Die Vergöttlichung des Bewusstseins
Einige nonduale Konzepte behaupten: “Unser Geist ist wie ein Filmprojektor, unser wahres Selbst ist die Leinwand.” Aber das ist grundlegend falsch, es muss richtig heißen: “Unser Geist ist wie ein Filmprojektor, das Bewusstsein ist die Leinwand.” Der zentrale Irrtum in vielen nondualen Konzepten ist die Vergöttlichung des Bewusstseins. Doch das Bewusstsein ist die Domäne des Egos. Das Bewusstsein ist der Glaube an etwas Äußeres. Den Irrtum selbst - das individuelle Bewusstsein - zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es uns gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.Viele Bewusstseinsforscher haben viel Zeit damit verbracht, ihr Bewusstsein zu erforschen und haben dabei nichts anderes als das Denksystem des Egos erforscht. Damit allein ist absolut nichts erreicht. Solange wir die anfangs leise STIMME FÜR GOTT nicht hören, sind wir im Ego-Denksystem gefangen.
Wir leben mit Hilfe von Symbolen. Wir haben Namen für alles, was wir sehen, erfunden. Jede Form wird zu einer separaten Wesenheit, die wir mit ihrem eigenen Namen identifizieren. Dadurch meißeln wir es aus der Einheit heraus. Dadurch kennzeichnen wir seine besonderen Eigenschaften und heben es ab von anderen Dingen, indem wir die Betonung auf den Raum legen, der es umgibt. Und diesen Raum legen wir zwischen alle Dinge, denen wir verschiedene Namen geben, zwischen alle Geschehnisse hinsichtlich Ort und Zeit und zwischen alle Körper, die wir mit einem Namen grüßen - getrennt gehaltene Körper, die kleine Geistesstücke als jeweils separates Bewusstsein enthalten.
“Das Bewusstsein - die Ebene der Wahrnehmung - war die erste Spaltung, die nach der Trennung in den Geist eingeführt wurde, was den Geist zu einem Wahrnehmenden anstatt zu einem Schöpfer machte. Das Bewusstsein wird zutreffend als Domäne des Ego bezeichnet. Das Ego ist ein falschgesinnter Versuch, dich so wahrzunehmen, wie du sein möchtest, statt wie du bist. Doch kannst du dich nur so erkennen, wie du bist, weil das das Einzige ist, dessen du gewiss sein kannst. Alles andere ist fraglich.”
(EKIW: Kapitel 3, IV. 2.)
Erscheinungen täuschen, weil sie Erscheinungen sind und keine Wirklichkeit - sie sind die Spielzeuge des Egos. Halten wir uns nicht mit ihnen auf, in welcher Form auch immer. Sie verschleiern nur die Wirklichkeit und bringen Angst, gerade weil sie die Wahrheit verstecken. Das “spirituelle” Ego versucht seine Spielzeuge zu behalten und gleichzeitig EINHEIT - also GOTT - zu erreichen. Aber es ist unmöglich, dass GOTT und das Ego oder unser wahres SELBST und das Ego einander je begegnen werden.
Die Transzendenz des Bewusstseins ist das, was im Kurs als die Träumer-des-Traums-Perspektive bezeichnet wird. Von manchen spirituellen Lehrern wird dieser Zustand als “pure awareness” oder “pure consciousness” bezeichnet. Das ist die Vergebung. Dies bedeutet, dass Träumer und Traum als eins erkannt sind. Ab dem Moment wo wir uns als Träumer des Traums erkannt haben, ist es nicht mehr schwierig, den Traum zu ändern. Dann nehmen wir den Traum an, den ER uns statt des unseren gab. Der Traum der Schuld verblasst vor unserer Sicht, wenn unsere Augen auch geschlossen sind. Ein Lächeln ist gekommen, unser schlafendes Antlitz zu erhellen. Der Schlaf ist jetzt friedlich, denn dies ist der glückliche Traum. Aber auch der glückliche Traum ist immer noch ein Traum und nicht das Erwachen zur EINHEIT im reinen GEIST. Das SEIN braucht kein Bewusstsein. SEIN IST.
Eine Welt, die im Sinne von Ein Kurs in Wundern vergeben ist, spiegelt nur die Liebe GOTTES wider. Die Wahrnehmung unter SEINER Führung - die Schau CHRISTI - sieht alles im Licht. Doch keine Wahrnehmung, wie heilig sie auch sei, wird ewig währen. Nicht einmal die Schau CHRISTI ist SEINE Wirklichkeit. Die goldenen Aspekte der Wirklichkeit, die unter SEINEM liebevollen Blick plötzlich zum Licht erwachen, lassen eine flüchtige Ahnung des HIMMELS zu, der jenseits ihrer liegt.
Das, was Jesus im Kurs die “wirkliche Welt” nennt, ist genau so ein Symbol, wie alles Übrige, was die Wahrnehmung anbietet. Doch steht sie für das, was dem entgegengesetzt ist, was das Ego gemacht hat. Die wirkliche Welt bedeutet das Ende der Zeit, denn ihre Wahrnehmung macht die Zeit zwecklos. Die letztgültige “Rückkehr” in die wahre Schöpfung die ALLHEIT und die EINHEIT GOTTES ist das Ende der Wahrnehmung.