen weder leicht noch schnell. Jesus beschreibt daher im Kurs sechs Phasen in der Entwicklung des Vertrauens in die MACHT, DIE alle Dinge sicher bewahrt. Obwohl wir davon sprechen, unsere wahre IDENTITÄT allmählich zu verwirklichen, haben wir sie in Wirklichkeit nie verlassen. Doch diese Tatsache wirklich zu erfahren, ist eine tiefe Erkenntnis.

Die Reise zu GOTT ist lediglich das Wiedererwachen der Erkenntnis dessen, wo du immer und was du ewig bist. Es ist eine Reise ohne Entfernung zu einem Ziel, das sich niemals verändert hat. Die Wahrheit lässt sich nur erfahren. Man kann sie nicht beschreiben, und man kann sie nicht erklären. Ich kann dir die Bedingungen der Wahrheit zu Bewusstsein bringen, die Erfahrung aber ist von GOTT. Gemeinsam können wir ihre Bedingungen erfüllen, die Wahrheit aber wird von selbst in dir heraufdämmern.”
(EKIW: Kapitel 8, VI. 9. 5.-9.)

Wir können die Wahrheit nicht verstehen, aber die Bedingungen dafür. Das heißt, es gilt zu lernen, was die geistige, die wahre Schau mit sich bringt.

Es ist dieser Wechsel zur wahren Schau, der im heiligen Augenblick vollbracht wird. Doch ist es erforderlich, dass du lernst, was genau dieser Wechsel mit sich bringt, damit du willens wirst, ihn dauerhaft zu machen. Ist diese Bereitwilligkeit gegeben, wird sie dich nicht verlassen, denn sie ist dauerhaft.”
(EKIW: Kapitel 15, IX. 1. 2.-4.)

Der Kurs lehrt uns, was genau dieser Wechsel mit sich bringt. Und wenn der heilige Augenblick zur vollständigen Berichtigung des Geistes genutzt wird, treten wir in jenen Geisteszustand ein, den Jesus im Kurs als “die Schau CHRISTI” bezeichnet. Der Geist, der GOTT tatsächlich erkennt, ist der reine Geist. Solch innere und geistige Verbindung nennt man geistige Schau oder wie im Kurs CHRISTI Schau. Das sogenannte dritte Auge ist das Symbol für die geistige Schau. Es ist der ruhige Blick auf die “wirkliche Welt”, auf jene Welt, die total vergeben ist. Es ist jener Geisteszustand, auf den uns Ein Kurs in Wundern vorbereitet. Wenn das erreicht ist, sind Wahrnehmung und Erkenntnis einander so ähnlich geworden, dass sie die Vereinheitlichung der Gesetze GOTTES miteinander teilen. Die wirkliche Welt ist leise in den HIMMEL geglitten, in dem alles Ewige in ihr schon immer war. Dort vereinen sich der ERLÖSER und die Erlösten in der vollkommenen Liebe zu GOTT und zueinander. Der HIMMEL ist unsere Wohnstatt, und da er in GOTT ist, muss er ebenso in uns sein.

Der spirituelle Lehrer Mooji, der mit seiner Gemeinschaft in Portugal lebt, führt seine Schüler mit folgender Einladung (→Audiodatei) in die Begegnung mit dem wahren SELBST und damit mit GOTT SELBST. Mooji verwendet den Begriff “mind” für den ego-getriebenen Verstand - also für unsere privaten Gedanken - und den Begriff “formless intelligence“ für den reinen Geist. Diese Anleitung ist universell und kann in der einen oder anderen Form bei vielen spirituellen Lehrern gefunden werden. Sie entspricht in ihrer Art der aus dem Kurs in Lektion 189.


„Tu einfach dies: Sei still, und lege alle Gedanken darüber, was du bist und was GOTT ist, weg, alle Konzepte über die Welt, die du gelernt hast, alle Bilder, die du von dir selber hast. Mach deinen Geist von allem leer, was er für wahr oder falsch, gut oder schlecht hält, von jedem Gedanken, den er als würdig beurteilt, und allen Vorstellungen, deren er sich schämt. Halte an nichts fest. Bringe nicht einen Gedanken mit, den die Vergangenheit gelehrt hat, noch eine Überzeugung, die du jemals gelernt hast von irgend etwas. Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem GOTT.“
(EKIW: Lektion 189, 7.)

Praxis

“Dies ist kein Kurs über das Spiel mit Ideen, sondern über ihre praktische Umsetzung.”
(EKIW: Kapitel 11, VIII. 5. 3.)

Wunder

Jesus bezeichnet seine Botschaft als Ein Kurs in Wundern und nicht als Ein Kurs in Einheit (Oneness). Ein Kurs in Einheit wäre nicht praktikabel, wäre zu überwältigend. Wunder hingegen geschehen auf natürliche Weise. Wunder sind natürliche Zeichen der Vergebung. Wunder sind Berichtigungen im Geiste. Wunder sind Beispiele richtigen Denkens und richten unsere Wahrnehmungen auf die Wahrheit aus, wie GOTT sie schuf. Wunder transzendieren den Körper. Sie sind plötzliche Verlagerungen von der Ebene des Körpers weg ins Unsichtbare. Deswegen heilen sie.

Ein Wunder ist ein Dienst. Es ist der maximale Dienst, den wir einem Anderen erweisen können. Es ist eine Art, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst. Wir nehmen gleichzeitig unseren eigenen Wert und den unseres Nächsten wahr.

Das Wunder wird zuerst durch Glauben angenommen, weil darum bitten implizit besagt, dass der Geist vorbereitet worden ist, sich das vorzustellen, was er nicht sehen kann und nicht versteht. Doch wird der Glaube seine Zeugen bringen, um zu zeigen, dass das, worauf er beruhte, auch wirklich da ist.

“Wunder fallen wie Tropfen heilenden Regens vom HIMMEL auf eine trockene und staubige Welt, wohin hungernde und dürstende Kreaturen kommen, um zu sterben. Jetzt haben sie Wasser. Jetzt ist die Welt grün. Und überall sprießen die Lebenszeichen, um zu zeigen, dass das, was geboren ist, nie sterben kann, denn was Leben hat, hat Unsterblichkeit.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, 13. 5.)

Wir haben ein Anrecht auf Wunder aufgrund dessen, was wir sind. Wir werden Wunder empfangen aufgrund dessen, was GOTT ist. Und wir werden Wunder schenken, weil wir eins mit GOTT sind.

Unser Anspruch auf Wunder liegt nicht in unseren Illusionen über uns begründet. Er hängt nicht von irgendwelchen magischen Kräften ab, die wir uns zugeschrieben haben, und auch nicht von irgendeinem der Rituale, die wir ersonnen haben. Er ist ein inhärenter Bestandteil der Wahrheit dessen, was wir sind.

Das meiste, was früher als Wunder verkauft wurde, sowohl im christlichen Europa als auch im hinduistischen Indien, war Scharlatanerie. Ein geschulter Geist ist allerdings in der Lage, auch auf der Ebene der Form Veränderungen direkt hervorzurufen, aber all dies dient mehr der Unterhaltung und lenkt vom Wesentlichen ab. Darum heißt es im Kurs schon im ersten Kapitel beim Thema Wunder:

“Wunder sind Gedanken. Gedanken können die niedrigere oder körperliche Erfahrungsebene darstellen oder aber die höhere oder geistige Erfahrungsebene. Die eine macht das Physische, die andere erschafft das Geistige.”

“Wunder als solche spielen keine Rolle. Das einzige, was eine Rolle spielt, ist ihre QUELLE, DIE weit jenseits der Bewertung ist.”

“Wunder geschehen auf natürliche Weise, als Äußerungen der Liebe. Das wirkliche Wunder ist die Liebe, die sie inspiriert. In diesem Sinne ist alles, was aus der Liebe kommt, ein Wunder.”

“Wunder als Schaustücke zu verwenden, um Glauben zu erwecken, ist ein Missverständnis ihres Sinns und Zwecks.”

Die Speisung der Fünftausend bei Kapernaum war das erste und einzige Naturwunder, das Jesus als Resultat bewusster Vorausplanung vollbrachte. Doch er tat dies nicht, um die Menschen zu beeindrucken, sondern aus Liebe zu denen, die ihm folgten und nichts zu essen hatten.

Anders ausgedrückt: Es ist nicht notwendig, Gott zu beweisen - ER IST. Und SEIN WILLE ist es, erkannt zu werden und nicht bewiesen zu werden.

Spirituelle Psychotherapie

Klassische Psychotherapie

“Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Und jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist ein Tor, der sein Haus auf Sand baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.”
(Bibel, Einheitsübersetzung, Matthäus 7, 24-27)

Die klassische Psychotherapie versucht, biblisch gesprochen, ein Haus auf Sand zu stabilisieren. Das ist bis zu einem gewissen Grad möglich, man kann die Mauern des Hauses noch dicker und stabiler machen, aber die Angst wird nie ganz verschwinden, denn das Fundament ist und bleibt Sand. Die Corona-Pandemie beispielsweise hat diese Angst wieder sehr deutlich gemacht. Und bei einem starken Sturm bricht auch das stärkste Haus auf Sand zusammen. Dieser Sturm kann eine schwere Krankheit, ein Schicksalsschlag oder eine andere schwierige Situation sein, für die der Ego-Geist keine Lösung mehr findet.

Wirkliche Heilung erfordert daher einen grundlegend anderen Ansatz ...

Wenn wir uns mit Ein Kurs in Wundern beschäftigen, dann haben wir meist schon andere Erfahrungen in der spirituellen Szene gesammelt, vielleicht in der Coachingszene, vielleicht im Geistigen Heilen, vielleicht in Reiki, vielleicht mit schamanischen Reisen und Ritualen, es gibt ja auch eine schier endlose Anzahl von Konzepten und Denkansätzen um die “Seele” zu heilen. Der Kurs ist absolut kompromisslos, er sagt, die Seele - im wahren Sinne als vollkommener Gedanke im Geist GOTTES - muss nicht heilen und das egoische Selbst kann nicht heilen. Was wir wirklich sind und das Ego werden einander nie begegnen.

Was machen wir mit dieser Idee, gemeinhin gilt ja die Auffassung, wir hätten verschiedenste Themen und dann können wir diese Themen gezielt angehen, um da Heilung zu erfahren. Beispielsweise können wir irgendwie Beziehungsangst haben, also werden wir ganz speziell jetzt Themen ausgraben, die zu Vertrauen, zu Selbstliebe und so weiter und so fort passen und werden versuchen, da Heilung zu erfahren. Und in der Tat wird es innerhalb des Egos dann zu einer Verschiebung der Problematik kommen. Das heißt womöglich werden wir tatsächlich auf einmal in der Lage sein irgendwie Beziehung zu führen, aber auf einmal werden andere Themen auftauchen. Zuerst ist Beziehungsangst unser Problem, dann haben wir das gelöst, dann haben wir plötzlich ein Beziehungsproblem, nachdem auch das scheinbar gelöst ist, haben wir plötzlich ein Autoritätsproblem mit unserem Boss in der Arbeit, wenn wir dann mit großer Anstrengung auch dieses Problem scheinbar gelöst haben, haben wir plötzlich ein Burnout und damit schon wieder das nächste Problem. Wir kommen von einem ins nächste Problem und wir werden dann erstmal denken, das wusste ich ja noch gar nicht, dass ich damit auch ein Thema habe, naja egal, gehen wir das auch noch an und das ganze entpuppt sich als so etwas, das der Kurs folgendermaßen zusammenfasst: Die Welt hat uns nur einen einzigen Weg anzubieten und der führt immer ins Leid, der führt immer in den Tod, führt immer zum Scheitern, einfach weil wir versuchen im Problem das Problem zu lösen. Weil wir versuchen, da Heilung zu finden, was nur deswegen existiert, um Heilung zu verhindern.

"Die Getrennten haben viele »Heilmittel« für das erfunden, was sie als die »Krankheiten der Welt« ansehen. Das Einzige aber, was sie nicht tun, ist, die Wirklichkeit des Problems infrage zu stellen. Doch seine Wirkungen können nicht geheilt werden, weil das Problem nicht wirklich ist."
(EKIW: Lektion 41, 2. 1.-3.)

Spirituelle Psychotherapie ist die einzige Form der Therapie, die es gibt. Da nur der Geist krank sein kann, kann nur der Geist geheilt werden. Nur der Geist braucht Heilung. Spirituelle Psychotherapie ist notwendig, damit ein Mensch beginnen kann, die Wirklichkeit dieser Welt in Frage zu stellen. Manchmal ist ein Mensch in der Lage, ohne formelle Hilfe anzufangen, seinen Geist zu öffnen, aber selbst dann ist es immer irgendeine Veränderung in seiner Wahrnehmung, zwischenmenschlicher Beziehungen, die ihm das erlaubt.

Der Zweck der spirituellen Psychotherapie ist ganz einfach, die Blockaden gegenüber der Wahrheit zu entfernen. Ihr Ziel ist, den Patienten zu helfen, sein starres Wahnsystem aufzugeben und zu beginnen, die unechten Ursache-Wirkung-Beziehungen zu überdenken, auf denen es beruht. GOTT hat jedem einen LEHRER gegeben, dessen Weisheit und Hilfe weit über jeden Beitrag hinausgehen, denn ein irdischer Therapeut leisten kann - den HEILIGEN GEIST. Doch gibt es Zeiten und Situationen, in denen eine irdische Patient-Therapeut-Beziehung zum Mittel wird, durch das ER beiden SEINE größeren Gaben anbietet.

Richtig verstanden lehrt spirituelle Psychotherapie Vergebung und hilft dem Patienten, sie zu erkennen und zu akzeptieren. Und in seiner Heilung ist dem Therapeuten zugleich mit ihm vergeben. Nur Vergebung heilt Nichtvergebung, und nur Nichtvergebung kann Krankheit irgendeiner Art überhaupt entstehen lassen. Keine Heilung kann etwas anderes sein als Vergebung. Sich fest zu klammern an der Schuld ist nur die grimmige Weigerung zu vergeben. Heilung geschieht, wenn ein Patient beginnt, das Klagelied über die Schuld zu hören, dass er singt, und seine Gültigkeit in Frage stellt. Solange er es nicht hört, kann er nicht verstehen, dass er es ist, der es sich selber vorsingt. Es zu hören ist der erste Schritt zur Gesundung. Es in Frage zu stellen, muss er dann beschließen.

Was wir vergeben, ist die Idee, ich bin das Opfer der Welt und die Welt ist wirklich. Vergebung bedeutet, die Dinge aus dem Blickwinkel GOTTES zu betrachten, alles mit der LIEBE GOTTES zu sehen.

“Die wirkliche Welt wird einfach durch die vollständige Vergebung der alten erlangt, jener Welt, die du ohne Vergebung siehst. Der GROSSE WANDLER der Wahrnehmung wird mit dir die sorgfältige Erforschung des Geistes unternehmen, der diese Welt gemacht hat, und dir die scheinbaren Beweggründe aufdecken, um derentwillen du sie gemacht hast. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER dir bringt, wenn du IHM nachfolgst, wird ER dir zeigen, dass es hier überhaupt keine Vernunft gibt. Jeder Punkt, den SEINE Vernunft berührt, wird in Schönheit lebendig, und das, was im Dunkel deiner mangelnden Vernunft hässlich erschien, wird plötzlich zu Lieblichkeit befreit. Nicht einmal das, was der SOHN GOTTES im Wahnsinn gemacht hat, kann ohne einen verborgenen Funken Schönheit sein, den die Sanftmut freisetzen kann.”
(EKIW: Kapitel 17, II. 5.)

Mit Hilfe der klassischen Psychotherapie versucht das Ego, den Schmerz der Trennung erträglich zu machen, um ihn zu behalten, um nicht selbst in Frage gestellt zu werden. In der spirituellen Psychotherapie hingegen geht es nicht darum, eine Strategie zu entwickeln, um mit scheinbar realen Problemen besser leben zu können, sondern darum, anhand konkreter aktueller problematischer Ereignisse den grundlegenden Irrtum dahinter zu erkennen und ihn SEINER Berichtigung zu übergeben. Wir können imaginäre Probleme nicht erlösen, solange wir sie für wirklich halten. Wir müssen nur damit aufhören, das Unwirkliche für das Wirkliche zu halten.

Beispiel:

Eine Klienten, die Leiterin einer religiösen Frauengruppe, kommt zum Therapeuten und berichtet folgendes: “Ich bin nie richtig locker. Ich muss mich immer darum bemühen, dass alles seine Ordnung hat. Es gibt da eine Stimme in mir, die mir sagt, du bist in Ordnung, wenn du das Richtige tust. Ich will alles ganz genau wissen. Fünf gerade sein lassen fällt mir außerordentlich schwer.” Der in Biografiearbeit geschulte Therapeut lädt die Klientin ein, ihre biografische Vergangenheit zu reflektieren, um ihr zu helfen, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft zu gestalten. Die Klienten erinnert sich nun daran, welche Belastung es für sie darstellte, die Ideale ihrer Familie hochzuhalten: "Als ich immer wieder unter starken Nasenbluten litt, meinte mein Vater, ich würde nicht genug beten. Ich verstand zwar nie, was ‘genug’ war, nahm aber an, dass ‘mehr’ besser war … Papa erwartete von mir, dass ich für ihn und die ganze Familie beten und Fürsprache einlegen werde, also ging ich jeden Tag zur Messe. Ich hatte eine wichtige Mission, für die ich und Beistand bat: Von mir hing das Wohlergehen der Familie ab."

Daher heißt es im Kurs in Lektion 135:
"Und hierin liegt die Torheit der Abwehr: Sie gibt den Illusionen Wirklichkeit und versucht dann, mit ihnen umzugehen, als seien sie wirklich. Sie häuft Illusionen über Illusionen und macht Berichtigung so doppelt schwierig. Genau das tust du, wenn du versuchst, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach deinen Wünschen zu organisieren."

Eine zentrale Strategie des Egos ist es, Schuld nach außen zu projizieren. Mit der klassischen Psychotherapie haben wir daraus auch noch eine Wissenschaft gemacht. Aber wir können das Licht nicht finden, indem wir die Dunkelheit analysieren, wie es die klassische Psychotherapie tut. Es ist das Ego, das Biografiearbeit liebt, weil es dabei immer um die Illusion des persönlichen Selbst geht. Was davon zu halten ist, macht Jesus in der BEGRIFFSBESTIMMUNG EINLEITUNG 1. 4.-6. im Kurs sehr deutlich:

“Die Struktur eines individuellen Bewusstseins ist im Wesentlichen unerheblich, weil es ein Konzept ist, das den Erbirrtum oder die Erbsünde darstellt. Den Irrtum selbst zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es dir fürwahr gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.”

Die spirituelle Sichtweise widerspricht völlig den Vorstellungen dieser Welt. In der spirituellen Psychotherapie geht es darum der Klientin zu helfen ihr Denken umzukehren, um zu erkennen, dass sie nicht das Opfer einer externen Welt ist, sondern dass ihre Projektionen auf die Welt die Ursache ihrer Probleme sind, dass die Welt lediglich ein Spiegel ihres eigenen Denksystems ist, dass es in diesem konkreten Fall ihr eigenes Streben nach einem unerreichbaren weltlichen Ideal ist, das ihr die Welt spiegelt. Es ist die Anziehungskraft des scheinbar Unvollkommenen und damit die Verleugnung der Vollkommenheit GOTTES, die Leiden verursacht. Die Ursache für all dies ist der Wunsch nach Trennung im schlafenden Geist, der hohe moralische Anspruch und damit der Glaube an Unvollkommenheit sind lediglich Facetten dieses zentralen Trennungsgedanken.

Nicht die Vergangenheit und damit auch nicht der Vater ist das Problem, sondern die Stimme des Egos im Bewusstsein der Klientin, die ständig folgende Botschaften wiederholt: “Du bist in Ordnung, wenn du das Richtige tust.” Der Glaube der Klientin an diese Botschaft, d.h. die Identifikation mit dieser Botschaft ist das Problem. Daraus entsteht die persönliche Grundangst der Klientin, unvollkommen, schlecht oder böse zu sein, und das persönliche Grundbedürfnis, tugendhaft, integer und gut zu sein. Im Geist der Klientin herrscht ein enormer Konflikt zwischen einem leidenschaftlich empfundenen Zorn und dem Versuch, genau diesen Zorn zu vermeiden. In ihrem Geist findet sich der Richter, der über den Richter zu Gericht sitzt. Daraus resultiert ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle und Rechthaben. Auf andere Menschen wirkt die Klientin deshalb streng, rechthaberisch, verklemmt und verschlossen. Um ihren Glauben an die eigene Unvollkommenheit nicht betrachten zu müssen, flüchtet sich die Klientin in moralische Urteile über ihre Mitmenschen, sie projiziert ihren Glauben an Unvollkommenheit in die Welt.

Es geht darum dem Klienten zu helfen, zu verstehen, dass der schlafende Geist Schuldzuweisungen benutzt, um seinen Glauben an die Trennung nicht betrachten zu müssen. Es geht darum, dem Klienten zu helfen, zu erkennen, dass es keine objektive Welt von Ereignissen und Umständen gibt, die von seiner Wahrnehmung und Interpretation getrennt sind. Die abschließende Erkenntnis des Klienten könnte lauten: "Meine Gedanken sind Bilder, die ich gemacht habe."

LEKTION 152: "Die Macht der Entscheidung ist mein."
"Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung."

Das Ego, der Gedanke der Trennung, projiziert eine Welt, die die Trennung real erscheinen lassen soll. So dient die Welt in ihrer ursprünglichen Absicht dazu, von der Wahrheit - der Einheit allen SEINS - abzulenken. Sie scheint den Gedanken der Trennung immer und immer wieder zu bestätigen. Aber wir können der Welt einen neuen Zweck geben - den einzig wahren Zweck - die Erlösung von der Illusion der Trennung von GOTT und unseren Mitmenschen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Angst und Schuld nichts mit irgendwelchen Kindheitserfahrungen zu tun haben, sondern die Grundlage des egoischen Zustandes, des Zustandes der Trennung und damit des individuellen Ich-Empfindens sind. Die vom Ego projizierte Welt und damit jede Biographie eines Menschen ist eine Einladung des Egos, an Schuld zu glauben. Jesus drückt sich im Kurs unmissverständlich aus, wenn er sagt:

"Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Die Welt, die du siehst, ist das Wahnsystem derjenigen, die die Schuld verrückt gemacht hat. Sieh dir diese Welt sorgfältig an, dann wird dir klar, dass es so ist. Denn diese Welt ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes."

Der HIMMEL ist die Entscheidung, die wir bewusst treffen müssen. Die Wahl kann nicht getroffen werden, solange die Alternativen nicht korrekt gesehen und verstanden werden. Alles, was in Schatten gehüllt ist, muss zum Verständnis hochgehoben werden, damit es noch einmal beurteilt wird, diesmal mit des HIMMELS Hilfe. Und alle Fehler beim Beurteilen, die der Geist zuvor gemacht hat, stehen der Berichtigung offen, während die Wahrheit sie als ursachlos entlässt. Jetzt sind sie ohne Wirkungen. Sie können nicht mehr verborgen werden, weil ihre Nichtigkeit wahrgenommen wird.

Weil uns das erstmalige Betrachten unserer Schatten meist zutiefst erschüttert, dürfen wir bei der Erleuchtung unserer Schattenaspekte nie vergessen, dass Schatten eben nur Schatten sind und keine Wirklichkeit. Es sind Illusionen, die einmal der Berichtigung durch den HEILIGEN GEIST übergeben, keine Wirkung mehr haben.

Die Vergangenheit kann im Jetzt nicht bestehen. Alles, was wir über die unbewusste Vergangenheit in uns wissen müssen, werden die Herausforderungen der Gegenwart ans Licht bringen. Wenn wir uns in der Vergangenheit vergraben, wird sie zum bodenlosen Abgrund, immer mehr kommt hoch. Wir denken dann vielleicht, dass wir mehr Zeit brauchen, um die Vergangenheit zu verstehen, oder uns von ihr zu befreien. Wir glauben also, irgendwann durch die Zukunft von der Vergangenheit befreit zu werden. Das ist eine Täuschung. Nur das Jetzt kann uns von der Vergangenheit befreien!

Es gilt uns unserer Vergangenheit nur auf der Ebene der Gegenwart anzunehmen, denn je mehr Aufmerksamkeit wir der Vergangenheit schenken, umso mehr Energie führen wir ihr zu und umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie zu einem Teil unseres persönlichen Selbst machen. Aufmerksamkeit ist entscheidend, aber nicht, wenn sie der Vergangenheit als Vergangenheit gewidmet wird. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten, auf unser Verhalten, unsere Reaktionen, unsere Stimmungen, Gedanken, Emotionen, Ängste und Wünsche - so wie sie in der Gegenwart auftauchen - so ist das die Vergangenheit in uns. Schon in Lektion 7 weist uns Jesus darauf hin: “Ich sehe nur die Vergangenheit.”

Wenn wir gegenwärtig genug sind, um all diese Dinge zu beobachten, ohne dabei Kritik zu üben, zu analysieren oder zu werten, nehmen wir uns unserer Vergangenheit an und lösen sie durch die Kraft unserer Gegenwärtigkeit auf - indem wir sie so SEINER Berichtigung übergeben.

In der spirituellen Psychotherapie geht es darum, dem Patienten zu helfen, sich von seiner Identifikation mit der Vergangenheit zu befreien, das heißt, die Vergangenheit zu vergeben. Nicht seine Biographie ist die Ursache seiner Probleme, sondern seine Identifikation mit der Geschichte, die er für seine Biographie hält. Was der Patient lernen muss, ist, dass sein "Selbst", das angreifen und ebenso angegriffen werden kann, ein Konzept ist, das er erfunden hat. Der Patient muss willens werden, sein Denken umzukehren und zu verstehen, dass das, wovon er dachte, es projiziere seine Wirkungen auf ihn, von seinen Projektionen auf die Welt gemacht wurde. Die Welt, die er sieht, existiert daher nicht. Solange das nicht zumindest teilweise akzeptiert wird, kann der Patient sich nicht als wirklich fähig betrachten, Entscheidungen zu fällen.

Spirituelle Psychotherapie ist ein Prozess, der die Auffassung vom Selbst verändert. Patienten gehen die therapeutische Beziehung allerdings nicht mit diesem Ziel vor Augen ein. Im Gegenteil, solche Konzepte bedeuten ihnen wenig, sonst bräuchten sie keine Hilfe. Ihr Ziel lautet, ihr Selbstkonzept exakt so beizubehalten, wie es ist, aber ohne das Leiden, das es nach sich zieht. Ihr ganzes Gleichgewicht beruht auf der wahnsinnigen Überzeugung, dies sei möglich.

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim alten zu lassen und zu hoffen,
dass sich etwas ändert.“
(Albert Einstein)

Einer der Irrtümer, die vom Ego gefördert werden, ist, dass es wahrer Veränderung und daher wahrer Schöpferkraft fähig ist. Die Veränderungen, die das Ego vorzunehmen sucht, sind nicht wirklich Veränderungen. Sie sind nur tiefere Schatten oder vielleicht andere Wolkenmuster, sie sind nur Windhauch. Doch was aus nichts gemacht ist, kann nicht als neu oder anders bezeichnet werden. Illusionen sind Illusionen; nur die Wahrheit ist die Wahrheit.

Im Idealfall ist Psychotherapie eine Reihe heiliger Begegnungen, bei denen sich Brüder treffen, um einander zu segnen und den Frieden GOTTES zu empfangen. Der Therapeut ist nur ein irgendwie spezialisierterer Lehrer GOTTES. Er lernt durch Lehren, und je fortgeschrittener er ist, desto mehr lehrt er und lernt er. Aber in welchem Stadium er auch ist, es gibt Patienten, die ihn genauso brauchen, wie er ist. Sie können nicht mehr aufnehmen, als er im Augenblick geben kann. Dennoch werden sie beide schließlich die geistige Gesundheit finden.

Ebenso wie wahre Spiritualität heilt, muss wahre Psychotherapie spirituell sein. Aber beide haben viele Formen, weil kein guter Lehrer für jeden Schüler ein und denselben Ansatz benutzt. Um wahres Lernen sicherzustellen, muss jeder der beiden ein Ziel mit dem anderen teilen und dabei jedes Gefühl von getrennten Interessen verlieren. Nur auf diese Art ist es möglich, die engen Grenzen zu transzendieren, die das Ego dem Selbst auferlegt. Nur auf diese Art können Lehrer und Schüler, Therapeut und Patient die BERICHTIGUNG akzeptieren und lernen, sie zu geben, wie sie empfangen wurde. Kommunion ist für einen allein unmöglich. Niemand, der abseits steht, kann CHRISTI Schau empfangen.

In einer idealen Patient-Therapeut-Beziehung muss der Therapeut von jedem Patienten, der zu ihm kommt, lernen, wie man heilt. So wird er sein Patient. GOTT kennt keine Trennung. Der Vorgang, der in dieser Beziehung stattfindet, ist einer, bei dem der Therapeut dem Patienten in seinem Herzen sagt, dass alle seine Irrtümer ihm vergeben sind, zusammen mit den seinen. In ebendem Augenblick, da der Therapeut vergisst, den Patienten zu beurteilen, findet Heilung statt. Das allerdings bedarf der Hilfe eines sehr fortgeschrittenen Therapeuten, der fähig ist, sich mit dem Patienten in einer heiligen Beziehung zu verbinden, in der jedes Gefühl von Trennung schließlich überwunden wird.

Dazu ist eines, und eines nur, erforderlich: Der Therapeut verwechselt sich in keiner Weise mit GOTT. Alle "ungeheilten Heiler" nehmen diese grundlegende Verwechslung in der einen oder anderen Form vor, weil sie sich zwangsläufig als selbsterschaffen statt als von GOTT erschaffen ansehen. Diese Verwechslung ist selten, wenn überhaupt, bewusst, sonst würde der ungeheilte Heiler augenblicklich zu einem Lehrer GOTTES werden und sein Leben der Funktion wahrer Heilung widmen. Bevor er diesen Punkt erreicht, denkt er, er habe im therapeutischen Prozess die Führung und sei deshalb verantwortlich für das Ergebnis. Die Irrtümer seines Patienten wurden so zu seinem eigenen Versagen, und Schuld wird zu einem dunklen, dicken Mantel für das, was die HEILIGKEIT CHRISTI sein sollte. Schuld ist unausweichlich in jenen, die ihr Urteil verwenden, um ihre Entscheidungen zu treffen. Schuld ist unmöglich in jenen, durch die der HEILIGE GEIST spricht. Ungeheilte Heiler neigen dazu beim "Heilen" selber krank zu werden. Dies ist ein eindeutiges Zeichen, dass hier das Ego am Werk ist und es sich um einen ungeheiten Heiler handelt.

Das Aufhören der Schuld ist das wahre Ziel der Therapie und das offensichtliche Ziel der Vergebung. Darin kann ihr Einssein klar gesehen werden. Doch niemand, der sich in der Rolle des Führers verantwortlich für seinen Bruder fühlt, kann das Ende der Schuld erfahren, denn solch eine Funktion würde einen allwissenden Standpunkt voraussetzen. Doch keine Wahrnehmung ist allwissend, noch kann das winzig kleine Selbst von einem, der allein gegen das Universum steht, sich anmaßen, dass er eine solche Weisheit hat, außer in der Verrücktheit. Dass viele Therapeuten verrückt sind, ist offensichtlich. Kein ungeheilter Heiler kann gänzlich geistig gesund sein.

Doch ist es ebenso wahnsinnig, eine Funktion, die GOTT uns gegeben hat, nicht zu akzeptieren, wie eine zu erfinden, die ER nicht gegeben hat. Der fortgeschrittene Therapeut kann in keiner Weise jemals die Macht anzweifeln, die in ihm ist. Ebenso wenig zweifelt er an ihrer QUELLE.

Psychotherapie unter SEINER Führung ist eines der Mittel, die ER benutzt, um Zeit einzusparen und zusätzliche Lehrer für SEINE Arbeit vorzubereiten. Wahre Psychotherapie führt am Schluss zu GOTT. Aber das liegt bei IHM.

“Tritt sanft beiseite, und lass die Heilung für dich geschehen.”
(EKIW: Kapitel 16, I. 3. 7.)

Ein Hilfsmittel für inneren Frieden

Ein praktischer Leitfaden zur Überwindung inneren Unfriedens und zur Heilung des Geistes.

Diese Methode stammt von David Hoffmeister und basiert auf seinem Konzept der Ebenen des Geistes, wie ich es im Kapitel “Wahrnehmung” verwende. Dieses Kapitel ist eine Übersetzung des ”Instrument for Peace”. Die Originaldateien können hier heruntergeladen werden: Instrument for Peace

“Die Wahrheit wird dir durch dein Verlangen wiedergegeben, so wie sie durch dein Verlangen nach etwas anderem für dich verloren war.”
(EKIW: Kapitel 20, VIII. 1. 2.)

Der Geist im Frieden ist geheilt. Der Geist, der in Frieden ist, hat den Frieden von ganzem Herzen angenommen. In dieser Welt zeigt sich der Mangel an innerem Frieden in vielen Formen. Damit eine dauerhafte Heilung eintreten kann, muss der Mangel an Frieden auf seine eigentliche Ursache im Geist zurückgeführt werden. Die Verwendung dieses Instruments für diese Rückverfolgung kann einem bereitwilligen Geist helfen, loszulassen, was er zu wissen glaubt, die Welt anders zu sehen und einen gegenwärtigen Zustand des Friedens und der Freude zu erleben.

Was regt dich gerade auf?

1.

Wenn ich an eine beunruhigende Handlung, Situation oder ein Ereignis denke:
(Vergangene oder zukünftige Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

Fühle ich:
(Spezifische beunruhigende Emotionen) .............................

Weil ich glaube, dass:
(optional) .............................

schuld ist und/oder weil ich befürchte, dass in der Zukunft:
(folgendes stattfindet - optional) .............................


2.

Nachdenken über:
.............................

Gefühl:
.............................

Schuldzuweisung:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

beweisen, dass ich Recht habe:
(mein Glaube an den Mangel, der die Form eines Bildes von mir selbst/anderen/der Welt annimmt) .............................


Mir gefällt nicht, wie ich mich jetzt fühle, also bin ich bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Art und Weise, wie ich dies wahrnehme, nicht die ist, wie es wirklich ist. Als Teil des Heilungsprozesses bin ich bereit, über meine Wahrnehmung dieses Ärgers (die Bedeutung, die ich ihm gegeben habe) hinauszublicken und in meinen Geist zu schauen.

3.

Ich möchte lernen, dass es einen Weg gibt, wie ich ohne Schuldgefühle die Rolle sehen kann, die ich dabei spiele.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................


4.

Ich lasse los, dass ich mit meiner Wahrnehmung von all dem Recht haben will.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

beweisen, dass:
.............................


Ich möchte stattdessen glücklich sein. Durch das Ego (verzerrtes Denken/Sehen) nehme ich die Ursache meiner Verärgerung und ihre Lösung als außerhalb meines Geistes wahr. Diese Projektion scheint sehr real zu sein; ihr Zweck ist es, meinen Geist davon abzulenken, nach innen zu schauen.

5.

Wenn die Ursache meiner Verärgerung und ihre Lösung außerhalb meines Geistes lägen, wäre ich in der Tat machtlos, meinen Geisteszustand zu ändern. Mein Gebrauch der Projektion (im Außen zu sehen, was ich im Inneren nicht sehen will) ist der Grund, warum ich machtlos zu sein scheine.

.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

scheinen die Ursache für meine Verärgerung zu sein.

6.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

Sind die Folge meiner Überzeugung, dass:
(mein Glaube an den Mangel, der die Form eines Bildes von mir selbst/anderen/der Welt annimmt) .............................


7.

Ich bin nur dann über jemanden oder etwas verärgert, wenn er/sie mir eine Überzeugung widerspiegelt, die ich aus meinem Bewusstsein verdrängt habe. Wenn ich etwas in der Welt beschuldige/fürchte, dann nur, um zu vermeiden, dass ich die Verärgerung und die Lösung so sehe, wie sie wirklich sind (eine Entscheidung in meinem Geist), und um stattdessen ein Bild von mir selbst/anderen/der Welt aufrechtzuerhalten, wie ich es mir wünsche. Dieser Gedankentrick scheint Schuld und Angst zu verdrängen, hält aber in Wirklichkeit die Gefühle der Verärgerung aufrecht.

Ein Bild von sich selbst/anderen/der Welt zu beschuldigen oder zu fürchten, setzt voraus, dass ich glaube, dass ich begrenzt bin auf einen Körper und eine Welt von Körpern und verleugnet die spirituelle, abstrakte Wirklichkeit meines Seins. Als ersten Schritt, um alle Aufregung loszulassen, möchte ich in meinem Geist sehen, was ich dachte, was außerhalb von ihm ist.

Mich aufregen über:
.............................

ist nur ein weiterer Versuch, um:
.............................

und/oder den Zukunftsgedanken:
.............................

zur Ursache für meine Schuld und Angst zu machen.

8.

Verärgerung scheint wertvoll und gerechtfertigt zu sein, wenn:
.............................

im Gegensatz zu dem steht, was ich will.

Was ich will/wollte und erwarte(te), ist für:
(gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................


Daran glaube ich immer noch:
(mein Glaube an den Mangel) .............................

also denke ich, dass ich das brauche:
(gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

um glücklich, vollständig und in Frieden zu sein.

Ist dieser Glaube an den Mangel und die daraus resultierende Erwartung wichtiger für mich als der Seelenfrieden?

9.

Alles in der Welt wirkt zusammen zu meinem Besten. Was ich für die Ursache meiner Verärgerung halte, ist gar nicht die Ursache. Die Entscheidung, verärgert zu sein, ist eine Entscheidung, die Ursache - meinen Glauben an Trennung/Mangel - nicht als eine gegenwärtige Entscheidung in meinem Geist zu sehen. Es ist ein Versuch, die Ursache in der Vergangenheit/Zukunft zu sehen und die Gegenwart als ihre Wirkung.

10.

Was ich JETZT will, ist vor allem Frieden.

Ich stelle also die Annahme in Frage, dass:
(mein Glaube an den Mangel) .............................

und ich habe freiwillig den Wunsch danach aufgegeben:
(Gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

um mich wieder mit meinem einzigen Ziel zu verbinden: Frieden.

11.

Geistesfrieden ist eine gegenwärtige Entscheidung, die ich dankenswerterweise JETZT treffe! Schuldgefühle und Angst vor Konsequenzen schienen nur möglich, weil ich entschlossen war, an meinem Glauben an vergangene/zukünftige Ursachen festzuhalten. Ich habe die Bedeutung, die ich der Vergangenheit/Zukunft gegeben habe, losgelassen und meinen Geist für die Gegenwart geöffnet, losgelöst und unschuldig.

12.

Ich bin dankbar für die Erkenntnis, dass die Ursache meiner Verärgerung, von der ich dachte, sie läge in der Welt, eigentlich nur ein unhinterfragter Glaube und eine Entscheidung in meinem Geist war; ich habe mich neu für meinen GEISTESFRIEDEN entschieden.

Schreibe alle Erkenntnisse aus dem Prozess auf. Bearbeite so viele Arbeitsblätter wie nötig, um den gegenwärtigen Frieden zu erfahren, wenn das dein Wunsch ist.


Aufstellungen

Mit der Aufstellungsmethode ist es wie mit allem, wir können sie im Sinne des Egos oder im Sinne des HEILIGEN GEISTES verwenden. Wenn wir versuchen, mit Aufstellungen weltliche Ordnungen und Hierarchien zu schaffen, dann ist das reiner Wahnsinn. Aber wenn wir Aufstellungen dazu benutzen, um unter der Führung des HEILIGEN GEISTES zu vergeben, dann ist diese Methode durchaus hilfreich, um verdrängte Urteile sichtbar zu machen. Bei Familienaufstellungen geht es in Wahrheit natürlich nicht um Missverständnisse vergangener Generationen, sondern um unsere eigenen Missverständnisse, die wir immer noch in andere Generationen projizieren. Es geht darum, die Welt von unseren Urteilen zu erlösen. Jeder Irrtum wird von IHM berichtigt und die liebevollen Gedanken, die unser Geist in dieser Welt wahrnimmt, sind die einzige Wirklichkeit der Welt. Sie sind immer noch Wahrnehmungen, weil wir immer noch getrennt zu sein glauben. Doch sind sie ewig, weil sie liebevoll sind. Für den HEILIGEN GEIST bedeuten Familienaufstellungen, dass ER in späteren Generationen das, was vergangene Generationen missverstanden haben, immer noch neu deuten und so den Gedanken die Fähigkeit nehmen kann, Angst zu erzeugen.

Gebet

Das wahre Gebet bittet um nichts. Es ist unmöglich, um weltliche Dinge zu bitten und zu hoffen, GOTT zu erreichen. Das wahre Gebet muss die Falle des Betens, um zu flehen, meiden. Unsere Sehnsucht und unser Verlangen nach der Wahrheit ist das wahre Gebet. Es geht also gar nicht um beten oder nicht beten, sondern allein darum, worum wir beten, wonach uns verlangt - in jedem Augenblick.

Das wahre Gebet ist immer ein Lied des Dankes und der LIEBE. Das Geheimnis des wahren Gebets ist, die Dinge zu vergessen, die wir zu brauchen glauben. Wir sehen dabei über unsere konkreten Bedürfnisse, so wie wir sie sehen, hinweg, und lassen sie in GOTTES HÄNDE übergehen. Dort werden sie zu unseren Gaben an IHN, dass wir keine Götter vor IHM haben möchten, keine LIEBE außer SEINER. Das wahre Gebet ist ein Beiseitetreten; ein Loslassen, eine stille Zeit des Hörens und des Liebens, es erbittet nichts und empfängt alles.

Ein einfaches Gebet, besonders für Momente, in denen wir mit vielen Menschen in Kontakt sind, könnte zum Beispiel so lauten:

Ich bin wir.
Wir bin ich.

Ein sehr schönes und umfassendes Gebet enthält Lektion 264:

“Vater, du stehst vor mir und hinter mir, neben mir, an dem Ort, wo ich mich selber sehe, und überall, wohin ich gehe. Du bist in allen Dingen, auf die ich schaue, in den Geräuschen, die ich höre, und in jeder Hand, die nach der meinen greift. Die Zeit verschwindet in dir, und der Ort wird ein bedeutungsloser Glaube. Denn das, was deinen Sohn umgibt und was ihn sicher hält, das ist die Liebe selbst. Es gibt keine Quelle außer dieser, und es gibt nichts, was ihre Heiligkeit nicht teilen, was jenseits deiner einen Schöpfung stehen würde oder ohne jene Liebe wäre, die alle Dinge in sich selber hält. Vater, dein Sohn ist wie du selbst. Wir kommen heute in deinem eigenen Namen zu dir, um in Frieden zu sein in deiner ewig währenden Liebe.”


Geduld

Geduld ist eine der typischen Eigenschaften der Lehrer GOTTES. Geduld ist natürlich für die, die vertrauen. Vertrauen ist das Fundament aller Eigenschaften eines Lehrers GOTTES. Nur die, die vertrauen, können sich Ehrlichkeit leisten, denn nur sie können ihren wahren Wert sehen.

Wenn uns Ein Kurs in Wundern begegnet und wir uns wahrhaftig von ihm angesprochen fühlen, dann tauchen wir in eine Phase der Euphorie ein und wir werden den Kurs mit großer Begeisterung durcharbeiten. Diese erste Begeisterung, wenn wir den Kurs für uns entdecken, können wir als Flitterwochen mit dem Kurs bezeichnen. Diese Phase der Begeisterung ist wichtig, denn wir werden diesen Schwung brauchen, wenn es schwierig wird. Jesus beschreibt sechs Phasen der Entwicklung von Vertrauen, von denen vier in der Regel als sehr herausfordernd erlebt werden.

In den Flitterwochen mit dem Kurs haben wir normalerweise den Wunsch, unsere neuen Erkenntnisse sofort mit der Welt zu teilen. Wir werden vielleicht eine Kursgruppe organisieren, oder ein Buch über den Kurs schreiben, oder eine Webseite über den Kurs gestalten, oder als Kurs Lehrer in Erscheinung treten. In dieser Phase sind wir sehr empfänglich für die Stimme des Egos. Wenn wir nun unser Selbstkonzept um die Idee, den Kurs verstanden zu haben, erweitert haben und versuchen eine „spirituelle“ Karriere zu machen, sind wir dem Ego wieder einmal auf den Leim gegangen. Der Kurs kann nicht wirklich verstanden werden, denn er verweist auf eine Erfahrung - die Erfahrung reiner Freude.

Wenn unser Verlangen nach der Wahrheit groß genug ist, wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir uns dessen bewusst werden. Wir werden erkennen, dass wir noch nicht so weit gekommen sind, wie wir dachten. Wir werden erkennen, dass wir noch nicht im Jetzt und im Frieden GOTTES ruhen, und dass es noch viele Angriffsgedanken in unserem Geist gibt, die wir noch nicht ehrlich betrachtet haben. Wir werden uns ehrlich eingestehen, dass wir noch nicht in jedem Menschen den einen CHRISTUS sehen, ob wir ihn nun persönlich kennen oder nicht. Wir werden erkennen, dass die Welt, die wir wahrnehmen, noch nicht nur in LIEBE leuchtet, völlig unberührt von Schuld. Wir werden uns eingestehen, dass wir noch nicht nur von heiliger Freude und Glückseligkeit erfüllt sind.

Nun braucht es Geduld.

Es ist ganz natürlich, dass wir zuerst die Wahrheit nur aussprechen, dann viele Male wiederholen, um sie als nächstes mit vielen Vorbehalten nur zum Teil als wahr zu akzeptieren. Dann aber werden wir sie immer ernstlicher erwägen und schließlich als die Wahrheit annehmen.

“Jetzt musst du lernen, dass nur unendliche Geduld sofortige Wirkungen zeitigt. Auf diese Weise wird die Zeit gegen die Ewigkeit ausgetauscht. Unendliche Geduld appelliert an die unendliche Liebe, und dadurch, dass sie jetzt Ergebnisse hervorbringt, macht sie die Zeit unnötig.”
(EKIW: Kapitel 5, VI. 12. 1.-3.)

Lernen und Lehren

Die folgende Metapher für spirituelles Erwachen kann auch als eine moderne Form von Platons Höhlengleichnis verstanden werden. Die Metapher mit den geometrischen Dimensionen taucht immer wieder in Romanen und Filmen auf und geht zurück auf Flatland. A Romance of Many Dimensions (dt. Titel „Flächenland“), eine 1884 von Edwin Abbott Abbott unter dem Pseudonym A. Square veröffentlichte Novelle:

Stellen wir uns mal einen Kreis vor, also eine zweidimensionale Erfahrung. Stellen wir uns das Gefühl vor, einfach nur eine Fläche zu sein, wie ein Kreis, ohne jeder Ausdehnung. Und dann kommt jemand zum Kreis und sagt: “Hey, du bist gar kein Kreis du bist eine Kugel, du bist eine Kugel, du bist etwas ganz anderes als du die ganze Zeit gedacht hast. Du bist gar kein Kreis.” Und der Kreis sagt: “Hey, wow, das würde ich schon total gerne erfahren, wenn das so ist, aber ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich kann mir das nicht vorstellen, was das heißt, eine Kugel zu sein.” Denn wie soll der Kreis sich das vorstellen, er kennt ja nur die Fläche, erkennt ja nur die zwei Dimensionen. Und die Stimme sagt: “Das macht nichts, weil du eine Kugel bist, musst du es nur wiedererkennen. Du musst nur auf deine eigene Wahrheit lauschen, höre nur dem zu, was du bist und vergiss alles, was du nicht bist. Es gibt eine Stimme für die Wahrheit in dir, die alle Irrtümer berichtigen wird, wenn du nicht mehr an ihnen festhalten willst.” Und der Kreis sagt: “Okay, okay, das klingt gut, das klingt so, als könnte ich das verstehen.” Und dann läuft er aber weiter durch seine zweidimensionale Welt und sagt sich: “Ich bin eine Kugel, ich bin eine Kugel, ich bin eine Kugel.” Und er erzählt auch anderen Kreisen: “Hey wir sind gar keine Kreise, wir sind Kugeln.” Und die anderen Kreise sagen: “Aha, und was bedeutet das?” Und hier kommt der kleine Kreis ins Stocken und sagt: “Ja, weiß ich nicht, weiß ich nicht, das hat man mir gesagt, aber was das bedeutet, weiß ich nicht.” Und da bemerkt der Kreis, dass er eine scheiß Angst hat vor dem ‘das weiß ich nicht’. Er hat Angst, alles zu verlieren und deswegen rollt er viel umher und sagt sich immer wieder “ich bin eine Kugel", aber er geht nicht wirklich in die Stille, um der Stimme für die Wahrheit zu lauschen, um sich selbst als Kugel zu erfahren. Vielleicht hat er für einen Moment die Idee, die abgefahrene Neuigkeit zu seinen Freunden bringen zu wollen, zu seinen Mitkreisen, aber vor dem Moment tatsächlich so lange in die Stille zu gehen, bis er erfasst hat, was das bedeutet eine Kugel zu sein, davor schreckt er immer noch zurück. Aber wie, wie soll er es denn sonst lernen. Als er so bei den anderen Kreisen stand und sie ihn fragten, was bedeutet denn das, hat er gespürt, dass er es herausfinden muss, nicht nur seiner selbst willen, sondern um aller Willen. Es sollen keine leeren Worte bleiben, sondern es soll zur Erfahrung werden. Und so hält der Kreis ganz still und hört mit allem auf, was Kreise normalerweise machen, denn er möchte sich jetzt als mehr als ein Kreis erfahren. So fängt er an zu beten und sagt: “Wenn es eine Wahrheit gibt, dann will ich nur ihr zuhören, ich will alles loslassen, was ich dachte über mich und alle anderen Kreise. Ich will die Wahrheit über uns alle erfahren und nichts anderes. Und ich werde hier sitzen bleiben, bis ich eine Erfahrung bekomme.” Zuerst passiert nichts und zuerst blubbern ganz viele ängstliche Kreisgedanken in seinem Geist und er findet es total schwer, still zu bleiben, aber er spürt, er spürt so sehr seine Sehnsucht, dass er erfahren will, was das ist. Und deswegen bleibt er und je entschlossener er wird, desto klarer wird seine Absicht, desto klarer wird sein Geist und desto mehr kann er sich darauf einlassen. Und auf einmal spürt er eine Ausdehnung, die er nie für möglich gehalten hätte. Er spürt eine Wahrheit, die sich so echt, so wirklich, ja so greifbar und so wundervoll anfühlt, dass es all seine Vorstellungen sprengt. Gleichzeitig erschreckt er sich dabei so sehr, dass er sich aus der Erfahrung herausreißt und heftig atmend wieder in der Welt des Kreises ankommt. Und im ersten Moment ist er ein wenig enttäuscht, aber im zweiten Moment weiß er: “Hey, wow, mein Leben wird nie wieder so sein wie vorher, denn jetzt habe ich etwas erfahren, das echter war als alles, was ich jemals als Kreis erlebt habe.” Und er geht wieder zu den anderen Kreisen und sagt: Leute, wir sind viel mehr als wir uns das vorstellen können.” Und die anderen Kreise die spüren, da ist was passiert, ja sie spüren, da steht gerade eine Erfahrung im Raum. Deswegen beginnen sie ihn ernst zu nehmen und das wiederum entfacht die Sehnsucht des Kreises noch tiefer zu gehen und obwohl er Angst hat, obwohl er nun erst recht die Sorge hat, alles zu verlieren, was er bislang gekannt hat, weiß er trotzdem, es gibt kein Zurück. Er will die Erfahrung, er will die Erfahrung und so ist er wieder ganz still und betet und betet. Weil er weiß, dass die Erfahrung kommen muss, ist er zuversichtlich. Er sagt: “Ja, ich will nur DEINE Stimme hören, sonst nichts. Ich will mir keine alten Geschichten mehr über mich erzählen.” Und so geht es weiter. Manchmal bekommt er wieder Angst und immer wieder bekommt er eine Erfahrung, was es bedeutet, eine Kugel zu sein, in der Ausdehnung zu sein, was es bedeutet, ganz und gar wiederhergestellt und echt zu sein. Und diese Erfahrung lässt ihn strahlen. Diese Erfahrung lässt ihn mit Überzeugung sprechen. Diese Erfahrung lässt ihn, wenn er noch glaubt, da irgendwo Kreise zu sehen, über diese witzige Idee lächeln und sagen: “Nein Mann, du bist kein Kreis. Ich sehe etwas in dir, was so viel größer und so viel schöner ist. Die Probleme eines Kreises brauchen dich nicht zu beunruhigen, denn du bist viel mehr als das.” Das ist der Weg, das ist der Weg des spirituellen Erwachens.

Ja, das scheint Arbeit zu sein, sich lange und hingebungsvoll und auch inbrünstig in die Stille zu begeben und um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu bitten. Aber wir haben die Erfahrung bereits gemacht, dass die Wahrheit zu uns kommt. Und wir wissen, dass sie kommen wird, wenn wir nur wirklich bitten und wir wissen, dass wir es für uns tun und für uns alle. Wir wissen, dass wir unser aller Leben damit verändern können, aufs Wunderschönste, also lass es uns tun.

Gedanken und Geistestraining

Meine Gedanken bedeuten nichts.
Dieser Leitgedanke gilt für alle Gedanken, deren du dir bewusst bist oder in den Übungszeiten bewusst wirst. Der Grund dafür, weshalb der Leitgedanke auf sie alle zutrifft, liegt darin, dass sie nicht deine wirklichen Gedanken sind. Wir haben diese Unterscheidung schon einmal getroffen und werden es auch wieder tun. Du hast bis jetzt noch keine Vergleichsbasis. Wenn du sie hast, wirst du nicht mehr daran zweifeln, dass das, was du einst für deine Gedanken hieltest, nichts bedeutete.”
(EKIW: Lektion 10, 1.)

Meine Gedanken bedeuten nichts.
Ich habe keine privaten Gedanken. Und doch sind es nur private Gedanken, deren ich gewahr bin. Was können diese Gedanken schon bedeuten? Sie existieren nicht, somit sind sie bedeutungslos. Doch ist mein Geist Teil der Schöpfung und Teil ihres SCHÖPFERS. Will ich mich nicht lieber dem Denken des Universums anschließen, als alles, was wirklich mein ist, durch meine erbärmlichen und bedeutungslosen »privaten« Gedanken zu verschleiern?”
(EKIW: Lektion 52, 5.(10))

Wenn wir es vorziehen, private Gedanken zu haben und sie zu behalten, bedeutet dies, die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist.

Neutrale Gedanken sind unmöglich, weil alle Gedanken Macht haben. Sie machen entweder eine falsche Welt oder führen uns zur wirklichen. Gedanken aber können nicht ohne Wirkung auf unsere Erfahrung sein. Lektion 16 “Ich habe keine neutralen Gedanken” erinnert uns daran, dass alle scheinbar neutralen Gedanken auch Angst- und Angriffsgedanken sind. Jedes Mal, wenn wir denken, dass ein anderer Mensch uns egal ist, ist dies ein Angst- und Angriffsgedanke. Wir haben Angst vor diesem Menschen und greifen ihn im Geiste an, weil wir ihn nicht als unseren geliebten Bruder erkennen, mit dem wir eins sind in GOTT. Jeder Gedanke, der nicht Liebe ist, ist ein Todeswunsch. Das Ego - das Verlangen nach Trennung - ist der Wunsch, dass der Tod wirklich sei.

Nicht die Identifikation mit Gedanken an sich ist das Problem, sondern die Identifikation mit dem Ego-Denksystem - mit den privaten Gedanken. Diese privaten Gedanken bedeuten nichts, weil wir nur die Vergangenheit sehen. Die dunkelsten dieser Gedanken haben wir ins Unterbewusstsein verbannt, aus unserem Bewusstsein verdrängt und nach außen projiziert. Und davor, vor all diesen unbewussten Angriffsgedanken, haben wir Angst, weil wir uns mit ihnen identifizieren, unabhängig davon ob wir uns ihrer bewusst sind oder nicht. Doch diese Dunkelheit muss ans LICHT gebracht werden, wenn wir wahre Befreiung wollen. Erst wenn wir diese Angriffsgedanken ans LICHT bringen und sie dem LICHT zur Berichtigung übergeben, geschieht die Erlösung davon. Dabei erkennen wir ihre Unwirklichkeit.

Am Weg des spirituellen Erwachens gilt es zuerst zu erkennen, dass all unser Drama nur Gedanken sind. Dann erkennen wir, dass wir keine Angst vor Gedanken haben müssen und auch keine Angst vor der Macht unserer Gedanken, weil unsere wirklichen Gedanken, die Gedanken, die wir mit GOTT denken, sind alle machtvoll. Und die Gedanken, von denen wir glauben, sie seien “unsere Gedanken”, wir nennen sie private Gedanken oder Angriffsgedanken, die das Ego gemacht hat, haben keine Auswirkungen auf die Wirklichkeit. Der HIMMEL ist nicht bedroht von illusionären Angriffsgedanken.

Solange wir uns aber schuldig fühlen, führt das Ego das Kommando, weil nur das Ego Schuld empfinden kann. Das muss nicht sein. Und so erinnern wir uns, dass das Ego in der Tat gegen die Gesetze GOTTES verstoßen hat, wir aber nicht.

Das bedeutet auch, dass keiner unserer Brüder für die von ihm geäußerten Angriffsgedanken verantwortlich ist. Jeder leistet nur völlig unschuldig seinen Beitrag dazu, das Denksystem des Egos ans Licht zu bringen. Unseres Bruders Schuldlosigkeit ist unsere SÜHNE.

Um uns den Ego-Gedanken in unserem schlafenden Geist ehrlich zuwenden zu können, brauchen wir die Hilfe des HEILIGEN GEISTES. Nur wenn wir IHM vertrauen, können wir uns Ehrlichkeit leisten, denn nur so können wir unseren wahren Wert sehen. Der HEILIGE GEIST, DER uns so kennt, wie wir wirklich sind, beurteilt jeden und alles als unschuldig.

Auf dem Weg des spirituellen Erwachens geht es darum, die Dunkelheit in unserem schlafenden Geist ans Licht zu bringen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben. Das wird zu Beginn des spirituellen Weges gerne übersehen. Wir wünschen uns zu diesem Zeitpunkt nichts sehnlicher, als dass es Licht werde, und wollen deshalb von der Dunkelheit nichts wissen. Wenn sie im Laufe dieses Prozesses auftaucht, in Form all der bisher unbewussten Angriffsgedanken in unserem schlafenden Geist, dann lädt uns das Ego ein, unsere Angriffsgedanken, also unsere Urteile, zu verurteilen. Wenn wir dieser Einladung folgen, sind wir wieder in die Falle des Egos getappt. Wir dürfen das Auftauchen unserer unbewussten Angriffsgedanken nicht zum Problem machen, sondern müssen es als Teil des Erlösungsprozesses verstehen.

In unserem Bewusstsein erfahren wir Frieden, wenn wir die Angriffsgedanken beobachten können, wie sie verschwinden und erkennen: Das bin nicht ich. Ich bin nicht der Verurteiler. Ich bin nicht der Angreifer. Ich bin nicht der Denker von Angriffsgedanken. Das ist die Erkenntnis unserer Göttlichkeit. Da wir nicht der Denker unserer Angriffsgedanken sind, brauchen wir keine Angst vor unseren wirklichen Gedanken haben. Das sind die Gedanken, die wir mit Gott denken.

Deswegen bezeichnen wir den Kurs als Geistestraining. Wir lernen zuerst die “Gesetze” des Ego-Denksystems kennen und wenden uns dann nicht weiter den privaten Gedanken zu, sondern wenden uns voll und ganz den Gedanken zu, die wir mit Gott denken. Nichts von dem, was in dieser Welt auf der Ebene der Form geschieht, können wir kontrollieren, das einzige, was wir kontrollieren können, ist die Richtung unseres Denkens - und darin allein liegt unsere Verantwortung! Wir haben die Macht, unsere Gedanken zu verändern und jeden Gedanken der Angst durch einen glücklichen Gedanken der Liebe zu ersetzen. Das bedeutet, die Wahrheit in unserem Geist nicht länger zu verleugnen und stattdessen die GEDANKEN GOTTES als unser Erbe anzunehmen. Die GEDANKEN GOTTES sind weit über jegliche Veränderung erhaben und leuchten ewig.

Das Gebet von Lektion 236 lautet daher:

“VATER, mein Geist ist für DEINE GEDANKEN offen und für jeden Gedanken verschlossen, der nicht der DEINE ist. Ich herrsche über meinen Geist und biete ihn DIR an. Nimm meine Gabe an, denn sie ist die DEINIGE an mich.”

Denken und Verstehen

Alle Bücher sind gelesen, alles Denkbare gedacht, kein Problem ist ungewälzt, doch kaum jemand erwacht. Private Gedanken, Gedanken die wir nicht mit GOTT denken, also Denken, das nicht in der Bewusstheit des wahren SELBST wurzelt, wird zum Selbstzweck und ist gestört. Klugheit ohne Weisheit, die aus der Stille kommt, erzeugt Leiden. Ein indischer Guru hat dies einmal noch radikaler formuliert: “Weisheit ohne Meditation ist wie eine schöne Frau, die tot ist.” Anders ausgedrückt bedeutet dies: Weisheit, die nicht aus der Stille kommt, ist nicht lebendig.

LEKTION 221 lautet daher:
“Friede meinem Geist. Lass all meine Gedanken stille sein.”

In dieser Lektion bitten wir um die Befreiung von unseren privaten Gedanken. Und so treten wir in Schweigen vor GOTT. In der Stille unseres Herzens, in den tiefsten Tiefen unseres Geistes warten wir und lauschen auf SEINE STIMME.

In vielen spirituellen Konzepten wird nicht zwischen privaten Gedanken und den Gedanken GOTTES unterschieden und infolgedessen das Denken generell verteufelt. Doch nicht das Denken an sich ist das Problem, sondern die Identifikation mit dem Ego-Denksystem - den privaten Gedanken, die wir getrennt von GOTT denken. In der Identifikation mit dem Ego-Denksystem denken wir in Wahrheit überhaupt nicht. Die Anwesenheit dieser »Gedanken« bedeutet, dass wir nicht denken. In diesem Zustand ist unser Geist leer. Die ersten 50 Lektionen des Kurses beschäftigen sich einzig und allein damit, uns die Bedeutungslosigkeit und Nichtigkeit unserer privaten Gedanken erkennen zu lassen. Am spirituellen Weg geht es um die Befreiung aus diesem Zustand, um uns wieder an unsere Wahrheit als vollkommener Gedanke im GEIST GOTTES zu erinnern. Als SEIN SOHN denken wir mit dem GEIST GOTTES. Deshalb teilen wir unsere Gedanken mit IHM, so wie ER die SEINEN mit uns teilt. Es sind die gleichen Gedanken, weil sie vom gleichen GEIST gedacht werden.

“Wenn du denkst, du seist nicht willens, mit GOTT zu wollen, dann denkst du nicht. Der WILLE GOTTES ist Denken.”
(EKIW: Kapitel 8, VI. 7. 2.&3.)

Wenn wir einmal akzeptiert haben, dass unsere privaten Gedanken bedeutungslos sind, dann gilt es, uns immer wieder der Stille zuzuwenden, um SEINER STIMME zu lauschen. Aber gerade das fällt uns am Beginn unseres Weges oft sehr schwer. Doch wenn wir die Gedanken die uns durch den Kopf gehen auch nur gelegentlich als bloße Gedanken erkennen können, wenn wir Beobachter unserer eigenen mental emotionalen Verhaltensmuster sein können, so wie sie auftreten, eröffnet sich uns die Dimension wacher Bewusstheit bereits, als das Gewahrsein in dem Gedanken und Emotionen aufsteigen, als zeitloser innerer Raum in dem sich unser Lebensinhalt entfaltet.

Doch der Strom der privaten Gedanken hat eine enorme Triebkraft, die uns leicht mitreißen kann. Jeder Gedanke gibt vor, sehr wichtig zu sein, er will unsere Aufmerksamkeit auf sich konzentrieren. Häufig lassen wir uns von unserem eigenen begrifflichen Denken gefangen nehmen. Der Ego-Geist hält, in seiner Wissbegier und seinem Verlangen nach Verständnis und Kontrolle, seine Ansichten und Standpunkte irrtümlich für die Wahrheit. Er sagt, so nicht anders ist es. Wir müssen über das vom Ego dominierte Denken hinausgehen, um uns darüber klar zu werden, dass jede Interpretation unseres eigenen Lebens oder des Lebens und Verhaltens von jemand anderen und jede Beurteilung einer beliebigen Situation nicht weiter als ein Standpunkt ist, eine von vielen möglichen Betrachtungsweisen, sie ist nicht weiter als ein Bündel von privaten Gedanken. Die Wirklichkeit ist jedoch ein vereintes Ganzes in dem alle Dinge miteinander verwoben sind und nichts für sich und aus sich allein existiert. Das egoische Denken fragmentiert die Wirklichkeit, es zerstückelt sie in Begriffsfetzen. Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens.

Der Verstand ist ein nützliches, machtvolles Werkzeug, aber er ist auch sehr einengend, wenn wir ihm unser Leben vollkommen überlassen und nicht erkennen, dass er nur ein kleiner Aspekt unserer Erfahrung ist. Das, was wir sind, ist nichts Erdachtes im herkömmlichen Sinne. Das tiefe Erkennen und Wissen, das wahre Weisheit ist, stellt sich ein, wenn wir einfach jemandem oder etwas unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Aufmerksamkeit ist ursprüngliche Intelligenz, ist reines Bewusstsein, sie löst die Schranken auf, die das begriffliche Denken geschaffen hat und damit zugleich kommt die Erkenntnis, dass nichts für sich und aus sich alleine existiert. Die Aufmerksamkeit schließt den Beobachter und das Beobachtete in einem einheitlichen Bewusstseinsfeld zusammen, sie heilt die Trennung.

Wann immer wir in zwanghaftes privates Denken versunken sind, verdrängen wir das, was ist. Dann sind wir nicht im Hier und Jetzt. Das Merkwürdige ist, dass wir Menschen unsere geistigen Gefängniszellen, unsere Dogmen und unsere Meinungen lieben, weil sie uns ein Gefühl der Sicherheit und das falsche Empfinden vermitteln, ich weiß. Nichts hat mehr Leid über die Menschheit gebracht, als ihre eigenen Dogmen. Es stimmt zwar, dass jedes Dogma mal früher oder später bröckelt, weil die Wirklichkeit allmählich seine Fehlerhaftigkeit enthüllt, doch solange der grundlegende Trugschluss fortbesteht und es nicht als das gesehen wird, was es ist, wird es einfach von anderen Dogmen abgelöst werden. Worin besteht der grundlegende Trugschluss? In der Identifikation mit dem privatem Denken. Spirituelles Erwachen ist das Aufwachen aus dem Traum des privaten Denkens, aus der Identifikation mit dem vom Ego getriebenen Gedankenstrom.

Der vom Ego gesteuerte Verstand ist so beschaffen, dass ihm nichts genügt und deshalb ist er ständig auf der Suche nach mehr. Wenn wir uns mit dem Verstand identifizieren, langweilen wir uns sehr schnell und werden ruhelos. Langeweile bedeutet, dass der Verstand nach mehr Anreizen verlangt, nach gedanklicher Nahrung und dass dieser Hunger nicht gestillt wird. Wenn wir uns langweilen, können wir unseren geistigen Hunger stillen, indem wir eine Zeitschrift lesen, telefonieren, den Fernseher einschalten, im Internet surfen, einen Einkaufsbummel machen oder - und dass ist nichts Ungewöhnliches - indem wir das mentale Hungergefühl und das Verlangen nach mehr auf den Körper übertragen und vorübergehend dadurch befriedigen, dass wir mehr Nahrung zu uns nehmen.

Wir können aber auch gelangweilt und ruhelos bleiben und beobachten, wie es ist, gelangweilt und ruhelos zu sein. Sobald wir diese Gefühle bewusst wahrnehmen, sind sie plötzlich von Raum und Stille umgeben, zuerst nur ein wenig, aber in dem Maße wie unser Empfinden für den inneren Raum wächst, lassen Intensität und Bedeutung der Langeweile nach. Selbst die Langeweile kann uns also lehren, wer wir sind und wer nicht. Wir entdecken, dass wir nicht mit der gelangweilten Person identisch sind. Langeweile ist lediglich ein konditioniertes Verlangen in unserem Innern und wir sind auch keineswegs erfüllt von Langeweile. Langeweile ist nichts, das uns wirklich eigen wäre.

Langer Rede kurzer Sinn: Es ist grundsätzlich unmöglich, den Kurs zuerst zu verstehen, in der Hoffnung dann die entsprechenden Erfahrungen zu machen, denn wirkliches Verstehen, im Sinne von Erkenntnis, passiert erst im Moment der Erfahrung. Die Praxis des Lernens mit dem Kurs ist lediglich ein Wiederholen von Hinweisen auf eine noch nicht erfahrene und damit noch nicht verstandene Wirklichkeit. Das "Lernen" des Kurses besteht in erster Linie in der Praxis der Wiederholungen und der Entwicklung von Bereitschaft und Vertrauen.

“Denke nicht, dass du irgend etwas verstehst, solange du nicht die Prüfung des vollkommenen Friedens bestehst, denn Frieden und Verstehen gehen Hand in Hand und können nie allein gefunden werden.”
(EKIW: Kapitel 14, XI. 12. 4.)

“Nur diejenigen, die begreifen, dass sie nicht wissen können, wenn die Wirkungen des Verstehens nicht bei ihnen sind, können überhaupt wirklich lernen. Dafür müssen sie Frieden wollen und nichts anderes. Jedes Mal, wenn du zu wissen glaubst, scheidet der Frieden von dir, weil du den LEHRER des Friedens verlassen hast. Jedes Mal, wenn dir vollauf klar wird, dass du nicht weißt, kehrt der Frieden wieder, denn du hast IHN dazu eingeladen, indem du das Ego zu SEINEN Gunsten aufgegeben hast.”
(EKIW: Kapitel 14, XI. 13. 1.-4.)

Der Kurs ist holistisch aufgebaut und beginnt gleich mit den schwierigsten Grundsätzen zu einem Zeitpunkt, zu dem wir noch nicht einmal wissen, was ein Wunder ist. Selbst Kurslehrer, die seit mehr als 30 Jahren auf Kurs sind, berichten, dass sie beim Lesen des Kurses immer wieder etwas Neues zu entdecken scheinen. Die Wahrheit jenseits der Worte offenbart sich uns immer je nach unserer Bereitschaft und unserem aktuellen Geisteszustand.

In Lektion 124 heißt es:
“Betrachte diese halbe Stunde als deine Gabe an GOTT, in der Gewissheit, dass SEINE Gegengabe ein Gefühl der Liebe sein wird, das du nicht verstehen kannst, eine Freude, die zu tief geht, als dass du sie erfassen könntest, ein Anblick, der zu heilig für den Anblick durch des Körpers Augen ist. Und dennoch kannst du sicher sein, dass du eines Tages, heute vielleicht, vielleicht auch morgen, verstehen und erfassen und auch sehen wirst.”

In Lektion 169 heißt es:
Es ist nicht nötig, weiter klarzustellen, was niemand in der Welt verstehen kann. Wenn die Offenbarung deines Einsseins kommt, dann wird sie erkannt und voll und ganz verstanden werden. Jetzt gibt es Arbeit zu verrichten, denn die, die in der Zeit sind, können von Dingen, die über sie hinausgehen, sprechen und auf Worte hören, die erklären, dass das, was noch geschehen wird, bereits vergangen ist.”

In der Einleitung zur sechsten Wiederholung heißt es:
“Wir wollen auch versuchen, bei dieser Wiederholung über alle Worte und besonderen Übungsformen hinauszugehen. Denn diesmal unternehmen wir den Versuch, mit einem schnelleren Schritt auf einem kürzeren Weg zu GOTTES Gelassenheit und Frieden zu gelangen. Wir schließen einfach unsere Augen, und dann vergessen wir alles, was wir zu wissen und zu verstehen glaubten. Denn so wird uns Freiheit von allem zuteil, was wir nicht wussten und nicht verstanden haben.

Unser wahres tief innerstes SELBST - das göttliche SEIN - ist uns jetzt zugänglich. Aber wir dürfen nicht versuchen, es mit dem Verstand zu erfassen, nicht versuchen es zu verstehen, denn wir können es nur erfahren, wenn der Verstand still ist. Wir werden es nie mit dem Intellekt begreifen können, aber wenn wir voll gegenwärtig sind und unsere Aufmerksamkeit ganz auf das Jetzt konzentrieren, können wir es fühlen.

Sich des göttlichen Seins wieder bewusst zu werden und in diesem Zustand fühlenden Erkennens zu verharren, bedeutet Erleuchtung. Das Wort Erleuchtung beschwört die Vorstellung einer übermenschlichen Großtat herauf und das Ego möchte, dass es so bleibt. Dabei bezeichnet das Wort einfach nur den natürlichen Zustand in dem wir uns eins mit GOTT fühlen. Das ist ein Zustand der Verbundenheit mit etwas Unermesslichem und Unzerstörbarem, mit etwas, das paradoxerweise wir selbst sind und das trotzdem viel größer ist als wir. Wir finden darin jenseits von Name und Form unser wahres Wesen.

Aus der Unfähigkeit diese Verbundenheit zu spüren, entsteht die Illusion, von unserem wahren SELBST und der Außenwelt getrennt zu sein. In diesem Fall nehmen wir uns bewusst oder unbewusst als isoliertes Fragment wahr. So entsteht Angst; innere und äußere Konflikte werden zur Normalität.

Das größte Hindernis für die Erfahrung dieser realen Verbundenheit mit GOTT ist die Identifikation mit dem Verstand, die privates Denken zwanghaft werden lässt. Nicht mit dem privaten Denken aufhören zu können, ist ein Verhängnis, aber wir sind uns dessen nicht bewusst, weil fast jeder darunter leidet, so dass es für normal gehalten wird. Der unaufhörliche Lärm des privaten Denkens verhindert jedoch, dass wir den Raum der inneren Stille finden, der von GOTT untrennbar ist.

Durch den Lärm des privaten Denkens entsteht auch das falsche, vom Verstand künstlich aufrecht erhaltene Selbst, das uns mit Angst und Leid überschattet. Die Identifikation mit dem Verstand schafft einen undurchdringlichen Schleier aus Konzepten, Begriffen, Vorstellungen, Werten, Urteilen und Definitionen, die jede wahre Beziehung blockiert. Dieser Gedankenschleier schiebt sich zwischen uns und unser SELBST, uns und unsere Mitmenschen, uns und GOTT. Dieser Gedankenschleier ist es, der die Illusion des Getrenntseins erzeugt, die Illusion, dass es uns und etwas völlig von uns getrenntes Anderes gibt. Dabei vergessen wir die grundlegende Tatsache, dass wir auf einer Ebene, jenseits der körperlichen Erscheinungen und getrennten Formen, eins sind mit allem, was ist.

Aussagen wie “Ich weiß, dass ich reiner Geist bin, aber …”, “Ich weiß, dass ich kein Körper bin, aber …” sind verrückt, denn wahres Wissen - im Sinne von Erkenntnis - kennt kein "aber". Wenn ich wirklich weiß, gibt es kein "aber", dann gibt es kein Problem mehr. Jedes "aber" ist Ausdruck von Nichtwissen.

Bei richtigem Gebrauch ist der Verstand ein hervorragendes Instrument, wird er jedoch falsch eingesetzt, kann er sich sehr zerstörerisch auswirken. Um genau zu sein, benutzen wir unseren Verstand eigentlich gar nicht falsch, wir benutzen ihn überhaupt nicht, sondern er benutzt uns! Das ist die Krankheit. Wir identifizieren uns mit unserem Verstand, das ist die Täuschung. Das Instrument hat die Herrschaft über uns gewonnen. Wir sind im Grunde - ohne es zu ahnen - besessen und halten jenen Teil, der von dir Besitz ergriffen hat, für uns selbst.

Die Freiheit beginnt mit der Erkenntnis, dass wir nicht dieser Teil sind, von dem wir besessen sind, der Denker privater Gedanken. Diese Einsicht versetzt uns in die Lage, den, der uns beherrscht, zu beobachten. In dem Augenblick, indem wir den Denker zu beobachten beginnen, wird eine höhere Bewusstseinsebene aktiviert. Wir erkennen den unendlich großen Intelligenzbereich jenseits des privaten Denkens. Wir erkennen auch, dass alles, was wirklich von Bedeutung ist, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Friede seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat. Wir beginnen zu erwachen.

In diesem Zusammenhang hat sich in der deutschen Übersetzung des Kurses ein Fehler eingeschlichen. Dort heißt es:

“Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.”
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)

Im englischen Original heißt es:

”The Second Coming is merely the return of sense.”
(ACIM, T-9.IV.9:4)

Richtig müsste es also heißen:

„Die Wiederkunft ist lediglich die Rückkehr des Sinns.“

Im heiligen Augenblick liegt der Schlüssel zur Befreiung, aber solange wir uns mit dem Verstand identifizieren, können wir den heiligen Augenblick nicht finden. Erleuchtung heißt über das private Denken hinauszugehen, im Zustand der Erleuchtung machen wir zwar bei Bedarf vom denkenden Verstand Gebrauch, aber viel zielgerichteter und effektiver als vorher, frei vom zwanghaften inneren Dialog, benutzen wir ihn vor allem für praktische Zwecke und im Inneren herrscht Stille.

Nachfolgend einige Beispiele für die Befreiung und Erleichterung, die sich einstellt, wenn es uns gelingt, uns für einen Moment von der Identifikation mit dem Verstand zu lösen und all unsere privaten Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, wenn wir also unseren Geist den Gedanken GOTTES für einen Augenblick lang nicht verleugnen lassen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass unsere privaten Gedanken, also dieser unaufhörliche Gedankenstrom, der in unserem Bewusstsein auftaucht, und der Gedanke GOTTES etwas grundlegend anderes sind. Der Gedanke GOTTES ist unser wahrer Seinszustand als reiner Geist, jenseits des Bewusstseins.

Mooji - „I Can't Find My Mind!“

Mooji - Laughing Buddha 3

Mooji - "Just Realized I`m A Fraud." "Laugh It Off."

Jesus erinnert uns im Kurs auch an Folgendes:
„Niemand glaubt, es habe wirklich eine Zeit gegeben, als er nichts von einem Körper wusste und sich die Welt niemals als wirklich hätte vorstellen können. Er hätte gleich gesehen, dass diese Ideen eine Illusion sind, zu lächerlich für irgend etwas anderes, als durch Lachen verscheucht zu werden. Wie ernst scheinen sie jetzt zu sein! Und niemand kann sich mehr erinnern, wann ihnen mit Lachen und Unglauben begegnet worden wäre. Wir können uns daran erinnern,wenn wir nur ihre Ursache direkt anschauen. Und wir werden Gründe zum Lachen sehen und keine Ursache zur Angst.“

Ursache und Wirkung

Eines Tages ging ein Junge zu Bett. Im Schlaf hatte er einen Traum. Er sah eine Gruppe finster dreinblickender Männer mit einem großen, kräftigen Kerl als Anführer, die ihn anstarrten. Heute Abend, wieder schaute der Junge auf die Uhr seines Smartphones, war es ungewöhnlich spät geworden, immer noch keine anderen Menschen in Sicht und das Ende dieser dunklen Gasse nicht zu erkennen. Er wurde unruhig. Er war nicht bloß spät dran, er befand sich in einer Gegend, die ihm nicht geheuer schien. Es war dunkel geworden, die letzte Straßenbahn hatte er verpasst, sein Smartphone fest in der Hand sah er sich um. Da kamen die großen Kerle näher, immer näher. Schließlich waren sie ihm so nah, dass er den Atem des Anführers spürte. Der Junge bebte vor Angst. Dann fragte er: “Was werdet ihr mir antun?” “Tja, mein Junge,” erwiderte der Anführer der Gang, “es ist dein Traum.”

“Du magst dich immer noch über Angst beklagen, fährst aber dessen ungeachtet beharrlich fort, dich in Angst zu versetzen. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass du mich nicht bitten kannst, dich von der Angst zu befreien. Ich weiß, dass sie nicht existiert, du aber weißt es nicht. Würde ich zwischen deine Gedanken und ihre Folgen treten, so würde ich in ein grundlegendes Gesetz von Ursache und Wirkung eingreifen, das grundlegendste aller Gesetze. Ich würde dir kaum helfen, wenn ich die Macht deines eigenen Denkens herabsetzte. Das stünde in völligem Gegensatz zum Zweck dieses Kurses. Es ist viel hilfreicher, dich daran zu erinnern, dass du deine Gedanken nicht sorgfältig genug hütest.
[...]
Es wurde schon gesagt, dass du glaubst, du könnest die Angst nicht kontrollieren, weil du sie selbst gemacht hast, und dein Glaube an sie scheint sie deiner Kontrolle zu entziehen. Doch jeder Versuch, den Irrtum dadurch aufzulösen, dass du versuchst, die Angst zu meistern, ist nutzlos. Tatsächlich wird die Macht der Angst durch ebendie Annahme bekräftigt, sie müsse gemeistert werden. Die wahre Lösung beruht voll und ganz auf Meisterung durch Liebe. In der Zwischenzeit ist allerdings ein Gefühl des Konflikts unvermeidlich, da du dich selbst in eine Lage gebracht hast, in der du an die Macht dessen glaubst, was nicht existiert.”
(EKIW: Kapitel 2, VII.)

Ursache und Wirkung sind im Denksystem des Ego ganz wichtig, weil unser ganzes Lernen darauf ausgerichtet war, die Beziehung zwischen ihnen herzustellen. Und warum sollten wir etwa keinen Glauben an das haben, was wir uns selbst so eifrig zu glauben beigebracht haben?

Aber was ist so toll an Illusionen? Das Tolle an Illusionen ist, dass sie nicht wahr sind. Und weil sie nicht wahr sind, zerplatzen sie in dem einen Moment, in dem wir nicht mehr wollen, dass sie wahr sind. Illusionen begleiten uns so lange - und die Macht haben wir wirklich - so lange, wie wir sie wahr machen wollen. GOTT hat alle Kräfte des Himmels in Bewegung gesetzt, damit wir den Weg zurückfinden, damit wir Erleuchtung erlangen, damit wir das Himmelreich erlangen. An GOTT liegt's nicht und die Erleuchtung per se ist auch überhaupt nicht schwer, das Ding ist einfach nur, dass wir während wir behaupten GOTT zu lieben, während wir behaupten hingebungsvoll zu üben und wirklich nach Hause zu wollen, stehen wir heimlich - häufig ohne es selber zu merken - unterm Tisch mit beiden Füßen auf der Bremse und tun alles um unser eigenes Lernen zu behindern, alles um Illusionen wahr zu machen. Wie wir das machen, das wollen wir uns jetzt genauer anschauen.

Wir sehen hier Symbole, wir haben tausende und abertausende von Symbolen gemacht und ihnen eine Bedeutung gegeben. Wir haben sie voneinander getrennt und eine riesige Welt von Symbolen geschaffen, die in irgendeiner Weise auf uns einzuwirken scheinen - und nichts davon ist wahr. Unser gesamtes Karma, das, von dem wir wirklich glauben, dass wir von der Vergangenheit geprägt wurden, das, von dem wir glauben, dass es in dieser Welt auf uns wirkt, kann mit einem einzigen Gedanken seine Macht über uns vollständig verlieren.

Der Heilige Geist kommt ja nur, um uns wirklich ein besseres Angebot zu machen. Der Heilige Geist sagt nicht, gib alles auf und lebe von nun an in Enthaltsamkeit und Freudlosigkeit, sondern der Heilige Geist sagt, hey, ich habe hier was richtig Gutes, was richtig Schönes, ich habe hier was Wundervolles für dich, schau es dir mal an, hab mal den Mut es dir anzuschauen und dann kannst du dir wirklich überlegen, ob du hier nicht was viel Besseres gefunden hast. Nur keinen Stress, niemand nimmt dir deinen freien Willen. Es gibt hier ganz sicher nichts zu fürchten, GOTT liebt dich und dein freier Wille ist dir auf ewig gegeben, es ist alles gut und es darf auch ein ganz sanftes Erwachen sein, aber schau hin, schau hin, was ich dir anzubieten habe.

Um dahin schauen zu können, es ist sehr hilfreich, wenn wir für einen kleinen Moment wollen, dass die Wahrheit wahr ist und um das zu wollen, wollen wir uns für einen Moment anschauen, woher die Angst überhaupt kommt, denn letztlich ist es ja die Angst die wir beschützen.

In den Träumen dieser Welt werden Ursache und Wirkung ausgetauscht, denn hier glaubt der Macher seines Traums, dass das, was er gemacht hat, ihm geschieht.

Wir glauben also, in einer Welt zu sein, die auf uns wirkt. Wir glauben an ein Außen, das auf uns wirkt. Warum wirkt es? Weil wir allen Dingen die Bedeutung einer Wirkung gegeben haben - und zwar wirklich allen Dingen. Wir sehen keine neutralen Dinge, genauso wenig wie wir neutrale Gedanken haben. Jeder Geruch, jeder Geschmack, jedes Geräusch, jeder Blick, jedes Wort, jede Idee, jeder Gedanke wirkt auf uns und nicht, weil das so ist - nein - das ist alles eine Illusion, sondern weil wir wollen, dass es so ist. Warum wollen wir, dass es so ist? Weil wir uns hier ein paar Kleinigkeiten ausgesucht haben, die uns erfreuen können: Der Sonnenschein, ein Stück unberührte Natur, eine Umarmung, freundliche Worte, …

Alle Illusionen ruhen auf dem wunderlichen Glauben, dass wir ein eigenes Selbstbild für uns machen können. Unsere selbstgemachten Rollen wechseln, und sie scheinen vom Trauernden zur ekstatischen Seligkeit der Liebe und des Liebens überzugehen. Wir können lachen oder weinen, den Tag willkommen heißen oder mit Tränen begrüßen. Unser Sein selbst scheint sich zu verändern, während wir tausend Stimmungswechsel erleben, und unsere Gefühle heben uns gar hoch oder schmettern uns in Hoffnungslosigkeit zu Boden.

Wir wollen auch, dass der Ersatz für die Liebe, den das Ego gemacht hat, wahr sei. Die Folge davon ist, dass wir uns umso verletzlicher fühlen, je mehr wir zu lieben scheinen. Der Tod eines über alles geliebten Kindes kann uns in einen tiefen Abgrund von völliger Sinnlosigkeit stürzen. Was ist das für eine Welt, die wir da wahrnehmen? Wer ist der Macher dieser grausamen Welt?

Wonach wir verlangen, das werden wir sehen.
Das ist das wirkliche Gesetz von Ursache und Wirkung,
so wie es sich in der Welt auswirkt.

Wir müssen nichts davon aufgeben, wir dürfen uns nur anschauen, dass das hier eine ganz-oder-gar-nicht Geschichte ist. Wenn wir wollen, dass die Welt auf uns wirkt, dann wird sie ganz und gar auf uns wirken. Wenn wir uns für einen Moment davon befreien wollen, dann dürfen wir uns für diesen Moment ganz und gar davon befreien lassen. Nur so können wir erkennen, was wir uns durch unser Festhalten an den partiellen Freuden dieser Welt verwehren, nämlich den Frieden GOTTES.

Wir erhalten die scheinbare Wirkung dieser Welt aufrecht wegen der Umarmungen, wegen der freundlichen Worte, wegen des guten Essens, wegen des Kaffees, wegen des kühlen Wassers und wegen des Dufts, der in der Luft liegt, wenn Frühling ist. Wir erhalten all dies aufrecht, weil wir verliebt sind in unsere Idee des Guten, die wir hier in dieser Welt erzeugen. Doch das ist in der Tat ein Traum, der natürlich alles Scheußliche, was wir genauso gemacht haben, beinhaltet, ein Traum von Dualität, ein Traum in dem wir das eine nicht ohne das andere haben können und vor allem ein Traum in dem wir nicht gemacht haben, was uns wann passiert.

Solange wir wollen, dass uns hier etwas Lust bereitet, aus dem sogenannten Außen, so lange werden wir Angst haben. Je stärker wir wollen, dass etwas auf uns wirkt, desto mehr Angst lassen wir in unseren Geist. Ein Espresso beispielsweise soll nur ein bisschen auf uns wirken, dadurch lassen wir uns nur ein bisschen Angst ein. Mit den Dingen, denen wir eine große Wirkung zusprechen, lassen wir wesentlich mehr Angst in unseren Geist ein.

Wenn wir beispielsweise Worten eine Wirkung auf uns geben, also wenn wir glauben, Worte können uns verletzen, dann werden wir Angst vor bestimmten Wörtern haben, dann fühlen wir uns von bestimmten Worten getriggert. Wer oder was glauben wir zu sein, dass Schallwellen, die unser Trommelfell leicht in Schwingung versetzen, uns verletzen können? Dieser Frage lohnt es sich, intensiv nachzuspüren und nach innen zu gehen: Wer glaube ich zu sein, dass Worte mich verletzen können?

Wenn wir an die problemlösende Wirkung von aufputschenden oder dämpfenden Drogen glauben, dann öffnen wir uns für sehr viel Angst. Der Einsatz von Psychedelika, sogenannter Pflanzenmedizin, ganz generell der Einsatz von Magie, kann allerdings in bestimmten Situationen und in einem spirituellen Kontext auch hilfreich sein. Es hängt vom Zweck der Anwendung ab.

Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Am Beispiel Psychedelika zeigt sich, wie der HEILIGE GEIST alles zum Zweck der Erlösung verwenden kann, was das Ego geschaffen hat. Der spirituelle Weg ist eine Reise ins Unbekannte und erfordert Mut. Das Gleiche gilt für den Gebrauch von Psychedelika. Es bedeutet, die Illusion von persönlicher Kontrolle aufzugeben und sich etwas Höherem und Unbekannten hinzugeben, egal ob wir das nun Quantenfeld, höheres Selbst oder Gott nennen.

Das Ego verwechselt grundsätzlich Ursache und Wirkung. Dem Gedankensystem des Egos entsprechend erscheint es daher so, als würden Psychedelika das Bewusstsein verändern. Doch nur der Geist ist ursächlich. Pflanzen können das Bewusstsein nicht verändern, denn das Bewusstsein ist eine Projektion des Geistes. Das Bewusstsein ist die Domäne des Egos. Die Pflanzenmedizin verändert nicht das Bewusstsein, sondern die Anwendung der Pflanzenmedizin spiegelt die Veränderung im Geist im Bewusstseins wider. Es ist die entsprechende Geisteshaltung die Wirkung hat. Wir sehen daran, wie entscheidend die Veränderung unseres Gedankensystems ist.

Noch allgemeiner ausgedrückt bedeutet dies: Der Geist projiziert eine Welt, die scheinbaren Naturgesetzen genügt, um den Eindruck von Realität zu erwecken, doch die Naturgesetze sind, wie die Welt an sich, nicht die Ursache sondern die Wirkung.

Und jetzt geht's los, denn jetzt kommt Jesus und der Heilige Geist und sagen uns: Ich weiß, du hast dir ein paar ganz tolle Sachen ausgedacht, aber lass die mal nur für einen Moment los. Lass mal nur für den Moment die Idee, dass in dieser Welt irgendetwas auf dich wirkt, los, nur für einen kleinen Augenblick, du kannst gleich alles zurück haben. Und jetzt sag dir mal, dass GOTT nur Liebe ist, dass all deine Freuden im Himmel vertausendfacht werden, gib mal für diesen Moment deine komplette Vergangenheit her, schenk sie mal kurz für einen Moment her und nimm den Namen GOTTES an, den Namen dieser unglaublich wundervollen Liebe, nimm ihn an und erkenne, dass es nirgendwo jemals etwas anderes gegeben hat. Nirgendwo hat jemals etwas anderes existiert als GOTTES Liebe und das ist das Angebot. Gleich kannst du deine Angst und deine partielle Freude zurück haben - nur keinen Stress - der glückliche Schüler hat ein leichtes Herz. Nimm nur für einen Moment die totale Freude an. Lass den Namen GOTTES in deinem Geist aufsteigen, die Erinnerung an die Unendlichkeit und daran, dass nichts, was sich zu haben lohnt, jemals von dir getrennt war, weil bereits alles in dir ist. Es ist wirklich alles in dir, glaub nicht, dass dir ein kleineres Angebot gemacht wird. GOTT eröffnet dir alles, was du jemals wirklich wolltest.

Wir wollen uns erinnern, dass wir GOTTES Sohn sind. ER könnte nie eine solche Instabilität erschaffen, wie wir es getan haben und sie Sohn nennen. ER, der unwandelbar ist, teilt seine Eigenschaften mit seiner Schöpfung.

Demut

Von unserem Ego aus können wir nichts tun, um uns selbst oder andere zu erlösen, von unserem reinen Geist aus jedoch können wir für die Erlösung beider alles tun. Demut ist eine Lektion für das Ego, nicht für den reinen Geist. Der reine Geist ist jenseits der Demut, weil er seine Wirklichkeit erkennt. Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen, weil ihr Ego demütig ist, und das verleiht ihnen eine wahrere Wahrnehmung.

“Als SOHN GOTTES bin ich das Licht der Welt.” ist lediglich eine Aussage der Wahrheit über uns selbst. Sie ist das Gegenteil einer Aussage, die auf Stolz, Arroganz oder Selbsttäuschung beruht. Sie beschreibt nicht das egoische Selbstbild, das wir gemacht haben. Sie bezieht sich auf uns, so wie wir von GOTT erschaffen wurden. Sie stellt einfach die Wahrheit fest.

Für das Ego ist dieser Gedanke allerdings der Inbegriff der Selbstverherrlichung. Aber das Ego versteht Demut nicht, da es sie mit Selbsterniedrigung verwechselt. Demut besteht darin, unsere Rolle in der Schöpfung zu akzeptieren und keine andere zu übernehmen. Es ist keine Demut, darauf zu beharren, dass wir nicht das Licht der Welt sein können, wenn das die Funktion ist, die GOTT uns zugewiesen hat. Nur Arroganz würde behaupten, dass diese Funktion nicht für uns bestimmt sein kann, und Arroganz ist immer vom Ego.

Wahre Demut erfordert, dass wir unsere SOHNSCHAFT akzeptieren. Das ist ein erster Schritt, um unsere wirkliche Funktion auf Erden zu akzeptieren. Es ist jedoch noch ein gewaltiger Schritt darauf hin, unseren rechtmäßigen Platz in der Erlösung einzunehmen. Es ist eine ausdrückliche Erklärung unseres Anrechts auf Erlösung und die Anerkennung der Macht, die uns gegeben wurde, um andere zu erlösen.

Dieser Gedanke geht weit über die unbedeutenden Ansichten hinaus, die das Ego darüber hat, was wir sind und was unser Sinn und Zweck ist. Für uns als Bringer der Erlösung ist es notwendig, uns an unseren wahren Zweck zu erinnern. Das ist der erste einer Anzahl von gewaltigen Schritten, die wir noch unternehmen werden. Dies ist der Beginn unserer Nachfolge Jesu Christi.

Das einzige, was von uns verlangt wird, ist, unseren Teil in aufrichtiger Demut anzunehmen und nicht mit selbst betrügerischer Arroganz zu verleugnen, dass wir würdig sind. Was uns zu tun gegeben ist, das zu tun haben wir die Stärke.

Meditation

Meditation bezeichnet Geistesübungen, die in fast allen spirituellen Traditionen seit Jahrtausenden überliefert sind und seit dem 20. Jahrhundert zunehmend auch in der westlichen Welt in säkularer Weise praktiziert werden. Auch Jesus hat seine Apostel vor zweitausend Jahren eingeladen und lädt uns heute in Ein Kurs in Wundern zu kurzen Meditationen ein. Doch Meditation steht beim spirituellen Weg, den Jesus lehrt, nicht im Vordergrund, denn Meditation allein ist zu wenig.

Solange Meditation lediglich dazu dient uns von den Gedanken aus dem Gedankensystem des Egos abzuwenden, um für einen begrenzten Zeitraum Ruhe zu finden, ist nicht viel erreicht. Solange unser Geist nicht berichtigt ist, ist nach der Meditation wieder alles beim Alten. Es ist sogar häufig so, dass die Identifikation mit dem Meditierenden die Ego-Identifikation noch verstärkt, statt davon zu befreien.

Die große Ego-Falle bei jeder Art von spiritueller Praxis, sei es Meditation, Niederwerfungen oder Yoga, besteht darin, dass wir sie benutzen, um uns spiritueller zu fühlen als andere Menschen, dass wir sie benutzen, um uns überlegen zu fühlen, dass wir sie benutzen, um uns einsam zu fühlen, weil wir denken, dass andere Menschen nicht denken, was wir denken, dass sie nicht wollen, was wir wollen, dass sie nicht fühlen, was wir fühlen, dass sie nicht verstehen, was wir verstehen.

Ein wichtiger Hinweis, dessen eindeutiger Bezug zur Meditation nur in der Original Edition des Kurses zum Ausdruck kommt, ist folgender:

“Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist schwach in dir. Deshalb musst du SIE mit andern teilen. SIE muss stärker gemacht werden, bevor du SIE hören kannst. Du kannst SIE unmöglich in dir hören, solange SIE in deinem Geist so schwach ist. Von SICH aus ist SIE nicht schwach, aber SIE wird durch deinen Unwillen begrenzt, SIE zu hören. Wenn du den Fehler begehst, den HEILIGEN GEIST nur in dir zu suchen, dann werden deine Gedanken [Original Edition: Meditationen] dir Angst einflößen, weil du - indem du den Standpunkt des Ego einnimmst - eine Reise, die dem Ego fremd ist, mit dem Ego als Führer unternimmst. Das muss unweigerlich Angst erzeugen.”
(EKIW: Kapitel 5, III. 4.)

Das Buch “Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte: Erkenntnisse aus meinem Leben als buddhistischer Mönch” von Björn Natthiko Lindeblad zeigt auf erschütternde Weise, wie das Ego am sogenannten spirituellen Weg agiert. Wenn nämlich ein spiritueller Weg allein als Weg des persönlichen Wachstums verstanden wird, ohne durchgängige Führung durch den HEILIGEN GEIST und ohne GOTT als Ziel, dann ist er zum Scheitern verurteilt, dann führen selbst 17 Jahre Meditation als Waldmönch im Dschungel Thailands in die Depression.

Auch Ramana Maharshi hat seine Schüler immer wieder darauf hingewiesen, dass die zeitweilige Gedankenstille in der Meditation, genannt Manolaya, nicht die Befreiung ist. Manolaya ist Konzentration, ein zeitweiliges Anhalten der Gedankenbewegung. Sobald die Konzentration nachlässt, stürmen wieder alte und neue Gedanken auf uns ein. Selbst wenn dieses Einschläfern des Geistes tausend Jahre dauern sollte, würde es doch niemals zur völligen Vernichtung der Gedanken, zur Befreiung von Geburt und Tod führen. Viele spirituell Suchende verstehen meist den Unterschied zwischen dieser zeitweiligen Geisterstille (Manolaya) und der völligen Vernichtung der Gedanken (Manonasa) nicht. Deshalb müssen wir unseren spirituellen Fortschritt sorgfältig beobachten und dürfen nicht zulassen, dass wir dem Zauber der Gedankenstille erliegen. Sobald wir es bemerken, müssen wir unser Bewusstsein beleben und im Inneren erforschen, wer diese Gedankenstille erfährt. Während wir das Eindringen von Gedanken nicht zulassen, dürfen wir zugleich auch nicht zulassen, dass uns dieser Tiefschlaf (Yoga Nidra), diese Selbsthypnose überkommt. Obwohl sie einen Fortschritt markiert, ist es auch der Punkt, an dem sich der Weg der Erlösung von dem des Yoga-Nidra scheidet. Der Übende muss deshalb stets auf der Hut sein und im Innern ergründen, wer diese Erfahrung macht und sie als angenehm empfindet. Tut er das nicht, fällt er in eine lange Trance oder in einen Tiefschlaf (Yoga-Nidra). Schon viele sind an diesem Punkt in die Irre gegangen und wurden Opfer dieses falschen Verständnisses von Befreiung. Der 2001 gedrehte Film "Samsara - Geist und Leidenschaft" des Regisseurs Pan Nalin setzt sich auf wunderbare Weise mit diesem Thema auseinander.

Ramana Maharshi verweist auch auf Folgendes: „Der andere Weg ist, das Ego zu töten, indem man sich völlig dem Herrn unterwirft, seine Hilflosigkeit erkennt und immerzu sagt: ‚Nicht ich, sondern Du, oh Herr!’, jeden Gedanken an ‚ich’ und ‚mein’ aufgibt und es völlig dem Herrn überlässt, was er mit einem tun mag. Die Hingabe ist nicht vollständig, solange der Verehrer dieses und jenes von dem Herrn will. Wahre Hingabe ist die Gottesliebe um der Liebe willen und um nichts anderes, nicht einmal um Erlösung zu erlangen.“ (zitiert in Devaraja Mudaliar: Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi. S. 218). An anderer Stelle heißt es: „Weihe Ihm all deine Taten, wie immer du Ihn auch nennen magst. Bewahre Ihn immerwährend im Hintergrund. Dann wird das Empfinden ‚Ich bin der Handelnde’ wegfallen und dafür das Empfinden ‚Ich bin das Instrument des Herrn’ an seine Stelle treten.“ (Ramana Maharshi 2007: 28).

Ein indischer Meister sagte einmal zu seinem Schüler Yogananda: “Du gehst oft in einen Zustand tiefen Schweigens ein. Hast du aber schon Anubhava erlangt?” Mit diesen Worten wollte er seinem Schüler Yogananda andeuten, dass er Gott mehr lieben sollte als die Meditation. "Verwechsle nie die Technik mit dem Ziel”, fügte er hinzu.

Ein Kurs in Wundern lehrt uns, dass es extrem schwierig ist, Erlösung zu erreichen, indem man gegen Sünde kämpft. Auch ein Leben der Kontemplation und langen Phasen der Meditation, die auf Loslösung vom Körper abzielen, sind nicht notwendig. Alle diese Versuche werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind die Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind alle auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen. Der Weg mit dem Kurs ist ein anderer, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit zu sparen. Wir sparen Zeit, weil wir mit unserem Bruder zusammen sind, vereint im einzig wahren Zweck - der Erlösung aus der Illusion der Trennung

Wenn der Frieden endlich zu denen kommt, die mit der Versuchung ringen und dagegen kämpfen, der Sünde nachzugeben; wenn das Licht schließlich in den Geist kommt, der sich der Kontemplation hingibt; oder wenn das Ziel schließlich von irgend jemandem erreicht wird, dann geht es stets mit nur der einen glücklichen Einsicht einher: „Ich brauche nichts zu tun.“ Dies ist letztlich die Befreiung, die ein jeder eines Tages auf seine Weise und zu seiner Zeit finden wird.

Nicht tun

Kapitel 18 Abschnitt VII trägt die berühmte Überschrift “Ich brauche nichts zu tun”. Was meint Jesus damit?

Jesus verweist damit auf jenen Geisteszustand, den wir auch im Daoismus unter dem Begriff Wu wei finden. Dieser Geisteszustand wird definiert als Nichthandeln im Sinne von Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns. Die Rückkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen natürlich und spontan erfolgen. Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao (GOTT) entstehen. Dadurch wird das Notwendige leicht und mühelos getan und sowohl Übereifer als auch blinder Aktionismus vermieden. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten lässt. Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre somit „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“. Aus dieser Haltung des Geschehenlassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Wehrlosigkeit als natürliche Folge.

“Irgend etwas tun bezieht den Körper ein. Wenn du begreifst, dass du nichts zu tun brauchst, hast du den Wert des Körpers aus deinem Geist abgezogen. Hier ist die schnelle, offene Tür, durch die du an Jahrhunderten der Anstrengung vorbeischlüpfst und der Zeit entrinnst. Das ist der Weg, auf dem die Sünde jetzt gleich jede Anziehungskraft verliert. Denn hier wird die Zeit geleugnet, und Vergangenheit und Zukunft sind nicht mehr da. Wer nichts zu tun braucht, der braucht keine Zeit. Nichts tun heißt ruhen und einen Ort in dir schaffen, an dem die Aktivität des Körpers aufhört, Aufmerksamkeit von dir zu fordern. An diesen Ort kommt der HEILIGE GEIST, und dort weilt ER. ER bleibt auch dort, wenn du vergisst und wenn die Aktivitäten des Körpers wiederkehren, um dein Bewusstsein zu besetzen.

Doch wird es diesen Ort der Ruhe immer geben, zu dem du wiederkehren kannst. Du wirst dir dieser ruhigen Mitte im Sturm stärker bewusst sein als seiner ganzen tobenden Aktivität. Diese ruhige Mitte, in der du nichts tust, wird bei dir bleiben und dir mitten in jedem geschäftigen Tun, in das du ausgesandt wirst, Ruhe geben. Denn von dieser Mitte aus wirst du angeleitet werden, wie du den Körper ohne Sünde nutzen kannst. Und diese Mitte, in welcher der Körper abwesend ist, wird ihn in deinem Gewahrsein von ihm sündenlos bewahren.”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 7.&8.)

Wehrlosigkeit

Unser schlafender Geist ist stets auf der Hut vor allem, was er als Herabsetzung unseres Selbstbildes empfindet. In diesem Fall springen automatisch Abwehrmechanismen an, um die mentale Form unseres Selbstbildes wieder herzustellen. Wenn uns jemand tadelt oder kritisiert, empfinden wir dies als persönliche Kränkung und versuchen unser angeschlagenes Selbstwertgefühl sofort durch Rechtfertigung, Verteidigung oder Schuldzuweisungen wieder zu reparieren. Ob die andere Person recht hat oder nicht, ist in diesem Fall irrelevant. Wir sind viel stärker an der Erhaltung unseres Selbstbildes interessiert als an der Wahrheit. Damit wird für den Erhalt der psychologischen Form unseres Ichs gesorgt - des Konzepts des Selbst. Sogar etwas so Normales wie zurückzubrüllen, wenn uns ein Autofahrer im Verkehr einen Idioten nennt, ist eine automatische, unbewusste Reaktion zur Wiederherstellung unseres Selbstbildes. Einer der häufigsten Abwehrmechanismen des Egos ist Wut, die eine kurzzeitige aber ungeheure Aufblähung unseres Selbstbildes bewirkt. Für das Ego haben alle Abwehrmechanismen ihren Sinn, obwohl sie im Grunde zu seiner Gestörtheit beitragen. Am deutlichsten gesteigert wird die Gestörtheit durch physische Gewalt und Selbsttäuschung in Form von überspannten Fantasien, also durch die Überzeugung, jemand ganz besonderer zu sein.

Was wir da verteidigen ist eine lächerliche Parodie auf GOTTES Schöpfung. Wir versuchen mit großem Aufwand, ganz "wir selbst" zu sein, also ein ganz besonderes Selbstbild am Leben zu erhalten. Dies geschieht meist völlig unbewusst, wir glauben, tatsächlich unser Selbstbild zu sein. Es ist unsere Version von uns selbst: ein Selbst, in viele Teile aufgespalten, die sich bekriegen, von GOTT getrennt, mit dem Körper gleichgesetzt und damit gefangen im Glauben an den Tod. Wir glauben irgendwie besonders zu “sein”, sei es nun, im Recht, attraktiv, hilfreich, erfolgreich, anders, besser, loyal, glücklich, stark oder zufrieden zu sein. Wenn dieses Selbstbild gefährdet zu sein scheint, wenn uns scheinbar ein anderer Mensch in eine Situation bringt, in der wir unser Selbstbild nicht mehr aufrechterhalten können, verteidigen wir es und projizieren unsere Angst und unsere Schuldgefühle nach außen. Wir verurteilen dann unser Gegenüber oder eine sonstige externe Macht, indem wir ihr die Schuld geben an unseren unangenehmen Gefühlen.

Eine kraftvolle spirituelle Übung besteht darin, die Herabsetzung unseres Selbstbildes zuzulassen, wenn sie geschieht, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Wenn uns zum Beispiel jemand kritisiert, tadelt oder beschimpft, tun wir einfach gar nichts, statt sofort all unsere Abwehrmechanismen zu mobilisieren und auf Rache zu sinnen. Wenn wir zulassen, dass unser Selbstbild schrumpft, und wir darauf achten, wie sich das in unseren tiefsten Innersten anfühlt, dann merken wir meist folgendes. Ein paar Sekunden lang wird es uns unangenehm sein, so als wären wir kleiner geworden. Dann aber spüren wir eine innere Weite, die wir lebhaft empfinden. Wir sind überhaupt nicht kleiner geworden. In Wahrheit haben wir uns ausgedehnt! Jetzt machen wir vielleicht eine erstaunliche Entdeckung: Wenn wir in irgendeiner Weise herabgesetzt werden und absolut nicht darauf reagieren - nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich -, geht uns auf, dass nichts Wirkliches davon berührt wurde und wir eigentlich durch das "Erniedrigtwerden" gewachsen sind. Sobald wir die Form das Selbstbilds, nicht mehr verteidigen oder zu stärken versuchen, lösen wir uns von der Identifikation mit dieser Form, dem mentalen Selbstbild. Indem wir weniger werden - aus egoischer Sicht -, dehnen wir uns in Wahrheit aus und schaffen einen Raum, in dem das SEIN erscheinen kann. Dann kann unsere wahre Kraft, das, was wir jenseits der Form sind, durch die scheinbar geschwächte Form hindurchleuchten. Das meinte Jesus als er schon vor zweitausend Jahren sagte, man sollte "sich selbst verleugnen" oder "auch die andere Backe darbieten".

Im Kurs lehrt uns Jesus in Lektion 135 "Wenn ich mich verteidige, werde ich angegriffen." Wer würde sich verteidigen, wenn er nicht denken würde, dass er angegriffen wird, dass der Angriff wirklich ist und dass seine Verteidigung ihn retten kann? Und hierin liegt die Verrücktheit der Verteidigung: Sie gibt den Illusionen Wirklichkeit und versucht dann, mit ihnen umzugehen, als wären sie wirklich. Sie häuft Illusionen auf Illusionen und macht so die Berichtigung doppelt schwierig. Das ist genau das, was wir tun, wenn wir versuchen, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach unseren Wünschen zu organisieren. Ein geheilter Geist plant nicht. Er führt die Pläne aus, die er erhält, indem er auf die WEISHEIT hört, die nicht die seine ist.

In Kapitel 12, III. 4. heißt es außerdem: „Erkenne, was nicht von Belang ist, und wenn deine Brüder dich um etwas »Ungeheuerliches« [Anm.: etwas, dass das Ego als Zumutung empfindet] bitten, so tu es, weil es nicht von Belang ist. Lehne es ab, und deine Ablehnung beweist, dass es für dich von Belang ist. Nur du bist es demnach, der die Bitte ungeheuerlich gemacht hat - und jede Bitte eines Bruders ist für dich. Warum möchtest du darauf beharren, sie ihm zu verweigern? Denn das heißt, dich selbst zu verleugnen und euch beide arm zu machen. Er bittet um Erlösung, ebenso wie du. Armut ist vom Ego und niemals von GOTT. Keine »ungeheuerlichen« Bitten können an den gerichtet werden, der begreift, was wertvoll ist, und der nichts anderes akzeptieren will.“

Wir verteidigen unseren Körper, und doch ist es nicht der Körper, der Angst haben kann oder ein Ding der Angst ist. Er hat keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Er braucht keine komplizierten Verteidigungsstrukturen, keine gesundheitsfördernde Medizin, keine Pflege und überhaupt keine Sorge. Wenn wir sein Leben verteidigen oder versuchen ihn schön zu machen, oder Mauern errichten, um ihn sicher zu machen, sagen wir damit nichts anderes, als dass unser Zuhause vergänglich, verweslich, zerfallend und äußerst unsicher ist. Wenn wir unseren Körper verteidigen, greifen wir unseren Geist an. Ein angegriffener und daher kranker Geist macht auch den Körper krank.

Hinter jedem von uns als Verteidigung getarnten Angriff verbirgt sich der Glaube an Besonderheit: “Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als dich. Glaube wird in dich allein investiert. Alles andere wird zu deinem Feind, der gefürchtet wird und angegriffen, der tödlich und gefährlich ist, gehasst und nur der Zerstörung würdig. Ganz gleich, welche Sanftheit sie anbietet, sie ist nur Täuschung, ihr Hass jedoch ist wirklich. Da sie Gefahr läuft, zerstört zu werden, muss sie töten, und du wirst zu ihr hingezogen, um sie zuerst zu töten. Und dergestalt ist die Anziehungskraft der Schuld.” (EKIW: Kapitel 24, IV. 1. 1.-6.)

Diese für das Ego-Denksystem typische Geisteshaltung vom “zuerst töten” findet sich auch im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, wo es heißt: "Wenn jemand kommt, um dich zu töten, erhebe dich und töte ihn zuerst." Dies geht weit über das moderne juristische Konzept der Selbstverteidigung hinaus und beschreibt das genaue Gegenteil von dem, was Jesus gelehrt und vorgelebt hat. Seine Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung sind das leuchtendste Beispiel für wahre Wehrlosigkeit.

Ein vom Ego beherrschter Verstand könnte nun einwenden, dass Jesus doch angegriffen wurde. Dieser Eindruck entsteht, wenn wir die Welt allein mit den Augen des Körpers betrachten, aber die geistige Schau von Jesus sah keinen Angriff. Jesus erlebte seine Kreuzigung nicht als Angriff auf ihn, weil er sich seiner wahren IDENTITÄT als Sohn Gottes bewusst war und diese nicht angegriffen werden kann.

In Kapitel 14, III. Heißt es:
„Die Freude zu lernen, dass die Finsternis keine Macht über den SOHN GOTTES hat, ist die glückliche Lektion, die der HEILIGE GEIST lehrt und von der ER möchte, dass du sie mit IHM lehrst. Es ist SEINE Freude, sie zu lehren, wie es die deine sein wird. Die Art und Weise, diese einfache Lektion zu lehren, ist einfach die: Schuldlosigkeit ist Unverletzlichkeit. Mach deshalb deine Unverletzlichkeit für jeden manifest. Lehre ihn - was immer er dir anzutun versucht -, dass dein vollkommenes Freisein von der Überzeugung, dir könne geschadet werden, IHM zeigt, dass er schuldlos ist. Er kann nichts tun, was dich verletzen kann, und dadurch, dass du IHM verwehrst zu denken, er könne es, lehrst du ihn, dass die SÜHNE, die du für dich selber angenommen hast, auch seine ist. Es gibt nichts zu vergeben. Niemand kann den GOTTESSOHN verletzen. Seine Schuld ist ohne Ursache und kann, da sie ohne Ursache ist, nicht existieren.“

Im Kurs nennt Jesus daher Wehrlosigkeit als eine der Eigenschaften der Lehrer GOTTES. GOTTES Lehrer haben gelernt, einfach zu sein. Sie haben keine Träume, die der Abwehr gegen die Wahrheit bedürfen. Sie versuchen nicht, sich selbst zu machen. Ihre Freude kommt von ihrem Verständnis dessen, WER sie erschaffen hat. Niemand kann ein fortgeschrittener Lehrer GOTTES werden, bis er nicht voll und ganz versteht, dass Abwehrmechanismen nur die törichten Wächter verrückter Illusionen sind. Je grotesker der Traum, desto grimmiger und machtvoller scheinen seine Abwehrmechanismen zu sein. Doch wenn der Lehrer GOTTES endlich zustimmt, hinter sie zu sehen, stellt er fest, dass dort nichts war. Zuerst lässt er sich die Täuschung nur langsam nehmen. Doch er lernt schneller, wenn sich sein Vertrauen mehrt. Was kommt, wenn Abwehrmechanismen niedergelegt werden, ist nicht Gefahr. Es ist Sicherheit. Es ist Frieden. Es ist Freude. Und es ist GOTT.

Eine Übung:

Wir stellen uns vor, wir sind mitten in der Nacht auf dem Heimweg und gehen allein durch eine dunkle Gasse in einem verruchten Viertel der Stadt. Plötzlich kommt uns eine Gruppe schwerer Jungs entgegen, die es offensichtlich auf uns abgesehen hat. Sie wollen unser Smartphone und unser Geld und hoffen nur auf eine Reaktion, die sie als Einladung zum Verprügeln interpretieren können.

Wir kennen die üblichen Reaktionen darauf, unser schlafender Geist ist darauf konditioniert. Tauchen wir nun ganz in diese Situation ein und nehmen wir all die Angst und auch den Hass auf diese Typen in uns wahr. Aber dann gehen wir mit unserer Aufmerksamkeit tiefer und bitten den Heiligen Geist um Unterstützung, uns mit unserer Wirklichkeit zu verbinden und dann könnte - ohne dass wir auch nur im Geringsten darüber nachdenken - das Folgende geschehen:

Anstatt zu fliehen oder in Abwehrhaltung zu erstarren, gehen wir mit einem breiten Lächeln auf die Kerle zu und beginnen, unser Smartphone, unsere Brieftasche und all die anderen Wertsachen abzulegen und ihnen mit den Worten "Ihr könnt alles von mir haben." zu überreichen. Dann beginnen wir ganz langsam, uns zu entkleiden. Wir reichen ihnen ein Kleidungsstück nach dem anderen, schauen ihnen in die Augen und sagen: "Bruder, das kannst du haben, ich schenke es dir."

In diesem heiligen Augenblick wird sich die Welt verändern und wir werden gemeinsam einen Augenblick der Heilung erleben. In diesem Augenblick übernimmt eine höhere Macht als unser persönliches Selbst die Führung, dann tritt Lektion 137 “Wenn ich geheilt bin, bin ich nicht allein geheilt.” in Kraft. Danach gehen wir entweder nackt oder angezogen oder vielleicht sogar mit unseren Wertsachen, aber auf jeden Fall glücklich mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach Hause. Möglicherweise werden wir sogar durch die nächtlichen Straßen tanzen mit einem Lied auf unseren Lippen: „Dancing in the Street. Oh it doesn't matter what you wear. Just as long as you are there. There'll be laughing, singing and music swinging. Dancing in the street.“

Es geht jetzt nicht darum, ein bestimmtes Verhalten zu trainieren, sondern unsere innere Einstellung zu unseren Mitmenschen zu ändern. Wenn wir in den schweren Jungs Mitmenschen sehen, die gesehen werden wollen, und wenn wir ihren Ruf nach Liebe erkennen, dann werden wir ganz anders reagieren, als wenn wir Angst um unseren Körper und unsere materiellen Besitztümer haben.

Wenn wir unsere Gedanken über die Welt ändern, verändern wir die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern. Von uns braucht zuerst einmal die Bereitschaft. Bereitschaft ist der Anfang der zu Zuversicht führt, auf unserem Weg der Meisterung durch die Liebe und damit dem Ende der Angst.

Körper

Was gibt es nicht alles für körperliche Freuden: kraftvolle, freie Bewegung, eine warme Dusche, Kuscheln oder sexuelle Ekstase. Aber was für ein Spielverderber ist Jesus, wenn er uns im Kurs auf die Belanglosigkeit des Körpers hinweist? Lektion 199 lautet "Ich bin kein Körper. Ich bin frei." Lektion 270 lautet "Ich will des Körpers Augen heute nicht verwenden." Lektion 294 lautet "Mein Körper ist ein ganz und gar neutrales Ding." Was will Jesus mit all diesen Lektionen sagen?

Gehen wir der Sache auf den Grund. Welche Bedürfnisse befriedigen wir mit all den angenehmen körperlichen Erlebnissen? Wir wollen frei sein, wir wollen uns geborgen fühlen, wir wollen Nähe, Freude, Euphorie, Ekstase, Glückseligkeit. Was Jesus uns sagt, ist ganz einfach: Der Körper ist immer das kleinere Angebot und GOTT ist immer das größere Angebot! Das heißt, was immer wir hier in der Welt wertschätzen, was uns beglückt, welche Lust wir auch immer aus der Welt ziehen, haben wir den Mut herauszufinden, dass GOTT das bessere Angebot ist. Dafür brauchen wir nichts in dieser Welt und an unserem Verhalten zu ändern - gar nichts. Darum geht's überhaupt nicht. Worum es geht, ist, dass wir viel mehr verdient haben als wir uns selbst zugestehen. Wir verlangen nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. Die Freuden, die wir hier als groß empfinden, sind so winzig klein im Vergleich zu dem Angebot, dass GOTT uns macht, im Vergleich zu dem Angebot, das der HIMMEL ist.

Wir können uns darin üben, uns jedes Mal, wenn wir eine scheinbar angenehme körperliche Erfahrung machen, daran zu erinnern, dass der Körper ein völlig neutrales Ding ist. Dann bleibt nur die Schlussfolgerung, dass all die wunderbaren Gefühle, die wir empfinden, wir sind, dass sie aus unserem Geist kommen. Und wenn schon ein fehlgeleiteter Körper-Gedanke so etwas vermag, dann überlegen wir doch mal, ob wir nicht herausfinden wollen, was GOTT uns anzubieten hat.

Wir sagen einfach: Hey, Vater, ich will mich in dir bewegen, in deinem Licht duschen, ich will in dir Ekstase erleben, ich will mit dir verschmelzen, ich will, dass DEINE LIEBE durch mich in die Welt strömt und dann warten wir ab, was passiert. Wir öffnen uns für das, was geschieht und sind voller Vertrauen, dass GOTT wirklich das bessere Angebot ist. Und wie, wenn nicht so, wollen wir erkennen, wirklich erkennen, dass der Körper ein völlig neutrales Ding ist, wenn wir spüren, dass im Geist wirklich kein Bedürfnis unerfüllt bleibt, dass die geistigen Freuden wirklich alles in den Schatten stellen, was die Welt zu bieten hat.

Die Neutralität des Körpers erkennen wir immer mehr dadurch, dass wir immer wieder feststellen, dass es der Geist ist, der wirkt - immer! Das ist das größte Abenteuer, denn wir können uns nicht vorstellen, wie mächtig unser Geist ist und welcher Segen uns in den geistigen Erfahrungen erwartet. Wir dürfen nicht glauben, dass wir die Bewegung des Körpers, die warme Dusche und die körperliche Nähe opfern müssen, aber wenn wir merken, dass wir hier an der physischen Welt hängen, dann freuen wir uns, dass wir es merken und vielleicht wollen wir anfangen zu erfahren, wie GOTTES Angebot aussieht, für Freiheit, für Intimität, für wirkliche Lust, für Geborgenheit, für Aufgehobensein, für Frieden, Freude und Liebe.

“Deine verzerrten Wahrnehmungen erzeugen eine dichte Decke über Wunderimpulsen und erschweren es ihnen, dein eigenes Bewusstsein zu erreichen. Die Verwechslung von Wunderimpulsen mit körperlichen Impulsen ist eine gewichtige Wahrnehmungsverzerrung. Körperliche Impulse sind fehlgeleitete Wunderimpulse. Jede wirkliche Lust rührt daher, den WILLEN GOTTES zu tun. Das liegt daran, dass ihn nicht zu tun eine Verleugnung des SELBST ist. SELBSTverleugnung führt zu Illusionen, während die Berichtigung des Irrtums die Befreiung davon mit sich bringt. Täusche dich nicht selbst, indem du dich glauben machst, du könntest friedlich mittels irgend etwas Äußerem eine Beziehung zu GOTT oder zu deinen Brüdern haben.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 1.)

Gerade die Dinge, von denen wir Angst haben, dass wir sie verlieren, wenn wir sie nicht mehr körperlich wahrnehmen, gerade die können wir zum Heiligen Geist bringen, gerade die können wir uns im Geist zeigen lassen, was ist das geistige Angebot, die geistige Alternative, wie wird dieses Bedürfnis im HIMMEL gestillt. Und dann nehmen wir uns vielleicht die Zeit, das zu erfahren. So wird die Neutralität des Körpers selbst einfach neutral, nicht gut, nicht schlecht, kein Angriff, kein Schutz, sondern einfach.

GOTT ist reine Liebe und Einheit. ER hat kein Bewusstsein von Trennung; daher kann ER nicht in die Dualität kommen. Die Welt der Dualität ist das illusorische Versteck für den schlafenden Geist, der glaubt, sich von GOTT getrennt zu haben. Zu diesem Geist sagt das Ego: "Sei zufrieden mit dem Körper, und die Welt ist dein neues Zuhause. Wir werden alles wiederherstellen, was du in der Einheit zu haben schienst. Wir werden eine neue Art von Liebe mit Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Freiheit mit der Bewegung von Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Glück mit Sinnesfreuden erschaffen, die den Platz deines Heims im Himmel einnehmen wird. Und Gott kann nicht hereinkommen und dich hier finden, du wirst deine Privatsphäre haben und du kannst alles tun, was du willst." Daher ist der Körper für das Ego von so zentraler Bedeutung.

“Das Ego kann den HEILIGEN GEIST nicht hören, aber es glaubt in der Tat, dass ein Teil des Geistes, der es gemacht hat, gegen es ist. Das deutet es als Rechtfertigung dafür, dass es seinen Macher angreift. Es glaubt, die beste Verteidigung sei der Angriff, und will, dass du das glaubst. Solange du das nicht glaubst, wirst du dich nicht mit ihm verbünden, und das Ego hat Verbündete dringend nötig, wenn auch keine Brüder. Da das Ego in deinem Geist etwas ihm Fremdes wahrnimmt, wendet es sich an den Körper als seinen Verbündeten, weil der Körper nicht Teil von dir ist. Das macht den Körper zum Freund des Ego. Es ist ein Bündnis, das ganz unverhohlen auf Trennung beruht. Wenn du dich auf die Seite dieses Bündnisses schlägst, wirst du dich fürchten, weil du dich auf die Seite eines Angstbündnisses stellst.”
(EKIW: Kapitel 6, IV. 4.)

Eine Hauptquelle für den unausgeglichenen Zustand des Ego ist sein Unvermögen, zwischen dem Körper und den GEDANKEN GOTTES zu unterscheiden. GOTTES GEDANKEN sind für das Ego nicht annehmbar, weil sie deutlich auf die Nichtexistenz des Ego selbst hinweisen. Jedes Denksystem, das GOTT mit dem Körper verwechselt, muss wahnsinnig sein. Angst aber vor dem Körper, mit dem das Ego sich so stark identifiziert, ergibt überhaupt keinen Sinn.

Der Körper ist die Wohnstatt des Ego durch seine eigene Wahl. Der Körper ist der Tempel des Egos. Dies ist die einzige Identifikation, bei der das Ego sich sicher fühlt, weil die Verletzlichkeit des Körpers sein bestes Argument dafür ist, dass wir nicht von GOTT sein können. Das ist die Überzeugung, die das Ego eifrig fördert. Dem Geist - dem das Ego sagt, dass er eigentlich ein Teil des Körpers und dass der Körper sein Beschützer ist - wird ebenfalls gesagt, der Körper könne ihn nicht schützen. Deshalb fragt der Geist: „Wohin kann ich mich um Schutz wenden?“, worauf das Ego antwortet: „Wende dich an mich.“ Der Geist erinnert das Ego nicht grundlos daran, dass es selbst darauf bestanden hat, mit dem Körper identifiziert zu werden, weshalb es keinen Sinn ergibt, sich um Schutz an es zu wenden. Das Ego hat darauf keine wirkliche Antwort, weil es keine gibt, aber es hat dennoch eine Lösung, die für es typisch ist. Es löscht die Frage aus dem Bewusstsein des Geistes aus. Wenn man sein Imperium auf einer Lüge aufgebaut hat, lautet das oberste Gesetz: Vergiss die Lüge.

Jesus Botschaft in Ein Kurs in Wundern ist eindeutig und klar: "Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese. Dies sind die Zeugen, die hervorgerufen werden, damit man ihnen Glauben schenke und sie dem System, für das sie sprechen und das sie vertreten, Überzeugungskraft verleihen. Und jeder hat viele Stimmen, die in verschiedenen Sprachen zu dir und deinem Bruder sprechen. Und dennoch ist die Botschaft für beide dieselbe. Schmücken des Körpers sucht zu zeigen, wie schön die Zeugen für die Schuld sind. Sorgen um den Körper zeigen auf, wie gebrechlich und verletzlich dein Leben ist und wie leicht das zerstört wird, was du liebst. Depression redet vom Tod und von der Eitelkeit einer wirklichen Sorge um überhaupt irgendetwas."

Im Kurs heißt es weiters: "Vergiss nicht, dass das Ego den Körper dem Ziel der Sünde hingegeben hat und seinen ganzen Glauben in ihn setzt, dass dies erreichbar ist. Seine traurigen Jünger singen ohne Unterlass ein Loblied auf den Körper, während sie feierlich des Ego Herrschaft zelebrieren."

Das Ego benutzt den Körper für:
  • Angriff
  • Lust (im engl. Original: pleasure = Vergnügen, Genuss)
  • Stolz
Die Tatsache, dass Stolz und Angriff durch das Ego motiviert sind, ist noch relativ leicht zu verstehen und zu akzeptieren, aber wenn es um die Frage der Lust, d. h. des körperlichen Vergnügens, geht, wird es schwierig. Wir leben in einer Zeit, in der dem körperlichen Vergnügen viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Körperliches Vergnügen wird praktisch mit einem lebenswerten Leben gleichgesetzt. Was wir nicht in das Thema Essen und Trinken investieren, an Raum, Zeit und Aufmerksamkeit. Wir haben es auch zu einer Geschichte des persönlichen Images gemacht. Wir identifizieren uns mit unseren Kochkünsten, präsentieren uns mit ihnen in Form von Food-Blogging und sind stolz auf unsere Expertise bei alkoholischen Getränken.

Auch die Inszenierung von sexuellem Vergnügen erlebt derzeit einen nie dagewesenen Höhepunkt in Bezug auf ihre Verbreitung in allen Bevölkerungsschichten. Die Konditionierung unserer Zeit besteht darin, extrovertiert zu sein, uns also nach außen zu orientieren, auch sexuell. Dies zeigt sich auch im "zur Schau stellen" der Genitalien. Die nahezu vorgeschriebene Mode, alle Schamhaare zu entfernen, dient als Reiz und als "Sensation". Die Intimrasur ist ein seltsamer, verdrehter Trend, der unsere sexuelle Unreife zeigt. Erwachsene versuchen, die Unreife von Kindern zu imitieren, um sexuelle Signale auszusenden.

Daran ist nichts falsch im moralischen Sinne, es sind lediglich Erfahrungen, die alle letztendlich zur Wahrheit führen. Gerade die immer beliebter werdenden BDSM-Erfahrungen, also kontrollierte Lust, die weh tut, lassen uns erkennen, dass Lust und Schmerz dasselbe sind. Sie sind außerdem ein wunderbares Symbol für die Verwechslung von Freude und Schmerz, der das Ego unterliegt, und seinem ständigen Versuch, seine Welt zu kontrollieren.

Das Ego wechselt vom Schmerz zu Lust und wieder hin zum Schmerz. Lust und Schmerz sind dasselbe, weil sie den gleichen Zweck teilen. Sie überbringen eine Botschaft nur: »Du bist hier in diesem Körper, und du bist verletzlich. Du kannst Lust auch haben, aber nur zum Preis des Schmerzes.« Lust und Schmerz sind gleich unwirklich, weil ihr Zweck nicht erreicht werden kann. So sind sie denn Mittel für nichts, denn sie haben ein Ziel ohne Bedeutung. Und sie teilen die Bedeutungslosigkeit ihres Zweckes.

“Der HEILIGE GEIST wird dich nur so führen, dass Schmerz vermieden wird. Sicher hätte niemand etwas gegen dieses Ziel einzuwenden, wenn er es begreifen würde. Das Problem liegt nicht darin, ob das, was der HEILIGE GEIST sagt, wahr ist, sondern ob du hören willst, was ER sagt. Du begreifst ebenso wenig, was schmerzhaft ist, wie du erkennst, was Freude bereitet, und neigst in der Tat sehr dazu, beides zu verwechseln. Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, dich zu lehren, sie zu unterscheiden. Was dir Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange du Zweifel darüber hegst, was du bist, wirst du Freude und Schmerz verwechseln. Diese Verwechslung ist die Ursache der ganzen Idee des Opferns. Gehorche dem HEILIGEN GEIST, und du wirst das Ego aufgeben. Dabei wirst du aber nichts opfern. Im Gegenteil, du wirst alles gewinnen. Wenn du das glaubtest, gäbe es keinen Konflikt.”
(EKIW: Kapitel 7, X. 3.)

Der erste Schritt ist es nun mal, zu erkennen, dass all die körperliche Befriedigung uns nicht wirklich befriedigt. Wir können uns ehrlich folgende Fragen stellen: Hat mich körperliche Befriedigung wirklich jemals dauerhaft befriedigt? Oder ist nicht gerade diese Triebkraft der unerfüllten körperlichen Wünsche, mein Gefängnis? Ist meine Suche nach körperlicher Befriedigung im Hamsterrad der Illusionen nicht auf Dauer ermüdend? Ist meine Gefangenschaft im körperlichen Verlangen wirklich mein freier Wille? Welche Stimme in meinem Inneren ist das, die mir von diesem Körper, der von Anfang an auf die Verwesung zusteuert, Befriedigung verspricht?

Die vom Ego erfundenen Begriffe "körperliche Liebe" und "körperliche Vereinigung" sind eine Lüge, denn Körper sind grundsätzlich nicht fähig zu lieben und Körper sind grundsätzlich nicht in der Lage sich zu vereinen, sie sind immer getrennt, wie nah sie sich auch sein mögen. Der Körper ist eine Grenze. Der Körper ist materialisierte Trennung.

“Sex ist nicht das Problem, sondern die Zeit in der du ihn nicht hast.”, sagte Jesus einmal als Antwort auf eine konkrete Frage zum Thema Sex. Sex nimmt so wenig Zeit in Anspruch, warum also die ganze Aufregung darum. Wir haben noch so viel Zeit, um uns ganz auf die Wahrheit zu konzentrieren. Wir müssen nicht nur durch alle neun weltlichen Höllen gehen, sondern auch durch all das, was die Welt den siebten Himmel nennt. Erst dann können wir erkennen, dass diese Welt uns nicht das wahre Glück bringt, nach der wir uns in der Tiefe unseres Herzens sehnen. Erst wenn wir erkennen, dass ein Orgasmus nur ein Pappenstiel ist, gegen die Offenbarung der Liebe GOTTES, sind wir überhaupt erst in der Lage, eine echte Entscheidung für GOTT zu treffen.

Es geht aber nicht um einen Kampf gegen das sexuelle Verlangen, fast zweitausend Jahre Christentum haben gezeigt, dass es so nicht funktioniert. Der Kern von allen Dingen, die die Welt als Süchte bezeichnet, ist Kontrolle. Etwas einer unsichtbaren Macht zu überlassen - nennen wir es das Quantenfeld, unser höheres Selbst oder Gott - ist hingegen ein Vertrauensvorschuss, der uns hilft, den Versuch loszulassen, die Ergebnisse zu kontrollieren. Wie wir uns vorstellen können, führt der Verzicht auf den Versuch, das Verhalten zu kontrollieren, zu einem ganz anderen Fokus.

Darum geht es auch im Tantra in seiner ursprünglichen Bedeutung, um die Vereinigung der dualen Pole von männlich und weiblich zur Einheit des Geistes. Modernes Tantra, wie es im Westen gelehrt wird, dient meist nur dazu, die Dualität von männlich und weiblich zu betonen und aus dem Spiel dieser beiden Pole so viel Lust wie möglich zu ziehen.

Am spirituellen Weg geht es darum, uns ganz auf die Begegnung mit einem Bruder im Geiste einzulassen - um uns an unser Einssein zu erinnern. Das bedeutet, alle Masken, alle Selbstbilder, alle Rüstungen abzulegen und augenblicklich all unser technisches Wissen über Sex zu vergessen. Ein erster Schritt kann sein, uns von der Idee des Orgasmuss zu verabschieden und zur Idee des Orgasdarf überzugehen. Sehen wir uns selbst in dem anderen als vollkommen befriedigt durch unser gemeinsames zusammen SEIN. Ein bedingungsloses JA zum Bruder ist ein JA zu Gott.

Es gibt kein körperliches Verlangen nach Sex. Der Körper hat keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Jegliches Verlangen entstammt dem Geist. Sex in einer liebenden Beziehung, die dem HEILIGEN GEIST gewidmet ist und vom HEILIGEN GEIST geleitet wird, ist in diesem Sinne ein Akt der Zuneigung und wird so lange sein, bis der Geist so sehr in der Absicht geeint ist, dass es kein Verlangen nach irgendeiner Form gibt. Wenn diese Wunschlosigkeit eintritt, geschieht wahrhaftig das Wunder der Versöhnung, und CHRISTUS erfüllt sich in der göttlichen LIEBE, in der Erkenntnis GOTTES. Das Wunder der Versöhnung transzendiert oder löst die Anziehung zur Schuld im schlafenden Geist auf.

Sex allein zum Zweck des Vergnügens und der sinnlichen Befriedigung ist eine Ego-Motivation, die versucht, die Realität des Körpers zu verstärken, und dies beinhaltet immer die Illusion von Schuld. Im Kurs spricht Jesus über die Anziehungskraft von Schmerz und Vergnügen, was die Anziehungskraft des Körpers und der Welt mit einschließt - wenn man sich also im Erwachen vertieft, verflüchtigt sich das Verlangen nach allem, was in dieser Welt ist, und Freude strahlt von innen heraus! Alle scheinbaren Bedürfnisse oder Mängel sind in der göttlichen LIEBE verschwunden.

Wenn wir mit dem Kurs üben und uns in Lektion 211 sagen, “Ich bin kein Körper. Ich bin frei. Denn ich bin nach wie vor, wie GOTT mich schuf. Ich bin der heilige SOHN GOTTES SELBST.”, dann dient dies zuerst einmal dazu, uns unserer Gefangenschaft bewusst zu werden und zu erkennen, dass unser gegenwärtiger Zustand nicht der des heiligen SOHN GOTTES SELBST sein kann. Dies führt zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis: Ganz offensichtlich entscheiden wir uns gerade dazu, nicht der heilige SOHN GOTTES SELBST zu sein. Mit dieser Erkenntnis befreien wir uns aus der Opferrolle und erkennen unsere ungeheure Macht an, auch wenn wir sie im Moment noch gegen uns zu verwenden scheinen. Hätten wir uns nicht selbst verletzt, könnten wir niemals in irgendeiner Weise leiden, denn das ist nicht der WILLE GOTTES für SEINEN SOHN. Erlösung bedeutet, zu erkennen, dass der heilige SOHN GOTTES sich nicht selbst verletzen kann.

Der grundlegende Wunsch des Ego ist, GOTT zu ersetzen. Tatsächlich ist das Ego die physische Verkörperung dieses Wunsches. Denn dieser Wunsch ist es, der den Geist mit einem Körper zu umgeben scheint, der ihn getrennt hält und allein sein lässt sowie unfähig, einen anderen Geist anders als durch den Körper zu erreichen, der gemacht ward, um ihn einzusperren. Durch die Identifikation mit einem Körper verhindert das Ego die Entfaltung wahrer Kommunikation. Das Ego versucht mit allen Mitteln die von einem Körper auferlegten Begrenzungen aufrechtzuerhalten. Aber solange der Körper im Mittelpunkt unseres Selbstkonzeptes steht, greifen wir GOTTES Heilsplan an und hegen Groll gegen IHN und SEINE Schöpfung, um der Wahrheit STIMME nicht zu hören und sie nicht als FREUND willkommen zu heißen.

Jesus lehrt in EKIW folgendes:

Man kann unmöglich Vergnügen durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion des Vergnügen wird dasselbe sein wie Schmerz.

Ist das nicht unvermeidlich? Auf Befehl der Angst wird der Körper der Schuld nachgehen und dadurch seinem Herrn dienen, dessen Hingezogensein zur Schuld die gesamte Illusion seiner Existenz aufrechterhält. Das also ist die Anziehungskraft des Schmerzes. Von dieser Wahrnehmung beherrscht, wird der Körper zum Diener des Schmerzes, sucht ihn pflichtbewusst und gehorcht der Idee, dass Schmerz Vergnügen ist. Genau diese Idee liegt der gesamten riesigen Investition des Ego in den Körper zugrunde. Und genau diese wahnsinnige Beziehung hält es versteckt, während es sich davon nährt. Dich lehrt es, dass des Körpers Vergnügen Glück ist. Bei sich aber flüstert es: »Sie ist der Tod.«”

Die Identifikation mit dem Körper ist die Grundlage all der täglichen Angriffe und Kriege. Wer könnte ohne Körper angreifen und wer angegriffen werden? Wer könnte Sieger sein? Wer könnte Verlierer sein? Wer könnte Opfer sein? Und wer der Mörder? Der ganze Kampf zwischen Mann und Frau basiert auf der Identifikation mit dem Körper. Letztlich ist es die Idee von männlich und weiblich, aus dem dualistischen Gedankensystem des Egos, die auf der Ebene der Form als männlicher und weiblicher Körper zum Ausdruck kommt. In der Form gibt es nur Unterschiede, Gleichheit in der Form ist unmöglich - und davon lebt das Ego. Die gegenwärtig sehr populäre Idee einer vom Körper unabhängigen Geschlechtsidentität zeigt deutlich, dass das Geschlecht eine Idee im schlafenden Geist ist. Der Körper ist an sich die Projektion dieser Idee, aber ein fragmentierter und verwirrter Geist kann sich selbst darüber im Unklaren sein. Hinter dem Versuch, das biologische Geschlecht des Körpers den persönlichen Vorstellungen anzupassen, verbirgt sich die Hoffnung, den Konflikt auf die Ebene des Körpers begrenzen zu können, ohne sich mit dem Konflikt im Geist auseinandersetzen zu müssen.

Die Dualität von männlich und weiblich ist eine der zentralen Ego-Strategien, um uns von der Wahrheit abzulenken. Alle großen Religionen haben versucht, dem zu entkommen, indem sie Männer und Frauen getrennt haben, indem sie Klöster gegründet haben, jeweils nur für ein Geschlecht. Das hat nicht wirklich funktioniert, weil gerade diese Trennung wiederum nur die Dualität und damit die Trennung bestätigt. Trennung kann nicht durch Trennung überwunden werden. Da das Ego immer nur die Vergangenheit wiederholt, ist es nicht verwunderlich, dass auch in modernen spirituellen Kreisen immer wieder die Vorstellung von männlicher oder weiblicher Spiritualität auftaucht.

“Der Körper wurde nicht von der Liebe gemacht. Die Liebe aber verurteilt ihn nicht und kann ihn liebevoll verwenden, indem sie respektiert, was GOTTES SOHN gemacht hat, und es verwendet, um ihn von Illusionen zu erlösen.”
(EKIW: Kapitel 18, VI. 4. 6.&7.)

Der HEILIGE GEIST deutet den Körper nur als Kommunikationsmittel. Das Ego trennt durch den Körper. Der HEILIGE GEIST dehnt SICH durch ihn zu anderen aus. Wir nehmen unsere Brüder nicht wie der HEILIGE GEIST wahr, weil wir Körper nicht ausschließlich als Mittel betrachten, um Geister zu verbinden. Die richtige Deutung des Körpers verändert unser Denken über seinen Wert völlig. Von sich aus ist er wertlos. Im Dienste des Vereinens wird er zu einer wunderschönen Lektion in Kommunion, die so lange Wert hat, bis Kommunion ist. Wenn wir den Körper einzig und allein als Mittel zur Kommunikation in SEINEM Sinne verwenden, dann dient auch der Körper dem HEILIGEN GEIST. Der Tempel des HEILIGEN GEISTES ist aber kein Körper, sondern die heilige Beziehung. Doch sehen wir unseren Bruder als ein körperliches Wesen an, so sind seine Kraft und Herrlichkeit für uns „verloren“ und ebenso die unseren.

Offenbarung führt zu einer vollständigen, aber vorübergehenden Aufhebung von Zweifel und Angst. Sie repräsentiert die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen Gott und SEINEN Geschöpfen, wobei sie ein äußerst persönliches Gefühl der Nähe zur Schöpfung mit sich bringt, welches der Mensch versucht, in körperlichen Beziehungen zu finden. Doch körperliche Nähe kann dies nicht zustande bringen. Wunder hingegen vereinen Brüder und Schwestern unmittelbar miteinander. Wunder sind wahrhaft zwischenmenschlich und führen zu wirklicher Nähe zu anderen. Diese können von einem Ich-bezogenen Bewusstsein als Impulse zur körperlichen Befriedigung missverstanden werden. Körperliche Impulse sind jedoch fehlgeleitete Wunderimpulse.

Wenn wir unseren Bruder als Körper wahrnehmen, ist dies ein Ausdruck unseres kranken Geistes. Wenn wir darüber hinaus den körperlichen Gesundheitszustand eines Menschen als Maßstab für die Beurteilung seines Geisteszustandes nehmen, begehen wir einen Doppelfehler. Es ist offensichtlich, dass Menschen, deren Geist voller Angriffsgedanken ist, einen medizinisch gesunden Körper besitzen können und andererseits Menschen mit einem gesundheitlich beeinträchtigten Körper wahre Lichtgestalten sein können, wie beispielsweise Ramana Maharshi, weil sie ihren Körper für den einzig wahren Zweck einsetzen - als Kommunikationsmittel für die Stimme für GOTT.

Nur die fragmentierte Wahrnehmung des Ego-Geists sieht überhaupt kranke Körper. Die holistische Sicht des berichtigten Geistes, die Schau Christi, sieht nur Einheit, sieht GOTT in allem.

“Gesundheit ist innerer Frieden.”
(EKIW: Kapitel 2, I. 5. 11.)

Jesus verweist im Zusammenhang mit Krankheit auch auf Folgendes: "Eine der am schwierigsten zu erkennenden Versuchungen ist, eine Heilung anzuzweifeln, weil die Erscheinung von Symptomen andauert: Dies ist ein Fehler in Form von mangelndem Vertrauen."

In der Bibel steht: „Das WORT (oder der Gedanke) ward Fleisch.“ Das ist unmöglich. Das Denken kann nicht Fleisch werden, da das Denken nicht körperlich ist. Das Denken ist Kommunikation, und dafür kann der Körper verwendet werden. Das ist die einzige natürliche Verwendung, die IHM gegeben werden kann. Den Körper unnatürlich anzuwenden heißt, den Zweck des HEILIGEN GEISTES aus den Augen zu verlieren und damit das Ziel SEINES Lehrplans misszuverstehen.

In manchen Konzepten wird empfohlen, die Weisheit des Körpers zu entdecken. Wir müssen lernen, unserem Körper zu vertrauen und auf ihn zu lauschen, denn unser Körper weiß vieles und vergisst nicht, heißt es da. In der Logik dieser Vorstellung braucht es dann Körperarbeit, um seelische Konflikte zu lösen. Dies ist ein weiterer Ausdruck des Denksystems des Egos, das dem des reinen Geistes diametral entgegengesetzt ist. Ein weiteres Symbol des „Konflikts“ zwischen dem Ego und dem wahren SELBST. Der Ausweg aus dem Konflikt zwischen zwei entgegengesetzten Denksystemen ist eindeutig der, sich für das eine zu entscheiden und das andere aufzugeben.

Der Körper hat kein Wissen, der Körper hat keine Intelligenz, der Körper hat auch keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Der Körper an sich ist völlig neutral. Daher können wir den Körper sehr wohl als Mittel nutzen, um uns unbewusster Aspekte unseres Gedankensystems bewusst zu werden. Es lassen sich mithilfe des Körpers sowohl unterbewusste als auch überbewusste Informationen sichtbar machen, aber der Körper ist dabei immer nur das Mittel und nicht der Wissende. Der Körper ist ein Spiegel.

Zu versuchen eine Einheit von Körper, Geist und Seele herzustellen ist Wahnsinn. Geist und Körper können nicht beide existieren. Wir sollten daher nicht versuchen, die beiden zu versöhnen, denn jedes leugnet, dass das andere wirklich sein kann. Wenn wir ein Körper sind, dann ist unser Geist aus unserem Selbstkonzept verschwunden, weil er dann keinen Platz mehr hat, an dem er wirklich Teil von uns sein könnte. Sind wir reiner Geist, dann muss der Körper für unsere Wirklichkeit bedeutungslos sein.

“Der Körper stirbt ebenso wenig, wie er fühlen kann. Er tut nichts. Von sich aus ist er weder verweslich noch unverweslich. Er ist nichts. Er ist die Folge einer winzig kleinen Wahnidee der Verweslichkeit, die berichtigt werden kann.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. 5. 2.-6.)

Jede Nacht, wenn wir einen intensiven Traum haben, zeigt uns das, dass all die scheinbar körperlichen Erfahrungen nicht wirklich vom Körper erfahren werden. Selbst intensivste körperliche Erfahrungen lassen sich träumen, ohne dass der Körper daran beteiligt ist. Was braucht es mehr, als Beweis dafür, dass die Welt in unserem Bewusstsein stattfindet und wir auch im sogenannten Wachzustand nur träumen. Der Traum, den die Welt den Wachzustand nennt, ist nur etwas "physischer".

In Lektion 136 heißt es:
“Und du wirst aus dem Folgenden ersehen, dass du richtig geübt hast: Der Körper sollte gar nicht fühlen. Wenn du erfolgreich warst, dann wird keine Empfindung da sein, dich schlecht oder dich wohl zu fühlen, von Schmerz oder von Vergnügen. Im Geist ist überhaupt keine Reaktion auf das, was der Körper tut. Seine Nützlichkeit bleibt übrig, sonst nichts.”

Natürlich dauert es seine Zeit, bis unser gespaltener Geist in seinem Verlangen derart geeint ist, aber auf dem Weg dorthin ist es wichtig, das Ziel zu kennen und es nicht aus den Augen zu verlieren, sonst bewegen wir uns nur ewig im Kreis - im Teufelskreis um unser persönliches Selbst, dessen "Held" der Körper ist.

Krankheit

Aufgrund des falschen Verständnisses des Egos von der Ursache-Wirkung-Beziehung gibt es Heilungskonzepte wie Sand am Meer. Jeder, der von einer schweren Krankheit wie z.B. Krebs "geheilt" wurde, leitet daraus eine Methode ab und schreibt ein Buch darüber oder verkauft ein Heilungsset. Gerade Krebs ist eine beliebte Krankheit für die unterschiedlichsten Heilmethoden. Angeblich kann Krebs geheilt werden durch: Chemotherapie, Methadon, Antibiotika, heiße Bäder, Tee, Heilfasten, Scheinfasten, Dr.-Moerman-Diät, Vitamin B17 aus Aprikosenkernen, Ketogene Ernährung, zuckerfreie Ernährung, DNA-Origami, Immuntherapie, Mistelhochdosis und Mistelimpfung, Yoga, Laufen, „BG-Mun“, Chi-Heilung, Energie-Arbeit, usw. und natürlich ganz natürlich durch diverse Wunderheiler und Heilpraktiker. Dass diese Ursache-Wirkung-Beziehung nicht existiert, ist offensichtlich.

Nur der Geist ist ursächlich.

Das bedeutet nicht, dass wir persönlich für eine Krankheit verantwortlich sind, aber es bedeutet, dass die ganze Welt, einschließlich dessen, was die Welt Krankheit nennt, eine Projektion des Ego-Geistes ist, also eine Wirkung und nicht eine Ursache. Und es bedeutet, dass nicht ein körperlicher oder anderer äußerer Zustand unseren Geisteszustand bestimmt.

Wir sind nicht direkt verantwortlich für das Geschehen auf der Ebene der Form, aber wir sind voll und ganz verantwortlich für unseren Geisteszustand. Wenn unser Geist erleuchtet ist, nehmen wir keine Krankheit wahr, auch dann nicht, wenn die Welt etwas als Krankheit beurteilt.

Die heilende Wirkung jeder Therapieform hängt allein von dem Zweck ab, dem sie dient. Dieser Zweck wiederum hängt von der Metaphysik ab, auf deren Fundament sie ruht. Wenn die Grundannahmen falsch sind, kann keine Methode, egal welcher Art - auch wenn sie auf den Geist abzielt (Aufstellung, schamanische Reise, Psychotherapie, "geistiges" Heilen, persönliches Channeling, ...) - zu wirklicher Heilung führen. Alles hängt von der Grundannahme über unsere Identität ab. Doch egal wie falsch und verrückt unser Weltbild auch sein mag, sobald wir an die Wirkung einer Methode glauben, werden wir uns nach deren Anwendung besser fühlen. Diese Wahrnehmung, dieses für wahr nehmen einer scheinbaren Heilung ist extrem irreführend.

Die meisten Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, punktuell mit den unterschiedlichsten Heilungsansätzen eine "Lösung" für ihre Probleme zu suchen und diese auch scheinbar kurzfristig zu finden, ohne dass sich in ihrem Leben etwas grundlegend ändert. Doch diese Menschen sind nicht wirklich geheilt und so wird das nächste Problem nicht lange auf sich warten lassen. Jede therapeutische Methode, die die Heilung des Körpers zum Ziel hat, auch wenn es sich um eine geistige Methode handelt, dient nicht dem einzig wahren Zweck - der Erlösung von der Illusion der Trennung - und kann daher nicht zu wahrer Heilung führen. Solange der Körper das Ziel ist, bedeutet dies eine Bestätigung der Illusion der Trennung.

Was die Welt als therapeutisch wahrnimmt, ist nur etwas, was den Körper "besser" macht. Es handelt sich dabei lediglich um einen armseligen Tausch eines Traums von Krankheit gegen einen „schöneren“ Traum von Gesundheit. Wenn die Welt versucht, den Geist zu heilen, dann sieht sie diesen nicht getrennt vom Körper, in dem der Geist, so denkt sie, existiert. Ihre Formen der Heilung müssen daher Illusion durch Illusion ersetzen. Der Glaube des Patienten an die Krankheit nimmt eine andere Form an, und so betrachtet er sich nunmehr als gesund. Doch er ist nicht geheilt, denn er ist nicht aus dem Traum erwacht, und deshalb bleibt sein Geist genauso, wie er vorher war. Er sah das Licht nicht, das ihn wecken und den Traum beenden würde. Welchen Unterschied macht der Inhalt eines Traumes in Wirklichkeit? Entweder schläft man, oder man ist wach. Dazwischen gibt es nichts.

100% ist einfach, 99% ist unmöglich.

Ob ein Mensch einen Splitter im Fuß hat, an den Folgen eines Unfalls leidet, Krebs oder Aids hat, ist nicht von Belang, denn es gibt keine Hierarchie der Illusionen und Krankheit hat nichts mit dem Körper zu tun. Der schlichte Glaube, ein Körper zu sein, ist die Geisteskrankheit, unter der wir alle leiden, ganz gleich, ob unser Körper normal und gesund ist und perfekt funktioniert oder kurz vor dem Zusammenbrechen ist. Und doch ist es oft gerade das, was die Welt als Krankheit bezeichnet, das uns zwingt, tiefer zu gehen und unser bisheriges Leben in Frage zu stellen.

Es geht bei Heilung nie um die Heilung des Körpers. Es geht nicht um einen armseligen Tausch eines Traums von Krankheit gegen einen „schöneren“ Traum von Gesundheit, sondern darum, aus dem Traum zu erwachen. Es geht um die Heilung des schlafenden Geistes. Heilung ergibt sich daraus, dass der Körper einzig und allein zur Kommunikation eingesetzt wird. Da das natürlich ist, heilt es dadurch, dass es ganz macht, was auch natürlich ist. Jeder Geist ist ganz, und der Glaube, ein Teil davon sei physisch oder nicht Geist, ist eine fragmentierte oder krankhafte Deutung.

"Wann immer du versuchst, ein Ziel zu erreichen, bei welchem die Verbesserung des Körpers zum Hauptnutznießer wird, versuchst du, deinen Tod herbeizuführen. Dann glaubst du nämlich, dass du Mangel leiden kannst, und Mangel ist Tod."
(EKIW: Kapitel 29, VII. 4. 1.&2.)

Ein Kommunikationsmittel verliert seine Nützlichkeit, wenn es für etwas anderes verwendet wird und dies muss zwangsläufig Krankheit fördern. Alle Formen von Krankheit, sogar bis zum Tod hin, sind körperliche Äußerungen der Angst vor dem Erwachen. Sie sind ein Versuch, den Schlaf aus Angst vor dem Erwachen zu verstärken. Das ist ein kläglicher Versuch, nicht zu sehen, indem man die Sehfähigkeiten unwirksam macht. „Ruhe in Frieden“ ist ein Segen für die Lebenden, nicht für die Toten, weil Ruhe vom Wachsein kommt, nicht vom Schlafen. Schlaf ist Rückzug; Wachsein ist Verbindung. Heilung geht mit einem Verständnis dessen einher, wofür die Illusion der Krankheit da ist. Heilung ist ohne dies unmöglich.

Wenn unser Selbstbild so erschüttert wird, dass in unserem Geist ein für uns unlösbar erscheinender Konflikt entsteht, entscheiden wir uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden, in der Hoffnung, den Konflikt auf die Ebene des Körpers begrenzen zu können, ohne uns mit unserem Konflikt im Geist auseinandersetzen zu müssen. Aber auch das darf nicht als persönliches Versagen beurteilt werden, denn der Glaube an die Person ist die eigentliche Krankheit. Nichts in der Welt ist ursächlich, das Drehbuch ist geschrieben, daher kann das Geschehen nur im Zusammenhang mit dem Ego-Denksystem und dem Glauben an Krankheit an sich verstanden werden. Die Welt wurde vom Ego als Abwehr gegen die Wahrheit gemacht, und die Vorstellung von körperlicher Krankheit ist ein Aspekt davon. Es ist der Geist, der krank ist, wenn er glaubt, dass der Körper krank sein könnte.

Wann immer es Krankheit zu geben scheint, können wir das als Geschenk sehen, das uns signalisiert, dass es einen Konflikt in unserem Geist gibt. Wir können also dem Körper dafür danken, dass er ein so klarer Zeuge für unseren Geisteszustand ist. Wenn spirituelles Erwachen unser Ziel ist und wir uns SEINER Führung unterstellen, dann ist alles und so auch eine Krankheit hilfreich auf unserem Weg, aber wir sollten die Krankheit auch nicht verklären und uns nicht mit ihr identifizieren. Krankheit ist eine Abwehr gegen die Wahrheit. Wie alle Abwehrmechanismen ist sie eine wahnsinnige Einrichtung zur Selbsttäuschung. Wenn Krankheit da ist, glauben wir immer noch, wir bräuchten Schmerz für unsere Heilung, wir glauben immer noch, die Heilung liege in der Zukunft. Alles was passiert ist, was wir glauben, dass es unser Wille ist. Wir müssen erkennen, dass das überhaupt keinen Sinn ergibt, was wir glauben, ganz im Gegenteil, es ist Wahnsinn zu glauben, uns wehtun zu müssen. Das kann nicht unser wahrer Wille sein, unser wahrer Wille ist der WILLE GOTTES und GOTTES WILLE für uns ist vollkommenes Glück. Wenn wir erkennen, dass Schuld und Krankheit, Schmerz, Unglück und alles Leiden keinen Zweck haben, sind sie vergangen.

Im Zusammenhang mit Krankheit taucht immer wieder die Schuldfrage auf und in diesem Zusammenhang häufig auch die Frage: Sind Kinder für ihre Krankheit verantwortlich? Dabei gilt es zu verstehen, dass die Krankheit schon mit der Verkörperung, also mit der Inkarnation in einem Körper beginnt. Die Identifikation mit einem Körper ist die Abwehr gegen die Wahrheit. Der Zustand, in dem wir unsere Wirklichkeit als reiner göttlicher Geist nicht mehr wahrnehmen, ist bereits Krankheit.

Noch viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass "kranke Kinder" nur in unserer Wahrnehmung existieren. Es ist unser kranker, gespaltener Geist - in der Identifikation mit dem Ego-Denksystem - der Krieg, Hass, Missbrauch und kranke Kinder macht.

“Ideen verlassen ihre Quelle nicht, und ihre Wirkungen sind nur dem Scheine nach getrennt von ihnen. Gedanken sind vom Geist. Das, was nach außen projiziert wird und scheinbar außerhalb des GEISTES ist, ist überhaupt nicht außen, sondern eine Wirkung dessen, was innen ist und seine Quelle nicht verlassen hat.”
(EKIW: Kapitel 26, VII. 4. 7.-9.)

Wenn der Gedanke der Trennung in den Gedanken der wahren Vergebung umgewandelt worden ist, wird die Welt in einem ganz anderen Licht gesehen werden - in einem Licht, das zur Wahrheit führt, wo die ganze Welt mit all ihren Irrtümern - Krieg, Hass, Missbrauch, kranke Kinder - verschwinden wird.

Außerdem weist die Frage nach der Schuld von Krankheit auf eine Vermischung des egoischen Gedankensystems mit dem des reinen Geistes hin. Diese Denksysteme haben aber nichts gemeinsam. Wenn wir hier das Thema Krankheit aus spiritueller Sicht betrachten, dürfen wir es nicht mit dem Gedanken der Schuld vermischen. Der reine Geist kennt keine Schuld. Das Drehbuch ist geschrieben. Wir sehen uns eine Geschichte an, die bereits geschehen ist, also kann es keine Schuld geben.

Das Ego unterteilt Krankheiten in verschiedene Kategorien wie organische, psychosomatische und psychische Krankheiten. Eine Einteilung, die viel Leid verursacht, weil es diese Unterscheidung nicht gibt. Hinter allem, also auch hinter jeder organischen Krankheit und auch hinter jedem Unfall, steht eine geistige Entsprechung mit all ihren psychischen Auswirkungen. In Wahrheit ist die Welt an sich eine Geisteskrankheit, eine dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung). 8 Milliarden Identitäten verfügen scheinbar über eigene Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wahrnehmungs- und Denkmuster. Und gleichzeitig leiden wir an kollektiver Demenz, wir haben vergessen, wer wir in Wahrheit sind.

Das Wichtigste beim Thema Krankheit ist zu verstehen:
Es ist der Geist, der krank ist, wenn er glaubt, dass der Körper krank sein könnte.

Für Heilung braucht es einen Wechsel in der Wahrnehmung. Die einzige Erfordernis für diesen Wechsel in der Wahrnehmung ist einfach dies: Die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat. Was kostet diese Einsicht? Sie kostet die ganze Welt, die wir sehen, denn die Welt wird nie wieder so erscheinen, als beherrsche sie den Geist. Denn mit dieser Einsicht wird die Verantwortung dem gegeben, wo sie hingehört, nicht der Welt, sondern uns, die wir auf die Welt schauen. Wir schauen auf das, was wir zu sehen wählen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Welt tut uns nichts. Wir dachten nur, sie täte es. Auch tun wir der Welt nichts, weil wir uns in dem irrten, was sie ist. Hierin liegt die Befreiung sowohl von Schuld als auch von Krankheit, denn sie sind eins. Doch um diese Befreiung anzunehmen, muss die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee sein.

Krankheit am spirituellen Weg

Im Kurs finden wir in Lektion 189, Absatz 7. eine Einladung, GOTT direkt zu begegnen. Jesus weist aber auch im ersten Kapitel des Kurses auf eine Gefahr hin, wenn wir uns GOTT SELBST nähern wollen:

“Ich habe unterstrichen, dass Ehrfurcht mir gegenüber um der uns innewohnenden Gleichheit willen keine angemessene Reaktion ist. Indessen beinhalten einige der späteren Schritte in diesem Kurs eine direktere Annäherung an GOTT SELBST. Es wäre unklug, sich ohne sorgfältige Vorbereitung an diese Schritte zu machen, weil sonst Ehrfurcht mit Furcht verwechselt und die Erfahrung eher traumatisch als glückselig wird. Heilung ist letztlich von GOTT. Die Mittel werden dir sorgsam erklärt. Die Offenbarung mag dir zuweilen das Ziel enthüllen, doch um es zu erreichen, sind die Mittel nötig.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 5.)

In Kapitel 2 heißt es weiters:

Bevor die Wunderwirkenden bereit sind, ihre Funktion in dieser Welt zu übernehmen, ist es unerlässlich, dass sie die Angst vor der Befreiung voll und ganz verstehen. Sonst ist es möglich, dass sie, ohne es zu merken, die Überzeugung nähren, Befreiung sei Gefangenschaft, eine bereits sehr weit verbreitete Überzeugung. Diese Fehlwahrnehmung entsteht wiederum aus der Überzeugung, Schaden lasse sich auf den Körper begrenzen. Dem liegt die unterschwellige Angst zugrunde, dass der Geist sich selbst verletzen könne. Keiner dieser Irrtümer ist von Bedeutung, weil die Fehlschöpfungen des Geistes nicht wirklich existieren. Diese Einsicht ist eine viel bessere Schutzeinrichtung als jede Form der Verwechslung der Ebenen, weil sie die Berichtigung auf der Ebene des Irrtums einführt. Es ist grundlegend wichtig, sich daran zu erinnern, dass nur der Geist erschaffen kann und dass Berichtigung auf die Ebene des Denkens gehört. Um eine frühere Aussage weiter auszuführen: Der reine Geist ist bereits vollkommen und bedarf daher keiner Berichtigung. Der Körper existiert nicht, außer als Lerneinrichtung für den gespaltenen Geist. Diese Lerneinrichtung ist keinen eigenen Irrtümern unterworfen, weil sie nicht erschaffen kann. Es ist also offensichtlich, dass die einzige wahrhaft bedeutungsvolle Anwendung der schöpferischen Fähigkeit die ist, den Geist dazu zu bringen, seine Fehlschöpfungen aufzugeben.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 1.)

Wenn wir spontan und im Geist unvorbereitet einen tiefen Moment der Befreiung erleben, führt dies manchmal dazu, dass wir, ohne es zu merken, die Überzeugung nähren, Befreiung sei Gefangenschaft, eine bereits sehr weit verbreitete Überzeugung. Diese Fehlwahrnehmung entsteht wiederum aus der Überzeugung, Schaden lasse sich auf den Körper begrenzen und so entscheiden wir uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden.

Indische Satsang-Lehrer haben immer wieder von diesem Phänomen berichtet. Westliche spirituelle Sucher kommen völlig unvorbereitet zu einem Satsang und folgen, aufgrund ihrer Sehnsucht nach Befreiung, der Führung des Gurus in einen Augenblick der Befreiung - in eine direkte Begegnung mit GOTT SELBST. Aufgrund der falschen Überzeugung hinsichtlich der Befreiung, entscheiden sie sich infolgedessen ganz unbewusst dafür, krank zu werden.

Krankheit ist eine Entscheidung, die wir treffen, ein Plan, den wir entwerfen, wenn die Wahrheit einen Augenblick lang in unserem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und unsere ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen. Jetzt sind wir krank, damit die Wahrheit weggehen möge und unsere Einrichtungen nicht länger bedrohe.

Tod

“Für diejenigen, die sich mit dem Ego identifizieren, ist der Glaube an die Hölle unausweichlich. Ihre Alpträume und Ängste stehen alle damit in Verbindung. Das Ego lehrt, dass die Hölle in der Zukunft liegt, denn darauf ist sein ganzes Lehren ausgerichtet. Die Hölle ist sein Ziel. Denn obwohl das Ego Tod und Zerfall als ein Endziel anstrebt, glaubt es nicht daran. Das Ziel des Todes, das es für dich ersehnt, lässt es unbefriedigt. Niemand, der den Lehren des Ego folgt, ist frei von Todesangst. Doch wenn der Tod nur als der Schmerzen Ende angesehen würde, würde er dann gefürchtet? Wir haben dieses seltsame Paradox im Denksystem des Ego früher schon gesehen, aber nie so klar wie hier.”
(EKIW: Kapitel 15, I. 4. 1.-9.)

Dieses seltsame Paradox im Denksystem des Ego zeigt sich auch darin, dass selbst Menschen, die glauben, dass mit dem Tod alles aus ist, daran interessiert sind, dass sich andere Menschen nach ihrem Tod wohlwollend an sie erinnern. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen, deren Tod aufgrund einer schweren Erkrankung unmittelbar bevorsteht und die nach eigener Einschätzung an die Endgültigkeit des Todes glauben, eine eigene Trauerrede oder Ähnliches verfassen, in der sie ihre besonderen Leistungen hervorheben. Aber was hat jemand davon, wenn er nicht mehr da ist? Der Glaube an persönliche Besonderheit ist immer ein Deckmantel der Verzweiflung, ein Deckmantel der Todesangst. Solche Abschiedsworte sind eine unbewusste Bitte um Erkenntnis - ein verzweifelter Ruf nach Liebe.

Es gibt keinen Tod. GOTTES SOHN ist frei.
Der Tod ist ein Gedanke, der viele, oft unerkannte Formen annimmt. Er mag als Traurigkeit erscheinen, als Angst, Beklommenheit oder als Zweifel, als Ärger, Unglaube und Mangel an Vertrauen, als Sorge um Körper, als Neid und in allen Formen, in denen der Wunsch, so zu sein, wie du nicht bist, kommen mag, dich zu versuchen. Alle Gedanken dieser Art sind nur Widerspiegelungen der A