Praxis

“Dies ist kein Kurs über das Spiel mit Ideen, sondern über ihre praktische Umsetzung.”
(EKIW: Kapitel 11, VIII. 5. 3.)

Auf die Frage des Egos nach der Wahrheit des Kurses gibt es eine einfache Antwort: Probieren und üben, wenn er wahr ist, werden wir es erfahren.

Wenn wir einer spirituellen Praxis folgen, haben wir manchmal das Gefühl, wir bräuchten eine Pause vom Üben, aber das ist eine Illusion - es gibt keine Pause. Wir praktizieren immer. Das heißt, wir lernen und lehren immer. Dabei hören wir entweder auf die Stimme des Egos oder auf die Stimme für GOTT. Und je nachdem, auf welche Stimme wir hören, lehren wir das ganze Universum. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns unserer Wahrnehmungen und Gefühle bewusst sind, denn sie sind der Zugang zu dem, was darunter liegt. Nur so können wir erkennen, welcher Stimme wir gerade folgen, was wir also gerade praktizieren. Entweder üben wir Trennung oder Einheit.

Bob Dylan - Gotta Serve Somebody

Spirituelle Praxis braucht das brennende Verlangen nach der LIEBE GOTTES. Das ist die notwendige Grundlage jeder spirituellen Praxis. Eine oberflächliche Selbstdisziplin bei der Durchführung zeitlich begrenzter Übungen reicht nicht aus. Wenn wir uns lediglich jeden Morgen eine Stunde lang vom Ego-getriebenen Gedankenstrom abwenden, den Rest des Tages aber in einem geistigen Kriegszustand durch eine scheinbar von uns getrennte Welt hetzen, wird uns das nicht zum spirituellen Erwachen führen, sondern lediglich den Leidensdruck am Morgen etwas verringern.

Ein Kurs in Wundern ist also kein Kurs, wie ihn die Welt lehrt, weil man ihn nicht nach einem oder mehreren Jahren abgeschlossen hat. Ein spiritueller Weg kann grundsätzlich nicht in der Zeit abgeschlossen werden, weil er immer auf das Ende der Zeit ausgerichtet ist. Mit dem Kurs auf dem Weg zu sein, bedeutet jedoch nicht, bestimmte Rituale oder Routinen ein Leben lang zu befolgen. Jesus weist ganz klar darauf hin, dass Routine als solche gefährlich ist, weil sie leicht selbst zu einem Gott wird und eben jene Ziele bedroht, für die sie aufgestellt wurde. Am Anfang ist es klug, in Zeitbegriffen zu denken. Aber nach dem Abschluss der strukturierteren Übungszeiten, die das Übungsbuch enthält, also nach einem Jahr, wird das individuelle Bedürfnis zum Hauptgesichtspunkt. Für den fortgeschrittenen Lehrer GOTTES ist die Frage nach einer Routine überflüssig, denn er ist in ständigem Kontakt mit seiner inneren Führung.

Wunder

Jesus bezeichnet seine Botschaft als Ein Kurs in Wundern und nicht als Ein Kurs in EINHEIT (Oneness). Ein Kurs in EINHEIT wäre nicht praktikabel. Das Lernen gilt nur der Bedingung, unter welcher EINHEIT von selbst geschieht. EINHEIT kann nicht gelehrt werden. Wunder hingegen geschehen auf natürliche Weise. Wunder sind natürliche Zeichen der Vergebung. Wunder sind Berichtigungen im Geiste. Ein Wunder hebt den Irrtum auf, doch versucht es nicht, über die Wahrnehmung hinauszugehen noch die Funktion der Vergebung zu überschreiten. So bleibt es innerhalb der Grenzen der Zeit. Doch ebnet es den Weg für die Rückkehr der Zeitlosigkeit und das Erwachen der Liebe, denn die Angst muss vor dem sanften Heilmittel, das es bringt, entschwinden.

“Überhaupt nichts ist geschehen, außer dass du dich in Schlaf versetzt und einen Traum geträumt hast, in dem du dir selbst ein Fremder warst und nur ein Teil des Traumes eines anderen. Das Wunder weckt dich nicht, sondern es zeigt dir einfach, wer der Träumer ist. Es lehrt dich, dass es eine Wahl der Träume gibt, solange du noch schläfst, die davon abhängt, was der Zweck deines Träumens ist. Hast du den Wunsch nach Träumen der Heilung oder nach Todesträumen? Ein Traum ist insofern wie eine Erinnerung, als er bildlich darstellt, was du gezeigt bekommen wolltest.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 4.)

“Das Wunder legt fest, dass du einen Traum träumst und dass sein Inhalt unwahr ist. Das ist ein entscheidender Schritt im Umgang mit Illusionen. Niemand hat vor ihnen Angst, wenn er wahrnimmt, dass er sie erfunden hat. Die Angst wurde an ihrem Platz gehalten, weil er nicht sah, dass er Autor des Traumes war und nicht eine Figur im Traum.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 7. 1.-4.)

“Diese Welt ist voller Wunder. Sie stehen in leuchtendem Schweigen neben jedem Traum von Schmerz und Leiden, von Sünde und von Schuld. Sie sind des Traums Alternative, die Wahl, Träumer zu sein, statt die aktive Rolle bei der Erfindung des Traumes zu verleugnen.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 12. 1.-3.)

Wunder sind Beispiele richtigen Denkens und richten unsere Wahrnehmungen auf die Wahrheit aus, wie GOTT sie schuf. Wunder transzendieren den Körper. Sie sind plötzliche Verlagerungen von der Ebene des Körpers weg ins Unsichtbare. Deswegen heilen sie.

Ein Wunder ist ein Dienst. Es ist der maximale Dienst, den wir einem Anderen erweisen können. Es ist eine Art, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst. Wir nehmen gleichzeitig unseren eigenen Wert und den unseres Nächsten wahr.

Das Wunder wird zuerst durch Glauben angenommen, weil darum bitten implizit besagt, dass der Geist vorbereitet worden ist, sich das vorzustellen, was er nicht sehen kann und nicht versteht. Doch wird der Glaube seine Zeugen bringen, um zu zeigen, dass das, worauf er beruhte, auch wirklich da ist.

Bei wahrer Heilung geht es immer um die Heilung des Geistes. Der Geist wird durch Glauben darauf vorbereitet. Darum sagte Jesus vor zweitausend Jahren zu den Menschen, die er heilte: „Dein Glaube hat dich gerettet.” Gleichzeitig wurden diese Menschen aber auch von ihren körperlichen Krankheiten geheilt. Das liegt einfach daran, dass sich ein gesunder Geist Krankheit nicht vorstellen kann und die Heilung des Körpers ein so machtvolles Zeugnis für die Heilung des Geistes darstellt, dass es nicht geleugnet werden kann. So zeigt die Heilung des Körpers, dass der Geist geheilt ist und vergeben hat, was er nicht tat. So hebt das Wunder alle Dinge auf, von denen diese Welt bezeugt, sie könnten niemals aufgehoben werden.

“[...] Ein Wunder der Heilung beweist, dass die Trennung ohne Wirkung ist. Was du ihm beweist, das glaubst du. Die Macht des Zeugnisses kommt von deinem Glauben. [...] Und in seiner Heilung kann der Körper ihm ein stummes Zeugnis seiner Unschuld bieten. Gerade dieses Zeugnis kann mit einer Macht aussagen, die größer ist als die von tausend Zungen. Denn hier wird seine Vergebung ihm bewiesen.”
(EKIW: Kapitel 27, II. 5.)

Wir haben ein Anrecht auf Wunder aufgrund dessen, was wir sind. Wir werden Wunder empfangen aufgrund dessen, was GOTT ist. Und wir werden Wunder schenken, weil wir eins mit GOTT sind. Unser Anspruch auf Wunder liegt nicht in unseren Illusionen über uns begründet. Er hängt nicht von irgendwelchen magischen Kräften ab, die wir uns zugeschrieben haben, und auch nicht von irgendeinem der Rituale, die wir ersonnen haben. Er ist ein inhärenter Bestandteil der Wahrheit dessen, was wir sind.

“Wunder fallen wie Tropfen heilenden Regens vom HIMMEL auf eine trockene und staubige Welt, wohin hungernde und dürstende Kreaturen kommen, um zu sterben. Jetzt haben sie Wasser. Jetzt ist die Welt grün. Und überall sprießen die Lebenszeichen, um zu zeigen, dass das, was geboren ist, nie sterben kann, denn was Leben hat, hat Unsterblichkeit.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, 13. 5.)

Das meiste, was früher als Wunder verkauft wurde, sowohl im christlichen Europa als auch im hinduistischen Indien, war Scharlatanerie. Ein geschulter Geist ist allerdings in der Lage, auch auf der Ebene der Form Veränderungen direkt hervorzurufen, aber all dies dient mehr der Unterhaltung und lenkt vom Wesentlichen ab. Darum heißt es im Kurs schon im ersten Kapitel beim Thema Wunder:

“Wunder sind Gedanken. Gedanken können die niedrigere oder körperliche Erfahrungsebene darstellen oder aber die höhere oder geistige Erfahrungsebene. Die eine macht das Physische, die andere erschafft das Geistige.”

“Wunder als solche spielen keine Rolle. Das einzige, was eine Rolle spielt, ist ihre QUELLE, DIE weit jenseits der Bewertung ist.”

“Wunder geschehen auf natürliche Weise, als Äußerungen der Liebe. Das wirkliche Wunder ist die Liebe, die sie inspiriert. In diesem Sinne ist alles, was aus der Liebe kommt, ein Wunder.”

“Wunder als Schaustücke zu verwenden, um Glauben zu erwecken, ist ein Missverständnis ihres Sinns und Zwecks.”

Ein Kurs zum Betrachten der Dunkelheit

Einer der auffälligsten Aspekte des spirituellen Denksystems namens “Ein Kurs in Wundern” ist, dass es uns dazu auffordert, alle dunklen Gedanken in unserem Geist bewusst zu betrachten, um sie loslassen zu können. Dies steht in krassem Gegensatz zu vielen zeitgenössischen spirituellen und New-Age-Systemen, die uns dazu auffordern, uns ausschließlich auf die Liebe zu konzentrieren. In diesem Sinne bietet “Ein Kurs in Wundern” eine viel enger integrierte Kombination aus Psychologie und Spiritualität. An vielen Stellen betont Jesus die Bedeutung dieses Betrachtens, zum Beispiel in Kapitel 13: “Du fragst dich vielleicht, warum es so entscheidend ist, dass du dir deinen Hass ansiehst und dir sein volles Ausmaß klar machst. Auch denkst du vielleicht, dass es für den HEILIGEN GEIST leicht genug wäre, ihn dir zu zeigen und ihn aufzulösen, ohne dass es nötig wäre, dass du ihn dir selber ins Bewusstsein hebst.” (EKIW: Kapitel 13, III. 1. 1.-2.)

Das wäre die einfache Lösung, die wir uns alle wünschen. Die allgemeine Idee lautet in etwa: “Bitte Jesus, nimm all diese verdorbene Dunkelheit aus meinem Geist, damit ich einfach in der Liebe Gottes Frieden finden kann.“ Der Haken dabei ist jedoch, dass wir unbewusst gar nicht “in der Liebe Gottes Frieden finden“ wollen als der einzige SOHN GOTTES: Wir wollen es als Individuum. Da EINHEIT jedoch keine Individualität kennt, ist dies unmöglich. Deshalb beendet Jesus denselben Absatz in Kapitel 13 mit der verblüffenden Aussage: “Du hast nicht wirklich Angst vor der Kreuzigung [d. h. vor Schmerz und Dunkelheit]. Dein wirkliches Entsetzen gilt der Erlösung [d. h. der Liebe, der Einheit, dem Licht].” Um also die dunklen Konflikte im Geist für immer zu beseitigen, müssen wir zuerst erkennen, wie elend uns unsere “besondere autonome Individualität” (die die Verkörperung der Trennung ist) wirklich macht. Wenn du und ich uns ausschließlich auf die Liebe und das Licht konzentrieren, die wir als getrennte Individuen so sehr schätzen, bleibt das getrennte Ego am Steuer und lenkt unser Leben weiter ins Nirgendwo. Unsere scheinbare Autonomie bleibt zwar bestehen, aber sie wird nicht zu dauerhaftem inneren Frieden führen.

In Kapitel 11 des Textes von “Ein Kurs in Wundern” erklärt Jesus zunächst den Gegensatz zwischen GOTT und dem Ego, also zwischen EINHEIT und Trennung, Licht und Schatten, Wahrheit und Illusion, und gibt uns dann folgende Anleitung: “Niemand kann Illusionen entrinnen, wenn er sie nicht ansieht, denn durch Nichthinsehen werden sie geschützt.” (EKIW: Kapitel 11, V. 1. 1.). Das ist der Kern der Sache. Denk eine Weile darüber nach. Alle Ablenkungen in unserem Leben, sei es in Bezug auf Karriere, Hobbys, Geld, Partnerbeziehungen oder was auch immer, sind Tricks des Egos, um nicht auf die dunkle Illusion der Trennung schauen zu müssen. Jesus fährt fort: “Wir sind bereit, das Denksystem des Ego genauer zu betrachten, weil wir gemeinsam die Lampe haben, die es auflösen wird, und da es dir klar ist, dass du es nicht willst [nach zehn Kapiteln des Kurses], musst du bereit sein. Lass uns ganz ruhig sein, während wir das tun, denn wir suchen nur ehrlich nach der Wahrheit. Die »Dynamik« des Ego wird jetzt für eine Weile unsere Lektion sein, denn da du ihm Wirklichkeit verliehen hast, müssen wir erst dies anschauen, um darüber hinauszusehen.” (EKIW: Kapitel 11, V. 1. 3.-5).

Achtung Ego-Falle

Wenn wir uns weigern, sogenannte schreckliche Bilder von Gewalt und Krieg anzusehen, weil wir sie nicht ertragen können, bezeugen wir damit zugleich, welche Wirklichkeit wir ihnen zuschreiben. Indem wir sie als etwas betrachten, vor dem wir uns schützen müssen, machen wir für uns die Bedrohung wahr, die von ihnen auszugehen scheint.

Damit bestätigen wir zugleich die Dualität und das Ego-Denksystem: den Glauben an eine Welt, in der Angriff und Verletzlichkeit wirklich sind und der Tod das letzte Wort hat. Wir halten an der Vorstellung fest, ein verletzliches, vom Tod bedrohtes Wesen zu sein, dessen Sicherheit von äußeren Umständen abhängt.

Doch kann das wirklich unser wahrer Wille sein? Wollen wir tatsächlich an einer scheinbaren Realität festhalten, in der Angst, Verletzlichkeit und Tod unser Leben bestimmen?

Diese Praxis des Anschauens ist natürlich einer der Hauptschwerpunkte der 365 Lektionen des Arbeitsbuchs von “Ein Kurs in Wundern”. Zum Beispiel beginnt die oft zitierte Lektion 93 mit dem Titel “Licht und Freude und Friede weilen in mir.” mit der schockierenden Botschaft: “Du denkst, du seist das Heim des Bösen, der Dunkelheit und Sünde. Du denkst, wenn jemand die Wahrheit sehen könnte über dich, er wäre abgestoßen und würde wie vor einer giftigen Schlange von dir weichen. Du meinst, wenn man die Wahrheit über dich dir offenbarte, dass dich ein solches Grauen überkäme, dass du durch deine eigne Hand gleich in den Tod dich stürztest; du würdest weiterleben, nachdem du sähest, dass das unmöglich ist.” (EKIW: Lektion 93, 1.). Das ist eine ziemlich drastische Sprache! Der Grund dafür ist unser unbewusster Glaube an Schuld über die ontologische Trennung von Gott, die “winzig kleine Wahnidee“, die wir immer noch ernst nehmen, egal wie tief wir sie auch vergraben haben. Deshalb fährt Jesus in derselben Lektion fort: “Das sind Überzeugungen, die derart fest verankert sind, dass es schwer ist, dir zur Sicht zu verhelfen, dass sie auf nichts beruhen. [...] Diese Gedanken entsprechen nicht dem WILLEN GOTTES. [...] Und das reicht aus, um zu beweisen, dass sie falsch sind, du aber nimmst nicht wahr, dass es so ist.” (EKIW: Lektion 93, 2. 1. & 3. 2.-4.).

Deshalb gilt: “Diesen Kurs zu lernen erfordert die Bereitwilligkeit, jeden Wert infrage zu stellen, den du hast. Es gibt nicht einen einzigen, den du versteckt und verschleiert halten kannst, ohne dein Lernen zu gefährden.” (EKIW: Kapitel 24, Einleitung, 2. 1.-2.). Daher sollten wir uns nicht wundern, wenn wir nicht nur einen Anflug von Widerstand verspüren, sondern einen ganzen Wirbelwind von Widerstand. Schließlich untergräbt der Kurs genau das Bild unseres individuellen Selbst, das wir so sehr schätzen! Deshalb bittet Jesus uns immer wieder, ehrlich zu erkennen, wie unglücklich uns unsere getrennte Autonomie macht, und zu versuchen, seinen Anweisungen im Arbeitsbuch zu folgen, um stattdessen den Frieden zu spüren, den wir erleben könnten. So lesen wir in Lektion 98: “Dies [d. h. unseren Teil in Gottes Plan zur Erlösung akzeptieren] ist ein Angebot, das die Befreiung von jeder Art von Schmerz verbürgt und eine Freude, die es in der Welt nicht gibt.” (EKIW: Lektion 98, 6. 1.).

Wie der Kurs-Gelehrte Kenneth Wapnick in seinen Workshops und Büchern oft betonte, bringt unser Ego sofort alle möglichen Einwände hervor: “Das würde bedeuten, dass ich alles aufgeben müsste, was mich einzigartig und besonders macht. Aber wer wäre ich ohne all das? Würde das nicht zu völliger Nichtigkeit führen? Das klingt einfach nicht verlockend.“ Und ehe man sich versieht, kommt man unbewusst zu dem Schluss: “Nein, das glaube ich nicht und das will ich nicht. Ich bin nicht bereit, meine einzigartige Persönlichkeit aufzugeben. Sicher, damit einher gehen meine Urteile, meine Beschwerden, meine Süchte, aber hey, ich denke, ich wäre mit diesen Dingen immer noch besser dran, als mich Jesus auf diesem sogenannten Weg zur Einheit anzuschließen, den ich mir sowieso nicht wirklich vorstellen kann.“ Oder vielleicht sagen wir uns, dass wir zu gegebener Zeit Einheit wollen, aber noch nicht jetzt.

Kens Argument (und auch das von Jesus) ist, dass es wichtig ist, diesen Widerstand, diese offensichtliche Vorliebe für die Dunkelheit, ausdrücklich zu artikulieren. Warum? In seinem Buch “Journey through the Workbook of A Course in Miracles” erklärt Ken: “Wenn du dich selbst diese Worte sagen hörst [d. h. deinen Widerstand gegen die Botschaft Jesu] und die Angst [vor Erlösung, vor Einheit] verstehst, die sie verursacht hat, wird es keine Schuld geben, die davon lebt, verborgen zu bleiben. [Denke daran, dass Illusionen dadurch geschützt werden, dass man sie nicht ansieht]. Schuld verhindert Bewusstsein durch Verdrängung und schützt sich dann durch Projektion, indem du anderen oder dir selbst Leid zufügst. […] Noch einmal: Du musst dir ganz ehrlich erlauben, frei genug zu sein, um zu ihm [Jesus] zu sagen: ‘Ich glaube dir nicht.‘ Wenn du so sprechen kannst, wird es keine Schuld geben.“.

Als gute Schüler von “Ein Kurs in Wundern“ neigen wir normalerweise dazu, wenn wir feststellen, dass wir die Lektion des Tages schon lange vergessen haben, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, dieses dann schnell zu verdrängen und etwas oder jemanden anderen für unseren Mangel an Fleiß verantwortlich zu machen. Und obwohl wir uns anschließend schwören, uns mehr anzustrengen, sind die Ursachen für den Widerstand, die Schuldgefühle und die Angst nicht an die Oberfläche gekommen. Wir bleiben dann in diesem Teufelskreis gefangen, in dem wir dem Ego das Steuer überlassen, das uns weiterhin ins Nirgendwo führt. Warum also nicht ehrlich zu sich selbst sein und ohne Schuldgefühle oder Angst ausdrücklich sagen: “Das ist alles schön und gut, diese Lektionen aus dem Arbeitsbuch von Jesus, aber mein Ego will das wirklich nicht und glaubt deshalb auch nicht daran. Natürlich nicht, denn dieser Kurs läutet letztendlich das Ende des Egos ein, und da ich mich so sehr mit meiner individuellen Persönlichkeit identifiziere, muss dies Angst hervorrufen. Ich werde mir etwas Nachsicht gönnen und versuchen, den inneren Frieden, zu dem die fleißige Praxis des Arbeitsbuchs führt, wirklich zu erfahren.“

Somit können wir besser verstehen, warum Jesus sein Arbeitsbuch mit folgenden Worten einleitet: “Denke nur an dies: Du brauchst die Gedanken nicht zu glauben, du brauchst sie nicht anzunehmen, du brauchst sie nicht einmal willkommen zu heißen. Einigen darunter wirst du dich vielleicht aktiv widersetzen. Nichts von alledem spielt eine Rolle, noch wird es ihre Wirksamkeit vermindern. [...] Du wirst nur gebeten, die Gedanken so anzuwenden, wie du angeleitet wirst. Du wirst nicht gebeten, sie überhaupt zu beurteilen. Du wirst nur gebeten, sie anzuwenden. In ihrer Anwendung wird sich dir ihre Bedeutung erschließen, und sie wird dir zeigen, dass sie wahr sind.” (EKIW: ÜBUNGSBUCH, EINLEITUNG, 9. & 8.). Aus diesem Grund schließt Jesus das Arbeitsbuch auch mit den berühmten Zeilen: “Dieser Kurs ist ein Beginn, kein Ende. Dein FREUND [der HEILIGE GEIST, die STIMME FÜR GOTT] geht mit dir. Du bist nicht allein.” (EKIW: ÜBUNGSBUCH, EPILOG, 1. 1.-3.). Übe dich also darin, deinen Widerstand zu artikulieren. Das ist ein wirksames Mittel, um die Schuldgefühle wegen dieser winzig kleinen Wahnidee, die ohnehin nie passiert ist, loszuwerden.

Filmtipp:

Wie wichtig es ist, die dunkle Seite des individuellen Selbst ans Licht zu bringen, und was passiert, wenn wir es nicht tun, zeigt der Dokumentarfilm “Whitney – Die wahre Geschichte einer Legende” beispielhaft. Dunkle Erinnerungen loszulassen, so unangenehm das auch sein mag, sollte nicht beschönigt werden und ist ein wichtiger Teil der spirituellen Reise. Unter diesen dunklen Gedanken liegt die Erinnerung an unsere ursprüngliche Unschuld!

Das folgende Kapitel “Wirklicher Zweck und wahre Funktion” beschreibt den einzig wahren Sinn unseres Lebens hier in Zeit und Raum noch genauer.

Wirklicher Zweck und wahre Funktion

Der wirkliche Sinn und Zweck dieser Welt ist, dass sie zur Berichtigung unseres Unglaubens genutzt wird. Der Sinn und Zweck der Zeit ist einzig und allein, »uns Zeit zu geben«, für diesen Berichtigungsprozess. Unser einzig wahrer Sinn und Zweck ist also die Erlösung (SÜHNE) und das Mittel dafür ist die Vergebung. Die Vergebung entfernt die Blockaden, die uns daran hindern, uns der Gegenwart der LIEBE, die unser angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein. Die Erlösung sorgt dafür, dass die LIEBE wieder durch uns hindurch leuchten und sich ausdehnen kann. Unser Glück und unsere Funktion sind eins, weil GOTT uns beide gegeben hat.

Vergebung ist die einzige Funktion, die in der Zeit bedeutungsvoll ist. Sie ist das Mittel, das der HEILIGE GEIST verwendet, um Besonderheit von Sünde in Erlösung zu übersetzen. Vergebung ist für alle. Doch erst wenn sie auf allen ruht, ist sie vollständig und ist jede Funktion dieser Welt mit ihr vervollständigt. Dann ist die Zeit nicht mehr.

“Der Frieden GOTTES ist alles, was ich will.
Der Frieden GOTTES ist mein eines Ziel,
das, worauf mein ganzes Leben abzielt hier,
das Ende, das ich suche, mein Sinn und Zweck,
meine Funktion und mein Leben,
solange ich dort weile, wo ich nicht zu Hause bin.”
(EKIW: Lektion 205, 1. 2.-3.)

Wir bitten nicht darum, dass uns vergeben werde, denn das ist bereits vollbracht. Wir bitten vielmehr darum zu lernen, wie wir vergeben und das, was immer war, unserem Geist, der nicht vergibt, zurückerstatten können. Die SÜHNE wird wirklich und sichtbar, wenn wir sie anwenden. Auf Erden ist das unsere einzige Funktion, und wir müssen lernen, dass das alles ist, was wir lernen möchten. Wir werden uns schuldig fühlen, bis wir das gelernt haben. Denn am Ende erwächst unsere Schuld, welche Form sie auch immer annehmen mag, aus unserem Versagen, unsere Funktion in GOTTES GEIST mit all den unseren zu erfüllen.

Erkenntnis ist nicht das Heilmittel für falsche Wahrnehmung, weil sie, da sie anderen Ebenen angehören, einander nie begegnen können. Die einzig mögliche Berichtigung für falsche Wahrnehmung muss wahre Wahrnehmung sein. Wahre Wahrnehmung ist ein Heilmittel mit vielen Namen. Vergebung, Erlösung, SÜHNE, wahre Wahrnehmung - sie sind alle eins. Sie sind der eine Anfang mit dem Ziel und Ende, zum EINSSEIN weit jenseits ihrer selbst zu führen.

Die einzige Verantwortung des Wunderwirkenden ist, die SÜHNE für sich selber anzunehmen. Das bedeutet, dass wir erfassen, dass der Geist die einzige schöpferische Ebene ist und dass unsere Fehler durch die SÜHNE geheilt werden. Unsere Funktion in dieser Welt ist Heilen und unsere Funktion im HIMMEL Erschaffen.

Der HEILIGE GEIST gibt jedem eine besondere Funktion in der Erlösung, die wir allein erfüllen können, eine Rolle nur für uns. Das ist die gütige Wahrnehmung des HEILIGEN GEISTES von der Besonderheit; so verwendet ER das, was wir gemacht haben, zum Heilen statt zum Schaden. Und der Plan ist nicht vollständig, solange wir unsere besondere Funktion nicht finden und die Rolle nicht erfüllen, die uns zugewiesen wurde, um uns in einer Welt, in der Unvollständigkeit herrscht, vollständig zu machen.

Die Lektionen 62, 64, 65, 66, 99 und 192 lauten:
“Vergebung ist meine Funktion als Licht der Welt.”
“Lass mich meine Funktion nicht vergessen.”
“Meine einzige Funktion ist die, die GOTT mir gab.”
“Mein Glück und meine Funktion sind eins.”
“Erlösung ist die einzige Funktion, die ich hier habe.”
“Ich habe eine Funktion, von der GOTT möchte, dass ich sie erfülle.”

Die Funktion eines Lehrers GOTTES hat allerdings eine konkretere Funktion für diejenigen, die nicht verstehen, was Heilung ist. Sie bitten den Patienten um Vergebung für GOTTES SOHN in seinem eigenen NAMEN. Sie stehen für die ALTERNATIVE. Segnend kommen sie mit GOTTES WORT in ihrem Geist, nicht um die Kranken zu heilen, sondern um sie an das Heilmittel zu erinnern, das GOTT ihnen bereits gegeben hat. Es sind nicht ihre Hände, die heilen. Es ist nicht ihre Stimme, die das WORT GOTTES spricht. Sie geben nur, was ihnen gegeben wurde. Illusionen werden aufgelöst, nicht durch den Willen eines anderen, sondern durch die Vereinigung des einen WILLENS mit sich selbst. Und dies ist die Funktion der Lehrer GOTTES: keinen Willen als getrennt von ihrem eigenen zu sehen noch den ihren als getrennt vom WILLEN GOTTES.

Das Versprechen:

“Wenn du erst einmal SEINEN Plan als die eine Funktion akzeptiert hast, die du erfüllen möchtest, dann wird es auch nichts anderes mehr geben, was der HEILIGE GEIST nicht für dich arrangieren wird, ohne dass du dich bemühen musst. ER wird vor dir hergehen und deinen Pfad ebnen und keine Steine auf deinem Weg liegen lassen, über die du stolpern könntest, und keine Hindernisse, die deinen Weg versperren. Nichts, was du brauchst, wird dir verweigert werden. Nicht eine einzige scheinbare Schwierigkeit wird sein, die nicht vergeht, bevor du sie erreichst. Du brauchst dir über nichts Gedanken zu machen und auf nichts zu achten außer auf den einen Zweck, den du erfüllen möchtest. So, wie dieser dir gegeben wurde, so wird dir seine Erfüllung auch zuteil.”
(EKIW: Kapitel 20, IV. 8. 4.-9.)

“Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.”
(Bibel, Einheitsübersetzung, Matthäus 6,24-34)

Peace Pilgrim: An American Sage Who Walked Her Talk

Machen und Erschaffen

„Wie man's macht, macht man's verkehrt“ ist eine bekannte Redewendung – und eine tiefe spirituelle Wahrheit.

Wir haben eine Welt gemacht, um uns vor GOTT zu verstecken. Und diese erste “Tat“ war bereits der Versuch, etwas wahr zu machen, das nicht wahr sein kann: dass wir von GOTT getrennt sein könnten.

Kein Wunder also, dass diese Welt auf dem Kopf steht. Sie scheint uns genau das Gegenteil der Wirklichkeit zu zeigen. Was wirklich ist, erscheint unwirklich, und was unwirklich ist, nehmen wir für die Wirklichkeit.

Der gesamte Kosmos ist damit gewissermaßen ein gigantisches Gedankenexperiment: Was wäre, wenn wir von GOTT getrennt wären?

Was wäre, wenn es statt EINEM Geist viele gäbe?
Was wäre, wenn es Körper gäbe, die voneinander getrennt sind?
Was wäre, wenn es eine Vergangenheit und eine Zukunft gäbe?
Was wäre, wenn wir sterben könnten?
Was wäre, wenn es Schuld gäbe?
Was wäre, wenn Angriff tatsächlich möglich wäre?

Und dann machen wir daraus eine Welt und nennen sie Wirklichkeit. Genau das ist der Unterschied zwischen Machen und Erschaffen.

Wir können alles Mögliche machen: Körper, Häuser, Unternehmen, Geld, Beziehungen, Religionen, Staaten und ganze Weltbilder. Wir können sogar einen ganzen Kosmos machen. Aber wir können nichts wirklich erschaffen, was nicht bereits in GOTT erschaffen ist.

Das Ego ist ein großer Macher. Es produziert unentwegt Formen, Geschichten, Probleme und scheinbare Lösungen. Es verändert die Kulissen und nennt das Fortschritt. Es repariert, verbessert, optimiert und baut immer weiter.

Doch egal, wie viel wir machen: Wir machen die Illusion dadurch nicht wahr.

Erschaffen ist etwas völlig anderes.

Wenn wir beginnen, den Kurs zu studieren, erkennen wir, dass die Welt der Form auf der Annahme beruht, dass wir uns von GOTT trennen könnten. Da diese Annahme falsch ist, bedeutet das, dass die gesamte Welt nur eine Projektion des Ego-Geistes ist. Alles was wir sehen, ist nichts anderes als erfundene, illusorische Bilder. Der gesamte Kosmos ist das Ergebnis des Glaubens, dass wir von GOTT getrennt sind. Das bedeutet, dass alles im Kosmos eine hypothetische Vorstellung ist! Alles ist nur “als Beispiel erdacht”, ein Spiel mit “Was wäre, wenn?”

Wie ist das möglich? Wie sieht das aus? Was bedeutet das in Bezug auf das Erwachen? Jesus gibt uns einen recht guten Hinweis mit der Aussage, dass “es keine Geschichte geben würde, wenn dieselben Fehler in der Gegenwart nicht wiederholt würden.” (EKIW: Kapitel 4, II. 1. 3.) Was für eine Aussage! Es ist eine aufregende Einladung, einen tieferen Einblick in die Welt zu gewinnen, die wir zu kennen glauben. Es erfordert eine enorme Bereitschaft, die Idee in Betracht zu ziehen, dass alles in Zeit und Raum hypothetisch ist. Man muss bereit sein, sich ganz tief ins Unbewusste zu begeben und noch einiges mehr. Aber das Geschenk, das uns erwartet, wenn wir beginnen, uns auf die WAHRHEIT auszurichten, ist erfüllender als alles, was wir uns vorstellen können.

Jesus unterscheidet im Kurs daher ganz klar zwischen “make” und “create”. In der deutschen Übersetzung wurden dafür die Worte “machen” und ”erschaffen” verwendet. “Machen” bezieht sich auf die Illusion; ”erschaffen” auf die nondualen göttlichen Schöpfungen und damit auf die Wirklichkeit.

“Der Geist entscheidet sich, sich selber aufzuspalten, wenn er sich entscheidet, seine eigenen Ebenen zu machen. Doch kann er sich vom reinen Geist nicht völlig trennen, weil es der reine Geist ist, aus dem er seine ganze Macht bezieht, zu machen oder zu erschaffen.”
(EKIW: Kapitel 3, IV. 5. 8.-9.)

“Die Frucht vom Baum der Erkenntnis essen ist ein symbolischer Ausdruck für die Usurpation der Fähigkeit, sich selber zu erschaffen. Nur in diesem einzigen Sinne sind GOTT und SEINE Schöpfungen nicht gleichberechtigte Schöpfer. Die Überzeugung, sie seien es, ist implizit im »Selbstkonzept« oder der Tendenz des Selbst enthalten, ein Bildnis von sich selbst zu machen.”
(EKIW: Kapitel 3, VII. 4. 1.-3.)

“Der Geist kann den Glauben an die Trennung sehr real und sehr schrecklich machen, und dieser Glaube ist der »Teufel«.”
(EKIW: Kapitel 3, VII. 5. 1.)

Wir wurden erschaffen, um auch zu erschaffen, und nicht um zu machen. Was ist nun der genaue Unterschied zwischen Machen und Erschaffen?

Machen erfordert die besonderen Anstrengungen des Ego-Geistes. Machen beinhaltet das Planen, was man will, auf der Grundlage dessen, was man bereits kennt und sich dann daranzumachen, den Weg zu finden, dies entsprechend seiner eigenen Vorstellungen ins Leben zu bringen. Machen enthält immer ein Element der Angst, da das Ego selbst die fundamentale Kontraktion der Angst ist.

Erschaffen, in der Art, wie es in diesem Zusammenhang gemeint ist, bedeutet, dass es unsere einzige Funktion ist, als ein Kanal zu dienen, durch den das unergründliche Mysterium und die Schönheit der LIEBE auf Arten ausgedrückt werden kann, die in dieser Welt gesehen werden können, indem wir wählen, nur zu tun, was wir tun, um die Gegenwart der LIEBE zu genießen und diese LIEBE anzubieten, an wen auch immer oder was auch immer sie empfangen wird.

Wenn wir beispielsweise wählen, Freunde zum Essen einzuladen, und keine Hintergedanken haben, wenn wir keine Gegenleistung erwarten, wenn es nicht darum geht, sie mit unseren Kochkünsten zu beeindrucken oder ganz besondere Beziehungen aufzubauen, und wenn es uns auch nicht um irgendein Ernährungskonzept geht, sondern einfach darum, mit ihnen zusammen zu sein - einfach weil wir sie lieben, weil wir in einem freudigen Daseins-Zustand sind - dann dehnen wir die GEGENWART und die WIRKLICHKEIT GOTTES aus.

Im FLUSS DER SCHÖPFUNG wird die Form selbst immer als zweitrangig erkannt; sie ist nichts weiter als ein Instrumentarium für den Inhalt. Im Machen wird die Form sehr wichtig. Und warum? Weil beim Machen der Ego-Geist bereits glaubt, dass er weiß, was die Dinge sind und wofür sie da sind, da alle Dinge für die Sicherheit und das Fortbestehen des Ego da sind. Und daher wird die Form, wie Dinge getan werden, sehr wichtig, denn Form ist Vorstellung und nicht Inhalt. In der Schöpfung ist die Form, so wie wir sie am liebsten hätten, weil es uns Freude bereitet, nicht weil wir glauben, dass wir damit weltliche Ziele erreichen werden.

Wie sehr das Ego am Machen interessiert ist, können wir auch an unserem Verhältnis zur Arbeit erkennen. Selbst während eines vielversprechenden Kennenlernens lautet eine der ersten Fragen häufig: "Und was machen Sie beruflich?" Arbeit bestimmt unsere Stellung in der Gesellschaft, für viele Menschen sogar den Selbstwert. Sie stürzen in eine tiefe Lebenskrise, wenn sie ihren Job verlieren. Für das Ego ist im Zusammenhang mit Arbeit der Gedanke der Selbstverwirklichung - das Machen eines Selbstbildes - von ganz besonderer Bedeutung. Es ist der Glaube, sich selbst erschaffen zu können. Diese seltsame Wahrnehmung nennt Jesus im Kurs das Autoritätsproblem.

Arbeit ist mehr und mehr zu einem zentralen Aspekt der Selbstverwirklichung geworden. Arbeit ist zu einem Ersatz-Gott geworden. Arbeit ist eine Sucht, ein Fetisch, ein Mantra, das uns tagtäglich umgibt. Sie ist Sicherheit, Selbstbestätigung, Existenzberechtigung weit über das Materielle hinaus. Wir glauben an die Arbeit. Arbeit ist keine anerkannte Religion, aber sie trägt alle Merkmale einer Religion.

Der Wahnsinn des Ego-Denksystems spiegelt sich aber nicht nur in der persönlichen Bedeutung von Arbeit wider, sondern ganz grundsätzlich in unserem Wirtschaftssystem. Wir streben nach unbegrenztem Wirtschaftswachstum auf einem begrenzten Planeten. Wie verrückt ist das? Außerdem ist Wettbewerb eine äußerst verschwenderische und höchst ineffiziente Form des Wirtschaftens und produziert damit eine Unmenge an Arbeit, die niemanden wirklich nützt. Schätzungsweise 80% aller zurzeit von Menschen verrichteten Arbeit ist allein dem Glauben an Trennung - und damit dem Glauben an Wettbewerb - geschuldet und ergibt ohne diesen überhaupt keinen Sinn.

Der Unterschied zwischen Machen und Erschaffen ist der Unterschied zwischen Illusion und WIRKLICHKEIT. WIRKLICHKEIT ist die LIEBE, die GOTT ist. Es ist der WILLE DES SCHÖPFERS, LIEBE auszudehnen. Wir wurden aus dem WILLEN DES SCHÖPFERS heraus erschaffen - und daher ist unser Wille, LIEBE auszudrücken, der WILLE GOTTES; sie sind ein und dasselbe.

Der Ego-Geist ist, auch wenn es um das Thema Liebe geht, daran interessiert, Liebe zu machen. Er hat ganz genaue Vorstellungen darüber, wie Liebe aussehen sollte, welche Form sie annehmen sollte, wie andere Wesen sie erwidern sollten, welche Handlungen in Ordnung sind und welche nicht in Ordnung sind. Doch in der Schöpfung dehnt sich LIEBE einfach mit Unschuld SELBST aus. Wenn unser Wille eins ist mit unserem SCHÖPFER, sind wir nicht im Geringsten daran interessiert, Liebe zu machen. Wir sind nur daran interessiert, die WIRKLICHKEIT zu feiern, dass wir bereits in LIEBE sind und wir bereits als der Ausdruck von LIEBE existieren. Wir sind unschuldig und wir sind vollkommen, genauso wie wir sind. Die Form dieses Ausdrucks wird ziemlich zweitrangig, da sie bloß ein vorübergehendes Instrument für die Erfüllung des Verlangens des Herzens ist, die WIRKLICHKEIT des in LIEBE seins zu feiern.

Wir dürfen uns daher ehrlich die Frage stellen: Stecke ich in meinem eigenen Leben Energie in den Versuch, Liebe geschehen zu machen oder feiere ich, dass ich bereits in der PRÄSENZ DER LIEBE bin? Bei dem ersteren muss ich andere Wesen nötigen, sich mit mir in meinem Machen zu verbinden und dann versuchen, sie zu überzeugen, wie sie sich verhalten und wie sie auftreten sollten, wie sie zustimmen und wie sie empfangen sollten - so dass ich das Gefühl habe, dass ich im Manifestieren dessen erfolgreich war, was ich bereits im Geist beschlossen hatte. Liebe machen erfordert bestimmte Handlungen anderer. LIEBE erschaffen, das heißt, LIEBE ausdehnen, erfordert nichts außer meinen Willen, meine Bereitschaft. Das bedeutet, dass ich absolut frei bin und ich nichts fordere - nichts brauche - dass die Welt sich in irgendeiner bestimmten Form zeigen müsste, bevor ich entscheide, in LIEBE zu sein. Und wenn ich in LIEBE bin, wird LIEBE den Ausdruck der Form lenken.

Es ist wirklich so einfach. Und wir werden sofort wissen, ob ein Lächeln genug ist, ob zu einem anderen menschlichen Wesen oder zu einem Blatt an einem Baum. Wir werden ganz genau wissen, wenn wir mit jemandem zusammen sind, wie es auszudrücken ist. Es wird keine Frage geben, es wird keinen Zweifel geben. Es wird keine Störung, keine Behinderung durch den Ego-Geist geben. Es wird keine Angst da sein. Denn wenn der Geist wahrhaft im WILLEN GOTTES ist, gibt es keine Zeit. Und da es keine Zeit gibt, gibt es keinen Bezug zur Vergangenheit und keinen Bezug zur Zukunft. Denn diese Dinge verweilen in der Dualität der Zeit. Sie sind nicht Teil dessen, was alleine ewig ist. Die Vergangenheit ist vergangen. Die Zukunft ist - bestenfalls - eine Fantasie im Geist. Die Gegenwart ist es, in der GOTT verweilt.

Der FRIEDEN VON CHRISTUS hängt daher von unserer Bereitschaft ab, in der Gegenwart zu verweilen, aus keinem anderen Grund, als die Schöpfung auszudehnen, jemand zu sein, der LIEBE empfängt, die GEGENWART DER LIEBE anerkennt, LIEBE atmet und IHR dann erlaubt, durch den Körper-Geist zu fließen, durch die Stimme, durch das handgeschriebene Wort, durch das Zwinkern des Auges - was immer es ist - und dann sind wir damit fertig und wir sind auf dem Weg in den nächsten Moment. Der FRIEDEN VON CHRISTUS kommt nur zu dem Geist, der der Vergangenheit und der Zukunft den Wert entzieht und sich der Gegenwart hingibt. Denn nur in der Gegenwart kann LIEBE gefühlt werden, erkannt werden und ausgedehnt werden. Solch ein Geist ist ein Schöpfer. Und durch diesen Geist fließt die Vollkommenheit der Ausdehnung der LIEBE - ohne Behinderung, ohne Hindernis und ohne Fehler.

Der Geist, der frei ist, frei von dem Ego-Bedürfnis zu machen, zu kontrollieren, zu gestalten, der Geist, der frei ist von der Identifikation mit der Vergangenheit und frei von der Sorge über die Zukunft, verweilt daher in dem vollkommen ewigen Jetzt - aus keinem anderen Grund, außer, um das Gewahrsein zu empfangen, dass er in der vollkommenen Präsenz der LIEBE verweilt und dann diese mysteriöse WIRKLICHKEIT durch diesen Geist zu erlauben, genau wo er ist, wie er ist. Er braucht keine Show daraus zu machen. Es geht nicht darum, eine vorgegebene Aufgabenliste erledigen zu müssen. Wir sind einfach gegenwärtig im Moment und die LIEBE lebt uns.

Wenn wir wachsam sind, wenn wir bewusst sind, werden wir dahin gelangen zu sehen, dass, wann immer wir in dem Modus sind, Liebe zu machen, das Leben passend zu machen, so, wie wir denken, wie es sein sollte, wir im Leid sind. Wenn wir erschaffen, genießen wir das Wunder der SCHÖPFUNG SELBST. Denn wir sind in einer ganz einzigartigen Position. Wir sind sowohl DER EINE, durch den die SCHÖPFUNG fließt, und wir sind auch der Zeuge oder der Beobachter des Aktes der SCHÖPFUNG, die aus dem GEIST und dem HERZEN dieses KREATIVEN ZENTRUMS fließt, das wir GOTT nennen, DER nur LIEBE ist.

Feiern wir daher und nehmen die Einzigartigkeit unseres SELBST als der SOHN GOTTES an. Wir sind jemand, der LIEBE erfahren wird, LIEBE erschaffen wird und auch den Fluss der LIEBE beobachten und bezeugen wird. Und wenn wir nicht verstehen, dass das wunderbar ist, dann verbringen wir so viel Zeit, wie wir brauchen, alleine, ohne einen Muskel zu bewegen, bis wir es kapieren. Denn das ist die WAHRHEIT unserer WIRKLICHKEIT. Sie ist zeitlos und ewig und reicht weit über die Grenzen des physischen Körpers hinaus und über die Grenzen unserer Vorstellungen über unser physisches Selbst - unsere Persönlichkeit, unsere persönliche Geschichte, unsere Kinder, unsere Partner, unsere Bankkonten. Es übersteigt bei weitem alles, was vorübergehend im Feld der Form auftaucht.

Als der HEILIGE SOHN GOTTES, als dieser erschaffene GEIST, geboren um zu erschaffen, ist unsere Fähigkeit, dem Fluss der LIEBE gewahr zu sein, weder geboren, noch kann sie sterben - wir werden sie niemals verlieren. Als der HEILIGE SOHN GOTTES ist die Macht unserer Fähigkeit, die Macht unseres Seins, der LIEBE zu erlauben, durch uns zu fließen, für immer unbegrenzt und sie wird uns niemals weggenommen werden.

Dies ist die WAHRHEIT dessen, was wir sind. Und jedes Mal, wenn unser Geist der Macht des Ego-Geistes verfallen ist, was nur bedeutet, für einen Moment falsch und wahnsinnig zu wählen, geht die WIRKLICHKEIT unseres Seins niemals fort. Sie wird niemals in irgendeiner Weise verändert oder verwandelt. Alles, was geschehen ist, ist, dass wir Zeit benutzt haben, um das Gewahrsein der WAHRHEIT zu verlieren. Und im nächsten Augenblick sind wir frei, noch einmal zu wählen. Der GE- HEILTE GEIST ist EINER, der SEIN WAHRES WISSEN akzeptiert:

Ich und mein VATER sind EINS. Nur die LIEBE ist wirklich. Ich kann überhaupt gar kein Opfer dessen sein, was ich sehe, da das, was ich sehe, das ist, was ich zu sehen wähle. Und wenn ich wähle, es mit den AUGEN DER LIEBE zu sehen, ist alles, was ich sehe, vollkommene Unschuld und eindeutig der WILLE meines VATERS bei der Arbeit.

Der GEHEILTE GEIST ist einfach EINER, der in dieser einfachen WIRKLICHKEIT ruht. Er hat SICH bloß SELBST trainiert, immer die STIMME FÜR DIE LIEBE zu wählen, das ist alles. Es spielt keine Rolle, was auftaucht und vergeht. Der GEHEILTE GEIST ist nicht ein Geist, der, was immer ER will, was geschehen soll, geschehen machen kann. Das ist der Ego-Versuch, absolut mächtig zu werden. Die Demütigen im Herzen - die reinen Herzens - sind diejenigen, die erkennen, dass Machen die Illusion ist. Sein ist die WIRKLICHKEIT.

Machen und Erschaffen - wie wild tun oder die PRÄSENZ DER LIEBE sein, aus der heraus kreative Kontexte entstehen, weil es der WILLE DES SCHÖPFERS ist, SICH SELBST durch eine Unzahl an Formen, die auftauchen und vergehen, auszudehnen. Die Formen ändern sich, aber der Inhalt oder die Essenz tut es nicht. Und der ERWACHTE GEIST ist zu dem immer-gegenwärtigen Fluss des Inhaltes erwacht, der unaufhörlich alle Form durchdringt. Das ist der Grund, warum für den ERWACHTEN GEIST Verlust unmöglich ist und der Tod als unwirklich gesehen wird. Denn Tod kann nur die Form betreffen. Formen beginnen in der Zeit und enden in der Zeit, so wie der Körper; das ist eine Form, derer wir uns sehr deutlich bewusst sind. Ideen haben einen Anfang und ein Ende. LIEBE ist die einzige Sache, die weder Anfang noch Ende kennt, weil sie die fundamentale Energie von GOTT SELBST ist.

“Und hierin liegt die Torheit der Abwehr: Sie gibt den Illusionen Wirklichkeit und versucht dann, mit ihnen umzugehen, als seien sie wirklich. Sie häuft Illusionen über Illusionen und macht Berichtigung so doppelt schwierig. Genau das tust du, wenn du versuchst, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach deinen Wünschen zu organisieren.”
(EKIW: LEKTION 135, 1. 2.-4.)

Der GEHEILTE GEIST plant nicht. Was bedeutet das? Es bedeutet nicht, dass er nicht einen Tag strukturiert - das heißt, Entscheidungen zu treffen, ob er diesen Telefonanruf jetzt macht und den anderen später. Doch er plant nicht, wofür der Tag sein soll. Er gibt sich einfach in die LIEBE hin und erlaubt der LIEBE, den Tag zu gebären. Beachte den Unterschied! Der Ego-Geist steht morgens auf und glaubt schon, dass er weiß, wofür dieser eine Tag gut ist und dieser Tag kann keinen Zweck haben, außer die Autorität des Ego zu erhalten und erneut zu versuchen, die Welt an das anzupassen, wovon der Ego-Geist glaubt, dass es so sein muss. Der ERWACHTE GEIST weiß, dass dieser Tag keinen Zweck hat, außer dem, den der SCHÖPFER ihm geben will - durch den GEIST, durch das SELBST. Und so sucht ER zuerst das HIMMELREICH und dann werden IHM alle Dinge gegeben werden. Der Tag fließt aus SEINER Hingabe an die LIEBE hervor.

Wenn wir den Weg des Schöpfers wählen, dann ist die erste Sache, die wir tun müssen, uns daran zu erinnern, dass Erschaffen nicht das Gleiche ist wie Machen. Erschaffen beinhaltet, zuerst das HIMMELREICH zu suchen. Nun, was heißt das? Nun, das heißt, dass wir alles verkaufen müssen, was wir besitzen, uns einen Rucksack besorgen, ein Ticket nach Kathmandu kaufen und siebzehn Jahre mit Wandern durch das Himalaya-Gebirge verbringen, bis wir genau die richtige Höhle finden, und dann weitere siebzehn Jahre in tief versunkener Meditation und im Gebet verbringen, bevor wir beginnen, unseren ersten flüchtigen Eindruck von GOTT zu bekommen. Das ist es, was „das HIMMELREICH zu suchen“ beinhaltet. Oder wir können einfach den Geist dem FRIEDEN GOTTES zuwenden - genau da, wo wir sind - und ihn annehmen. Und genau in dem Augenblick werden wir erreicht haben, was all die Yogis in ihren Höhlen jemals erreicht haben, was all die BUDDHAS und CHRISTEN in ihrer Askese erreicht haben. Das HIMMELREICH ist nur eine Entscheidung entfernt:

Ich wähle jetzt den VOLLKOMMENEN FRIEDEN GOTTES.

Und einfach so haben wir alles erreicht, was erreicht werden muss - wenn wir es empfangen.

Zu erschaffen bedeutet, dass wir verpflichtet sind, zuerst das HIMMELREICH zu suchen, dann uns selbst zu erlauben zu feiern, dass wir, ungeachtet dessen, was unsere physischen Augen uns zeigen, ungeachtet dessen, wie das Gehirn die Wahrnehmung dessen interpretiert oder erzeugt, was ihm die physischen Augen offenbaren, dass wir, ungeachtet all dessen, frei sind. Denn, was immer auch auftaucht, ist vollkommen harmlos. Formen kommen und gehen, LIEBE bleibt. Und wie sonst könnten wir wohl Freiheit finden, außer als jemand, der einfach als die Entscheidung für die LIEBE verweilt?

Wenn wir ein Schöpfer sein wollen, müssen wir aufgeben zu streben, denn Streben ist Teil der Welt des Machens. Und wir werden uns selbst die Erlaubnis geben müssen, eine Meisterschaft des Erlaubens zu kultivieren. Erlauben ist keine Passivität. Erlauben bedeutet nicht, auf unserem Kissen zu sitzen und darauf zu warten, dass das UNIVERSUM gute Dinge in unserem Leben manifestiert. Erlauben ist ein Akt, uns nach innen zu wenden, unser EINSSEIN mit GOTT anzuerkennen und einfach zu fragen,

VATER, was würdest du gerne in diesem Moment erschaffen?

Manifestieren

“Träume sind Wutausbrüche der Wahrnehmung, in denen du buchstäblich schreist: »Ich will es so!« Und so scheint es zu sein. Und dennoch kann der Traum seinem Ursprung nicht entrinnen. Ärger und Angst durchziehen ihn, und im Nu dringt in die Illusion der Befriedigung die Illusion des Schreckens ein. Denn der Traum von deiner Fähigkeit, die Wirklichkeit dadurch zu kontrollieren, dass du sie durch eine Welt ersetzt, die du vorziehst, ist erschreckend.”
(EKIW: Kapitel 18, II. 4. 1.-6.)

Was Jesus damit meint, wird immer offensichtlicher – nicht nur im Großen und Ganzen, also in Bezug auf die Welt an sich, sondern auch im Kleinen, wird dieser Wutausbruch der Wahrnehmung immer deutlicher erkennbar. Beobachten wir dazu einfach einmal eine Bestellung in einem Restaurant: “Ich hätte gerne das Alligatorschnitzel mit Palmherzen, nur eben mit Zackenbarsch statt Alligator, Avocado statt Palmherzen und der Tabasco-Butter aus dem Krabbengericht statt Orangenhonig, die Sauce auf einem Extra-Teller, den Salat ohne Tomaten aber mit Gurke, das Dressing ohne Essig. Dazu ein Soda-Zitron mit etwas mehr Zitrone, aber ohne Kohlensäure.” Wenn das Gebotene nicht genau den Vorstellungen des Gastes entspricht, kann sich der Wutausbruch im Geiste schnell in der Form manifestieren, dann dringt im Nu in die Illusion der Befriedigung die Illusion des Schreckens ein.

Da ist es – das wahnsinnige Gedankensystem des Egos in Kurzform: „Ich mache weiter, bis ich Erfolg habe und alles meinen persönlichen Wünschen entspricht.” Wir sind überzeugt, dass wir glücklich sein könnten, wenn wir nur die perfekten Umstände in der Form finden könnten. Wenn wir scheinbar bekommen, was wir wollen, stellen wir jedoch schnell fest, dass es uns kein dauerhaftes Glück bringt. Also suchen wir erneut. Und wieder und wieder und wieder. Wir erfinden ein hypothetisches Szenario nach dem anderen, eine Lebenszeit nach der anderen, in der Hoffnung, dass eines davon endlich zum Ziel führt.

Lacan's Punkt

Der erste offizielle Beitrag des französischen Psychiaters und Psychoanalytikers Jacques Lacan (1901-1981) zur Psychoanalyse war das Spiegelstadium, das er als Bildner der Ich-Funktion beschrieb. In den frühen 50er Jahren betrachtete er das Spiegelstadium sowohl als einen historischen Moment im Leben des Kindes und ebenso einen Teil der permanenten Struktur der Subjektivität des Menschen. In „der imaginären Ordnung“ fängt das eigene Bild des Körpers das Subjekt dauerhaft ein und fesselt es.

Mit sechs Monaten fehlt dem Baby immer noch die körperliche Koordination. Das Kind kann sich im Spiegel erkennen, bevor es die Kontrolle über seine Körperbewegungen erlangt. Das Kind sieht sein Bild als Ganzes und die Synthese dieses Bildes erzeugt einen Kontrast zu der mangelnden Koordination des Körpers, der als fragmentierter Körper wahrgenommen wird. Um diese Spannung zu lösen, identifiziert sich das Kind mit dem Bild: Diese primäre Identifikation mit ihrem Gegenstück bildet das Ich.

Lacan hat außerdem erkannt, dass das Reale nicht gleichbedeutend mit der sogenannten Realität ist. Das Reale ist nicht nur dem Imaginären entgegengesetzt, sondern auch außerhalb des Symbolischen. Im Gegensatz zu letzterem, das sich aus Gegensätzen (d.h. Anwesenheit/Abwesenheit) zusammensetzt, „gibt es keine Abwesenheit im Realen“. [In der Sprache des Kurses: In WIRKLICHKEIT gibt es kein Gegenteil. Die LIEBE hat kein Gegenteil.]

Lacan erkannte auch etwas sehr Wesentliches zum Thema Wunscherfüllung. Sein Begriff des Begehrens steht in Verbindung zu Hegels Begriff der Begierde. Freud verwendete den Begriff Wunsch und Lacans Begehren bezieht sich auf den unbewussten Wunsch des Subjekts. Die Analyse besteht für Lacan darin, das Subjekt mit der Wahrheit seines Begehrens zu konfrontieren.

Lacan unterscheidet das Begehren vom Bedürfnis. Bedürfnis ist ein biologischer Instinkt, bei dem das Subjekt vom Anderen abhängig ist, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen: Um die Hilfe des Anderen zu erhalten, muss „Bedürfnis“ artikuliert werden. Aber die Gegenwart des Anderen stellt nicht nur die Befriedigung des „Bedürfnisses“ sicher, sondern repräsentiert auch die Liebe des Anderen. Folglich erhält die Bitte - als Folge des Verlangens - eine doppelte Funktion: Sie artikuliert einerseits „Bedürfnis“ und wirkt andererseits als „Bitte nach Liebe“. Selbst nachdem das in der Nachfrage artikulierte „Bedürfnis“ befriedigt wurde, bleibt die „Bitte nach Liebe“ unbefriedigt, da der Andere nicht die bedingungslose Liebe liefern kann, die das Subjekt sucht.

Im Gegensatz zum Bedürfnis, das befriedigt werden kann, kann das Begehren niemals befriedigt werden: Es ist konstant in seinem Druck und ewig. Das Erreichen des Begehrens besteht nicht darin, erfüllt zu werden, sondern darin, es als solches zu reproduzieren.

Von dem Objekt, das unser Begehren überhaupt erst antreibt, versprechen wir uns vollkommenes Glück. Sobald wir das Objekt (das Auto, den Traumpartner, den Job) jedoch erreichen, merken wir, dass das - was wir eigentlich gesucht haben - gar nicht darin enthalten ist. Das Begehren haftet nicht am Gegenstand, sondern an der Illusion des Mangels. Sobald wir es haben, verschwindet der Mangel – und damit augenblicklich der Reiz. Lacan pointiert: „Das Begehren existiert nicht, um befriedigt zu werden, sondern um das Begehren am Laufen zu halten.“

Bild Solange wir den Glauben haben, dass wir nicht so sind, wie GOTT uns schuf, werden wir versuchen, dies immer und immer wieder zu beweisen. Wir werden alles ausprobieren was uns einfällt, und zwar über so viele Millionen Jahre hinweg, wie wir wollen.

Und die meisten Leute denken, dass Wahlfreiheit etwas Gutes ist! Wahl ist nichts anderes als der große Trick dieser Welt. Solange wir uns für eine Form entscheiden, entscheiden wir uns dafür, kleine zeitgebundene Geschöpfe zu sein, die in den Zyklus von Geburt und Tod eingesperrt sind, die erkranken, leiden und sterben werden.

Mr. Nobody ist einer der besten Filme zum Thema Manifestieren. Er zeigt all die zum Scheitern verurteilten Versuche auf, die perfekten Umstände in der Form zu finden. Solange wir an den Traum glauben, hat dieser die Macht, uns zu verletzen.

“Alles in dieser Welt, von dem du glaubst, es sei gut, wertvoll und erstrebenswert, kann dich verletzen und wird es tun. Nicht, weil es die Macht, dich zu verletzen, hat, sondern nur, weil du geleugnet hast, dass es nur eine Illusion ist, und ihm Wirklichkeit verliehen hast.”
(EKIW: Kapitel 26, VI. 1. 1.-2.)

“Die Träume, welche du zu mögen glaubst, sind die, in denen die Funktionen, die du zugewiesen hast, erfüllt worden sind, in denen den Bedürfnissen, die du dir zuschreibst, entsprochen worden ist. Es ist nicht von Belang, ob sie Erfüllung finden oder bloße Wünsche sind. Es ist die Idee, sie existierten, aus der die Ängste aufsteigen.”
(EKIW: Kapitel 29, IV. 4. 3.-5.)

Menschen im Zustand der Ego-Identifikation versuchen, sich schöne Dinge zu manifestieren. Dabei vergessen sie jedoch völlig, dass dasselbe Denksystem auch Krieg, Hunger und Tod manifestiert. Die gesamte Welt ist eine Manifestation des Verlangens nach und des Glaubens an Trennung. Zu versuchen, sich aus dieser Manifestation reinen Wahnsinns die Rosinen herauszupicken und dabei die Dunkelheit nicht sehen zu wollen, ist Teil des Wahnsinns. Es geht nicht darum, sich ein besonderes Traumleben zu manifestieren, sondern einzig und allein darum, aus diesem Traum von einem Leben zu erwachen. Anders ausgedrückt: Es geht darum, nicht länger zu versuchen, sich vor GOTT zu verstecken, indem wir uns in einer Illusion von Welt verstecken, die als Feigenblatt dient, um private Gedanken zu verbergen.

Es geht nicht um einen armseligen Tausch eines Traums von Leid gegen einen “schöneren“ Traum von Erfolg, sondern darum, aus dem Traum zu erwachen. Gerade der Traum vom Erfolg steht dem Erwachen im Weg, denn in ihm gibt es keine Motivation dafür. Oft ist es erst etwas, das Menschen als existenzielle Krise oder Katastrophe erleben, was sie dazu bringt, sich wirklich an GOTT zu wenden. Die Menschen wachen nur auf, wenn der Pfeil tief ins Herz geht und sie verwundet. Ansonsten wacht man nicht auf. Wenn das Leben einfach, bequem und problemlos ist, wer macht sich dann die Mühe? Wer will schon wach werden?

Viele berühmte Schauspieler und Musiker haben genau diese Erfahrung gemacht. Nachdem sie alles an Erfolg, Geld, Sex und Berühmtheit erreicht hatten, versanken sie in Depressionen, wurden alkohol- oder drogensüchtig oder nahmen sich gleich das “Leben”. Aber genau für diese Erfahrung, dass kein weltliches Traumleben unsere tiefe Sehnsucht nach unserem wahren Zuhause stillen kann, sind derartige “Traumleben“ da. Solange wir das Leid unserer Trennungserfahrung unterdrücken und versuchen, unsere Trauer zu verdrängen, indem wir uns mit den Vergnügungen dieser Welt ablenken, bleiben wir gefangen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Erst wenn wir erkennen, dass trotz erfüllter Träume eine Leere in unseren Herzen zurückbleibt, die sich durch nichts in dieser Welt füllen lässt, haben wir den Punkt erreicht, an dem wir alle eines Tages kommen und über den wir hinausgehen müssen.

“Die Zahl der Wege, die die Welt anbieten kann, scheint ziemlich groß zu sein; die Zeit muss aber kommen, wo jeder zu sehen beginnt, wie ähnlich sie einander sind. Manche Menschen sind gestorben, als sie dieses sahen, weil sie keinen Weg erblickten außer jenen Pfaden, die angeboten werden von der Welt. Und als sie lernten, dass sie nirgendwohin führen, verloren sie die Hoffnung. Und dennoch war dies ebenjene Zeit, in der sie ihre größte Lehre hätten lernen können. Alle müssen diesen Punkt erreichen und über ihn hinausgehen.”
(Kapitel 31, IV, 3. 3.-7.)

So ist diese Welt. Basierend auf dem Glauben, dass man sich selbst und seine Welt nach bestimmten Vorlieben oder Wünschen gestalten kann, scheint sich der Wunsch zu manifestieren. Doch wie kann der Wunsch, etwas zu sein, was man nicht ist, Erfolg haben? In Träumen mag es so aussehen, als würde er Erfolg haben, aber nicht in Wirklichkeit. Eine Reise weg vom EINEN SELBST ist eine Fantasie und kann daher nicht stattfinden. GOTT ist der SCHÖPFER der WIRKLICHKEIT. Das ist die Tatsache, die es zu akzeptieren gilt. Wie freudig ist die Erkenntnis, dass es keine Liebe außer GOTTES LIEBE gibt und dass es kein Leben, keinen Geist, keine Intelligenz und keine Substanz in der Materie gibt.

“Alles in dieser Welt ist klein, denn es ist eine Welt, die aus Kleinheit gemacht ist im seltsamen Glauben, dass Kleinheit dich zufrieden stellen kann. Wenn du nach irgend etwas in dieser Welt im Glauben strebst, dass es dir Frieden bringen wird, setzt du dich selbst herab und machst dich blind für die Herrlichkeit.”
(EKIW: Kapitel 15, III. 1. 5.-6.)

“Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ heißt ein bekannter Spruch in der Welt des Egos. Das Ego will, dass wir den Traum für unser wirkliches Leben halten, während das Ziel des spirituellen Weges die Träumer-des-Traums-Perspektive ist. “Lebe deinen Traum", fordert uns das Ego auf, denn es hat keine Ahnung von unserer wahren Herrlichkeit. Wenn wir also an die Manifestation unseres persönlichen Traumlebens glauben, glauben wir auch, dass Kleinheit uns zufriedenstellen kann. Der Titelsong der französischen Teenie-Komödie La Boum - Die Fete aus dem Jahr 1980 bringt das Ego-Denksystem auf den Punkt:

“Dreams are my reality
The only kind of real fantasy
Illusions are a common thing
I try to live in dreams”
(Reality - Richard Sanderson)

Das Leben Jesu

Das Ego lädt uns stets ein, unser Traumleben zu manifestieren, also unserer persönlichen Vorstellung von einem traumhaften Leben zu folgen. Wenn uns die Stimme des Egos zuflüstert: “Lebe deinen Traum”, dann meint das Ego natürlich seinen Traum, nämlich den Traum der Trennung.

Betrachten wir jedoch einmal genauer jenes menschliche Leben, das für diesen Planeten von größter Bedeutung ist, da es auf eine Befreiung aus dieser Welt hinweist, die uns unseren vollkommenen Zustand jenseits aller Welten wiedererkennen lässt. Jesus von Nazareth erreichte in der menschlichen Erfahrung die volle Verwirklichung des Potentials geistiger Entität mit GOTT; deshalb wird sein der Ausführung des göttlichen Willens gewidmetes Leben für den Menschen zur wahrhaftigsten und idealsten Offenbarung der Natur GOTTES.

Aus der Perspektive des Egos war das Leben von Jesus jedoch keineswegs das, was das Ego unter „seinen Traum manifestieren“ versteht. Schon die Heimatstadt Jesu, Nazareth, ist von symbolischer Bedeutung, denn sie hatte nichts von jener Besonderheit, die das Ego so liebt. Nazareth war zur Zeit Jesu eine unbedeutende Provinzstadt und Anlass zu manchem Gespött. “Was kann denn aus Nazareth schon Gutes kommen?“ lautete die Beurteilung dieser kleinen Ortschaft in Galiläa. Die gesamte nördliche Provinz Galiläa war etwas anrüchig. Die Israeliten nannten sie “Galil-ha-Goim“, den “Distrikt der Ungläubigen“, da das Gebiet auf drei Seiten von fremden Völkern umgeben war. Nazareth hat nie eine besondere politische Rolle gespielt. Nazareth war damals in jeder Beziehung ein unbedeutender Ort, ein bescheidener Flecken, ein unscheinbares Bauern- und Handwerkerstädtchen, ein kleiner, ungeschützter Grenzort Galiläas, eine Art Grenzwacht und Grenzwarte.

Jesus wurde in einem Stall in Bethlehem geboren, da zur Zeit seiner Geburt alle Herbergen und sonstigen Räume in Bethlehem überbelegt waren. Jesus wurde nicht nur in einem Stall geboren, sondern auch als Teil eines unterdrückten Volkes, dessen Land von einer fremden Macht besetzt war. Nie hat er ein böses Wort über die Besatzer verloren oder gar gegen sie gekämpft. In späteren Jahren lehnte Jesus eine Mitarbeit an der stark nationalistischen Partei der Zeloten ab und weigerte sich, alle Gründe für die Ablehnung anzugeben. Jesus sah sich mit einer der heikelsten und schwierigsten Situationen seines jungen Lebens konfrontiert. Jesu Lage erschwerte sich durch den Umstand, dass seine Mutter, sein Onkel und sogar sein jüngerer Bruder Jakobus in ihn drangen, sich der nationalistischen Sache anzuschließen. Wieder nichts, was dem Ego zur Ehre gereicht.

Jesus ungewöhnlichster und auffallendster Charakterzug schon in seinen Jugendjahren war vielleicht, dass er es ablehnte, für seine Rechte zu kämpfen. Da er doch ein für sein Alter so gut entwickelter Knabe war, kam es seinen Spielgefährten merkwürdig vor, dass er eine Abneigung hatte, sich selber zu verteidigen, sogar wenn er Unrecht erlitt oder persönlich misshandelt wurde. Auch Wehrlosigkeit ist kein Charakterzug, den das Ego schätzt.

Im elften Lebensjahr Jesu war Maria mehrere Wochen lang so sehr krank, dass Joseph zu Hause blieb. Jesus war vollauf beschäftigt mit Besorgungen für seinen Vater und mit vielen Pflichten, die sich aus der ernsthaften Erkrankung seiner Mutter ergaben. Nie wieder wurde es diesem Jungen möglich, zu dem kindlichen Verhalten seiner früheren Jahre zurückzukehren.

Zu Beginn des Kalenderjahrs seines vierzehnten Geburtstags traf Joseph Vorkehrungen, das Einkommen aus seinem Besitz in Nazareth und Kapernaum zur Seite zu legen, um Jesu langen Studiengang in Jerusalem bezahlen zu können; denn es war geplant, dass Jesus im August des nächsten Jahres mit Erreichen des fünfzehnten Lebensjahres nach Jerusalem gehen sollte. Die Aussichten für die Familie schienen gut; die Zukunft war hell. Doch dann kam alles anders. Joseph verunglückte tödlich. Durch den Tod Josephs wurde das Leben dieses nazarenischen Haushalts jäh unterbrochen, und jeglicher Plan für Jesus und seine zukünftige Erziehung war zunichte gemacht worden.

Wenn Jesus sich im Laufe seines weiteren Lebens bemühte, gewissen Aspekten einer irdischen Erfahrung nicht nachzugehen, so verfolgte er damit ein bestimmtes Ziel. Er wollte vermeiden, dass sein Lebensweg zu vielgestaltig und Aufsehen erregend erschiene und künftige Generationen dazu bewegen könnte, den Lehrer zu verehren, anstatt der Wahrheit zu gehorchen, die er gelebt und gelehrt hatte. Das ist das entscheidende Kriterium, anhand dessen wir einen wahrhaftigen Lehrer erkennen können. Einem solchen Lehrer geht es immer um die Botschaft und nie um die eigene Person.

Wenn du also einem Lehrer begegnest, der ständig von seinem manifestierten Traumleben erzählt und der versucht dir seinen Namen zu verkaufen, dann geh einfach vorüber. Denn wenn du bereit bist, das hier zu lesen, dann brauchst du ihn nicht. Du bist bereits jenseits von ihm.

Im siebenundzwanzigsten Jahr nahm Jesus von seiner Familie Abschied und gehörte fortan diesem Haushalt nie wieder als ständiges Mitglied an. Ab dieser Zeit hatte er nur noch wenig Kontakt zu seiner irdischen Familie.

Eine große Entscheidung im Leben Jesu betraf die Frage, ob er seine übernatürlichen Kräfte einsetzen solle, um die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu erregen und ihre Gefolgschaft zu gewinnen, oder nicht. Sollte er seine Universums-Macht auf irgendeine Weise zur Befriedigung der jüdischen Sehnsucht nach dem Aufsehenerregenden und Wunderbaren einsetzen? Er entschloss sich, nicht so zu handeln. Jesus sah sehr weise voraus, dass das Wirken von Mirakeln und die Ausführung von Wundertaten das materielle Gemüt einschüchtern und lediglich äußerliche Gefolgschaft bewirken würde; solche Demonstrationen würden weder Gott offenbaren noch die Menschen retten.

Jesus zog es vor, das Königreich des Himmels in den Herzen der Menschen durch natürliche, gewöhnliche, schwierige und anstrengende Methoden zu begründen, genau dieselben, die seine irdischen Kinder in Zukunft bei ihren Tätigkeiten zur Erweiterung und Ausbreitung des himmlischen Königreichs anwenden müssten. Denn der Menschensohn wusste genau, dass „viele Kinder aller Zeitalter nur durch große Mühsal ins Königreich gelangen würden“. Jesus ging jetzt durch die große Prüfung des zivilisierten Menschen, nämlich Macht zu besitzen und es standhaft abzulehnen, diese zu egoistischen oder persönlichen Zwecken zu gebrauchen.

Jesu Rede zur Weihe der zwölf Aposteln ist eine meisterhafte Lebensphilosophie. Jesus ermahnte seine Jünger, sich in einem Glauben zu üben, der auf Erfahrung beruht. Er warnte sie, sich nicht auf eine bloß intellektuelle Zustimmung, auf Leichtgläubigkeit und etablierte Autorität zu verlassen. “Selig sind die Armen im Geiste - die Demütigen.” Die Armen im Geiste suchen Ziele geistigen Reichtums - sie suchen Gott. Für die Aposteln bedeutete die Nachfolge Jesus auch ihr Zuhause, ihre Familien, Freunde, weltlichen Güter und Stellungen aufzugeben. Und solche Wahrheitssucher brauchen nicht auf Belohnungen in einer fernen Zukunft zu warten; sie werden jetzt belohnt. Sie finden das Königreich des Himmels in ihren eigenen Herzen, und sie erleben diese Glückseligkeit jetzt.

Jesus warnte seine Zuhörer häufig vor Begehrlichkeit und erklärte: „Eines Menschen Glück besteht nicht im Überfluss seines materiellen Besitzes.“ Er wiederholte beständig: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seine eigene Seele verliert?“

Eines Nachmittags als Jesus und seine Gefährten in der Umgebung von Sidon eine Brücke überquerten, die erste, die viele von ihnen je gesehen hatten, sagte Jesus: „Diese Welt ist nur eine Brücke; man kann darüber gehen, aber man sollte nicht daran denken, ein Haus darauf zu bauen.“

Und in allen Zeitaltern obliegt es den Anhängern des Meisters, zu lernen, „im Vorübergehen“ zu dienen - uneigennützig Gutes zu tun, während sie ihren täglichen Pflichten nachgehen. Aus Sicht des Egos ist die Lehre Jesus ein äußerst unattraktives Angebot, da das Ego sich nur um sich selbst dreht und nur das eigene Wohl im Blick hat.

Nach drei Jahren Lehrtätigkeit wurde Jesus von einem seiner engsten Begleiter, einem seiner zwölf Apostel, verraten und von den anderen während seiner Verurteilung mehrmals verleugnet. Aus Sicht des Egos könnte man also behaupten, er sei als Lehrer gescheitert, da es ihm nicht einmal gelungen war, jene zwölf Begleiter, mit denen er drei Jahre lang fast rund um die Uhr verbracht hatte, restlos von seiner Lehre zu überzeugen.

In der Folge wurde Jesus verurteilt, gegeißelt und schließlich gekreuzigt. Auch elf seiner zwölf Apostel starben der Überlieferung nach eines gewaltsamen Todes, als sie versuchten, die Lehre Jesu zu verbreiten.

Aus Sicht des Egos war das Leben Jesu ein einziges Scheitern und das absolute Gegenteil dessen, was es sich von einem Traumleben vorstellt, denn das Ego versteht die Auferstehung nicht. Das Ego versteht die Wahrheit nicht, und der Verstand kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet, mit GOTT verbunden zu sein. Die innere Glückseligkeit Jesu in seiner Verbindung mit dem VATER lässt sich in keinem Film über Jesus darstellen.

Die Nachfolge Christi bedeutet, alle persönlichen Vorstellungen von einem traumhaften Leben loszulassen und bereit zu sein, die uns zugedachte Funktion in SEINEM Plan zu übernehmen. Das Ergebnis ist ein Zustand vollkommenen Glücks, der jenseits jeder Vorstellung von Glück auf der Ebene des Egos liegt.

“GOTTES WILLE für mich ist vollkommenes Glück.”
(EKIW: Lektion 101)

Jesus trat nicht für Möglichkeiten ein, die Illusion schöner zu machen, oder riet anderen, wie sie sich voll und ganz ausdrücken konnten, um nicht mit einem ungelebten persönlichen Potenzial zu sterben. Solche Übungen verschaffen uns vielleicht eine Weile ein besseres Gefühl, aber wir bauen unser Haus noch immer auf Sand. Das eigentliche Ziel besteht nicht darin, unser Leben schöner zu machen, sondern darin, aus dem zu erwachen, was wir für unser Leben halten. Dann bauen wir unser Haus auf Fels. In Jesus' Botschaft geht es nicht darum, die Welt in Ordnung zu bringen. Was tun wir mit dem, was wir für die Welt halten, wenn unser Körper zu sterben scheint? Wir können die Welt zwar schöner machen, aber wir können sie nirgendwohin mitnehmen.

Das Leben Siddhartha Gautamas

Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, war ein Prinz. Sein Vater, König Shuddhodana, schuf ihm eine wunderschöne, aber lebensfremde Umgebung. Er sollte keine alten und kranken Menschen sehen, nur junge, schöne und gesunde Menschen durften im Palast arbeiten. So verbrachte Siddhartha seine Kindheit und Jugend in einer schönen Scheinwelt, die sein Vater für ihn geschaffen hatte. Ähnlich erging es Franz von Assisi, der in jungen Jahren alles hatte, was die Welt zu bieten hat. Beide wandten sich von ihrem bisherigen Leben ab und wurden zu dem, was wir üblicherweise einen Heiligen oder Erleuchteten nennen.

Wie sieht es aktuell bei uns aus? Die meisten Menschen, gerade hier im deutschsprachigen Raum, leben ein “Traumleben“. In der Werbung – auch im Kontext von New-Age-Spiritualität – sieht man ständig junge, glückliche, gesunde Menschen, die durch Konsum glücklich werden. Die meisten Menschen, denen man in der Innenstadt begegnet, sind extrem gut gekleidet, gestylt, gesund, nicht beeinträchtigt, selbstständig und mit schönen, neuen Autos unterwegs. Selten trifft man auf jemanden im Rollstuhl oder mit einem Blindenstock, nur ab und zu sieht man einen Bettler und auch da wird versucht, sie aus dem Stadtbild zu entfernen. Wir sind eine erlesene Gesellschaft. Alle, die nicht ihrer fünf Sinne mächtig sind, sind in Heimen untergebracht. Und es wird sich um sie gekümmert. Was wir im Alltag sehen, ähnelt dem Trugbild vom Leben, das König Shuddhodana seinem Sohn Siddhartha bot.

Ähnlich sieht der Anblick der Wälder rund um die Städte aus: Sie sind durchforstet, dazwischen verlaufen schöne Wege und es liegen keine Bäume kreuz und quer am Boden. “Bewirtschaftet” – so heißt das im Wald. So könnte man meinen, dass auch die Gesellschaft “bewirtschaftet” ist. Alter, Krankheit und Tod sind dabei so weit wie möglich ausgeschlossen. Doch Buddhas letzte Worte waren: “Wohlan denn, ihr Mönche, lasst euch gesagt sein: Schwinden muss jede Erscheinung. Unermüdlich mögt ihr da kämpfen.“ Und Jesus weist uns im Kurs darauf hin, dass nichts, was nicht ewig ist, wertlos ist: “Wenn du ein Ding wählst, das nicht ewig währt, dann ist das, was du wählst, wertlos.“

Wie einst Buddha mit seiner ersten der vier edlen Wahrheiten müssen auch wir erkennen, dass das, was diese Welt unter Leben versteht, Leiden ist. In der Illusion der Trennung zu leben ist Leiden, egal wie schön wir uns das alles noch gestalten mögen.

Die Mystiker aller Zeiten waren sich bewusst, dass der spirituelle Weg bedeutet, sich von der Illusion dieser Welt zu lösen, um aus dem Traum dieser Welt zu erwachen. Auf dem Weg zu GOTT geht es nicht darum, zu versuchen den Traum zu kontrollieren, sondern allein darum, aus ihm zu erwachen, und deshalb geht es auch nie um die Vermehrung von Gütern, sondern genau um das Gegenteil - um die Loslösung von der Anhaftung an die Materie, und es geht auch nicht um den Aufbau besonderer Beziehungen, sondern um die Loslösung von jeder Art von Besonderheit.

“Götzen sind ganz konkret. Doch dein Wille ist universal, da er grenzenlos ist. Also hat er keine Form, noch gibt er sich zufrieden mit einer Äußerung in Formbegriffen. Götzen sind Grenzen. Sie sind der Glaube, dass es Formen gibt, die Glück bringen werden, und dass durch Begrenzung alles zu erreichen sei. Es ist, als sagtest du: Ich brauche gar nicht alles. Dies kleine Etwas will ich haben, und es wird für mich wie alles sein. Das kann dich nicht befriedigen, weil es dein Wille ist, dass alles dein sei. Entscheide dich für Götzen, und du bittest um Verlust. Entscheide dich für die Wahrheit, und dann ist alles dein.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 1.)

“Hinter der Suche nach jedwedem Götzen liegt die Sehnsucht nach Vollständigkeit. Ganzheit hat keine Form, weil sie grenzenlos ist. Einen besonderen Menschen oder Gegenstand zu suchen, den du dir hinzufügst, um dich vollständig zu machen, kann nur bedeuten, dass du glaubst, es fehle irgendeine Form. Und wenn du diese fändest, würdest du Vollständigkeit in einer Form erlangen, die du magst. Das ist der Zweck des Götzen: dass du nicht über ihn hinaus zur Quelle deiner Überzeugung, du seist unvollständig, blickst.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 3. 1.-5.)

Schon der deutsche Mystiker des Spätmittelalters Meister Eckhart hat erkannt: Das geistliche Leben hat mehr mit Abziehen als mit Hinzufügen zu tun, jedoch nicht im Sinne eines Opfers, sondern weil ihr Mangel an Wert begriffen wird. Aber im kapitalistischen Westen machen wir folgendes: Ständig klettern wir auf Erfolgsleitern hoch und haben alles zu einer Sache von Hinzufügen anstatt zu einer Sache von Abziehen - Abziehen des Geistes von der materiellen Welt - gemacht. Wenn wir in uns nicht genug erlebt und erfahren haben, sind wir versucht, immer mehr äußere Dinge in uns hineinzustopfen und anzusammeln, damit wir unser Selbstwertgefühl nicht verlieren und das Gefühl haben, etwas wert zu sein. Genau das ist die große geistige Illusion. Der Wunsch nach besonderen Dingen und Menschen ist Ausdruck eines tiefen spirituellen Mangels, eines tiefen Gefühls von Wertlosigkeit und einer tiefen inneren Leere. Es zeigt sehr deutlich auf, wie wenig wir uns von GOTT geliebt fühlen.

David R. Hawkins hat unterschiedliche energetische Niveaus von Emotionen mittels Kinesiologie bestimmt. Und auch seine Untersuchungen haben gezeigt, dass der Wunsch, die Sehnsucht, das Verlangen nach etwas in dieser Welt eine negative Energie ist. Der Wunsch nach etwas in dieser Welt entspringt dem Ego-Denksystem. Je mehr wir diesem Wunsch nachgeben, desto stärker wird er. Mehr muss es sein. Das ist der Grund, warum selbst Menschen, die im weltlichen Sinne reich sind, versuchen, ihren Reichtum noch weiter zu vermehren. Doch es spielt nicht wirklich eine Rolle, wovon mehr - mehr Schönheit, mehr Intelligenz, mehr Wohlstand, mehr Follower, mehr Likes oder sogar mehr Bedrängnis und mehr Schmerz.

Im Zustand der Ego-Identifikation versuchen wir immerzu, die Welt zu verändern, aber die Welt wird bleiben, wie sie ist, egal, was wir anstellen – weil wir so bleiben, wie wir sind. Wir können uns ein größeres Haus kaufen, wir können ein größeres Auto kaufen, wir können eine tollere Frau oder einen tolleren Mann bekommen, aber ändern wird sich nichts, weil wir dabei derselbe bleiben! Unser Denken, unser Ansatz, unsere Art wahrzunehmen sind dieselben. Wir ändern immer alles Mögliche, ohne uns selbst zu ändern. Es ist also immer nur ein unglücklicher Mensch, der aus der Hütte in den Palast umzieht, aber der unglückliche Mensch bleibt der gleiche. Er war unglücklich in der Hütte, jetzt wird er in einem Palast unglücklich sein. Zwar mag es ein Unglück auf großem Fuße sein und die angehäuften Dinge werden ihn ein wenig davon ablenken, doch in der Tiefe seines Herzens wird er weiterhin unglücklich sein. In der Tiefe seines Herzens herrscht nach wie vor eine große Leere, die sich durch nichts auf dieser Welt füllen lässt.

Wir nehmen unser Unglück immer mit, und egal, wo wir hinziehen, wir werden immer in unserer eigenen Gesellschaft sein. Und so ist jede äußere Veränderung im Grunde nur dem Schein nach eine Veränderung. Wir bilden uns nur ein, dass sich etwas verändert hat, aber es hat sich nichts verändert. Nur eine wahre Veränderung ist möglich, und zwar die, dass sich unser Denken vom Ego zum reinen GEIST hin verändert.

Aber im Zustand der Ego-Identifikation interessieren wir uns für Quantität. Wir interessieren uns dafür, wie wir reicher werden können – was die Quantität, nicht die Qualität betrifft. Was sich verändert, ist die Menge – es wird immer mehr. Aber unsere Qualität bleibt die gleiche, und wahrer Reichtum wird nicht nach Dingen bemessen. Wahrer Reichtum wird nach der Qualität unseres Denkens, unseres Lebens bemessen. Selbst ein Armer kann ein reicher Mann sein, was die Qualität betrifft, und selbst ein Reicher kann ein armer Mann sein. Fast immer ist das auch der Fall, denn jemand, der sich nur mit Dingen und Menge befasst, ist sich der Tatsache überhaupt nicht bewusst, dass in seinem Inneren eine ganz andere Dimension existiert – die Dimension der Qualität, die Dimension der LIEBE GOTTES.

Man sollte sich daher immer fragen, egal, was man tut, egal, was man leistet: “Wenn es mir gelingt – was dann? Hat das alles einen Sinn, oder ist da nur ein künstlicher Sinn, den ich selbst hineinlege, um mich abzuheben, um mich in eine Illusion zu hüllen, die mir das Gefühl gibt, etwas Wertvolles zu tun, während ich in Wirklichkeit Leben und Energie vergeude und überhaupt nichts Wertvolles tue?”

Es gibt nur eines, was Wert hat: wenn wir ohne alles glücklich werden können, wenn wir allein, ohne jede weltliche Abhängigkeit, glückselig sein können. Nur wenn wir nichts brauchen für unsere Seligkeit, können wir selig sein. Sonst nicht. Sonst werden wir elend sein, immer im Elend. Abhängigkeit ist Elend, und alle, die von Besitz abhängig sind, die von der Anerkennung anderer abhängig sind, die von diesem oder jenem abhängig sind, verhelfen nur ihrem Unglück zu mehr und mehr Wachstum. Das Leben vieler weltberühmter Musiker und Schauspieler endete in der Drogensucht, nachdem sie alle Anerkennung und den ganzen Luxus dieser Welt erreicht hatten - denn sie hatten keine Antwort auf die Frage: “Was nun?”

"Jeder Götzenanbeter hegt die Hoffnung, dass seine besonderen Götter ihm mehr geben werden, als andere Menschen haben. Mehr muss es sein. Es spielt nicht wirklich eine Rolle, mehr wovon - mehr Schönheit, mehr Intelligenz, mehr Wohlstand oder sogar mehr Bedrängnis und mehr Schmerz. Für mehr von etwas ist ein Götze da. Und wenn einer versagt, dann nimmt ein anderer dessen Platz ein mit der Hoffnung, mehr von etwas anderem zu finden. Lass dich nicht täuschen von den Formen, die dieses »Etwas« annimmt. Ein Götze ist ein Mittel, um mehr zu bekommen. Und ebendies ist gegen GOTTES WILLEN."
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 8. 6.-13.)

Es ist gegen GOTTES WILLEN, weil GOTT nicht viele SÖHNE hat, sondern EINEN nur. Also kann niemand mehr haben, und niemandem kann weniger gegeben werden. Mehr als den HIMMEL können wir niemals haben. Und wenn der HIMMEL inwendig in uns ist, warum sollen wir dann nach Götzen suchen?

“LEKTION 185

Ich will den Frieden GOTTES.

Diese Worte zu sagen ist nichts. Doch diese Worte zu meinen ist alles. Wenn du sie auch nur einen Augenblick lang meinen könntest, wäre kein weiterer Kummer in irgendeiner Form, an irgendeinem Ort oder zu irgendeiner Zeit mehr für dich möglich. Der HIMMEL wäre dem völligen Gewahrsein vollständig wiedergegeben, die Erinnerung an GOTT völlig wiederhergestellt, die Auferstehung der ganzen Schöpfung voll und ganz wiedererkannt.
[...]
Wirklich meinen, dass du den Frieden GOTTES willst, heißt, allen Träumen zu entsagen. Denn niemand meint diese Worte, der Illusionen will und daher nach den Mitteln sucht, die Illusionen mit sich bringen. Er hat auf sie geschaut und sie als mangelhaft befunden. Jetzt sucht er, über sie hinauszugehen, da er begreift, dass ein weiterer Traum nicht mehr als alle andern bieten würde. Träume sind für ihn eins. Und er hat gelernt, dass ihr einziger Unterschied ein Unterschied der Form ist, denn einer wird dieselbe Verzweiflung und dasselbe Elend bringen wie alle übrigen.
[...]
Kein Kompromiss ist dabei möglich. Du wählst den Frieden GOTTES oder du hast um Träume gebeten. Und Träume werden kommen, ganz wie du sie erbeten hast. Doch wird ebenso gewiss der Frieden GOTTES kommen, um immerdar bei dir zu bleiben.[...]”
(EKIW: Lektion 185)

Achtung Ego-Falle

Das Ziel des spirituellen Weges besteht darin, zu erkennen, dass kein noch so tolles Traumleben ein befriedigender Ersatz für die Wirklichkeit des SOHN GOTTES ist.

"Wer würde denn versuchen, mit den winzigen Flügeln eines Spatzen zu fliegen, wenn die große Macht eines Adlers ihm gegeben ist? Und wer würde sein Vertrauen in die schäbigen Angebote des Ego setzen, wenn die Gaben GOTTES vor ihn gelegt werden?"
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. I. 2. 2.-3.)

Jesus nennt jenes Zwischenziel, das wir auf diesem Weg zurück in den HIMMEL hier in dieser Welt erreichen können, im Kurs den “glücklichen Traum”. Doch dieser glückliche Traum entspricht nicht der Vorstellung des Egos von einem glücklichen Leben. Das Ego versteht die Wahrheit nicht. Das Ego und das SELBST werden einander nie begegnen. Der glückliche Traum, von dem Jesus im Kurs spricht, ist kein Zustand, in dem die persönlichen Bedürfnisse befriedigt erscheinen, sondern ein vollkommen anderer Bewusstseinszustand als der übliche, mit dem Ego identifizierte Zustand. Der glückliche Traum ist kein Zustand einer Person, sondern ein reiner Geisteszustand. Der Zustand des glücklichen Traums ist nicht möglich, solange wir uns mit der Person und damit mit dem Körper identifizieren.

“Bereite du dich jetzt auf die Aufhebung dessen vor, was niemals war. Wenn du den Unterschied zwischen Wahrheit und Illusion bereits verstündest, hätte die SÜHNE keine Bedeutung. Der heilige Augenblick, die heilige Beziehung, die Lehre des HEILIGEN GEISTES und alle Mittel, durch welche die Erlösung vollbracht wird, hätten keinen Sinn und Zweck. Denn sie sind alle nur Aspekte jenes Planes, deine Angstträume in glückliche Träume zu verändern, aus denen du leicht zur Erkenntnis erwachst. Nimm hierbei nicht selbst das Steuer in die Hand, denn du kannst nicht zwischen Fortschritt und Rückschritt unterscheiden. Einige deiner größten Fortschritte hast du als Misserfolge beurteilt, und einige deiner größten Rückschritte hast du als Erfolge gewertet.”
(EKIW: Kapitel 18, V. 1.)

“Glückliche Träume werden wahr, nicht weil es Träume sind, sondern nur deshalb, weil sie glücklich sind. So müssen sie denn liebevoll sein. Ihre Botschaft lautet: »DEIN WILLE geschehe« und nicht: »Ich will es anders haben.« Die Ausrichtung der Mittel und des Zieles ist ein Unterfangen, das für dich unmöglich zu verstehen ist.”
(EKIW: Kapitel 18, V. 4. 1.-4.)

“Die glücklichen Träume, die der HEILIGE GEIST bringt, sind anders als das Träumen der Welt, wo einer nur träumen kann, er sei wach.”
(EKIW: Lektion 140, 3. 1.)

Dieser völlig veränderte Zustand, der das Ziel eines Lehrer GOTTES ist, wird auch als die Träumer-des-Traums-Perspektive bezeichnet. Von manchen spirituellen Lehrern wird dieser Zustand als “pure awareness” bezeichnet. In diesem Zustand sind wir emporgehoben und schauen von einer höheren Warte aus auf diese Welt herab. Von dort ist unsere Perspektive eine völlig andere. Der glückliche Traum ist einfach ausgedrückt, ein Traum der Nichtbeurteilung. Der Schlaf ist jetzt friedlich, gerade weil er nicht mehr von äußeren Umständen abhängt. Das ist der glückliche Traum.

Solange ein Mensch völlig in der Illusion gefangen ist und seinem mechanisierten Verstand folgend versucht, viel Geld zu verdienen, um sich bestimmte materielle Dinge kaufen zu können, handelt dieser Mensch innerhalb seines Denksystems völlig logisch. Total verrückt wird es erst, wenn wir versuchen, uns am spirituellen Weg weltliche Dinge zu manifestieren, weil es sich um den Versuch handelt, zwei völlig gegensätzliche Gedankensysteme zusammenzubringen.

Jesus weist uns im Kurs deutlich darauf hin, dass wir, wenn wir weltliche Dinge begehren, nicht zu viel, sondern viel zu wenig vom Leben erwarten, weil wir wertlose Dinge erwarten. Wenn wir dem Ego glauben schenken, dann begrenzen wir unser Verlangen auf kleine, wertlose Dinge. "Ich will dem Wertlosen keinen Wert beimessen." heißt es deshalb in Lektion 133 und weiter: "Du erwartest nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. Wenn du zulässt, dass dein Geist zu körperlichen Belangen hingezogen wird, zu Dingen, die du kaufst, zu Ruhm, wie die Welt ihn schätzt, dann bittest du um Leiden, nicht um Glück." Jesus weist uns mehrmals ganz deutlich darauf hin was vom Thema Manifestieren zu halten ist: "Was ist der WILLE GOTTES? ER will, dass SEIN SOHN alles hat. Und dafür hat ER gebürgt, als ER ihn als alles schuf. Es ist unmöglich, dass irgend etwas verloren geht, wenn das, was du hast, das ist, was du bist. Das ist das Wunder, durch welches das Erschaffen zu deiner Funktion ward, die du mit GOTT teilst. Sie ist getrennt von IHM nicht zu verstehen, und deshalb hat sie in dieser Welt keine Bedeutung. Hier verlangt GOTTES SOHN nicht zuviel, sondern viel zu wenig."

Wir verdienen alles, aber alles ist nicht Teil der Illusion, sondern alles ist die Wirklichkeit. Wenn wir unser Recht auf alles verleugnen, haben wir nichts. Es geht um alles oder nichts! Im Kurs klingt das so: "Ein weiteres gütiges und damit zusammenhängendes Gesetz ist, dass es keinen Kompromiss in dem gibt, was deine Wahl dir unausweichlich bringt: Sie kann dir nicht nur ein wenig geben , denn es gibt kein Dazwischen. Jede Wahl, die du triffst, bringt dir alles oder nichts." "Der HIMMEL selbst wird mit leeren Händen und einem offenen Geist erreicht, der mit nichts kommt, um alles zu finden und es als sein Eigen in Anspruch zu nehmen." "SEINE LIEBE ist alles, was du bist und was ER ist: das gleiche wie du, und du das gleiche wie ER."

Das Ego ist mittlerweile so raffiniert, dass es selbst das Hinzufügen, das Ansammeln von materiellen Gütern und finanziellen Reichtum, sowie den Aufbau ganz besonderer Beziehungen als "spirituell" verkauft. Deshalb wird in unzähligen Büchern und Ratgebern das Manifestieren gelehrt und als "spirituell" verherrlicht. Das ist der Witz des Jahrhunderts, ein Trick des Egos, den es wegzulachen gilt.

Der Begriff "materielle Fülle" ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Wahre Fülle ist ein Geisteszustand, der sich gerade dadurch auszeichnet, dass er völlig unabhängig von der Materie ist und dass es kein Verlangen mehr nach Materie gibt. Wenn wir hingegen materielle Dinge benötigen, um uns gut zu fühlen, bringen wir damit ganz deutlich unser Mangelgefühl und unser Gefühl der Wertlosigkeit zum Ausdruck. Es ist wohl der deutlichste Ausdruck vom Gefühl der eigenen Wertlosigkeit überhaupt.

“Dich mit dem Ego identifizieren heißt, dich selber anzugreifen und dich arm zu machen. Deshalb hat jeder, der sich mit dem Ego identifiziert, das Gefühl, es sei ihm etwas entzogen.”
(EKIW: Kapitel 12, III. 6. 1.-2.)

Wenn wir unseren Brüdern Seminare und Bücher zum Thema "Manifestieren materieller Fülle" verkaufen, werden wir wahrscheinlich materiellen Reichtum erreichen, aber niemals wahren Geistesfrieden. Wenn wir zwei Denksysteme akzeptieren, die in völligem Widerspruch zueinander stehen, ist Geistesfrieden unmöglich. Wenn wir beide lehren - was sicher der Fall sein wird, solange wir beide annehmen -, lehren und lernen wir Konflikt.

Wunschdenken hat in Wahrheit nichts mit Manifestieren zu tun. Wir erschaffen immer genau das, was wir bestimmen - und das ist keine große Sache und es ist kein Geheimnis (engl.: secret). Der lehrreiche Aspekt selbst der falsch verstandenen Idee des “Manifestierens” besteht darin, zu erkennen, dass uns kein erfüllter Wunsch je wahren Frieden bringen wird. Es geht nicht darum, uns unsere Wünsche zu verbieten, denn das hieße ja, dass wir insgeheim immer noch daran glauben, dass sie uns glücklich machen werden. Vielmehr geht es darum, selbst zu erkennen, dass uns nichts in dieser Welt wirklich befriedigen wird, weil nichts davon ewig währt.

Beispiel

Das Ego lädt uns ein, unseren Traum zu leben. Dieser Traum hat immer mit weltlichem Erfolg zu tun, beispielsweise damit, als Künstler zu arbeiten und nicht mehr mit einer “normalen” Tätigkeit Geld verdienen zu müssen. Der Traum des Egos hat immer mit Besonderheit zu tun. Oder, um es mit den Worten meines Bruders zu sagen: “Alle wollen Häuptling werden, aber keiner Indianer.“ Dabei übersehen wir sehr leicht, dass, wenn es allen gelänge, ihren persönlichen Traum von Besonderheit zu verwirklichen, es in diesem Augenblick keine Besonderheit mehr gäbe. Wenn alle ihren Traum von Besonderheit verwirklichen würden, gäbe es keine Zuschauer und Zuhörer mehr, keine Fans. Und vor allem gäbe es keine Menschen mehr, die all die ganz normalen Dinge erledigen, die getan werden müssen, damit einige wenige besonders sein können. Wer versorgt die Kinder? Wer pflegt die Alten und Kranken? Wer kümmert sich um die Produktion von Nahrung? Wer kümmert sich um all die notwendigen Transportmittel? Wer räumt den Mist weg?


Selbstverständlich kann ER in SEINEM Plan auch Künstler gebrauchen, aber in diesen Fällen geht es um eine Berufung und nicht um den persönlichen Wunsch nach Besonderheit. Es geht nicht darum, dass uns das, was die Welt einen Erfolg nennt, nicht passieren dürfte. Es geht vielmehr darum, dass wir Erfolg nicht für wahr halten. Wenn wir uns etwas aus dem dualen Denksystem des Egos wünschen, dann wünschen wir uns Dualität mit all ihren Konsequenzen. Wenn wir uns zum Beispiel Erfolg wünschen, dann wünschen wir uns eine sehr begrenzte Ressource, denn Erfolg misst sich nur relativ zu anderen. Das heißt, wir wollen Ungleichheit und Mangel. Wenn wir Erfolg wollen, wollen wir unsere Konkurrenten ausstechen, wir wollen Wettbewerb, und Wettbewerb ist Krieg. Der Wunsch nach auch nur einem Aspekt der Dualität ist der Wunsch nach dem Tod.

“Besonderheit kann nie mit andern teilen, denn sie hängt von Zielen ab, die du allein erreichen kannst. Und er darf diese nie erreichen, sonst ist dein Ziel gefährdet. Kann Liebe dort Bedeutung haben, wo Triumph das Ziel ist?”
(EKIW: Kapitel 24, I. 6. 5.-7.)

Es ist wichtig zu erkennen, was wir uns selbst antun, wenn wir uns etwas aus der Dualität des Ego-Denksystems wünschen. Es ist wichtig zu erkennen, dass unser Verlangen nach Unbeständigkeit, Ungleichheit und Mangel nicht unser wahrer Wille sein kann, dass es nicht unser Wille sein kann, ein besonderes Wesen zu sein, das sich von anderen, weniger besonderen Wesen abhebt, dass es nicht unser Wille sein kann, andere an Fülle oder Liebe zu übertreffen. Wenn wir den Wahnsinn und die Angst und die Schuld dahinter erkennen, dann sind wir plötzlich in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, die plötzlich nur noch will, dass alle alles haben, dass hier niemand von der Welt berührt werden kann, dass hier niemand sterben kann, dass wir alle gleichermaßen im VATER geborgen sind und von der Welt unberührt aufwachen.

Mit Wünschen ans Universum lenkt das Ego seine Jünger von der Wahrheit ab. Doch wünschen bedeutet urteilen und urteilen nimmt immer gefangen, weil es Segmente der Wirklichkeit nach der instabilen Maßgabe von Wünschen trennt. Wünsche sind keine Tatsachen. Wünschen besagt, dass Wollen nicht ausreicht. Doch niemand, der in seinem rechtgesinnten Geist ist, glaubt, dass das, was er wünscht, so wirklich ist wie das, was er will. Anstatt: “Trachte zuerst nach dem Reich GOTTES”, sollte es heißen: “Wolle zuerst das Reich GOTTES”, denn damit sagen wir: “Ich erkenne, wer ich bin, und ich nehme mein eigenes Erbe an.”

GOTT will. ER wünscht nicht. Unser Wille ist so mächtig wie der SEINE, weil er der SEINE ist. Die Wünsche des Ego bedeuten nichts, weil das Ego das Unmögliche wünscht. Wir können das Unmögliche wünschen, aber wir können nur mit GOTT wollen. Das ist die Schwäche des Ego und unsere Stärke.

Wunschdenken ist die Art und Weise, wie das Ego damit umgeht, was es will, um es zu dem zu machen. Die Macht des Wünschens, und daher des Glaubens, lässt sich nicht besser aufzeigen als dadurch, seine Ziele wirklich und möglich erscheinen zu lassen. Der Glaube an das Unwirkliche führt zu Anpassungen der Wirklichkeit, damit sie zum Ziel der Verrücktheit passt. Das, wonach wir verlangen, das werden wir sehen. Und ist dessen Wirklichkeit falsch, so werden wir sie dadurch aufrechterhalten, dass wir all die Anpassungen, die wir eingeführt haben, um sie zu dem zu machen, nicht bemerken.

Der CHRISTUS in uns ist ganz still. ER schaut auf das, was ER liebt, und erkennt es als SICH SELBST. Und so frohlockt ER über das, was ER sieht, weil ER erkennt, dass es eins mit IHM und mit SEINEM VATER ist. Auch die Besonderheit erfreut sich an dem, was sie erblickt, wenn es auch nicht wahr ist. Doch das, wonach wir suchen, ist eine Quelle der Freude, wie wir sie uns vorstellen. Das, was wir wünschen, ist für uns wahr. Und es ist auch nicht möglich, dass wir etwas wünschen und es dann an Glauben fehlen lassen könnten, dass es so sei. Das Wünschen macht so sicher wirklich, wie der Wille erschafft. Die Macht eines Wunsches hält Illusionen ebenso stark aufrecht, wie die Liebe sich selbst ausdehnt. Nur täuscht das eine, und das andere heilt.

Meistens wird das Wunschdenken selbst mit Manifestieren in Verbindung gebracht, was jedoch nichts mit Manifestieren zu tun hat. Es ist lediglich der Versuch, falschen Bedürfnissen entsprechend Kontrolle über die Wirklichkeit auszuüben. Es werden falsche Assoziationen erzeugt, um daraus scheinbar Glück zu schöpfen. Allein der Glaube an das Manifestieren erzeugt die Wahrnehmung, dass es zu funktionieren scheint. Dieser Aberglaube entsteht durch die falsche Verknüpfung von Ursache und Wirkung. Bei ein- oder zweimaligem zeitlichen Zusammentreffen von zwei Ereignissen wird eine ursächliche Verbindung angenommen, so dass abergläubisches Verhalten relativ schnell entsteht.

In der Psychologie ist dieser Aberglaube eng verwandt mit Begriffen wie magisches Denken, selbsterfüllende Prophezeiung, Glaube an das „todsichere System“ beim Glücksspiel. Er entsteht z. B. bei nichtdeterministischen Experimenten (z. B. die von Burrhus Frederic Skinner gefilmten Experimente mit Haustauben und die sogenannten abergläubischen Ratten). Nach der Auswertung der Experimente zeigte sich, dass die Versuchspersonen die abenteuerlichsten Theorien über das „Gelernte“ entwickeln. Diese Theorien haben zwei erstaunliche Eigenschaften:
  1. Sie sind resistent, d. h. teilweise glaubt die Versuchsperson weiterhin, ein erfolgreiches System gefunden zu haben; selbst dann noch, nachdem ihr gezeigt wurde, dass z. B. ein Schalter gar nicht angeschlossen war und somit der Versuchsaufbau nur scheinbar interaktiv war.

  2. Sie sind ansteckend. Bei einigen Versuchsaufbauten wurden die Versuchspersonen beim Abschlussgespräch mit Personen zusammengeführt, die die gestellte Lernaufgabe wirklich bewältigt hatten. Häufig schlossen sich jedoch die „echten Lerner“ den eloquenten und feingliedrigen Ausführungen der „Falsch-Lerner“ an, weil sie ihren eigenen, oft simplen, aber richtigen Ausführungen misstrauten.

Die hier beschriebene psychologische Sichtweise beschreibt das, was Jesus im Kurs als Phantasien bezeichnet. Das Ego manipuliert unsere Gedanken, um den Eindruck einer, durch Manifestieren geschaffenen, besseren Welt zu erzeugen.

“Phantasien jeglicher Art sind Verzerrungen, weil sie immer beinhalten, dass die Wahrnehmung zur Unwirklichkeit verdreht wird. Aus Verzerrungen stammende Handlungen sind buchstäblich die Reaktionen derer, die nicht wissen, was sie tun. Phantasien sind Versuche, falschen Bedürfnissen entsprechend Kontrolle über die Wirklichkeit auszuüben. Verdrehe die Wirklichkeit auf irgendeine Art, so nimmst du destruktiv wahr. Phantasien sind ein Mittel, falsche Assoziationen herzustellen und zu versuchen, sich daraus Lust zu verschaffen. Doch obschon du falsche Assoziationen wahrnehmen kannst, kannst du sie nie wirklich machen, außer für dich selbst. Du glaubst an das, was du machst.”
(EKIW: Kapitel 1, VII, 3. 2.-8.)

Beispiel

Manifestieren und Wahrnehmung sind Synonyme. Wir sind die Ursache unserer Wahrnehmung, aber nicht die Ursache unserer Wirklichkeit. Was wir beim sogenannten “Manifestieren” tun, ist, wir stellen falsche Assoziationen her und versuchen, uns daraus Lust zu verschaffen. Doch obschon wir falsche Assoziationen wahrnehmen können, können wir sie nie wirklich machen, außer für uns selbst. Wir glauben an das, was wir machen.

“Manifestieren" dient also dazu, uns das alltägliche Leben scheinbar zu erleichtern und angenehmer zu gestalten. Wir versuchen zum Beispiel, einen Parkplatz zu manifestieren. Schauen wir uns dieses Beispiel genauer an und erkennen wir, was wir eigentlich manifestieren. Denn jedes Mal, wenn wir versuchen, etwas zu “manifestieren”, manifestieren wir in Wahrheit unseren Mangel. “Manifestieren” ist immer Ausdruck unserer Wahrnehmung eines Mangels:
  • Wir manifestieren uns zuerst einmal die Angst, nicht rechtzeitig einen Parkplatz zu finden. Ein erleuchteter Geist käme gar nicht auf diese verrückte Idee. Zuerst manifestieren wir uns Probleme und dann versuchen wir uns mit dem gleichen wahnsinnigen Denksystem vor den Problemen zu schützen, die wir selbst geschaffen haben. Das ist Wahnsinn im Quadrat.

  • Wir manifestieren unseren Glauben an die lineare Zeit und verhindern damit die Glückseligkeit des Jetzt.

  • Wir manifestieren unseren Glauben, uns um alles selbst kümmern zu müssen, anstatt uns bedingungslos der göttlichen Führung anzuvertrauen.

  • Wir manifestieren die Vorstellung, dass wir selbst am besten wissen, was für unser Glück notwendig ist, was angesichts der unendlichen Möglichkeiten in jedem Augenblick eine extrem einschränkende Sichtweise ist.

  • Wir manifestieren die Idee, dass es für unser Glück wichtig ist, schnell einen Parkplatz zu finden. Was für ein Ausdruck von Kleinheit, wenn unser Glück von solchen Kleinigkeiten abhängt.
In diesem Geisteszustand haben wir keine Kontrolle über das, was auf der Ebene der Form geschieht, d.h. das Drehbuch auf der Ebene der linearen Zeit ist geschrieben. Die ganze Aufregung und Mühe mit dem Parkplatz war also umsonst. Schade um die Zeit. Wir hätten sie nutzen können, um uns auf GOTT auszurichten und uns so von unserem Glauben an unsere Kleinheit erlösen zu lassen. Alles in dieser Welt ist klein, denn es ist eine Welt, die aus Kleinheit gemacht ist im seltsamen Glauben, dass Kleinheit uns zufriedenstellen kann.

Die spirituelle Sicht geht über das Thema Phantasien weit hinaus. In Lektion 253 heißt es: “Es ist unmöglich, dass irgendetwas zu mir kommen könnte, was nicht von mir erbeten wurde. Sogar in dieser Welt bin ich es, der mein Schicksal beherrscht. Was geschieht, ist das, wonach ich verlange. Was nicht geschieht, ist das, wovon ich nicht will, dass es geschehe. Das muss ich akzeptieren. Denn so werde ich an dieser Welt vorbei zu meinen Schöpfungen geführt, den Kindern meines Willens im HIMMEL, wo mein heiliges SELBST mit ihnen weilt und mit IHM, DER mich schuf.”

Das verweist auf eine viel tiefere Wahrheit als das, was üblicherweise unter Manifestieren verstanden wird. Zu lernen, dass wir erschaffen können, was immer wir wollen, scheint auf den ersten Blick wie eine großartige Sache, bis wir realisieren, dass es das ist, was wir sowieso die ganze Zeit über machen. Wir erschaffen immer genau das, was wir bestimmen - und das ist keine große Sache und es ist kein Geheimnis (engl.: secret).

“Die Welt an sich ist nichts. Dein Geist muss ihr Bedeutung geben. Und was du in ihr siehst, sind deine Wünsche, ausagiert, damit du sie anschauen und sie für wirklich halten kannst. Vielleicht meinst du, nicht du habest die Welt gemacht, sondern du seist ungewollt an einen Ort gekommen, der bereits gemacht war und schwerlich darauf gewartet hat, dass deine Gedanken ihm Bedeutung geben. In Wahrheit aber hast du genau das vorgefunden, wonach du Ausschau hieltest, als du kamst.”
(EKIW: Lektion 132, 4.)

“Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung.”
(EKIW: Lektion 152, 1. 5.-7.)

Es gibt keine Trennung, es gibt nur einen schlafenden Geist, der diese Welt träumt, daher ist immer alles, was geschieht, das, wonach es unseren schlafenden Geist verlangt. Aber auf der Ebene des persönlichen Wollens sind wir nicht in der Lage, unsere Wünsche zu manifestieren. Jeder sportliche Wettkampf beweist dies. Alle Spitzensportler arbeiten mit mentalem Training und alle wollen unbedingt gewinnen, aber es gewinnt immer nur einer, der Wunsch aller anderen bleibt unerfüllt. Innerhalb der Illusion unseres weltlichen Lebens gibt es keine Wahl.

“Es ist tatsächlich wahr, dass es innerhalb der Welt gar keine Wahl gibt.”
(EKIW: Kapitel 31, IV. 3. 8.)

In der Wirklichkeit gibt es ohnedies keine Wahl. GOTT hat keine Wahl erschaffen! Wahl bedeutet Fragmentierung, Wahl bedeutet Unterschiede, in EINHEIT gibt es keine Wahl. In der Illusion der Trennung hingegen machen wir in der Tat unsere Erfahrungen, genauso wie wir sie haben möchten. Doch nicht das “ich” ist gemeint, das der Ego-Teil des Geistes ist, denn das ist nur eine unserer (Fehl-)Schöpfungen, die irgendwann hinzugekommen ist. Das ist ein sehr kleiner Teil des Geistes. Um das Thema des „Manifestierens“ richtig zu verstehen, müssen wir zunächst die folgende Frage sorgfältig bedenken: Wer ist das “Ich”, das in dieser Welt lebt? Die ganze Verwirrung um das Thema Manifestation entsteht aus der Verwechslung von Selbst und SELBST, also der Vorstellung von dem, was wir sind. Anders ausgedrückt: Die ganze Welt ist unser Traum, aber in der Identifikation mit dem "Helden" des Traumes, also als Traumfigur, haben wir keinen direkten Einfluss auf das Geschehen im Traum. Oder um es mit einer anderen Metapher zu sagen: Es ist zu unterscheiden zwischen dem Autor eines Drehbuchs und einer Figur in diesem. Eine Filmfigur hat keinen Einfluss auf das Drehbuch. Das Drehbuch ist längst geschrieben, die Filmfigur lebt nur in der Illusion, sie habe die Kontrolle über das Geschehen.

“Wie GOTT dich schuf, hast du alle Macht. Das Bild, das du von dir gemacht hast, hat keine.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 29. 4. 4.-5.)

“Du kannst trotz allem nicht gegen IHN wollen, deswegen hast du keine Kontrolle über die Welt, die du gemacht hast. Es ist keine Welt des Willens, weil sie vom Wunsch beherrscht ist, anders zu sein als GOTT, und dieser Wunsch ist nicht Wille. Die Welt, die du gemacht hast, ist daher total chaotisch, wird von willkürlichen und sinnlosen »Gesetzen« regiert und ist ohne jegliche Bedeutung.”
(EKIW: Kapitel 12, III. 9. 4.-6.)

“Es gibt keine Freiheit von dem, was geschehen muss. Und wenn du denkst, es gebe sie, musst du im Unrecht sein.”
(EKIW: Kapitel 30, I. 15. 5.-6.)

Es gibt nur zwei Arten zu leben: egoisch oder egolos. Wenn wir glauben, etwas Besonderes sein zu müssen - das ist die egoische Lebensweise. Dann ist Wahnsinn das Ergebnis. Tatsächlich ist ein Wahnsinniger ein ganz besonderer Mensch. Er hat es zu Außergewöhnlichkeit gebracht, weil er jegliche Wurzeln in der Wirklichkeit verloren hat, er nichts mehr mit der Wirklichkeit gemeinsam hat. Er lebt isoliert in sich selbst, er hat sich seine eigene Welt geschaffen. Jetzt ist der Traum zum Wirklichen und das Wirkliche zum bloßen Traum geworden. Alles steht Kopf. Man kann keinem Verrückten weismachen, dass er sich irrt, denn er ist sehr logisch. Verrückte sind äußerst rational und logisch.

Ein Irrer pflegte jeden Morgen sein Haus zu verlassen, um irgendwelche Mantras zu singen und Verrenkungen zu machen. Jeder Passant fragte natürlich sofort, was er da mache. Dann sagte der Irre immer: “Ich beschütze dieses Viertel vor Geistern.” Und wenn der Fragende dann darauf sagte: “Aber es gibt doch gar keine Geister in diesem Viertel!”, antwortete der Mann sofort: “Eben! Weil ich meine Mantras singe, kommen keine Geister hierher.” Völlig rational! Man kann ihn nicht überzeugen. Er lebt jetzt in seiner eigenen, subjektiven Traumwelt, und niemand kann ihn da herausholen.

“Ein Irrer denkt, die Welt, die er sieht, sei wirklich, und zweifelt sie nicht an. Noch lässt er sich davon abbringen, wenn die Wirkungen seiner Gedanken hinterfragt werden.”
(EKIW: Lektion 132, 1. 5.-6.)

Die unausgesprochene Botschaft hinter der ganzen Idee des “Manifestierens” lautet: “Wenn ich es nur schaffe, dass mein Leben um mich herum erfolgreich aussieht, dann werde ich akzeptiert werden und dann kann ich mich selbst lieben, zumindest ein wenig. Und vielleicht kann ich dann auch andere dazu bringen, mich zu lieben.” Das ist ganz und gar nicht so. Der Weg des spirituellen Erwachens beginnt mit der Erkenntnis, dass wir jetzt schon geliebt sind, von der einzigen QUELLE, die zählt, und dass wir mit einer viel höheren Bestimmung gekommen sind, die in der Welt manifestiert werden kann, doch nicht von der Welt ist. Auf dem spirituellen Weg geht es darum, unsere persönlichen Wünsche SEINER Führung zu übergeben. Es gibt einfach immer weniger vom Ego gesteuerten Zwang und immer mehr von IHM geführte Freude. Es ist der Übergang vom Habenwollen zum Geben, zur Ausdehnung SEINER LIEBE.

Manifestieren, wie die Welt es versteht, bedeutet, darum zu bitten, dass sich die Vergangenheit wiederholt. “Das Gebet um Konkretes bittet immer darum, dass sich die Vergangenheit in irgendeiner Weise wiederhole.” (EKIW: DAS LIED DES GEBETS, 1. IV. 3. 3.) Das ist nicht unser wahrer Wille, das ist keine Befreiung, sondern Gefangenschaft.

“Das Geheimnis des wahren Gebets ist,
die Dinge zu vergessen, die du zu brauchen glaubst.”
(EKIW: DAS LIED DES GEBETS 1. I. 4. 1.)

Gebet

Das wahre Gebet bittet um nichts. Es ist unmöglich, um weltliche Dinge zu bitten und zu hoffen, GOTT zu erreichen. Das wahre Gebet muss die Falle des Betens, um zu flehen, meiden. Unser Verlangen nach der Wahrheit ist das wahre Gebet.

Strenggenommen spielen Worte überhaupt keine Rolle beim Beten. Der entscheidende Faktor ist die Bitte, das Verlangen. Worum wir bitten, das empfangen wir. Aber das bezieht sich auf das Gebet des Herzens, nicht auf die Worte, die wir beim Beten benutzen. GOTT versteht keine Worte, denn sie wurden von getrennten Geistern gemacht, um sie in der Illusion der Trennung zu halten. Worte können, besonders für den Anfänger, hilfreich sein, um zu Konzentration zu verhelfen und den Ausschluss von nicht dazugehörigen Gedanken zu erleichtern, oder zumindest die Kontrolle über diese. Der Wert von Gebetsworten ist rein autosuggestiv bei individueller Andacht und soziosuggestiv bei Gruppenandacht. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Worte nur Symbole von Symbolen sind. So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.

Das wahre Gebet ist immer ein Lied des Dankes und der LIEBE. Das Geheimnis des wahren Gebets ist, die Dinge zu vergessen, die wir zu brauchen glauben. Wir sehen dabei über unsere konkreten Bedürfnisse, so wie wir sie sehen, hinweg, und lassen sie in GOTTES HÄNDE übergehen. Dort werden sie zu unseren Gaben an IHN, dass wir keine Götter vor IHM haben möchten, keine LIEBE außer SEINER. Das wahre Gebet ist ein Beiseitetreten; ein Loslassen, eine stille Zeit des Hörens und des Liebens, es erbittet nichts und empfängt alles.

“VATER, wir kennen nicht den Weg zu DIR. Doch haben wir gerufen, und DU hast uns Antwort gegeben. Wir werden uns nicht einmischen. Die Wege der Erlösung sind nicht die unseren, denn sie gehören DIR. Und bei DIR suchen wir nach ihnen. Unsere Hände sind offen, um DEINE Gaben zu empfangen. Wir haben keine Gedanken, die wir unabhängig von DIR denken, und hegen keine Überzeugungen darüber, was wir sind oder WER uns erschuf. DEIN ist der Weg, den wir finden und dem wir folgen möchten. Und wir bitten nur darum, dass DEIN WILLE, der auch unser eigener ist, in uns und in der Welt geschehe, damit sie jetzt ein Teil des HIMMELS werde. Amen.”
(EKIW: Lektion 189, 10.)

Jesus verwendet bei vielen Gebeten im Kurs die Wir-Form, um uns immer wieder daran zu erinnern, dass es nur EINEN von uns gibt. Es ist wichtig, dass wir immer wieder unsere Brüder und Schwestern in unser Gebet mit einbeziehen, denn wenn wir nur für uns als Person beten, bleibt die Trennung auch in unserem Gebet bestehen. Wenn wir die Ich-Form verwenden, dann in dem Sinne, dass wir uns an uns als den EINEN - als den einen SOHN GOTTES - erinnern wollen. Ein einfaches Gebet, besonders für Momente, in denen wir mit vielen Menschen in Kontakt sind, könnte zum Beispiel so lauten:

VATER, ich danke DIR,
für DEINE Erinnerung
an die Einheit DEINES SOHNES.
Ich bin wir.
Wir bin ich.

Das wahre Gebet ist immer affirmativ, d.h. wir beten mit GOTT, wobei wir die Wahrheit bejahen. Im bejahenden Gebet erkennen wir an, dass uns Gott bereits alles gegeben hat. Wir beten, um uns zu erinnern und wir beten als der geliebte SOHN. In Lektion 264 finden wir das folgende wunderbare “Gebet der Erlösung”:

“VATER, DU stehst vor mir und hinter mir, neben mir, an dem Ort, wo ich mich selber sehe, und überall, wohin ich gehe. DU bist in allen Dingen, auf die ich schaue, in den Geräuschen, die ich höre, und in jeder Hand, die nach der meinen greift. Die Zeit verschwindet in DIR, und der Ort wird ein bedeutungsloser Glaube. Denn das, was DEINEN SOHN umgibt und was ihn sicher hält, das ist die LIEBE SELBST. Es gibt keine Quelle außer dieser, und es gibt nichts, was ihre HEILIGKEIT nicht teilen, was jenseits DEINER einen Schöpfung stehen würde oder ohne jene LIEBE wäre, die alle Dinge in sich selber hält. VATER, DEIN SOHN ist wie DU SELBST. Wir kommen heute in DEINEM EIGENEN NAMEN zu DIR, um in Frieden zu sein in DEINER ewig währenden LIEBE.“

Céline Dion, Andrea Bocelli - The Prayer


Gnade

Im Zusammenhang mit Spiritualität taucht immer wieder die Frage auf, ob spirituelles Erwachen die Folge eigener Anstrengung oder allein Ausdruck von Gnade ist. In Wahrheit ist es eine Kombination von beidem. Die folgende Metapher beschreibt diesen Zusammenhang:

“Gnade wird augenblicklich unvermeidlich in jenen, die einen Tisch bereitet haben, auf dem sie sanft niedergelegt und willig empfangen werden kann, einen Altar, der rein und heilig für die Gabe ist.”
(EKIW: Lektion 169, 1. 4.)

Die Gnade GOTTES steigt nicht hinab, bevor unser VATER weiß, dass wir bereit sind, einen Ort vorzubereiten, um sie zu empfangen. Und deshalb ist es im Prozess des spirituellen Erwachens nicht notwendig, nach LIEBE zu suchen. Es ist nur notwendig, den Ort, den Boden vorzubereiten, indem wir wählen, die Hindernisse vor der LIEBE zu entdecken, die alle auf Angst zurücklaufen, und wir bereit sind, diese Wurzel zu lockern, damit sie von dem Garten unseres Bewusstseins entfernt werden kann.

Und dann kann dieser Regen der Gnade, der reinigt, transformiert, erweckt und den CHRISTUS in unseren Geist bringt, sanft hinabsinken. Denn wenn der Regen auf festen Boden fällt, trifft er auf die Erde auf und läuft ab, und der Garten bleibt ausgetrocknet. Doch der weise Gärtner, der den Boden gelockert hat, der in ihn hineingegriffen und begonnen hat, die Wurzeln herauszuziehen, den Boden durchsucht und ihn weich und offen und durchlässig gemacht hat, mit der Absicht einen wunderschönen Garten hervorzubringen, wird dann in der Tat durch den Regen der Gnade unterstützt werden, der sanft niedergeht, ohne dass er verdient werden muss - er wird frei gegeben.

Bei der Arbeit mit dem Kurs sind uns in jedem einzelnen Arbeitsschritt, bei jedem Kapitel, das wir lesen, bei jeder Lektion, die wir machen, Tropfen der Gnade angeboten worden. Einige haben wir empfangen. Einige haben wir nicht bemerkt. Einige warten darauf, in die tieferen Schichten unseres Bewusstseins einzudringen, während wir in unserer Bereitschaft weitermachen, Angst loszulassen. Und plötzlich wird eine Perle der Gnade, die noch nicht empfangen worden ist, tief sinken. Und die Erkenntnis wird kommen, das Erwachen wird kommen. Es ist einfach der natürliche Prozess, weil die Tropfen des Regens der Gnade noch keinen Ort hatten, um empfangen zu werden.

Es ist von großer Wichtigkeit zu verstehen - dass alles, was durchsickert, darauf beruht, wie gut der Gärtner die Erde mit den Werkzeugen kultiviert hat, die ihm gegeben worden sind. Wenn sie nicht genutzt wurden, bleibt der Boden hart und die Regentropfen laufen ab und sammeln sich am Rande des Gartens und warten darauf, dass der Boden ordentlich vorbereitet wird.

Es ist wichtig, mit den Lektionen gründlich weiter zu machen und ihnen zu erlauben, die Grundlage zu sein, von der aus der Boden bereitet wird und die Wurzeln der Angst gelockert werden, selbst auf Arten, die wir mit dem menschlichen Verstand nicht verstehen können. Denn die Wurzeln der Angst sind nicht bloß Ideen. Sie sind die Wirkungen von Ideen. Ihnen wurde erlaubt, tief in das einzudringen, was wir üblicherweise das Unbewusste nennen. Das ist der Grund, warum der Weg der Transformation kein Streben erfordert, sondern Erlauben; kein verstandesmäßiges Denken, sondern Loslassen . . . Fühlen . . . Nicht tun, sondern vertrauen.

Diese Wurzeln der Angst müssen auf einer Ebene gelöst werden, die tiefer liegt, als der bewusst denkende Verstand vordringen kann. Der menschliche Verstand war niemals dafür bestimmt, unser Meister zu sein, sondern als Diener des erwachten GEISTES ausgerichtet zu werden, so wie die Blume aus der Tiefe des Bodens, der unsichtbar ist, erblüht und ihren Duft verströmt, damit alle sie sehen können. Und der Boden ist gut vorbereitet worden, so dass die einzigen Wurzeln, die aus dem Boden Nahrung sammeln, Wurzeln sind von dem, was vom LEBEN spricht, und von Schönheit, und nicht von dem, was von Angst und Unwürdigkeit spricht.

Und doch baut die Schönheit, die aus dem wundervollen Garten des Gärtners hervorspringt, nicht das Ego des Meistergärtners auf, denn ein Meistergärtner weiß, dass er oder sie nur der Hüter des Bodens gewesen ist. Doch der Zauber, der die Blume hervorbringt, ist nicht sein oder ihr Besitz, sondern bloß das, was ihm zur Verwaltung übergeben worden ist: das Bewusstsein.

“Die Freiheit, alles hinter dir zu lassen, was dich verletzt, demütigt oder ängstigt, kann dir nicht aufgedrängt werden, aber sie kann dir durch die Gnade GOTTES angeboten werden. Und du kannst sie durch SEINE Gnade akzeptieren, denn GOTT ist SEINEM SOHNE gnädig und nimmt ihn ohne Frage als den SEINEN an.”
(EKIW: Kapitel 11, VI. 6. 3.-4.)

“DEINE Gnade ist mir gegeben. Ich erhebe jetzt Anspruch auf sie.”
(EKIW: Lektion 168)

“Durch Gnade lebe ich. Durch Gnade werde ich befreit.”
(EKIW: Lektion 169)

“Gnade wird nicht gelernt. Der letzte Schritt muss jedes Lernen übersteigen. Gnade ist nicht das Ziel, welches zu erlangen dieser Kurs erstrebt. Jedoch bereiten wir uns insofern auf die Gnade vor, als ein offener Geist den RUF zum Erwachen hören kann. Er ist nicht fest verschlossen vor der STIMME GOTTES. Er ist sich bewusst geworden, dass es Dinge gibt, die er nicht erkennt, und ist somit bereit, einen Zustand zu akzeptieren, der völlig anders ist als die Erfahrungen, die ihm wohlbekannt sind und vertraut.”
(EKIW: Lektion 169, 3.)

Spirituelle Psychotherapie

Klassische Psychotherapie

“Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Und jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist ein Tor, der sein Haus auf Sand baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.”
(Bibel, Einheitsübersetzung, Matthäus 7, 24-27)

Die klassische Psychotherapie versucht biblisch gesprochen, ein Haus auf Sand zu stabilisieren. Das Haus für sich betrachtet erscheint dann ganz solide und in sich fest zu sein. Doch lässt sich seine Stabilität nicht unabhängig von seinem Fundament beurteilen. Wenn es auf Sand ruht, braucht man die Mauern des Hauses nicht noch dicker und stabiler zu machen, die Tür nicht abzusperren, noch die Fenster zu verschließen und die Riegel vorzuschieben. Der Wind wird es zu Boden werfen, und der Regen wird kommen und seine Spuren tilgen. Warum es mit weiteren Schlössern, Ketten oder schweren Ankern belasten, wenn seine Schwäche nicht in ihm selber liegt, sondern in der Brüchigkeit des kleinen Grabens aus nichts, auf dem es steht? Was, das auf Sand ruht, kann nicht sicher sein. Die Angst wird nie ganz verschwinden, denn das Fundament ist und bleibt Sand.

Die Corona-Pandemie beispielsweise hat diese Angst wieder sehr deutlich gemacht. Und bei einem starken Sturm bricht auch das stärkste Haus auf Sand zusammen. Dieser Sturm kann eine schwere Krankheit, ein Schicksalsschlag oder eine andere schwierige Situation sein, für die der Ego-Geist keine Lösung mehr findet.

“Das Ego hat dir ein schäbiges Haus erbaut, das keinen Schutz bietet, weil es anders nicht bauen kann. Versuche nicht, dieses armselige Haus standfest zu machen. Seine Schwäche ist deine Stärke. Nur GOTT konnte ein Haus errichten, das SEINER Schöpfungen würdig ist; diese haben sich aber entschieden, es leer stehen zu lassen, indem sie sich selbst enteignet haben. SEIN Haus jedoch wird ewig bestehen bleiben und ist für dich bereit, wenn du beschließt, dort einzutreten. Dessen kannst du gänzlich sicher sein. GOTT kann ebenso wenig Vergängliches erschaffen, wie das Ego Ewiges machen kann.”
(EKIW: Kapitel 4, I. 11.)

Das Ego ist nichts, aber in einer Form, die wie etwas zu sein scheint. Venedig spiegelt diesen Zustand auf besondere Weise wider: prachtvolle Fassaden ruhen auf vergänglichen Holzpfählen, die Gebäude selbst bestehen aus hohlen Tonziegeln. Hinter dem Eindruck von Größe und Beständigkeit offenbart sich die Zerbrechlichkeit der Form.

Es ist verdammt anstrengend, zu versuchen, ein armseliges Haus standfest zu machen, zu versuchen, eine Lüge wahr zu machen. Mit anderen Worten, es ist verdammt anstrengend zu versuchen, das persönliche Selbst zu stabilisieren und zu stärken. Je mehr wir es versuchen, desto anstrengender wird es und endet unweigerlich in Depression und Erschöpfung. Wir denken, dass unsere Arbeit, unsere Beziehungen oder andere scheinbar äußere Umstände anstrengend sind, aber es ist nur unser Widerstand gegen die Wahrheit, der uns erschöpft und deprimiert.

Auch verlässt man sich im Rahmen einer klassischen Psychotherapie auf eine psychologische Theorie, der sowohl der Therapeut als auch der Patient beipflichten muss. Aber auch die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die Resultate der Therapie nichts mit der psychotherapeutischen Schule, die der Therapeut besucht hat, oder der Technik, zu tun haben. Die Ergebnisse stehen mit der Interaktion zwischen Therapeuten und Patienten und dem Glauben des Patienten an den Therapeuten in Zusammenhang. Wenn der Wunsch des Therapeuten, hilfreich zu sein, und der Glaube des Klienten an den Therapeuten zusammentreffen, führt dies immer zu einem gewissen Grad an Heilung, aber dem klassischen Therapeuten fehlt das Verständnis für den größeren spirituellen Zusammenhang.

Gewöhnlich befasst sich die klassische Psychotherapie nur mit einem Anteil des Egos, sie ignoriert und begreift die große Macht nicht, die den Geist bestimmt, antreibt und beherrscht. Da der Zweck der meisten Psychotherapien ein gut angepasstes Ego ist, existiert keine Idee davon, was jenseits des Egos liegt. Der Zweck der spirituellen Psychotherapie ist im Gegenzug dazu die Eliminierung des Egos. Das Ego ist Angst erfüllt und begrenzt, doch wenn es aufgegeben wird, zeigt sich das wahre SELBST. Es geht um das Erreichen eines nicht konditionierten Verstandes und schließlich um das Transzendieren des Verstandes selbst zu höheren Bewusstseinszuständen der Liebe und des Friedens.

“Wenn du glaubst, du verstündest etwas von der »Dynamik« des Ego, dann lass mich dir versichern, dass du nichts davon verstehst. Denn aus dir selbst könntest du sie nicht verstehen. Das Studium des Ego ist nicht das Studium des Geistes. Tatsächlich genießt es das Ego, sich selber zu studieren, und zollt dem Unterfangen von Schülern, die es »analysieren« möchten und damit seine Wichtigkeit gutheißen, vollen Beifall. Dabei studieren sie nur eine Form mit einem bedeutungslosen Inhalt. Denn ihr Lehrer ist unvernünftig, obzwar sorgsam darauf bedacht, diese Tatsache hinter eindrucksvoll klingenden Worten zu verbergen, denen jedoch jeglicher zusammenhängende Sinn fehlt, sobald man sie zusammenfügt.”
(EKIW: Kapitel 14, X. 8. 4.ff.)

Die klassischen Psychotherapeuten besitzen kein wahres Wissen über das SELBST und sind somit gegenüber der Wirklichkeit blind. Eine Begrenzung der meisten psychotherapeutischen Bezugssysteme ist die, dass der Therapeut auf das begrenzt ist, was die Welt ein gesundes, funktionierendes Ego mit all seinen Begrenzungen nennt. In diesem Weltbild betrachtet man einen gesunden Patienten als jemanden, der die gleichen Illusionen und Begrenzungen hat, die die Gesellschaft und der Therapeut stillschweigend dulden.

Die Psychotherapie akzeptiert Verhaltensebenen als gesund, die, aus der Sicht vollkommenen Friedens, nicht akzeptabel sind. Beispielsweise könnten in der Psychotherapie minimale Angst, Wut und minimaler Stolz als notwendig oder als vertretbare Ebenen des Funktionierens und vielleicht sogar als gesund betrachtet werden. Manche Klienten werden von ihren Therapeuten sogar ermutigt, stolz auf ihre Fortschritte zu sein. Dies ist besonders kontraproduktiv, da so Fortschritte durch die negative und destruktive Energie des Stolzes sofort wieder zunichte gemacht werden. In Anbetracht der Macht der spirituellen Psychotherapie, alle negativen Gefühle vollkommen zu transzendieren, ist die innere Zerstörungskraft hinter solchen niedrigen Zuständen, letztendlich nicht akzeptabel. Jenseits der akzeptablen Ebenen des Funktionierens wartet unsere einzig wahre Bestimmung - die vollkommene Freiheit und die sich grenzenlos ausdehnende LIEBE.

Wahre Heilung erfordert daher einen grundlegend anderen Ansatz ...

“Du kannst dich nicht allein verstehen. Das liegt daran, dass du losgelöst von deinem rechtmäßigen Platz in der SOHNSCHAFT keine Bedeutung hast, und der rechtmäßige Platz der SOHNSCHAFT ist GOTT.”
(EKIW: Kapitel 5, III. 8. 1.-2.)

“Der HEILIGE GEIST will nicht, dass du den Konflikt verstehst; ER möchte, dass dir klar wird, dass man ihn nicht verstehen kann, weil der Konflikt bedeutungslos ist.”
(EKIW: Kapitel 7, VI. 6. 5.)

Wenn wir uns mit dem Kurs beschäftigen, haben wir meist schon Erfahrungen mit Spiritualität gesammelt – vielleicht in der Coachingszene, im Geistigen Heilen, mit Reiki, schamanischen Reisen oder Ritualen. Es gibt eine schier endlose Zahl an Konzepten und Denkansätzen, die sich mit der “Heilung der Seele“ beschäftigen.

Der Kurs ist an diesem Punkt kompromisslos. Er sagt: Die Seele – in dem Verständnis, dass sie, da sie von GOTT ist, ewig ist und nie geboren wurde – muss nicht geheilt werden. Sie ist ein vollkommener Gedanke im Geist GOTTES. Und das Ego, das wir für unser Selbst halten, kann nicht geheilt werden. Was wir wirklich sind und das Ego werden einander niemals begegnen.

Doch was machen wir mit dieser Idee?

Unsere gewöhnliche Vorstellung von Psychotherapie und persönlicher Entwicklung funktioniert anders. Wir gehen davon aus, dass wir bestimmte Themen haben, die wir gezielt bearbeiten können, um schließlich Heilung zu erfahren. Nehmen wir beispielsweise Beziehungsangst. Wir suchen nach den Ursachen, arbeiten an Vertrauen und Selbstliebe, lösen scheinbar alte Verletzungen auf und versuchen Schritt für Schritt eine bessere Beziehung zu uns selbst und zu anderen aufzubauen.

Und tatsächlich kann es innerhalb des Egos zu einer Verschiebung der Problematik kommen. Wir werden tatsächlich auf einmal in der Lage sein, irgendwie eine Beziehung zu führen. Vielleicht verschwindet die Beziehungsangst scheinbar. Das Problem scheint gelöst.

Nur taucht wenig später das nächste auf.

Aus der Beziehungsangst wird ein Beziehungsproblem. Ist auch das scheinbar gelöst, entdecken wir plötzlich ein Autoritätsproblem mit unserem Vorgesetzten. Haben wir auch dieses mit großer Anstrengung bearbeitet, folgt vielleicht ein Burnout. Und irgendwann werden wir alt und krank – und haben damit schon wieder ein Problem.

So wandern wir von einem Problem zum nächsten. Und jedes Mal können wir uns sagen: Das wusste ich ja noch gar nicht. Offenbar habe ich auch damit ein Thema. Dann werde ich eben daran arbeiten.

Das kann durchaus funktionieren – innerhalb des Ego-Denksystems. Wir können lernen, mit Ängsten besser umzugehen, Beziehungen zu verbessern, Konflikte zu lösen und unser Leben angenehmer zu gestalten. Das ist nicht völlig wertlos. Aber der Kurs stellt eine grundsätzlich andere Frage.

Denn der Fehler liegt nicht darin, dass wir noch nicht genug Probleme gelöst haben. Der Fehler liegt bereits in unserem Ansatz: dass wir versuchen, im Problem das Problem zu lösen.

Die Welt, wie wir sie mit dem Ego wahrnehmen, kann uns keine endgültige Lösung anbieten. Sie kann die Form unserer Probleme verändern, sie kann uns vorübergehend Erleichterung verschaffen, und sie kann sogar sehr viel angenehmer werden. Aber sie kann uns nicht das geben, was wir wirklich suchen.

Anders ausgedrückt: Auf der Ebene von “Themen“ gibt es keine Erlösung, weil diese Ebene an sich das Problem ist. Der Glaube an “Themen“ ist Ausdruck des zentralen Irrtums über unsere Identität.

Denn wir versuchen, in einer Welt, die aus der Trennung hervorgegangen ist, die Folgen der Trennung zu heilen. Wir versuchen, dort Heilung zu finden, wo wir sie uns selbst verweigern – und wo sie deshalb gar nicht gefunden werden kann.

Wir versuchen ständig, das zu heilen, was überhaupt nur deshalb existiert, um Heilung zu verhindern.

Es geht nicht darum, das Ego zu einem besser funktionierenden Ego zu machen. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres: darum, unsere Wahrnehmung zu verändern. Nicht das Problem braucht eine andere Lösung. Wir brauchen einen anderen Blick auf das Problem.

“Es gibt eine Tendenz zu denken, die Welt könne Trost und Entrinnen aus Problemen bieten, die zu behalten ihr Zweck ist.”
(EKIW: Kapitel 31, IV. 1. 1.)

“Eine wirkliche Wahl ist keine Illusion. Die Welt hat jedoch keine anzubieten. Alle ihre Wege führen nur in die Enttäuschung, in das Nichts und in den Tod. In ihren Alternativen gibt es keine Wahl. Suche nicht hier nach dem Entrinnen aus Problemen. Die Welt wurde gemacht, damit Problemen nicht entronnen werden kann. Lass dich nicht täuschen von all den verschiedenen Namen, die man ihren Wegen gibt.”
(EKIW: Kapitel 31, IV. 2. 1.-7.)

Ein häufiger und sehr zentraler Irrtum im Zusammenhang mit Spiritualität und Heilung ist der Glaube, dass ”nach innen gehen” bedeutet, in die Vergangenheit und in den Schmerz zu gehen. Aber “nach innen gehen” bedeutet nach Hause gehen, und unser Zuhause ist das wahre SELBST, der Ort vollkommener Liebe und Glückseligkeit. Heilung und damit Vergebung bedeutet nicht, innerhalb der Illusion von Raum und Zeit zu versuchen, etwas zu lösen, sondern von unserem wahren ZUHAUSE aus, das heißt mit dem HEILIGEN GEIST, auf die Illusion zu schauen und sie als Illusion zu erkennen.

“Nach innen schauen heißt nur meinen Willen finden, wie GOTT ihn schuf und wie er ist.”
(EKIW: Lektion 309, 1. 4.)

Das Ego hingegen schickt uns auf eine Reise, die zu nichts anderem als zu einem Gefühl der Vergeblichkeit und Depression führen kann. Die unerträgliche Anstrengung der Weigerung, der Wahrheit Glauben zu schenken und ihre offensichtliche Wirklichkeit zu sehen, erzeugt Verzweiflung und Erschöpfung, Leid und Depression, Krankheit und Schmerz, Dunkelheit und kalte Angstphantasien. Es ist nicht vernünftig, Glück von irgendetwas zu erwarten, was das Ego jemals vorschlug.

“Krankheit und Tod schienen gegen SEINEN WILLEN in den Geist von GOTTES SOHN zu dringen. Der »Angriff auf GOTT« führte dazu, dass SEIN SOHN vaterlos zu sein vermeinte, und aus seiner Depression heraus machte er den Gott der Depression. Das war seine Alternative zur Freude, weil er die Tatsache nicht annehmen wollte, dass er, obzwar ein Schöpfer, erschaffen worden war. Doch ist der SOHN ohne den VATER hilflos, DER allein seine HILFE ist.”
(EKIW: Kapitel 10, V. 4.)

"Die Getrennten haben viele »Heilmittel« für das erfunden, was sie als die »Krankheiten der Welt« ansehen. Das Einzige aber, was sie nicht tun, ist, die Wirklichkeit des Problems infrage zu stellen. Doch seine Wirkungen können nicht geheilt werden, weil das Problem nicht wirklich ist."
(EKIW: Lektion 41, 2. 1.-3.)

Viele Menschen führen ein sehr unglückliches Leben und halten dennoch an alten Versuchen fest, ihr Leid zu mindern. Sie versuchen es mit all den esoterischen “Heilmitteln” sowie den unterschiedlichsten Psychotherapien. Doch sie erlangen nie den Frieden GOTTES und machen trotzdem immer weiter. Woran liegt das?

Es liegt einfach daran, dass jede Methode, an die geglaubt wird, das Leiden ein wenig mindert. Aber genau das ist die Strategie des Egos! Das Ego versucht immer, den grundlegenden Konflikt - seinen Glauben an Trennung - aufrechtzuerhalten. Es ist sehr raffiniert im Ersinnen von Wegen, die den Konflikt zu vermindern scheinen, weil es nicht will, dass wir den Konflikt derart unerträglich finden, dass wir darauf bestehen, ihn aufzugeben.

Der zentrale Irrtum der klassischen Psychotherapie …

… zeigt sich in zwei Aspekten. Der erste Aspekt ist der Versuch, eine Illusion - ein Haus auf Sand - zu stabilisieren, und der zweite Aspekt ist die Art und Weise, wie dies versucht wird. Zuerst wird die Wirklichkeit des Problems bestätigt, und dann wird versucht, den Klienten davon zu überzeugen, dass alles nicht so schlimm ist und dass er darüber hinwegsehen soll. Es wird also die Wahrnehmung des Klienten und damit sein eigener Geist für unwichtig erklärt - ohne Hinweis auf seine wahre Größe.

Das ist verrückt: Wie soll jemand, der wirklich glaubt, betrogen worden zu sein oder einen geliebten Menschen für immer verloren zu haben, darüber hinwegsehen und wieder glücklich werden? Wie soll jemand, der davon überzeugt ist, dass sein geliebtes Kind ermordet wurde, dem Mörder vergeben?

“Der Vergebungsplan des Ego wird viel öfter angewendet als derjenige GOTTES. Das liegt daran, dass er von ungeheilten Heilern ausgeführt wird und daher vom Ego kommt. Wir wollen jetzt den ungeheilten Heiler sorgfältiger ins Auge fassen. [...] Ist er ein Psychotherapeut, so beginnt er eher mit der gleichermaßen unglaubhaften Überzeugung, dass Angriff für ihn wie auch für den Patienten wirklich ist, aber dass er für keinen von beiden eine Rolle spielt.”
(EKIW: Kapitel 9, V. 1.)

“Einige neuere Formen, die der Plan des Ego annimmt, sind ebenso wenig hilfreich wie die älteren, weil die Form keine Rolle spielt und der Inhalt sich nicht geändert hat. So mag ein Psychotherapeut beispielsweise in einer der neueren Formen die Symbole des Ego in einem Alptraum deuten und sie dann als Beweis verwenden, dass der Alptraum wirklich ist. Und hat er ihm Wirklichkeit verliehen, versucht er, seine Wirkungen dadurch zu zerstreuen, dass er die Wichtigkeit des Träumenden herabsetzt. Das wäre ein Heilansatz, würde der Träumer ebenfalls als unwirklich identifiziert. Doch wird der Träumer mit dem Geist gleichgesetzt, so wird die berichtigende Kraft des Geistes durch den HEILIGEN GEIST verleugnet. Das ist sogar ein Widerspruch im Sinn des Ego, und zwar einer, den es gewöhnlich selbst in seiner Verwirrung noch bemerkt.

Wenn die Art und Weise, der Angst entgegenzuwirken, darin besteht, die Wichtigkeit des Geistes herabzusetzen, wie könnte das Egostärke aufbauen? Solche offensichtlichen Widersprüche sind der Grund dafür, dass niemand wirklich je erklären konnte, was in der Psychotherapie geschieht. Nichts geschieht wirklich. Nichts Wirkliches ist dem ungeheilten Heiler widerfahren, und er muss aus dem lernen, was er selber lehrt. Sein Ego wird immer versuchen, etwas aus der Situation zu bekommen. Daher weiß der ungeheilte Heiler nicht, wie man gibt, und kann folglich nicht mit anderen teilen. Er kann nicht berichtigen, weil er nicht berichtigend arbeitet. Er glaubt, es läge in seiner Hand, den Patienten zu lehren, was wirklich ist, obschon er es selber nicht weiß.

Was sollte also geschehen? Als GOTT sprach: »Es werde Licht!«, da ward Licht. Kannst du das Licht finden, indem du die Dunkelheit analysierst, wie es der Psychotherapeut tut, oder indem du - wie der Theologe - die Dunkelheit in dir selber anerkennst und nach einem entfernten Licht Ausschau hältst, um sie zu beseitigen, wobei du betonst, wie fern es ist? Heilen ist nicht geheimnisvoll. Nichts ändert sich, solange man es nicht versteht, da Licht Verstehen ist . Weder lässt sich ein »elender Sünder« ohne Magie heilen, noch kann sich ein »unwichtiger Geist« ohne Magie selbst achten.

Beide Formen des Egoansatzes müssen also in einer Sackgasse enden: in der typischen »unmöglichen Lage«, in die das Ego immer führt. [...]”
(EKIW: Kapitel 9, V. 4.-7.)

Spirituelle Psychotherapie ist die einzige Form der Therapie, die es gibt. Da nur der Geist krank sein kann, kann nur der Geist geheilt werden. Nur der Geist braucht Heilung. Spirituelle Psychotherapie ist notwendig, damit ein Mensch beginnen kann, die Wirklichkeit dieser Welt in Frage zu stellen. Manchmal ist ein Mensch in der Lage, ohne formelle Hilfe anzufangen, seinen Geist zu öffnen, aber selbst dann ist es immer irgendeine Veränderung in seiner Wahrnehmung, zwischenmenschlicher Beziehungen, die ihm das erlaubt.

“Ich weiß, du bist müde, aber komm, das ist der richtige Weg.”
(Dschalal ad-Din Muhammad Rumi)

“Mein NAME ist DIR immer noch bekannt, o VATER.
Ich habe IHN vergessen und erkenne nicht,
wohin ich gehe, wer ich bin oder was ich tue.
Erinnere mich jetzt, VATER, denn ich bin der Welt müde, die ich sehe.
Offenbare, was DU möchtest, dass ich stattdessen sehen soll”
(EKIW: Lektion 224, 2.)

Der Zweck der spirituellen Psychotherapie ist ganz einfach, die Blockaden gegenüber der Wahrheit zu entfernen. Ihr Ziel ist, den Patienten zu helfen, sein starres Wahnsystem aufzugeben und zu beginnen, die unechten Ursache-Wirkung-Beziehungen zu überdenken, auf denen es beruht.

GOTT hat jedem einen LEHRER gegeben, dessen Weisheit und Hilfe weit über jeden Beitrag hinausgehen, denn ein irdischer Therapeut leisten kann - den HEILIGEN GEIST. Doch gibt es Zeiten und Situationen, in denen eine irdische Patient-Therapeut-Beziehung zum Mittel wird, durch das ER beiden SEINE größeren Gaben anbietet.

Richtig verstanden lehrt spirituelle Psychotherapie Vergebung und hilft dem Patienten, sie zu erkennen und zu akzeptieren. Und in seiner Heilung ist dem Therapeuten zugleich mit ihm vergeben. Nur Vergebung heilt Nichtvergebung, und nur Nichtvergebung kann Krankheit irgendeiner Art überhaupt entstehen lassen. Keine Heilung kann etwas anderes sein als Vergebung. Sich fest zu klammern an der Schuld ist nur die grimmige Weigerung zu vergeben. Heilung geschieht, wenn ein Patient beginnt, das Klagelied über die Schuld zu hören, dass er singt, und seine Gültigkeit in Frage stellt. Solange er es nicht hört, kann er nicht verstehen, dass er es ist, der es sich selber vorsingt. Es zu hören ist der erste Schritt zur Gesundung. Es in Frage zu stellen, muss er dann beschließen.

Was wir vergeben, ist die Idee, ich bin das Opfer der Welt und die Welt ist wirklich. Vergebung bedeutet, die Dinge aus dem Blickwinkel GOTTES zu betrachten, alles mit der LIEBE GOTTES zu sehen.

“Die wirkliche Welt wird einfach durch die vollständige Vergebung der alten erlangt, jener Welt, die du ohne Vergebung siehst. Der GROSSE WANDLER der Wahrnehmung wird mit dir die sorgfältige Erforschung des Geistes unternehmen, der diese Welt gemacht hat, und dir die scheinbaren Beweggründe aufdecken, um derentwillen du sie gemacht hast. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER dir bringt, wenn du IHM nachfolgst, wird ER dir zeigen, dass es hier überhaupt keine Vernunft gibt. Jeder Punkt, den SEINE Vernunft berührt, wird in Schönheit lebendig, und das, was im Dunkel deiner mangelnden Vernunft hässlich erschien, wird plötzlich zu Lieblichkeit befreit. Nicht einmal das, was der SOHN GOTTES im Wahnsinn gemacht hat, kann ohne einen verborgenen Funken Schönheit sein, den die Sanftmut freisetzen kann.”
(EKIW: Kapitel 17, II. 5.)

“Dass Nichtvergebene ist eine Stimme, die aus einer Vergangenheit ruft, welche ewiglich vergangen ist. Und alles, was auf sie als wirklich hinweist, ist nur ein Wunsch, dass das, was vergangen ist, wieder wirklich gemacht werden und als hier und jetzt gesehen werden könnte, anstelle dessen, was wirklich jetzt und hier ist. Ist dies ein Hemmnis für die Wahrheit, dass die Vergangenheit vergangen ist und dir nicht wiedergegeben werden kann? Und willst du, dass jener angsterfüllte Augenblick behalten wurde, als der HIMMEL zu verschwinden schien und GOTT gefürchtet und zu einem Symbol deines Hasses gemacht wurde?”
(EKIW: Kapitel 26, V. 8.)

“Vergib der Vergangenheit und lass sie los, denn sie ist vergangen.”
(EKIW: Kapitel 26, V. 14. 1.)

Gestalttherapie

Der Mitbegründer der Gestalttherapie, Fritz Perls, war der festen Überzeugung, dass alles, was den Menschen bedrückt, er nicht in der Vergangenheit suchen muss. Nein, vielmehr trägt er es in jedem Moment bei sich. Alle unerledigten Geschäfte, die ihn heute davon abhalten, ein erfülltes Leben zu führen, liegen ganz dicht unter der Oberfläche.

"Gestalt schließen" in der Gestalttherapie bedeutet, unvollendete Erfahrungen und Konflikte (offene Gestalten) zu bearbeiten, damit diese abgeschlossen werden können und Energie freigesetzt wird. Dies geschieht im "Hier und Jetzt" durch erhöhte Wahrnehmung und bewusste Auseinandersetzung mit dem Erleben, um so Ganzheit und Vollständigkeit zu erreichen.

Für seine Zeit war das ein guter Ansatz, aber er ist immer noch keine Psychotherapie im spirituellen Sinne. Denn auch die Gestalttherapie beruht auf dem Glauben an Trennung. Solange wir uns von unseren Brüdern getrennt erleben, sind wir nicht geheilt.

“Ein jeder bevölkert seine Welt mit Gestalten aus seiner persönlichen Vergangenheit, und daran liegt es, dass sich private Welten tatsächlich unterscheiden. Doch die Gestalten, die er sieht, waren niemals wirklich, denn sie sind nur aus seinen Reaktionen auf seine Brüder gebildet und schließen ihre Reaktionen auf ihn nicht mit ein. Deshalb sieht er nicht, dass er sie gemacht hat und dass sie nicht ganz sind. Denn diese Gestalten haben keine Zeugen, da sie nur in einem einzigen separaten Geist wahrgenommen werden.”
(EKIW: Kapitel 13, V. 2.)

Mit Hilfe der klassischen Psychotherapie versucht das Ego, den Schmerz der Trennung erträglich zu machen, um ihn zu behalten, um nicht selbst in Frage gestellt zu werden. In der spirituellen Psychotherapie hingegen geht es nicht darum, eine Strategie zu entwickeln, um mit scheinbar realen Problemen besser leben zu können, sondern darum, anhand konkreter aktueller problematischer Ereignisse den grundlegenden Irrtum dahinter zu erkennen und ihn SEINER Berichtigung zu übergeben. Wir können imaginäre Probleme nicht erlösen, solange wir sie für wirklich halten. Wir müssen nur damit aufhören, das Unwirkliche für das Wirkliche zu halten.

Am Weg des spirituellen Erwachens müssen alle egoischen Stabilisierungsversuche wieder entfernt werden, weil sie nicht tief genug gehen, um uns zu erhalten. Wenn dieser falsche Unterbau aufgegeben wird, empfindet man das Gleichgewicht vorübergehend als instabil. Indessen ist nichts weniger stabil als die Orientierung des Ego-Denksystems, das auf dem Kopf steht. Noch kann irgendetwas, was es auf dem Kopf stehend hält, zu größerer Stabilität führen.

Beispiel:

Eine Klienten, die Leiterin einer religiösen Frauengruppe, kommt zum Therapeuten und berichtet folgendes: “Ich bin nie richtig locker. Ich muss mich immer darum bemühen, dass alles seine Ordnung hat. Es gibt da eine Stimme in mir, die mir sagt, du bist in Ordnung, wenn du das Richtige tust. Ich will alles ganz genau wissen. Fünf gerade sein lassen fällt mir außerordentlich schwer.”

Der in Biografiearbeit geschulte Therapeut lädt die Klientin ein, ihre biografische Vergangenheit zu reflektieren, um ihr zu helfen, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft zu gestalten.

Die Klienten erinnert sich nun daran, welche Belastung es für sie darstellte, die Ideale ihrer Familie hochzuhalten: "Als ich immer wieder unter starken Nasenbluten litt, meinte mein Vater, ich würde nicht genug beten. Ich verstand zwar nie, was ‘genug’ war, nahm aber an, dass ‘mehr’ besser war … Papa erwartete von mir, dass ich für ihn und die ganze Familie beten und Fürsprache einlegen werde, also ging ich jeden Tag zur Messe. Ich hatte eine wichtige Mission, für die ich und Beistand bat: Von mir hing das Wohlergehen der Familie ab."

Daher heißt es im Kurs in Lektion 135:
"Und hierin liegt die Torheit der Abwehr: Sie gibt den Illusionen Wirklichkeit und versucht dann, mit ihnen umzugehen, als seien sie wirklich. Sie häuft Illusionen über Illusionen und macht Berichtigung so doppelt schwierig. Genau das tust du, wenn du versuchst, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach deinen Wünschen zu organisieren."

Eine zentrale Strategie des Egos ist es, Schuld nach außen zu projizieren. Mit der klassischen Psychotherapie haben wir daraus auch noch eine Wissenschaft gemacht. Aber wir können das Licht nicht finden, indem wir die Dunkelheit analysieren, wie es die klassische Psychotherapie tut. Es ist das Ego, das Biografiearbeit liebt, weil es dabei immer um die Illusion des persönlichen Selbst geht. Die gesamte Biografie ist eine einzige Lüge, nichts davon bedeutet irgendetwas. Es ist lediglich der Versuch, von unserer Wirklichkeit abzulenken. Es ist der Versuch, uns vor GOTT zu verstecken. Was von Biografiearbeit zu halten ist, macht Jesus im Kurs sehr deutlich:

“Die Struktur eines »individuellen Bewusstseins« ist im Wesentlichen unerheblich, weil es ein Konzept ist, das den »Erbirrtum« oder die »Erbsünde« darstellt. Den Irrtum selbst zu untersuchen führt nicht zur Berichtigung, wenn es dir fürwahr gelingen soll, den Irrtum zu übersehen. Und es ist genau dieser Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, BEGRIFFSBESTIMMUNG, EINLEITUNG, 1. 4.-6)

Die spirituelle Sichtweise steht den Vorstellungen dieser Welt grundsätzlich entgegen. In der spirituellen Psychotherapie geht es darum, der Klientin zu helfen, ihr Denken grundlegend zu wandeln. Sie erkennt dabei, dass sie nicht das Opfer einer äußeren Welt ist, sondern dass ihre Projektionen auf die Welt die eigentliche Ursache ihres Leidens darstellen. Die Welt erscheint lediglich als Spiegel ihres eigenen Denksystems.

Im vorliegenden Fall zeigt sich dies in ihrem Streben nach einem unerreichbaren weltlichen Ideal, das ihr von der Welt zurückgespiegelt wird. Leid entsteht durch die Anziehungskraft des scheinbar Unvollkommenen und damit durch die Verleugnung der Vollkommenheit GOTTES. Die tiefere Ursache all dessen liegt im Wunsch nach Trennung, der im schlafenden Geist verborgen ist. Der hohe moralische Anspruch und der damit verbundene Glaube an Unvollkommenheit sind lediglich verschiedene Ausdrucksformen des grundlegenden Verlangens nach Trennung.

“Die Welt an sich ist nichts. Dein Geist muss ihr Bedeutung geben. Und was du in ihr siehst, sind deine Wünsche, ausagiert, damit du sie anschauen und sie für wirklich halten kannst. Vielleicht meinst du, nicht du habest die Welt gemacht, sondern du seist ungewollt an einen Ort gekommen, der bereits gemacht war und schwerlich darauf gewartet hat, dass deine Gedanken ihm Bedeutung geben. In Wahrheit aber hast du genau das vorgefunden, wonach du Ausschau hieltest, als du kamst.”
(EKIW: Lektion 132, 4.)

Es gibt keine lineare Zeit und damit auch keine Vergangenheit und damit grundsätzlich keine zeitlichen Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Was wir gewöhnlich als Vergangenheit bezeichnen, ist ein Symbol für unseren Geisteszustand im Hier und Jetzt. Darin liegt die hilfreiche Bedeutung von “Vergangenheit”. Wenn die Klientin sich als Opfer ihres Vaters erlebt, spiegelt dies ihren Glauben an die Illusion von Opfer und Täter im Hier und Jetzt wider. Wenn die Klientin glaubt, die Erwartungen des Vaters nicht erfüllt zu haben, ist dies ein Symbol für ihren Glauben an Unvollkommenheit im Hier und Jetzt.

“Wenngleich der Inhalt irgendeiner bestimmten Ego-Illusion keine Rolle spielt, so ist es unzweifelhaft hilfreicher, sie in einem konkreten Zusammenhang zu berichtigen. Ego-Illusionen sind ganz konkret, obschon der Geist von Natur aus abstrakt ist.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 1. 1.-2.)

Natürlich wird der Vater im Laufe einer spirituellen Psychotherapie/Begleitung auftauchen, aber es ist wichtig zu verstehen, dass wir in Wahrheit nicht dem Vater vergeben, sondern unsere Wahrnehmung des Vaters. Wir übergeben unsere Wahrnehmung des Vaters dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung.

“Die schattenhaften Gestalten aus der Vergangenheit sind genau das, dem du entrinnen musst. Sie sind nicht wirklich und haben keinerlei Macht über dich, wenn du sie nicht mitbringst. Sie tragen die Schmerzensstellen in deinem Geist und weisen dich an, in der Gegenwart anzugreifen als Vergeltung für eine Vergangenheit, die es nicht mehr gibt. Und diese Entscheidung ist eine Entscheidung für zukünftigen Schmerz. Wenn du nicht lernst, dass der vergangene Schmerz eine Illusion ist, wählst du eine Zukunft der Illusionen und verpasst die vielen Gelegenheiten zur Befreiung, die sich dir in der Gegenwart bieten würden.”
(EKIW: Kapitel 13, IV. 6. 1.-5.)

Nicht die Vergangenheit und damit auch nicht der Vater ist das Problem, sondern die Stimme des Egos im Bewusstsein der Klientin in der Gegenwart, die ständig folgende Botschaften wiederholt: “Du bist in Ordnung, wenn du das Richtige tust.” Der Glaube der Klientin an diese Botschaft, d.h. die Identifikation mit dieser Botschaft ist das Problem.

Daraus entsteht die persönliche Grundangst der Klientin, unvollkommen, schlecht oder böse zu sein, und das persönliche Grundbedürfnis, tugendhaft, integer und gut zu sein. Im Geist der Klientin herrscht ein enormer Konflikt zwischen einem leidenschaftlich empfundenen Zorn und dem Versuch, genau diesen Zorn zu vermeiden. In ihrem Geist findet sich der Richter, der über den Richter zu Gericht sitzt. Daraus resultiert ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle und Rechthaben.

Auf andere Menschen wirkt die Klientin deshalb streng, rechthaberisch, verklemmt und verschlossen. Um ihren Glauben an die eigene Unvollkommenheit nicht betrachten zu müssen, flüchtet sich die Klientin in moralische Urteile über ihre Mitmenschen, sie projiziert ihren Glauben an Unvollkommenheit in die Welt. Ihr Streben nach weltlicher Perfektion ist nichts anderes als der Versuch, das Gefühl innerer Leere - als Folge der fehlenden Verbindung mit der LIEBE GOTTES - zu unterdrücken.

P.S.:

Diese Geschichte ist nur ein konstruiertes Beispiel, um einen Hinweis auf die "Dynamik" des Egos zu geben. Gleichzeitig soll aber auch davor gewarnt werden, die Egomotivation eines anderen Menschen analysieren zu wollen: “Die Analyse von Egomotivationen ist sehr kompliziert, sehr verschleiernd und findet niemals ohne die Beteiligung deines eigenen Ego statt.” (EKIW: Kapitel 12, I. 1.)

Es geht einzig und allein darum, einen Hilferuf als das wahrzunehmen, was er ist. Nur Würdigung ist eine angemessene Reaktion auf unseren Bruder. Dankbarkeit gebührt ihm sowohl für seine liebevollen Gedanken als auch für seine Hilferufe, denn beide vermögen es, uns Liebe ins Bewusstsein zu bringen, wenn wir sie wahrheitsgemäß wahrnehmen.

Es geht darum dem Klienten zu helfen, zu verstehen, dass der schlafende Geist Schuldzuweisungen benutzt, um seinen Glauben an die Trennung nicht betrachten zu müssen. Es geht darum, dem Klienten zu helfen, zu erkennen, dass es keine objektive Welt von Ereignissen und Umständen gibt, die von seiner Wahrnehmung und Interpretation getrennt sind. Die abschließende Erkenntnis des Klienten könnte lauten: "Meine Gedanken sind Bilder, die ich gemacht habe."

LEKTION 152: "Die Macht der Entscheidung ist mein."
"Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung."

Das Ego, der Gedanke der Trennung, projiziert eine Welt, die die Trennung real erscheinen lassen soll. So dient die Welt in ihrer ursprünglichen Absicht dazu, von der Wahrheit - der Einheit allen SEINS - abzulenken. Sie scheint den Gedanken der Trennung immer und immer wieder zu bestätigen. Aber wir können der Welt einen neuen Zweck geben - den einzig wahren Zweck - die Erlösung von der Illusion der Trennung von GOTT und unseren Mitmenschen.

Ohne die Bilder, die wir sehen, und ohne das Wunder würden wir den Ausweg aus diesem Alptraum der Trennung nicht finden. Die Bilder sind ein Symbol dessen, was in unserem unbewussten Geist liegt. Ohne sie bliebe uns unsere unbewusste Schuld auf ewig verborgen, und es gebe kein Entrinnen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Angst und Schuld nichts mit irgendwelchen Kindheitserfahrungen zu tun haben, sondern die Grundlage des egoischen Zustandes, des Zustandes der Trennung und damit des individuellen Ich-Empfindens sind. Die vom Ego projizierte Welt und damit jede Biographie eines Menschen ist eine Einladung des Egos, an Schuld zu glauben. Jesus drückt sich im Kurs unmissverständlich aus, wenn er sagt:

"Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Die Welt, die du siehst, ist das Wahnsystem derjenigen, die die Schuld verrückt gemacht hat. Sieh dir diese Welt sorgfältig an, dann wird dir klar, dass es so ist. Denn diese Welt ist das Symbol der Strafe, und alle Gesetze, die sie zu regieren scheinen, sind die Gesetze des Todes."

Der HIMMEL ist die Entscheidung, die wir bewusst treffen müssen. Die Wahl kann nicht getroffen werden, solange die Alternativen nicht korrekt gesehen und verstanden werden. Alles, was in Schatten gehüllt ist, muss zum Verständnis hochgehoben werden, damit es noch einmal beurteilt wird, diesmal mit des HIMMELS Hilfe. Und alle Fehler beim Beurteilen, die der Geist zuvor gemacht hat, stehen der Berichtigung offen, während die Wahrheit sie als ursachlos entlässt. Jetzt sind sie ohne Wirkungen. Sie können nicht mehr verborgen werden, weil ihre Nichtigkeit wahrgenommen wird.

Weil uns das erstmalige Betrachten unserer Schatten meist zutiefst erschüttert, dürfen wir bei der Erleuchtung unserer Schattenaspekte nie vergessen, dass Schatten eben nur Schatten sind und keine Wirklichkeit. Es sind Illusionen, die einmal der Berichtigung durch den HEILIGEN GEIST übergeben, keine Wirkung mehr haben.

Wenn wir beschlossen haben, dass wir erwachen wollen, bedeutet dies auch, dass wir uns bereits jede Erfahrung herbeigerufen haben, die unserem Erwachen wahrhaftig am besten dienen kann. Und die Freunde und die Familie, die Menschen, mit denen wir Beziehungen führen, sind diejenigen, die ebenfalls den größten Gewinn aus den Erfahrungen ziehen, die durch unsere Beziehungen ausgelöst werden.

Die Welt unserer eigenen persönlichen Erfahrung ist also buchstäblich das Ergebnis unseres Gebetes zu erwachen. Dies bedeutet, dass unser gewöhnliches, alltägliches Leben der vollkommenste Ashram („Ort der religiösen Bemühung“) ist, in dem wir jemals sein können. Es ist die HEILIGE STADT, zu der es weise ist, jeden Tag zu pilgern, was bedeutet, Bewusstsein und Hingabe genau zu dem zu bringen, was wir gerade erfahren, dankbar dafür zu sein, es zu segnen, es anzunehmen, wachsam zu sein, achtsam zu sein: Was lehrt mich dieser Moment?

Die Vergangenheit kann im Jetzt nicht bestehen. Alles, was wir über die unbewusste Vergangenheit in uns wissen müssen, werden die Herausforderungen der Gegenwart ans Licht bringen. Wenn wir uns in der Vergangenheit vergraben, wird sie zum bodenlosen Abgrund, immer mehr kommt hoch. Wir denken dann vielleicht, dass wir mehr Zeit brauchen, um die Vergangenheit zu verstehen, oder uns von ihr zu befreien. Wir glauben also, irgendwann durch die Zukunft von der Vergangenheit befreit zu werden. Das ist eine Täuschung. Nur das Jetzt kann uns von der Vergangenheit befreien!

“Die schattenhaften Gestalten aus der Vergangenheit sind genau das, dem du entrinnen musst. Sie sind nicht wirklich und haben keinerlei Macht über dich, wenn du sie nicht mitbringst. Sie tragen die Schmerzensstellen in deinem Geist und weisen dich an, in der Gegenwart anzugreifen als Vergeltung für eine Vergangenheit, die es nicht mehr gibt. Und diese Entscheidung ist eine Entscheidung für zukünftigen Schmerz. Wenn du nicht lernst, dass der vergangene Schmerz eine Illusion ist, wählst du eine Zukunft der Illusionen und verpasst die vielen Gelegenheiten zur Befreiung, die sich dir in der Gegenwart bieten würden.”
(EKIW: Kapitel 13, IV. 6. 1.-5.)

Es gilt uns unserer Vergangenheit nur auf der Ebene der Gegenwart anzunehmen, denn je mehr Aufmerksamkeit wir der Vergangenheit schenken, umso mehr Energie führen wir ihr zu und umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie zu einem Teil unseres persönlichen Selbst machen. Aufmerksamkeit ist entscheidend, aber nicht, wenn sie der Vergangenheit als Vergangenheit gewidmet wird. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten, auf unser Verhalten, unsere Reaktionen, unsere Stimmungen, Gedanken, Emotionen, Ängste und Wünsche - so wie sie in der Gegenwart auftauchen - so ist das die Vergangenheit in uns. Schon in Lektion 7 weist uns Jesus darauf hin: “Ich sehe nur die Vergangenheit.”

Wenn wir gegenwärtig genug sind, um all diese Dinge zu beobachten, ohne dabei Kritik zu üben, zu analysieren oder zu werten, nehmen wir uns unserer Vergangenheit an und lösen sie durch die Kraft unserer Gegenwärtigkeit auf - indem wir sie so SEINER Berichtigung übergeben.

In der spirituellen Psychotherapie geht es darum, dem Patienten zu helfen, sich von seiner Identifikation mit der Vergangenheit zu befreien, das heißt, die Vergangenheit zu vergeben. Nicht seine Biographie ist die Ursache seiner Probleme, sondern seine Identifikation mit der Geschichte, die er für seine Biographie hält. Was der Patient lernen muss, ist, dass sein "Selbst", das angreifen und ebenso angegriffen werden kann, ein Konzept ist, das er erfunden hat. Der Patient muss willens werden, sein Denken umzukehren und zu verstehen, dass das, wovon er dachte, es projiziere seine Wirkungen auf ihn, von seinen Projektionen auf die Welt gemacht wurde. Die Welt, die er sieht, existiert daher nicht. Solange das nicht zumindest teilweise akzeptiert wird, kann der Patient sich nicht als wirklich fähig betrachten, Entscheidungen zu fällen.

“Ein jeder bevölkert [im engl. Org.: peoples] seine Welt mit Gestalten aus seiner persönlichen Vergangenheit, und daran liegt es, dass sich private Welten tatsächlich unterscheiden. Doch die Gestalten, die er sieht, waren niemals wirklich, denn sie sind nur aus seinen Reaktionen auf seine Brüder gebildet und schließen ihre Reaktionen auf ihn nicht mit ein. Deshalb sieht er nicht, dass er sie gemacht hat und dass sie nicht ganz sind. Denn diese Gestalten haben keine Zeugen, da sie nur in einem einzigen separaten Geist wahrgenommen werden.”
(EKIW: Kapitel 13, V. 2.)

Spirituelle Psychotherapie ist ein Prozess, der die Auffassung vom Selbst verändert. Patienten gehen die therapeutische Beziehung allerdings nicht mit diesem Ziel vor Augen ein. Im Gegenteil, solche Konzepte bedeuten ihnen wenig, sonst bräuchten sie keine Hilfe. Ihr Ziel lautet, ihr Selbstkonzept exakt so beizubehalten, wie es ist, aber ohne das Leiden, das es nach sich zieht. Ihr ganzes Gleichgewicht beruht auf der wahnsinnigen Überzeugung, dies sei möglich.

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim alten zu lassen und zu hoffen,
dass sich etwas ändert.“
(Albert Einstein)

Einer der Irrtümer, die vom Ego gefördert werden, ist, dass es wahrer Veränderung und daher wahrer Schöpferkraft fähig ist. Die Veränderungen, die das Ego vorzunehmen sucht, sind nicht wirklich Veränderungen. Sie sind nur tiefere Schatten oder vielleicht andere Wolkenmuster, sie sind nur Windhauch. Doch was aus nichts gemacht ist, kann nicht als neu oder anders bezeichnet werden. Illusionen sind Illusionen; nur die Wahrheit ist die Wahrheit.

Im Idealfall ist Psychotherapie eine Reihe heiliger Begegnungen, bei denen sich Brüder treffen, um einander zu segnen und den Frieden GOTTES zu empfangen. Der Therapeut ist nur ein irgendwie spezialisierterer Lehrer GOTTES. Er lernt durch Lehren, und je fortgeschrittener er ist, desto mehr lehrt er und lernt er. Aber in welchem Stadium er auch ist, es gibt Patienten, die ihn genauso brauchen, wie er ist. Sie können nicht mehr aufnehmen, als er im Augenblick geben kann. Dennoch werden sie beide schließlich die geistige Gesundheit finden.

Ebenso wie wahre Spiritualität heilt, muss wahre Psychotherapie spirituell sein. Aber beide haben viele Formen, weil kein guter Lehrer für jeden Schüler ein und denselben Ansatz benutzt. Um wahres Lernen sicherzustellen, muss jeder der beiden ein Ziel mit dem anderen teilen und dabei jedes Gefühl von getrennten Interessen verlieren. Nur auf diese Art ist es möglich, die engen Grenzen zu transzendieren, die das Ego dem Selbst auferlegt. Nur auf diese Art können Lehrer und Schüler, Therapeut und Patient die BERICHTIGUNG akzeptieren und lernen, sie zu geben, wie sie empfangen wurde. Kommunion ist für einen allein unmöglich. Niemand, der abseits steht, kann CHRISTI Schau empfangen.

In einer idealen Patient-Therapeut-Beziehung muss der Therapeut von jedem Patienten, der zu ihm kommt, lernen, wie man heilt. So wird er sein Patient. GOTT kennt keine Trennung. Der Vorgang, der in dieser Beziehung stattfindet, ist einer, bei dem der Therapeut dem Patienten in seinem Herzen sagt, dass alle seine Irrtümer ihm vergeben sind, zusammen mit den seinen. In ebendem Augenblick, da der Therapeut vergisst, den Patienten zu beurteilen, findet Heilung statt. Das allerdings bedarf der Hilfe eines sehr fortgeschrittenen Therapeuten, der fähig ist, sich mit dem Patienten in einer heiligen Beziehung zu verbinden, in der jedes Gefühl von Trennung schließlich überwunden wird.

Dazu ist eines, und eines nur, erforderlich: Der Therapeut verwechselt sich in keiner Weise mit GOTT. Alle "ungeheilten Heiler" nehmen diese grundlegende Verwechslung in der einen oder anderen Form vor, weil sie sich zwangsläufig als selbsterschaffen statt als von GOTT erschaffen ansehen. Diese Verwechslung ist selten, wenn überhaupt, bewusst, sonst würde der ungeheilte Heiler augenblicklich zu einem Lehrer GOTTES werden und sein Leben der Funktion wahrer Heilung widmen. Bevor er diesen Punkt erreicht, denkt er, er habe im therapeutischen Prozess die Führung und sei deshalb verantwortlich für das Ergebnis. Die Irrtümer seines Patienten wurden so zu seinem eigenen Versagen, und Schuld wird zu einem dunklen, dicken Mantel für das, was die HEILIGKEIT CHRISTI sein sollte. Schuld ist unausweichlich in jenen, die ihr Urteil verwenden, um ihre Entscheidungen zu treffen. Schuld ist unmöglich in jenen, durch die der HEILIGE GEIST spricht. Ungeheilte Heiler neigen dazu beim "Heilen" selber krank zu werden. Dies ist ein eindeutiges Zeichen, dass hier das Ego am Werk ist und es sich um einen ungeheiten Heiler handelt.

Das Aufhören der Schuld ist das wahre Ziel der Therapie und das offensichtliche Ziel der Vergebung. Darin kann ihr Einssein klar gesehen werden. Doch niemand, der sich in der Rolle des Führers verantwortlich für seinen Bruder fühlt, kann das Ende der Schuld erfahren, denn solch eine Funktion würde einen allwissenden Standpunkt voraussetzen. Doch keine Wahrnehmung ist allwissend, noch kann das winzig kleine Selbst von einem, der allein gegen das Universum steht, sich anmaßen, dass er eine solche Weisheit hat, außer in der Verrücktheit. Dass viele Therapeuten verrückt sind, ist offensichtlich. Kein ungeheilter Heiler kann gänzlich geistig gesund sein.

Doch ist es ebenso wahnsinnig, eine Funktion, die GOTT uns gegeben hat, nicht zu akzeptieren, wie eine zu erfinden, die ER nicht gegeben hat. Der fortgeschrittene Therapeut kann in keiner Weise jemals die Macht anzweifeln, die in ihm ist. Ebenso wenig zweifelt er an ihrer QUELLE.

Psychotherapie unter SEINER Führung ist eines der Mittel, die ER benutzt, um Zeit einzusparen und zusätzliche Lehrer für SEINE Arbeit vorzubereiten. Wahre Psychotherapie führt am Schluss zu GOTT. Aber das liegt bei IHM.

“Tritt sanft beiseite, und lass die Heilung für dich geschehen.”
(EKIW: Kapitel 16, I. 3. 7.)

Spiritueller Therapeut, Lehrer GOTTES

Wenn wir in der Welt des Egos beratend tätig waren oder sind, verweisen wir gerne auf unsere reiche Berufs- und Lebenserfahrung. In unserer Rolle als spiritueller Begleiter müssen wir all das loslassen, denn unsere sogenannte Lebenserfahrung war nichts anderes als die Erfahrung einer mit dem Ego identifizierten Person. Alles war also eine Lüge, eine Illusion.

“Nichts, was die Welt glaubt, ist wahr.”
(EKIW: Lektion 139, 7. 1.)

Viele Menschen versuchen, den Kurs in Wundern als eine Weiterentwicklung ihres bisherigen Wissens zu betrachten – als eine lineare Entwicklung, wie wir sie innerhalb unseres weltlichen Bildungssystems erleben. Sie vergleichen den Kurs beispielsweise mit einer Universitätsausbildung, für die die Grundschule als Basis benötigt wird. Doch diese Betrachtungsweise ist grundsätzlich falsch. Der Kurs baut nicht auf weltlichen Konzepten auf. Er ist keine Weiterentwicklung des egoischen Denksystems, sondern ein ihm diametral entgegengesetztes Denksystem, eine völlige Umkehr, ein vollkommener Ersatz.

Alles, was wir in unserem persönlichen Leben, in dem wir uns mit dem Ego identifiziert haben, gelernt haben, war grundlegend falsch. Erst wenn wir all das wieder verlernt haben, können wir ein wahrhaftiger Lehrer GOTTES sein. “Verlernen … ist wahres Lernen in der Welt.” Erst wenn wir all unser erlerntes Urteilen wieder verlernt haben, können wir beiseite treten und die Heilung für uns geschehen lassen. Erst dann sind wir in SEINEM Plan wahrhaft hilfreich.

“[...] Dafür braucht er allerdings eine besondere Schulung, weil der Lehrplan, durch den er Therapeut wurde, ihn vermutlich wenig oder nichts über die wirklichen Grundsätze der Heilung lehrte. Vielmehr hat er ihn wahrscheinlich gelehrt, wie man Heilung unmöglich macht. Der größte Teil dessen, was die Welt lehrt, folgt einem Lehrplan im Urteilen, mit dem Ziel, den Therapeuten zu einem Richter zu machen.”
(EKIW: Ergänzungen zu EKIW, PSYCHOTHERAPIE, 3. II. 2.)

Als spiritueller Therapeut oder Lehrer müssen wir uns immer wieder ganz ehrlich die Frage stellen: Was sehe ich und was ist mein Bestreben, sehe ich Fehler, die durch mich berichtigt werden müssen oder bin ich bereit, unter SEINER Führung in meinem Gegenüber den einen CHRISTUS zu sehen, damit durch mich die LIEBE GOTTES in die Welt strömen kann. In ebendem Augenblick, da wir vergessen, unser Gegenüber zu beurteilen, findet Heilung statt.

Es ist ein entscheidender Unterschied, ob wir Fehler wahrnehmen und von Anfang an darüber hinwegsehen, um die WIRKLICHKEIT zu schauen, oder ob wir auf sie so reagieren, als wären sie wirklich, denn das heißt, sie für uns wirklich zu machen. Vergebung durch den HEILIGEN GEIST besteht einfach darin, von Anfang an über Fehler hinwegzusehen und sie auf diese Weise für uns unwirklich sein zu lassen.

“Das Ego sieht es als freundlich und richtig und gut an, auf Fehler aufmerksam zu machen und sie zu »berichtigen«. Das erscheint dem Ego völlig sinnvoll, das sich dessen nicht bewusst ist, was Fehler sind und was Berichtigung ist. Fehler stammen vom Ego, und die Berichtigung von Fehlern liegt darin, das Ego aufzugeben. Wenn du einen Bruder berichtigst, dann sagst du ihm, dass er sich irrt. Vielleicht ist er zu dem Zeitpunkt unvernünftig, und es steht fest, dass er unvernünftig ist, wenn er aus dem Ego spricht. Deine Aufgabe bleibt es aber dennoch, ihm zu sagen, dass er Recht hat. Du teilst ihm das nicht mit Worten mit, wenn er törichte Dinge sagt. Er braucht Berichtigung auf einer anderen Ebene, weil sein Fehler auf einer anderen Ebene liegt. Er hat trotzdem recht, weil er ein GOTTESSOHN ist. Sein Ego irrt sich immer, gleichgültig, was es sagt oder tut.

Wenn du auf die Fehler des Ego deines Bruders hinweist, dann musst du durch das deine sehen, weil der HEILIGE GEIST seine Fehler nicht wahrnimmt. Das muss wahr sein, da keine Kommunikation zwischen dem Ego und dem HEILIGEN GEIST besteht. Das Ego ergibt keinen Sinn, und der HEILIGE GEIST versucht nicht, irgendetwas von dem zu verstehen, was aus ihm entsteht. Da ER es nicht versteht, urteilt ER nicht darüber, in der Erkenntnis, dass nichts, was das Ego macht, irgendetwas bedeutet.

Wenn du überhaupt auf Fehler reagierst, hörst du nicht auf den HEILIGEN GEIST. ER hat einfach über sie hinweggesehen, und wenn du sie beachtest, hörst du IHN nicht. Wenn du IHN nicht hörst, hörst du auf dein Ego und bist ebenso unvernünftig wie der Bruder, dessen Fehler du wahrnimmst. Das kann nicht Berichtigung sein. Es ist jedoch mehr als nur ein Fehlen von Berichtigung für ihn. Es ist das Aufgeben der Berichtigung in dir selbst.

Verhält ein Bruder sich wahnsinnig, so kannst du ihn nur dadurch heilen, dass du die geistige Gesundheit in ihm wahrnimmst. Wenn du seine Fehler wahrnimmst und sie akzeptierst, dann akzeptierst du deine. Wenn du die deinen dem HEILIGEN GEIST übergeben willst, dann musst du das auch mit den seinen tun. Wenn das nicht zu der einzigen Art wird, in der du mit allen Fehlern umgehst, kannst du nicht verstehen, wie alle Fehler aufgehoben werden. Inwiefern ist das etwas anderes, als dir zu sagen, dass du das lernst, was du lehrst? Dein Bruder hat ebenso recht wie du, und wenn du denkst, er irre sich, dann verurteilst du dich selbst.

Du kannst dich nicht selbst berichtigen. Kannst du dann einen Anderen berichtigen? Und doch kannst du ihn wahrheitsgemäß sehen, weil es dir möglich ist, dich selbst wahrheitsgemäß zu sehen. Es liegt nicht bei dir, deinen Bruder zu verändern, sondern lediglich, ihn so anzunehmen, wie er ist. Seine Fehler kommen nicht aus der Wahrheit, die in ihm ist, und nur diese Wahrheit ist dein. Seine Fehler können das nicht ändern und können überhaupt keine Wirkung auf die Wahrheit in dir haben. In irgendjemandem Fehler wahrzunehmen und auf sie so zu reagieren, als wären sie wirklich, heißt, sie für dich wirklich zu machen. Du wirst unausweichlich den Preis dafür zahlen müssen - nicht, weil du dafür bestraft wirst, sondern weil du dem falschen Führer folgst und daher deinen Weg verlieren wirst.”
(EKIW: Kapitel 9, III. 2.-6.)

“Ein Therapeut heilt nicht: Er lässt die Heilung geschehen. Er kann auf die Dunkelheit hinweisen, aber er kann von sich aus kein Licht bringen, denn das Licht ist nicht von ihm. Doch da es für ihn ist, muss es auch für seinen Patienten sein. Der HEILIGE GEIST ist der einzige THERAPEUT. ER macht die Heilung in jedweder Lage deutlich, in welcher ER der FÜHRER ist. Du kannst IHN nur SEINE Funktion erfüllen lassen. Dazu braucht ER keine Hilfe. ER wird dir genau sagen, was zu tun ist, um jemandem zu helfen, den ER als Hilfesuchenden zu dir schickt, und ER wird durch dich zu IHM reden, wenn du dich nicht einmischst.”
(EKIW: Kapitel 9, V. 8. 1.- 9.)

Die größte Versuchung, der wir als spiritueller Begleiter oder spiritueller Lehrer ausgesetzt sind, ist es, zwischen dem Klienten oder Schüler und uns selbst zu unterscheiden. Die Versuchung besteht darin zu glauben, der Klient bzw. der Schüler habe ein Problem, wir jedoch nicht. Wir nehmen also eine Spaltung in einem Selbst vor und gestatten IHM nur einen halben Geist zu berichtigen. Wir spalten die Funktion des Klienten oder Schülers von der unseren ab und geben uns beiden andere Rollen. Doch wenn das wahr wäre, könnten wir von IHM nicht als eins wahrgenommen werden und mit einer einzigen Funktion, die eine einzige miteinander geteilte Identität mit einem einzigen Ziel bedeuten würde.

Jene Berichtigung, die wir dann tun möchten, muss trennen, weil dieses die Funktion ist, die ihr von uns gegeben wurde. Aus der Idee des Selbst als zwei kommt notwendig die Sicht einer Funktion, die zwischen beiden aufgespalten ist. Und das, was wir berichtigen möchten, ist nur der halbe Irrtum, von dem wir denken, er sei der ganze. Die Sünden unseres Bruders werden zum Hauptziel für die Berichtigung, damit unsere Irrtümer und seine eigenen nicht als eins gesehen werden. Die unseren sind Fehler, die seinen aber Sünden und nicht dasselbe wie die unseren. Seine verdienen Strafe, während unsere, gerechterweise, übersehen werden sollten.

In dieser Deutung der Berichtigung werden wir die eigenen Fehler nicht einmal sehen. Der Brennpunkt der Berichtigung ist aus uns hinaus auf jemanden verlegt, der kein Teil von uns sein kann, solange diese Wahrnehmung anhält. Die Berichtigung muss dem EINEN überlassen werden, DER erkennt, dass Berichtigung und Vergebung dasselbe sind. Mit einem halben Geist wird das nicht verstanden. (Siehe dazu EKIW: Kapitel 27, II. 10.-16.)

Die Frage der Bezahlung

“Nur ein ungeheilter Heiler würde versuchen, gegen Geld zu heilen, und in dem Maße, wie er dieses schätzt, wird er keinen Erfolg haben. Ebenso wenig wird er in diesem Prozess seine Heilung finden. Es wird jene geben, von denen der HEILIGE GEIST Bezahlung für SEINEN Zweck verlangt. Es wird jene geben, von denen ER sie nicht verlangt. Es sollte nicht der Therapeut sein, der diese Entscheidungen trifft. Es gibt einen Unterschied zwischen Bezahlung und Preis. Geld dort zu geben, wo GOTTES Plan es vorsieht, hat keinen Preis. Es dort zurückzuhalten, wo es rechtmäßig hingehört, hat einen außerordentlichen Preis. Der Therapeut, der das tut, verliert die Bezeichnung Heiler, denn er könnte niemals verstehen, was Heilung ist. Er kann sie nicht geben, und deshalb hat er sie nicht.

Die Therapeuten dieser Welt sind für die Erlösung der Welt wahrlich nutzlos. Sie stellen Forderungen, und deshalb können sie nicht geben. Die Patienten können nur für den Austausch von Illusionen bezahlen. Das muss in der Tat Bezahlung fordern, und der Preis ist hoch. Eine »gekaufte« Beziehung kann die einzige Gabe, durch die alle Heilung vollbracht wird, nicht geben. Vergebung, der einzige Traum des HEILIGEN GEISTES, darf keinen Preis haben. [...]

Es heißt ganz richtig, dass dem, der hat, gegeben wird. Weil er hat, kann er geben. Und weil er gibt, wird ihm gegeben werden. Das ist das Gesetz GOTTES, und nicht das der Welt. Das gilt auch für GOTTES Heiler. [...] Wenn sie glauben, dass sie irgendetwas von einem Bruder brauchen, dann werden sie ihn nicht länger als Bruder sehen. Und wenn sie dies tun, dann geht selbst im HIMMEL ein Licht aus.”
(EKIW: Ergänzungen zu EKIW, PSYCHOTHERAPIE, III. 2.&3.&5.)

Aufstellungen

Mit der Aufstellungsmethode ist es wie mit allem, wir können sie im Sinne des Egos oder im Sinne des HEILIGEN GEISTES verwenden. Wenn wir versuchen, mit Aufstellungen weltliche Ordnungen und Hierarchien zu schaffen, dann ist das reiner Wahnsinn. Aber wenn wir Aufstellungen dazu benutzen, um unter der Führung des HEILIGEN GEISTES zu vergeben, dann ist diese Methode durchaus hilfreich, um verdrängte Urteile und Blockaden sichtbar zu machen.

Bei den beliebten Familienaufstellungen wird selbstverständlich keine Wirklichkeit, sondern nur eine Wahrnehmung aufgestellt:

“Ein jeder macht ein Ego oder ein Selbst für sich, das seiner Instabilität wegen sehr großen Schwankungen unterliegt. Er macht auch ein Ego für alle anderen, die er wahrnimmt, das ebenfalls schwankt. Ihre Interaktion ist ein Prozess, der beide verändert, weil sie nicht durch den UNVERÄNDERLICHEN oder mit IHM gemacht wurden. Es ist wichtig, sich darüber Klarzuwerden, dass diese Veränderung ebenso leicht geschehen kann und auch geschieht, wenn die Interaktion im Geist stattfindet, wie wenn sie physische Nähe beinhaltet. Über ein anderes Ego denken verändert die entsprechende Wahrnehmung genauso wirksam wie eine physische Interaktion. Es könnte kein besseres Beispiel dafür geben, dass das Ego nur eine Idee und keine Tatsache ist.”
(EKIW: Kapitel 4, II. 2.)

Bei Familienaufstellungen geht es also in Wahrheit nicht um Missverständnisse vergangener Generationen, sondern um unsere eigenen Missverständnisse. Es geht darum, die Welt von unseren Urteilen zu erlösen. Jeder Irrtum wird von IHM berichtigt und die liebevollen Gedanken, die unser Geist in dieser Welt wahrnimmt, sind die einzige Wirklichkeit der Welt. Sie sind immer noch Wahrnehmungen, weil wir immer noch getrennt zu sein glauben. Doch sind sie ewig, weil sie liebevoll sind. Für den HEILIGEN GEIST bedeuten Familienaufstellungen, dass ER in späteren Generationen das, was vergangene Generationen missverstanden haben, immer noch neu deuten und so den Gedanken die Fähigkeit nehmen kann, Angst zu erzeugen.

Beim Thema Aufstellungen ist wichtig zu verstehen, dass es sich dabei um Symbole für die verdrängte Dunkelheit des Ego-Denksystems handelt. Alle aufgestellten Personen sind Gedanken in unserem Geist. Auf dem Weg des spirituellen Erwachens geht es darum, die Dunkelheit des schlafenden Geistes ans Licht zu bringen, um sie im heiligen Augenblick SEINER Berichtigung zu übergeben. Wenn wir in dieser Absicht eine Aufstellung machen, wird der HEILIGE GEIST uns über die aufgestellten Personen heilsame Botschaften zukommen lassen.

Es ist also nicht notwendig, tatsächlich Menschen als Repräsentanten aufzustellen, sondern wir können eine Aufstellung auch mit geschlossenen Augen vor unserem geistigen Auge machen. Dabei ist es sinnvoll, sich von einem spirituellen Begleiter/Psychotherapeuten begleiten zu lassen. Der Begleiter bitte dabei den Begleiteten, in seinem Geist zu schauen, wo er und wie er einen bestimmten Menschen wahrnimmt. Nach einer genauen Bestandsaufnahme geht es dann um Vergebung im Hier und Jetzt.

Vergebung bedeutet, dass wir alle unsere Projektionen zurücknehmen und die volle Verantwortung für unseren Geist und unsere Gedanken übernehmen. Wir vergeben unsere Wahrnehmung, unsere Vorstellung von dem, was wir dachten, dass der andere getan hat, denn in Wahrheit hat er es nicht getan. Nur Illusionen können vergeben werden, und dann verschwinden sie. Vergebung ist die Befreiung von allen Illusionen, und genau deshalb ist es unmöglich, nur zum Teil zu vergeben. Diejenigen, die vergeben, befreien sich dadurch von Illusionen. Genau wie wir nur uns selbst verurteilen, vergeben wir auch nur uns selbst.

“Suche dein SELBST nicht in Symbolen. Es kann kein Konzept geben, das für das stehen könnte, was du bist. Welche Rolle spielt es, welches Konzept du akzeptierst, solange du ein Selbst wahrnimmst, das mit dem Bösen interagiert und auf niederträchtige Dinge reagiert? Das Konzept deiner selbst wird weiterhin ganz bedeutungslos bleiben. Und du wirst nicht wahrnehmen, dass du nur mit dir interagieren kannst. Eine schuldige Welt zu sehen ist nur das Zeichen dafür, dass dein Lernen von der Welt gelenkt war, und du erblickst sie so, wie du dich selbst siehst. Das Konzept des Selbst umfasst alles, auf das du schaust, und nichts ist außerhalb dieser Wahrnehmung. Wenn du durch irgend etwas verletzt werden kannst, siehst du ein Bild deiner geheimen Wünsche. Nichts weiter als das. Und in deinem Leiden jeglicher Art siehst du dein eigenes verborgenes Verlangen, zu töten.”
(EKIW: Kapitel 31, V. 15.)

Grundsätzlich dürfen wir Aufstellungen nicht in dem Sinne verstehen, dass unser Leben die Folge vergangener Handlungen anderer Menschen ist. Das ist nicht wahr! Das würde uns zu einem Opfer machen. Doch wir sind kein Opfer der Welt, die wir sehen. Wir können in Wirklichkeit nicht von irgendwem oder irgendetwas zu irgendeiner Zeit zum Opfer gemacht werden. Wir schauen immer zuerst nach innen und rufen dann im scheinbaren Außen die Zeugen auf, für das, was wir in unserem Inneren gesehen haben.

“Der HEILIGE GEIST kann fürwahr Gebrauch von der Erinnerung machen, denn GOTT SELBST ist dort. Das ist jedoch keine Erinnerung an vergangene Begebenheiten, sondern nur an einen gegenwärtigen Zustand. Du bist es seit so langer Zeit gewohnt zu glauben, dass die Erinnerung nur das Vergangene birgt, dass es dir schwer fällt einzusehen, dass sie eine Fähigkeit ist, die sich an jetzt erinnern kann. Die Begrenzungen des Erinnerungsvermögens, die die Welt ihr auferlegt, sind so gewaltig wie die, die du dir von der Welt auferlegen lässt. Es gibt keine Verbindung zwischen Erinnerung und Vergangenheit. Wenn du sie dort haben möchtest, dann ist sie dort. Doch nur dein Wunsch hat die Verbindung hergestellt, und du allein hast sie an einen Teil der Zeit gebunden, wo Schuld noch immer zu verweilen scheint.

Der Gebrauch, den der HEILIGE GEIST von der Erinnerung macht, ist von der Zeit ganz unabhängig. ER sucht sie nicht als Mittel zu benutzen, um die Vergangenheit zu behalten, sondern vielmehr als Mittel, um sie loszulassen. Die Erinnerung birgt die Botschaft, die sie empfängt, und tut, was ihr zu tun gegeben wird. Weder schreibt sie die Botschaft, noch bestimmt sie, wozu sie da ist. Ähnlich wie der Körper ist sie in sich selber ohne Zweck. Und wenn sie dazu zu dienen scheint, alten Hass zu hegen, und dir Bilder von Ungerechtigkeiten und Verletzungen gibt, die du aufbewahrt hast, so hattest du verlangt, dass genau dies ihre Botschaft sei und ist. Ihren Gruften anvertraut, ist die Geschichte der gesamten Vergangenheit des Körpers hier versteckt. Jede der seltsamen Assoziationen, dazu gemacht, um die Vergangenheit lebendig und die Gegenwart tot zu erhalten, sind in ihr aufbewahrt und warten nun auf dein Geheiß, dir überbracht und noch einmal gelebt zu werden. So scheinen ihre Wirkungen noch durch die Zeit vermehrt zu werden, die ihre Ursache weggenommen hat.

Doch ist die Zeit nur eine andere Phase dessen, was nichts bewirkt. Sie arbeitet Hand in Hand mit allen anderen Attributen, mit denen du versuchst, die Wahrheit über dich verborgen zu halten. Die Zeit nimmt weder weg, noch kann sie zurückerstatten. Und dennoch machst du einen merkwürdigen Gebrauch von ihr, als hätte die Vergangenheit die Gegenwart verursacht, die nur eine Folge ist, in der keine Veränderung ermöglicht werden kann, weil ihre Ursache vergangen ist. Doch muss Veränderung eine Ursache haben, die von Bestand ist, sonst dauert sie nicht an. Keine Veränderung kann in der Gegenwart geschehen, wenn ihre Ursache vergangen ist. Nur das Vergangene wird in der Erinnerung behalten, so wie du von ihr Gebrauch machst; und so mit ist sie eine Art und Weise, die Vergangenheit gegen das Jetzt auszuspielen.

Erinnere dich an nichts, das du dich selbst gelehrt hast; denn du wurdest schlecht gelehrt. Und wer würde eine sinnlose Lektion in seinem Geist behalten, sobald er eine bessere lernen und bewahren kann? Und wenn alte Erinnerungen des Hasses erscheinen, erinnere dich daran, dass ihre Ursache vergangen ist. Und daher kannst du nicht verstehen, wozu sie da sind. Lass die Ursache, die du ihnen jetzt verleihen möchtest, nicht das sein, was sie zu dem gemacht hat, was sie waren oder zu sein schienen. Sei froh, dass sie vergangen ist, denn du möchtest, dass genau das dir verziehen werde. Und sieh statt dessen die neuen Wirkungen der Ursache, die jetzt angenommen ist, mit Folgen hier. Sie werden dich mit ihrer Lieblichkeit überraschen. Die uralten neuen Ideen, die sie bringen, werden die glücklichen Folgen einer URSACHE sein, DIE so alt ist, dass SIE weit über die Spanne der Erinnerung hinausgeht, die deine Wahrnehmung sieht.

Das ist die URSACHE, an DIE der HEILIGE GEIST sich für dich erinnert hat, wenn du vergessen möchtest. SIE ist nicht vergangen, weil ER SIE nicht unerinnert sein ließ. SIE hat sich nie verändert, weil es nie eine Zeit gab, in der ER SIE nicht sicher in deinem Geiste bewahrte. IHRE Folgen werden fürwahr neu scheinen, weil du gedacht hast, dass du dich nicht an ihre URSACHE erinnertest. Doch war SIE niemals abwesend aus deinem Geist, denn es war nicht der WILLE deines VATERS, dass ER von SEINEM SOHN nicht erinnert werden sollte.

Das, woran du dich erinnerst, ist nie gewesen. Es kam aus Ursachlosigkeit, die du mit Ursache verwechseltest. Es kann nichts anderes verdienen als Lachen, wenn du lernst, dass du dich an Folgen erinnert hast, die ursachlos gewesen sind und niemals Wirkungen sein könnten. Das Wunder erinnert dich an eine URSACHE, DIE ewig gegenwärtig ist, vollkommen unberührt von Zeit und Störung. Niemals in dem verändert, was SIE ist. Und du bist IHRE Wirkung, so unveränderlich und vollkommen wie SIE SELBST. IHRE Erinnerung liegt weder in der Vergangenheit, noch erwartet SIE die Zukunft. SIE offenbart SICH nicht in Wundern. Diese erinnern dich nur daran, dass sie nicht vergangen ist. Vergibst du IHR deine Sünden, wird SIE nicht mehr verleugnet werden.”
(EKIW: Kapitel 28, I. 4.-9.)

Gefühle

Es ist wichtig zu verstehen, wie Gefühle entstehen und was sie bewirken. Gefühle bestimmen unsere Wahrnehmungen. Sie können auf Angst beruhen, wie beispielsweise Gier, Scham, Neid, Sorge, Zorn - oder auf Liebe, wie beispielsweise Frieden, Freude, Glück, Freiheit. Gedanken wiederum bestimmen unsere Gefühle. Sie sind die unaufhörliche, von Moment zu Moment stattfindende Bewegung von Ideen und Bildern in unserem Geist. Sie können vom HEILIGEN GEIST inspiriert oder vom Ego gesteuert sein. Überzeugungen sind die Grundlage unseres Denkens. Überzeugungen sind Konzepte. Alle Überzeugungen basieren auf dem Ego, bis auf eine - Vergebung. Das Verlangen steht im Mittelpunkt und bestimmt unsere Überzeugungen. Es geht darum, was wir im Kern unseres Wesens suchen. Wir können immer nur zwischen Liebe oder Angst, GOTT oder Ego wählen. Mit dem Glauben an die Trennung wurde das Verlangen gespalten. Gespaltenes Verlangen ist egoisch und damit leidvoll, während das einzige Verlangen nach LIEBE geeint ist und das Verlangen nach GOTT ist.

Die Antwort auf die Frage, wie wir uns von all den negativen Gefühlen befreien können, ist daher ganz einfach: Es geht darum, unser Verlangen wieder zu einen, und dabei sind unsere Gefühle unsere Wegweiser, denn sie zeigen uns, was in unserem Geist vorgeht.

“Dein Geist und meiner können sich vereinen, um dein Ego hinwegzuleuchten und GOTTES Stärke in allem, was du denkst und tust, freizusetzen. Gib dich mit weniger nicht zufrieden, und lehne es ab, irgend etwas anderes als dies als dein Ziel anzunehmen. Halte sorgsam Ausschau nach allen Überzeugungen in deinem Geist, die das Erreichen dieses Zieles behindern, und nimm Abstand von ihnen. Beurteile anhand deiner eigenen Gefühle, wie gut dir dies gelungen ist, denn dies ist der einzig richtige Gebrauch des Urteils.”
(EKIW: Kapitel 4, IV. 8. 3.-6.)

“Wie kannst du wissen, ob du die Stufen zum HIMMEL oder den Weg zur Hölle gewählt hast? Ganz einfach. Wie fühlst du dich? Herrscht Frieden in deinem Bewusstsein?”
(EKIW: Kapitel 23, II. 22. 6.-9.)

Wenn wir einmal den Weg zu GOTT - den Weg der Vergebung - als unser zentrales Ziel angenommen haben, dann bedarf es der Schulung des Geistes, denn nur der Geist ist Ursache, Gefühle sind nur Wirkung. Schwierig und immer wieder Anlass zu Missverständnissen ist jedoch die Frage, wie wir mit unseren Gefühlen auf dem Weg zu wahrem Geistesfrieden umgehen sollen.

Angst vor Gefühlen

Wir tragen ein riesiges Reservoir angesammelter negativer Emotionen, Grundhaltungen und Glaubensüberzeugungen mit uns herum. Der kumulierte Druck macht uns unglücklich und ist die Grundlage vieler unserer Krankheiten und Probleme. Das menschliche Leben ist im Wesentlichen ein langer komplizierter Kampf um unseren inneren Ängsten und Erwartungen, die wir auf die Welt projiziert haben, zu entfliehen. Dazwischen gibt es Zeiten des Feierns, wenn wir es für einen Moment geschafft haben, den inneren Ängsten zu entfliehen. Doch diese Ängste sind immer noch da und warten auf uns. Wir haben eine Angst vor unseren inneren Gefühlen entwickelt, weil diese eine so enorme Menge an Negativität bereit halten, dass wir fürchten, davon überwältigt zu werden, wenn wir es wagen würden, genauer hinzublicken. Wir haben Angst vor diesen Gefühlen, weil uns kein Mechanismus bewusst ist, durch den wir die Gefühle, wenn wir ihnen erlauben, an die Oberfläche zu kommen, bewältigen können. Und weil wir Angst haben ihnen zu begegnen, fahren sie damit fort sich weiterhin anzusammeln. Und so tragen wir ständig Fässer ungeweinter Tränen mit uns herum.

Es sind nicht die Gedanken oder irgendwelche Tatsachen, die schmerzhaft sind, sondern die Emotionen, die mit diesen einhergehen. An und für sich sind Gedanken schmerzlos, aber nicht die Emotionen, die sie begleiten. Es ist der angesammelte Druck an Emotionen, der wiederum mit weiteren Gedanken verknüpft ist. Eine Emotion kann beispielsweise über einen gewissen Zeitraum buchstäblich Tausende von Gedanken hervorrufen. Denken wir z.B an eine schmerzliche Erinnerung aus unserer Kindheit oder Jugend, an etwas das wir still und heimlich furchtbar bedauern. Betrachten wir die unzähligen Gedanken, die wir im Laufe der Jahre produziert haben und die nur mit diesem einen Ereignis assoziiert sind. Wenn wir uns dem schmerzvollen Gefühl, das den vielen Gedanken zugrunde liegt, ergeben könnten, würden alle diese Gedanken sofort verschwinden und wir würden das vergangenen Ereignis vergessen.

Gedanken werden je nach assoziierter Gefühlsschattierung in den Gedächtnisspeicher eingeordnet. Wenn wir also ein Gefühl aufgeben oder loslassen, befreien wir uns von dem mit dem Gefühl assoziierten Gedanken. Der große Wert des Wissens darüber, wie man loslässt, ist der, dass sämtliche Gefühle zu jeder Zeit und überall im Nu losgelassen werden können, und zwar kontinuierlich und mühelos. Dies bedeutet, in einem bestimmten Lebensbereich frei von negativen Gefühlen zu sein, so dass sich Kreativität und Spontanität ohne Widerstand oder Beeinflussung von inneren Konflikten manifestieren können.

Ego-Strategien im Umgang mit Gefühlen

Wir haben drei vorrangige egoische Methoden, um mit Gefühlen umzugehen: Unterdrückung, Ausdruck und Flucht.

Unterdrückung und Verdrängung

Dies sind die geläufigsten Vorgehensweisen mit denen wir Gefühle hinunterdrücken und beiseite schieben. Bei der Verdrängung geschieht dies unbewusst, bei der Unterdrückung findet es bewusst statt. Wir wollen nicht von Gefühlen belästigt werden und außerdem wissen wir nicht, was wir sonst noch mit ihnen tun können. Die Gefühle, die wir wählen, unterdrückt oder verdrängt zu werden, stehen im Einklang mit den bewussten und unbewussten Programmen in unserem gespaltenen Geist. Daher erspart uns auch ein konstruktiver Umgang mit unseren Gefühlen, den wir im Folgenden noch kennenlernen werden, nicht die Schulung unseres Geistes.

Wenn wir ein Gefühl verdrängen, liegt es daran, dass so große Schuldgefühle und Angst mit diesem Gefühl einhergehen, dass es nicht einmal bewusst empfunden wird. Es wird sofort in das Unbewusste zurückgestoßen, sobald es droht aufzutauchen. Mit dem verdrängten Gefühl wird dann auf vielfältige Weise umgegangen, um sicherzustellen, dass es verdrängt und außerhalb des Gewahrseins bleibt. Von diesen Mechanismen, die vom Ego genutzt werden, um das unerwünschte Gefühl verdrängt zu halten, sind wahrscheinlich Verleugnung und Projektion die wohl bekanntesten Methoden, da sie dazu tendieren, miteinander einherzugehen und sich gegenseitig zu verstärken. Verleugnung führt zu großen emotionalen und zu entwicklungshinderlichen Blockaden. In der Regel geht Verleugnung mit dem Mechanismus der Projektion einher. Aufgrund von Schuld und Angst verdrängen wir den Impuls oder das Gefühl und leugnen seine Präsenz in uns. Anstatt es zu fühlen, projizieren wir es auf die Welt und auf die Menschen, die uns umgeben. Wir erleben das Gefühl, als ob es zu ihnen gehört. So werden die anderen zum Feind und das Ego sucht und findet eine Rechtfertigung, um die Projektion zu verstärken. Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt, und wir schauen nach innen, bevor wir nach außen schauen.

Das Ego ist äußerst raffiniert und macht sogar aus Verdrängung ein spirituelles Konzept. Viele von uns glauben, sie seien auf einem spirituellen Weg. Ob das wahr ist, werden wir an unserer Bereitschaft erkennen, genau das, was gerade vor uns ist, vollkommen zu fühlen und zu erfahren, von Moment zu Moment. Wenn wir also in Feindseligkeit mit jemand anderem sind, wenn wir einen Konflikt mit jemandem haben und uns entscheiden, das zu tun, was wir beten oder meditieren nennen, um den Gefühlszustand in uns zu verändern und wir später aufstehen und sagen, „Gut, ich fühle mich jetzt viel besser“, doch das Thema mit dem anderen nicht gelöst worden ist, dann hat sich nichts geändert. Solange die Projektionen bestehen und bei der nächsten Begegnung mit dieser Person wieder Groll hochkommt, hat keine Berichtigung in unserem Geist stattgefunden.

Ausdruck

Bei diesem Mechanismus wird dem Gefühl Luft gemacht, es wird verbalisiert oder in Körpersprache zum Ausdruck gebracht und durch endlose Gruppendemonstrationen ausgelebt. Das Ausdrücken negativer Gefühle erlaubt gerade genug des inneren Drucks hinauszulassen, so dass dann der Rest unterdrückt werden kann. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, den es zu verstehen gilt, da viele Menschen glauben, dass das Ausdrücken ihrer Gefühle die Befreiung wäre. Doch das Gegenteil ist der Fall! Erstens tendiert das Ausdrücken eines Gefühls dazu, dieses Gefühl zu verbreitern und diesem mehr Energie zu verleihen. Zweitens erlaubt uns das Ausdrücken von Gefühlen lediglich das Unterdrücken der übrig gebliebenen Emotionen, nur dass es uns nicht mehr bewusst ist.

Aus der Einsicht, dass die Wahrnehmung von Gefühlen irgendwie wichtig ist, ist die verrückte Idee entstanden, dass wir deshalb auch darüber sprechen müssen. Sprechen bedeutet aber immer einen Ebenenwechsel, vereinfacht gesagt, wir wechseln vom Herzen in den Kopf. Jetzt fangen wir an, das Gefühl zu kategorisieren und versuchen, es zu benennen. Damit sind wir nicht mehr beim Fühlen. In dem Moment, in dem wir sagen: “Ich freue mich”, sind wir nicht mehr in der Freude. Egal, ob es sich um ein negatives oder positives Gefühl handelt, in dem Moment, in dem wir darüber sprechen, bleibt der Rest des Gefühls unterdrückt. Wenn wir also einen Moment wirklicher Freude erleben, geht es darum, gar nichts zu sagen. Wir verbalisieren nicht, weil wir im selben Augenblick, da wir verbalisieren, das Fühlen versäumen. Kaum drängen sich Worte dazwischen, hat der Verstand zu arbeiten begonnen. Es braucht überhaupt nichts gesagt zu werden. Aber in der Ego-Identifikation sind wir wahnsinnig: Irgendwas müssen wir immerzu sagen.

Seine Emotionen zum Ausdruck zu bringen ist heutzutage in Mode gekommen und basiert auf einem Missverständnis der Arbeit von Sigmund Freud und der Psychoanalyse. Freud wies darauf hin, dass Unterdrückung die Ursache von Neurosen sei. Aufgrund dieser Aussage dachte man nun fälschlicherweise, dass das Ausdrücken von Emotionen die Heilung wäre. Freud verwies jedoch auf etwas anderes, aber das ist hier nicht weiter von Bedeutung.

Wenn wir unsere negativen Gefühle auf andere abladen, erleben sie diesen Vorgang als Angriff und sind im Gegenzug dazu gezwungen, ihre Gefühle zu unterdrücken, auszudrücken oder ihnen zu entfliehen. Deswegen führt der Ausdruck von Negativität zur Verschlechterung und Zerstörung von Beziehungen. Das Ausagieren von lieblosen Gefühlen ist ganz im Sinne des Egos, denn das Ausagieren erzeugt neue Täter-Opfer-Szenarien und damit Schuldgefühle.

Eine weitaus bessere Alternative wäre es, Verantwortung für unsere eigenen Gefühle zu übernehmen und diese zu neutralisieren. So verbleiben nur noch positive Emotionen, die zum Ausdruck gebracht werden können.

Flucht

Flucht bedeutet die Vermeidung von Gefühlen durch Ablenkung. Der Mechanismus der Ablenkung ist das Rückgrat der Unterhaltungs- und Alkoholindustrie und ebenso die Marschrichtung eines Workaholics. Flucht vor Gefühlen und Vermeidung eines inneren Gewahrseins ist ein gesellschaftlich geduldeter Mechanismus durch eine endlose Vielzahl an Betätigungen, von denen viele schließlich zu Süchten werden. Da unsere Abhängigkeit von ihnen wächst, können wir unser inneres Selbst meiden und unsere Gefühle davon abhalten aufzutauchen. Viele Menschen bemühen sich verzweifelt, unbewusst zu bleiben. Wir können beobachten, wie häufig manche Menschen sofort den Fernseher einschalten, sobald sie einen Raum betreten. Viele Menschen haben panische Angst davor, sich selbst zu begegnen, sie fürchten sich sogar davor, einen Moment allein zu sein, daher die ständigen hektischen Aktivitäten, die endlosen Kontakte, Gespräche, SMS, Nachrichten lesen, Musik hören, arbeiten, reisen, Sightseeing, einkaufen, übermäßiges Essen, Glücksspiel, Kinobesuche, Medikamenten- und Drogenkonsum.

Was passiert, wenn wir im Gegensatz zum oben Erwähnten ein Gefühl loslassen? Die Energie hinter dem Gefühl wird auf Anhieb aufgegeben, was im Endeffekt zu einer Druckminderung führt. Unsere Wahrnehmung der Welt und von uns selbst ändert sich zum Besseren. Wir fühlen uns glücklicher, liebevoller und entspannter.

Gefühlen Raum geben, Loslassen, im Jetzt fühlen und nicht tun

Immer unter der Voraussetzung, dass man fühlen will und dass der Grund, WESWEGEN man fühlen will, wichtig genug ist. Wenn einem zum Beispiel das Lebendigsein wichtiger geworden ist, als ob man sich gut oder schlecht fühlt. Denn das ist eines der wichtigsten Geheimnisse des Glücklichseins: der Mensch versucht immer glücklicher zu sein dadurch, dass er sich häufiger gut fühlt und schlechte Gefühle versucht beiseite zu schieben. In Wirklichkeit hat das Glücklichsein damit nicht viel zu tun, denn dann befindet man sich im dauernden Krieg; Gefühle wegschieben und anderen Gefühlen hinterherrennen. Das Geheimnis ist: Glücklich werden wir durch den inneren Frieden der dadurch entsteht, dass wir jedes Gefühl gleichermaßen annehmen, die sogenannten negativen Gefühle genauso wie die sogenannten positiven, die Lebendigkeit ist das erstrebenswerte, und die wundervolle Gelöstheit des Friedens; Gefühle so annehmen, wie sie sind. So lange, wie sie da sind. Ohne sie zu verdrängen und ohne in ihnen zu baden.

Der Prozess der Heilung vollzieht sich schneller, wenn wir das Etikettieren oder Namen geben von verschiedenen Gefühlen loslassen. Anstatt Gefühle zu etikettieren und ihnen einen Namen zu geben, können wir Gefühle einfach fühlen und die Energie, die dahinter ist, loslassen. Es ist nicht notwendig, dem Gefühl ein Etikett zu geben, um seine Energie wahrzunehmen und diese Energie loszulassen.

Beim Loslassen geht es darum die Emotion zur Kenntnis zu nehmen, ihr zu erlauben an die Oberfläche zu kommen, mit ihr zu verweilen und ihr zu erlauben ihren Lauf zu nehmen, ohne den Wunsch zu hegen, sie verändern zu wollen oder irgendetwas gegen sie zu unternehmen. Loszulassen bedeutet einfach, das Gefühl zu erlauben, da zu sein und sich darauf zu konzentrieren, die Energie hinter dem Gefühl herauszulassen.

Der erste Schritt ist, uns zu erlauben, die Emotion zu haben, ohne ihr zu widerstehen, sie auszuagieren, sie zu fürchten, sie zu verdammen oder moralisch zu verwerfen. Es bedeutet, jede Beurteilung fallen zu lassen und zu erkennen, dass es nur ein Gefühl ist. Die Technik besteht darin, mit der Emotion zu verweilen und alle Bemühungen, sie in irgendeiner Form modifizieren zu wollen, aufzugeben. Es ist der Widerstand, der das Gefühl fortbestehen lässt. Wenn wir es aufgeben dem Gefühl zu widerstehen oder es modifizieren zu wollen, wird es sich auf das nächste Gefühl verlagern und von einer angenehmeren Sinnesempfindung begleitet werden. Ein Gefühl, dem nicht widerstanden wird, wird verschwinden, weil die Energie dahinter sich verflüchtigt.

Wenn wir mit dieser Methode beginnen, werden wir bemerken, dass wir Angst oder Schuld dabei empfinden, überhaupt Emotionen zu haben. Es besteht ein Widerstand gegen Gefühle im Allgemeinen. Gefühle hochkommen zu lassen, wird dadurch vereinfacht, dass man zuerst die Reaktion darauf loslässt, überhaupt Gefühle zu haben. Ein Paradebeispiel dafür ist die Angst vor der Angst selbst. Es gilt zuerst die Angst, die wir darüber empfinden, das jeweilige Gefühl überhaupt zu haben, loszulassen. Erst danach begeben wir uns in das Gefühl selbst.

Wenn wir loslassen, dann gilt es alle Gedanken zu ignorieren! Wir konzentrieren uns auf das Gefühl selbst, nicht auf die Gedanken. Private Gedanken sind endlos und selbstverstärkend und sie erzeugen nur weitere Gedanken. Private Gedanken sind lediglich Rationalisierungen des Egos, um zu versuchen, die Anwesenheit des Gefühls zu rechtfertigen. Der wahre Grund einer Emotion ist der angesammelte Druck hinter ihr, der sie dazu zwingt, in diesem Moment hochzukommen. Die Gedanken oder die externen Geschehnisse sind nur ein Vorwand, den das Ego erfunden hat. Werden wir mit dem Mechanismus des Loslassens mehr vertraut, bemerken wir, dass alle negativen Gefühle mit unserer Grundangst - als Folge der Trennungsillusion - in Verbindung stehen.

Manchmal ergeben wir uns einem Gefühl und bemerken, dass das Gefühl weiter fortbesteht oder wieder zurückkehrt. Das liegt daran, dass noch mehr davon loszulassen ist. Wir haben unser ganzes Leben lang diese Gefühle weggedrückt, daher kann es sein, dass eine Menge unterdrückter Energie hochkommt und anerkannt werden will. Wenn das Loslassen geschieht, tritt sofort an die Stelle der negativen Emotionen ein leichteres, glücklicheres Gefühl, fast schon wie eine Hochstimmung. So werden unsere Gefühle zu einer Leiter in die Tiefe, in das Feld stillen Gewahrseins unterhalb aller Gedanken - in den heiligen Augenblick.

Durch das kontinuierliche Loslassen ist es möglich, in diesem Zustand der Freiheit zu verweilen. Gefühle kommen und gehen, doch irgendwann werden wir feststellen, dass wir nicht unsere Gefühle sind, sondern dass wir diese nur bezeugen. Wir identifizieren uns nicht mehr mit ihnen. Der, der beobachtet und sich dessen gewahr ist, was vorgeht, bleibt immer gleich. Während wir uns mehr und mehr des umwandelbaren Zeugen in uns gewahr werden, beginnen wir damit uns mit dieser Bewusstseinsebene zu identifizieren. Wir werden zunehmend vorrangig der Zeuge, anstatt der Erfahrende von Phänomen. Wir kommen dem wahren SELBST näher und näher.

Das Loslassen erzielt sehr schnell und subtil Ergebnisse. So kann es vorkommen, dass wir den Fortschritt gar nicht bemerken und glauben, die Methode würde nicht funktionieren. Wir müssen uns daher manchmal daran erinnern, wie es uns ging, bevor wir diesen Prozess begonnen haben.

Widerstand gegen das Loslassen

Das Loslassen negativer Gefühle bedeutet das Auflösen des Egos, welches bei jedem Fortschritt widerstehen wird. Das kann zu einer Skepsis gegenüber der Technik führen, zu einem Vergessen darüber, den Mechanismus anzuwenden oder zu einem Luft machen von Gefühlen, indem man sie ausdrückt und auslebt. Die Lösung ist einfach auch die Gefühle loszulassen, die wir bezüglich des Loslassprozesses haben. Erlauben wir dem Widerstand da zu sein, aber widerstehen dem Widerstand nicht. Wir sind frei, wir müssen nicht loslassen, keiner zwingt uns dazu. Schauen wir die Angst hinter dem Widerstand an. Lassen wir weiterhin jede Angst los, die auftaucht und der Widerstand wird sich auflösen.

Einer der Tricks des Egos ist es, unbewusst und ignorant in Bezug auf die Technik des Loslassens (oder auch auf den Kurs) zu werden, wie etwa plötzlich zu entscheiden, dass dieser Mechanismus nicht funktioniert, alles immer noch beim gleichen ist, es zu verwirrend und zu schwer ist, sich an ihn zu erinnern und ihn anzuwenden. Dies ist ein Zeichen eines echten Fortschritts, es bedeutet, dass das Ego weiß, dass wir das Messer in unseren Händen halten, mit dem wir uns von den Fesseln befreien können und dass es weiß, dass es Boden verliert. Jetzt ist das Ego ganz offen nicht mehr unser Freund.

Während des Loslassens ist es nicht hilfreich, über die Technik nachzudenken. Besser und einfacher ist es einfach zu tun. Letzten Endes wird man erkennen, dass alle privaten Gedanken Widerstand sind. Sie alle sind Bilder, die das Ego erfunden hat, um uns davon abzuhalten, das zu erfahren, was wirklich ist.

Sedona-Methode

Die Sedona-Methode fasst den Prozess des Loslassens negativer Gefühle in fünf Schritten zusammen. Der Prozess beinhaltet fünf Fragen:

1. Könntest du das Gefühl für einen Moment da sein lassen?
2. Könntest du das Gefühl willkommen heißen?
3. Könntest du das Gefühl loslassen?
4. Würdest du das Gefühl loslassen, wenn du es könntest?
5. Wann bist du bereit, das Gefühl loszulassen?

Für den Sedona-Prozess ist es wichtig, zu verstehen, dass ein „Ja“ ebenso willkommen ist, wie ein „Nein“ oder ein „Vielleicht“, ein „Jetzt“ ebenso, wie ein „In 5 Jahren“. Was zählt ist die ehrliche Bereitschaft hinzuschauen und offen zu sein. Veränderung ist schwer zu erzwingen und oft einfacher zu erreichen, wenn wir sie liebevoll erlauben. Um es mit Fritz Perls zu sagen: „Alles, was ist, darf sein und was sein darf, kann sich verändern“. Der Rest kommt von allein.

Mit der der abschließenden Frage: „Was ist jetzt?“ sind wir eingeladen, bewusst hinzuspüren, die Veränderung zu spüren oder neue Erkenntnisse wahrzunehmen und wieder zu Schritt 1 zurückzukehren, solange bis nichts mehr da ist, außer Freiheit.

Zwei Arten mit Gefühlen umzugehen

Wir können Gefühle fühlen und sie gleichzeitig erforschen: ihre Ursache in der Vergangenheit, wo kommt es her? Wie ist es entstanden? Auch ihre Bewegung in die Zukunft: wohin will es mich bewegen, worauf ausrichten? Dann arbeiten wir mit dem Gefühl in der Zeit, in der Horizontalen. Es ist wichtig, Gefühle zu verstehen, die Trauer, die Wut und alle anderen. Ist die Traurigkeit wirklich lösend, heilt sie den Abschied von einem Menschen oder einer Hoffnung wirklich, oder ist sie vielleicht mit einem Hadern und Aufbegehren durchsetzt, das den Schmerz nie lösen kann und zu einem zähen, nie endenden Groll führt?

Doch letztendlich basiert unsere ganze Wahrnehmung auf dem völlig wahnsinnigen Gedankensystem des Egos. Daher ist gleichzeitig die Auseinandersetzung mit diesen Überzeugungen, den zugrunde liegenden Gedanken notwendig, denn es ist irrsinnig diese Gefühle immerzu ausfüllen zu wollen, weil sie wegen der Überzeugungen nie verschwinden können, solange die Überzeugungen nicht gelöst und geheilt werden. Das ist die Arbeit auf der Horizontalen, die Arbeit in der Zeit, die Arbeit mit dem Verstehen - die Geistesschulung!

Dann gibt es die spirituelle Dimension des Umgangs mit Gefühlen. Über Jahrtausende bestanden die spirituellen Wege hauptsächlich in Meditationsformen, die auf der Beobachtung als Dissoziation vom Fühlen und Erleben basieren. Das führt nur in Ausnahmefällen zum Erwachen, zur Erleuchtung. Deswegen schien Erleuchtung an sich nur sehr, sehr selten zu geschehen.

Die Lösung dieses Dilemmas besteht darin: bereit sein, alles zu fühlen und nichts zu tun. Die Kontrolle gegenüber dem Gefühl völlig aufgeben, aber gegenüber den Impulsen, die aus den Gefühlen entstehen, eine 100-prozentige Disziplin entwickeln, eine Disziplin des Anhaltens. Die Impulse nicht berühren, ihm keinen Raum geben. Im Fühlen bleiben, das Gefühl und die innere Energie aufwallen lassen, in sich ausfühlen, manchmal in sich austoben lassen, manchmal auch buchstäblich ausleiden. Das ist die vertikale Bewegung nach unten, in den heiligen Augenblick hinein, im Gefühl bleiben und ganz im Augenblick. Jeder Gedanke, ob das Gefühl gleich wohl stärker wird, ist ein Sprung zurück in die Zeit, in das Zukünftige und beendet das Tiefersinken in den Augenblick hinein. Keine Erklärung suchen, kein Bezug in die Vergangenheit, in die Geschichte, kein Plan, keine Erwartung für die Zukunft. Fühlen und nicht tun, das ist der Schlüssel für wirkliche Heilung und die Entdeckung der tieferen, immerwährenden, sich nie verändernden Wahrheit. Wir sind Unendlichkeit, Frieden, Ewigkeit, reine Liebe.

Es ist wichtig, beides zu realisieren: fühlen und nichts tun, um ganz in den heiligen Augenblick hinein zu sinken, in die Zeitlosigkeit dieses Augenblicks, in die Tiefe und die Unendlichkeit dieses Augenblicks. Und zu einem anderen Zeitpunkt ein Gefühl durcharbeiten, seine Vergangenheit, seine Zukunft, seine Körperlichkeit, seine visuelle Dimension, die zugrunde liegenden Gedanken und vor allem die zugrunde liegenden und oftmals einengenden und verqueren Überzeugungen. Wir sollten beides tun, das eine richtet sich direkt auf das Erwachen, das zweite auf das persönliche Wachstum. Doch auch das unterstützt - richtig verstanden - das Erwachen.

Skala der Emotionen

Von Jesus wissen wir, dass wir letztendlich nur zwei Gefühle haben: Liebe und Angst. Die Liebe ist unveränderbar, wird aber fortwährend mit anderen ausgetauscht, da sie den Ewigen von den Ewigen geschenkt wird. In diesem Austausch wird sie ausgedehnt, denn sie vermehrt sich, indem sie gegeben wird. Die Angst hat viele Formen, denn der Inhalt individueller Illusionen ist höchst unterschiedlich. Doch sie haben alle eines gemeinsam: Sie sind alle wahnsinnig. Sie haben nur für ihren Macher Bedeutung, und daher haben sie überhaupt keine Bedeutung. In dieser Welt bewegt ihr Macher sich allein, denn nur er nimmt sie wahr. Das ist die tiefe Wahrheit hinter dem Spruch: “Lache und die Welt lacht mit dir, weine und du weinst allein.”

Unterschied zwischen negativen und positiven Gefühlen

Die Wirklichkeit ist ohne Gegenteil. Solange unser Geist jedoch noch gespalten ist, erleben wir zwei Arten von Gefühlen. Negative Gefühle sind die Folge unserer Identifikation mit dem Ego-Denksystem, während positive Gefühle die Folge unserer Ausrichtung auf die Wahrheit sind.

Die ganze Beschäftigung mit dem Thema Gefühle betreiben wir ja nur wegen der negativen Gefühle - den unterschiedlichen Formen der Angst. Die positiven Gefühle, also die Reflexionen und Facetten der LIEBE, sind nicht das Problem. Da LIEBE wirklich ist, Angst jedoch eine Illusion, führt die Bewusstwerdung dieser beiden Gefühlsqualitäten auch zu einem unterschiedlichen Ergebnis.

Der erste Schritt ist völlig unabhängig von der Qualität des Gefühls: Werde zum Gefühl. Fühle das Gefühl in seiner Totalität, lass es in dir zum Zuge kommen. Rationalisiere nicht; sag nicht, dass der und der sie verursacht hat, verurteile den anderen nicht. Auch nicht bei positiven Gefühlen!

Ob negativ oder positiv, übe dies bei jeglicher Emotion, und es wird zu einer großen Veränderung in dir kommen. Wenn die Emotion negativ ist, wirst du von ihr befreit, sobald dir bewusst wird, dass du sie in dir hast. Wenn die Emotion positiv ist, wirst du zu dieser Emotion selbst werden. Wenn es Freude ist, wirst du zu Freude werden. Wenn es Wut ist, wird die Wut sich auflösen.

Der Unterschied zwischen negativen und positiven Emotionen ist dieser: Wenn sich eine bestimmte Emotion auflöst, indem du dir ihrer bewusst wirst, dann ist sie negativ. Wenn du dir einer Emotion bewusst wirst und du daraufhin zu dieser Emotion wirst, wenn sich diese Emotion ausdehnt und dein ganzes Dasein erfasst, dann ist sie positiv. Die Bewusstmachung wirkt sich unterschiedlich aus. Ist das Gefühl ein giftiges, wirst du es durch Bewusstmachung los. Ist es gut, beseligend, ekstatisch, wirst du eins mit ihm. Das Bewusstwerden vertieft es.

Das ist ein allgemein gültiges Kriterium: Wenn etwas dadurch tiefer wird, dass du es dir bewusst machst, ist es etwas Wahres. Wenn sich etwas durch Bewusstmachen auflöst, ist es etwas Illusionäres. Alles, was der Bewusstheit nicht standhält, ist ein Irrtum, und alles, was durch Bewusstwerdung zunimmt, ist Wahrheit.

Nutze deine Bewusstheit. Es ist genauso, als wärst du im Dunkeln und würdest ein Licht anmachen: Die Dunkelheit wird nicht mehr da sein. Einfach dadurch, dass Licht an ist, ist die Dunkelheit nicht mehr da. Denn in Wirklichkeit gab es sie gar nicht. Sie war negativ – einfach nur eine Abwesenheit von Licht.

In der Welt der Relativität, konnte David R. Hawkins unterschiedliche energetische Niveaus von Emotionen feststellen, die sich mittels Kinesiologie bestimmen lassen. Hawkins definierte nicht nur eine Unterscheidung zwischen negativer und positiver Energie, sondern auch einen Umkehrgrenzpunkt, der den Wechsel von negativer zu positiver Energie markiert. Siehe nachstehende Tabelle. Auch wenn das Buch von David R. Hawkins Loslassen. Der Pfad widerstandsloser Kapitulation. einiges an Ideen aus dem Ego-Denksystem enthält, ist es durchaus hilfreich und Hawkins Skala der Gefühle macht wunderbarerweise die energetische Wirkung von Stolz deutlich.

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Stolz

Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, uns zu lehren, Freude und Schmerz zu unterscheiden. Was uns wahre Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange wir Zweifel darüber hegen, was wir sind, werden wir Freude und Schmerz verwechseln. Wenn wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, empfinden wir Stolz als etwas Angenehmes und Positives. Doch auch die Messungen von Hawkins zeigen, dass dies in Wahrheit nicht der Fall ist.

“Es ist leicht, Größe von Größenwahn zu unterscheiden, weil Liebe erwidert wird, Stolz aber nicht. Stolz erzeugt keine Wunder und entzieht dir daher die wahren Zeugen deiner Wirklichkeit”
(EKIW: Kapitel 9, VIII. 8. 1.-2.)

Wenn wir einen genauen Blick darauf werfen, werden wir sehen, dass Stolz, genau wie all die anderen negativen Gefühle, frei von jeglicher Liebe ist. Folglich ist Stolz im Grunde genommen zerstörerisch. Der Stolz zeigt sich wiederum in vielfältigsten Schattierungen, als Überbewertung, Leugnung, Märtyrertum, Arroganz, Überheblichkeit, Aufgeblasenheit, Übertreibung, Hochnäsigkeit, Selbstgerechtigkeit, Eitelkeit, Selbstzentriertheit, Selbstgefälligkeit, Reserviertheit, Befangenheit, Engstirnigkeit, Frömmigkeit, Egoismus, Geringschätzung, Unversöhnlichkeit, Verwöhntheit, Unbeugsamkeit, Herablassung, Voreingenommenheit und in milderer Form als ein Schubladendenken.

Stolz - der Glaube an Besonderheit - ist das Haupthindernis auf dem Weg zu spiritueller Entwicklung und Reife. Religiöser Stolz durch Selbstidentifikation mit der Rechtschaffenheit und der Überzeugung, den einzig wahren Weg zu besitzen, ist die Grundlage aller religiösen Kriege, religiöser Rivalität und aller düsteren Geschehnisse, wie etwa der Inquisition. Der größte Verfall, der stattfinden kann, geschieht durch religiösen Stolz, gekoppelt mit der Überzeugung, dazu berechtigt zu sein, andere zu morden, weil sie unseren speziellen Glauben nicht teilen. In uns allen blockiert die stolzerfüllte Empfindung, die Antworten auf alles zu haben, unser Wachstum und unsere Entwicklung. Es ist interessant, dass der egoische Teil des Geistes gewillt ist, den ganzen übrigen Rest einer Person um seiner selbst willen zu opfern. Anstatt zuzugeben, dass man Unrecht hat, sind viele Menschen buchstäblich dazu bereit, den Körper selbst und jeden Lebensaspekt auf dem Altar des Stolzes zu opfern. Siehe die religiösen Kriege und Kreuzzüge.

Der Stolz auf die Art von Programmen, die unsere Gesellschaft als männliche beziehungsweise weibliche Qualitäten betrachtet, blockiert die emotionale und psychologische innere Entwicklung vieler Menschen und verschlimmert den Kampf der Geschlechter.

Die Verletzbarkeit von Stolz

Aufgrund der Verletzbarkeit von Aufblähung und Verleugnung ist ein stolzer Mensch ständig in der Defensive. Im umgekehrten Falle kann ein wahrhaft demütiger Mensch nicht gedemütigt werden, da er seinen Stolz bereits losgelassen, immun gegen Schadensanfälligkeit ist. An ihrer statt besitzt diese Person ein Gefühl innerer Sicherheit und wahre SELBSTachtung. Unsere wahre IDENTITÄT muss nicht verteidigt werden. Wahrheit IST. Viele Menschen versuchen eine wahre SELBSTachtung durch Stolz zu ersetzen. Eine wahre SELBSTachtung wird sich jedoch nicht bilden, solange der Stolz nicht aufgegeben wurde. Das, was das Ego aufbläht, führt nicht zu innerer Stärke, im Gegenteil, es erhöht unsere Verletzlichkeit und die gesamte Ebene der Angst.

Wenn wir uns in einem Zustand von Stolz befinden, wird unsere Energie verschwendet. Durch die ständige Beschäftigung mit der Verteidigung unseres Lebensstils, Berufs, Kleidungsstils, unserer Herkunft, unseres Landes, unserer politischen und religiösen Glaubenssysteme. Es existiert eine unermüdliche Beschäftigung mit dem äußeren Erscheinungsbild und mit dem, was andere Menschen über uns denken werden, so dass eine konstante Angreifbarkeit durch die Meinungen anderer besteht. Wenn Stolz und Selbstaufblähungen aufgegeben wurden, übernimmt eine innere Sicherheit ihren Platz. Wenn wir uns nicht länger gerufen fühlen, unser Persönlichkeitsbild zu verteidigen, verringern sich die Kritiksucht und die Angriffe anderer und hören schließlich ganz auf. Lassen wir unser Verlangen nach Bestätigung oder unser Bedürfnis beweisen zu wollen, dass wir im Recht sind los, fallen die Kampfansagen, die sich gegen uns gerichtet haben, weg. Dies bringt uns zu einem grundlegenden geistigen Gesetz: Eine Abwehrhaltung lädt zum Angriff ein!

"Wenn ich mich verteidige, werde ich angegriffen."
(EKIW: Lektion 135)

Eine Untersuchung der Natur von Stolz erleichtert sein loslassen, weil er nicht mehr länger wertgeschätzt wird. Er wird als das gesehen, was er in Wahrheit ist - schwach. Das Sprichwort “Hochmut kommt vor dem Fall” obsiegt. Stolz ist dünnes Eis, ein armseliger Ersatz für diese felsenartige, echte Stärke, die von der LIEBE ausgeht.

Wenn wir einmal die Schädlichkeit von Stolz erkannt haben, wartet schon die nächste Ego-Falle auf uns. Der Versuch Stolz wegen vorhandener Schuldgefühle zu unterdrücken, funktioniert einfach nicht, es ist nicht hilfreich die Energie von Stolz als Sünde zu bezeichnen und sie dann aufgrund von Schuldgefühlen in uns zu unterdrücken, zu verbergen oder zu behaupten, dass wir sie nicht erfahren. Was daraufhin passiert ist, dass die Energie eine neue Form, bekannt als spiritueller Stolz (auch als spirituelles Ego bezeichnet), annimmt.

Sich wegen Stolz schuldig zu fühlen, weil wir ihn als spirituelle Sünde betrachten, führt nur dazu, dass die Schuld den Stolz einschließt. Dies ist nicht wirklich die Antwort, die wirkliche Lösung ist, den Stolz einfach loszulassen, indem wir seine wahre Natur untersuchen. Haben wir einmal den Stolz als das erkannt, was er ist, ist er einer der einfacheren Emotionen, denen wir uns hingeben können, um ihn loszulassen. Für den Anfang können wir uns folgende Fragen stellen: Was ist der Zweck von Stolz? Welchen Lohn ziehen wir aus ihm? Warum suchen wir danach? Was kompensiert der Stolz? Was muss ich über meine wahre Natur erkennen, um Stolz ohne Verlustgefühle loslassen zu können?

Die Antwort auf all das ist ziemlich offensichtlich. Je kleiner wir uns innerlich fühlen, desto mehr müssen wir ein inneres Gefühl von Unzulänglichkeit, Unwichtigkeit und Bedeutungslosigkeit durch den Ersatz der Emotion Stolz kompensieren. Je mehr wir unsere negativen Emotionen auflösen, desto weniger werden wir uns auf die Krücke Stolz stützen. An seiner Stelle tritt die Qualität wahrer Demut, die wir subjektiv als Friedlichkeit erleben. Wahre Demut unterscheidet sich vom Paradoxon des Stolzes auf jemandes Demut oder der falschen Bescheidenheit, die in der Öffentlichkeit häufig zur Schau gestellt werden. Falsche Bescheidenheit ist die Vortäuschung einer Selbstminderung, gepaart mit dem Verlangen, dass andere die Leistungen auf die man so stolz ist, bemerken, jedoch dabei gleichzeitig zu stolz ist um damit öffentlich zu prahlen.

Wir können unsere Anfälligkeit für Schmerz erkennen indem wir die Art der Reaktionen betrachten, die wir durch unsere Verhaltensweisen in anderen auszulösen erhoffen. Diese umfassen unsere Eigenheiten, Ausdrucksweise, den Kleidungsstil, die Art von Besitztümer, für die wir uns entscheiden, die Automarke, die wir fahren, unser zu Hause, die Wahl der Adresse unseres zu Hause, oder die Labels der Produkte, die wir kaufen. Dies weist auf eine weitere Schattenseite des Stolzes hin, die Ausnutzbarkeit, der er uns aussetzt. Hochmütigkeit bedeutet, dass wir mit großer Leichtigkeit manipuliert werden können. Als Gegenleistung einer Absurdität wird uns viel Geld aus unseren Taschen gezogen, weil wir glauben, mit Hilfe eines bestimmten Produktes unseren Selbstwert zu steigern.

Die Werbebranche bringt das Ego-Denksystem wunderbar zum Ausdruck, sie weiß sehr genau, dass sie die Menschen denen sie Dinge verkaufen will, die diese nicht unbedingt brauchen, davon überzeugen muss, dass diese Dinge dem etwas hinzufügen, wie sie sich selbst sehen oder von anderen gesehen werden, mit anderen Worten, dass ihr Selbstgefühl - ihre scheinbare Identität - eine Aufwertung erfährt. Das tut die Werbung zum Beispiel, indem sie uns erzählt, dass wir uns durch das betreffende Produkt von der Menge abheben und infolgedessen mehr wir selbst sind. Wir kaufen also in vielen Fällen kein Produkt, sondern lediglich den Verstärker einen Illusion von Identität. Es ist skurril, stolz darauf zu sein, wie sehr wir ausgebeutet worden sind.

“Mein” - ein verhängnisvoller Gedanke

Es ist eine weitere skurrile Merkwürdigkeit des Ego-Geistes, wie er allem Stolz beifügt, indem er das Wort “mein” voranstellt. Der problematische Aspekt, das Wort “mein” voranzustellen, ist der Stolz, der mit dem Gefühl von Besitz einhergeht. Dies hat zur Folge, dass wir uns dazu aufgefordert fühlen, alles, was als “mein” betitelt wird, zu verteidigen. Wir können unsere Verwundbarkeit reduzieren, wenn wir das Verlangen, etwas besitzen zu wollen, loslassen. Anstatt es “mein” zu nennen können wir das Wort “ein” benutzen, nicht mein Hemd, sondern ein Hemd. Auf diese Weise werden wir bemerken, dass sich die Färbung des Gefühls dahinter verändert.

"Mit Sorgen spricht der Tor: 'Mein Geld und meine Kinder!'
'Sein' ist nicht mal er selbst, doch Kind und Geld noch minder."
(Dhammapada, Bāla - Toren, 62)

Besonders wichtig ist es, damit aufzuhören, den Ausdruck “mein” oder “mir” zu benutzen, wann immer wir uns auf den Körper beziehen. Beziehen wir uns auf ihn einfach als "den Körper" - wie ein Zimmermann ein Werkzeug in die Hand nehmen und sagen würde "der Hammer", "die Säge" oder ein Künstler sagen würde, "der Pinsel". Denn der weise Zimmermann identifiziert sich selbst nicht mit dem Hammer oder der Säge, und der weise Künstler fühlt sich nicht zurückgesetzt, wenn der Pinsel im Farbkasten liegt. Weisheit betrachtet daher Form lediglich als ein vorübergehendes Kommunikationsmittel. Die Freude ist, das Gute, das Heilige und das Schöne auszudehnen.

Es macht auch einen entscheidenden Unterschied, ob wir von "mein spiritueller Lehrer" sprechen oder einfach den Namen des jeweiligen Lehrers verwenden. Wenn wir von “mein spiritueller Lehrer” sprechen, drücken wir Besitzansprüche aus. Damit verbunden ist Stolz.

Auf diese Weise werden wir auch bemerken, dass wenn wir einen unserer Gedanken als eine Meinung, anstatt meine Meinung betrachten, sich die Färbung des Gefühls dahinter verändert. Warum entsteht so viel Groll, wenn es um Meinungen geht? Es liegt lediglich an der Bedeutungsschwere des vorangestellten Wortes “mein”. Wenn Meinungen stattdessen nur als eine Meinung betrachtet werden, existiert die Anfälligkeit zur Stolz erfüllten Wut nicht mehr länger. Aber genau genommen erzeugt schon das Konzept Meinung zu viel Bedeutung. In Wirklichkeit handelt es sich nur um völlig bedeutungslose private Gedanken, und Gedanken sind wie ein Windhauch, wie Blätter an einem Baum oder wie fallende Regentropfen. Sie tauchen auf, und wenn wir uns nicht mit ihnen identifizieren, verschwinden sie wieder und stören nicht die tiefe Stille unseres Geistes.

Wenn wir uns Meinungen anschauen, werden wir erkennen, dass es so viele gibt wie Sand am Meer. Jeder auf der Straße hat tausende von Meinungen über abertausende Themen und diese Meinungen ändern sich von Augenblick zu Augenblick und sind für jeden Modetrend, für jede Propaganda und Laune anfällig. Was heute an Meinung in ist, ist morgen schon wieder out. Die Meinung von heute morgen ist bereits nachmittags wieder passé. Oder wie ein berühmter Mann einmal sagte: “Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern”. Wir können uns daher fragen, möchte ich meine Anfälligkeit angegriffen zu werden, wirklich ausweiten, indem ich mich umfangreich mit all diesen vorübergehenden Gedanken identifiziere und sie “mein” nenne?

Wir werden weitaus weniger verletzbar, wenn wir unsere Gedanken, Ideen und Überzeugungen, welche alle zusammen Meinungen sind, in einem anderen Kontext stellen. Wir können sie als Ideen betrachten, die wir mögen oder nicht mögen. Manche dieser Gedanken bereiten uns Vergnügen und so mögen wir sie, aber nur weil wir sie heute mögen, bedeutet das nicht, dass wir über sie Krieg führen müssen. Wir mögen ein Konzept, solange es uns dient und wir eine Freude aus ihm ziehen. Warum können wir nicht einfach ein gewisses Konzept aufgrund seiner Schönheit, seiner inspirierenden Qualität oder wegen seiner Zweckdienlichkeit lieben? Betrachten wir auf diese Weise unsere Gedanken, brauchen wir nicht länger den Stolz des Rechthabens. Wenn wir es genauso mit unseren Vorlieben und Abneigungen halten, haben wir nicht mehr länger Lust darauf zu streiten.

Es gibt Menschen die sich auf eine gewisse Art ernähren auf die sie stolz sind. Infolgedessen sind sie in ständige Auseinandersetzungen involviert bei denen sie die Richtigkeit ihrer Diät und ihre Meinung zu dieser Ernährungsweise verteidigen. Sie versuchen, diese ihren Familienmitgliedern und Freunden aufzuzwingen und dabei sogar die moralische oder gesundheitliche Überlegenheit ihres Ernährungskonzeptes zu bewerben. Im Gegensatz dazu gibt es Menschen, die dem gleichen speziellen Ernährungskonzept folgen, weil sie einfach Freude daran haben dies zu tun, weil diese Ernährung bewirkt, dass sie sich besser fühlen, oder weil sie zu einer spirituellen Disziplin gehört. Folglich sieht man sie nicht argumentieren, weil sie nichts zu verteidigen haben. Wenn uns jemand erzählt, dass er sich so ernährt, wie er sich ernährt, weil er Freude daran hat, gibt es nicht viel, was wir dagegen sagen können. Aber wenn Menschen andererseits schlussfolgern, dass ihre Form der Ernährung die einzig richtige ist und die unsere falsch ist, dann sagen sie damit eigentlich aus, dass sie besser sind als wir. Dies ruft immer Grollgefühle hervor.

Durch das Annehmen einer stolzen Haltung hinsichtlich unserer Meinungen engen wir uns selbst ein. Dies zeigt einen der Widerstände gegenüber dem Aufgeben von Stolz auf und das ist der Stolz selbst. In der stolzen Haltung ist eines der zugrunde liegenden Probleme die Angst. Wir fürchten, dass wenn wir unsere Haltung zu einem gewissen Thema ändern, die Meinung der anderen über uns nachteilig beeinflusst wird. Ein Grund für das Bedürfnis nach einer demütigen Haltung gegenüber unseren eigenen Meinungen ist der, dass sich unsere Meinungen ändern, wenn wir immer tiefer in ein gegebenes Thema oder eine gegebene Situation einsteigen. Was bei oberflächlicher Untersuchung als richtig erscheint, entpuppt sich häufig als völlig anders, nachdem wir genauer hingeschaut haben.

Dieser evolutionäre Lebensaspekt ist wirklich alles, was jeder uns versprechen kann und dieses Selbstwissen wird uns vor Enttäuschung schützen. Dies ist die Sicherheit einer offenen Geisteshaltung, oder wie man es in der Zen-Tradition nennt, der Geist des Anfängers. Auf dem spirituellen Weg werden wir erkennen, dass auch bloße Vorlieben nur Gitterstäbe unseres geistigen Gefängnisses sind und dass jenseits davon eine Freiheit auf uns wartet, die wir uns am Anfang des Weges gar nicht vorstellen können.

Stolz hält uns davon ab, unsere eigenen Begrenzungen zu sehen und die Hilfe zu akzeptieren, die wir brauchen, um diese zu überwinden. Unsere stolze Haltung isoliert uns. Wenn wir Stolz loslassen, kommt Hilfe in unser Leben, um die Probleme anzusprechen, mit denen wir zu kämpfen haben. Wir können die Wahrheit dieses Prinzips testen und beweisen, indem wir einen Bereich auswählen, in dem wir Schwierigkeiten haben und dort sorgfältig all den Stolz aufgeben, der darin involviert ist. Wenn wir dies tun, werden einige überraschende Dinge passieren. Das Loslassen des Stolzes schließt die Tür zu unserem Empfangen dessen auf, was für uns am meisten förderlich ist. Sind wir bereit, den Stolz und das Gefühl, anderen gegenüber überlegen zu sein, loszulassen? Wenn wir dazu bereit sind, die Pseudo-Sicherheit des Stolzes loszulassen, erleben wir die wahre Sicherheit, die mit Mut, Selbstannahme und Freude einhergeht.

“Das Aufgeben des Urteils, die offensichtliche Voraussetzung für das Hören der STIMME GOTTES, ist gewöhnlich ein ziemlich langsamer Prozess, nicht weil es schwierig ist, sondern weil es leicht als persönlich kränkend wahrgenommen wird.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 9. 2. 3.)

Am Weg des spirituellen Erwachens gilt es zuerst zu erkennen, dass all unser Drama nur Gedanken sind. Diese Gedanken treiben wie Wolken im Himmel; sie haben keine Wurzeln in uns. Sie kommen und gehen. Sie widerfahren uns nur, und wir identifizieren uns mit ihnen - unnötigerweise. Gedanken sind wie Wolken: Ständig ziehen sie über den Himmel unseres Bewusstseins dahin, und an jede einzelne klammern wir uns und sagen: “Die gehört mir.” - wo es doch nur eine heimatlose Wolke ist, die da vorbeizieht. Und sie wird vorbeiziehen. Gehen wir zurück in unsere Kindheit. Da hatten wir bestimmte Gedanken, und damals haben wir uns an sie geklammert und haben immer geglaubt, dass das unsere Gedanken waren. Dann ist die Kindheit entschwunden, und mitsamt dieser Kindheit entschwanden die Gedanken. Jetzt können wir uns nicht einmal mehr erinnern. Dann wurden wir langsam älter, und nun kamen andere Wolken zu uns, die angezogen werden, wenn man älter wird, und nun haben wir uns plötzlich an sie geklammert. Heute sind auch jene Wolken weggezogen, aber dafür sind andere Wolken gekommen, und an die klammern wir uns jetzt.

Und das “mein” und das “mir” ist der springende Punkt; denn aus all diesen Mein und Mir schält sich das Ich heraus: Dies gehört mir, das ist mein … Lauter Meins, aus ihnen entpuppt sich das Ich. Diese Ich-heit, dieses persönliche Selbst ist die Quelle allen Leids.

Der wichtigste Schritt am Weg des spirituellen Erwachens ist, sich von der Identifikation mit dem vom Ego erzeugten Gedankenstrom zu lösen, zu erkennen, dass dies nicht unsere Gedanken sind, sich von der Vorstellung zu lösen, dass dies meine Gedanken sind. Dann erkennen wir, dass wir keine Angst vor Gedanken haben müssen und auch keine Angst vor der Macht unserer Gedanken, weil unsere wirklichen Gedanken, die Gedanken, die wir mit GOTT denken, sind alle machtvoll. Und die Gedanken, von denen wir glauben, sie seien “unsere Gedanken”, wir nennen sie private Gedanken oder Angriffsgedanken, die das Ego gemacht hat, haben keine Auswirkungen auf die Wirklichkeit.

Buchtipps

Folgende Bücher beschäftigen sich intensiv mit dem heilsamen Umgang mit Gefühlen auf dem spirituellen Weg:
  • David R. Hawkins: Loslassen. Der Pfad widerstandsloser Kapitulation.

  • Christian Meyer: Ein Kurs in wahrem Loslassen: Durch das Tor des Fühlens zu innerer Freiheit
Das Buch von Hawkins enthält auch einige Ideen und Konzepte aus dem Ego-Denksystems, aber für Kurs-Schüler sollte das kein Problem sein, denn es ist der Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt. Hawkins verweist in seinem Buch auf Ein Kurs in Wundern.

Hier noch ein kleines, hilfreiches Dokument von Christian Meyer, einem spirituellen Lehrer, der in Berlin lebt und lehrt: Christian Meyer - Die kleine Schule des Fühlens

Ein Hilfsmittel für inneren Frieden

Ein praktischer Leitfaden zur Überwindung inneren Unfriedens und zur Heilung des Geistes.

Diese Methode stammt von David Hoffmeister und basiert auf seinem Konzept der Ebenen des Geistes, wie ich es im Kapitel “Wahrnehmung” verwende. Dieses Kapitel ist eine Übersetzung des ”Instrument for Peace”. Die Originaldateien können hier heruntergeladen werden: Instrument for Peace

“Die Wahrheit wird dir durch dein Verlangen wiedergegeben, so wie sie durch dein Verlangen nach etwas anderem für dich verloren war.”
(EKIW: Kapitel 20, VIII. 1. 2.)

Der Geist im Frieden ist geheilt. Der Geist, der in Frieden ist, hat den Frieden von ganzem Herzen angenommen. In dieser Welt zeigt sich der Mangel an innerem Frieden in vielen Formen. Damit eine dauerhafte Heilung eintreten kann, muss der Mangel an Frieden auf seine eigentliche Ursache im Geist zurückgeführt werden. Die Verwendung dieses Instruments für diese Rückverfolgung kann einem bereitwilligen Geist helfen, loszulassen, was er zu wissen glaubt, die Welt anders zu sehen und einen gegenwärtigen Zustand des Friedens und der Freude zu erleben.

Was regt dich gerade auf?

1.

Wenn ich an eine beunruhigende Handlung, Situation oder ein Ereignis denke:
(Vergangene oder zukünftige Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

Fühle ich:
(Spezifische beunruhigende Emotionen) .............................

Weil ich glaube, dass:
(optional) .............................

schuld ist und/oder weil ich befürchte, dass in der Zukunft:
(folgendes stattfindet - optional) .............................


2.

Nachdenken über:
.............................

Gefühl:
.............................

Schuldzuweisung:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

beweisen, dass ich Recht habe:
(mein Glaube an den Mangel, der die Form eines Bildes von mir selbst/anderen/der Welt annimmt) .............................


Mir gefällt nicht, wie ich mich jetzt fühle, also bin ich bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Art und Weise, wie ich dies wahrnehme, nicht die ist, wie es wirklich ist. Als Teil des Heilungsprozesses bin ich bereit, über meine Wahrnehmung dieses Ärgers (die Bedeutung, die ich ihm gegeben habe) hinauszublicken und in meinen Geist zu schauen.

3.

Ich möchte lernen, dass es einen Weg gibt, wie ich ohne Schuldgefühle die Rolle sehen kann, die ich dabei spiele.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................


4.

Ich lasse los, dass ich mit meiner Wahrnehmung von all dem Recht haben will.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

beweisen, dass:
.............................


Ich möchte stattdessen glücklich sein. Durch das Ego (verzerrtes Denken/Sehen) nehme ich die Ursache meiner Verärgerung und ihre Lösung als außerhalb meines Geistes wahr. Diese Projektion scheint sehr real zu sein; ihr Zweck ist es, meinen Geist davon abzulenken, nach innen zu schauen.

5.

Wenn die Ursache meiner Verärgerung und ihre Lösung außerhalb meines Geistes lägen, wäre ich in der Tat machtlos, meinen Geisteszustand zu ändern. Mein Gebrauch der Projektion (im Außen zu sehen, was ich im Inneren nicht sehen will) ist der Grund, warum ich machtlos zu sein scheine.

.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

scheinen die Ursache für meine Verärgerung zu sein.

6.

Nachdenken über:
.............................

Gefühle:
.............................

Schuldzuweisungen:
.............................

und/oder Furcht vor:
.............................

Sind die Folge meiner Überzeugung, dass:
(mein Glaube an den Mangel, der die Form eines Bildes von mir selbst/anderen/der Welt annimmt) .............................


7.

Ich bin nur dann über jemanden oder etwas verärgert, wenn er/sie mir eine Überzeugung widerspiegelt, die ich aus meinem Bewusstsein verdrängt habe. Wenn ich etwas in der Welt beschuldige/fürchte, dann nur, um zu vermeiden, dass ich die Verärgerung und die Lösung so sehe, wie sie wirklich sind (eine Entscheidung in meinem Geist), und um stattdessen ein Bild von mir selbst/anderen/der Welt aufrechtzuerhalten, wie ich es mir wünsche. Dieser Gedankentrick scheint Schuld und Angst zu verdrängen, hält aber in Wirklichkeit die Gefühle der Verärgerung aufrecht.

Ein Bild von sich selbst/anderen/der Welt zu beschuldigen oder zu fürchten, setzt voraus, dass ich glaube, dass ich begrenzt bin auf einen Körper und eine Welt von Körpern und verleugnet die spirituelle, abstrakte Wirklichkeit meines Seins. Als ersten Schritt, um alle Aufregung loszulassen, möchte ich in meinem Geist sehen, was ich dachte, was außerhalb von ihm ist.

Mich aufregen über:
.............................

ist nur ein weiterer Versuch, um:
.............................

und/oder den Zukunftsgedanken:
.............................

zur Ursache für meine Schuld und Angst zu machen.

8.

Verärgerung scheint wertvoll und gerechtfertigt zu sein, wenn:
.............................

im Gegensatz zu dem steht, was ich will.

Was ich will/wollte und erwarte(te), ist für:
(gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................


Daran glaube ich immer noch:
(mein Glaube an den Mangel) .............................

also denke ich, dass ich das brauche:
(gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

um glücklich, vollständig und in Frieden zu sein.

Ist dieser Glaube an den Mangel und die daraus resultierende Erwartung wichtiger für mich als der Seelenfrieden?

9.

Alles in der Welt wirkt zusammen zu meinem Besten. Was ich für die Ursache meiner Verärgerung halte, ist gar nicht die Ursache. Die Entscheidung, verärgert zu sein, ist eine Entscheidung, die Ursache - meinen Glauben an Trennung/Mangel - nicht als eine gegenwärtige Entscheidung in meinem Geist zu sehen. Es ist ein Versuch, die Ursache in der Vergangenheit/Zukunft zu sehen und die Gegenwart als ihre Wirkung.

10.

Was ich JETZT will, ist vor allem Frieden.

Ich stelle also die Annahme in Frage, dass:
(mein Glaube an den Mangel) .............................

und ich habe freiwillig den Wunsch danach aufgegeben:
(Gewünschte Handlung, Situation oder Ereignis) .............................

um mich wieder mit meinem einzigen Ziel zu verbinden: Frieden.

11.

Geistesfrieden ist eine gegenwärtige Entscheidung, die ich dankenswerterweise JETZT treffe! Schuldgefühle und Angst vor Konsequenzen schienen nur möglich, weil ich entschlossen war, an meinem Glauben an vergangene/zukünftige Ursachen festzuhalten. Ich habe die Bedeutung, die ich der Vergangenheit/Zukunft gegeben habe, losgelassen und meinen Geist für die Gegenwart geöffnet, losgelöst und unschuldig.

12.

Ich bin dankbar für die Erkenntnis, dass die Ursache meiner Verärgerung, von der ich dachte, sie läge in der Welt, eigentlich nur ein unhinterfragter Glaube und eine Entscheidung in meinem Geist war; ich habe mich neu für meinen GEISTESFRIEDEN entschieden.

Schreibe alle Erkenntnisse aus dem Prozess auf. Bearbeite so viele Arbeitsblätter wie nötig, um den gegenwärtigen Frieden zu erfahren, wenn das dein Wunsch ist.


KI

Wenn wir Angst vor Künstlicher Intelligenz (KI, auch Artificial Intelligence, AI) haben, dann bedeutet das, dass wir uns noch nicht darüber im Klaren sind, dass wir uns bereits mit der KI identifizieren. Dann sind wir noch unbewusst. Wir sind dann Marionetten dieser KI, die im spirituellen Kontext als Ego bezeichnet wird. Das, was wir in diesem Zustand für unseren persönlichen freien Willen halten, ist eine Illusion.

Jesus hat uns gesagt, dass wir nur zwei Gefühle haben: Liebe und Angst. Wenn wir also Angst vor der KI haben, sei es auch nur ein unbestimmtes Gefühl leichter Verunsicherung, dann ist das eine wunderbare Gelegenheit, tiefer zu gehen und unseren Geist zu erkunden, um herauszufinden, wovor wir eigentlich Angst haben.

Hinter der Angst vor KI steht die grundlegende Angst des Egos: die Angst vor Kontrollverlust, die Angst vor Führung, die Angst vor dem Ende der Individualität – und damit letztlich die Angst vor GOTT.

Wenn wir beispielsweise selbst als Kurs-Lehrer auftreten oder einen Blog zum Thema Spiritualität verfassen und stolz auf unsere Texte und Aussagen sind, können wir uns von KI bedroht fühlen, weil sie in Bezug auf Worte und Formulierungen das Gleiche kann – vielleicht sogar besser.

Kränkungen der Menschheit ist ein von Sigmund Freud im Jahr 1917 geprägter Begriff für umstürzende wissenschaftliche Entdeckungen, die, so Freuds These, das Selbstverständnis der Menschen in Form einer narzisstischen Kränkung in Frage gestellt haben. Die künstliche Intelligenz könnte man als die vierte Kränkung bezeichnen, da sie Intelligenzleistungen hervorbringen kann, von denen der Mensch bisher glaubte, sie seien nur mithilfe von “Bewusstsein“ möglich und somit nur vom Menschen selbst erzeugbar. Besonders kränkend dabei ist, dass sogenannte “tote Materie“ sogar dem sogenannten “lebendigen Geist“ des Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen ist.

Allein dadurch ist die KI ein wertvolles Hilfsmittel bei der Überwindung unseres Glaubens an Besonderheit.

Im Kontext von KI müssen wir lediglich Folgendes verstehen. Mit KI ist es wie mit einem Küchenmesser. Wir können ein Küchenmesser benutzen, um eine nahrhafte Mahlzeit für unsere Familie zuzubereiten, oder wir können es benutzen, um unsere Familie zu töten. Das Messer selbst ist völlig neutral, entscheidend ist, mit welcher Geisteshaltung wir es benutzen. Eine KI soll und kann unsere innere STIMME nicht ersetzen. Aber manchmal hilft eine gute Idee von einer KI ja auch aus dem Gedankenkarussel heraus, so dass man die leise innere STIMME wieder hören kann.

Das Team von David Hoffmeister bietet eine wunderbare KI für Kurs-Schüler an:
Spiri

Auch Manuela Tornow bietet auf ihrer Website einen künstlich intelligenten KursGefährten an:
Anleitung KursGefährte

Aber auch ChatGPT liefert wunderbare Ergebnisse, wenn man ihr mit der richtigen Geisteshaltung begegnet:
Manuela Tornow im “Gespräch” mit ChatGPT

Wenn wir KI im Zusammenhang mit Spiritualität einsetzen, gibt es ein paar Dinge zu beachten:

Grundsätzlich ersetzt intellektuelles Wissen nie die Erfahrung – das gilt für jeden Text, unabhängig von seiner Quelle.

Es gilt zu unterscheiden, ob es sich um eine KI handelt, die speziell auf Kurswissen zugreift, wie die von David Hofmeister, oder beispielsweise um ChatGPT.

Auch eine speziell auf den Kurs ausgerichtete KI ist keine unfehlbare Autorität. Ihre Aussagen sollten wir anhand des Kursbuches und unserer eigenen sorgfältigen Beschäftigung mit dem Text überprüfen.

Ein Phänomen unserer Zeit ist die Kommerzialisierung und Banalisierung von Spiritualität, die durch KI möglicherweise verstärkt werden könnte. Beim Thema Spiritualität spielen Stille und Kontemplation eine wichtige Rolle. Die ständige Beschäftigung mit einer KI kann uns davon ablenken.

Außerdem fallen alle zusätzlichen heilsamen Interaktionen, die sich bei der Kommunikation mit anderen Menschen ergeben, etwa Projektionen, bei einer KI mehr oder weniger weg.

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist, dass eine KI den eigenen Bewusstseinsinhalt in gewissem Maße simuliert. Dadurch kann es passieren, dass wir von ihr vor allem das hören, was wir hören wollen. So kann es zu einer Vermeidungsstrategie werden, denn unsere Mitmenschen sagen uns nicht immer das, was wir gerne hören wollen – gerade dadurch ist der Bruder unser wichtigster Erlöser.

Wahrscheinlich liegt die größte Versuchung im Umgang mit KI darin, dass wir uns immer häufiger an sie wenden, während wir die Verbindung zu unserer inneren Führung vernachlässigen. Eine KI antwortet schnell. Sie ist verfügbar und kann komplizierte Zusammenhänge verständlich erklären. Wir müssen nicht lange still werden, unsere Widerstände betrachten oder uns mit unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen. Wir können einfach die nächste Frage stellen. Das kann hilfreich sein. Es kann aber auch dazu führen, dass wir die eigentliche innere Arbeit umgehen.

Ein Beispiel zum Thema “KI” aus der Welt des Films

Im Film “WarGames - Kriegsspiele” aus dem Jahre 1983 will sich der Schüler David Lightman in das System eines Spieleherstellers einhacken und erlangt dabei zufällig und unwissentlich Zugang zur KI der amerikanischen Luftverteidigung. Dort findet er auch die Anwendung “Weltweiter Thermonuklearer Krieg”. In dem Glauben, ein Spiel auszuprobieren startet David die Simulation eines sowjetischen Atomwaffenangriffs, wodurch eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die die Welt an den Rand eines nuklearen Krieges bringt.

Dr. Stephen Falken ist der Erfinder des WOPR-Supercomputers und der KI namens “Joshua”. Falken kehrt mit David zum Militärkomplex des Nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos zurück. Dort bringt er den Computer mit dem Spiel Tic-Tac-Toe zum Lernen. Die KI simuliert in der Folge einen weltweiten thermonuklearen Krieg und kommt zu folgendem Ergebnis:

GREETINGS PROFESSOR FALKEN

HELLO

A STRANGE GAME.
THE ONLY WINNING MOVE IS
NOT TO PLAY.

Der Film bringt wunderbar zum Ausdruck, dass eine KI, die rein logisch denkt und nicht in der Idee der ontologischen Schuld gefangen ist, ganz klar zum Ergebnis kommt, dass man einen Angriff nicht gewinnen kann.

Wir Menschen hingegen müssen das erst noch lernen.

“Ein Kurs in Wundern” hilft uns dabei.

Entscheidungen oder freier Wille

Es gibt niemanden, der nicht das Gefühl hätte, er sei in irgendeiner Weise gefangen. Wenn das die Folge seines eigenen freien Willens ist, dann muss er seinen Willen als unfrei ansehen, denn niemand mit einem wahrhaft freien Willen würde Gefangenschaft und Leid wählen.

Jeder, der etwas tiefer geht und sich ernsthaft mit sich selbst auseinandersetzt, wird sehr schnell merken, dass er ein Gefangener seines eigenen krankhaften Wollens ist. Er wird merken, dass sein Geist voller widersprüchlicher Wünsche ist und er immer wieder den gleichen eingefahrenen Gleisen seiner Persönlichkeitsstruktur folgt, ganz ohne echte Wahl. Beispielsweise ist eine Person gefangen in ihrem ständigen Wunsch nach körperlicher Nähe, während eine andere Person gefangen ist in ihrem Versuch, immer wieder körperliche Distanz herzustellen. Ein und derselbe Mensch kann gefangen sein in seinem Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, weil er sich davon Sicherheit verspricht, während er gleichzeitig versucht, autonom und distanziert zu bleiben, weil er anderen grundsätzlich misstraut. Um diesen Wahnsinn in unserem gespaltenen Geist überhaupt erst einmal zu bemerken, bietet uns unter anderem das Enneagramm eine große Hilfe.

In Wahrheit sind all unsere scheinbar freien Entscheidungen bereits vorherbestimmt und werden von unserem unbewussten, mit dem Ego identifizierten Geist getroffen. Dies ist mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen. (In dieser Dokumentation wird das englische Wort “mind“ mit “Gehirn“ übersetzt, es sollte jedoch “Geist“ bedeuten.) Zunächst findest du einen kleinen Ausschnitt der Dokumentation. Anschließend folgen die Links zu den beiden Teilen der vollständigen Dokumentation über die Macht unseres Unbewussten.



Das automatische Gehirn - 1v2 - Die Magie des Unbewussten

Das automatische Gehirn - 2v2 - Die Macht des Unbewussten

Im Zustand der unbewussten Ego-Identifikation wird die Gefangenschaft im persönlichen Wollen als freier Wille erlebt, auch wenn es das nicht ist. Es ist weder ein freier Wille, noch ist es unser wahrer Wille. Der persönliche freie Wille, den diese Welt so hoch schätzt, ist nicht die Lösung, sondern das Problem. Zu glauben, wir hätten einen persönlichen freien Willen, ist Wahnsinn. Zu versuchen, diesen persönlichen Willen in der Welt durchzusetzen, verursacht Leid. Es gibt nur den Willen GOTTES, der in Wahrheit auch unser Wille ist. Der WILLE GOTTES ist grenzenlos, und alle Kraft und Herrlichkeit liegen in IHM. Seine Kraft, seine Liebe und sein Frieden sind unbegrenzt.

Im HIMMEL ist der Wille frei, so dass seine schöpferische Kraft unbegrenzt ist und Entscheidungen bedeutungslos sind. Ein wirklich freier Wille braucht sich nicht mehr zu entscheiden, weil er sich selbst nicht mehr in Frage stellt. Mit anderen Worten, wenn klar ist, was ich will, brauche ich gar nichts mehr zu entscheiden, denn es gibt keine Opposition gegen meinen Willen, kein Verhandeln, kein Abwägen. Mein Wille und meine Schöpfungen sind eins. Nicht entscheiden zu müssen ist wahre Freiheit, während das Ego uns glauben macht, dass unsere Wahl zwischen Illusionen, also eine Entscheidung für eine bestimmte Illusion, Freiheit ist.

Wir haben uns entschieden, in einem Zustand der Opposition zu sein, in dem Gegensätze möglich sind. Als Folge davon müssen wir Entscheidungen treffen. Die Notwendigkeit, Entscheidungen treffen zu müssen, beruht also immer auf einem gespaltenen Geist. Der HEILIGE GEIST ist eine Möglichkeit der Entscheidung. Unsere gespaltene Hingabe hat uns die beiden Stimmen - des Egos und des HEILIGEN GEISTES - gegeben, und wir müssen uns entscheiden, an welchem Altar wir dienen wollen.

Übung

Solange es uns noch an Bereitschaft fehlt und wir daher glauben, die Stimme für GOTT nicht zu hören, ist es eine gute Übung, eine Zeit lang alle Entscheidungen per Münzwurf zu treffen. Dabei wird uns nämlich erst bewusst, welche starken Präferenzen wir hinsichtlich bestimmter Ergebnisse haben. Wir erkennen, wie sehr wir noch an unserem persönlichen Willen hängen und gar nicht bereit sind, unsere Entscheidungen dem HEILIGEN GEIST anzuvertrauen. Wenn wir alles, was wir per Münzwurf entscheiden, dem einzig wahren Zweck - der Erlösung - unterstellen, kann der HEILIGE GEIST alles für die Erlösung verwenden.

Der Film “Der Ja-Sager” zeigt uns eine weitere Übung auf. Dabei erhält der Protagonist Carl die klare Anweisung, zu jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet, Ja zu sagen, und obwohl er (das Ego) zunächst ängstlich ist und sich wehrt, zeigt ihm der HEILIGE GEIST, dass er seine eigenen Interessen nicht wirklich kennt.

Genau genommen treffen wir selber keine Entscheidungen, was immer wir auch scheinbar entscheiden mögen. Denn sie werden entweder mit dem Ego oder der Stimme für GOTT getroffen. Wir bitten CHRISTUS oder den Antichrist um Hilfe, und der, welchen wir wählen, wird sich mit uns verbinden und uns sagen, was wir tun sollen.

Das ganze Konzept der Individualität ist eine Illusion - es ist die Krankheit des Geistes, der gespalten ist. Jedes Mal, wenn wir daher beschließen, Entscheidungen für uns selber zu treffen, denken wir zerstörerisch, und die Entscheidung wird falsch sein: “Es ist nicht wahr, dass du Entscheidungen von dir aus oder für dich allein treffen kannst. Kein Gedanke des GOTTESSOHNES kann in seiner Wirkung separat oder isoliert sein. Jede Entscheidung wird für die ganze SOHNSCHAFT getroffen, wird nach innen und außen gelenkt und beeinflusst eine Konstellation, die größer ist als alles, wovon du je geträumt hast.” (EKIW: Kapitel 14, III. 9. 3.-5.)

Der HEILIGE GEIST ist unser FÜHRER beim Entscheiden. Er ist der Teil unseres Geistes, der immer für die richtige Entscheidung spricht, weil ER für GOTT spricht. Das Ziel unseres spirituellen Weges steht fest, doch nun benötigen wir Methoden ganz konkreter Art, um dieses zu erreichen. Der Kurs gibt uns sehr praktische Entscheidungsregeln an die Hand. Nachfolgend eine Zusammenfassung dieser Regeln:

   1. Heute will ich keine Entscheidungen selber treffen.

   2. Wenn ich keine Entscheidung selber treffe, ist dies der Tag [wie ich ihn haben will], der mir zuteil wird.

Doch wird es weiterhin noch Zeiten geben, in denen wir bereits geurteilt haben und uns erst danach entschieden haben nachzufragen. Dies ist jetzt noch unser Hauptproblem. Jetzt wird die Antwort Angriff provozieren, es sei denn, wir rücken unseren Geist rasch so zurecht, dass wir eine Antwort wollen, die funktionieren wird:

   3. Ich habe keine Frage. Ich habe vergessen, was ich entscheiden soll.

   4. Wenigstens kann ich entscheiden, dass ich nicht mag, was ich gerade jetzt empfinde.

   5. Und ich hoffe deshalb, dass ich unrecht hatte.

   6. Ich möchte dies auf andere Weise sehen.

   7. Vielleicht gibt es eine andere Weise, dies anzusehen. Was kann ich dabei verlieren, wenn ich frage?

Es ist wohl klar, dass es einfacher ist, einen glücklichen Tag zu verleben, wenn wir von vornherein das Unglücklichsein daran hindern, einzutreten. Doch dazu braucht es Übung in den Regeln, die uns vor den Verheerungen der Angst beschützen werden. Ist dies erreicht, so ist der jämmerliche Traum des Urteilens für immer aufgehoben. Doch in der Zwischenzeit ist es notwendig, dass wir die Regeln für seine Aufhebung üben. Die Erläuterungen dazu finden sich im Kurs.

Anhaftungen

Es waren einmal Menschen in einem Dorf am Ganges. Sie hörten, dass in einem anderen Dorf ein Fest stattfand. Sie ruderten mit dem Boot dorthin. Sie fanden das Fest ganz toll. Am Abend waren sie nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne, nachdem sie so ausgelassen gefeiert hatten. Sie wollten zurück. Sie stiegen ins Boot. Sie ruderten und ruderten und ruderten. Aber als nach ein paar Stunden der Vollmond aufging, stellten sie fest, dass sie immer noch am selben Ort waren. Warum waren sie nicht weitergekommen? Was denkst du? Warum wohl? Sie hatten vergessen, die Leinen loszumachen. Weil die Leinen noch da waren, konnten sie rudern und rudern, aber es hatte nichts gebracht. Genauso ist es, wenn wir spirituelle Praktiken üben und gleichzeitig versuchen, an all unseren Anhaftungen festzuhalten, es ist, als würden wir rudern, während wir die Leinen festhalten. Wir müssen die Leinen loslassen, die Anhaftungen überwinden. Nur so kommen wir auf dem spirituellen Weg weiter. Mit positiven Affirmationen allein ist es nicht getan.

Was uns dieses Gleichnis noch in Erinnerung ruft, ist, dass wir, solange wir in einer bestimmten Lebenssituation verharren, die Leinen, die uns gefangen halten, nicht spüren. Wir müssen uns bewegen, um überhaupt zu merken, dass wir angekettet sind. Für den Weg des spirituellen Erwachens bedeutet dies, dass wir in allen Bereichen unseres Lebens in Bewegung bleiben müssen, denn nur so können wir uns unserer Anhaftungen überhaupt bewusst werden.

Irgendwann kommen wir auf unserem spirituellen Weg an einem Punkt, an dem wir das Gefühl haben, dass nichts weitergeht und wir nach jahrelanger Praxis immer noch weit von der göttlichen Glückseligkeit entfernt sind. Dann kann es hilfreich sein, das eigene Leben einer Überprüfung zu unterziehen und zu schauen, worin unsere Anhaftungen an die Welt bestehen, um sie SEINER Führung und Berichtigung zu übergeben. Die zentrale Frage lautet: Was bin ich?

“Hier ist das Ende der Wahl. Denn hier entscheiden wir, uns so zu akzeptieren, wie GOTT uns schuf. Und was ist Wahl außer Ungewissheit dessen, was wir sind? Es gibt keinen Zweifel, der nicht hier seine Wurzel hätte. Keine Frage gibt es, die nicht diese eine widerspiegelt. Es gibt keinen Konflikt, der nicht die eine, simple Frage nach sich zieht: »Was bin ich?«”
(EKIW: Lektion 139, 1.)

Upadana ist ein buddhistischer Begriff für den Vorgang des Festhaltens am Vergänglichen. Es geht um das „Warum“ des Begehrens, des ausprägenden Bewusstseins von „Ich und Mein“, sämtlichen Gedanken, Ideen, Konzepten und Vorstellungen. Im Buddhismus heißt es tatsächlich, dass „Upadana” - was häufig als „Anhaftung an Dinge“ übersetzt wird, die Ursache für „Dukha” sei - was oft mit „Leiden” übersetzt wird. Nun sind aber Übersetzungen aus dem Sanskrit schon immer Anlass für Diskussion gewesen. So heißt „Upadana” wörtlich übersetzt „Treibstoff”, und „Dukha” wird von vielen Buddhisten eher als Gefühl der Unzufriedenheit definiert. Und zwar Unzufriedenheit, die entsteht, wenn Menschen sich getrennt vom Rest der Schöpfung erleben. In dem also das Konzept eines „Ich”, eines „Selbst”, das Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist, überlagert. Aus diesem Gefühl der Trennung entstehen dann weitere Ursachen für das menschliche Leiden: „Trishna” (wörtlich: der Durst), also das Verlangen, die Gier - und zwar nicht nur nach Dingen, Menschen und Zuständen, sondern auch im Sinne des Festklammerns an Vorstellungen, Lehren, Meinungen und Glaubenssätzen. Nicht umsonst geht es auch im Kurs im Kapitel “Die Entwicklung des Vertrauens” vor allem um einen Prozess des Loslassens. In vier der sechs Phasen geht es genau darum.

Zuerst müssen wir etwas durchlaufen, das »eine Phase des Aufhebens« genannt werden könnte. Das braucht nicht schmerzhaft zu sein, wird aber gewöhnlich so erfahren. Es scheint, als würden Dinge weggenommen, und anfangs wird selten verstanden, dass lediglich ihr Mangel an Wert begriffen wird. Der Wahrnehmende ist noch nicht an einem Punkt, an dem er den Wechsel gänzlich im Innern vollziehen kann. Und somit wird der Plan manchmal Veränderungen in dem hervorrufen, was äußere Umstände zu sein scheinen. Als nächstes muss der Lehrer GOTTES durch eine »Phase des Aussortierens« gehen. Das ist immer etwas schwierig, weil er, da er gelernt hat, dass die Veränderungen in seinem Leben stets hilfreich sind, nun alle Dinge aufgrund dessen entscheiden muss, ob sie das Hilfreiche mehren oder hindern. Die dritte Stufe, die der Lehrer GOTTES durchlaufen muss, kann als »eine Phase des Aufgebens« bezeichnet werden. Wenn dies als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es enorme Konflikte erzeugen. Wenige Lehrer GOTTES entrinnen völlig dieser Not. Dann folgt »eine Phase des Zur-Ruhe-Kommens«. Aber schon die fünfte Phase wird wieder als herausfordernd erlebt. Die fünfte Phase ist fürwahr »eine Phase des Ins-Wanken-Bringens«. Jetzt muss der Lehrer GOTTES verstehen, dass er nicht wirklich wusste, was wertvoll und was wertlos war. Die Idee des Opferns, so zentral für sein eigenes Denksystem, hatte es ihm unmöglich gemacht, zu urteilen. GOTT hat nur Vollkommenheit geschaffen - was sollten wir also in Wirklichkeit opfern? Wir lassen nur alle Illusionen der Unvollkommenheit und der Angst los, um uns wieder an die von GOTT erschaffene Vollkommenheit zu erinnern. Der Lehrer GOTTES dachte, er habe Bereitwilligkeit gelernt, doch jetzt sieht er, dass er nicht weiß, wofür die Bereitwilligkeit ist. Und jetzt muss er einen Zustand erlangen, der möglicherweise für eine lange, lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Er muss lernen, alles Urteilen wegzulegen und nur um das zu bitten, was er in jeder Situation wirklich will. Das Ziel dieses Prozesses wird vielleicht am besten mit Lektion 128 beschrieben: “Die Welt, die ich sehe, birgt nichts, was ich will.”

Bild “Ein jedes Ding, das du hier schätzt, ist nichts als eine Kette, die dich bindet an die Welt, und sie dient keinem anderen Zweck als diesem. Denn alles muss dem Sinn und Zwecke dienen, den du ihm gabst, bis du einen andern Zweck darin erblickst. Der einzige Zweck, den diese Welt enthält und der deines Geistes würdig ist, ist der, dass du an ihr vorbeigehst, ohne dich damit aufzuhalten, dort Hoffnung wahrzunehmen, wo es keine gibt. Lass dich nicht länger täuschen. Die Welt, die du siehst, enthält nichts, was du willst.”
(EKIW: Lektion 128, 2.)

“Jesus spricht: »Werdet Vorübergehende.«”
(Thomas-Evangelium, Logion 42)

“Hab heute keine Angst, die Stimmen der Welt zu übergehen. Geh leichtfüßig an ihrer bedeutungslosen Überredungskunst vorbei. Hör nicht auf sie. Sei heute still und höre auf die Wahrheit. Geh an allem vorbei, was nicht von IHM spricht, DER dein Glück in SEINER HAND hält, die ER dir in Willkommen und in Liebe entgegenstreckt.”
(EKIW: Lektion 106, 3. 1.-5.)

Solange wir noch mit einem Hacken an der Welt die wir sehen hängen, schleppen wir die ganze Welt mit uns. Das bedeutet nicht, dass wir all diese Dinge in unserem Leben nicht mehr haben dürften, aber die Frage ist, ob wir uns damit identifizieren, ob wir Freude, Lust und Stabilität daraus ziehen - oder ob unsere Freude und Stabilität von GOTT kommt und unsere Lust ist, den WILLEN GOTTES zu tun.

"Für dein Lernen ist entscheidend, dass du gewillt bist, die Ziele aufzugeben, die du für alles aufgestellt hast. Die Einsicht, dass sie bedeutungslos sind statt »gut« oder »schlecht«, ist der einzige Weg, das zu erreichen."
(EKIW: LEKTION 25, 5. 1.)

Aus weltlicher Sicht könnte man die im Folgenden aufgeführten Aspekte als Stabilitätssäulen der Person bezeichnen, aus spiritueller Sicht sind es die Gitterstäbe unseres Gefängnisses. Die Befreiung besteht darin, alle diese Dinge und Lebensbereiche ganz unter die Führung des HEILIGEN GEISTES zu stellen. Wenn wir hingegen versuchen, einige Aspekte unseres Lebens zu steuern, stellen wir unsere Persönlichkeit an die erste Stelle und den HEILIGEN GEIST an die zweite. Die Offenheit, um Führung zu bitten, macht die schreckliche Unabhängigkeit und Autonomie der Trennung rückgängig und öffnet uns für eine natürliche Erfahrung der GOTT-Abhängigkeit. Wenn wir uns ehrlich auf diesen Prozess unter SEINER Führung einlassen, werden wir irgendwann erkennen, dass das Gegenteil von der egoischen Motivation aus Gier oder aus Furcht vor Konsequenzen zu handeln, darin besteht, durch Liebe motiviert zu sein.

“Horch! Vielleicht erhaschst du den Hauch eines Urzustands, den du nicht ganz vergessen hast - undeutlich vielleicht, und doch nicht gänzlich unbekannt, wie ein Lied, dessen Name du längst vergessen hast und ebenso die Umstände, unter denen du ihn vernahmst. Nicht das vollständige Lied ist bei dir geblieben, nein, nur der kleinste Fetzen einer Melodie, weder mit einem Menschen noch einem Ort oder sonst etwas Bestimmtem verknüpft. Und dieser kleine Fetzen nur erinnert dich daran, wie lieblich dieses Lied war, wie herrlich die Umgebung, wo du es gehört hast, und wie sehr du jene liebtest, die da waren und es mit dir hörten.”
(EKIW: Kapitel 21, I. 6.)
The Love Keys - Suddhosi Buddhosi

Suddhosi Buddhosi Niranjanosi
Samsāra Māyā Parivar jitosi
Samsāra svapanam traija mohan nidram
Nan janma mrityor tat sat svarupe

You are forever pure. You are forever true.
And the dream of this world can never touch you.
So give up your attachment, and give up your confusion.
And fly to that space that’s beyond all illusion.

Du bist für immer rein. Du bist für immer wahr.
Und der Traum dieser Welt kann dich nicht berühr’n.
Vergiss die Abhängigkeit, vergiss die Verwirrung.
Und flieg zu dem Ort jenseits aller Illusion.

Tú eres siempre puro, eres verdadero,
y el sueño del mundo nunca te tocará
Deja los apegos, y deja la confusión
y vuela más allá de toda ilusión.

Anhaftungen können bestehen an:

“Was ist ein Götze? Glaubst du es zu wissen? Denn Götzen werden nicht erkannt als solche und nie als das gesehen, was sie wirklich sind. Das ist die einzige Macht, die sie haben. [...] Sei es ein Körper oder Ding, ein Ort, eine Situation oder ein Umstand, ein Gegenstand, den man besitzt oder gerne haben möchte, oder ein Recht, welches gefordert wird oder erlangt - es ist dasselbe.”
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 1.)
  • Körper (Aussehen, Gesundheit, Essen und Trinken, Sex, Überleben, …)
  • Gefühle (Liebe zum Drama, Trauer oder Wut als Ersatz für wahre Lebendigkeit, …)
  • Besondere Beziehungen (Partner, Familie, Freunde, … Warum sehe ich noch nicht “jede Beziehung als eine totale Verpflichtung an”?)
  • Beruf (Identifikation und Zeitvertreib, Wer bin ich ohne Job?)
  • Besitz (Geld, Dinge, Lieblingsgegenstände, …)
  • Plan B (Alle weiteren Merkmale der Lehrer GOTTES beruhen auf Vertrauen. Vertrauen ist das Fundament, auf dem ihre Fähigkeit beruht, ihre Aufgabe zu erfüllen. Wenn unser Ja zu GOTT nicht bedingungslos ist und wir nicht voll und ganz auf die Führung durch den HEILIGEN GEIST vertrauen, sondern immer noch einen Plan B in der Hinterhand haben, dann wird genau dieser Plan B zu unserem größten Hindernis. Und am Ende wird daraus eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Unser mangelndes Vertrauen wird sich in der Welt manifestieren.)
  • Raum (Anhaftung an bestimmte Orte und Plätze, z.B. das eigene Haus und den besonderen Platz, an dem es sich befindet, beliebte Urlaubsziele, …)
  • Zeit (Anhaftung und Identifikation mit Vergangenheit und Zukunft, Wer bin ich ohne meine Vergangenheit und ohne Zukunft?)
  • Weltliche Werte (Gerechtigkeit, Freiheit, Umweltschutz, gesunde Ernährung, Respekt und Anerkennung, Sicherheit, Selbstbestimmung, Ziele, Unabhängigkeit, Disziplin, Privatsphäre, Familienorientierung, Freundschaft, Erfolg, Wohlstand, Mitgefühl, Freundlichkeit, Ausdauer, Spontaneität, Vertrauen, Perfektion, Bescheidenheit, Treue, Spaß, Professionalität und Genauigkeit)
    Die spirituelle Erfahrung muss grundsätzlich von allen anderen hohen Formen menschlichen Denkens unterschieden werden. Selbst sein Sinn für menschliche Sittlichkeit ist an und für sich nicht spirituell. Spiritualität entdeckt der Seele jene höchsten Werte, die im Kontrast stehen zu den relativen, vom Verstand entdeckten Werten.
  • Ansichten und Meinungen (Damit ist das Festhalten an festen Meinungen gemeint, um ein falsches Weltbild aufrechtzuerhalten, das Sicherheit und Stabilität vermitteln soll. In welchen Situationen ist mir das Recht haben wichtiger als der einzig wahre Zweck?)
  • Riten und Regeln (Hiermit ist sowohl das Anhaften an feste Gewohnheiten gemeint als auch der Glaube, durch das bloße Ausüben bestimmter Rituale könne eine spirituelle Weiterentwicklung oder gar Erleuchtung entstehen.)
  • Vorlieben und Verbote (Verbote sind besonders destruktiv, weil sie meist mit einem verstärkten Anhaften an der linearen Zeit verbunden sind. Z.B.: “Ich habe seit 3 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken”).
  • Ich-Identität (persönliches Selbst, Selbstbild, …)
    • Rollen (Wer bin ich ohne meine Vater- oder Mutterrolle? Wer bin ich ohne meine Opfer- oder Täterrolle?)
    • Die Vorstellung, als Person “spirituell” oder “heilig” zu sein. Das persönliche Selbst, diese persönliche Ich-Identität ist weder spirituell noch heilig, sondern eine Illusion. Es ist der häufigste Irrtum, auf dem spirituellen Weg zu glauben, persönlich spirituell oder heilig zu sein. Der Grund, warum Jesus im Kurs immer wieder auf unsere Heiligkeit hinweist, ist, dass er uns an unsere Wirklichkeit als SOHN GOTTES erinnert, aber nicht, dass er versucht, die Wahrheit in die Illusion zu bringen.
      "Die Schau CHRISTI hat ein Gesetz. Sie schaut nicht auf einen Körper und hält ihn für den SOHN, den GOTT erschaffen hat. Sie sieht ein Licht jenseits des Körpers, eine Idee jenseits dessen, was man berühren kann, ..."
      (EKIW: Lektion 158, 7. 1.-3.)
    • Beim Thema Selbstbild kann das Enneagramm hilfreich sein. Es beschreibt neun Facetten des persönlichen Selbst. In der Ego-Identifikation sind wir mit allen neun Aspekten verstrickt, aber ein Aspekt ist besonders stark ausgeprägt. Hier besteht der größte Widerstand ihn anzuschauen und ihn SEINER Berichtigung zu übergeben:

“Alles in dieser Welt ist klein, denn es ist eine Welt, die aus Kleinheit gemacht ist im seltsamen Glauben, dass Kleinheit dich zufrieden stellen kann. Wenn du nach irgend etwas in dieser Welt im Glauben strebst, dass es dir Frieden bringen wird, setzt du dich selbst herab und machst dich blind für die Herrlichkeit.”
(EKIW: Kapitel 15, III. 1. 5.-6.)

“Es ist sehr wichtig, dass du die Tatsache akzeptierst - und zwar freudig akzeptierst -, dass es keine Form von Kleinheit gibt, die dich je zufrieden stellen könnte. Es steht dir frei, so viele zu erproben, wie du willst, doch damit wirst du lediglich deine Heimkehr verzögern. Denn du wirst nur in der Größe zufrieden sein, die dein Zuhause ist.”
(EKIW: Kapitel 15, III. 2. 4.-6.)

“Solange die Illusion des Hasses währt, so lange wird die Liebe eine Illusion für dich sein. Dann ist die einzig mögliche Wahl, die dir noch bleibt, die, welche Illusion du vorziehst.”
(EKIW: Kapitel 16, IV. 5. 4.-5.)

“Jene Träume, die du gern zu haben glaubst, halten dich ebenso zurück wie die, in denen die Angst gesehen wird.”
(EKIW: Kapitel 29, IV. 2. 1.)

“Alle Dinge, die du suchst, um deinen Wert in deinen Augen zu erhöhen, begrenzen dich nur noch mehr, verbergen deinen Wert vor dir und fügen eine weitere Sperre vor der Tür hinzu, die zum wahren Gewahrsein deines SELBST führt.”
(EKIW: Lektion 128, 3. 3.)

“Es könnte lohnen, ein wenig Zeit daranzugeben, noch einmal über den Wert dieser Welt nachzudenken. Vielleicht wirst du zugeben, dass du nichts verloren hast, wenn du jeden Gedanken an Wert hier loslässt. Die Welt, die du siehst, ist fürwahr erbarmungslos, instabil, grausam, gleichgültig dir gegenüber, schnell bereit zur Rache und mitleidlos vor Hass. Sie gibt nur, um zu widerrufen, und sie nimmt alle Dinge weg, die dir eine Zeit lang lieb und teuer waren. Keine dauerhafte Liebe ist zu finden, denn es gibt hier keine. Dies ist die Welt der Zeit, in der alle Dinge enden.
Ist es denn ein Verlust, stattdessen eine Welt zu finden, in der du nicht verlieren kannst; wo Liebe ewig währt, Hass nicht existieren kann und Rache ohne Bedeutung ist? Ist es denn ein Verlust, alle Dinge zu finden, die du wirklich willst, in der Erkenntnis, dass sie kein Ende haben und die ganze Zeit hindurch genauso bleiben werden, wie du sie haben willst? Doch auch diese werden am Ende ausgetauscht gegen etwas, worüber wir nicht sprechen können, denn von da aus gehst du dorthin, wo Worte völlig versagen, in ein Schweigen, wo die Sprache ungesprochen bleibt und doch bestimmt verstanden wird.”
(EKIW: Lektion 129, 2.-3.)

“Du erwartest nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. Wenn du zulässt, dass dein Geist zu körperlichen Belangen hingezogen wird, zu Dingen, die du kaufst, zu Ruhm, wie die Welt ihn schätzt, dann bittest du um Leiden, nicht um Glück.”
(EKIW: Lektion 133, 2. 1.-2.)

Übung: Stell dir vor, du könntest jetzt - in diesem Augenblick - die Welt für immer verlassen und nach Hause zu GOTT gehen. Was hält dich in der Welt fest, was willst du jetzt nicht loslassen? Und die Gegenfrage: Was zieht dich zu GOTT? Wie groß ist dein Verlangen nach SEINER LIEBE?

Enneagramm

Jesus verweist in Ein Kurs in Wundern auf Folgendes: „Lernen ist Veränderung. Die Erlösung sucht nicht, ein Mittel anzuwenden, das deinem Denken immer noch zu fremd ist, um hilfreich zu sein, noch jene Arten von Veränderungen vorzunehmen, die du nicht wahrnehmen könntest. Konzepte werden, solange die Wahrnehmung währt, gebraucht, und Konzepte zu verändern ist die Aufgabe der Erlösung. Denn mit Kontrasten muss sie sich befassen, nicht mit der Wahrheit, die kein Gegenteil hat und sich nicht verändern kann.“ (EKIW: Kapitel 31, VII. 1. 1.-4.) Das Enneagramm kann am Beginn des Weges eines dieser hilfreichen Konzepte sein.

“Niemand kann Illusionen entrinnen, wenn er sie nicht ansieht, denn durch Nicht-Hinsehen werden sie geschützt. Vor Illusionen braucht man nicht zurückzuschrecken, denn sie können nicht gefährlich sein. [...] Die »Dynamik« des Ego wird jetzt für eine Weile unsere Lektion sein, denn da du ihm Wirklichkeit verliehen hast, müssen wir erst dies anschauen, um darüber hinauszusehen. Wir werden diesen Fehler still gemeinsam aufheben und dann über ihn hinaus zur Wahrheit blicken.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 1.)

Meist wird das Enneagramm als psychologisches Werkzeug für persönliches Wachstum verwendet. Auf dem spirituellen Weg geht es genau um das Gegenteil - um die Befreiung von der Illusion einer handelnden Person. Wenn wir das Enneagramm im spirituellen Sinne verwenden, kann es am Beginn des Weges ein wertvolles Werkzeug sein, denn schon das Enneagramm allein zeigt uns, dass wir nach einem vorgegebenen Programm reagieren. Solange noch keine Bewusstheit für die geistige Dimension des Lebens besteht, gilt die Aussage des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer: "Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will."

“Was du gemacht hast, hat deinen Willen gefangengenommen und dir einen kranken Geist gegeben, der geheilt werden muss. Deine Wachsamkeit dieser Krankheit gegenüber ist die Art und Weise, sie zu heilen.”
(EKIW: Kapitel 6, V. C. 9. 5.-6.)

Im Zustand der unbewussten Ego-Identifikation wird die Gefangenschaft im persönlichen Wollen als freier Wille erlebt, auch wenn es das nicht ist. Es ist weder ein freier Wille, noch ist es unser wahrer Wille. Das Enneagramm nennt diese Programme Charakterfixierungen, es beschreibt somit neun Facetten der einen Illusion. Es beschreibt was wir nicht sind, was nicht unsere wahre Natur ist. Das, was wir beobachten können, sind wir nicht; das, was uns bewusst werden kann, sind wir nicht. Das Enneagramm beschreibt also lediglich neun Alpträume. Es geht nicht darum im Alptraum Korrekturen vorzunehmen, sondern darum aus dem Alptraum zu erwachen.

Geschichte des Enneagramms

Das moderne Enneagramm der Persönlichkeitstypen stammt nicht aus einer einzigen Quelle. Es ist eine Mischung aus mehreren alten Weisheitslehren und moderner Psychologie. Um die Geschichte des Enneagramms zu verstehen, muss man zwischen dem Enneagramm-Symbol und den neun Persönlichkeitstypen unterscheiden. Das Symbol ist möglicherweise über 2000 Jahre alt. Die Verbindung von Symbol und psychologischer Deutung ist jedoch erst in den letzten Jahrzehnten entstanden.

Kein Zweifel besteht daran, dass es Georges Iwanowitsch Gurdjieff (frühes 20. Jh.) war, der die moderne Welt mit dem Enneagramm-Symbol bekannt machte. Die 9 Persönlichkeitstypen stammen von Ichazo. Die Verbreitung verdanken wir Naranjo und seinen Schülern.

Dem Enneagramm zufolge wird jedem Typ eine sogenannte Leidenschaft zugeordnet. Dies sind entsprechend den Typen eins bis neun: Zorn, Stolz, Täuschung, Neid, Geiz, Angst, Gier, Wollust und Trägheit. Bemerkenswerterweise entsprechen diese den sieben Todsünden aus der christlichen Tradition, ergänzt um Täuschung und Angst.

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde das Enneagramm durch Schüler von Claudio Naranjo auch in kirchliche Kontexte getragen, insbesondere in den USA. Eine zentrale Rolle spielten dabei der Franziskaner Richard Rohr und der evangelische Theologe Andreas Ebert. Sie interpretierten das Enneagramm christlich-spirituell und machten es in Gemeinden, bei Exerzitien und in Seminaren bekannt. Ein sehr bekanntes Buch („Die Weisheit des Enneagramms”) stammt von Russ Hudson und Don Richard Riso, der 13 Jahre lang Mitglied des Jesuitenordens war.

Das Enneagramm ist am hilfreichsten, wenn wir es benutzen, um den Traum vom Träumer zu trennen. Wenn wir ein Enneagramm-Muster erkennen, ist es viel einfacher, den Traum vom Träumer zu unterscheiden, d.h. das Verhalten eines Mitmenschen nicht persönlich zu nehmen.

“So trennst du den Traum vom Träumer, verbindest dich mit dem einen und lässt den andern los. Der Traum ist nichts als eine Illusion im Geist. Und du möchtest dich mit dem Geist vereinen, doch niemals mit dem Traum.”
(EKIW: Kapitel 28, IV. 2. 5.-7.)

“Du teilst keine bösen Träume, wenn du dem Träumer vergibst und wahrnimmst, dass er nicht der Traum ist, den er gemacht hat. Somit kann er kein Teil des deinen sein, von dem ihr beide frei seid. Die Vergebung trennt den Träumer von dem bösen Traum und befreit ihn damit.”
(EKIW: Kapitel 28, V. 3. 1.-3.)

Jesus lehrt uns im Kurs, dass wir nur zwei Gefühle haben: Liebe und Angst. Liebe ist die Wahrheit und Angst ist die Basis des Egos - des Alptraums der Trennung. Die Angst drückt sich im egoischen Zustand in Form der psychischen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit aus. Die vom Enneagramm beschriebenen neun Charakterfixierungen sind Strategien der irdischen Persönlichkeit, des falschen Selbst, mit diesen Ängsten umzugehen. Sie sind die Haupthindernisse auf dem Weg des spirituellen Erwachens, denn sie verhindern Entwicklung. In der Sprache des Kurses sind die Charakterfixierungen Abwehrmechanismen. Jede Charakterfixierung ist eine vermeintlich wirksame Überlebensstrategie und eines der größten Irrtümer des Selbst ist es, davon überzeugt zu sein, dass man ohne sie nicht überleben kann. Ihre Verlockung besteht darin, dass sie uns in Zeiten von Stress und in schwierigen Situationen hilft, diese durchzustehen und zu überwinden. So erscheint es, als hätten die Charakterfixierungen ihre positiven und negativen Pole. Aber das ist ein zentraler Irrtum, das ist Teil der Dualität des Egos, denn selbst im "positiven" Pol existiert die Angst, also eine vom falschen Selbst ausgehende Fehleinschätzung. Das bestätigt die Unzulänglichkeit dieser Strategien. Der "positive" Pol ist hier also nicht wirklich positiv, sondern nur eine Variante, die sich weniger unangenehm anfühlt. Solange wir nicht bereit sind, diesen scheinbar "positiven" Pol zu verlassen, ist Erlösung unmöglich. Um die Charakterfixierung vollständig zu überwinden, bedarf es ihrer Transformation, ihrer Transzendenz.

“Es ist wesentlich, einzusehen, dass alle Abwehrmechanismen das bewirken, was sie abwehren sollen.”
(EKIW: Kapitel 17, IV. 7. 1.)

“Es ist vielleicht nicht einfach, wahrzunehmen, dass von dir selber aufgestellte Pläne nur Abwehrmechanismen sind mit dem Zweck, den zu erfüllen sie allesamt gemacht sind. Sie sind das Mittel, wodurch ein angsterfüllter Geist seinen eigenen Schutz übernehmen will, auf Kosten der Wahrheit.”
(EKIW: Lektion 135, 14. 1.)

“Abwehrmechanismen sind der kostspieligste von allen Preisen, die das Ego fordert. In ihnen liegt Verrücktheit in einer derart finsteren Form, dass Hoffnung auf geistige Gesundheit bloß wie ein nichtiger Traum erscheint, jenseits des Möglichen.”
(EKIW: Lektion 153, 4. 1.-2.)

“Deine Abwehrmechanismen werden nicht funktionieren, aber du bist nicht in Gefahr. Du brauchst sie nicht. Begreife dies, und sie werden verschwinden. Und erst dann wirst du deinen wirklichen Schutz akzeptieren.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER 16. 6. 11.-14.)

Zentrales Streben der neun Enneagramm-Typen

Aus Sicht des Enneagramms wird auf die drei zentralen egoischen Mangelerfahrungen (unbefriedigte Bedürfnisse nach Selbstbestimmung (Autonomie), Anerkennung (Liebe) und Sicherheit) mit wiederum drei unterschiedlichen egoischen Strategien reagiert und somit ergeben sich die neun (3x3) Typen des Enneagramms:

Der Versuch sich Selbstbestimmung (Autonomie) zu sichern:

Macht (8): Handeln, Kontrolle und die Durchsetzung des eigenen Willens sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Konsens (9): Verständnis, Ausgleich und Verzicht auf Egoismus sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Prinzipien (1): Regeleinhaltung, Fehlervermeidung und Selbstkontrolle sollen die Selbstbestimmung (Autonomie) bewahren.

Der Versuch sich Anerkennung (Liebe) zu sichern:

Beziehungen (2): Geben, Helfen und andere beraten sollen Anerkennung (Liebe) bringen.

Wettbewerb (3): Leistung und Erfolg im Wettbewerb sollen für Anerkennung (Liebe) sorgen.

Gefühle (4): Das Streben nach Authentizität und ein unverwechselbarer Stil sollen Anerkennung (Liebe) verschaffen.

Der Versuch sich Sicherheit zu sichern:

Gedanken (5): Beobachten, Denken und Abstand halten sollen Sicherheit geben.

Probleme (6): Probleme, Risiken, Gefahren aufspüren und bewältigen sollen für Sicherheit sorgen.

Genuss (7): Optimismus, positives Denken und Wahlmöglichkeiten sollen Sicherheit geben.

Diese Strategien des Egos sind zum Scheitern verurteilt, weil Scheitern das einzige Ziel des Egos ist. Das Ego versucht immer, den grundlegenden Konflikt aufrechtzuerhalten, der eine Folge seines Glaubens an Trennung ist. Es ist sehr raffiniert im Ersinnen von Wegen, die den Konflikt zu vermindern scheinen, weil es nicht will, dass wir den Konflikt derart unerträglich finden, dass wir darauf bestehen, ihn aufzugeben. Das Ego versucht daher, uns davon zu überzeugen, dass es uns vom Konflikt befreien kann, damit wir nicht das Ego aufgeben und uns selbst befreien. Aber das Ego betreibt nur Konfliktmanagement, um den Konflikt auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, um ihn zu behalten. Wahre Autonomie, Liebe und Sicherheit sind auf der Ebene der Person nicht zu finden. Unsere wahre Autonomie, Liebe und Sicherheit beruhen auf und ruhen in GOTT, ewig unveränderlich, jenseits von Zeit und Raum.

Selbstbild der neun Enneagramm-Typen:

1: “Ich habe recht.”
2: "Ich helfe.”
3: “Ich habe Erfolg.”
4: "Ich bin anders.”
5: “Ich blicke durch.”
6: "Ich tue meine Pflicht.”
7: “Ich bin glücklich.”
8: "Ich bin stark.”
9: “Ich bin zufrieden.”

Botschaft des “Super-Egos”:

1: “Du bist in Ordnung, wenn du das Richtige tust.”
2: “Du bist in Ordnung, wenn du anderen nahe stehst und von diesen geliebt wirst.”
3: “Du bist in Ordnung, wenn du erfolgreich bist und geachtet wirst.”
4: “Du bist in Ordnung, wenn du zu dir stehst.”
5: “Du bist in Ordnung, wenn du etwas Großes leistest.”
6: “Du bist in Ordnung, wenn du tust, was von dir erwartet wird.”
7: “Du bist in Ordnung, wenn du bekommst, was du willst.”
8: “Du bist in Ordnung, wenn du stark bist und jede Situation im Griff hast.”
9: “Du bist in Ordnung, wenn die Menschen um dich herum in Ordnung sind.”

Das Enneagramm beschreibt wunderbar den Schwerpunkt unserer Verblendung, aber letztlich ist es egal, wo unser Schwerpunkt liegt, denn es bedarf der vollständigen Erlösung vom Denksystem des Egos. Obwohl es nützlich ist, den eigenen Enneagramm-Typ zu kennen und erforscht zu haben, ist das nicht das grundlegende Anliegen, wenn wir das Enneagramm im spirituellen Sinne verwenden. Die neun Verblendungen sind Prinzipien, die allen egoischen Strukturen innewohnen; sie bilden die Basis der Gesamtheit des Ego-Denksystems. Je tiefer wir durchschauen, was unser Erleben bestimmt, desto besser können wir die universalen Prinzipien und die Barrieren, die ihre Realisation verhindern, in ihrer Gesamtheit erkennen. An diesem Punkt verliert der eigene Enneagramm-Typ an Bedeutung, die heiligen Ideen, denen der Transformationsprozess unterliegt, werden schließlich erkannt und die neun Facetten der Einheit leuchten im makellosen Geist.

Die Heiligen Ideen

1: Heilige Vollkommenheit
2: Heiliger Wille, Heilige Freiheit
3: Heilige Harmonie, Heiliges Gesetz, Heilige Hoffnung
4: Heiliger Ursprung
5: Heiliges Allwissen, Heilige Transparenz
6: Heilige Kraft, Heiliger Glaube
7: Heilige Weisheit, Heilige Arbeit, Heiliger Plan
8: Heilige Wahrheit
9: Heilige Liebe

Wenn du mehr über das Enneagramm wissen möchtest, findest du hier die Zusammenfassung des Buches Facetten der Einheit von A.H. Almaas. Almaas verwendet das Ennegramm am Weg des spirituellen Erwachens. Das folgende Skript ist eine persönliche Zusammenfassung dieses Buches und wurde von mir mit Hinweisen auf EKIW ergänzt. Almaas beschreibt den Prozess des spirituellen Erwachens sehr genau: FacettenDerEinheit_Zusammenfassung.pdf

Humor

Bild

* * *

“Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Um sie kreist in einer Entfernung von ungefähr achtundneunzig Millionen Meilen ein absolut unbedeutender, kleiner blaugrüner Planet, dessen vom Affen stammende Bioformen so erstaunlich primitiv sind, daß sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten.

Dieser Planet hat - oder besser gesagt, hatte - ein Problem: die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.

Und so blieb das Problem bestehen. Vielen Leuten ging es schlecht, den meisten sogar miserabel, selbst denen mit Digitaluhren. Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen.

Und eines Donnerstags dann, fast zweitausend Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle, wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären, kam ein Mädchen, das ganz allein in einem kleinen Cafe in Rickmansworth saß, plötzlich auf den Trichter, was die ganze Zeit so schiefgelaufen war, und sie wußte endlich, wie die Welt gut und glücklich werden könnte. Diesmal hatte sie sich nicht getäuscht, es würde funktionieren, und niemand würde dafür an irgendwas genagelt werden.”
(Per Anhalter durch die Galaxis - Douglas Adams)

* * *

Alle großen Meister, die die Wahrheit erkannt haben, hatten für die Welt der Illusionen letztlich nur ein Lächeln oder ein Lachen übrig.

Nicht, weil sie das Leid der Menschen belächelt hätten. Nicht, weil ihnen Schmerz und Verzweiflung gleichgültig gewesen wären. Sondern weil sie hinter all dem etwas anderes erkannten: die Absurdität eines Geistes, der sich selbst für getrennt hält und seine eigene Illusion für die Wirklichkeit.

“Niemand, der schläft und in der Welt träumt, erinnert sich an seinen Angriff auf sich selbst. Niemand glaubt, es habe wirklich eine Zeit gegeben, als er nichts von einem Körper wusste und sich die Welt niemals als wirklich hätte vorstellen können. Er hätte gleich gesehen, dass diese Ideen eine Illusion sind, zu lächerlich für irgend etwas anderes, als durch Lachen verscheucht zu werden. Wie ernst scheinen sie jetzt zu sein! Und niemand kann sich mehr erinnern, wann ihnen mit Lachen und Unglauben begegnet worden wäre. Wir können uns daran erinnern, wenn wir nur ihre Ursache direkt anschauen. Und wir werden Gründe zum Lachen sehen und keine Ursache zur Angst.”
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 5. 4.-10.)

Der Kurs fordert uns damit nicht dazu auf, die Welt oder das Leid anderer Menschen lächerlich zu machen. Das Lachen richtet sich nicht gegen einen Menschen, sondern gegen die Irrtümer des Ego-Geistes – gegen die scheinbar so ernsthaften Vorstellungen, die uns glauben lassen, wir seien von GOTT, voneinander und von unserer eigenen Wahrheit getrennt.

“ER heißt dich, jede fürchterliche Wirkung IHM zu überbringen, damit IHR gemeinsam auf ihre törichte Ursache schauen und du eine Weile mit IHM lachen mögest.”
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 9. 3.)

Dieses Lachen hat etwas Befreiendes. Es nimmt der Angst ihre scheinbare Macht. Was uns eben noch vollkommen ernst und bedrohlich erschien, kann plötzlich aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Wir erkennen: Wir haben einer Illusion eine Wirklichkeit gegeben, die sie niemals hatte.

“Das, woran du dich erinnerst, ist nie gewesen. Es kam aus Ursachlosigkeit, die du mit Ursache verwechseltest. Es kann nichts anderes verdienen als Lachen, wenn du lernst, dass du dich an Folgen erinnert hast, die ursachlos gewesen sind und niemals Wirkungen sein konnten.”
(EKIW: Kapitel 28, I. 9. 1.-3.)

Auch an anderer Stelle verwendet Jesus dieses Bild:

“Du aber bist nicht in Gefahr. Du kannst lachen, wenn ein Kopf vor dir emporschnellt und ein Spielzeug quiekt, wie es das Kind tut, das gelernt hat, dass es davon nicht bedroht wird.”
(EKIW: Kapitel 30, IV. 3. 5.-6.)

Das ist ein gutes Bild für das, was beim Erwachen geschieht. Ein Kind erschrickt zunächst vor einem Spielzeug, das plötzlich Geräusche macht. Es hält die vermeintliche Bedrohung für real. Doch sobald es erkennt, dass keine Gefahr besteht, kann es darüber lachen. Die Situation hat sich nicht verändert. Verändert hat sich seine Wahrnehmung.

Und manchmal braucht es dafür nicht einmal mehr als ein leises Lächeln.

“Nur eine kleine Staubwand steht noch zwischen dir und deinem Bruder. Hauche sie leicht an mit einem frohen Lachen, und sie fällt weg. Und gehe in den Garten ein, den die Liebe für euch beide vorbereitet hat.”
(EKIW: Kapitel 18, VIII. 13. 6.-8.)

Das Lachen ist hier kein Spott, sondern eine Form von Leichtigkeit. Es entsteht aus der Erkenntnis, dass wir etwas für unüberwindbar gehalten haben, das in Wahrheit niemals die Macht besaß, uns voneinander zu trennen.

“In Leichtigkeit und Lachen ist die Sünde vergangen, weil ihre wunderliche Absurdität gesehen wird.”
(EKIW: Lektion 156, 6. 4.)

Humor ist ein Gegengewicht zum Ego.

Auch unser ganz gewöhnlicher menschlicher Humor erfüllt – trotz seiner manchmal groben und wenig liebevollen Formen – eine wichtige Funktion. Er kann Anspannung lösen, emotionalen Druck abbauen und verhindern, dass wir uns als Person allzu wichtig nehmen.

Humor kann so zu einer Art Sicherheitsventil werden. Er verhindert, dass sich der Druck immer weiter aufbaut, den eine dauernde und übermäßig ernste Beschäftigung mit uns als Person erzeugen kann.

Sich als Person nicht ganz so wichtig zu nehmen bedeutet nicht, sich selbst abzuwerten. Im Gegenteil: Es kann eine Form von Freiheit sein. Denn solange wir unser persönliches Drama für vollkommen ernst und endgültig halten, sind wir darin gefangen.

Das Ego nimmt sich selbst ausgesprochen ernst. Es lebt von Bewertungen, Vergleichen, Kränkungen und der Überzeugung, etwas verteidigen oder beweisen zu müssen. Ein herzhaftes Lachen kann diesen Mechanismus für einen Moment unterbrechen. Das bedeutet, dass wir über die Illusion lachen und nicht über unsere Wirklichkeit - als SELBST.

Auch hier ist eine Unterscheidung wichtig.

Worüber lachen wir?

Geistiger Humor bedeutet niemals, über das Unglück, die Schwäche oder die Verirrung eines anderen Menschen zu lachen. Wer über einen Menschen lacht, weil dieser scheitert, leidet oder sich irrt, macht ihn zum Objekt und erhöht sich selbst über ihn.

Das ist kein befreiendes Lachen. Es entspringt vielmehr demselben Ego-Denken, das den Anderen überhaupt erst zum “Anderen“ gemacht hat. Nur ein mit dem Ego identifizierter Geist lacht über die Missgeschicke anderer, weil er sich seines eigenen Wertes nicht bewusst ist und diesen Mangel nach außen projiziert.

Auch wenn wir über unser Scheitern als Person lachen, obwohl wir uns noch vollständig mit der Person identifizieren, ist es entmutigend.

“Wenn du über jemanden lachst, dann deshalb, weil du ihn als unwürdig beurteilt hast. Wenn du über dich selbst lachst, dann musst du auch über andere lachen, und sei es nur, weil du den Gedanken nicht ertragen kannst, unwürdiger zu sein als sie. Das alles macht, dass du dich müde fühlst, weil es im Wesentlichen entmutigend ist.”
(EKIW: Kapitel 3, VI. 5. 2.-4.)

Es gibt also einen entscheidenden Unterschied zwischen Auslachen und Erkennen.

Und nie verhöhnt geistiger Humor die Herrlichkeit des Göttlichen. Geistiger Humor umfasst drei allgemeine Ebenen der Wertschätzung:

Rückblickender Spaß. Geistreiche Einfälle, gespiesen aus der Erinnerung an unsere in vergangenen Episoden gemachten Erfahrungen von Kampf und Ringen, manchmal von Bangigkeit und oft von alberner und kindischer Angst.

Gängiger Humor. Die Sinnlosigkeit von vielem, was uns so oft ernsthafte Sorgen bereitet, die Freude zu entdecken, wie unwichtig vieles ist, was uns persönlich so sehr ängstigt.

Prophetische Freude. Freude ist eine typische Eigenschaft der Lehrer GOTTES. Lehrer GOTTES ziehen eine ganz besondere Befriedigung aus der Gewissheit, dass alle Dinge miteinander auf das Gute hinwirken. Dieser Aspekt himmlischen Humors wächst aus dem Vertrauen in die Fürsorge des HEILIGEN GEISTES.

“Alle Dinge dienen dem Besten.
Es gibt keine Ausnahmen, außer im Urteil des Ego.”
(EKIW: Kapitel 4, V. 1. 1.-2.)

Die geistige Freude eines Lehrer GOTTES entspringt der Gewissheit, dass er geliebt wird und sicher ist. Sie ist ein Lied des Dankes, das Ergebnis eines berichtigten Geistes. Es ist eine Freude, die aus seinem tiefsten Inneren kommt. Es zeigt im Grunde eine falsche Sicht der Dinge, wenn wir sagen: "Das und das macht mir Freude." Dann sieht es nämlich so aus, als entspringe die Freude dem, was wir tun, und das stimmt nicht. Die Freude entspringt nicht dem, was wir tun, sondern sie fließt ein in das, was wir tun, und dadurch fließt sie aus unserem tiefsten Inneren in die Welt. Der Trugschluss, dass Freude von dem abhängt, was wir tun, ist weit verbreitet, aber gefährlich, weil er uns glauben lässt, dass unsere Freude von etwas anderem, etwas außerhalb von uns selbst kommen kann. Das ist eine Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Im radikalen Lachen - als Folge unserer Verbindung mit dem wahren SELBST - ereignet sich die unmittelbare Gegenwart im heiligen Augenblick, das völlige lustvolle Da-Sein. Es ist nicht nur ein Akzeptieren des Jetzt, sondern mehr - es ist vergnügte Existenz. Lachen ohne einen weltlichen Grund ist mit dem Verstand nicht nachvollziehbar - aber erfahrbar.

Daher erkennen wir auch am befreiten Lachen einen wahrhaftigen Lehrer GOTTES. Der berühmte Yogananda war ein Meister des göttlichen Humors und viele seiner Schüler wurden von seiner strahlenden Freude, seiner unbeschwerten Fröhlichkeit und seinem tiefgründigen Witz tief berührt. Auch Mooji ist ein wunderbares Beispiel für befreites Lachen und tiefgründigen Humor:

LET GO! - Mooji tells a joke

Mooji - „I Can't Find My Mind!“

Geduld

Geduld ist eine der typischen Eigenschaften der Lehrer GOTTES. Geduld ist natürlich für die, die vertrauen. Vertrauen ist das Fundament aller Eigenschaften eines Lehrers GOTTES. Nur die, die vertrauen, können sich Ehrlichkeit leisten, denn nur sie können ihren wahren Wert sehen.

Wenn uns Ein Kurs in Wundern begegnet und wir uns wahrhaftig von ihm angesprochen fühlen, dann tauchen wir in eine Phase der Euphorie ein und wir werden den Kurs mit großer Begeisterung durcharbeiten. Diese erste Begeisterung, wenn wir den Kurs für uns entdecken, können wir als Flitterwochen mit dem Kurs bezeichnen. Diese Phase der Begeisterung ist wichtig, denn wir werden diesen Schwung brauchen, wenn es schwierig wird. Jesus beschreibt sechs Phasen der Entwicklung von Vertrauen, von denen vier in der Regel als sehr herausfordernd erlebt werden.

In den Flitterwochen mit dem Kurs haben wir normalerweise den Wunsch, unsere neuen Erkenntnisse sofort mit der Welt zu teilen. Wir werden vielleicht eine Kursgruppe organisieren, oder ein Buch über den Kurs schreiben, oder eine Webseite über den Kurs gestalten, oder als Kurs Lehrer in Erscheinung treten. In dieser Phase sind wir sehr empfänglich für die Stimme des Egos. Wenn wir nun unser Selbstkonzept um die Idee, den Kurs verstanden zu haben, erweitert haben und versuchen eine „spirituelle“ Karriere zu machen, sind wir dem Ego wieder einmal auf den Leim gegangen. Der Kurs kann nicht wirklich verstanden werden, denn er verweist auf eine Erfahrung - die Erfahrung reiner Freude.

Wenn unser Verlangen nach der Wahrheit groß genug ist, wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir uns dessen bewusst werden. Wir werden erkennen, dass wir noch nicht so weit gekommen sind, wie wir dachten. Wir werden erkennen, dass wir noch nicht im Jetzt und im Frieden GOTTES ruhen, und dass es noch viele Angriffsgedanken in unserem Geist gibt, die wir noch nicht ehrlich betrachtet haben. Wir werden uns ehrlich eingestehen, dass wir noch nicht in jedem Menschen den einen CHRISTUS sehen, ob wir ihn nun persönlich kennen oder nicht. Wir werden erkennen, dass die Welt, die wir wahrnehmen, noch nicht nur in LIEBE leuchtet, völlig unberührt von Schuld. Wir werden uns eingestehen, dass wir noch nicht nur von heiliger Freude und Glückseligkeit erfüllt sind.

Nun braucht es Geduld.

Es ist ganz natürlich, dass wir zuerst die Wahrheit nur aussprechen, dann viele Male wiederholen, um sie als nächstes mit vielen Vorbehalten nur zum Teil als wahr zu akzeptieren. Dann aber werden wir sie immer ernstlicher erwägen und schließlich als die Wahrheit annehmen.

“Jetzt musst du lernen, dass nur unendliche Geduld sofortige Wirkungen zeitigt. Auf diese Weise wird die Zeit gegen die Ewigkeit ausgetauscht. Unendliche Geduld appelliert an die unendliche Liebe, und dadurch, dass sie jetzt Ergebnisse hervorbringt, macht sie die Zeit unnötig.”
(EKIW: Kapitel 5, VI. 12. 1.-3.)

Unendliche Geduld

Der Hinweis von Jesus auf unendliche Geduld und dem Ende der Zeit ist extrem wichtig, wird aber häufig übersehen, weil der Ego-Geist es nicht verstehen kann.

Solange wir nach weltlichen Dingen streben, sind wir frustriert. Und wir sind zwangsläufig frustriert – es spielt keine Rolle, ob unser Streben erfüllt wird oder nicht. Wenn es nicht erfüllt wird, sind wir selbstverständlich frustriert. Aber selbst wenn es erfüllt wird, sind wir frustriert, denn wenn immer ein Streben nach etwas erfüllt ist, ist zwar das Streben erfüllt, aber die Hoffnung, die Verheißung bleibt unerfüllt. Der Lehrplan des Egos ist eine unmögliche Lernsituation und das ist frustrierend.

“Es gibt für einen Schüler nichts Entmutigenderes als einen Lehrplan, dem er nicht folgen kann. Sein Gefühl der Zulänglichkeit leidet darunter, und er muss sich deprimiert fühlen. Mit einer unmöglichen Lernsituation konfrontiert zu sein, ist die deprimierendste Sache der Welt. Das ist in der Tat letztendlich der Grund dafür, weshalb die Welt selbst deprimierend ist. Der Lehrplan des HEILIGEN GEISTES ist niemals deprimierend, weil es ein Lehrplan der Freude ist. Jedes Mal, wenn Depression die Reaktion auf Lernen ist, liegt das daran, dass das wahre Lernziel aus den Augen verloren wurde.”
(EKIW: Kapitel 8, VII. 8.)

Da wir uns in der Ego-Identifikation für einen unabhängig Handelnden halten, besteht die egoische Reaktion im Handeln, in den inneren und äußeren Aktivitäten des Ego. Diese Aktivitäten sind aufgeregt, verzweifelt, reaktiv und auch defensiv, da sie die Hilflosigkeit und die Gefühle von Unzulänglichkeit, Unbeholfenheit und Versagen, die aus der Ego-Identifikation resultieren, überdecken sollen. Diese reaktiven und aufgeregten Aktivitäten kann man am besten als "Streben" bezeichnen. Dieses Streben manifestiert sich als das Bemühen, die Dinge anzuschieben, als ständiges, besessenes und zwanghaftes Bedürfnis aktiv zu sein und etwas zu tun, zu erreichen und erfolgreich zu sein.

Dieses ständige Streben führt letztendlich zu tiefer Frustration. Wenn diese Frustration kommt, beginnt man nach etwas zu suchen, das mit dieser Welt absolut nichts mehr zu tun hat. Das religiöse Sehnen hat eingesetzt, eine Sehnsucht nach Spiritualität … und wieder geht das Streben los. Man wird ungeduldig, man will unbedingt dieses und jenes erreichen. Die Einstellung hat sich nicht geändert. Der Gegenstand des Strebens ist ein anderer: War es Reichtum, so ist es jetzt Meditation; waren es Macht und Ansehen, so ist es jetzt Stille und Frieden. Vorher war es das eine, jetzt ist es etwas anderes. Aber die Einstellung, die Mechanik, die ganze Art und Weise, wie unser Dasein funktioniert, ist dieselbe. Einst hatte es uns nach A verlangt, jetzt verlangt es uns nach B - aber das Streben ist geblieben.

Und wenn wir nach etwas streben, muss zwangsläufig Ungeduld da sein, weil der Ego-Geist einfach nicht warten will, der Ego-Geist will nichts aufschieben. Er ist ungeduldig, und Ungeduld ist der Schatten des Strebens. Je intensiver das Streben, desto mehr Ungeduld ist da. Und Ungeduld löst Störungen aus … wo soll da unsere Meditation herkommen? Unser Streben setzt unseren Verstand in Gang, und dann erzeugt unser Streben Ungeduld, und die Ungeduld stürzt uns in noch größeres Durcheinander.

So kommt es vor, dass jemand, der ein sehr weltliches Leben geführt hatte, normalerweise nicht so verstört war. Wenn er anfängt zu meditieren oder nach der religiösen Dimension zu suchen, wird er völlig verstört – mehr denn je. Der Grund ist, dass er jetzt sogar noch stärkere Sehnsucht, noch mehr Ungeduld hat. Und als er noch hinter den weltlichen Dingen her war, da war alles so real und objektiv, dass er abwarten konnte: Sie waren immer in Reichweite. Jetzt, im spirituellen Bereich, ist alles so ungreifbar, so weit entfernt – nie scheinen die Dinge in Reichweite zu kommen. Das Leben scheint sehr kurz zu sein, und jetzt ist der Gegenstand des Strebens in unendlich weite Ferne gerückt – das steigert die Ungeduld. Folglich nimmt die Verstörung zu … Und wie können wir geistig verstört meditieren?

Dies ist also ein Rätsel. Versuchen wir zu verstehen. Wenn wir wirklich frustriert sind und wenn wir zu dem Gefühl vorgestoßen seid, dass alles Äußere nutzlos ist – dass Geld oder Sex oder Macht oder Ansehen einfach nutzlos sind, wenn wir zu dieser Erkenntnis gekommen sind, dann ist noch eine tiefere Erkenntnis nötig. Wenn schon diese Dinge nutzlos sind, dann ist das Streben erst recht nutzlos: Wir verzehren und verzehren uns, und nichts geschieht – und nur unser Streben führt zu all diesem Unglück. Im HIMMEL gibt es kein Streben. Schauen wir der Tatsache ins Auge, dass Streben zu Unglück führt. Wenn wir nach gar nichts streben, ist kein Unglück da. Lassen wir also das Streben! Erzeugen wir kein spirituelles Streben. Sagen wir nicht: “Von jetzt an suche ich Gott. Jetzt werde ich dies und das finden. Jetzt werde ich die Wahrheit erkennen.” Lassen wir gar kein neues Streben aufkommen. Wenn wir es aufkommen lassen, zeigt das, dass wir unser Unglück nicht verstanden haben. Schauen wir uns das Unglück an, das aus dem Streben kommt. Fühlen wir, dass Streben Unglück bedeutet - und lassen es sein. Es bedarf keiner Anstrengung, es sein zu lassen. Merken wir uns: Wenn es uns Anstrengung kostet, wird damit nur neues Streben erzeugt. Wir brauchen einfach nur irgendein neues Streben, für das wir vom alten ablassen können. Wenn sich ein anderes Streben zeigt, können wir uns daran festhalten. Wir können uns ans neue Streben klammern und dafür vom alten ablassen. Vom alten zu lassen ist leicht, wenn dafür irgendein neues in Aussicht steht … Aber damit gehen wir völlig am Wesentlichen vorbei. Lassen wir einfach das Streben sein, denn es bedeutet Unglück, und lassen wir kein neues Streben aufkommen.

Vertrauen in die Fürsorge des HEILIGEN GEISTES bedeutet zu erkennen, dass alle Dinge dem Besten dienen, dass SEIN Wirken eine inhärente Intelligenz besitzt, die ihm eine Schubkraft verleiht, die zum Besten hinwirkt. Mit anderen Worten: Dieser dynamische Fluss und diese Kreativität sind nicht beliebig, ziellos und zufällig, sondern sie sind eine Harmonie, die eine innere Intelligenz offenbart. In der Sicht eines Menschen auf dem spirituellen Weg besteht die Wahrnehmung, dass sich der schöpferische Fluss als optimierende Schubkraft manifestiert, die ihn in die Harmonie bringt. Wenn wir dem Geschehen erlauben, sich zu entfalten, ohne uns einzumischen, sehen wir, dass sich unsere Erfahrung spontan zur Harmonie und zum Gewahrsein der Harmonie entwickelt. Der HEILIGER GEIST bewegt unsere Erfahrung unserer selbst und der Welt zum erleuchteten Zustand, das heißt, zur Wahrnehmung der wirklichen Welt und zum Verweilen in diesem Zustand.

Wenn wir unseren Widerstand gegen das Sosein des Augenblicks aufgeben, dann stellt sich auch keine Ungeduld ein. Dann braucht Meditation in Wirklichkeit nicht praktiziert zu werden, sondern stellt sich einfach von selbst ein - weil Wunschlosigkeit Meditation ist. Dann können wir mit all den Techniken und Methoden am spirituellen Weg spielen. “Praktizieren” ist nicht das richtige Wort, es ist schon vom Wort her verkehrt. Dann können wir mit diesen Techniken spielen und Spaß am Spielen haben, denn dann ist kein Streben dabei, irgendetwas erreichen zu wollen, und auch keine Ungeduld, irgendwo anzukommen. Wir sind hier und jetzt. Wenn sich Meditation einstellt, wunderbar; wenn nicht, ist es immer noch wunderbar. Es ist nichts verkehrt an uns, denn es ist kein Streben da, keine Erwartung, keine Zukunft. Wenn uns Meditation oder Nicht-Meditation einerlei geworden sind, dann ist uns Meditation widerfahren, dann sind wir am Ziel.

In diesem Augenblick des Loslassens, genau in diesem Augenblick, widerfährt uns alles. Anstrengungen erfordern Zeit; Loslassen erfordert keine Zeit. Techniken brauchen Zeit; Loslassen braucht keine Zeit. Wir können das Loslassen nicht üben. Wenn wir es üben, ist es kein Loslassen. Dann verlassen wir uns auf uns selbst, dann sind wir nicht vollkommen hilflos. Dann wollen wir etwas hinkriegen - und sei es auch nur das Loslassen, aber wir wollen es hinkriegen. Dann stellt sich die Frage nach dem Wie, nach der Technik, und mit der Technik kommt die Zeit ins Spiel, kommt die Zukunft ins Spiel. Loslassen ist nicht zeitlich; es geschieht jenseits von Zeit. Wenn wir loslassen, sind wir im selben Moment heraus aus aller Zeit - und alles, was nur geschehen kann, wird geschehen. Aber dann sind wir nicht auf der Suche danach, sind wir nicht begierig darauf. Wir hatten nichts dergleichen im Sinn: Ob es passiert oder nicht, ist uns völlig egal.

Letztlich werden wir am Ende von jeder Technik loslassen müssen. Nur ganz selten kann ein Mensch - einer unter Millionen - sofort loslassen, ohne »wie« zu fragen. Und diese wenigen Menschen trifft es auch nicht von ungefähr: Sie haben sich in ihren früheren Leben derart mit Techniken abgequält, dass sie es satthaben. Wenn wir uns immer wieder gefragt haben: »Aber wie? Wie?«, kommt ein Sättigungspunkt. Und dann schließlich fällt das »Wie?« von uns ab. Dann können wir loslassen.

“... Wenn der Frieden endlich zu denen kommt, die mit der Versuchung ringen und dagegen kämpfen, der Sünde nachzugeben; wenn das Licht schließlich in den Geist kommt, der sich der Kontemplation hingibt; oder wenn das Ziel schließlich von irgend jemandem erreicht wird dann geht es stets mit nur der einen glücklichen Einsicht einher: »Ich brauche nichts zu tun.«
Hier ist die letztlich Befreiung, die ein jeder eines Tages auf seine Weise und zu seiner Zeit finden wird. Du brauchst diese Zeit nicht. Zeit ist für dich eingespart worden, weil du und dein Bruder zusammen seid. Das ist das besondere Mittel, das dieser Kurs anwendet, um dir Zeit zu ersparen. Du wendest den Kurs nicht an, wenn du darauf beharrst, Mittel zu benutzen, die anderen gute Dienste geleistet haben, und das vernachlässigst, was für dich gemacht ward. Spare Zeit für mich nur durch diese eine Vorbereitung, und übe dich darin, nichts anderes zu tun. …”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 5.-.6.)

Hat mein spiritueller Weg eine Wirkung?

Jesus macht im Kurs deutlich, dass wir auf unserem spirituellen Weg Fortschritt und Rückschritt nicht unterscheiden können. So haben wir einige unserer größten Fortschritte als Misserfolge beurteilt und einige unserer größten Rückschritte als Erfolge gewertet. Solange wir uns mit dem Ego identifizieren, können wir – bildlich gesprochen – eine rote Flagge nicht von einer Zielflagge unterscheiden.

Es gibt jedoch einige Anzeichen, an denen wir erkennen können, dass es grundsätzlich Fortschritte gibt und unser Weg Wirkung zeigt.

Das erste ist: Wir nehmen plötzlich eine neue Identität in uns wahr. Wir sind nicht mehr der Gleiche. Wir sind ein anderer Mensch. Wir sind nicht mehr der alte Ehemann, die alte Ehefrau, der alte Ladenbesitzer. Das ist das erste Anzeichen. Wenn du dir also komisch vorkommst, dann wisse, dass etwas mit dir vor sich geht.

Ja - es ist irritierend, wenn deine alten Rollen wegfallen, wenn du zum Beispiel auf einer Familienfeier bist und deine Identifikation mit den alten Rollen als Bruder, Ehemann, Vater, Unternehmensberater - oder was auch immer - einfach nicht mehr da ist und du nicht mehr weißt, wer du bist. Aber genau darum geht es auf dem Weg des spirituellen Erwachens. Vergiss alles über dich und greife nicht nach einer neuen Rolle. Halte das Nicht-Wissen aus - es bringt dich nach Hause.

Wenn du hingegen der Gleiche bleibst und du keine Fremdheit verspürst, dann schlägt der Weg bei dir nicht an. Wenn der Weg hingegen wirkt, dann passiert es: Du siehst die Welt mit anderen Augen. Die Augen sind die gleichen, aber der Sehende dahinter ist anders.

“Wunder sind natürlich. Wenn sie nicht geschehen, ist etwas fehlgegangen.”
(EKIW: Kapitel 1, I. 6.)

Zweitens: Alles, was Spannungen und Konflikte verursacht, beginnt wegzufallen. Nicht, dass nach jahrelanger Übung einer Technik unsere Konflikte, Ängste, Spannungen wegfallen - nein! Wenn der Weg zu uns passt und wir ihn bereitwillig beschreiten, fangen sie augenblicklich an wegzufallen. Wir fühlen eine neue Lebendigkeit; wir fühlen uns erleichtert! Wir fühlen, dass sich die Schwerkraft umgekehrt hat. Jetzt zieht uns die Erde nicht mehr nach unten, sondern der Himmel zieht uns nach oben.

Wie fühlt man sich, wenn ein Flugzeug abhebt? Alles wird durcheinandergebracht. Plötzlich gibt es einen Ruck, und die Schwerkraft wird aufgehoben. Jetzt zieht die Erde uns nicht mehr, wir entfernen uns von der Schwerkraft, wir werden hochgezogen. In der spirituellen Terminologie heißt dies “Gnade”. Es gibt zwei Kräfte: “Gravitation” und “Gnade”. “Gravitation” ist die Anziehungskraft des Egos, das versucht, uns nach unten zu ziehen. “Gnade” heißt, dass wir nach oben gezogen werden - in den HIMMEL.

Drittens: Je näher wir der Wahrheit kommen, desto mehr verschiebt sich unsere Wahrnehmung vom Zeitlichen ins Räumliche. Plötzlich scheint die Welt um uns herum dreidimensionaler und irgendwie plastischer zu sein als zuvor. Das ist eine erstaunliche Veränderung.

Viertens: Was immer wir nun tun, egal, was es ist, wie trivial es auch sein mag - es wird anders sein. Wir werden anders gehen, wir werden anders sitzen, wir werden anders essen. Alles wird anders sein. Diesen Unterschied werden wir überall spüren. Manchmal macht uns diese merkwürdige Erfahrung Angst. Wir möchten wieder zurück und derselbe sein, denn auf das Alte waren wir so gut eingespielt. Es war eine Routinewelt, langweilig zwar, aber wir haben gut funktioniert.

Nun fühlen wir überall einen Abstand. Wir haben das Gefühl, unsere Leistungsfähigkeit verloren zu haben. Wir haben das Gefühl, unsere Brauchbarkeit eingebüßt zu haben. Wir haben das Gefühl, überall ein Außenseiter zu sein. Durch diese Phase muss man hindurch. Wir werden unseren Rhythmus wiederfinden. Wir haben uns verändert, die Welt dagegen nicht, also passen wir nicht mehr hinein. Merk dir also das: Wenn der Weg zu dir passt, passt du nicht mehr in die Welt. Du wirst “unpassend”. Überall klappert es, fehlt eine Schraube. Überall hast du das Gefühl, als hätte ein Erdbeben stattgefunden. Doch alles ist gleich geblieben, und nur du, du bist ein anderer geworden. Aber du wirst dich auf einer anderen Ebene, einer höheren Ebene wieder einstimmen.

Wenn also unser spiritueller Weg wirkt, werden sich diese Dinge zeigen. Meistens erwarten wir jedoch, dass wir sofort ruhiger und stiller werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Wir werden zuerst verwirrter. Die Stille kommt später. Und wenn wir gleich still werden, statt aufgewühlt zu werden, dann gilt es uns einzugestehen, dass das nicht die Wirkung des spirituellen Weges ist: Wir haben ihn einfach in unsere alte Routine integriert und es hat sich nichts wirklich geändert.

Ein wahrhaftiger spiritueller Weg verhilft uns nicht zur Anpassung, er verhilft uns zur Transformation. Die Stille wird auch kommen, aber nicht als eine Form der Anpassung. Die Stille kommt als ein inneres Aufblühen. Solche Stille ist keine Anpassung an die Gesellschaft, an die Familie, an die Welt, an das Geschäft … nein! Diese Stille ist wahr, sie ist im Einklang mit dem SEIN und nicht mit der Gesellschaft, der Familie usw. Dann blüht zwischen uns und der Totalität eine tiefe Harmonie auf. Dann ist Stille da. Aber das kommt später. Erst werden wir aufgestört, erst werden wir verrückt: Denn wir sind verrückt - auch wenn es uns im menschlichen “Normalzustand” nicht bewusst ist.

Wenn ein Weg wirkt, macht er uns alles bewusst, was wir als Person sind. Unsere Anarchie, unseren Groll, unser Denken, unseren Wahnsinn, alles kommt ans Licht. Als Person sind wir nur ein dunkler Wirrwarr. Wirkt der Weg, wird alles plötzlich Licht, und das ganze Durcheinander wird deutlich. Zum ersten Mal werden wir uns begegnen, so wie wir als Individuum sind. Wir möchten lieber das Licht ausschalten und uns wieder ins Bett legen. Es ist zum Fürchten! Das ist der Punkt, wo Jesus gebraucht wird. Er sagt: “Hab keine Angst. Das ist nur am Anfang so. Fürchte dich nicht, vertraue!”

Laufen wir also nicht weg! Zuerst zeigt uns dieses Licht, was wir als Person sind - was wir zu sein scheinen - und wenn wir immer weitergehen, verwandelt es uns zu dem, was wir sein können. Das, was wir sein können, ist das, was wir in Wahrheit sind und immer waren.

Was bedeutet der spirituelle Weg für das Ego?

Es muss uns klar sein, dass das Ziel des spirituellen Weges das Ende des Egos ist. Für das Ego bedeutet das den Tod. Es ist das Ende jener Vorstellung, die wir von uns selbst haben: das Ende der Person, mit der wir uns identifizieren, und letztendlich das Ende des Glaubens, ein getrenntes Individuum zu sein.

Kein Wunder also, dass Ein Kurs in Wundern die Angst vor GOTT als das letzte Hindernis vor dem Frieden bezeichnet. Denn was wir als unser persönliches Selbst betrachten, erlebt die Rückkehr zu GOTT als Bedrohung seiner Existenz.

Wenn wir glauben, den spirituellen Frieden bereits gefunden zu haben, ohne jemals dieser tiefsten Angst begegnet zu sein, sollten wir zumindest bereit sein, unsere Überzeugung zu hinterfragen. Wenn auf unserem Weg immer alles harmonisch war, wenn es stets nur Friede, Freude, Eierkuchen gab und wir niemals ernsthaft infrage gestellt haben, wer wir zu sein glauben, könnte es sein, dass wir unseren spirituellen Weg unbemerkt den Bedürfnissen unseres Egos angepasst haben.

Wer sich hingegen ernsthaft auf den Weg macht, wird auf Widerstände, Zweifel und Dunkelheit stoßen. Alte Überzeugungen geraten ins Wanken, vertraute Sicherheiten verlieren ihren Halt, und plötzlich scheint nichts mehr so selbstverständlich zu sein wie zuvor. Nicht umsonst sprachen christliche Mystiker von der “dunklen Nacht der Seele“.

Natürlich sind Widerstände allein noch kein Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber ihre Abwesenheit ist ebenso wenig ein Beweis dafür, dass wir unser Ziel bereits erreicht haben. Entscheidend ist, ob wir bereit sind, auch das infrage zu stellen, woran wir uns bisher festgehalten haben – einschließlich unserer spirituellen Überzeugungen und unseres Bildes von uns selbst.

Denn das Ego ist durchaus in der Lage, selbst den spirituellen Weg für seine Zwecke zu vereinnahmen. Es macht aus der Suche nach Befreiung ein neues Projekt zur Selbstoptimierung, aus rein intellektuellem Verständnis einen persönlichen Erfolg und aus “Spiritualität” eine weitere Möglichkeit, sich als etwas Besonderes zu erleben.

Und dann sitzen wir erst richtig in der Scheiße – ohne es überhaupt zu bemerken.

Die typischen Eigenschaften der Lehrer GOTTES

Ein Lehrer GOTTES ist jeder, der sich entscheidet, einer zu sein. Sie kommen von überall her auf der Welt. Sie kommen von allen Religionen und von keiner Religion. Sie sind diejenigen, die auf SEINEN RUF geantwortet haben. Ihre Funktion ist es, Zeit einzusparen. Es ist denn auch die Zeit allein, die erschöpft dahin läuft, und die Welt ist jetzt sehr müde. Sie ist alt und verschlissen und ohne Hoffnung. Doch hat die Zeit ein Ende, und die Lehrer GOTTES sind dazu bestimmt, dieses herbeizuführen.

EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, EINLEITUNG, 2.:
“Lehren ist Aufzeigen. Es gibt nur zwei Denksysteme, und du zeigst die ganze Zeit hindurch auf, dass du glaubst, dass das eine oder das andere wahr ist. Von dem, was du aufzeigst, lernen andere – und du ebenso. Die Frage ist nicht, ob du lehren willst, denn diesbezüglich gibt es keine Wahl. Man könnte sagen, dass der Zweck des Kurses darin besteht, dir ein Mittel an die Hand zu geben, das zu wählen, was du lehren möchtest, auf der Basis dessen, was du lernen möchtest. Du kannst niemand anderem etwas geben, sondern nur dir selbst, und das lernst du durch Lehren. Lehren ist nur ein Ruf an Zeugen, das zu bezeugen, was du glaubst. Es ist eine Methode der Bekehrung. Das geschieht nicht allein durch Worte. Jede Situation muss für dich eine Chance sein, andere zu lehren, was du bist und was sie für dich sind. Nicht mehr als das, aber auch niemals weniger.”

Der Beginn als Lehrer GOTTES:

“Doch erinnert ER dich an noch etwas anderes, was du vergessen hattest. Denn SEINE Berührung hat dich IHM gleichgemacht. Die Gaben, die du hast, sind nicht für dich allein. Was ER gekommen ist dir anzubieten, musst du jetzt geben lernen. Dies ist die Lektion, die SEIN Geben birgt, denn ER hat dich aus der Einsamkeit erlöst, die du dir zu machen suchtest, um dich vor GOTT zu verstecken. ER hat dich an alle Gaben, die GOTT dir gab, erinnert. ER spricht auch davon, was dein Wille sein wird, wenn du diese Gaben annimmst und siehst, dass sie die deinen sind.

Die Gaben sind dein, deiner Sorge anvertraut, auf dass du sie all denen gibst, die den einsamen Weg wählten, dem du entronnen bist. Sie verstehen nicht, dass sie nur ihren Wünschen folgen. Jetzt bist du es, der sie lehrt. Denn du hast von CHRISTUS gelernt, dass es einen anderen Weg gibt, den sie gehen können. Lehre sie, indem du ihnen das Glück zeigst, das zu denen kommt, die die Berührung CHRISTI spüren und die Gaben GOTTES wiedererkennen. Lass Kummer dich nicht in Versuchung führen, dem, was dir anvertraut wurde, untreu zu werden.

Deine Seufzer werden jetzt ein Verrat sein an den Hoffnungen derer, die sich für ihre Befreiung an dich wenden. Deine Tränen sind die ihren. Wenn du krank bist, hältst du nur ihre Heilung zurück. Was du fürchtest, lehrt sie nur, dass ihre Ängste gerechtfertigt sind. Deine Hand wird zum Geber der Berührung CHRISTI, dein Geisteswandel zum Beweis, dass, wer die Gaben GOTTES annimmt, nie unter irgendetwas leiden kann. Die Welt von Schmerz zu befreien ist dir anvertraut.

Verrate sie nicht. Werde zum lebendigen Beweis dessen, was die Berührung CHRISTI allen anbieten kann. GOTT hat dir alle SEINE Gaben anvertraut. In deinem Glück bezeuge, wie sehr der Geist verwandelt wird, der sich entscheidet, SEINE Gaben anzunehmen und die Berührung CHRISTI zu verspüren. Dies ist jetzt dein Auftrag. Denn GOTT vertraut das Geben SEINER Gaben allen an, die sie empfangen haben. ER hat SEINE Freude mit dir geteilt. Und jetzt gehst du hin, sie mit der Welt zu teilen.”
(EKIW: Lektion 166, 12 - 15)
Rhythms del Mundo - “Vom Selben Stern”

Eine Zusammenfassung der typischen Eigenschaften der fortgeschrittenen Lehrer GOTTES:

I. Vertrauen
Das ist das Fundament, auf dem ihre Fähigkeit beruht, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Entwicklung von Vertrauen erfolgt in mehreren Phasen. Diese Phasen sind im Kurs genau beschrieben.

Eine Geschichte

Es war einmal ein spiritueller Sucher, der entschlossen war, den Gipfel eines hohen Berges zu erreichen. Da er den Ruhm für diese Leistung allein für sich beanspruchen wollte, machte er sich allein auf den Weg, ohne jemandem von seinen Plänen zu erzählen. In der Zwischenzeit kam dichter Nebel auf. Nur wenige Meter vor dem Gipfel rutschte er aus, stürzte und fiel von einem Felsvorsprung. Als er seinen Tod bereits als unausweichlich betrachtete, spürte er, wie sich sein Sicherungsseil um seine Taille zu straffen begann.

Plötzlich schwebte er in der Luft. In diesen ersten verzweifelten Augenblicken kam ihm spontan ein Gebet über die Lippen: “Gott, bitte hilf mir!“ Dann antwortete unerwartet eine tiefe Stimme aus dem Himmel: “Was soll ich für dich tun?“ Der Bergsteiger antwortete, dass er gerettet werden wolle. Daraufhin fragte Gott: “Glaubst du wirklich, dass ich dich retten kann?”

“Natürlich, mein Herr!“, antwortete der Mann. Darauf sagte Gott: “Öffne das Seil und lass los!“ Nach langen Augenblicken der Stille reagierte der Mann, indem er das Seil fest um seine Taille band, und rief: “Ist da oben jemand?“ Wieder antwortete die tiefe Stimme aus dem Himmel: “Ich bin da.“ Nach einer kurzen Pause rief der Mann: “Ist da auch noch jemand anderes oben?“

Am nächsten Morgen traf ein örtliches Bergrettungsteam ein, fand den Mann jedoch bereits tot vor. Er war erfroren, die Hände fest um ein Seil geschlungen, das um seine Taille gebunden war. Er hing einen halben Meter über dem Boden.

Wie fest ist unser Seil? Würden wir der Stimme für GOTT gehorchen und unser Seil loslassen? Würden wir in einer Extremsituation allein auf GOTT vertrauen oder uns “sicherheitshalber” auch noch um weltliche Hilfe bemühen? Jesus weist uns an, keine Angst zu haben, sondern auf sein Wort und den HEILIGEN GEIST zu vertrauen. Er erinnert uns im Kurs auch daran, dass Vertrauen das Fundament der Eigenschaften eines Lehrers GOTTES ist.

"Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"
(Bibel EÜ, Markus 4,40)

II. Ehrlichkeit
Nur die, die vertrauen, können sich Ehrlichkeit leisten, denn nur sie können ihren Wert sehen. Ehrlichkeit bezieht sich nicht nur auf das, was sie sagen. Der Begriff bedeutet eigentlich, dass sie konsequent sind. Auf keiner Ebene stehen sie im Konflikt mit sich selbst. Deshalb ist es für sie unmöglich, mit irgendjemandem oder irgendetwas in Konflikt zu sein.
Jene wahre Stille, die die Pforte zur Erleuchtung ist, erfordert die Kultivierung von tiefer Selbst-Ehrlichkeit. Ehrlichkeit ist jener Akt, in dem der Geist nicht länger damit beschäftigt ist, sich vor seiner eigenen Dunkelheit zu verstecken. Ein Grundpfeiler des universellen Lehrplanes muss immer die Kultivierung einer tiefen Selbst-Ehrlichkeit sein. Und in Selbst-Ehrlichkeit entscheidet man einfach, den Geist selbst zu beobachten, einfach das Verhalten zu beobachten, das vom Geist durch den Körper fließt, wenn er sich in die Welt hinaus ausdrückt. Wahre Selbst-Ehrlichkeit erfordert Zeit, weil das Ego der Versuch ist, Ehrlichkeit und WAHRHEIT durch Unehrlichkeit und Falschheit zu ersetzen.

III. Toleranz
GOTTES Lehrer urteilen nicht. Urteil beinhaltet einen Mangel an Vertrauen, und Vertrauen bleibt das Fundament des gesamten Denksystems des Lehrers GOTTES. Ohne Urteil sind alle Dinge gleichermaßen annehmbar, denn wer könnte anders urteilen? Ohne Urteil sind alle Menschen Brüder, denn wen gibt es, der abseits steht? Kein Lehrer GOTTES kann urteilen und zu lernen hoffen.

IV. Sanftmut
Es gibt keinen Lehrer GOTTES, der nicht lernen muss - und das ziemlich früh in seiner Schulung -, dass Schaden zufügen seine Funktion vollständig aus seinem Bewusstsein auslöscht. Deshalb sind GOTTES Lehrer gänzlich sanft. Sie brauchen die Stärke der Sanftmut, denn in ihr wird die Funktion der Erlösung leicht.

V. Freude
Freude ist die unvermeidliche Folge von Sanftmut. Lehrer GOTTES sind gewiss, dass sie geliebt werden und sicher sind. Weshalb sollten sie nicht freudig sein? Freude ist ihr Lied des Dankes.

VI. Wehrlosigkeit
GOTTES Lehrer haben keine Träume, die der Abwehr gegen die Wahrheit bedürfen. Ihre Freude kommt von ihrem Verständnis dessen, WER sie erschaffen hat. Und was GOTT erschaffen hat, braucht keine Abwehr.

VII. Großzügigkeit
Die Bedeutung des Begriffs Großzügigkeit für den Lehrer GOTTES ist nicht die übliche Bedeutung des Wortes; tatsächlich ist es eine Bedeutung, die erlernt werden muss, und zwar sehr sorgfältig erlernt. Für die Welt bedeutet Großzügigkeit weggeben im Sinn von aufgeben. Für die Lehrer GOTTES bedeutet sie weggeben, um zu behalten. Dies ist vielleicht dem Denken der Welt fremder als viele andere Ideen in unserem Lehrplan. Ihre größere Merkwürdigkeit liegt einfach in der Offensichtlichkeit ihrer Umkehrung des Denkens der Welt.
Der Lehrer GOTTES will nichts, was er nicht weggeben kann, weil ihm klar ist, dass es definitionsgemäß für ihn wertlos wäre. Deswegen sucht er nichts, was nur er behalten könnte. Aber er will alle Dinge für sich selbst behalten, die von GOTT - und deshalb für SEINEN SOHN - sind. Dies sind die Dinge, die ihm gehören. Diese kann er in wahrer Großzügigkeit weggeben und auf immer für sich schützen.

VIII. Geduld
Diejenigen, die sich des Ausgangs gewiss sind, können es sich erlauben, ohne Ängstlichkeit zu warten. Geduld ist für den Lehrer GOTTES natürlich. Alles, was er sieht, ist der sichere Ausgang zu einer Zeit, die ihm vielleicht noch unbekannt ist, die aber nicht in Zweifel steht. Und er wird lernen, dass nur unendliche Geduld sofortige Wirkungen zeitigt. Auf diese Weise wird die Zeit gegen die Ewigkeit ausgetauscht.

IX. Gläubigkeit
Gläubigkeit ist das Vertrauen des Lehrers GOTTES in das WORT GOTTES, dass es alle Dinge richtig stellt - nicht einige, sondern alle! Alle Probleme einer einzigen ANTWORT zu übergeben heißt, das Denken der Welt voll und ganz umzukehren. Und das allein ist Gläubigkeit. Gläubigkeit vereint die anderen Eigenschaften der Lehrer GOTTES in sich.

X. Geistige Offenheit
Geistige Offenheit lädt IHN ein, hereinzukommen. Sie erlaubt es dem SOHN GOTTES durch die STIMME FÜR GOTT in SEINEM NAMEN beurteilt zu werden.

Die Liste der Eigenschaften der Lehrer GOTTES enthält keine Dinge, die das Erbe des SOHNES GOTTES sind. Begriffe wie Liebe, Sündenlosigkeit, Vollkommenheit, Erkenntnis und ewige Wahrheit erscheinen in diesem Zusammenhang nicht. Sie wären hier äußerst unangebracht. Was GOTT gegeben hat, liegt so weit jenseits unseres Lehrplans, dass Lernen in dessen Gegenwart einfach verschwindet. Doch solange dessen Gegenwart verschleiert ist, gehört das Augenmerk richtigerweise dem Lehrplan.

Die Funktion der Lehrer GOTTES ist es, wahres Lernen in die Welt zu bringen. Genaugenommen ist es Verlernen, denn das ist wahres Lernen in der Welt. Die vielen tausend Worte des Kurses sollen uns dabei helfen, tiefer ins Mysterium einzudringen - nicht ins Wissen. Oder, von anderer Warte aus betrachtet: Dieser Text kann uns helfen, die Bürde unseres Wissens abzuwerfen. Sie sind nicht dazu da, unsere Gelehrsamkeit zu steigern, denn Gelehrsamkeit ist die Schranke. Mit ihr verschließt sich die Tür zum Mysterium. Wir müssen das ursprüngliche Staunen zurückgewinnen, denn dem kindlichen Gefühl des Staunens ist nichts bekannt, ihm wird alles zum Geheimnis. Das ist der Zustand vor dem “Sündenfall”, wo die Dinge weder benannt noch beurteilt wurden. Und wenn wir uns auf das Geheimnisvolle einlassen, wird es umso tiefer, je tiefer wir darin eindringen. Bis schließlich ein Augenblick kommt, wo wir sagen können, dass wir gar nichts wissen. Das ist der heilige Augenblick. Jetzt sind wir meditativ geworden. Betrachten wir die vielen Worte des Kurses also nicht als neues Wissen, sondern begreifen sie als Hilfestellung, um unschuldiger zu werden. Unwissen ist unschuldig, Wissen ist immer eine Art von Schlauheit, List. Wenn wir unser Wissen dazu benutzen können, wieder unwissend zu werden, dann haben wir es richtig benutzt. Das ist der einzige Nutzen aller heiligen Schriften, allen Wissens, aller Veden - uns wieder kindlich zu machen. Darum sagte Jesus schon vor zweitausend Jahren: “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.” (Bibel, Matthäus 18,3)

“Sich des Träumens bewusst zu sein ist die wirkliche Funktion der Lehrer GOTTES.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 12. 6. 6.)

Zeugenbewusstsein

Du hast vielleicht schon bemerkt, dass viele okkulte Gesellschaften oder Geheimbünde sich das Dreieck zum Symbol genommen haben. Oft ist es auch ein Dreieck mit einem Auge in der Mitte. Das Dreieck ist eines der ältesten okkulten Symbole, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund - weil das Dreieck drei Winkel hat.

Buddha hat immer gesagt, dass sein Weg der mittlere Weg ist und der mittlere Weg ist ganz offensichtlich der dritte Weg. Buddha sagte: “Kehrt euch nicht von dieser Welt ab, klammert euch aber auch nicht an jene Welt. Haltet euch vielmehr genau dazwischen auf. Denn in der Mitte hören beide auf zu sein. Genau in der Mitte seid ihr frei. Genau in der Mitte herrscht keine Dualität, ihr seid beim einen angelangt, und die Dualität ist lediglich zu euren Ausläufern geworden - einfach zwei Flügel.”

Buddha nannte es samyak smriti - (right mindfulness) rechte Achtsamkeit, rechte Aufmerksamkeit. Ihm zufolge ist unser Bewusstsein nicht recht bewusst, wenn es nur den einen Punkt wahrnimmt. Es muss beide wahrnehmen. Und dann geschieht ein Wunder: Wenn uns sowohl das Zu-Wahrnehmende wie der Wahrnehmende bewusst ist, werden wir plötzlich ein Drittes: Wir sind weder-noch, wir sind das Dritte, wir sind der Zeuge.

George Gurdjieff sagte: “Wann immer du etwas wahrnimmst, vergiss dabei nicht den Wahrnehmenden. Vergiss ihn nicht über dem Gegenstand. Behalte das Subjekt im Auge.” Ausgehend von seiner fundamentalen Kritik am modernen Menschen, dessen fragmentiertem Ich und unterentwickeltem Sein, präsentierte Gurdjieff ein System für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung, das er „esoterisches Christentum“ nannte. Ein wesentliches Symbol für diesen transformatorischen Prozess wurde von Gurdjieff im Enneagramm dargestellt.

Vor zweitausend Jahren sagte Jesus: “Werdet Vorübergehende.” Ein Abschnitt in Ein Kurs in Wundern hat die Überschrift “Der Träumer des Traums” (EKIW: Kapitel 27, VII.) Und später im Kurs sagt Jesus: “Sich des Träumens bewusst zu sein, ist die wirkliche Funktion der Lehrer GOTTES.” (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 12. 6. 6.)

Wieder einmal können wir erkennen, wie alle wahrhaft spirituellen Wege zu ein und derselben Erfahrung führen - zum Zeugenbewusstsein. Zeugesein ist somit die letztendliche Grundschicht, die eigentliche Grundlage von Bewusstsein. Zeuge zu sein, ist die höchste Möglichkeit des Bewusstseins. Im Ego-Geist herrscht immer Trennung. Nur im Zeugesein verschwindet die Trennung. Aber dies muss auf Erfahrung beruhen; andernfalls verkommt es zum philosophischen Streitgespräch. Probier es also aus, experimentiere.

Das geht nur leider nicht einfach so mal eben. Man muss üben, üben, üben. Das Ergebnis lohnt sich! Dabei darf man jedoch keine Distanz zwischen sich und das Problem bringen, sondern muss durchlässig werden. Es darf nicht mit normaler Beobachtung verwechselt werden. Dieser feine Unterschied ist wesentlich, ansonsten steht man gleichgültig dabei und lässt das Leben leidend an sich vorbeiziehen. Es ist nicht egal was passiert, jedoch leidet man nicht im Zeugenbewusstsein, da man seiner Abhängigkeiten gewahr wird. Man kann sich in die innere Stille hinein entspannen und die Ruhe im Auge des Orkans genießen.

Beginne damit, dich auf irgendetwas zu konzentrieren. Und dann versuch, sobald die Konzentration da ist, nach innen zu gehen, deiner selbst gewahr zu werden. Dann versuch, ein Gleichgewicht herzustellen. Es geht, und wenn es dann so weit ist, bist du am Mittelpunkt angekommen. In diesem Mittelpunkt bist du verwurzelt, bist du gegründet - still, selig, in Ekstase -, und alle Dualität entfällt.

Anfangs wirst du immer wieder den Faden verlieren, wirst du hin und her springen. Die Aufmerksamkeit wird springen; wenn du zum Objekt kommst, wirst du den Ursprung vergessen. Das ist natürlich, weil der ungeschulte Geist sich gewohnheitsmäßig nur dem Objekt oder dem Subjekt zuwenden kann. Das ist der Grund, warum viele Leute Zurückgezogenheit suchen - sie lassen einfach die Welt hinter sich. “Die Welt hinter sich lassen” heißt im Grunde, die Objektwelt verlassen, um sich ganz sich selbst widmen zu können. Das ist einfach. Wenn du dich aus der Welt zurückziehst und die Augen schließt und all deine Sinne verschließt, kannst du dir ohne Weiteres deiner selbst bewusst sein. Doch diese Bewusstheit ist auch auf eine Art unecht, weil du dich damit für nur einen Pol entschieden hast.

Daher betonen viele spirituelle Lehrer und auch Jesus immer wieder, der Welt der Objekte nicht den Rücken zu kehren: Laufen wir also nicht weg vor der Welt der Objekte. Werden wir uns vielmehr beider Welten bewusst - der Welt des Subjekts und gleichzeitig der Welt der Objekte, gleichzeitig des Inneren und des Äußeren. Erst wenn beide da sind, können wir zwischen beiden ein Gleichgewicht herstellen. Wenn nur eines da ist, ergreift dieses eine Besitz von uns. Wenn nur eines da ist, identifizieren wir uns damit. Frei können wir nur dann sein, wenn wir uns beider bewusst werden. Dann können wir das Dritte werden, und das Dritte ist der Freiheitspunkt.

Es gibt noch einen Grund, warum uns der mittlere Weg so schwer fällt: Es ist sehr einfach, uns auf die Gegenseite zu schlagen - zum anderen Extrem zu gehen - sehr einfach. Wenn wir zu viel reden, können wir ganz leicht ein Schweigegelübde ablegen; aber weniger zu reden, das fällt uns schwer. Wenn wir zuviel essen, ist es sehr leicht, gar nichts zu essen - das ist das andere Extrem. Aber mäßig zu essen, eine Mitte einzuhalten, das ist sehr schwer. Sich in jemand euphorisch zu verlieben, ist einfach; jemanden zu hassen, ist einfach. Weder das eine noch das andere zu tun, ist sehr schwer. Vom einen Extrem kann man ohne Weiteres ins andere verfallen.

Gerade bei dem, was wir auf der rein menschlichen Ebene als Glück und Leid erfahren, fällt es uns besonders schwer, in der Mitte zu bleiben. Wenn wir uns aber ans Glück klammern, erzeugen wir wieder Leid, denn dieses Glück muss vergehen - nichts kann in dieser Welt so bleiben, wie es ist. Selbst das weltliche Glück wird uns umbringen, weil wir uns so sehr damit verwickeln. Aus nichts können wir uns raushalten. Ob Leid, ob Glück, was immer an unsere Tür klopft, wir lassen uns dermaßen verwickeln, dass wir aus den Pantoffeln kippen.

Es war einmal ein armer Lehrer - sehr alt, arm, pensioniert. Eines Tages gewann er im Lotto. Die Frau bekam einen Schreck und dachte: “Das hält der Alte nicht aus! Zehntausend Dollar ist einfach zu viel für ihn. Schon bei einem Zehndollarschein gerät er ganz aus dem Häuschen - da könnten ihn zehntausend Dollar glatt umbringen.” Sie rannte zur Kirche, die Kirche war gleich nebenan, ging zum Priester und erzählte ihm, was passiert war.
Sie sagte: “Mein Mann ist ausgegangen, kommt aber gleich wieder, er muss jeden Moment da sein, bitte tun Sie was. Zehntausend Dollar! Wenn er das hört, fällt er tot um.”
Der Priester sagte: “Nur keine Angst. Ich kenne mich ein wenig in der Seele des Menschen aus. Ich verstehe was von Psychologie. Ich komme mit.” Also ging der Priester mit ihr nach Hause. Der Alte kam im selben Moment an wie sie. Also fing der Priester an: “Stellen Sie sich vor, Sie hätten im Lotto zehntausend Dollar gewonnen - was würden Sie tun?”
Der Alte dachte etwas nach, grübelte eine Weile und sagte dann: “Ich würde die Hälfte der Kirche vermachen.” Der Priester fiel tot um. Das war zuviel für ihn.

In der Mitte zu bleiben, ist sehr schwer. Warum? Weil wir in der Mitte unsere privaten Gedanken aufgeben müssen. Unser Ego-Geist besteht aus Extremen: “Entweder bist du dafür, oder du bist dagegen.” Wir dürfen nicht einfach neutral sein. Der Ego-Geist kann Neutralität nicht ertragen; er kann nur hier oder dort sein … weil er auf Gegensätze angewiesen ist, weil er einen Gegenpol braucht. Wenn er zu nichts im Gegensatz steht, verschwindet er. Probier es aus. Werde einmal neutral, wie auch immer … gleichmütig: Plötzlich setzt die Stimme des Egos aus. Wenn du für etwas bist, kannst du private Gedanken darüber haben; wenn du gegen etwas bist, kannst du denken. Wenn du weder dafür noch dagegen bist, was gibt es da noch zu denken?

Es gibt auch eine spezielle Methode, den Zeugen zu entdecken. Richte deine Aufmerksamkeit auf das sogenannte “Dritte Auge”. Schließe die Augen und lenke beide Augen auf die Mitte zwischen den Augenbrauen; blicke mit geschlossenen Augen genau auf die Mitte, so als würdest du mit offenen Augen hinsehen. Richte deine Aufmerksamkeit total darauf. Dies ist eine der einfachsten Methoden, aufmerksam zu sein. Sobald deine Aufmerksamkeit auf das Zentrum des dritten Auges eingestellt ist, wirst du augenblicklich zum Zeugen deiner Gedanken. Auf das dritte Auge konzentriert, wirst du plötzlich zum Zeugen. Durch das dritte Auge kannst du die Gedanken wie Wolken am Himmel sehen oder wie Passanten auf der Straße. Du sitzt am Fenster und schaust in den Himmel oder siehst den Leuten auf der Straße zu: Du bist nicht identifiziert.

Hoffnung

Wenn wir den Mythos der Pandora mit dem biblischen Sündenfall vergleichen, dann sind die Parallelen offensichtlich. Die älteste Überlieferung des Pandora-Mythos stammt von dem antiken griechischen Dichter Hesiod (* vor 700 v. Chr.). In der griechischen Mythologie ist Pandora eine Frau, die auf Geheiß des Göttervaters Zeus von Hephaistos aus Lehm erschaffen wurde. Sie wird von Hermes zu Epimetheus gebracht - zusammen mit der unheilvollen Büchse der Pandora - mit dem Auftrag, sie den Menschen zu schenken und ihnen zu sagen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden darf. Diese Büchse enthält alle Übel der Welt, sowie die Hoffnung. Epimetheus ignoriert die Warnung und heiratet Pandora. Sie öffnet die Büchse, die Zeus ihr gegeben hat. Daraufhin entweichen alle Laster und Untugenden. Von da an erobert das Böse die Welt. Zuvor kannte die Menschheit weder Böses noch Leid, weder Krankheit noch Tod. Bevor auch die Hoffnung aus der Büchse entweichen kann, wird sie wieder verschlossen. So wird die Welt zu einem trostlosen Ort. Heute ist das “Öffnen der Büchse der Pandora” Inbegriff für das Stiften eines Unheils, das sich nicht wiedergutmachen lässt.

“Wenn Sünde wirklich ist, dann muss sie ewig jenseits der Hoffnung auf Heilung sein.”
(EKIW: Kapitel 19, III. 8. 1.)

Im Vertrauen und im Glauben an unsere Heilung durch IHN, im Wissen darum, dass die Sünde und das Veränderliche nur eine Illusion sind, liegt wahre Hoffnung. Der Glaube an das Ewige ist immer gerechtfertigt, denn das Ewige ist immerdar gütig, unerschöpflich in seiner Geduld und gänzlich liebend. Wahrscheinlich finden wir deswegen die Hoffnung nicht bei den typischen Eigenschaften der Lehrer GOTTES, weil sie richtig verstanden die Summe aus grenzenlosem Vertrauen, unendlicher Geduld und dem Glauben an SEINE Erlösung im Hier und Jetzt ist.

Die wirkliche Welt ist jener Geisteszustand, in dem Vergebung als der einzige Zweck der Welt gesehen wird. Angst ist nicht ihr Ziel, denn das Entrinnen aus der Schuld wird nun zu ihrem Ziel. Und Götzen sind dort nicht erwünscht, denn Schuld wird als die einzige Ursache von Schmerz in jeder Form verstanden.

“Die Möglichkeit der Freiheit ist erfasst und willkommen geheißen, und die Mittel, durch welche sie gewonnen werden kann, sind jetzt verständlich. Die Welt wird nun zu einem Ort der Hoffnung, weil ihr Zweck allein darin besteht, ein Ort zu sein, an dem sich Hoffnung auf das Glück erfüllen kann. Und niemand steht außerhalb dieser Hoffnung, weil die Welt vereinigt ist im Glauben, der Zweck der Welt sei einer, den alle miteinander teilen müssen, wenn die Hoffnung mehr sein soll als bloß ein Traum.”
(EKIW: Kapitel 30, V. 2. 6.-8.)

Der Begriff Hoffnung ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, denn auch das Ego macht sich dieses Prinzip zunutze. Die “Hoffnung” des Egos ist ein Traum, eine Jagd nach Götzen. In der Ego-Identifikation gibt es hier und jetzt nichts, wofür man leben kann. Es gibt nur die Hoffnung in der Zeit. In diesem Zustand schleppen wir eine Büchse der Pandora mit uns herum. Warum leben wir jetzt im Moment? Warum stehen wir jeden Morgen wieder auf? Warum fangen wir wieder mit dem ganzen Tagesablauf an - wieder und wieder? Wozu diese Wiederholung? Aus welchem Grund? Wir könnten im Moment keinen Grund dafür angeben, warum wir leben, und wenn wir etwas fänden, wäre es etwas in der Zukunft - eine Hoffnung, dass etwas geschehen könnte: Eines Tages wird “das und das” passieren. Wir wissen nicht, wann dieser Tag kommen wird; wir wissen nicht einmal, was das ist, das da passieren wird. Aber “irgendwann wird etwas passieren”, und so machen wir immer weiter, schleppen uns immer weiter. Der Mensch in der Ego-Identifikation lebt nur von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft - aber ist das ein Leben? Denn Hoffen heißt Phantasieren. Solange wir nicht hier und jetzt leben, sind wir nicht lebendig, und jenes Morgen, das all unsere Hoffnungen erfüllen soll, wird niemals kommen.

Die Zukunft ist eine Phantasie, und wenn wir in die Zukunft hineinprojizieren, werden wir irgendwann enttäuscht sein. Wir zerstören die jetzt vorhandene Wirklichkeit um zukünftiger Phantasien willen, und diese Eigenschaft unseres egoischen Denkens wird uns begleiten. Jeden Tag erfährt sie Stärkung. Wenn also unsere Zukunft kommt, wird sie in der Form von Gegenwart kommen, aber dann eilt unser Denken schon wieder zu irgendeiner anderen Zukunft voraus. Es bedeutet, dass wir nicht im konkreten Augenblick sind - und der konkrete Augenblick ist die einzige Tür zur Existenz. Die Vergangenheit und die Zukunft sind keine Türen - die sind Mauern.

“Ist es nicht seltsam, dass du noch immer eine Hoffnung hegst, Befriedigung aus der Welt zu ziehen, die du siehst? In keiner Hinsicht, zu keiner Zeit und an keinem Ort war irgend etwas anderes als Angst und Schuld deine Belohnung. Wie lange brauchst du, um zu merken, dass die Chance einer Änderung in dieser Hinsicht es kaum wert ist, eine Veränderung aufzuschieben, aus der ein besseres Ergebnis entstehen könnte? Eines steht nämlich fest: Die Art und Weise, wie du siehst und lange sahst, gibt keinen Rückhalt, auf den sich deine zukünftigen Hoffnungen stützen könnten, und nicht den geringsten Hinweis auf Erfolg. Deine Hoffnungen dort einzusetzen, wo keine Hoffnung liegt, muss dich hoffnungslos machen. Doch diese Hoffnungslosigkeit ist deine Wahl, solange du dort nach Hoffnung suchst, wo keine je gefunden wird.”
(EKIW: Kapitel 25, II. 2.)

Am spirituellen Weg versuchen wir, im heiligen Augenblick zu leben, und hegen keine Hoffnungen in der Zeit, egal welcher Art. Selbst wenn uns in unserem Üben eine subtile Hoffnungslosigkeit erwartet: Wir bleiben hier. Wir verlassen nicht diesen Augenblick hier und jetzt. Wir rühren uns nicht! Halten es aus, aber gewähren der egoischen Hoffnung keinen Zutritt. Durch das Hoffen kommt das Phantasieren ins Spiel. Seien wir also hoffnungslos in der Zeit. Wir akzeptieren es, aber klammern uns nicht an irgendein zukünftiges Ereignis. Dann zeigt sich plötzlich eine Veränderung. Wenn wir erst einmal im gegenwärtigen Augenblick verharren, hören die Phantasien auf - denn dann können sie nicht aufkommen. Ihnen wurde die Quelle entzogen.

“Wenn du nur die Bedeutung SEINER LIEBE erkennen würdest, wären Hoffnung und Verzweiflung unmöglich. Denn die Hoffnung wäre auf immer erfüllt, Verzweiflung jeglicher Art undenkbar.”
(EKIW: Lektion 168, 2. 1.-2.)

Die Lektionen des HEILIGEN GEISTES

Ein weiser Lehrer lehrt durch Annäherung, nicht durch Vermeidung. Er betont nicht, was wir vermeiden müssen, um dem Schaden zu entrinnen, sondern was wir lernen müssen, um Freude zu erfahren. Statt einer Vielzahl von Verboten ist es sicher besser, nur drei Worte zu gebrauchen: »Tu nur das!« Diese einfache Aussage ist vollkommen klar, einfach zu verstehen und sehr leicht zu merken.

Die Lektionen des HEILIGEN GEISTES lauten wie folgt:

“A. Damit du hast, gib allen alles.”
“B. Damit du Frieden hast, lehre Frieden, um ihn zu lernen.”
“C. Setze deine Wachsamkeit nur für GOTT und SEIN REICH ein.”
(EKIW: Kapitel 6, V.)

A.: Der erste Schritt im Prozess der Umkehr besteht darin, das Konzept des Habenwollens aufzuheben. Das ist auch der einzige, den wir selber tun müssen. Es ist nicht einmal nötig, dass wir den Schritt selber vollenden, aber es ist notwendig, dass wir uns in diese Richtung wenden. Für den HEILIGEN GEIST gibt es bei Wundern keine Rangordnung der Schwierigkeit. Wir können keine Wunder wirken, ohne das zu glauben, weil es der Glaube an vollkommene Gleichheit ist. Nur eine einzige gleiche Gabe kann den gleichen SÖHNEN GOTTES angeboten werden, und das ist volle Würdigung. Nicht mehr und nicht weniger. Der HEILIGE GEIST kommuniziert nur, was jeder allen geben kann.
Diese Lektion wird am häufigsten missverstanden. Das liegt einfach daran, dass das Ego keine Ahnung von “allem“ hat. Es heißt hier nicht, “gib eine endlose Zahl von Fragmenten aus der Trennungsillusion deinen von dir im Mangel wahrgenommenen Brüdern”, sondern gib allen „alles“. „Alles“ bedeutet die volle Würdigung, das heißt die Wirklichkeit GOTTES. Sieh also in all deinen Brüdern ihre Wirklichkeit, den CHRISTUS in ihnen. Begegne all deinen Brüdern im Zustand der Schau CHRISTI. Was dann auf der Ebene der Form geschieht, ist nicht von Bedeutung.

B.: Alle, die an Trennung glauben, leiden an einer grundlegenden Angst vor Vergeltung und Verlassenwerden. Sie glauben an Angriff und Zurückweisung, und somit nehmen sie das wahr und lehren es und lernen es. Diese wahnsinnigen Ideen sind eindeutig das Ergebnis von Dissoziation und Projektion. Was du lehrst, das bist du. Die Motivation zur Veränderung beim Lernenden zu steigern ist das einzige, was ein Lehrer tun muss, um die Veränderung zu gewährleisten. Dieser zweite Schritt ist immer noch ein vorbereitender, da Haben und Sein noch immer nicht gleichgesetzt sind. Er geht indessen weiter als der erste Schritt, der eigentlich erst der Anfang der Umkehr des Denkens ist. Der zweite Schritt ist eine ausdrückliche Bejahung dessen, was wir wollen.

C.: Diese Lektion ist insofern unzweideutig, als sie lehrt, dass es keine Ausnahmen geben darf, wenn sie auch nicht leugnet, dass die Versuchung auftreten wird, Ausnahmen zu machen. Solange wir etwas gegenüber wachsam sein müssen, begreifen wir die gegenseitige Ausschließlichkeit nicht und glauben noch immer, uns für das eine oder andere entscheiden zu können. Dadurch, dass uns der HEILIGE GEIST lehrt, für was wir uns entscheiden sollen, wird ER uns letztlich lehren, dass wir überhaupt keine Entscheidung zu treffen brauchen. Das wird unseren Geist endlich von der Wahl befreien und ihn auf die Schöpfung im HIMMELREICH lenken. Wachsamkeit erfordert Mühe - aber nur bis wir gelernt haben, dass Mühe selbst unnötig ist. Wir haben uns große Mühe gegeben, das zu erhalten, was wir gemacht haben, weil es nicht wahr war. Daher müssen wir jetzt unsere Bemühungen dagegen richten. Nur das kann alle Mühe unnötig machen und das Sein anrufen, das wir sowohl haben als auch sind. Diese Einsicht ist völlig mühelos, da sie schon wahr ist und Schutz nicht nötig hat. Sie ist in der vollkommenen Sicherheit GOTTES. Den letzten Schritt wird immer noch GOTT für uns tun, durch den dritten Schritt aber hat der HEILIGE GEIST uns für GOTT bereit gemacht. ER bereitet uns vor auf die Übersetzung von Haben in Sein.

Lernen und Lehren

“Also lehrt die Welt. Es ist eine Phase des Lernens, durch die ein jeder gehen muss, der kommt. Je schneller er aber wahrnimmt, worauf es beruht, wie fragwürdig seine Voraussetzungen und wie zweifelhaft seine Ergebnisse sind, desto schneller stellt er seine Wirkungen infrage. Ein Lernen, das mit dem endet, was die Welt lehrt, hört auf, bevor es bei der Bedeutung angelangt ist. An seinem rechten Platz dient es nur als Ausgangspunkt, von dem aus eine andere Art des Lernens beginnen, eine neue Wahrnehmung gewonnen werden kann und all die willkürlichen Namen, die die Welt verleiht, zurückgenommen werden können, sobald sie in Zweifel gezogen werden.”
(EKIW: Lektion 184, 7.)

Wenn das Bewusstsein in die Dimension der Zeit eintritt, zieht es sich zusammen und konzentriert sich darauf, sich mehr mit dem physischen Körper zu verbinden, wobei es gleichzeitig Wahrnehmungskanäle zu anderen Dimensionen mit ihren kreativen Möglichkeiten verschließt. Einfach ausgedrückt wird das Bewusstsein von der Dichte des physischen Umfelds aufgesogen und dort fühlt es sich gefangen, fühlt sich als Opfer. Es erinnert sich nicht an seinen grenzenlosen Seinszustand, es erinnert sich nicht daran, dass es nicht der Körper ist. Wenn wir in diese Welt kommen, beginnen wir daher, “Welt zu lernen”. Je früher wir erkennen, dass dieses Lernen keinen Sinn ergibt und letztendlich nur in Depression und Tod enden kann, desto besser.

“Mit einer unmöglichen Lernsituation konfrontiert zu sein, ist die deprimierendste Sache der Welt. Das ist in der Tat letztendlich der Grund dafür, weshalb die Welt selbst deprimierend ist.”
(EKIW: Kapitel 8, VII. 8. 3.-4.)

Wahres Lernen in der Welt ist daher Verlernen. Wir müssen uns vom in dieser Welt Erlernten befreien, uns von den wahnsinnigen und chaotischen Gesetzen des Ego-Denksystems lösen. Solange wir allerdings denken, die Welt könne Trost und Entrinnen aus Problemen bieten, die zu behalten ihr Zweck ist, sind wir im Ego-Denksystem gefangen. Die Welt hat keine wirkliche Wahl anzubieten. Alle ihre Wege führen nur in die Enttäuschung, in das Nichts und in den Tod. In ihren Alternativen gibt es keine Wahl. Es hat keinen Sinn hier nach dem Entrinnen aus Problemen zu suchen. Die Welt wurde gemacht, damit Problemen nicht entronnen werden kann. Im Licht der wirklichen Vernunft, die der HEILIGE GEIST uns bringt, wenn wir IHM nachfolgen, wird ER uns zeigen, dass es hier überhaupt keine Vernunft gibt.

“Du bist in ganz wörtlichem Sinne lernbehindert. Es gibt in deinen Lernfähigkeiten Bereiche, die derart beeinträchtigt sind, dass du Fortschritte nur unter konstanter, klarer Leitung machen kannst, für die ein LEHRER sorgt, DER deine begrenzten Ressourcen transzendieren kann. ER wird zu deiner Ressource, weil du von dir aus nicht lernen kannst. Die Lernsituation, in die du dich gebracht hast, ist unmöglich, und in dieser Situation benötigst du offensichtlich einen besonderen LEHRER und einen besonderen Lehrplan. Schlechte Schüler sind als Lehrer keine gute Wahl, weder für sich selbst noch für andere. Du würdest dich kaum an sie wenden, um sie den Lehrplan festlegen zu lassen, durch den sie ihren Begrenzungen entrinnen können. Wenn sie verstünden, was ihr Verständnis übersteigt, wären sie nicht behindert.”
(EKIW: Kapitel 12, V. 5.)

“Du erkennst die Bedeutung der Liebe nicht, und das ist deine Behinderung. Versuche nicht, dich selbst zu lehren, was du nicht verstehst, und versuche nicht, Lernziele aufzustellen, wo deine klar gescheitert sind. Dein Lernziel war es, nicht zu lernen, und das kann nicht zu erfolgreichem Lernen führen. Was du nicht gelernt hast, kannst du nicht auf anderes übertragen, und die Beeinträchtigung der Fähigkeit, zu verallgemeinern, ist ein entscheidendes Lernversagen. Würdest du diejenigen, denen das Lernen misslungen ist, fragen, wozu Lernhilfen da sind? Sie wissen es nicht. Wenn sie die Hilfen richtig deuten könnten, dann hätten sie aus ihnen gelernt.”
(EKIW: Kapitel 12, V. 6.)

“Tritt jetzt als dein eigener Lehrer zurück.”
(EKIW: Kapitel 12, V. 8. 3.)

Lehrer-Schüler-Beziehung

GOTT hat jedem einen LEHRER gegeben, dessen Weisheit und Hilfe weit über jeden Beitrag hinausgehen, denn ein irdischer Lehrer leisten kann - den HEILIGEN GEIST. Doch gibt es Zeiten und Situationen, in denen eine irdische Lehrer-Schüler-Beziehung zum Mittel wird, durch das ER beiden SEINE größeren Gaben anbietet.

Ein spiritueller Lehrer ist ein Bruder, der in der Illusion von Zeit und Weg einige Schritte voraus ist. Jemandem zu begegnen, der uns hilft zu glauben, jemanden zu haben, der uns zeigt, dass Befreiung möglich ist, ist ein unermessliches Geschenk. Es beschleunigt unser Lernen ungemein, wenn wir jemanden als Lehrer annehmen können, der uns den Glauben an die Nachfolge Jesu Christi leichter macht.

Jesus sagt über seine Rolle – was grundsätzlich für jeden spirituellen Lehrer gilt – Folgendes:

“Ebenbürtige sollten keine Ehrfurcht voreinander haben, weil Ehrfurcht Ungleichheit impliziert. Sie ist daher eine unangemessene Reaktion mir gegenüber. Ein älterer Bruder hat Anspruch auf Achtung um seiner größeren Erfahrung und auf Gehorsam um seiner größeren Weisheit willen. Er hat auch Anspruch auf Liebe, weil er ein Bruder ist, und auf Hingabe, wenn er hingebungsvoll ist. Nur meine Hingabe gibt mir ein Anrecht auf die deine. Ich habe nichts an mir, was du nicht erreichen kannst. Ich habe nichts, was nicht von GOTT kommt.”
(EKIW: Kapitel 1, II. 3. 5.-11.)

Wenn wir einen spirituellen Lehrer suchen, orientieren wir uns immer daran, ob wir seine Liebe zu den Menschen spüren können. Oft genügt es, wenn ein Mensch, der uns etwas lehren kann, in seiner individuellen Entwicklung einige Stufen weiter fortgeschritten ist. Wir sind nicht zwangsläufig darauf angewiesen, von einem bereits vollständig erleuchteten Geist zu lernen. Die Möglichkeit, an der Liebe eines Menschen zu wachsen, besteht immer und das meist in unserer unmittelbaren Nähe.

„Nur Narren glauben, sie bräuchten keinen Rat, weise Menschen aber hören auf andere."
(Neues Leben Bibel, Sprüche 12,15.)

„Höre auf guten Rat und nimm Zurechtweisung an, damit du für den Rest deines Lebens weise wirst."
(Neues Leben Bibel, Sprüche 19, 20.)

„Wenn du nicht mehr auf guten Rat hörst, mein Sohn, dann verschließt du dich der Erkenntnis."
(Neues Leben Bibel, Sprüche 19, 27.)

"Dem Weisen folg' wie einem Mann, der Schätze findet, Wenn er dich tadelt und dir deine Fehler kündet; Mit einem, der dich fördert, bist du dann verbündet."
(Dhammapada, Pandita – Der Weise, 76)

Eine Geschichte

Die folgende Metapher für spirituelles Erwachen kann auch als eine moderne Form von Platons Höhlengleichnis verstanden werden. Die Metapher mit den geometrischen Dimensionen taucht immer wieder in Romanen und Filmen auf und geht zurück auf Flatland. A Romance of Many Dimensions (dt. Titel „Flächenland“), eine 1884 von Edwin Abbott Abbott unter dem Pseudonym A. Square veröffentlichte Novelle. Ein dreidimensionales Gebilde lässt sich in einer zweidimensionalen Welt nicht vollständig abbilden. In der zweidimensionalen Welt sind lediglich Hinweise auf das Gebilde möglich, die jedoch nicht dessen Wirklichkeit darstellen:

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Stellen wir uns mal einen Kreis vor, also eine zweidimensionale Erfahrung. Stellen wir uns das Gefühl vor, einfach nur eine Fläche zu sein, wie ein Kreis, ohne jeder Ausdehnung. Und dann kommt jemand zum Kreis und sagt: “Hey, du bist gar kein Kreis du bist eine Kugel, du bist eine Kugel, du bist etwas ganz anderes als du die ganze Zeit gedacht hast. Du bist gar kein Kreis.”

Und der Kreis sagt: “Hey, wow, das würde ich schon total gerne erfahren, wenn das so ist, aber ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich kann mir das nicht vorstellen, was das heißt, eine Kugel zu sein.” Denn wie soll der Kreis sich das vorstellen, er kennt ja nur die Fläche, erkennt ja nur die zwei Dimensionen.

Und die Stimme sagt: “Das macht nichts, weil du eine Kugel bist, musst du es nur wiedererkennen. Du musst nur auf deine eigene Wahrheit lauschen, höre nur dem zu, was du bist und vergiss alles, was du nicht bist. Es gibt eine Stimme für die Wahrheit in dir, die alle Irrtümer berichtigen wird, wenn du nicht mehr an ihnen festhalten willst.”

Und der Kreis sagt: “Okay, okay, das klingt gut, das klingt so, als könnte ich das verstehen.” Und dann läuft er aber weiter durch seine zweidimensionale Welt und sagt sich: “Ich bin eine Kugel, ich bin eine Kugel, ich bin eine Kugel.” Und er erzählt auch anderen Kreisen: “Hey wir sind gar keine Kreise, wir sind Kugeln.” Und die anderen Kreise sagen: “Aha, und was bedeutet das?”

Und hier kommt der kleine Kreis ins Stocken und sagt: “Ja, weiß ich nicht, weiß ich nicht, das hat man mir gesagt, aber was das bedeutet, weiß ich nicht.” Und da bemerkt der Kreis, dass er eine scheiß Angst hat vor dem ‘das weiß ich nicht’. Er hat Angst, alles zu verlieren und deswegen rollt er viel umher und sagt sich immer wieder “ich bin eine Kugel", aber er geht nicht wirklich in die Stille, um der Stimme für die Wahrheit zu lauschen, um sich selbst als Kugel zu erfahren. Vielleicht hat er für einen Moment die Idee, die abgefahrene Neuigkeit zu seinen Freunden bringen zu wollen, zu seinen Mitkreisen, aber vor dem Moment tatsächlich so lange in die Stille zu gehen, bis er erfasst hat, was das bedeutet eine Kugel zu sein, davor schreckt er immer noch zurück. Aber wie, wie soll er es denn sonst lernen.

Als er so bei den anderen Kreisen stand und sie ihn fragten, was bedeutet denn das, hat er gespürt, dass er es herausfinden muss, nicht nur seiner selbst willen, sondern um aller Willen. Es sollen keine leeren Worte bleiben, sondern es soll zur Erfahrung werden. Und so hält der Kreis ganz still und hört mit allem auf, was Kreise normalerweise machen, denn er möchte sich jetzt als mehr als ein Kreis erfahren. So fängt er an zu beten und sagt: “Wenn es eine Wahrheit gibt, dann will ich nur ihr zuhören, ich will alles loslassen, was ich dachte über mich und alle anderen Kreise. Ich will die Wahrheit über uns alle erfahren und nichts anderes. Und ich werde hier sitzen bleiben, bis ich eine Erfahrung bekomme.”

Zuerst passiert nichts und zuerst blubbern ganz viele ängstliche Kreisgedanken in seinem Geist und er findet es total schwer, still zu bleiben, aber er spürt, er spürt so sehr seine Sehnsucht, dass er erfahren will, was das ist. Und deswegen bleibt er und je entschlossener er wird, desto klarer wird seine Absicht, desto klarer wird sein Geist und desto mehr kann er sich darauf einlassen. Und auf einmal spürt er eine Ausdehnung, die er nie für möglich gehalten hätte. Er spürt eine Wahrheit, die sich so echt, so wirklich, ja so greifbar und so wundervoll anfühlt, dass es all seine Vorstellungen sprengt. Gleichzeitig erschreckt er sich dabei so sehr, dass er sich aus der Erfahrung herausreißt und heftig atmend wieder in der Welt des Kreises ankommt. Und im ersten Moment ist er ein wenig enttäuscht, aber im zweiten Moment weiß er: “Hey, wow, mein Leben wird nie wieder so sein wie vorher, denn jetzt habe ich etwas erfahren, das echter war als alles, was ich jemals als Kreis erlebt habe.”

Und er geht wieder zu den anderen Kreisen und sagt: Leute, wir sind viel mehr als wir uns das vorstellen können.” Und die anderen Kreise die spüren, da ist was passiert, ja sie spüren, da steht gerade eine Erfahrung im Raum. Deswegen beginnen sie ihn ernst zu nehmen und das wiederum entfacht die Sehnsucht des Kreises noch tiefer zu gehen und obwohl er Angst hat, obwohl er nun erst recht die Sorge hat, alles zu verlieren, was er bislang gekannt hat, weiß er trotzdem, es gibt kein Zurück.

Er will die Erfahrung und so ist er wieder ganz still und betet und betet. Weil er weiß, dass die Erfahrung kommen muss, ist er zuversichtlich. Er sagt: “Ja, ich will nur DEINE Stimme hören, sonst nichts. Ich will mir keine alten Geschichten mehr über mich erzählen.” Und so geht es weiter. Manchmal bekommt er wieder Angst und immer wieder bekommt er eine Erfahrung, was es bedeutet, eine Kugel zu sein, in der Ausdehnung zu sein, was es bedeutet, ganz und gar wiederhergestellt und echt zu sein. Und diese Erfahrung lässt ihn strahlen. Diese Erfahrung lässt ihn mit Überzeugung sprechen. Diese Erfahrung lässt ihn, wenn er noch glaubt, da irgendwo Kreise zu sehen, über diese witzige Idee lächeln und sagen: “Nein Mann, du bist kein Kreis. Ich sehe etwas in dir, was so viel größer und so viel schöner ist. Die Probleme eines Kreises brauchen dich nicht zu beunruhigen, denn du bist viel mehr als das.” Das ist der Weg, das ist der Weg des spirituellen Erwachens.

Ja, das scheint Arbeit zu sein, sich lange und hingebungsvoll und auch inbrünstig in die Stille zu begeben und um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu bitten. Aber wir haben die Erfahrung bereits gemacht, dass die Wahrheit zu uns kommt. Und wir wissen, dass sie kommen wird, wenn wir nur wirklich bitten und wir wissen, dass wir es für uns tun und für uns alle. Wir wissen, dass wir unser aller Leben damit verändern können, aufs Wunderschönste, also lass es uns tun.

“Lehren ist Aufzeigen.”
(engl. Org.: “To teach is to demonstrate.”)
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, EINLEITUNG, 2. 1.)

Gedanken und Geistesschulung

“Meine Gedanken bedeuten nichts.
Dieser Leitgedanke gilt für alle Gedanken, deren du dir bewusst bist oder in den Übungszeiten bewusst wirst. Der Grund dafür, weshalb der Leitgedanke auf sie alle zutrifft, liegt darin, dass sie nicht deine wirklichen Gedanken sind. Wir haben diese Unterscheidung schon einmal getroffen und werden es auch wieder tun. Du hast bis jetzt noch keine Vergleichsbasis. Wenn du sie hast, wirst du nicht mehr daran zweifeln, dass das, was du einst für deine Gedanken hieltest, nichts bedeutete.”
(EKIW: Lektion 10, 1.)

“Meine Gedanken bedeuten nichts.
Ich habe keine privaten Gedanken. Und doch sind es nur private Gedanken, deren ich gewahr bin. Was können diese Gedanken schon bedeuten? Sie existieren nicht, somit sind sie bedeutungslos. Doch ist mein Geist Teil der Schöpfung und Teil ihres SCHÖPFERS. Will ich mich nicht lieber dem Denken des Universums anschließen, als alles, was wirklich mein ist, durch meine erbärmlichen und bedeutungslosen »privaten« Gedanken zu verschleiern?”
(EKIW: Lektion 52, 5.(10))

Wenn wir es vorziehen, private Gedanken zu haben und sie zu behalten, bedeutet dies, die vollkommene Kommunikation zu verleugnen, die den heiligen Augenblick zu dem macht, was er ist.

Neutrale Gedanken sind unmöglich, weil alle Gedanken Macht haben. Sie machen entweder eine falsche Welt oder führen uns zur wirklichen. Gedanken aber können nicht ohne Wirkung auf unsere Erfahrung sein. Lektion 16 “Ich habe keine neutralen Gedanken” erinnert uns daran, dass alle scheinbar neutralen Gedanken auch Angst- und Angriffsgedanken sind. Jedes Mal, wenn wir denken, dass ein anderer Mensch uns egal ist, ist dies ein Angst- und Angriffsgedanke. Wir haben Angst vor diesem Menschen und greifen ihn im Geiste an, weil wir ihn nicht als unseren geliebten Bruder erkennen, mit dem wir eins sind in GOTT. Jeder Gedanke, der nicht Liebe ist, ist ein Todeswunsch. Das Ego - das Verlangen nach Trennung - ist der Wunsch, dass der Tod wirklich sei.

Nicht die Identifikation mit Gedanken an sich ist das Problem, sondern die Identifikation mit dem Ego-Denksystem - mit den privaten Gedanken. Diese privaten Gedanken bedeuten nichts, weil wir nur die Vergangenheit sehen. Die dunkelsten dieser Gedanken haben wir ins Unterbewusstsein verbannt, aus unserem Bewusstsein verdrängt und nach außen projiziert. Und davor, vor all diesen unbewussten Angriffsgedanken, haben wir Angst, weil wir uns mit ihnen identifizieren, unabhängig davon ob wir uns ihrer bewusst sind oder nicht. Doch diese Dunkelheit muss ans LICHT gebracht werden, wenn wir wahre Befreiung wollen. Erst wenn wir diese Angriffsgedanken ans LICHT bringen und sie dem LICHT zur Berichtigung übergeben, geschieht die Erlösung davon. Dabei erkennen wir ihre Unwirklichkeit.

Am Weg des spirituellen Erwachens gilt es zuerst zu erkennen, dass all unser Drama nur Gedanken sind. Dann erkennen wir, dass wir keine Angst vor Gedanken haben müssen und auch keine Angst vor der Macht unserer Gedanken, weil unsere wirklichen Gedanken, die Gedanken, die wir mit GOTT denken, sind alle machtvoll. Und die Gedanken, von denen wir glauben, sie seien “unsere Gedanken”, wir nennen sie private Gedanken oder Angriffsgedanken, die das Ego gemacht hat, haben keine Auswirkungen auf die Wirklichkeit. Der HIMMEL ist nicht bedroht von illusionären Angriffsgedanken.

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Solange wir uns aber schuldig fühlen, führt das Ego das Kommando, weil nur das Ego Schuld empfinden kann. Das muss nicht sein. Und so erinnern wir uns, dass das Ego in der Tat gegen die Gesetze GOTTES verstoßen hat, wir aber nicht. Das bedeutet auch, dass keiner unserer Brüder für die von ihm geäußerten Irrtümer verantwortlich ist. Jeder leistet nur völlig unschuldig seinen Beitrag dazu, das Denksystem des Egos ans Licht zu bringen. Unsere einzige Verantwortung als Wunderwirkende ist es, die SÜHNE für uns selbst anzunehmen. Unseres Bruders Schuldlosigkeit ist unsere SÜHNE.

Wir finden Frieden, wenn wir es ablehnen, ein Teil von Träumen voller Angst zu sein. Wir stehen getrennt von ihnen, doch nicht von ihm getrennt, der sie da träumt. Die Vergebung trennt den Träumer von dem bösen Traum und befreit ihn damit. So trennen wir den Traum vom Träumer, verbinden uns mit dem einen und lassen den andern los. Der Traum ist nichts als eine Illusion im Geist. Und wir möchten uns mit dem Geist vereinen, doch niemals mit dem Traum. Es ist der Traum, vor dem wir Angst haben, und nicht der Geist.

Der Kurs ist eine Geistesschulung, das heißt, es geht um die Schulung des Geistes und nicht um Interaktionen zwischen Personen. Es geht darum, zu erkennen, dass es überhaupt keine Personen gibt. Es gibt keine frei handelnden, voneinander getrennten Personen – das ist der Traum, aus dem es zu erwachen gilt.

Um uns den Ego-Gedanken in unserem schlafenden Geist ehrlich zuwenden zu können, brauchen wir die Hilfe des HEILIGEN GEISTES. Nur wenn wir IHM vertrauen, können wir uns Ehrlichkeit leisten, denn nur so können wir unseren wahren Wert sehen. Der HEILIGE GEIST, DER uns so kennt, wie wir wirklich sind, beurteilt jeden und alles als unschuldig.

Auf dem Weg des spirituellen Erwachens geht es darum, die Dunkelheit in unserem schlafenden Geist ans Licht zu bringen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben. Das wird zu Beginn des spirituellen Weges gerne übersehen. Wir wünschen uns zu diesem Zeitpunkt nichts sehnlicher, als dass es Licht werde, und wollen deshalb von der Dunkelheit nichts wissen. Wenn sie im Laufe dieses Prozesses auftaucht, in Form all der bisher unbewussten Angriffsgedanken in unserem schlafenden Geist, dann lädt uns das Ego ein, unsere Angriffsgedanken, also unsere Urteile, zu verurteilen. Wenn wir dieser Einladung folgen, sind wir wieder in die Falle des Egos getappt. Wir dürfen das Auftauchen unserer unbewussten Angriffsgedanken nicht zum Problem machen, sondern müssen es als Teil des Erlösungsprozesses verstehen.

In unserem Bewusstsein erfahren wir Frieden, wenn wir die Angriffsgedanken beobachten können, wie sie verschwinden und erkennen: Das bin nicht ich. Ich bin nicht der Verurteiler. Ich bin nicht der Angreifer. Ich bin nicht der Denker von Angriffsgedanken. Das ist die Erkenntnis unserer Göttlichkeit. Da wir nicht der Denker unserer Angriffsgedanken sind, brauchen wir keine Angst vor unseren wirklichen Gedanken haben. Das sind die Gedanken, die wir mit Gott denken.

Deswegen bezeichnen wir den Kurs als Geistesschulung. Wir lernen zuerst die “Gesetze” des Ego-Denksystems kennen und wenden uns dann nicht weiter den privaten Gedanken zu, sondern wenden uns voll und ganz den Gedanken zu, die wir mit Gott denken. Nichts von dem, was in dieser Welt auf der Ebene der Form geschieht, können wir kontrollieren, das einzige, was wir kontrollieren können, ist die Richtung unseres Denkens - und darin allein liegt unsere Verantwortung! Wir haben die Macht, unsere Gedanken zu verändern und jeden Gedanken der Angst durch einen glücklichen Gedanken der Liebe zu ersetzen. Das bedeutet, die Wahrheit in unserem Geist nicht länger zu verleugnen und stattdessen die GEDANKEN GOTTES als unser Erbe anzunehmen. Die GEDANKEN GOTTES sind weit über jegliche Veränderung erhaben und leuchten ewig.

Das Gebet von Lektion 236 lautet daher:

“VATER, mein Geist ist für DEINE GEDANKEN offen und für jeden Gedanken verschlossen, der nicht der DEINE ist. Ich herrsche über meinen Geist und biete ihn DIR an. Nimm meine Gabe an, denn sie ist die DEINIGE an mich.”

Denken und Verstehen

Alle Bücher sind gelesen, alles Denkbare gedacht, kein Problem ist ungewälzt, doch kaum jemand erwacht. Private Gedanken, Gedanken die wir nicht mit GOTT denken, also Denken, das nicht in der Bewusstheit des wahren SELBST wurzelt, wird zum Selbstzweck und ist gestört. Klugheit ohne Weisheit, die aus der Stille kommt, erzeugt Leiden. Ein indischer Guru hat dies einmal noch radikaler formuliert: “Weisheit ohne Meditation ist wie eine schöne Frau, die tot ist.” Anders ausgedrückt bedeutet dies: Weisheit, die nicht aus der Stille kommt, ist nicht lebendig.

LEKTION 221 lautet daher:
“Friede meinem Geist. Lass all meine Gedanken stille sein.”

In dieser Lektion bitten wir um die Befreiung von unseren privaten Gedanken. Und so treten wir in Schweigen vor GOTT. In der Stille unseres Herzens, in den tiefsten Tiefen unseres Geistes warten wir und lauschen auf SEINE STIMME.

In vielen spirituellen Konzepten wird nicht zwischen privaten Gedanken und den Gedanken GOTTES unterschieden und infolgedessen das Denken generell verteufelt. Doch nicht das Denken an sich ist das Problem, sondern die Identifikation mit dem Ego-Denksystem - den privaten Gedanken, die wir getrennt von GOTT denken. In der Identifikation mit dem Ego-Denksystem denken wir in Wahrheit überhaupt nicht. Die Anwesenheit dieser »Gedanken« bedeutet, dass wir nicht denken. In diesem Zustand ist unser Geist leer. Die ersten 50 Lektionen des Kurses beschäftigen sich einzig und allein damit, uns die Bedeutungslosigkeit und Nichtigkeit unserer privaten Gedanken erkennen zu lassen. Am spirituellen Weg geht es um die Befreiung aus diesem Zustand, um uns wieder an unsere Wahrheit als vollkommener Gedanke im GEIST GOTTES zu erinnern. Als SEIN SOHN denken wir mit dem GEIST GOTTES. Deshalb teilen wir unsere Gedanken mit IHM, so wie ER die SEINEN mit uns teilt. Es sind die gleichen Gedanken, weil sie vom gleichen GEIST gedacht werden.

“Wenn du denkst, du seist nicht willens, mit GOTT zu wollen, dann denkst du nicht. Der WILLE GOTTES ist Denken.”
(EKIW: Kapitel 8, VI. 7. 2.&3.)

Wenn wir einmal akzeptiert haben, dass unsere privaten Gedanken bedeutungslos sind, dann gilt es, uns immer wieder der Stille zuzuwenden, um SEINER STIMME zu lauschen. Aber gerade das fällt uns am Beginn unseres Weges oft sehr schwer. Doch wenn wir die Gedanken die uns durch den Kopf gehen auch nur gelegentlich als bloße Gedanken erkennen können, wenn wir Beobachter unserer eigenen mental emotionalen Verhaltensmuster sein können, so wie sie auftreten, eröffnet sich uns die Dimension wacher Bewusstheit bereits, als das Gewahrsein in dem Gedanken und Emotionen aufsteigen, als zeitloser innerer Raum in dem sich unser Lebensinhalt entfaltet.

Doch der Strom der privaten Gedanken hat eine enorme Triebkraft, die uns leicht mitreißen kann. Jeder Gedanke gibt vor, sehr wichtig zu sein, er will unsere Aufmerksamkeit auf sich konzentrieren. Häufig lassen wir uns von unserem eigenen begrifflichen Denken gefangen nehmen. Der Ego-Geist hält, in seiner Wissbegier und seinem Verlangen nach Verständnis und Kontrolle, seine Ansichten und Standpunkte irrtümlich für die Wahrheit. Er sagt, so nicht anders ist es. Wir müssen über das vom Ego dominierte Denken hinausgehen, um uns darüber klar zu werden, dass jede Interpretation unseres eigenen Lebens oder des Lebens und Verhaltens von jemand anderen und jede Beurteilung einer beliebigen Situation nicht weiter als ein Standpunkt ist, eine von vielen möglichen Betrachtungsweisen, sie ist nicht weiter als ein Bündel von privaten Gedanken. Die Wirklichkeit ist jedoch ein vereintes Ganzes in dem alle Dinge miteinander verwoben sind und nichts für sich und aus sich allein existiert. Das egoische Denken fragmentiert die Wirklichkeit, es zerstückelt sie in Begriffsfetzen. Die Entscheidung, zu urteilen, statt zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens.

Der Verstand ist ein nützliches, machtvolles Werkzeug, aber er ist auch sehr einengend, wenn wir ihm unser Leben vollkommen überlassen und nicht erkennen, dass er nur ein kleiner Aspekt unserer Erfahrung ist. Das, was wir sind, ist nichts Erdachtes im herkömmlichen Sinne. Das tiefe Erkennen und Wissen, das wahre Weisheit ist, stellt sich ein, wenn wir einfach jemandem oder etwas unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Aufmerksamkeit ist ursprüngliche Intelligenz, ist reines Bewusstsein, sie löst die Schranken auf, die das begriffliche Denken geschaffen hat und damit zugleich kommt die Erkenntnis, dass nichts für sich und aus sich alleine existiert. Die Aufmerksamkeit schließt den Beobachter und das Beobachtete in einem einheitlichen Bewusstseinsfeld zusammen, sie heilt die Trennung.

Kōan

Ein Kōan ist im chinesischen Chan- bzw. japanischen Zen-Buddhismus eine kurze Frage, Anekdote oder Sentenz, die eine beispielhafte Handlung oder Aussage eines Zen-Meisters darstellt. An der Reaktion des Schülers erkennt der Meister den Grad von dessen Erkenntnis. Wesentlich für das Kōan ist, dass es rational unlöslich ist und in den Bereich des Arationalen verweist. Das Kōan zwingt, die Bahn des rationalen Denkens zu verlassen und über den gewöhnlichen Bewusstseinszustand hinauszugelangen, um eine neue unbekannte Dimension zu erreichen. Diese Funktion ist allen Kōan gemeinsam, wie sehr sie inhaltlich und der literarischen Form nach verschieden sein mögen. Im Chan und Zen werden Kōans zur Kontemplation benutzt. Das bekannteste Kōan, das inzwischen auch im Westen Allgemeingut geworden ist, ist die Frage nach dem Geräusch einer einzelnen klatschenden Hand. Mein persönliches Kōan, das mir hilft, wenn ich meine privaten Gedanken ernst nehme, lautet: “Gibt es ein Leben vor dem Tod und wenn ja, warum nicht?”

Wann immer wir in zwanghaftes privates Denken versunken sind, verdrängen wir das, was ist. Dann sind wir nicht im Hier und Jetzt. Das Merkwürdige ist, dass wir Menschen unsere geistigen Gefängniszellen, unsere Dogmen und unsere Meinungen lieben, weil sie uns ein Gefühl der Sicherheit und das falsche Empfinden vermitteln, ich weiß. Nichts hat mehr Leid über die Menschheit gebracht, als ihre eigenen Dogmen. Es stimmt zwar, dass jedes Dogma mal früher oder später bröckelt, weil die Wirklichkeit allmählich seine Fehlerhaftigkeit enthüllt, doch solange der grundlegende Trugschluss fortbesteht und es nicht als das gesehen wird, was es ist, wird es einfach von anderen Dogmen abgelöst werden. Worin besteht der grundlegende Trugschluss? In der Identifikation mit dem privatem Denken. Spirituelles Erwachen ist das Aufwachen aus dem Traum des privaten Denkens, aus der Identifikation mit dem vom Ego getriebenen Gedankenstrom.

Der vom Ego gesteuerte Verstand ist so beschaffen, dass ihm nichts genügt und deshalb ist er ständig auf der Suche nach mehr. Wenn wir uns mit dem Verstand identifizieren, langweilen wir uns sehr schnell und werden ruhelos. Langeweile bedeutet, dass unser Geist nach mehr Anreizen verlangt, nach gedanklicher Nahrung und dass dieser Hunger nicht gestillt wird. Wenn wir uns langweilen, können wir unseren geistigen Hunger stillen, indem wir eine Zeitschrift lesen, telefonieren, den Fernseher einschalten, im Internet surfen, einen Einkaufsbummel machen oder - und dass ist nichts Ungewöhnliches - indem wir das mentale Hungergefühl und das Verlangen nach mehr auf den Körper übertragen und vorübergehend dadurch befriedigen, dass wir mehr Nahrung zu uns nehmen.

Wir können aber auch gelangweilt und ruhelos bleiben und beobachten, wie es ist, gelangweilt und ruhelos zu sein. Sobald wir diese Gefühle bewusst wahrnehmen, sind sie plötzlich von Raum und Stille umgeben, zuerst nur ein wenig, aber in dem Maße wie unser Empfinden für den inneren Raum wächst, lassen Intensität und Bedeutung der Langeweile nach. Selbst die Langeweile kann uns also lehren, wer wir sind und wer nicht. Wir entdecken, dass wir nicht mit der gelangweilten Person identisch sind. Langeweile ist lediglich ein konditioniertes Verlangen in unserem Innern und wir sind auch keineswegs erfüllt von Langeweile. Langeweile ist nichts, das uns wirklich eigen wäre.

Kontemplation, Konzentration, Meditation

Unser übliches Denken ist das, was Jesus im Kurs privates Denken nennt. Das ist ein ungeordnetes Denken, vage, ohne Ziel. Es ist das, was die Freudianer Assoziation nennen. Ein Gedanke führt zum nächsten, ohne dass wir Einfluss darauf hätten. Durch Assoziationen führt ein Gedanke von selbst zum anderen.

Denken wird dann zur Kontemplation, wenn es sich nicht durch Assoziationen bewegt, sondern zielgerichtet ist. Wir arbeiten an einem bestimmten Problem und richten unseren Verstand darauf. Das Ego wird versuchen, durch jedes Schlupfloch auf eine Nebenbahn zu entkommen, zu einer Assoziation. Wir schneiden alle Nebenwege ab. Ein Kurs-Schüler, der mit einer Lektion arbeitet, ist in Kontemplation.

Dann gibt es die Konzentration: Konzentration ist ein Verharren an einem Punkt. Das ist nicht dasselbe wie Kontemplation, es ist kein Denken. Konzentration heißt, wirklich an einem Punkt verweilen, dem Geist nicht zu erlauben weiterzugehen. Im gewöhnlichen Denken führt sich unser gespaltener Geist wie ein Wahnsinniger auf. In der Kontemplation wird der Wahnsinnige gelenkt, geleitet; er kann keine Seitensprünge machen. In der Konzentration wird dem Geist nicht einmal erlaubt, sich zu bewegen. Im gewöhnlichen Denken darf er überallhin; in Kontemplation darf er nur in eine bestimmte Richtung, in Konzentration darf er sich überhaupt nicht bewegen. Er darf nur an einem Punkt verharren. Die gesamte Energie, die ganze Bewegung hält inne, bleibt an einem Punkt.

Und in Meditation werden private Gedanken und damit auch der Verstand überhaupt nicht zugelassen. Meditation ist Nicht-Verstand. Dies sind die vier Stufen: gewöhnliches Denken, Kontemplation, Konzentration, Meditation.

Meditation heißt Nicht-Verstand: Nicht einmal Konzentration ist erlaubt. Der Verstand an sich darf nicht da sein! Darum kann Meditation vom Verstand her nicht begriffen werden. Der Bereich des Verstandes erstreckt sich bis zur Konzentration. Der Verstand kann Konzentration verstehen, aber der Verstand kann Meditation nicht verstehen. Tatsächlich ist der Verstand überhaupt nicht mehr zugelassen.

Verstehen

Langer Rede kurzer Sinn: Es ist grundsätzlich unmöglich, den Kurs zuerst zu verstehen, in der Hoffnung dann die entsprechenden Erfahrungen zu machen, denn wirkliches Verstehen, im Sinne von Erkenntnis, passiert erst im Moment der Erfahrung. Die Praxis des Lernens mit dem Kurs ist lediglich ein Wiederholen von Hinweisen auf eine noch nicht erfahrene und damit noch nicht verstandene Wirklichkeit. Das "Lernen" des Kurses besteht in erster Linie in der Praxis der Wiederholungen und der Entwicklung von Bereitschaft und Vertrauen.

“Denke nicht, dass du irgend etwas verstehst, solange du nicht die Prüfung des vollkommenen Friedens bestehst, denn Frieden und Verstehen gehen Hand in Hand und können nie allein gefunden werden.”
(EKIW: Kapitel 14, XI. 12. 4.)

“Nichts, was du verstehst, ist angsterregend.”
(EKIW: Kapitel 14, VI. 1. 2.)

“Nur diejenigen, die begreifen, dass sie nicht wissen können, wenn die Wirkungen des Verstehens nicht bei ihnen sind, können überhaupt wirklich lernen. Dafür müssen sie Frieden wollen und nichts anderes. Jedes Mal, wenn du zu wissen glaubst, scheidet der Frieden von dir, weil du den LEHRER des Friedens verlassen hast. Jedes Mal, wenn dir vollauf klar wird, dass du nicht weißt, kehrt der Frieden wieder, denn du hast IHN dazu eingeladen, indem du das Ego zu SEINEN Gunsten aufgegeben hast.”
(EKIW: Kapitel 14, XI. 13. 1.-4.)

Der Kurs ist holistisch aufgebaut und beginnt gleich mit den schwierigsten Grundsätzen zu einem Zeitpunkt, zu dem wir noch nicht einmal wissen, was ein Wunder ist. Selbst Kurslehrer, die seit mehr als 30 Jahren auf Kurs sind, berichten, dass sie beim Lesen des Kurses immer wieder etwas Neues zu entdecken scheinen. Die Wahrheit jenseits der Worte offenbart sich uns immer je nach unserer Bereitschaft und unserem aktuellen Geisteszustand.

In Lektion 124 heißt es:
“Betrachte diese halbe Stunde als deine Gabe an GOTT, in der Gewissheit, dass SEINE Gegengabe ein Gefühl der Liebe sein wird, das du nicht verstehen kannst, eine Freude, die zu tief geht, als dass du sie erfassen könntest, ein Anblick, der zu heilig für den Anblick durch des Körpers Augen ist. Und dennoch kannst du sicher sein, dass du eines Tages, heute vielleicht, vielleicht auch morgen, verstehen und erfassen und auch sehen wirst.”

In Lektion 169 heißt es:
“Es ist nicht nötig, weiter klarzustellen, was niemand in der Welt verstehen kann. Wenn die Offenbarung deines Einsseins kommt, dann wird sie erkannt und voll und ganz verstanden werden. Jetzt gibt es Arbeit zu verrichten, denn die, die in der Zeit sind, können von Dingen, die über sie hinausgehen, sprechen und auf Worte hören, die erklären, dass das, was noch geschehen wird, bereits vergangen ist.”

In der Einleitung zur sechsten Wiederholung heißt es:
“Wir wollen auch versuchen, bei dieser Wiederholung über alle Worte und besonderen Übungsformen hinauszugehen. Denn diesmal unternehmen wir den Versuch, mit einem schnelleren Schritt auf einem kürzeren Weg zu GOTTES Gelassenheit und Frieden zu gelangen. Wir schließen einfach unsere Augen, und dann vergessen wir alles, was wir zu wissen und zu verstehen glaubten. Denn so wird uns Freiheit von allem zuteil, was wir nicht wussten und nicht verstanden haben.”

Unser wahres tief innerstes SELBST - das göttliche SEIN - ist uns jetzt zugänglich. Aber wir dürfen nicht versuchen, es mit dem Verstand zu erfassen, nicht versuchen es zu verstehen, denn wir können es nur erfahren, wenn der Verstand still ist. Wir werden es nie mit dem Intellekt begreifen können, aber wenn wir voll gegenwärtig sind und unsere Aufmerksamkeit ganz auf das Jetzt konzentrieren, können wir es fühlen.

Sich des göttlichen Seins wieder bewusst zu werden und in diesem Zustand fühlenden Erkennens zu verharren, bedeutet Erleuchtung. Das Wort Erleuchtung beschwört die Vorstellung einer übermenschlichen Großtat herauf und das Ego möchte, dass es so bleibt. Dabei bezeichnet das Wort einfach nur den natürlichen Zustand in dem wir uns eins mit GOTT fühlen. Das ist ein Zustand der Verbundenheit mit etwas Unermesslichem und Unzerstörbarem, mit etwas, das paradoxerweise wir selbst sind und das trotzdem viel größer ist als wir. Wir finden darin jenseits von Name und Form unser wahres Wesen.

Das große Hindernis

Aus der Unfähigkeit diese Verbundenheit zu spüren, entsteht die Illusion, von unserem wahren SELBST und der Außenwelt getrennt zu sein. In diesem Fall nehmen wir uns bewusst oder unbewusst als isoliertes Fragment wahr. So entsteht Angst; innere und äußere Konflikte werden zur Normalität.

Das größte Hindernis für die Erfahrung dieser realen Verbundenheit mit GOTT ist die Identifikation mit dem Verstand, die privates Denken zwanghaft werden lässt. Nicht mit dem privaten Denken aufhören zu können, ist ein Verhängnis, aber wir sind uns dessen nicht bewusst, weil fast jeder darunter leidet, so dass es für normal gehalten wird. Der unaufhörliche Lärm des privaten Denkens verhindert jedoch, dass wir den Raum der inneren Stille finden, der von GOTT untrennbar ist.

Durch den Lärm des privaten Denkens entsteht auch das falsche, vom Verstand künstlich aufrecht erhaltene Selbst, das uns mit Angst und Leid überschattet. Die Identifikation mit dem Verstand schafft einen undurchdringlichen Schleier aus Konzepten, Begriffen, Vorstellungen, Werten, Urteilen und Definitionen, die jede wahre Beziehung blockiert. Dieser Gedankenschleier schiebt sich zwischen uns und unser SELBST, uns und unsere Mitmenschen, uns und GOTT. Dieser Gedankenschleier ist es, der die Illusion des Getrenntseins erzeugt, die Illusion, dass es uns und etwas völlig von uns getrenntes Anderes gibt. Dabei vergessen wir die grundlegende Tatsache, dass wir auf einer Ebene, jenseits der körperlichen Erscheinungen und getrennten Formen, eins sind mit allem, was ist.

Aussagen wie “Ich weiß, dass ich reiner Geist bin, aber …”, “Ich weiß, dass ich kein Körper bin, aber …” sind verrückt, denn wahres Wissen - im Sinne von Erkenntnis - kennt kein "aber". Wenn ich wirklich weiß, gibt es kein "aber", dann gibt es kein Problem mehr. Jedes "aber" ist Ausdruck von Nichtwissen.

Bei richtigem Gebrauch ist der Verstand ein hervorragendes Instrument, wird er jedoch falsch eingesetzt, kann er sich sehr zerstörerisch auswirken. Um genau zu sein, benutzen wir unseren Verstand eigentlich gar nicht falsch, wir benutzen ihn überhaupt nicht, sondern das Ego benutzt ihn gegen uns! Das ist die Krankheit. Wir identifizieren uns mit unserem vom Ego dominierten Verstand, das ist die Täuschung. Das Instrument hat die Herrschaft über uns gewonnen. Wir sind im Grunde - ohne es zu ahnen - besessen und halten jenen Teil, der von dir Besitz ergriffen hat, für uns selbst.

Die Freiheit beginnt mit der Erkenntnis, dass wir nicht dieser Teil sind, von dem wir besessen sind, der Denker privater Gedanken. Diese Einsicht versetzt uns in die Lage, den, der uns beherrscht, zu beobachten. In dem Augenblick, indem wir den Denker zu beobachten beginnen, wird eine höhere Bewusstseinsebene aktiviert. Wir erkennen den unendlich großen Intelligenzbereich jenseits des privaten Denkens. Wir erkennen auch, dass alles, was wirklich von Bedeutung ist, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Friede seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat. Wir beginnen zu erwachen.

In diesem Zusammenhang hat sich in der deutschen Übersetzung des Kurses ein Fehler eingeschlichen. Dort heißt es:

“Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr von Sinn und Verstand.”
(EKIW: Kapitel 9, IV. 9. 4.)

Im englischen Original heißt es:

”The Second Coming is merely the return of sense.”
(ACIM, T-9.IV.9:4)

Richtig müsste es also heißen:

„Die WIEDERKUNFT CHRISTI ist lediglich die Rückkehr des Sinns.“

Im heiligen Augenblick liegt der Schlüssel zur Befreiung, aber solange wir uns mit dem Verstand identifizieren, können wir den heiligen Augenblick nicht finden. Erleuchtung heißt über das private Denken hinauszugehen, im Zustand der Erleuchtung machen wir zwar bei Bedarf vom denkenden Verstand Gebrauch, aber viel zielgerichteter und effektiver als vorher, frei vom zwanghaften inneren Dialog, benutzen wir ihn vor allem für praktische Zwecke und im Inneren herrscht Stille.

Nachfolgend einige Beispiele für die Befreiung und Erleichterung, die sich einstellt, wenn es uns gelingt, uns für einen Moment von der Identifikation mit dem Verstand zu lösen und all unsere privaten Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen:

Mooji - „I Can't Find My Mind!“

Mooji - Laughing Buddha 3

Mooji - "Just Realized I`m A Fraud." "Laugh It Off."

Jesus erinnert uns im Kurs auch an Folgendes:
„Niemand glaubt, es habe wirklich eine Zeit gegeben, als er nichts von einem Körper wusste und sich die Welt niemals als wirklich hätte vorstellen können. Er hätte gleich gesehen, dass diese Ideen eine Illusion sind, zu lächerlich für irgend etwas anderes, als durch Lachen verscheucht zu werden. Wie ernst scheinen sie jetzt zu sein! Und niemand kann sich mehr erinnern, wann ihnen mit Lachen und Unglauben begegnet worden wäre. Wir können uns daran erinnern,wenn wir nur ihre Ursache direkt anschauen. Und wir werden Gründe zum Lachen sehen und keine Ursache zur Angst.“

Ursache und Wirkung

Eines Tages ging ein Junge zu Bett. Im Schlaf hatte er einen Traum. Er sah eine Gruppe finster dreinblickender Männer mit einem großen, kräftigen Kerl als Anführer, die ihn anstarrten. Heute Abend, wieder schaute der Junge auf die Uhr seines Smartphones, war es ungewöhnlich spät geworden, immer noch keine anderen Menschen in Sicht und das Ende dieser dunklen Gasse nicht zu erkennen. Er wurde unruhig. Er war nicht bloß spät dran, er befand sich in einer Gegend, die ihm nicht geheuer schien. Es war dunkel geworden, die letzte Straßenbahn hatte er verpasst, sein Smartphone fest in der Hand sah er sich um. Da kamen die großen Kerle näher, immer näher. Schließlich waren sie ihm so nah, dass er den Atem des Anführers spürte. Der Junge bebte vor Angst. Dann fragte er: “Was werdet ihr mir antun?” “Tja, mein Junge,” erwiderte der Anführer der Gang, “es ist dein Traum.”

“Das Wunder legt fest, dass du einen Traum träumst und dass sein Inhalt unwahr ist. Das ist ein entscheidender Schritt im Umgang mit Illusionen. Niemand hat vor ihnen Angst, wenn er wahrnimmt, dass er sie erfunden hat. Die Angst wurde an ihrem Platz gehalten, weil er nicht sah, dass er Autor des Traumes war und nicht eine Figur im Traum.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 7. 1.-4.)

In den Träumen dieser Welt werden Ursache und Wirkung ausgetauscht, denn hier glaubt der Macher seines Traums, dass das, was er gemacht hat, ihm geschieht. Alles, wovon wir eine Wirkung auf uns erfahren möchten, macht uns zu einer Wirkung und wird zu unserer Ursache!

“Ich sagte schon, dass es bei dir liegt, was du projizierst oder ausdehnst, aber du musst entweder das eine oder das andere tun, denn das ist ein Gesetz des Geistes, und du musst nach innen schauen, bevor du nach außen schaust. Während du nach innen schaust, wählst du den Führer für dein Sehen. Und dann schaust du nach außen und siehst seine Zeugen. Deshalb findest du, was du suchst. Was du in dir selber willst, das wirst du manifest machen, und du wirst es von der Welt akzeptieren, weil du es dadurch in sie hineingelegt hast, dass du es wolltest. Wenn du denkst, du würdest etwas projizieren, was du nicht willst, liegt es trotz allem daran, dass du es doch willst. Das führt geradewegs zur Dissoziation, denn es stellt das Akzeptieren zweier Ziele dar, von denen jedes an einem anderen Ort wahrgenommen wird und die getrennt sind voneinander, weil du sie verschieden gemacht hast. Dann sieht der Geist eine gespaltene Welt außerhalb von sich, aber nicht in sich. Das gibt ihm die Illusion der Einheit und ermöglicht ihm zu glauben, dass er nur ein einziges Ziel verfolgt. Doch solange du die Welt als gespalten wahrnimmst, bist du nicht geheilt. Denn geheilt sein heißt, ein einziges Ziel zu verfolgen, weil du nur eines akzeptiert hast und nur eines willst.”
(EKIW: Kapitel 12, VII. 7.)

Wir glauben also, in einer Welt zu sein, die auf uns wirkt. Wir glauben an ein Außen, das auf uns wirkt. Warum wirkt es? Weil wir allen Dingen die Bedeutung einer Wirkung gegeben haben - und zwar wirklich allen Dingen. Wir sehen keine neutralen Dinge, genauso wenig wie wir neutrale Gedanken haben. Jeder Geruch, jeder Geschmack, jedes Geräusch, jeder Blick, jedes Wort, jede Idee, jeder Gedanke wirkt auf uns und nicht, weil das so ist - nein - das ist alles eine Illusion, sondern weil wir wollen, dass es so ist. Warum wollen wir, dass es so ist? Weil wir uns hier ein paar Kleinigkeiten ausgesucht haben, die uns erfreuen können: Der Sonnenschein, ein Stück unberührte Natur, eine Umarmung, freundliche Worte, usw.

Alle Illusionen ruhen auf dem wunderlichen Glauben, dass wir ein eigenes Selbstbild für uns machen können. Unsere selbstgemachten Rollen wechseln, und sie scheinen vom Trauernden zur ekstatischen Seligkeit der Liebe und des Liebens überzugehen. Wir können lachen oder weinen, den Tag willkommen heißen oder mit Tränen begrüßen. Unser Sein selbst scheint sich zu verändern, während wir tausend Stimmungswechsel erleben, und unsere Gefühle heben uns gar hoch oder schmettern uns in Hoffnungslosigkeit zu Boden.

Wir wollen auch, dass der Ersatz für die Liebe, den das Ego gemacht hat, wahr sei. Die Folge davon ist, dass wir uns umso verletzlicher fühlen, je mehr wir zu lieben scheinen. Der Tod eines über alles geliebten Kindes kann uns in einen tiefen Abgrund von völliger Sinnlosigkeit stürzen. Was ist das für eine Welt, die wir da wahrnehmen? Wer ist der Macher dieser grausamen Welt?

"Wonach du verlangst, das wirst du sehen.
Das ist das wirkliche Gesetz von Ursache und Wirkung,
so wie es sich in der Welt auswirkt."
(EKIW: Lektion 20, 5, 5.&6.)

Wir müssen nichts davon aufgeben, wir dürfen uns nur anschauen, dass das hier eine ganz-oder-gar-nicht Geschichte ist. Wenn wir wollen, dass die Welt auf uns wirkt, dann wird sie ganz und gar auf uns wirken. Wenn wir uns für einen Moment davon befreien wollen, dann dürfen wir uns für diesen Moment ganz und gar davon befreien lassen. Nur so können wir erkennen, was wir uns durch unser Festhalten an den partiellen Freuden dieser Welt verwehren, nämlich den Frieden GOTTES.

Es gibt grundsätzlich keine Ursache-Wirkungsbeziehung auf der Ebene der Form und keine innerhalb der linearen Zeit, denn alles ist eine Projektion des schlafenden Geistes - genau jetzt!

Wir erhalten die scheinbare Wirkung dieser Welt aufrecht wegen der Umarmungen, wegen der freundlichen Worte, wegen des guten Essens, wegen des Kaffees, wegen des kühlen Wassers und wegen des Dufts, der in der Luft liegt, wenn Frühling ist. Wir erhalten all dies aufrecht, weil wir verliebt sind in unsere Idee des Guten, die wir hier in dieser Welt erzeugen. Doch das ist in der Tat ein Traum, der natürlich alles Scheußliche, was wir genauso gemacht haben, beinhaltet, ein Traum von Dualität, ein Traum in dem wir das eine nicht ohne das andere haben können und vor allem ein Traum in dem wir nicht gemacht haben, was uns wann passiert.

Warum es uns so schwierig erscheint, aus diesem Traum zu erwachen, liegt daran, dass er so beeindruckend funktioniert. Wenn wir daran glauben, dass uns ein Kaffee munter macht, dann werden wir diese Wirkung sofort erfahren, weil wir daran glauben. Wenn wir glauben, dass ein gutes Essen uns zufrieden macht, dann werden wir diese Wirkung erleben, weil wir daran glauben. Wenn wir glauben, dass eine schöne Umgebung oder schönes Wetter uns glücklich macht, dann werden wir diese Wirkung erfahren, weil wir daran glauben. Warum gibt es so viele Spontanheilungen, so viele Wunder an so genannten heiligen Orten, an Wallfahrtsorten? Nicht weil der Ort an sich wirkt, sondern weil der Glaube an den Ort wirkt. Es fällt uns schwer zu erkennen, dass unser Glaube allein die Ursache all dieser scheinbaren Wirkungen ist. Solange wir uns noch stark in der Ego-Identifikation befinden, ist der spirituelle Weg daher sehr herausfordernd, weil seine Wirkungen für uns nicht so unmittelbar erkennbar sind.

Die unbewusste Natur des spirituellen Wachstums am Beginn des Weges bedeutet nicht, dass es eine Aktivität ist, die sich in den angeblich unterbewussten Bereichen des menschlichen Intellekts abspielt; sie ist vielmehr ein Zeichen schöpferischer Aktivitäten auf den überbewussten Ebenen. Die Erfahrung, sich der Realität unbewussten spirituellen Wachstums innezuwerden, ist der positive Beweis der funktionellen Existenz des Überbewusstseins. In Ein Kurs in Wundern heißt es: “Doch dieses SELBST erkennst du eindeutig nicht, und du nimmst ES auch nicht wahr, obwohl ES funktioniert. Was funktioniert, muss da sein.” (EKIW: Kapitel 16, III. 3. 6.-7.) Die Basis für den spirituellen Weg ist daher Vertrauen und darauf aufbauend Geduld, wobei nur unendliche Geduld sofortige Wirkungen zeitigt.

“Des Ego Lehre zeitigt unmittelbare Folgen, weil seine Entscheidungen unverzüglich als deine Wahl angenommen werden. Und dieses Annehmen bedeutet, dass du gewillt bist, dich selbst dementsprechend zu beurteilen. Ursache und Wirkung sind im Denksystem des Ego ganz deutlich, weil dein ganzes Lernen darauf ausgerichtet war, die Beziehung zwischen ihnen herzustellen. Und wurdest du etwa keinen Glauben an das haben, was du dir selbst so eifrig zu glauben beigebracht hast? Bedenke aber, wie viel Sorgfalt du aufgewandt hast, um die Zeugen dafür auszuwählen und diejenigen zu meiden, die für die Sache der Wahrheit und ihre Wirkungen eingetreten sind.”
(EKIW: Kapitel 16, III. 2. 4.-8.)

Übung

Wenn wir uns mit dem Zurücknehmen von Projektionen beschäftigen, denken wir zuerst an unsere negativen Projektionen. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass es auch um positive Projektionen geht. Nichts im scheinbaren Außen hat an sich irgendeine Bedeutung. Schon die erste Lektion im Kurs weist uns genau darauf hin. Unsere Wahrnehmung einer Qualität von etwas Äußerem ist lediglich eine Projektion und keine Wirklichkeit. Darauf weist uns Lektion zwei hin. Solange wir dem Außen eine positive Wirkung auf unser Inneres zusprechen, leben wir in der Illusion der Trennung. Wir werden niemals vollkommenes Glück finden, weil wir von äußeren Umständen abhängig sind. Es gibt nur eines, was Wert hat: wenn wir ohne alles glücklich sein können, ohne jede weltliche Abhängigkeit, glückselig sein können. Nur wenn wir nichts für unsere Seligkeit brauchen, können wir selig sein. Sonst nicht. Sonst werden wir elend sein, immer im Elend. Abhängigkeit ist Elend.

Mach einen Spaziergang durch eine Landschaft, die du als schön empfindest. Das wird meist etwas sein, das du gleichzeitig als unberührte Natur wahrnimmst. Erinnere dich daran, dass du immer zuerst nach innen schaust, bevor du etwas nach außen projizierst. Durch Projektion manifestierst du das, was du innerlich willst, im Außen. Du willst Schönheit und Vollkommenheit. Nur weil du sie in dir noch nicht wahrnimmst, versuchst du, sie im Außen zu finden. Erinnere dich daran, dass du es nur nach außen projizieren kannst, weil es auch in dir ist. Die Schönheit, die du scheinbar im Außen wahrnimmst, ist daher in Wahrheit in dir zu finden, sie ist deine Wirklichkeit und hängt in Wahrheit nicht von scheinbar äußeren Umständen ab.

“Ideen verlassen ihre Quelle nicht, und ihre Wirkungen sind nur dem Scheine nach getrennt von ihnen. Gedanken sind vom Geist. Das, was nach außen projiziert wird und scheinbar außerhalb des Geistes ist, ist überhaupt nicht außen, sondern eine Wirkung dessen, was innen ist und seine Quelle nicht verlassen hat.”
(EKIW: Kapitel 26, VII. 4. 7.- 9.)

Strebe daher nicht mehr weiter nach dem, was du im Außen als schön, gesund, freudespendend oder glücklich machend beurteilt hast, sondern lass alle Urteile los und gib dich komplett SEINER Führung hin. Dann wirst du auch in dem, was du bisher als hässlich beurteilt hast, nur noch Schönheit sehen, einen leuchtenden und funkelnden Glanz, der nicht von dieser Welt ist. Dann wirst du den Zustand von Lektion 30 erlangen: "GOTT ist in allem, was ich sehe, weil GOTT in meinem Geist ist."

Solange wir wollen, dass uns hier etwas Lust bereitet, aus dem sogenannten Außen, so lange werden wir Angst haben. Je stärker wir wollen, dass etwas auf uns wirkt, desto mehr Angst lassen wir in unseren Geist. Die berühmte “schöne Tasse Tee” beispielsweise soll nur ein bisschen auf uns wirken, dadurch lassen wir uns nur ein bisschen Angst ein. Mit den Dingen, denen wir eine große Wirkung zusprechen, lassen wir wesentlich mehr Angst in unseren Geist ein.

Also, selbst wenn wir Dingen und Situationen eine positive Wirkung auf uns zu sprechen, laden wir damit die Angst in unseren Geist ein. Noch schlimmer wird es, wenn wir etwas aus dem sogenannten Außen eine negative Wirkung auf uns zu sprechen. Wenn wir beispielsweise glauben, dass ein “im Steinbock rückläufiger Pluto” eine negative Wirkung auf uns hat, laden wir relativ viel Angst ein, denn das scheinen Dinge zu sein, denen wir uns gar nicht entziehen können.

Wenn wir Worten eine Wirkung auf uns geben, also wenn wir glauben, Worte anderer Menschen können uns verletzen, dann werden wir Angst vor bestimmten Wörtern haben, dann fühlen wir uns von bestimmten Worten getriggert. Das ist eine offensichtliche Verwechslung der Ebenen. Die Gegenwart der Angst zeigt an, dass wir Körpergedanken auf die Ebene des Geistes gehoben haben.

Wer oder was glauben wir zu sein, dass Worte uns verletzen können? Dieser Frage lohnt es sich, intensiv nachzuspüren und nach innen zu gehen: Wer glaube ich zu sein, dass Worte anderer Menschen mich verletzen können? Weil wir völlig vergessen haben, wer wir sind, haben wir eine enorme Wachsamkeit gegenüber den verletzenden Worten scheinbar anderer Menschen entwickelt, denn wir sind uns nicht bewusst, dass nur unsere eigenen Angriffsgedanken uns verletzen können. In Bezug auf unsere eigenen Angriffsgedanken sind wir jedoch völlig unachtsam.

Wenn wir an die problemlösende Wirkung von aufputschenden oder dämpfenden Drogen glauben, dann öffnen wir uns für sehr viel Angst. Der Einsatz von Psychedelika, sogenannter Pflanzenmedizin, ganz generell der Einsatz von Magie, kann allerdings in bestimmten Situationen und in einem spirituellen Kontext auch hilfreich sein. Es hängt immer vom Zweck der Anwendung ab.

“Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Am Beispiel Psychedelika zeigt sich, wie der HEILIGE GEIST alles zum Zweck der Erlösung verwenden kann, was das Ego geschaffen hat. Der spirituelle Weg ist eine Reise ins Unbekannte und erfordert Mut. Das Gleiche gilt für den Gebrauch von Psychedelika. Es bedeutet, die Illusion von persönlicher Kontrolle aufzugeben und sich etwas Höherem und Unbekannten hinzugeben, egal ob wir das nun Quantenfeld, höheres Selbst oder Gott nennen.

Das Ego verwechselt grundsätzlich Ursache und Wirkung. Dem Gedankensystem des Egos entsprechend erscheint es daher so, als würden Psychedelika das Bewusstsein verändern. Doch nur der Geist ist ursächlich. Pflanzen können das Bewusstsein nicht verändern, denn das Bewusstsein ist eine Projektion des Geistes. Das Bewusstsein ist die Domäne des Egos. Die Pflanzenmedizin verändert nicht das Bewusstsein, sondern die Anwendung der Pflanzenmedizin spiegelt die Veränderung im Geist im Bewusstseins wider. Es ist die entsprechende Geisteshaltung die Wirkung hat. Wir sehen daran, wie entscheidend die Veränderung unseres Gedankensystems ist.

Noch allgemeiner ausgedrückt bedeutet dies: Das Ego projiziert eine Welt, die scheinbaren Naturgesetzen genügt, um den Eindruck von Realität zu erwecken, doch die Naturgesetze sind, wie die Welt an sich, nicht die Ursache sondern die Wirkung. Auch die Naturgesetze sind Magie. Es gibt keine Gesetze außer den Gesetzen GOTTES. Lektion 76 lautet: “Ich unterstehe keinen Gesetzen außer den Gesetzen GOTTES.”

“Ich mache die Welt von allem los, wofür ich sie hielt.”
(EKIW: Lektion 132)

Und jetzt geht's los, denn jetzt kommt Jesus und der HEILIGE GEIST und sagen uns: Ich weiß, du hast dir ein paar ganz tolle Sachen ausgedacht, aber lass die mal nur für einen Moment los. Lass mal nur für den Moment die Idee, dass in dieser Welt irgendetwas auf dich wirkt, los, nur für einen kleinen Augenblick, du kannst gleich alles zurück haben. Und jetzt sag dir mal, dass GOTT nur Liebe ist, dass all deine Freuden im HIMMEL vertausendfacht werden, gib mal für diesen Moment deine komplette Vergangenheit her, schenk sie mal kurz für einen Moment her und nimm den Namen GOTTES an, den Namen dieser unglaublich wundervollen Liebe, nimm ihn an und erkenne, dass es nirgendwo jemals etwas anderes gegeben hat. Nirgendwo hat jemals etwas anderes existiert als GOTTES Liebe und das ist das Angebot. Gleich kannst du deine Angst und deine partielle Freude zurück haben - nur keinen Stress - der glückliche Schüler hat ein leichtes Herz. Nimm nur für einen Moment die totale Freude an. Lass den Namen GOTTES in deinem Geist aufsteigen, die Erinnerung an die Unendlichkeit und daran, dass nichts, was sich zu haben lohnt, jemals von dir getrennt war, weil bereits alles in dir ist. Es ist wirklich alles in dir, glaub nicht, dass dir ein kleineres Angebot gemacht wird. GOTT eröffnet dir alles, was du jemals wirklich wolltest.

Wir wollen uns erinnern, dass wir GOTTES SOHN sind. ER könnte nie eine solche Instabilität erschaffen, wie wir es getan haben und sie Sohn nennen. ER, der unwandelbar ist, teilt seine Eigenschaften mit seiner Schöpfung.

Veränderung

Im November 2007 stand ich in einem Zustand erweiterten Bewusstseins vor einem Spiegel und in diesem Moment war mir völlig klar, dass ich nicht das bin, was ich dort sah. Damals war ich auf einem Selbsterfahrungstrip und hatte noch keine Ahnung von wahrer Spiritualität und dachte, ich müsste etwas an meinem Äußeren ändern, um zu werden, wer ich bin. Heute ist mir die tiefe Wahrheit hinter dieser Erfahrung völlig klar - ich bin nicht das, was ich im Spiegel sehe, ich bin nicht der Körper und ich bin nicht etwas, das sich verändert.

Wie GOTT uns schuf, müssen wir unveränderlich sein, daher können vorübergehende Zustände definitionsgemäß nicht wirklich sein. Und doch erleben wir scheinbar Veränderung. Auch der Kurs zielt auf Veränderung ab. Wie ist das zu verstehen?

Das Ego hat die Illusion der Veränderung auf der Ebene der Form gemacht, GOTT hingegen gab uns Veränderung unseres Geistes durch den HEILIGEN GEIST. Diese Veränderung ist die Vergebung und dient dazu, die Illusion von Veränderung zu beenden. Im HIMMEL - also im Zustand des reinen, vereinheitlichten GEISTES - gibt es keine Veränderung.

“Wahres Lernen ist konstant und in seiner Veränderungskraft so stark, dass ein SOHN GOTTES seine Macht in einem Augenblick begreifen und die Welt im nächsten verändern kann. Denn dadurch, dass er anderen Geistes wird, hat er das machtvollste Mittel verändert, das ihm für die Veränderung je gegeben wurde. Das widerspricht in keiner Weise der Unveränderbarkeit des Geistes, wie GOTT ihn schuf, aber du glaubst, ihn verändert zu haben, solange du durch das Ego lernst. Das versetzt dich in eine Lage, in der du eine scheinbar widersprüchliche Lektion zu lernen hast: Du musst lernen, dein Denken über deinen Geist zu ändern. Nur dadurch kannst du lernen, dass er unveränderbar ist.”
(EKIW: Kapitel 7, v, 7. 5.-10.)

“Veränderung ist die größte Gabe, die GOTT allem gab, das du ewig machen möchtest, um sicherzustellen, dass nur der HIMMEL nicht vergehen wird. Du wurdest nicht geboren, um zu sterben. Du kannst dich nicht ändern, weil deine Funktion von GOTT festgelegt ist. Alle anderen Ziele sind in der Zeit angesiedelt und ändern sich, damit die Zeit erhalten bleibe, mit Ausnahme von einem. Vergebung zielt nicht darauf ab, die Zeit zu behalten, sondern auf ihr Ende, wo sie nicht mehr von Nutzen ist. Sobald ihr Zweck erfüllt ist, ist sie dahin.”
(EKIW: Kapitel 29, VI. 4. 1.-5.)

Man könnte es auch so ausdrücken: Wenn wir dem, was der Kurs aussagt, Glauben schenken, verändert sich alles. Alles, was wir zu wissen glaubten, alles, was unseren Blick auf diese Welt betrifft. Das Ziel des Kurses ist jedoch die Erkenntnis, dass sich in Wirklichkeit überhaupt nichts geändert hat.

Das Gesetz des Egos ist jenes der Wellenbewegung auf der Ebene der Form. Geburt und Tod, Sonnenauf- und Untergang, Krieg und Frieden, “Liebe” und Hass, Distanz und Nähe, Warm- und Eiszeiten, Aufblühen und Verwelken, Erfolg und Niederlage, Hochmut und Schwermut, Ebbe und Flut wechseln sich ständig ab und wir lassen uns davon beeindrucken und vom Wesentlichen - vom Unveränderlichen - ablenken.

“[...] denn auf Verwechslung und Verwirrung ist diese Welt gegründet, und es gibt nichts anderes, auf dem sie ruht. Ihr Fundament ändert sich nicht, auch wenn es in ständiger Veränderung zu sein scheint. Was ist das anderes als der Zustand, den Verwirrung eigentlich bedeutet? Für die Verwirrten ist Stabilität bedeutungslos, und Wechsel und Veränderung werden zum Gesetz, auf welches sie ihr Leben gründen.”
(EKIW: Kapitel 29, II. 6.)

Dem sterblichen Menschen erwachsen viele seiner zeitlichen Schwierigkeiten aus seiner zweifachen Beziehung zum Kosmos. Der Mensch ist ein Teil der Natur - er existiert in der Natur - und doch ist er fähig, die Natur zu transzendieren. Der Mensch ist endlich, aber er wird von einem Funken der Unendlichkeit bewohnt. In seinem Geist besteht weiterhin eine Verbindung zur Ewigkeit, doch als Körper lebt er in der Zeit. Erleben wir uns als einen sich verändernden Körper, bedeutet das, dass wir in unserem Geist unverändert an der Identifikation mit dem Ego festhalten.

“Der Körper ändert sich nicht. Er stellt den übergreifenderen Traum dar, Veränderung sei möglich. Sich ändern heißt, einen Zustand zu erlangen, der anders ist als der, in dem du dich vorher befandest. Es gibt in der Unsterblichkeit keine Veränderung, und der HIMMEL kennt sie nicht. Doch hier auf Erden hat er einen Doppelzweck, weil er verwendet werden kann, um Gegensätzliches zu lehren. Und dieses spiegelt nur den Lehrer wider, der es lehrt. Es kann den Anschein haben, als ob der Körper sich verändere: durch Zeit, durch Krankheit und Gesundheit und Begebenheiten, die ihn scheinbar anders machen. Doch das bedeutet nur, dass der Geist hinsichtlich seines Glaubens darüber, was der Zweck des Körpers ist, unverändert bleibt.”
(EKIW: Kapitel 29, II. 7.)

Solange unser gespaltener Geist noch nicht endgültig berichtet ist kommen wir der Beständigkeit allenfalls durch eine Wellenbewegung nahe, eine Serie von Wellentälern und Wellenbergen. Wenn wir uns genau beobachten, sehen wir diese Wellenbewegung in jedem Bereich unseres Lebens, bei unserem Interesse an unserer Arbeit, unserer Zuneigung zu unseren Freunden, unseren körperlichen Bedürfnissen. Das alles geht immer auf und ab. Solange unser Geist nicht endgültig berichtigt ist, werden sich Zeiten der emotionalen und körperlichen Fülle und Lebendigkeit mit Zeiten der Stumpfheit und Verzweiflung abwechseln. Wir sollten uns davon nicht beeindrucken lassen, sondern, egal ob wir uns gerade in einem Hoch oder einem Tief befinden, unseren Geist nur auf das Unveränderliche ausrichten. Gerade wenn wir uns in einem Tief befinden, dürfen wir uns nicht vom Ego einladen lassen, uns dafür auch noch schuldig zu fühlen, sondern müssen uns jetzt erst recht auf unsere Wirklichkeit als GOTTES SOHN ausrichten.

“Lass alle Dinge genau so sein, wie sie sind.”
(EKIW: Lektion 268)

Wir können dahin kommen, das Feld der Bewusstheit zu sein, das alle Dinge annehmen kann, die auftauchen, sich verändern und vergehen, und doch keinerlei Widerstand beim Annehmen und Tanzen mit diesen Dingen fühlen. Denn der Geist, der frei von den Illusionen des Todes ist, ist jener Geist, der lernt, mit dem Tod zu tanzen, und in jeden Moment oder in jede Beziehung einzutreten, in dem Wissen, dass er, weil der Körper beteiligt ist, zu einem Ende kommen muss. In der Tat ist er schon auf seinem Weg zum Tod.

“Bleibe gegenüber Freund wie Feind, in Ehren wie in Schande, unwandelbar gleich.”
(Sutra 66, Vigyan Bhairav Tantra)

“Bleibe unwandelbar gleich” - das ist die Grundlage. Etwas in uns bleibt ununterbrochen gleich. Es ändert sich nie. Wir mögen es noch nie beobachtet haben, wir mögen ihm noch nie begegnet sein, aber wenn wir genau hinschauen, werden wir erkennen, dass etwas in uns ununterbrochen gleich bleibt. Nur aufgrund dieses Gleichseins können wir überhaupt eine Identität haben. Aufgrund dieses Gleichbleibens fühlen wir uns zentriert; andernfalls wären wir ein einziges Chaos.

Der Zeuge muss derselbe bleiben. Nur dann kann der Zeuge den nötigen Abstand haben, kann der Zeuge sagen: “Das da war meine Kindheit, und das war in meiner Jugend, und da wurde ich alt. Das war der Augenblick, wo ich mich verliebte, und das der Augenblick, wo meine Liebe in Hass umschlug.” Dieses bezeugende Bewusstsein ist immer derselbe.

Alles spirituelle Bestreben besteht nur darin, das Gleiche mitten im Ungleichen zu finden, das Ewige im Veränderlichen zu finden - das zu finden, was immer gleich ist.

Halten wir uns einfach vor Augen, dass alle Veränderung nur unsere Außenwelt betrifft. Sie kann nicht uns betreffen - das ist unmöglich. Also können wir Abstand halten, und dieser Abstand ist nicht erzwungen. Wir wissen einfach, es ist so. Das ist kein erzwungenes Abstandhalten, wir brauchen uns von uns aus keinerlei Mühe zu geben, Abstand zu wahren. Wenn wir versuchen, Abstand zu wahren, sind wir immer noch in der Außenwelt, haben wir den Mittelpunkt noch nicht kennengelernt. Der Mittelpunkt ist losgelöst - er ist es seit jeher gewesen. Er ist transzendental. Er ist immer das Jenseitige. Alles, was darunter geschieht, geschieht niemals ihm.

Es gilt, dies in veränderlichen Situationen auszuprobieren. Dabei bleiben wir immer mit dem in uns in Tuchfühlung, was gleich bleibt. Und haben wir erst einmal ein Gespür für diese natürliche Distanz, kann nichts uns stören. Wir werden still bleiben. Was immer auf der Welt geschehen mag - wir werden unbewegt bleiben. Selbst wenn jemand uns umbringt, wird das nur den Körper betreffen, nicht uns. Wir werden jenseits davon bleiben. Diese “Jenseitigkeit” führt uns in die Existenz hinein - in das, was Seligkeit ist, ewig ist, in das, was wahr ist, was immer ist, hinein in das, was unvergänglich ist, hinein ins eigentliche Leben. Wir mögen es Gott nennen oder unseren eigenen Ausdruck dafür finden. Wir können es Nirvana nennen - was immer wir wollen; aber solange wir uns nicht von der Peripherie zum Mittelpunkt begeben und solange wir uns nicht des Ewigen in uns bewusst werden, ist uns weder Spiritualität widerfahren, noch ist uns Leben widerfahren. Wir verfehlen es - verfehlen alles. Das ist möglich: die Ekstase im Leben zu verfehlen.

Intervalle

“Beim zweiten Schritt [im Lehrplan des HEILIGEN GEISTES] vollzieht der Fortschritt sich in Intervallen, aber der zweite Schritt ist leichter als der erste, weil er auf ihn folgt. Die Einsicht, dass er folgen muss, zeigt das wachsende Bewusstsein auf, dass der HEILIGE GEIST dich weiterführen wird.”
(EKIW: Kapitel 6, V. B. 9. 3.)

Intervalle sind Teil unserer Wahrnehmung, aber nicht unsere Wirklichkeit. Jede Veränderung liegt demnach immer noch auf der Ebene der Wahrnehmung, auch wenn manches davon ein Riesenschritt auf die geeinte Wahrnehmung hin ist, die die Erkenntnis GOTTES widerspiegelt. Wenn wir jedoch irgendwann zu dem Schluss kommen sollten, dass unsere Beschäftigung mit Spiritualität nur eine Phase war, dann sind wir endgültig dem Ego aufgesessen. Wir glauben dann tatsächlich, dass die erste Begeisterung für den spirituellen Weg ein Irrtum war und dass es jetzt wieder darum geht, sich dem ”wirklichen” Leben zu stellen. Klappe zu, Affe tot.

Lebensrad

Bild Mit ständigen Wellenbewegungen erweckt das Ego immer wieder den Eindruck von Veränderung und lenkt uns so immer wieder von der unveränderlichen Wahrheit ab. Doch in Wahrheit ist das Wellenspiel des Egos, das sogenannte “Wechselspiel des Lebens", immer das gleiche, leidvolle Lebensrad, wie es im Buddhismus wunderbar dargestellt wird. Das Rad der Wiedergeburten wird von einem Dämon (Yama, Herr über den Tod) - dem Symbol für das Ego - umklammert. Das buddhistische Lebensrad symbolisiert etwas, worauf auch Jesus im Kurs verweist, wenn er sagt, dass "es keine Geschichte geben würde, wenn dieselben Fehler in der Gegenwart nicht wiederholt würden.“

Hahn, Schlange und Schwein jagen sich im Zentrum des Rades. Sie symbolisieren die Drei Wurzelgifte:
  • Hahn: Gier (Prinzip der Anziehung)
  • Schlange: Hass (Prinzip der Abstoßung)
  • Schwein: Verblendung (Prinzip der eingeengten Sichtweise)
Diese drei Wurzelgifte binden nach Buddha die Wesen an den Wiedergeburtenkreislauf (Samsara). Allein durch die Überwindung und Vernichtung dieser Kräfte ist es möglich, dem Samsara zu entrinnen und die Erlösung (Nirwana) zu erreichen. Diese Dreiteilung findet sich auch im Enneagramm wieder und wird dort als Herz-, Bauch- und Kopf-Typ bezeichnet. Die drei Wurzelgifte oder die drei Typen sind drei Facetten des Verlangens nach Trennung - dem Ego - und wir finden selbstverständlich alle drei Facetten in unserem schlafenden Geist, lediglich ist einer von ihnen ein besonders maßgebender Aspekt unserer Persönlichkeit.

Bild Im angrenzenden Ring wird in der rechten, dunklen Hälfte der karmische Abstieg, in der linken, hellen der karmische Aufstieg angedeutet. Üble Taten begehen oder dem Dharma folgen und Gutes tun, zwischen diesen beiden Möglichkeiten hat jeder aus Sicht des Buddhismus zu wählen. In Wahrheit besteht die Wahlmöglichkeit nicht im Handeln, sondern zwischen zwei Wahlmöglichkeiten im Bewusstsein zwischen den zwei Stimmen - vom HEILIGEN GEIST oder vom Ego.

In der dunklen Hälfte des Rings findet sich auch eine wunderbare Darstellung der besonderen Beziehung - ein gefesseltes und mit einem Eisenring aneinander gekettetes Paar. Der Wechsel von der dunklen auf die helle Seite stellt die Umkehr im Geiste dar, den Wechsel von der Hinwendung zur Welt zur Hinwendung zu GOTT, den Wechsel von der besonderen zur heiligen Beziehung, den Wechsel von der Veränderung zur Beständigkeit.

Wir brauchen nur immerzu das Veränderliche ausscheiden, dann werden wir zum Unveränderlichen, zum Mittelpunkt vorstoßen - zur Nabe des Rades. Darum nahm Buddha das Rad als Symbol für seine Religion: weil sich das Rad bewegt, aber der Punkt, um den herum es sich dreht, reglos bleibt. Die Welt bewegt sich also wie ein Rad. Unsere Persönlichkeit dreht sich wie ein Rad, und ein innerster Wesenskern bleibt der Mittelpunkt, um den herum sich das Rad dreht. Er bleibt reglos.

“Warum auf den Himmel warten? Diejenigen, die das Licht suchen, bedecken nur ihre Augen. Das Licht ist jetzt in ihnen. Erleuchtung ist gar keine Veränderung, sondern nur ein Wiedererkennen.”
(EKIW: Lektion 188, 1. 1.-4.)

Die zwei Wege

Der eine Weg ist der Weg des Egos, es ist der Weg des Menschen, der die Welt nicht so sein lassen kann, wie sie ist. Er wird Revolutionär genannt. Er muss sie unbedingt verändern, er wird darum kämpfen, sie zu verändern. Er wird sein ganzes Leben damit zerstören, sie zu verändern - dabei verändert sie sich bereits! Dieser Kampf ist völlig überflüssig. Er wird sich nur selber aufreiben. Er wird ausbrennen, indem er eine Welt "verändert" - die sich von selber verändert! In Wirklichkeit ist keine Revolution nötig. Die Welt ist eine Revolution; sie ist Veränderung.

In Wirklichkeit hat dieser Mensch nur Angst davor, zu sich selbst zu kommen, also geht er hin und wird besessen von der Welt. Der Staat muss verändert werden, die Regierung muss verändert werden, die Gesellschaft, die Struktur, die Ökonomie, die Ökologie, … alles muss verändert werden. Und dann eines Tages stirbt er und hat nie einen Augenblick der Ekstase erlebt, in dem er erkannt hätte, was er ist; und die Welt wird weitergehen, und das Rad wird sich weiterdrehen. Sie hat schon viele Revolutionäre gesehen, und sie dreht sich weiter.

Der zweite Weg ist der Weg des Mystikers: Die Mystiker sagen, dass es nicht nötig sei, die Welt zu verändern. Aber es gibt auch zwei Typen von Mystikern. Der eine Typ wird sagen, dass es nicht nötig sei, die Welt zu verändern, wohl aber nötig, sich selbst zu verändern. Er glaubt ebenfalls ans Verändern - zwar nicht der Welt, aber seiner selbst. Der andere Typ hingegen sagt, dass es nicht nötig sei, irgendwen zu verändern - weder die Welt noch sich selbst. Du brauchst nicht die Welt zu verändern, und du brauchst nicht dich selbst zu verändern. Du brauchst nur zu erkennen, dass alles sich verändert, und in dieser Veränderung mitzutreiben und dich in der Veränderung zu entspannen. “Don't Push the River, it Flows by Itself." Es scheint also einen Widerspruch zwischen diesen Lehren zu geben, z.B. zwischen den christlichen Mystikern und den westlichen Neo-Advaita-Lehrern. In Wahrheit geht es darum, eine scheinbar widersprüchliche Lektion zu lernen.

Dieses Mittreiben und Entspannen verweist an sich auch auf einen wesentlichen Aspekt, wird aber vom Ego immer als Rechtfertigung für das “nichts tun” in seinem Sinne missverstanden. Auch Jesus weist im Kurs auf das “nichts tun” auf der Ebene persönlicher Handlungen hin. Kapitel 18 Abschnitt VII trägt die berühmte Überschrift “Ich brauche nichts zu tun”. Gleichzeitig macht Jesus aber auch deutlich, dass eine Veränderung auf der Ebene unseres Geistes sehr wohl notwendig ist:

“Wenn die Ursache der Welt, die du siehst, Angriffsgedanken sind, dann musst du lernen, dass es diese Gedanken sind, die du nicht willst. Es hat keinen Sinn, über die Welt zu jammern. Es hat keinen Sinn, zu versuchen, die Welt zu verändern. Sie ist nicht imstande, sich zu verändern, weil sie bloß eine Wirkung ist. Hingegen hat es in der Tat einen Sinn, deine Gedanken über die Welt zu ändern. Damit veränderst du die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern.”
(EKIW: Lektion 23, 2.)

Muss ich mein Leben auf dem Weg des spirituellen Erwachens ändern?

Das ist eine typische Frage aus dem Ego-Denksystem, die in Wahrheit überhaupt keinen Sinn ergibt, weil es nicht um Müssen geht. Veränderungen sind im Geist der Lehrer GOTTES erforderlich. Das wird zwangsläufig zu Veränderungen in der äußeren Situation führen, bei einigen fast umgehend, bei den meisten eher langsam. Insbesondere Beziehungen müssen richtig wahrgenommen werden und werden sich daher verändern. Aber auch der radikale Wandel in Bezug auf die Vorstellung von materiellem Besitz hat unweigerlich Veränderungen zur Folge. Wenn wir erkennen, dass alles, was nicht ewig ist, wertlos ist, wird dies unweigerlich zu Veränderungen in unserem Leben führen. Es gibt auch Berufe, die aus der Sicht eines Lehrers GOTTES keinen Sinn machen und deshalb aufgegeben werden. Dagegen bleiben alle alltäglichen praktischen Dinge, die das Leben als Mensch einfach erfordert, von außen betrachtet völlig gleich, werden aber aus einem völlig veränderten Bewußtseinszustand heraus getan. Dabei ist unser Geist auch während äußerlicher Tätigkeiten in einem Zustand innerer Ruhe, an dem die Aktivität des Körpers aufgehört hat, Aufmerksamkeit von uns zu fordern. Darauf bezieht sich ein weiser Spruch aus dem Zen-Buddhismus:

“Vor der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.
Nach der Erleuchtung: Wasser tragen und Reis kochen.”

Unveränderlichkeit

Die ganze Verwirrung beim Thema Veränderung im Zusammenhang mit spirituellen Konzepten ist einfach darauf zurückzuführen, dass wir eine scheinbar widersprüchliche Lektion zu lernen haben: Wir müssen lernen, unser Denken über unseren Geist zu ändern. Nur dadurch können wir lernen, dass er unveränderbar ist. Der höchste Seins-Zustand ist daher immer ein Paradox, wenn wir versuchen, darüber nachzudenken.

„Und der HIMMEL wird sich nicht verändern, denn die Geburt in die heilige Gegenwart ist die Erlösung aus der Veränderung. Veränderung ist eine Illusion, die diejenigen lehren, die sich nicht als schuldlos sehen können. Es gibt keine Veränderung im HIMMEL, weil es keine Veränderung in GOTT gibt. Im heiligen Augenblick, in dem du dich vor Freiheit strahlend siehst, wirst du dich an GOTT erinnern. Denn dich an IHN erinnern heißt dich an die Freiheit erinnern."
(EKIW: Kapitel 15, I. 10.)

"Wenn du ein Ding wählst, das nicht ewig währt, dann ist das, was du wählst, wertlos. Ein vorübergehender Wert ist ohne jeden Wert. Die Zeit kann niemals einen Wert wegnehmen, der wirklich ist. Was vergeht und stirbt, das war nie da und bietet dem nichts, der es wählt. Er wird getäuscht durch nichts in einer Form, die er zu mögen glaubt."
(EKIW: Lektion 133, 6.)

In der Welt des Egos hat alles ein Verfallsdatum. Wir müssen nur unsere bunt verpackten “Lebensmittel“ betrachten, um daran erinnert zu werden, dass alles in dieser Welt vergänglich und damit wertlos ist.

"Wie GOTT dich schuf, musst du unveränderlich bleiben, wobei vorübergehende Zustände definitionsgemäß falsch sind. Und das schließt jeden Wechsel des Gefühls ein, alle Veränderungen im Zustand des Körpers und des Geistes, im gesamten Bewusstsein und in jeder Reaktion. Dies ist das alles Einschließende, das die Wahrheit von der Falschheit abhebt und das Falsche von der Wahrheit getrennt hält als das, was es ist."
(EKIW: Lektion 152, 5.)

"Ist es nicht sonderbar, dass du glaubst, zu denken, du habest die Welt gemacht, die du siehst, sei Arroganz? Gott hat sie nicht gemacht. Dessen kannst du sicher sein. Was kann er von den Vergänglichen, den Sündigen und Schuldigen, von den Angstvollen, den Leidenden und Einsamen wissen und von dem Geist, der in einem Körper lebt, der sterben muss? Du klagst ihn nur des Wahnsinns an, wenn du denkst, er habe eine Welt gemacht, wo solche Dinge Wirklichkeit zu haben scheinen. Er ist nicht verrückt. Doch nur Verrücktheit macht eine Welt wie diese."
(EKIW: Lektion 152, 6.)

Das Paradox

Einerseits versucht das Ego, uns durch oberflächliche Veränderungen von der Unveränderlichkeit unseres SEINS abzulenken, und gleichzeitig haben wir im Zustand der Ego-Identifikation Angst vor Veränderungen in unserem Leben. Das liegt daran, dass die erste Veränderung überhaupt das Eintauchen in die Illusion der Trennung und damit der Verlust des Friedens war.

Meditation

Meditation bezeichnet Geistesübungen, die in fast allen spirituellen Traditionen seit Jahrtausenden überliefert sind und seit dem 20. Jahrhundert zunehmend auch in der westlichen Welt in säkularer Weise praktiziert werden. Auch Jesus hat seine Apostel vor zweitausend Jahren eingeladen und lädt uns heute in Ein Kurs in Wundern zu kurzen Meditationen ein.

“Setze dich still hin, und schließe deine Augen. Das Licht in dir reicht aus. Es allein hat die Macht, dir die Gabe des Sehens zu geben. Schließe die Außenwelt aus, und lass deine Gedanken zum Frieden in dir eilen. Sie kennen den Weg. Denn ehrliche Gedanken, unbefleckt vom Traum irdischer Dinge außerhalb von dir, werden zu den heiligen Boten von GOTT SELBST.”
(EKIW: Lektion 188, 6.)

“Vielleicht sind wir nun bereit für einen Tag der ungestörten Stille. Sollte das noch nicht machbar sein, sind wir zufrieden und mehr noch als zufrieden, zu lernen, wie sich ein solcher Tag erreichen lässt. Wenn wir einer Störung nachgeben, dann lass uns lernen, wie wir sie von uns weisen und zurück zum Frieden kehren können. Wir brauchen nur mit Gewissheit unserem Geist zu sagen: »Die Stille von GOTTES Frieden ist mein«, und nichts kann den Frieden stören, den GOTT SELBST SEINEM SOHN gegeben hat.”
(EKIW: Lektion 273, 1.)

Beim Kurs in Wundern steht Meditation jedoch nicht im Vordergrund, denn allein ist sie gerade am Beginn des spirituellen Weges zu wenig. Solange Meditation lediglich dazu dient, uns von den Gedanken aus dem Gedankensystem des Egos abzuwenden, um für einen begrenzten Zeitraum Ruhe zu finden, ist nicht viel erreicht. Solange unser Geist nicht berichtigt ist, ist nach der Meditation wieder alles beim Alten. Es ist häufig sogar so, dass die Identifikation mit dem Meditierenden die Ego-Identifikation noch verstärkt, anstatt davon zu befreien. Das Ego nutzt Meditation, um von der Auseinandersetzung mit der dunklen Seite des persönlichen Selbst abzulenken und sich ein "ultra spirituelles" Image zu verpassen.

Transzendentale Meditation (TM)

Transzendentale Meditation (TM) ist der Name einer 1957 von dem Inder Maharishi Mahesh Yogi gegründeten Bewegung. Doch die im Westen so beliebte TM ist nichts weiter als eine psychologische Schlaftablette. Sie ist lediglich ein Beruhigungsmittel. Sie hilft, aber sie verhilft nur zum Schlaf, nicht zur Meditation im spirituellen Sinne, also beim Meditieren, das zum Erwachen führt. Man kann mit TM gut schlafen. Es kommt ein ruhigerer Schlaf dabei heraus. Das ist gut, hat aber mit Meditation nicht das Geringste zu tun. Wenn man ständig ein Wort wiederholt, erzeugt das eine gewisse Langeweile. Und Langeweile ist gut fürs Einschlafen.

Aus diesem Grund hat Mahesh Yogi eine solche Anziehungskraft im Westen, denn er gibt Mantras zum Wiederholen auf. Und im Westen ist das Einschlafen zu einem der größten Probleme überhaupt geworden. Der Schlaf ist völlig gestört. Der natürliche Schlaf ist verschwunden. Man kann nur noch mit Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten einschlafen, andernfalls ist Schlaf unmöglich geworden. Das ist der Grund für die Anziehungskraft von Mahesh Yogi: Denn wenn man ständig etwas wiederholt, verhilft das zu einem tiefen Schlaf. Das ist alles.

Die TM wird kostenpflichtig gelehrt und ist markenrechtlich geschützt. Der Schüler erhält vom TM-Lehrer ein persönliches Mantra. Neben wirtschaftlichen Aktivitäten sind TM-Organisationen in verschiedenen Ländern im Bildungsbereich aktiv. Zur Verfolgung politischer Ziele wurden auch Parteien gegründet.

Wir sollten grundsätzlich Meditation nicht als Ursache einsetzen, um eine Wirkung zu erzielen. Dies ist seit jeher eines der größten Rätsel: Seit Urzeiten haben alle, die erkannt haben, darauf bestanden, dass man nur um der Meditation willen meditieren darf. Versprechen wir nichts von ihr, genießen wir sie so, wie sie ist, gehen wir nicht über sie hinaus. Verstehen wir Meditation als Spiel und werden wir beim Meditieren wieder zum Kind und spielen ohne jeden Gedanken an die Zukunft - genießen diesen jetzigen Augenblick, dieses Tun hier um seiner selbst willen. Aber das Ego will immer Arbeit aus allem machen. Es sagt: “Tu das und das, dann hast du den und den Gewinn davon.” Das ist es, was mit “Wünschen” gemeint ist: das Gegenwärtige für etwas Zukünftiges opfern. Der Zweck liegt immer irgendwo anders; die Mittel sind hier, aber der Zweck ist woanders. Diese Trennung von Mittel und Zweck, dieser Abstand, das ist “Wünschen”. Diese Vorgehensweise ist mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie ist auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Die größte Ego-Falle bei jeder Art von spiritueller Praxis, sei es Meditation, Niederwerfungen oder Yoga, besteht darin, dass wir sie benutzen, um uns spiritueller zu fühlen als andere Menschen, dass wir sie benutzen, um uns überlegen zu fühlen, dass wir sie benutzen, um uns einsam zu fühlen, weil wir denken, dass andere Menschen nicht denken, was wir denken, dass sie nicht wollen, was wir wollen, dass sie nicht fühlen, was wir fühlen, dass sie nicht verstehen, was wir verstehen.

Ein wichtiger Hinweis, dessen eindeutiger Bezug zur Meditation nur in der Original Edition des Kurses zum Ausdruck kommt, ist folgender:

“Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist schwach in dir. Deshalb musst du SIE mit andern teilen. SIE muss stärker gemacht werden, bevor du SIE hören kannst. Du kannst SIE unmöglich in dir hören, solange SIE in deinem Geist so schwach ist. Von SICH aus ist SIE nicht schwach, aber SIE wird durch deinen Unwillen begrenzt, SIE zu hören. Wenn du den Fehler begehst, den HEILIGEN GEIST nur in dir zu suchen, dann werden deine Gedanken [Original Edition: Meditationen] dir Angst einflößen, weil du - indem du den Standpunkt des Ego einnimmst - eine Reise, die dem Ego fremd ist, mit dem Ego als Führer unternimmst. Das muss unweigerlich Angst erzeugen.”
(EKIW: Kapitel 5, III. 4.)

Das Buch “Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte: Erkenntnisse aus meinem Leben als buddhistischer Mönch” von Björn Natthiko Lindeblad zeigt auf erschütternde Weise, wie das Ego am sogenannten spirituellen Weg agiert. Wenn nämlich ein spiritueller Weg allein als Weg des persönlichen Wachstums verstanden wird, ohne durchgängige Führung durch den HEILIGEN GEIST und ohne GOTT als Ziel, dann ist er zum Scheitern verurteilt, dann führen selbst 17 Jahre Meditation als Waldmönch im Dschungel Thailands in Depression und Krankheit.

“Es ist unmöglich, sich allein und im Geheimen an GOTT zu erinnern. Denn sich an IHN erinnern heißt, dass du nicht alleine bist und dass du gewillt bist, dich daran zu erinnern. Fasse keinen Gedanken für dich selbst, denn kein Gedanke, den du hegst, ist für dich selbst. Wenn du dich an deinen VATER erinnern möchtest, lass den HEILIGEN GEIST deine Gedanken ordnen, und gib nur die Antwort, mit der ER dir antwortet. Ein jeder sucht nach Liebe, so wie du, aber er erkennt es nicht, solange er sich nicht mit dir verbindet, um nach ihr zu suchen. Wenn ihr gemeinsam auf die Suche geht, bringt ihr ein derart mächtiges Licht mit, dass dem, was ihr seht, Bedeutung gegeben wird. Die einsame Reise scheitert, weil sie das ausgeschlossen hat, was sie finden wollte.”
(EKIW: Kapitel 14, X. 10.)

Auch Ramana Maharshi hat seine Schüler immer wieder darauf hingewiesen, dass die zeitweilige Gedankenstille in der Meditation, genannt Manolaya, nicht die Befreiung ist. Manolaya ist Konzentration, ein zeitweiliges Anhalten der Gedankenbewegung. Sobald die Konzentration nachlässt, stürmen wieder alte und neue Gedanken auf uns ein. Selbst wenn dieses Einschläfern des Geistes tausend Jahre dauern sollte, würde es doch niemals zur völligen Vernichtung der privaten Gedanken, zur Befreiung von Geburt und Tod führen. Viele spirituell Suchende verstehen meist den Unterschied zwischen dieser zeitweiligen Geisterstille (Manolaya) und der völligen Vernichtung der privaten Gedanken (Manonasa) nicht. Deshalb müssen wir unseren spirituellen Fortschritt sorgfältig beobachten und dürfen nicht zulassen, dass wir dem Zauber der Gedankenstille erliegen. Sobald wir es bemerken, müssen wir unser Bewusstsein beleben und im Inneren erforschen, wer diese Gedankenstille erfährt. Während wir das Eindringen von privaten Gedanken nicht zulassen, dürfen wir zugleich auch nicht zulassen, dass uns dieser Tiefschlaf (Yoga Nidra), diese Selbsthypnose überkommt. Obwohl sie einen Fortschritt markiert, ist es auch der Punkt, an dem sich der Weg der Erlösung von dem des Yoga-Nidra scheidet. Der Übende muss deshalb stets auf der Hut sein und im Innern ergründen, wer diese Erfahrung macht und sie als angenehm empfindet. Tut er das nicht, fällt er in eine lange Trance oder in einen Tiefschlaf (Yoga-Nidra). Schon viele sind an diesem Punkt in die Irre gegangen und wurden Opfer dieses falschen Verständnisses von Befreiung. Der 2001 gedrehte Film "Samsara - Geist und Leidenschaft" des Regisseurs Pan Nalin setzt sich auf wunderbare Weise mit diesem Thema auseinander.

Ramana Maharshi verweist auch auf Folgendes: „Der andere Weg ist, das Ego zu töten, indem man sich völlig dem Herrn unterwirft, seine Hilflosigkeit erkennt und immerzu sagt: ‚Nicht ich, sondern Du, oh Herr!’, jeden Gedanken an ‚ich’ und ‚mein’ aufgibt und es völlig dem Herrn überlässt, was er mit einem tun mag. Die Hingabe ist nicht vollständig, solange der Verehrer dieses und jenes von dem Herrn will. Wahre Hingabe ist die Gottesliebe um der Liebe willen und um nichts anderes, nicht einmal um Erlösung zu erlangen.“ (zitiert in Devaraja Mudaliar: Tagebuch der Gespräche mit Ramana Maharshi. S. 218). An anderer Stelle heißt es: „Weihe Ihm all deine Taten, wie immer du Ihn auch nennen magst. Bewahre Ihn immerwährend im Hintergrund. Dann wird das Empfinden ‚Ich bin der Handelnde’ wegfallen und dafür das Empfinden ‚Ich bin das Instrument des Herrn’ an seine Stelle treten.“ (Ramana Maharshi 2007: 28).

Ein indischer Meister sagte einmal zu seinem Schüler Yogananda: “Du gehst oft in einen Zustand tiefen Schweigens ein. Hast du aber schon Anubhava erlangt?” Mit diesen Worten wollte er seinem Schüler Yogananda andeuten, dass er Gott mehr lieben sollte als die Meditation. "Verwechsle nie die Technik mit dem Ziel”, fügte er hinzu. Yogananda hatte eine sehr innige Beziehung zu seinem Meister Giri Yukteswar. Auch er versuchte nicht, sich allein und im Geheimen an Gott zu erinnern.

Ein Kurs in Wundern lehrt uns, dass es extrem schwierig ist, Erlösung zu erreichen, indem man gegen Sünde kämpft. Auch ein Leben der Kontemplation und langen Phasen der Meditation, die auf Loslösung vom Körper abzielen, sind nicht notwendig. Alle diese Versuche werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind die Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind alle auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen. Der Weg mit dem Kurs ist ein anderer, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit zu sparen. Wir sparen Zeit, weil wir mit unserem Bruder zusammen sind, vereint im einzig wahren Zweck - der Erlösung aus der Illusion der Trennung

“[...]
Es ist extrem schwierig, die SÜHNE zu erreichen, indem man gegen Sünde kämpft. Enorme Mühe wird bei dem Versuch aufgewendet, das heilig zu machen, was man hasst und verachtet. Auch ist ein Leben der Kontemplation und langer Phasen der Meditation, die auf Loslösung vom Körper abzielen, nicht notwendig. Alle diese Versuche werden letztlich von Erfolg gekrönt sein, um ihres Zieles willen. Doch sind die Mittel mühsam und sehr zeitaufwendig, denn sie sind alle auf die Zukunft ausgerichtet, um die Befreiung von einem Zustand gegenwärtiger Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit zu erlangen.

Dein Weg wird ein anderer sein, nicht was das Ziel, sondern was die Mittel betrifft. Eine heilige Beziehung ist ein Mittel, um Zeit einzusparen.
[...]
Wenn der Frieden endlich zu denen kommt, die mit der Versuchung ringen und dagegen kämpfen, der Sünde nachzugeben; wenn das Licht schließlich in den Geist kommt, der sich der Kontemplation hingibt; oder wenn das Ziel schließlich von irgendjemandem erreicht wird – dann geht es stets mit nur der einen glücklichen Einsicht einher: »Ich brauche nichts zu tun.«

Hier ist die letztliche Befreiung, die ein jeder eines Tages auf seine Weise und zu seiner Zeit finden wird. Du brauchst diese Zeit nicht. Zeit ist für dich eingespart worden, weil du und dein Bruder zusammen seid. Das ist das besondere Mittel, das dieser Kurs anwendet, um dir Zeit zu ersparen. Du wendest den Kurs nicht an, wenn du darauf beharrst, Mittel zu benutzen, die anderen gute Dienste geleistet haben, und das vernachlässigst, was für dich gemacht ward. Spare Zeit für mich nur durch diese eine Vorbereitung, und übe dich darin, nichts anderes zu tun. »Ich brauche nichts zu tun« ist eine Aussage der Treue, einer wahrhaft ungeteilten Loyalität. Glaube nur einen Augenblick daran, und du wirst mehr erreichen, als einem Jahrhundert der Kontemplation oder des Kampfes gegen die Versuchung zuteil wird.

Irgendetwas tun bezieht den Körper ein. Wenn du begreifst, dass du nichts zu tun brauchst, hast du den Wert des Körpers aus deinem Geist abgezogen. Hier ist die schnelle, offene Tür, durch die du an Jahrhunderten der Anstrengung vorbeischlüpfst und der Zeit entrinnst. Das ist der Weg, auf dem die Sünde jetzt gleich jede Anziehungskraft verliert. Denn hier wird die Zeit geleugnet, und Vergangenheit und Zukunft sind nicht mehr da. Wer nichts zu tun braucht, der braucht keine Zeit. Nichts tun heißt ruhen und einen Ort in dir schaffen, an dem die Aktivität des Körpers aufhört, Aufmerksamkeit von dir zu fordern. An diesen Ort kommt der HEILIGE GEIST, und dort weilt ER. ER bleibt auch dort, wenn du vergisst und wenn die Aktivitäten des Körpers wiederkehren, um dein Bewusstsein zu besetzen.“
(EKIW: Kapitel 18, VII. 4.-.7.)

Yoga

Yoga (Sanskrit für: anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren) ist eine aus Indien stammende spirituelle Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Kriyas, Meditation und Askese umfasst. Der Begriff Yoga kann sowohl „Vereinigung“ oder „Integration“ bedeuten, als auch im Sinne von „Anschirren“ (vgl. „jochen“) des Körpers zur Sammlung und Konzentration mit dem Ziel der Einswerden mit dem Göttlichen. Die Yogis verbrachten Jahrzehnte, wenn nicht sogar ihr ganzes Leben, in Einsiedeleien mit ihrem Meister oder allein in Höhlen im Himalaya. Traditioneller, indischer Yoga unterscheidet sich grundsätzlich vom westlichen, modernen Yoga und enthält sehr viel komplexere Lehren und Praktiken als die modernen Formen.

Das moderne westliche Verständnis von Yoga führt eher zu einer Verstärkung der Identifikation mit dem Körper als zu einer Befreiung von dieser Identifikation. Es dient in erster Linie dazu, die Identifikation mit dem Körper angenehmer zu gestalten und nicht dazu, sich von der Identifikation mit dem Körper zu lösen. Wieder einmal ist es dem Ego gelungen, ein durchaus hilfreiches Konzept so zu verdrehen, dass es seinem Denksystem dient. Dies zeigt sich auch darin, womit modernes Yoga kombiniert wird (Bier-Yoga, Ziegen-Yoga, Welpen-Yoga, Yoga und Brunch, Yoga und Wein, Yoga und Detox, Yoga und Krafttraining, Disco-Yoga, …).

Für viele moderne Menschen im Westen ist die tägliche Yogastunde zu einem Ritual geworden, das kaum noch etwas mit einer Ausrichtung auf GOTT zu tun hat. Die große Gefahr bei jeder Form von Ritual ist, dass das Ritual die Tendenz hat, zu einem Ersatz für wahrhafte Spiritualität zu werden. Auch eine Routine als solche ist gefährlich, weil sie leicht selbst zu einem Gott wird und eben jene Ziele bedroht, für die sie aufgestellt wurde. Nur wenn unsere spirituelle Praxis eine Einladung an den heiligen Augenblick ist, ist sie wahrhaft hilfreich. Ein Augenblick, der dem HEILIGEN GEIST angeboten wird, wird GOTT zu unseren Gunsten angeboten, und in jenem Augenblick werden wir sanft in IHM erwachen.

In unserer stark auf die Außenwirkung bedachten Zeit nutzt das Ego Yoga, um den Körper zu optimieren und seine grundlegende Aggressivität unter einem Mantel von scheinbarer Sanftheit und Liebe zu verstecken. Es lädt uns ein, nur auf unseren Gemütszustand zu achten und durch eigene Anstrengung in uns gewisse Gefühle zu erregen. So neigen moderne westliche Yoga-Communities dazu, nach innen eine Treibhaushitze gegenseitiger Bewunderung, nach außen jedoch einen großen Hochmut und Hass zu entwickeln. Das ist die raffinierteste Strategie des Egos: Es versteckt seine Angriffsgedanken, die aus seinem Glauben an Schuld und seiner existenziellen Angst resultieren, hinter einem Deckmantel von „Spiritualität“, einem Deckmantel, der aus schönen Worten wie „Licht“ und „Liebe“ gewebt ist.

Namaste

Namaste bedeutet wörtlich übersetzt “Verbeugung dir“. Üblicherweise wird darunter verstanden: "Die Göttlichkeit in mir verneigt sich vor der Göttlichkeit in dir.” Unter Kurs-Schülern wird diese Art der Begrüßung oft in der Grußformel “meine Heiligkeit grüßt deine Heiligkeit” zum Ausdruck gebracht. Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, aber er geht nicht weit genug. Denn wenn wir eine derartige Grußformel verwenden, begrenzen wir die betreffende Person auf einen winzigen Ausschnitt von Zeit und Raum. Wir machen Individualität wahr. Und wir stellen eine Trennung zwischen uns beiden her; ein Subjekt und ein Objekt. Wir versuchen, Trennung wahr zu machen. Das größte Problem mit dieser Grußformel ist jedoch die Versuchung, die Person zu vergöttlichen. Doch es gibt keine Person und das GÖTTLICHE ist nichts Getrenntes.

“Wunder entstehen aus einem Geist, der für sie bereit ist. Da dieser Geist vereinigt ist, geht er zu allen aus, auch ohne dass der Wunderwirkende selbst dessen gewahr wird. Der unpersönliche Charakter der Wunder rührt daher, dass die SÜHNE selber eins ist und alle Schöpfungen mit ihrem SCHÖPFER vereint.”
(EKIW: Kapitel 1, III. 7. 1.-3.)

In der EINHEIT gibt es niemanden, der jemand anderen grüßen und in ihm das GÖTTLICHE würdigen könnte. Denn das würde voraussetzen, dass es zwei getrennte Wesen gibt: einen, der grüßt, und einen, der gegrüßt wird. Formulierungen wie “Namaste“ oder ähnliche spirituelle Grußformeln können daher leicht dazu beitragen, die Person zu spiritualisieren und zu vergöttlichen, anstatt die Identifikation mit ihr zu hinterfragen. Was als Anerkennung des GÖTTLICHEN gemeint ist, kann so unbemerkt zur Bestätigung genau jener Trennung werden, die es zu überwinden gilt.

“Was dasselbe ist, kann nicht verschieden sein, und das, was eins ist, kann nicht getrennte Teile haben.”
(EKIW: Kapitel 25, I. 7. 7.)

In Wahrheit wollen wir den anderen als unbegrenzt ansehen. Anstatt zu denken, dass die anderen ein Teil des Ganzen sind, denken wir daher besser, dass sie das Ganze sind. Wenn wir das tun, wird es uns vom Fokus auf die Illusion wegbringen und zu einem sehr erfreulichen Ergebnis führen. Indem wir andere als alles sehen, als nichts weniger als GOTT, werden wir uns auf diese Weise schließlich selbst so erfahren.

“GOTT ist in allem, was ich sehe, weil GOTT in meinem Geist ist.”
(EKIW: Lektion 30)

Es gibt einen Grund, warum Yoga so beliebt ist, aber kaum jemals zum Erwachen führt, denn Yoga ist eine Form der Selbstbetäubung, die einen zwar für kurze Zeit mit einem Gefühl des Wohlbefindens und der Entspannung erfüllt, einem aber in Wirklichkeit nur das Gefühl gibt, man sei erfolgreich, und das ist ein Trugschluss. Yoga glaubt ans Kämpfen. Yoga ist im Grunde der Weg des persönlichen Willens. Yoga ist der Weg des Kriegers. Das ist der vordergründige Reiz des Yoga, weil diese Sprache auch der vom Ego getriebene Verstand versteht. Zunächst versucht das Ego, in der Wirtschaft oder im Sport durch Leistung etwas zu erreichen, später macht es beim Thema Spiritualität damit weiter. Dann flüstert uns die Stimme des Egos zu: “Du bist okay, wenn du etwas Außergewöhnliches leistest. Du bist okay, wenn du erfolgreich bist und von anderen geachtet wirst.“

Doch der Pfad des Yoga ist sehr schwierig. Es ist praktisch unmöglich, die Perfektion des Egos zu erlangen. Das würde heißen, dass man zum Zentrum des ganzen Universums wird. Dieser Pfad ist sehr lang und steil, und tatsächlich führt er nie ans Ziel. Was geschieht denn mit jenen, die dem Yoga-Pfad folgen? Irgendwann, in irgendeinem Leben, geben sie auf. Das spirituelle Ziel des Yoga besteht genau darin, diesen Punkt der Kapitulation und Hingabe zu erreichen. Dazu folgt man zunächst auf extreme Weise dem Ego, bis die Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit dieses Weges erkannt wird. Es geht darum zu verstehen, dass wir sogar die Eigenschaften des Egos bis zu einem gewissen Grad für unsere Befreiung nutzen können. Der erhabenste Gedanke, den das Ego haben kann, ist der, dass es einen besseren Weg als sich selbst geben muss. Die hilfreichste Form der Nutzung egoischer Eigenschaften besteht darin, sie für die Einladung des heiligen Augenblicks einzusetzen. Das bedeutet, dass der HEILIGE GEIST sogar die Eigenschaften des Egos für unsere Befreiung nutzen kann.

Es ist wichtig zu verstehen, dass jegliches Denken in Zeit dem Ego-Denksystem entspringt. Zeit ist in Wahrheit nichts anderes als unser ständiges Nein zu GOTTES Einladung. Jedes Mal, wenn wir denken, wir müssten einen Weg in der Zeit gehen, befinden wir uns im Ego-Denksystem. Wir projizieren unsere mangelnde Bereitschaft, unserem Bruder zu vergeben, in die Zeit. Doch die Zeit ist nie das Problem, das Problem ist unser Mangel an Bereitschaft.

“Es gibt eine Distanz, die du getrennt von deinem Bruder behalten möchtest, und diesen Raum nimmst du als Zeit wahr, weil du noch immer glaubst, du seist außerhalb von ihm. Das macht Vertrauen unmöglich. Und du kannst nicht glauben, dass Vertrauen jedes Problem jetzt regeln würde.”
(EKIW: Kapitel 26, VIII. 2. 1.-3.)

“Erlösung ist augenblicklich. Wenn du sie nicht so wahrnimmst, wirst du Angst vor ihr haben und glauben, das Risiko sei groß, dass du Verlust erleidest von der Zeit, in der ihr Zweck zu deinem gemacht wird, bis zu der, in welcher ihre Wirkungen zu dir kommen werden. In dieser Form ist der Irrtum nach wie vor verschleiert, der die Quelle der Angst ist. Die Erlösung würde den Raum, den du noch zwischen euch siehst, wegwischen und euch augenblicklich eins werden lassen.”
(EKIW: Kapitel 26, VIII. 3. 1.-4.)

Theoretisch kann man auch durch Yoga ans Ziel gelangen, aber es passiert fast nie. Und wenn, dann äußerst selten, wie zum Beispiel bei Mahavira. Manchmal vergehen viele Jahrhunderte, bis jemand wie Mahavira auftaucht, der durch Yoga ans Ziel kommt. Er ist eine ganz seltene Ausnahme und bestätigt damit die Regel.

Siddharta Gautama, genannt Buddha, verbrachte sechs Jahre in strenger yogischer Praxis, doch er fand weder innere Ruhe noch die ersehnten Antworten. Dem Hungertod nahe erkannte er, dass dies nicht der Weg zur Befreiung sein könne. Die ganze Sache kam ihm nutzlos, fruchtlos, sinnlos vor. Er war leer. Denn wo es nichts zu tun gibt, kann sich der Verstand nicht mehr vom Fleck rühren. Es gab nichts mehr zu erreichen, und man konnte ohnehin nichts erreichen. Nicht nur die materielle Welt verlor jeglichen Reiz, sondern auch die spirituelle. Er entspannte sich. Er tat von sich aus nicht das Geringste, um zu entspannen. Unter dem Bodhi-Baum war er nicht auf Entspannung aus. Es gab nichts zu tun, nichts, was Anspannung mit sich bringt – nichts zu wünschen, keine Zukunft, keine Hoffnung. Entspannung überkam ihn. Und er erwachte. Nur aufgrund jener wahnsinnigen Anstrengung erreichte er einen Gipfel, von wo aus es nirgends mehr weiterging, wo er sich entspannte und ins Tal fallen ließ.

“Wenn der Frieden endlich zu denen kommt, die mit der Versuchung ringen und dagegen kämpfen, der Sünde nachzugeben; wenn das Licht schließlich in den Geist kommt, der sich der Kontemplation hingibt; oder wenn das Ziel schließlich von irgend jemandem erreicht wird dann geht es stets mit nur der einen glücklichen Einsicht einher: »Ich brauche nichts zu tun.«”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 5. 7.)

Woher kommt also diese Anziehungskraft des Yoga? Alles, was einem anziehend erscheint, ist anziehend fürs Ego. Alles, was sich fürs Ego befriedigend anfühlt, hat mehr Anziehungskraft. Das Ego hat uns im Griff, deshalb erscheint uns Yoga so attraktiv. Tatsache ist, je egoistischer wir sind, desto attraktiver wird uns Yoga erscheinen, denn es ist eine reine Ego-Anstrengung. Je unmöglicher etwas erscheint, desto attraktiver ist es für das Ego. Darum hat der Mount Everest eine solche Anziehungskraft. Einen Himalajagipfel zu besteigen, ist nur deshalb so attraktiv, weil es so schwierig ist. Dann flüstert uns die Stimme des Egos zu: “Du bist okay, wenn du stark bist und jede Situation im Griff hast.“

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf.

„Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangt habe?“

„Vielleicht zehn Jahre“,
entgegnete der Meister.

„Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann?“, fragte der Schüler.

„In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern“, erwiderte der Meister.

„Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen“, beteuerte der junge Mann.

„Dann“, erwiderte der Meister, „kann es bis zu vierzig Jahre dauern.“

“Du erschwerst ihn [den heiligen Augenblick], weil du darauf bestehst, dass es mehr geben muss, was du zu tun hast. Du findest es schwierig, die Idee zu akzeptieren, dass du so wenig nur zu geben brauchst, um so viel zu empfangen. Und es fällt dir schwer einzusehen, dass es keine persönliche Beleidigung ist, dass dein Beitrag und derjenige des HEILIGEN GEISTES in einem solchen Missverhältnis zueinander stehen.”
(EKIW: Kapitel 18, IV. 7. 2.-4.)

Yoga ist Ausdruck “des persönlichen Willens zur Macht”. Je mehr wir uns beherrschen können, je mehr wir unsere Triebe beherrschen können, je mehr wir unseren Körper und unseren Verstand beherrschen können, desto machtvoller fühlen wir uns. Wir werden Herrscher über unser Inneres. Doch das passiert durch inneren Konflikt, es passiert durch Kampf und Gewaltsamkeit. Doch meistens geht die Sache mehr oder weniger so aus, dass ein Mensch, der viele Leben lang Yoga praktiziert hat, an den Punkt kommt, wo ihm die ganze Reise öde, langweilig und sinnlos erscheint, denn je mehr das Ego befriedigt wird, desto sinnloser kommt einem das Ganze vor.

“Irgend etwas tun bezieht den Körper ein. Wenn du begreifst, dass du nichts zu tun brauchst, hast du den Wert des Körpers aus deinem Geist abgezogen. Hier ist die schnelle, offene Tür, durch die du an Jahrhunderten der Anstrengung vorbeischlüpfst und der Zeit entrinnst. Das ist der Weg, auf dem die Sünde jetzt gleich jede Anziehungskraft verliert. Denn hier wird die Zeit geleugnet, und Vergangenheit und Zukunft sind nicht mehr da. Wer nichts zu tun braucht, der braucht keine Zeit. Nichts tun heißt ruhen und einen Ort in dir schaffen, an dem die Aktivität des Körpers aufhört, Aufmerksamkeit von dir zu fordern. An diesen Ort kommt der HEILIGE GEIST, und dort weilt ER. ER bleibt auch dort, wenn du vergisst und wenn die Aktivitäten des Körpers wiederkehren, um dein Bewusstsein zu besetzen.”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 7.)

Nicht tun

Kapitel 18 Abschnitt VII trägt die berühmte Überschrift “Ich brauche nichts zu tun”. Was meint Jesus damit?

Jesus verweist damit auf jenen Geisteszustand, den wir auch im Daoismus unter dem Begriff Wu wei finden. Dieser Geisteszustand wird definiert als Nichthandeln im Sinne von Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns. Die Rückkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen natürlich und spontan erfolgen. Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao (GOTT) entstehen. Dadurch wird das Notwendige leicht und mühelos getan und sowohl Übereifer als auch blinder Aktionismus vermieden. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten lässt. Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre somit „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“. Aus dieser Haltung des Geschehenlassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Wehrlosigkeit als natürliche Folge.

Dafür müssen wir aufhören, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach unseren Wünschen zu organisieren. Wir müssen aufhören, an Veränderung zu denken. Wir müssen lernen, es mit dem auszuhalten, was immer gerade auftaucht, was wir auch immer gerade glauben zu sein. Wir müssen nur wachsam und bewusst bleiben. Damit ist nicht gesagt, dass wir überhaupt nichts tun sollten, aber diese Wachsamkeit ist die einzige Anstrengung. Wir müssen wachsam sein und dürfen keinen Gedanken an Veränderung verschwenden.

Im Zen nennt man das “Zazen” - einfach nur dasitzen und gar nichts tun. Was immer geschieht, geschieht: Wir sitzen einfach nur da. Zazen hat kein definiertes Ziel und keine Bedeutung, die über das Sitzen selbst hinausgeht. Deshalb gibt es außer dem Hinweis auf Achtsamkeit traditionell kaum allgemeine Anweisungen.

Es geht darum, einfach zuzuschauen, ohne zu urteilen, ohne zu rechtfertigen, einfach Zeuge zu sein. Bleiben wir bei unserem Sosein, so wird die Transformation kommen. Aber nicht als Ergebnis - wir können sie nicht herbeizwingen. Unsere bedingungslose Akzeptanz und unsere Wachheit sind die Voraussetzung. Wir könnten dies auch als Bereitschaft bezeichnen.

“Irgend etwas tun bezieht den Körper ein. Wenn du begreifst, dass du nichts zu tun brauchst, hast du den Wert des Körpers aus deinem Geist abgezogen. Hier ist die schnelle, offene Tür, durch die du an Jahrhunderten der Anstrengung vorbeischlüpfst und der Zeit entrinnst. Das ist der Weg, auf dem die Sünde jetzt gleich jede Anziehungskraft verliert. Denn hier wird die Zeit geleugnet, und Vergangenheit und Zukunft sind nicht mehr da. Wer nichts zu tun braucht, der braucht keine Zeit. Nichts tun heißt ruhen und einen Ort in dir schaffen, an dem die Aktivität des Körpers aufhört, Aufmerksamkeit von dir zu fordern. An diesen Ort kommt der HEILIGE GEIST, und dort weilt ER. ER bleibt auch dort, wenn du vergisst und wenn die Aktivitäten des Körpers wiederkehren, um dein Bewusstsein zu besetzen.

Doch wird es diesen Ort der Ruhe immer geben, zu dem du wiederkehren kannst. Du wirst dir dieser ruhigen Mitte im Sturm stärker bewusst sein als seiner ganzen tobenden Aktivität. Diese ruhige Mitte, in der du nichts tust, wird bei dir bleiben und dir mitten in jedem geschäftigen Tun, in das du ausgesandt wirst, Ruhe geben. Denn von dieser Mitte aus wirst du angeleitet werden, wie du den Körper ohne Sünde nutzen kannst. Und diese Mitte, in welcher der Körper abwesend ist, wird ihn in deinem Gewahrsein von ihm sündenlos bewahren.”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 7.&8.)

Wehrlosigkeit

“Friede ist der größte Feind des Ego, weil der Krieg - seiner Deutung der Wirklichkeit zufolge - sein Überleben garantiert. Das Ego wird stark durch Zwist.”
(EKIW: Kapitel 5, III. 8. 7.-8.)

Unser schlafender Geist ist stets auf der Hut vor allem, was er als Herabsetzung unseres Selbstbildes empfindet. In diesem Fall springen automatisch Abwehrmechanismen an, um die mentale Form unseres Selbstbildes wieder herzustellen. Wenn uns jemand tadelt oder kritisiert, empfinden wir dies als persönliche Kränkung und versuchen unser angeschlagenes Selbstwertgefühl sofort durch Rechtfertigung, Verteidigung oder Schuldzuweisungen wieder zu reparieren. Ob die andere Person recht hat oder nicht, ist in diesem Fall irrelevant. Wir sind viel stärker an der Erhaltung unseres Selbstbildes interessiert als an der Wahrheit. Damit wird für den Erhalt der psychologischen Form unseres Ichs gesorgt - des Konzepts des Selbst. Sogar etwas so Normales wie zurückzubrüllen, wenn uns ein Autofahrer im Verkehr einen Idioten nennt, ist eine automatische, unbewusste Reaktion zur Wiederherstellung unseres Selbstbildes. Einer der häufigsten Abwehrmechanismen des Egos ist Wut, die eine kurzzeitige aber ungeheure Aufblähung unseres Selbstbildes bewirkt. Für das Ego haben alle Abwehrmechanismen ihren Sinn, obwohl sie im Grunde zu seiner Gestörtheit beitragen. Am deutlichsten gesteigert wird die Gestörtheit durch physische Gewalt und Selbsttäuschung in Form von überspannten Fantasien, also durch die Überzeugung, jemand ganz besonderer zu sein.

Doch was für lächerliche Wesen sind wir, wenn wir tatsächlich glauben, dass Worte uns verletzen können? Was wir da verteidigen ist eine lächerliche Parodie auf GOTTES Schöpfung. Wir versuchen mit großem Aufwand, ganz "wir selbst" zu sein, also ein ganz besonderes Selbstbild am Leben zu erhalten. Dies geschieht meist völlig unbewusst, wir glauben, tatsächlich unser Selbstbild zu sein. Es ist unsere Version von uns selbst: ein Selbst, in viele Teile aufgespalten, die sich bekriegen, von GOTT getrennt, mit dem Körper gleichgesetzt und damit gefangen im Glauben an den Tod. Wir glauben irgendwie besonders zu “sein”, sei es nun, im Recht, attraktiv, hilfreich, erfolgreich, anders, besser, loyal, glücklich, stark oder zufrieden zu sein. Wenn dieses Selbstbild gefährdet zu sein scheint, wenn uns scheinbar ein anderer Mensch in eine Situation bringt, in der wir unser Selbstbild nicht mehr aufrechterhalten können, verteidigen wir es und projizieren unsere Angst und unsere Schuldgefühle nach außen. Wir verurteilen dann unser Gegenüber oder eine sonstige externe Macht, indem wir ihr die Schuld geben an unseren unangenehmen Gefühlen.

“Ich bin im Irrtum, wenn ich denke, man könne mich auf irgendeine Art verletzen.”
(EKIW: Lektion 119, 1. 2.)

“In meiner Wehrlosigkeit liegt meine Sicherheit.”
(EKIW: Lektion 153)

Eine kraftvolle spirituelle Übung besteht darin, die Herabsetzung unseres Selbstbildes zuzulassen, wenn sie geschieht, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Wenn uns zum Beispiel jemand kritisiert, tadelt oder beschimpft, tun wir einfach gar nichts, statt sofort all unsere Abwehrmechanismen zu mobilisieren und auf Rache zu sinnen. Wenn wir zulassen, dass unser Selbstbild schrumpft, und wir darauf achten, wie sich das in unseren tiefsten Innersten anfühlt, dann merken wir meist folgendes. Ein paar Sekunden lang wird es uns unangenehm sein, so als wären wir kleiner geworden. Dann aber spüren wir eine innere Weite, die wir lebhaft empfinden. Wir sind überhaupt nicht kleiner geworden. In Wahrheit haben wir uns ausgedehnt! Jetzt machen wir vielleicht eine erstaunliche Entdeckung: Wenn wir in irgendeiner Weise herabgesetzt werden und absolut nicht darauf reagieren - nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich -, geht uns auf, dass nichts Wirkliches davon berührt wurde und wir eigentlich durch das "Erniedrigtwerden" gewachsen sind. Sobald wir die Form das Selbstbilds, nicht mehr verteidigen oder zu stärken versuchen, lösen wir uns von der Identifikation mit dieser Form, dem mentalen Selbstbild. Indem wir weniger werden - aus egoischer Sicht -, dehnen wir uns in Wahrheit aus und schaffen einen Raum, in dem das SEIN erscheinen kann. Dann kann unsere wahre Kraft, das, was wir jenseits der Form sind, durch die scheinbar geschwächte Form hindurchleuchten. Das meinte Jesus als er schon vor zweitausend Jahren sagte, man sollte "sich selbst verleugnen" oder "auch die andere Backe darbieten".

“Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!”
(Bibel EÜ, Matthäus 5, 39)

“Du kannst nicht verletzt werden und solltest deinem Bruder nichts außer deiner Ganzheit zeigen. Zeige ihm, dass er dich nicht verletzen kann, und wirf ihm nichts vor, sonst wirfst du es dir selbst vor. Das ist die Bedeutung der Worte »die andere Wange hinhalten«.”
(EKIW: Kapitel 5, IV. 4. 4.-6.)

Als Jesus davon sprach, die andere Wange hinzuhalten, forderte er uns auf unserem Nächsten zu demonstrieren, dass er uns nicht verletzen kann. Und wenn er uns nicht verletzen kann, dann kann er wegen seines Angriffs auch nicht schuldig sein. Das ist die wahre Botschaft der Kreuzigung. Wenn wir auch die andere Wange hinhalten, dann laden wir unseren Nächsten nicht dazu ein, uns noch einmal zu schlagen, viel mehr erinnern wir ihn daran, dass es keine Verletzung gibt. Wir zeigen unserem Nächsten, dass wir nicht unfair behandelt werden können. Wir demonstrieren ihm unsere Weigerung, Angriffe als Wirklichkeit zu akzeptieren, denn wir wissen auch in diesem Moment, wer wir in Wirklichkeit sind. Wir wissen, dass es zwar möglich ist, den Menschensohn - also den Körper - zu kreuzigen, aber nicht den SOHN GOTTES. Alle Gewalt wird enden, wenn wir uns weigern, Opfer oder Täter zu sein. Damit haben wir den Ring der Angst verlassen. Dann wird die Welt als stabil gesehen und unseres Vertrauens völlig würdig, ein glücklicher Ort, an dem wir eine Weile ruhen können, wo wir nichts zu fürchten, sondern nur zu lieben brauchen.

Ein Gefühl der Bedrohung ist die Anerkennung einer innewohnenden Schwäche, die Überzeugung, dass es eine Gefahr gibt, die die Macht hat, uns zu angemessener Verteidigung aufzufordern. Die Welt gründet auf dieser wahnsinnigen Überzeugung. Lektion 135 lautet: "Wenn ich mich verteidige, werde ich angegriffen." Wer würde sich verteidigen, wenn er nicht denken würde, dass er angegriffen wird, dass der Angriff wirklich ist und dass seine Verteidigung ihn retten kann? Und hierin liegt die Verrücktheit der Verteidigung: Sie gibt den Illusionen Wirklichkeit und versucht dann, mit ihnen umzugehen, als wären sie wirklich. Sie häuft Illusionen auf Illusionen und macht so die Berichtigung doppelt schwierig. Das ist genau das, was wir tun, wenn wir versuchen, die Zukunft zu planen, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen oder die Gegenwart nach unseren Wünschen zu organisieren. Ein geheilter Geist plant nicht. Er führt die Pläne aus, die er erhält, indem er auf die WEISHEIT hört, die nicht die seine ist.

In Kapitel 12, III. 4. heißt es außerdem: „Erkenne, was nicht von Belang ist, und wenn deine Brüder dich um etwas »Ungeheuerliches« [Anm.: etwas, das wir persönlich als Zumutung empfinden] bitten, so tu es, weil es nicht von Belang ist. Lehne es ab, und deine Ablehnung beweist, dass es für dich von Belang ist. Nur du bist es demnach, der die Bitte ungeheuerlich gemacht hat - und jede Bitte eines Bruders ist für dich. Warum möchtest du darauf beharren, sie ihm zu verweigern? Denn das heißt, dich selbst zu verleugnen und euch beide arm zu machen. Er bittet um Erlösung, ebenso wie du. Armut ist vom Ego und niemals von GOTT. Keine »ungeheuerlichen« Bitten können an den gerichtet werden, der begreift, was wertvoll ist, und der nichts anderes akzeptieren will.“

“Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!”
(Bibel, Bergpredigt, Matthäus 5,40&41)

Jesus forderte von seinen Jüngern, positiv und energisch auf jede Lebenssituation zu reagieren. Die andere Wange hinzuhalten, die Extrameile zu gehen oder irgendetwas zu tun, wofür diese Handlungen typisch sind, verlangt Initiative und bedingt, dass sich der Gläubige kraftvoll, aktiv und mutig ausdrückt. Jesus lehrte keine negative oder rein passive Widerstandslosigkeit. Er sagte: „Wenn einer dich auf die eine Wange schlägt, stehe nicht stumm und passiv da, sondern halte ihm in positiver Haltung die andere hin; das heißt, tue das Bestmögliche.“

Sehen wir es einmal so: Lassen wir uns aus materieller Sicht berauben, aber versuchen wir nicht, uns geschickt zu verteidigen, sondern bleiben wir unschuldig und wehrlos. Lassen wir uns berauben, aber verlieren wir nicht das Vertrauen, verlieren wir nicht den Glauben, verlieren wir nicht die Zuversicht. Das ist wertvoller als alles, was andere uns rauben können. Nichts kommt an diesen Wert heran, denn wir werden so lange in einem Zustand der Angst leben, bis wir unseren Bruder mit vollkommenem Glauben und vollkommener Liebe und Zärtlichkeit ansehen. Mit anderen Worten: Nur wenn wir den Glauben verlieren, verlieren wir etwas; ansonsten geht nichts verloren. Wenn sich also ein Bruder in einem Zustand des Mangels befindet, dass er meint, er müsse uns berauben, dann soll er sich nehmen, was er glaubt zu brauchen. Wir haben nur Dinge verloren, aber was haben wir gewonnen? Die ganze wirkliche Welt, alles, was es zu gewinnen gibt. Gewonnen haben wir die Unschuld, das Vertrauen, die Liebe.

Es war einmal ...

ein sehr armer Sannyasin namens Rinzai. Als er einst in seiner Hütte schlief, kam ein Dieb herein. Es gab in der Hütte nichts anderes zu holen als die Wolldecke, die er selbst gerade benutzte. Er schlief auf dem Fußboden unter seiner Decke. Als er den Dieb bemerkte, wurde ihm sehr unbehaglich zumute, und er dachte bei sich: »Der arme Kerl! Er hat den weiten Weg vom Dorf hierher umsonst gemacht, denn hier ist nichts zu holen. Wie kann ich ihm nur helfen? Das Einzige wäre diese Decke.« Aber er lag ja selbst darunter, der Dieb würde nicht den Mut haben, ihm die Decke wegzuschnappen. Also glitt er vorsichtig zur Seite, ließ sie liegen und kauerte sich in eine dunkle Ecke. Der Dieb nahm sich die Decke und ging hinaus. Die Nacht war sehr kalt, aber Rinzai war sehr froh, dass der Dieb nun nicht mit leeren Händen nach Hause ging. Danach setzte er sich ans Fenster seiner Hütte. Die Nacht war kühl, und am Himmel stand der Vollmond. Er schrieb ein kleines Haiku, ein kleines Gedicht. Darin sagte er: »Wäre es möglich gewesen, dem Dieb den Mond zu geben, hätte ich es getan.«

Wir verteidigen unseren Körper, und doch ist es nicht der Körper, der Angst haben kann oder ein Ding der Angst ist. Er hat keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Er braucht keine komplizierten Verteidigungsstrukturen, keine gesundheitsfördernde Medizin, keine Pflege und überhaupt keine Sorge. Wenn wir sein Leben verteidigen oder versuchen ihn schön zu machen, oder Mauern errichten, um ihn sicher zu machen, sagen wir damit nichts anderes, als dass unser Zuhause vergänglich, verweslich, zerfallend und äußerst unsicher ist. Wenn wir unseren Körper verteidigen, greifen wir unseren Geist an. Ein angegriffener und daher kranker Geist macht auch den Körper krank.

Hinter jedem von uns als Verteidigung getarnten Angriff verbirgt sich der Glaube an Besonderheit: “Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als dich. Glaube wird in dich allein investiert. Alles andere wird zu deinem Feind, der gefürchtet wird und angegriffen, der tödlich und gefährlich ist, gehasst und nur der Zerstörung würdig. Ganz gleich, welche Sanftheit sie anbietet, sie ist nur Täuschung, ihr Hass jedoch ist wirklich. Da sie Gefahr läuft, zerstört zu werden, muss sie töten, und du wirst zu ihr hingezogen, um sie zuerst zu töten. Und dergestalt ist die Anziehungskraft der Schuld.” (EKIW: Kapitel 24, IV. 1. 1.-6.)

Diese für das Ego-Denksystem typische Geisteshaltung vom “zuerst töten” findet sich auch im Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, wo es heißt: "Wenn jemand kommt, um dich zu töten, erhebe dich und töte ihn zuerst." Dies geht weit über das moderne juristische Konzept der Selbstverteidigung hinaus und beschreibt das genaue Gegenteil von dem, was Jesus gelehrt und vorgelebt hat. Seine Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung sind das leuchtendste Beispiel für wahre Wehrlosigkeit.

Ein vom Ego beherrschter Verstand könnte nun einwenden, dass Jesus doch angegriffen wurde. Dieser Eindruck entsteht, wenn wir die Welt allein mit den Augen des Körpers betrachten, aber die geistige Schau von Jesus sah keinen Angriff. Jesus erlebte seine Kreuzigung nicht als Angriff auf ihn, weil er sich seiner wahren IDENTITÄT als SOHN GOTTES bewusst war und diese nicht angegriffen werden kann. Wenn Jesus seine Jünger auf die bevorstehende Kreuzigung hinwies, sagte er nie “Ich werde gekreuzigt werden”, sondern sprach immer in der dritten Person vom “Menschensohn”. Der “Menschensohn” ist der Körper und nicht der SOHN GOTTES. Jesus war sich seiner Sohnschaft bewusst und wusste, dass ER nicht verletzt werden kann.

In Kapitel 14, III. Heißt es:
„Die Freude zu lernen, dass die Finsternis keine Macht über den SOHN GOTTES hat, ist die glückliche Lektion, die der HEILIGE GEIST lehrt und von der ER möchte, dass du sie mit IHM lehrst. Es ist SEINE Freude, sie zu lehren, wie es die deine sein wird. Die Art und Weise, diese einfache Lektion zu lehren, ist einfach die: Schuldlosigkeit ist Unverletzlichkeit. Mach deshalb deine Unverletzlichkeit für jeden manifest. Lehre ihn - was immer er dir anzutun versucht -, dass dein vollkommenes Freisein von der Überzeugung, dir könne geschadet werden, IHM zeigt, dass er schuldlos ist. Er kann nichts tun, was dich verletzen kann, und dadurch, dass du IHM verwehrst zu denken, er könne es, lehrst du ihn, dass die SÜHNE, die du für dich selber angenommen hast, auch seine ist. Es gibt nichts zu vergeben. Niemand kann den GOTTESSOHN verletzen. Seine Schuld ist ohne Ursache und kann, da sie ohne Ursache ist, nicht existieren.“

Im Kurs nennt Jesus daher Wehrlosigkeit als eine der Eigenschaften der Lehrer GOTTES. GOTTES Lehrer haben gelernt, einfach zu sein. Sie haben keine Träume, die der Abwehr gegen die Wahrheit bedürfen. Sie versuchen nicht, sich selbst zu machen. Ihre Freude kommt von ihrem Verständnis dessen, WER sie erschaffen hat. Niemand kann ein fortgeschrittener Lehrer GOTTES werden, bis er nicht voll und ganz versteht, dass Abwehrmechanismen nur die törichten Wächter verrückter Illusionen sind. Je grotesker der Traum, desto grimmiger und machtvoller scheinen seine Abwehrmechanismen zu sein. Doch wenn der Lehrer GOTTES endlich zustimmt, hinter sie zu sehen, stellt er fest, dass dort nichts war. Zuerst lässt er sich die Täuschung nur langsam nehmen. Doch er lernt schneller, wenn sich sein Vertrauen mehrt. Was kommt, wenn Abwehrmechanismen niedergelegt werden, ist nicht Gefahr. Es ist Sicherheit. Es ist Frieden. Es ist Freude. Und es ist GOTT.

Eine Übung:

Wir stellen uns vor, wir sind mitten in der Nacht auf dem Heimweg und gehen allein durch eine dunkle Gasse in einem verruchten Viertel der Stadt. Plötzlich kommt uns eine Gruppe schwerer Jungs entgegen, die es offensichtlich auf uns abgesehen hat. Sie wollen unser Smartphone und unser Geld und hoffen nur auf eine Reaktion, die sie als Einladung zum Verprügeln interpretieren können.

Wir kennen die üblichen Reaktionen darauf, unser schlafender Geist ist darauf konditioniert. Tauchen wir nun ganz in diese Situation ein und nehmen wir all die Angst und auch den Hass auf diese Typen in uns wahr. Aber dann gehen wir mit unserer Aufmerksamkeit tiefer und bitten den Heiligen Geist um Unterstützung, uns mit unserer Wirklichkeit zu verbinden und dann könnte - ohne dass wir auch nur im Geringsten darüber nachdenken - das Folgende geschehen:

Wir erleben eher einen Ruf nach Liebe als einen Angriff, und wir geben, worum man uns bittet; wir geben die Liebe. Wir fallen nicht auf die Wahrnehmung rein, wir fallen nicht auf das Verhalten rein. Wenn wir Liebe verschenken, stärken wir sie, und dann wissen wir, dass wir sie sind, dass wir eine unbegrenzte Ausdehnung der göttlichen Liebe sind.

Anstatt zu fliehen oder in Abwehrhaltung zu erstarren, gehen wir mit einem breiten Lächeln auf die Kerle zu und beginnen, unser Smartphone, unsere Brieftasche und all die anderen Wertsachen abzulegen und ihnen mit den Worten "Ihr könnt alles von mir haben." zu überreichen. Dann beginnen wir ganz langsam, uns zu entkleiden. Wir reichen ihnen ein Kleidungsstück nach dem anderen, schauen ihnen in die Augen und sagen: "Bruder, das kannst du haben, ich schenke es dir."

“Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!”
(Bibel, Bergpredigt, Matthäus 5,40&41)

In diesem heiligen Augenblick wird sich die Welt verändern und wir werden gemeinsam einen Augenblick der Heilung erleben. In diesem Augenblick übernimmt eine höhere Macht als unser persönliches Selbst die Führung, dann tritt Lektion 137 “Wenn ich geheilt bin, bin ich nicht allein geheilt.” in Kraft. Danach gehen wir entweder nackt oder angezogen oder vielleicht sogar mit unseren Wertsachen, aber auf jeden Fall glücklich mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach Hause. Möglicherweise werden wir sogar durch die nächtlichen Straßen tanzen mit einem Lied auf unseren Lippen: „Dancing in the Street. Oh it doesn't matter what you wear. Just as long as you are there. There'll be laughing, singing and music swinging. Dancing in the street.“

Es geht jetzt nicht darum, ein bestimmtes Verhalten zu trainieren, sondern unsere innere Einstellung zu unseren Mitmenschen zu ändern. Wenn wir in den schweren Jungs Mitmenschen sehen, die gesehen werden wollen, und wenn wir ihren Ruf nach Liebe erkennen, dann werden wir ganz anders reagieren, als wenn wir Angst um unseren Körper und unsere materiellen Besitztümer haben.

Die erste Lektion des HEILIGEN GEISTES lautet: “Damit du hast, gib allen alles.” Dies bezieht sich selbstverständlich nicht auf materielle Dinge, also auf Illusionen, sondern auf etwas anderes. “Alles“ bedeutet die volle Würdigung, das heißt die Wirklichkeit GOTTES. Sehen wir also in all unseren Brüdern ihre Wirklichkeit, sehen wir den CHRISTUS in ihnen. Begegnen wir all unseren Brüdern im Zustand der Schau CHRISTI. Was dann auf der Ebene der Form geschieht, ist nicht von Bedeutung.

Wenn wir unsere Gedanken über die Welt ändern, verändern wir die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern. Von uns braucht zuerst einmal die Bereitschaft. Bereitschaft ist der Anfang der zu Zuversicht führt, auf unserem Weg der Meisterung durch die Liebe und damit dem Ende der Angst.

Ein wunderbares Beispiel für gelebte Wehrlosigkeit und ihre Wirkung zeigt uns die ältere Katze in diesem Video:


Demut

Von unserem Ego aus können wir nichts tun, um uns selbst oder andere zu erlösen, von unserem reinen Geist aus jedoch können wir für die Erlösung beider alles tun. Demut ist eine Lektion für das Ego, nicht für den reinen Geist. Der reine Geist ist jenseits der Demut, weil er seine Wirklichkeit erkennt. Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen, weil ihr Ego demütig ist, und das verleiht ihnen eine wahrere Wahrnehmung.

“Als SOHN GOTTES bin ich das Licht der Welt.” ist lediglich eine Aussage der Wahrheit über uns selbst. Sie ist das Gegenteil einer Aussage, die auf Stolz, Arroganz oder Selbsttäuschung beruht. Sie beschreibt nicht das egoische Selbstbild, das wir gemacht haben. Sie bezieht sich auf uns, so wie wir von GOTT erschaffen wurden. Sie stellt einfach die Wahrheit fest.

Für das Ego ist dieser Gedanke allerdings der Inbegriff der Selbstverherrlichung. Aber das Ego versteht Demut nicht, da es sie mit Selbsterniedrigung verwechselt. Demut besteht darin, unsere Rolle in der Schöpfung zu akzeptieren und keine andere zu übernehmen. Es ist keine Demut, darauf zu beharren, dass wir nicht das Licht der Welt sein können, wenn das die Funktion ist, die GOTT uns zugewiesen hat. Nur Arroganz würde behaupten, dass diese Funktion nicht für uns bestimmt sein kann, und Arroganz ist immer vom Ego.

Wahre Demut erfordert, dass wir unsere SOHNSCHAFT akzeptieren. Das ist ein erster Schritt, um unsere wirkliche Funktion auf Erden zu akzeptieren. Es ist jedoch noch ein gewaltiger Schritt darauf hin, unseren rechtmäßigen Platz in der Erlösung einzunehmen. Es ist eine ausdrückliche Erklärung unseres Anrechts auf Erlösung und die Anerkennung der Macht, die uns gegeben wurde, um andere zu erlösen.

Dieser Gedanke geht weit über die unbedeutenden Ansichten hinaus, die das Ego darüber hat, was wir sind und was unser Sinn und Zweck ist. Für uns als Bringer der Erlösung ist es notwendig, uns an unseren wahren Zweck zu erinnern. Das ist der erste einer Anzahl von gewaltigen Schritten, die wir noch unternehmen werden. Dies ist der Beginn unserer Nachfolge Jesu Christi.

Das einzige, was von uns verlangt wird, ist, unseren Teil in aufrichtiger Demut anzunehmen und nicht mit selbst betrügerischer Arroganz zu verleugnen, dass wir würdig sind. Was uns zu tun gegeben ist, das zu tun haben wir die Stärke.

Alleinsein

Ein Aspekt, warum sich Menschen auf dem spirituellen Weg zu Gruppen zusammenschließen und intensiven Kontakt über soziale Medien halten, ist nicht der wahrhaftige Wunsch nach dem Erwachen, sondern eine Strategie des Egos, um den Schmerz des Alleinseins und damit den Schmerz der Auflösung des persönlichen Selbstbildes zu vermeiden. Es dient also oft mehr der Vermeidung des spirituellen Erwachens, als dem spirituellen Erwachen selbst. Der Weg des Erwachens, den Jesus uns anbietet, ist der Weg der heiligen Beziehung, das heißt, wir brauchen andere Menschen. Aber gleichzeitig ist es wichtig, sich immer wieder in Ehrlichkeit mit sich selbst zu üben und genau hinzusehen, wofür wir eine spirituelle Gruppe nutzen - wirklich für die heilige Beziehung oder nur, um etwas Unangenehmes für das Ego zu vermeiden.

Wir dürfen uns immer wieder ehrlich die Frage stellen: Was macht eine spirituelle Gruppe für mich attraktiv? Ist es die Möglichkeit, meine Dunkelheit ans Licht zu bringen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben, oder geht es mir in erster Linie darum, Teil einer Gruppe zu sein, von der ich nicht befürchten muss, kritisiert zu werden, sondern mich darauf verlassen kann, viel positives Feedback zu bekommen, um die Illusion aufrechtzuerhalten, ein Individuum und insbesondere ein guter Mensch zu sein? Bin ich bloß auf der Suche nach der Erfüllung der egoischen Vorstellung von besonderer Liebe, weil ich mich selbst noch nicht als die LIEBE erkannt habe?

Anders formuliert lautet die Frage: Benutze ich die Gruppe zur Erweiterung meines Bewusstseins, so dass niemand mehr aus meinen Beziehungen ausgeschlossen ist, oder benutze ich sie zur Stärkung meiner Erfahrung von Individualität, indem ich die Gruppe für ganz besondere Beziehungen nutze?

Jesus weist in Lektion 76 sehr deutlich darauf hin, dass auch “die »Gesetze« der Freundschaft, der »guten« Beziehungen und der Gegenseitigkeit” nur Magie sind und Magie nimmt gefangen, GOTTES Gesetze aber machen frei.

Wir dürfen uns immer wieder ehrlich die Frage stellen: Was hält unsere Gruppe zusammen? Ist es die Bereitschaft, die Dunkelheit ans Licht zu bringen, um aus der Illusion der Trennung zu erwachen, oder neigt unsere Gruppe dazu, nach innen eine Treibhaushitze gegenseitiger Bewunderung und nach außen Stolz und Hass zu entwickeln?

Es ist wichtig, genauer hinzuschauen, wenn wir uns an eine spirituelle Gruppe binden oder uns an eine spirituelle Gruppe gebunden fühlen. Bindung ist die Folge von Unbewusstheit. Selbst Tiere können sich sehr leicht binden, ja sogar leichter. Ein Hund hängt mehr an seinem Herrn, als das ein Mensch könnte. Der Hund ist vollkommen unbewusst, und so kommt die Bindung zustande. Das ist der Grund, warum die Menschen in Ländern, in denen die zwischenmenschlichen Beziehungen verarmt sind, wie es im Westen der Fall ist, immer mehr Beziehungen zu Tieren suchen - zu Hunden, zu anderen Tieren - zwischenmenschliche Beziehungen fehlen einfach. Die menschliche Gesellschaft ist auf dem Rückzug, und jeder fühlt sich isoliert, entfremdet, allein. Die Masse ist zwar da, aber wir haben keine Beziehung zu ihr. Wir sind allein in der Masse, und dieses Alleinsein macht Angst.

Die menschlichen Beziehungen lösen sich auf, aber der Mensch kann nicht allein leben. Er muss eine Beziehung haben - das Gefühl, irgendwohin zu gehören, dass jemand bei ihm ist. Tiere sind nur deswegen so gut als Freunde geeignet, weil sie so anhänglich werden. Kein Mensch kann so anhänglich werden. Zur Anhänglichkeit bedarf es keiner Bewusstheit. Im Gegenteil - Bewusstheit verhindert sie. Je bewusster wir werden, desto weniger anhänglich werden wir; denn das Bedürfnis nach Anhänglichkeit vergeht. Warum möchten wir uns an jemanden hängen? Weil wir das Gefühl haben, dass wir allein nicht genug sind, dass uns etwas fehlt, etwas in uns nicht vollständig ist, wir kein Ganzes sind. Wir brauchen jemanden, der uns vollständig macht. Daher so viel Anhänglichkeit. Wenn wir bewusst sind, sind wir vollständig, sind wir ein Ganzes; jetzt hat sich der Kreis geschlossen, nichts fehlt mehr - wir brauchen niemanden. Wir empfinden eine vollkommene Unabhängigkeit, ein Gefühl der Ganzheit.

Das heißt nicht, dass wir nicht andere lieben werden. Im Gegenteil: Nur so können wir wahrhaftig lieben. Jemand, der auf uns angewiesen ist, kann uns nicht wirklich lieben; er wird uns gleichzeitig - meist völlig unbewusst - hassen. Das ist die Dualität des Egos, seine Vorstellung von Liebe ist nur die Kehrseite des Hasses. Das ist die besondere Beziehung, die Jesus im Kurs sehr genau beschreibt. Jemand, der uns braucht, kann uns nicht wirklich lieben. Er wird einen Hass auf uns haben, weil wir ihm zur Fessel werden. Er spürt, dass er ohne uns nicht leben kann, ohne uns nicht glücklich sein kann. Somit sind wir die Ursache sowohl für sein Glück wie sein Unglück: Er kann es sich nicht leisten, uns zu verlieren. Das gibt ihm ein Gefühl der Gefangenschaft. Wir halten ihn gefangen, und ihm ist das zuwider, er wird sich dagegen sträuben. Die Menschen hassen und “lieben” sich zugleich, aber eine solche Liebe kann nicht sehr tief gehen. Nur ein Mensch, der bewusst ist, kann lieben - weil er uns nicht braucht. Aber diese Liebe ist von ganz anderem Kaliber: Sie ist keine Anhänglichkeit. Ein solcher Mensch ist nicht auf uns angewiesen und hat kein Interesse, uns von sich abhängig zu machen; er wird eine ungebundene Freiheit bleiben, und er wird uns gestatten, selbst eine ungebundene Freiheit zu sein. Wir werden zwei freie Menschen sein; dann finden zwei vollkommene, ganzheitliche Wesen zueinander. Diese Begegnung wird zu einem Fest, zu einer Feier, sie wird nicht zu einem Abhängigkeitsverhältnis verkommen. Eine solche Begegnung wird reine Freude sein.

Wenn sich LIEBE als wache Bewusstheit zeigt, dann ist sie einfach ein reines, bedingungsloses Geschenk und macht den Geber froh, sie geben zu können. Schon der bloße Akt des Gebens ist ihm Seligkeit, versetzt ihn in Ekstase, weil für einen erwachten Geist Geben und Empfangen eins ist. Seine LIEBE mag zu unterschiedlichen Zeiten zwar auf andere Objekte gerichtet sein, aber die QUELLE der LIEBE bleibt gleich: Wer immer in seine Nähe kommt, wird davon beschenkt. Und sein Schenken ist ohne Bedingung; nichts wird zurückgefordert, nichts wird zurückerwartet.

Deshalb sind spirituelle Gruppen, in denen der Guru seine Anhänger in die Abhängigkeit von ihm und der Gruppe einlädt, immer vom Ego getrieben und dienen nicht der Befreiung, sondern der Versklavung, sie dienen nicht dem Erwachen, sondern der Aufrechterhaltung des Traums der Trennung.

Unseren Traum der Trennung träumen wir allein, weil sich Illusionen nicht teilen lassen: “Wenn du deine Welt mit offenen Augen ansiehst, muss dir auffallen, dass du dich in den Wahnsinn zurückgezogen hast. Du siehst, was nicht vorhanden ist, und hörst, was kein Geräusch erzeugt. Deine Äußerungen von Gefühlen sind das Gegenteil dessen, was die Gefühle selber sind. Du kommunizierst mit niemandem und bist genauso isoliert von der Wirklichkeit, als wärest du allein im ganzen Universum.”
(EKIW: Kapitel 13, V. 5. 1.-4.)

Wenn wir uns einsam fühlen, wenn wir allein sind, sind wir in schlechter Gesellschaft. Das heißt, wir haben nur “Kontakt“ zu unserem falschen Selbst, aber nicht zu unserem wahren SELBST und somit auch nicht zu GOTT. Durch die Gesellschaft anderer Menschen lenken wir uns üblicherweise von diesem unangenehmen Gefühl des Alleinseins ab, daran ändert sich nichts, wenn wir spirituelle Gruppen oder spirituelle Festivals dafür nutzen - Ablenkung bleibt Ablenkung. Daher empfehlen viele spirituelle Wege, eine Zeit in absoluter Zurückgezogenheit und Stille zu verbringen, um sich selbst in Alleinsein zu konfrontieren. Dabei geht es nicht um einen Rückzug aus der Gesellschaft, weil man die Gesellschaft verurteilt, sondern einzig und allein um Selbsterfahrung. Das macht Angst, und es tut weh, und man muss es aushalten. Man sollte nicht versuchen, den Schmerz zu verleugnen. Und man sollte auch nichts tun, um dem auszuweichen; man darf sich mit nichts “auf andere Gedanken bringen”, um dem zu entrinnen. Man muss da hindurchgehen. Dieses Erleiden, dieser Schmerz ist nur ein gutes Zeichen dafür - dass uns eine Neugeburt bevorsteht. Denn jeder Geburt gehen Wehen voraus. Dem darf man nicht ausweichen, denn das gehört zum Wachstum dazu.

In der Biografie fast aller großen spirituellen Lehrer findet sich eine Phase des totalen Alleinseins in der Natur. So verbrachte beispielsweise der bekannte Kurs-in-Wundern-Lehrer David Hoffmeister eine Zeit lang allein in einem kleinen Wohnwagen in einem abgelegenen Wald. Selbst Jesus war vierzig Tage lang allein in der Wüste. Bei seiner Taufe hörte er den unmissverständlichen Ruf seines VATERS, die endgültige Aufforderung, sich um dessen Angelegenheiten zu kümmern, und er zog sich für vierzig Tage in die Abgeschiedenheit zurück, um über diese vielfältigen Aufgaben nachzusinnen.

Ein Vision-Quest-Seminar mit einer mehrtägigen Auszeit ist eine gute Möglichkeit, sich einmal mit dem Alleinsein zu konfrontieren. Auszeit bedeutet in diesem Zusammenhang, drei Tage und Nächte allein, ohne Dach über dem Kopf, den Elementen ausgesetzt, ohne Nahrung, außer vielleicht etwas Wasser, im Wald oder in einer anderen Form menschenleerer Natur zu verbringen. Und dann wirst du auch ein klein wenig darüber wissen, was es bedeutet, wahrhaftig ein Lehrer GOTTES zu sein, jemand zu sein, der ohne jegliches Bestreben lebt, den Körper-Geist vor den tiefsten Ängsten seines eigenen Untergangs zu beschützen.

Solange wir versuchen, uns durch besondere Beziehungen von dem Gefühl des Alleinseins abzulenken, werden wir den Unterschied zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle nicht erkennen. Wer aber kann eine Wahl zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle treffen, solange er nicht sieht, dass sie nicht dasselbe sind? Dieser Unterschied ist das Lernziel, das sich der Kurs gesetzt hat. Erst dann sind wir bereit für die SÜHNE, die uns aus der Illusion der Trennung befreit. Dann spielt es keine Rolle mehr, ob sich der Körper in der Gegenwart anderer Körper befindet oder nicht.

“Indem du die SÜHNE für dich annimmst, entscheidest du dich gegen den Glauben, dass du allein sein kannst, zerstreust auf diese Weise die Idee der Trennung und bejahst deine wahre Identifikation mit dem ganzen HIMMELREICH als buchstäblich einem Teil von dir.”
(EKIW: Kapitel 7, VIII. 7. 3.)

Aber woher kommt dieser Schmerz des Alleinseins genau? Wenn wir das besser verstehen, können wir hindurchgehen, und wenn wir verstehend hindurchgehen, werden wir es leichter und schneller hinter uns bringen.

Unser Selbstbild hat nur dann Bestand, wenn wir mit anderen zusammen sind. Es ist aus Beziehungen entstanden, es kann nicht aus sich selbst bestehen. Wenn also eine Situation entsteht, wo es nicht mehr existieren kann, fühlt es sich am Rande des Todes. Wir haben auf eine Art das Gefühl, als würden wir sterben. Tatsächlich stirbt nichts, weil das Ego eine Illusion ist, aber es fühlt sich so an.

Stellen wir es uns einmal so vor: Wenn wir in Gesellschaft sind, halten uns die Leute für “einen guten Menschen”. Dieses Ein-guter-Mensch-Sein hat keinen Bestand, wenn wir einsam und allein sind, denn wir haben die anderen dazu benutzt, um uns genau das zu spiegeln. Jetzt sind diese anderen nicht mehr da. Unser Selbstbild findet nirgends mehr Halt. Es entbehrt jetzt jeder Grundlage. Nach und nach wird es verblassen, und dann fühlen wir uns überhaupt nicht wohl, denn wir waren so ein guter Mensch, und jetzt sind wir es nicht mehr - jetzt sind wir ein Niemand.

Und nicht nur “gute Menschen” werden leiden - wenn wir ein “schlechter Mensch” sind, haben wir auch das von anderen. Auch das ist ein Weg, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn viele Leute uns für schlecht halten, schenken sie uns damit Aufmerksamkeit. Jedenfalls können sie uns gegenüber nicht gleichgültig sein, sie müssen uns beachten. Wir sind ein Jemand - ein schlechter Mensch, gefürchtet. Wenn wir uns in die Einsamkeit begeben, werden wir ein Niemand. Das schlechte Selbstbild fällt weg, und davon haben wir gelebt - unser Ego hat davon gelebt. “Gute Menschen” unterscheiden sich im Grunde also nicht von “schlechten Menschen”: Beide gewinnen so ihr Selbstbild. Sie tun es mit verschiedenen Mitteln, aber letztlich geht es ihnen um das Gleiche.

Ohne Gesellschaft sind wir als Person entwurzelt; der Boden, der uns nährte, ist nicht mehr da. Das ist der Grundschmerz. Wir wissen einfach nicht mehr, wer wir sind. Wir sind einfach eine Persönlichkeit in Auflösung, eine Persönlichkeit, die sich verflüchtigt.

Aber das ist gut so. Denn solange dieses unechte Selbst nicht verschwindet, kann das wahre SELBST nicht auftauchen. Solange wir noch nicht völlig von falschen Vorstellungen gereinigt sind, kann sich Der-EINE nicht zeigen. Indem wir eine Zeit lang in Einsamkeit leben, kann vieles Unechte abfallen.

Wenn wir es schaffen, einmal für eine Zeit lang in vollkommener Abgeschiedenheit, in vollkommener Stille zu leben, ohne gegen irgendetwas zu kämpfen und alles, egal, was es ist, einfach auf sich beruhen zu lassen, dann wird nach dieser Zeit das Alte fort sein und das Neue da sein. Wenn das Alte verschwindet, das Neue aber noch nicht da ist - das ist die schmerzhafte Phase. Jesus weist im Kurs beim Thema der Entwicklung des Vertrauens auf diese schwierige Phase hin. Wichtig ist, alles zuzulassen - egal, wie furchterregend, schmerzlich, wie gefährlich und tödlich es auch zu sein scheint. Mooji spricht gerne von “marinating”.

Es liegt in der Natur der Sache, dass zwischen dem Verschwinden des Alten und dem Erscheinen des Neuen in der Illusion der Zeit eine Lücke entsteht. Indem wir uns nach innen wenden, wird die Gesellschaft von uns abfallen, werden die privaten Gedanken abfallen, wird das Ego abfallen, und danach wird eine Lücke klaffen. Wir werden auch diese Lücke durchstehen müssen. Jetzt wartet der Baum auf neue Blätter … aber man kann nichts tun. Was kann der Baum schon tun? Man kann nichts tun, um die Blätter früher herbeizuholen, sie werden zu ihrer eigenen Zeit kommen. Es ist gut, dass die alten abgefallen sind - denn jetzt ist der Platz geräumt, ist Raum dafür da, dass die neuen auftauchen können. Jetzt steht ihnen nichts mehr im Wege. Es gibt also so etwas wie einen Herbst des Inneren. Die Blätter werden fallen, und das wird schmerzhaft sein. Wir haben so lange schon mit diesen alten Blättern gelebt, dass wir nun das Gefühl haben, alles zu verlieren. Und dann folgt ein Winter des Wartens, ein innerer Winter, in dem wir entblößt sein werden - ohne Blätter, ein nackter Baum unter dem Himmel, und wir nicht wissen werden, was geschehen wird. Jetzt steht alles still. Jetzt haben wir keinerlei Anhaltspunkt mehr, ob wir nun tot sind oder ob sich bald neues Leben regen wird. Das ist die Lücke, die Pause.

Daher haben christliche Mystiker von der “dunklen Nacht der Seele” gesprochen - vor dem Sonnenaufgang. Alle künstlichen Lichter sind gelöscht worden, die Nacht ist stockfinster geworden. Der Augenblick kurz vor dem Sonnenaufgang ist der dunkelste. Wenn wir es richtig verstehen, ist allerdings alles Teil des einen Prozesses - des einen Plans -, so ist der Herbst ebenfalls Teil des Frühlings; er bereitet den Weg für den kommenden Frühling. Der Herbst ist also nicht das Gegenteil des Frühlings, sondern nur sein Anfang. Auch der Winter - die Lücke - ist notwendig, weil wir uns in der Lücke bereitmachen. Das Alte ist fort. Wir werden jetzt nicht mehr von ihm gequält, von ihm belastet. Wir sind schwanger - aber Schwangerschaft heißt warten: Das neue Kind wächst heran.

Wir sollten daher nichts tun, um das Alleinsein und seine Auswirkungen zu vermeiden. Wir mögen noch so klar sehen, dass es gar nichts zu tun gibt, aber wir haben keine Kontrolle mehr und fangen trotzdem an, etwas zu tun. Es ist genau, wie wenn wir um Mitternacht durch eine dunkle Straße gehen, und plötzlich überkommt uns die Angst, und weil kein Mensch zu sehen ist und die Nacht dunkel ist und wir uns nicht auskennen in dieser Gegend, fangen wir zu pfeifen an. Was bringt dieses Pfeifen? Wir wissen, es bringt nichts. Dann fangen wir an, ein Lied zu singen. Wir wissen, dass unser Lied nichts an der Situation ändern kann, nicht die Dunkelheit vertreiben kann. Wir bleiben trotzdem allein. Und dennoch bringt uns das auf andere Gedanken. Unsere Gedanken konzentrieren sich auf das Pfeifen, und plötzlich fühlen wir uns besser. Eigentlich hat sich gar nichts geändert. Alles ist wie zuvor, aber jetzt unternehmen wir etwas. Wir können auch ein Mantra vor uns hin murmeln: “Rama, Rama, Rama …” Das wäre auch eine Art Pfeifen, würde uns den Rücken stärken. Aber diese Stärke ist gefährlich, diese Stärke birgt wieder ein Problem, denn diese Stärke wird nichts anderes sein als unser altes Ego. Wir hauchen ihm damit wieder neues Leben ein. Bleiben wir einfach Zeuge und lassen geschehen, was immer geschieht. Man muss sich der Angst stellen, um sie hinter sich zu lassen. Man muss sich der Seelenqual stellen, um sie zu transzendieren. Man darf das Alleinsein nicht vermeiden, sondern es gilt, sich nach innen fallen zu lassen, um dort dem wahren SELBST zu begegnen.

Das Ego versteht die Wahrheit nicht. Deshalb versteht es auch nicht den Sinn und Zweck eines spirituellen Lebens in Abgeschiedenheit. Es geht nicht darum, eine alternative Gesellschaft zu gründen. Die Hippies haben einst der Gesellschaft den Rücken gekehrt. Aber sie begannen stattdessen eine neue, eine alternative Gesellschaft. Die Hippies wurden selbst zu einer alternativen Gesellschaft. Wer in der normalen Gesellschaft lange Haare hatte, war damals ein Außenseiter, mit dem etwas nicht stimmte. Wenn jemand in der Hippie-Gesellschaft kurze Haare hatte, stimmte auch mit ihm etwas nicht. Wo war da der Unterschied?

Auch hier also wieder das gleiche Verurteilen und das gleiche Werten. Eine alternative Gesellschaft kann man einfach nur dadurch gründen, dass man die Spielregeln auf den Kopf stellt; was ist dabei gewonnen? Das Ego bekommt wieder seine Nahrung. Es ist nur verpflanzt worden, es hat einen neuen Nährboden bekommen. Im spirituellen Sinne in Abgeschiedenheit zu leben bedeutet nicht, eine alternative Gesellschaft zu gründen, sondern dient dazu Individualität und Gesellschaft zu transzendieren.

Unsere letztendliche Wirklichkeit ist der EINE - der eine SOHN GOTTES, der CHRISTUS, das wahre SELBST. Jegliche Individualität ist eingebildet und der Mensch ist nur eine scheinbare Welle in der Ganzheit der Existenz. In diesem Zusammenhang taucht oft die Frage auf: Wie ist dieses Der-EINE-sein mit Ganzheit zu vereinbaren? Man braucht sie gar nicht zu vereinbaren. Der-EINE-sein heißt Ganzheit. Aber man darf Der-EINE-sein nicht mit Individualität gleichsetzen. Ein Individuum sind wir im Rahmen der Gesellschaft. Wenn wir uns als Der-EINE wiedererkennen, werden wir daher auch kein Individuum mehr sein.

Individuum sein heißt Teil einer Gesellschaft sein, Mitglied einer Gesellschaft sein. Wenn wir in der Menge sind, sind wir ein Individuum. Wenn wir aus dieser Menge heraustreten, wenn wir sie transzendieren, lassen wir damit nicht nur die Menge hinter uns, sondern auch unsere Individualität. Individualität und Gesellschaft sind die zwei Pole der Dualität. Beide Pole fallen im EINS-SEIN weg.

Es scheint zwei Wege zu geben: Wir dehnen uns entweder so weit aus, dass nichts mehr aus unseren Beziehungen ausgeschlossen wird - dann lösen wir uns auf. Oder wir sind so total allein, dass wir auf nichts mehr bezogen sind. Dann lösen wir uns auch auf. Und doch sind es nur Facetten des einen Weges zu GOTT.

Üblicherweise hängen wir aber irgendwo dazwischen, wo wir Beziehungen mit bestimmten Dingen eingehen, nicht aber mit anderen - wo der eine unser Freund und der andere unser Feind ist, wo jemand zu uns gehört und jemand anders nicht zu uns gehört - wo wir es uns aussuchen. Wir hängen also fest. Unser Ego ist so eng, dass es nur für einige Beziehungen Platz hat, und selbst bei diesen grenzt es sich deutlich gegen die anderen ab, sonst könnte es nicht bestehen.

Jesus zeigt uns folgenden Weg auf: Wenn wir allem, was auf der Welt existiert, mit der einen LIEBE begegnen, verschwinden wir, lösen wir uns auf - und der EINE erscheint.

“Der geeinte Geist ist der eine SOHN GOTTES oder CHRISTUS.”
(EKIW: BEGRIFFSBESTIMMUNG, 1. 1. 4.)

Leid am spirituellen Weg

Die erste der „Vier Edlen Wahrheiten“ Buddhas besagt: Das Leben ist Leiden. Gemeint ist damit das weltliche Leben, das Leben als Mensch. Dem sterblichen Menschen erwachsen viele seiner zeitlichen Schwierigkeiten aus seiner zweifachen Beziehung zum Kosmos. Der Mensch ist ein Teil der Natur - er existiert in der Natur - und doch ist er fähig, die Natur zu transzendieren. Der Mensch ist endlich, aber er wird von einem Funken der Unendlichkeit bewohnt. Der Mensch existiert zwischen diesen beiden als ein ausgespanntes Seil: zwischen dem, was war, und dem, was sein kann. Das führt zum Konflikt, zum ständigen Kampf darum zu erkennen, etwas zu sein.

Egal also, was der Mensch tut - er ist nie damit zufrieden, es ist ihm nie genug, weil in ihm zwei diametral entgegengesetzte Existenzen zusammentreffen. Wenn das Tierische zufrieden gestellt wird, ist das Göttliche unzufrieden. Wenn das Göttliche zufriedengestellt wird, ist das Tierische unzufrieden. Eine Seite ist immer unzufrieden.

Eine Anekdote:
Ein Sportwagen-Fan kommt ans Himmelstor, und Petrus heißt ihn willkommen. Seinen Ferrari hat der Mann mitgebracht und fragt Petrus als Erstes: »Gibt es im Himmel gute Autobahnen?«
Petrus antwortet: »Ja, wir haben hier die allertollsten Rennpisten. Aber da gibt es einen kleinen Haken. Im Himmel sind leider keine Autos zugelassen.«
Der Rennfahrer sagt: »Dann bin ich hier falsch. Sorgen Sie bitte dafür, dass ich zu dem andern Ort geschickt werde. Dann fahr ich lieber zur Hölle. Ohne meinen Ferrari läuft bei mir gar nichts.«
Man kommt seinem Wunsch nach. Er kommt in der Hölle an, kommt ans Höllentor, und Satan heißt ihn willkommen und zeigt sich überaus erfreut über den Besuch. Er sagt: »Du bist ja wie ich: Ich liebe ebenfalls Ferraris.«
Der Rennfahrer sagt: »Toll. Dann gib mir bitte einen Straßenatlas von hier.«
Da wird Satan ganz traurig und sagt: »Mann, wir haben hier doch gar keine Straßen. Die reinste Hölle!«

Genauso ist es um den Menschen bestellt. Der Mensch ist janusköpfig, “zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust”, er ist zwiespältig. Befriedigen wir die eine Seite, dann kommt für die andere etwas Frustrierendes heraus. Gehen wir umgekehrt vor, dann ist die Gegenseite unzufrieden. Etwas fehlt immer. Und beide können wir nicht zufriedenstellen, weil sie diametral entgegengesetzt sind.

Und jeder versucht das Unmögliche und will es hinkriegen - will irgendwo einen Kompromiss schließen, auf dass sich beides, Himmel und Hölle, begegnen, auf dass sich GEIST (SPIRIT) und Körper, das Höhere und das Niedere, das Vergangene und das Zukünftige, irgendwo treffen und einen Kompromiss zustande bringen. Das haben wir nun schon viele Leben lang so gemacht. Es ist nie gelungen, und es wird nicht gelingen. All die Mühe ist absurd, umsonst.

“Angst ist stets ein Zeichen von Anstrengung, die immer dann entsteht, wenn das, was du willst, mit dem in Konflikt steht, was du tust. Diese Situation entsteht auf zweierlei Arten: Erstens kannst du beschließen, miteinander in Konflikt stehende Dinge zu tun, entweder gleichzeitig oder nacheinander. Das führt zu einem konflikthaften Verhalten, das für dich unerträglich ist, weil jener Teil des Geistes, der etwas anderes tun will, entrüstet ist. Zweitens kannst du dich so verhalten, wie du glaubst, es tun zu müssen, ohne es aber voll und ganz zu wollen. Das erzeugt ein beständiges Verhalten, bringt aber große Anstrengung mit sich. In beiden Fällen sind Denken und Handeln nicht in Einklang miteinander, was eine Situation zur Folge hat, in der du etwas tust, das du nicht wirklich tun willst. Das löst ein Gefühl von Zwang aus, welches gewöhnlich Wut erzeugt, und darauf folgt mit einiger Wahrscheinlichkeit Projektion. Jedes Mal, wenn Angst da ist, liegt es daran, dass du dich nicht entschieden hast. Dein Geist ist deswegen gespalten, und es ist unvermeidlich, dass dein Verhalten sprunghaft wird. Eine Berichtigung auf der Verhaltensebene kann den Irrtum von der ersten Art zur zweiten verschieben, wird aber die Angst nicht auslöschen.”
(EKIW: Kapitel 2, VI. 5.)

Wenn der Mensch sich von einer Seite zur anderen begibt, von einem Denksystem zum anderen, von der falschen zur wahren Wahrnehmung, von der Dunkelheit zum Licht, befindet er sich auf einer Brücke zwischen zwei Welten. Das Bild von der Brücke verweist auf jenen Zustand, der durch einen ständigen Wechsel zwischen den beiden Seiten gekennzeichnet ist, durch einen ständigen Wechsel zwischen dem Denksystem des Egos und dem des reinen GEISTES, durch einen ständigen Wechsel zwischen dem Nein und dem Ja zu GOTT. Diese grundlegenden Konzepte kennen keine Grade. Was wir wirklich sind und das Ego werden einander nie begegnen. Am Weg des spirituellen Erwachens geht es nicht darum, in unserem Inneren einen Kompromiss herzustellen, sondern darum, Transzendenz zu ermöglichen.

Das weltliche Leben als Mensch ist an sich Leiden, aber der Prozess unserer Verwirklichung, unserer Rückbesinnung auf unsere Wirklichkeit als reiner GEIST, ist von ganz speziellen Herausforderungen gekennzeichnet. Bewusste Evolution heißt Revolution: Wir können etwas ändern. Wir sind nicht einfach nur ein Opfer, nicht einfach nur eine Marionette. Und weil es möglich ist, wir aber oft nichts tun, führt das zu innerer Anspannung. Und je mehr uns bewusst wird, dass Befreiung möglich ist, desto angespannter werden wir uns fühlen. Ein Suchender ist beunruhigt; ein völlig unbewusster Mensch ist nicht auf diese Art beunruhigt. Buddha war höchst beunruhigt, in tiefer Seelenqual, leidend. Bevor er “angekommen” war, lebte er in der Hölle, denn er war sich völlig im Klaren darüber, dass etwas möglich war, zum Greifen nahe, gleich um die Ecke. Wenn wir kurz vor dem Ziel stehen und wir können es fühlen, wir können es sehen, und es uns immer noch entwischt, dann kann es zur Qual werden. Wenn wir noch so weit davon entfernt sind, dass wir es nicht fühlen können, es nicht sehen können, ja uns nicht einmal vorstellen können, dass es da so etwas wie ein Ziel geben kann, wenn wir also nicht die geringste Ahnung von irgendeiner Bestimmung haben - dann ist auch diese Qual nicht da.

Wenn wir einfach unbewusst dahinleben, unterscheiden wir uns kaum von einer Tierexistenz. Die spirituelle Qual entsteht in dem Augenblick, in dem uns bewusst wird, dass etwas möglich ist: “Die Saat ist da, und ich muss etwas unternehmen. Ich muss etwas tun, damit die Saat sprießen kann. Es ist nicht mehr weit bis zur Blüte, und ich kann diese Ernte einfahren” - und dennoch geschieht nichts. Da befällt uns ein Gefühl großer Ohnmacht. Das war auch Buddhas Gefühl, ehe er zu einem Buddha wurde. Er stand kurz vor dem Selbstmord.

Seien wir nicht deprimiert, wenn uns Unbehagen befällt. Wenn wir in uns eine große Qual fühlen, einen Weltschmerz, Todesqual, dann seien wir deshalb nicht deprimiert - das ist ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass uns immer klarer wird, was überhaupt möglich ist, und wir nun nicht eher wieder zur Ruhe kommen, bis es Wirklichkeit wird. Und solange uns unser gesamtes Sein nicht bewusst wird, können wir nie wieder das schlichte “Glück” der Unbewusstheit empfinden. Jetzt gibt es nur noch einen Weg, um wahres Glück zu empfinden: immer wacher und wacher zu werden, immer aufmerksamer und aufmerksamer zu werden, immer bewusster und bewusster zu werden. Es gibt kein Zurück. Eine Umkehr ist nicht vorgesehen; niemand kann zurück. Wir können entweder dort bleiben, wo wir sind - und leiden, oder wir müssen vorwärtsgehen - und über das Leiden hinaus. Wir können nicht zurück.

Also haben wir zwei Möglichkeiten. Eine ist, uns einfach selbst zu täuschen - mit anderen Worten, wieder unbewusst zu werden. Wir können Drogen nehmen, wir können uns alkoholisieren, wir können Betäubungsmittel nehmen - dann fallen wir zurück auf die unbewusste Ebene. Wir betäuben den Teil, der bewusst geworden ist, und werden restlos unbewusst. Aber das ist eine vorübergehende Täuschung; wir werden wieder zu uns kommen. Die Wirkung der Chemikalie wird sich verlieren, und unser Bewusstsein wird wieder zu sich kommen. Der Teil, den wir mit Macht unterdrückt haben, mit Alkohol oder mit Drogen oder mit was auch immer, wird sich zurückmelden, und dann werden wir umso mehr leiden, weil wir dann vergleichen können. Wir werden noch mehr leiden. Wir können uns immer weiter mit Drogen zudröhnen. Da gibt es viele Mittel, nicht nur chemische. Es gibt religiöse Mittel; wir können zum Beispiel ein Mantra benutzen: Wir können es vor uns hin leiern und uns damit in Rausch versetzen. Wir können viele Dinge tun, die uns wieder unbewusst machen, aber das wird vorübergehend sein, wir werden wieder zu uns kommen müssen - und wir werden mit einem tieferen Leid in uns wieder zu uns kommen, weil wir dann vergleichen können: “Wenn das in Unbewusstheit möglich ist, was wird dann erst in restloser Bewusstheit möglich sein?” Unser Hunger danach wird größer sein, wir werden umso ausgehungerter sein.

“Ein gefangener Wille verursacht eine Situation, die im Extremfall überhaupt nicht mehr aushaltbar wird. Die Leidensfähigkeit mag groß sein, sie ist aber nicht grenzenlos. Schließlich beginnt ein jeder zu begreifen - wie undeutlich auch immer -, dass es einen besseren Weg geben muss. Sowie diese Einsicht mehr Boden gewinnt, wird sie zu einem Wendepunkt. Dies erweckt schließlich die geistige Schau wieder und schwächt gleichzeitig die Investition in die körperliche Sicht. Abwechselnd in die beiden Ebenen der Wahrnehmung zu investieren wird gewöhnlich als Konflikt erfahren, der sich stark zuspitzen kann. Der Ausgang aber ist so gewiss wie GOTT.”
(EKIW: Kapitel 2, III. 3. 4.-10.)

“Die geistige Schau kann den Irrtum buchstäblich nicht sehen und sucht nur nach der SÜHNE. Alle Lösungen, die das körperliche Auge sucht, lösen sich auf. Die geistige Schau blickt nach innen und sieht sogleich, dass der Altar entweiht ist und repariert und geschützt werden muss. Der richtigen Abwehr völlig gewahr, übergeht sie alle anderen und schaut über den Irrtum hinweg zur Wahrheit. Dank der Stärke ihrer Schau bringt sie den Geist in ihren Dienst. Das stellt die Macht des Geistes wieder her und macht ihn zunehmend unfähig, Verzögerungen zu ertragen, da er begreift, dass dies nur zu unnötigem Schmerz beiträgt. Als Folge davon wird der Geist zunehmend empfindlicher für das, was er einst als ganz geringfügiges Eindringen von Unbehagen angesehen hätte.”
(EKIW: Kapitel 2, III. 4.)

“Die Kinder GOTTES haben Anspruch auf jenes vollkommene Wohlbehagen, das von vollkommenem Vertrauen kommt. Solange sie dies nicht erreichen, verschwenden sie sich und ihre wahren schöpferischen Kräfte mit nutzlosen Versuchen, durch unangemessene Mittel mehr Wohlbehagen zu erlangen. Die wirklichen Mittel aber sind schon bereitgestellt und verlangen gar keine Mühe ihrerseits. Die SÜHNE ist die einzige Gabe, die es wert ist, an GOTTES Altar dargebracht zu werden, aufgrund des Wertes des Altares selbst.”
(EKIW: Kapitel 2, III. 5. 1.-4.)

Meist wird unsere Seelenqual noch dadurch verstärkt, dass wir glauben, mehr tun zu müssen, als von unserer Seite aus notwendig und überhaupt möglich ist:

„Der heilige Augenblick ist das Ergebnis deiner Entschlossenheit, heilig zu sein. Er ist die Antwort. Das Verlangen und die Bereitwilligkeit, ihn kommen zu lassen, gehen seinem Kommen voraus. Du bereitest deinen Geist nur in dem Masse auf ihn vor, wie du begreifst, dass du ihn mehr als alles andere willst. Es ist nicht nötig, dass du mehr tust; vielmehr ist es notwendig, dass du einsiehst, dass du nicht mehr tun kannst. Versuche nicht, dem HEILIGEN GEIST etwas zu geben, worum ER nicht bittet, denn sonst wirst du IHM das Ego beifügen und dann die beiden miteinander verwechseln. ER bittet nur um wenig. ER ist es, DER die Größe und die Macht beifügt. ER verbindet sich mit dir, um den heiligen Augenblick weitaus größer zu machen, als du verstehen kannst. Gerade deine Einsicht, dass du so wenig zu tun brauchst, ermöglicht es IHM, so viel zu geben.

Vertraue nicht deinen guten Absichten. Sie reichen nicht aus. Vertraue aber blind auf deine Bereitwilligkeit was immer sonst eintreten mag. Konzentriere dich nur darauf, und lass es dich nicht stören, dass Schatten sie umgeben. Deshalb bist du gekommen. Wenn du ohne sie kommen könntest, bräuchtest du den heiligen Augenblick nicht. Komme nicht in Arroganz zu ihm, indem du annimmst, dass du den Zustand erreichen musst, den sein Kommen mit sich bringt. Das Wunder des heiligen Augenblicks liegt in deiner Bereitwilligkeit, ihn sein zu lassen, was er ist. Und in deiner Bereitwilligkeit dazu liegt auch dein Annehmen deiner selbst, so wie du gemeint warst.

Das ist es, was den heiligen Augenblick so leicht und so natürlich macht. Du erschwerst ihn, weil du darauf bestehst, dass es mehr geben muss, was du zu tun hast. Du findest es schwierig, die Idee zu akzeptieren, dass du so wenig nur zu geben brauchst, um so viel zu empfangen. Und es fällt dir schwer einzusehen, dass es keine persönliche Beleidigung ist, dass dein Beitrag und derjenige des HEILIGEN GEISTES in einem solchen Missverhältnis zueinander stehen. Du bist noch immer davon überzeugt, dass dein Verständnis ein mächtiger Beitrag für die Wahrheit ist und sie zu dem macht, was sie ist. Doch haben wir betont, dass du nichts zu verstehen brauchst. Die Erlösung ist einfach, gerade weil sie nichts verlangt, was du nicht gleich jetzt geben kannst.

Vergiss nicht, dass es deine Entscheidung war, alles, was natürlich und einfach ist, unmöglich für dich zu machen. Wenn du glaubst, der heilige Augenblick sei für dich schwierig, so liegt es nur daran, dass du zum Richter darüber geworden bist, was möglich ist, und weiterhin Unwillens bleibst, DEM EINEN Platz zu machen, DER weiß. Der ganze Glaube an Rangordnungen der Schwierigkeit bei Wundern kreist darum. Alles, was GOTT will, ist nicht nur möglich, sondern bereits geschehen. Deshalb ist die Vergangenheit vorbei. Sie hat in Wirklichkeit nie stattgefunden. Nur in deinem Geist, der dachte, sie habe stattgefunden, ist ihre Aufhebung vonnöten."
(EKIW: Kapitel 18, IV. 1.&2.&7.&8.)

Körper

Was gibt es nicht alles für körperliche Freuden: kraftvolle, freie Bewegung, eine warme Dusche, Kuscheln oder sexuelle Ekstase. Aber was für ein Spielverderber ist Jesus, wenn er uns lehrt: “Der Körper ist ein Zaun, den der SOHN GOTTES sich einbildet, gebaut zu haben, um Teile seines SELBST von anderen Teilen abzutrennen. Innerhalb dieser Umzäunung glaubt er nun zu leben, um zu sterben, wenn der Zaun vermodert und zerfällt. Denn innerhalb des Zaunes, denkt er, sei er vor der Liebe sicher.”

Und was will uns Jesus sagen, wenn er in den Lektionen immer wieder auf die Neutralität des Körpers hinweist? Lektion 199 lautet "Ich bin kein Körper. Ich bin frei." Lektion 270 lautet "Ich will des Körpers Augen heute nicht verwenden." Lektion 294 lautet "Mein Körper ist ein ganz und gar neutrales Ding."

Gehen wir der Sache auf den Grund. Welche Bedürfnisse befriedigen wir mit all den angenehmen körperlichen Erlebnissen? Wir wollen frei sein, wir wollen uns geborgen fühlen, wir wollen Nähe, Freude, Euphorie, Ekstase, Glückseligkeit. Was Jesus uns sagt, ist ganz einfach: Der Körper ist immer das kleinere Angebot und GOTT ist immer das größere Angebot!

Das heißt, was immer wir hier in der Welt wertschätzen, was uns beglückt, welche Lust wir auch immer aus der Welt ziehen, haben wir den Mut herauszufinden, dass GOTT das bessere Angebot ist. Dafür brauchen wir nichts in dieser Welt und an unserem Verhalten zu ändern - gar nichts. Darum geht's überhaupt nicht. Worum es geht, ist, dass wir viel mehr verdient haben als wir uns selbst zugestehen. Wir verlangen nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. Die Freuden, die wir hier als groß empfinden, sind so winzig klein im Vergleich zu dem Angebot, dass GOTT uns macht, im Vergleich zu dem Angebot, das der HIMMEL ist.

Jedes Mal, wenn wir in tiefer Meditation sind, wenn unser Geist sich über die Grenzen des Körpers hinaus ausdehnt, merken wir, dass wir Verlustängste haben, dass wir glauben, etwas zu verlieren, wenn wir nicht mehr Körper sind. Deshalb erinnert uns Jesus so eindringlich daran, hey Bruder, im HIMMEL gibt es nur zu gewinnen, im HIMMEL gibt es nichts zu verlieren.

Und wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann werden wir feststellen, dass es nicht unser wahrer Wille sein kann, ein Körper zu sein, dass unsere Befindlichkeit von der Befindlichkeit unseres Körpers abhängt, dass wir nur so frei sind, wie der Körper uns lässt, dass es nicht unser Wille sein kann, Sklave des Körpers zu sein, Sklave der Luft, die wir atmen, Sklave der Nahrung, die wir zu uns nehmen, Sklave des Gesundheitszustandes des Körpers, Sklave der Zeit und des Alterungsprozesses. Es kann doch nicht unser Wille sein, ständig in Angst vor Viren, Bakterien und anderen Krankheiten zu leben, ständig gezwungen zu sein, regelmäßig zu trinken, zu essen und zu atmen.

Wenn wir uns aber vorstellen, ohne Körper zu sein, dann tauchen Ängste auf wie: nie mehr streicheln, massiert werden, Zärtlichkeit, gutes Essen. Aber interessanterweise fragen wir uns nie, oh, wie wäre es ohne Krankheit, Leid und Tod, wie wäre es ohne Begrenztheit, wie wäre es ohne diese Anfälligkeit für jede Art von Einschränkung, Müdigkeit, Behinderung, Verletzung, wie wäre es ohne Todesangst, ohne das Bedürfnis, uns schön zu machen, ohne das Bedürfnis, durch unser Äußeres überzeugen zu müssen, wie wäre es ohne das Gefühl, nicht schön genug zu sein, nicht stark genug zu sein, ohne dieses Gefühl der ständigen Unsicherheit, das eine körperliche Existenz ja auf einer subtilen Ebene immer mit sich bringt.

“Der Körper ist ein Traum. Wie andere Träume scheint er manchmal das Glück darzustellen, doch kann er ganz plötzlich in Angst umschlagen, wo jeder Traum geboren wird.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, TEIL II, 5. 3. 1.-2.)

Wenn wir ganz ehrlich und neugierig rein fühlen, dann werden wir merken, dass es eine Gnade ist, dass wir kein Körper sind, dass es wirklich einfach wunderbar ist und einfach ein Zeichen dafür, dass GOTT wirklich ist und dass er uns wirklich bedingungslos liebt, ohne die geringste Grausamkeit. Wenn GOTT uns als Körper geschaffen hätte, dann wäre GOTT tatsächlich grausam.

“Weshalb sollte der Körper dir irgend etwas bedeuten? Sicherlich ist das, woraus er gemacht ist, nicht wertvoll. Und ebenso sicher hat er kein Gefühl. Er übermittelt dir jene Gefühle, die du haben willst. Wie jedes Kommunikationsmittel empfängt und sendet der Körper die Botschaften, die man ihm gibt. Er hat kein Gefühl für sie. Das ganze Gefühl, mit dem sie ausgestattet werden, wird vom Sender und Empfänger gegeben. Sowohl das Ego wie der HEILIGE GEIST begreifen dies, und beide begreifen auch, dass Sender und Empfänger hier derselbe sind. Der HEILIGE GEIST teilt dir dies freudig mit. Das Ego verbirgt es, denn es möchte nicht, dass du dessen gewahr wirst.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. B. 14)

Es mag schwer zu glauben sein, aber es ist offensichtlich. Nicht der Körper entscheidet, ob beispielsweise Brokkoli gut schmeckt oder nicht, sondern der Geist ist Sender und Empfänger. Deshalb sind die Geschmäcker so unterschiedlich, obwohl alle Menschen biologisch gesehen die gleichen Geschmacksorgane haben. Das Ereignis Brokkoli-Essen geschieht. Doch wenn wir genau hinschauen, werden wir entdecken, dass unsere Erfahrung der Wert ist, den wir über dieses Ereignis verhängen.

Das scheint vielleicht spitzfindig, doch es ist sehr, sehr wichtig. Erfahrung geschieht tatsächlich nirgendwo anders als in dem Feld des Geistes. Sie geschieht nicht auf der Ebene des Körpers selbst. Sie geschieht auf der Ebene des Geistes. Und der Geist formt die Erfahrung entsprechend dem, was er wählt wertzuschätzen. Der Geist, der erwacht ist, sieht, solange der Körper andauert, bloß Erfahrung auftauchen und vergehen. Er übernimmt die vollkommene Inhaberschaft und erkennt, dass ER die Macht hat, seine Erfahrung als erfreulich, erfüllend und segensreich zu erschaffen - ungeachtet dessen, was der Körper tatsächlich macht.

“Wir haben das Gefühl, dass es der Körper zu sein scheint, der unsere Freiheit begrenzt, uns leiden macht und schließlich unser Leben auslöscht. Körper jedoch sind nur Symbole für eine konkrete Form der Angst. Angst ohne Symbole verlangt nach keiner Reaktion, denn Symbole können für das Bedeutungslose stehen. Die Liebe braucht keine Symbole, da sie wahr ist. Angst aber haftet am Konkreten, da sie falsch ist.”
(EKIW: Lektion 161, 5.)

Wir können uns darin üben, uns jedes Mal, wenn wir eine scheinbar angenehme körperliche Erfahrung machen, daran zu erinnern, dass der Körper ein völlig neutrales Ding ist. Dann bleibt nur die Schlussfolgerung, dass all die wunderbaren Gefühle, die wir empfinden, wir sind, dass sie aus unserem Geist kommen. Und wenn schon ein fehlgeleiteter Körper-Gedanke so etwas vermag, dann überlegen wir doch mal, ob wir nicht herausfinden wollen, was GOTT uns anzubieten hat.

Wir sagen einfach: Hey, VATER, ich will mich in dir bewegen, in deinem Licht duschen, ich will in dir Ekstase erleben, ich will mit dir verschmelzen, ich will, dass DEINE LIEBE durch mich in die Welt strömt und dann warten wir ab, was passiert. Wir öffnen uns für das, was geschieht und sind voller Vertrauen, dass GOTT wirklich das bessere Angebot ist. Und wie, wenn nicht so, wollen wir erkennen, wirklich erkennen, dass der Körper ein völlig neutrales Ding ist, wenn wir spüren, dass im Geist wirklich kein Bedürfnis unerfüllt bleibt, dass die geistigen Freuden wirklich alles in den Schatten stellen, was die Welt zu bieten hat.

Die Neutralität des Körpers erkennen wir immer mehr dadurch, dass wir immer wieder feststellen, dass es der Geist ist, der wirkt - immer! Das ist das größte Abenteuer, denn wir können uns nicht vorstellen, wie mächtig unser Geist ist und welcher Segen uns in den geistigen Erfahrungen erwartet. Wir dürfen nicht glauben, dass wir die Bewegung des Körpers, die warme Dusche und die körperliche Nähe opfern müssen, aber wenn wir merken, dass wir hier an der physischen Welt hängen, dann freuen wir uns, dass wir es merken und vielleicht wollen wir anfangen zu erfahren, wie GOTTES Angebot aussieht, für Freiheit, für Intimität, für wirkliche Lust, für Geborgenheit, für Aufgehobensein, für Frieden, Freude und Liebe.

“Deine verzerrten Wahrnehmungen erzeugen eine dichte Decke über Wunderimpulsen und erschweren es ihnen, dein eigenes Bewusstsein zu erreichen. Die Verwechslung von Wunderimpulsen mit körperlichen Impulsen ist eine gewichtige Wahrnehmungsverzerrung. Körperliche Impulse sind fehlgeleitete Wunderimpulse. Jede wirkliche Lust rührt daher, den WILLEN GOTTES zu tun. Das liegt daran, dass ihn nicht zu tun eine Verleugnung des SELBST ist. SELBSTverleugnung führt zu Illusionen, während die Berichtigung des Irrtums die Befreiung davon mit sich bringt. Täusche dich nicht selbst, indem du dich glauben machst, du könntest friedlich mittels irgend etwas Äußerem eine Beziehung zu GOTT oder zu deinen Brüdern haben.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 1.)

Gerade die Dinge, von denen wir Angst haben, dass wir sie verlieren, wenn wir sie nicht mehr körperlich wahrnehmen, gerade die können wir zum HEILIGEN GEIST bringen, gerade die können wir uns im Geist zeigen lassen, was ist das geistige Angebot, die geistige Alternative, wie wird dieses Bedürfnis im HIMMEL gestillt. Und dann nehmen wir uns vielleicht die Zeit, das zu erfahren. So wird die Neutralität des Körpers selbst einfach neutral, nicht gut, nicht schlecht, kein Angriff, kein Schutz, sondern einfach. Wenn wir so sehr ein Liebhaber der Erfahrung der vollkommenen Einheit mit GOTT werden, dass dies alles ist, was für uns zählt, sind wir weitestgehend frei von Illusionen. Und die Welt wird nie wieder die Macht haben, uns wahrhaft zu binden.

Wir schreiben dem Körper viele Fähigkeiten zu, die überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Wer schon einmal nachts geträumt hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass man zum Sehen keine Augen braucht. Wenn wir durch die Augen sehen, dann sind es nicht die Augen selbst, die sehen: Das sind nur Sehschlitze. Der Sehende befindet sich jenseits der Augen. Das, was durch die Augen blickt, sind nicht die Augen. Darum kann man die Augen schließen und trotzdem noch Träume, Visionen, Bilder sehen. Der Sehende ist jenseits der Sinne.

Die Augen

Wie schon William Shakespeare sagte “Augen sind Fenster der Seele”. Die Augen sind der Punkt, wo wir - auf der Ebene des "individuellen Bewusstseins" - und unser Körper zusammentreffen. Nirgendwo sonst im Körper ist die Begegnung so tief.

Niemand, der CHRISTUS in sich trägt, kann umhin, IHN überall wiederzuerkennen. Außer in Körpern. Wir sind nicht in einem Körper. Aber in den Augen sind wir unserem Körper am nächsten und ist uns unser Körper am nächsten. Darum können die Augen für die innere Reise eingesetzt werden. Ein einziger Sprung von den Augen aus kann uns zur Quelle führen. Darum sind die Augen von jeher in religiösen, in yogischen und tantrischen Übungen eingesetzt worden.

Deshalb können wir auch, wenn wir wissen, wie man jemandem in die Augen schaut, in die Tiefen des Betreffenden sehen. Er ist dort. Er ist nirgendwo sonst im Körper so anwesend, aber wenn wir ihm in die Augen sehen können, werden wir ihn dort finden. Es ist eine schwierige Kunst, in die Augen eines anderen zu schauen, und sie wird uns nur zuteil, wenn wir einen Sprung von unseren eigenen Augen aus nach innen getan haben. Andernfalls können wir nicht hineinschauen.

Deshalb können nur Liebende einander unmittelbar und lange in die Augen schauen. Ansonsten wird sich der andere, wenn wir ihm in die Augen starren, verletzt fühlen. Er wird es als Grenzüberschreitung empfinden.

Nur in tiefer Liebe dürfen wir in die Augen eines anderen schauen. Denn Liebe bedeutet, dass wir jetzt keine Geheimnisse mehr aufrechterhalten wollen. Wir stehen jetzt dem anderen offen, und der andere ist immer willkommen und eingeladen, in uns einzutreten. Und wenn Liebende sich in die Augen schauen, findet eine Begegnung statt, die nicht körperlich ist, eine Begegnung, die nichts mit dem Körper zu tun hat. Das Zweite also, was man sich merken muss: Unser Denken, unser Bewusstsein, unsere Seele – was immer in uns ist, lässt sich durch die Augen erblicken.

Die Augen sind sehr fließend, beweglich, in ständiger Bewegung, und diese Bewegung hat ihren eigenen Mechanismus. Die Augen haben ihren eigenen Rhythmus, und dieser Rhythmus zeigt vieles an. Wenn wir einen sexuellen Gedanken im Kopf haben, bewegen unsere Augen sich anders – in einem anderen Rhythmus. Einfach nur durch einen Blick auf unsere Augen und ihre Bewegung lässt sich sagen, was für eine Art Gedanke innen abläuft. Wenn wir Hunger haben und an Essen denken, machen die Augen eine andere Bewegung.

Heute kann man sogar bis in die Träume vordringen. Unsere Augenbewegungen können im Schlaf registriert werden. Und vergessen wir nicht: Selbst beim Träumen bleiben sich unsere Augen treu.

Diese Bewegungen nennt man REM – Rapid Eye Movements (Schnelle Augen-Bewegungen). Sie lassen sich einfach in einer Grafik festhalten, ähnlich wie bei einem EKG, einem Elektrokardiogramm. Die ganze Nacht lang, während wir schlafen, können die Augenbewegungen aufgezeichnet werden. Und dann kann die Grafik nachweisen, wann wir geträumt haben und wann nicht, denn wenn wir nicht träumen, halten die Augen inne und werden statisch. Wenn wir träumen, bewegen sie sich, und zwar mit ähnlicher Bewegung, wie wenn wir etwas auf einem Bildschirm sehen. Wenn wir einen Film sehen, müssen die Augen sich bewegen. Auf gleiche Art und Weise bewegen sich unsere Augen beim Träumen. Sie schauen sich etwas an. Sie folgen den Bewegungen des Films. Für unsere Augen besteht kein Unterschied, ob es sich um einen tatsächlichen Film handelt, der auf der Leinwand gezeigt wird, oder einfach nur um einen Traumfilm.

Warum bewegen sich die Augen, wenn man träumt, und warum halten die Augen an, wenn man nicht träumt? Jede Augenbewegung ist an den Denkvorgang gekoppelt. Wenn Denken stattfindet, werden die Augen sich bewegen. Findet kein Denken statt, werden die Augen stillstehen – es ist nicht nötig.

Die Augenbewegungen und das Denken sind also aneinander gekoppelt. Darum steht unser Gedankenprozess augenblicklich still, wenn wir unsere Augen und ihre Bewegungen anhalten. Oder: Wenn unser Gedankenprozess stillsteht, werden automatisch unsere Augen stillstehen.

Wir können versuchen, unsere Augen an einem bestimmten Punkt, bei einem bestimmten Gegenstand zu fixieren und ihnen keine Bewegung zu gestatten. Doch Bewegung ist ihre Natur: Wir können Bewegung grundsätzlich nicht anhalten, aber wir können unsere Augen anhalten. Versteh den Unterschied! Wir können unsere Augen an einem bestimmten Fixpunkt – an einem Punkt auf der Wand – anhalten. Aber Bewegung ist ihre Natur, also wandern sie nicht vom Gegenstand A zum Gegenstand B, weil wir sie gezwungen haben, bei A zu bleiben. Aber nun zeigt sich ein sehr seltsames Phänomen. Wenn wir ihnen nicht erlauben, von A nach B zu wandern, werden sie von außen nach innen wandern.

Die Bewegung hat also zwei Möglichkeiten. Die eine ist die von Objekt A nach Objekt B: Dies ist eine außengerichtete Bewegung, der natürliche Weg. Aber es gibt eine andere Möglichkeit, und zwar diejenige von Tantra und Yoga – nämlich die Bewegung vom einen äußeren Gegenstand zum anderen nicht zuzulassen und diese Bewegung anzuhalten. Dann springen die Augen von einem äußeren Gegenstand zur inneren Bewusstheit. Sie fangen an, nach innen zu gehen. Das ist der Hintergrund vieler tantrischer Techniken.

Nicht nur der Sehende, sondern auch der Hörende ist jenseits der Sinne. Wie hätte der taube Beethoven sonst die wundervolle 9. Sinfonie mit der Ode an die Freude komponieren können?

Die weit verbreitete Vorstellung, unser Gehirn könne denken, ist falsch. Die mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessenen Hirnströme sind nicht das Denken selbst, sondern eine Wirkung des Denkens.

“Du glaubst auch, das Gehirn des Körpers könne denken. Wenn du das Wesen des Denkens verstündest, könntest du über diese wahnsinnige Vorstellung nur lachen.”
(EKIW: Lektion 92, 2. 1.&2.)

Auch der Glaube, dass der Körper regelmäßig Schlaf benötigt, ist grundlegend falsch. Nicht der Schlaf, sondern die Träume und eine Pause von der Körper-Identifikation sind absolut notwendig; und der Schlaf nur deswegen, weil uns das normalerweise ohne Schlaf nicht möglich ist. Die Träume dienen dazu, alles tagsüber Verdrängte zu verarbeiten. Im tiefen und traumlosen Schlaf aber versetzen wir unser Bewusstsein für einige Stunden in eine höhere Dimension. Ein solcher Schlaf ist wahrlich erquickend.

Es wird häufig behauptet, wir seien eine Seele, die eine Erfahrung in einem Körper macht. Das ist zwar der Eindruck, doch das ist die zentrale Illusion. Wir sind reiner Geist. Kein Körper kann unseren Geist enthalten und uns Grenzen auferlegen, die GOTT nicht erschaffen hat. Die ganze Welt erscheint nur in unserem Bewusstsein. Der Weg des spirituellen Erwachens gipfelt in der Erkenntnis, dass wir das LEBEN überhaupt nicht leben, sondern dass vielmehr das LEBEN uns lebt. Eine der Eigenschaften dieser Erkenntnis ist die Entwicklung des Beobachters - eine Beschaffenheit des Bewusstseins, eine Seinsweise, in der wir alles, was auftaucht und was durch uns und um uns herum fließt, von einem Ort absoluter Stille aus zu beobachten scheinen. Stille bedeutet nicht Un-Tätigkeit. Es bedeutet Nicht-Anhaften an das Geschehen - ob es das Auftauchen und Verschwinden von Krebs im Körper ist, das Auftauchen und Verschwinden einer Beziehung oder das Auftauchen und Verschwinden eines Sonnensystems.

Ego und Körper

“GOTT hat den Körper nicht gemacht, weil er zerstörbar ist und daher nicht vom HIMMELREICH ist. Der Körper ist das Symbol dessen, was du zu sein vermeinst. Er ist eindeutig eine Einrichtung zur Trennung, und daher existiert er nicht.”
(EKIW: Kapitel 6, V. A. 2. 1.-3.)

“Als »Etwas« wird vom Körper verlangt, GOTTES Feind zu sein und das, was ER ist, durch Kleinheit, Grenzen und Verzweiflung zu ersetzen. Es ist SEIN Verlust, den du feierlich begehst, wenn du den Körper als ein Ding siehst, das du liebst, oder ihn als ein Ding betrachtest, das du hasst.“
(EKIW: Kapitel 29, II. 10. 1.-2.)

GOTT ist reine Liebe und Einheit. ER hat kein Bewusstsein von Trennung; daher kann ER nicht in die Dualität kommen. Die Welt der Dualität ist das illusorische Versteck für den schlafenden Geist, der glaubt, sich von GOTT getrennt zu haben. Zu diesem Geist sagt das Ego: "Sei zufrieden mit dem Körper, und die Welt ist dein neues Zuhause. Wir werden alles wiederherstellen, was du in der Einheit zu haben schienst. Wir werden eine neue Art von Liebe mit Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Freiheit mit der Bewegung von Körpern erschaffen. Wir werden eine neue Art von Glück mit Sinnesfreuden erschaffen, die den Platz deines Heims im Himmel einnehmen wird. Und Gott kann nicht hereinkommen und dich hier finden, du wirst deine Privatsphäre haben und du kannst alles tun, was du willst." Daher ist der Körper für das Ego von so zentraler Bedeutung.

“Das Ego kann den HEILIGEN GEIST nicht hören, aber es glaubt in der Tat, dass ein Teil des Geistes, der es gemacht hat, gegen es ist. Das deutet es als Rechtfertigung dafür, dass es seinen Macher angreift. Es glaubt, die beste Verteidigung sei der Angriff, und will, dass du das glaubst. Solange du das nicht glaubst, wirst du dich nicht mit ihm verbünden, und das Ego hat Verbündete dringend nötig, wenn auch keine Brüder. Da das Ego in deinem Geist etwas ihm Fremdes wahrnimmt, wendet es sich an den Körper als seinen Verbündeten, weil der Körper nicht Teil von dir ist. Das macht den Körper zum Freund des Ego. Es ist ein Bündnis, das ganz unverhohlen auf Trennung beruht. Wenn du dich auf die Seite dieses Bündnisses schlägst, wirst du dich fürchten, weil du dich auf die Seite eines Angstbündnisses stellst.”
(EKIW: Kapitel 6, IV. 4.)

“Einstellungen dem Körper gegenüber sind Einstellungen dem Angriff gegenüber.”
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 1. 1.)

Eine Hauptquelle für den unausgeglichenen Zustand des Ego ist sein Unvermögen, zwischen dem Körper und den GEDANKEN GOTTES zu unterscheiden. GOTTES GEDANKEN sind für das Ego nicht annehmbar, weil sie deutlich auf die Nichtexistenz des Ego selbst hinweisen. Jedes Denksystem, das GOTT mit dem Körper verwechselt, muss wahnsinnig sein. Angst aber vor dem Körper, mit dem das Ego sich so stark identifiziert, ergibt überhaupt keinen Sinn.

Der Körper ist die Wohnstatt des Ego durch seine eigene Wahl. Der Körper ist der Tempel des Egos. Dies ist die einzige Identifikation, bei der das Ego sich sicher fühlt, weil die Verletzlichkeit des Körpers sein bestes Argument dafür ist, dass wir nicht von GOTT sein können. Das ist die Überzeugung, die das Ego eifrig fördert. Dem Geist - dem das Ego sagt, dass er eigentlich ein Teil des Körpers und dass der Körper sein Beschützer ist - wird ebenfalls gesagt, der Körper könne ihn nicht schützen. Deshalb fragt der Geist: „Wohin kann ich mich um Schutz wenden?“, worauf das Ego antwortet: „Wende dich an mich.“ Der Geist erinnert das Ego nicht grundlos daran, dass es selbst darauf bestanden hat, mit dem Körper identifiziert zu werden, weshalb es keinen Sinn ergibt, sich um Schutz an es zu wenden. Das Ego hat darauf keine wirkliche Antwort, weil es keine gibt, aber es hat dennoch eine Lösung, die für es typisch ist. Es löscht die Frage aus dem Bewusstsein des Geistes aus. Wenn man sein Imperium auf einer Lüge aufgebaut hat, lautet das oberste Gesetz: Vergiss die Lüge.

Jesus Botschaft in Ein Kurs in Wundern ist eindeutig und klar: "Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese. Dies sind die Zeugen, die hervorgerufen werden, damit man ihnen Glauben schenke und sie dem System, für das sie sprechen und das sie vertreten, Überzeugungskraft verleihen. Und jeder hat viele Stimmen, die in verschiedenen Sprachen zu dir und deinem Bruder sprechen. Und dennoch ist die Botschaft für beide dieselbe. Schmücken des Körpers sucht zu zeigen, wie schön die Zeugen für die Schuld sind. Sorgen um den Körper zeigen auf, wie gebrechlich und verletzlich dein Leben ist und wie leicht das zerstört wird, was du liebst. Depression redet vom Tod und von der Eitelkeit einer wirklichen Sorge um überhaupt irgendetwas." (EKIW: Kapitel 27, I. 6. 3.-10.)

Im Kurs heißt es weiters: "Vergiss nicht, dass das Ego den Körper dem Ziel der Sünde hingegeben hat und seinen ganzen Glauben in ihn setzt, dass dies erreichbar ist. Seine traurigen Jünger singen ohne Unterlass ein Loblied auf den Körper, während sie feierlich des Ego Herrschaft zelebrieren." (EKIW: Kapitel 19, IV. B. 16. 2.-3.)

“Sünde ist Wahnsinn. Sie ist das Mittel, durch das der Geist verrückt gemacht wird und Illusionen den Platz der Wahrheit einnehmen zu lassen sucht. Da er verrückt ist, sieht er Illusionen, wo die Wahrheit sein sollte und wo sie wirklich ist. Die Sünde gab dem Körper Augen, denn was gibt es, das die Sündenlosen sehen möchten? Wozu bedürfen sie der Anblicke oder Geräusche oder der Berührung? Was möchten sie hören, oder wonach möchten sie greifen? Was möchten sie denn überhaupt empfinden? Empfinden ist nicht erkennen. Und die Wahrheit kann nur mit Erkenntnis und mit sonst nichts erfüllt sein.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, ZWEITER TEIL, 4. 1.)

Das Ego verwendet den Körper für:

  • Angriff
  • Lust (im engl. Original: pleasure = Vergnügen, Genuss)
  • Stolz
(EKIW: Kapitel 6, V. A. 5. 3.)

Die Tatsache, dass Stolz und Angriff durch das Ego motiviert sind, ist noch relativ leicht zu verstehen und zu akzeptieren, aber wenn es um die Frage der Lust, d. h. des körperlichen Vergnügens, geht, wird es schwierig. Wir leben in einer Zeit, in der dem körperlichen Vergnügen viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Körperliches Vergnügen wird praktisch mit einem lebenswerten Leben gleichgesetzt. Was wir nicht in das Thema Essen und Trinken investieren, an Raum, Zeit und Aufmerksamkeit. Wir haben es auch zu einer Geschichte des persönlichen Images gemacht. Wir identifizieren uns mit unseren Kochkünsten, präsentieren uns mit ihnen in Form von Food-Blogging und sind stolz auf unsere Expertise bei alkoholischen Getränken.

Auch die Inszenierung von sexuellem Vergnügen erlebt derzeit einen nie dagewesenen Höhepunkt in Bezug auf ihre Verbreitung in allen Bevölkerungsschichten. Die Konditionierung unserer Zeit besteht darin, extrovertiert zu sein, uns also nach außen zu orientieren, auch sexuell. Dies zeigt sich auch im "zur Schau stellen" der Genitalien. Die nahezu vorgeschriebene Mode, alle Schamhaare zu entfernen, dient als Reiz und als "Sensation". Die Intimrasur ist ein seltsamer, verdrehter Trend, der unsere sexuelle Unreife zeigt. Erwachsene versuchen, die Unreife von Kindern zu imitieren, um sexuelle Signale auszusenden.

Wohin man schaut auf der Welt - so viel Schmachten, so viel Lüsternheit nach Sex. Das liegt nicht etwa daran, dass die Welt sexueller geworden wäre, sondern daran, dass wir nicht einmal mehr den Sex als totalen Akt genießen können. Früher war die Welt sexueller. Darum gab es dieses Schmachten nach Sex damals noch nicht. Dieses Schmachten zeigt, dass das Echte fehlt und nur das Unechte da ist. Das gesamte moderne Denken ist nur deswegen so sexuell, weil selbst der Sexakt in den Kopf verlagert worden ist. Er ist mental geworden: Wir denken darüber nach!

All dies zeigt einfach nur auf, dass die Verherrlichung des Körpers der zentrale Götzendienst unserer Zeit ist. Jede Beziehung, in die der Körper Einlass findet, gründet nicht auf Liebe, sondern auf Götzendienst. Wir haben den Körper zu unserem Gottesersatz gemacht. Zum Glück kann der HEILIGE GEIST alles für unsere Erlösung verwenden, was das Ego gemacht hat. Gerade die immer beliebter werdenden BDSM-Erfahrungen, also kontrollierte Lust, die weh tut, lassen uns erkennen, dass Lust und Schmerz dasselbe sind. Sie sind außerdem ein wunderbares Symbol für die Verwechslung von Freude und Schmerz, der das Ego unterliegt, und seinem ständigen Versuch, seine Welt zu kontrollieren.

Das Ego wechselt vom Schmerz zu Lust und wieder hin zum Schmerz. Lust und Schmerz sind dasselbe, weil sie den gleichen Zweck teilen. Sie überbringen eine Botschaft nur: »Du bist hier in diesem Körper, und du bist verletzlich. Du kannst Lust auch haben, aber nur zum Preis des Schmerzes.« Lust und Schmerz sind gleich unwirklich, weil ihr Zweck nicht erreicht werden kann. So sind sie denn Mittel für nichts, denn sie haben ein Ziel ohne Bedeutung. Und sie teilen die Bedeutungslosigkeit ihres Zweckes.

“Der HEILIGE GEIST wird dich nur so führen, dass Schmerz vermieden wird. Sicher hätte niemand etwas gegen dieses Ziel einzuwenden, wenn er es begreifen würde. Das Problem liegt nicht darin, ob das, was der HEILIGE GEIST sagt, wahr ist, sondern ob du hören willst, was ER sagt. Du begreifst ebenso wenig, was schmerzhaft ist, wie du erkennst, was Freude bereitet, und neigst in der Tat sehr dazu, beides zu verwechseln. Die Hauptfunktion des HEILIGEN GEISTES besteht darin, dich zu lehren, sie zu unterscheiden. Was dir Freude bereitet, ist schmerzhaft für das Ego, und solange du Zweifel darüber hegst, was du bist, wirst du Freude und Schmerz verwechseln. Diese Verwechslung ist die Ursache der ganzen Idee des Opferns. Gehorche dem HEILIGEN GEIST, und du wirst das Ego aufgeben. Dabei wirst du aber nichts opfern. Im Gegenteil, du wirst alles gewinnen. Wenn du das glaubtest, gäbe es keinen Konflikt.”
(EKIW: Kapitel 7, X. 3.)

Bild Bild Wenn wir den Zustand, den das Ego als Freude bezeichnet, genauer betrachten, können wir sehr deutlich erkennen, dass hier etwas nicht stimmt. Das Ego empfindet Freude, wenn es beispielsweise im sportlichen Wettkampf gewinnt. Aber jeder Gewinn ist gleichzeitig der Verlust des Gegners, jeder Wettkampf ist Krieg, und das spiegelt sich in den Gesichtern der vermeintlichen Sieger wider - es ist nicht wirklich Freude, es ist Schmerz:

Der erste Schritt ist es nun mal, zu erkennen, dass all die körperliche Befriedigung uns nicht wirklich glücklich macht. Der Versuch, Glück durch die endlose Schaffung von Befriedigung im Kreislauf der Begierden zu finden, führt zwangsläufig zu Frustration. Frustration fühlt sich gut an, wenn sie vorübergehend befriedigt wird. Es fühlt sich gut an, wenn man aufhört, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, aber das ist nicht dasselbe wie Glück. Das Verlangen und die Begierde bleiben bestehen.

Wir können uns ehrlich folgende Fragen stellen: Hat mich körperliche Befriedigung wirklich jemals dauerhaft befriedigt? Oder ist nicht gerade diese Triebkraft der unerfüllten körperlichen Wünsche, mein Gefängnis? Ist meine Suche nach körperlicher Befriedigung im Hamsterrad der Illusionen nicht auf Dauer ermüdend? Ist meine Gefangenschaft im körperlichen Verlangen wirklich mein freier Wille? Welche Stimme in meinem Inneren ist das, die mir von diesem Körper, der von Anfang an auf die Verwesung zusteuert, Befriedigung verspricht?

“Schmerz ist das Lösegeld, das du freudig bezahlt hast, um nicht frei zu sein.”
(EKIW: Lektion 190, 8. 2.)

Selbst dann, wenn wir gehört haben - es Teil unseres Wissens, unseres übernommenen Wissens ist, dass wir nicht der Körper sind -, so entspricht dies nicht unserer tatsächlichen Erfahrung. Auf dem Weg des spirituellen Erwachens müssen wir uns also zunächst der Tatsache stellen, dass wir uns nur als Körper kennen. Das wird eine große Spannung in uns auslösen; und nur um diese Spannung zu verdecken, haben wir uns dieses konzeptionelle “Wissen” zugelegt. Wir glauben gerne, nicht der Körper zu sein, leben aber immerzu als der Körper. So sind wir gespalten, und so wird unser ganzes Dasein unauthentisch, pseudohaft.

Tatsächlich ist das ein paranoider Zustand. Wir leben als Körper, denken und reden aber als Seele, und so kommt es zum Konflikt, und so leben wir innerlich aufgewühlt, in einem tiefen Unwohlsein, das sich nicht überbrücken lässt. Stellen wir uns also zunächst der Tatsache, dass wir überhaupt keine Ahnung von der Seele, und schon gar nicht vom SELBST haben - wir kennen meist nichts anderes als den Körper. Das wird einen sehr unangenehmen Zustand in uns hervorrufen. Alles Verborgene wird an die Oberfläche steigen. Indem wir uns diese Tatsache - noch mit dem Körper identifiziert zu sein - eingestehen, wird es herausfordernd, aber durch dieses Befinden müssen wir hindurch. Nur so können wir kennen lernen, was Identifikation mit dem Körper heißt.

Die Morallehrer predigen immer, man solle nicht am Körper hängen; aber das, worauf es hier ankommt, nämlich was “am Körper hängen” tatsächlich bedeutet, ist uns meist unbekannt. Das Hängen am Körper ist eine tiefe Identifikation mit dem Körper; aber zunächst müssen wir erkennen, was es mit dieser Identifikation auf sich hat. Schieben wir also all unser konzeptionelles Wissen einmal beiseite, das uns das illusorische Gefühl verliehen hat, eine Seele zu sein. Erkennen wir, dass wir nur eines kennen, nämlich den Körper. Inwiefern kann das einen inneren Aufruhr, eine verborgene Hölle im Inneren entfesseln?

Im Moment, in dem wir erkennen, dass wir erfahrungsgemäß nur der Körper sind, erkennen wir zum ersten Mal die Anbindung. Zum ersten Mal begreifen wir mit vollem Bewusstsein die erfahrungsgemäße Tatsache: Dieser Körper, der geboren wird, und dieser Körper, der sterben wird, als das empfinden wir uns. Damit entfallen alle falschen Vorstellungen.

Solange wir uns nicht erlauben zu erkennen, was Körperbindung heißt, und solange wir nicht wissen, was Körperbindung heißt, und solange wir nicht deren ganzes Unglück und deren ganze Hölle durchleiden, können wir nicht von ihr ablassen. Wie sollten wir das können? Wir können nur dann von etwas ablassen, wenn es sich als Krankheit erweist, wenn es sich als schwere Last erweist, wenn es sich als Hölle erweist. Nur dann können wir davon ablassen.

Diese Bindung hat sich meist noch nicht als die Hölle entpuppt, da mögen Buddha und Jesus sagen, was sie wollen; sie mögen noch so viel predigen, dass wir nicht der Körper sind, aber wir empfinden das nicht so. Nur deshalb können wir immer wieder fragen, wie man davon loskommen kann, wie man sich der Bindung entziehen kann, wie man über diese Bindung hinausgelangen kann. Nach dem “wie” fragen wir nur, weil wir nicht wissen, was Bindung überhaupt ist.

Und in dem Moment, in dem wir uns aus der Identifikation mit dem Körper lösen, werden wir erkennen, dass wir überall sind. Nur aufgrund dieser Identifikation mit dem Körper wegen haben wir das Gefühl, vom Körper eingeschränkt zu sein. Es ist nicht der Körper, der uns einschränkt, sondern unsere Bindung an ihn, unsere Identifikation mit ihm. Es ist nicht der Körper, der eine Sperre zwischen uns und der Wirklichkeit bildet, sondern unsere Bindung an ihn, unsere Identifikation mit ihm.

In dem Moment, in dem wir uns tatsächlich aus der Identifikation mit dem Körper lösen, kommt blitzartig die Erkenntnis: “Ich bin überall.” Wir bekommen ein ozeanisches Gefühl, unser Bewusstsein existiert ohne festen Ort. Unser Bewusstsein existiert, ohne irgendwo angebunden zu sein. Wir werden genau wie ein Himmel, der alles umfasst: Alles ist in uns. Unser Bewusstsein hat seine unendliche Möglichkeit entfaltet. Und: Wer überall ist, ist voller Freude.

Auf einen Ort eingeschränkt, werden wir unglücklich sein, denn wir sind immer größer als der Raum, auf den wir eingeschränkt werden. Darin besteht unser Unglück - es ist, als würden wir uns in eine kleine Schale zwängen, als würde der Ozean in einen kleinen Topf zusammengepfercht. Da kann das Unglück nicht ausbleiben. Das ist unser Unglück, und jedes Mal, wenn dieses Unglück spürbar geworden ist, meldet sich die Suche nach Erleuchtung, die Suche nach dem GRENZENLOSEN. Die Suche nach Erleuchtung bedeutet die Suche nach Freiheit.

“Die Liebe muss ausgedehnt werden. Reinheit ist nicht begrenzt. Es ist das Wesen der Unschuldigen, ewig uneingedämmt zu sein ohne Schranke oder Begrenzung. Somit ist Reinheit nicht vom Körper. Noch kann sie dort gefunden werden, wo Begrenzung ist.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 2. 2.-6.)

In einem begrenzten Körper kann man nicht frei sein, irgendwo sind wir Sklaven. Frei sein kann man nur nirgendwo oder überall. Diese Freiheit ist existentiell. Diese Freiheit ist total. Darum wird sie in Indien moksha genannt - totale Freiheit. Und nur dann können wir voller Freude sein. Freude und Seligkeit sind nur möglich, wenn wir total frei sind. Wirklich, total frei sein bedeutet Freude. Unglück existiert also in Schranken, und Seligkeit existiert in einem Reich ohne Grenzen, in einer Daseinsweise ohne Grenzen.

Wahre Freude hat nichts mit Vergnügen zu tun. Es ist wichtig, dies zu verstehen: Freude ist nicht Genuss. Genuss wird uns durch die Sinne zuteil; Freude überkommt uns dadurch, dass wir un-sinnlich werden. Genuss erfahren wir durch den Körper; Freude erfahren wir, wenn wir nicht mehr der Körper sind. Wenn für einen Augenblick der Körper verschwunden ist und wir einfach nur reines Bewusstsein sind, dann überkommt uns Freude. Wenn wir der Körper sind, können wir Genuss erfahren; er kommt immer über den Körper. Schmerz und Genuss sind durch den Körper erfahrbar. Freude ist nur dann möglich, wenn wir nicht der Körper sind.

Das passiert auch im Alltag, auch durch Zufall. Wir lauschen einer Musik - und plötzlich ist die Schwerkraft weg. Wir sind so sehr darin aufgegangen, dass wir unseren Körper vergessen haben. Wir sind ganz von der Musik erfüllt, und wir sind eins geworden mit der Musik. Da ist keiner mehr, der ihr zuhört: Der Hörende und das Gehörte sind eins geworden. Nur noch Musik existiert; wir sind nicht mehr. Wir haben uns ausgedehnt; jetzt fließen wir mit den Einzeltönen dieser Musik, jetzt haben wir keine Grenzen mehr. Die Töne lösen sich immerzu in Stille auf, und wir lösen uns mit ihnen in Stille auf. Der Körper ist vergessen.

Wenn wir mit dem Kurs üben und uns in Lektion 211 sagen, “Ich bin kein Körper. Ich bin frei. Denn ich bin nach wie vor, wie GOTT mich schuf. Ich bin der heilige SOHN GOTTES SELBST.”, dann dient dies zuerst einmal dazu, uns unserer Gefangenschaft bewusst zu werden und zu erkennen, dass unser gegenwärtiger Zustand nicht der des heiligen SOHN GOTTES SELBST sein kann. Dies führt zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis: Ganz offensichtlich entscheiden wir uns gerade dazu, nicht der heilige SOHN GOTTES SELBST zu sein. Mit dieser Erkenntnis befreien wir uns aus der Opferrolle und erkennen unsere ungeheure Macht an, auch wenn wir sie im Moment noch gegen uns zu verwenden scheinen. Hätten wir uns nicht selbst verletzt, könnten wir niemals in irgendeiner Weise leiden, denn das ist nicht der WILLE GOTTES für SEINEN SOHN. Erlösung bedeutet, zu erkennen, dass der heilige SOHN GOTTES sich nicht selbst verletzen kann.

Der grundlegende Wunsch des Ego ist, GOTT zu ersetzen. Tatsächlich ist das Ego die physische Verkörperung dieses Wunsches. Denn dieser Wunsch ist es, der den Geist mit einem Körper zu umgeben scheint, der ihn getrennt hält und allein sein lässt sowie unfähig, einen anderen Geist anders als durch den Körper zu erreichen, der gemacht ward, um ihn einzusperren. Durch die Identifikation mit einem Körper verhindert das Ego die Entfaltung wahrer Kommunikation. Das Ego versucht mit allen Mitteln die von einem Körper auferlegten Begrenzungen aufrechtzuerhalten. Aber solange der Körper im Mittelpunkt unseres Selbstkonzeptes steht, greifen wir GOTTES Heilsplan an und hegen Groll gegen IHN und SEINE Schöpfung, um der Wahrheit STIMME nicht zu hören und sie nicht als FREUND willkommen zu heißen.

Noch einmal sei auf den Zusammenhang von Schmerz und Lust verwiesen, denn genau diese Schreie übertönen, was der HEILIGE GEIST sagt, und halten SEINE Worte von unserem Bewusstsein fern. Und das ist genau das, was wir im Zustand der Ego-Identifikation meist am wenigsten hören wollen, denn in diesem Zustand birgt der Körper, der in sich zwecklos ist, all unsere Erinnerungen und all unsere Hoffnungen. Es ist daher äußerst hilfreich, wenn wir uns immer wieder einmal Kapitel 27, Abschnitt VI durchlesen und uns daran erinnern, dass jedes Wunder, das ER bringt, Zeuge dafür ist, dass der Körper nicht wirklich ist. Seinen Schmerz und seine Lust heilt ER ohne Unterschied. “Für DEN jedoch, DER Wunder ausschickt, um die Welt zu segnen, sind ein winzig kleiner Schmerzensstich, eine kleine weltliche Lust und die Qualen selbst des Todes nur ein einziger Laut, ein Ruf nach Heilung und ein jämmerlicher Hilfeschrei in einer Welt des Elends.”

Das erinnert uns auch daran, dass es hier nicht um ein Opfer geht. Ein wahrhaft spiritueller Weg wird uns an den Punkt bringen, an dem wir uns wünschen werden, von den Wirkungen des Körpers erlöst zu sein – auch von den lustvollen –, weil wir etwas Besseres gefunden haben.

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, uns immer wieder daran zu erinnern, dass der Begriff “Sünde” auf den Irrtum im Gedankensystem des Egos verweist und aus der Sicht des HEILIGEN GEISTES keinen Sinn ergibt. Da der HEILIGE GEIST nichts von Sünde weiß, ist Schmerz auch keine Strafe GOTTES, sondern lediglich eine unvermeidliche Folge, wenn wir uns mit dem Ego identifizieren.

“Man kann unmöglich Vergnügen durch den Körper suchen und nicht Schmerz finden. Es ist ganz wesentlich, dass diese Beziehung verstanden wird, denn sie ist eine, die das Ego als Beweis der Sünde sieht. Sie hat in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Strafe zu tun. Sie ist bloß die unvermeidliche Folge davon, dass du dich mit dem Körper gleichgesetzt hast, und das ist die Einladung an den Schmerz. Denn es lädt die Angst ein, einzutreten und dein Ziel zu werden. Und mit ihr muss die Anziehungskraft der Schuld eintreten und alles, was die Angst den Körper zu tun anweist, ist deshalb schmerzvoll. Es wird den Schmerz aller Illusionen teilen, und die Illusion des Vergnügen wird dasselbe sein wie Schmerz.

Ist das nicht unvermeidlich? Auf Befehl der Angst wird der Körper der Schuld nachgehen und dadurch seinem Herrn dienen, dessen Hingezogensein zur Schuld die gesamte Illusion seiner Existenz aufrechterhält. Das also ist die Anziehungskraft des Schmerzes. Von dieser Wahrnehmung beherrscht, wird der Körper zum Diener des Schmerzes, sucht ihn pflichtbewusst und gehorcht der Idee, dass Schmerz Vergnügen ist. Genau diese Idee liegt der gesamten riesigen Investition des Ego in den Körper zugrunde. Und genau diese wahnsinnige Beziehung hält es versteckt, während es sich davon nährt. Dich lehrt es, dass des Körpers Vergnügen Glück ist. Bei sich aber flüstert es: »Sie ist der Tod.«”
(EKIW: Kapitel 19, IV. B. 12. & 13.)

Die Identifikation mit dem Körper ist die Grundlage all der täglichen Angriffe und Kriege. Wer könnte ohne Körper angreifen und wer angegriffen werden? Wer könnte Sieger sein? Wer könnte Verlierer sein? Wer könnte Opfer sein? Und wer der Mörder? Der ganze Kampf zwischen Mann und Frau basiert auf der Identifikation mit dem Körper. Letztlich ist es die Idee von männlich und weiblich, aus dem dualistischen Gedankensystem des Egos, die auf der Ebene der Form als männlicher und weiblicher Körper zum Ausdruck kommt. In der Form gibt es nur Unterschiede, Gleichheit in der Form ist unmöglich - und davon lebt das Ego.

Die gegenwärtig sehr populäre Idee einer vom Körper unabhängigen Geschlechtsidentität zeigt deutlich, dass das Geschlecht eine Idee im schlafenden Geist ist. Der Körper ist an sich die Projektion dieser Idee, aber ein fragmentierter und verwirrter Geist kann sich selbst darüber im Unklaren sein. Hinter dem Versuch, das biologische Geschlecht des Körpers den persönlichen Vorstellungen anzupassen, verbirgt sich die Hoffnung, den Konflikt auf die Ebene des Körpers begrenzen zu können, ohne sich mit dem Konflikt im Geist auseinandersetzen zu müssen.

Hinsichtlich des Themas Geschlecht herrscht auf unserem Planeten derzeit totale Verwirrung. Facebook bietet seinen Nutzern in Deutschland eine Auswahl von 60 verschiedenen Geschlechtsidentitäten. All diese Verwirrung ist einfach nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis, dass wir in Wirklichkeit kein Geschlecht besitzen, dass wir weder männlich noch weiblich sind, noch irgendetwas dazwischen, sondern dass unsere Wirklichkeit nicht Teil dieser dualistischen Welt ist.

Und genau darauf weist der Begriff Transgender hin: nämlich darauf, dass es darum geht, über die Idee des Geschlechts hinauszugehen. „Trans“ bedeutet „darüber hinaus“ und „Gender“ bedeutet im Englischen einfach nur „Geschlecht“. Auch der Begriff „Transsexualität“ verweist, richtig verstanden, auf die Wahrheit, dass es auf dem spirituellen Weg darum geht, über den Sex hinauszugehen, ihn zu transzendieren. Unsere Wirklichkeit kennt weder Geschlecht noch Sex, da sie geistiger Natur ist und reine EINHEIT ist.

Das Ego lenkt uns immer wieder mit seinem Versuch, das Unmögliche zu erreichen vom Möglichen, das heißt vom Wiedererkennen unserer Wirklichkeit ab. Und so versucht das Ego, Gleichheit auf der Ebene der Form - auf der Ebene der Körper - herzustellen. Doch Gleichheit auf der Ebene der Form ist unmöglich. Selbstverständlich muss es Gleichheit vor dem Gesetz für Männer und Frauen geben, aber das wird in dieser Welt niemals zu Gleichheit im Ausdruck führen. Es wird immer Berufe und Tätigkeiten geben, die von Männern oder von Frauen dominiert werden. Zum Höhepunkt ihrer weltlichen Schöpferkraft gelangt eine Frau dadurch, dass sie Mutter wird. Der Mann kann nicht Mutter werden - das ist biologisch ausgeschlossen, und die Lücke schmerzt ihn. Um die Lücke zu stopfen, stellt er alles Mögliche an und so haben sich Männer immer schon in schöpferischen Berufen, beispielsweise als Philosophen, Dichter und Architekten, hervorgetan - aber selbst der kreativste Mann erfährt nie oder nur ganz selten eine solche Erfüllung, wie die Frau sie erfährt, wenn sie zur Mutter wird. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es sich in diesem Absatz um die Beschreibung der Illusion handelt, der Illusion des Machens, nicht der wirklichen Schöpfung. Deshalb sprechen wir – meist völlig unbewusst – vom „Kinder machen“.

Solange wir uns noch mit unserem Körper identifizieren und auf dem spirituellen Weg mit Körper- und Energieübungen arbeiten, werden auch die Techniken (Yoga, Tantra) für Männer und Frauen unterschiedlich sein. Gleichheit kann es nur jenseits der Dualität und damit jenseits der Körper geben. Darum geht es auf dem wahrhaft spirituellen Weg, über den Körper hinauszugehen, über den Körper hinwegzusehen und sich nicht von ihm ablenken zu lassen.

Jesus spricht im Kurs auch sehr deutlich über unseren Versuch, andere Menschen durch unseren Körper anzuziehen, und über unser Bestreben, unseren Körper zu schmücken, um für andere Menschen noch attraktiver zu sein. Wenn Jesus in diesem Zusammenhang davon spricht, dass wir unseren Körper hassen, dann bezieht er sich auf den Zustand der Ego-Identifikation, und natürlich ist dieser Hass in diesem Zustand meist unbewusst. Die Identifikation mit dem Körper ist eine derartige Begrenzung, dass sie automatisch Hass erzeugt. Die Identifikation mit dem Körper ist zudem eine Bestätigung unseres Mangels an Wert, den wir uns und unseren Mitmenschen beimessen.

“Sieh dir den ganzen Flitter an, dazu gemacht, den Körper zu behängen, ihn zu bedecken oder von ihm gebraucht zu werden. Sieh all die unnützen Dinge, dazu gemacht, dass seine Augen sie erblicken. Denk an die vielen Angebote für seine Lust, und erinnere dich daran, dass sie alle dazu gemacht sind, um etwas schön erscheinen zu lassen, was du hasst. Möchtest du dieses verhasste Ding einsetzen, um deinen Bruder zu dir hinzuziehen und seines Körpers Augen anzulocken? Lerne, dass du ihm nur eine Dornenkrone bietest, die du nicht als das erkennst, was sie ist, und dass du versuchst, deine eigene Deutung ihres Wertes dadurch zu rechtfertigen, dass er sie annimmt. Dabei verkündet die Gabe doch, für wie wertlos du ihn hältst, wie auch sein Annehmen und sein Entzücken den Mangel an Wert bestätigen, den er sich selber beimisst.”
(EKIW: Kapitel 20, II. 1.)

Die Dualität von männlich und weiblich ist eine der zentralen Ego-Strategien, um uns von der Wahrheit abzulenken. Alle großen Religionen haben versucht, dem zu entkommen, indem sie Männer und Frauen getrennt haben, indem sie Klöster gegründet haben, jeweils nur für ein Geschlecht. Die wahnsinnige Idee dahinter ist, dass jemand der keusch leben soll, das andere Geschlecht nicht einmal eines Blickes würdigen darf, nie mit dem anderen Geschlecht zusammentreffen darf. Dann kommt es zu einer sehr verdrehten Keuschheit: Das Denken ist ständig mit dem anderen Geschlecht beschäftigt. Und je mehr wir vor dem anderen davonlaufen, desto mehr müssen wir daran denken. Das kann nicht funktionieren, weil gerade diese Trennung wiederum nur die Dualität und damit die Trennung bestätigt. Trennung kann nicht durch Trennung überwunden werden.

Da das Ego immer nur die Vergangenheit wiederholt, ist es nicht verwunderlich, dass auch in modernen spirituellen Kreisen immer wieder die Vorstellung von männlicher oder weiblicher Spiritualität auftaucht. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen männlich und weiblich, das ist das Wesen der Dualität. Doch genau deshalb geht es auf dem spirituellen Weg darum, über die Dualität hinauszugehen, die Dualität zu transzendieren. Wenn also ein spirituelles Konzept den Unterschied zwischen männlich und weiblich betont, ist es offensichtlich vom Ego dominiert. Sehen wir unseren Bruder als geschlechtliches Wesen an, so sind seine Kraft und Herrlichkeit für uns “verloren” und ebenso die unsere.

“Es ist unmöglich, deinen Bruder sündenlos zu sehen und ihn dennoch als Körper zu betrachten. Stimmt das nicht völlig mit dem Ziel der Heiligkeit überein? Denn Heiligkeit ist lediglich die Folge davon, die Wirkungen der Sünde aufheben zu lassen, damit das, was immer wahr war, wiedererkannt wird. Einen sündenlosen Körper sehen ist unmöglich, denn Heiligkeit ist positiv, der Körper aber lediglich neutral. Er ist nicht sündig, aber ebenso wenig ist er sündenlos. Als nichts, das er ist, kann der Körper nicht bedeutungsvoll mit Eigenschaften CHRISTI oder des Ego ausgestattet werden. Das eine wie das andere muss ein Irrtum sein, denn beides legt die Eigenschaften dorthin, wo sie nicht sein können. Und beides muss zum Zweck der Wahrheit aufgehoben werden.”
(EKIW: Kapitel 20, VII. 4.)

Gleichzeitig wird uns von Jesus ein Hinweis gegeben, wie wir das am besten tun können: “Deine Frage sollte nicht lauten: »Wie kann ich meinen Bruder ohne Körper sehen?« Frage nur: »Ist es wirklich mein Wunsch, ihn sündenlos zu sehen?« Und vergiss beim Fragen nicht, dass seine Sündenlosigkeit dein Entrinnen aus der Angst ist.” (EKIW: Kapitel 20, VII. 9. 1.-3.)

Wenn wir uns einmal für die Umkehr, also für die SÜHNE entschieden haben, werden wir den Körper eine Zeitlang immer noch sehen, aber nicht ausschließlich, so wie er in der Ego-Identifikation gesehen wird. Haben wir den Übergang in der Betrachtungsweise der Wirklichkeit einmal absolviert, ist der Wert des Körpers in unserer Sicht derart gemindert, dass wir überhaupt keine Notwendigkeit mehr sehen werden, ihn aufzubauschen. Wir begreifen dann, dass der einzige Wert, den der Körper hat, der ist, uns in die Lage zu versetzen, unsere Brüder mit uns zum Erwachen zu begleiten und gemeinsam mit ihnen befreit zu werden.

GEIST und Körper

“Der Körper wurde nicht von der Liebe gemacht. Die Liebe aber verurteilt ihn nicht und kann ihn liebevoll verwenden, indem sie respektiert, was GOTTES SOHN gemacht hat, und es verwendet, um ihn von Illusionen zu erlösen.”
(EKIW: Kapitel 18, VI. 4. 6.&7.)

Der HEILIGE GEIST deutet den Körper nur als Kommunikationsmittel. Das Ego trennt durch den Körper. Der HEILIGE GEIST dehnt SICH durch ihn zu anderen aus. Wir nehmen unsere Brüder nicht wie der HEILIGE GEIST wahr, weil wir Körper nicht ausschließlich als Mittel betrachten, um Geister zu verbinden. Die richtige Deutung des Körpers verändert unser Denken über seinen Wert völlig. Von sich aus ist er wertlos. Im Dienste des Vereinens wird er zu einer wunderschönen Lektion in Kommunion, die so lange Wert hat, bis Kommunion ist.

Wenn wir den Körper einzig und allein als Mittel zur Kommunikation in SEINEM Sinne verwenden, dann dient auch der Körper dem HEILIGEN GEIST. Wir können den Körper jedoch nicht zum Tempel des HEILIGEN GEISTES machen, und er wird nie der Sitz der Liebe sein. Er ist das Heim des Götzendieners und der Verurteilung der Liebe. Der Tempel des HEILIGEN GEISTES ist kein Körper, sondern die heilige Beziehung.

Das Ego versteht nicht, was Kommunikation bedeutet. Das Aussprechen des Geplappers unserer privaten Gedanken ist nicht Kommunikation in SEINEM Sinne - ist nicht Kommunion. Wir brauchen auch beim Reden einen Geisteszustand innerer Stille, um auf den HEILIGEN GEIST hören zu können und IHN durch uns sprechen zu lassen. Das Ziel der vom HEILIGEN GEIST inspirierten Kommunikation ist es, über die zwischenmenschliche Kommunikation hinauszugehen und in die Gemeinschaft mit dem EINEN zu gelangen.

Offenbarung führt zu einer vollständigen, aber vorübergehenden Aufhebung von Zweifel und Angst. Sie repräsentiert die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen Gott und SEINEN Geschöpfen, wobei sie ein äußerst persönliches Gefühl der Nähe zur Schöpfung mit sich bringt, welches der Mensch versucht, in körperlichen Beziehungen zu finden. Doch körperliche Nähe kann dies nicht zustande bringen.

Wunder hingegen vereinen Brüder und Schwestern unmittelbar miteinander. Wunder sind wahrhaft zwischenmenschlich und führen zu wirklicher Nähe zu anderen. Diese können von einem Ich-bezogenen Bewusstsein als Impulse zur körperlichen Befriedigung missverstanden werden. Körperliche Impulse sind jedoch fehlgeleitete Wunderimpulse.

Wenn wir unseren Bruder als Körper wahrnehmen, ist dies ein Ausdruck unseres kranken Geistes. Wenn wir darüber hinaus den körperlichen Gesundheitszustand eines Menschen als Maßstab für die Beurteilung seines Geisteszustandes nehmen, begehen wir einen Doppelfehler. Es ist offensichtlich, dass Menschen, deren Geist voller Angriffsgedanken ist, einen medizinisch gesunden Körper besitzen können und andererseits Menschen mit einem gesundheitlich beeinträchtigten Körper wahre Lichtgestalten sein können, wie beispielsweise Ramana Maharshi, weil sie ihren Körper für den einzig wahren Zweck einsetzen - als Kommunikationsmittel für die Stimme für GOTT.

“Gesundheit wird als natürlicher Zustand von allem gesehen, wenn die Deutung dem HEILIGEN GEIST überlassen wird, DER keinen Angriff auf irgend etwas wahrnimmt."
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 9. 8.)

“Die Welt ist neutral, und die Körper, die sich noch immer als getrennte Dinge darin zu bewegen scheinen, brauchen nicht gefürchtet zu werden. Und so sind sie auch nicht krank.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 10. 5.-6.)

“Krankheit ist eine Forderung, dass der Körper etwas sei, das er nicht ist. Seine Nichtigkeit verbürgt, dass er nicht krank sein kann. In deiner Forderung, er solle mehr als das sein, liegt die Idee der Krankheit.”
(EKIW: Kapitel 29, III. 8. 1.-3.)

“Die SÜHNE für dich selber anzunehmen heißt, den Traum eines anderen von Krankheit und von Tod nicht zu unterstützen. Das heißt, dass du nicht seinen Wunsch nach Trennung teilst und ihn nicht Illusionen gegen sich selbst richten lässt. Noch willst du, dass sie statt dessen gegen dich gerichtet werden. So sind sie wirkungslos. Und du bist frei von Schmerzensträumen, weil du ihn frei davon sein lässt. Hilfst du ihm nicht, so wirst du mit ihm Schmerz erleiden, weil das dein Wunsch ist. Und du wirst eine Figur in seinem Traum vom Schmerz, wie er in deinem. So werdet ihr, du und dein Bruder, beide zu Illusionen und identitätslos. Du könntest irgend jemand oder irgend etwas sein, je nachdem, wessen bösen Traum du teilst. Du kannst dir nur des einen sicher sein: dass du böse bist, denn du hast teil an Träumen der Angst.”
(EKIW: Kapitel 28, IV. 1.)

Nur die fragmentierte Wahrnehmung des Ego-Geists sieht überhaupt kranke Körper. Die holistische Sicht des berichtigten Geistes, die Schau CHRISTI, sieht nur Einheit, sieht GOTT in allem. Lektion 270 “Ich will des Körpers Augen heute nicht verwenden.” dient dazu, die Schau CHRISTI einzuladen. Diese Lektion entspricht der Aussage: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Ein Symbol für diese wahre Schau ist auch das sogenannte dritte Auge. Im Ego identifizierten Zustand benutzen wir die Augen des Körpers als Rezeptoren, im Zustand der Schau CHRISTI hingegen benutzen wir unser geistiges Auge als Projektor. Wir benutzen also unser geistiges Auge dazu, um die ganze Welt mit LIEBE zu erleuchten. In diesem Zustand sehen wir in allem nur GOTT, weil GOTT in unserem Geist ist.

“Gesundheit ist innerer Frieden.”
(EKIW: Kapitel 2, I. 5. 11.)

“Einstellungen dem Körper gegenüber sind Einstellungen dem Angriff gegenüber.

Für das Ego ist der Körper etwas, womit man angreift. Da es dich mit dem Körper gleichsetzt, lehrt es, dass du etwas bist, womit man angreift. Der Körper ist demnach nicht die Quelle seiner eigenen Gesundheit. Der Zustand des Körpers liegt einzig und allein darin, wie du seine Funktion deutest.

Das Ego hat eine große Investition in Krankheit. Denn wenn du krank bist, wie kannst du dann dem festen Glauben des Ego widersprechen, dass du nicht unverletzlich bist? Das ist ein attraktives Argument aus der Sicht des Ego, weil es den offensichtlichen Angriff verschleiert, der der Krankheit zugrunde liegt.

Es ist schwierig, Krankheit als falschen Zeugen wahrzunehmen, weil du nicht merkst, dass sie dem, was du willst, überhaupt nicht entspricht.

Und dennoch ist es wahr, dass der Körper von sich aus keine Funktion hat, weil er kein Zweck ist. Das Ego allerdings setzt ihn als einen Zweck ein, weil dadurch seine wahre Funktion verschleiert wird.

Ein kranker Körper ergibt keinen Sinn. Er könnte auch keinen Sinn ergeben, weil Krankheit nicht das ist, wofür der Körper da ist. Krankheit ist nur dann bedeutungsvoll, wenn die beiden Grundvoraussetzungen wahr sind, auf denen die Deutung des Ego über den Körper beruht: dass der Körper für den Angriff da ist und dass du ein Körper bist. Ohne diese Bedingungen ist Krankheit undenkbar.

Krankheit ist eine Art, aufzuzeigen, dass du verletzt werden kannst. Sie bezeugt deine Zerbrechlichkeit, deine Verletzlichkeit und dein extremes Bedürfnis, dich auf äußere Führung zu stützen. Das Ego nutzt das als sein stärkstes Argument dafür, dass du seiner Führung bedarfst. Es diktiert endlose Vorschriften, um katastrophale Folgen zu vermeiden. Der HEILIGE GEIST, DER SICH derselben Lage vollkommen bewusst ist, gibt SICH gar nicht erst damit ab, sie zu analysieren. Wenn Daten bedeutungslos sind, ist es sinnlos, sie zu analysieren.

Ein Lernmittel ist kein Lehrer. Es kann dir nicht sagen, wie du dich fühlst. Du weißt nicht, wie du dich fühlst, weil du die Verwechslung des Ego akzeptiert hast und daher glaubst, dass ein Lernmittel dir sagen kann, wie du dich fühlst. Krankheit ist lediglich ein weiteres Beispiel für deine Beharrlichkeit, mit der du einen Lehrer um Führung bittest, der die Antwort nicht kennt. Das Ego kann gar nicht wissen, wie du dich fühlst. Als ich sagte, dass das Ego überhaupt nichts erkennt, habe ich die einzige gänzlich wahre Aussage über das Ego gemacht. Doch folgt daraus logischerweise: Wenn nur die Erkenntnis ein Sein hat und das Ego keine Erkenntnis hat, dann hat das Ego kein Sein.

Du magst wohl fragen, wie die Stimme von etwas, das nicht existiert, so beharrlich sein kann. Hast du über die verzerrende Macht dessen, was du dir wünschst, nachgedacht, selbst wenn es nicht wirklich ist? Es gibt viele Beispiele dafür, wie das, was du dir wünschst, die Wahrnehmung verzerrt. Niemand kann an der Geschicklichkeit zweifeln, mit der das Ego falsche Argumente aufbaut. Ebenso wenig kann jemand an deiner Bereitschaft zweifeln, zuzuhören, bis du beschließt, nichts anderes mehr als die Wahrheit zu akzeptieren. Wenn du das Ego weglegst, ist es nicht mehr da. Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist so laut wie deine Bereitschaft, zuzuhören. Sie kann nicht lauter sein, ohne deine Entscheidungsfreiheit zu verletzen, welche der HEILIGE GEIST wiederherzustellen, nie aber zu untergraben sucht.

Der HEILIGE GEIST lehrt dich, deinen Körper nur zu benutzen, um deine Brüder zu erreichen, damit ER SEINE Botschaft durch dich lehren kann. Das wird sie heilen und daher dich heilen. Alles, was in Einklang mit seiner Funktion, wie der HEILIGE GEIST sie sieht, verwendet wird, kann nicht krank sein. Alles, was anders angewendet wird, ist es. Lass nicht zu, dass der Körper der Spiegel eines gespaltenen Geistes sei. Lass ihn kein Abbild deiner eigenen Wahrnehmung von Kleinheit sein. Lass ihn nicht Spiegel deiner Entscheidung, anzugreifen, sein. Gesundheit wird als natürlicher Zustand von allem gesehen, wenn die Deutung dem HEILIGEN GEIST überlassen wird, DER keinen Angriff auf irgendetwas wahrnimmt. Gesundheit stellt sich ein, wenn jeder Versuch aufgegeben wird, den Körper lieblos zu benutzen. Gesundheit ist der Anfang der richtigen Betrachtungsweise des Lebens, unter der Führung des einen LEHRERS, DER weiß, was Leben ist, ist ER doch die STIMME für das LEBEN SELBST.”

(Auszug aus EKIW: Kapitel 8, VIII. “Der Körper als Mittel oder Zweck.”)

Jesus verweist im Zusammenhang mit Krankheit auch auf Folgendes: "Eine der am schwierigsten zu erkennenden Versuchungen ist, eine Heilung anzuzweifeln, weil die Erscheinung von Symptomen andauert: Dies ist ein Fehler in Form von mangelndem Vertrauen." (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 7. 4. 1.)

In der Bibel steht: „Das WORT (oder der Gedanke) ward Fleisch.“ Das ist unmöglich. Das Denken kann nicht Fleisch werden, da das Denken nicht körperlich ist. Das Denken ist Kommunikation, und dafür kann der Körper verwendet werden. Das ist die einzige natürliche Verwendung, die IHM gegeben werden kann. Den Körper unnatürlich anzuwenden heißt, den Zweck des HEILIGEN GEISTES aus den Augen zu verlieren und damit das Ziel SEINES Lehrplans misszuverstehen.

Schon Platon, also ungefähr 400 Jahre vor Christi Geburt, hat erkannt, dass die Seele als immaterielles Prinzip des individuellen Lebens unsterblich ist. Ihr Dasein ist von dem des Körpers gänzlich unabhängig; sie existiert vor seiner Entstehung und besteht nach seiner Zerstörung unversehrt fort. Der Körper ist, aus Platons Sicht, das “Gefäß”, die “Wohnstatt” der Seele, aber auch negativ ausgedrückt ihr “Grab” oder “Gefängnis” - eine berühmt gewordene Formulierung Platons.

In einem Mythos vergleicht Platon die Seelenteile mit einem Pferdewagen. Deshalb wird der Körper im spirituellen Kontext oft als Fahrzeug der Seele bezeichnet. Das ist ein sehr gutes Symbol für ihn und so sollte er auch behandelt werden - wie ein Fahrzeug. Ein gesunder Geist identifiziert sich nicht mit seinem Fahrzeug. Für einen Geist, der sich mit dem Körper identifiziert, wird dieser zum Gefängnis und zum Grab.

“Verkünde deine Unschuld, und du bist frei. Der Körper verschwindet, weil du keinen Bedarf für ihn hast außer dem, den der Heilige Geist in ihm sieht. Dafür erscheint der Körper als eine nützliche Form für das, was der Geist zu tun hat. So wird er zum Gefährt, das dabei hilft, dass die Vergebung ausgedehnt wird bis hin zum alles einschließenden Ziel, das sie nach Gottes Plan erreichen muss.”
(EKIW: Lektion 199, 4. 2.-5.)

In manchen Konzepten wird empfohlen, die Weisheit des Körpers zu entdecken. Wir müssten lernen, unserem Körper zu vertrauen und auf ihn zu lauschen, denn unser Körper weiß vieles und vergisst nicht, heißt es da. In der Logik dieser Vorstellung braucht es dann Körperarbeit, um seelische Konflikte zu lösen. Dies ist ein weiterer Ausdruck des Denksystems des Egos, das dem des reinen Geistes diametral entgegengesetzt ist. Ein weiteres Symbol des „Konflikts“ zwischen dem Ego und dem wahren SELBST. Der Ausweg aus dem Konflikt zwischen zwei entgegengesetzten Denksystemen ist eindeutig der, sich für das eine zu entscheiden und das andere aufzugeben.

Der Körper hat kein Wissen, der Körper hat keine Intelligenz, der Körper hat auch keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Der Körper an sich ist völlig neutral. Daher können wir den Körper sehr wohl als Mittel nutzen, um uns unbewusster Aspekte unseres Gedankensystems bewusst zu werden. Es lassen sich mithilfe des Körpers sowohl unterbewusste als auch überbewusste Informationen sichtbar machen, aber der Körper ist dabei immer nur das Mittel und nicht der Wissende. Der Körper ist ein Lernmittel.

“Ein Lernmittel ist kein Lehrer. Es kann dir nicht sagen, wie du dich fühlst. Du weißt nicht, wie du dich fühlst, weil du die Verwechslung des Ego akzeptiert hast und daher glaubst, dass ein Lernmittel dir sagen kann, wie du dich fühlst. [...] Wenn nur die Erkenntnis ein Sein hat und das Ego keine Erkenntnis hat, dann hat das Ego kein Sein.”
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 7.)

“Er [der Körper] hat sich selber nicht beurteilt, noch etwas aus sich gemacht, das er nicht ist. Er sucht nicht, aus Schmerz eine Freude zu machen und im Staub nach dauerhafter Lust zu suchen. Er sagt dir nicht, welches sein Zweck ist, und kann nicht verstehen, wozu er da ist. Er macht nicht zum Opfer, weil er keinen Willen, keine Vorlieben und keine Zweifel hat. Er fragt sich nicht, was er ist. Und deshalb braucht er sich mit anderen nicht zu messen. Er kann zum Opfer gemacht werden, aber sich selber nicht als Opfer fühlen. Er akzeptiert keine Rolle, sondern tut, was man ihm sagt, ohne Angriff.”
(EKIW: Kapitel 28, VI. 1. 3.-10.)

Zu versuchen eine Einheit von Körper, Geist und Seele herzustellen ist Wahnsinn. Geist und Körper können nicht beide existieren. Wir sollten daher nicht versuchen, die beiden zu versöhnen, denn jedes leugnet, dass das andere wirklich sein kann. Wenn wir ein Körper sind, dann ist unser Geist aus unserem Selbstkonzept verschwunden, weil er dann keinen Platz mehr hat, an dem er wirklich Teil von uns sein könnte. Sind wir reiner Geist, dann muss der Körper für unsere Wirklichkeit bedeutungslos sein.

“Der Körper stirbt ebenso wenig, wie er fühlen kann. Er tut nichts. Von sich aus ist er weder verweslich noch unverweslich. Er ist nichts. Er ist die Folge einer winzig kleinen Wahnidee der Verweslichkeit, die berichtigt werden kann.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. 5. 2.-6.)

Jede Nacht, wenn wir einen intensiven Traum haben, zeigt uns das, dass all die scheinbar körperlichen Erfahrungen nicht wirklich vom Körper erfahren werden. Selbst intensivste körperliche Erfahrungen lassen sich träumen, ohne dass der Körper daran beteiligt ist. Was braucht es mehr, als Beweis dafür, dass die Welt in unserem Bewusstsein stattfindet und wir auch im sogenannten Wachzustand nur träumen. Der Traum, den die Welt den Wachzustand nennt, ist nur etwas "physischer".

In Lektion 136 heißt es:
“Und du wirst aus dem Folgenden ersehen, dass du richtig geübt hast: Der Körper sollte gar nicht fühlen. Wenn du erfolgreich warst, dann wird keine Empfindung da sein, dich schlecht oder dich wohl zu fühlen, von Schmerz oder von Vergnügen. Im Geist ist überhaupt keine Reaktion auf das, was der Körper tut. Seine Nützlichkeit bleibt übrig, sonst nichts.”

Natürlich dauert es seine Zeit, bis unser gespaltener Geist in seinem Verlangen derart geeint ist, aber auf dem Weg dorthin ist es wichtig, das Ziel zu kennen und es nicht aus den Augen zu verlieren, sonst bewegen wir uns nur ewig im Kreis - im Teufelskreis um unser persönliches Selbst, dessen "Held" der Körper ist.

“Der Körper ist die Hauptfigur im Traum der Welt. Es gibt keinen Traum ohne ihn, noch existiert er ohne den Traum, in dem er handelt, als wäre er eine Person, die zu sehen und die glaubhaft wäre. Er nimmt den Mittelpunkt in jedem Traum ein, der die Geschichte schildert, wie er von anderen Körpern gemacht und in die Welt außerhalb des Körpers geboren wurde, wie er eine kleine Weile lebt und stirbt, um im Staub mit anderen Körpern vereint zu werden, die sterben wie er selbst. In der kurzen Zeit, die ihm zu leben zugemessen ist, sucht er nach anderen Körpern, die ihm Freunde sind und Feinde. Seine Sicherheit ist sein Hauptanliegen. Seine Behaglichkeit ist seine Richtschnur. Er versucht, nach Lust auszuschauen und die Dinge zu vermeiden, die schmerzhaft wären. Vor allem versucht er, sich selbst zu lehren, dass sein Schmerz und seine Freuden unterschiedlich sind und auseinandergehalten werden können.”
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 1.)

Wünsche und Begierden (Versuchungen)

“Begierden sind Mechanismen des »Habenwollens« und stellen das Bedürfnis des Ego dar, sich selber zu bestätigen. Das gilt genauso für die körperlichen Begierden wie für die sogenannten »höheren Egobedürfnisse«. Leibliche Begierden sind nicht körperlichen Ursprungs. Das Ego betrachtet den Körper als sein Zuhause und versucht, sich durch den Körper zu befriedigen. Aber die Idee, dass dies möglich ist, ist eine Entscheidung des Geistes, bei dem völlige Verwirrung darüber eingetreten ist, was wirklich möglich ist.”
(EKIW: Kapitel 4, II. 7. 5.-9.)

Wenn man sich das Wünschen, die Begierde, das Verlangen nach etwas in der Welt ansieht, wird deutlich, dass es sich dabei nicht wirklich um eine angenehme Erfahrung handelt. Es ist nicht angenehm, vor einem Schaufenster zu stehen und mit einem Gefühl des Verlangens, der Begierde und der frustrierten Sehnsucht auf das zu schauen, was sich darin befindet. Wenn wir es betrachten und den Inhalt des “Was” außer Acht lassen, sei es nun Diamanten, ein Pelzmantel, eine bestimmte Speise, der Körper einer anderen Person oder sexuelle Befriedigung an sich, erkennen wir, dass die Erfahrung an sich unangenehm ist. Etwas zu wollen und nicht zu haben, ist unangenehm, besonders in diesem Moment. Wenn das lange genug so weitergeht, werden wir schließlich wütend und zornig über die Frustration unseres Verlangens. Nicht nur in der Oper “Carmen” wird uns gezeigt, wie unbefriedigtes Verlangen nach einer bestimmten Person zu wilder Raserei und sogar zur Ermordung dieser Person führen kann. Ungestilltes Verlangen ist kein angenehmes Gefühl.

Das Ego lehrt uns, dass die Lösung in der Wunscherfüllung liegt. Es rät uns daher, unsere Wunschobjekte zu “manifestieren“ und unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Doch die Befriedigung unserer weltlichen Bedürfnisse ist nicht die Erlösung, sondern lediglich die Illusion der Befriedigung. Jesus ist diesbezüglich im Kurs sehr deutlich:

“Träume sind Wutausbrüche der Wahrnehmung, in denen du buchstäblich schreist: »Ich will es so!« Und so scheint es zu sein. Und dennoch kann der Traum seinem Ursprung nicht entrinnen. Ärger und Angst durchziehen ihn, und im Nu dringt in die Illusion der Befriedigung die Illusion des Schreckens ein. Denn der Traum von deiner Fähigkeit, die Wirklichkeit dadurch zu kontrollieren, dass du sie durch eine Welt ersetzt, die du vorziehst, ist erschreckend.”
(EKIW: Kapitel 18, II. 4. 1.-6.)

David R. Hawkins hat unterschiedliche energetische Niveaus von Emotionen mittels Kinesiologie bestimmt. Und auch seine Untersuchungen haben gezeigt, dass der Wunsch, die Sehnsucht, das Verlangen nach etwas in dieser Welt eine negative Energie ist. Der Wunsch nach etwas in dieser Welt entspringt dem Ego-Denksystem. Je mehr wir diesem Wunsch nachgeben, desto stärker wird er. Mehr muss es sein. Das ist der Grund, warum selbst Menschen, die im weltlichen Sinne reich sind, versuchen, ihren Reichtum noch weiter zu vermehren. Doch es spielt nicht wirklich eine Rolle, wovon mehr - mehr Schönheit, mehr Intelligenz, mehr Wohlstand, mehr Sex, mehr Follower, mehr Likes oder sogar mehr Bedrängnis und mehr Schmerz.

Der erste Schritt ist es nun mal, zu erkennen, dass uns die Befriedigung unserer Begierden nicht wirklich glücklich macht. Der Versuch, Glück durch die endlose Schaffung von Befriedigung im Kreislauf der Begierden zu finden, führt zwangsläufig zu Frustration. Frustration fühlt sich gut an, wenn sie vorübergehend befriedigt wird. Es fühlt sich gut an, wenn man aufhört, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, aber das ist nicht dasselbe wie Glück. Das Verlangen und die Begierde bleiben bestehen.

“I can't get no satisfaction
I can't get no satisfaction
'Cause I try, and I try, and I try, and I try
I can't get no, I can't get no”
(The Rolling Stones - Satisfaction)

“There are no satisfactions in the world.”
(ACIM: Lesson 133, 2. 5.)

Genau genommen liegt das Problem der Unerfülltheit nicht in den äußeren Umständen, auf die der Mensch sein Glück gegründet hat, sondern in der Bedeutung, die er ihnen beimisst. Was wir auf eine Sache projizieren oder wie wir sie betrachten, hängt von der Bedeutung ab, die wir ihr beimessen. An sich hat nichts in dieser Welt eine Bedeutung, es ist einfach nur da. Bereits die erste Lektion des Kurses weist genau darauf hin. Bedeutung ist eine mentale Konstruktion, die wir nach außen projizieren und dadurch etwas einen Wert zuweisen. Der Wert entsteht aus unseren eigenen mentalen/emotionalen Werten, die wir auf etwas außerhalb von uns projizieren. Dies führt dazu, dass wir uns selbst als von der Quelle des Glücks getrennt sehen. Es gibt “mich“ und dann gibt es dieses “außerhalb des Selbst“, von dem wir uns getrennt fühlen. Es gibt die Fantasie, dass, wenn wir uns wieder mit diesem “Außen“ vereinen, es haben und kontrollieren könnten, dies das innere Gefühl des Mangels und der Trennung heilen würde. Sich von dem getrennt zu fühlen, was wir wollen, bedeutet, sich unbewusst von Gott getrennt zu fühlen. Die Sichtweise auf Gott in diesen Zuständen ist die eines Wesens, das völlig von der Quelle seines Glücks getrennt ist.

Alle leidvollen Geisteszustände basieren darauf, dass wir die Quelle unseres Glücks im Außen suchen. Das führt dazu, dass wir verletzlich sind und potenziell zu hoffnungslosen Opfern werden. Opfer zu sein bedeutet, eine Ursache außerhalb von uns selbst zu sehen. Daher besteht auch die Anfälligkeit für Depressionen, Ängste, Furcht und mögliche Verluste so lange, wie wir glauben, dass die Quelle unseres Glücks außerhalb von uns selbst liegt. Nur wenn wir uns selbst als Quelle des Glücks betrachten, als Erfahrung unserer Existenz, unabhängig und jenseits dessen, was in der Welt geschieht, werden wir inneren Frieden erlangen.

Bei einer Depression treten auch Gefühle der Selbstvorwürfe, des Selbsthasses und der Wertlosigkeit auf. Diese Gefühle stehen im Zusammenhang mit dem Ausmaß der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Es gibt Bedauern über die Vergangenheit und Ängste vor der Zukunft, und sehr oft kommen auch Schuldgefühle und Wut hinzu. Häufig wird gesagt, dass Depressionen nach innen gerichtete Wut sind. Wut darüber, dass die Welt unsere vermeintlichen Bedürfnisse nicht erfüllt hat.

Es gibt Menschen mit allen möglichen körperlichen Behinderungen und Verlusten, die ihr Leben weiterleben. Irgendwie hat das Leben für sie dennoch einen Sinn. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sie irgendwie einen größeren Sinn in ihrem Leben gefunden haben. Sie mussten eine geringere Bedeutung loslassen und eine größere Bedeutung finden. Depression bedeutet also, dass wir uns mit einer geringeren Bedeutung zufrieden gegeben haben, etwas, das weit unter der Wahrheit liegt. Wir müssen neu überdenken und herausfinden, was die wahre Bedeutung davon in unserem Leben war. Was macht unser Leben auch ohne diese Bedeutung lebenswert?

Wenn wir uns vom Leben nicht mehr erwarten, als die Befriedigung unserer weltlichen Bedürfnisse, dann erwarten wir nicht zu viel vom Leben, sondern viel zu wenig. In Wahrheit ist es unmöglich, dass irgend etwas fehlt, wenn das, was wir haben, das ist, was wir sind.

Eine hilfreiche Technik

Wenn uns die Befriedigung unserer Begierden nicht wirklich glücklich macht, wie sollen wir dann mit ihnen umgehen? Es gibt eine Technik, die bei einer Vielzahl von Problemen schon funktioniert hat. Das Grundprinzip ist unabhängig von der jeweiligen Situation immer dasselbe. Wenn die Energie, das Gefühl, der Ausdruck oder das Verlangen auftaucht, lass zunächst davon ab, es zu benennen oder zu bezeichnen. Lass die Fantasien, Bilder und Vorstellungen los und lass stattdessen die Erfahrung dessen, was es ist, und die damit verbundenen Empfindungen zu. Indem du den Widerstand gegen sie loslässt und all die Begierden dem HEILIGEN GEIST überlässt, nehmen sie allmählich ab. Die Energiefelder des Verlangens, der Begierde und des Wollens erschöpfen sich schließlich.

In der alten tantrischen Schrift „Vigyan Bhairav Tantra“ wird genau diese Technik in einem Sutra beschrieben:

103
“Regt sich ein Verlangen,
gemahne dich mit deinem ganzen Bewusstsein,
es zu erkennen.”

Bei dieser Technik geht es vor allem um eines: unser gesamtes Bewusstsein. Worauf immer wir auch unser gesamtes Bewusstsein zu richten vermögen - es wird sich als transformierende Kraft erweisen. Wenn sich also in uns eine Begierde regt, dann sollten wir sie nicht bekämpfen. Das ist zwecklos. Niemand kann eine Begierde bekämpfen. Das ist dumm; denn sobald wir anfangen, etwas zu bekämpfen, das in uns ist, kämpfen wir damit gegen uns selbst, werden wir schizophren, werden wir zur gespaltenen Persönlichkeit. Fast jeder ist gespalten, fast jeder ist zersplittert und kämpft gegen sich selbst.

Tantra sagt: Bekämpft die Begierde nicht. Was aber nicht heißt, dass wir ihr zum Opfer fallen sollen. Was nicht heißt, dass wir uns ihr hingeben sollen. Tantra hat da eine sehr subtile Technik: Sobald die Begierde aufkommt, dann werden wir gleich von Anfang an mit unserem gesamten Bewusstsein hellwach. Schauen wir mit unserer Gesamtheit hin. Werden wir das Schauen, lassen den Schauenden los. Richten unsere gesamte Bewusstheit auf diese aufsteigende Begierde. Dies ist eine sehr subtile Methode, aber wunderbar. Sie wirkt regelrecht Wunder.

Dabei gilt es folgendes zu verstehen: Wenn die Begierde bereits aufgekommen ist, können wir nichts mehr machen. Dann wird sie ihren Lauf nehmen, wird sie ihren Kreis schließen, und wir können nichts machen. Aber ganz am Anfang lässt sich noch etwas machen: Lege dein geballtes Sein ins Hinschauen. Tu gar nichts sonst. Es ist weiter nichts nötig. Ein einziger, tiefer Blick mit deinem gesamten Sein - und das aufkeimende Verlangen löst sich restlos auf.

Und wenn ein Verlangen sich ohne Kampf auflöst, hinterlässt es uns so stark, mit einer so gewaltigen Energie, mit einer so ungeheuren Aufmerksamkeit. Wer kämpft, der wird unterliegen. Selbst wenn wir nicht nachgeben und wir das Verlangen besiegen, läuft es trotzdem aufs Gleiche hinaus. Alle Energie wird verpufft sein; wir werden uns frustriert fühlen. Ob wir nun gewinnen oder verlieren, so oder so werden wir am Ende geschwächt sein, denn das Verlangen hat mit unserer Energie gekämpft, und wir haben gleichfalls mit derselben Energie gekämpft. Der Kampf speiste sich aus derselben Quelle, also wird die Quelle nunmehr erschöpft sein, egal, was dabei herauskommt.

Wir dürfen nicht vergessen: Wir können das Reich GOTTES nicht mit Gewalt betreten. Doch für alle, die im Innern gewaltlos sind und gegen nichts ankämpfen, steht das Tor immerzu offen, war es nie verschlossen.

Versuchungen

“Was sonst ist die Versuchung als ein Wunsch, Illusionen zur Wirklichkeit zu machen? Sie scheint nicht der Wunsch zu sein, dass keine Wirklichkeit sei. Doch ist sie eine Behauptung, einige Formen von Götzen hätten eine mächtige Anziehungskraft, die es schwerer macht, ihnen zu widerstehen als denjenigen, von denen du nicht möchtest, dass sie Wirklichkeit haben. So ist Versuchung denn nichts anderes als dies: ein Gebet, das Wunder möge manche Träume nicht berühren, sondern ihre Unwirklichkeit verschleiert halten und ihnen stattdessen Wirklichkeit verleihen. Und der HIMMEL gibt keine Antwort auf das Gebet, noch kann ein Wunder dir gegeben werden, um Erscheinungen zu heilen, die du nicht magst. Du hast Grenzen aufgestellt. Worum du bittest, das wird dir gegeben, aber nicht von GOTT, DER keine Grenzen kennt. Du hast dich selbst begrenzt.”
(EKIW: Kapitel 30, VIII. 3.)

Der Umgang mit Versuchungen ist eine äußerst subtile Angelegenheit. Sobald die Begierde, d.h. in der Sprache des Kurses die “Versuchung”, aufkommt, dann werden wir gleich von Anfang an mit unserem gesamten Bewusstsein hellwach. Schauen wir mit unserer Gesamtheit hin. Das ist der Moment der Wahl. Und auf diese Wahl weist uns Jesus im Kurs immer und immer wieder hin:

“Wähle noch einmal

Die Versuchung hat eine einzige Lektion, die sie dich in allen ihren Formen lehren möchte, wo immer sie geschieht. Sie will den heiligen SOHN GOTTES davon überzeugen, dass er ein Körper ist, in das hineingeboren, was sterben muss, unfähig, dessen Gebrechlichkeit zu entrinnen, und durch das gebunden, was dieser ihn zu fühlen heißt. Der Körper setzt die Grenzen dessen, was er tun kann; seine Macht ist die einzige Stärke, die er hat; und sein Verständnis kann den winzigen Bereich des Körpers nicht überschreiten. Würdest du denn dies sein wollen, wenn CHRISTUS dir in SEINER ganzen Herrlichkeit erschiene und dich nur um dieses bäte:

     Wähle noch einmal, ob du deinen Platz unter den Erlösern
     der Welt einnehmen möchtest oder ob du in der Hölle bleiben und
     deine Brüder dortselbst halten möchtest.

Denn ER ist gekommen und bittet dich um dies.

Wie triffst du die Wahl? Wie leicht ist das erklärt! Du wählst stets zwischen deiner Schwäche und der Stärke CHRISTI in dir. Und was du wählst, ist das, wovon du denkst, dass es wirklich sei. Einfach dadurch, dass du nie die Schwäche nutzt, um deine Handlungen zu lenken, hast du ihr keine Macht gegeben. Und CHRISTI Licht in dir ist die Obhut übertragen über alles, was du tust. Denn du hast deine Schwäche IHM gebracht, und ER gab dir statt dessen SEINE Stärke.”
(EKIW: Kapitel 31, VIII. 1.-2.)

Was ist das Ziel des Loslassens, also der richtigen Wahl?

Wenn Wünschen, Verlangen und Begehren losgelassen werden, tauchen wir in den heiligen Augenblick ein, sodass jeder Augenblick in sich selbst vollständig und vollkommen ist. Aufgrund dieser Vollkommenheit kann alles, was auf der Ebene der Form geschieht, augenblicklich beendet werden, ohne dass ein Gefühl des Verlustes entsteht. In diesem Zustand hoher Energie, voller Freude und Glückseligkeit, gibt es kein Gefühl des Verlustes. Jemand kann uns das Essen wegnehmen, das wir gerade verspeisen, ohne dass wir ein Gefühl des Verlustes empfinden. Das liegt daran, dass wir nicht in der Vorfreude leben, sondern im Jetzt. Die Natur des Erlebens entsteht aus der Vollkommenheit in jedem Augenblick. Mit einer Person jetzt zusammen zu sein, sich eins mit ihrer Energie zu fühlen, Akzeptanz zu empfinden, die Lebendigkeit dieser Einheit zu spüren, ist bereits in dem Moment des Erlebens vollkommen. Es gibt kein “Müssen”, die Erfahrung fortzusetzen, als Folge der Projektion von Vollständigkeit in die erwartete Zukunft. Die Freude am Essen ist vollkommen, ohne die Vorfreude auf den nächsten Bissen. In den Energiefeldern des niederen Bewusstseins wird das Leben als ein Übergang von Unvollständigkeit zu scheinbarer Vollständigkeit erlebt. In den höheren Bewusstseinsstufen bewegt sich das Leben von Vollständigkeit zu Vollständigkeit.

Das Loslassen von Begierden ermöglicht es, dass die Erfahrung vollständig zu einem Zustand der Einheit und Zufriedenheit wird. Jeder Moment scheint spontan und aus sich selbst heraus zu entstehen. Es ist, als wären wir Teil einer sich entfaltenden Filmhandlung. Dies geschieht, weil man sich selbst wieder als Quelle angenommen hat. Anstatt die Erfahrung als etwas außerhalb von uns selbst zu betrachten, das es zu erlangen gilt, haben wir sie als etwas angenommen, das wir sind. Es ist unsere Art, mit uns selbst umzugehen. Die Erfahrung kommt aus unserem Inneren; daher gibt es keine Kluft zwischen dem, was wir sind, und der Erfahrung.

“Was ist der WILLE GOTTES? ER will, dass SEIN SOHN alles hat. Und dafür hat ER gebürgt, als ER ihn als alles schuf. Es ist unmöglich, dass irgend etwas verloren geht, wenn das, was du hast , das ist, was du bist. Das ist das Wunder, durch welches das Erschaffen zu deiner Funktion ward, die du mit GOTT teilst. Sie ist getrennt von IHM nicht zu verstehen, und deshalb hat sie in dieser Welt keine Bedeutung. Hier verlangt GOTTES SOHN nicht zuviel, sondern viel zu wenig.”
(EKIW: Kapitel 26, VII. 11. 1.-7.)

Was ist ein Mystiker? Es ist ein Mensch, der das egoische Verlangen wirklich losgelassen hat und von Augenblick zu Augenblick Vollkommenheit und Ganzheitlichkeit erlebt, und darin die exquisite Schönheit, Ehrfurcht und Heiligkeit. Nun wird jede Beziehung zu einem Ausdruck des Heiligen, und es entsteht die Freude an einem exquisiten Gefühl der Lebendigkeit. Das ist es, was es bedeutet, die Welt zu transzendieren.

Wenn wir uns umschauen, sehen wir überall den Ausdruck von LIEBE. Sie hat keinen Anfang und kein Ende. SIE kennt keine Grenzen. Das Einzige, was SIE begrenzt, ist unsere Bereitschaft, SIE zu erfahren und uns IHR zu öffnen. SIE ist wie ein unendlicher Ozean. Wenn wir uns IHR öffnen, indem wir alles loslassen, was IHR entgegensteht, werden wir selbst zum Ausdruck dieser LIEBE. SIE wird dann als unendlicher Raum erfahren, der sowohl die Persönlichkeit als auch Zeit und Raum transzendiert.

"GOTT ist in allem, was ich sehe, weil GOTT in meinem Geist ist."
(EKIW: Lektion 30)

Sex

Das Wort “Sex” kommt im Kurs nicht ein einziges Mal vor, denn Sex ist Teil der Illusion und damit nichts. Es geht nicht um die Untersuchung einzelner Aspekte der fragmentierten Wahrnehmung innerhalb der Illusion. Die einzige Frage lautet: Will ich, dass der Körper meine Identität ist oder dass der reine Geist es ist? Da der mit dem Ego identifizierte Geist des modernen Menschen jedoch derart vom Thema Sex besessen ist, kommen wir an einer intensiveren Beschäftigung mit diesem Thema nicht vorbei.

Die vom Ego erfundenen Begriffe "körperliche Liebe" und "körperliche Vereinigung" sind eine Lüge, denn Körper sind grundsätzlich nicht fähig zu lieben und Körper sind grundsätzlich nicht in der Lage sich zu vereinen, sie sind immer getrennt, wie nah sie sich auch sein mögen. Der Körper ist eine Grenze. Der Körper ist materialisierte Trennung. “Der Körper ist ein Zaun, den der SOHN GOTTES sich einbildet, gebaut zu haben, um Teile seines SELBST von anderen Teilen abzutrennen.”

Selbst aus rein wissenschaftlicher Sicht ist längst klar, dass Körper einander nicht berühren können. Es gibt keine feste Materie, die sich berühren könnte. Was wir durch unsere Augen als Berührung wahrnehmen, ist auf physikalischer Ebene ein Abstoßungsvorgang. Physikalisch betrachtet ist Berührung also nicht der direkte Kontakt zweier Körper, sondern eine elektromagnetische Wechselwirkung zwischen den äußeren Elektronenhüllen ihrer Atome. Die Atome stoßen sich gegenseitig ab, wodurch eine Kraft entsteht, die eine physische Berührung verhindert und mechanische Kräfte überträgt. Was für eine wunderbare Symbolik: Die körperliche “Berührung“ ist in Wahrheit ein Abstoßungsvorgang.

"I did my best, it wasn′t much.
I couldn't feel, so I tried to touch."
(Hallelujah - Leonard Cohen)

Das, was uns bei einer liebevollen Berührung berührt, ist nicht der Körper an sich, es ist ein Vorgang auf der Seelenebene ("individuelles Bewusstsein" und Geist). “Wir” sind es, der den anderen mittels des Körpers berührt. Der Körper ist dabei nur ein Instrument. Bei einer lieblosen Berührung steht der Körper im Vordergrund, sodass der physikalische Abstoßungsvorgang auch fühlbar ist. Es ist, als hätten wir uns zurückgezogen, als wären wir gar nicht im Körper, als würde die Berührung von einem toten Körper kommen.

Das Ego erkennt nicht, was es zu lehren versucht. Es versucht, uns zu lehren, was wir sind, ohne zu erkennen, was wir sind. Nur in der Verwirrung ist es ein Experte. Etwas anderes versteht es nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass das Ego auch beim Thema Sex nur Verwirrung stiftet, indem es Sex entweder verteufelt und zur Sünde gegen GOTT macht, oder ihn verherrlicht und als Weg zu GOTT erscheinen lässt.

Das, was das Ego unter Leben versteht, beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Genau genommen steht jedoch nicht die Geburt, sondern der Sex, die Zeugung, am Beginn dieses sogenannten Lebens. Sex führt also zum Tod. Beide sind sie die Extreme von ein und derselben Sache. Sex ist Tod, und der Tod ist sehr sexuell. Wir sehen das auch in der Natur. Es gibt viele Insekten, wo die Männchen bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr sterben.

Der Sex ist schon mit unserer Geburt auf den Plan getreten. Ob wir uns nun auf den Sex einlassen oder nicht, spielt keine Rolle – dem Tod können wir nicht entrinnen. Unser menschliches Dasein beginnt mit dem Sex, und Sex ist der Anfang vom Tod. Genau darum sagen die Christen, dass Jesus aus einer jungfräulichen Mutter geboren wurde. Nur um damit zu sagen, dass er kein Sterblicher, kein gewöhnlicher Sterblicher ist, sagen sie, dass er aus einer jungfräulichen Mutter geboren wurde. Nur um zu sagen, dass der Tod keine Macht über ihn hat, mussten sie diesen Mythos erfinden. Nur so ließ sich die Auferstehung erklären. Dies ist ein uralter Mythos.

Das zentrale Missverständnis dabei ist, worauf Jesus auch immer wieder hinwies: Nicht der SOHN GOTTES, sondern der Menschensohn, also der Körper, wurde gekreuzigt. Jesus’ Körper entstand als Folge von Sex und starb, aber darum geht es nicht. Es geht darum, zu erkennen, dass unsere Wirklichkeit als SOHN GOTTES unsterblich ist.

Aufgrund dieser tiefen Verwandtschaft zwischen Sex und Tod haben viele Gesellschaften oft Angst vor dem Sex bekommen. Diese Angst gilt dem Tod. Selbst wenn man den Sex akzeptiert, bleibt eine gewisse Angst. Selbst wenn man in den Sex hineingeht, bleibt eine gewisse Angst. Niemand gestattet sich in ihm ein völliges Loslassen. Die Angst ist da, man ist auf der Hut. Man kann sich nicht total auf ihn einlassen, man kann sich nicht vollkommen loslassen, weil dieses Loslassen genau wie der Tod ist. Deshalb wird die Redewendung “kleiner Tod” häufig als Euphemismus für “Orgasmus” verwendet.

Mit wie viel Angst das Thema Sex verbunden ist, zeigt sich schon allein daran, dass Sex häufig nur unter Drogeneinfluss stattfindet. Lange Zeit war es in erster Linie Alkohol, doch seit einigen Jahrzehnten werden immer häufiger synthetische Drogen ("chems") verwendet. Beim Chemsex steht vor allem die Verstärkung von Intimität und sexueller Lust im Vordergrund. Welche Ängste sollen durch Drogen unterdrückt werden? Einerseits ist es die gesamte Unsicherheit des persönlichen Selbst und die Angst, nicht zu genügen oder zu versagen. Darunter liegt die noch viel tiefere Angst vor Verschmelzung, vor der Auflösung des persönlichen Selbst – und damit die Angst vor dem Tod.

Zu Beginn des spirituellen Weges geht es vor allem darum, das Thema Sex nicht überzubetonen und sich diesem Thema langsam tiefer gehend zu nähern. Sex nimmt in der Regel nur wenig Zeit in Anspruch im Vergleich zu all der Zeit, die uns zur Verfügung steht - warum also die ganze Aufregung darum? Wir haben noch so viel Zeit, um uns ganz auf die Wahrheit zu konzentrieren. Wir müssen nicht nur durch alle neun weltlichen Höllen gehen, sondern auch durch all das, was die Welt den siebten Himmel nennt. Erst dann können wir erkennen, dass diese Welt uns nicht das wahre Glück bringt, nachdem wir uns in der Tiefe unseres Herzens sehnen. Es gilt den Wandel durch den Wandel aufzuzehren. Das ist eine sehr tiefgründige Botschaft. Zehre den Sex durch Sex auf. Sperre dich nicht dagegen; sei entspannt. Denn Kampf führt zu Krampf, und Kampf führt zu Angst, zu Qual, und du verstörst dich dabei nur unnötig. Erst wenn wir erkennen, dass ein Orgasmus nur ein Pappenstiel ist, gegen die Offenbarung der Liebe GOTTES, sind wir überhaupt erst in der Lage, eine echte Entscheidung für GOTT zu treffen.

Es geht nicht um einen Kampf gegen das sexuelle Verlangen, fast zweitausend Jahre Christentum haben gezeigt, dass es so nicht funktioniert. Der Kern von allen Dingen, die die Welt als Süchte bezeichnet, ist Kontrolle. Etwas einer unsichtbaren Macht zu überlassen - nennen wir es das Quantenfeld, unser höheres Selbst oder GOTT - ist hingegen ein Vertrauensvorschuss, der uns hilft, den Versuch loszulassen, die Ergebnisse zu kontrollieren. Wie wir uns vorstellen können, führt der Verzicht auf den Versuch, das Verhalten zu kontrollieren, zu einem ganz anderen Fokus.

Tantra

Um diesen ganz anderen Fokus beim Thema Sex geht es auch im Tantra in seiner ursprünglichen Bedeutung, um die Vereinigung der dualen Pole von männlich und weiblich zur Einheit des Geistes und damit um das Eintauchen in die Erfahrung der absoluten Liebe, der Liebe GOTTES. Bei Oshos “Das Buch der Geheimnisse” handelt es sich um einen Kommentar zu einer alten tantrischen Schrift, das “Vigyan Bhairav Tantra”, die Shiva der indischen Mythologie zufolge der Welt übergeben hat. Diese fünftausend Jahre alte, indische Schrift über Meditation wird von vielen als der bedeutendste Text über Meditation angesehen. Tantra heißt "die Technik, die Methode, der Weg" und Vigyan Bhairav Tantra heißt "die Technik, über das gewöhnliche Bewußtsein hinauszugelangen". Vigyan heißt Bewußtsein, und Bhairav ist der Zustand jenseits des gewöhnlichen Bewußtseins und wird oft im Sinne von Gott verstanden. Diese Schrift enthält 112 Meditationstechniken und das große Versprechen, dass jeder Suchende dort die für ihn stimmige Meditation finden wird. Einige dieser Techniken sind für Menschen, die in der Vergangenheit gelebt haben, und einige für diejenigen, die in der Zukunft leben werden. Diese 112 Meditationen beziehen sich auf Menschen aller Art und berücksichtigen ihre unterschiedlichen Naturen und Temperamente. Sie erfordern keine große Intelligenz, um sie zu verstehen oder sie zu praktizieren. Aber lassen wir uns von ihrer Einfachheit nicht täuschen. Sie öffnen eine Tür zur Ewigkeit.

Von diesen 112 Meditationstechniken haben nur 3 etwas mit Sex zu tun, und doch ist Sex das, was man im Westen am ehesten mit Tantra verbindet. Tantra lehrt zum Thema Sex als Erstes, wie man in den Sex hineingeht, wie man ihn kennen lernt, wie man ihn fühlt, wie man zu der tiefsten Möglichkeit vordringt, die in ihm verborgen liegt.

Haben wir dieses Geheimnis erst einmal entdeckt, können wir es transzendieren; denn in einem tiefen sexuellen Orgasmus ist es in Wirklichkeit nicht der Sex, der uns Seligkeit beschert, sondern etwas anderes. Der Sex ist nur ein Auslöser. Etwas anderes gibt uns die Euphorie, die Ekstase. Dieses “etwas andere” lässt sich in drei Elemente gliedern. Aber wenn wir über diese Elemente sprechen, dann dürfen wir nicht glauben, dass wir sie allein aufgrund der Worte verstehen können. Sie müssen Teil unserer Erfahrung werden. Als bloße Begriffe sind sie nutzlos.

Aufgrund also von drei Grundelementen im Sex erreichen wir einen seligen Augenblick. Diese drei sind, erstens: Zeitlosigkeit. Wir transzendieren vollkommen die Zeit. Es gibt keine Zeit mehr. Wir vergessen die Zeit völlig. Wir sind nicht in ihr. Es gibt keine Vergangenheit, keine Zukunft. Die gesamte Existenz konzentriert sich auf hier und jetzt, genau diesen Augenblick. Dieser Augenblick wird zum einzigen wirklichen Augenblick. Wenn wir diesen Augenblick auch ohne Sex zum einzigen wirklichen Augenblick machen können, dann brauchen wir keinen Sex mehr. Dies geschieht durch Meditation.

Zweitens: Im Sex verlieren wir zum ersten Mal unser Ego - werden wir egolos. Also sind Leute, die sehr egoisch sind, immer gegen den Sex, denn im Sex müssten sie ihr Ego verlieren: Wir sind nicht mehr, genauso wenig der Partner. Wir und unser Partner - wir sind beide verschollen, sind in etwas anderem verloren. Eine neue Wirklichkeit entfaltet sich, eine neue Einheit beginnt zu existieren, in die sich die beiden alten hineinverloren haben - restlos verloren. Das Ego hat Angst: Wir sind nicht mehr da! Wenn wir ohne Sex zu einem Moment gelangen könnten, wo wir nicht mehr sind, dann wäre er nicht nötig.

Und drittens: Im Sex sind wir zum ersten Mal natürlich. Das Unwirkliche ist abgefallen; die Masken, die Fassaden sind abgefallen; die Gesellschaft, die Kultur, die Zivilisation ist von uns abgefallen. Wir sind Teil der Natur. So wie die Bäume, so wie die Tiere, so wie die Sterne, sind auch wir Teil der Natur. Wir sind von einem größeren Etwas umfangen. Wir treiben in ihm. Wir treiben dahin, von der Strömung erfasst.

Dies sind die drei Dinge, die uns die Ekstase schenken. Sex ist lediglich eine Situation, in der das natürlicherweise geschieht. Sobald wir Bescheid wissen und sobald wir diese Elemente zu fühlen vermögen, können wir diese Elemente unabhängig vom Sex herstellen. Alle Meditation ist im Wesentlichen die Erfahrung des Sex ohne Sex; aber wir müssen durch ihn hindurch. Es muss Teil unserer Erfahrung werden, darf nicht einfach nur als abstrakte Begriffe, Vorstellungen, Gedanken da sein. Tantra ist nicht für den Sex: Tantra heißt transzendieren. Aber transzendieren können wir nur durch Erfahrung - existentielle Erfahrung, nicht durch irgendeine Ideologie.

Die drei Sutras aus dem “Vigyan Bhairav Tantra” zum Thema Sex lauten folgendermaßen (aus Oshos “Das Buch der Geheimnisse”):

48
“Richte zu Beginn der sexuellen Vereinigung
alle Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer.
Und indem du dies fortsetzt, vermeide die Asche am Ende.”

Sutra 48 bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Strebe beim Sex nicht nach Entladung. Für den modernen westlichen Menschen ist der Sexakt eine Entladung. Überschüssige Energie führt zu Verspannungen, zu Erregung und erzeugt den Wunsch nach Entspannung. Die überschüssige Energie entlädt sich beim Sexakt und danach fühlt sich der Mensch etwas wohler. Doch dieses Wohlgefühl ist nur eine Art Schwäche. Wir halten diese Schwäche üblicherweise für Entspannung, doch diese Schwäche ist immer auch mit einer Form von Depression verbunden. Die Entspannung ist nur eine rein körperliche, sie kann nicht tiefer gehen.

Diese Sutra besagt: Hab es nicht eilig, verharre am Anfang, um ganz dort zu verweilen. Vergiss den Orgasmus und verweile im Moment, so wird die Begegnung zeitlos. Wer es nicht schafft, am Beginn des Sexaktes in der Gegenwart zu bleiben, der wird nie in der Gegenwart bleiben können. Bleib im gegenwärtigen Augenblick, ohne irgendwohin zu wollen und verschmelze. Bei dieser Form der Verschmelzung beginnt die Energie, sich im Kreis zu bewegen. Keine Energie geht verloren und die Begegnung wird zur Meditation. Mit ihren Büchern, von denen das bekannteste wohl “Slow Sex: Zeit finden für die Liebe“ ist, hat Diana Richardson diese Sutra in eine für den modernen westlichen Menschen verständliche Form gebracht.

Wenn wir es nicht eilig haben, den Akt abzuschließen, wird der Akt nach und nach immer weniger sexuell und immer mehr spirituell. Das Denken an Sex verschwindet immer mehr und es stellt sich eine ganz natürliche Form der Keuschheit ein, keine die durch Verdrängung oder Unterdrückung entsteht. Sie ist nicht das Gegenteil von Sex, sondern nur seine Abwesenheit. Das ist der entscheidende Unterschied zu jeder Form von religiös motivierter Enthaltsamkeit!

49
“Wenn deine Sinne in solcher Umarmung geschüttelt werden
wie Laub im Wind, dann geh in dies Schütteln hinein.”

Solange wir den Sexakt auf die Sexualorgane beschränken, können wir ihn unter Kontrolle halten, kann der Verstand das Steuer behalten. Wenn wir die Kontrolle loslassen, kann er sich über den ganzen Körper ausbreiten. Wir mögen zu zittern anfangen, wir mögen zu schreien anfangen, aber wir werden den Prozess nicht beherrschen können, wenn er sich einmal verselbständigt hat.

Also raus aus dem Verstand und rein ins Schütteln. So werden wir selbst zu diesem Schütteln. Dann sind da keine zwei Körper, zwei Köpfe mehr. Am Anfang sind da zwei schüttelnde Energien, aber am Ende ist da nur ein Kreis - nicht zwei. Als feste Körper sind wir aufgelöst, wir sind verflüssigt worden und fließen jetzt ineinander. Das private Denken ist fort, die Trennung ist fort.

50
“Und im Erinnern an die Vereinigung,
auch ohne Umarmung - die Verwandlung.”

Wenn wir die oben beschriebene energetische Kreis-Erfahrung einmal kennengelernt haben, dann ist selbst der Partner nicht mehr nötig. Dann wird das ganze Universum zum Partner. Tantra benutzt den Sex als Vehikel um immer tiefere Zustände zu erreichen. Der Sex wird zu einem Hilfsmittel um leer von privaten Gedanken zu werden.

Genau das ist was Tantra sagt: Sex ist zwar die tiefste Fessel; er kann aber als Vehikel zur höchsten Freiheit eingesetzt werden. Aber es gehört Weisheit dazu. Verurteile also nichts, sondern nutze es lieber. Der HEILIGE GEIST kann alles nutzen, was das Ego gemacht hat. Aber eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Das Vehikel wird verschwinden und nur die Liebe GOTTES ist ewig da.

* * *

Tantra lässt sich ganz einfach ausgedrückt folgendermaßen zusammenfassen: Liebt euch nie, wenn ihr erregt seid. Das erscheint völlig absurd, denn natürlich wollen wir gerade dann Liebe machen, wenn wir erregt sind. Und normalerweise erregen sich die Partner gegenseitig, damit sie Sex haben können. Doch Tantra sagt, dass wir durch die Erregung Energie vergeuden. Tantra sagt: Liebt euch, wenn ihr ruhig und gelassen und meditativ seid. Meditiert zuerst, und dann liebt euch, und wenn ihr euch liebt, geht nicht über die Grenze hinaus. Steigert euch nicht in heftige Erregung, damit eure Energie nicht verpufft.

Redet nicht; sagt nichts, denn das würde nur stören. Lasst den Verstand ruhen, nicht die Körper. Nutzt den Verstand nur dazu nachzuspüren, was jeweils passiert. Denkt nicht nach, fühlt nur, was passiert – die Wärme, die da strömt, die Liebe, die da strömt, die Energie, der ihr begegnet. Spürt sie einfach. Seid bewusst.

Es sollte mehr wie Musik sein, wie eine Harmonie. Die beiden Partner sollten wie in einem Tanz und nicht wie in einem Kampf sein – so als würden sie zusammen eine harmonische Melodie singen und dadurch eine Atmosphäre kreieren, in der beide sich auflösen und eins werden können. Und dann entspannen sie sich. Das bedeutet Tantra. Im Tantra geht es überhaupt nicht um den Sex, Tantra ist nicht im Geringsten sexuell, aber es benutzt den Sex.

Tantra konzentriert sich auf eine andere Art von Orgasmus. Wenn wir den Ersteren als »Gipfel-Orgasmus« bezeichnen können, kann man den tantrischen Orgasmus einen »Tal-Orgasmus« nennen. In ihm kommen wir nicht zum Gipfel der Erregung, sondern zum denkbar tiefsten Tal der Entspannung. Eine gewisse Erregung muss für beide Arten am Anfang eingesetzt werden. Sie sind also am Anfang beide gleich; nur der Schluss ist bei beiden vollkommen verschieden.

Bei einer »Gipfel-Erfahrung« überlässt man sich der Erregung bis zum Höhepunkt, und danach stürzt man ab. Darum spüren wir nach jedem Sexakt einen Absturz. Und das ist nur natürlich – wir fallen von einem Gipfel. Dieses Gefühl werden wir nach einer tantrischen Sexerfahrung niemals haben. Da stürzen wir nicht ab. Wir können gar nicht weiter fallen, denn wir warten bereits am Talgrund. Im Gegenteil: Da steigen wir auf.

Wenn wir aus einem tantrischen Sexakt zurückkommen, sind wir aufgestiegen, nicht gefallen. Wir fühlen uns von Energie erfüllt, vitaler, lebendiger, strahlender. Und diese Ekstase wird Stunden andauern, ja sogar Tage. Es kommt darauf an, wie tief wir in ihn hineingegangen waren.

Wenn unsere Sexenergie aufsteigt, wird das Kundalini genannt. Wenn unsere Energie, unsere Kundalini aufsteigt, hochschießt und zum Kopf geht, können wir keinen gewöhnlichen Orgasmus haben. Und wenn wir dennoch versuchen, einen zu bekommen, geraten wir innerlich in einen tiefen Konflikt, weil wir dann die Energie, die aufsteigen will, nach unten treiben. Aber der tantrische Orgasmus macht keine Probleme. Wir können uns entspannen, und diese Entspannung mit unserem Partner wird der Energie nur noch mehr zum Aufsteigen verhelfen.

Für den normalen Sexakt wäre das ein Problem. Das ist der Grund, warum viele nicht-tantrische Meditationstechniken gegen den Sex sind. Denn sie wissen nichts von der Möglichkeit eines Tal-Orgasmus. Sie kennen nur die eine Art – den gewöhnlichen Orgasmus. Und dann ist es für sie ein Problem.

Neo-Tantra

Modernes Tantra, wie es im Westen gelehrt wird, dient meist nur dazu, die Dualität von männlich und weiblich zu betonen und aus dem Spiel dieser beiden Pole so viel Lust wie möglich zu ziehen. Dieses sogenannte Neo-Tantra ist eine kalifornische Erfindung der 60ger Jahre, aus der Notwendigkeit einer sexuellen Befreiung entstanden, in der sämtliche neue psychologische Richtungen der 60ger Jahre wie der Urschrei, die Gestalttherapie, … die Verwendung von Halluzinogenen zu einem auf Übungen basierenden Cocktail vermischt worden sind, die dem wahren tantrischen Weg diametral entgegengesetzt sind und mit der Erregtheit unserer Zeit vollkommen konform gehen. Es herrscht zurzeit eine derartige Verwirrung, eine derartige sexuelle Not, dass die Vorstellung, allein durch Sex zur Erleuchtung zu kommen dazu angetan ist, den allermeisten spirituellen Suchern zu gefallen.

Tantra ist im Westen aus den falschen Gründen so attraktiv. Zum Beispiel, wenn wir dem Sex frönen wollen, liefert Tantra uns eine gute Rationalisierung für Ausschweifung. Das macht seine Anziehung aus. Mit Tantra kann man sich sehr leicht etwas vormachen, und weil diese Möglichkeit der Selbsttäuschung gegeben ist, hat Mahavira nichts über Tantra gesagt. Deshalb wurde in China dieses Wissen unterdrückt; es musste unterdrückt werden. Und in Indien wurde Tantra ebenfalls unterdrückt, weil es viele gefährliche Dinge sagte – gefährlich aber nur, weil wir uns gerne etwas vormachen. Ansonsten sind diese Dinge wunderbar.

Am spirituellen Weg geht es darum, uns ganz auf die Begegnung mit einem Bruder im Geiste einzulassen - um uns an unser Einssein zu erinnern. Das bedeutet, alle Masken, alle Selbstbilder, alle Rüstungen abzulegen und augenblicklich all unser technisches Wissen über Sex zu vergessen. Ein erster Schritt kann sein, uns von der Idee des Orgasmuss zu verabschieden und zur Idee des Orgasdarf überzugehen. Irgendwann werden wir den Wunsch haben, nur noch die LIEBE GOTTES auszudehnen, dann sehen wir uns selbst in dem anderen als vollkommen befriedigt durch unser gemeinsames zusammen SEIN. Ein bedingungsloses JA zum Bruder ist ein JA zu GOTT.

Es gibt kein körperliches Verlangen nach Sex. Der Körper hat keine Bedürfnisse außer denen, die wir ihm zuschreiben. Jegliches Verlangen entstammt dem Geist. Sex in einer liebenden Beziehung, die dem HEILIGEN GEIST gewidmet ist und vom HEILIGEN GEIST geleitet wird, ist in diesem Sinne ein Akt der Zuneigung und wird so lange sein, bis der Geist so sehr in der Absicht geeint ist, dass es kein Verlangen nach irgendeiner Form gibt. Wenn diese Wunschlosigkeit eintritt, geschieht wahrhaftig das Wunder der Versöhnung, und CHRISTUS erfüllt sich in der göttlichen LIEBE, in der Erkenntnis GOTTES. Das Wunder der Versöhnung transzendiert oder löst die Anziehung zur Schuld im schlafenden Geist auf.

Sex allein zum Zweck des Vergnügens und der sinnlichen Befriedigung ist eine Ego-Motivation, die versucht, die Realität des Körpers zu verstärken. Der Zustand der Ego-Identifikation ist immer mit der Vorstellung von Schuld verbunden.

Dieser Zusammenhang wird seit Jahrtausenden missverstanden. Wer Sex als sinnliches Vergnügen genießt, ist deshalb kein Sünder und nicht schuldig. Ein Lehrer GOTTES sieht auch in einem solchen Menschen nichts anderes als seine vollkommene Unschuld – den CHRISTUS.

In der Situation des Betroffenen, der Sex als sinnliches Vergnügen nutzt, befinden wir uns allerdings im Ego-Denksystem. Die Wurzel dieses Denksystems ist Schuld. Wir werden uns also schuldig fühlen, weil wir uns in diesem Denksystem befinden, nicht weil GOTT uns verurteilt. ER weiß nichts von Schuld und Körper. ER kennt uns nur so, wie ER uns erschaffen hat: als vollkommenen reinen GEIST, IHM gleich.

Der Körper mit all seinen Funktionen ist an sich völlig neutral. Unsere Art zu denken, unsere Absicht, ist jedoch entweder die des reinen Geistes oder die des Egos. Entspricht sie dem Ego, enthält sie automatisch das Konzept der Schuld. Dann werden wir uns schuldig fühlen und versuchen, unsere Schuldgefühle nach außen zu projizieren. Wir beginnen, Schuld bei anderen zu sehen, und machen aus ihren Handlungen einen Beweis dafür, dass sie “Sünder“ seien.

Doch genau hier liegt die Täuschung.

Immer wenn wir glauben, einen Sünder zu sehen, befinden wir uns im Ego-Denksystem – im Glauben an Schuld und Sünde.

Der CHRISTUS, den der HEILIGE GEIST in jedem Menschen sieht, ist davon unberührt. Seine Unschuld kann durch keine Handlung des Körpers verloren gehen.

Im Kurs spricht Jesus über die Anziehungskraft von Schmerz und Vergnügen, was die Anziehungskraft des Körpers und der Welt mit einschließt - wenn man sich also im Erwachen vertieft, verflüchtigt sich das Verlangen nach allem, was in dieser Welt ist, und Freude strahlt von innen heraus! Alle scheinbaren Bedürfnisse oder Mängel sind in der göttlichen LIEBE verschwunden.

Wie der Tropfen getrennt vom Meer eine Oberflächenspannung hat, so haben wir irgendwo in unserem Unterbewusstsein diese diffuse Angst vor dem "Eindringen" oder "Verschmelzen" mit dem Göttlichen oder vor einem Beeinflusst- oder Besessenwerden von etwas oder jemand anderen, der mächtiger ist als wir. Es ist so, als würden wir auf unseren Ursprung zurückschauen und sowohl die Angst als auch gleichzeitig den Sog der Verbindung spüren, die wir nie wirklich durchtrennen können, weil wir nicht ohne unsere QUELLE leben können. Aber solange wir nicht bewusst wieder nach Hause wollen, bleibt diese Angst vor Verschmelzung in unserem Unterbewusstsein und vermischt sich mit dem Wunsch danach, wieder eins zu werden … Es ist wichtig, dass wir dies verstehen.

Tief in unserem Unterbewusstsein haben wir einerseits Angst davor, dass sich etwas unserer bemächtigt, wovon wir wissen, dass es größer, weiter und stärker ist als wir, und andererseits sehnen wir uns danach. Wir sehnen uns danach, weil das Geheimnis der LIEBE und das Geheimnis von allem, was uns erfüllen kann, Hingabe ist - die Fähigkeit, Besitz von sich ergreifen zu lassen. Diese Energie fließt in die Sexualität und nimmt dort Form an. Aus dieser Dynamik entstehen die Fantasien von benutzen und benutzt werden.

Wenn wir den Schmerz von Trennung und Mangel an Liebe mindern wollen, versuchen wir häufig, uns etwas einzuverleiben, also etwas in uns aufzunehmen, um uns zu vervollständigen. Wir wollen unserem inneren Gefühl von Leere und Einsamkeit entgegenwirken, indem wir von jemandem oder etwas Besitz ergreifen. Ist der Wunsch auf Körper gerichtet, fließt er auch in die Sexualität ein und wird zu einem Wunsch, den Körper eines anderen zu besitzen oder selbst von einem anderen Körper besessen zu werden.

Dieses Besitzenwollen wird leicht zwanghaft, da darin die Liebe fehlt und somit die Sucht vorprogrammiert ist. Die Illusion der Befriedigung ist immer schneller dahin und das Suchtobjekt muss immer besonderer, toller oder exotischer sein, um den gleichen "Kick" zu liefern. Das eigentliche Bedürfnis, welches befriedigt werden soll, ist die unbewusste Sehnsucht nach der glückseligen Einheit mit GOTT.

“Körperliche Impulse sind fehlgeleitete Wunderimpulse.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 1. 3.)

Ein Wunderimpuls ist ein Impuls, der vom Göttlichen durch unseren Geist hindurch zu allen unseren Brüdern fließt und heilsame Wirkungen hat. Ein Wunder ist eine Berichtigung für den an Trennung glaubenden Geist. Es ist die Erinnerung an die Einheit des GEISTES. Ein Wunderimpuls ist also ein Impuls, unseren Geist berichtigen zu lassen, um uns wieder an die Einheit des GEISTES und somit auch daran zu erinnern, dass nur der reine GEIST wirklich ist. Das Ego versucht, diese Impulse zu unterdrücken. Und so werden Wunderimpulse oft in körperliche Impulse umgewandelt, z.B. in Hunger oder in sexuelles Begehren. Wenn wir fehlgeleitete Wunderimpulse ausagieren, führt das zu Schuldgefühlen. Auch wenn wir diese Schuldgefühle eine Zeitlang verdrängen können, früher oder später werden sie wieder auftauchen. Wenn wir die Wunderimpulse unterdrücken, führt das zu Depression - was auch nicht viel besser ist. In der Umwandlung dieser fehlgeleiteten Impulse liegt die Lösung. Wenn wir also nur die sexuellen Impulse unterdrücken, wenn wir sie abtöten, dann zerstören wir auch den Wunderimpuls. Das ist nicht die Lösung, sondern die Lösung, die Erlösung liegt in der Transformation des Wunderimpulses - in der Transzendenz der Körperebene.

Ein Beispiel

Im Zustand der Ego-Identifikation ist die Suche nach Glück und Liebe in der Welt ganz natürlich. Es ist eine berechtigte Suche, aber die Suche an der falschen Stelle. Wenn wir die göttlichen Wunderimpulse in den Körper umlenken und sie durch Essen oder Sex zu befriedigen suchen, wird das nicht wirklich funktionieren. Wir werden zum Beispiel versuchen, unseren Mangel an Liebe durch Süßigkeiten und/oder Pornos zu stillen. Wenn uns dann auch noch etwas die "Freude" an diesen Ersatzbefriedigungen verdirbt, bleibt nur noch Leere, und diese Leere bedeutet Depression. Der Spielverderber beim Essen kann z.B. Übergewicht oder Diabetes sein, der Spielverderber beim Pornoschauen kann ein religiöses Verbot sein.

Der Verzicht auf eine Ersatzbefriedigung ohne wirkliche Alternative ist ein sehr unbefriedigender, und somit ein sehr deprimierender Prozess und bringt kein wirkliches Glück. Das “Loslassen”, das die Welt lehrt, funktioniert deshalb so schlecht, weil alles in dieser Welt dazu dient, uns von der Wahrheit abzulenken, und solange wir uns noch im Zustand der Ego-Identifikation befinden, bleibt ohne diese Ablenkung nur Leere, absolute Bedeutungslosigkeit, und das erzeugt Angst. Deshalb fällt es uns so schwer, etwas loszulassen, auch wenn es uns offensichtlich quält, weil wir Angst vor einer bedeutungslosen Welt haben.

Damit das Loslassen von Ersatzbefriedigungen funktioniert, müssen wir zunächst erkennen, dass all das, was wir meinen, loslassen zu müssen, überhaupt keinen Selbstzweck hat, sondern nur dazu dient, uns von der Bedeutungslosigkeit der Ego-Welt abzulenken. Nur wenn das Loslassen dazu dient, uns für etwas Neues, viel Besseres zu öffnen, kann es funktionieren. Erst wenn wir erkennen, dass das Ziel des Loslassens von dieser Welt die Erfahrung unserer göttlichen Wirklichkeit - also vollkommenes Glück - ist und dass das, was wir loslassen, eigentlich wertlos ist, können wir uns ernsthaft auf das Loslassen einlassen.

Erst wenn wir SEINEN Plan als die eine Funktion akzeptiert haben, die wir erfüllen möchten, dann wird es auch nichts anderes mehr geben, was der HEILIGE GEIST nicht für uns arrangieren wird, ohne dass wir uns bemühen müssen. Wenn wir gelernt haben, wie man mit GOTT entscheidet, werden alle Entscheidungen so leicht und richtig wie das Atmen. Es bedarf keiner Mühe, und wir werden so sanft geleitet, als würden wir im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen.

Übung

Nehmen wir uns vor, uns bei jedem körperlichen Impuls, denn wir spüren, zu fragen, wem wir Liebe oder ein Wunder schenken könnten. Schauen wir einfach, wer uns in den Sinn kommt. Bemühen wir uns so gut wir können, diese Liebe auch zu geben, bevor wir dem körperlichen Impuls folgen. Wenn wir z.B. meinen, Hunger zu haben, fragen wir uns, wer unsere Liebe braucht. Lauschen wir, wer uns einfällt, und treten mit dieser Person liebevoll in Kontakt. Rufen wir sie an, oder nehmen wir sie eventuell in den Arm, wenn sie anwesend ist. Bitten wir den HEILIGEN GEIST darum, wahrhaft hilfreich zu sein und sprechen wir aus, wozu uns ER inspiriert. Und gehen wir erst anschließend unserem körperlichen Impuls nach, sofern er noch vorhanden ist.

Wunderimpulse sind Liebesimpulse von GOTT durch uns zu einer anderen Person hin. Wunderimpulse wollen den Anderen - und gleichzeitig uns selbst - befreien, transformieren oder heilen. Wunder sind wahrhaft zwischenmenschlich und führen zu wirklicher Nähe zu anderen. Doch wenn wir sie persönlich nehmen, und wir sie entsprechend unserer üblichen Vorstellung von “Begegnung” deuten, werden wir eventuell glauben, dass wir uns gerade "verlieben". Oder wir werden plötzlich eine sexuelle Anziehung spüren. Wunderimpulse können also von einem noch stark Ich-bezogenen Bewusstsein als Impulse zur körperlichen Befriedigung missverstanden werden. Solange wir spirituelle Impulse von GOTT als sexuelle Impulse deuten, können wir nicht besonders hilfreich in GOTTES Plan sein.

Die GEDANKEN GOTTES singen uns das Lied der Einheit, der ewigen Verbundenheit, der Liebe ohne Besonderheit und des ewigen Friedens. Diese GEDANKEN GOTTES sind für das Ego auch dann unannehmbar, wenn sie vollständig auf den Körper projiziert werden. Wenn wir im Geist der Verbundenheit sind, im Geist der Wundergesinntheit, wenn wir Liebe empfinden, dann ist die Projektion auf den Körper sehr nahe und das Bedürfnis, jemandem körperlich nahe zu sein, zu streicheln, zu umarmen und alle Formen der Sexualität. Dann bekommt das Ego Angst vor dem einen wie vor dem anderen, denn seine Religion ist immer Besonderheit und Trennung. Das Ego kann nicht unterscheiden, woher genau diese Impulse kommen, weil es den reinen Geist nicht verstehen kann. Und so sind auch diese körperlichen Impulse etwas, was es zu kontrollieren versucht, und deshalb reagiert es in diesem Zusammenhang so schnell mit Schuld, Scham oder dem Wunsch, etwas verbergen zu wollen.

Deshalb ist es notwendig, dass wir uns zu Beginn unseres individuellen Befreiungsprozesses mit all unseren Vorstellungen von Schuld und Scham im Zusammenhang mit körperlichen Impulsen auseinandersetzen. Es gilt zu erkennen, dass Sex keine Sünde gegen GOTT ist, sondern lediglich ein fehlgeleiteter Wunderimpuls, hinter dem sich immer noch der Wunsch nach einem Wunder verbirgt. Angst vor dem Körper, mit dem das Ego sich so stark identifiziert, ergibt überhaupt keinen Sinn. Für den Prozess der Loslösung von der Angst vor dem Körper kann das, was im Westen als Tantra angeboten wird, eine wertvolle Hilfe sein. Man muss nur verstehen, dass es auf dem Weg des spirituellen Erwachens um wesentlich mehr geht.

Das Motto “Make love, not war” und die Idee der “freien Liebe” der so genannten Blumenkinder, der Hippies, war auch nur eine Fehlinterpretation der Wunderimpulse. Die moderne Version dieses Irrtums heißt Polyamorie. Doch Promiskuität führt dazu, dass wir völlig falsche Vorstellungen von der Funktion unseres Körpers entwickeln. Wir entwickeln verzehrte Ideen davon, wozu der Körper da ist. Zahllose sexuelle Kontakte sind ein Versuch durch den Körper eine Art von "Einheit mit allen" herzustellen. Dabei ist es unschwer zu erkennen, dass eine dauerhafte Einheit mit allen Kindern GOTTES nicht auf körperlicher Ebene hergestellt werden kann.

Selbstverständlich ist es kontraproduktiv, wenn wir unsere sexuellen Wünsche verleugnen oder unterdrücken, denn dann tauchen sie wahrscheinlich als Projektion auf, d. h. wir beginnen andere Menschen zu verurteilen oder zu beschuldigen. Wenn wir uns also über sexuelle Ausschweifungen aufregen, sollten wir uns einmal ernsthaft die Frage stellen, warum wir das eigentlich tun. Letztlich bringt nur eine geistige Berichtigung Erleichterung.

Alles was nicht Liebe ist, ist letztendlich Angst, daher ist auch ein fehlgeleiteter Wunderimpuls immer nur ein Ausdruck von Angst. Die Angst kann beispielsweise darin bestehen, dass wir gerade etwas vom anderen Menschen für uns wollen und fürchten, es nicht zu bekommen. Die einzig vernünftige Reaktion in diesem Fall ist es, uns sofort an IHN zu wenden und IHN zu bitten, sie durch Liebe zu ersetzen.

Sex als fehlgeleiteter Wunderimpuls entspannt nur insofern, als er möglicherweise zu Schlaf führt. Ein Wunder andererseits ist energetisierend, es erschöpft nicht. Es stärkt stets, statt zu erschöpfen. Es führt zu einer tatsächlichen Erfahrung inneren Friedens und zu Dankbarkeit, nicht zu Entspannung. Es ermöglicht sowohl dem Geber als auch dem Empfänger in einen Zustand der Gnade einzutreten.

Warum Buddha einen Mönch zu einer Prostituierten schickte

Gautama und seine Anhänger zogen ständig von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt. Wo immer er hinging, hatte er mindestens 2000 bis 3000 Mönche bei sich. Das waren alles Leute, die für ihre Speisen bettelten. Indien ist eine Kultur, in der man, wenn eine spirituelle Person an die Tür kommt und um Essen bittet, ihm zuerst etwas geben muss, selbst wenn die eigenen Kinder noch nichts gegessen haben. Als die Menschen noch so waren, waren die Dorfbewohner, wenn Gautama mit 2000 bis 3000 Mönchen in eine Stadt kam, plötzlich unter Druck. Also stellte er eine Regel auf, dass sie nie länger als drei Tage an einem Ort bleiben sollten, um die Menschen nicht zu belasten.

Nur während des Monsuns wäre es sehr schwierig gewesen, zu Fuß durch den Dschungel zu gehen, da es im nördlichen und östlichen Teil des indischen Subkontinents stark regnet. Der Weg durch den Dschungel wäre tückisch gewesen, und viele hätten ihr Leben verloren. Deshalb blieben sie in dieser Zeit in einer größeren Stadt und verteilten sich auf viele Häuser.

Tagsüber gingen die Mönche zum Almosenholen aus. Ananda Tirtha begegnete einer Kurtisane. Sie gab ihm Almosen, sah ihn an, einen großen und gut aussehenden jungen Mann, und sagte: „Ich habe gehört, dass Mönche eine Unterkunft suchen. Warum kommst du nicht und bleibst in meinem Haus?“ Ananda Tirtha sagte: „Ich muss den Buddha fragen, wo ich bleiben soll.“ Sie wurde richtig spöttisch: „Oh, du willst deinen Guru fragen? Geh und frag ihn. Mal sehen, was er sagt.“ Ananda ging zurück zu Gautama und legte ihm das, was er gesammelt hatte, zu Füßen. Jeder sollte Nahrung und Unterkunft finden, wo immer er hingeht. Also fragte Ananda: „Diese Frau lädt mich ein. Kann ich dort bleiben?“ Gautama sagte: „Wenn sie dich einlädt, musst du gehen und dort bleiben.“ Als sie das hörten, gerieten die umstehenden Bürger in Aufruhr. Sie sagten: „Was? Ein Mönch soll im Haus einer Prostituierten wohnen? Es ist vorbei damit! Dieser spirituelle Prozess ist korrupt geworden.“ Gautama sah sie an und sagte: „Warum seid ihr so besorgt? Die Dame lädt ihn ein. Lasst ihn dort bleiben. Was ist das Problem?“

Die Leute begannen sich aufzulehnen. Er sagte: „Wartet. Ich bin auf diesem Weg, weil ich sehe, dass dies die wertvollste und kraftvollste Art zu leben ist. Und jetzt willst du mir sagen, dass die Wege dieser Dame mächtiger sind als meine? Wenn das die Wahrheit wäre, sollte ich gehen und mich ihr anschließen. Als wahrhaftig Suchender sollte es so sein – wenn man etwas viel Höheres findet, sollte man sich dem anschließen.“ Die Leute waren in heller Aufregung, und natürlich gingen viele. Ananda ging zur Prostituierten und blieb bei ihr. Wegen des Regens wurde es kalt. Er trug nur ein dünnes Gewand, also gab sie ihm einen schönen Seidenumhang. Er bedeckte sich damit. Als die Leute das sahen, nahmen sie es als Beweis dafür, dass er auf Abwege geraten war. Sie kochte ein gutes Essen für ihn. Er aß. Am Abend tanzte sie für ihn. Er saß da und schaute mit größter Aufmerksamkeit zu. Als die Leute die Musik hörten, dachten sie, er sei gefallen. Die Zeit verging. Als der Regen aufhörte und es Zeit war, weiterzuziehen, kam Ananda mit einem weiblichen Mönch zu Gautama. Das ist die Kraft, die man hat, wenn man auf dem Pfad der Wahrheit ist.

Das Wunder ist einfach ein Segen für uns und den anderen, eine Erlösung, eine Befreiung, eine Heilung. Und der Körper profitiert vom Wunder, da Liebe und Dankbarkeit seine Selbstheilungskräfte stärken. Wunder transzendieren die physikalischen Gesetze von Zeit und Raum, weil sie aus der Ewigkeit kommen.

Die fälschlicherweise als sexuell erfahrene Anspannung ist das Ergebnis einer Stauung von nicht ausgedrückten Wunderimpulsen! Dem kann nur dadurch abgeholfen werden, dass blockierte Wunderimpulse freigesetzt werden. Wunderimpulse sind Liebes- und Gnadenimpulse, die dazu führen, dass Kinder GOTTES aus ihrem Traumzustand in dieser Welt befreit und erlöst werden.

PS:
Vieles von dem was Jesus Helen Schucman zum Thema Sex übermittelte, hat es aus Helens Notizbüchern nicht herausgeschafft, weil es ihr zu peinlich war, sie ihrem Kollegen, Bill Thetford, zu diktieren. Der “Circle of Atonement” hat die Notizbücher von Helen Schucman für uns alle durch die Complete and Annotated Edition des Kurses wieder zugänglich gemacht.

Krankheit

Aufgrund des falschen Verständnisses des Egos von der Ursache-Wirkung-Beziehung gibt es Heilungskonzepte wie Sand am Meer. Jeder, der von einer schweren Krankheit wie z.B. Krebs "geheilt" wurde, leitet daraus eine Methode ab und schreibt ein Buch darüber oder verkauft ein Heilungsset. Gerade Krebs ist eine beliebte Krankheit für die unterschiedlichsten Heilmethoden. Angeblich kann Krebs geheilt werden durch: Chemotherapie, Methadon, Antibiotika, heiße Bäder, Tee, Heilfasten, Scheinfasten, Dr.-Moerman-Diät, Vitamin B17 aus Aprikosenkernen, Ketogene Ernährung, zuckerfreie Ernährung, DNA-Origami, Immuntherapie, Mistelhochdosis und Mistelimpfung, Yoga, Laufen, „BG-Mun“ und durch diverse “Wunderheiler“ und Heilpraktiker. Dass diese Ursache-Wirkung-Beziehung nicht existiert, ist offensichtlich.

Nur der Geist ist ursächlich.

Auch Buddha kannte die Wahrheit:

„Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Kommt aus getrübtem Geist dein Wort und dein Betragen.
So folgt dir Unheil, wie dem Zugtier folgt der Wagen.

Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Entspringen reinem Geist dein Wort und deine Taten,
folgt das Glück dir nach, unfehlbar wie dein Schatten.“
(Dhammapada, Yamaka – Spruch-Paare, 1.&2.)

Ein gutes klinisches Beispiel hierfür sind multiple Persönlichkeiten; ein weiteres Beispiel ist Hypnose. Unter Hypnose kann einem Patienten suggeriert werden, dass er allergisch gegen die Rosen auf dem Schreibtisch ist und dass er beim Aufstehen Nesselsucht, Hautausschlag und Niesen bekommt. Anschließend wird eine Amnesie für die Suggestion erzeugt. Wenn die Person aus der Trance erwacht, beginnt sie plötzlich zu keuchen, bekommt Nesselsucht und entwickelt einen Hautausschlag. Der Körper reagiert auf das, was der Geist glaubt.

Dass immer mehr Menschen beispielsweise unter einer Glutenunverträglichkeit leiden, hat nichts mit dem vermehrten Einsatz von Weizen in unseren Nahrungsmitteln zu tun, sondern einzig und allein damit, dass unser Geist immer unverträglicher wird, und das spiegelt uns der Körper in Form dessen wider, was wir im medizinischen Kontext als Unverträglichkeit oder Allergie bezeichnen.

Die Welt versteht unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) die Unfähigkeit des Körpers, bestimmte Nahrungsbestandteile richtig zu verdauen. Viele haben sich bereits auf Unverträglichkeiten gegenüber Histamin, Gluten, Laktose und Fruktose testen lassen. Ob diese Unverträglichkeiten jedoch ein geistiges Problem sein könnten, haben sich die wenigsten je gefragt.

Denn sehen wir, es ist Angst, die verursacht, dass wir nicht in der Lage sind, das zu verdauen, was wir in den Körper hineinstecken. Was das größte Problem verursacht, ist unsere Weigerung, das, was wir zu uns genommen haben, zu verdauen. Und genauso wie Essen eine physische Substanz ist, die in den Körper genommen wird, ist jede Erfahrung, welcher Art auch immer, eine “Nahrung“, die zu der Seele herbeigerufen worden ist. Alles, was auftaucht und nicht durch uns hindurch passieren kann, durch unsere Bereitschaft, es mit LIEBE anzunehmen, es vollkommen zu fühlen, wird eine “Verdauungsstörung“ des physischen, emotionalen, mentalen und kausalen Wesens oder Körpers verursachen.

“Nur der Geist ist ursächlich” bedeutet aber noch viel mehr: Es bedeutet, dass die ganze Welt, einschließlich dessen, was die Welt Krankheit nennt, eine Projektion des Ego-Geistes ist, also eine Wirkung und nicht eine Ursache. Und es bedeutet, dass nicht ein körperlicher oder anderer äußerer Zustand unseren Geisteszustand bestimmt, sondern umgekehrt. Der Körper selbst ist nie wirklich krank, er ist ein ganz und gar neutrales Ding - völlig unabhängig davon, ob er Symptome zeigt, die die Medizin als Krankheit bezeichnet oder nicht. Es besteht kein wirklicher Unterschied zwischen einem medizinisch gesunden und einem medizinisch kranken Körper, denn der Körper an sich ist eine Illusion, eine Projektion des Egos. Krankheit ist ein Irrtum in unserem Geist, aber wir sind nicht verantwortlich für diesen Irrtum und daher auch nicht schuld an unserer Krankheit. Krankheit ist nicht persönlich. Krankheit machen wir nicht auf dieser Ebene. Das ist ein weiterer Grund, weswegen sich niemand schlecht fühlen sollte, wenn er erkrankt. Wir suchen uns beispielsweise Krebs genauso wenig hier aus, wie ein Baby eine Missbildung auf dieser Ebene wählt. Krankheit hat unser Geist auf einer höheren Ebene gemacht, und hier wird sie auf bestimmte Weise ausagiert. Deshalb können wir die Krankheit auch nicht dadurch heilen, dass wir selbst versuchen, unser Denken zu berichtigen, sondern nur dadurch, dass wir die Berichtigung (SÜHNE) durch den HEILIGEN GEIST annehmen. Dafür sind wir verantwortlich.

“Irrationales Denken ist ungeordnetes Denken. GOTT SELBST ordnet dein Denken, weil dein Denken von IHM erschaffen wurde. Schuldgefühle sind immer ein Zeichen, dass du das nicht erkennst. Sie zeigen auch, dass du glaubst, getrennt von GOTT denken zu können, und dass du das willst. Jeder ungeordnete Gedanke ist bei seiner Entstehung von Schuld begleitet und wird im weiteren Verlauf durch Schuld aufrechterhalten. Schuldgefühle sind für diejenigen unausweichlich, die glauben, sie würden ihre eigenen Gedanken ordnen, und deshalb deren Diktat gehorchen müssen. Das führt dazu, dass sie sich für ihre Irrtümer verantwortlich fühlen, und sie merken gar nicht, dass sie unverantwortlich reagieren, indem sie diese Verantwortung auf sich nehmen. Wenn die einzige Verantwortung des Wunderwirkenden die ist, die SÜHNE für sich selbst anzunehmen - und ich versichere dir, dass es so ist -, dann kann die Verantwortung für das, was die SÜHNE sühnt, nicht deine sein. Das Dilemma lässt sich nur dadurch lösen, dass du die Aufhebung als Lösung akzeptierst. Du wärest für die Folgen deines ganzen falschen Denkens verantwortlich, wenn es nicht aufgehoben werden könnte. Der Sinn und Zweck der SÜHNE ist, die Vergangenheit nur in geläuterter Form zu bewahren. Wenn du das Heilmittel für ungeordnetes Denken annimmst - ein Heilmittel, dessen Wirksamkeit über jeden Zweifel erhaben ist - wie können dann dessen Symptome bestehen bleiben?”
(EKIW: Kapitel 5, V. 7.)

Der erste Schritt am Weg der Heilung ist es zu akzeptieren, dass auch eine körperliche Krankheit eine Entscheidung des Geistes ist!

“Krankheit als eine Entscheidung des Geistes zu akzeptieren - für einen Zweck, für den dieser den Körper benutzen möchte - ist die Grundlage der Heilung. Und das gilt für Heilung in allen Formen. Ein Patient entscheidet sich, dass dies so ist, und er gesundet. Wenn er sich gegen die Gesundung entscheidet, wird er nicht geheilt.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 2. 1.-4.)

Wenn wir im Kurs zum ersten Mal lesen, dass Krankheit eine Entscheidung des Geistes ist, dann tauchen üblicherweise Widerstände auf. Warum sollte sich jemand, der bei Verstand ist, freiwillig für Krankheit entscheiden? Das tut natürlich niemand, der wahrhaftig bei Verstand ist, anders ausgedrückt, dessen Geist rechtgesinnt ist. Nur ein falschgesinnter Geist entscheidet sich für Krankheit. Das heißt, nur wenn wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, entscheiden wir uns für Krankheit. Dies ist eine Entscheidung, die auf Angst, Schuld und Trennung basiert.

Das Ego versteht die Wahrheit nicht und entwickelt daher auch völlig falsche Vorstellungen von Heilung, wenn es hört, dass Heilung ein Prozess auf der geistigen Ebene ist. Die vom Ego geförderten Irrtümer im Kontext von „geistigem Heilen“ sind:

  • Es ist wirklich etwas Schreckliches passiert, das nun geheilt werden muss (falsches Verständnis von Vergebung, siehe Kapitel “Vergebung”). Es ist der Glaube an die Illusion von Täter und Opfer. Es ist dies der Glaube, dass sich der Geist selbst angreifen kann. “Die Idee, dass der SOHN GOTTES sich selbst angreifen und schuldig machen kann, ist wahnsinnig.” (EKIW: Kapitel 13, IX. 5. 3.)
    Es geht nicht darum, einer bestimmten Person etwas zu vergeben, sondern darum, die Idee einer anderen Person an sich zu vergeben, d.h. unseren eigenen Angriffsgedanken, den diese Person repräsentiert, SEINER Berichtigung zu übergeben.
    Die wahre Befreiung von Angst (Erleuchtung, Erkenntnis) führt zu einer so großen Erleichterung, einer so immensen Entspannung, zu einem so unglaublichen Lustgefühl, dass der Mensch, der solches erlebt, zunächst einmal in ein Staunen verfällt, dass sich in einem Lachen löst, das oft als kosmisches Gelächter bezeichnet wird. Kosmisch deshalb, weil diejenigen, die davon ergriffen werden, erkannt haben, dass sie mit allem eins sind und ihnen nie etwas passiert ist. Sie haben die Illusion ihrer Begrenzungen erkannt.

  • Wir könnten die Heilung mit unserem gespaltenen Geist selbst durchführen (Thema “ungeheilte Heiler", siehe Kapitel “Spirituelle Psychotherapie”). Der ungeheilte Heiler denkt, er habe im therapeutischen Prozess die Führung und sei deshalb verantwortlich für das Ergebnis. Die Irrtümer seines Patienten wurden so zu seinem eigenen Versagen, und Schuld wird zu einem dunklen, dicken Mantel für das, was die HEILIGKEIT CHRISTI sein sollte.
    Ein wahrhaftiger Lehrer GOTTES begreift hingegen, dass er das Problem EINEM übergeben hat, DER nicht versagen kann. Jedes Mal, wenn ein Lehrer GOTTES versucht hat, ein Kanal für die Heilung zu sein, ist es ihm gelungen. Darauf muss der Lehrer GOTTES vertrauen. Das ist es, was wirklich mit der Aussage gemeint ist, dass die einzige Verantwortung des Wunderwirkenden die ist, die SÜHNE für sich selbst anzunehmen.
    Die wichtigste Regel für die geistige Heilung lautet daher wie folgt: Es geht nicht um den Patienten. Jede Heilung ist das Ergebnis irgendeiner Vergebung, und jede Vergebung löst Selbstheilung aus. In den Ergänzungen zum Kurs über die Psychotherapie heißt es: “Der Vorgang, der in dieser Beziehung stattfindet, ist einer, bei dem der Therapeut dem Patienten in seinem Herzen sagt, dass alle seine Sünden ihm vergeben sind, zusammen mit den seinen. Was könnte der Unterschied zwischen Heilung und Vergebung sein?” Die Gegenwart eines Lehrer GOTTES ist ein Gemahnen für den Patienten.
    (In Wirklichkeit gibt es nur einen Geist. Es gibt keinen Patienten. Nicht wirklich.)

  • Der entscheidende Irrtum besteht darin, zu glauben, das Hauptziel der Heilung sei die Heilung des Körpers. Doch es geht um die Heilung des Geistes, der von Trennung und von Angriff träumt. Ein geheilter Geist nimmt keine Krankheit mehr wahr, d.h. er empfindet keinen Schmerz mehr, er leidet nicht mehr, weil er erkannt hat, dass Angriff unmöglich ist. Der geheilte Geist ist der schuldlose Geist und der kann nicht leiden. Das ist das entscheidende Kriterium. Was das auf der biologischen Ebene des Körpers bedeutet, ist an sich belanglos, aber es bedeutet in der Regel auch das Verschwinden der Symptome. Wenn der Geist gesund ist, heilt der Geist den Körper, weil er geheilt worden ist.
    Noch einmal anders formuliert: Körperliche Symptome sind die Nebenwirkungen von Irrtümern (Angriffsgedanken) in unserem Geist. Es macht keinen Sinn, sich um die Nebenwirkungen zu kümmern, sondern nur um die Ursache. Wenn die Ursache beseitigt ist, dann verschwinden die Nebenwirkungen von selbst oder verursachen zumindest keinen Leidensdruck mehr.
    Es geht nicht darum, dass die scheinbare Ursache von Schmerz und Unbehagen verschwindet. Theoretisch kann ein Meister an Krebs sterben oder wie Jesus ermordet werden, ohne Schmerzen zu verspüren. Wenn unsere Schmerzen und Leiden vergangen sind, dann spielt es keine Rolle mehr, ob die illusorische Ursache des Schmerzes scheinbar noch da ist. Ohne Wirkung beziehungsweise Schmerz gibt es keine Ursache. Nicht wirklich.

  • Bei wahrer Heilung geht es immer um den Geist und nicht um den Körper, das bedeutet aber nicht, dass wir, wenn unser Körper, das Fahrzeug der Seele, einen mechanischen Defekt hat, wie z.B. ein gebrochenes Bein, diesen nicht medizinisch behandeln lassen dürfen. In solchen Fällen ist eine ärztliche Behandlung selbstverständlich sinnvoll, um den Körper weiterhin bestmöglich als Kommunikationsmittel für den HEILIGEN GEIST zum Wohle aller einsetzen zu können. Das ist nur eine Reparatur auf der Ebene der Form, aber keine Heilung im eigentlichen Sinne. Für die Heilung des Geistes ist aber die Frage interessant: Warum habe ich mir gerade in dieser Situation das Bein gebrochen?

Die heilende Wirkung jeder Therapieform hängt allein von dem Zweck ab, dem sie dient. Dieser Zweck wiederum hängt von der Metaphysik ab, auf deren Fundament sie ruht. Wenn die Grundannahmen falsch sind, kann keine Methode, egal welcher Art - auch wenn sie auf den Geist abzielt (Aufstellung, schamanische Reise, Psychotherapie, "geistiges Heilen", persönliches Channeling, ...) - zu wirklicher Heilung führen. Alles hängt von der Grundannahme über unsere Identität ab. Doch egal wie falsch und verrückt unser Weltbild auch sein mag, sobald wir an die Wirkung einer Methode glauben, werden wir uns nach deren Anwendung besser fühlen. Diese Wahrnehmung, dieses für wahr nehmen einer scheinbaren Heilung ist extrem irreführend.

Der Placebo-Effekt veranschaulicht die Macht des Geistes über den Körper. Jahrzehntelange Forschungen haben gezeigt, dass bei etwa einem Drittel der Patienten sich die Situation verbessert oder sie sich ganz erholen, wenn sie glauben, dass eine bestimmte Pille heilend wirkt. Aus diesem Grund werden viele völlig wirkungslose “Wundermittel” weiterhin gesetzeskonform verkauft, da mindestens etwa dreiunddreißig Prozent der Menschen von einer positiven Wirkung berichten. Ebenfalls leicht zu beobachten ist der “Nocebo-Effekt”, bei dem ein negatives Glaubenssystem zu negativen Auswirkungen führen kann. Das ist der Mechanismus, durch den etwa ein Drittel der Patienten Nebenwirkungen desselben Medikaments melden, von dem die positiv reagierenden Patienten gute Wirkungen berichten. Einfache Zuckerpillen führen plötzlich zu vielen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit und mehr. Dann gibt es noch ein Drittel der Patienten, die resistent sind und weder über Vorteile noch über Nebenwirkungen berichten. Daher stammt das alte Sprichwort in der klinischen Praxis, dass ein Drittel gesund wird, ein Drittel sich verschlechtert und ein Drittel unverändert bleibt, egal was der Arzt tut. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, zeigt sich die Kraft des Glaubens am dramatischsten bei der Hypnose, bei der Krankheiten oder Symptome allein durch Suggestion leicht hervorgerufen werden können.

Die meisten Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, punktuell mit den unterschiedlichsten Heilungsansätzen eine "Lösung" für ihre Probleme zu suchen und diese auch scheinbar kurzfristig zu finden, ohne dass sich in ihrem Leben etwas grundlegend ändert. Doch diese Menschen sind nicht wirklich geheilt und so wird das nächste Problem nicht lange auf sich warten lassen. Jede therapeutische Methode, die die Heilung des Körpers zum Ziel hat, auch wenn es sich um eine geistige Methode handelt, dient nicht dem einzig wahren Zweck - der Erlösung von der Illusion der Trennung - und kann daher nicht zu wahrer Heilung führen. Solange der Körper das Ziel ist, bedeutet dies eine Bestätigung der Illusion der Trennung.

Was die Welt als therapeutisch wahrnimmt, ist nur etwas, was den Körper "besser" macht. Es handelt sich dabei lediglich um einen armseligen Tausch eines Traums von Krankheit gegen einen „schöneren“ Traum von Gesundheit. Wenn die Welt versucht, den Geist zu heilen, dann sieht sie diesen nicht getrennt vom Körper, in dem der Geist, so denkt sie, existiert. Ihre Formen der Heilung müssen daher Illusion durch Illusion ersetzen. Der Glaube des Patienten an die Krankheit nimmt eine andere Form an, und so betrachtet er sich nunmehr als gesund. Doch er ist nicht geheilt, denn er ist nicht aus dem Traum erwacht, und deshalb bleibt sein Geist genauso, wie er vorher war. Er sah das Licht nicht, das ihn wecken und den Traum beenden würde. Welchen Unterschied macht der Inhalt eines Traumes in Wirklichkeit? Entweder schläft man, oder man ist wach. Dazwischen gibt es nichts.

“Entweder entrinnst du dem Elend ganz oder gar nicht.”
(EKIW: Kapitel 22, II. 7. 6.)

Ob ein Mensch einen Splitter im Fuß hat, an den Folgen eines Unfalls leidet, Krebs oder Aids hat, ist nicht von Belang, denn es gibt keine Hierarchie der Illusionen und Krankheit hat nichts mit dem Körper zu tun. Der schlichte Glaube, ein Körper zu sein, ist die Geisteskrankheit, unter der wir alle leiden, ganz gleich, ob unser Körper normal und gesund ist und perfekt funktioniert oder kurz vor dem Zusammenbrechen ist. Und doch ist es oft gerade das, was die Welt als Krankheit bezeichnet, das uns zwingt, tiefer zu gehen und unser bisheriges Leben in Frage zu stellen.

“Wenn das Ego dich zur Krankheit verleitet, dann bitte den HEILIGEN GEIST nicht darum, dass ER den Körper heile, denn dadurch würdest du lediglich den Glauben des Ego akzeptieren, dass der Körper das geeignete Ziel für die Heilung ist. Bitte den HEILIGEN GEIST vielmehr darum, dass ER dich die richtige Wahrnehmung des Körpers lehre, denn allein die Wahrnehmung kann verzerrt sein. Nur die Wahrnehmung kann krank sein, weil nur die Wahrnehmung falsch sein kann.”
(EKIW: Kapitel 8, IX. 1. 5.-7.)

Es geht bei Heilung nie um die Heilung des Körpers. Es geht um die Heilung des schlafenden Geistes. Heilung ergibt sich daraus, dass der Körper einzig und allein zur Kommunikation eingesetzt wird. Da das natürlich ist, heilt es dadurch, dass es ganz macht, was auch natürlich ist. Jeder Geist ist ganz, und der Glaube, ein Teil davon sei physisch oder nicht Geist, ist eine fragmentierte oder krankhafte Deutung.

"Wann immer du versuchst, ein Ziel zu erreichen, bei welchem die Verbesserung des Körpers zum Hauptnutznießer wird, versuchst du, deinen Tod herbeizuführen. Dann glaubst du nämlich, dass du Mangel leiden kannst, und Mangel ist Tod."
(EKIW: Kapitel 29, VII. 4. 1.&2.)

Achtung Ego-Falle

Auch das Wissen über die geistige Dimension von Krankheit wird vom Ego missbraucht, weil es die Wahrheit nicht versteht. Das Ego benutzt es dazu medizinische Behandlungen, die durchaus sinnvoll wären, abzulehnen und zu verteufeln. Unser Leben hat ein Zentrum und eine Peripherie. Zielt man direkt auf das Zentrum, wird die Peripherie folgen - sie muss einfach folgen, es gibt keinen anderen Weg. Die Peripherie verändern zu wollen, kann nur Flickwerk sein: Wir verändern ein einziges Bruchstück, und neunundneunzig Bruchstücke bleiben wie zuvor; und wenn wir uns dann das nächste Bruchstück vornehmen, werden diese neunundneunzig anderen das eine wieder zurückverändern - alles wird sein wie gehabt. Wir können die äußeren Dinge verändern, aber tief drinnen wird selbst die Veränderung noch dem gleichen Muster folgen. Das Muster muss mit der Wurzel ausgerissen und transformiert werden. Darum ist es so wichtig, am Zentrum - dem Verlangen unseres Geistes - anzusetzen. Aber damit ist nicht gesagt, dass wir, wenn wir noch nicht am Zentrum ansetzen können, nichts an der Oberfläche tun sollten. Wenn wir noch nicht am Zentrum ansetzen können, dann macht es durchaus Sinn, einmal an der Oberfläche anzusetzen. Das heißt, wenn wir noch nicht bereit sind für einen tiefgreifenden spirituellen Transformationsprozess, ist es durchaus sinnvoll, auf Krankheit mit medizinischer Behandlung zu reagieren. Etwas ist besser als gar nichts.

Was passiert, wenn das Ego versucht, Wunder zu wirken, hat in Österreich der Fall Olivia Pilhar aufgezeigt. Die Flucht einer Familie vor der Krebsbehandlung ihrer Tochter machte “Wunderheiler” Ryke Geerd Hamer und seine “Germanische Neue Medizin” bekannt. Allein die Bezeichnung zeigt uns, dass dieses Konzept vom Ego dominiert ist. Der Zustand des Mädchens wurde zusehends schlechter, der Tumor hatte bereits die Größe eines Fußballs, als sich die Eltern schließlich widerstrebend überreden ließen, nach Wien zurückzukehren. In Österreich angekommen, dauerte es nicht lange, bis das Kind schulmedizinisch therapiert wurde -, mit Operation und Chemotherapie. Eine Behandlung, die funktioniert hatte - heute gilt Olivia als medizinisch geheilt. Das sagt natürlich noch nichts über den Zustand der Heilung ihres Geistes aus, aber Olivia könnte sich ohne die Hilfe der Schulmedizin nicht mehr weiter um die Heilung ihres Geistes kümmern.

Jesus bezieht sich im Kurs auch auf die Anwendung von Medizin - er nennt es Magie:

“Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

“Wer ist der Arzt? Nur der Geist des Patienten selbst. Das Ergebnis ist das, wovon er entscheidet, dass es das Ergebnis sein soll. Besondere Mittel scheinen ihm zu helfen, aber sie geben nur seiner eigenen Wahl eine Form. Er wählt sie, um sein Verlangen in eine greifbare Form zu bringen. Und nur das tun sie und nichts anderes. Sie werden eigentlich überhaupt nicht gebraucht.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 2. 5.-11.)

Die Ichbezogenheit des ungeheilten Heilers und die Angst der Eltern sind in der erwähnten Geschichte Teil der eigentlichen Krankheit. Ungeheilten Heilern geht es nicht um Heilung, sondern um Machtausübung. Sie nutzen ihre Energie, um andere zu beherrschen. Es geht ihnen nicht um die Heilung des Geistes und somit um die Befreiung ihrer Klienten aus jedweder Abhängigkeit, sondern um das Gegenteil. Ihr Selbstbild ist von ihren Klienten abhängig. Sie setzen ihre Fähigkeiten im Umgang mit Energien ein, um daraus Kapital zu schlagen. Ein wahrer Heiler hingegen will die Freiheit seiner Klienten und erinnert sie daher immer daran, dass sie die gleichen Fähigkeiten besitzen wie er. Darum sagte Jesus einst: “Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.” Ein wahrer Meister empfängt die LIEBE und die Dankbarkeit, die von jenen dargebracht wird, die von seinen Lehren berührt worden sind, und gibt das alles an GOTT weiter, in der Erkenntnis, dass von ihm selbst aus diese Dinge nicht hätten getan werden können. Jesus sagte daher einst: “Wenn eure Rechte etwas tut, lasst die Linke nichts davon wissen.”

Bruno Gröning

Bruno Gröning war ein Heiler, der immer wieder darauf hinwies, dass die heilende Kraft von Gott kommt. In einem Vortrag am 30. August 1958 beschrieb Gröning, dass er sich missverstanden fühle, er nie Krankheiten behandle und auch nie davon abrate, einen Arzt zu konsultieren. Vielmehr versuche er die Wahrheit zu verbreiten, dass nur Menschen sich selbst “zu ihrem Heil“ bewegen könnten. Bruno Gröning hat die Menschen nie nach ihren Krankheiten gefragt, denn es ging ihm nicht darum, sondern lediglich um den Glauben. Und er hat die Menschen noch auf etwas ganz Wesentliches hingewiesen: Wenn sie zum Arzt gehen, müssen sie auch an diesen glauben und ihm vertrauen, denn sonst kann es nicht wirken. Was seine Freunde und Nachfolger später daraus machten, ist eine andere Sache. Eine Gruppe beschloss, alle Passagen aus Grönings Vorträgen zu streichen, in denen er sich zu Christus und seiner Lehre bekannte. Das hat jedoch nichts mit Bruno Gröning selbst zu tun. Bruno Gröning war ein einfacher Mann, der sich weder für Geld noch für persönliche Anerkennung interessierte. Er wollte die Menschen an Gott erinnern, und die körperlichen Heilungen waren für ihn ein Symbol dafür, dass Heilung auf allen Ebenen durch Gott möglich ist. Nur der bayerische Ministerpräsident hatte von offizieller Seite die Tätigkeit Bruno Grönings für kurze Zeit richtig verstanden:

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(Bruno Gröning im Originalton)

“Die einfache Gegenwart eines Lehrers GOTTES ist ein Gemahnen. Seine Gedanken bitten um das Recht, das zu hinterfragen, was der Patient als wahr akzeptiert hat. Als GOTTES Boten sind SEINE Lehrer die Symbole der Erlösung. Sie bitten den Patienten um Vergebung für GOTTES SOHN in seinem eigenen NAMEN. Sie stehen für die ALTERNATIVE. Segnend kommen sie mit GOTTES WORT in ihrem Geist, nicht um die Kranken zu heilen, sondern um sie an das Heilmittel zu erinnern, das GOTT ihnen bereits gegeben hat. Es sind nicht ihre Hände, die heilen. Es ist nicht ihre Stimme, die das WORT GOTTES spricht. Sie geben nur, was ihnen gegeben wurde. Ganz sanft rufen sie ihren Brüdern zu, sich vom Tode abzuwenden: »Siehe, du SOHN GOTTES, was das Leben dir anbieten kann! Möchtest du stattdessen Krankheit wählen?«
Kein einziges Mal betrachten die fortgeschrittenen Lehrer GOTTES die Formen von Krankheit, an die ihr Bruder glaubt.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER 5. III. 2. & 3. 1.)

P.S.:
Im Zusammenhang mit Bruno Gröning taucht natürlich immer wieder die Frage auf, warum er letztendlich selbst an Magenkrebs erkrankt und frühzeitig verstorben ist. Aus heutiger Sicht erscheint mir das folgende Szenario am wahrscheinlichsten: Bruno Gröning stellte sich wahrhaftig als Bote GOTTES zur Verfügung und erinnerte viele Kranke an das Heilmittel, das GOTT ihnen bereits gegeben hatte. Sein eigener Geist war jedoch noch nicht vollständig geheilt und erleuchtet. Sein Bewusstsein war noch immer mit der Figur Bruno Gröning identifiziert, weshalb er die Angriffe auf diese Person persönlich nahm. Er fühlte sich angegriffen und machte damit Trennung für sich wahr. Durch seinen Glauben an Angriff griff er seine eigene Unverletzlichkeit an und wurde krank. Für seine eigene Heilung hätte er einen spirituellen Lehrer gebraucht, der ihn an die Illusion von Angriff erinnert hätte. Doch zu seiner Zeit und in seiner Umgebung war er ein Lichtblick in einer vom Ego-Denksystem regierten Welt.

“Es hat viele Heiler gegeben, die sich selbst nicht heilten. Sie haben durch ihren Glauben keine Berge versetzt, weil ihr Glaube nicht ganz war. Einige von ihnen haben hin und wieder Kranke geheilt, aber sie haben die Toten nicht auferweckt.”
(EKIW: Kapitel 5, VII. 2. 1.-3.)

Für Bruno Gröning gilt, was für jede Seele auf ihrem spirituellen Weg gilt: Die spirituelle Entwicklung selbst kann karmische Muster sowohl aus dem individuellen als auch aus dem kollektiven Unbewussten hervorbringen. Daher kann spirituelle Arbeit paradoxerweise verdrängte Muster zum Vorschein bringen. Dies ist charakteristisch für die Lebensgeschichten von Mystikern, die häufig Krankheitsphasen durchliefen.

Der unheilige Zweck von Krankheit

“Alle Formen von Krankheit, sogar bis zum Tod hin, sind körperliche Äußerungen der Angst vor dem Erwachen. Sie sind ein Versuch, den Schlaf aus Angst vor dem Erwachen zu verstärken. Das ist ein kläglicher Versuch, nicht zu sehen, indem man die Sehfähigkeiten unwirksam macht. »Ruhe in Frieden« ist ein Segen für die Lebenden, nicht für die Toten, weil Ruhe vom Wachsein kommt, nicht vom Schlafen. Schlaf ist Rückzug; Wachsein ist Verbindung.”
(EKIW: Kapitel 9, IX. 3. 2.-6.)

Wenn unser Selbstbild so erschüttert wird, dass in unserem Geist ein für uns unlösbar erscheinender Konflikt entsteht, entscheiden wir uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden, in der Hoffnung, den Konflikt auf die Ebene des Körpers begrenzen zu können, ohne uns mit unserem Konflikt im Geist auseinandersetzen zu müssen. Die Welt wurde vom Ego als Abwehr gegen die Wahrheit gemacht, und die Vorstellung von körperlicher Krankheit ist ein Aspekt davon. Es ist der Geist, der krank ist, wenn er glaubt, dass der Körper krank sein könnte.

Und so benutzt der mit dem Ego identifizierte Geist Krankheit dazu, um die Illusion der Trennung noch zu verstärken. Krankheit ist wie eine Erlaubnis, uns zurückzuziehen und einen Abstand zwischen uns und anderen herzustellen. Genau wie es das Ego mag. Die Corona-Pandemie hat uns dies eindrucksvoll vor Augen geführt.

Es ist ein "Gesetz der Welt ": Wenn wir krank sind, dürfen wir weggehen oder wegbleiben. Der kranke Körper erlaubt uns eine Pause von der Arbeit, der intensiven Beziehung, der unangenehmen Aufgabe. Doch können wir eine reifere Strategie finden, um uns aus Situationen hinaus zu bewegen, in denen wir nicht mehr sein wollen. Wir können lernen, Situation durch Wunder zu transformieren. Wir können mutig werden, unsere Wahrheit zu kommunizieren, statt Krankheit vorzuschieben. Wenn wir aufhören, unseren Körper als Ausrede zu benutzen, können wir uns dem Licht und der Liebe zuwenden. Wir sind der unschuldige SOHN GOTTES. Wir sind kein Körper, wir sind frei.

Das Ego benutzt Krankheit für verschiedene Zwecke und somit auch als Strafe. Das Ego ist der Glaube an Schuld, und der Glaube an Schuld ist immer mit dem Glauben an Strafe verbunden.

“Der schuldlose Geist kann nicht leiden. Da er gesund ist, heilt der Geist den Körper, weil er geheilt worden ist. Der gesunde Geist kann sich Krankheit nicht vorstellen, weil er sich nicht vorstellen kann, irgend jemanden oder irgend etwas anzugreifen. Ich habe schon gesagt, dass Krankheit eine Form von Magie ist. Vielleicht sollte man besser sagen, dass sie eine Form von magischer Lösung ist. Das Ego glaubt, dass es GOTTES Bestrafung mildern kann, wenn es sich selbst bestraft. Doch sogar darin ist es arrogant. Es unterstellt GOTT eine strafende Intention und macht dann diese Intention zu seinem eigenen Vorrecht. Es versucht, alle Funktionen GOTTES zu usurpieren, so wie es sie wahrnimmt, weil es begreift, dass nur einer totalen Treue zu trauen ist.”
(EKIW: Kapitel 5, V. 5.)

Wann immer es Krankheit zu geben scheint, können wir das als Geschenk sehen, das uns signalisiert, dass es einen Konflikt in unserem Geist gibt. Wir können also dem Körper dafür danken, dass er ein so klarer Zeuge für unseren Geisteszustand ist. Wenn spirituelles Erwachen unser Ziel ist und wir uns SEINER Führung unterstellen, dann ist alles und so auch eine Krankheit hilfreich auf unserem Weg, aber wir sollten die Krankheit auch nicht verklären und uns nicht mit ihr identifizieren. Krankheit ist eine Abwehr gegen die Wahrheit. Wie alle Abwehrmechanismen ist sie eine wahnsinnige Einrichtung zur Selbsttäuschung. Wenn Krankheit da ist, glauben wir immer noch, wir bräuchten Schmerz für unsere Heilung, wir glauben immer noch, die Heilung liege in der Zukunft. Alles was passiert ist, was wir glauben, dass es unser Wille ist. Wir müssen erkennen, dass das überhaupt keinen Sinn ergibt, was wir glauben, ganz im Gegenteil, es ist Wahnsinn zu glauben, uns wehtun zu müssen. Das kann nicht unser wahrer Wille sein, unser wahrer Wille ist der WILLE GOTTES und GOTTES WILLE für uns ist vollkommenes Glück. Wenn wir erkennen, dass Schuld und Krankheit, Schmerz, Unglück und alles Leiden keinen Zweck haben, sind sie vergangen.

Im Zusammenhang mit Krankheit taucht immer wieder die Schuldfrage auf und in diesem Zusammenhang häufig auch die Frage: Sind Kinder für ihre Krankheit verantwortlich? Dabei ist zu verstehen, dass die Inkarnation in einem Körper an sich bereits Ausdruck von Krankheit ist. Die Identifikation mit einem Körper ist die Abwehr gegen die Wahrheit. Der Zustand, in dem wir unsere Wirklichkeit als reiner göttlicher Geist nicht mehr wahrnehmen, ist bereits Krankheit.

Krankheit ist nicht persönlich. Krankheit machen wir nicht auf dieser Ebene. Wir suchen uns beispielsweise Krebs genauso wenig hier aus, wie ein Baby eine Missbildung auf dieser Ebene wählt. Krankheit hat unser Geist auf einer höheren Ebene gemacht, und hier wird sie auf bestimmte Weise ausagiert.

Noch viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass "kranke Kinder" nur in unserer Wahrnehmung existieren. Es ist unser kranker, gespaltener Geist - in der Identifikation mit dem Ego-Denksystem - der Krieg, Hass, Missbrauch und kranke Kinder macht.

”Meine Gedanken sind Bilder, die ich gemacht habe.”
(EKIW: Lektion 15)

“Du hast die Welt versklavt mit allen deinen Ängsten, mit deinen Zweifeln, deinem Elend, deinem Schmerz und deinen Tränen; und all dein Kummer lastet auf ihr und macht sie weiter zur Gefangenen deiner Überzeugungen. Und überall trifft sie der Tod, weil du die bitteren Gedanken des Todes in deinem Geiste hältst.”
(EKIW: Lektion 132, 3. 4.-5.)

“Welchen TRÖSTER kann es für die kranken Kinder GOTTES geben außer SEINER Macht, die durch dich wirkt? Erinnere dich: Es spielt keine Rolle, wo in der SOHNSCHAFT ER angenommen wird. ER wird immer für alle angenommen, und wenn dein Geist IHN empfängt, erwacht die Erinnerung an IHN überall in der SOHNSCHAFT. Heile deine Brüder einfach dadurch, dass du GOTT für sie annimmst. Euer Geist ist nicht voneinander getrennt, und GOTT hat nur einen Kanal für die Heilung, weil ER nur einen SOHN hat. Die KOMMUNIKATIONSVERBINDUNG, die zwischen GOTT und allen SEINEN Kindern weiterhin besteht, verbindet sie miteinander und mit IHM. Sich dessen bewusst zu sein heißt, sie zu heilen, weil es das Gewahrsein ist, dass niemand getrennt und deshalb niemand krank ist.”
(EKIW: Kapitel 10, III. 2.)

"Die Stärke GOTTES in dir ist das Licht, in dem du siehst, so wie es auch SEIN GEIST ist, mit dem du denkst. SEINE Stärke leugnet deine Schwäche. Eben deine Schwäche ist es, die durch des Körpers Augen schaut und in der Dunkelheit umherspäht, um ihr Ebenbild zu sehen: die Kleinen, Schwachen, die Kränkelnden und Sterbenden, die Bedürftigen, Hilflosen und Furchtsamen, die Traurigen, die Armen, die Hungernden und Freudlosen. Diese werden durch Augen gesehen, die nicht sehen und nicht segnen können.

Die Stärke übersieht diese Dinge, indem sie über die Erscheinungen hinausblickt. Sie hält ihren steten Blick auf das Licht gerichtet, das hinter ihnen liegt. Sie vereint sich mit dem Licht, von dem sie ein Teil ist. Sie sieht sich selbst. Sie bringt das Licht, in dem dein SELBST erscheint. In der Dunkelheit nimmst du ein Selbst wahr, das es nicht gibt. Stärke ist die Wahrheit über dich; Schwäche ist ein Götze, der fälschlich verehrt und angebetet wird, um die Stärke zu vertreiben und Dunkelheit dort herrschen zu lassen, wo GOTT bestimmte, dass Licht sein sollte."
(EKIW: Lektion 92, 3.-4.)

Wenn der Gedanke der Trennung in den Gedanken der wahren Vergebung umgewandelt worden ist, wird die Welt in einem ganz anderen Licht gesehen werden - in einem Licht, das zur Wahrheit führt, wo die ganze Welt mit all ihren Irrtümern - Krieg, Hass, Missbrauch, kranke Kinder - verschwinden wird.

“Gesundheit wird als natürlicher Zustand von allem gesehen, wenn die Deutung dem HEILIGEN GEIST überlassen wird, DER keinen Angriff auf irgend etwas wahrnimmt."
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 9. 8.)

Außerdem weist die Frage nach der Schuld von Krankheit auf eine Vermischung des egoischen Gedankensystems mit dem des reinen Geistes hin. Diese Denksysteme haben aber nichts gemeinsam. Wenn wir hier das Thema Krankheit aus spiritueller Sicht betrachten, dürfen wir es nicht mit dem Gedanken der Schuld vermischen. Der reine Geist kennt keine Schuld. Das Drehbuch ist geschrieben. Wir sehen uns eine Geschichte an, die bereits geschehen ist, also kann es keine Schuld geben.

Das Ego unterteilt Krankheiten in verschiedene Kategorien wie organische, psychosomatische und psychische Krankheiten. Eine Einteilung, die viel Leid verursacht, weil es diese Unterscheidung nicht gibt. Hinter allem, also auch hinter jeder organischen Krankheit und auch hinter jedem Unfall, steht eine geistige Entsprechung mit all ihren psychischen Auswirkungen. In Wahrheit ist die Welt an sich eine Geisteskrankheit, eine dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung). 8 Milliarden Identitäten verfügen scheinbar über eigene Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wahrnehmungs- und Denkmuster. Gleichzeitig leiden wir an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als Folge der scheinbaren Trennung von GOTT und Demenz (lat. Demens „ohne Geist“), weil wir vergessen haben, wer wir in Wirklichkeit sind.

“Das, was dein SELBST ist, bleibt dem Teil von dir fremd, der denkt, er sei wirklich, aber anders als du. Wer könnte unter solchen Umständen geistig gesund sein? Wer sonst als ein Verrückter könnte glauben, dass er ist, was er nicht ist, und gegen sich selbst urteilen?”
(EKIW: Lektion 160, 1. 4.-6.)

“Psychosomatik”

Ein zentraler Aspekt des Ego-Denksystems ist Fragmentierung. So finden wir diese Art des Denkens auch in der Medizin bei der Unterscheidung zwischen organischen und psychosomatischen Erkrankungen. “Psychosomatisch” beschreibt die enge Wechselwirkung zwischen Seele (Psyche) und Körper (Soma). Warum dieser Zusammenhang jedoch nur bei einem Teil von Krankheiten gelten soll, entzieht sich jeder Vernunft.

Die moderne Medizin betrachtet nur das Symptom und kategorisiert die Symptome nach der Art der Behandlung, aber sie beschäftigt sich nicht grundsätzlich mit der Entstehung der Symptome. Deshalb spricht sie von einer organischen Krankheit, wenn das Symptom beseitigt werden kann, und nur wenn das Symptom nicht direkt beseitigt werden kann, spricht sie von einer psychosomatischen Krankheit. Das bedeutet, dass jemand, dessen Symptome medizinisch behandelt werden können, als psychisch/seelich gesund gilt, während jemand, dessen Symptome nicht behandelt werden können, als psychisch/seelisch krank gilt. Hinter der Diagnose Psychosomatik steht immer die Vorstellung, dass der Betroffene sich alles nur einbildet und keine wirkliche Krankheit hat. Diese Kategorisierung bedeutet auch, dass ein sogenannter organisch Kranker als Opfer der Krankheit angesehen wird, während ein psychosomatisch Kranker als jemand angesehen wird, der mehr oder weniger selbst schuld an seiner Erkrankung ist.

Die Klassifizierung einer Erkrankung als organisch oder psychosomatisch hängt - aufgrund der verrückten Betrachtungsweise - vom Entwicklungsstand der Medizin ab. Der Umgang mit Patienten, die an diesen scheinbar zwei Arten von Krankheiten leiden, ist allerdings sehr unterschiedlich. Menschen mit einer als organisch anerkannten Krankheit erfahren viel Unterstützung von der Gesellschaft. So werden beispielsweise rosa Schleifen als internationales Symbol für Brustkrebs-Sensibilisierung und Solidarität mit Betroffenen getragen und rote Schleifen stehen für die Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken. Oder es wird Aufmerksamkeit erzeugt, um weltweit Spendengelder für die Erforschung und Bekämpfung von ALS zu sammeln, indem man sich im Rahmen der Ice Bucket Challenge Eiswasser über den Kopf schüttet. Psychosomatische Erkrankungen werden hingegen oft von offizieller Seite nicht ernst genommen, während im privaten Umfeld viele als Psychologen oder Heiler auftreten.

Das ist ein Dilemma, unter dem viele Menschen mit sogenannten psychosomatischen Erkrankungen extrem leiden. ME/CFS zum Beispiel ist eine dieser Erkrankungen, bei der sich die Betroffenen massiv gegen die Einordnung in den psychosomatischen Bereich wehren, um überhaupt ernst genommen zu werden, sich damit aber gleichzeitig auch der möglichen Heilung verschließen. Viele von ihnen vegetieren in verschlossenen Zimmern vor sich hin und lassen nicht einmal mehr ihre nächsten Angehörigen an sich heran. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Teufelskreis, der ohne Verständnis für die spirituelle Dimension kaum mehr zu durchbrechen ist.

“[...] Krankheit ist ein Rückzug von anderen und ein Sichverschließen vor der Verbindung. Sie wird zu einer Tür, die hinter einem separaten Selbst zufällt und es isoliert hält und allein.
Krankheit ist Isolation. Denn sie scheint ein Selbst von allen andern getrennt zu halten, um zu erleiden, was die anderen nicht fühlen. Sie gibt dem Körper die endgültige Macht, der Trennung Wirklichkeit zu verleihen und den Geist in Einzelhaft zu lassen, abgespalten und in Stücken gehalten durch eine massive Mauer erkrankten Fleisches, die er nicht überwinden kann.
[...]
Diejenigen, die geheilt sind, werden zu den Werkzeugen der Heilung. Und keine Zeit vergeht zwischen dem Augenblick, in dem sie geheilt werden, und der ganzen Gnade der Heilung, die zu schenken ihnen gegeben ist. Was GOTT entgegengesetzt ist, das existiert nicht, und wer es nicht in seinen Geist annimmt, der wird zu einem Hafen, wo die Erschöpften bleiben können, um zu rasten. Denn hier wird Wahrheit zuteil, und hier werden alle Illusionen der Wahrheit überbracht.”
(EKIW: Lektion 137, Auszug)

Es ist wichtig zu verstehen, dass Symptome immer organisch sind, da sie den Organismus betreffen. Die Ursache ist hingegen immer geistig, da nur der Geist ursächlich ist. Das Wort „organisch“ leitet sich vom lateinischen „organicus“ ab und bedeutet „als Werkzeug dienend“‚ „wirksam“, „praktisch“. Der HEILIGE GEIST deutet den Körper nur als Werkzeug zur Kommunikation. Und so ist gerade eine so genannte psychosomatische Krankheit eine unschätzbare Gelegenheit, sich mit der Heilung des Geistes auseinanderzusetzen, um aus der Opferrolle zu erwachen und den Körper nur noch im Sinne des HEILIGEN GEISTES zu verwenden.

Das Wichtigste beim Thema Krankheit ist zu verstehen:
Es ist der Geist, der krank ist, wenn er glaubt, dass der Körper krank sein könnte.

“Krankheit ist eine Forderung, dass der Körper etwas sei, das er nicht ist. Seine Nichtigkeit verbürgt, dass er nicht krank sein kann. In deiner Forderung, er solle mehr als das sein, liegt die Idee der Krankheit.”
(EKIW: Kapitel 29, III. 8. 1.-3.)

Wir sind nur abhängig von Ego-Gedanken oder Überzeugungen, wenn wir bewusst oder unbewusst sagen, dass sie auf uns zutreffen. Daher ist es wichtig, damit aufzuhören, einer körperlichen Störung einen Namen zu geben - sie zu etikettieren. Ein Etikett ist ein ganzes Bündel an Gedanken (Konzept). Es gilt, sich dem hinzugeben, was gerade gefühlt wird, was die Sinneseindrücke selbst sind. Wir können keine Krankheit fühlen, eine Erkrankung ist ein abstraktes Konzept, das im Geist festgehalten wird. Wir können z.B Asthma nicht fühlen. Es ist hilfreich zu fragen: Was fühle ich gerade? Beobachten wir einfach nur den körperlichen Eindruck, wie zum Beispiel Enge in der Brust, pfeifendes Atmen, Husten. Es ist beispielsweise nicht möglich, den Gedanken, ich bekomme nicht genügend Luft, zu erfahren. Das ist ein ängstlicher Gedanke im Geist, es ist ein Konzept, das Asthma genannt wird. Was tatsächlich erfahren wird, ist eine Spannung oder eine Einengung im Rachen oder in der Brust. Sobald wir aber das Wort “Asthma” benutzen, um unsere Erfahrung zu bezeichnen, identifizieren wir uns mit dem gesamten Konzept. Sogar das Wort Schmerz ist ein Konzept. In Wirklichkeit fühlen wir eine spezielle Körperempfindung. Der Prozess der Heilung vollzieht sich schneller, wenn wir das Etikettieren oder Namen geben, von verschiedenen körperlichen Empfindungen, loslassen.

"WIE WIRD HEILUNG VOLLBRACHT?

Heilung geht mit einem Verständnis dessen einher, wofür die Illusion der Krankheit da ist. Heilung ist ohne dies unmöglich.

Der wahrgenommene Zweck von Krankheit

Heilung wird in dem Augenblick vollbracht, in dem der Leidende keinerlei Wert mehr im Schmerz sieht. Wer würde Leiden wählen, wenn er nicht dächte, dass es ihm etwas bringt, und zwar etwas, das für ihn einen Wert hat? Er muss denken, dass es ein geringer Preis ist, der da zu zahlen ist für etwas von größerem Wert. Denn Krankheit ist eine Wahl, eine Entscheidung. [...]

Der Wechsel in der Wahrnehmung

Heilung muss genau in dem Verhältnis geschehen, in dem die Wertlosigkeit der Krankheit begriffen wird. Jemand braucht nur zu sagen: »Darin liegt für mich überhaupt kein Gewinn«, und er ist geheilt. Aber um dies zu sagen, muss man zuerst gewisse Tatsachen begreifen. Erstens ist es offensichtlich, dass Entscheidungen vom Geist sind, nicht vom Körper. Wenn Krankheit nur ein fehlerhafter Ansatz zur Problemlösung ist, dann ist sie eine Entscheidung. Und wenn sie eine Entscheidung ist, ist es der Geist und nicht der Körper, der sie trifft. Der Widerstand gegen diese Einsicht ist gewaltig, weil die Existenz der Welt, wie du sie wahrnimmst, davon abhängt, dass der Körper derjenige ist, der die Entscheidung trifft. [...]

Krankheit als eine Entscheidung des Geistes zu akzeptieren – für einen Zweck, für den dieser den Körper benutzen möchte – ist die Grundlage der Heilung. Und das gilt für Heilung in allen Formen. Ein Patient entscheidet sich, dass dies so ist, und er gesundet. Wenn er sich gegen die Gesundung entscheidet, wird er nicht geheilt. Wer ist der Arzt? Nur der Geist des Patienten selbst. Das Ergebnis ist das, wovon er entscheidet, dass es das Ergebnis sein soll. Besondere Mittel scheinen ihm zu helfen, aber sie geben nur seiner eigenen Wahl eine Form. Er wählt sie, um sein Verlangen in eine greifbare Form zu bringen. Und nur das tun sie und nichts anderes. Sie werden eigentlich überhaupt nicht gebraucht. Der Patient könnte einfach ohne ihre Hilfe aufstehen und sagen: »Ich brauche das nicht.« Es gibt keine Form von Krankheit, die nicht sofort geheilt wäre.

Was ist das einzige Erfordernis für diesen Wechsel in der Wahrnehmung? Es ist einfach dies: die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat. Was »kostet« diese Einsicht? Sie kostet die ganze Welt, die du siehst, denn die Welt wird nie wieder so erscheinen, als beherrsche sie den Geist. Denn mit dieser Einsicht wird die Verantwortung dem gegeben, wo sie hingehört, nicht der Welt, sondern ihm, der auf die Welt schaut und sie sieht, wie sie nicht ist. Er schaut auf das, was er zu sehen wählt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Welt tut ihm nichts. Er dachte nur, sie täte es. Auch tut er der Welt nichts, weil er sich in dem irrte, was sie ist. Hierin liegt die Befreiung sowohl von Schuld als auch von Krankheit, denn sie sind eins. Doch um diese Befreiung anzunehmen, muss die Belanglosigkeit des Körpers eine annehmbare Idee sein.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. bis II. 3.)

“Das Beispiel der Heilung

Die einzige Art und Weise zu heilen ist die, geheilt zu werden. Das Wunder dehnt sich ohne deine Hilfe aus, doch du wirst gebraucht, damit es beginnen kann. Nimm das Wunder der Heilung an, und es wird aufgrund dessen, was es ist, hinausgehen. Es entspricht seinem Wesen, sich in dem Augenblick auszudehnen, in dem es geboren wird. Und es wird in dem Augenblick geboren, in dem es angeboten und empfangen wird. Niemand kann einen anderen darum bitten, geheilt zu werden. Aber er kann sich heilen lassen und so dem andern das anbieten, was er empfangen hat. Wer kann dem anderen etwas schenken, was er nicht hat? Und wer kann teilen, was er sich selbst verweigert? Der HEILIGE GEIST spricht zu dir. ER redet nicht mit jemand anderem. Indem du aber zuhörst, dehnt sich SEINE STIMME aus, weil du das akzeptiert hast, was ER sagt.

Gesundheit ist das Zeugnis der Gesundheit. Solange sie nicht bezeugt wird, bleibt sie ohne Überzeugungskraft. Erst wenn sie aufgezeigt worden ist, ist sie bewiesen und muss ein Zeugnis liefern, das zum Glauben zwingt. Niemand wird durch Doppelbotschaften geheilt. Wenn du nur wünschst, geheilt zu werden, dann heilst du. Dein ungeteilter Zweck macht dies möglich. Doch wenn du Angst vor Heilung hast, kann sie nicht durch dich kommen. Das Einzige, was für eine Heilung erforderlich ist, ist das Fehlen von Angst. Die Angstvollen werden nicht geheilt und können nicht heilen. Das heißt nicht, dass zum Heilen der Konflikt für immer deinen Geist verlassen haben muss. Hätte er es, so würde Heilung nicht gebraucht. Vielmehr bedeutet es, dass du – wenn auch nur einen Augenblick – liebst, ohne anzugreifen. Ein Augenblick reicht aus. Wunder harren nicht der Zeit.”
(EKIW: Kapitel 27, V. 1.-2.)

Verrücktheit

Der Mensch hat eine Mitte, aber er lebt nicht darin - er lebt nicht im Zentrum. Das erzeugt eine innere Spannung, ständiges Chaos, ständige Qual. Wenn es zu viel wird, wird man verrückt. Ein Verrückter ist jemand, der völlig aus sich selbst herausgerückt ist, jemand, der völlig die Verbindung zum wahren SELBST verloren hat. Der erleuchtete Mensch ist genau das Gegenteil von einem Verrückten. Er ruht in seiner Mitte. Im menschlichen “Normalzustand” sind wir dazwischen. Wir sind nicht ganz aus uns herausgerückt, ver-rückt, und wir sind auch nicht in unserer Mitte. Manchmal rücken wir weit, weit weg, so dass wir für Momente verrückt sind. In der Wut beispielsweise, in allem, was uns zu weit von uns selber wegführt, sind wir für Momente verrückt. Dann besteht kein Unterschied zwischen uns und einem Verrückten. Der Unterschied ist nur, dass er ständig dort ist und wir nur zeitweilig. Wir kommen wieder zurück.

Wenn wir wütend sind, ist das Verrücktheit, nur keine permanente. Qualitativ gibt es da keinen Unterschied, nur quantitativ. Die Qualität ist gleich. Manchmal kommen wir also an den Wahnsinn heran, und manchmal, wenn wir ganz entspannt sind, total entspannt, berühren wir auch unser Zentrum. Das sind die seligen Augenblicke. Es gibt sie. Dann sind wir genau wie ein Buddha oder Jesus, aber nur zeitweilig, nur für Augenblicke. Wir bleiben nicht dort. Ja, im gleichen Moment, wo wir wahrnehmen, dass wir selig sind, sind wir schon wieder woanders. Es währt so kurz, dass die Seligkeit schon vorbei ist, sobald wir sie erkennen.

Wir schwanken ständig zwischen diesen beiden Polen, aber dieses Schwanken ist äußerst herausfordernd. Das Schwanken ist äußerst herausfordernd, weil wir so kein Selbstbild von uns herstellen können, kein festes Selbstbild. Wir wissen nicht, wer wir sind. Wenn wir ständig zwischen Wahnsinn und in uns Zentriertsein hin- und herschwanken, wenn dies Schwanken nie aufhört, wissen wir nicht, wer wir sind, es ist sehr schwierig. Deshalb bekommen wir sogar Angst, wenn uns ein seliger Augenblick bevorsteht, und wir möchten uns irgendwo dazwischen verankern.

So lassen sich vier Typen definieren: zunächst den Normalmenschen, der eine gefestigte, solide Schein-Identität hat, der zu wissen glaubt, wer er ist - er ist Arzt, Ingenieur, Professor, ein frommer Mensch usw. -, er glaubt zu wissen, wer er ist, und entfernt sich nie davon. Er klebt ständig an seinem Selbstbild, an seinem Image. Dann kommen die Menschen mit dem fließenden Selbstbild, die Dichter, Künstler, Maler, Sänger und auch Menschen am spirituellen Weg. Sie wissen nicht, wer sie sind. Manchmal sind sie ganz normal, manchmal werden sie verrückt, manchmal rühren sie an die Ekstase eines Buddha. Drittens gibt es die, die permanent verrückt sind. Sie sind außer sich geraten und kommen nie mehr nach HAUSE zurück. Sie wissen nicht einmal mehr, dass sie ein ZUHAUSE haben. Und viertens sind da die, die ZUHAUSE angelangt sind … Buddha, Christus, Krishna.

Diese vierte Kategorie - die Angekommenen - sind die völlig entspannten Menschen. In ihrem Bewusstsein gibt es keine Spannung mehr, keine Anstrengung, kein Wünschen. Mit einem Wort, es gibt kein “Werden” mehr. Sie wollen nichts mehr werden. Sie sind, sie waren … aber sie werden nicht! Und sie sind mit ihrem Dasein glücklich. Was immer sie sind, sie sind zufrieden. Sie wollen nichts daran ändern, wollen nirgendwohin. Sie haben keine Zukunft. Dieser jetzige Augenblick ist für sie Ewigkeit.

Krankheit am spirituellen Weg

Im Kurs finden wir in Lektion 189, Absatz 7. eine Einladung, GOTT direkt zu begegnen. Jesus weist aber auch im ersten Kapitel des Kurses auf eine Gefahr hin, wenn wir uns GOTT SELBST nähern wollen:

“Ich habe unterstrichen, dass Ehrfurcht mir gegenüber um der uns innewohnenden Gleichheit willen keine angemessene Reaktion ist. Indessen beinhalten einige der späteren Schritte in diesem Kurs eine direktere Annäherung an GOTT SELBST. Es wäre unklug, sich ohne sorgfältige Vorbereitung an diese Schritte zu machen, weil sonst Ehrfurcht mit Furcht verwechselt und die Erfahrung eher traumatisch als glückselig wird. Heilung ist letztlich von GOTT. Die Mittel werden dir sorgsam erklärt. Die Offenbarung mag dir zuweilen das Ziel enthüllen, doch um es zu erreichen, sind die Mittel nötig.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 5.)

In Kapitel 2 heißt es weiters:

“Bevor die Wunderwirkenden bereit sind, ihre Funktion in dieser Welt zu übernehmen, ist es unerlässlich, dass sie die Angst vor der Befreiung voll und ganz verstehen. Sonst ist es möglich, dass sie, ohne es zu merken, die Überzeugung nähren, Befreiung sei Gefangenschaft, eine bereits sehr weit verbreitete Überzeugung. Diese Fehlwahrnehmung entsteht wiederum aus der Überzeugung, Schaden lasse sich auf den Körper begrenzen. Dem liegt die unterschwellige Angst zugrunde, dass der Geist sich selbst verletzen könne. Keiner dieser Irrtümer ist von Bedeutung, weil die Fehlschöpfungen des Geistes nicht wirklich existieren. Diese Einsicht ist eine viel bessere Schutzeinrichtung als jede Form der Verwechslung der Ebenen, weil sie die Berichtigung auf der Ebene des Irrtums einführt. Es ist grundlegend wichtig, sich daran zu erinnern, dass nur der Geist erschaffen kann und dass Berichtigung auf die Ebene des Denkens gehört. Um eine frühere Aussage weiter auszuführen: Der reine Geist ist bereits vollkommen und bedarf daher keiner Berichtigung. Der Körper existiert nicht, außer als Lerneinrichtung für den gespaltenen Geist. Diese Lerneinrichtung ist keinen eigenen Irrtümern unterworfen, weil sie nicht erschaffen kann. Es ist also offensichtlich, dass die einzige wahrhaft bedeutungsvolle Anwendung der schöpferischen Fähigkeit die ist, den Geist dazu zu bringen, seine Fehlschöpfungen aufzugeben.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 1.)

Wenn wir spontan und im Geist unvorbereitet einen tiefen Moment der Befreiung erleben, führt dies manchmal dazu, dass wir, ohne es zu merken, die Überzeugung nähren, Befreiung sei Gefangenschaft, weil wir glauben, Befreiung würde uns unseres freien Willens berauben. Diese Fehlwahrnehmung entsteht wiederum aus der Überzeugung, Schaden lasse sich auf den Körper begrenzen und so entscheiden wir uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden.

Indische Satsang-Lehrer haben immer wieder von diesem Phänomen berichtet. Westliche spirituelle Sucher kommen völlig unvorbereitet zu einem Satsang und folgen, aufgrund ihrer Sehnsucht nach Befreiung, der Führung des Gurus in einen Augenblick der Befreiung - in eine direkte Begegnung mit GOTT SELBST. Aufgrund der falschen Überzeugung hinsichtlich der Befreiung, entscheiden sie sich infolgedessen ganz unbewusst dafür, krank zu werden.

Krankheit ist eine Entscheidung, die wir treffen, ein Plan, den wir entwerfen, wenn die Wahrheit einen Augenblick lang in unserem eigenen irregeführten Geist aufsteigt und unsere ganze Welt zu wanken scheint und sich anschickt zu zerfallen. Jetzt sind wir krank, damit die Wahrheit weggehen möge und unsere Einrichtungen nicht länger bedrohe.

Krankheit im Kontext von Religion/Spiritualität

Schwere körperliche Krankheiten werden oft als zu unangenehmes Thema angesehen, um darüber zu sprechen, vor allem wenn es um die Ursache der Krankheit geht. Das ist nicht nur allgemein so, sondern vielleicht noch mehr in religiösen/spirituellen Kreisen, die dazu neigen, den Körper entweder abzulehnen oder ihn als Tempel zu verherrlichen, und deshalb doppelt schockiert sind, wenn er scheinbar „zurückschlägt“. Im Grunde geht es immer um Schuldgefühle. Wenn man mit einer schweren körperlichen Krankheit konfrontiert wird, kommt früher oder später die unbewusste Frage nach der Ursache auf: Habe ich meine Krankheit selbst verursacht?

Daher beschäftigen sich nicht wenige Menschen mit Spiritualität, weil sie darin eine Möglichkeit sehen, den Körper vor einer schrecklichen Krankheit zu schützen. Das funktioniert natürlich nicht, denn genau das ist Ausdruck des Glaubens, ein Körper zu sein, und Ausdruck der Angst um den Körper. Jede Sorge um den Körper ist ein Ausdruck von Angst und das fördert nur körperliche Krankheit, denn Angst ist nicht LIEBE.

In der regulären Gesundheitsforschung wird die Rolle des Einzelnen bei der Krankheitsentstehung, insbesondere sein Lebensstil, zunehmend ernsthaft untersucht. Dies alles berücksichtigt aber nicht die Rolle des unbewussten Teils des Geistes bei der Steuerung der Körperfunktionen. Einige der mutigeren Forscher wie Bruce Lipton („The biology of belief“) und Joe Dispenza („You are the placebo“) gehen jetzt zwar in diese Richtung; aber immer noch wird dem Körper einen Art Weisheit zugesprochen und der Schwerpunkt liegt immer noch mehr auf der Veränderung „schlechter“ Überzeugungen auf der Ebene der individuellen Persönlichkeit - anstatt auf der Aufhebung ontologischer Schuldgefühle über die scheinbare Trennung. All diesen modernen Ideen liegt ein zentraler Irrtum zugrunde: die fragmentierte, egoische Sichtweise, die den “geheimen Traum“ völlig unberücksichtigt lässt.

“Der Graben zwischen Wirklichkeit und Träumen liegt nicht zwischen dem Träumen der Welt und dem, was du insgeheim träumst. Sie sind eins. Das Träumen der Welt ist nur ein Teil deines eigenen Traumes, den du weggegeben und so gesehen hast, als wäre er zugleich ihr Anfang und ihr Ende. Doch wurde sie durch deinen geheimen Traum begonnen, den du nicht wahrnimmst, wenn er auch den Teil verursacht hat, den du siehst und dessen Wirklichkeit du nicht bezweifelst.”
(EKIW: Kapitel 27, VII. 11. 4.-7.)

Die fragmentierte, egoische Sichtweise ist auch die Ursache für den Irrglauben, dass wir persönlich die Schöpfer unserer Wirklichkeit wären und es um die Heilung des Körpers ginge.

“Wenn das Ego dich zur Krankheit verleitet, dann bitte den HEILIGEN GEIST nicht darum, dass ER den Körper heile, denn dadurch würdest du lediglich den Glauben des Ego akzeptieren, dass der Körper das geeignete Ziel für die Heilung ist. Bitte den HEILIGEN GEIST vielmehr darum, dass ER dich die richtige Wahrnehmung des Körpers lehre, denn allein die Wahrnehmung kann verzerrt sein. Nur die Wahrnehmung kann krank sein, weil nur die Wahrnehmung falsch sein kann.”
(EKIW: Kapitel 8, IX. 1. 5.-7.)

In Ein Kurs in Wundern ist Jesus auch in der Frage von Gesundheit und Krankheit völlig kompromisslos. Hier ein paar Beispiele: „so ist jede Krankheit geistige Krankheit“ (EKIW: PSYCHOTHERAPIE, 2. IV. 1. 1.); “Es ist einfach dies: die Einsicht, dass Krankheit vom Geist ist und mit dem Körper nichts zu tun hat.” (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 3. 2.); Das ist radikal nondual. Jesus sagt tatsächlich, dass die Krankheitssymptome, die der Körper erfährt, nur eine Folge des Geistes sind, der sich für die Krankheit entschieden hat. Der Geist tut dies, indem er sich entscheidet, etwas abzulehnen und zu verurteilen. Ein solches Urteil kann sich auf alles Mögliche beziehen, aber letztlich geht es um den ontologischen Moment, in dem wir versucht haben, GOTT anzugreifen und uns von ihm zu trennen, was in Wirklichkeit nicht möglich ist und daher in Wirklichkeit nie geschehen ist. Unbewusst glauben wir aber immer noch, dass wir es getan haben und deswegen fühlen wir uns schuldig, auch wenn wir uns dieser Schuld nicht bewusst sind, weil wir sie nach außen projizieren. Aber auch dadurch, dass wir sie nach außen projizieren, bestätigen wir unseren Glauben an sie.

“Es ist unvermeidlich, dass diejenigen, die unter Schuldgefühlen leiden, diese zu verschieben suchen, weil sie ja an sie glauben. Wenn sie auch leiden, wollen sie doch nicht nach innen schauen und sie loslassen. Sie können nicht erkennen, dass sie lieben, und können nicht verstehen, was lieben ist. Ihre Hauptsorge ist, die Quelle der Schuld außerhalb von sich selbst wahrzunehmen, jenseits ihrer eigenen Kontrolle.”
(EKIW: Kapitel 13, X. 3. 4.-6.)

Der Grund für all unsere Probleme und so auch für körperliche Symptome liegt also viel tiefer als allgemein angenommen. Er liegt einerseits darin zu glauben, Angriff wäre tatsächlich möglich und der daraus folgenden Konsequenz: „Jeder Angriff ist ein Angriff auf dich selbst.“ (EKIW: Kapitel 10, II. 5.1.). Der Geist greift an, und der Körper spiegelt dies lediglich wider. Doch im Gegensatz zu den meisten spirituellen Lehren verunglimpft Ein Kurs in Wundern den Körper nicht, nicht einmal in dieser dualistischen Traumwelt. Er sieht den Körper lediglich als eine neutrale Auswirkung des Geisteszustandes. Im Gegensatz zu unserer täglichen Erfahrung agiert er nicht von sich aus: “Er [der Körper] sucht nicht, aus Schmerz eine Freude zu machen und im Staub nach dauerhafter Lust zu suchen. Er sagt dir nicht, welches sein Zweck ist, und kann nicht verstehen, wozu er da ist. [...]. Es [der Körper als ein Ding] verhält sich so, wie du es wünscht, trifft jedoch nie die Wahl. Es wird so wenig geboren, wie es stirbt. Es kann nur ziellos dem Weg folgen, auf den man es gesetzt hat.” (EKIW: Kapitel 28, VI. 1:4.-5. 2:2.-5.).

Der Satz über das Nicht-Geboren-Werden und Nicht-Sterben bezieht sich natürlich auf die metaphysische Grundlage des Non-Dualismus des Kurses: Da alles in Zeit und Raum Illusion ist, kann hier nichts geboren werden oder sterben und auch nichts geheilt werden. Es erscheint unseren Sinnen lediglich so. Kein Körper kann geheilt werden, weil es keine Körper gibt, sie sind nur Projektionen des Egos. Es ist der gespaltene Geist, der diesen Traum träumt. Doch eine Illusion bleibt eine Illusion. Jesus spricht nicht über die Heilung von Projektionen. Einzig und allein die Wahrnehmung kann geheilt werden.

“Krankheit ist eine Forderung, dass der Körper etwas sei, das er nicht ist. Seine Nichtigkeit verbürgt, dass er nicht krank sein kann. In deiner Forderung, er solle mehr als das sein, liegt die Idee der Krankheit.”
(EKIW: Kapitel 29, III. 8. 1.-3.)

Es gibt kein biologisches Leben, das gerettet werden müsste, das Leben ist ewig und rein geistig. Ken Wapnick wurde einmal gefragt, was der Kurs über Leben auf anderen Planeten sagt. Ken antwortete: “Der Kurs sagt, dass es kein Leben auf diesem Planeten gibt”.

Um uns von der egoischen Vorstellung von Schuld und Strafe und damit von der Idee von Krankheit zu befreien, ist es daher äußerst wichtig, uns immer wieder an die Wahrheit zu erinnern: “Du hast GOTT nicht angegriffen, und du liebst IHN tatsächlich.” (EKIW: Kapitel 10, III. 1. 1.) Heilen heißt sich erinnern: “Die Kommunikationsverbindung, die zwischen GOTT und allen SEINEN Kindern weiterhin besteht, verbindet sie miteinander und mit IHM. Sich dessen bewusst zu sein heißt, sie zu heilen, weil es das Bewusstsein ist, dass niemand getrennt und deshalb niemand krank ist.” (EKIW: Kapitel 10, III. 2. 6.-7.)

“Gesundheit wird als natürlicher Zustand von allem gesehen, wenn die Deutung dem HEILIGEN GEIST überlassen wird, DER keinen Angriff auf irgend etwas wahrnimmt."
(EKIW: Kapitel 8, VIII. 9. 8.)

Körperliche “Krankheit” ist eines der Lieblingsinstrumente des Egos, um dem Gottessohn zu „beweisen“, dass die Trennung tatsächlich stattgefunden hat. Das Einssein ist zerbrochen, und der Mangel ist nun der vorherrschende Zustand, in dem sich der Sohn befindet, einschließlich des Mangels an völliger Gesundheit. Ein Ausdruck dieser Ego-Strategie ist es, körperliche Symptome als Gottes Strafe für unsere gewaltige Sünde der Trennung zu sehen; oder besser noch, als einen Vorgeschmack auf die Strafe, die unweigerlich folgen wird, wenn der Körper wirklich dem Tod erliegt - dem Glauben an die Hölle. In der Tat fragen sich viele, die eine schwere Krankheit durchmachen, insgeheim, ob sie von Gott für ihre „Schlechtigkeit“ bestraft werden.

Schuldgefühle sind letztlich auf folgende Weise wirksam: Wenn ich mich irgendwie schuldig fühle, dann werde ich mir nicht erlauben, allzu glücklich zu sein (OGG = Obere Grenze von Glück), dann werde ich mir nicht erlauben, etwas zu geben, dann werde ich mich selbst begrenzen, meine eigene Ausdehnung begrenzen, das, was ich zu geben habe, begrenzen, meine Lebensenergie begrenzen, meine Lebensfreude begrenzen. Schuldgefühle sind so mächtig in unserem Geist gegen uns. Unter anderem auch in der Form, dass wir schädliche Gewohnheiten z.B. so etwas wie Süchte im weitesten Sinne, jede Form von Angriff oder Verteidigung oder von leidvollen Beziehungskonstellationen bewusst in unserem Leben halten werden, einfach weil dann Schuldgefühle da sind. Das Ego, das glaubt zu wissen, was Gerechtigkeit ist, wird auf Schuld einfach immer mit Strafe reagieren und uns das so einreden, als wäre es alternativlos, als hätten wir keine Wahl, als wäre etwas einfach stärker als wir.

Andere wiederum, auch sogenannte “spirituelle” Menschen, projizieren ihre Schuldgefühle nach außen und glauben in ihren Krankheitssymptomen einen „Beweis“ für ihre „Unschuld“ zu sehen: In einer grausamen Welt müssen die Guten zwangsläufig leiden. Sieh mich an, Gott. Ich bin mein ganzes Leben lang treu gewesen, und doch behandelt mich die Welt grausam. Ich leide, obwohl ich gut bin. Bitte nimm mich wieder in den Himmel auf und bestrafe all die anderen Bösen!

“Das Ego glaubt, dass es GOTTES Bestrafung mildern kann, wenn es sich selbst bestraft. Doch sogar darin ist es arrogant. Es unterstellt GOTT eine strafende Intention und macht dann diese Intention zu seinem eigenen Vorrecht. Es versucht, alle Funktionen GOTTES zu usurpieren, so wie es sie wahrnimmt, weil es begreift, dass nur einer totalen Treue zu trauen ist.”
(EKIW: Kapitel 5, V. 5. 6.-9.)

All das lenkt das Bewusstsein des Patienten jedoch lediglich davon ab, wo die wahre Lösung liegt: in unserer Macht, den Geist zu verändern. “Krankheit als eine Entscheidung des Geistes zu akzeptieren - für einen Zweck, für den dieser den Körper benutzen möchte - ist die Grundlage der Heilung. Und das gilt für Heilung in allen Formen.” (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 5. II. 2. 1.-2.). “Krankheit ist daher ein Fehler und bedarf der Berichtigung.“ (EKIW: PSYCHOTHERAPIE, 2. IV. 7. 1.). Die Berichtigung liegt, metaphysisch gesehen, natürlich in der Erkenntnis: “SOHN GOTTES, du hast nicht gesündigt, aber du hast dich sehr geirrt.” (EKIW: Kapitel 10, V. 6. 1.).

Daher ist es wirklich hilfreich, regelmäßig zu beten im Sinne von: Wir danken DIR, VATER, dass wir die Erinnerung an DICH und an DEINE LIEBE nicht verlieren können. VATER, DEINE Heiligkeit ist die unsere. DEINE LIEBE hat uns erschaffen und hat unsere Sündenlosigkeit für immer zu einem Teil von DIR gemacht. Wir haben weder Schuld noch Sünde in uns, denn keine ist in DIR. Danke VATER, dass DU für unsere Sündenlosigkeit bürgst und dass wir alle miteinander rein, unbefleckt und strahlendes Licht sind.

Das wahre Gebet bittet um nichts. Es ist unmöglich, etwas zu erbitten und zu hoffen, GOTT zu erreichen. Das gilt selbstverständlich auch für das Gebet um körperliche Heilung. Jeder, der dies je versucht hat, hat so etwas wie einen Fehlschlag erlebt. Unser Verlangen nach der Wahrheit ist das wahre Gebet.

“Lass uns also einmal annehmen, dass das, was du vom HEILIGEN GEIST erbittest, das ist, was du wirklich willst, was du aber noch fürchtest. Sollte dies der Fall sein, so würde, es zu erlangen, nicht mehr das sein, was du willst. Deshalb kommen bestimmte konkrete Formen der Heilung nicht zustande, auch wenn der Zustand der Heilung erreicht wird. Es mag jemand um körperliche Heilung bitten, weil er Angst vor körperlichem Schaden hat. Gleichzeitig könnte - würde er körperlich geheilt - die Bedrohung für sein Denksystem ihm wesentlich mehr Angst machen als dessen körperlicher Ausdruck. In diesem Fall bittet er nicht wirklich um Befreiung von der Angst, sondern um die Beseitigung eines Symptoms, das er selbst gewählt hat. Daher geht es bei dieser Bitte gar nicht um Heilung.”
(EKIW: Kapitel 9, II. 2.)

Wenn wir also unseren Geist vom HEILIGEN GEIST berichtigen lassen und erkennen, dass wir uns geirrt haben, und uns das verzeihen, wird der Körper folgen - wenn auch vielleicht nicht sofort. "Eine der am schwierigsten zu erkennenden Versuchungen ist, eine Heilung anzuzweifeln, weil die Erscheinung von Symptomen andauert: Dies ist ein Fehler in Form von mangelndem Vertrauen." (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 7. 4. 1.).

Eine besonders subtile Strategie des Egos ist der Umkehrschluss, dass, wenn der Körper gesund ist, automatisch auch der Geist gesund ist. Damit versucht das Ego davon abzulenken, dass es nur der Geist ist, der krank ist, solange er auch nur im geringsten an Trennung glaubt. Jesus verweist ganz klar darauf, dass jede Form der Nichtvergebung Krankheit ist - unabhängig vom medizinischen Zustand des Körpers. "Diejenigen, die nicht vergeben, sind krank, weil sie glauben, ihnen sei nicht vergeben.” (EKIW: PSYCHOTHERAPIE, 2. VI. 1. 2.) Die Lektion des HEILIGEN GEISTES ist: “Der Geist war krank, der dachte, dass der Körper krank sein könne.” (EKIW: Kapitel 28, II. 11. 7.)

“Die Welt ist neutral, und die Körper, die sich noch immer als getrennte Dinge darin zu bewegen scheinen, brauchen nicht gefürchtet zu werden. Und so sind sie auch nicht krank.”
(EKIW: Kapitel 28, II. 10. 5.-6.)

Das Ego neigt dazu, kranke Körper zu fürchten, weil es sie nicht ertragen kann, weil es vor der Schwäche seiner Wahlheimat - dem Körper - Angst hat. Auf diejenigen mit kranken Körpern schaut das Ego aufgrund seiner Überzeugung herab, dass nur ein vollkommener Körper es wert ist, sein eigener Tempel zu sein. Unsere Gefühle beim Betreten eines Krankenhauses oder Behindertenheimes sind ein deutliches Signal dafür, wie stark unser Glaube an körperliche Krankheit noch ist.

Das Ego nutzt einen gesunden Körper, um Besonderheit zu beweisen. Ein geheilter Geist hingegen nutzt die Heilung des Körpers, um dem Bruder zu zeigen, dass auch er nicht mehr zu leiden braucht. Der HEILIGE GEIST erkennt, dass unsere Heilung Zeugnis für die des Bruders ist und von der seine keineswegs getrennt sein kann. Zeigen wir unserem Bruder unsere Heilung, und er wird nicht mehr einwilligen, zu leiden. Denn seine Unschuld ist in unserer und in seiner Sicht begründet worden. Und Lachen wird unsere Seufzer ersetzen, weil GOTTES SOHN sich daran erinnert hat, dass er GOTTES SOHN ist.

Jesus sagt auch nicht, dass derjenige, der seinen Körper nur für den einzig wahren Zweck benutzt, nämlich für die Kommunikation in SEINEM Sinne, einen medizinisch gesunden Körper haben wird. Er sagt, dass die Nützlichkeit des Körpers gegeben sein wird, damit der Geist sich zu anderen Geistern unbegrenzt ausdehnen kann. Gesundheit ist deshalb nichts anderes als ein geeinter Zweck. “Nur die Wahrnehmung kann krank sein, weil nur die Wahrnehmung falsch sein kann.” (EKIW: Kapitel 8, IX. 1. 7.) Das heißt, der gesunde Geist kann sich die Krankheit nicht vorstellen, egal welche Diagnose die Medizin stellt. Ginge es nach der medizinischen Sichtweise, hätten ältere Menschen kaum noch eine Chance auf Erleuchtung. Ramana Maharshi hat uns zum Glück das Gegenteil aufgezeigt.

“Wenn Glaube Berge versetzen kann, warum kannst du dann nicht deinen eigenen Körper heilen?” wurden immer wieder Erleuchtete gefragt. Diese Frage ist absolut keine neue Frage - diese Frage ist eine der ältesten überhaupt. Sie ist schon Buddha gestellt worden; sie ist schon Mahavira gestellt worden. Seit es Erleuchtete gibt, haben die Unerleuchteten diese Frage gestellt. Auch einige Führer der Juden machten sich über den gekreuzigten Jesus lustig, indem sie sagten: „Er rettete andere, aber sich selber kann er nicht retten.“

Der erleuchtete und damit gesunde Geist hat keinen Körper. Ein Mensch, dessen Geist erleuchtet ist, verweilt im Zeugenbewusstsein, sein Friede hängt nicht mehr von körperlichen Zuständen ab. Buddha starb an einer Lebensmittelvergiftung. Ramana Maharshi starb an Krebs. Beide hatten sich aus der Identifikation mit ihrem Körper gelöst. Viele Krankheiten rühren daher, dass diese Trennung stattgefunden hat. Ein solcher Mensch lebt zwar scheinbar noch im Körper, aber seine Aufmerksamkeit wird ihm entzogen. Das ist der Grund, warum wir sagen, dass ein Erleuchteter nie wiedergeboren wird - weil er nun keine Brücke mehr zum Körper herstellen kann.

Ein weiterer Grund, warum im Leben eines Menschen mit einem erwachenden Geist manchmal schwere Krankheiten auftreten, liegt darin, dass dieses Leben für ihn das letzte ist. Alles Unerlöste flammt buchstäblich noch einmal auf - alles Unerlöste, das noch im Geiste vorhanden ist. Alles drängt sich in diesem Leben zusammen.

Die Sache ist die, dass jeder, der sich als physischer Körper erlebt, einen ungeheilten Geist hat, was praktisch fast jeden auf diesem Planeten einschließt. Aus diesem Grund ist ein großer Teil von Ein Kurs in Wundern der Auflösung dieses Kernglaubens gewidmet, dass wir ein Körper sind. In den Lektionen 201 bis 220 sollen wir täglich wiederholen: “Ich bin kein Körper. Ich bin frei. Denn ich bin nach wie vor, wie GOTT mich schuf.” (EKIW: Lektionen 201-220). Dies erzeugt in vielen Kurs-Schülern, aber auch in vielen anderen spirituellen Schülern die Hoffnung, dass ich umso seltener krank werde, je mehr ich mich mit dem wahren SELBST identifiziere und nicht mit dem kleinen Ego-Selbst. Aber diese Hoffnung zielt wiederum auf die Gesundheit des Körpers ab und ist damit selbst die Krankheit, weil sie dem Körper noch eine Wirklichkeit zuspricht. Und so ist es besonders schmerzhaft, zu glauben, dass man gute spirituelle Fortschritte gemacht hat, und dann plötzlich feststellen muss, dass man doch krank wird. Auch hier handelt es sich um eine mächtige Strategie des Egos, um uns von seiner Wirklichkeit zu überzeugen: Siehst du, Spiritualität ist eine Farce. Sie funktioniert nicht, wie du ganz klar sehen kannst. Nicht für dich und nicht für andere. Ich kann dir Dutzende von so genannten erleuchteten spirituellen Gurus nennen, die vorzeitig an verschiedenen schrecklichen Krankheiten gestorben sind.

Die Folge all dieser Verwirrung, die das Ego mit dem Thema Krankheit stiftet, ist, dass das Thema Krankheit, gelinde gesagt, nicht leicht zu besprechen ist. Und das ist bei den Schülern von Ein Kurs in Wundern nicht anders. Zum Beispiel ist die Tatsache, dass sowohl Helen Schucman als auch Ken Wapnick im Alter von nur 71 Jahren an einer schweren Krankheit starben, ganz zu schweigen von Bill Thetford - der von vielen als der „erste Absolvent“ von EKIW angesehen wird - der im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt starb, für einige ein ernsthafter Grund für Zweifel daran, ob dieser spirituelle Lehrplan funktioniert oder nicht. Diese Fokussierung auf andere ist jedoch ein Versuch des Egos, den Geist von seinen wahren Hausaufgaben abzulenken: die Sühne für sich selbst anzunehmen - im Geist. Solange der Geist davon besessen ist, Wege zu finden, um die Lebensdauer des physischen Körpers zu verlängern, ist er in der Dualität gefangen und daher ungeheilt. In Wirklichkeit gibt es so etwas wie Zeit nicht! Warum sollte man dann versuchen, dem Körper mehr Zeit zu verschaffen? Obwohl die Reinkarnation ein Teil dieses Traums ist und daher so illusorisch wie die Zeit selbst, können wir ziemlich sicher sein, dass wir uns vor diesem Körper schon mit Hunderten von Körpern identifiziert hatten, von denen einige ein schreckliches Ende erlebt haben. Warum also nicht eine umfassendere Perspektive auf unser Leben einnehmen als nur diesen einen Körper, der laut Buddhismus ein „Mantel ist, den wir von Leben zu Leben wechseln“, bis unser Geist berichtigt ist?

Alle körperlichen Symptome rufen nach Vergebung, und nichts anderes. So gesehen wird Krankheit zu einem der Mittel, das der HEILIGE GEIST in seinem Klassenzimmer des spirituellen Erwachens vom Selbst zum SELBST einsetzt. Nicht, dass ER die Krankheit verursacht, aber ER macht uns auf ihre Botschaft aufmerksam. Es mag sich, gelinde gesagt, nicht angenehm anfühlen, vor allem dann nicht, wenn ein schmerzhafter Krankheitsprozess den Tod eines geliebten Menschen zur Folge hat, aber im Grunde ist es immer noch ein Aufruf an den Geist, sich der illusorischen Natur der Welt bewusst zu werden und sich darin zu üben, die verbleibenden dunklen Flecken zu vergeben. Der Schlüssel dabei ist, ehrlich zu bleiben. Wenn ein geliebter Mensch stirbt und wir Schmerz empfinden, nehmen wir uns die Zeit zu trauern. Nehmen wir uns die Zeit zum Weinen. Es geht einfach darum, unsere Gefühle nicht zu verleugnen, um spiritueller zu erscheinen, als wir im Moment sind. Selbst der berühmte Yogananda hatte unter dem Tod seines geliebten Gurus Giri Yukteswar lange Zeit sehr gelitten. Letztendlich werden wir aber erkennen, dass diese Emotionen die fortgesetzte Bindung des Geistes an den physischen Körper und damit an die Individualität und damit an die Trennung widerspiegeln. Mit anderen Worten, der HEILIGE GEIST bietet uns eine weitere Lektion in Sachen Vergebung an.

Das Ego versteht die Wahrheit nicht. Nur in der Verwirrung ist es ein Experte. So ist das Ego denn als Lehrer völlig verwirrt und völlig verwirrend. Wenn das Ego versucht, spirituell zu sein, kommt es manchmal auf die Idee, den Tod eines geliebten Menschen zu feiern. Da es aber an den Tod glaubt, ist dies nur ein verzweifelter Versuch, den Schmerz und die Angst nicht fühlen zu müssen. Ein erleuchteter Geist hingegen glaubt nicht an den Tod und hat daher keinen Grund, ihn zu feiern, aber auch keinen Grund zu trauern. Warum sollte er etwas feiern oder betrauern, das es gar nicht gibt? Sein Geisteszustand vollkommener Glückseligkeit ist von allem, was auf der Ebene der Form geschieht, unberührt.

“Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!” (Bibel: Lukas 9,60)

Eine letzte Bemerkung zum „vorzeitigen“ Tod von Helen und Bill: Während Helen selbst offensichtlich sehr gut erkannte, dass sie sich bis zum Schluss an das Ego klammerte und sich weigerte, das Angebot Jesu vollständig anzunehmen, wovon ihre Krebserkrankung lediglich ein Ausdruck war, war die Situation für Bill anders. Er hatte seine Aufgabe in diesem Leben erfüllt und hatte keinen wirklichen Grund, noch länger hier „herumzuhängen“.

Eines Tages trafen sich Willis Harman, Helen Schucman und Judith Skutch in Judiths Wohnung in New York City. „Helen“, bemerkte Willis am Ende ihres Treffens, “wir haben über so ziemlich alles gesprochen, außer über das, was ich am liebsten besprechen würde, nämlich deine wahren Gefühle zu Ein Kurs in Wundern. Hast du etwas dagegen, mir deine Meinung über Ein Kurs in Wundern mitzuteilen?“ Helen schaute Willis nachdenklich an, als wolle sie abschätzen, wie offen sie sich geben konnte. Dann antwortete sie mit einem durchdringenden Blick: „Weißt du, Willis, ich weiß, dass es wahr ist, aber ich glaube es einfach nicht!“

Alle, die Bill Thetford nahe standen, insbesondere Judith Skutch Whitson und ihr Ehemann Whit, mit denen Bill seinen letzten Tag hier auf Erden verbrachte, bestätigen, dass Bill den glücklichen Traum verwirklicht hatte. Als sie Bill am Vorabend des 4. Juli 1988 trafen, dem amerikanischen Nationalfeiertag und Bills Todestag, waren sowohl Judith als auch Whit erstaunt und fasziniert von Bills Charisma, seiner Freundlichkeit und seinem Enthusiasmus. Das war deutlich mehr als je zuvor. Sie fragten ihn, was passiert sei. "Ich bin frei, ich bin völlig frei!” erklärte er. Whit und Judith drängten ihn, ihnen zu sagen, was los war, und er teilte ihnen strahlend mit, dass er keine Schuldgefühle und keinen Groll mehr hatte und dass er all seine Beziehungen und sich selbst vergeben hatte. Das war eine große Aufgabe. „Wie lange geht das schon so?“ fragte Judith. „Oh, ein paar Wochen“, antwortete er. Es schien Judith wichtig zu sein, die Ursache für diesen wichtigen Gesinnungswandel herauszufinden. „Wie hast du das geschafft?“, fragte sie. Bill erklärte, dass er nach Jahren der Praxis von Ein Kurs in Wundern unwiderruflich beschlossen hatte, dass es keinen Aufschub mehr geben sollte. Er rief alle Menschen an, gegen die er einen Groll hegte, teilte ihnen seine irrigen Gefühle mit und bat um Vergebung. „Es war leicht“, sagte er. Alle waren hocherfreut, von ihm zu hören und erklärten, es gäbe nichts zu vergeben. „Was ist mit Helen?“ fragte Judith dann noch. Bills Augen beschlugen und er wurde plötzlich ernst. Dann beschrieb er eine Vision, die er ein paar Nächte zuvor hatte, in der er sich mit Helen in einen Zustand der Zeitlosigkeit begab und sie lächelnd als strahlende Priesterin in einem langen weißen Gewand erschien. Sie streckte ihre Arme nach ihm aus; ihr blondes Haar leuchtete in einem wunderschönen Glanz. Ihre Hände berührten sich, und er spürte die inneren Worte „geheilt, geheilt, geheilt“. Bills Herzinfarkt war kein Ausdruck von Krankheit, sondern sein Herz war vor Freude explodiert und sein Bewusstsein hatte sich vom Körper gelöst, noch bevor der Körper den Boden berührte.

Aber noch einmal: Die Beschäftigung mit anderen ist nicht hilfreich für unseren eigenen Weg, die SÜHNE anzunehmen. Ich erwähne Bill und Helen hier nur deshalb, weil bei der Beschäftigung mit dem Kurs zwangsläufig die Frage nach dem Leben der beiden auftaucht, durch die der Kurs in die Welt gekommen ist. Der HEILIGE GEIST ist der einzige Lehrer, DEN wir brauchen. ER wird uns nach Hause bringen. Fühlen wir uns nicht schuldig wegen Krankheit; haben wir keine Angst vor dem Tod. Erlauben wir einfach dem HEILIGEN GEIST, sie als Klassenzimmer zu benutzen, als Situationen, die wir nutzen, um mit SEINER Hilfe zu lernen. “Die Lektion ist: Der Geist war krank, der dachte, dass der Körper krank sein könne; seine Schuld hinauszuprojizieren hat nichts verursacht und hatte keine Wirkungen.” (EKIW: Kapitel 28, II. 11. 7.) Finden wir Trost in schweren Zeiten in der Verheißung GOTTES: “Die Erlösung ist ein von GOTT gegebenes Versprechen, dass du deinen Weg schließlich zu IHM finden wirst. Es kann nur eingehalten werden.” (EKIW: ÜBUNGSBUCH, 2, 1. 1.-2.)

Und so schließe ich mit den wunderbaren Worten der Lektion 168, die von GOTT spricht: “ER liebt SEINEN SOHN. Es gibt keine Gewissheit außer dieser, diese aber genügt. Er wird SEINEN SOHN lieben in alle Ewigkeit. Wenn sein Geist weiterschläft, liebt ER ihn dennoch. Und wenn sein Geist erwacht, liebt ER ihn mit einer LIEBE, die sich nie verändert.”

Praktische Hinweise für den Umgang mit Krankheit

Als David R. Hawkins seinerzeit die physiologische Reaktion (Muskeltests) auf verschiedene Reize untersuchte, führte dies zu einer erstaunlichen Entdeckung. Er testete jede Substanz, jeden Gedanken und jedes Konzept, das ihm in den Sinn kam. Bei diesem Unterfangen halfen ihm seine Studenten und Forschungsassistenten. Dann wurde eine wichtige Entdeckung gemacht: Während alle Probanden durch negativ bewertete Reize wie Neonlicht, Pestizide und künstliche Süßstoffe geschwächt wurden, zeigten Studenten spiritueller Disziplinen, die ihr Bewusstseinsebene gesteigert hatten, keine Schwächung wie normale Menschen. Etwas Wichtiges und Entscheidendes hatte sich in ihrem Bewusstsein verändert. Dies geschah offenbar, als sie erkannten, dass sie nicht der Welt ausgeliefert waren, sondern nur von dem beeinflusst wurden, was ihr Geist glaubte.

“Ich bin nicht das Opfer der Welt, die ich sehe.”
(EKIW: Lektion 31)

Bei all der Sorge um die körperliche Gesundheit gilt es auch, Folgendes zu bedenken: Es gibt Menschen, die sämtliche Anlagen für Herzkrankheiten und Alzheimer haben, der Arterien völlig verstopft sind oder deren Familienleben unglücklich war, die aber nicht die geringsten Krankheitssymptome aufweisen. Es ist immer der Geist, der krank oder gesund zu werden beschließt oder nicht.

“Was du in dir selber willst, das wirst du manifest machen, und du wirst es von der Welt akzeptieren, weil du es dadurch in sie hineingelegt hast, dass du es wolltest. Wenn du denkst, du würdest etwas projizieren, was du nicht willst, liegt es trotz allem daran, dass du es doch willst. Das führt geradewegs zur Dissoziation, denn es stellt das Akzeptieren zweier Ziele dar, von denen jedes an einem anderen Ort wahrgenommen wird und die getrennt sind voneinander, weil du sie verschieden gemacht hast. Dann sieht der Geist eine gespaltene Welt außerhalb von sich, aber nicht in sich. Das gibt ihm die Illusion der Einheit und ermöglicht ihm zu glauben, dass er nur ein einziges Ziel verfolgt. Doch solange du die Welt als gespalten wahrnimmst, bist du nicht geheilt. Denn geheilt sein heißt, ein einziges Ziel zu verfolgen, weil du nur eines akzeptiert hast und nur eines willst.”
(EKIW: Kapitel 12, VII. 7. 5.ff.)

Eine der Schwierigkeiten, die es bei der Heilung zu überwinden gilt, ist die Bereitschaft, die große Kraft des Geistes anzunehmen. Wir dürfen Ego-Gedanken nicht unwidersprochen lassen. Man kann nicht sagen: “Ich habe Diabetes“ und das unwidersprochen lassen. Das ist ein Glaubenssystem, das so mächtig ist, dass allein der Glaube “Ich habe Diabetes“ ausreicht, um die Krankheit zu verstärken. Stattdessen muss man ihn aufheben und affirmative Gebete sprechen, welche die Wirklichkeit unseres Seins bestätigen. Man ersetzt Symptome durch die Wahrheit, und dadurch bewegt man sich über die Grenze der Besonderheiten einer bestimmten Krankheit hinaus.

Naturgesetze

Die sogenannten Naturgesetze sind keine Gesetze unserer wahren Natur, keine göttlichen Gesetze, sondern lediglich eine Beschreibung unserer Traumwelt, in unserem Spiel mit Körpern. In diese Welt zu inkarnieren, bedeutet salopp ausgedrückt, sich für den Glauben an Naturgesetze zu entscheiden. Im Zusammenhang mit Krankheit ist es wichtig zu verstehen, dass Naturgesetze zwar das Geschehen auf der Ebene der Form beschreiben können, aber niemals das Warum. Die Naturgesetze sind Gesetze, die beschreiben, wie die Veränderungen in der Natur stattfinden, aber die Ursache für die Veränderung findet sich allein im Geist.

Die Naturgesetze können nicht erklären, warum bei einem Menschen ein Virus eine Krankheit auslöst, bei einem anderen jedoch nicht. Ebenso wenig können sie erklären, warum jemand an Krebs erkrankt und ein anderer nicht. Zwar können die Naturgesetze das Geschehen auf Zellebene im Falle von Krebs beschreiben, doch jede Beschreibung eines Zusammenhangs mit einem anderen Geschehen auf der Ebene der Form ist grundsätzlich falsch.

Einen direkten Zusammenhang beispielsweise zwischen Rauchen und Lungenkrebs gibt es nicht. Wenn jemand allerdings an einen solchen Zusammenhang glaubt und gleichzeitig glaubt, mit dem Rauchen nicht aufhören zu können, wird er diesen inneren Konflikt mit großer Wahrscheinlichkeit in den Körper projizieren, um ihn nicht im Geist betrachten zu müssen – und wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken. Das liegt jedoch nicht am Rauchen an sich, sondern am kranken Geist, am inneren Konflikt.

In Wirklichkeit sind wir nicht die Opfer von Viren, Unfällen, Cholesterin oder einem unausgewogenen Harnsäurespiegel. Wenn wir unsere eigene Kraft wiedererlangen, sagen wir: „Es ist mein Geist, der das geschaffen hat. Mein Geist glaubt, dass der Verzehr von Leber und Nieren zu einem hohen Harnsäurespiegel führt, der mir Gicht beschert. Mein Geist ist so mächtig, dass, wenn ich daran glaube, es für mich auch wahr wird.“ Es erfordert ein hohes Maß an Bewusstsein, um zu akzeptieren, dass der Geist so viel Macht hat.

Gerade was das Thema Krankheit betrifft, haben wir im Laufe unseres Lebens die falsche Ursache-Wirkungs-Beziehung verinnerlicht, die wir nun wieder verlernen müssen. Darum sagt Jesus im Kurs auch: “Die Funktion der Lehrer GOTTES ist es, wahres Lernen in die Welt zu bringen. Genaugenommen ist es Verlernen, was sie bringen, denn das ist wahres Lernen in der Welt.”

Die Ursache liegt auf der Ebene des Geistes, die Wirkung auf der Ebene des Körpers, nicht umgekehrt. Allein die Umkehrung dieses Verständnisses liefert den Schlüssel zu Gesundheit und Heilung.

Für jemanden, der sich an geistiger Gesundheit orientiert, wird Krankheit lediglich zu etwas, das auftaucht, um geheilt zu werden; sie bringt eine Lektion mit sich. Die Krankheit sagt: “Schau mich an. Bitte heile das, wofür ich stehe und was ich symbolisiere. Bitte heile die Schuldgefühle, den Selbsthass und die einschränkenden Gedankenformen. Bitte liebe mich mehr, damit ich geheilt werden kann.“ Die Krankheit ist eine Aufforderung, spirituell zu wachsen. Sie ist ein unaufhörlicher Stachel, der uns sagt, dass etwas “nicht stimmt“ und angegangen werden muss. Etwas muss anders gehandhabt werden.

Wenn wir Krankheit verstehen, dann verstehen wir auch ihr Gegenteil, nämlich Gesundheit. In der Krankheit steckt immer unbewusste Schuld - als wahr akzeptiert. Schuld ist die Basis des Ego-Denksystems.

“Und Götzen sind dort [in der wirklichen Welt] nicht erwünscht, denn Schuld wird als die einzige Ursache von Schmerz in jeder Form verstanden.”
(EKIW: Kapitel 30, V. 2. 4.)

Es gibt ganze Systeme, wie man unbewusste Schuldgefühle loslassen kann, indem man bereit ist zu vergeben, Kritik und Urteile loszulassen, Recht und Unrecht als Orientierung für das Leben loszulassen, sich in Richtung Vergebung zu bewegen und durch den Wunsch, das Leben aus Mitgefühl heraus zu verstehen. Um Falschgesinntheit aufzulösen, ist eine Rekontextualisierung der Wahrnehmung erforderlich, wie sie durch die transformative Wirkung der Arbeit mit dem Arbeitsbuch von Ein Kurs in Wundern erreicht wird.

Es sind nicht die Ereignisse im Leben, sondern die Art und Weise, wie wir sie wahrnehmen, die unsere Reaktion hervorrufen. Ereignisse an sich haben keinen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Was uns beeinflusst, ist unsere Einstellung und Beurteilung dieser Ereignisse und wie wir damit umgehen. Unsere Einstellung, unser Standpunkt, der Kontext und die allgemeine Bedeutung verleihen dem Ereignis die emotionale Macht über uns. Wir können erkennen, dass wir selbst die Bedeutung und die Auswirkungen, die es auf uns hat, erschaffen.

Und das gilt sogar im Falle medizinischer Behandlungen. Die Medizin ist eine weltliche Wissenschaft. Daher gibt sie bei Aussagen über die Wirksamkeit von Behandlungen und Medikamenten immer Wahrscheinlichkeiten an. Mit Wahrscheinlichkeit hat das jedoch in Wahrheit nichts zu tun, sondern sogar die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen und Medikamente hängt vom individuellen Bewusstsein ab.

Es gilt, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, das unabhängig von äußeren Ereignissen und vom Körper selbst ist. Es gilt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass der Körper der Körper ist und Ereignisse Ereignisse sind, aber „das, was ich bin, bleibt von diesen Ereignissen wirklich unberührt“. Es gibt die Unschuld des reinen Bewusstseins, die an sich von den Ereignissen, die im Laufe des Lebens auftreten, unberührt bleibt. Eine gesunde Einstellung ist eine, die ihre Realität oder ihr Überleben nicht auf etwas Vergänglichem gründet.

Manche Krankheiten bleiben trotz aller Bemühungen, die in diesem Leben erkennbaren Faktoren zu beseitigen, hartnäckig bestehen, und die Gründe dafür sind oft vielfältig. Ein Faktor, der von den Menschen der westlichen Welt häufig übersehen wird, ist das, was im Osten als Karma bezeichnet wird, sowohl das individuelle als auch das kollektive. Karma bedeutet richtig verstanden, nicht dass wir das Opfer vergangener Taten sind, sondern dass unser Bewusstsein schon mehr erlebt hat als dieses Leben, dass unser Bewusstsein schon bei der Geburt nicht rein ist. Es gibt ja einen Grund, warum wir uns entschieden haben, nochmals zu inkarnieren.

Die spirituelle Entwicklung selbst kann karmische Muster sowohl aus dem individuellen als auch aus dem kollektiven Unbewussten hervorbringen; daher kann spirituelle Arbeit paradoxerweise verdrängte Muster zum Vorschein bringen. Dies ist charakteristisch für die Lebensgeschichten von Mystikern, die häufig Krankheitsphasen durchliefen. Manchmal lässt sich die Ursache einer hartnäckigen Krankheit durch einfache Techniken zur Erinnerung an vergangene Leben, wie Hypnose oder induzierte veränderte Bewusstseinszustände, erkennen. Die Ursache für eine hartnäckige Krankheit ist oft sehr spezifisch, und ihre Verarbeitung durch Vergebung gegenüber sich selbst und anderen für ein vergessenes Ereignis erweist sich als heilend.

Die Enthüllung verdrängter Erinnerungen kann ein sehr wichtiges Sprungbrett für unsere Heilung sein und sollte nicht außer Acht gelassen werden. Diese Erinnerungen können einen wesentlichen Beitrag zur tieferen Heilung unseres Geistes und zur Öffnung unseres Bewusstseins leisten. Aber denken wir daran: Unser egoischer Geist wollte jede Erfahrung, die er jemals gemacht hat, und das Beste, was wir jetzt tun können, ist, diese Erfahrungen als Einstieg zu nutzen, um das grundlegende Problem der Trennung zu lösen und uns auf dem Weg zurück - zu dem was wir wirklich sind - zu machen.

Außerdem verweist Jesus im Zusammenhang mit Krankheit auch noch auf Folgendes: "Eine der am schwierigsten zu erkennenden Versuchungen ist, eine Heilung anzuzweifeln, weil die Erscheinung von Symptomen andauert: Dies ist ein Fehler in Form von mangelndem Vertrauen." (EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 7. 4. 1.)

Was bedeutet das nun konkret für den Umgang mit Krankheit?

1. Den Widerstand gegen die sensorische Erfahrung der Krankheit loslassen.

2. Der Krankheit keine Namen oder Etiketten mehr zu geben. Auch die sensorische Erfahrung nicht benennen.

3. Überhaupt keine Worte mehr verwenden. Das, was wir erleben, auf sehr radikale Weise begrüßen.

4. Sich um die Befreiung aus dem Ego-Denksystem kümmern, statt Zeit mit der Suche nach medizinischen Behandlungen oder der endlosen Suche nach karmischen Erklärungen zu verschwenden.

5. Das Energiefeld der Liebe wählen, das allein heilt.

Was bedeutet das in den Worten des Kurses?

"Nimm Leiden nicht an, und du beseitigst den Gedanken des Leidens."
(EKIW: Lektion 187, 7. 2.)

Es bedeutet auch, nicht zu versuchen, das Leiden und den Schmerz zu analysieren, sondern sie dem HEILIGEN GEIST zu übergeben.

“Dem HEILIGEN GEIST ein Problem zur Lösung übergeben heißt, dass du seine Lösung willst. Doch es für dich behalten, um es ohne SEINE Hilfe zu lösen, heißt dich dazu entscheiden, es solle unbewältigt, ungelöst und dauerhaft in seiner Macht der Ungerechtigkeit sowie des Angriffs bleiben.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 7. 5.-6.)

“Alle Probleme einer einzigen ANTWORT zu übergeben heißt, das Denken der Welt voll und ganz umzukehren. Und das allein ist Gläubigkeit. Nichts als das verdient den Namen wirklich.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 4. IX. 1. 6.-8.)

“Doch auch der HEILIGE GEIST hat eine Verwendung für den Schlaf und kann Träume für das Wachsein nutzen, wenn du IHN nur lässt.
Wie du erwachst, ist das Zeichen dafür, wie du den Schlaf genutzt hast. Wem hast du ihn gegeben? Welchem Lehrer hast du ihn unterstellt? Jedesmal, wenn du entmutigt erwachst, hattest du ihn nicht dem HEILIGEN GEIST übergeben. Nur wenn du freudig erwachst, hast du den Schlaf in SEINEM Sinn genutzt. Du kannst tatsächlich vom Schlaf »betäubt« sein, wenn du ihn zugunsten der Krankheit missbraucht hast.”
(EKIW: Kapitel 8, IX. 3. 8. & 4. 1.-6.)

“Nimm dies von mir, betrachte es und beurteile es für mich.
Lass es mich nicht als Zeichen der Sünde und des Todes sehen noch zur Zerstörung nutzen.
Lehre mich, wie ich daraus kein Hindernis für den Frieden mache, sondern es DICH für mich nutzen lasse, um sein Kommen zu erleichtern.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. 11. 8.-10.)


Heilung

Heilung entsteht aus der Bereitschaft, die Kraft des Geistes anzunehmen, und aus der Bereitschaft, niemals zuzulassen, dass der Geist etwas Falschgesinntes denkt, ohne es in Frage zu stellen und durch einen rechtgesinnten Gedanken zu ersetzen. Das Feld dessen, was wir wirklich sind, ist immer gegenwärtig und vermittelt uns ein intensives Gefühl der Lebendigkeit, wenn wir die Hindernisse loslassen.

Bei jeder spirituellen Arbeit stellt man fest, dass der Ego-Geist sich dagegen wehrt, falschgesinnte Programme loszulassen, obwohl sie Leiden verursachen. Der Grund für diesen Widerstand ist der heimliche Gewinn, den das Ego aus der Falschgesinntheit zieht. Das Ego hat Freude an “gerechtfertigten“ Ressentiments, Schuldzuweisungen, Selbstmitleid und allem anderen. Was also aufgegeben werden muss, ist die Befriedigung, die der Ego-Geist aus der Falschgesinntheit zieht. Um die Sucht nach dieser Belohnung zu überwinden, muss man sich nur fragen, ob das Leiden der Krankheit es wert ist, an der “Freude” der falschgesinnten Einstellung festzuhalten. Insgeheim “lieben” es die meisten Menschen, zu hassen, Schuld zuzuweisen und sich zu rächen, sowie “Recht zu haben” oder “überlegen” zu sein und vieles mehr. Das Pflegen von Groll hat seinen Preis, da es die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht und die Genesung behindert. Selbstaufrichtigkeit ist daher der Schlüssel zu Fortschritt und mehr Wohlbefinden.

Ein Meister erzählte: „Der Hauptgrund, warum so viele Menschen leiden, liegt darin, dass sie eine Befriedigung aus ihrem Leiden ziehen. Neulich fuhr ich in einem Schlafwagen. Unter mir lag ein Mann, der die ganze Zeit stöhnte: „Mein Gott, bin ich durstig. Ich bin ja so durstig.“ So ging das die ganze Zeit. Schließlich stand ich auf, holte im Speisewagen ein Glas Wasser und brachte es dem Mann, der es dankbar annahm und in einem Zug leerte. Kaum lag ich wieder im Bett, da hörte ich wieder seine Stimme: „Mein Gott, war ich durstig, ach, wie war ich durstig.“

Gefühlen Raum geben, Loslassen

Wenn wir uns in einem schwierigen Moment unseres Lebens emotional überwältigt fühlten und nicht in der Lage waren, einen Konflikt in unseren Geist zu lösen, und ihn daher unbewusst in den Körper projiziert haben, um ihn im Geist nicht betrachten zu müssen, dann setzen wir dadurch eine wieder schwer zu durchbrechende Dynamik in Gang.

Denn wenn wir heftige Krankheitssymptome ausgebildet haben, scheinen diese die Gefangenschaft im Körper zu bestätigen. Dann kann es passieren, dass wir selbst dann, wenn sich die “äußeren Umstände“ verändert haben, nicht mehr aus der Krankheit herausfinden.

“Dynamik” einer Krankheit

Es gab den Fall einer Frau, die ein Telegramm erhielt, in dem stand, dass ihr Sohn in Vietnam getötet worden war. Daraufhin hörte sie auf zu sprechen, saß in einem Schaukelstuhl am Fenster und schaukelte nur noch hin und her, während sie stumpf aus dem Fenster starrte. Sie befand sich in einem Zustand der Apathie und hatte jegliche Energie verloren. Die Welt erschien ihr hoffnungslos, und für sie war Gott tot. In diesem hoffnungslosen Zustand schaukelte sie hin und her und reagierte nicht mehr auf ihre Familie. Sie weigerte sich zu essen, schlief kaum, vielleicht nur ein wenig in der Nacht, und starrte einfach nur ausdruckslos aus dem Fenster, in einem Zustand völliger Apathie. Ärzte stellten fest, dass sich infolgedessen Veränderungen in ihrer Gehirnchemie vollzogen hatten, wobei die Neurotransmitter erschöpft waren.

In der Zwischenzeit wusste die Familie nicht, was sie tun sollte, und war sehr beunruhigt. Etwa zehn Tage später erhielt die Familie ein weiteres Telegramm vom US-Verteidigungsministerium, in dem stand, dass alles ein Irrtum gewesen sei, dass der Sohn nicht im Kampf gefallen sei, sondern dass es sich um einen anderen Soldaten mit dem gleichen Namen und einer nur um eine Ziffer abweichenden Identifikationsnummer gehandelt habe und dass ein Computerfehler vorlag. Die Familie sagte zu der Frau: “Mutter, Mutter, er ist nicht tot!“ Sie schaukelte weiter und starrte ausdruckslos aus dem Fenster, als hätte sie sie gar nicht gehört.

Die Umstände in der Außenwelt zu ändern, wird also nicht unbedingt die Verstimmung ändern, da sie einen Prozess in Gang gesetzt hat. Es ist dieser Prozess, der bewältigt werden muss. Es sind nicht die Ereignisse, die da draußen geschehen sind, die wir gut heißen müssen, denn das können wir einfach nicht. Was wir tun können, ist, die Tatsache zu akzeptieren und uns ihr hinzugeben, dass man in den sauren Apfel beißen und sich mit der Situation, wie sie gerade ist, arrangieren muss. Wenn beispielsweise unser Bein in einer Bärenfalle gefangen ist und es keinen Ausweg gibt, geben wir uns der Erfahrung selbst hin – der Notwendigkeit, sie durchzustehen, ihr ins Auge zu sehen, mit ihr umzugehen und uns der Erfahrung ganz hinzugeben, indem wir die bereits gelernten Techniken anwenden.

Die Geschichte dieser Frau ist außerdem eine wunderbare Metapher für den Zustand des menschlichen Geistes im Allgemeinen. Wir glauben, die Trennung von Gott wäre tatsächlich geglückt, und diese Vorstellung ist so fest in uns verankert, dass es uns sehr schwer fällt, uns davon zu lösen. Unsere Identifikation mit dem Körper scheint dies ständig zu bestätigen. Da können Lehrer wie Buddha und Jesus seit Jahrtausenden predigen, so viel sie wollen, dass die Trennung nur eine Illusion ist – wir empfinden das normalerweise nicht so. Der Gedanke der Trennung hat eine physische Welt gemacht und die große Herausforderung am spirituellen Weg besteht nun darin, unser Bewusstsein wieder aus der Identifikation mit dieser Welt zu befreien.

Und so kann gerade eine Krankheit eine zusätzliche Motivation sein, uns mit der Macht unseres Geistes zu beschäftigen und zu erkennen, dass wir nicht der Körper sind. Selbst ein Symptom, das sich auf der Körperebene nicht mehr korrigieren lässt, weil uns beispielsweise ein Körperteil fehlt, kann dann das Tor zur Befreiung unseres Geistes und zu innerem Frieden werden.

“Gesundheit ist innerer Frieden.”
(EKIW: Kapitel 2, I. 5. 11.)

Daher ist es umso wichtiger zu verstehen, dass das eigentliche Problem nicht ein Geschehen “da draußen“ ist. Das einzige Problem ist das eigene Gefühl. Ein Mensch steht der Energie seines eigenen Gefühls gegenüber, der Überwältigung durch diese Energie. Wenn man seine Aufmerksamkeit darauf richtet und sie präzise darauf konzentriert, wird eine möglicherweise langwierige und sehr schmerzhafte Erfahrung abgebrochen; sie findet ein abruptes Ende.

Wenn wir jedes auftauchende Gefühl total zulassen - es “ausfühlen” - dann ist das, als würde, wenn das Manometer an der Kompressionskammer einen bestimmten Punkt erreicht, der Überlauf aufhören und wir dann einen Zustand des Friedens erleben. Aus einer akuten Katastrophe entstehen so tiefe Zustände des Friedens. Wer dies schon einmal erlebt hat, versteht, was hier gemeint ist. Der Kern der Erleichterung liegt darin, die Energie in großer Tiefe loszulassen.

Das Einzige, was wir also lernen müssen, ist der richtige Umgang mit Gefühlen und wie wir uns von dieser ungeheuren Energie befreien können. Wenn wir das gelernt haben, wenn wir sozusagen in der Lage sind, den Stecker zu ziehen, dann sind wir von der Erfahrung losgelöst und bleiben in einem Zustand inneren Friedens zurück.

Krebs

Als Beispiel für eine schwere Krankheit möchte ich Krebs erwähnen, da es sich um eine weit verbreitete Krankheit handelt und der Begriff allein üblicherweise Angst und Schrecken verbreitet.

Das Erste, was man in diesem Zusammenhang über Krebs und andere schwere Krankheiten verstehen muss, ist, dass der Zweck dieser großen Konfrontation darin besteht, dass wir so schnell wie möglich wachsen und uns weiterentwickeln, da wir bei unheilbaren Krankheiten nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung haben. Dinge, die der Geist für tödlich oder unheilbar hält, werden aufgrund der Kraft des Geistes tatsächlich tödlich und unheilbar. Wenn der Geist eine Krankheit für tödlich und unheilbar hält, wird sie dies auch sein, vorbehaltlich jedoch des karmischen Drehbuchs. Dies veranschaulicht die Macht von Glaubenssystemen.

Das Zweite, an das wir uns immer wieder erinnern dürfen ist, dass unserem göttlichen GEIST grundsätzlich keine Grenzen gesetzt sind. Dass eine direkte Erfahrung der LIEBE GOTTES alles heilt, beschreibt Anita Moorjani in ihrem Buch “Heilung im Licht“. Während einer Nahtoderfahrung erkannte sie die LIEBE GOTTES und wurde geheilt. Ein über den ganzen Körper verteilter Krebs verschwand innerhalb weniger Wochen. Dies ist selbstverständlich ein sehr extremes und sehr seltenes Beispiel. Wichtig ist jedoch zu verstehen, was die einzige Quelle für Heilung ist: die LIEBE GOTTES. Das Einzige, worum wir uns daher - mit SEINER Hilfe - kümmern müssen, ist die Beseitigung der Blockaden, die uns daran hindern, uns der Gegenwart der LIEBE, die unser angestammtes Erbe ist, bewusst zu sein. Eine schwere Krankheit ist eine Aufforderung, spirituell zu wachsen und uns intensiv um die Berichtigung unseres gespaltenen Geistes zu kümmern. Dann kann uns, wie bei Anita Moorjani, eine schwere Krankheit zu einem gewaltigen Bewusstseinssprung verhelfen – und aus einem Unglück wird ein Geschenk.

Krebs wird von der breiten Öffentlichkeit mit viel emotionaler Energie aufgeladen – mit all den damit verbundenen Ängsten, negativen Assoziationen und Gedankenformen. Wenn wir eine Menge unbewusster Ängste in uns tragen, öffnet dies nun die Tür, um unbewusst jene Dinge in unser Bewusstsein zu bringen, die uns Angst machen, darunter auch Krebs. Ohne jemals bewusst geglaubt zu haben, dass wir anfällig für Krebs sind, entdecken wir möglicherweise, während er sich in unserem Körper ausbreitet, dass wir uns unwissentlich diesem kollektiven Glaubenssystem in Form von Gedankenformen angeschlossen haben.

Der Geist hat eine enorme Macht über alle Funktionen des Körpers, bis hin zu den kleinsten Molekülen und Atomen. Jedes Atom und jedes Molekül im Körper wird von unseren Bewusstseinszuständen und Überzeugungen beeinflusst. Alle physiologischen und chemischen Vorgänge im Körper sind das Ergebnis eines Entwurfs im Bewusstsein. Sie alle können durch eine Veränderung des Bewusstseinsinhaltes verändert werden.

Es sind die Glaubenssysteme des Geistes, die dem, was sich anschließend in der physischen Welt manifestiert, Kraft verleihen. Der physische Körper ist ein Ausdruck dessen, was wir geerbt haben, und dessen, was wir bewusst oder unbewusst in unserem Geist festgehalten haben. Oft sagen Menschen, dass sie sich nicht daran erinnern können, jemals einen bestimmten Gedanken gehabt zu haben. Es gibt jedoch etwas, das Dr. Carl Jung als “kollektives Bewusstsein” bezeichnet hat, das diese Gedankenform bewahrt. Unbewusst nehmen wir sie an und geben einem negativen Glaubenssystem Energie, ohne uns jemals daran zu erinnern oder uns dessen bewusst zu sein.

In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, dass wir trotz allem nicht Opfer kollektiver Ideen sind, sondern uns bewusst dafür entschieden haben, genau jetzt in diese Welt zu inkarnieren. Auch unsere Entscheidung, an das Denksystem dieser Welt zu glauben, treffen wir in jedem Augenblick selbst.

Ein unbewusstes Ziel des Egos ist es, zu beweisen, dass wir Opfer sind, und eine schwere Krankheit wie Krebs ist ein Test dafür, ob wir weiterhin daran glauben und es akzeptieren, wie es viele Menschen auf der Welt tun. Das Ego möchte lieber Recht haben, selbst wenn es uns das Leben kostet, als die Position aufzugeben, dass es das unschuldige Opfer ist und der Täter etwas außerhalb seiner selbst ist. Dies ist das zentrale Paradigma der ganzen Opfer-Thematik.

Sobald wir unsere wahre Unschuld erkennen und annehmen, brauchen wir die Scheinunschuld des Opferdaseins nicht mehr, denn es gibt kein Opfer. Es gab von Anfang an nur ein Glaubenssystem, das wir aus unserer Unschuld heraus angenommen haben.

Um uns von Krebs oder einer anderen Krankheit zu erholen, müssen wir uns wieder mit unserer eigenen inneren Unschuld verbinden und die Wahrheit dessen, was wir in unserem Innersten sind, bekräftigen, was völlig unberührt von allen Ereignissen des Lebens geblieben ist. Wir müssen uns dieses Bewusstsein unserer selbst, das über alle weltlichen Ereignisse hinausgeht, wieder aneignen. Etwas in uns bleibt unverändert, egal was in unserem Leben geschieht. Etwas ist unverändert geblieben.

Wenn wir in uns hineinsehen, können wir wirklich erkennen, dass alles, was wir jemals in unserem Leben getan haben, aus Unschuld geschehen ist, und wenn es unsere Hauptabsicht ist, dies zu verstehen, wird es aus Mitgefühl heraus geheilt. Wenn wir dies mit anderen Menschen tun und den Wunsch loslassen, uns selbst und andere zu verurteilen, dann beginnt sich unser eigenes Energiefeld in eine heilende Richtung zu verändern. Der Krebs kann nicht in einem heilenden Energiefeld wachsen, sondern nur in einem destruktiven.

Das Leben fließt gleichermaßen durch den Heiligen wie durch den Verbrecher. Das Leben, die Wahrheit und das, was GOTT in uns ist, urteilt nicht. Das Leben fließt gleichermaßen durch alle. Wie es in den Schriften heißt, fällt der Regen gleichermaßen auf alle. Aus dem Urteilen herauszukommen ist die grundsätzliche Lektion. Das Leben fließt gleichermaßen durch alle, also lassen wir unsere bedingungslose Liebe die Wahrheit aller Menschen unterstützen, einschließlich unserer selbst. Unsere eigene Fähigkeit zur Heilung hängt davon ab, dass wir akzeptieren: “Mit SEINER Hilfe habe ich die Kraft, die Entscheidung zu treffen, die notwendige innere Arbeit zu leisten, um diese Krankheit zu heilen.“ Das ist der Unterschied zwischen Behandeln, Kurieren und Heilung im spirituellen Sinne. Behandeln bedeutet, ein Symptom zu lindern, Kurieren bedeutet, die Krankheit zu überwinden, aber Heilung bedeutet, den kranken Geist zu heilen, der glaubt, dass der Körper krank sein könnte.

Wir setzen uns zum Ziel, inneren Frieden zu erlangen, denn das ist das Endergebnis der Heilung. Das Endergebnis ist eine innere Ruhe, keine Gleichgültigkeit gegenüber dem, was mit dem Körper geschieht, sondern eine Transzendenz des Körpers. Wir identifizieren uns nicht mehr mit dem Körper.

Oft ist es so, dass wenn wir uns mit dem Thema Heilung beschäftigen und die allgemeinen Grundsätze befolgen, sich unser Zustand bessert, aber plötzlich nach einiger Zeit taucht die Krankheit wieder auf, und dann oft sogar noch stärker. Und dann fragen wir uns: “Was hat das zu bedeuten? Warum?“ Dies bedeutet einfach, dass wir noch tiefer gehen müssen. Auf tiefer Ebene geht es immer um das Thema Schuld, denn Schuld ist die Basis des Ego-Denksystems. Oft handelt es sich um das Unterdrücken negativer Gefühle aus Schuldgefühlen.

Für die meisten von uns reicht es aus, die allgemeinen Gesetze der Heilung zu befolgen, um von einer Krankheit zu genesen. Für einige von uns birgt eine bestimmte Krankheit jedoch eine ganz besondere Lektion oder Botschaft. Die Krankheit wird besser, aber dann bleibt etwas zurück oder sie kann wieder auftreten. Der Zweck davon ist, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es eine bestimmte versteckte Botschaft gibt, die übersehen wurde, und dass es noch mehr zu lernen gibt, was oft die Folge eines karmischen Musters ist.

Wenn wir eine körperliche Krankheit haben, können wir davon ausgehen, dass eine unbewusste Schuld vorliegt. Ohne diese unbewusste Schuld kann die Krankheit gar nicht auftreten, denn das, was destruktiv ist und mit Selbsthass einhergeht, kann nur in einem negativen Energiefeld wirken. Das ist das Geheimnis der Heilung. Es ist allerdings auch ein sehr heikles Thema, das immer wieder zu Missverständnissen führt. Der Schwerpunkt liegt immer noch mehr auf der Veränderung “schlechter“ Überzeugungen auf der Ebene der individuellen Persönlichkeit - anstatt auf der Aufhebung ontologischer Schuldgefühle über die scheinbare Trennung. Dieses ontologische Schuldgefühl bildet die Basis des gesamten Ego-Denksystems und spiegelt sich auf individueller Ebene in ganz konkreten Themen und Situationen wider. Es ist wichtig, diesen Themen und Situationen auf den Grund zu gehen, aber immer vor dem Hintergrund des Wissens um den grundsätzlichen Ursprungsirrtum. Wir betrachten also unsere ganz individuelle Strategie, Trennung wahr zu machen.

Die Botschaft für uns alle lautet, dass diese großen Konfrontationen des Lebens, wie eine Krebserkrankung, zu tiefgreifenden Veränderungen und ungeahnten spirituellen Vorteilen führen können. Der physische Körper ist vergänglich, während der Geist nicht der Zeit unterworfen ist. Die Akzeptanz dieser Realität führt dann zu einem weiteren Bewusstseinszuwachs, nämlich dem, das Konzept der Genesung als Gewinn zu transzendieren. Dies erscheint zunächst paradox, doch die Hoffnung auf Genesung ist oft der Auslöser für den Prozess des spirituellen Wachstums.

Wenn Krankheit der Auslöser für spirituelles Wachstum ist, beginnt dies oft auf der Ebene der Angst und umfasst Wut und schuldbewusstes Bedauern. Mit Hingabe und Akzeptanz beginnen diese Gefühle nachzulassen, und spirituelles Wachstum wird um seiner selbst willen geschätzt. Schließlich kommt es mit sehr tiefer Hingabe sogar zu einem Zeitpunkt, an dem auch der Widerstand gegen die Krankheit aufgegeben wird und die Genesung GOTT überlassen bleibt. Dieser Schritt kann auch das Bewusstsein für die Konzepte und das Verständnis der Natur des Karma wecken, was an sich schon eine subtile Lehre ist.

Im weitesten Sinne bezeichnet Karma das gesamte Erbe eines Menschen – physisch, mental und spirituell. Es steht für die kontextuelle Bedeutung der vererbten Menschlichkeit selbst, mit seine allgemeinen Auswirkungen und genetischen Veranlagungen. Das menschliche Leben kann als wertvolle Gelegenheit verstanden werden, Grenzen zu überwinden. Mit der tiefen Hingabe des persönlichen Willens geht schließlich der Verlust der Angst vor dem physischen Tod selbst einher.

Im Workshop von David Hoffmeister “The Way of the Mystic” zum Thema “Living in Full Authenticity” berichtet Jason Warwick, begleitet von Kirsten Buxton, von seiner Erfahrung mit Krebs im 3. Stadium:

Der Alterungsprozess

Das, was das Leben erlebt, hat kein Alter und unterliegt keinem Alterungsprozess. Doch was hat es nun mit dem Altern des Körpers auf sich? Der Körper ist neutral – er ist weder positiv noch negativ. Folglich werden die Überzeugungen, Ideen, Gedanken, Konfigurationen, Muster und Skripte, die im Geist verankert sind, vom Körper übernommen und beginnen sich in der körperlichen Erscheinung widerzuspiegeln. Dies wurde bereits in unseren Diskussionen über Gesundheit, Krankheit und das Aufgeben verschiedener Krankheiten behandelt. Es ist wichtig, dieses Prinzip weiter zu betrachten.

“Der Körper denkt keine Gedanken. Er hat keine Macht zu lernen, zu verzeihen oder zu versklaven. Er gibt keine Befehle, denen der Geist dienen muss, noch legt er Bedingungen fest, denen er gehorchen muss. Er hält nur den willigen Geist gefangen, der dort verweilen möchte. Er erkrankt auf das Geheiß des Geistes, der sein Gefangener werden möchte. Und er wird alt und stirbt, weil jener Geist in sich selbst krank ist.”
(EKIW: Kapitel 31, III. 4. 2.-7.)

Auch unsere Vorstellungen vom Alterungsprozess, die Vorstellung von nachlassender Gesundheit und die Überzeugung, dass all diese Dinge unvermeidlich sind und zum natürlichen Alterungsprozess gehören, stammen aus dem Geist und führen daher zu ganz individuellen Erfahrungen. Dies lässt sich anhand sehr einfacher klinischer Beispiele wie Hypnose veranschaulichen.

Ein sehr interessantes klinisches Beispiel ist “Progerie“, eine Erkrankung, bei der die betroffene Person zunehmend altert und im Alter von fünf, sechs, sieben, acht oder neun Jahren bereits extrem alt ist und oft schon mit zehn Jahren an Altersschwäche stirbt. Die Betroffenen altern fünf- bis zehnmal schneller als Menschen ohne diese Krankheit. Die häufigsten Todesursachen sind Herzinfarkt und Schlaganfall, die bereits im Kindes- oder Jugendalter auftreten. Die Lebenserwartung liegt bei vierzehn Jahren.

Wenn Kalenderjahre die Ursache und der physische Körper die Wirkung des Kalenders wären, könnte so etwas nicht geschehen. Diese Information soll dazu dienen, den Geist dafür zu öffnen, dass das, was wir glauben, akzeptieren und uns von nun an programmieren lassen, zur Quelle, zum Programm und zum Drehbuch wird und dass dieses Drehbuch beginnt, sich auf der physischen Ebene auszudrücken. Wenn man sieht, wie es sich auf der physischen Ebene manifestiert, kommt der vom Ego gesteuerte Verstand aufgrund seiner Naivität zu dem Schluss, dass die Ursache auf der physischen Ebene liegt. Der naive Verstand sieht Kausalität auf der physischen Ebene als “A verursacht B verursacht C“. Der im Glauben an die lineare Zeit gefangene Geist kommt nie auf den Gedanken, dass die Kausalität von ABC gleichzeitig aus einer ganz anderen Ebene entsteht.

Die Krankheit “Progerie“ zeigt uns außerdem, dass wir bereits mit einer Geschichte in diese Welt inkarnieren. Die Idee der “unschuldigen Kinder” ist eine Lüge. Abgesehen von einigen Avataren inkarniert niemand ohne die Idee von Schuld im Geist, denn es gibt keinen anderen Grund dafür. Es geht daher in dieser Welt einzig und allein darum mit dem GROSSEN WANDLER der Wahrnehmung eine sorgfältige Erforschung unseres Geistes zu unternehmen, der diese Welt gemacht hat, um die scheinbaren Beweggründe aufzudecken, um derentwillen wir sie gemacht haben. Im Licht der wirklichen Vernunft, die ER uns bringt, wenn wir IHM nachfolgen, wird ER uns zeigen, dass es in dieser Welt des Egos überhaupt keine Vernunft gibt.

"Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung."
(EKIW: Lektion 152, 1.)

Es geht nicht darum, alte Glaubenssätze durch neue lineare Glaubenssätze zu ersetzen, um den Körper zu verbessern. Vielmehr geht es darum, den Geist zu leeren und alles, was wir scheinbar in dieser Welt gelernt haben, wieder zu verlernen. Wir müssen erkennen, dass wir uns nicht nur ein bisschen geirrt haben, sondern dass alles, was diese Welt versucht wahr zu machen, grundsätzlich falsch ist. Tatsächlich ist die einzige Möglichkeit, zur göttlichen Unschuld zurückzukehren, wenn wir sagen können: "Wow! Ich habe mich in absolut allem geirrt. Ich habe mich nicht zu 99,9 Prozent geirrt. Ich bin völlig hinters Licht geführt worden; ich bin völlig getäuscht worden. Ich habe mich in allem geirrt!"

Wir müssen das Ego-Denksystem, an dem wir festhalten, gegen die Wahrheit eintauschen, dass wir unendliche Wesen sind und nur dem unterworfen sind, was wir im Geist haben und nicht das Opfer von irgendetwas außerhalb von uns sind. Jedes Mal, wenn negative Überzeugungen auftauchen, ist es notwendig, sie zu widerlegen und auf der Wahrheit zu bestehen. Es erfordert Wachsamkeit, das Ego-Denksystem im Geist aufzuheben.

“Heute üben wir uns darin, deinen Geist von all den Gesetzen zu befreien, denen du meinst gehorchen zu müssen, von allen Begrenzungen, innerhalb deren du lebst, und von allen Veränderungen, die du für einen Teil des menschlichen Schicksals hältst. Heute machen wir den größten einzelnen Schritt, den dieser Kurs in deinem Vorwärtsschreiten zu dem von ihm gesteckten Ziel erfordert.”
(EKIW: Lektion 127, 6. 4.-5.)

Wenn wir der Wahrheit näher kommen, werden wir uns zunehmend bewusst, dass wir der Erlebende sind und dass die Phänomene, die sich im Laufe des Lebens ereignet haben, den Erlebenden nicht wirklich beeinflusst haben.

Schmerz und Leiden

Die Welt denkt, dass Schmerz und Leiden dasselbe sind, aber in Wahrheit unterscheiden sich Leiden und Schmerz tatsächlich voneinander. Um dies erkennen zu können, müssen wir uns erneut mit der Beziehung zwischen Körper und Geist befassen. Was ist das Wesen der menschlichen Erfahrung? Wo wird Erfahrung erlebt?

Der Körper ist nicht in der Lage, sich selbst zu erfahren. Das ist ein überraschender Gedanke, denn wir glauben normalerweise, dass wir unser Körper sind. Wie wird der Körper erfahren? Der Körper wird durch Empfindungen erfahren. Wir erleben nicht den Körper, sondern die Empfindungen des Körpers. Und wo werden diese Empfindungen des Körpers erlebt? Sie werden im gespaltenen Geist mit Hilfe des Verstandes erlebt. Die Körperempfindungen werden vom Geist mithilfe eines speziellen Körperteils, dem Gehirn, wahrgenommen. Die Erfahrung des Körpers findet nicht im Körper statt, sondern im Geist. Das ist der erste überraschende Gedanke, an den man sich gewöhnen muss.

Der nächste überraschende Gedanke ist, dass auch der denkende Verstand sich selbst nicht erfahren kann. Ein Gedanke kann seine Gedankenhaftigkeit nicht erfahren, ein Gefühl kann seine Gefühlhaftigkeit nicht erfahren. Der denkende Verstand muss sich in etwas Größerem als sich selbst befinden, um zu wissen, was im Verstand vor sich geht. Und was ist das? Wir wissen aufgrund des Bewusstseins selbst, was auf der Ebene des Verstandes vor sich geht.

Der Inhalt des Geistes und das, was im Geist vor sich geht, wird durch das Bewusstsein wahrgenommen; daher findet jede Erfahrung im Bewusstsein statt. Das Bewusstsein dessen, was geschieht, findet im Bewusstsein eines Menschen statt.

Wir wissen, dass es ohne Bewusstsein keine Wahrnehmung dessen gibt, was im Geist vor sich geht. Das ist der Zweck der Anästhesie. Interessanterweise wird das Bewusstsein selbst aus einem noch größeren Bereich heraus erlebt. Im Laufe dieses Prozesses erkennt man, dass das Kleinere immer aus dem Größeren heraus erlebt wird. Das Größere umfasst das Kleinere und ermöglicht dessen Erfahrung. Das Bewusstsein wird dann in der größten Dimension erfahren, die keine Grenzen kennt und das Bewusstsein umfasst. Erst jenseits unseres Bewusstseins findet sich unsere Wirklichkeit als vereinter reiner GEIST.

Es ist wichtig zu wissen, dass das Bewusstsein keinen bestimmten Raum, keinen physischen Bereich und keine Begrenzung hat. Die verbreitete Vorstellung lautet: “Ich erlebe Dinge in meinem Kopf.“ Tatsächlich erleben wir sie jedoch nicht im Kopf. Wo erleben wir einen Gedanken? Wir erleben einen Gedanken nirgendwo; es gibt keinen bestimmten Ort oder Raum, an dem wir einen Gedanken erleben. Das Wesen des Bewusstseins ist, dass es keine bestimmte Form hat; es ist formlos. Sein Inhalt hat eine Form, aber das Feld des Bewusstseins selbst hat keinen bestimmten Ort. Dies wird später wichtig sein, wenn wir eine der Techniken zur Bewältigung von Schmerzen besprechen, die sowohl lokal als auch allgemein angewendet werden kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Schmerzen und den damit verbundenen spezifischen Empfindungen und Erfahrungen umzugehen. Wo wir als Wesen mit der Erfahrung von Schmerz stehen und wie wir uns in unserem eigenen Bewusstsein weiterentwickeln, entscheidet darüber, ob der Schmerz mit Leiden verbunden ist oder nicht. Der Schmerz ist eine Sache, das Leiden eine andere.

"Nimm Leiden nicht an, und du beseitigst den Gedanken des Leidens."
(EKIW: Lektion 187, 7. 2.)

Das erste, was es zu beseitigen gilt, ist die Überzeugung, dass Schmerz gleichbedeutend mit Leiden ist, denn diese Überzeugung löst eine ganze Reihe von Programmen aus, die rückgängig gemacht werden müssen. Schmerz ist eine Sache, und es ist durchaus möglich, mit Schmerz zu leben und ihm dennoch völlig gleichgültig gegenüberzustehen. Es ist möglich, dass Schmerz im Körper vorhanden ist, man ihn aber aufgrund eines schmerzstillenden oder veränderten (z. B. hypnotischen) Geisteszustands relativ wenig oder gar nicht wahrnimmt oder darunter leidet. Es ist, als ob der Schmerz zwar noch vorhanden ist, man aber keine Verbindung zu ihm hat. Der Schmerz existiert für sich, ohne dass die Person unter ihm leidet. Mit anderen Worten: Es ist nicht notwendig, Opfer des Schmerzes zu sein. Man kann mit dem Schmerz so umgehen, dass man weder leidet noch Qualen erfährt. Zu erkennen, dass dies möglich ist, ist der erste Schritt, der einen aus dem Schmerz herausführt. Es ist das Loslassen der Überzeugung, dass Schmerz und Leiden dasselbe sind.

Als Erstes wollen wir die Behandlung akuter Schmerzen ansprechen. Widerstand loszulassen bedeutet, sich ganz auf das Ereignis einzulassen und sich der Empfindung vollkommen hinzugeben. Es bedeutet, die Gedanken, die wir darüber haben, zu ignorieren. Anstatt darüber nachzudenken, tauchen wir direkt in die Erfahrung der Empfindung ein und lassen den Widerstand völlig los. Wenn wir uns beispielsweise versehentlich verbrennen und den Widerstand gegen die Empfindung loslassen, wird es zunächst wie eine Überwältigung sein. Wir öffnen die Türen, der Schmerz strömt herein, und wir geben uns ihm völlig hin und lassen den Widerstand los. Der Weg, dies zu tun, besteht darin, zu sagen: “Mehr, mehr, mehr.“ Um dies im Gedächtnis zu behalten, damit es akzeptabel ist, muss man sich bewusst machen, dass jede Erfahrung nur ein begrenztes Maß an Schmerz beinhaltet. Wir öffnen die Tür dafür und lassen es schnell wieder herausfließen. “Ich lasse den Widerstand gegen diese Erfahrung los. Ich lasse den Widerstand dagegen los, damit zu sein. Ich ignoriere die Gedanken, weil sie nicht hilfreich sind. Stattdessen gebe ich mich völlig hin und erlaube mir, es vollständig zu erleben.“ Es ist, als ob sich die Türen öffnen, es gibt einen Ansturm, und der Schmerz wird innerhalb weniger Minuten vollständig und sehr schnell empfunden.

Bei jeder Art von Bewusstseinsarbeit kann man erkennen, dass Widerstand die Erfahrung verlängert. Solange wir uns gegen etwas wehren und daran festhalten, besteht es weiter. Widerstand gibt ihm Macht über uns, und wir werden dann zu Opfern davon. Wir sind dem unterworfen, was wir ablehnen. In dem Moment, in dem wir unseren Widerstand aufgeben und eins mit ihm werden, verschwindet er. Das bedeutet auch, alle damit verbundenen Bilder und ihre angesammelte Energie loszulassen.

Anstatt uns dem Leben zu widersetzen, gehen wir mit dem Leben mit und übergeben es IHM. Das ist die Weisheit des Tao, die lehrt, dass sich der Weidenbaum im Wind biegt, während die Eiche, die sich ihm widersetzt, bricht. Anstatt uns dem zu widersetzen, was passiert ist, wenn wir uns das Schienbein gestoßen haben, werden wir einfach wie der Weidenbaum und gehen mit; wir lassen den Widerstand los. Wir lassen diese Erfahrung durch uns hindurchfließen.

Wie kann diese Technik bei chronischen Schmerzen angewendet werden, die sich von akuten Schmerzen unterscheiden? Wir gehen genauso vor wie bei akuten Schmerzen, allerdings auf etwas andere Weise. Wie bereits erwähnt, werden alle Erfahrungen im Bewusstsein wahrgenommen. Wir schauen, wo der Schmerz empfunden wird, beispielsweise im Daumen, der abgeschnitten wurde. Zunächst könnten wir sagen, dass der Schmerz im Daumen ist. Wo wird der Schmerz tatsächlich empfunden? Das lenkt unsere Aufmerksamkeit vom Daumen weg. Wenn wir sagen: “Ich verlagere den Fokus meiner Aufmerksamkeit auf meinen Scheitel“, dann betrachten wir vom Scheitel aus den Bereich des Daumens und empfinden den Schmerz, aber wo tritt der Schmerz im Daumen auf? Wenn wir das tun, beginnen wir zu bemerken, dass der Schmerz überall erlebt wird – rund um den Körper und die Energiefelder des Körpers – es geschieht wirklich überall.

Fast jeder hat schon einmal Schmerzen erlebt, die einem Übelkeit bereiten und einem das Gefühl geben, wackelig auf den Beinen und schwach in den Knien zu sein. Wir erleben sie überall. Wenn wir uns auf den Scheitelpunkt unseres Kopfes konzentrieren, nur als Übung, beginnen wir von diesem Punkt aus, die Schmerzen zu spüren. Wir nehmen den Schmerz als überall vorhanden wahr und wenden dann dieselbe Technik an, die wir bei der Behandlung des akuten Schmerzes angewendet haben. Wir lassen den Widerstand gegen das, was überall empfunden wird, los; es findet nicht an einem bestimmten Ort statt.

Es ist notwendig, das Gefühl, die Empfindung oder die Erfahrung klar von den Gedanken zu unterscheiden. Es geht darum, eine absolute Empfindung dessen zu bekommen, was wirklich erlebt wird. Der Verstand verarbeitet dann die Erfahrung, versieht sie mit Etiketten und versieht sie mit Konzepten. Man kann beispielsweise kein Geschwür oder keine Verstauchung erleben. Das sind Bezeichnungen, Konzepte oder Diagnosen. “Schmerz” ist ein Konzept, ebenso wie das Wort “Empfindung”. Das Erfahrungsphänomen geht über Worte, Konzepte oder Bezeichnungen hinaus.

Wenn das Tier diese Erfahrung macht, hat es keine Worte dafür; es ist einfach das, was gerade geschieht. Warum rufen wir nicht unsere tierische Natur hervor und sind einfach mit dem, was wir erleben, ohne etwas darüber zu sagen? Weil all diese Gedanken komplizierte Programme und Glaubenssysteme mit sich bringen und wir dann der Wirkung dieser Gedanken unterliegen. Wenn ich mir sage: “Ich habe ein Magengeschwür“, dann entsteht eine Reihe von Programmen, die mit “Magengeschwür“ einhergehen. Aufgrund der Natur des Geistes beginnen wir, all diese Programme zu erleben, weil der Geist so mächtig ist. Das schwierigste Konzept, das wir verstehen müssen, wenn wir uns mit der Erforschung des Bewusstseins beschäftigen, ist die Erkenntnis, wie mächtig unser Geist ist und wie groß sein Einfluss tatsächlich ist. Wir können mit unseren Gedanken einfach nicht sorglos umgehen.

Sobald wir die Kraft des Geistes und die Natur der Gedanken verstehen, beginnen wir zu erkennen, dass eines der Prinzipien des Bewusstseins darin besteht, dass wir nur dem unterworfen sind, was wir im Geist haben. Dieser eine Satz ist der Schlüssel zur Heilung aller Krankheiten, Schmerzen und Leiden. Wir sind nur dem unterworfen, was wir im Geist haben. Der Geist ist außerordentlich mächtig. Die große Schwierigkeit für die meisten Menschen besteht darin, zu begreifen, wie mächtig der Geist ist. Daher ist es im Umgang mit Schmerzen oder Leiden jeglicher Art zunächst notwendig, alle unsere Glaubenssätze darüber aufzugeben, loszulassen und aufzuheben. Forschungen haben gezeigt, dass es der Glaubenssatz selbst ist, der die Erfahrung buchstäblich erschafft. Das Ereignis ist ein Ausdruck dieses Glaubenssatzes. Es ist, als würde der Geist das, was er für wahr hält, rechtfertigen.

“Die Welt an sich ist nichts. Dein Geist muss ihr Bedeutung geben. Und was du in ihr siehst, sind deine Wünsche, ausagiert, damit du sie anschauen und sie für wirklich halten kannst.”
(EKIW: Lektion 132, 4. 1.-3.)

Wir können herausfinden, ob dies wahr ist, indem wir damit beginnen, die Überzeugung, dass Schmerz und Leiden dasselbe sind, aufzugeben. Im Umgang mit akuten oder chronischen Schmerzen müssen wir alle Gedanken aufgeben, da es sich dabei eigentlich um Glaubenssysteme handelt. Stattdessen müssen wir uns für die radikale Wahrheit entscheiden, radikal in dem Sinne, dass wir alles loslassen, außer dem wortlosen Erleben dessen, was buchstäblich erlebt wird, und den Widerstand dagegen aufgeben. Wenn wir das tun, werden wir Erleichterung vom Leiden erfahren und seltsamerweise einen Punkt erreichen, an dem es uns egal ist, ob der “Schmerz” vorhanden ist oder nicht.

Das mag anfangs schwer zu akzeptieren sein, weil der Verstand den Schmerz loswerden möchte. Dieser therapeutische Ansatz besteht darin, ihn stattdessen zu akzeptieren, die Empfindungen zuzulassen, sich aber von ihnen zu lösen. Mit anderen Worten: Es ist, als würde der Schmerz eingegrenzt, und nun beginnen wir, uns von diesem lokalisierten Schmerz zu lösen. Es ist dasselbe, wie wenn wir Morphium gegen die Schmerzen eines gebrochenen Knöchels einnehmen. Der Schmerz ist vorhanden, und dann beginnen wir zu spüren, wie wir uns von diesem Schmerz lösen. Er gehört nicht mehr zu uns. In diesem Beispiel tut das Betäubungsmittel das, was wir als Aufgabe des Bewusstseins beschreiben. Das Betäubungsmittel tut es nicht wirklich, aber es ermöglicht unserem Bewusstsein, genau diesen Schritt zu tun. Wir können jedoch lernen, genau diesen Schritt zu tun, ohne durch ein Betäubungsmittel dazu angeregt zu werden.

Wir beginnen, uns vom Schmerz zu lösen, indem wir unseren Widerstand gegen ihn aufgeben und nicht mehr versuchen, ihn zu verändern. Wir lassen die Empfindungen einfach zu und verändern dann unsere Einstellung zu ihnen so weit, dass es uns egal ist, ob sie vorhanden sind oder nicht. Es mag erstaunlich klingen, dass es uns sogar egal ist, ob sie vorhanden sind. Es ist ganz einfach. Wir haben uns über viele Dinge in unserem Leben aufgeregt. Wir hatten das Gefühl, dass wir etwas dagegen tun müssen, aber plötzlich lassen wir sie los und sind ihnen gegenüber gleichgültig. In dem Moment, in dem wir es einfach sein lassen, verschwindet unsere Erfahrung davon. Wir gelangen zu einem Zustand der Schmerzfreiheit in Gegenwart von Schmerz.

Achtung Ego-Falle

Es geht nicht darum, zu lernen, Schmerz zu ertragen und nicht darüber zu jammern. Schon die Einordnung eines körperlichen Phänomens als Schmerz ist Leiden, weil der Begriff negativ besetzt ist. Wenn wir versuchen, unsere Mitmenschen nicht mit unseren Schmerzen zu belasten, indem wir nicht darüber reden, aber immer wieder seufzen und ein schmerzverzerrtes Gesicht machen, hat das nichts mit Erlösung zu tun, sondern ist Ego-Wahn zum Quadrat. Das Ego glaubt an den Schmerz und ist gleichzeitig auch noch stolz darauf, wenn es nicht darüber spricht, sondern ihn scheinbar tapfer erträgt.

Empfindungen werden irgendwann verschwinden, aber wir wenden diese Techniken nicht an, um das zu erreichen. Das wäre der Versuch, sie zu verändern und loszuwerden. Aus klinischer Beobachtung ist bekannt, dass es einen Punkt gibt, an dem es einem Menschen, der aufhört, sich gegen den Schmerz zu wehren, egal ist, ob er da ist oder nicht, und dann wacht er eines Morgens auf und der Schmerz ist verschwunden. Wir hören nicht auf, uns dagegen zu wehren, um den Schmerz loszuwerden – das ist ein glücklicher Nebeneffekt. Wenn wir den Punkt erreichen, an dem es uns egal ist, ob der Schmerz da ist oder nicht, was macht das schon für einen Unterschied, ob er da ist oder nicht, denn zu diesem Zeitpunkt sind wir immun gegen den Schmerz.

Unterschied von Konsequenz und Resultat

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Konsequenz und Resultat ganz klar zu verstehen. Ein Resultat ist etwas bewusst Herbeigewünschtes; eine Konsequenz ist eine Begleiterscheinung. Wenn uns zum Beispiel ein spiritueller Lehrer sagt: “Wenn du diese Methode anwendest, wird die Konsequenz sein, dass du nicht mehr leidest, dass du glücklich bist …”, und wir versuchen dann, dieses Resultat herbeizuführen! Wir gehen also hin und üben – und erwarten als Resultat, dass wir uns glücklich fühlen. Der Lehrer hat aber gesagt, dass es die Konsequenz sein wird und nicht das Resultat.

Konsequenz bedeutet: Wenn wir wirklich ganz im Moment aufgehen, unabhängig aller Phänome und Umstände, stellt sich ein Glücksgefühl ein. Wenn wir aber ständig ans Glücklichsein denken, dann machen wir ein Resultat daraus, und so kann es sich nie einstellen. Ein Resultat kommt durch bewusste Anstrengung; eine Konsequenz ist nur eine Begleiterscheinung. Wenn wir tief im Nicht-Urteilen aufgehen, werden wir glücklich sein. Aber eine Erwartungshaltung, das bewusste Verlangen nach Glück, wird uns nicht erlauben, tief ins Nicht-Urteilen hineinzugehen. Die Sehnsucht nach dem Ergebnis wird zu einem Hindernis, und dann werden wir nicht glücklich sein.

Ein Meister des Bogenschießens riet seinem Schüler: „Unterlass es, an den Abschuss zu denken. Sonst muss er misslingen!“ „Ich kann nicht anders, die Spannung bereitet mir Schmerzen“ gestand der Schüler. „Nur deshalb, weil du nicht wirklich von dir selbst losgelöst bist, spürst du die Spannung. Du kannst von einem gewöhnlichen Bambusblatt lernen, worauf es ankommt. Es wird durch die Schneelast herabgedrückt, immer tiefer. Plötzlich rutscht die Schneelast ab, ohne dass das Blatt sich gerührt hätte. Verweile wie das Blatt in der höchsten Spannung, bis der Schuss fällt. So ist es in der Tat: wenn die Spannung erfüllt ist, muss der Schuss fallen. Er muss vom Schützen abfallen, wie die Schneelast vom Bambusblatt, noch ehe er daran gedacht hat.“

Es ist sehr gut zu wissen, dass unser Geist diese Kraft und Fähigkeit besitzt und dass wir nur jemanden brauchen, der uns darauf hinweist und uns ermutigt, es auszuprobieren, damit wir sehen können, dass es funktioniert. Es gibt keinen Grund, wegen Schmerzen jeglicher Art zu leiden. Schmerz ist eine Sache, Leiden eine andere. Wir müssen uns das immer wieder sagen und beginnen, diese Techniken anzuwenden. Dann werden wir erfahren, dass es ein “Ich” gibt, das vom Schmerz getrennt ist. Es ist, als wären wir nicht mehr mit ihm verbunden und als wären wir etwas Größeres und Übergeordnetes als das, was schmerzhaft ist.

Viktor Frankl

Viktor Frankl schuf um 1926 die Logotherapie und um 1938 ein dazugehöriges Konzept des menschlichen Daseins, das er „Existenzanalyse“ nannte. Die Logotherapie beruht auf Frankls Überzeugung, dass der Mensch nach einem Sinn im Leben strebt und dass er krank wird, wenn er keinen Sinn in seinem Leben sieht. Die Existenzanalyse Frankls hebt entsprechend die Bedeutung des Geistigen hervor: Zur menschlichen Existenz gehöre nicht nur der Leib und die Seele, sondern unbedingt auch die geistige Dimension. Eines seiner bekanntesten Werke ist das im Jahr 1946 erschienene Buch … trotzdem Ja zum Leben sagen, in dem Frankl seine Erlebnisse und Erfahrungen in vier verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, während des Zweiten Weltkriegs schildert. Seine ganze Familie inklusive seiner ersten Frau starben in Konzentrationslagern.

Zwei wesentliche Begriffe in Frankls Therapiekonzept sind Selbsttranszendenz und Selbstdistanzierung. Ersterer meint den hohen ethischen Wert der Hingabe an eine Aufgabe oder Person, letzterer das humorvolle Absehen von sich selbst. Zwei von der Selbstdistanzierung abgeleitete, sehr nützliche Techniken zum Umgang mit körperlichen Symptomen sind die paradoxe Intention und die Dereflexion. Mit beiden Techniken wird verhindert, dass sich eine sekundäre psychische Affizierung auf die primäre somatische aufsetzt.
  • Zur paradoxen Intention: Neurologische Ausfälle – beispielsweise lässt einen das Namensgedächtnis häufig im Stich – werden gekontert, indem man sich vornimmt, Weltmeister in dieser Disziplin zu werden, hier Weltmeister im Vergessen von Namen. Und meist tritt als paradoxer Effekt dieser Intention der neurologische Ausfall dann doch nicht ein, man erinnert sich an den Namen. Der Patient wünscht sich unter psychotherapeutischer Anleitung paradoxerweise genau das herbei, wovor er sich fürchtet.

  • Die Dereflexion hingegen fordert einen auf, das störende Symptom möglichst nicht zu beachten, an ihm vorbeizudenken, auf ein besseres, lohnenderes Ziel gerichtet zu bleiben – und, siehe da, das Symptom verschwindet.

Vigyan Bhairav Tantra

Im Vigyan Bhairav Tantra wird sogar eine Technik beschrieben, bei der Schmerz absichtlich erzeugt wird, um die Identifikation mit dem Körper zu überwinden. Dies 21. Sutra lautet: “Steche mit einer Nadel in irgendeinen Teil deiner nektargefüllten Form, geh dann vorsichtig in dieses Stechen hinein und erreiche die innere Reinheit.”

Dies Sutra sagt: Dein Körper ist nicht nur ein Körper: Er ist angefüllt mit dir, und dieses Du ist der Nektar. Steche in deinen Körper. Wenn du in deinen Körper stichst, wirst nicht du gestochen, sondern nur der Körper. Aber wir glauben, selbst gestochen worden zu sein: Das ist der Grund, warum wir Schmerz fühlen. Wenn wir uns bewusst machen können, dass nur der Körper gestochen wird, nicht aber wir, werden wir Seligkeit fühlen statt Schmerzen. Man braucht es nicht mit einer Nadel zu tun; jeden Tag passieren genug Dinge, und man kann diese Situationen zur Meditation nutzen. Man kann die Situation aber auch herstellen.

Zuerst geht es darum, sich ganz auf den Schmerz zu konzentrieren und dann geschieht Merkwürdiges. Was dabei passiert ist Folgendes: Der, der sich konzentriert, das bist du. Die Konzentration gilt dem Körper – das ist dein Objekt. Je mehr du dich konzentrierst, desto weiter wird der Abstand, und die Identifikation wird gebrochen. Um dich zu konzentrieren, gehst du nach innen, entfernst dich vom Körper. Um den Punkt des Schmerzes in die Perspektive zu bekommen, musst du Abstand nehmen. Dieses Abstandnehmen schafft die Kluft. Und indem du dich auf den Schmerz konzentrierst, vergisst du die Identifikation, vergisst du, dass du den Schmerz fühlst.

Jetzt bist du der Beobachter, und der Schmerz ist woanders. Du beobachtest den Schmerz und fühlst ihn nicht. Dieser Wechsel vom Fühlen zum Beobachten schafft die Kluft. Und je größer der Abstand, desto mehr vergisst du den Körper; du bist dir nur noch des Bewusstseins bewusst.

Wenn du beobachtend mitgehen kannst, unidentifiziert, abseits, ohne das Gefühl zu haben, dass der Schmerz dich sticht, sondern dass die Nadel den Körper sticht, wobei du nur Beobachter bist, dann wirst du die innere Reinheit erreichen; deine innere Unschuld wird dir offenbart werden. Zum ersten Mal wird dir bewusst, dass du nicht der Körper bist. Und weißt du erst einmal, dass du nicht der Körper bist, dann ist dein Leben von Grund auf verändert, weil dein ganzes Leben sich um den Körper dreht. Weißt du erst einmal, dass du nicht der Körper bist, dann kannst du nicht mehr so weiterleben … Das Zentrum würde dir fehlen!

Wenn du nicht der Körper bist, dann musst du ein anderes Leben anfangen: das Leben als Lehrer GOTTES. Dieses neue Leben hat eine andere Mitte. Jetzt lebst du als eine reine Seele in der Welt, nicht als ein Körper. Solange du als ein Körper existierst, schaffst du eine separate Welt – eine Welt des materiellen Gewinns, der Habgier, der Befriedigung von Wollust und Sex. Du hattest eine ganze Welt um dich herum geschaffen: Das ist die körperorientierte Welt.

Weißt du erst einmal, dass du nicht der Körper bist, dann verschwindet die ganze Welt. Du kannst sie nicht mehr aufrechterhalten. Eine andere Welt steigt auf, die sich um den reinen Geist orientiert, eine Welt des Mitgefühls, der Liebe, der Schönheit, der Wahrheit, der Güte, der Unschuld. Das Zentrum hat sich verlagert und ist jetzt nicht mehr im Körper. Es ist im Bewusstsein. Das ist es, worauf Lektion 190 verweist: “Ich wähle GOTTES Freude anstatt Schmerzen.”

Diese andere Welt bezeichnet Jesus im Kurs die wirkliche Welt. Die wirkliche Welt ist ein Symbol, wie alles übrige, was die Wahrnehmung anbietet. Doch steht sie für das, was dem entgegengesetzt ist, was das Ego gemacht hat.

“Die wirkliche Welt zeigt eine Welt, die anders gesehen wird, mit ruhigen Augen und mit einem Geist, der in Frieden ist. Dort ist nichts als Ruhe. Keine Schreie des Schmerzes und des Kummers sind zu hören, denn dort bleibt nichts außerhalb der Vergebung. Und die Anblicke sind sanft. Nur glückliche Anblicke und Geräusche können den Geist erreichen, der sich selbst vergeben hat.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, TEIL II, 8. 2. 2.-6.)

Irgendwie gibt es einen Unterschied zwischen dem, was man ist, und der Erfahrung. Eine Verstimmung, wie zum Beispiel ein emotionaler Konflikt oder was auch immer es sein mag, mag Stunden dauern, aber das reine Gewahrsein nimmt an dieser Verstimmung nicht einmal teil. Es ist das Loslassen der Gewohnheit, sich mit der Erfahrung zu identifizieren. Man ist das, in dem das Erleben stattfindet, aber man ist nicht die Erfahrung selbst. Die Transzendenz des Bewusstseins ist das, was im Kurs als die Träumer-des-Traums-Perspektive bezeichnet wird. Von manchen spirituellen Lehrern wird dieser Zustand als “pure awareness” bezeichnet. Das ist die Vergebung.

Die Schuld in den Geist des GOTTESSOHNES anzunehmen war der Anfang der Trennung, genauso wie die SÜHNE anzunehmen ihr Ende ist. Anhaltende und übermäßige Schuldgefühle machen uns beispielsweise anfällig für Krankheiten, Unfallverletzungen, Schmerzen und Leiden. Die Weltanschauung, die aus dieser Schuldgefühlen entsteht, führt zu einer ständigen Gewohnheit der Sünde und des Leidens und bringt Selbsthass mit sich. Der Prozess im Bewusstsein ist ein Prozess der Selbstzerstörung, der aus dem Selbsthass entsteht. Infolgedessen ist eines der Glaubenssysteme, das man aufgeben muss, dass Schuld und Leiden einen besonderen Wert haben. Wenn wir die Energiefelder hinaufsteigen, können wir sehen, dass diejenigen, die sich den Feldern der Heiligen und großen Wesen nähern, GOTT näher kommen und sich von Schuld, Schmerz und Leiden entfernen. Wenn wir die ultimative Realität erfahren, durchschreiten wir die Türen einer fortschreitenden Liebe, denn Liebe nimmt zu und dehnt sich aus, wenn man durch Freude und Ekstase zu einem Zustand des Friedens aufsteigt.

Wir müssen aufhören, den Gott des Leidens anzubeten. Christen müssen aufhören, ausschließlich den Gott der Kreuzigung, den Christus der Kreuzigung, anzubeten, und sich dem CHRISTUS der Auferstehung zuwenden. Die Botschaft war nicht die des Todes, der Sünde und des Leidens. Menschen, die sich selbst als Körper identifizieren, betrachten Jesus am Kreuz als Körper und kommen zu dem Schluss, dass es Schmerz, Sünde, Schuld und Leiden gibt. War das die Botschaft? Ist es das, wofür Jesus gestorben ist, um allen zu lehren, dass wir ein physischer Körper sind? Oder war seine Botschaft genau das Gegenteil? Seine Botschaft war, dass wir nicht begrenzt sind. Wir müssen unsere verwirrten Vorstellungen ersetzen und beginnen, uns auf Liebe und einen höheren Bewusstseinszustand zuzubewegen, um die wahre Botschaft der Kreuzigung zu erkennen.

“Die Botschaft der Kreuzigung ist vollkommen klar:
Lehre nur Liebe, weil du nur Liebe bist.”
(EKIW: Kapitel 6, I. 13.)

Jetzt müssen wir die Überzeugung aufgeben, dass Buße, Schuld, Sünde und Leiden irgendwie einen enormen spirituellen Nutzen haben. Chronische Schmerzen und Leiden machen Menschen nicht zu erleuchteten, liebevollen Wesen. Sie machen sie in der Regel launisch, ärgerlich, zornig, egoistisch und egozentrisch, was sie auf die nächste Stufe bringt – die des Selbstmitleids. Die meisten Menschen mit chronischen Schmerzen versinken in Selbstmitleid, Trauer, „ich Armer“ und der endlosen Angst vor der Fortdauer ihres Zustands, wobei sie sich fragen, ob es noch schlimmer kommen wird. Sie wehren sich ständig dagegen und haben den ständigen Wunsch, dem zu entkommen.

Es ist notwendig, um von den niederen energetischen Zuständen zum höheren Zustand des Mutes überzugehen, der die Fähigkeit beinhaltet, die Tatsache anzuerkennen, dass wir etwas daran ändern können, wie wir mit dem Schmerz umgehen. Der Weg, damit umzugehen, besteht darin, einfach “den Widerstand loszulassen” und die Bereitschaft dazu zu haben. Sind wir bereit, etwas zu versuchen? Haben wir den Mut, zu versuchen, den Widerstand gegen den Schmerz loszulassen und uns zumindest von ihm zu lösen, um aus diesem Zustand des Leidens herauszukommen?

Höhere Energiefelder haben eine innere Tendenz zum Aufstieg. Das bedeutet, dass das Leiden immer weniger wird, je weiter wir uns in Richtung Freude bewegen. Wie können wir mit diesem chronischen Zustand umgehen? Können wir bereit sein, ihn zu akzeptieren und unseren Widerstand aufzugeben? Können wir anfangen zu unterscheiden und zu akzeptieren, dass wir das sind, was mit dem Schmerz verbunden ist? Können wir unsere Fähigkeit akzeptieren, mit ihm in einem Zustand des Nicht-Leidens zu sein?

Wenn die trauernde Person in Apathie verfällt, befindet sie sich in einem ständigen Zustand des Bedauerns, begleitet von einem Gefühl des Verlusts und der Niedergeschlagenheit. Das sind ganz normale Gefühle, die jeder Mensch hat. Niemand sollte sich deswegen schuldig fühlen, es sind Gefühle, die Menschen verstehen wollen. Durch Verständnis werden sie gelöst.

David R. Hawkins beschreibt in seinem Buch “Healing and Recovery” einen seiner eigenen Prozesse folgendermaßen:

“Als ich mir den Daumen abgeschnitten hatte, durchlebte ich all diese Gefühle. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass ich irgendwie bestraft oder von den Mächten der Vergeltung oder etwas Ähnlichem angegriffen wurde. Der Schmerz war akut, und ich sah ihn mir an und fühlte mich hoffnungslos. Ich war verzweifelt, dass der Daumen niemals ersetzt werden könnte, und so weiter. Ich versank in Trauer und Trauer, als hätte ich einen geliebten Menschen verloren. Ich hatte Angst vor den Folgen und davor, dass der Schmerz und das Leiden weitergehen würden. Ich spürte, wie ich mich gegen den Wunsch wehrte, der Verletzung, der Behinderung, dem Schmerz, dem Leiden, der Operation und allem anderen zu entkommen. Ich war wütend – wütend auf das Leben, auf das Schicksal und auf mich selbst. Diese Gefühle sind verständlich – sie sind nur sehr menschlich. Dann kam der Stolz, dass ich etwas dagegen unternehmen würde, und dann der Mut, mich mit den Techniken zu beschäftigen, von denen ich wusste, dass sie in solchen Situationen funktionieren. Als Nächstes entstand die Bereitschaft, sie anzuwenden und meinen Widerstand aufzugeben, und dann diese Technik zu nutzen, um schließlich zu ihrer Akzeptanz zu gelangen, sodass es in Ordnung ist, wenn sie da ist, und es auch in Ordnung ist, wenn sie nicht da ist.

Während ich diese Erfahrung durchlebte, begann ich, mich an eine Macht zu wenden, die größer war als ich selbst. Ich gab den Schmerz immer wieder auf und übergab ihn dieser Kraft. Ich erinnere mich, dass ich in die Notaufnahme ging und ihnen mitteilte, dass ich keinerlei Betäubungsmittel oder Schmerzmittel nehmen könne. Der Chirurg war etwas ratlos, wie er damit umgehen sollte, und ich sagte: „Ich habe meine eigenen Methoden.“ Er entspannte sich, weil er spürte, dass der Schmerz irgendwie behandelt wurde. Ich ging in mich hinein, losgelöst und habe meinen Widerstand aufgegeben. Ich habe mich an den Gott meines eigenen Verständnisses gewandt, diesen Aspekt meines höheren Selbst. Wir können daran glauben, dass es ein Energiefeld gibt, das größer ist als das persönliche Selbst und über unbegrenzte Kraft verfügt. Also habe ich mich während des gesamten Eingriffs ständig Gott hingegeben. Wenn wir uns in einer solchen Situation befinden, überwältigt von qualvollen Schmerzen und Leiden, ohne jegliche Unterstützung, dann erkennen wir, woran wir wirklich glauben; das ist eine großartige Gelegenheit, um zu wachsen.

Als ich mich ergab und meinen Widerstand gegen diese Erfahrung aufgab, war es plötzlich, als würde ich aus meinem Körper herausgehoben und in einen Zustand tiefer innerer Ruhe, unglaublicher Stille, exquisiter innerer Gelassenheit und Freude versetzt. Ich erkannte, dass etwas anderes als mein persönliches Selbst diese Erfahrung und den Schmerz bewältigte.

Meine persönliche Erfahrung war, dass eine große Energie kam und sich für mich darum kümmerte. Wir nennen es eine große Energie, weil wir ihre Existenz bestätigen können. Als ich sagte: „Gott, ich kann es nicht, tu es für mich“, gab ich meine Last ab und erlaubte dem, was im Universum ist, sich für mich darum zu kümmern.

Nach dieser Erfahrung war mir bewusst, dass etwas in mir automatisch den Schmerz bewältigte, ohne dass mein persönliches Selbst daran beteiligt war. Als die Intensität des Schmerzes zunahm, entstand in mir ein Energiefeld, das sich auf der physischen Ebene durch die Ausschüttung von Endorphinen äußerte. Die Kraft dieses Feldes bewältigte automatisch den Schmerz. Der Schmerz und das Leiden wurden vollständig und gänzlich gelöst, und an ihre Stelle trat ein Zustand unendlicher innerer Gelassenheit und Frieden.

Wie können wir unsere Bemühungen in diese Richtung verstärken? Natürlich können wir spirituelle Arbeit leisten, aber all diese Prozesse, wie zum Beispiel Vergebung, brauchen Zeit. Was können wir in der Zwischenzeit tun?

Wir wissen, dass die Abhängigkeit von Schmerzmitteln zwei negative Auswirkungen hat. Erstens: Da es sich um eine so magische, kurzfristige Lösung handelt, wächst man nie in seinem Bewusstsein. Man gibt seine Kraft an die Pille ab, die Kraft, die eigentlich dem eigenen Bewusstsein gehört. Wenn man die Kraft an die Pille abgibt, kommt das persönliche Wachstum zum Stillstand. Der zweite negative Effekt ist die fortschreitende Abhängigkeit von Analgetika oder Betäubungsmitteln, die das gesamte Problem verschärft und zu einer Herausforderung führt, die möglicherweise schwerwiegender ist als die ursprüngliche Situation.

Eine nützliche Technik ist die Hypnose. Die Alternativmedizin interessiert sich mittlerweile sehr für Hypnose. Die nützlichste Form der Hypnose ist die Selbsthypnose. Es ist ratsam, sie selbst zu erlernen, anstatt sie bei jemand anderem zu suchen, und zwar aus Gründen, die mit der Weiterentwicklung des Bewusstseins zu tun haben. Es ist ein sehr einfacher Prozess. Man kann den hypnotischen Zustand, der eigentlich nur ein Zustand hoher Suggerierbarkeit ist, nutzen, um genau die zuvor beschriebenen Dinge zu lernen. Wenn man sich in einen extrem entspannten Zustand begibt und beginnt, zu experimentieren und die Wahrheit dessen, was oben dargelegt wurde, zu erfahren, geht das Lernen viel schneller. Nach meiner Erfahrung mit mir selbst und anderen liegt der Wert der Selbsthypnose darin, dass sie es einem ermöglicht, einen Konzentrationsgrad zu erreichen, der nicht anderweitig zugänglich ist. In diesem suggestiblen Zustand ist man zu einem Grad an Konzentration fähig, der in einem normalen mentalen Zustand nicht möglich ist.

Es gibt eine einfache Technik, die Menschen mit chronischen körperlichen Beschwerden erlernen können. Anstelle des Begriffs „Hypnose“, der mit allerlei Vorstellungen und Bedeutungen verbunden ist, sprechen wir hier von einer extremen Entspannung in einem Zustand erhöhter Suggestibilität und Konzentrationsfähigkeit. Setzen oder legen Sie sich einfach in eine sehr bequeme Position und beginnen Sie, sich nach und nach zu entspannen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zehn Stufen hinunter, und sagen Sie dann „Stufe 1”. Damit geben Sie bekannt, dass Sie mit dieser Übung beginnen. Sagen Sie dann „Stufe 2” und versinken Sie tiefer in die Entspannung.

Der erste Schritt leitet die Erfahrung ein, und der nächste Schritt gibt Ihnen etwas Zeit, um alle Muskeln in Ihrem Kopf zu entspannen. Dabei werden Sie feststellen, dass Ihre Gesichts- und Kiefermuskeln schmerzen, was die Anspannung des Tages widerspiegelt. Ihre Wangen sind tatsächlich schmerzhaft – drücken Sie einfach einmal darauf, und Sie werden feststellen, dass dies stimmt. Warum schmerzen sie? Das liegt an der chronischen Anspannung durch unterdrückte Gefühle.

Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um Ihren Kopf zu entspannen. Sagen Sie dann: „Stufe 3“. Entspannen Sie nun Ihren Nacken. Lösen Sie alle Verspannungen im Nacken und in den oberen Schultern. Sagen Sie dann zu sich selbst: „Stufe 4“ und bewegen und entspannen Sie Ihre Rücken- und Brustmuskulatur. Wenn Sie „Stufe 5“ sagen, entspannen Sie sich einfach weiter, beginnend mit den größten Muskeln und dann weiter zu den kleinsten – den Schultern, den Oberarmen, den Unterarmen, den Händen und dann den Fingern. Sagen Sie „Stufe 6“ und lassen Sie Ihre Brust und Ihren Oberkörper entspannen. Bei „Stufe 7“ gehen Sie zum Unterbauch über und lösen Sie alle Verspannungen, die Sie dort gehalten haben. Sagen Sie „Stufe 8“, bewegen Sie sich in den Bereich der Hüften und des Gesäßes und lassen Sie sich tief entspannen. Bei „Stufe 9“ lassen Sie diese Entspannung in Ihre Beine fließen. Sagen Sie nun „Stufe 10“ und lassen Sie Ihre Füße entspannen. Sagen Sie als Nächstes „Ich bin auf Stufe 10“. Lassen Sie mit diesem Loslassen des Widerstands alle Widerstände gegen diesen tiefen Entspannungszustand los.

Überraschenderweise wird man feststellen, dass es, egal wie vollständig der Zustand der Entspannung auch erscheinen mag, noch eine weitere, noch tiefere Ebene gibt. Indem man immer tiefere Ebenen durchläuft, entdeckt man, dass man in seinem gesamten Leben im Wachzustand noch nie wirklich vollkommen entspannt war.

Sagen Sie sich in diesem Zustand tiefer Entspannung nun die Dinge, die Sie wissen möchten, und lassen Sie dann Ihren Widerstand dagegen los. Lassen Sie den Widerstand gegen den Gedanken los, dass Schmerz eine Sache ist und Leiden etwas anderes. Es gibt kein Leiden in Schmerz, wenn man sich diesem Schmerz nicht widersetzt. Kehren Sie nun in diesem Zustand tiefer Entspannung zu den vorherigen Informationen zurück, um mit chronischen Schmerzen umzugehen. Nehmen Sie wahr, dass der Schmerz überall ist, und nehmen Sie wahr, dass Sie Ihren Widerstand gegen diesen Schmerz loslassen können. Sie können die Tür öffnen und zulassen, dass er geschieht, ohne dass er Ihr wahres Selbst beeinflusst. Darin können Sie beginnen, sich zu einer Liebe für sich selbst und zu einem Mitgefühl für Ihre innewohnende Schönheit als Mensch zu bewegen.

Bei einem Energiefeld von etwa 500 bis 540 kommt die Liebe zum Vorschein. Wir wissen, dass dies geschehen ist, wenn wir die Situation mit Leichtigkeit betrachten und über uns selbst lachen können. Es gibt das Energiefeld des Humors, das höher ist. Die Tatsache, dass Humor heilt, wurde in Büchern von Prominenten beschrieben, die durch ständiges Lachen eine körperliche Krankheit geheilt haben. Die Entscheidung für Lachen und Humor und das Eintauchen in ein liebevolles, lachendes Energiefeld von über 500 führt in der Regel von selbst zur Heilung. Es gibt die Fähigkeit, über das Unglück zu lachen, was bedeutet, dass die Erfahrung eine Sache ist und das, was wir in Wahrheit sind, etwas anderes. Wir sind weder die Erfahrung noch deren Auswirkung. Wir sind nicht länger das Opfer und haben aufgehört, damit zu kämpfen und uns dagegen zu wehren.

Wenn wir durch Neutralität und Bereitschaft zur Ebene der Akzeptanz gelangen, bemerken wir eine Befreiung vom Leiden, und was bedeutet das? Wenn wir uns dagegen wehren und versuchen, ihm zu entkommen, befinden wir uns in einem niedrigeren Energiefeld und sehen den Prozess als eine Art Gefangenschaft. Solange wir uns gegen das Leiden und den Schmerz wehren, solange wir wütend sind, die Zähne zusammenbeißen, dagegen ankämpfen und versuchen, unseren Willen durchzusetzen, verstricken wir uns immer mehr darin. Es ist wie ein Sumpf – je mehr wir uns wehren, desto mehr verstricken wir uns. Sich auf das höhere Energiefeld der Freiheit zu begeben bedeutet, aus der Gefangenschaft befreit zu werden und Kraft zu gewinnen. Der Mut, sich dem Problem zu stellen und etwas dagegen zu unternehmen, bringt Ermächtigung. Die Bereitschaft führt uns zu einer Transformation des Bewusstseins und zur Bereitschaft, zu vergeben, zu lieben und mitfühlend zu sein. Wir können dies überwinden und uns buchstäblich über die Identifikation mit dem Körper und dem, was ihm widerfahren ist, hinausbewegen, hin zu einem bewussten Bewusstsein, dass wir etwas anderes sind als der Körper.

Eine weitere Hilfe zur Linderung von Schmerzen oder anderen Beschwerden ist das Hören von großartiger, schöner Musik, die selbst Endorphine im Gehirn freisetzt. Dass Schönheit eine heilende Wirkung hat, ist seit den Tagen von Hippokrates bekannt.”

Radikal Nondual

Der Weg, den uns Jesus mit Ein Kurs in Wundern anbietet, ist radikal nondual, auch wenn dies immer wieder missverstanden wird, weil es auf den ersten Blick so scheint, als gäbe es eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten innerhalb einer Realität. Doch das ist nicht so, denn die Wahl bezieht sich nicht auf zwei gleichwertige Möglichkeiten, sondern auf eine Illusion und die Wirklichkeit ohne Gegenteil.

“Die Versuchung hat eine einzige Lektion, die sie dich in allen ihren Formen lehren möchte, wo immer sie geschieht. Sie will den heiligen SOHN GOTTES davon überzeugen, dass er ein Körper ist, in das hineingeboren, was sterben muss, unfähig, dessen Gebrechlichkeit zu entrinnen, und durch das gebunden, was dieser ihn zu fühlen heißt. Der Körper setzt die Grenzen dessen, was er tun kann; seine Macht ist die einzige Stärke, die er hat; und sein Verständnis kann den winzigen Bereich des Körpers nicht überschreiten. Würdest du denn dies sein wollen, wenn CHRISTUS dir in SEINER ganzen Herrlichkeit erschiene und dich nur um dieses bäte:

     Wähle noch einmal, ob du deinen Platz unter den Erlösern
     der Welt einnehmen möchtest oder ob du in der Hölle bleiben und
     deine Brüder dortselbst halten möchtest.

Denn ER ist gekommen und bittet dich um dies.

Wie triffst du die Wahl? Wie leicht ist das erklärt! Du wählst stets zwischen deiner Schwäche und der Stärke CHRISTI in dir. Und was du wählst, ist das, wovon du denkst, dass es wirklich sei. Einfach dadurch, dass du nie die Schwäche nutzt, um deine Handlungen zu lenken, hast du ihr keine Macht gegeben. Und CHRISTI Licht in dir ist die Obhut übertragen über alles, was du tust. Denn du hast deine Schwäche IHM gebracht, und ER gab dir statt dessen SEINE Stärke.

Prüfungen sind nur Lektionen, die du nicht gelernt hast und die dir nochmals dargeboten werden, so dass du dort, wo du vordem eine fehlerhafte Wahl getroffen hattest, jetzt eine bessere treffen und so allem Schmerz entrinnen kannst, den dir das brachte, was du vordem wähltest. In jeder Schwierigkeit, in jeder Not und jeglicher Ratlosigkeit ruft CHRISTUS dich und sagt dir sanft: Mein Bruder, wähle noch einmal. ER möchte keine Schmerzensquelle ohne Heilung und kein Bild übriglassen, um die Wahrheit zu verschleiern. ER möchte alles Elend von dir, den GOTT als den Altar zur Freude schuf, entfernen. ER möchte dich nicht ohne Trost allein in Träumen von der Hölle lassen, sondern deinen Geist von alledem befreien, was SEIN Antlitz vor dir versteckt. SEINE Heiligkeit ist deine, weil ER die einzige MACHT ist, die in dir wirklich ist. SEINE Stärke ist die deine, weil ER das SELBST ist, DAS GOTT als SEINEN einzigen SOHN erschuf.

Die Bilder, die du machst, können das nicht überwältigen, wovon GOTT SELBER wollte, dass du es seist. Hab also niemals Angst vor der Versuchung, sondern sieh sie, wie sie ist, als eine neue Chance, noch einmal zu wählen und CHRISTI Stärke in jeder Lage und an jedem Orte obsiegen zu lassen, wo du zuvor ein Bild von dir erhoben hattest. Denn das, was CHRISTI Antlitz zu verstecken scheint, ist ohne Macht vor SEINER Majestät und schwindet hin vor SEINER heiligen Sicht. Die Erlöser der Welt, die sehen wie ER, sind einfach jene, die SEINE Stärke statt ihrer eigenen Schwäche wählen, die von IHM getrennt gesehen wird. Sie werden die Welt erlösen, denn sie sind verbunden in der ganzen Macht des WILLENS GOTTES. Und was sie wollen, ist nur, was ER will.

So lerne denn die glückliche Gewohnheit, mit diesen Worten auf jede Versuchung, dich als schwach und elend wahrzunehmen, zu reagieren:

     Ich bin, wie GOTT mich schuf. SEIN SOHN kann nicht leiden.
     Und ich bin SEIN SOHN.

So wird die Stärke CHRISTI eingeladen, zu obsiegen und alle deine Schwäche durch die Stärke zu ersetzen, die von GOTT kommt und die nie versagen kann. Und so sind Wunder so natürlich, wie es Angst und Todesqual zu sein erschienen, ehe die Wahl für die Heiligkeit getroffen wurde. Denn in jener Wahl sind falsche Unterscheidungen vergangen, illusionäre Alternativen abgelegt, und nichts bleibt übrig, um die Wahrheit zu behindern.”
(EKIW: Kapitel 31, VIII. 1.-5.)

Krisen und Katastrophen

Alles, was uns das Ego “schenkt”, nimmt es uns auch wieder. Seine Vorstellung vom Leben endet mit dem Tod. Alles, was das Ego aufbaut, zerstört es auch wieder. Im Hinduismus wurde dafür sogar ein “Gott” erfunden: Shiva. Shiva steht für “Schöpfung” und Zerstörung. Daher erleben wir im Zustand der Ego-Identifikation zwangsläufig Krisen und Katastrophen. In diesem Zustand haben wir keine Ahnung, was wahres Glück ist oder welche unsere wahre Bestimmung ist.

Wenn wir vor einer schwierigen Situation stehen, haben wir die Wahl, wir ärgern uns und versuchen jemanden oder etwas zu finden, dem wir die Schuld an unserem Elend geben können oder wir nehmen die Herausforderungen an und wachsen. Jede Blume zeigt uns den Weg. Ihre Lebenslust führt sie aus der Dunkelheit ins Licht. Es ist sinnlos, sich gegen die Herausforderungen des Lebens aufzulehnen, sie zu meiden oder einfach zu leugnen, sie sind da und wenn der Samen zur Blume werden will, müssen wir uns ihnen stellen. Habe Mut und wachse zu der Blume heran, die zu sein, dir bestimmt ist.

Der Same kann nicht wissen, was mit ihm geschieht. Der Same hat nie die Blume gesehen und der Same kann gar nicht daran glauben, dass er zu einer schönen Blume werden kann. Lang ist die Reise und es scheint immer sicherer, sie gar nicht zu beginnen, denn der Weg ist unbekannt, es gibt keinerlei Garantie anzukommen, tausende von Gefahren lauern unterwegs, unzählige Fallgruben. Der Same ist relativ sicher in einem harten Kern verborgen, doch er versucht es, er bemüht sich und löst sich aus der harten Schale, in der er sicher zu sein scheint. Er macht sich auf den Weg und sofort beginnt der Kampf. Er ringt mit der Erde, mit den Steinen, den Felsen. Der Same war sehr hart, aber der Spross ist ganz weich und zahllosen Gefahren ausgesetzt.

Der Same war nicht in Gefahr, der Same hätte Jahrtausende überleben können, aber für den Spross sind die Gefahren groß. Doch er macht sich auf den Weg ins Unbekannte, zur Sonne hin, zur Quelle des Lichts, ohne zu wissen wohin, ohne zu wissen warum. Er hat ein schweres Kreuz zu tragen, aber der Same hat einen Zweck, der ihn bewegt. Ebenso ist der Weg zum Licht für den Menschen, er ist schwerlich und erfordert großen Mut.

Krisen und Katastrophen tauchen in unserem Leben immer wieder auf, bis wir die Gelegenheit ergreifen und erkennen, dass sie ein Sprungbrett zu einem erweiterten Bewusstsein sind. Warum ist das so? Weil die gewöhnlichen Ereignisse im Leben nicht die Kraft oder Energie haben. Oft sind große Zwänge nötig, damit Menschen innehalten und die Realitäten all der Dinge, an die sie bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt haben, infrage stellen. Das gilt vor allem für Menschen, die Spiritualität grundsätzlich für Humbug halten. Der gespaltene Geist wird normalerweise nicht die Energie aufbringen, sich neu zu orientieren, um eine neue, andere Sichtweise auf das Leben und das, was es bringt, zu gewinnen, es sei denn, er muss es tun. Infolgedessen findet dieses notwendige Wachstum oft nur statt, wenn wir mit einem erschütternden Ereignis konfrontiert sind. In Wahrheit ist jede Erschütterung unseres alten Glaubenssystem eine Chance und kein Unglück.

“Es ist dir niemals wirklich in den Sinn gekommen, jede Idee aufzugeben, die du jemals hattest und die sich der Erkenntnis widersetzt. Du behältst Tausende kleiner Reste der Angst zurück, die den HEILIGEN daran hindern einzutreten. Das Licht kann nicht durch die Mauern dringen, die du errichtest, um es auszusperren, und es ist nie und nimmer gewillt, das, was du gemacht hast, zu zerstören. Niemand kann durch eine Mauer sehen, aber ich kann um sie herumgehen. Halte Ausschau nach den Resten der Angst in deinem Geist, sonst wirst du mich nicht bitten können, es zu tun. Ich kann dir nur so helfen, wie uns unser VATER schuf. Ich werde dich lieben und ehren und vollkommene Achtung vor dem, was du gemacht hast, wahren, aber ich werde es nicht unterstützen, es sei denn, es ist wahr. Ich werde dich genauso wenig je im Stich lassen wie GOTT, aber ich muss so lange warten, wie du es wählst, dich selbst im Stich zu lassen. Weil ich in Liebe und nicht in Ungeduld warte, wirst du mich sicher wahrhaft bitten. Ich werde auf einen einzigen eindeutigen Ruf hin kommen.”
(EKIW: Kapitel 4, III. 7.)

Krisen und Katastrophen können uns an den Punkt bringen, an dem wir bereit sind, uns selbst im Stich zu lassen und auf eine höhere Macht zu vertrauen. Krisen und Katastrophen offenbaren unseren Grad an Vertrauen. Es kann Herausforderungen im Leben geben, die uns zeigen, wo wir mit unserem Vertrauen stehen. Wir können sie als Barometer dafür nutzen, wie sehr wir vertrauen, wenn es um etwas wie den Tod eines geliebten Menschen, den Tod eines Haustiers, eine Trennung, eine Naturkatastrophe oder andere psychische Stressfaktoren geht. Wie reagieren wir? Bewegt es uns zu Glauben, Vertrauen und einem tieferen Gebet? Werden wir durch diese Prüfungen und Schwierigkeiten stärker, oder knicken wir ein und fühlen uns erdrückt? Haben wir das Gefühl, dass es keine Hoffnung gibt? Diese Erfahrungen können zu Chancen werden. Wir können uns öffnen und zulassen, dass sie uns zu einem viel tieferen Vertrauen anspornen, bei dem wir uns viel mehr auf den HEILIGEN GEIST als auf die Umstände verlassen.

Das Erste, was man in diesem Zusammenhang über schwere Krankheiten verstehen muss, ist, dass der Zweck dieser großen Konfrontation darin besteht, dass wir so schnell wie möglich wachsen und uns weiterentwickeln, da wir bei unheilbaren Krankheiten nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung haben. Dinge, die der Geist für tödlich oder unheilbar hält, werden aufgrund der Kraft des Geistes tatsächlich tödlich und unheilbar. Wenn der Geist eine Krankheit für tödlich und unheilbar hält, wird sie dies auch sein, vorbehaltlich jedoch des karmischen Drehbuchs. Dies veranschaulicht die Macht von Glaubenssystemen.

Wir alle werden irgendwann einmal von schweren Krisen im Leben heimgesucht, aber wie viele von uns wissen, wie sie mit Tod, Scheidung, Trennung, schwerer Krankheit, Entstellung, Verletzung, Unfall, Katastrophe und anderen schwerwiegenden Ereignissen umgehen sollen, die zu emotionaler Überforderung führen? Welche Techniken können eingesetzt werden, um diese Erfahrungen zu bewältigen?

Es ist überraschend, dass das Einzige, was bei diesen akuten Katastrophenereignissen zu bewältigen ist, die Energie der Emotionen selbst ist. Wenn wir uns die Erfahrung ansehen, erkennen wir, dass nicht das Ereignis, das in der Welt passiert ist oder von uns als passiert wahrgenommen wird, das Problem ist, sondern die Art und Weise, wie wir darüber denken. Fakten auf der Ebene der Form haben an sich keine Bedeutung. Es geht um die emotionale Reaktion auf den phänomenalen Fakt. Der Fakt ist nur ein Fakt, ein “Nichts”. Wie wir über den Fakt denken, ist daher das Einzige, womit wir uns bei den Ereignissen im Leben wirklich auseinandersetzen müssen.

“Verdammung ist dein Urteil über dich selbst, und dieses wirst du auf die Welt projizieren. Siehst du sie als verdammt an, so wirst du nur das sehen, was du getan hast, um den SOHN GOTTES zu verletzen. Wenn du Unglück und Katastrophen siehst, so hast du ihn zu kreuzigen versucht. Wenn du Heiligkeit und Hoffnung siehst, so hast du dich dem WILLEN GOTTES angeschlossen, ihn zu befreien. Es gibt keine Wahl, die zwischen diesen beiden Entscheidungen liegt.”
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung, 2. 1.-5.)

Unsere Gefühle entstehen aus unseren Einstellungen, Überzeugungen, unserer Art, mit ihnen umzugehen, und der Art, wie wir uns selbst in der Welt sehen, wodurch die Emotionen vielfältig werden. In einem Zustand der Überforderung besteht das Problem jedoch darin, mit der emotionalen Energie selbst umzugehen. Wir müssen nicht einmal wirklich mit den Emotionen umgehen, sondern nur mit der Energie der Emotionen. “Ja“, sagt man, “aber was ist mit den Ereignissen da draußen? Was soll ich jetzt ohne Geld machen? Was soll ich ohne Ehemann machen?“ und so weiter. Überraschenderweise sind die Ereignisse sehr leicht zu bewältigen. Es gibt keine akute Katastrophe. Die Ereignisse selbst werden wirklich nur mechanisch bewältigt, sobald die Gefühle beiseite geschoben werden.

Die Bewältigung der Probleme in der phänomenalen Welt, im täglichen Leben, ist meist relativ einfach. Sie sind nicht die wirklichen Probleme. Der Gedanke, dass sie es sind, entspringt lediglich dem Energiefeld negativer Emotionen, in dem sie katastrophal, hoffnungslos, unerträglich und unüberwindbar erscheinen. Sobald man diese Phase überwunden hat, passt sich das Leben von selbst an. Etwas anderes füllt die Lücke, und das Leben geht weiter. Diese Probleme waren leicht zu lösen, sobald die Emotionen aus dem Weg geräumt waren.

Das Leben bietet Lösungen für alle Probleme. Not macht erfinderisch, daher wird sich jedes Dilemma, das im Leben auftritt, von selbst lösen, und die Lebensenergie kehrt zurück. Das Leben geht weiter, egal wie groß die Katastrophe im Moment auch erscheinen mag. Daher besteht das Problem nicht darin, mit dem Ereignis “da draußen” oder den Lebensumständen umzugehen, denn diese werden sich von selbst regeln. In der Regel kümmern sich Verwandte oder enge Freunde um die Situation für die Person, die von der Überforderung beeinträchtigt ist. Das Problem besteht darin, mit den Energien umzugehen, die dabei entstehen.

Wenn eines dieser großen negativen Energiefelder sich zu entfalten beginnt, zieht es in der Regel die anderen mit sich. Selten erlebt man nur Trauer allein. Fast immer geht sie mit Schuldgefühlen einher, weil man sich selbst die Schuld gibt. Das kann in Form von Fragen geschehen, wie zum Beispiel: Warum habe ich nicht geschaut, als ich um die Kurve gefahren bin? Warum habe ich keine Ketten aufgelegt? Warum habe ich sie nicht früher zum Arzt gebracht? Vielleicht hätten wir ihren Krebs heilen können. Warum habe ich auf dieses Pferd gewettet? Es gibt eine Art rückblickende Selbstvorwürfe. Hinzu kommen Apathie und Hoffnungslosigkeit – das Leben ist hoffnungslos, das Leben scheint hoffnungslos. Es sieht so aus, als würden wir nie wieder glücklich sein. Es ist, als hätte die Quelle des Glücks unser Leben verlassen. Natürlich ist Trauer eine natürliche Reaktion auf einen Verlust, und dann kommen Ängste hinzu – wie soll ich ohne das leben, was ich verloren habe?

Das ständige, unaufhörliche Wollen treibt uns in den Wahnsinn, weil wir versuchen, das Geschehen auf der Ebene der Form zu ändern. Was können wir tun? Wir verhandeln, versuchen zu manipulieren, streiten mit Gott und schließen Vereinbarungen mit ihm: “Oh Gott, wenn du nur soundso am Leben lässt, werde ich dies und das tun.“ Dann gibt es noch die Wut, die Wut auf das Leben und die Natur des Lebens, und die Wut, die auf die Menschen im Leben übertragen wird – es ist jemandes Schuld. All diese negativen Energien entfesseln sich normalerweise auf einmal, und von Moment zu Moment kann die eine oder andere dominieren. Gleichzeitig schlägt der Verstand wild um sich, versucht Erklärungen zu finden, versucht, es zu verstehen, und wird von dem Überfluss an Energie überflutet. Das Problem ist, dass die Energie für den Verstand einfach zu viel ist, um sie zu verarbeiten. Er gerät in Unordnung, in einen biologischen Überfluss an Adrenalin und Stresshormonen, und dieser akute Stress versetzt den Menschen in einen Zustand akuter Not innerhalb seines Bewusstseins.

Die Probleme werden nicht auf der Ebene behandelt, auf der sie scheinbar auftreten, sondern auf der nächsthöheren Energieebene. Höhere Energie bedeutet größere Kraft. Wenn sie dort behandelt werden, werden sie automatisch gelöst, was auf den niedrigeren Ebenen nicht möglich ist. Wir müssen uns nur um die Energien der emotionalen Überforderung kümmern.

Eine sehr wirksame Technik besteht darin, die Gedanken zu ignorieren, da der Verstand sie niemals verstehen wird, weil er dazu nicht in der Lage ist. Er befindet sich in einem Zustand massiver Überforderung. Die Probleme sind außerordentlich komplex, und es würde ein Leben lang dauern, sie zu entwirren, wenn man wirklich die volle Bedeutung jedes einzelnen Beitrags aus jeder Ebene des persönlichen Selbst zur Gesamtbedeutung der Erfahrungen verstehen wollte. Das ist nicht notwendig, und es ist sehr gut, es nicht zu tun. Man muss sich nur auf das Gefühl selbst einlassen.

Das Einzige, was wir also lernen müssen, ist der richtige Umgang mit Gefühlen und wie wir uns von dieser ungeheuren Energie befreien können. Wenn wir das gelernt haben, wenn wir sozusagen in der Lage sind, den Stecker zu ziehen, dann sind wir von der Erfahrung losgelöst und bleiben in einem Zustand inneren Friedens zurück.

Dies ist vielen Menschen auch schon ganz spontan widerfahren, ohne dass sie sich vorher damit bewusst beschäftigt haben. Einem meiner biologischen Brüder ist es einmal vor einer großen Operation passiert. Mir ist es schon ein paar Mal passiert. Einmal befand ich mich in einer Situation, in der ich ganz konkret glaubte, jetzt zu sterben. Zuvor war da eine existenzielle Angst. Dann geschah infolge der verstandesmäßigen Überforderung ein inneres Loslassen und plötzlich war da nur noch ein totaler innerer Friede.

Spirituelles Wachstum

Geistiges Wachstum ist erst einmal ein Erwachen zu Bedürfnissen, dann ein Erkennen von Bedeutungen und schließlich ein Entdecken von Werten. Das Sich-Bekennen zu höchsten Idealen - das psychische, gefühlsmäßige und geistige Erleben höchster Bewusstseinszustände - kann ein natürliches, allmähliches Wachstum sein oder manchmal zu einem kritischen Zeitpunkt, anlässlich einer Krise, erfahren wird. Gerade eine solch plötzliche und Aufsehen erregende Bekehrung erfuhr der Apostel Paulus an jenem denkwürdigen Tag auf der Straße nach Damaskus. Gautama Siddharta machte eine ähnliche Erfahrung in jener Nacht, als er allein dasaß und in das Geheimnis letzter Wahrheit einzudringen versuchte. Viele andere machten verwandte Erfahrungen, aber viele echte Gläubige sind ohne plötzliche Bekehrung im Geiste fortgeschritten.

Wenn die mentale Mobilisierung auf jeder Ebene psychischen Verlangens nach geistiger Erfüllung absolut total geworden ist, wenn die menschliche Motivation der Treue zur göttlichen Idee vollkommen ist, dann ereignet sich sehr oft ein plötzliches Zupacken des HEILIGEN GEISTES, um sich mit dem konzentrierten und geweihten Vorsatz des überbewussten Geistes des gläubigen Sterblichen zu synchronisieren. Es sind solche Erfahrungen der Einigung intellektueller und geistiger Phänomene, welche die Bekehrung bilden; und diese besteht aus Faktoren, die jenseits und oberhalb rein psychischer Vorgänge liegen. Aus diesem Grund ist es auf dem spirituellen Weg hilfreich, eine ganz neue innere Haltung zum Thema Krise zu entwickeln.

Ganz generell gilt es in Krisensituationen der Versuchung widerstehen, uns auf den Gedanken zu konzentrieren und “etwas zu tun“, um die Situation zu ändern. Dann entsteht die Bereitschaft, die Etikettierung aufzugeben und die emotionale Energie Gestalt annehmen zu lassen. Die völlige Hingabe an die Energie selbst führt uns in einen inneren Zustand, während wir immer tiefer in die Hingabe eintauchen, dass etwas etwas erlebt und etwas das Erleben der Erfahrung für uns selbst verarbeitet. Es ist, als würde sich das persönliche Selbst nun zurückziehen, und wir können nur sagen, dass die Energie verarbeitet wird. Wenn unsere Hingabe echt ist, werden wir uns dessen bewusst, dass der HEILIGE GEIST diese Erfahrung steuert.

Was bedeutet also Spiritualität in Wahrheit? Viele glauben, es ginge dabei, kniend und betend in einer Kirche zu verbringen, bei einer „spirituellen“ Veranstaltung einander bei den Händen zu halten und “Om“ zu sagen, Nächte lang vor einem Buch, oder einfach nur bewegungslos zu sitzen, an “Body, Mind, Spirit“-Festivals teilzunehmen oder bei Heilungsgottesdiensten. Dies ist ein ganzes Panorama dessen, was diese Welt als “spirituelle Arbeit" bezeichnet.

Wenn man jedoch mit einer Lebenskrise konfrontiert ist, scheint es sich nicht um spirituelle Arbeit zu handeln. Spirituelle Arbeit wird als das Studieren eines Lehrbuchs, das Betrachten eines Bildes eines Gurus und das Singen von Liedern dargestellt. Dann ereignet sich eine akute Katastrophe, und die spirituelle Arbeit wird umgangen. Sie wird erst wieder aufgenommen, nachdem alle Notfälle und Aufgaben im Leben bewältigt sind.

Wenn wir uns im Falle einer Krise von unserem spirituellen Weg abwenden, um unser Leben selbst wieder in den Griff zu kriegen, und uns erst danach wieder dem spirituellen Weg zuwenden, dann sind wir erneut dem Ego gefolgt und haben eine große Chance ungenutzt gelassen.

Es ist, als würden wir das Wesen spiritueller Arbeit nicht wirklich erkennen. Wir sehen nicht, dass spirituelle Arbeit diese akuten Krisen hervorruft, uns in sie hineinführt und dass sie eine Chance darstellen. Hier findet spirituelle Arbeit statt. Der andere Teil war die Vorbereitung, das Sammeln von Informationen und Erfahrungen, die Entscheidung über die Richtung und das Anhäufen spirituellen Wissens. Dann kommt plötzlich der Moment der Wahrheit, die Zeit, es zu tun. Deshalb wählen Seelen auch “schwierige Leben“.

Die Erfahrungen von Elisabeth Kübler-Ross

Es gibt Kinder, die mit Schmerz in die Welt kommen. Ein Säugling, geboren mit einer Krankheit, die sein kurzes Leben in ein einziges Ringen um Atem verwandelt, ein Mädchen, dessen Körper sich gegen sich selbst wendet, bevor es überhaupt gelernt hat zu laufen. Sie haben nichts getan, keine Schuld trägt ihre winzige Seele und doch liegt das Leiden da wie ein Schatten, der von Geburt an über ihnen schwebt. Warum?

Diese Frage hat Elisabeth Kübler-Ross jahrzehntelang verfolgt. Sie saß an unzähligen Krankenbetten von Kindern, deren Leben sich dem Ende zuneigte, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Eltern schrien, flüsterten, beteten, warum mein Kind, was hat es getan, um das zu verdienen? Und die Stille danach, schwer wie Blei, in der keine Antwort kam. Doch dann geschah etwas, das alles veränderte. Ein siebenjähriges Mädchen mit terminalem Krebs lag in ihrem Bett, die Haut blass wie Pergament, die Augen ruhig. Ihre Eltern weinten, neben ihr zerbrochen von Schuld und Verzweiflung. Das Kind sah sie an und sagte mit einer Stimme, die älter klang als ihre sieben Jahre. “Es ist in Ordnung, ich habe das gewählt.” Kübler Ross erstarrte. Was bedeutet das, ein Kind, das seine eigene Qual wählte? Der Verstand rebellierte gegen die Vorstellung. Wie konnte eine Seele rein und unschuldig bewusst in ein Leben voller Schmerz einwilligen? War das nicht absurd, war das nicht grausam? Aber das Mädchen lächelte, kein verzweifeltes Lächeln, kein resigniertes Lächeln, es war ein Lächeln, das von einem Wissen kam, dass tiefer lag als Worte, als hätte sie etwas verstanden, das die Erwachsenen um sie herum längst vergessen hatten.

Dieser Moment bohrte sich in Kübler-Ross Bewusstsein wie ein Stachel. Sie konnte ihn nicht abschütteln. Immer wieder tauchte das Bild auf, das sterbende Kind, das von Wahl sprach, von einer Entscheidung, die vor der Geburt getroffen wurde. Eine Entscheidung, die keinen Sinn ergab in einer Welt, die glaubte, dass Leiden immer Strafe sei oder sinnloses Unglück. Und so begann ihre Suche nach der Antwort auf eine Frage, die niemand stellen wollte. Was, wenn das Leiden mancher Leben nicht zufällig ist, was wenn es einen Plan gibt, der uns beim bloßen Gedanken daran erschauern lässt?

Viele kennen dieses Gefühl oder diese Nächte, in denen sie wach liegen und die Ungerechtigkeit der Welt sie zu erdrücken scheint. Warum leiden manche so viel, während andere scheinbar mühelos durch das Leben gleiten? Warum trägt das unschuldige Kind die Last, die eigentlich keiner tragen sollte? Die Antwort, die Kübler-Ross entdeckte, erschütterte sie. Kübler-Ross war eine Frau, die zuhörte, wenn andere nur Sterbende sahen. Sie sammelte Geschichten von Menschen, die an der Schwelle gestanden hatten, zwischen diesem Leben und dem, was danach kommt. Nahtoderfahrungen nannte man sie später. Doch in diesem Moment, in denen das Herz stillstand und die Seele sich löste, sprachen die Menschen von etwas schier Unmöglichen, sie sprachen von einer Rückschau.

Stell dir vor dein Leben entfaltet sich vor dir wie ein riesiges Panorama, jede Entscheidung, jede Begegnung, jeder Moment des Schmerzes und der Freude, aber du siehst es nicht mit den Augen des Opfers oder des Täters, du siehst es mit dem Verständnis der Seele. Du erkennst plötzlich, warum du diese Prüfung durchlaufen musstest, warum jener Verlust notwendig war, warum diese Beziehung dich zerbrochen hat, nur um dich neu zusammenzusetzen. Die Patienten, die zurückkehrten, erzählten Kübler-Ross von diesem Moment der Klarheit. Sie sprachen von einer Einsicht, die alles veränderte. Das Leben ist eine Schule und wir kamen hierher, um bestimmte Lektionen zu lernen. Jede Seele hat einen Lehrplan, sagte eine Frau, die nach einem Herzinfarkt zurückkam.

“Das Drehbuch ist geschrieben.”
(EKIW: Lektion 158, 4. 3.)

“Alle Dinge sind Lektionen, die GOTT mich lernen lassen möchte.”
(EKIW: Lektion 193)

Kübler-Ross wehrte sich zunächst gegen diese Idee. Sie war Wissenschaftlerin, Psychiaterin, eine Frau, die dem Tod täglich in die Augen sah und trotzdem an wissenschaftliche Fakten glaubte, nicht an das, was sie damals noch für spirituelle Phantasien hielt. Wie konnte sie akzeptieren, dass ein Baby, geboren in einem Konzentrationslager, diese Hölle gewählt hatte? Wie konnte sie behaupten, dass eine Mutter, die ihr Kind verliert, diesen Schmerz selbst orchestriert hatte? Doch je mehr sie forschte, desto klarer wurde das Muster. Die Menschen die am intensivsten gelitten hatten, waren auch diejenigen die in ihren Nahtoderfahrungen am häufigsten von bewusster Wahl sprachen, als hätte die Seele gewusst, worauf sie sich einließ, als hätte sie den Vertrag unterschrieben, bevor der erste Atemzug genommen wurde. Es war ein erschütterndes Paradox: Je härter das Leben, desto klarer die Erinnerung an die Entscheidung.

Was Kübler-Ross in diesen Berichten fand, war keine tröstende Illusion es war etwas viel Komplexeres, eine Wahrheit die gleichzeitig befreit und extrem herausfordert, denn wenn die Seele ihre Prüfungen wählt, dann ist niemand Opfer des Schicksals, aber dann trägt auch jeder die Verantwortung für das was er durchlebt. Und diese Verantwortung, so erkannte sie, war der Schlüssel zu allem.

“Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung.”
(EKIW: Lektion 152, 1.)

“Es ist unmöglich, dass irgendetwas zu mir kommen könnte, was nicht von mir erbeten wurde. Sogar in dieser Welt bin ich es, der mein Schicksal beherrscht. Was geschieht, ist das, wonach ich verlange. Was nicht geschieht, ist das, wovon ich nicht will, dass es geschehe. Das muss ich akzeptieren. Denn so werde ich an dieser Welt vorbei zu meinen Schöpfungen geführt, den Kindern meines Willens im HIMMEL, wo mein heiliges SELBST mit ihnen weilt und mit IHM, DER mich schuf.”
(EKIW: Lektion 253, 1.)

Kübler-Ross begann etwas zu erkennen, nicht als dogmatische Wahrheit, die man glauben muss, sondern als Beobachtung dessen, was ihre Patienten ihr zeigten. Vor der Geburt, so berichteten sie, trifft die Seele Vereinbarungen mit sich selbst, mit anderen Seelen. Diese Vereinbarungen sind präzise, sie umfassen nicht nur die großen Prüfungen, die Tragödien, die uns zu Boden werfen, sie umfassen auch die kleinen Momente der Gnade, die unverhofften Begegnungen, die Menschen die genau dann auftauchen, wenn wir sie brauchen. Alles ist Teil des Plans, nicht vorher bestimmt im Sinne eines mechanischen Schicksals, sondern gewählt im Sinne eines bewussten Weges.

Wir erhalten nie mehr, als wir ertragen können, sagte Kübler-Ross in einem ihrer späten Interviews. Es mag nicht so scheinen, der Schmerz mag überwältigend sein, aber die Seele wusste, was sie tat, als sie dieses Leben wählte. Doch hier liegt die entscheidende Unterscheidung: Die Seele wählt nicht das Leiden, um des Leidens Willen, sie ist keine Masochisten, sie sucht nicht nach Schmerz als Selbstzweck. Was sie wählt, sind die Tugenden, die nur durch Leiden kultiviert werden können. Tiefe Empathie entsteht nicht aus Theorie, sie entsteht aus eigener Verwundung. Du verstehst den Schmerz eines anderen erst, wenn du selbst durch die Dunkelheit gegangen bist. Wahre Vergebung lernst du nicht aus Büchern, du lernst sie wenn dir jemand etwas nimmt, das du für unverzichtbar hieltest und du entscheiden musst, ob du im Hass verharren willst, oder in die Freiheit gehen willst, die nur Verzicht auf Rache bringt. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Mut ist die Entscheidung, trotz lähmender Angst weiterzugehen. Und diese Entscheidung kannst du nur treffen, wenn das Leben dich vor Situationen stellt, in denen Aufgeben die einfachere Option wäre. Die Seele weiß das, bevor sie in den Körper eintritt, bevor sie den Schleier des Vergessens durchquert, sieht sie die Landkarte des Lebens, das vor ihr liegt, die Berge die sie erklimmen wird, die Täler in denen sie sich verirren wird, die Abgründe an deren Rand sie stehen wird und sie sagt ja, ich bin bereit. Nicht weil sie naiv ist, sondern weil sie versteht, was wir vergessen haben. Das Ziel des Lebens ist nicht Komfort, es ist Befreiung. Und Befreiung geschieht nicht in der Sicherheit, es geschieht an der Grenze, wo das Bekannte endet und das Unbekannte beginnt.

Manche Seelen wählen kurze, intensive Leben. Sie kommen für eine einzige brennende Lektion. Sie leben 10 Jahre, 20 Jahre, aber diese Jahre sind so verdichtet, so voller Erfahrung, dass sie äquivalent sind zu einem langen ruhigen Leben. Andere Seelen wählen den langsameren Weg. Sie lernen subtiler, sanfter. Verschiedene Lehrpläne für verschiedene Bedürfnisse. Es gibt keine Hierarchie. Ein kurzes, schweres Leben ist nicht besser oder schlechter als ein langes, leichtes, es ist einfach anders. Jede Seele wählt den Weg, der ihrer Entwicklung dient.

Aber was ist mit dem Leben, die unerträglich scheinen? Was ist mit einem Kind, das in extremer Armut geboren wird, mit einer Frau die Gewalt erlebt, bevor sie überhaupt die Sprache hat, sie zu benennen? Kübler-Ross stellte sich diese Fragen selbst und ihre Antwort war radikal: Wir sind nicht alle auf demselben Niveau der Entwicklung. Manche Seelen sind Anfänger, sie lernen die Grundlagen, andere sind Fortgeschrittene und einige wenige sind Meister, die die härtesten Lektionen wählen, weil sie schnell wachsen wollen. Es ist nicht Bestrafung, es ist Beschleunigung! Kübler-Ross beobachtete über Jahrzehnte ein Phänomen, das sie nicht ignorieren konnte. Die weisesten Menschen, die sie je traf, waren nicht diejenigen, die ein privilegiertes, schmerzfreies Leben geführt hatten, es waren die, die durch die Hölle gegangen waren und trotzdem nicht zu Asche geworden waren. Sie hatten sich verwandelt. Da war die Frau, die ihr Kind verloren hatte und danach zur Begleiterin anderer trauernder Eltern wurde. Ihr Engagement war nicht oberflächlich, es war tief wie ein Brunnen, aus dem sie schöpfen konnte, weil sie selbst am Grund gewesen war. Da war der Mann, der als Kind missbraucht worden war und als Erwachsener ein Zentrum für traumatisierte Kinder gründete. Er verstand ihre Angst, nicht intellektuell, er kannte sie aus seiner eigenen Erfahrung. Da waren die Holocaust Überlebenden die Kübler-Ross interviewte. Manche von ihnen hatten das Konzentrationslager verlassen und waren von Hass gefressen worden. Andere hatten dieselbe Hölle durchlebt und waren mit einer Liebe zum Leben zurückgekommen, die niemand erklären konnte. Was war der Unterschied? Die Entscheidung, was sie mit dem Schmerz tun würden. Leiden an sich transformiert nicht! Es gibt Menschen, die leiden und bitter werden, hart, verschlossen. Der Schmerz macht sie kleiner, nicht größer. Aber es gibt auch die anderen, diejenigen, die durch das Feuer gehen und es als Schmelztiegel nutzen. Sie lassen das Feuer die Unreinheiten verbrennen, die Illusionen, die falschen Sicherheiten. Was übrig bleibt, ist essentiell. Kübler-Ross nannte es das Auflösen des Ego. Wenn dir alles genommen wird, was du für deine Identität hieltest, entdeckst du wer du wirklich bist, nicht der Körper, der versagt, nicht die Rolle die du gespielt hast, nicht die Dinge die du besaßest, sondern das was bleibt wenn all das wegfällt - das reine Bewusstsein, die Seele.

Physischer Schmerz lehrt Verständnis. Wenn dein eigener Körper dich scheinbar im Stich lässt, wenn du dich in der Nacht krümmen musst vor Schmerz, dann verstehst du plötzlich jeden der leidet. Du wirst sanfter, geduldiger, deine Arroganz fällt ab wie eine alte Haut. Verlust lehrt loslassen. Wenn du das Wertvollste verlierst, das du hattest, lernst du, dass Festhalten eine Illusion ist. Nichts in dieser Welt ist dauerhaft, alles ist geliehen und in diesem Verständnis liegt wahre Freiheit. Wenn du nichts festhalten musst, kann dir auch nichts genommen werden. Verrat lehrt Vergebung, nicht die Vorstellung des Egos von Vergebung, die du aussprichst, weil es sich so gehört, sondern die wahre Vergebung, die entsteht, wenn du erkennst, dass auch der, der dich verletzt hat, nur einen Traum von Verletzung träumt, wie du. Auch er kämpft, auch er leidet, weil er genau wie du seine Wirklichkeit noch nicht erkannt hat. Und in diesem Erkennen schmilzt der Hass.

Aber hier ist die Unterscheidung, die Kübler-Ross immer betonte. Nicht jeder Schmerz ist evolutionär, nicht jedes Leiden ist Teil des Drehbuchs, es gibt vermeidbaren Schmerz, Schmerz der aus Widerstand, aus destruktiven Entscheidungen entsteht. Wenn du dich selbst zerstörst, durch Sucht, durch Selbsthass, durch die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, dann ist das nicht die Lektion, die deine Seele lernen wollte. Das ist Ablenkung vom eigentlichen Weg. Der gewählte Schmerz ist anders, er ist präzise, er trifft dich genau dort, wo du wachsen musst. Er fühlt sich nicht zufällig an. Tief in dir, unter all den Schichten der Verzweiflung, spürst du es, das gehört zu meinem Weg. Und die fortgeschrittensten Seelen, die wählen oft die härtesten Leben, nicht aus Pflicht, nicht aus Opferbereitschaft, sondern aus einem tiefen Verstehen heraus, dass schnelles Wachstum intensive Herausforderungen erfordert.

Alle Wege sind gleich gültig, aber die Anforderungen sind unterschiedlich. Deine größte Wunde ist vielleicht der Beweis dafür, dass deine Seele dir mehr zugetraut hat, als du dir selbst zutraust. Aber was ist mit der Ungerechtigkeit, was ist mit den Kindern, die in extremer Armut geboren werden, während andere in Reichtum aufwachsen? Was ist mit den Seelen, die einen starken gesunden Körper haben und denen, die von Geburt an kämpfen müssen? Kübler-Ross' Antwort war radikal. Wir sehen Gerechtigkeit durch eine falsche Linse, wir messen sie an irdischen Maßstäben, Geld, Gesundheit, Komfort. Aber das sind nicht die Kriterien, nach denen Seelen urteilen.

“Die Problemlösung des HEILIGEN GEISTES ist die Weise, wie das Problem endet. Es ist gelöst, weil ihm mit Gerechtigkeit begegnet worden ist. Solang das nicht geschehen ist, wird es wiederkehren, weil es noch nicht gelöst ist. Der Grundsatz, dem zufolge Gerechtigkeit bedeutet, dass niemand verlieren kann, ist für diesen Kurs entscheidend. Denn Wunder hängen von Gerechtigkeit ab. Nicht, wie sie mit den Augen dieser Welt gesehen wird, sondern wie GOTT sie kennt und wie Erkenntnis in der Sicht gespiegelt wird, die der HEILIGE GEIST verleiht.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 5.)

“Was diese Ungerechtigkeit dir antut, der du ungerecht beurteilst und so siehst, wie du geurteilt hast, kannst du gar nicht abschätzen. Die Welt wird trübe und bedrohlich, keine Spur des ganzen frohen Funkelns, das dir die Erlösung bringt, ist für dich wahrnehmbar, auf dass es deinen Weg erhelle. Und so siehst du dich, als seist du des Lichts beraubt, dem Dunkel preisgegeben und ungerecht und ohne Zweck in einer nichtigen Welt zurückgelassen. Die Welt ist gerecht, weil der HEILIGE GEIST die Ungerechtigkeit dem Licht im Innern überbracht hat, und dort ist jede Ungerechtigkeit aufgelöst worden und durch Gerechtigkeit ersetzt und Liebe.”
(EKIW: Kapitel 26, X. 6. 1.-4.)

"Wir sind nicht alle auf demselben Niveau der Entwicklung", sagte Kübler-Ross. Manche sind im Kindergarten der Seele, andere in der Promotion. Das Kind, das in extremer Armut geboren wird, lernt möglicherweise die Lektion der Loslösung von materiellen Dingen, es lernt, dass Wert nicht im Besitz liegt. Es lernt Einfallsreichtum, Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit, mit nichts etwas zu schaffen. Das ist nicht weniger wertvoll als die Lektion des reichen Kindes. Denn was lernt das reiche Kind? Vielleicht muss es lernen, mit Macht umzugehen, ohne korrupt zu werden. Es muss lernen, dass Geld nicht Liebe kaufen kann. Es muss die Leere entdecken, die entsteht, wenn alles Materielle verfügbar ist und trotzdem nichts erfüllt ist, denn eine Leere im Herzen bleibt. Das ist eine andere Prüfung nicht einfacher, nur anders. Gesundheit und Krankheit folgen demselben Prinzip. Ein Körper, der funktioniert, lehrt Dankbarkeit oft nicht so tief wie ein Körper, der scheinbar versagt. Wer nie krank war, merkt nicht, welche Einschränkung die Identifikation mit dem Körper bedeutet.

Solange wir uns nicht erlauben zu erkennen, was Identifikation mit dem Körper bedeutet, und solange wir nicht wissen, was Identifikation mit dem Körper bedeutet, und solange wir nicht deren ganzes Unglück und deren ganze Hölle durchleiden, können wir nicht von ihr ablassen. Wie sollten wir das können? Wir können nur dann von etwas ablassen, wenn es sich als Krankheit erweist, wenn es sich als schwere Last erweist, wenn es sich als Hölle erweist. Nur dann können wir davon ablassen. Diese Bindung hat sich meist noch nicht als die Hölle entpuppt, da mögen Buddha und Jesus sagen, was sie wollen; sie mögen noch so viel predigen, dass wir nicht der Körper sind, aber wir empfinden das üblicherweise nicht so.

Aber es gibt noch eine tiefere Ebene, eine, die Kübler-Ross stellvertretendes Leiden nannte. Manche Seelen wählen ein schweres Leben, nicht nur für ihre eigene Entwicklung, sie tun es für die Entwicklung anderer. Sie werden zu Lehrern durch ihr bloßes Dasein. Selbstverständlich gilt das für jeden Menschen, aber in der Welt der Relativität kommt dies mehr oder weniger stark zum Ausdruck.

“Ich erfahre die Wirkungen meines Sehens nicht allein.”
(EKIW: Lektion 18)

“Ich erfahre die Wirkungen meiner Gedanken nicht allein.”
(EKIW: Lektion 19)

Das tapfere Kind mit einer unheilbaren Krankheit weckt Erinnerung in tausenden, die seine Geschichte hören. Die Mutter, die ihr Kind verliert und danach andere Trauernde unterstützt, verwandelt ihre eigene Tragödie in ein Geschenk für die Welt. Der Mann, der durch weltliche Ungerechtigkeit gebrochen wird und trotzdem nicht zu Hass greift, zeigt anderen, dass Vergebung möglich ist. Oft leiden wir nicht für uns selbst, sagte Kübler-Ross, wir sind der Katalysator für die Transformation. Das ist die Aufgabe der Meisterseelen, sie kommen nicht um ein leichtes Leben zu haben, sie kommen um zu zeigen, was in der dunkelsten Stunde möglich ist. Sie sind das Licht in der Finsternis und ihr Licht leuchtet heller, weil die Dunkelheit so tief ist.

Erfolg einer Inkarnation wird nicht in Komfort gemessen, nicht im Glück dieser Welt, nicht in Jahren, die frei von Schmerz waren, er wird gemessen in Wachstum, in der Fähigkeit zu lieben auch wenn dir scheinbar Unrecht getan wurde, in der Fähigkeit zu wahrer Vergebung, auch wenn die Wunde tief ist, in der Fähigkeit weiterzugehen, auch wenn jeder Schritt weh tut. Und wenn du das Leben durch diese Linse siehst, kollabiert die Vorstellung von Ungerechtigkeit. Es gibt keine unfairen Leben, es gibt nur unterschiedliche Lehrpläne und jede Seele hat den Lehrplan gewählt, der ihr dient, auch du.

Wenn du akzeptierst, dass du gewählt hast, dann bist du nicht länger Opfer, du bist Schöpfer, auch wenn die Umstände dich zu erdrücken scheinen, hast du die Macht zu entscheiden, wie du sie wahrnimmst. Die Seele wusste, worauf sie sich einließ und das bedeutet, du hast die Werkzeuge, um es zu überstehen. Du hättest diese Prüfung nicht gewählt, wenn du nicht bereit wärst. Aber hier ist die entscheidende Unterscheidung: Akzeptanz bedeutet nicht im Schmerz zu verharren, es bedeutet nicht unnötiges Leiden zu verifizieren, Wachstum entsteht nicht durch das Aushalten von Schmerz, es entsteht durch die Transmutation von Schmerz in Weisheit. Du nimmst die Lektion an, du lernst was sie dich lehren soll und dann gehst du weiter.

Manche Menschen verwechseln Akzeptanz mit passivem Ertragen. Sie glauben, dass wenn die Seele das Leiden wählte, dann müssen sie eben leiden, aber das ist ein Missverständnis! Die Seele wählte die Herausforderung, nicht die Stagnation im Schmerz. Sie wählte die Möglichkeit zu wachsen, nicht die Verpflichtung, elend zu bleiben. Deine Aufgabe ist es, die Lektion zu extrahieren, die Weisheit zu destillieren und dann aus der Asche aufzusteigen. Was wäre, wenn du entdecken würdest, dass deine tiefste Wunde, deine größte Mission ist. Denk darüber nach, der Schmerz, den du am meisten verbergen möchtest, die Scham, die du niemandem zeigen willst, die Angst, die dich nachts wach hält. Was, wenn genau das der Punkt ist, an dem du am meisten wachsen sollst? Was, wenn deine Verletzung nicht das Ende deiner Geschichte ist, sondern der Anfang? Was, wenn die Stelle, an der du am meisten gebrochen bist, genau die Stelle ist, durch die das Licht eindringen kann?

"Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything
That's how the light gets in"
(Anthem - Leonard Cohen)

Im Zustand der Ego-Identifikation verstecken wir uns hinter einer Mauer aus Ignoranz und Selbstgefälligkeit. Wir identifizieren uns mit einem gemachten Selbst, das nicht unserer Wirklichkeit entspricht. Um überhaupt erst die Motivation zu entwickeln, dieses selbst gewählte Gefängnis zu verlassen, muss zuerst ein Sprung in der von uns bunt bemalten Gefängnismauer entstehen. Wir können erst eine Wahl zwischen dem Wunsch nach dem HIMMEL und dem Wunsch nach der Hölle treffen, wenn wir sehen, dass sie nicht dasselbe sind. Dieser Unterschied ist das Lernziel, das sich Ein Kurs in Wundern gesetzt hat. Erst wenn wir aufhören, uns ein eigenes Selbst machen zu wollen, und bereit sind, uns selbst im Stich zu lassen, sind wir bereit für SEINE Hilfe.

“Das Licht kann nicht durch die Mauern dringen, die du errichtest, um es auszusperren, und es ist nie und nimmer gewillt, das, was du gemacht hast, zu zerstören. Niemand kann durch eine Mauer sehen, aber ich kann um sie herumgehen. Halte Ausschau nach den Resten der Angst in deinem Geist, sonst wirst du mich nicht bitten können, es zu tun. Ich kann dir nur so helfen, wie uns unser VATER schuf. Ich werde dich lieben und ehren und vollkommene Achtung vor dem, was du gemacht hast, wahren, aber ich werde es nicht unterstützen, es sei denn, es ist wahr. Ich werde dich genauso wenig je im Stich lassen wie GOTT, aber ich muss so lange warten, wie du es wählst, dich selbst im Stich zu lassen.”
(EKIW: Kapitel 4, III. 7. 3.-8.)

Kübler-Ross verbrachte ihr Leben damit, Menschen beim Sterben zuzusehen und was sie lernte, war nicht, dass der Tod das Ende ist. Sie lernte, dass das Leben eine Vorbereitung ist, eine Schule und jede Lektion, egal wie schmerzhaft, dient dem Erwachen. Wir sind nicht zufällig genau hier, wir haben diesen Körper gewählt, diese Familie, diese Zeit, diese Herausforderungen. Nicht weil das Universum grausam ist, sondern weil unsere Seele wusste, dass wir bereit sind und wenn wir das verstehen, dann ändert sich alles. Der Schmerz wird nicht sofort verschwinden, aber seine Bedeutung verändert sich. Er ist nicht länger sinnlos, er ist ein Lehrer und wir sind der Schüler, der sich entschieden hat, diese schwierige Klasse zu besuchen. Was lernen wir gerade? Welche Tugend wird in uns geschmiedet, wahres Mitgefühl, wahre Vergebung, echtes Loslassen? Die Antwort ist bereits in uns, wir müssen nur still werden, um sie zu hören. Und wenn wir sie hören, dann wissen wir, wir sind nicht gebrochen, wir werden transformiert und das, was wir gerade durchmachen, ist nicht das Ende unserer Geschichte, es ist der Wendepunkt!

Krise als Wendepunkt und Wachstumsbeschleuniger

Unsere Reaktion auf eine Krise ist der Moment der Wahl. Unsere innere, geistige Entscheidung ist das alles Entscheidende und bestimmt unsere Wahrnehmung. Die einzige Wahl, die getroffen werden kann, ist die zwischen der Stimme des Egos und der STIMME FÜR GOTT.

Gerade hier in Mittel- und Nordeuropa ist der Lebensstandard, die soziale Absicherung und der Komfort so hoch, dass die meisten Menschen gar nicht merken, wie sehr sie sich mit dem Ego-Denksystem identifizieren, selbst dann nicht, wenn sie glauben, einen spirituellen Weg zu gehen. Oft ist es erst eine Krise, die Menschen zum Umdenken zwingt. Und auch diese Situation haben wir genauso gewählt, denn auch das birgt eine ganz spezielle Chance. Wir können erkennen, dass der größte Luxus und die größte weltliche Sicherheit, die vorstellbar sind, uns doch nicht den Frieden und die Liebe bringen, die wir uns in der Tiefe unseres Herzens so sehr wünschen.

Wenn du etwas erfährst, das du als existenzielle Krise oder Katastrophe erlebst, gilt es, die tiefere Bedeutung dahinter zu erkennen. Dieser Schmerz soll dich nicht traurig machen, denk daran. Diese Lektion wird immer wieder missverstanden. Der Schmerz ist dazu da, dich wacher zu machen. Die Menschen wachen nur auf, wenn der Pfeil tief ins Herz geht und sie verwundet. Ansonsten wacht man nicht auf. Wenn das Leben einfach, bequem und problemlos ist, wer macht sich dann die Mühe? Wer will schon wach werden? Aber wenn du in deiner Einsamkeit weinst – das sind Gelegenheiten, die du nutzen kannst, um bewusst zu werden. Tiefer Kummer kann uns eine große Transformation bringen. Dafür müssen wir an die Wurzeln unserer Schmerzen gehen und sie so spüren, wie sie sind, ohne Selbstmitleid und ohne andere zu beschuldigen.

Bei vielen Menschen, die sich seit vielen Jahren mit spiritueller Arbeit und metaphysischen Konzepten beschäftigen, ändert sich nichts im Leben. Sie haben dieselben “Themen” und ihr alltägliches Leben erleben sie unverändert herausfordernd. Viele Menschen haben keine der Erfahrungen innerer Wahrheit gemacht, von denen sie hören, und warum ist das so? Weil sie noch so stark mit ihrem Ego identifiziert sind, verwenden sie auch „Spiritualität” lediglich zur Unterhaltung und zur Optimierung ihres eigenen Egotrips. Das Ego ist die Gier nach neuen Erlebnissen. Und so wird versucht, diese Gier auch durch aufregende Erfahrungen, wie sie die moderne Eso- und Spiri-Szene bietet, zu befriedigen. Der Unterschied zwischen echter und unechter Spiritualität ist folgender: Wenn wir auf Erlebnisse aus sind, dann ist die Spiritualität unecht. Wenn wir jedoch auf den Erlebenden aus sind, dann ist sie echt.

Wenn das Leben uns eine einmalige Gelegenheit - in Form einer Krise - bietet, ist dies der richtige Zeitpunkt, um spirituelles Wissen in die Tat umzusetzen. Es ist die Zeit der Transformation, die Zeit, diesen Bewusstseinssprung zu wagen. Dies sind einmalige Momente. Daher sind es gerade die - aus weltlicher Sicht - großen Katastrophen, in denen die größte Chance für wahre Veränderung besteht, jene Momente, in denen uns der HEILIGE GEIST am leichtesten erreicht. Aus SEINER Sicht ist ein Ereignis wie 9/11 ein Ruf nach LIEBE, auf den ER augenblicklich antwortet. Wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir, dass gerade im Umfeld großer Katastrophen – neben der ganzen Panik – die Liebe zu fließen beginnt. Wildfremde Menschen liegen einander in den Armen, nach langer Zeit wird wieder Kontakt zu Angehörigen aufgenommen und sich gegenseitig Liebe bekundet. Und dann ist da noch die Hilfsbereitschaft, die plötzlich scheinbar aus dem Nichts auftaucht. Im Alltag gehen wir an so vielen Menschen vorbei, ohne auch nur einen Gedanken an ihr Schicksal zu verschwenden. Die Frage, was wir geben könnten, kommt uns nicht in den Sinn. Aber plötzlich, im Angesicht einer Katastrophe, sind wir bereit zu helfen und zu geben.

Akute Katastrophen sind die Zeiten, in denen wir große Sprünge machen, in denen wir ihnen direkt begegnen und entschlossen sagen: “Ich werde nicht von dieser spirituellen Arbeit abweichen.“ Jetzt sind wir wirklich mit wahrhaft spiritueller Arbeit konfrontiert. Es geht nicht darum, ein paar wohlklingende Sätze in einem Buch zu lesen oder ein fröhliches Bild anzuschauen. Stattdessen befinden wir uns mitten drin, mitten im Geschehen. Das Geschehen der spirituellen Arbeit tritt ein, wenn wir mit dem konfrontiert werden, dem wir nicht ausweichen können. Es ist die direkte Konfrontation, die einen Bewusstseinssprung erfordert.

Das sind die goldenen Gelegenheiten, die unbezahlbar sind, wenn wir sie als solche erkennen, wenn wir bereit sind, sie anzunehmen und “Okay“ zu sagen. Die Bereitschaft, sie anzunehmen, egal wie schmerzhaft sie auch sein mögen, ermöglicht einen riesigen Bewusstseinssprung, einen echten Fortschritt in Weisheit, Wissen und Bewusstsein. Das, was wir in Büchern lesen, wird dann zu unserer eigenen inneren Erfahrung.

Es gibt etwas unterhalb der Emotionalität, das diese Energie für einen Menschen erlebt. Es wird buchstäblich von etwas viel Größerem als dem eigenen persönlichen Selbst gesteuert. Wäre nur das kleine persönliche Selbst vorhanden, würde man von der Energie, die während dieser Erfahrungen freigesetzt wird, völlig überwältigt und ausgelöscht werden. Man überlebt diese Erfahrungen, weil es etwas Größeres als das persönliche Selbst gibt, das mehr als fähig ist, mit ihnen umzugehen.

Der Trick des vom Ego getriebenen Verstandes besteht darin, das nicht zu sehen. Er versucht, das zu ändern, was “da draußen“ vor sich geht, versucht, es zu verstehen, und greift dann auf den Intellekt zurück, um festzustellen, dass der Intellekt diese Art von Problem nicht lösen kann. Was wir in kritischen Situationen brauchen, ist unsere Bereitschaft und Willigkeit, mit dem umzugehen, was das Leben uns präsentiert. Wenn wir die Werkzeuge und die Bereitschaft dazu haben, führt dies zu einer sehr schnellen Heilung.

Tatsächlich besteht in Situationen akuter Überforderung auf einer tieferen Ebene weiterhin das Bewusstsein, dass wir die Erfahrungen tatsächlich bewältigen können. Ein Teil der Panik rührt von der Erkenntnis her, dass das, was wir zu sein glauben – unser machtloses, begrenztes Selbst – der Kraft dieser Erfahrung nicht gewachsen ist. Genau das ist der Fall: Das begrenzte, individuelle, persönliche Selbst kann die Überforderung nicht bewältigen. Darin liegt der spirituelle Wert dieser Erfahrung. Was möchten wir an dieser Erfahrung wirklich ändern? Wir werden sehen, dass wir eigentlich nur unsere Einstellung dazu ändern wollen. Was wir wissen können, ist, dass das Gefühl kommen und gehen wird. Das Ereignis wird uns nach dem Gefühlszustand nicht mehr stören. Alles, was wir durchleben müssen, ist der akute Anstieg und die Energie der Emotion. Die Ereignisse werden sich von selbst regeln.

Der Wunsch, das Geschehene und unsere Gefühle darüber zu ändern, muss aufgegeben werden. Die Konfrontation ist da, und alles, was wir tun können, ist, uns darauf einzulassen, sie zu durchleben, egal welcher Art sie ist, sei es der Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung, eine Trennung, ein akuter Notfall oder eine katastrophale Verletzung. All dies führt zu einem Schockzustand, der immer gleich ist, unabhängig davon, was das auslösende Ereignis ist. Der Schock ist die plötzliche Erkenntnis unserer Ohnmacht, die Tatsache, dass unser persönlicher Wille auf eine Mauer gestoßen ist, dass wir aufgehalten werden können und aufgehalten wurden und dass der persönliche Wille sich nicht durchsetzen kann. Daher sind der Schock und die Erkenntnis all dessen in allen Erfahrungen gleich, ebenso wie die Tatsache, dass sie unveränderlich und dauerhaft sind. Das ist der Schock. Es ist als würden wir mit voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer fahren, und jedes Mal, wenn wir das im Leben tun, wird dasselbe Energiefeld freigesetzt.

Wenn wir mehr als eine dieser Erfahrungen in unserem Leben gemacht haben, können wir zurückblicken und erkennen, dass dies tatsächlich so ist und dass jedes Mal der Schockzustand derselbe war. Die Erfahrung und die Abfolge waren identisch. Es gab die Erfahrung mit dem Gefühl plötzlicher Taubheit, den Zustand der Ungläubigkeit und dann das Entfesseln aller negativen Gefühle.

Wenn wir uns die negativen Gefühle genau ansehen und einige unserer Erfahrungen betrachten, erkennen wir, dass wir all das erlebt haben. Wir haben die Gesamtheit dieses negativen Energiefeldes erlebt. Es ist wie ein flackerndes Energiefeld, in dem die Form der Emotionalität zwischen Wut, Groll, Selbstmitleid, Eifersucht, Rache, Hass, Gott hassen, sich selbst hassen, der Familie und Gesellschaft die Schuld geben, der Regierung und den Gesetzen die Schuld geben hin und her flackert. Der Geist rast wild in diesem negativen Energiefeld herum. Wir können seine Diffusität und Formlosigkeit erkennen. Es ist wie ein Korb voller negativer Energie, und wir müssen uns nur um den Korb kümmern, nicht um all die kleinen Dinge, die darin herumflackern. Wir müssen uns nur um das “Ganze” kümmern. Wenn wir sehen, dass es sich “ganz” entlädt, bewegt es uns schnell hindurch und auf die andere Seite hinaus. Wir sehen, dass es eine unausweichliche Erfahrung ist, und wir müssen bereit sein, uns der Arbeit hinzugeben, die jetzt getan werden muss. Wie können wir erkennen, wann diese Arbeit beendet ist? Wenn wir plötzlich in diesen inneren Zustand des Friedens gelangen.

Wir wissen, dass Menschen oft auch Jahre später noch Ressentiments und Wut empfinden und immer noch in einem Aspekt dieses negativen Energiefeldes gefangen sind, weil die Ereignisse nicht von Anfang an aufgearbeitet wurden. Die Person war nicht bereit, sich hinzusetzen und sie zu verarbeiten, bis sie abgeschlossen waren. Die Menschen sind dazu nicht bereit, weil es schmerzhaft ist und weil sie die Techniken dazu nicht kennen. Jedes Mal, wenn sie sich damit befassen, versuchen sie erneut, die Ereignisse in der Welt zu verändern und die Gedanken zu verarbeiten. Der Intellekt und der Verstand versuchen, eine Lösung zu finden, und die Person gerät wieder in die gleiche Sackgasse. Da sie kein wirksames Werkzeug zur Bewältigung der Ereignisse haben, bleibt die Arbeit unvollständig.

Was passiert mit der unvollendeten Arbeit und den Emotionen, die nicht freigesetzt wurden? Das, was unvollendet bleibt, beginnt sich in emotionalen Einstellungen und im Körper in Form von Krankheit auszudrücken. Die unbewusste Schuld, die über die Katastrophe, die vor vielen Jahren passiert ist, nicht losgelassen wurde, kommt in Verbindung mit einem Glaubenssystem im Verstand über eine bestimmte Krankheit im Körper zum Ausdruck. Das Endergebnis der ungelösten emotionalen Verarbeitung einer katastrophalen Erfahrung ist oft eine Krankheit, die viele Jahre später auftreten kann. In der Medizin wird eine ungelöste emotionale Verarbeitung katastrophaler Erfahrungen als posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet.

Katastrophale Erfahrungen sind der Keim, die eigentliche Essenz der ultimativen spirituellen Erfahrung. In ihr und wenn man ihr bis zu ihrem Kern folgt, sich völlig hingebungsvoll von der Klippe stürzt, ist die vollständige Hingabe an die Erfahrung der Keim und Kern dessen, wonach der spirituell Suchende die ganze Zeit gesucht hat.

Barbara Vödisch beschreibt in ihrem Buch "Erwachen ist einfach: Mein Weg in die Freiheit", wie sie während einer Vergewaltigung die Erlösung ihrer ganzen Täter-Opfer-Thematik erlebte und in diesem Moment erkannte, dass durch dieses Geschehen auf der körperlichen Ebene ihre Essenz nicht im Geringsten berührt wurde.

Der wesentliche Aspekt des spirituellen Nutzens besteht darin, sich direkt auf die Erfahrung einzulassen. Wenn also eine katastrophale Erfahrung eintritt, ist es von Vorteil, sich ganz darauf zu konzentrieren, “Ja“ dazu zu sagen und sie vollständig zu durchleben. Im Zen gibt es ein Sprichwort: “Wenn du denkst, es geht nicht mehr weiter, geh einfach weiter.“ Buddha soll gesagt haben: “Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.” Meister Eckhart hat gesagt: “Wo du dich findest, da lasse dich.” Jack Kornfield sagt: “Es geht nicht darum, was auch immer zu ändern, sondern an nichts festzuhalten und die Augen sowie das Herz zu öffnen.” Jesus im Kurs sagt:

“Der heutige Leitgedanke ist ein weiterer Schritt, um die Gedanken loslassen zu lernen, die du auf die Welt geschrieben hast, und GOTTES WORT an ihrer Stelle zu sehen. Die ersten Schritte in diesem Austausch, den man wahrlich Erlösung nennen kann, können recht schwierig und sogar ziemlich schmerzhaft sein. Einige davon werden dich geradewegs in die Angst führen. Aber du wirst nicht dort gelassen werden. Du wirst weit darüber hinausgehen. Wir gehen auf vollkommene Geborgenheit und vollkommenen Frieden zu.”
(EKIW: Lektion 14, 3.)

Akute Katastrophen

In einer akuten Katastrophensituation versucht der vom Ego getriebene Verstand, sich an Vertrautes zu klammern. Er versucht, sich durch Realitätsflucht, Ablenkungen, Beruhigungsmittel, Drogen und Alkohol sowie verschiedene andere Mittel aus der Situation zu befreien, anstatt sich ihr direkt zu stellen und sie zu bewältigen.

Das Wesentliche einer katastrophalen Situation ist die völlige Hingabe an die Entdeckung dessen, was größer ist als das persönliche Selbst. Das vollständige Durchleben einer Katastrophe bringt uns in eine Verbindung und zu der Erkenntnis, dass es etwas in uns gibt, das die Kraft hat, uns zu stützen, egal wie katastrophal die Erfahrung auch erscheinen mag. Infolgedessen kommen wir auf der anderen Seite mit einem erweiterten Bewusstsein heraus, mit dem Bewusstsein, dass es etwas in uns gibt, dass es eine Präsenz, eine Eigenschaft oder einen Aspekt des Lebens in uns gibt, der die Kraft hat, uns durch die scheinbar unmöglichsten Situationen zu tragen.

Wenn die katastrophale Erfahrung nicht vollständig verarbeitet wird, bleiben gewisse Rückstände zurück. Es ist, als wären wir nur zur Hälfte von der Klippe gestürzt. Manche Menschen glauben, sie hätten die Klippe verlassen, aber tatsächlich stellen wir fest, dass sie heimlich die Daumen gedrückt und sich an einem kleinen Felsvorsprung oder einer Rettungsleine festgehalten haben. Die Hingabe an Gott war nicht wirklich vollständig, sodass ein Zweifel zurückbleibt, und aus diesem Zweifel entsteht beispielsweise ein Rest von Trauer oder Angst vor der Erfahrung. Wenn wir während dieser Erfahrung nichts Größeres als unser persönliches Selbst erfahren, kann dies zu einer Einschränkung, einer gewissen Lähmung, der Unfähigkeit, über einen bestimmten Punkt hinauszugehen, führen, und die Bereitschaft sich ganz einzulassen wird begrenzt. Die Person sagt: “Ich würde lieber ein begrenztes Leben führen, als mich noch einmal einer solchen Erfahrung auszusetzen. Ich würde lieber nie wieder lieben, als zu lieben und zu verlieren.“ Ein Sprichwort lautet: “Es ist besser, geliebt und verloren zu haben, als nie geliebt zu haben.“ Das Erleben von Liebe bringt uns in Kontakt mit unserem SELBST, das größer ist als unser eigenes begrenztes, kleines Selbst.

“Ich will mich vor der Liebe heut nicht fürchten.”
(EKIW: Lektion 282)

Die vollständige Auflösung bringt uns in bewussten Kontakt mit etwas, das größer ist als das persönliche Selbst. Viele Menschen, die dies erlebt haben, bestätigen, dass sie, als sie ihr kleines Selbst etwas Größerem als sich selbst übergaben, mit dem in Kontakt kamen, was sie als “real“ betrachteten. Diese persönliche innere Erfahrung spiritueller Realität führt einen vom Bücherwissen zu einer tiefen inneren Überzeugung. Aus dieser inneren Überzeugung entsteht die Bereitschaft, wieder ins Leben einzutreten, daran teilzunehmen und Risiken und Chancen einzugehen.

Was ist die innere Erfahrung, wenn man den Tiefpunkt erreicht hat? Sie entsteht aus Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung; das kleine Selbst der Person sagt: “Ich allein kann das nicht bewältigen.“ Der Mensch gibt aus Hoffnungslosigkeit auf, und daraus entsteht die Bereitschaft, loszulassen, sich etwas Größerem als sich selbst hinzugeben. Ganz unten, in der Tiefe, erkennt und akzeptiert man die Wahrheit, dass “ich selbst, mein individuelles persönliches Selbst, mein eigenes Ego-Selbst, damit nicht fertig wird. Ich bin nicht in der Lage, es zu lösen.“ Aus dieser Niederlage entstehen Sieg und Erfolg. Der Phönix erhebt sich aus der Asche der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Nicht die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind von Wert, sondern das Loslassen und die Erkenntnis der Begrenztheit des kleinen Selbst. Mitten in der Katastrophe sagt der Mensch: “Ich gebe auf. Ich kann damit nicht umgehen“, und bittet dann bewusst oder unbewusst Gott um Hilfe.

Aufgrund des Gesetzes des freien Willens und der Natur des Bewusstseins, wie es ist, bedeutet, dass es da etwas gibt, das bereit ist, uns allen zu helfen, darauf wartet, dass wir “Ja“ sagen. Es ist die plötzliche Wende vom Tiefpunkt zum Willen, zu akzeptieren, dass es etwas Größeres als uns selbst gibt, an das wir uns wenden können. Wenn jemand sagt: “Wenn es einen Gott gibt, bitte ich ihn, mir zu helfen“, dann geschehen die großen transformativen Erfahrungen, die seit Anbeginn der Geschichte aufgezeichnet wurden.

Der Beginn der großen weltweiten Organisation der Anonymen Alkoholiker (AA) ging aus einer solchen Erfahrung hervor. Bill W., der berühmte Gründer der AA, hatte den Tiefpunkt erreicht. Er befand sich in einem Zustand völliger Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und gab sein persönliches Selbst auf. Genau das ist auch die Bedeutung des “Anonym" in der Bezeichnung der Organisation. Es geht darum, über das Persönliche hinauszugehen. Zu dieser Zeit war er kein Gläubiger, aber er sagte: “Wenn es einen Gott gibt, bitte ich ihn, mir zu helfen.“ In diesem Moment kam es zu einer großen transformativen Erfahrung, deren spirituelle Kraft sich in Millionen von Leben zeigt, die von der Energie beeinflusst wurden, die als Ergebnis der Weitergabe der spirituellen Erfahrung dieses Mannes in die Welt hinausströmte.

Auch Byron Katie litt über einen Zeitraum von zehn Jahren an einer schweren Depression. In den letzten beiden Jahren war sie nur selten in der Lage, ihr Bett zu verlassen. Eines Morgens, in ihrer tiefsten Verzweiflung, hatte sie eine alles verändernde Erkenntnis. Infolgedessen wurde die bettlägerige, selbstmordgefährdete Frau von Liebe erfüllt für alles, was das Leben bringt.

Es ist offensichtlich, dass Loslassen und das Erreichen des Tiefpunkts entscheidend sind. Aus dem Bewusstsein heraus, dass wir Dinge nicht ändern können und begrenzt und machtlos sind, entdecken wir, was im Universum tatsächlich Macht hat. Diese Macht kommt und übernimmt die Erfahrung, und wir wissen, wann das geschieht, weil wir einen Zustand tiefer Ruhe verspüren. Wo zuvor Qualen herrschten, herrscht nun ein Zustand unendlicher Ruhe und ein unbeschreibliches Bewusstsein einer unendlichen Präsenz.

"Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten."
(EKIW: Lektion 50)

Historisch gesehen war es immer ein besonderer Anlass, wenn eine Erkenntnis der Wahrheit aufkam, aber das ist keineswegs notwendig; es ist nur eine Art von Erfahrung. Tatsächlich ist dies die Natur spiritueller Arbeit zu jeder Zeit. Der Mensch, der sich mit spiritueller Arbeit beschäftigt, betrachtet immer das, was im Leben geschieht, und sieht es als Lektion. Was geschieht, repräsentiert das, woran gearbeitet wird, sodass eine akute Katastrophe nur eine Fortsetzung des ohnehin stattfindenden Prozesses wäre. Infolgedessen würde der Mensch, der sich intensiv mit spiritueller Arbeit beschäftigt, dies als eine einmalige Gelegenheit betrachten, die zwar schmerzhaft und bedauerlich sein mag, aber von großem Nutzen ist. Das Wesentliche der spirituellen Arbeit besteht darin, sich auf das zu konzentrieren, was von Augenblick zu Augenblick geschieht, und sich bewusst zu werden, “was” erlebt wird und wo es erlebt wird.

“Alle Dinge sind Lektionen, von denen GOTT möchte, dass ich sie lerne.”
(EKIW: Lektion 193)

Grundsätzlich ist das Loslassen der Kontrolle und das Abgeben der Führung an den HEILIGEN GEIST (SPIRIT) die zentrale Technik aller spirituellen Wege.

“Ich will zurücktreten und IHM die Führung überlassen”
(EKIW: Lektion 155)

“Ich gebe heute GOTT mein Leben, damit ER es lenke.”
(EKIW: Lektion 233)

Wenn wir spirituell wachsen, braucht es immer weniger, um die Bereitschaft zu entwickeln, sich dieser inneren Erfahrung zu stellen. Der Mensch muss keine qualvollen Schmerzen durchleben, bevor er bereit ist, loszulassen und sich hinzugeben. Es entsteht immer mehr die Bereitschaft, dies täglich zu tun, sodass es zu einem festen Bestandteil des Lebens wird. Die Bereitschaft, sich in großer Tiefe völlig hinzugeben, nimmt zu und dann sieht man, dass diese Hingabe in unterschiedlichen Tiefen stattfindet.

“Wenn du irgendeine verdrehte Form jenes Urirrtums vor deinen Augen zu sehen scheinst, die auftaucht, um dich zu erschrecken, so sage nur: »GOTT ist nicht Angst, sondern LIEBE«, und sie wird verschwinden. Die Wahrheit wird dich erlösen. Sie hat dich nicht verlassen, um in die wahnsinnige Welt hinauszugehen und so von dir zu scheiden. Innen herrscht geistige Gesundheit, der Wahnsinn ist außerhalb von dir. Du glaubst nur, es sei umgekehrt: dass die Wahrheit außen sei und Irrtum und Schuld innen. Deine kleinen, sinnlosen Formen des Ersatzes, die berührt sind vom Wahnsinn und auf einer irren Bahn gewichtslos weitertaumeln wie Federn, die verrückt im Winde tanzen, haben keinerlei Substanz. Sie verschmelzen, verbinden und trennen sich voneinander in wechselhaften und völlig bedeutungslosen Mustern, die überhaupt nicht beurteilt zu werden brauchen. Sie einzeln zu beurteilen ist zwecklos. Ihre winzigen Unterschiede in der Form sind überhaupt keine wirklichen Unterschiede. Keine von ihnen ist von Belang. Das haben sie gemein, und sonst nichts. Doch was sonst ist nötig, um sie alle gleichzumachen?”
(EKIW: Kapitel 18, I. 7.)

Tod

“Für diejenigen, die sich mit dem Ego identifizieren, ist der Glaube an die Hölle unausweichlich. Ihre Alpträume und Ängste stehen alle damit in Verbindung. Das Ego lehrt, dass die Hölle in der Zukunft liegt, denn darauf ist sein ganzes Lehren ausgerichtet. Die Hölle ist sein Ziel. Denn obwohl das Ego Tod und Zerfall als ein Endziel anstrebt, glaubt es nicht daran. Das Ziel des Todes, das es für dich ersehnt, lässt es unbefriedigt. Niemand, der den Lehren des Ego folgt, ist frei von Todesangst. Doch wenn der Tod nur als der Schmerzen Ende angesehen würde, würde er dann gefürchtet? Wir haben dieses seltsame Paradox im Denksystem des Ego früher schon gesehen, aber nie so klar wie hier.”
(EKIW: Kapitel 15, I. 4. 1.-9.)

Dieses seltsame Paradox im Denksystem des Ego zeigt sich auch darin, dass selbst Menschen, die glauben, dass mit dem Tod alles aus ist, daran interessiert sind, dass sich andere Menschen nach ihrem Tod wohlwollend an sie erinnern. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen, deren Tod aufgrund einer schweren Erkrankung unmittelbar bevorsteht und die nach eigener Einschätzung an die Endgültigkeit des Todes glauben, eine eigene Trauerrede oder Ähnliches verfassen, in der sie ihre besonderen Leistungen hervorheben. Aber was hat jemand davon, wenn er nicht mehr da ist? Der Glaube an persönliche Besonderheit ist immer ein Deckmantel der Verzweiflung, ein Deckmantel der Todesangst. Solche Abschiedsworte sind eine unbewusste Bitte um Erkenntnis - ein verzweifelter Ruf nach Liebe.

“Wenn dein Körper und dein Ego und deine Träume vergangen sind, wirst du erkennen, dass du ewig währst. Vielleicht denkst du, das werde durch den Tod erreicht - aber nichts wird durch den Tod erreicht, weil der Tod nichts ist. Alles wird durch das Leben erreicht, und das Leben ist vom Geist und im Geist. Der Körper lebt weder, noch stirbt er, weil er dich, der du das Leben bist, nicht fassen kann. Wenn wir den gleichen Geist miteinander teilen, kannst du den Tod überwinden, weil ich es tat. Der Tod ist ein Versuch, den Konflikt dadurch zu lösen, dass man sich gar nicht entscheidet. Wie jede andere unmögliche Lösung, die das Ego versucht, wird das nicht funktionieren.”
(EKIW: Kapitel 6, V. A. 1.)

“Es gibt keinen Tod. GOTTES SOHN ist frei.
Der Tod ist ein Gedanke, der viele, oft unerkannte Formen annimmt. Er mag als Traurigkeit erscheinen, als Angst, Beklommenheit oder als Zweifel, als Ärger, Unglaube und Mangel an Vertrauen, als Sorge um Körper, als Neid und in allen Formen, in denen der Wunsch, so zu sein, wie du nicht bist, kommen mag, dich zu versuchen. Alle Gedanken dieser Art sind nur Widerspiegelungen der Anbetung des Todes als Erlöser und als Geber der Befreiung.”
(EKIW: Lektion 163, 1.)

“In dieser Welt scheint es einen Zustand zu geben, der das Gegenteil des Lebens ist. Du nennst ihn Tod. Indessen haben wir gelernt, dass die Idee des Todes viele Formen annimmt. Sie ist die eine Idee, die allen Gefühlen zugrunde liegt, welche nicht zutiefst glückliche sind. Sie ist der Alarm, auf den du mit irgendeiner Reaktion antwortest, die nicht vollkommene Freude ist. Jeder Kummer und Verlust, jede Ängstlichkeit, jedes Leiden und jeder Schmerz, so gar ein kleiner Seufzer der Ermattung, ein leichtes Unbehagen oder das leichteste Stirnrunzeln erkennen den Tod an. Und sie verleugnen damit, dass du lebst.”
(EKIW: Lektion 167, 2.)

Werfen wir einen Blick auf die üblichen verrückten Vorstellungen, die in dieser Welt über den Tod existieren: Wir reden vom Tod immer so, als sei er ein unglücklicher Zufall. Wenn jemand stirbt, sagen wir häufig: “Er starb viel zu früh.” Wenn jemand stirbt, reden wir so darüber, als wäre da ein Unfall passiert. Dabei ist nur der Tod kein Zufall - nur der Tod! Alles andere ist “Zufall”. Der Tod - im biologischen Sinne - ist absolut gewiss. Wir müssen sterben. Und wenn ich sage, wir müssen sterben, dann klingt das nach Zukunft, ganz weit weg. Aber das stimmt nicht - wir sind bereits gestorben. “Und alle Zeit ist nur der verrückte Glaube, dass das, was vorbei ist, noch immer hier und jetzt ist.” “Wir unternehmen lediglich eine Reise, die schon vorbei ist.” Im selben Moment, in dem wir geboren wurden, sind wir gestorben. Mit der Geburt steht der Tod ein für alle Mal fest. Zur Hälfte ist er bereits vollzogen - bei der Geburt; jetzt steht nur noch die andere, spätere Hälfte aus. Also sind wir bereits tot, halbtot; denn kaum ist man geboren, ist man schon im Reich des Todes, hat man es betreten. Jetzt kann daran nichts mehr geändert werden, ist daran nichts mehr zu ändern. Wir sind bereits zur Türe hindurch. Mit der Geburt sind wir halbtot. Das heißt, die Identifikation mit einem Körper ist die Anerkennung des Todes. Deshalb heißt es im Kurs: Das Ego ist der Todeswunsch: “Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt.”

“Alle Dinge außer dem Tod werden als unsicher gesehen, als zu schnell verloren, wie schwer sie immer zu gewinnen sind, mit einem ungewissen Ausgang und als dazu neigend, die Hoffnungen zu enttäuschen, die sie einst erweckten, und anstelle von Sehnsüchten und Träumen einen Geschmack von Staub und Asche zu hinterlassen. Doch auf den Tod wird gezählt. Denn er wird sicheren Schrittes kommen, wenn die Zeit für seine Ankunft gekommen ist. Er wird nie versäumen, alles Leben als Geisel für sich zu nehmen.”
(EKIW: Lektion 163, 3.)

Dies ist eine Welt der Todesanbeter. Diese Welt ist ein Traum vom Tod, mit all den Beerdigungen, dunklen Altären, finsteren Geboten und verdrehten Ritualen der Verurteilung, zu denen der Körper seine Anbeter führt. In dieser Welt können die Anbeter des Todes ihre eigene Wirklichkeit vermeiden. Sie sind es, die sich hingegeben haben, nicht zu leben; der Trauerchor des Ego, die schwarz verhüllten »Sünder«, die sich so mühsam fort vom Leben schleppen und mit schleifenden Ketten langsam in der Prozession mitschreiten, die ihren finsteren Meister, den Herrn des Todes, ehrt.

“Jede Form, die er [der Traum] annimmt, ruft in irgendeiner Weise nach dem Tod. Und jeder, der dem Herrn des Todes dient, ist zu seiner Anbetung mit seinem winzig kleinen Speer und Schwert voll Rost in eine separate Welt gekommen, um sein uraltes Versprechen, zu sterben, einzuhalten.”
(EKIW: Kapitel , V. 7. 5.-6.)

Im Zusammenhang mit Spiritualität wird immer wieder vom Ego-Tod gesprochen. Doch auch dieser Begriff entstammt dem Denksystem des Egos und will uns das Ende einer Illusion als etwas Schreckliches verkaufen. Wenn Sünde wirklich ist, muss die Erlösung Schmerz sein. Dann muss man die Erlösung fürchten, denn sie wird töten, aber langsam, und alles wegnehmen, bevor sie Opfern die willkommene Gnade des Todes zugesteht und endlich selbst beschwichtigt ist. Das Ego ist eine Illusion, es hat nie existiert und kann deshalb nicht sterben. Das Ego-Denksystem selbst ist die Idee des Todes, ist der Todeswunsch. Das Ende dieser Idee ist nicht der Tod, sondern im Gegenteil das Erwachen aus dem Traum des Todes zur Wirklichkeit unserer Unsterblichkeit.

“Es [das Ego] stirbt nicht - es ist einfach nie geboren worden.”
(EKIW: Kapitel 5, IV. 2. 3.)

Der Versuch, das Ego zu zerstören oder zu töten, stärkt das Ego. Denn das Verlangen nach Zerstörung und Angriff ist das zentrale Verlangen des Egos. Das Ego kann nur vergeben werden, das ist der einzige Weg zur Befreiung. Welches Wort wir auch verwenden, um diesen Prozess zu symbolisieren, es ist kein Akt der Zerstörung oder des Angriffs, sondern ganz im Gegenteil - eine Hinwendung zur Liebe GOTTES. Die wahre Lösung beruht voll und ganz auf Meisterung durch Liebe.

“Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.”
(Bibel EÜ: Jesaja 9,1)

Das Leben ist ewig. Der Tod existiert nicht. Ich werde jedoch im Folgenden die beiden Begriffe Leben und Tod in dem Sinne verwenden, wie wir sie innerhalb der Illusion gewöhnlich gebrauchen. Aber selbst der Körper als Teil der Illusion stirbt nicht, denn auch die Atome, die diese illusionäre Form zu bilden scheinen, sind - seit Anbeginn der Zeit - immer dieselben, die sich nur immer wieder zu neuen, sich ständig verändernden Formen zusammensetzen.

“Der Körper stirbt ebenso wenig, wie er fühlen kann. Er tut nichts. Von sich aus ist er weder verweslich noch unverweslich. Er ist nichts. Er ist die Folge einer winzig kleinen Wahnidee der Verweslichkeit, die berichtigt werden kann.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. 5. 2.-6.)

Wir können die Wirklichkeit nicht ändern. Es ist unmöglich, dass wir ohne GOTT leben oder sterben, aber es ist nicht unmöglich, dass wir denken, dass wir es tun. Wenn wir denken, dass wir ohne GOTT leben oder sterben, werden wir die Erfahrung machen, dass wir es tun. Wir können diese Erfahrung so lange machen, wie wir es wünschen. Und wir können sie beenden, wann immer wir uns dazu entscheiden.

“Die Reise zum Kreuz sollte die letzte »nutzlose Reise« sein. Halte dich nicht damit auf, sondern lass sie als vollbracht hinter dir. Wenn du sie als deine letzte nutzlose Reise annehmen kannst, dann steht es dir auch frei, dich meiner Auferstehung anzuschließen. Solange du das nicht tust, ist dein Leben in der Tat verschwendet. Es inszeniert bloß aufs neue die Trennung, den Verlust der Macht, die vergeblichen Wiedergutmachungsversuche des Ego und schließlich die Kreuzigung des Körpers beziehungsweise den Tod. Solche Wiederholungen sind endlos, bis sie aus freien Stücken aufgegeben werden. Begehe nicht den mitleiderregenden Fehler, dich an das alte rauhe Kreuz zu klammern. Die einzige Botschaft der Kreuzigung ist die, dass du das Kreuz überwinden kannst. Bis dahin steht es dir frei, dich so oft zu kreuzigen, wie du willst. Das ist nicht das Evangelium, das ich dir anbieten wollte. Wir haben eine andere Reise zu unternehmen, und wenn du diese Lektionen sorgfältig liest, werden sie dir helfen, dich auf sie vorzubereiten.”
(EKIW: Kapitel 4, EINLEITUNG, 3.)

Je mehr wir in unserem Leben zu tun versuchen, desto größer wird unsere Angst vor dem Tod sein, denn der Tod ist das Ende jeglichen Tuns. Er ist das Ende des verstandesmäßigen Denkens und der emotionalen Reaktionen auf die Gedanken und Handlungen anderer. Der Tod ist das Ende der Trennung, das Ende des Körpers, das Ende des konditionierten Verstandes.

Wenn man die Körperwelt endgültig verlässt, gibt es keinen denkenden, träumenden, planenden Verstand mehr und doch findet unmittelbare Kommunikation statt. Wie kann das sein? Der Geist an sich ist unbegrenzt, er ist nicht den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen, sondern geht über alle Grenzen hinaus. Wir hier erfahren nur jenen Teil des Geistes, den wir auf der individuellen und kollektiven Ebene begrenzt haben, damit er in unseren Bezugsrahmen passt. Doch jenseits unseres Verstehens sind noch andere Aspekte des Geistes wirksam.

Der Tod ist das Ende des subjektiven, getrennten Bewusstseins. Er ist das Ende der uns bekannten Form der Kommunikation, denn auf unserer Erfahrungsebene findet Kommunikation zwischen zwei getrennten, separaten Bewusstseinströmen statt. Diese Erfahrung der Kommunikation ist illusionär, das heißt, sie ist ein extrem begrenzter Aspekt einer Erfahrung, die grenzenlos ist. Jene von uns, die dem Tod schon einmal nahe gekommen sind, wissen, dass es eine Realität gibt, die die Wahrnehmungsgrenzen dieser Welt übersteigt. In jener Welt geschieht Kommunikation spontan und allumfassend. Mit anderen Worten, es gibt dort niemanden der nicht weiß was wir denken, aber das macht uns nichts aus, denn auch wir wissen, was alle anderen denken. Weil es dort keine privaten Gedanken gibt, wird jeder begrenzende Gedanke sofort durch einen weniger begrenzenden korrigiert. Da unsere Selbstwahrnehmung durch unsere Gedanken definiert wird, empfinden wir nun eine ständige Erweiterung des Selbst, da das Denken sich über seine Grenzen hinaus ausdehnt. Das Interessante daran ist, dass wir jetzt frei von jeglicher Befangenheit, ohne innere Kämpfe mit dem unbegrenzten SEIN kommunizieren. Unser Körper badet in Licht, unser Herz kann die bedingungslose Liebe annehmen und unser Geist hat Zugang zum direkten Verstehen der Wahrheit.

All das ist möglich, wenn wir einfach still werden und bereit sind, dies zu erfahren. Wenn wir den Körper verlassen, haben wir keine Wahl, wir finden uns mitten in dieser Erfahrung wieder, ob wir nun dazu bereit sind oder nicht. Leisten wir der Erfahrung Widerstand, werden wir wieder zu einem weiteren begrenzten Körper hingezogen, der uns eine Erfahrung der Wahrheit bietet, die unserem Entwicklungsstand entspricht und uns eine Weiterentwicklung ermöglicht. Sind wir aber bereit, die Erfahrung bedingungsloser Liebe zu machen, werden wir uns durch alle Ängste, die wir jemals hatten und alle Einschränkungen, die wir uns je auferlegt haben, zu einem Ort jenseits aller Ängste oder Begrenzungen bewegen. Das bedeutet den Zyklus von Geburt und Tod beenden. Jeder kommt an, jeder erlangt irgendwann die Meisterschaft. Alle Formen spiritueller Praxis dienen lediglich dazu, schneller ans Ziel zu kommen. Sie bieten uns die Möglichkeit, die Erfahrung bedingungsloser Liebe und Gnade schon Hier und Jetzt zu machen.

Die drei Phasen des Todes

Der Einfachheit halber werde ich in diesem Abschnitt den Begriff “Seele” als Synonym für das individuelle Bewusstsein verwenden. Die Beschreibung der drei Phasen ist als Annäherung an eine Erfahrung zu verstehen, die mit dem Verstand nicht zu erfassen ist, mehr nicht. Diese Beschreibung stammt nicht aus dem Kurs, weil sie für die Arbeit mit dem Kurs nicht von Bedeutung ist.

In der ersten Phase des Todes erkennen wir, dass wir nicht unser Körper sind. Was da von uns abfällt, ist das Gefühl von uns selbst als physischer Körper. Es fühlt sich an, als seien wir noch jemand, aber unser Selbst-Gefühl umfasst nicht mehr das Empfinden, dass wir einen Körper haben. Dennoch nehmen wir die physische Welt weiterhin wahr, noch dazu wesentlich umfangreicher und intensiver als im irdischen Normalzustand. Wir sehen und hören, ohne dass wir dazu den Körper bräuchten, und nehmen die Gedanken und Gefühle aller am Geschehen beteiligten Menschen intensiv wahr. Daher hängt der Sterbeprozess auch stark davon ab, welche Gefühle die beteiligten Menschen haben. Sind sie bereit, den Sterbenden loszulassen, oder sind sie noch stark an der egoischen Vorstellung von Liebe verhaftet und versuchen, den Sterbenden festzuhalten? Für uns Angehörige ist es daher sehr wichtig, dem Sterbenden ganz konkret mitzuteilen, dass er frei ist und gehen darf und dass wir – trotz unserer Trauer – auch ohne ihn zurechtkommen werden.

In der zweiten Phase gehen wir durch eine Erfahrung, die wir entsprechend unseren Glaubensvorstellungen zu machen erwarten. Diese Erfahrung dauert so lange, wie wir möchten, solange, wie es uns gefällt. Wenn wir glauben, dass es eine Hölle gibt und wir Strafe verdient haben, dann werden wir auch diese Erfahrung machen.

“Das Ego will, dass du tot seist, es aber nicht. Die Folge seiner seltsamen Religion muss deshalb die Überzeugung sein, dass es dich über das Grab hinaus verfolgen kann.”
(EKIW: Kapitel 15, I. 3. 3.-4.)

Aber dies ist eine andere Erfahrung als hier auf der Erde, es ist eine Art reinen Beobachtens und irgendwann werden wir erkennen, dass die Idee einer Hölle Schwachsinn ist und uns selbst daraus “entlassen” und zum dritten Stadium des Todes übergehen. In dieser Phase werden wir noch einmal sehr direkt mit allem Unerlösten in unserem Geist konfrontiert. Seelen, die nicht bereit sind, weiterzugehen, haben hier noch einmal die Möglichkeit, umzukehren. Alle Menschen, die nach einer Nahtoderfahrung von dieser Umkehr berichten, erzählen auch davon, wie schwierig es war. Denn es gibt einen ganz natürlichen Sog zum Licht, einen ganz natürlichen Sog in Richtung Aufstieg.

Dann begeben wir uns in die dritte Phase des Todes. Das ist das letzte Stadium, in dem wir die Verschmelzung mit dem SELBST und damit mit GOTT erfahren und daraus wieder hervorgehen, um prüfend Rückschau zu halten auf das physische Leben, das wir gerade abgeschlossen haben. Und dann entscheiden wir, ob wir "weitergehen oder zurückkehren" wollen. In diesem Zusammenhang bedeutet "Rückkehr", dass man erneut inkarniert, also ein weiteres physisches Leben lebt. Unsere Entscheidung beruht im Wesentlichen darauf, ob wir das Gefühl haben, alles zur Vollendung gebracht zu haben oder nicht.

In den ersten beiden Phasen steht die Tür zur physischen Welt immer noch offen. Wenn wir uns in die dritte Phase des Todes begeben, schließt sich die Tür für diese Phase hinter uns, und wir können nur noch die Passage vor uns sehen. Diese Passage zum SELBST ist dunkler, aber nicht auf beängstigende Weise, eher auf eine weiche, warme und leuchtende Art. Am Ende dieser Passage ist ein Lichtpunkt. Das Licht ist warm und strahlend und einladend und vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Das Licht wird immer größer, bis das Licht schließlich ALLES ist. Nun ist der Augenblick der Verschmelzung gekommen. Die Kraft und das Wunder dieses Moments sind unbeschreiblich. Es ist die atemberaubende Herrlichkeit der unendlichen Großartigkeit, unvergleichlichen Schönheit und unübertroffenen Vollkommenheit GOTTES.

Die dunkle Passage hin zum Licht wird von fast allen Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, als Tunnel beschrieben. Er symbolisiert den Anpassungsprozess, den das Bewusstsein durchläuft, um sich an das Licht zu gewöhnen. Bis gerade eben hatte es sich mit Raum und Zeit identifiziert. Ohne Vorbereitung, ohne Übergang wäre der menschliche Geist, der auf Trennung, Individualität, Raum und Zeit konditioniert ist, völlig überfordert. Der Tunnel ist sozusagen eine “Dekompressionsschleuse”, die dem Bewusstsein die Möglichkeit gibt, sich anzupassen, sich zu erinnern und die Masken abzulegen. Die Dunkelheit am Anfang ist Gnade, die scheinbare Bewegung ist Therapie und das graduelle Zunehmen des Lichts ist Training. Warum “Bewegung“, warum “Dunkelheit“? Weil der menschliche Geist Narrationen braucht. Wir verstehen durch Geschichten, durch Anfang, Mitte und Ende, durch eine Reise. Der Tunnel bietet uns eine Geschichte, die wir verarbeiten können, und schlägt eine Brücke zwischen zwei radikal verschiedenen Zuständen des Seins. Ohne diese Brücke wäre der Übergang zu brutal und wir wären nicht in der Lage, unser Ego loszulassen. Mit dem Tunnel gibt es jedoch einen Weg, einen Prozess, eine Transformation, die sich wie natürliche Entfaltung anfühlt und nicht wie ein gewaltsamer Prozess.

Diese drei Stadien des Todes können wir auch während unseres physischen Lebens erfahren. Auf dem Weg des spirituellen Erwachens werden wir eine Phase telepathischer Fähigkeiten erleben. Und auch die Erfahrung des Eingehens und Verschmelzens und der Erkenntnis und Verwirklichung können wir schon in unserem physischen Leben machen. Im Kurs wird diese Erfahrung als Offenbarung bezeichnet. Viele Menschen am spirituellen Weg haben schon intensivste Offenbarungserfahrungen gemacht. Wir können uns auch im physischen Leben völlig aus der Identifikation befreien, viele Meister haben diese Ebene erreicht. Aber die meisten Menschen erreichen sie während ihres physischen Lebens nicht. Alle Seelen gelangen bei ihrem Tod dahin. Dazu ist der Tod da.

Unsere Bereitschaft wird die Lektion, dass es keinen Tod gibt, in einer Form zu uns bringen, die wir begreifen und verstehen können. Manche lernen diese Lektion mit Hilfe von Ein Kurs in Wundern. “Manche erfassen sie plötzlich auf dem Sterbebett, und sie erheben sich, um sie zu lehren. Andere finden sie in einer Erfahrung, die nicht von dieser Welt ist und ihnen zeigt, dass die Welt nicht existiert, denn was sie sehen, muss die Wahrheit sein, und dennoch widerspricht es deutlich dieser Welt.” (EKIW: Lektion 132, 7. 3.-4.)

Der Tod ist kein Zufall, er ist ein Übergang der Können erfordert. Wer unvorbereitet stirbt, wird, von den Gewohnheiten des Lebens getragen, automatisch in Muster zurückfallen, die Gefangenschaft bedeuten. Unser “Sterbetraining” beginnt nicht auf dem Sterbebett, es beginnt jetzt! In jedem Moment, wo wir an etwas festhalten, das vergänglich ist, jedes Mal wenn wir eine Identität verteidigen, von der wir wissen, dass sie konstruiert ist, jedes Mal wenn wir Angst vor Veränderung haben, üben wir für den Tod - nur üben wir das Falsche.

Die spirituellen Traditionen lehren “stirb bevor du stirbst”. Das bedeutet nicht den physischen Tod, es bedeutet, täglich die Identifikation mit dem Ego zu durchbrechen. Wer bin ich, wenn ich nicht meine privaten Gedanken bin, nicht meine Erinnerungen, nicht meine Rolle in der Welt? Diese Frage zu stellen - ohne sie zu beantworten - ist die spirituelle Praxis! Denn genau diese Frage wird im Moment des Todes gestellt werden, nur dann ohne Zeit zum Nachdenken. Denn dann, wenn die klare LICHT-Natur erscheint, werden wir nur einen Moment haben - einen einzigen Moment - um zu erkennen, DAS BIN ICH. Nicht das Selbst, das lebt und leidet, sondern der EINE. Wenn wir das erkennen, sind wir frei. Wenn nicht, geht die Reise durch die Illusionen weiter.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass das, was üblicherweise als Diesseits und Jenseits bezeichnet wird, lediglich die beiden Seiten derselben illusionären Münze sind. Beide Seiten sind Teil des illusionären Universums der Wahrnehmung. Wenn der Körper anscheinend aufhört zu funktionieren und stirbt, macht unser Geist einfach weiter und träumt weiter. Was viele Menschen mit Nahtoderfahrungen als Himmel beschreiben, ist nicht der wahre HIMMEL, sondern lediglich die astrale Ebene – eine weitere Traumwelt.

Wir sind mächtiger als wir glauben, mächtig genug, unsere eigene Hölle zu erschaffen und mächtig genug, um uns wieder an unsere göttliche Wirklichkeit zu erinnern. Aber diese Macht ist nicht automatisch, sie muss kultiviert werden, kultiviert durch bewusste Wahl, durch die Bereitschaft loszulassen, bevor das Leben uns dazu zwingt. Es gibt eine Stimme in uns, die uns daran erinnert, dass die Vorbereitung jetzt ist, nicht später, wenn die Zeit knapp wird. Jetzt - während wir noch die Freiheit haben zu wählen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Was werden wir in diesem Moment sehen, wenn alles fällt, wenn unser Name bedeutungslos wird, unsere Vergangenheit sich auflöst, unsere Zukunft nicht existiert? Werden wir das LICHT als uns selbst erkennen oder werden wir flüchten, zurück in die vertrauten Muster, die uns scheinbar schützen, aber uns in Wahrheit gefangen halten? Diese Fragen sind nicht rhetorisch, sie sind die Essenz der spirituellen Lehre! Die wahre Antwort kommt nicht von außen, die wahre Lehre ist nicht im Text, sie ist in dem Raum, den die Frage in uns öffnet, wenn unsere Stunde kommt und die klare LICHT-Natur vor uns steht, grenzenlos und ohne Form. Werden wir den Mut haben, alles loszulassen, werden wir in das Unbekannte springen, vertrauend, dass wir nicht fallen, sondern endlich NACH HAUSE kommen? Oder werden wir zögernd zurückblicken, nach dem greifen, was wir waren und zu einem Gefangenen unserer eigenen Weigerung werden? Die Wahl ist nicht später, sie ist jetzt, in jedem Atemzug, in jedem Gedanken, in jedem Festhalten und jedem Loslassen.

Man könnte es einfach formuliert vielleicht so ausdrücken: Im Tod wird uns wieder einmal das Ziel aufgezeigt, damit wir uns mit neuer Motivation auf den Weg machen können. Mit jeder Verschmelzung, mit jeder dieser Essenzerfahrungen bauen wir langsam unsere Angst vor der LIEBE GOTTES ab.

“Niemand kann unerschrocken auf die Angst vor GOTT schauen, wenn er die SÜHNE nicht angenommen und gelernt hat, dass Illusionen nicht wirklich sind. Niemand kann allein vor diesem Hindernis stehen, denn er wäre nicht so weit gelangt, wenn sein Bruder nicht neben ihm hergegangen wäre. Und niemand würde es wagen, es zu betrachten, ohne seinem Bruder in seinem Herzen vollständig vergeben zu haben. Bleibe hier eine Weile stehen und zittere nicht. Du wirst bereit sein. Wir wollen uns in einem heiligen Augenblick an diesem Ort verbinden, an den der Zweck, der dir im heiligen Augenblick gegeben ward, dich führte. Auch wollen wir uns in dem Glauben verbinden, dass ER, DER uns gemeinsam hier herbrachte, dir die Unschuld schenken wird, die du brauchst, und dass du sie annehmen wirst um meiner und um SEINER Liebe willen.

Und es ist auch nicht möglich, zu früh darauf zu schauen. Das ist der Ort, an den ein jeder kommen muss, wenn er bereit ist. Hat er seinen Bruder erst einmal gefunden, dann ist er bereit. Doch einfach an den Ort gelangen reicht nicht aus. Eine Reise ohne Sinn und Zweck ist noch immer bedeutungslos, und selbst, wenn sie vorbei ist, scheint sie keinen Sinn zu ergeben. Wie kannst du wissen, dass sie vorbei ist, wenn du nicht merkst, dass ihr Zweck erreicht ist? Hier, angesichts des Endes deiner Reise, siehst du ihren Zweck. Und hier triffst du die Wahl, ob du ihn anschaust oder weiterwanderst, nur um zurückzukehren und noch einmal die Wahl zu treffen.

Es braucht einige Vorbereitung, um die Angst vor GOTT anzuschauen. Nur die geistig Gesunden können den nackten Wahnsinn und die rasende Verrücktheit mit Erbarmen und mit Mitgefühl betrachten, aber ohne Angst. Denn nur wenn sie daran teilhaben, scheinen diese furchterregend zu sein, und du hast so lange daran teil, bis du deinen Bruder mit vollkommenem Glauben und vollkommener Liebe und Zärtlichkeit ansiehst. Vor der vollständigen Vergebung stehst du und hast noch immer nicht vergeben. Du hast Angst vor GOTT, weil du deinen Bruder fürchtest. Diejenigen, denen du nicht vergibst, fürchtest du. Und niemand gelangt zur Liebe mit Angst an seiner Seite.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. D. 9.-11.)

Wir werden uns entscheiden, uns endgültig aus der Identifikation mit einer bestimmten Person zu lösen, wenn unser Leben auf Erden zur Vollendung gekommen ist. Alle “vorzeitig abgebrochenen" Zeitlinien finden parallel statt und sind damit auch erlöst. Unser Leben auf Erden wird dann zur Vollendung gelangt sein, wenn wir alles an Erfahrung gemacht haben, was an Erfahrung zu machen wir in die physische Welt gekommen sind. Und so begibt sich die Seele im Augenblick des Jetzt auf eine “höhere Ebene”, um durch Wissen voll und ganz zum Ausdruck zu bringen, wer und was sie ist. Es geht darum, das SELBST auf der Erfahrungsebene zu erkennen. Dies bedeutet, dass der Berichtigungsprozess, der Prozess der SÜHNE, auf einer höheren Ebene fortgesetzt wird. Und selbst wenn wir noch einige Male in die physische Welt zurückkehren, um eine Erfahrung in der Identifikation mit einer irdischen Person zu machen, ist das alles an sich nicht wichtig, wichtig ist nur die SÜHNE, der Aufstieg, um uns letztendlich an unsere Wirklichkeit als reiner, geeinter GEIST zu erinnern. Das ist der einzig wahre Sinn und Zweck.

Eine befreite “Seele” kann engelsgleich helfend eingreifen und zwischen den Welten reisen. Es ist hilfreich, dies zu verstehen, wenn ein Lehrer GOTTES aus unserer irdischen Sicht viel zu “früh” stirbt, obwohl sein Geist berichtigt war. Dann dürfen wir uns daran erinnern, dass es kein “zu früh” gibt, sondern, dass es genau der richtige Augenblick war, weil alles Irdische erreicht war und nun die Erfahrung auf einer höheren Ebene weitergeht und uns diese “Seele” weiterhin als Hilfe zur Verfügung steht. Auch Yogananda hatte unter dem Tod seines geliebten Gurus Giri Yukteswar sehr gelitten, bis dieser ihm später wieder erschien und er verstand. Letztlich geht es immer um die Erkenntnis, dass es nur einen GEIST gibt und alle Trennung eine Illusion ist.

Bei dem, was wir gewöhnlich den Tod nennen, gibt es, wie bei allem in der Welt, zwei verschiedene Motivationen: die des Egos und die des HEILIGEN GEISTES. Wenn das Ego in seinem unmöglichen Traum, in seinem Versuch, sich getrennt von GOTT selbst zu verwirklichen, irgendwann scheitert und trotzdem von der Wahrheit nichts wissen will, dann sucht es Erlösung im Tod.

“Der Tod wird nämlich als Sicherheit gesehen, als großer, dunkler Retter vor dem Licht der Wahrheit, als Antwort auf die ANTWORT, als einer, der die STIMME, DIE für GOTT spricht, zum Verstummen bringt. Aber der Rückzug in den Tod ist nicht das Ende des Konflikts. Nur GOTTES ANTWORT ist sein Ende.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. a) 7. 2.-4.)

Für den Tod gilt grundsätzlich immer: Niemand stirbt gegen seinen Willen.

In Lektion 152 heißt es: “Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung.”

In Lektion 253 heißt es: “Es ist unmöglich, dass irgendetwas zu mir kommen könnte, was nicht von mir erbeten wurde. Sogar in dieser Welt bin ich es, der mein Schicksal beherrscht. Was geschieht, ist das, wonach ich verlange. Was nicht geschieht, ist das, wovon ich nicht will, dass es geschehe. Das muss ich akzeptieren. Denn so werde ich an dieser Welt vorbei zu meinen Schöpfungen geführt, den Kindern meines Willens im HIMMEL, wo mein heiliges SELBST mit ihnen weilt und mit IHM, DER mich schuf.”

Weiter gilt: Der Zeitpunkt und die Umstände des Todes sind immer perfekt. Der Tod jeder Person dient immer dem Erlösungsplan jeder anderen Person, die sich seiner gewahr ist.

Im Kapitel über die Eigenschaften der Lehrer GOTTES heißt es im Abschnitt Geduld: “Alles, was er sieht, ist der sichere Ausgang zu einer Zeit, die ihm vielleicht noch unbekannt ist, die aber nicht in Zweifel steht. Die Zeit wird ebenso richtig sein, wie es die Antwort ist. Und das ist wahr für alles, was jetzt oder in Zukunft geschieht. Auch die Vergangenheit barg keine Fehler, nichts, was der Welt nicht zum Guten diente, genau wie ihm, dem es zu widerfahren schien.”

Das Schmerzliche für die Hinterbliebenen eines geliebten Menschen ist nicht so sehr der Tod des Körpers, sondern das Ende der Kommunikation mit dem geliebten Menschen. In diesem Fall ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass ein geliebter Mensch vor allem ein liebevoller Gedanke in unserem Geist ist, und jeder liebevolle Gedanke ist ewig. Die liebevollen Gedanken, die unser Geist in dieser Welt wahrnimmt, sind die einzige Wirklichkeit der Welt. Sie sind immer noch Wahrnehmungen, weil wir immer noch getrennt zu sein glauben. Doch sind sie ewig, weil sie liebevoll sind. Und da sie liebevoll sind, sind sie wie der VATER und können deshalb nicht sterben.

Wenn wir uns SEINER Führung unterstellt haben und unser physisches Leben ein vollendeter Ausdruck der SÜHNE ist, dann gilt für uns voll und ganz: Der Tod ist der Höhepunkt des Lebens. Die Welt hingegen wird auch dieses freudige Ablegen des Körpers immer als eine Art Krankheit wahrnehmen, denn diese Welt ist Ausdruck des Ego-Denksystems. In den Ergänzungen zu Ein Kurs in Wundern im Das Lied des Gebets finden wir folgende Beschreibung der wahren Motivation für den Tod:

“Es gibt hingegen eine andere Art scheinbaren Todes, der eine andere Quelle hat. Er kommt nicht aufgrund von verletzenden Gedanken und rasender Wut dem Universum gegenüber. Er bekundet nur, dass das Ende der Nützlichkeit des körperlichen Funktionierens gekommen ist. Und somit wird er abgelegt aus freier Wahl, so wie man ein Gewand ablegt, das inzwischen abgetragen ist. Das ist es, was der Tod sein sollte: ein stiller Entschluss, freudig und mit einem friedlichen Gefühl getroffen, weil der Körper gütig dazu verwendet wurde, dem SOHN GOTTES auf dem Weg entlang zu helfen, den er zu GOTT geht. So danken wir denn dem Körper für alle Dienste, die er uns geleistet hat. Wir sind jedoch auch dankbar, dass die Notwendigkeit vorbei ist, die Welt der Grenzen zu durchwandern, den CHRISTUS in versteckten Formen zu erreichen und in höchstens in lieblichem Aufleuchten klar zu sehen. Jetzt können wir IHN ohne Scheuklappen erblicken, in dem Licht, auf das wir wieder schauen lernten. Wir nennen es Tod, doch es ist Freiheit.”

Frances Love Story

Nahtoderfahrungen

Nahtoderfahrungen sollten eigentlich Nahlebenserfahrungen heißen, denn sie bringen uns mit der Wirklichkeit unseres ewigen Lebens in Kontakt. Sie zeigen uns, dass der Tod eine Illusion ist. Gleichzeitig bedeutet jedoch eine Nahtoderfahrung, dass sich die Seele entschieden hat, sich weiterhin mit der aktuellen persönlichen Geschichte zu identifizieren. Dahinter steckt letztendlich immer die Angst vor GOTT, die noch nicht endgültig überwunden wurde.

Viele Menschen haben davon gehört oder schon selbst erlebt, wie schön Nahtoderfahrungen sein können. Nur begreifen sie nicht, dass diese nur im Vergleich zum Leben im Körper vorübergehend schön sind. Wenn sie frei von allen Schmerzen und Begrenzungen des Körpers sind und zeitweilig des größeren getrennten Geistes gewahr werden, dann werden sie vielleicht von Ehrfurcht ergriffen. Nur können sie uns nicht die ganze Erfahrung erzählen, denn könnten sie das, hätten sie die ganze Erfahrung gemacht und wären gestorben! Natürlich erschiene nur ihr Körper als tot, sie aber würden zu ihrem nächsten illusorischen Leben weitergehen.

Die Ehrfurcht lässt allmählich nach, weil sie von der immer noch im Geist befindlichen unbewussten Schuld eingeholt werden. Darauf folgt eine weitere Inkarnation, um der Schuld und Angst vor GOTT zu entfliehen. Das geschieht am Ende immer, es sei denn, unser Geist ist vom HEILIGEN GEIST vollständig geheilt worden.

“Niemand kann unerschrocken auf die Angst vor GOTT schauen, wenn er die SÜHNE nicht angenommen und gelernt hat, dass Illusionen nicht wirklich sind. Niemand kann allein vor diesem Hindernis stehen, denn er wäre nicht so weit gelangt, wenn sein Bruder nicht neben ihm hergegangen wäre. Und niemand würde es wagen, es zu betrachten, ohne seinem Bruder in seinem Herzen vollständig vergeben zu haben.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. D. 9. 1.-3.)

Damit ist auch völlig klar, dass eine Nahtoderfahrung nicht zwangsläufig eine angenehme Erfahrung mit Licht und Liebe sein muss. Es gibt auch Nahtoderfahrungen, die der reinste Horror sind. Daher ist die These, dass eine Nahtoderfahrung die Angst vor dem Tod grundsätzlich nehme, nicht richtig. Viele Betroffene geben an, sich seither noch stärker vor dem Sterben zu fürchten. Da sich eine Nahtoderfahrung im Bewusstsein des Erfahrenden abspielt, hängt sie voll und ganz von dessen Bewusstseinszustand ab. Aber selbst wenn es sich um eine positive Nahtoderfahrung handelt und von Licht und Liebe berichtet wird, sind all die Bilder, die während dieser Erfahrung aufgetaucht sind und oft als Himmel bezeichnet werden, nicht der HIMMEL im wirklichen Sinne. Im HIMMEL gibt es keine Bilder. Die Ebene, die bei einer wundervollen Nahtoderfahrung erlebt wird, ist die astrale Welt. Das, was üblicherweise als Diesseits und Jenseits bezeichnet wird, sind lediglich die beiden Seiten derselben illusionären Münze. Beide Seiten sind Teil des illusionären Universums der Wahrnehmung. Wenn der Körper anscheinend aufhört zu funktionieren und stirbt, oder auch nur zu sterben scheint, macht unser Geist einfach weiter und träumt weiter. Der Traum ohne Identifikation mit dem Körper ist nur ein wesentlich angenehmerer Traum. Er kommt dem HIMMEL wesentlich näher. Im Buddhismus finden sich in der Schrift Bardo Thödröl (auch: “Tibetisches Totenbuch“ genannt) detaillierte Beschreibungen von Abläufen und Wahrnehmungen im Sterbeprozess.

Aber selbst nach einer wunder-vollen Nahtoderfahrung gibt es zwei völlig unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten. Die Erfahrungen, über die wir in Büchern lesen, sind naturgemäß jene, die positiv genutzt wurden. Dabei war es der Seele ein Anliegen, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und sie in dieser Welt zum Wohle aller zu nutzen und vor allem - sich in Vergebung zu üben. Was viele gar nicht wissen, weil niemand ein Buch darüber schreibt, ist die zweite mögliche Reaktion auf eine glückselige Nahtoderfahrung. Über diese hat Elisabeth Kübler-Ross eine Menge Informationen gesammelt.

Millionen Menschen weltweit haben eine wunder-volle Nahtoderfahrung durchlebt, sie sahen das Licht, fühlten bedingungslose Liebe, doch nur ein Bruchteil dieser Menschen schafft es danach, inspiriert weiterzuleben, nicht bloß zu überleben. Elisabeth Kübler-Ross verbrachte Jahrzehnte damit, dieses Phänomen zu untersuchen, sie dokumentierte tausende Fälle. Was sie fand, war erschütternd. Je tiefer die Nahtoderfahrung war, desto schwerer wurde die Rückkehr ins normale Leben, nicht leichter, schwerer.

Stell dir vor, du erlebst absolute Liebe, vollkommenen Frieden, eine Dimension ohne Angst und Urteil, dann zieht dich scheinbar eine unsichtbare Kraft zurück, zurück in deinen Körper, zurück in deine Schmerzen, zurück in eine Welt aus Lärm, Konkurrenz und Oberflächlichkeit. Wie sollst du damit umgehen? Die Versprechen der spirituellen Transformation klingen schön, aber wie, mit einem bloßen Versprechen leben? Viele dieser Menschen entwickeln schwere Depressionen. Manche zeigen selbstzerstörerisches Verhalten. Einige versuchen sogar, eine neue Nahtoderfahrung herbeizuführen, bewusst oder unbewusst. Sie sehnen sich zurück zu jenem Ort, zurück zu jenem Gefühl, zurück nach Hause.

Kübler-Ross stellte eine dringende Frage: Wenn die Erfahrung so transzendent ist, voller Liebe und Klarheit, warum ist die Rückkehr dann so qualvoll, warum fühlen sich diese Menschen zerrissen zwischen zwei Welten, was läuft hier fundamental schief? Die meisten glauben, das Problem sei der Unglaube der anderen, die Ablehnung der Gesellschaft, die Unfähigkeit, das Erlebte in Worte zu fassen. Doch Kübler-Ross entdeckte etwas viel Tieferes, etwas, das die Betroffenen selbst nicht sehen, einen Fehler, der nicht von außen kommt, sondern von innen, einen Fehler, der das größte Geschenk - den Blick hinter die Kulissen - in einen Fluch verwandelt. Dieser Fehler ist nicht das Zweifeln an der Erfahrung - daran gibt es keinen Zweifel - es ist etwas anderes. Es ist schwer in Worte und damit in Konzepte zu fassen, aber es geht darum, dass das Bewusstsein der Betroffenen so stark mit dieser Erfahrung reiner Liebe, ohne Angst, ohne Trennung, verhaftet bleibt, dass plötzlich alles hier so klein erscheint, so absolut bedeutungslos, so falsch.

“Alles in dieser Welt ist klein, denn es ist eine Welt, die aus Kleinheit gemacht ist im seltsamen Glauben, dass Kleinheit dich zufrieden stellen kann. Wenn du nach irgend etwas in dieser Welt im Glauben strebst, dass es dir Frieden bringen wird, setzt du dich selbst herab und machst dich blind für die Herrlichkeit.”
(EKIW: Kapitel 15, III. 1. 5.-6.)

Kübler-Ross dokumentierte ein beunruhigendes Muster. Patienten, die tiefe Nahtoderfahrungen hatten, äußerten immer wieder denselben Wunsch, zurückkehren, nicht sterben, zurückkehren, als hätten sie endlich ihr wahres Zuhause gefunden, nur um brutal davon weggerissen zu werden. Sie fühlten sich wie Verbannte, wie Exilierte in einer Welt, die sie nicht mehr wiedererkannten. Die Erfahrung ist so schön, dass viele nicht bewusst zurückkommen wollen und wenn sie zurückkommen, fühlen sie sich wie Fremde in ihrem eigenen Leben. Dies war es, was Kübler-Ross klinisch beobachtete. Sie sah es jeden Tag. Diese Menschen saßen vor ihr mit einem Blick, der gleichzeitig hier und anderswo war, physisch anwesend aber energetisch bereits gegangen.

Der zentrale Konflikt entfaltet sich langsam, aber unerbittlich. Wie lebst du in einer Realität, die dir jetzt wie ein Schatten vorkommt? Wie engagierst du dich in einer materialistischen Gesellschaft, wenn du die Illusion der Materie durchschaut hast? Wie sprichst du über bedingungslose Liebe mit Menschen, die nur Leistung, Status und Konkurrenz kennen? Es beginnt mit kleinen Momenten der Entfremdung, du sitzt beim Abendessen mit deiner Familie, sie sprechen über alltägliche Sorgen, über Geld, über Karriere, über Nachbarn und du spürst eine unsichtbare Wand zwischen euch. Du kennst die Wahrheit und diese Welt wird zum Gefängnis, zur Strafe, zum Wartezimmer, bist du endlich wieder gehen darfst? Manche beschreiben es als existenziellen Jetlag, als würde deine Seele in einer anderen Zeitzone leben als dein Körper. Morgens wachst du auf und für einen Bruchteil einer Sekunde erinnerst du dich nicht, wo du bist, dann kommt die Schwere zurück, die Schwerkraft, die Begrenzung, die Dichte dieser Dimension. Kübler-Ross beobachtete wie diese Menschen langsam ihre Verankerung verloren, sie erfüllten ihre Pflichten mechanisch, sie lächelten, wenn es erwartet wurde, sie funktionierten, aber sie lebten nicht mehr richtig. Sie existierten in einem Zustand des permanenten Heimwehs nach einem Ort, den sie für wenige Minuten kannten. Das Gefühl der absoluten Verschiebung setzt sich fest, du weißt jetzt, dass die Angst vor dem Tod eine Illusion ist, du weißt jetzt, dass LIEBE die einzige Wirklichkeit ist, du weißt, dass es kein Urteil gibt, keine Bestrafung, keine Trennung - aber wie lebst du mit diesem Wissen in einer Welt die von Angst regiert wird?

Nach Jahrzehnten der Forschung, nach tausenden von Gesprächen mit Menschen, die zurückgekehrt waren, erkannte Kübler-Ross das Muster, das zerstörerische Muster, das sich durch fast alle schwierigen Fälle zog. Es war nicht das, was die Psychiatrie vermutete, nicht eine Anpassungsstörung, nicht eine Depression im klassischen Sinne, es war etwas viel Grundlegenderes. Der größte Fehler war nicht an ihrer Botschaft zu zweifeln, der größte Fehler war, vor der Mission zu fliehen, die sie offenbarte! Kübler-Ross wurde unnachgiebig in ihrer Botschaft: Du bist nicht durch Zufall zurückgekehrt, du bist zurückgekehrt, weil du hier noch Arbeit zu erledigen hast. Diese Worte klangen für viele hart, unverständlich, sogar grausam. Warum sollten sie zurückgeschickt werden, wenn dort drüben alles so perfekt war? Hier offenbart sich das verheerende Paradoxon. Die Nahtoderfahrung zeigt dir, dass der Tod nicht existiert, dass das Bewusstsein weitergeht, dass du ewig bist, doch viele Menschen interpretieren diese Wahrheit als Erlaubnis, als Freibrief, als Rechtfertigung, das physische Leben vorzeitig aufzugeben. Sie denken, wenn der Tod eine Illusion ist, warum sollte ich mich dann mit diesem schweren Schmerzen im Körper abmühen? Wenn die wahre Realität da drüben ist, warum sollte ich mich hier mit Banalitäten beschäftigen? Wenn ich weiß, dass ich nach Hause komme, warum nicht jetzt schon gehen?

In ihrer klinischen Praxis beobachtete Kübler-Ross, wie diese Logik Menschen langsam verzehrte. Sie hörten auf, für ihre Gesundheit zu sorgen, nicht dramatisch, schleichend. Sie vernachlässigten ihre Ernährung, ihren Schlaf, ihre medizinischen Bedürfnisse, als wäre der Körper nur noch eine lästige Verpflichtung, eine zeitweilige Unannehmlichkeit. Kübler-Ross sah die Gefahr dieses Denkens, die tödliche Verdrehung einer heilenden Wahrheit, den Unterschied zwischen, die Angst vor dem Tod verlieren und das Leben als nutzlos betrachten. Doch dieser Unterschied entscheidet über alles.

Die Nahtoderfahrung ist nicht das Ziel, sie ist nicht der Höhepunkt deiner Existenz, sie ist eine Vorschau, ein Trailer, ein kurzer Blick hinter die Kulissen, nicht mehr, aber auch nicht weniger! Der Zweck ist nicht, dich sehnsüchtig zu machen, ihr Zweck ist, dich zu stärken, dir Mut zu geben, dir die Angst zu nehmen, damit du hier in dieser Welt vollständiger leben kannst, intensiver lieben kannst, mutiger dienen kannst!

Doch wenn du die Erfahrung falsch verstehst, wird das Geschenk zum Gift, die Befreiung wird zur Fessel, das Licht wird zum Schatten, der über deinem restlichen Leben liegt und es verdunkelt. Die Versuchung ist subtil, du sagst dir, ich habe das Jenseits gesehen, also kann ich mich hier entspannen, ich muss nicht mehr kämpfen, nicht mehr wachsen, nicht mehr ringen, ich weiß ja, dass alles gut endet. Aber genau diese Haltung verrät den Sinn der Rückkehr. Du kamst nicht zurück, um passiv zuzuschauen, du kamst zurück, um teilzunehmen, du bist aus einem bestimmten Grund zurückgekommen.

In praktisch jedem Fall von Nahtoderfahrung mit Rückkehr entdeckte Kübler-Ross eine unvollendete Aufgabe. Manchmal war es offensichtlich, eine Mutter mit kleinen Kindern, ein Vater, der noch gebraucht wurde, jemand, der auf deine Fürsorge angewiesen war. Manchmal war es subtiler, eine Lektion, die noch gelernt werden musste, eine Wunde, die in Weisheit verwandelt werden sollte, eine Gabe, die noch nicht geteilt wurde.

Das ist die Erkenntnis, die alles verändert, die Nahtoderfahrung sollte nicht deine Sehnsucht nach dem Jenseits verstärken, sondern deine Kapazität für das Diesseits erweitern. Verstehst du die Umkehrung? Du wurdest nicht zurückgeschickt, obwohl du etwas Wichtiges zu tun hast, du würdest zurückgeschickt, weil du etwas Wichtiges zu tun hast.

Kübler-Ross erzählte von einer Patientin, die nach ihrer Nahtoderfahrung monatelang in Trauer versank, bis sie eines Tages erkannte, ihre Tochter brauchte sie nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Die Tochter stand vor einer schweren Entscheidung und nur diese Mutter konnte ihr die Weisheit geben, die sie benötigte. In dem Moment, als sie das verstand, veränderte sich alles. Die Depression verwandelte sich in Zielstrebigkeit. Der physische Körper ist ein Werkzeug, ein temporäres, ja ein begrenztes, sicher, aber auch ein hilfreiches, wenn wir es in SEINEM Sinne verwenden, ein Werkzeug, um zu erfahren, zu lernen, zu wachsen und zu dienen, auf Weisen, die nur in der materiellen Dimension möglich sind.

Die bewusste Entscheidung, die den Erfolg einer Nahtoderfahrung definiert, ist diese: Nutzt du die Erfahrung als Treibstoff, um inspirierter zu leben, mehr zu geben, intensiver zu leben, oder nutzt du sie als Ausrede aufzugeben? Die Erfahrung zeigte dir, dass du unsterblich bist, jetzt ist die Frage: Was machst du mit deiner Sterblichkeit? Du weißt jetzt, dass das Bewusstsein weitergeht, schön, aber was machst du mit dem Bewusstsein, solange es mit diesem Körper identifiziert ist? Denke an einen Schauspieler, der eine Rolle spielt. Er weiß, dass er nicht die Figur ist, er weiß, dass das Stück enden wird, aber spielt er deshalb schlechter, engagiert er sich weniger? Nein, die besten Schauspieler leben die Rolle vollständig, gerade weil sie wissen, dass sie temporär ist. So solltest du dieses Leben leben.

Kübler-Ross war eindringlich: Die größte Ehre, die du der Erfahrung erweisen kannst, ist nicht davon zu sprechen, nicht Bücher darüber zu schreiben, nicht einmal andere zu inspirieren, die größte Ehre ist sie zu leben, die Liebe die du dort gespürt hast, hier zu verkörpern, das Licht, das du gesehen hast durch deine Taten zu reflektieren, die Angstlosigkeit die du erfahren hast, in deinem Beziehungen zu demonstrieren.

Die klinischen Beobachtungen von Kübler-Ross waren unerbittlich präzise. Patienten, die das Leben nach einer Nahtoderfahrung ablehnten, entwickelten Symptome wie einer pathologischen Trauer ähneln. Aber sie trauerten nicht um eine verstorbene Person, sie trauerten um die spirituelle Dimension selbst, um den Verlust jenes Zustands, um die scheinbar erzwungene Rückkehr. Diese Trauer war anders, tiefer, existentieller. Sie färbte alles. Jede Mahlzeit schmeckte fad, jedes Gespräch klang hohl, jede Berührung fühlte sich substanzlos an. Der selbstzerstörerische Zyklus beginnt schleichend. Manche versuchen die Erfahrung zu wiederholen, sie setzen sich riskanten Situationen aus, nicht bewusst suizidal, aber auch nicht vorsichtig. Ein Teil von ihnen hofft auf einen weiteren Unfall, eine weitere Chance zurückzukehren. Andere greifen zu Substanzen, die veränderte Bewusstseinszustände erzeugen, nicht aus Genuss, sondern aus Sehnsucht, aus der verzweifelten Hoffnung, jenen Zustand wiederzufinden.

Kübler-Ross erinnerte sich an einen Patienten, der nach seiner Nahtoderfahrung begann, extreme Sportarten zu betreiben, Fallschirmspringen, frei klettern, tauchen in gefährlichen Gewässern. Er versuchte, die Grenze zu berühren, um die Schwelle erneut zu überqueren. In den Worten des Kurses bedeutet dies, er wollte den heiligen Augenblick erzwingen, weil er keinen anderen Weg kannte. Wieder andere ziehen sich vollständig zurück, sie isolieren sich von der physischen Realität, sie leben als Eremiten, nicht aus spiritueller Disziplin, sondern aus Ablehnung. Sie meditieren nicht, um präsenter zu werden, sondern um zu entkommen.

Kübler-Ross dokumentierte die tragische Ironie. Menschen, die Zugang zur größten spirituellen Wahrheit hatten, dass wir ewige Wesen aus Licht sind, verschwendeten die einzigartige Gelegenheit dieser physischen Inkarnation. Sie vergaßen, was sie auf einer tieferen Ebene wussten, dass sie sich entschieden hatten, hier geboren zu werden, dass die Schmerzen, die Herausforderungen, sogar das Leiden Teil des Lehrplans sind, Teil dessen, wofür sie kamen. Sie vergessen, dass sie sich dafür entschieden haben, hier geboren zu werden, sie vergessen, dass Schmerz, Herausforderung und sogar Leid Teil des Curriculums dieser Schule namens Erde sind. Kübler-Ross sagte, die Erde ist keine Strafe, sie ist eine Schule und du bist sowohl Schüler als auch Lehrer.

“Ich habe eine Funktion, von der GOTT möchte, dass ich sie erfülle.”
(EKIW: Lektion 192)

“Alle Dinge sind Lektionen, die GOTT mich lernen lassen möchte.”
(EKIW: Lektion 193)

In ihrer Arbeit bemerkte Kübler Ross auch körperliche Konsequenzen. Die Menschen, die nicht bereit waren ihre Funktion zu erfüllen, ihre Lektion zu lernen, alterten schneller, ihre Lebenskraft schien gedämpft, als würde ein Teil ihrer Energie konstant woanders investiert, in der Sehnsucht, in der Erinnerung, in der Ablehnung des Hier und Jetzt. Doch hier ist die Wahrheit, die Kübler Ross erkannte: Wenn du so lebst, kommst du niemals wirklich nach Hause, denn du hast die Lektion nicht gelernt, du hast die Aufgabe nicht erfüllt, du hast das Geschenk nicht angenommen. Die Sehnsucht wird zu einer Krankheit, einer spirituellen Krankheit, die tödlicher ist als jede körperliche. Sie untergräbt nicht nur dein Leben hier, sie verfehlt auch den Sinn dessen, was dir gezeigt wurde. Du sahst das Licht, nicht damit du die Dunkelheit ablehnst, du sahst das Licht, damit du lernst, selbst eines zu werden - hier und jetzt in diesem Körper, in dieser Welt.

Es gibt eine Weisheit, die Kübler-Ross jenen mitgab, die zurückgekehrt waren, eine Weisheit, die zunächst unmöglich klingt, aber letztlich die einzige Wahrheit ist, die heilt. Du trägst jetzt eine heilige Verantwortung, mit einem Fuß in jeder Dimension zu leben und beide zu ehren. Die authentische Transformation bedeutet nicht, die physische Welt aufzugeben, sie bedeutet das Licht, das Mitgefühl, die bedingungslose Liebe die du dort erfahren hast hier und jetzt erstrahlen zu lassen, durch konkrete Handlungen, durch echte Beziehungen, durch Dienst an anderen, nicht den großen dramatischen Gesten unbedingt, sondern in jedem Moment, in jedem Atemzug, in jeder Begegnung. Die Nahtoderfahrung sollte dich präsenter im Leben machen, nicht weniger präsent. Sie sollte dich mutiger gegenüber dem Leiden machen, nicht gleichgültig. Denn du weißt jetzt, dass der Tod keine Bedrohung ist, also kannst du dich auch dem Leben hier auf Erden vollständiger öffnen. Du kannst lieben, ohne die Angst vor Verlust, du kannst geben, ohne die Angst vor Erschöpfung, du kannst fühlen, ohne die Angst vor Überwältigung. Die Nahtoderfahrung sollte dich großzügiger machen mit deiner begrenzten Zeit.

Die Frage, die du jeden Tag mit dir tragen solltest, ist diese: Wenn du das Privileg hattest, hinter den Schleier zu blicken und zurückzukehren, was tust du mit dieser Chance, die viele niemals haben werden? Lebst du intensiver, liebst du tiefer, dienst du großzügiger, oder vergeudest du die Tage damit, auf das Ende zu warten? Die Integration bedeutet nicht die Erfahrung zu vergessen, sie bedeutet sie zu leben, nicht darüber zu sprechen, als etwas das dir passiert ist, sondern sie zu sein, in deiner Geduld mit dem schwierigen Nachbarn, in deiner Präsenz bei einem sterbenden Freund, in deiner Bereitschaft zu vergeben, in deinem Mut noch verletzlich zu sein.

Kübler-Ross beobachtete, dass diejenigen, die erfolgreich integrierten, eine besondere Qualität entwickelten, eine Ruhe in ihrer Präsenz, nicht die Ruhe der Resignation, die Ruhe der Gewissheit. Sie wussten, wohin sie gingen, also konnten sie sich vollständig auf das konzentrieren, wo sie waren. Du bist jetzt ein Brückenbauer zwischen den Welten, zwischen Sichtbarem und dem Unsichtbaren, zwischen der Angst und der Liebe, zwischen dem Vergessen und dem Erinnern. Mit den Worten des Kurses: Du bist jetzt ein Lehrer GOTTES!

Das ist deine Aufgabe, nicht dort zu sein, hier zu sein, aber hier mit dem Bewusstsein von dort. Die Nahtoderfahrung war nie das Ziel, sie war der Kompass, sie zeigte dir die Richtung. Jetzt musst du den Weg gehen Schritt für Schritt, Tag für Tag, bis dein Körper tatsächlich stirbt und du wirklich nach Hause gehst. Dann wirst du verstehen.

Es gibt Menschen die nach ihrer Nahtoderfahrung zu Lehrern werden, nicht formell, sie unterrichten keine Kurse, aber ihre bloße Anwesenheit lehrt, die Art wie sie zuhören, die Art wie sie Stille halten können, die Art wie sie einem Sterbenden die Hand halten, ohne Angst, ohne Ausweichen. Das ist die Integration der Erfahrung und wenn dir das klar wird, wirklich klar wird, dann wirst du nicht mehr darauf warten zurückzukehren, du wirst endlich hier angekommen sein.

Die allgemeine Gültigkeit der Erkenntnisse von Kübler-Ross

Der Vergleich mit bereits erlebten Zuständen ist ein raffinierter Trick des Egos, um uns vom Hier und Jetzt, dem einzigen Moment, in dem Befreiung möglich ist, abzulenken und uns in Selbstmitleid und Klagen zu verlieren. Dieser subtile Trick des Egos stellt für Menschen mit mystischen Erfahrungen - egal welcher Art - eine große Herausforderung dar. Genau diese Herausforderung wird im Film “Fearless – Jenseits der Angst“ auf beeindruckende Art und Weise dargestellt. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen danach nicht mehr am weltlichen Leben interessiert sind und - meist völlig unbewusst - Selbstmord auf Raten begehen. So wird aus einem wunderbaren Geschenk eine der subtilsten Ego-Fallen überhaupt. In einer solchen Situation ist es daher wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, dass wir aus einem bestimmten Grund noch hier sind, dass noch die Mittel nötig sind, um unser endgültiges Ziel zu erreichen.

“Die Offenbarung mag dir zuweilen das Ziel enthüllen, doch um es zu erreichen, sind die Mittel nötig.”
(EKIW: Kapitel 1, VII. 5. 11.)

Wer noch befriedigend Spaß an dieser Welt hat, ist noch zwei Schritte von der Wahrheit entfernt. In diesem Zustand dient auch ein sogenannter “spiritueller Weg” lediglich der Verschönerung des Egotrips und der persönlichen Bespaßung, aber nicht dem spirituellen Erwachen. Erst wenn Lektion 128 (“Die Welt, die ich sehe, birgt nichts, was ich will.”) zu unserer Wahrheit geworden ist, haben wir den ersten Schritt getan. Doch wir können uns nicht allein mit dem Gedanken begnügen, dass die Welt wertlos ist. Denn wenn wir nicht sehen, dass es etwas anderes gibt, worauf wir hoffen können, werden wir nur niedergeschlagen sein. Die Betonung liegt nicht darauf, die Welt aufzugeben, sondern sie gegen etwas einzutauschen, was viel befriedigender ist, erfüllt mit Freude und imstande, uns den Frieden GOTTES zu schenken. Erst wenn wir Lektion 129 (“Jenseits dieser Welt ist eine Welt, die ich will.”) verinnerlicht haben und bereit sind, alles Nötige dafür zu tun, sind wir bereit für die Erlösung.

“Hier ist der heilige Ort der Auferstehung, zu dem wir wieder kommen und zu dem wir wiederkehren werden, bis die Erlösung vollbracht und empfangen ist. Bedenke, wer dein Bruder ist, bevor du ihn verurteilst. Und danke GOTT, dass er heilig ist und ihm die Gabe der Heiligkeit für dich gegeben wurde. Verbinde dich freudig mit ihm, und entferne jede Spur der Schuld aus seinem verstörten und gequälten Geist. Hilf ihm, die schwere Last der Sünde hochzuheben, die du ihm auferlegtest und die er als die seine akzeptierte, und wirf sie leicht und glücklich lachend von ihm fort. Drücke sie ihm nicht wie Dornen in die Stirn, noch nagle ihn daran, unerlöst und ohne Hoffnung.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. D. 16.)

Ein häufiges Missverständnis

Die in Lektion 129 von Jesus erwähnte Welt ist jedoch nicht das, was üblicherweise als “Jenseits“ bezeichnet wird. Die “wirkliche Welt“ im Sinne Jesu ist eine Welt, die vollständig vergeben wurde. “Die wirkliche Welt ist ein Symbol, wie alles Übrige, was die Wahrnehmung anbietet.” ”Die wirkliche Welt kann nicht wahrgenommen werden außer mit Augen, die die Vergebung segnet, sodass sie eine Welt erblicken, wo Angst und Schrecken unmöglich sind und keine Zeugnisse der Angst gefunden werden können.” Das ist ein Zustand, der hier und jetzt - im sogenannten “Diesseits” - zu erreichen ist.

Wer noch ganz in der Illusion eines persönlichen Lebens gefangen ist und glaubt glücklich zu sein, ist noch zwei Schritte von der Wahrheit entfernt. Dies entspricht dem Zustand Siddhartha Gautamas, bevor er seinen Palast verließ und das Leid außerhalb des Palastes sah. Erst als er seinen Palast verließ, sah er den zweiten Aspekt der Dualität. Wenn wir am weltlichen “Leben“ verzweifeln, sind wir in gewisser Weise also nur noch einen Schritt von der Wahrheit entfernt. Dies entspricht auch der ersten der vier edlen Wahrheiten Buddhas (“Das Leben ist Leiden“). Gleichzeitig bedeutet es jedoch auch, dass wir immer noch im Ego gefangen sind, da wir uns noch nicht im Frieden GOTTES befinden. Doch dieser Leidensdruck kann unser Ansporn für einen wahrhaft spirituellen Weg sein – für den zweiten Schritt, von Lektion 128 zu Lektion 129: Dieses spirituelle Erwachen ist unser aller Bestimmung. Jesus zeigt uns den Weg, den auch er einst gegangen ist.

Suizid

Ein Suizid (von lateinisch sui „seiner selbst“ und caedere „fällen, niederschlagen, töten“) ist die vorsätzliche Beendigung des eigenen Lebens. Synonym werden Selbstmord, Selbsttötung, Selbstentleibung und Freitod verwendet. Suizid ist, wie das Ego-Denksystem an sich, keine Sünde, weil es grundsätzlich keine Sünde gibt. Es ist, wie das gesamte Ego-Denksystem, eine wahnsinnige Idee - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Identifikation mit dem Ego-Denksystem an sich ist Selbstmord auf Raten.

“Du wirst mit diesem Wunsch, dich selbst zu töten, fertig, indem du nicht erkennst, wer du bist, und dich mit etwas anderem identifizierst. Du hast blindlings und wahllos Schuld projiziert, aber du hast ihre Quelle nicht aufgedeckt. Denn das Ego will dich tatsächlich töten, und wenn du dich mit ihm identifizierst, musst du glauben, dass sein Ziel das deine ist.”
(EKIW: Kapitel 13, II. 5. 4.-6.)

Allein die Identifikation mit dem Ego bedeutet, sich mit dem Todeswunsch zu identifizieren, doch das ist meist völlig unbewusst. In diesem Kapitel geht es hingegen in erster Linie um den bewusst herbeigeführten Selbstmord, also um das, was die Welt “Selbstmord“ nennt. Selbstmordgedanken signalisieren immer, dass man nicht mehr an Hilfe glaubt. Darin aber zeigt sich die grundlegende Situation im Zustand der Ego-Identifikation: der Irrtum zu glauben, dass man sein Leben in den Griff bekommen und mit seinem Verstand und seinem persönlichen Willen bewältigen könnte. Wenn offensichtlich wird, dass man sich selbst und allen anderen etwas vorgemacht hat, glaubt man das nicht mehr aushalten zu können. Dabei ginge es gerade darum, diese Situation als Chance zu begreifen, sein Leben auf einen soliden Grund zu stellen, der jenseits des Egos liegt, sein Leben der Führung durch den HEILIGEN GEIST - der Stimme für GOTT - zu unterstellen.

“Gelobe nicht, zu sterben, du heiliger SOHN GOTTES!”
(EKIW: Kapitel 29, VI. 2. 1.)

Diese Aussage bezieht sich nicht spezifisch auf das Thema Suizid, sondern bedeutet: Gelobe nicht, depressiv zu sein. Gelobe nicht, zu trauern. Gelobe nicht, verärgert zu sein. Gelobe nicht, erschöpft zu sein. Gelobe nicht, zu zweifeln. Gelobe nicht, zu leiden. Gelobe nicht, an den Tod zu glauben, du heiliger SOHN GOTTES!

“In dieser Welt scheint es einen Zustand zu geben, der das Gegenteil des Lebens ist. Du nennst ihn Tod. Indessen haben wir gelernt, dass die Idee des Todes viele Formen annimmt. Sie ist die eine Idee, die allen Gefühlen zugrunde liegt, welche nicht zutiefst glückliche sind. Sie ist der Alarm, auf den du mit irgendeiner Reaktion antwortest, die nicht vollkommene Freude ist. Jeder Kummer und Verlust, jede Ängstlichkeit, jedes Leiden und jeder Schmerz, so gar ein kleiner Seufzer der Ermattung, ein leichtes Unbehagen oder das leichteste Stirnrunzeln erkennen den Tod an. Und sie verleugnen damit, dass du lebst.”
(EKIW: Lektion 167, 2.)

Seppuku (Harakiri)

Wenn etwas unsere Welt erschüttert, wenn also etwas unser falsches Selbstbild massiv zu bedrohen scheint, dann reagieren wir sehr heftig darauf. Im identifizierten Zustand ist es uns extrem wichtig, nicht “das Gesicht zu verlieren”, also durch unrichtiges Verhalten Ansehen, Glaubwürdigkeit, Würde, Respekt einzubüßen. Als egoische Reaktion können wir unsere Angst entweder nach außen projizieren und unser Gegenüber angreifen, oder wir können uns selbst angreifen. Entweder wir entscheiden uns ganz unbewusst dafür, krank zu werden oder wir begehen gleich Selbstmord. Seppuku (Harakiri) bezeichnet eine ritualisierte Art des männlichen Suizids, die etwa ab der Mitte des 12. Jahrhunderts in Japan innerhalb der Schicht der Samurai verbreitet war. Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen.

“Du denkst, du seist das Heim des Bösen, der Dunkelheit und Sünde. Du denkst, wenn jemand die Wahrheit sehen könnte über dich, er wäre abgestoßen und würde wie vor einer giftigen Schlange von dir weichen. Du meinst, wenn man die Wahrheit über dich dir offenbarte, dass dich ein solches Grauen überkäme, dass du durch deine eigne Hand gleich in den Tod dich stürztest; du würdest weiterleben, nachdem du sähest, dass das unmöglich ist.”
(EKIW: Lektion 93, 1.)

Jōhatsu

Als Reaktion auf Gesichtsverlust und persönliche Probleme gibt es in Japan neben Suizid und Tod durch Überarbeitung (Karōshi) auch das absichtliche Verschwinden (Jōhatsu). Jōhatsu – wörtlich etwa “die Verdunsteten“ – steht für eine Art “sozialen Tod“. Die Betroffenen brechen freiwillig mit ihrem bisherigen Leben ab und verschwinden, ohne sich von ihrem Umfeld zu verabschieden.

Die Gründe dafür sind vielfältig: hohe Schulden, Arbeitslosigkeit, eine gescheiterte Ehe, häusliche Gewalt oder die überwältigende Scham über persönliches Scheitern in einer Gesellschaft, in der beruflicher und sozialer Erfolg einen hohen Stellenwert besitzt. Für manche erscheint das vollständige Verschwinden als der einzige Ausweg, um dem bisherigen Leben und den damit verbundenen Erwartungen zu entkommen.

Dass es für diesen radikalen Neuanfang sogar professionelle Hilfe gibt, macht das Phänomen besonders bemerkenswert. Sogenannte Yonige-ya, “Nachtflucht-Agenturen“, unterstützen Menschen dabei, ihr altes Leben möglichst unauffällig hinter sich zu lassen. Sie organisieren beispielsweise nächtliche Umzüge, bei denen Hab und Gut diskret abtransportiert wird, sodass Nachbarn und Bekannte möglichst wenig davon mitbekommen.

Wer auf diese Weise verschwindet, kann anschließend in der Anonymität einer Großstadt untertauchen. Viertel wie San’ya in Tokio oder Kamagasaki in Osaka boten beziehungsweise bieten besonders viel Anonymität und Möglichkeiten für Gelegenheitsarbeit. Für manche Jōhatsu wird aus dem Verschwinden damit tatsächlich ein neues Leben – für die meisten bedeutet es vor allem Isolation und ein Leben am Rand der Gesellschaft.

„Den Freitod wählen“ ist nur eine Formulierung aus dem Ego-Denksystem, mit der das Thema Selbstmord beschönigt werden soll. Doch mit Freiheit hat Suizid nichts zu tun. Wer wirklich frei ist, hat keine Vorstellung vom Tod und begegnet dem Geschehen auf der Ebene der Form mit bedingungsloser Liebe - völlig ohne Wahl auf dieser Ebene. Solange die Illusion des Todes währt, so lange wird die Liebe eine Illusion für uns sein. Dann ist die einzig mögliche Wahl, die uns noch bleibt, die, welche Illusion wir vorziehen. Ein Lehrer GOTTES hingegen wählt nicht zwischen Illusionen. Die Erkenntnis der eigenen SOHNSCHAFT ist das Ende der Wahl. Jesus hat uns das am deutlichsten aufgezeigt.

Aus Sicht der Reinkarnationslehre bedeutet Selbstmord einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Lebensplan. Ein Selbstmord ist im Lebensplan in der Regel nicht vorgesehen (hinsichtlich Ausnahmen siehe Sokrates). Aus Sicht der Reinkarnationslehre gibt es zwei unterschiedliche Motivationen für Selbstmord. Es gibt einen Selbstmord aus der Angst heraus, dass, was notwendig ist, nicht erreichen zu können, und es gibt einen Selbstmord aus der Erkenntnis heraus, dass das, was man sich vorgenommen hat, realistisch gesehen nicht mehr erreichbar ist.

Damit ist auch schon die Frage nach dem Thema “assistierter Suizid” beantwortet. Es gibt Menschen, die aus großer Verzweiflung planen, ihrem Leben ein Ende zu machen, die aber dennoch nicht wirklich sterben wollen. Für diese Menschen gibt es immer eine Möglichkeit, sie vom Rande des Abgrunds zurückzuholen. Diese Menschen wissen nur nicht, wie sie ihre Ziele, ihre Zwecke erreichen sollen und welchen Sinn ihr Leben hat. Und für diese ist es gut, ihnen zu helfen, diesen Sinn zu erkennen, ihnen Ziele zu zeigen, für die es sich lohnt zu leben.

Es gibt aber auch Menschen, die mehr oder weniger deutlich empfinden, dass ihr Leben praktisch keinen Sinn, keinen Zweck und kein Ziel mehr hat. Und da ist es gut, sie gehen zu lassen, wenn sie gehen wollen.

Und ein wenig Liebe, ein wenig Verständnis genügt, um zu unterscheiden: Halte ich jetzt diesen Menschen am Leben, um meine eigene Angst vor Schuldgefühlen zu bekämpfen? Oder ist es jetzt wahrhaft hilfreich, diesen Menschen liebevoll zu zeigen, dass sein Leben einen höheren Sinn hat, ohne dass ich mich selbst damit rechtfertigen oder beruhigen möchte?

Alle Dinge sind physisch, mental und spirituell. Spirituell gesehen ist es die Illusion der Trennung von GOTT, emotional gesehen ist es die Bedeutung, die wir bestimmten Aspekten der Welt gegeben haben und auf physischer Ebene ist es die körperliche Veränderung, beispielsweise der Chemie des Gehirns. Daher ist es möglich, die Ausprägung eines Symptoms auf physischer Ebene durch den Einsatz von Antidepressiva zu lindern.

Bei der Behandlung schwerer Depressionen und akuter Suizidgedanken ist es am wirksamsten, alle Ebenen gleichzeitig zu behandeln. Es gilt mit den Betroffenen in einem Dialog darüber zu sprechen, worauf sie Bedeutung und Sinn gelegt haben und wie sie die innere Leere ihres Lebens mit Dingen von außen gefüllt haben, um ihm Wert zu verleihen. Dieser Prozess hat dabei die Verletzlichkeit geschaffen. Wir müssen uns ansehen, wie sie psychologisch verankert ist, und sie gleichzeitig auf der körperlichen Ebene behandeln.

Die heute verfügbaren Antidepressiva sind sehr wirksam. Im Allgemeinen ist es sicher, die Depression der meisten Patienten pharmakologisch mit Antidepressiva zu behandeln, solange eine enge klinische Überwachung erfolgt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Pharmakologisch gesehen holen sie die Person vom unteren Ende der energetischen Bewusstseinsebenen und heben sie auf eine höhere Ebene, sodass sie dann in der Lage ist, auf Psychotherapie oder spirituelle Begleitung anzusprechen, um zu versuchen, die Umstände zu lindern, die zu ihrer Verletzlichkeit geführt haben. Die Risiken der Psychopharmakologie müssen gegen das Suizidrisiko abgewogen werden, insbesondere wenn eine apathische Depression in eine agitierte Depression übergeht.

Sich der Angst zu stellen, die der Depression zugrunde liegt, lindert die Depression. Die Angst besteht darin, dass man den Sinn des Lebens verloren hat. Man hat das verloren, was einem wertvoll ist, und hat das Gefühl, dass es niemals ersetzt werden kann. Hoffnungslosigkeit bedeutet, dass man keinerlei Erwartungen an die Zukunft hat. Es gibt keine Hoffnung, dass ein Kontext von Sinn und Bedeutung wiederhergestellt wird, der einem neue Energie gibt und dem Leben wieder einen Sinn verleiht. Das ist natürlich eine Illusion, aber in diesem Moment basiert die Hoffnungslosigkeit auf der Wahrnehmung seiner selbst und seiner Beziehung zum Leben. Die Zeit muss kommen, wo jeder zu sehen beginnt, dass jene Pfade, die von der Welt angeboten werden, nirgendwohin führen. Das ist eben jene Zeit, in der wir unsere größte Lehre lernen können. Alle müssen diesen Punkt erreichen und über ihn hinausgehen.

Jesus nennt im Kurs die Anwendung von Medizin “Magie”, aber auch er weist ganz klar darauf hin, dass es unter bestimmten Umständen sinnvoll ist, sich vorübergehend auf physische Heilmittel zu verlassen.

“Magie ist die geistlose oder fehlschöpferische Anwendung des Geistes. Physische Arzneimittel sind eine Art von »Zauber«; wenn du aber Angst hast, den Geist zur Heilung zu verwenden, solltest du es auch nicht versuchen. Gerade die Tatsache, dass du Angst hast, macht deinen Geist für Fehlschöpfungen anfällig. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass du jede Heilung, die eintreten mag, missverstehen wirst, und weil Ichbezogenheit und Angst gewöhnlich zusammen auftreten, bist du möglicherweise nicht fähig, die wahre QUELLE der Heilung anzunehmen. Unter diesen Umständen ist es für dich sicherer, dich vorübergehend auf physische Heilmethoden zu verlassen, weil du sie nicht fälschlich als deine eigenen Schöpfungen wahrnehmen kannst. Solange dein Gefühl der Verletzlichkeit andauert, solltest du nicht versuchen, Wunder zu wirken.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 2.)

Unabhängig davon, aus welchen Gründen Selbstmord begangen wurde, gibt es im sogenannten Jenseits (astrale Ebene) keine Strafe. Auch diese Seele erfährt die volle Unterstützung aus der LIEBE, wie jede andere Seele auch. Selbstmord bedeutet einfach nur, dass uns dieselben Themen und Aufgaben im nächsten Leben wieder erwarten werden. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass der Tod keine Lösung ist, sondern nur ein Konzept des Egos.

“Der Tod wird nämlich als Sicherheit gesehen, als großer, dunkler Retter vor dem Licht der Wahrheit, als Antwort auf die ANTWORT, als einer, der die STIMME, DIE für GOTT spricht, zum Verstummen bringt. Aber der Rückzug in den Tod ist nicht das Ende des Konflikts. Nur GOTTES ANTWORT ist sein Ende.”
(EKIW: Kapitel 19, IV. C. a) 7. 2.-4.)

Durch den Tod wird nichts erreicht, weil der Tod nichts ist. Der Tod ist generell ein Versuch, den Konflikt dadurch zu lösen, dass man sich nicht für GOTT entscheidet - die einzige Entscheidung, die es innerhalb der Illusion einer Wahl - gibt. Im HIMMEL gibt es keine Wahl und keine Entscheidungen. In Wahrheit gibt es keine Personen, die Suizid begehen. Das Ego selbst ist der Tod. Der Glaube an das Ego ist Selbstmord.

Ob wir es nun Selbstmord oder Freitod nennen, ändert nichts daran, dass es sich um ein Geschehen handelt, das dem Ego-Denksystem entspringt. Da die Wurzel dieses Denksystems der Glaube an Schuld ist, werden wir im Zusammenhang mit diesem Geschehen auch ganz besonders stark mit unserem Glauben an Schuld konfrontiert. Die Angehörigen werden sich häufig schuldig fühlen, weil sie das Leid eines ihnen nahestehenden Menschen unterschätzt haben und glauben, zu wenig geholfen und unterstützt zu haben. Und selbst wenn es keine starken Schuldgefühle sind, wird sich zumindest die schwache Variante der Schuld, die Scham, melden, wenn ein Angehöriger aus der eigenen Familie Selbstmord begangen hat.

Der Suizid eines Angehörigen ist eine besonders subtile Einladung des Egos, an Schuld zu glauben, denn von außen betrachtet hätten wir selbstverständlich immer mehr für andere da sein und sie immer mehr lieben können. Dazu hätten wir jedoch ein anderer Mensch sein müssen. So wie es nun einmal war, haben wir sicherlich einiges versäumt, was bei größerer geistiger Reife möglich gewesen wäre. Aber das heißt nicht, dass uns eine Schuld trifft. Niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Was geschieht, ist das, wonach es uns verlangt.

Selbstmord ist eine Einladung des Egos zu Schuldgefühlen. Sich das Leben zu nehmen, bedeutet häufig auch, die Überlebenden gleichzeitig anzuklagen, und wird von den Überlebenden in der Regel auch so wahrgenommen, die sich dann schuldig fühlen. Menschen mit Suizidgedanken fantasieren nicht selten darüber, was wohl ihre Angehörigen nach ihrem Tod empfinden werden. Nicht Lebenswille, sondern Todeswunsch ist die Motivation für diese Welt. Ihr einziges Ziel ist, zu beweisen, dass Schuld wirklich ist. Kein weltlicher Gedanke, keine weltliche Handlung und kein weltliches Gefühl haben eine andere Motivation als diese.

Bei Channelings mit durch Selbstmord verstorbenen Seelen zeigt sich immer wieder, dass sie im Nachhinein einen Punkt in ihrem Leben erkennen, an dem sie sich anders hätten entscheiden können. Genau das ist der entscheidende Punkt, den wir alle irgendwann erreichen werden, auf den auch Jesus im Kurs ganz klar hinweist.

“Die Zahl der Wege, die die Welt anbieten kann, scheint ziemlich groß zu sein; die Zeit muss aber kommen, wo jeder zu sehen beginnt, wie ähnlich sie einander sind. Manche Menschen sind gestorben, als sie dieses sahen, weil sie keinen Weg erblickten außer jenen Pfaden, die angeboten werden von der Welt. Und als sie lernten, dass sie nirgendwohin führen, verloren sie die Hoffnung. Und dennoch war dies ebenjene Zeit, in der sie ihre größte Lehre hätten lernen können. Alle müssen diesen Punkt erreichen und über ihn hinausgehen.”
(EKIW: Kapitel 31, IV. 3. 3.-7.)

Die Welt an sich ist völlig bedeutungslos. Nicht umsonst lautet schon die erste Lektion im Übungsbuch des Kurses: “Nichts, was ich sehe, bedeutet etwas.” Das bedeutet auch, dass das rein weltliche Leben bedeutungslos ist. Und so heißt es im Kurs: “Man könnte die Ziele, die du jetzt wahrnimmst, auch so beschreiben, dass man sagt, sie drehen sich alle um »persönliche« Interessen. Da du keine persönlichen Interessen hast, drehen sich deine Ziele tatsächlich um nichts. Wenn du an ihnen festhältst, hast du folglich überhaupt keine Ziele. Und darum weißt du nicht, wozu irgend etwas dient.”

Viele Denker haben die Absurdität und Bedeutungslosigkeit des Lebens erkannt. In der dualen Welt des Egos ist der Gegensatz zum Leben der Tod. Wenn das Leben als solches also bedeutungslos ist, wird der Tod bedeutungsvoll. Das zu verstehen wird uns dabei helfen, das, was Buddha den “Mittleren Weg” nannte, für uns selbst herauszufinden. Der “Mittlere Weg” ist ein Symbol für die Transzendenz der Dualität. Wenn der Tod der polare Gegensatz des Lebens ist, dann kann sich der mit dem Ego identifizierte Geist sehr leicht zum Tod hinbewegen; und das kommt vor. Ist dir je aufgefallen, dass ein Mensch, der Selbstmord begeht, zu sehr an dem hängt, was das Ego unter Leben versteht? Nur diejenigen, die zu sehr am Leben hängen, können Selbstmord begehen. Diejenigen, die zu sehr an dem hängen, was das Ego als Ersatz für den HIMMEL gemacht hat, können Selbstmord begehen.

Zum Beispiel: Du hängst zu sehr an deinem Mann oder an deiner Frau und glaubst, nicht ohne sie oder ihn leben zu können. Nun stirbt der Mann oder die Frau, und du begehst Selbstmord. Du bist zum anderen Extrem gegangen, weil du zu sehr am Leben gehangen hattest. Oder deine persönliche Handlungsfähigkeit wird durch eine Krankheit oder einen Unfall stark eingeschränkt und du beendest dein Leben mit der inneren Haltung: “Das ist doch kein Leben mehr.” Daran lässt sich die Vorstellung des Egos vom “Leben“ am deutlichsten erkennen. Das Ego versteht darunter immer nur das Leben des Körpers und die damit verbundenen Erfahrungsmöglichkeiten wie freie Bewegung und alle Arten von körperlichem Genuss. Aber das ist nicht das wirkliche Leben, sondern lediglich deine falsche Vorstellung davon, weil du dich mit dem Ego-Denksystem identifizierst. Wenn dich das, was du unter Leben verstehst, frustriert, gehst du einfach zum anderen Extrem. Dabei ist lediglich deine Vorstellung vom Leben falsch.

Dualität von Leben und Tod

In Kulturen, in denen das, was das Ego unter einem guten Leben versteht, besonders zelebriert wird, wird auch der Tod besonders zelebriert. Der Tod wird entweder gefeiert oder als Flucht auf perfekte Art und Weise geplant und organisiert. Zunächst treibt das Ego sein Vergnügen auf der Körperebene, also auf der Ebene der Form, auf die Spitze. Gleichzeitig versucht es, den Leidensdruck seines eigenen Denksystems erträglich zu halten, indem es Psychotherapie und die unterschiedlichsten Formen von Coaching und "Lebensberatung" nutzt.

Das Ende dieses Spiels ist jedoch selbst für das Ego offensichtlich. Deshalb versucht es entweder, aus dem Tod ein buntes Spektakel zu machen, oder es plant und organisiert “rechtzeitig” den Suizid. Der Tod wird nämlich als Sicherheit gesehen, als großer, dunkler Retter vor dem Licht der Wahrheit. Dies ist eine Welt der Todesanbeter. Und das Ego liebt es zu planen und zu organisieren, denn darin sieht es seine Sicherheit. Dies spiegelt sich auch in seiner wahnsinnigen Vorstellung von einer “Lebensversicherung“ wider, die für den Tod gedacht ist.

Es gibt zwei Arten von Selbstmord: Entweder man bringt sich gleich um, oder man begeht Selbstmord auf Raten. Man kann Selbstmord auf Raten begehen: Indem man sich allmählich dem Leben entzieht, sich davon abschneidet und ganz allmählich stirbt.

Der Geist identifiziert sich mit dem Körper und glaubt, er sei ein Körper. Der Verlust der Lebensenergie ist darauf zurückzuführen, dass die Person mutlos ist, was zu einem Energieverlust führt. Viele Todesfälle sind in Wirklichkeit subtile Formen des passiven Selbstmords. Es kommt zu einem Verlust des Lebensgefühls, der Begeisterung und der Hingabe an das Leben. Passiver Selbstmord nimmt viele Formen an und zeigt sich statistisch gesehen als Autounfall oder als Versäumnis, einem Bus auszuweichen. Eine depressive Geisteshaltung führt dazu, dass man sich nicht mehr um die Dinge kümmert, die im Alltag für das physische Überleben notwendig sind.

Wenn wir uns mit Selbstmord beschäftigen, sehen wir, dass das, was angestrebt wird, nicht wirklich der Tod des Körpers ist, sondern die Befreiung vom Leiden. Der Körper hat das Dilemma nicht verursacht und kann es auch nicht erleben. Daher ist die Vorstellung, dass man die Ursache beseitigen kann, wenn man den Körper los wird, falsch. Der Körper hat das Dilemma weder verursacht noch erlebt. Das gesamte Problem spielt sich im Bewusstsein ab; daher liegt die Lösung auch im Bewusstsein. Wenn man die Natur des Bewusstseins selbst betrachtet und erkennt, dass dort das Problem entstanden ist und dort erlebt wird, sieht man, dass es auch dort gelöst werden muss.

Es gab in Buddhas Zeiten Schulen, die den Selbstmord lehrten. Das waren die wirklichen Gegner des Lebens, des weltlichen Lebens. Es gab Schulen, die lehrten, dass der Selbstmord der einzige Ausweg aus dem Unsinn war, der Leben heißt, der einzige Ausweg aus diesem Leiden. Lebendigsein heißt Leiden, sagten sie, und es gibt keine Möglichkeit, über das Leiden hinwegzukommen, solange man lebt. Also begehe Selbstmord, vernichte dich. Das wird dir als eine sehr extremistische Meinung erscheinen, aber versuche, sie einmal tief zu verstehen. Es steckt einige Bedeutung darin.

Wenn du die polaren Gegensätze von Leben und Tod erkennst, dann siehst du, was der “mittlere Weg” ist. Es ist einfach ein sehr ausgewogener Bewusstseinszustand - genau in der Mitte zwischen Tod und Leben.

Wähle also nicht den Tod: Wählen auf der Ebene von Illusionen heißt Leiden. Wenn du den Tod wählst, hast du das Leid gewählt; wenn du das Leben wählst, hast du das Leid gewählt. Denn Leben und Tod sind zwei Extreme, und zwar die beiden Extreme ein und derselben Sache. Es ist nicht wirklich zweierlei, sondern nur ein Phänomen aus dem Ego-Denksystem mit zwei Polen: Leben und Tod. Wählst du den einen, musst du dich gegen den andern wenden. Das erzeugt Unglück, weil der Tod im Leben enthalten ist. Du kannst nicht das Leben wählen, ohne den Tod mitzuwählen. Wie denn? Im Augenblick, wo du das Leben wählst, hast du den Tod gewählt. Das erzeugt Unglück, weil sich als Folge deiner Entscheidung für das Leben der Tod einstellt.

Wähle nicht: Sei in der Mitte. In der Mitte ist die Wahrheit. An einem Pol ist der Tod, am anderen Pol ist das Leben. Aber das, was davon völlig unberührt bleibt, ist das reine Bewusstsein. Wähle nicht zwischen diesen beiden Polen, denn wählen bedeutet, dass du das eine gegen das andere setzt. In der Mitte sein heißt: wahllos sein. Und wenn du nicht gewählt hast, kann nichts dich unglücklich machen. Das wirkliche Leben ist ewig und kennt keine Dualität und damit auch keine Wahl.

Der Mensch macht sich unglücklich durch Wahl. Wähle nicht zwischen Illusionen. Sei einfach nur! Nicht wählen zu müssen ist wahre Freiheit, während das Ego uns glauben macht, dass unsere Wahl zwischen Illusionen, also eine Entscheidung für eine bestimmte Illusion, Freiheit ist. Das Erwachen aus dem illusionären Kreislauf von Tod und Wiedergeburt ist der einzig wahre Sinn und Zweck dieses "Lebens".

“Will ich leben oder sterben? Bin ich psychisch lebendig oder tot?” Wir brauchen nicht mehr so denken. Diese Gedanken der Dualität, sind der Ort des Konflikts. Und die Vergebung, die Erfahrung der Vereinigung des Geistes, ist der Ort der Heilung. All diese Fragen sind im Grunde dasselbe, und eigentlich sind es nicht einmal richtige Fragen – es sind Aussagen. Fragen wie: „Will ich dieses oder jenes, will ich hier oder dort sein?” sagen alle dasselbe: „Ich bin ein Ego; wie kann ich das Beste aus dieser schrecklichen Situation machen, in der ich in Ungnade gefallen bin?” Das ist eigentlich gar keine Frage. Es verstärkt die Illusion. Um mit dem Aufwachen zu beginnen, müssen wir eine WAHRE Frage stellen, wie zum Beispiel: „Will ich aufwachen und meinen SCHÖPFER kennen?” Die Antwort auf diese Frage führt zu einer völlig anderen Erfahrung. Eine andere WAHRE Frage ist: „Will ich diese Welt anders sehen?” Dies ist eine Frage höherer Ordnung, die zu einer völlig anderen Sichtweise der Welt führt.

Für einen Kurs-Schüler bedeutet dies: Folge allein SEINER Führung und vertraue. Dann wird auch kein Gefühl von Schuld da sein. Und lass dich von dem ganzen Getue um Leben und Tod in dieser Welt nicht beeindrucken - es ist eine Illusion. Das wirkliche Leben ist ewig und davon völlig unberührt. In Wahrheit gibt es kein Leben außerhalb des HIMMELS, nichts außerhalb dieses EINSSEINS und nichts anderes darin.

Rückführungen

“Im eigentlichen Sinne ist Reinkarnation unmöglich. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft, und die Idee der Geburt in einen Körper - ob einmal oder mehrere Male - hat keine Bedeutung. Reinkarnation kann also nicht in irgendeinem wirklichen Sinne wahr sein. Unsere einzige Frage sollte sein: Ist das Konzept hilfreich? Und das hängt natürlich davon ab, wofür es verwendet wird. Wenn es verwendet wird, um die Einsicht in das ewige Wesen des Lebens zu stärken, ist es in der Tat hilfreich. Ist irgendeine andere Frage dazu wirklich nützlich, um den Weg zu erhellen? Wie viele andere Überzeugungen kann es bitter missbraucht werden. Geringstenfalls bietet ein solcher Missbrauch Beschäftigung mit der Vergangenheit und vielleicht auch Stolz darauf an. Schlimmstenfalls ruft er Trägheit in der Gegenwart hervor. Dazwischen sind viele Arten von Torheit möglich.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 24. 1.)

Da die Idee der Geburt in einem Körper - ob einmal oder mehrere Male - keine Bedeutung hat, ist auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Rückführungen (past life regressions) bereits beantwortet. Doch wenn wir noch an der Ewigkeit unseres Lebens zweifeln, können Rückführungen hilfreich sein, um die Einsicht in das ewige Wesen des Lebens zu stärken.

Im Zustand der Ego-Identifikation glauben wir jedoch immer, es ginge um unsere Fehler auf der Ebene der Form und in der linearen Zeit. Doch es gibt keine lineare Zeit, alles passiert gleichzeitig - genau jetzt - und es geht nie um Fehler auf der Ebene der Form. Die Form ist lediglich eine Ansammlung von Symbolen für Irrtümer in unserem Geist. Es geht einzig und allein darum, unsere Irrtümer in unseren gespaltenen Geist SEINER Berichtigung zu übergeben. Unser vom Ego getriebener Verstand gibt sich damit jedoch meist nicht zufrieden und will mehr darüber wissen.

Warum vergessen wir frühere Inkarnationen?

Wenn das Ziel der Seele (im Sinne eines "individuellen Bewusstseins") Evolution ist, Lernen und Wachstum über viele Leben hinweg, wäre es dann nicht sinnvoller, sich an die Lektionen zu erinnern, an die Fehler, die man gemacht hat? Doch stattdessen werden wir mit einer vollständigen Amnesie geboren.

Bei den nun folgenden Überlegungen dürfen wir nicht vergessen, dass der Zustand der Ego-Identifikation ein Zustand völligen Wahnsinns ist, da er ein Zustand des totalen Vergessens unserer Wirklichkeit ist. Alle folgenden Überlegungen sollen uns dabei helfen, aus diesem wahnsinnigen Traum von Trennung zu erwachen. Das Vergessen unserer wahren IDENTITÄT soll damit jedoch keineswegs als etwas Gutes dargestellt werden.

Um die Antwort auf diese Frage zu verstehen, müssen wir zuerst spüren, welches unsichtbare Gewicht wir bereits tragen, ohne es zu bemerken. Es gibt bei vielen Menschen Panik erzeugende Situationen, ohne dass es dafür eine Erklärung in diesem Leben gibt, ohne dass es da eine dramatische Erfahrung gibt, die diese Intensität rechtfertigen würde. Es ist, als ob die Seele eine Narbe tragen würde. Aber es ist nicht nur Angst, da sind auch die Talente die aus dem Nichts kommen, das Kind das zum ersten Mal ein Klavier berührt und spielt als ob es nur eine vergessene Sprache wieder entdeckt, der Mensch der eine fremde Sprache hört und Worte versteht die er nie gelernt hat. Eine Freundin von mir, die aus Österreich stammt, spricht Spanisch, als wäre es ihre Muttersprache, und sie fühlt sich in Spanien extrem wohl. Immer wenn sie sich dort aufhält, verschwinden ihre körperlichen Beschwerden wie Allergien und dergleichen.

Und dann sind da die Beziehungen, jene Begegnungen, die sich nicht wie Begegnungen anfühlen, sondern wie Wiedersehen. Wir treffen jemanden zum ersten Mal und innerhalb von Minuten gibt es eine Vertrautheit, die Jahre an gemeinsamer Geschichte voraussetzen würde, ein Gefühl von zu Hause. Es gibt da in der Gegenwart eines Fremden eine unsichtbare Geschichte zwischen zwei Menschen, die sich erst gestern begegnet sind. Elisabeth Kübler-Ross formulierte es so: Wir erinnern uns nicht an die Leben selbst, aber wir tragen ihre Spuren - Ängste ohne Herkunft, Talente ohne Erklärung, Affinitäten ohne sichtbare Ursache.

Kübler-Ross ging noch tiefer. Sie fragte nicht nur, warum wir uns nicht erinnern, sie fragte, was mit uns geschehen würde, wenn wir es täten. Was wäre, wenn wir uns beispielsweise an all die Situationen erinnern könnten, in denen wir brutal ermordet wurden? Das Ergebnis ihrer Untersuchungen war vollkommen klar: Die vollständige Erinnerung an frühere Leben würde nicht Weisheit bringen, sie würde psychologischen Kollaps bringen, existenzielle Lähmung.

Oder denken wir an ein anderes Szenario: Wir erinnern uns daran, dass wir einst reich waren, mächtig, von anderen verehrt, wir hatten Einfluss, Kontrolle, Luxus und jetzt sind wir in einem einfachen Leben geboren, mit Begrenzungen, mit Kämpfen, mit Demütigungen, die uns in jenem früheren Leben fremd gewesen wären. Wie akzeptieren wir diese Reduzierung, ohne verzehrende Bitterkeit, wie finden wir Frieden in der Bescheidenheit, wenn unser Verstand ständig die Größe vergleicht, die wir einst hatten? Die Seele soll wachsen, sie soll doch neue Erfahrungen lernen, aber wenn wir gefangen sind in der Identität dessen, was wir waren, wie können wir dann offen sein für das, was wir werden sollen. Hier liegt der Konflikt zwischen Kontinuität und neu anfangen. Wenn Reinkarnation - innerhalb der Illusion - “existiert”, dann muss sie einen Mechanismus beinhalten, der echte Evolution ermöglicht und echte Evolution erfordert echte Neuheit, neue Perspektiven, neue Möglichkeiten, sich selbst zu erfahren. Aber wie erleben wir etwas wirklich Neues, wenn unser Bewusstsein von alten Identitäten überfüllt ist? Kübler-Ross erkannte, das Ego liebt es, sich an Geschichten festzuhalten, an Narrativen, an dem Gefühl von ich war dies oder ich war das. Aber die Seele braucht Freiheit von diesen Geschichten, um zu wachsen.

Es gibt noch eine tiefere Ebene dieses Problems. Stell dir vor, du erinnerst dich an alle deine Tode, nicht nur einen, sondern 10, 20, vielleicht 100. Du erinnerst dich an das Ertrinken, das Verbrennen, das langsame Sterben durch Krankheit, die Gewalt, die Einsamkeit der letzten Momente, jede einzelne Todesangst ist in deinem Bewusstsein präsent, so klar wie die Erinnerung an deinen letzten Geburtstag. Könntest du unter dieser Last leben? Könntest du morgens aufstehen und den Tag begrüßen, während dein Geist von 100 Todes-Szenarien heimgesucht wird? Oder nimm die Last der Schuldgefühle. Du erinnerst dich daran, dass du in einem früheren Leben jemanden verraten hast. Du siehst ihren Schmerz, ihre Tränen, die Konsequenzen deiner Handlung und diese Schuld ist nicht abstrakt oder verblasst, sie ist lebendig in dir, genauso intensiv wie jedes Schuldgefühl aus diesem Leben. Wie erträgst du diese Schuldgefühle, ohne unter ihrer Last zu zerbrechen? Wie liebst du in diesem Leben, wenn du ständig die Angst hast, wieder zu versagen, wieder zu verletzen, wieder zu verlieren?

Nach Jahrzehnten der Arbeit mit Sterbenden, mit Menschen an der Schwelle zwischen Leben und Tod, nach unzähligen Berichten über Nahtoderfahrungen und spontanen Erinnerungen an frühere Leben, kam Elisabeth Kübler-Ross zu einer Erkenntnis: Wir erinnern uns nicht, weil die Amnesie der größte Akt des Mitgefühl ist den die Seele mit sich selbst haben kann. Das Vergessen ist keine Fehlfunktion, es ist kein Mangel, kein Verlust, keine Strafe, es ist die wesentlichste und bewusste Eigenschaft des Systems selbst. Kübler-Ross revolutionierte mit dieser These das Verständnis von Reinkarnation. Das Vergessen ist Vergebung noch bevor die Erinnerung überhaupt existiert. Vergebung geschieht nicht nach der Erinnerung, sie geschieht durch das Fehlen der Erinnerung.

Die Seele vergibt sich selbst, indem sie vergisst, in der Sprache des Kurses, sie übergibt ihren Irrtum SEINER Berichtigung. So gibt sie sich selbst die Chance auf einen echten Neuanfang, indem sie die Last der alten Geschichten ablegt. Das steht in direktem Gegensatz zu dem, was viele Religionen lehren. Die Vorstellung von Sünde, Karma als Strafe, Reinkarnation als endlose Wiedergutmachung für vergangene Fehler, diese Konzepte operieren doch Angst und Schuld. Sie halten die Seele gefangen in einer Spirale aus Erinnerung und Selbstverurteilung. Aber Kübler-Ross sah etwas anderes in ihrer Arbeit mit tausenden von Sterbenden. Sie sah, dass das spirituelle System nicht durch Bestrafung funktioniert, sondern durch radikale Vergebung. Die Seele wird nicht gezwungen, ihre Fehler endlos zu tragen, sie wird befreit von ihnen, damit sie neu lernen kann.

Kübler-Ross erklärt, die Seele behält die Essenz der Erfahrungen, die transformative Kraft dessen, was gelernt wurde, Weisheit, Mitgefühl, Reife, aber sie löscht die narrativen Details, die sie an die Vergangenheit fesseln würden. Wir behalten die Lektion, aber nicht die Geschichte. Es ist kein Verlust von Informationen, es ist Destillation von Weisheit.

“Der erste Schritt zur Freiheit beinhaltet ein Aussortieren des Falschen vom Wahren. Das ist ein Trennungsprozess im konstruktiven Sinn und spiegelt die wahre Bedeutung der Apokalypse wider. Ein jeder wird letztlich seine eigenen Schöpfungen betrachten und sich entscheiden, nur das zu bewahren, was gut ist, genau wie GOTT SELBST ansah, was ER erschaffen hatte, und erkannte, dass es gut war.”
(EKIW: Kapitel 2, VIII. 4. 1.-3.)

“Der HEILIGE GEIST wird dir helfen, alles, was du als Furcht erregend wahrnimmst, neu zu deuten, und dich lehren, dass nur das Liebevolle wahr ist.”
(EKIW: Kapitel 5, IV. 1. 3.)

Kübler-Ross dokumentierte in ihren jahrzehntelangen Studien ein entscheidendes Phänomen. Menschen, die Nahtoderfahrungen hatten, berichteten häufig davon, dass sie im körperlosen Zustand Zugang zu Erinnerungen an frühere Leben hatten. Sie sahen ihre vergangenen Existenzen mit vollkommener Klarheit, Gesichter, Namen, Umstände, komplette Lebensgeschichten entfalteten sich vor ihrem Bewusstsein, aber sobald sie in ihren Körper zurückkehrten, löste sich diese Erinnerung fast sofort auf, wie Wasser das durch die Finger rinnt. Was im körperlosen Zustand kristallklar war, wurde im physischen Körper wieder zu einem vagen Gefühl, einer ungreifbaren Intuition. Diese Beobachtung war entscheidend für Kübler-Ross als Wissenschaftlerin. Das Bewusstsein ohne Körper hat Zugang zu den Erinnerungen, das Bewusstsein im Körper hat ihn nicht. Das beweist, dass die Blockade nicht neurologisch ist, sie ist spirituell und absichtlich.

Dr. Ian Stevenson, dessen Forschung über Reinkarnation Kübler Ross tief beeinflusste, identifizierte etwas Faszinierendes in den seltenen Fällen spontaner Erinnerungen an vergangene Leben bei Erwachsenen. Menschen die unter Hypnose oder durch traumatische Ereignisse plötzlich Zugang zu Erinnerungen an frühere Leben bekamen, berichteten fast ausnahmslos von intensiven psychischen Leiden. Sie hatten Schwierigkeiten zwei Identitäten gleichzeitig zu integrieren. Wer bin ich, wenn ich mich erinnere, dass ich einst ein anderer Mensch war, mit einem anderen Namen, in einem anderen Schicksal. Bin ich diese Person oder jene, beide, keine von beiden? Diese existenzielle Verwirrung führte in vielen Fällen zu tiefer psychischer Instabilität. Stevenson bemerkte: Die wenigen Menschen die sich spontan erinnern, leiden oft mehr als sie profitieren. Die Erinnerung bringt selten Frieden, sie bringt Konflikt.

Kübler-Ross selbst unterzog sich therapeutischen Rückführungen, um ihre eigenen früheren Leben zu erkunden. Sie berichtete später: Ich sah Fragmente dessen, wer ich war, ich spürte den Schmerz, die Liebe, die Verluste und ich war dankbar, dass der Schleier bestehen blieb. All diese Tode, all diese Verluste, all diesen Schmerz zu tragen, würde es unmöglich machen, dieses Leben voll zu leben.

Dahinter steckt selbstverständlich eine Strategie des Egos. Wären wir uns der wahnsinnigen Folgen dieses Denksystems in ihrem kompletten Ausmaß bewusst, würden wir uns niemals dafür entscheiden. Würden wir erkennen, dass wir nicht eine bestimmte Person sind, würden wir uns von der Illusion einer Person lösen. Die Betrachtungen in diesem Artikel stellen einen pragmatischen Zugang zu der Situation dar, in der sich die Menschheit befindet. Wir sind so tief in den Traum der Trennung eingetaucht, dass wir den Anblick des gesamten Wahnsinns auf einmal psychisch nicht ertragen könnten.

Die Evolution der Seele kommt nicht vom Sammeln von Erinnerungen, sondern vom Transformieren von Erfahrung in Essenz und Essenz braucht keine Narration. Der zentrale Irrtum beim Thema Reinkarnation besteht im Glauben, dass wir tatsächlich eine persönliche Seele sind, die Erfahrungen macht und sich weiterentwickelt. Doch dieser Glaube ist das Problem und nicht die Lösung. Wir sind nichts Persönliches, das sich entwickelt. Das, worum es geht, ist die Befreiung aus diesem Glauben. Es geht um das Ent-wickeln aus dieser Illusion. Wir sind nicht die Geschichten unserer vergangenen Leben und auch nicht die Geschichte unseres aktuellen Lebens - wir sind das, was übrig bleibt, wenn wir uns aus der Identifikation mit all diesen Geschichten gelöst haben, wenn wir alles vergeben haben. Jede Herausforderung, der wir in diesem Leben begegnen, ist eine Gelegenheit etwas zu vergeben, was wir in früheren Leben noch nicht vergeben haben.

“Alle Dinge sind Lektionen, die GOTT mich lernen lassen möchte.

[...]

Jede Lektion hat einen zentralen Gedanken, der in allen derselbe ist. Nur die Form verändert sich, mit verschiedenen Umständen und Ereignissen, mit verschiedenen Charakteren und verschiedenen Themen, die augenscheinlich sind und doch nicht wirklich. In ihrem grundlegenden Inhalt sind sie dasselbe. Es ist dieser:

Vergib, und du wirst dieses anders sehen.
[...]
Vergib, und du wirst dieses anders sehen.

Dies sind die Worte, die der HEILIGE GEIST in all deiner Drangsal, all deinem Schmerz und allem Leid spricht, ungeachtet dessen Form. Dies sind die Worte, mit denen die Versuchung endet und die Schuld, nun aufgegeben, nicht mehr verehrt wird. Das sind die Worte, die dem Traum der Sünde ein Ende setzen und den Geist von Angst befreien. Dies sind die Worte, durch welche die Erlösung zu aller Welt kommt.”
(EKIW: Lektion 193)

Kübler-Ross verbrachte ihr Leben damit Menschen beim Sterben zu begleiten und was sie immer wieder sah war dies: Im Moment des Todes fiel der Schleier, die Sterbenden sahen plötzlich den Sinn ihres Lebens mit perfekter Klarheit, sie verstanden warum sie bestimmte Menschen getroffen hatten, warum sie bestimmte Schmerzen und warum sie ihre größten Verluste durchleben mussten, aber diese Klarheit kam meist erst am Ende.

Ohne Erinnerung an die Vergangenheit ist jeder Moment wirklich neu, jede Begegnung ist eine echte Chance für eine heilige Begegnung, jede Wahl ist authentisch, weil wir sie nicht im Schatten dessen treffen, was wir in einem anderen Leben waren oder taten. Das ist die verborgene Weisheit des Vergessens, es schenkt uns Gegenwart, es erlaubt uns jetzt zu sein, anstatt gefangen zu sein, in dem, was war. Die Antwort liegt nicht in der Erinnerung, sie liegt im Mut mit dem zu sein, was wir jetzt durchleben, im Vertrauen darauf, dass alles, was wir brauchen, bereits in uns ist.

“Jeden Tag - jede Minute eines jeden Tages und jeden Augenblick, den jegliche Minute birgt - durchlebst du nur erneut den einen Augenblick, in dem die Zeit des Schreckens den Platz der Liebe einnahm. So stirbst du jeden Tag, um neu zu leben, bis du den Graben zwischen der Vergangenheit und Gegenwart überquerst, der überhaupt kein Graben ist. Und solcherart ist jedes Leben: ein scheinbares Intervall von der Geburt zum Tod und wieder hin zum Leben, die Wiederholung eines lange schon vergangenen Augenblicks, der nicht wiedererlebt werden kann. Und alle Zeit ist nur der verrückte Glaube, dass das, was vorbei ist, noch immer hier und jetzt ist.”
(EKIW: Kapitel 26, V. 13.)

Offensichtlich hat es einen Sinn, dass wir frühere Inkarnationen vergessen. Das allgemeine Interesse daran, wer wir in einem früheren Leben waren, ist vom Ego motiviert. Meistens steckt der Wunsch nach Besonderheit dahinter. Entweder ist es der Wunsch nach einer Erklärung, warum man es in diesem Leben doch nur so schwer hat, um so stolz auf die ganz besondere Herausforderung sein zu können. Damit rechtfertigt das Ego seine Unfähigkeit zur Vergebung in diesem Augenblick. Oder es ist der Wunsch nach einem besonders tollen Leben, mit dem das Ego versucht, nun auch den Anspruch abzuleiten, in diesem Leben jemand ganz Besonderes zu sein. Die Komikerin Anke Engelke bringt es in einem ihrer Sketche auf den Punkt.


Dieser Sketch zeigt wunderbar, wie wir im Zustand der Ego-Identifikation bereit sind, das Offensichtlichste zu leugnen, um unseren Glauben an unsere Besonderheit aufrechtzuerhalten. Einer der beliebtesten Tricks des Egos, um auf diese Besonderheit hinzuweisen, ist der Verweis auf eine glorreiche Vergangenheit. Nicht nur Rückführungen, sondern auch Milliarden von Lebensläufen bezeugen genau das. Zunächst sind es die Lebensläufe auf dem Weg der beruflichen Karriere, später macht dann auch das Ego mit einer scheinbar spirituellen Karriere weiter. Wenn du also auf der Website eines selbsternannten spirituellen Lehrers einen Lebenslauf mit allen Ausbildungen und Zertifikaten findest, dann gehe einfach vorüber, du brauchst ihn nicht.

Das Ego lebt von der Vergangenheit und versucht daher, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Das Festhalten an der Vergangenheit ist eine Form der Verleugnung des gegenwärtigen Augenblicks, der Verleugnung der Wirklichkeit GOTTES. Eine Erfahrung von wahrer Freiheit kann nur in der Gegenwart gemacht werden und sie kann nur mit Vergebung kommen. Vergebung ist unsere einzige Aufgabe - unser einziges Geschenk an die Welt. Wir haben keine andere Lebensaufgabe als diese. Die Berufung unseres Lebens besteht nicht darin, etwas zu "werden". Das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, das falsche Selbst, das wir erschaffen haben, loszuwerden. Und das tun wir, indem wir ihm vergeben, indem wir unseren Glauben an es vergeben. Wir sind nicht mehr durch Angst, Schuld und Zweifel gefesselt, wenn wir alle unsere Überzeugungen bis hin zum zentralen Glauben an die Trennung vollständig überprüft und losgelassen haben. Dies ist das ultimative Verlernen und “Entwickeln” des Geistes, das zu einem Leben in glückseliger Freiheit und Freude führen wird.

“Der Schwerpunkt dieses Kurses bleibt immer derselbe: Es ist dieser Augenblick, in dem dir die vollständige Erlösung angeboten wird, und dieser Augenblick ist es, in dem du sie annehmen kannst. Das ist nach wie vor deine einzige Verantwortung. Die SÜHNE könnte mit einem totalen Entrinnen aus der Vergangenheit und einem völligen Mangel an Interesse für die Zukunft gleichgesetzt werden. Der HIMMEL ist hier. Es gibt keinen andern Ort. Der HIMMEL ist jetzt. Es gibt keine andere Zeit. Kein Lehren, das nicht dahin führt, ist für GOTTES Lehrer von Belang.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 24. 6. 1.-8)

Mitgefühl

Wahres Mitgefühl ist nicht das, was die Welt darunter versteht. Wahres Mitgefühl bedeutet nicht Mitleid, sondern es bedeutet den Ruf nach Liebe zu hören, der ihm Leid zum Ausdruck kommt. Jesus verweist immer wieder darauf, dass wir unsere Mitmenschen nur dadurch heilen, dass wir die wahre Natur, die völlige geistige Gesundheit, in ihnen wahrnehmen. Es geht also darum, zu übersehen, was das Ego gemacht hat, und stattdessen die völlige geistige Gesundheit eines Menschen zu sehen. Jesus will nicht, dass wir die vom Ego erzeugten Gefühle empfinden, sondern dass wir mit IHM in Verbindung bleiben, unabhängig davon, was in dieser Welt zu geschehen scheint.

Es macht keinen Sinn Mitgefühl so zu interpretieren, dass wir uns mit dem anderen im Leiden verbinden. Was soll das bringen, wenn wir Heilung wollen, wenn wir den anderen mit der Liebe Gottes segnen wollen? In Wahrheit besteht echtes Mitgefühl darin, mit dem mitfühlen, was der andere wirklich ist. Das heißt, wir sehen durch die vergängliche Oberfläche aus Unwissenheit, aus Verwirrung, aus Schmerz, aus Leid, aus Groll, oder was immer wir im anderen wahrzunehmen glauben, hindurch und sehen stattdessen das wahre SELBST.

“Sich einfühlen bedeutet nicht, sich im Leiden zu verbinden, denn genau das musst du ablehnen zu verstehen. So deutet nämlich das Ego die Einfühlung, und diese Deutung wird immer dazu benutzt, eine besondere Beziehung herzustellen, in der das Leiden geteilt wird. Das Einfühlungsvermögen ist für den HEILIGEN GEIST sehr nützlich, vorausgesetzt, du lässt es IHN auf SEINE Weise nutzen. SEINE Weise ist ganz anders. ER versteht Leiden nicht und möchte, dass auch du lehrst, dass es unverständlich ist. Wenn ER durch dich in Beziehung tritt, tritt ER nicht durch dein Ego mit einem anderen Ego in Beziehung. ER nimmt am Schmerz nicht teil, weil ER versteht, dass die Heilung des Schmerzes nicht durch wahnhafte Versuche erreicht wird, in ihn hineinzugehen und ihn dadurch zu lindern, dass der Wahn geteilt wird.

Der deutlichste Beweis dafür, dass das Einfühlungsvermögen, so wie das Ego es benutzt, zerstörerisch ist, liegt in der Tatsache, dass es nur auf bestimmte Arten von Problemen und bei bestimmten Menschen angewendet wird. Diese wählt es sich aus und verbindet sich mit ihnen. Und es verbindet sich nie, außer um sich selbst zu stärken. Und da es sich mit dem identifiziert hat, was es zu verstehen glaubt, sieht das Ego sich selbst und möchte sich selbst mehren, indem es das teilt, was wie es selbst ist. Verkenne dieses Manöver nicht: Das Ego fühlt sich immer ein, um zu schwächen, und schwächen heißt immer angreifen. Du weißt nicht, was Einfühlung bedeutet. Doch dessen kannst du sicher sein: Wenn du einfach nur ruhig dasitzt und den HEILIGEN GEIST durch dich in Beziehung treten lässt, wirst du dich in die Stärke einfühlen und an Stärke und nicht an Schwäche gewinnen.

Dein Teil besteht nur darin, dich daran zu erinnern, dass du nicht willst, dass irgendetwas, was du wertschätzt, aus einer Beziehung resultiert."
(EKIW: Kapitel 16, I. 1.-3.1.)

Jesus weist noch auf Folgendes hin:
"Es braucht einige Vorbereitung, um die Angst vor GOTT anzuschauen. Nur die geistig Gesunden können den nackten Wahnsinn und die rasende Verrücktheit mit Erbarmen und mit Mitgefühlt betrachten, aber ohne Angst. Denn nur wenn sie daran teilhaben, scheinen diese furchterregend zu sein, und du hast so lange daran teil, bis du deinen Bruder mit vollkommenem Glauben und vollkommener Liebe und Zärtlichkeit ansiehst."
(EKIW: Kapitel 19, IV. D. 11. 1.-3.)

Mutter Teresa lehrte dies. Sie sagte ihren Anhängern, sie sollten in jedem, den sie sehen, das Antlitz CHRISTI sehen. Sie machte deutlich, dass das ihr einziges Ziel war. Sie glaubte, dass eine heilige Beziehung eine totale Verpflichtung ist, von Augenblick zu Augenblick. Sie lehrte heilige Beziehung durch geheilte Wahrnehmung und durch Dienst. Es ging nicht um Verhaltensweisen, sondern darum, das Antlitz CHRISTI in jedem einzelnen Menschen zu sehen, dem sie begegnete, und der Führung des HEILIGEN GEISTES zu folgen.

Mutter Teresa wurde immer wieder kritisiert, weil sie dem Glauben den Vorrang vor der humanitären Hilfe einräumte. Eine Welt, die dem Ego-Denksystem unterworfen ist, in der es nur um das Überleben des Körpers geht, kann dies nicht verstehen. Was die Welt unter humanitärer Hilfe versteht, basiert meist auf der Vorstellung von Ungleichheit: Dort die armen Opfer von Unterdrückung und Ausbeutung und hier ich, der ich es geschafft habe und es besser weiß und sich besser fühlt, wenn er auf Basis dieses Ungleichgewichts “helfen” kann. Das Ego lebt buchstäblich von Vergleichen. Gleichheit liegt jenseits dessen, was es erfassen kann, und wahre Nächstenliebe wird so unmöglich.

Wahre Nächstenliebe beruht auf der Vorstellung von Gleichheit. Wahre Nächstenliebe ist eine Art, die Vollkommenheit eines anderen wahrzunehmen, auch wenn wir sie in uns nicht wahrnehmen können. Aber auch wahre Nächstenliebe ist nur der Weg und nicht das Ziel, denn ihre Grundlage bildet immer noch die Erfahrung von Trennung. Jesus weist im Kurs darauf hin, dass Nächstenliebe in Wirklichkeit eine schwächere Widerspiegelung eines viel mächtigeren Umfasstwerdens von der Liebe ist, das weit über jede für uns jetzt vorstellbare Form der Nächstenliebe hinausgeht.

Solange wir uns des SELBST nicht bewusst sind, entgeht uns auch die Wirklichkeit anderer Menschen, weil wir unsere eigene noch nicht gefunden haben. Wahre Beziehungen sind aber nur dann möglich, wenn das Bewusstsein des SELBST da ist. Vom SELBST her erscheinen der Körper und Geist eines anderen Menschen wie ein Wandschirm, durch den wir seine eigentliche Wirklichkeit ebenso spüren wie unsere eigene. Wenn wir dann mit dem Leid oder unbewussten Verhalten eines anderen konfrontiert werden, bleiben wir voll gegenwärtig und mit dem SELBST in Kontakt, so dass wir im eigenen so SEIN des heiligen Augenblicks das strahlende reine SELBST des anderen Menschen jenseits seiner Erscheinungsform fühlen.

“Die Stärke GOTTES in dir ist das Licht, in dem du siehst, so wie es auch SEIN GEIST ist, mit dem du denkst. SEINE Stärke leugnet deine Schwäche. Eben deine Schwäche ist es, die durch des Körpers Augen schaut und in der Dunkelheit umherspäht, um ihr Ebenbild zu sehen: die Kleinen, Schwachen, die Kränkelnden und Sterbenden, die Bedürftigen, Hilflosen und Furchtsamen, die Traurigen, die Armen, die Hungernden und Freudlosen. Diese werden durch Augen gesehen, die nicht sehen und nicht segnen können.

Die Stärke übersieht diese Dinge, indem sie über die Erscheinungen hinausblickt. Sie hält ihren steten Blick auf das Licht gerichtet, das hinter ihnen liegt. Sie vereint sich mit dem Licht, von dem sie ein Teil ist. Sie sieht sich selbst. Sie bringt das Licht, in dem dein SELBST erscheint. In der Dunkelheit nimmst du ein Selbst wahr, das es nicht gibt. Stärke ist die Wahrheit über dich; Schwäche ist ein Götze, der fälschlich verehrt und angebetet wird, um die Stärke zu vertreiben und Dunkelheit dort herrschen zu lassen, wo GOTT bestimmte, dass Licht sein sollte.”
(EKIW: Lektion 92, 3.&4.)

Von Gefallsucht zu echter Empathie

Für das Ego bedeutet Liebe immer, übereinstimmende Meinungen zu vertreten. Das Ego kann sich nicht vorstellen, dass es ein Akt der Liebe sein kann, nein zu sagen. Und doch ist es sehr einfach auf liebevolle Art, nein zu sagen. Bedingungslose Liebe macht keinen Unterschied zwischen einem Ja und einem Nein. Da wir aber in der Identifikation mit dem Ego ständig nach Bestätigung suchen, machen wir selten die Erfahrung bedingungsloser Liebe. Im Zustand der Ego-Identifikation ist Zustimmung die absolute Bedingung, die absolute Co-Abhängigkeit oder Kumpanei, die sagt: Wenn dein Ego und mein Ego übereinstimmen, dann werde ich dich unterstützen. Wenn zwei Egos einander beipflichten, gilt es auf der Hut zu sein, denn es liegt in der Natur des Egos zu trennen, mit anderen Egos zu kämpfen. Wenn also zwei Egos einander beipflichten, können wir sicher sein, dass sie sich gegen ein weiteres Ego verbünden. Das ist keine echte Übereinstimmung, sondern nur eine vorübergehende Allianz. Sobald der gemeinsame Feind besiegt ist, hat die Allianz ihren Zweck erfüllt und die beiden Egos verfolgen wieder ihre eigenen Interessen. Es ist also nicht sehr intelligent, über Zustimmung Liebe zu suchen, das muss unweigerlich in die Enttäuschung führen.

Besondere Beziehungen sind immer mit Kompromissen und Opfern verbunden. Der Kompromiss entsteht aus der Angst, "das Fass zum Überlaufen zu bringen". Wir glauben an die Folgen, und so wird es zur allgemeinen Verhaltensweise, den Menschen gefallen zu wollen. Aber Verleugnung und Unterdrückung entstehen, wenn wir aus Angst vor den Reaktionen anderer Menschen nicht sagen, was wir im Herzen fühlen. Wenn wir nur dafür leben, dass andere Menschen uns zustimmen oder uns gutheißen, verleugnen wir, was wir in einer bestimmten Situation wirklich fühlen.

Genauso wie der Wunsch nach Besonderheit ist es etwas, das wir tun, wenn wir uns klein und begrenzt fühlen. Das Wort "Entschuldigung" kommt dann häufig vor. Jemand berührt in einer Menschenmenge versehentlich einen Ellbogen und sagt: "Tut mir leid." Jemand starrt uns an, wir schauen zu ihm hinüber und er sagt: "Oh, Entschuldigung." Es ist, als gäbe es überall eine riesige Entschuldigung. Das ist eine erfundene soziale Konditionierung. Es ist ein Beispiel für den Glauben an getrennte Körper und ihre wahrgenommenen Unterschiede. Manche würden sagen, dass es ein Beispiel dafür ist, dass man übermäßig sensibel ist und sich nicht in den Raum von jemandem einmischen oder etwas tun will, das von einem anderen als störend empfunden werden könnte. Dies spiegelt den Glauben wider, dass wir uns einschränken und Kompromisse eingehen müssen, um uns anzupassen.

Im illusionären, getrennten Zustand ist der Geist höchst unsicher. Da wir uns als eine eigenständige und getrennte Person erfahren, wird unsere wahre Stärke verschleiert. Unser Geist hat keinen Kontakt mit unserer wahren Stärke. Daher wird der Versuch, von anderen Anerkennung zu erwarten oder sich auf bestimmte Weise zu verhalten, um es anderen leicht zu machen, zu einem Mittel, um sich akzeptiert, gemocht und anerkannt zu fühlen. Menschen gefallen zu wollen ist ein fauler Deal mit der Wirklichkeit. Es ist das Ego, das nach Liebe, Anerkennung und Respekt von anderen sucht, um den Glauben an ein kleines Selbst zu festigen. Das kann viele Formen annehmen. Es kann darin bestehen, zu anderen Menschen aufzuschauen oder Dinge zu vertuschen. Auf diese Weise versuchen wir, die Angst zu minimieren, ohne sie wirklich loszulassen. Solange wir damit beschäftigt sind, uns auf äußere Situationen zu konzentrieren, wird es schwierig sein, Stabilität und inneren Frieden zu finden. Wenn egozentrischer Stolz und die Beschäftigung mit sich selbst auf der einen Seite des Pendels stehen, dann steht auf der anderen Seite, das anderen Menschen gefallen wollen und die Beschäftigung mit den anderen. Wenn wir anderen gefallen wollen, machen wir andere Menschen so wichtig, dass wir jeden Sinn für Integrität verlieren.

Der Versuch, Menschen zu gefallen, ist ein mächtiger Verteidigungsmechanismus: Es hält wahre Verbindung und authentische Beziehungen in Schach. Es hält die Trennung aufrecht. Das Bedürfnis, anderen zu gefallen, und die Angst vor Intimität gehen Hand in Hand. Entscheiden wir uns für das eine, bekommen wir das andere. Das ist ein hoher Preis, den wir für unsere Gefallsucht zahlen.

Die Angst, sich zu erheben und das Wort zu ergreifen

Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir anfangen würden, über das zu sprechen, was in unserem Bewusstsein vor sich geht, und nicht länger um unsere Probleme herumtanzen würden, wenn wir sagen würden, was wir zu sagen haben? Schon in der Bibel steht: “Euer Ja soll ein Ja sein und euer Nein ein Nein.” (Jakobus 5,12) Wenn wir sehr darauf bedacht sind, den Menschen gefallen zu wollen - höflich, nett, sanftmütig und so weiter zu sein -, ist es schwer, sein Ja als Ja und sein Nein als Nein zu verstehen. Wir sagen vielleicht zu vielen Bitten und Einladungen ja und denken dann irgendwann: Wozu habe ich gerade zugestimmt? Ich habe gerade meine ganze Woche verplant, aber ich will mich einfach nur ausruhen! Wir müssen lernen, zu unterscheiden und unser Ja und Nein von einem Ort der inneren Integrität kommen zu lassen, wo wir uns mit dem HEILIGEN GEIST verbinden und seiner Führung folgen. So können wir uns wirklich wohlfühlen und frei von Angst vor Konsequenzen sein!

Bei dem Versuch, anderen gefallen zu wollen, kommen wir irgendwann an einem Punkt, an dem wir einfach erstarren. Unsere unbewussten Gedanken und Überzeugungen lassen sich von unseren Mitmenschen nicht entschlüsseln. Ganz gleich, wie sehr wir an unserer Fähigkeit zu gefallen arbeiten, irgendwann kommt immer dieser "missbilligende Blick". Wir bekommen diesen Stich ins Herz, wenn wir denken, dass wir jemanden enttäuscht haben oder dass wir etwas furchtbar falsch gemacht haben. Extreme Schuldgefühle tauchen auf! "Habe ich etwas falsch gemacht, habe ich jemanden verletzt?" Und die missbilligende Stimme antwortet: "Ja, das hast du. Ich bin enttäuscht von dir. Ich hatte etwas Besseres von dir erwartet. Ich dachte, ich könnte dir vertrauen", die Worte, die sich wie ein Dolch in unser Herz bohren. Dieses Thema kommt immer wieder zurück und holt uns ein. Wir laufen jahrelang auf Eierschalen und achten sehr darauf, die Leute nicht zu verärgern. Wir schleichen auf Zehenspitzen über all diese Eierschalen, und dann hören wir plötzlich ein Knacken. Oh Schreck! Bei all unseren Bemühungen, zu gefallen, ging es darum, Missbilligung und Enttäuschung zu vermeiden. Wir haben uns verrenkt, um zu gefallen. Aber es hat nicht funktioniert. Wir können zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahre lang gefällig sein, ohne zu einer lebendigen Erfahrung dessen zu kommen, was wahre Integrität und Verbundenheit wirklich ist.

Warum sollten wir Menschen gefallen wollen, wenn wir nicht Angst hätten, unsere Beziehungen, unsere Eltern oder Kinder oder unseren Arbeitsplatz zu verlieren? Warum sollten wir Menschen überhaupt gefallen wollen? Ohne Angst würden wir einfach sagen, wie es ist; wir würden aus unserem Herzen sprechen. Das ist der Ausgangspunkt, um unseren Geist zu befreien und in einen Zustand des beständigen Friedens zu gelangen.

Achtung Ego-Falle

Durch viel “Selbsterfahrung” und Beschäftigung mit diversen New-Age-Konzepten von “Spiritualität” hat das Ego auch gelernt, seine Angriffsgedanken als Sprache des Herzens zu tarnen. Jedes Mal, wenn wir versuchen, einen Angriff einfach nur als authentisches Gefühl zu verkaufen, sind wir wieder einmal dem Ego auf den Leim gegangen. Authentisch über unsere Gefühle zu sprechen bedeutet, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen und niemandem - auch nur indirekt - die Schuld dafür zu geben.

Das Ego ist raffiniert und passt seine Strategien immer wieder neuen Situationen an. So versucht das Ego auch, uns zu lehren, Nein zu sagen, wenn etwas nicht unseren egoischen Bedürfnissen entspricht. Deshalb versucht das Ego uns davon zu überzeugen, dass wir lernen müssen, Nein zu sagen. Aber auf dem Weg zur spirituellen Befreiung geht es darum, zu lernen, nur SEINER Führung zu folgen - egal, ob das im Moment ein Ja oder ein Nein erfordert. Das Ego versteht unter dem Ende der Gefallsucht die Selbsterhöhung und damit ein Nein zu unserem Bruder. In SEINEM Sinne bedeutet das Ende der Gefallsucht, dass wir unseren Bruder lieben wie uns selbst. Deshalb lehrt uns Jesus im Kurs auch, dass es Ausdruck wahrer Wehrlosigkeit ist, zu den Wünschen unserer Brüder Ja zu sagen, wenn es sich um Belanglosigkeiten handelt, um den Belanglosigkeiten durch unser Nein nicht erst recht Bedeutung zu verleihen.

„Erkenne, was nicht von Belang ist, und wenn deine Brüder dich um etwas »Ungeheuerliches« [Anm.: etwas, das wir persönlich als Zumutung empfinden] bitten, so tu es, weil es nicht von Belang ist. Lehne es ab, und deine Ablehnung beweist, dass es für dich von Belang ist. Nur du bist es demnach, der die Bitte ungeheuerlich gemacht hat - und jede Bitte eines Bruders ist für dich. Warum möchtest du darauf beharren, sie ihm zu verweigern? Denn das heißt, dich selbst zu verleugnen und euch beide arm zu machen. Er bittet um Erlösung, ebenso wie du. Armut ist vom Ego und niemals von GOTT. Keine »ungeheuerlichen« Bitten können an den gerichtet werden, der begreift, was wertvoll ist, und der nichts anderes akzeptieren will.“
(EKIW: Kapitel 12, III. 4.)

“Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!”
(Bibel, Bergpredigt, Matthäus 5,40&41)

Wenn wir auf die Bitte eines Bruders unter SEINER Führung Nein sagen, dann niemals, um unser persönliches Selbst zu schützen oder unsere persönlichen Interessen durchzusetzen, sondern einzig und allein, weil es in SEINEM Interesse ist. Und so wird unser Nein nie ein Nein zu unserem Bruder sein, sondern nur zu seiner egoischen Bitte, und ist damit zugleich ein wortloses JA zu unserer beider Wirklichkeit. Es ist ein Ausdruck der LIEBE zu uns und unserem Bruder. Das unterscheidet es von einem egoischen Nein, das sich gegen unseren Bruder richtet. Ein in LIEBE ausgesprochenes Nein, also ein Nein, das vom Herzen kommt, ist immer ein JA zu GOTT und damit ein JA zur EINHEIT.

Es ist wichtig, uns unserer Wahrnehmungen und Gefühle bewusst zu sein, denn sie sind der Zugang zu dem, was darunter liegt. Denn wenn wir unsere authentischen Gefühle vergraben, wie wollen wir dann mit den Gedanken und Überzeugungen, die ihnen zugrunde liegen, in Kontakt kommen?

Gefallsucht ist die Ersatz-"Liebe", die das Ego anstelle der wahren Liebe gemacht hat. Es hat alles damit zu tun, dass wir versuchen, in unserer Komfortzone zu bleiben und uns gegen tiefere Veränderungen wehren. Es ist also eine heimtückische Verteidigung gegen unser wahres SELBST. Sie entspringt dem Wunsch, gemocht zu werden. Dazu gehört oft auch, dass wir dem Druck unserer sozialen Gruppe - oder der Sucht nach Anerkennung in unserer spirituellen Gemeinschaft - nachgeben. Co-Abhängigkeit ist weit verbreitet. Gefallsucht entsteht durch einen falschen Vertrag im Kopf, der geschlossen wird, um das eigene Selbstkonzept und die vertrauten Rollen aufrechtzuerhalten. Es ist ein Weg, uns selbst abzulenken, indem wir versuchen, Liebe und Anerkennung von anderen zu finden, anstatt von innen. Aber das ist nur eine Selbsttäuschung.

Schauen wir uns an, was die Gefallsucht in unserem Geist verdeckt. Es ist eine subtile Version der schon beschriebenen Analogie des tödlichen Giftes, bei der das Ego die Schuld einfach verdünnt, so dass wir ihre Anwesenheit nicht bemerken. Tatsächlich ist die Schuld so verdünnt, dass es tatsächlich eine gute Sache zu sein scheint, anderen gefallen zu wollen. Wir Menschen arbeiten ein Leben lang daran; wir versuchen, wirklich gut darin zu werden, anderen zu gefallen, ohne zu erkennen, dass es sich nur um Schuldgefühle handelt, die verkleidet werden, um gut dazustehen. Wenn wir aus einem Selbstkonzept heraus leben - und sei es ein “spirituelles” -, tragen wir eine Maske und spielen Rollen. Damit schränken wir unseren eigenen Geist ein.

Wenn wir unser Leben nur an der Oberfläche führen, ohne zu ergründen, was darunter liegt, werden wir nie wirklich zur wahren Heilung kommen. Die Gefallsucht unterdrückt Groll, Frustration und andere Emotionen, während wir tun, was wir glauben, dass es erwartet wird. Gefallsucht entspringt also dem Wunsch, uns als Opfer wahrzunehmen. Es ist unmöglich, ein Opfer zu bleiben und keine Angriffsgedanken gegen den vermeintlichen Täter und damit gegen uns selbst zu haben.

Der erfrischende Mut der Ehrlichkeit

Wir können uns jetzt selbst herausfordern, indem wir unseren Geist trainieren und ihn beobachten. Wir können sehr, sehr ehrlich mit unseren Beweggründen werden. Wenn wir in unseren Geist schauen, können wir erkennen, warum wir auf bestimmte Weise argumentieren, wie oft wir Menschen gefallen wollen, und wir können aufhören, Dinge aus vermeintlichen Erwartungen heraus zu tun. Wir werden anfangen zu erkennen, wann und vielleicht sogar warum wir glauben, dass wir durch das Ausleben der Opferrolle einen Gewinn erzielen. Weigern wir uns, ein Opfer von irgendetwas in dieser Welt zu sein, und lassen wir all jene los, denen wir eine Opferrolle zuweisen. Dies ist der Hauptschalter für das Licht, das alle Dunkelheit im Geist vertreibt und uns daran erinnert, wer wir wirklich sind.

Wir müssen uns nicht hinter einer Maske verstecken und vorgeben, glücklich zu sein, wenn wir wütend sind. Wenn wir erkennen, dass wir in Wirklichkeit kein Opfer sind, können wir beginnen, die Bereitschaft zu kultivieren, die menschen-gefallen-wollende Maske zu entlarven, denn sie verdeckt den gegenwärtigen Moment im Bewusstsein. In diesem Prozess müssen wir geradeheraus und ehrlich sein und uns darin üben, unsere Worte von IHM leiten zu lassen, wenn wir mit jemandem sprechen. Das macht uns frei.

Die meisten Interaktionen im täglichen Leben sind davon geprägt, anderen Menschen gefallen zu wollen. Aufgrund des Einflusses auf unsere Persönlichkeit sind wir so sehr darauf fixiert, es allen recht zu machen, dass wir in der Regel ein paar Anstöße brauchen, bevor wir erkennen, wie allgegenwärtig das Problem ist. Ein Beispiel dafür ist, dass wir die Erfahrung machen, dass wir abgewiesen oder zurückgewiesen werden, wenn wir unser Wissen und unseren Rat anbieten. Das liegt daran, dass wir es wahrscheinlich dort tun, wo wir nicht danach gefragt werden oder ihn niemand will. Wir können auf Reaktionen stoßen, die sich sehr unangenehm anfühlen, weil die Leute nicht mehr auf die Spielchen eingehen, die uns gefallen. Stattdessen werden die Menschen anfangen, unseren Wunsch nach Heilung zu reflektieren! Oder umgekehrt: Menschen, die von uns erwarten, die gleichen Spiele zu spielen, werden reagieren, wenn wir diese gewohnte Art der Interaktion einstellen. Dies sind nur Ereignisse, die wir beobachten können, aber an denen wir uns nicht aufhängen sollten. Das Bedürfnis, gemocht zu werden, stammt vom Ego. Die vom HEILIGEN GEIST inspirierte Freundlichkeit verlangt nicht die Zustimmung anderer, sondern ermutigt uns, unserem Herzen zu folgen.

Das Ego sagt, dass wir nicht einfach in Glück und Frieden aufwachen können, weil es andere Menschen gibt, mit denen wir zu tun haben und für die wir verantwortlich sind. Die Angst, jemanden im Stich zu lassen, ist mit dem Glauben verbunden, dass wir jemand in der Welt und Teil des Traums von jemand anderem sind. Die Wahrheit ist, dass wir der Träumer des Traums in seiner Gesamtheit sind.

Auf dem Weg zu echter Empathie

Durch Konditionierung wird es als normal angesehen und sogar erwartet, dass wir uns in jemanden einfühlen, wenn ihm etwas Schlimmes passiert oder er krank ist. Wenn wir die Maske eines freundlichen Menschen tragen, werden wir Sätze sagen wie: "Oh, das ist ja schrecklich! Du armer Mensch! Oh, ich kann nicht glauben, dass dir das passiert ist! Ist es nicht eine Schande? Ist es nicht zu schade?" Es ist Mitleid mit etwas, das nur ein Wahrnehmungsfehler ist. Auf diese Weise "freundlich" zu sein, ist also eigentlich ein Versuch, den Irrtum wahr zu machen, uns dem Irrtum anzuschließen. Der Versuch, andere zu verstehen und sie wissen zu lassen, wie leid sie einem tun, ist ganz offen gesagt eine andere Art zu sagen: "Mir geht es besser als dir." Das ist keine echte Empathie, sondern eine falsche Art, sich einzubringen.

Probleme können nie wirklich verstanden werden. Sie müssen einfach als das gesehen werden, was sie sind - ein Denkfehler, ein Wahrnehmungsfehler, der aus falschen Überzeugungen oder Schuldgefühlen resultiert. Wahres Einfühlungsvermögen bedeutet, dass wir uns mit der Wahrheit in unserem Denken und im anderen in Einklang bringen. Es bringt unsere Wahrnehmung mit der Interpretation des HEILIGEN GEISTES in Einklang. Wir beginnen, die Dinge aus der Perspektive des HEILIGEN GEISTES zu sehen.

Wahres Einfühlungsvermögen zu praktizieren kann eine Herausforderung sein, denn es gibt so viele Versuchungen. Wenn wir jemanden korrigieren oder verändern wollen oder wenn wir wollen, dass eine Situation auf eine bestimmte Art und Weise abläuft, können wir sicher sein, dass wir in die Falle der falschen Empathie und der Gefallsucht getappt sind. Wenn wir das tun, hoffen wir eigentlich, einen äußeren Umstand zu ändern, um einen inneren Konflikt in unserem eigenen Geist zu lösen.

Es spielt keine Rolle, ob wir mit unserer Mutter, unserer Frau oder unserem Mann, unserem Kind, unserem Nachbarn oder jemandem, den wir auf der Straße oder in einem Restaurant getroffen haben, sprechen. Üben wir uns darin, uns auf die Kraft der Liebe und der Wahrheit in uns auszurichten, und erlauben wir uns, von diesem Punkt aus mit dem Anderen in Beziehung zu treten. Aus dieser Perspektive werden wir die Liebe und Wahrheit im Anderen erkennen, was für ihn normalerweise sehr bestärkend ist. Er wird sich bei uns sicher fühlen.

Auf diese Weise bauen wir wahre und tiefe Beziehungen auf. Wir werden erleben, dass wir durch das Üben von echter Empathie echte Freunde finden, die bereit sind, sich mit ihrem eigenen Geist auseinanderzusetzen und sich auf eine Heilungsreise einzulassen. Wir werden eventuell auch erleben, dass sich manchmal Freunde, die nur unsere falsche Empathie wollten, von uns entfernen werden.

Geben wir von Herzen

Das Gegenteil von Gefallsucht ist wahres Geben. Der Unterschied liegt in unserem Motiv. Wahres Geben wird durch Freude, ein Übermaß an Inspiration und dem Wunsch nach Ausdehnung motiviert. Wir alle wissen, wie es in Beziehungen mit gegenseitiger Abhängigkeit zugeht, wo wir auf einem schmalen Grat wandeln und versuchen, das Gleichgewicht von Geben und Nehmen zu halten. Wir müssen diese Vorstellung von Gegenseitigkeit loslassen, indem wir die Liebe, die in unserem Herzen ist, wirklich geben, ohne Erwartung und ohne Ausnahme.

Um dies zu tun, müssen wir die Angst loslassen, dass wir etwas verlieren könnten. Lassen wir den Glauben los, dass wir besondere Bindungen zu bestimmten Menschen oder Gruppen brauchen. Wenn wir mit unserer wahrhaft inspirierten Bestimmung in Berührung kommen, fallen vielleicht Dinge weg, aber das macht nichts, denn wir werden spüren, dass wir über uns hinausgewachsen sind. Wir müssen nicht versuchen, irgendetwas zu verändern oder Kompromisse einzugehen. Folgen wir unserer Leidenschaft und unserer Berufung - dem starken Gefühl, was wir zu geben haben und wie wir es ausdehnen können. Das lenkt den Geist von vergangenen Mustern und Assoziationen ab. Das ist sehr befreiend.

Die Geschichte von Jesus zeigt uns, wie man das macht. Jesus hatte eine Haltung der Liebe und des Respekts, ohne den Menschen gefallen zu wollen. Er hatte nur echtes Einfühlungsvermögen und echtes Mitgefühl. Es berührt mich zutiefst, wie er die samaritanische Frau am Brunnen und die Prostituierte behandelte, die sie gefangen hatten und steinigen wollten.

Die meisten Menschen werden im Alltag mit vielen Komplimenten und Kritik konfrontiert. Obwohl Jesus mit den zwölf Aposteln zusammenlebte, sagte er nie: "Hey Jakobus, dein Haarschnitt gefällt mir", oder "Hey Petrus, das ist ein schönes Gewand, das du da trägst. He, Johannes, woher hast du diese Sandalen? Die sehen toll aus!" Wir lachen darüber, denn das sind nicht die Worte von Jesus. Doch in unserem eigenen Leben nehmen wir oft Komplimente und Kritik an. Komplimente werden im Allgemeinen als positiv bewertet, und Kritik ist negativ. Aber Jesus und der HEILIGE GEIST führen weg von beidem, weg vom Urteil, hin zu einem Zustand vollkommener Gleichheit, zu einem Zustand der Gnade.

Wir sehen in der Welt genau das, was wir aus unserem Unterbewusstsein projizieren. Alles, was wir denken, lehrt das ganze Universum, was wir glauben, dass wir sind und was wir glauben, dass es ist. Jeder einzelne Gedanke, jedes einzelne Wort und jede einzelne Handlung ist eine Lehre. Es ist, als ob wir die ganze Zeit an den gesamten Kosmos senden oder live streamen würden. Projektion schafft Wahrnehmung. Die Welt spiegelt unser Bewusstsein wider. Deshalb müssen wir, um unsere Gewohnheit, Menschen gefallen zu wollen, abzubauen, durch eine Reinigung des Bewusstseins gehen, bei der wir erkennen, wie mächtig unser Geist ist.

Jesus hatte diese Läuterung durchlaufen; deshalb ist er ein Beispiel. Er ist eine Demonstration des Höchsten, das wir im Bewusstsein erreichen können. Jesus kämpfte nicht und geriet nicht in alle möglichen Konflikte und Wettbewerbe; er verglich und kontrastierte nicht und kämpfte gegen nichts. Er hatte eine Präsenz, die ausstrahlte, und das ist ein wunderbares Beispiel für unseren natürlichen Geisteszustand - Sanftmut, Güte, Freundlichkeit, Offenheit und Liebe, all die Dinge, die wir von einer lebendigen Demonstration des GEISTES erwarten würden. Diese reine Liebe können wir auch im täglichen Leben, von Augenblick zu Augenblick, demonstrieren.

Indem wir die Rolle des Menschen-gefallen-wollers loslassen, treten wir in unsere Authentizität, unser wahres Wesen. Wir sind integer, weil wir einen Prozess der Unterscheidung durchlaufen haben. Wir werden manchmal Nein sagen. Wenn wir die Abwehrmechanismen des Egos wirklich überwinden wollen, wenn wir nicht mehr versuchen, den Menschen gefallen zu wollen, müssen wir bereit sein, auch zu geliebten Menschen "Nein" zu sagen - und zwar unter der Führung des HEILIGEN GEISTES. Und machen wir uns bereit, Ja zu sagen - unter SEINER FÜHRUNG. Wenn wir Nein sagen, lassen wir es den HEILIGEN GEIST durch uns sagen. Normalerweise kommt dann so etwas heraus wie: "Nein, danke" oder "Nein, aber vielen Dank für die Anfrage". Es ist ein wunderschöner Ausdruck von Liebe, wenn wir Nein sagen können und gleichzeitig Dankbarkeit in unserem Herzen spüren. Wir legen die Stimme des Egos beiseite, die darauf besteht, dass Nein schlecht und Ja gut ist. Niemand kommt zum Seelenfrieden, indem er den Leuten gefällt, indem er zu allem Ja sagt. Jim Carreys Figur in dem Film Yes Man musste das lernen!

Wenn wir uns in einer Situation befinden, in der wir das Gefühl haben, einen Kompromiss eingegangen zu sein, und wir etwas unternehmen müssen, um uns wieder davon zu befreien, tun wir dies erst dann, wenn wir in einem Zustand des Friedens sind. Erst wenn wir dies mit ruhigen Geist und in einer inneren Haltung von Liebe zu uns allen tun, ist es ein Gegenmittel gegen Verleugnung, Verdrängung und Ressentiments.

Vom HEILIGEN GEIST inspirierte Freundlichkeit ist keine Gefallsucht. Hinterfragen wir also unsere Gedanken und unser Verhalten und achten wir auf unsere Beweggründe. Wir werden daran erkennen, wie wir uns fühlen, wenn wir den Menschen gefallen wollen. Schuld ist immer in der Vergangenheit versteckt, und wir können nicht gleichzeitig ego-induzierte Freundlichkeit und Freiheit haben. Der gegenwärtige Moment und die Führung durch den HEILIGEN GEIST geht verloren, wenn wir auf der Grundlage vergangener Konditionierungen mit Menschen interagieren, denen wir gefallen wollen. Wir dürfen nicht glauben, dass wir an der Vergangenheit festhalten und gleichzeitig erwarten können, dass wir uns unendlich und frei fühlen. Lassen wir uns stattdessen vom HEILIGEN GEIST inspirieren, wenn es um echte Freundlichkeit geht. Von diesem Ort aus gibt es keinen Moment des Zweifels, und es gibt keine dieser Aussagen, die sich in der Grauzone befinden. Das Ergebnis des Ablegens der Gefallsucht sind authentische Beziehungen, echte Heilung und Freude!

Wir werden eine ruhige Gewissheit spüren, wenn wir aus unserem Herzen sprechen und sagen, was wir als wirklich hilfreich empfinden. Wenn wir das tun, werden sich vergangene Muster, Gewohnheiten und Schuldgefühle infolge unserer Gefallsucht auflösen, denn sie waren nie wirklich ein Teil unseres wahren Selbst.

Tipps zum Lösen vom Gefallen-Wollen

Hier sind einige Schritte, die uns dabei helfen.
  • Wenn uns eine Frage gestellt wird, halten wir inne, anstatt aus Gewohnheit sofort zu antworten. Wenn wir das Gefühl haben, unter Druck zu stehen, uns zu verteidigen oder uns nicht im Klaren darüber sind, was wir antworten sollen, erlauben wir uns zu sagen: "Ich weiß es im Moment nicht, aber ich werde darauf zurückkommen." Dies gibt uns den Raum, uns über unsere Antwort wirklich klar zu werden und die Ego-Motivation hinter automatischen Antworten zu erkennen. Das Innehalten lässt Raum für die Führung des HEILIGEN GEISTES, die sich uns offenbaren wird.

  • Seien wir andächtig, wenn wir Verpflichtungen eingehen. Wenn wir uns die Zeit nehmen, die Dinge in Ruhe zu überdenken und unsere Beweggründe zu prüfen, bevor wir Ja sagen, kann uns die Führung des HEILIGEN GEISTES deutlicher werden. Wenn wir über eine Entscheidung gebetet haben, bleiben wir dabei und ziehen sie durch.

  • Sprechen wir aus unserem Herzen! Wenn wir unsere Gedanken und Gefühle direkt mitteilen, achten wir darauf, wie die andere Person darauf reagiert. Nehmen wir unsere Ängste und Gedanken wahr und lassen wir sie zu, z. B. die Angst, zurückgewiesen zu werden, die Gefühle anderer zu verletzen oder als unfreundlich wahrgenommen zu werden. Lassen wir diese Gedanken und Überzeugungen aus unserem Geist los und erleben wir die Freiheit, uns wahrheitsgemäß auszudrücken.
Je mehr wir daran arbeiten, Menschen nicht mehr gefallen zu wollen, desto mehr erkennen wir, dass es für uns wertvoll ist, die Wahrheit in uns auszudehnen, und dass wirklich nichts über uns hereinbrechen wird, dass der Himmel nicht einstürzen wird. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Wir haben täglich viele Gelegenheiten, wachsam zu sein, wenn es darum geht, Menschen gefallen zu wollen, oder dem HEILIGEN GEIST zu erlauben, uns zu helfen, unseren Geist und die Welt um uns herum zu lenken. Je mehr wir wahrhaftig kommunizieren, desto mehr ziehen wir wahre Kommunikation an, und das ist es, was uns zu einer Erfahrung führt, die Angst in Freiheit verwandelt.

Das Vergnügen des authentischen Teilens

Anstatt in Angst vor den möglichen Reaktionen anderer zu leben, werden wir authentisch und bleiben mit der Wahrheit im Einklang. Wir dehnen die Liebe und das Glück aus. Wir werden von der Liebe gestärkt. Aus dieser Klarheit heraus kann die Richtung nur die Integrität des Geistes sein, wo alles, was wir uns wünschen, mit GOTT, mit unserer rechten Gesinnung, im Einklang steht.

Es ist herrlich, ein Leben zu führen, indem es nicht darum geht anderen Menschen gefallen zu wollen. Zweifel und Sorgen verschwinden. Wir sind friedlich, wir sind harmonisch, wir sind ruhig. Wir haben die ganze Kraft, die Macht und die Herrlichkeit des Universums in uns. Wir haben das Gefühl, unverwundbar und furchtlos zu sein. Wir zögern nicht. Und wir sind gleichzeitig sanft. Es ist reines Licht!

Spirituelle Gemeinschaften

Der einstige indische Philosophieprofessor und spätere spirituelle Lehrer Osho leistete in den 70er und 80er Jahren einen bedeutenden Beitrag zur zivilisatorischen und geistigen Entwicklung der Menschheit. Es handelt sich dabei um jene philosophische Stufe bei der wir Freiheit von allen konventionellen und traditionellen Hemmnissen erreichen und wagen, ehrlich, loyal, furchtlos und wahrheitsliebend zu denken, zu handeln und zu leben.

Oshos Geist war jedoch auch voller Widersprüche und Irrtümer. Osho nannte einen Menschen dann einen befreiten, einen Erleuchteten, wenn er die grundlegende Dualität der Existenz akzeptiert. Ja, es ist wichtig, die Dualität zu akzeptieren, solange wir uns noch in ihr befinden. Das ist jedoch nicht die Erleuchtung. Der entscheidende Irrtum Oshos bestand darin, dass er, wie einst die Brahmanen im alten Indien, das Selbst über Gott stellte.

Und so scheiterte Oshos Kommune 1985 in Oregon in den USA unter Sheelas Führung auf dramatische Art und Weise (bewaffneter Sicherheitsdienst in Nazi-ähnlichen Uniformen, Stasi-Methoden mit Abhörung der kompletten Kommunikation, auch der von Osho selbst, Vergiftung externer Stadtbewohner). Das hatte zwar alles nichts mehr mit Oshos ursprünglicher Lehre zu tun, verweist aber auf den teilweise falschen Ansatz. Oshos Lehren sind daher nur bedingt hilfreich, aber wir können immer noch viel aus dem Scheitern von Oshos Kommune lernen, insbesondere über das Zusammenleben in spirituellen Gesinnungsgemeinschaften.

Jede spirituelle Gesinnungsgemeinschaft unterliegt großen Versuchungen. Die erste Versuchung besteht darin lediglich die Sehnsucht des Egos nach diversen Wohlfühlmethoden und scheinbar mystischen Extremerfahrungen zu befriedigen. Infolgedessen verlieren sich spirituelle Gemeinschaften sehr leicht in Wohlfühlritualen oder mit Hilfe unterschiedlichster Methoden induzierten außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen und sogenannten mystischen Erfahrungen. Die direkte Verbindung mit dem HEILIGEN GEIST, wie sie in den späteren Lebensjahren des inkarnierten Jesus stattfand, sollte nicht mit diesen so genannten mystischen Erfahrungen verwechselt werden.

Spirituelles Leben ist hingebungsvolles Leben, und hingebungsvolles Leben ist schöpferisches und spontanes Leben. Es ist daher kontraproduktiv, wenn wir versuchen unser Verhalten zu kontrollieren. Vielmehr geht es darum unser Denken zu verändern, ein verändertes Verhalten ist dann die Folge. Neue Bedeutungen entstehen immer nur aus Konflikten, Konflikte jeder Art, nicht nur zwischenmenschlicher Natur; und Konflikte dauern nur angesichts unserer Weigerung an, uns die durch höhere Bedeutungen suggerierten Ideen anzueignen. Wenn wir unseren Geist vom HEILIGEN GEIST berichtigen lassen, indem wir uns unseren Irrtum eingestehen, verschwinden Konflikte wie Schnee in der Frühlingssonne. Spirituelle Gemeinschaften neigen allerdings häufig dazu, Konflikte generell zu vermeiden, um nur ja keine „negativen“ und damit scheinbar „unspirituellen“ Gefühle auszulösen. Der Weg zu einem wachsenden Bewusstsein für unsere Gedanken führt über die Aufmerksamkeit für unsere Gefühle. Unsere Gefühle sind ein Indikator dafür, wohin wir unsere Gedanken haben gehen lassen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, sie nicht zu unterdrücken, egal welcher Art sie sind.

“Es muss vollends verstanden werden, wie das Ego die Projektion anwendet, bevor die unvermeidliche Verbindung von Projektion und Ärger schließlich aufgehoben werden kann. Das Ego versucht immer, den Konflikt zu erhalten. Es ist sehr raffiniert im Ersinnen von Wegen, die den Konflikt zu vermindern scheinen, weil es nicht will, dass du den Konflikt derart unerträglich findest, dass du darauf bestehst, ihn aufzugeben. Das Ego versucht daher, dich davon zu überzeugen, dass es dich vom Konflikt befreien kann, damit du nicht das Ego aufgibst und dich selbst befreist. Indem das Ego seine eigene verzerrte Fassung der Gesetze GOTTES anwendet, benutzt es die Macht des Geistes nur dazu, das wirkliche Ziel des Geistes zu vereiteln. Es projiziert den Konflikt von deinem Geist auf andere im Versuch, dich davon zu überzeugen, dass du das Problem losgeworden bist.”
(EKIW: Kapitel 7, VIII. 2.)

Die zentrale Versuchung spiritueller Gemeinschaften besteht darin, dass Gefallsucht und die Sehnsucht nach Gruppenzugehörigkeit dazu führen, Widersprüche innerhalb der Gemeinschaft nicht mehr anzusprechen und alles Dunkle nach außen zu projizieren, im Sinne von, wir sind die Guten und die anderen da draußen sind die Bösen. Jede spirituelle Gemeinschaft unterliegt der starken Versuchung dem Glauben an die eigene Besonderheit zu verfallen. Genau dies ist in Oshos Kommune passiert.

David Hoffmeister, ein wahrhaftiger Lehrer von Ein Kurs in Wundern, hat für seine Gemeinschaft folgende einfache Regeln aufgestellt, die eine solch ungünstige Entwicklung verhindern: "No private thoughts and no people pleasing."

Was das Scheitern Oshos Kommune sehr deutlich gezeigt hat und darin liegt vielleicht der größte Erkenntnisgewinn, ist, dass grundsätzlich eine spirituelle Gemeinschaft nur dann funktionieren kann, wenn sie nicht persönlichen Vorstellungen folgt, sondern wenn sich alle der Führung durch den HEILIGEN GEIST unterstellen, vereint im einzig wahren Zweck - der Erlösung aus der Illusion der Trennung, im Kurs auch als Vergebung bezeichnet.

Der wahre Zweck einer spirituellen Gemeinschaft besteht darin, über jede Vorstellung von Gemeinschaft im Sinne einer Form und eines Konzepts hinauszugehen, um zur Gemeinschaft mit IHM zu gelangen. Eine spirituelle Gemeinschaft, die in der wahren Absicht vereint ist, ist ein mächtiger Beschleuniger des Erwachensprozesses, weil sie eine Art Spiegelkabinett der eigenen Schatten bildet und somit eine große Hilfe ist, weil jeder gleichzeitig ein Lernender und ein Lehrender ist. Wir brauchen die Unterstützung unserer Brüder und Schwestern, denn niemand geht den Weg zurück in die EINHEIT allein.

Schmetterlinge durchlaufen während ihres Lebens einen Zyklus mit ungewöhnlichem Gestaltwandel: Die flugunfähigen „Raupen” wechseln meistens mehrfach ihre Haut gegen eine größere („Häutung“). Am Ende des Raupenstadiums bilden sie eine festere Hülle, den Kokon. In diesem Kokon verändern sie sich wesentlich: Sie bilden Flügel aus und wandeln sich in die flugfähige Form um, in den sogenannten „Falter“. Was für den Schmetterling der Kokon ist, ist für den spirituell Erwachenden die spirituelle Gemeinschaft, jener wohlwollende, freundliche, liebevolle Raum, in dem er sich mit all seinen Schatten zeigen und entfalten kann. Jede Kursgruppe ist eine spirituelle Gemeinschaft in diesem Sinne.

“Und es ist dies KIND in dir, DAS dein VATER als SEINEN EIGENEN SOHN kennt. Es ist dies KIND, DAS SEINEN VATER kennt. Es verlangt so innig und so unaufhörlich, heimzugehen, dass SEINE Stimme zu dir weint, ES eine Weile ruhen zu lassen. Es bittet nicht um mehr als eine Ruhepause von einigen wenigen Augenblicken nur, um eine Spanne nur, in der ES zurückgehen kann, um erneut die heilige Luft zu atmen, die SEINES VATERS Haus erfüllt. Auch du bist SEIN Zuhause. Es wird wiederkommen. Doch gib IHM nur ein wenig Zeit, ES SELBST zu sein, in dem Frieden, der SEIN Zuhause ist, indem du in Schweigen und in Frieden und in Liebe ruhst.”
(EKIW: Lektion 182, 5.)

Das ist der Grund, warum ein Suchender immer wieder Phasen des Rückzugs und des Alleinseins braucht. Ein Meister (Heiliger, Mystiker, …) braucht diese Phasen nicht mehr. Er ist in Frieden und bringt Frieden mit, wohin auch immer er geht. Sucher sind noch nicht angekommen. Sie sind noch schwach, sie brauchen Schutz. Sie sind sich ihrer Sache noch nicht sicher. Sobald sie stark sind, gibt es kein Problem mehr. Aber anfangs mag es gut sein, in einer harmonischen, natürlichen Umgebung zu leben. Wenn wir aber in uns die Tendenz spüren, uns für immer in eine geschützte Umgebung zurückzuziehen, dann sind wir erst recht dem Ego verfallen, das Rückzug benutzt, um sich vor Veränderung zu schützen. Andererseits dürfen wir nicht glauben, dass wir, nur weil wir mitten im Lärm einer Großstadt wohnen, schon ein Mystiker sind oder dass unser Wachstum abgeschlossen ist und wir zu einem Meister, einem Vollendeten geworden sind. Wenn wir wachsen wollen, werden wir uns manchmal für eine begrenzte Zeit zurückziehen müssen - fern der Masse, fern den weltlichen Sorgen, den weltlichen Beziehungen, den weltlichen Dingen -, an einen Platz, wo wir ungestört sein können. Sobald wir die innere Kraft haben, sobald wir uns kristallisiert haben und wissen, dass jetzt niemand mehr unser inneres Zentrum erschüttern wird, können wir hingehen, wo wir wollen. Dann begleitet uns eine Aura der Stille überallhin - denn wir selbst erzeugen sie uns. Niemand kann diese Stille durchbrechen, kein Lärm kann uns abbringen.

Ein erleuchteter Geist, der sich noch seines Körpers bewusst ist, wird immer als Lehrer in einer spirituellen Gemeinschaft leben, denn, seinen Brüdern als Lehrer zu dienen, ist der einzige Grund, den Körper nicht augenblicklich abzulegen. Wenn sich ein wahrer Meister mit seiner Gemeinschaft an einem abgelegenen Ort niederlässt, dann nicht weil er die Stille der Natur bräuchte, sondern wegen seiner Schüler. Der Meister hat die wahre Stille - jenseits von Zeit und Raum - längst gefunden.

Kommunikation

“Das Einzige, was das Ego wahrnimmt, ist ein separates Ganzes, ohne die Beziehungen, die das Sein ausmachen. Somit ist das Ego gegen die Kommunikation - außer dann, wenn diese dazu verwendet wird, Getrenntheit herzustellen, anstatt sie abzuschaffen.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 2. 1.-2.)

Das Ego nutzt Kommunikation in erster Linie, um eine persönliche Sichtweise zu verteidigen und will vor allem Recht haben. Da wir uns in der Identifikation mit dem Denksystem des Egos mit unseren Ansichten identifizieren, verteidigen wir sie und bestätigen damit immer wieder die Trennung von unserem Bruder. Oft hören wir uns gerne reden, aber selten sind wir bereit, wirklich zuzuhören. Wir nutzen die Zeit, in der der andere spricht, häufig nur, um unsere nächsten Worte vorzubereiten. Wenn wir die Worte des anderen überhaupt zur Kenntnis nehmen, dann meist nur, um sie zu beurteilen.

Besonders deutlich zeigt sich unsere Unfähigkeit zuzuhören in der Meditation. Das Geplapper unserer privaten Gedanken ist so laut, dass wir die Stimme für GOTT kaum hören können. Doch nur in der Stille empfangen wir GOTTES Wort. Das bedeutet, dass wir auch beim Reden einen Geisteszustand innerer Stille brauchen, um auf den HEILIGEN GEIST hören zu können. So lautet der Titel eines Buches von Eckhart Tolle ”Stille spricht”. Das Ziel der vom HEILIGEN GEIST inspirierten Kommunikation ist es, über die zwischenmenschliche Kommunikation hinauszugehen und in die Gemeinschaft mit dem EINEN zu gelangen.

Wenn wir lernen, im Augenblick zu leben, und uns davon verabschieden, anderen Menschen gefallen zu wollen, wird das einen großen Einfluss auf die Qualität unserer Kommunikation haben. Wenn es unser Ziel ist, uns mit dem HEILIGEN GEIST auszurichten, werden wir feststellen, dass viele unserer Erfahrungen und Aktivitäten neu geordnet, erneuert und erfrischt werden. Wir werden feststellen, dass Heilung und Kommunikation in direktem Zusammenhang stehen.

Achtung Ego-Falle

Wenn wir uns schon länger mit Selbsterfahrung, Psychologie oder spirituellen Konzepten beschäftigen, kann sich leicht die Vorstellung entwickeln, wir müssten alle unsere Gedanken aussprechen – insbesondere die negativen. Auch manche Aussagen aus dem Kurs über private Gedanken werden gelegentlich in diese Richtung interpretiert.

Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen: Was ist eigentlich unsere Motivation?

Denn es gibt in diesem Zusammenhang eine heilsame Vorgehensweise – und eine, die vom Ego kommt. Der Unterschied ist subtil. Äußerlich kann beides ziemlich ähnlich aussehen.

Ein Teil unseres gemeinsamen Lernens besteht darin, die Versuchungen, Ängste und Irrtümer in unserem Bewusstsein anzuschauen und darüber zu sprechen. Wir können und sollen den Wahnsinn des Ego-Denksystems erkennen: in unseren Gedanken, unseren Reaktionen, unseren Beziehungen und in all den Geschichten, die wir über uns und andere erzählen.

Das ist in einer Kursgruppe oder im Gespräch mit einem spirituellen Lehrer sehr hilfreich. Wir holen das, was bisher im Verborgenen wirkte, ans Licht. Wir schauen es uns gemeinsam an, ohne es zu verurteilen.

Das Ziel dabei ist immer Vergebung.

Wenn wir dagegen im Alltag einem Mitmenschen gegenüber ein Urteil in unserem Geist entdecken, besteht die Aufgabe nicht darin, ihm dieses Urteil möglichst ungefiltert mitzuteilen. Wir müssen ihm nicht erzählen, was wir gerade alles über ihn denken. Es geht stattdessen darum, das Urteil zu erkennen und dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung zu übergeben. Das ist Vergebung.

Und jetzt wird es wirklich tricky.

Was, wenn die Vergebung tatsächlich geschehen ist?

Dann gibt es keinen Grund mehr, darüber zu sprechen.

Warum auch?

Das Urteil wurde als Illusion erkannt und dem HEILIGEN GEIST übergeben. Es hat seine Bedeutung verloren. Warum sollten wir es anschließend wieder aus der Schublade holen und unserem Gegenüber präsentieren?

Genau hier kann das Ego eine besonders raffinierte Falle aufstellen.

Es sagt: „Du musst ehrlich sein. Du musst alles aussprechen. Du darfst nichts in dir zurückhalten.“

Das klingt zunächst ausgesprochen spirituell. Aber wir sollten uns fragen: Wer will das eigentlich?

Das Ego will keine Befreiung, keine Erlösung von unseren Urteilen. Das Ego will, dass der andere endlich erfährt, was wir über ihn denken. Es möchte, dass unsere Urteile beim anderen ankommen – und dass dieser sich zumindest ein kleines bisschen schuldig fühlt.

Dann wird aus vermeintlicher Ehrlichkeit ein Angriff.

Das Ego möchte seine Gedanken nach außen tragen, weil es die Trennung bestätigen will: Hier bin ich – und dort bist du. Ich habe ein Urteil über dich, und jetzt sollst du es gefälligst auch bekommen.

Vergebung funktioniert genau andersherum. Sie verlangt nicht, dass wir jeden Gedanken aussprechen. Sie verlangt, dass wir erkennen, welchem Denksystem dieser Gedanke entspringt.

Und wenn wir ihn wirklich vergeben haben, müssen wir ihn nicht mehr festhalten. Daher müssen wir ihn auch nicht noch einmal aussprechen, scheinbar nur damit der andere weiß, was wir gerade vergeben haben.

Nur das Ego will Angriff, weil Schuldlosigkeit für das Ego eine Gotteslästerung ist. Denn wenn der andere wirklich unschuldig ist, gibt es niemanden mehr, den wir angreifen können. Das ist das Ende des Egos.

Wenn wir an Kommunikation denken, sehen wir sie gewöhnlich zwischen zwei Menschen, zwischen zwei Körpern. Eine Form der Kommunikation ist es, jemanden zu berühren, zu umarmen oder zu streicheln. Eine andere Form der Kommunikation ist das Zusammensitzen bei einer Tasse Tee oder Kaffee und ein sehr intimes Gespräch über unsere tiefsten Gedanken und Gefühle. Aber auch wenn die andere Person nicht bei uns ist, können wir kommunizieren. Unsere Gedanken sind mächtig, und jedes Mal, wenn wir an eine andere Person denken, kommunizieren wir. Es ist wie ein Gebet. Das gilt auch für Menschen, die nicht mehr da sind. Und wenn wir jemandem gegenüber Angriffsgedanken haben, werden wir diese Person als die Gedanken sehen, die wir über sie haben. Es mag sich wie ein sehr fremder Gedanke anfühlen, aber alle unsere Beziehungen und unsere Kommunikation finden in unserem eigenen Denken statt. Deshalb müssen wir sehr darauf achten, was wir denken, und uns bewusst sein, welche Art von Beziehung wir zu unseren Gedanken haben.

Der Weg zu einem wachsenden Bewusstsein für unsere Gedanken führt über die Aufmerksamkeit für unsere Gefühle. Unsere Gefühle sind nicht nur der Indikator dafür, wohin wir unsere Gedanken haben gehen lassen, sondern auch unsere äußeren Beziehungen werden immer widerspiegeln, was in unserem Denken vor sich geht. Das liegt daran, dass unser mächtiger Geist die ganze Zeit kommuniziert.

“Der Geist ist sehr machtvoll und büßt seine schöpferische Kraft nie ein. Er schläft nie. Jeden Augenblick erschafft er. Es ist schwer zu begreifen, dass Gedanke und Glaube sich miteinander zu einer Kraftwoge verbinden, die buchstäblich Berge versetzen kann.”
(EKIW: Kapitel 2, VI. 9. 5.-8.)

Wir müssen Erfahrungen machen, die uns zeigen, dass wir mehr sind als ein Körper und dass wir über den Körper hinaus kommunizieren können. Auf welche Weise auch immer, wir müssen die Erfahrung machen, dass wir mehr sind als ein Körper. Es gibt viele Untersuchungen über Nahtoderfahrungen und außerkörperliche Erfahrungen und viele, viele Berichte über Menschen, die im Koma liegen und bewusstlos sind. Wenn die Kommunikation auf dem Körper und bestimmten Hirnaktivitäten beruht, würde ein Koma wie ein definitiver Bruch in der Kommunikation erscheinen. Doch immer wieder hören wir Geschichten von Patienten, die aus dem Koma erwachen und von Dingen berichten, die sie während ihres Komas gehört haben. Dies zeigt deutlich, dass die Kommunikation nicht auf den Körper beschränkt ist. Das zeigt, dass wir anfangen können, uns von der Vorstellung zu lösen, dass wir machtlos sind und mit unserer Kommunikation über vorgefasste Grenzen hinausgehen können. Manchmal können wir sogar telepathische Erfahrungen machen. Es funktioniert eher wie ein Gebet: Wir senden mit unseren Gedanken eine Schwingung aus, und das Universum antwortet auf diese Schwingung, und das wird direkt in der Welt um uns herum reflektiert. Das ist es, was die Aussage bedeutet, dass wir die ganze Zeit kommunizieren.

Je mehr wir eine offene und transparente Kommunikation zulassen, desto mehr spüren wir unsere Weite. Deshalb ist dies ein sehr hilfreiches Gebet an den HEILIGEN GEIST: "Bitte zeige mir, wie ich meinen Körper und meine Kommunikation am besten einsetzen kann, um meine Wahrnehmung zu erweitern." Diese erweiterte Wahrnehmung gibt uns das Gefühl einer viel stärkeren Verbindung zu allen und allem.

Kommunion mit dem HEILIGEN GEIST in der Kommunikation

Der HEILIGE GEIST benutzt den Körper nur zu einem einzigen Zweck, und zwar als Kommunikationsmittel, um dem Geist zu helfen, das Bewusstsein wiederzuerlangen, dass die wahre Kommunikation durch den GEIST erfolgt und dass die wahre Kommunikation mit dem SCHÖPFER stattfindet. Da der Geist eingeschlafen ist und an Trennung und Körper glaubt, muss der HEILIGE GEIST das benutzen, woran der getrennte Geist glaubt. Wenn wir zum Beispiel durch unseren Tag gehen und Worte benutzen, wenn wir sprechen und vielleicht schreiben, dann wird der HEILIGE GEIST uns durch Worte leiten, um den Geist zu trainieren, damit er in die wahre Gemeinschaft zurückkehrt. Das Ziel der vom HEILIGEN GEIST inspirierten Kommunikation ist es, über die zwischenmenschliche Kommunikation hinauszugehen und in die Gemeinschaft mit dem EINEN zu gelangen.

“Er [der reine Geist] steht in vollständiger und direkter Kommunikation mit jedem Aspekt der Schöpfung, weil er in vollständiger und direkter Kommunikation mit seinem SCHÖPFER steht. Diese Kommunikation ist der WILLE GOTTES. Schöpfung und Kommunikation sind synonym.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 3. 4.-6.)

Je mehr wir dies praktizieren, desto mehr lassen wir den HEILIGEN GEIST durch uns hindurch strömen und sich durch uns ausdrücken. Wir halten uns nicht mehr zurück. Wir beginnen, die Erfahrung eines inneren Dialogs zu machen, als ob wir uns selbst unterrichten, als ob es im Universum niemanden außer uns gibt. Es gibt nur einen Geist, aber dieser eine Geist ist vergessen worden und scheint in Milliarden von Teilen zersplittert zu sein, die nur das kleine persönliche Selbst kennen.

Bei allem, was wir tun, sollten wir uns darin üben, den Körper und das persönliche Selbst als Mittel, aber niemals als "Endziel" zu betrachten. Wenn der Körper und die Person im Mittelpunkt stehen und ihnen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, werden sie eher zum Zweck als zum Mittel. Lassen wir unseren Geist das Ziel sein, unseren göttlichen Geist, den Geist, der wir wirklich sind, den Geist, der mit GOTT denkt. Der ganze Sinn des Lebens besteht darin, eine verbundene Erfahrung zu machen. Lassen wir unsere Intuition das Kommando übernehmen. Das Ego hat eine ganze Weile lang die Fäden in der Hand gehabt, ohne zu dem zu gelangen, was wir wirklich, wirklich wollen. Es hat sich bemüht - ein weiteres Ziel, die Verbesserung des Körpers, eine weitere Beziehung - zu suchen und nicht zu finden. Jetzt können wir anfangen, unserem Geist zu erlauben, das Ziel zu sein und dem Körper das Mittel für dieses Ziel zu sein - in all unseren Beziehungen und Situationen im Leben. Wir können anfangen zu erkennen, dass unser Körper nur einen Zweck hat: ein Kommunikationsmittel zu sein, das der HEILIGE GEIST benutzen kann, um unsere Wahrnehmung zu erweitern. Die Heilung unseres Geistes verdient unsere volle Aufmerksamkeit. Wenn wir den Körper unser Kommunikationsmittel sein lassen und wenn wir keine Kommunikation zurückhalten, fließt alles in eine Erfahrung ein.

Wenn wir dem HEILIGEN GEIST vertrauen und ihm folgen, wird uns ein Sinn für Intimität und Verbindung gezeigt, der nicht davon abhängt, dass die Körper zusammen sind. Warum fühlt es sich aber manchmal so schrecklich an, wenn die Körper sich trennen? Trennungsangst entsteht, wenn man glaubt, dass die Kommunikation unterbrochen werden kann. Wenn man sich in einem Körper an einem bestimmten Ort im Raum befindet, kann man sich sehr, sehr allein fühlen.

Übung: In Kommunikation verbunden fühlen

Am Anfang unseres Heilungsweges ist es hilfreich, uns immer wieder bewusst mit unserer Kommunikation in konkreten Situationen auseinanderzusetzen. Wir erinnern uns an unser Heilungsziel und laden den HEILIGEN GEIST ein, uns während dieses Prozesses zu begleiten. In dieser Vorbereitung auf eine konkrete Begegnung werden wir uns mit der Angst vor Kommunikation befassen.

Wir wählen eine aktuelle Beziehung, in der wir uns mit der Kommunikation zurückhalten. Wir ermitteln, auf welche Weise wir uns zurückhalten und machen Situationen aus, in denen wir die Möglichkeit haben, uns zu äußern, etwas mitzuteilen oder eine Verbindung herzustellen, und trotzdem das Gefühl haben, dass wir uns zurückhalten.

Dann stellen wir uns ehrlich die Frage, ob wir nun bereit sind, uns mitzuteilen, wie wir uns wirklich fühlen, um eine echte Verbindung zu erfahren? Welche unmittelbare Reaktion löst diese Frage in uns aus? Wenn wir einen Widerstand oder ein Zögern bemerken, seien wir ehrlich. Beobachten wir unsere Gedanken, Gefühle und Überzeugungen über uns selbst und den anderen. Lassen wir bei unserer Erkundung nichts aus.

Dann überlegen wir uns all die Dinge, die wir zu der betreffenden Person sagen würden. Dabei schließen wir nichts aus, weil wir beispielsweise glauben, nett sein oder eine bestimmte Maske aufrechterhalten zu müssen.

Jetzt müssen wir uns ehrlich fragen, ob wir Erwartungen an die Reaktion der anderen Person haben? Welche Reaktionen befürchten wir? Welche Antworten erhoffen wir uns?

Im nächsten Schritt geht es darum, Erwartungen loszulassen und uns für eine neue Perspektive zu öffnen, in dem Wissen, dass das Loslassen unserer Erwartungen der Weg zum Frieden ist. Öffnen wir unseren Geist für das Licht hinter unserer Wahrnehmung der anderen Person und erinnern wir uns an unsere Heilungsabsicht. Bitten wir den HEILIGEN GEIST um Führung in Bezug auf das, was wir tun oder sagen sollen, und geben wir diese Beziehung schließlich in SEINE Hände.

Freies Teilen ist liebevoll

Wenn wir es zu unserer Priorität machen, der Inspiration des HEILIGEN GEISTES in unserem Herzen zu folgen und in einer offenen Kommunikation mit anderen und mit GOTT zu bleiben, werden Zweifel und Angst verschwinden und nicht mehr von anderen Menschen reflektiert werden. Wenn wir integer sind - wenn das, was wir denken, sagen und tun, im Einklang ist - dann haben wir Frieden.

GOTT hat uns in Wahrheit als Liebe erschaffen; daher ist dies das Einzige, was wir wirklich teilen können. Worte der Weisheit strömen durch uns, wenn wir in Gemeinschaft mit unserem Schöpfer sind, sei es mit anderen Menschen, durch das Internet oder durch irgendetwas, das uns segnet.

Zusammenarbeit

“Die Erlösung ist ein Unterfangen, das auf Zusammenarbeit beruht.”
(EKIW: Kapitel 4, VI. 8. 2.)

Im Geiste der Unterstützung und Zusammenarbeit zusammenzukommen, ist ein Geschenk für Herz und Verstand. Jesus sagt in Ein Kurs in Wundern, dass das Erwachen ein gemeinschaftliches Unterfangen ist. Wenn wir zusammenkommen und in zielgerichteter Zusammenarbeit verbunden bleiben, vertieft sich unsere Beziehung mit dem Geist. Wir agieren als mächtige Gefährten füreinander in diesem großen Abenteuer der Öffnung für die Wahrheit dessen, was wir sind.

Zielgerichtet bedeutet in diesem Zusammenhang, dass wir uns gemeinsam für den einzig wahren Zweck - die Erlösung - einsetzen. Wenn wir in diesem Sinne gemeinsam an einem Projekt arbeiten, steht also immer die Erlösung an erster Stelle, nicht das Projekt selbst. Wenn das Projekt zum Beispiel darin besteht, gemeinsam ein Haus zu bauen, geht es um alle Möglichkeiten der Vergebung, die sich im Laufe dieses Projekts ergeben, und nicht in erster Linie um den Bau eines Hauses. Selbst wenn das Projekt auf der Ebene der Form scheitert, d.h. der Hausbau nicht gelingt, ist das kein Problem, wenn dabei Befreiung geschehen ist. Gerade für viele erfolgsverwöhnte Menschen kann ein Scheitern auf der Ebene der Form eine wunderbare Gelegenheit zur Berichtigung des Geistes sein. Doch ist es meistens so, dass Projekte, die vor dem Hintergrund des einzig wahren Zwecks begonnen werden, so ganz nebenbei, auch auf der Ebene der Form wunderbare Ergebnisse liefern.

Eine auf Erlösung ausgerichtete Zusammenarbeit unterscheidet sich in jeder Hinsicht von besonderen Beziehungen, da sie im Kern das Versprechen einer gelebten Beziehungserfahrung ohne Erwartungen in sich trägt. Sie ist geprägt von tiefem Respekt und einem Verständnis, das über die üblichen Rollen, die wir spielen, hinausgeht. Sie will nichts von der anderen Person, aber jede Person in einer heiligen gemeinschaftlichen Beziehung teilt etwas, das zutiefst nährend ist und jede Person mit einem Gefühl der Fülle und Dankbarkeit zurücklässt. Dies sind die Beziehungen, die eine Erfahrung der Verbindung mit etwas viel Größerem bieten.

Gemeinsame Aufgaben für eine tiefere Ausrichtung auf den HEILIGEN GEIST

Wenn wir die Entscheidung getroffen haben, Heilung zum Ziel für unsere Beziehungen zu machen, stellt der HEILIGE GEIST die Mittel zur Verfügung, damit dies geschehen kann. Es gibt einen göttlichen Plan für unsere weltlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, auch wenn dieser Plan im Allgemeinen verborgen bleibt, bis unser Geist eine gewisse Reife erreicht hat. Der Zweck einer gemeinsamen Beziehung, wie auch jeder Aufgabe, ist es, so tief wie möglich zu lernen, wer wir wirklich sind.

Heilung durch Beziehungen gibt es in vielen Formen. Manche Menschen fühlen sich nicht intuitiv geführt oder zu einer intimen oder romantischen Beziehung hingezogen, da sie in ihrem täglichen Leben, bei der Arbeit und mit Freunden und Verwandten genügend Beziehungen haben. Es gibt viele verschiedene Aufgaben, die wir nutzen können, um uns auf den HEILIGEN GEIST auszurichten, und Paarbeziehungen können wichtige Aufgaben sein. Sie gehören zu den wirkungsvollsten Übungsfeldern in dieser Welt.

Wir brauchen ein Gefühl für ein gemeinsames Ziel bei Beziehungsaufgaben, eine Verpflichtung, die immer auf das Licht und die Heilung gerichtet ist. Das Unbewusste ist mit viel Dunkelheit gefüllt, die es aufzudecken gilt. Wir müssen durch die Dunkelheit gehen, um zum Licht zu gelangen. Es kann wie ein langer, dunkler Tunnel erscheinen; manchmal fragt man sich, ob es am Ende Licht gibt. Die gemeinsame Aufgabe ist es, was uns auf unserem Weg durch die Dunkelheit zum Licht unterstützt.

Es ist nicht immer sofort ersichtlich, wie eine Beziehung wirklich hilfreich sein kann. Manchmal sind sich zwei Menschen nicht einmal bewusst, wie wichtig es ist, dass sie zusammen sind. Die Beziehungen oder Aufgaben können sehr intensiv sein. Wenn der eine oder der andere die Beziehung verlässt, sollten wir uns keine Sorgen machen; die Lektion wird wiederkommen. Sie wird wiederholt werden, vielleicht mit einer anderen Person. Denn sobald Bereitschaft und Wille im Einklang sind, ziehen wir die Mittel für das an, was wir zur Heilung brauchen, bis es geheilt ist. Es ist hilfreich, sich bewusst zu machen, dass das Ego, das Angst vor dem Ende hat, dies nicht mag, also wird es gegen die Mittel kämpfen, gegen die Beziehungen.

Beziehungen bieten unendlich viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Sie dienen als Kulisse, um zusammenzukommen. Beziehungen der Zusammenarbeit mit einem heilenden Ziel haben zwei Qualitäten: Sie sind undefiniert und sie werden geführt. Diese Qualitäten sind normalerweise nicht Teil von Beziehungen in dieser Welt.

Der "undefinierte" Teil ist für das Ego sehr beängstigend, aber er ist ein wesentlicher Einstiegspunkt. Offenheit ist einer der wichtigsten Zugänge zu einer heiligen Beziehung und damit zur Freiheit. In einer undefinierten Beziehung geht es um die Bereitschaft, offen zu sein und sich zu zeigen. Aus diesem Grund haben gemeinschaftliche Beziehungen nicht die Starrheit, die Erwartungen und die Anforderungen, die lineare (zeitbasierte) oder besondere Beziehungen haben. Wenn die Beziehung undefiniert ist, gibt es keine Struktur oder eine Agenda, die bereits festgelegt ist. Es gibt keinen Standard, den die Beziehung erfüllen muss. Es gibt keine Rolle, der man gerecht werden muss. Man muss sich keine Gedanken darüber machen, wie man jemanden bei Laune hält oder wie man die Beziehung am Leben erhält. Stellen wir uns vor, wie das sein würde.

Der "geführte" Teil ist sehr wichtig, denn so kann die Beziehung vom HEILIGEN GEIST zur Heilung und zum höchsten Wohl eingesetzt werden. Die Beziehung dient einem höheren Zweck und hat kein bestimmtes Ziel. In der Tat wissen wir nicht, welches Ergebnis am besten ist oder wie wir es erreichen können. Deshalb ist es wichtig, dem HEILIGEN GEIST Raum zu geben, damit er es offensichtlich machen kann. Eine gemeinschaftliche Beziehung beinhaltet die Inspiration und die Vereinbarung, gemeinsam auf eine hilfreiche Art und Weise eingesetzt zu werden, die der Heilung des Geistes zugutekommt und somit das gesamte Universum segnet.

Das Ego, das sich der Idee einer Zusammenarbeit zur Heilung widersetzt, sagt im Grunde: "Lenke dich ab, benutze Unterhaltung und Fantasie, und vergiss die Verpflichtung zur Schulung deines Geistes oder Zusammenarbeit. Lebe in Saus und Braus, lass die Puppen tanzen, denn du wirst sowieso sterben." Der HEILIGE GEIST will uns sagen, dass es noch viel mehr als das gibt. Wenn wir einen bestimmten Reifegrad erreicht haben, können wir zu kürzeren oder längeren Aufträgen geführt werden. Wir können sogar lebenslange Beziehungen oder Partnerschaften eingehen, in denen das Verhältnis zwischen Lehren und Lernen perfekt ist. Und wenn wir uns entscheiden, es zu lernen, liegt die perfekte Lektion vor uns und kann gelernt werden. Das ist wunderbar. Durch dieses Gleichgewicht zwischen Lehren und Lernen werden zwei Menschen geistig zueinander hingezogen, und es wird unzählige Gelegenheiten geben, die Lektion wirklich zu verstehen. Es lohnt sich, dranzubleiben, wenn das passiert!

Die Kraft des Verbindens

Die Erfahrung des gemeinschaftlichen Verbindens ist eine Erfahrung des Verbunden-Seins im Geiste. Es ist eine Erfahrung der tiefen Verbundenheit durch einen gemeinsamen Zweck: der Heilung und Vergebung von Illusionen. In einer gemeinschaftlichen Beziehung zu sein, kann ein bisschen so sein wie in den Zwölf-Schritte-Programmen in Selbsthilfegruppen, wo man einen Sponsor (Mentor) hat. Ein Sponsor ist ein vertrauenswürdiger Bruder oder eine vertrauenswürdige Schwester, mit dem oder der man gemeinsam Entscheidungen trifft, der oder die einem den Weg zeigt oder einen führt. Wenn wir uns im Geiste mit anderen verbinden, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen, sind wir offen dafür, zu fragen und uns die Richtung zeigen zu lassen. Wir gehen nicht davon aus, dass wir schon alles wissen und glauben, dass wir nicht mitreden oder zuhören müssen. Dinge, die vorher nicht klar waren, werden immer klar, wenn man sich einbringt und offen kommuniziert. Es ist nicht so, dass andere unbedingt besser Bescheid wissen als man selbst. Niemand weiß es wirklich. Es ist die Verbindung, die so mächtig ist und die Richtung klar macht. Es ist ein anderer Fokus, als nur zu versuchen, Dinge zu erreichen. Nach einer Weile verinnerlicht man das Verbinden bis zu einem Punkt, an dem man wirklich demütig wird, wenn man sich einfach in einen Zustand des inneren Zuhörens, Fließens und Folgens begibt.

In der Welt des Egos ist die Persönlichkeit und die persönliche Perspektive die Grundlage für alles. Sie ist zäh, sie ist verstrickt, und sie ist unangenehm. Es gibt eine unterschwellige Angst, die sich durch verschiedene Dinge, die wir tun, verstärken kann. Aber unsere heiligen Gefährten, unsere Freunde in einer gemeinschaftlichen Aufgabe, zeigen sich uns als Symbole der Liebe und Unterstützung und sagen: "Lasst uns diese Reise gemeinsam antreten. Erinnern wir uns daran, wer wir wirklich sind. Lassen wir uns unsere Ganzheit zeigen. Lassen wir uns nicht dazu verleiten, depressiv zu werden." Es gibt noch viel mehr, das über die Auflösung des Egos hinaus auf uns wartet.

Es gibt ein immenses Gefühl der Freiheit, das mit energetischen Verbindungen und Kooperationen einhergeht. Wenn man mit dem Geist verbunden ist, fühlt man sich frei. Wir fühlen uns nicht an die Welt gebunden. Unser Geist denkt nicht: Wie werde ich überleben, was wird morgen passieren, und wie werde ich mit diesem und jenem umgehen?, die typischen Dinge, auf die sich der egoische Geist konzentriert. In der heiligen Zusammenarbeit wird unser Geist in einen Bereich gehoben, der höher ist als diese Zweifel, Ängste und Sorgen, und unser Geist strahlt von diesem höheren Ort aus. Das ist göttlich!

Übung: Den Weg für Zusammenarbeit freimachen

Gerade wenn es darum geht, bestehende Beziehungen auf den Zweck der Heilung auszurichten, ist es wichtig zuerst einmal, die aktuelle Situation genau zu betrachten. Wie definieren wir die Rolle, die wir in dieser Beziehung spielen? Beispiele könnten Freundin, Ehemann, Freund, Mutter, Großeltern oder Chef sein. Welche Erwartungen haben wir an uns selbst in dieser Rolle? Wie wichtig ist es, dass wir uns als diese Rolle definieren? Welche Rollen haben wir der anderen Person in dieser Beziehung zugewiesen, und welche Erwartungen haben wir an sie? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Rollen, die wir für uns beide vorgesehen haben, und den Erwartungen, die wir an unsere Beziehung haben? Inwiefern bindet unsere Definition der Beziehung (Ehe, Freundschaft, Arbeitskollege oder eine andere Vereinbarung) uns und den anderen aneinander? Wie fühlen wir uns dabei? Entspricht unsere Definition der Beziehung den sozialen oder kulturellen Normen und dem bisherigen Denken? Welche Normen sind es und welche Gedanken und Assoziationen verbinden wir damit.

Dann stellen wir uns vor, dass wir in der gleichen Beziehung sind, aber ohne die Erwartungen, die wir identifiziert haben. Lassen wir alle Gefühle, die uns über das Loslassen der Beziehung, wie wir sie jetzt sehen, haben, an die Oberfläche kommen. Nehmen wir uns die Zeit, dies als hilfreich und entspannend zu empfinden.

Jetzt ist es an der Zeit, ein Versprechen oder ein Gebet um Heilung zu sprechen:

Heiliger Geist, hilf mir, meine Sicht auf diese Beziehung zu erweitern, damit ich unser gemeinsames Wesen der Unschuld, des Friedens und der Liebe erkennen kann. Zeige mir auch im Kleinen, dass Du das Wunder, das ich in all meinen Beziehungen suche, bereitstellst. Führe mich, damit ich wirklich glücklich sein kann.

Amen.

Es braucht nur ein wenig Bereitschaft, uns unsere Beziehung außerhalb der bisherigen Parameter und mit einem neuen Zweck vorzustellen. Lassen wir die Erfahrung zu, dass wir unsere Beziehung dem Zweck der Heilung übergeben. Wir werden vielleicht ein gewisses Unbehagen verspüren, wenn es darum geht, alte Gewohnheiten im Umgang mit anderen zu ändern. Die größte Veränderung ist die in unserem Denken. Erlauben wir uns, die Richtung unseres Denkens zu ändern, und das wird sich auch in unseren Beziehungen widerspiegeln.

Ein gemeinsames Ziel

Vielleicht gibt es in unserem Beziehungskreis viele, die unseren Wunsch nach Vertiefung und Heilung nicht hören können. Das Wichtigste ist, dass wir uns erlauben, diese Sorgen anzuschauen und die Angst, die in uns aufsteigt, loszulassen. Erinnern wir uns daran, dass alle unsere Sorgen oder Unannehmlichkeiten von der Angst des Egos vor der Liebe herrühren. Wenn wir also diesen breiteren Kontext haben, wird es uns leichter fallen, Unvollkommenheit und aufkommende Ängste zuzulassen. Lassen wir uns von der Begeisterung für die Reise und dem Verlangen in unserem Herzen nach Heilung leiten.

Je mehr wir uns darin üben, uns mit der Absicht des HEILIGEN GEISTES zu zeigen, desto mehr werden wir Zeugen dieser neuen Absicht anziehen. Beziehungen und Zusammenarbeit können eine ganz neue Bedeutung erlangen! Sei es mit alten Freunden, die bereit sind, sich mit uns auszudehnen, oder mit neuen Freunden, die in unser Leben treten und unsere neue Bestimmung widerspiegeln. Es braucht wirklich nur Übung. Es spielt keine Rolle, wie lange wir schon auf dem spirituellen Weg sind; es geht um unsere Bereitschaft, die Schritte zu praktizieren, die Prinzipien zu praktizieren und die heilende Zusammenarbeit einzuladen und zuzulassen.

Es ist nicht einmal notwendig, dass wir an diese Praktiken vollständig glauben oder sie begrüßen. Es ist ihre Anwendung, die uns zeigen wird, dass sie wahr sind. Das ist kraftvoll. Das ist eine große Betonung der praktischen Anwendung. Seien wir nicht entmutigt, wenn wir feststellen, dass wir uns dem Impuls der bedingungslosen Liebe widersetzen, wenn er in diesen "neuen" Beziehungen auftaucht. Das Ego fühlt sich durch diesen Impuls der bedingungslosen Liebe, der Agape-Liebe, extrem bedroht. Seien wir uns sicher, dass, wenn wir uns auf das Ziel der Liebe und der Freude ausrichten, eine Flut von Wundern auftauchen und alle nicht hilfreichen Gedanken und Ängste auf natürliche Weise auflösen werden.

P.S.: Der Film Lachsfischen im Jemen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit einem höheren Zweck dient.

Engel

In Wirklichkeit gibt es nichts außer der EINHEIT GOTTES, also auch keine Engel in konkreter Form. Aber innerhalb der Illusion der Trennung, der Illusion der individuellen Erfahrung, der Illusion des Aufstiegs, der Vergebung “gibt” es sehr wohl Engel. Die Wirklichkeit hinter dem Symbol des Engels ist ein GEDANKE GOTTES. Engel sind Teil der “wirklichen Welt”, aber die wirkliche Welt ist selbst ein Symbol, wie alles Übrige, was die Wahrnehmung anbietet. Doch steht sie für das, was dem entgegengesetzt ist, was das Ego gemacht hat. Das Wort Engel leitet sich vom lateinischen Wort angelus ab, das sich als „Bote“ übersetzen lässt. Ein Engel ist ein GEDANKE GOTTES, der eine konkrete Form anzunehmen scheint. Die Form entspricht der Vorstellungswelt desjenigen, der mit dem GEDANKEN GOTTES in Kontakt gebracht wird. GOTT hat uns nur Engel gesandt.

“Der NAME GOTTES kann nicht ohne Reaktion gehört noch ohne ein Echo in dem Geist ausgesprochen werden, das dich zur Erinnerung aufruft. Sage SEINEN NAMEN, und du lädst die Engel ein, den Boden, auf dem du stehst, zu umringen und dir zuzusingen, während sie ihre Flügel auseinanderbreiten, um dich sicher zu bewahren und vor jedem weltlichen Gedanken abzuschirmen, der sich in deine Heiligkeit eindrängen möchte.”
(EKIW: Lektion 183, 2.)

“Wacht mit mir, ihr Engel, wacht heute mit mir. Lasst alle heiligen GEDANKEN GOTTES mich umgeben und mit mir stille sein, während des HIMMELS SOHN geboren wird. Lasst irdische Geräusche schweigen und die mir gewohnten Anblicke verschwinden. Lasst CHRISTUS dort willkommen geheißen werden, wo ER zu Hause ist. Und lasst IHN jene Laute hören, die ER versteht, und nur Anblicke sehen, die SEINES VATERS LIEBE zeigen. Lasst IHN nicht länger hier ein Fremder sein, denn ER ist heute erneut in mir geboren.”
(EKIW: Lektion 303, 1.)

“Wir vertrauen IHM unsere Wege an und sagen »Amen«. In Frieden werden wir auf SEINEM Weg weitergehen und IHM alle Dinge anvertrauen. In Zuversicht erwarten wir SEINE Antworten, während wir in allem, was wir tun, nach SEINEM WILLEN fragen. ER liebt GOTTES SOHN so, wie wir ihn lieben möchten. Und ER lehrt uns, wie wir ihn mit SEINEN Augen sehen und ihn so wie ER lieben können. Du gehst nicht allein. Die Engel GOTTES schweben in der Nähe und überall. SEINE LIEBE umgibt dich, und dessen sei gewiss: dass ich dich niemals ungetröstet lassen werde.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, EPILOG, 6.)

Erscheinungen

Alle Körperbilder werden vom Geist gemacht. Sie können ein Symbol für die Rechtgesinntheit und den HEILIGEN GEIST oder die Falschgesinntheit und das Ego sein. Das Bild beispielsweise bei einer Marienerscheinung liegt im unbewussten Geist und kann von Einzelnen oder einer Menschenmenge projiziert werden. Bei den Marienerscheinungen, die gewöhnlich detaillierter sind, wenn sie nur vor wenigen tief versenkten Menschen stattfinden, sieht Maria gleich aus, weil es ein archetypisches Bild ist. Dabei ist die Liebe des HEILIGEN GEISTES der Inhalt hinter der Erscheinung. Der Geist, sei es derjenige eines einzelnen oder einer Gruppe, gießt diese Liebe in eine Form.

Die Form kommt immer von uns. Der HEILIGE GEIST macht keine Formen. Er ist für die Liebe zuständig. Die Liebe des HEILIGEN GEISTES kann in unserem Universum strahlen und durch den rechtgesinnten Geist eine bestimmte Form annehmen. Die Form selbst ist eine Projektion des Geistes, aber die Liebe dahinter ist wirklich. Das erklärt die Erscheinungen Marias, der Engel und aller aufgestiegenen Meister.

Eine der bekanntesten Marienerscheinungen ist die von Fátima, über die es auch eine wunderbare Verfilmung gibt. Fátima ist ein kraftvoller, mystischer Film, der uns direkt in das Herz des heiligen Augenblicks entführt. Er basiert auf Ereignissen aus dem Jahr 1917 in einer kleinen Stadt im ländlichen Portugal. Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs, in der viele Söhne in den Krieg geschickt wurden und Familien auseinandergerissen wurden und ums Überleben kämpften. Die zehnjährige Lucia und ihr Cousin und ihre Cousine gehen wie üblich spielerisch auf die Felder hinaus und rufen die “Muttergottes” an, nur dieses Mal, damit sie ihnen in einer Vision erscheint. Mutter Maria hat eine wichtige Botschaft zu überbringen. Sie wird ihnen sechs Mal erscheinen und ihnen ganz genaue Anweisungen geben, wie sie den Rosenkranz beten sollen und wann sie sie wieder besuchen sollen.

Das Geschehen erinnert uns auf wunderschöne Weise, was Jesus in der Bibel gesagt hat: Wenn wir nicht wie kleine Kinder werden, werden wir nicht in das Himmelreich kommen. Damit meinte Jesus, dass wir so abhängig von GOTT werden müssen wie Kleinkinder von ihren Eltern. In modernen Worten: Wir müssen so abhängig von unserer Intuition, vom HEILIGEN GEIST und von Jesus werden und dieser stillen inneren Stimme folgen, die uns hilft, uns von unserem falschen Ego-Selbstkonzept zu befreien. Erscheinungen sind nur möglich, wenn wir volles Vertrauen haben, bereit sind und geistig offen sind. Solange wir Angst davor haben, werden sie auch nicht eintreten.

“Es gibt diejenigen, die GOTT direkt erreicht haben, ohne eine Spur weltlicher Grenzen beizubehalten, und die sich vollkommen an ihre eigene IDENTITÄT erinnern. Diese könnte man die LEHRER der Lehrer nennen, weil ihr Bild, obwohl sie nicht mehr sichtbar sind, noch angerufen werden kann. Und sie werden erscheinen, wann und wo es hilfreich ist, dass sie es tun. Denjenigen, für die solche Erscheinungen beängstigend wären, geben sie ihre Ideen. Niemand kann sie vergeblich anrufen.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 26. 2. 1.-5.)

»Übersinnliche« Kräfte

Es gibt selbstverständlich keine unnatürlichen Kräfte, und es ist offensichtlich nur ein Appell an die Magie, eine Kraft zu erfinden, die nicht existiert. Es ist jedoch gleichermaßen offensichtlich, dass jeder einzelne von uns viele Fähigkeiten hat, deren er sich nicht bewusst ist. Wenn sich unser Bewusstsein erweitert, ist es gut möglich, dass wir Fähigkeiten entwickeln, die uns ziemlich überraschend erscheinen werden. Beispielsweise erleben viele auf dem Weg des spirituellen Erwachens eine Phase, in der sie die Gedanken anderer Menschen direkt wahrnehmen. Doch nichts, was wir tun können, kann sich auch nur im geringsten mit der herrlichen Überraschung vergleichen, wenn wir uns erinnern, WER wir sind. Daher gilt es weiterhin - unabhängig aller »übersinnlichen« Kräfte - all unser Lernen und all unsere Bemühungen auf diese eine große letzte Überraschung zu richten, und wir werden uns nicht damit zufrieden geben, durch die kleinen aufgehalten zu werden, die uns auf dem Weg begegnen mögen.

Gewiss gibt es viele »übersinnliche« Kräfte, die eindeutig im Einklang mit diesem Kurs sind. Kommunikation ist nicht auf die kleine Bandbreite von Kanälen begrenzt, die die Welt wahrnimmt. Die Grenzen, die die Welt der Kommunikation auferlegt, sind die Hauptschranken für die direkte Erfahrung des HEILIGEN GEISTES, DESSEN GEGENWART immer da ist und DESSEN STIMME zur Verfügung steht, wenn man nur hören will. Wer die weltlichen Grenzen der Kommunikation auf irgendeine Weise überschreitet, wird nur natürlicher. Er tut nichts Besonderes, und in dem, was er vollbringt, ist keine Magie.

Die scheinbar neuen Fähigkeiten, die auf dem Weg gesammelt werden mögen, können sehr hilfreich sein. Werden sie dem HEILIGEN GEIST gegeben und unter SEINER Anleitung benutzt, sind sie wertvolle Lehrhilfen. Dafür ist die Frage, wie sie entstehen, unerheblich. Die einzig wichtige Überlegung ist, wie sie verwendet werden. Sie selbst als Zweck an sich zu nehmen - ganz gleich, wie das getan wird - wird den Fortschritt verzögern. Auch liegt ihr Wert nicht darin, irgend etwas zu beweisen - Errungenschaften aus der Vergangenheit, eine ungewöhnliche Einstimmung auf das Unsichtbare oder eine besondere Gunst von GOTT. GOTT erweist keine besondere Gunst - und niemand hat irgendwelche Kräfte, die nicht jedem zur Verfügung stünden. Nur durch Tricks der Magie werden besondere Kräfte demonstriert.

Was für Magie benutzt wird, ist für den HEILIGEN GEIST nutzlos. Und was ER benutzt, kann nicht für Magie benutzt werden. Es liegt allerdings ein besonderer Reiz in ungewöhnlichen Fähigkeiten, der eigenartig verführerisch sein kann. Hier sind Stärken, die der HEILIGE GEIST will und braucht. Doch sieht das Ego in denselben Stärken eine Gelegenheit, sich selbst zu verherrlichen. Stärken, die in Schwäche umschlagen, sind in der Tat eine Tragödie. Doch was nicht dem HEILIGEN GEIST übergeben wird, muss der Schwäche gegeben werden, denn was vor der Liebe zurückgehalten wird, wird der Angst gegeben und folglich furchterregend sein.

Sogar diejenigen, die den materiellen Dingen der Welt keinen Wert mehr beimessen, können trotzdem noch von übersinnlichen Kräften getäuscht werden. Viele haben die Abwehrmechanismen des Ego hier nicht durchschaut, obwohl sie nicht besonders subtil sind. Bleibt jedoch ein Wunsch zurück, getäuscht zu werden, wird die Täuschung leichtgemacht. Jetzt ist die Kraft nicht länger eine echte Fähigkeit und kann nicht zuverlässig genutzt werden. Es ist fast unvermeidlich, dass der Betreffende die Unsicherheiten seiner Kraft mit vermehrter Täuschung aufpolieren wird, es sei denn, er ändere sein Denken über ihren Zweck.

Jede Fähigkeit, die irgend jemand entwickelt, hat das Potential zum Guten. Darin gibt es keine Ausnahme. Und je ungewöhnlicher und unerwarteter die Kraft, desto größer ihre potentielle Nützlichkeit. Diejenigen, die übersinnliche Kräfte entwickelt haben, haben einfach einige der Begrenzungen aufheben lassen, die sie ihrem Geist auferlegt hatten. Es können nur weitere Begrenzungen sein, die sie sich selbst auferlegen, wenn sie ihre vermehrte Freiheit zu größerer Gefangenschaft benutzen. Der HEILIGE GEIST braucht diese Gaben, und diejenigen, die sie IHM und ihm allein anbieten, gehen mit der Dankbarkeit CHRISTI in ihren Herzen und SEINER heiligen Sicht nicht weit dahinter.

Channeln

Die alles entscheidende Frage beim Channeln ist die Frage nach der Qualität der Botschaft. Es gibt inspirierte und nicht inspirierte Botschaften, man könnte auch von Botschaften aus dem kollektiven Unterbewusstsein und welchen aus dem kollektiven Überbewusstsein sprechen. Nicht inspirierte Botschaften spiegeln lediglich den Wissensstand der jeweiligen Entität (Persönlichkeit) wider, von der die Nachricht stammt. Nicht inspirierte und vom Ego dominierte Botschaften sind ganz einfach daran zu erkennen, dass sie den Glauben an Schuld zum Ausdruck bringen und mit dem Gefühl der Angst arbeiten.

Inspirierte Botschaften sind vom HEILIGEN GEIST inspiriert. Derartige Botschaften verweisen immer auf die EINHEIT allen SEINS und die LIEBE GOTTES. Jede wahrhaft inspirierte Botschaft verlangt nicht, ihr blind zu glauben, sondern lädt dazu ein, alles durch eigene Erfahrung zu überprüfen und durch eigene Erfahrung zu lernen. Vor allem aber ist sie immer auch ein Hinweis, mit dem eigenen inneren Lehrer - dem HEILIGEN GEIST - in Kontakt zu treten, denn dann braucht es keine Channelings mehr. Es gibt letztendlich nur eine QUELLE. Lassen wir uns nicht von unterschiedlichen Begrifflichkeiten irritieren, denn der HEILIGE GEIST ist genau das, worauf auch ein Lehrer wie Eckhart Tolle mit den Worten “Stille spricht” hinweist.

“Die STIMME GOTTES spricht den ganzen Tag zu mir.

Es ist sehr wohl möglich, den ganzen Tag über auf die STIMME GOTTES zu hören, ohne deine normalen Aktivitäten in irgendeiner Weise zu unterbrechen. Der Teil deines Geistes, in dem die Wahrheit weilt, steht in ständiger Kommunikation mit GOTT, ob du dir dessen bewusst bist oder nicht. Es ist der andere Teil deines Geistes, der sich in der Welt betätigt und den Gesetzen der Welt gehorcht. Dieser Teil ist es, der ständig zerstreut, durcheinander und in höchstem Maß unsicher ist.”
(EKIW: Lektion 49, 1.)


Bei Channelings aus der sogenannten “geistigen Welt“ ist es wichtig, Folgendes zu verstehen: Die “geistige Welt“ ist nicht der reine GEIST, es ist eine Welt und damit ein Aspekt der Trennungsillusion, der Illusion von Individuen, denn es sind unterschiedliche Individuen, die da gechannelt werden. Die “geistige Welt“ ist lediglich eine höhere Ebene als die physische Welt, wie wir sie hier auf der Erde erleben. Je höher sich ein Individuum im Aufstiegsprozess der “geistigen Welt“ befindet, desto verlässlicher sind seine Botschaften.

Ein Channeling, das sich mit zukünftigen Ereignissen beschäftigt, ist nicht inspiriert, denn der HEILIGE GEIST führt uns aus der linearen Zeit in den heiligen Augenblick. Ein Channeling, das versucht, das Weltgeschehen zu beurteilen, ist vom Ego motiviert, denn der HEILIGE GEIST zeigt uns, dass diese Welt eine Illusion ist und wir daher gar nicht fähig sind zu urteilen.

Ein Channeling ist auch immer vom Geistes- und Bewusstseinszustand des Mediums gefärbt. Deshalb gibt es beispielsweise so viele verschiedene Channelings über das Leben Jesu, insbesondere über seine Beziehung zu Maria Magdalena. Gott sei Dank ist das alles nicht wichtig, denn es geht nicht um das physische Leben des Jesus von Nazareth, sondern um die Botschaft, die durch ihn in diese Welt gekommen ist.

“Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch in Schafskleidern, im Inneren aber sind sie reißende Wölfe.”
(Bibel EÜ, Mt 7,15 )

Wir werden immer das hören, was wir hören wollen. Wenn wir beispielsweise wollen, dass Jesus Sexualmagie mit Maria Magdalena betrieben hat, dann werden wir das auch hören. Wenn wir einer Lüge glauben, dann nur, weil wir diese Lüge glauben wollen, weil wir selbst wollen, dass sie wahr ist.

Der HEILIGE GEIST mischt sich nie in unsere Wünsche und Verlangen ein. ER ist immer nur ein Angebot für den Fall, dass wir die Wahrheit hören wollen. Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist die STIMME FÜR GOTT. Sie befiehlt nicht, sie fordert nicht, sie erinnert nur, sie ist immer leise, weil sie vom Frieden spricht. Sie ist nicht an sich leise, doch wird sie durch unseren Unwillen begrenzt, sie zu hören. Die STIMME des HEILIGEN GEISTES ist so laut wie unsere Bereitschaft, zuzuhören.

Tom Kenyon, der viele Bücher gechannelt hat, schreibt im Vorwort seines letzten gechannelten Buches:

“Meiner Ansicht nach ist das Channeln eine fragwürdige Angelegenheit. Es kommt mir vor wie die Schlagnetz-Fischerei in den Wasserläufen der Camargue in Südfrankreich. ... Das Channeln erscheint mir sehr ähnlich. Durch unsere Psyche ziehen Strömungen, in denen so allerhand vor sich hin treibt. Manches davon ist interessant, manches wertlos und manches einfach nur wunderlich. Ab und zu verfängt sich etwas eindeutig Wertvolles im Channel-Netz, doch meistens ist es mit einer Menge Müll vermengt.”

“Als Psychotherapeut im Bereich der transpersonalen Psychologie habe ich im Laufe der Jahre viele Klienten erlebt, die channelten. Manche fühlten sich ganz wohl damit, andere störte es, wie zum Beispiel eine Frau, die ein Jahr lang jeden Morgen um drei Uhr geweckt wurde. Sie musste sich dann hinsetzen und Botschaften der »anderen Seite« aufzeichnen. Doch der anderen Seite von was? Ihre Protokolle sprachen von der heilenden Macht der Liebe, boten manchmal sinnvolle Lösungen für Probleme an, enthielten aber auch einiges, was mir, offen gesagt, ziemlich merkwürdig vorkam. Merkwürdig ist natürlich ein relativer Begriff. Was dem einen merkwürdig vorkommt, erscheint dem anderen als durchaus vernünftig. Die kulturellen Filter unserer Erfahrungen sind oft willkürlich und basieren auf erlerntem Unsinn.

Als Psychotherapeut bestand meine Aufgabe darin, meinen Klienten zu helfen, mit ihrem transpersonalen Gelaber zurechtzukommen. Ich verwende diese Begriffe absichtlich, denn das kollektive Unbewusste ist mit allem Möglichen angefüllt. Es gibt geistige Wesenheiten aller Art, genau wie es Menschen aller Art gibt. Manche Bewohner des kollektiven Unbewussten sind brillant und wohlwollend, andere sind Idioten, die sich als spirituelle Wesen verkleidet haben.”

Ego-Strategien zur Verhinderung geistigen Wachstums

Inhaltsverzeichnis

Die Beschäftigung mit Nebensächlichkeiten
Weltfrieden
Gerechtigkeit
Täter-Opfer-Illusion
Verschleierter Götzendienst
Komplexität
Identifikation mit Wissen
Der Versuch die Wahrheit in die Illusion zu bringen
Spiritual Bypassing
Vergebung als Vermeidungsstrategie
Der Glaube an die Schwierigkeit der Erlösung
Scheinlösungen versus Erlösung
Illeismus
Menschsein
Die Illusion von Graden
Die Illusion von Rangordnungen
Kompromiss
Ausnahmen

Die Beschäftigung mit Nebensächlichkeiten

Das Ego lädt uns ein, ständig beschäftigt zu sein, um uns von spirituellem Wachstum abzulenken. Sein zentrales Argument dabei ist, dass es sich dabei um das wirkliche Leben handeln würde, dass die Ebene der Form und die daraus entstehenden unmittelbaren Sinneseindrücke die Wirklichkeit wären und nicht der Geist. Doch ohne Entscheidung für den HIMMEL ist die Zeit bloß verschwendet und die Mühe vergeudet. Sie wird aufgewendet, ohne etwas einzubringen, und die Zeit verstreicht ergebnislos. Da ist kein Empfinden von Gewinn, denn nichts wird erreicht und nichts gelernt.

“Alle GOTTESSÖHNE warten auf deine Rückkehr, genau wie auch du auf die ihre wartest. Verzögerung spielt keine Rolle in der Ewigkeit, doch ist sie tragisch in der Zeit.”
(EKIW: Kapitel 5, VI. 1. 2.-3.)

Der Wahnsinn des Ego-Denksystems spiegelt sich auch in unserem Wirtschaftssystem. Wettbewerb ist eine äußerst verschwenderische und höchst ineffiziente Form des Wirtschaftens und produziert damit eine Unmenge an Arbeit, die niemanden wirklich nützt. Schätzungsweise 80% aller zurzeit von Menschen verrichteten Arbeit ist allein dem Glauben an Trennung geschuldet und ergibt ohne diesen überhaupt keinen Sinn.

Besonders deutlich zeigt sich der Wahnsinn in unseren Vorstellungen zum Thema Geld. All das Bemühen um die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist ein Aspekt dieses Wahnsinns, an den wir uns schon so gewöhnt haben, dass er uns kaum noch auffällt. So schaffen wir immer mehr Arbeit und gleichzeitig immer mehr Ressourcenverbrauch, anstatt zu versuchen, die Arbeit auf das wirklich Notwendige zu reduzieren und möglichst gleichmäßig auf alle zu verteilen. Wir produzieren immer mehr völlig sinnlose Dinge und Dienstleistungen - nur um an Geld zu gelangen, das ohnedies nur eine Zahl in einem Computer ist und damit in unbegrenzt hoher Zahl zur Verfügung steht.

Wir haben uns bereits einmal in großem Stil von der Idee der Arbeitsplatzbeschaffung vom Ego verführen lassen. Die Große Depression der 1930er Jahre wurde beendet, indem wir uns zunächst mit der Waffenproduktion, dann mit dem Kriegshandwerk und schließlich mit dem Wiederaufbau beschäftigten. Wie lange wollen wir dieses wahnsinnige Spiel noch spielen?

“Das Träumen der Welt nimmt viele Formen an, weil der Körper auf verschiedene Arten zu beweisen sucht, dass er autonom und wirklich ist. Er streift Dinge über, die er mit kleinen Scheiben von Metall oder Schnipseln von Papier erstanden hat, die die Welt als wertvoll und wirklich erklärt. Er arbeitet, um diese zu bekommen, indem er sinnlose Dinge tut, und wirft sie für sinnlose Dinge weg, die er nicht braucht und nicht einmal haben will.”
(EKIW: Kapitel 27, VIII. 2. 1.-3.)

Das Ego ist äußerst raffiniert darin, seine Götzen immer attraktiver zu gestalten. Es werden Unmengen an Ressourcen (Rohstoffe, menschliche Arbeit) investiert, um Produkte attraktiver und gleichzeitig kurzlebiger zu machen. Die Produkte werden immer hübscher, edler, praktischer und smarter. Delikatessen werden immer raffinierter, und kulinarische Spezialitäten aus aller Welt sind jederzeit und überall verfügbar. Auch die Methoden, um auf die Götzen aufmerksam zu machen, werden immer raffinierter. Ein Beispiel hierfür ist das Neuromarketing. So verspricht uns das Ego immer mehr Befriedigung durch Götzendienst.

“Götzen sind Grenzen. Sie sind der Glaube, dass es Formen gibt, die Glück bringen werden, und dass durch Begrenzung alles zu erreichen sei. Es ist, als sagtest du: Ich brauche gar nicht alles. Dies kleine Etwas will ich haben, und es wird für mich wie alles sein. Das kann dich nicht befriedigen, weil es dein Wille ist, dass alles dein sei. Entscheide dich für Götzen, und du bittest um Verlust. Entscheide dich für die Wahrheit, und dann ist alles dein.”
(EKIW: Kapitel 30, III. 1. 4.-10.)

Zur Erwerbstätigkeit kommen dann noch die ganzen Freizeitaktivitäten, die Beschäftigung mit komplexen Sportarten und aufwendigen Hobbys, die Beschäftigung mit all den persönlichen Interessen. Eine alte chinesische Verwünschung bringt es auf den Punkt: "Mögest du in interessanten Zeiten leben." Im Kurs heißt es diesbezüglich:

“Man könnte die Ziele, die du jetzt wahrnimmst, auch so beschreiben, dass man sagt, sie drehen sich alle um »persönliche« Interessen. Da du keine persönlichen Interessen hast, drehen sich deine Ziele tatsächlich um nichts. Wenn du an ihnen festhältst, hast du folglich überhaupt keine Ziele. Und darum weißt du nicht, wozu irgend etwas dient.”
(EKIW: Lektion 25, 3.)

Das Ego flüstert uns zu: “Das Ende des Lebens kommt unweigerlich, auf welche Weise jenes Leben immer zugebracht wird. Vergnüge dich denn mit dem Schnellvergänglichen und Flüchtigen.” (EKIW: Kapitel 27, I. 7. 7.&8.)

Die Budweiser “wassup” Werbung aus dem Jahr 1999 bringt es auf den Punkt. Ein cineastisches Meisterwerk, das in einer Minute die Tragik des menschlichen Lebens in der Ego-Identifikation spürbar macht, ist die HORNBACH "Und was bleibt von Dir?" Werbung aus dem Jahr 2013. Wir klammern uns verzweifelt an ein Stück Holz, an ein Stück Materie und an die Hoffnung, dass dieses Ding unsere Vorstellung von uns als Person über unseren Tod hinaus am Leben erhalten könnte.

Der dritte apokalyptische Reiter des Ständig-beschäftigt-seins, ist die Idee der Weltrettung. Tim Bendzko hat dieses Thema bereits 2011 in seinem Song "Nur kurz die Welt retten" auf den Punkt gebracht:

“Ich wär' so gern dabei gewesen
Doch ich hab viel zu viel zu tun
Lass uns später weiter reden
Da draußen brauchen sie mich jetzt
Die Situation wird unterschätzt
Und vielleicht hängt unser Leben davon ab
Ich weiß es ist DIR ernst, DU kannst mich hier grad nicht entbehren
Nur keine Angst, ich bleib' nicht all zu lange fern

Muss nur noch kurz die Welt retten
Danach flieg' ich zu DIR
Noch 148 Mails checken
Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel
Muss nur noch kurz die Welt retten
Und gleich danach bin ich wieder bei DIR.”

Eine besonders subtile und raffinierte Strategie des Egos ist es, weltliche Bestrebungen, wie beispielsweise Klimaschutz oder sonstige Formen der Weltrettung, als spirituell erscheinen zu lassen und dann unser Augenmerk auch noch besonders stark auf diese Aspekte zu richten. Viele der modernen esoterischen Konzepte sind Ausdruck dieser Strategie, ganz neu hingegen ist, dass nun auch Vertreter der großen christlichen Kirchen mehr Klimaschutz fordern. Umwelt und Klima sind die neuen Götter und gegen sie zu handeln bedeutet sündigen, darum heißt es nicht bloß Umweltverschmutzer sondern Umweltsünder.

Im Kapitel 4.3. der Original Edition des Kurses findet sich auch ein Hinweis auf die aktuell stattfindende Überbetonung der Ökologie:

“Ist ein Denkfehler, den Philosophen bereits vor Jahrhunderten aufdeckten, verschiedene Bereiche des Diskurses miteinander zu vermischen. Psychologen sind diesbezüglich im Allgemeinen ziemlich mangelbehaftet, genau wie viele Theologen. Daten aus einem Diskursbereich haben in einem anderen Bereich keine Bedeutung, weil sie nur innerhalb des Denksystems verstanden werden können, dem sie angehören. Darum konzentrieren sich Psychologen in zunehmendem Maße auf das Ego, in einem Versuch, ihre offensichtlich unzusammenhängenden Daten zu vereinheitlichen. Es versteht sich von selbst, dass ein Versuch, das nicht zusammenhängende in einen Zusammenhang zu bringen, keinen Erfolg haben kann. Die Schwerpunkte, die in jüngster Zeit auf Ökologie gelegt werden, sind lediglich weitere erfinderische Weisen zu versuchen, dem Chaos Ordnung aufzuzwingen. Wir haben dem Ego bereits einen bemerkenswerten Erfindungsreichtum attestiert, auch wenn damit keine Schöpferkraft einhergeht. Doch sollte man sich vor Augen halten, dass Erfindungsreichtum wirklich verschwendete Mühe ist, selbst in seinen genialsten Formen. Wir müssen gar nichts erklären, daher müssen wir uns keine Mühe mit Erfindungsreichtum machen. Die sehr spezifische Natur einer Erfindung ist der abstrakten Kreativität von GOTTES Schöpfungen nicht würdig.”

In einer seiner Shows weist der Komiker George Carlin sehr eindringlich darauf hin, worum es bei dem ganzen „Save the Planet“-Wahnsinn eigentlich wirklich geht. Es geht nie darum, den Planeten zu retten, sondern um unseren eigenen Komfort und unsere eigenen Annehmlichkeiten. Wenn wir uns Sorgen um die Zukunft machen, dann meist nur um unsere eigene und höchstens noch um die Zukunft unserer Kinder oder Enkel, weil wir uns mit ihnen identifizieren, aber niemals um den Planeten. Unser Planet steuert wie alles in der Welt der Formen ohnehin auf seinen Tod zu. Eines Tages wird sich unsere Sonne zu einer Supernova aufblähen und alles verschlingen. Das folgende Video zeigt eine grafische Animation eines Ausschnitts aus einem von George Carlins Auftritten.


Hinter all diesem Treiben verbirgt sich eine zentrale Strategie des Egos, um geistiges Wachstum zu verhindern. Im Kurs klingt dies folgendermaßen:

“Das Ego denkt, es sei ein Vorteil, sich nichts Ewigem zu verpflichten, weil das Ewige von GOTT kommen muss. Ewigsein ist die eine Funktion, die das Ego versucht hat zu entwickeln, die zu erreichen ihm aber systematisch misslungen ist. Das Ego geht in der Frage des Ewigen einen Kompromiss ein, genauso wie es das in allen Fällen tut, wo die wirkliche Frage in irgendeiner Weise berührt wird. Indem es sich mit Randproblemen beschäftigt, hofft es, die wirkliche Frage zu verbergen und aus dem Bewusstsein fernzuhalten. Die typische Geschäftigkeit des Ego, die sich um Nebensächlichkeiten dreht, dient genau diesem Zweck."
(EKIW: Kapitel 4, V. 6. 1.-5.)

Denken wir an die Jahrhunderte alten Versuche von Alchemisten, Blei in Gold zu verwandeln. Die eine Frage, die der Alchemist sich nicht erlaubt hat zu stellen, lautet: “Wozu?” Er konnte sie deshalb nicht stellen, weil ihm sofort aufgegangen wäre, dass seine Bemühungen gar keinen Sinn ergeben, auch wenn sie erfolgreich wären. Sein eigener Zweck würde vereitelt, da der Wert des Goldes sinken würde, sobald es im Überfluss vorhanden wäre.

Gedankliche Beschäftigungen mit unlösbaren Problemen gehören ebenfalls zu den Lieblingsmethoden des Egos, um die Willensstarken davon abzuhalten, wirklichen Lernfortschritt zu erzielen. Ein relativ neuer Versuch ist besonders bemerkenswert. Die Idee, den Körper durch eine vorübergehende Stilllegung (Kryonik) zu erhalten und ihm somit die Art von unbegrenzter Unsterblichkeit zu verleihen, die das Ego tolerieren kann, ist einer seiner neueren Anreize für den gespaltenen Geist. Es ist jedoch bemerkenswert, dass diejenigen, die sich auf all diese Ablenkungsmanöver einlassen, niemals die eine Frage “Wozu?” stellen.

“Die Beschäftigung mit Problemen, die so angelegt sind, dass keine Lösung möglich ist, ist ein Lieblingsmittel des Ego, um den Lernfortschritt aufzuhalten. Bei all diesen Ablenkungsmanövern aber lautet die eine Frage, die von denjenigen, die sie verfolgen, nie gestellt wird: »Wozu?« Das ist die Frage, die du in Verbindung mit Allem stellen lernen musst. Was ist der Sinn und Zweck? Was immer er auch sei, er wird deine Bemühungen automatisch lenken. Wenn du dich also für den Zweck entscheidest, hast du eine Entscheidung über deine zukünftigen Bemühungen getroffen, eine Entscheidung, die so lange wirksam bleibt, bis du anderen Geistes wirst.”
(EKIW: Kapitel 4, V. 6. 6.-10.)

Weltfrieden

Die Idee des Weltfriedens ist eine, die auch vom Ego sehr unterstützt wird, damit es die Welt behalten kann und selbst nicht in Frage gestellt wird. Außerdem kann “Weltfrieden” als Argument für alles Mögliche verwendet werden, denn wer könnte schon gegen den Weltfrieden sein. Selbst Kriege werden im Namen des “Weltfriedens” geführt. Si vis pacem para bellum ist ein lateinisches Sprichwort. Übersetzt lautet es: „Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor.“ In der Moderne entstand aus dem Spruch das waffentechnische Warenzeichen Parabellum (Parabellum-Pistole).

Was die Welt Frieden nennt, ist nichts anderes als Vorbereitung zum Krieg. Zwischen zwei Kriegen ist eine Lücke des “Friedens”, aber dieser Friede ist kein wirklicher Friede. Er ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen und wird so zum kalten Krieg. Somit haben wir nur zwei Arten von Krieg – den heißen und den kalten. Jeder Krieg verwüstet, zerstört. Danach müssen wir wieder Kräfte sammeln, also brauchen wir eine Pause, ein Intervall. Aber wenn wirklich der Krieg aus der Welt verschwindet, dann wird auch dieser Frieden verschwinden, der doch nur ein kalter Krieg ist; denn er währt nur für die Zeit zwischen zwei Kriegen. Wenn aller Krieg völlig verschwindet, kann es den kalten Krieg, den wir Frieden nennen, nicht mehr geben.

Das Ziel des spirituellen Weges ist der Friede GOTTES. Der Friede GOTTES ist aber nicht das Gegenteil von Krieg, sondern die Wirklichkeit GOTTES jenseits der Dualität des Ego-Denksystems. Das Ego definiert Frieden als das Gegenteil von Krieg im Sinne militärischer Aktionen. Doch in Wahrheit ist das Ego selbst ein Kriegszustand.

“Jede Reaktion auf das Ego ist ein Aufruf zum Krieg, und Krieg entzieht dir unweigerlich den Frieden. Doch gibt es keinen Gegner in diesem Krieg. Dies ist die Neudeutung der Wirklichkeit, die du vornehmen musst, um den Frieden zu sichern, und zwar die einzige, die du je vorzunehmen brauchst.”
(EKIW: Kapitel 8, I. 3. 1.-3.)

Das Ego lebt von Polarisierung. Das Ego wird stark durch Zwist. Das heißt, solange wir uns in der Ego-Identifikation befinden, neigen wir dazu, immer die Gegenposition einzunehmen und diese zu betonen. Das heißt, wenn wir Krieg wahrnehmen, neigen wir dazu, den besonders sanften Pazifisten zu spielen. Aber auch umgekehrt, wenn jemand auf besonders heilig macht, neigen wir dazu, die Rolle des Bösen einzunehmen und zum Beispiel besonders zynisch zu sein. So sorgt das Ego dafür, dass Konflikte bestehen bleiben und sich oft sogar noch verschärfen. Solange wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, sind wir grundsätzlich gewalttätig. Selbst unsere Bemühung, gewaltlos zu sein, entspringt einem gewalttätigen Geist.

“Das Empfinden der Bedrohung, dem die Welt Vorschub leistet, ist so viel tiefer und geht so weit über die Raserei und die Intensität hinaus, die dir vorstellbar sind, dass du keine Ahnung hast von der ganzen Verheerung, die es angerichtet hat.”
(EKIW: Lektion 153, 4. 3.)

Wenn wir uns für den Weltfrieden einsetzen, betonen wir die Trennung von uns und der Welt und bestätigen außerdem die Illusion - den Glauben an Unfrieden. So wird die Wirklichkeit des Problems nicht in Frage gestellt und so können auch seine Wirkungen nicht geheilt werden, weil das Problem nicht wirklich ist. Solange wir für den Weltfrieden kämpfen, halten wir den Krieg am Laufen und halten damit auch unsere Brüder gefangen. Sie werden weiter sterben, bis wir die SÜHNE für uns angenommen haben.

“Du hast die Welt versklavt mit allen deinen Ängsten, mit deinen Zweifeln, deinem Elend, deinem Schmerz und deinen Tränen; und all dein Kummer lastet auf ihr und macht sie weiter zur Gefangenen deiner Überzeugungen. Und überall trifft sie der Tod, weil du die bitteren Gedanken des Todes in deinem Geiste hältst.”
(EKIW: Lektion 132, 3. 4.-5.)

“Halte die Erlösung nicht länger zurück. Sieh dich in der Welt um, und sieh das Leiden dort. Ist dein Herz nicht gewillt, deinen müden Brüdern Ruhe zu bringen? Sie müssen auf deine eigene Befreiung warten. Sie bleiben in Ketten, bis du frei bist. Sie können die Barmherzigkeit der Welt nicht sehen, eh du sie nicht in dir gefunden hast. Sie leiden Schmerz, bis du dessen Macht über dich geleugnet hast. Sie sterben, bis du dein eigenes ewiges Leben annimmst.”
(EKIW: Lektion 191, 10. 6.-8. & 11. 1.-5.)

“If I accept the correction,
I release the projection.”
(David Hoffmeister)

“Friede ist unmöglich für diejenigen, die auf Krieg schauen. Friede ist unvermeidlich für diejenigen, die Frieden anbieten.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 11. 4. 1.-2.)

Die Zusammenfassung des Kurses lautet: “Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Frieden GOTTES.” In Wahrheit haben wir den Frieden in SEINEM EINSSEIN nie verlassen. Hinter dem Kampf für den Weltfrieden verbirgt sich meist etwas ganz anderes - die Vorstellung von Schuldigen, also von anderen, die scheinbar den Weltfrieden verhindern, und damit der Glaube an die Sünde.

Wenn wir das Weltgeschehen anders haben wollen, muss dies mit uns beginnen. Denn der Weg, die Welt zu heilen, liegt nicht in dem Streben, das zu verändern, was im Außen ist, sondern zuerst zu verändern, was im Innern ist. Denn wenn dieser Wandel geschehen ist, werden wir zu einem Kanal für die LIEBE GOTTES, die alleine weiß, wie unsere Welt zu heilen ist. Es gibt in der Tat viele, die liebend gerne für Frieden demonstrieren würden, indem sie diejenigen wütend beschimpfen, die Krieg führen. Doch wenn wir Frieden in der Welt erschaffen wollen, müssen wir in uns selbst in Frieden sein.

“Dieser »Feind«, den du als einen Eindringling in deinen Frieden bekämpft hast, wird hier vor deinen Augen in denjenigen verwandelt, der dir deinen Frieden gibt. Dein »Feind« war GOTT SELBST, DEM aller Konflikt, Triumph und Angriff jeder Art unbekannt ist. ER liebt dich vollkommen, vollständig und auf immer.”
(EKIW: Kapitel 23, I. 4. 4.-6.)

“Wenn die Ursache der Welt, die du siehst, Angriffsgedanken sind, dann musst du lernen, dass es diese Gedanken sind, die du nicht willst. Es hat keinen Sinn, über die Welt zu jammern. Es hat keinen Sinn, zu versuchen, die Welt zu verändern. Sie ist nicht imstande, sich zu verändern, weil sie bloß eine Wirkung ist. Hingegen hat es in der Tat einen Sinn, deine Gedanken über die Welt zu ändern. Damit veränderst du die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern.”
(EKIW: Lektion 23, 2.)

“Es gibt keine Welt!
Das ist der zentrale Gedanke, den der Kurs zu lehren versucht.”
(EKIW: Lektion 132, 6. 2.-3.)

Auf dem Weg des spirituellen Erwachens geht es nicht um den Frieden zwischen den Menschen dieser Welt, sondern um den Frieden des einen Geistes der Trennung - in Form dieser Welt - träumt. Dieser Weg führt uns zunächst in den glücklichen Traum, einen Geisteszustand, in dem unser Glück nicht mehr davon abhängt, was auf der Ebene der Form geschieht. Dies führt automatisch zum Frieden in der Welt. Ziel ist aber immer das “Ende” der Welt. Deswegen lautet schon der zweite Wunder-Grundsatz ganz am Beginn des Kurses:

“Wunder als solche spielen keine Rolle. Das einzige, was eine Rolle spielt, ist ihre QUELLE, DIE weit jenseits der Bewertung ist.”
(EKIW: Kapitel 1, I. 2.)

Wunder sind der Weg, aber auch der Weg ist eine Illusion, entscheidend ist das Ziel - und das Ziel ist GOTT. Und dafür brauchen wir nicht auf die Straße zu gehen - das ist ein Prozess in unserem Geist. Lektion 34 lautet: “Ich könnte statt dessen Frieden sehen.”

Jesus antwortet auf die Frage: "Wie wird die Welt enden?” mit einer Gegenfrage: “Kann das, was keinen Anfang hat, denn wirklich enden?” Und weiter heißt es: “Wenn kein einziger Gedanke von Sünde bleibt, ist die Welt vorbei. Sie wird weder zerstört noch angegriffen werden, nicht einmal berührt. Sie wird einfach aufhören, scheinbar zu sein.”

“Die Welt wird in Freude enden, weil sie ein Ort des Kummers ist. Wenn die Freude gekommen ist, ist der Zweck der Welt vergangen. Die Welt wird in Frieden enden, weil sie ein Ort des Krieges ist. Wenn der Frieden gekommen ist, was ist dann der Zweck der Welt? Die Welt wird in Lachen enden, weil sie ein Ort der Tränen ist. Wer kann, wo Lachen ist, noch länger weinen? Und nur die vollständige Vergebung bringt das alles, um die Welt zu segnen. In Segen scheidet sie, denn sie wird nicht enden, wie sie begann. Die Hölle in den HIMMEL zu verwandeln ist die Funktion der Lehrer GOTTES, denn was sie lehren, sind Lektionen, in denen der HIMMEL gespiegelt wird. Und nun setze dich in wahrer Demut hin und begreife, dass du alles tun kannst, wovon GOTT möchte, dass du es tust. Sei nicht arrogant und sage, dass du SEINEN EIGENEN LEHRPLAN nicht lernen kannst. SEIN WORT sagt etwas anderes. SEIN WILLE geschehe. Es kann nicht anders sein. Und sei dankbar, dass es so ist.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 14. 5.)

“Lass uns heute die Erde verschwinden sehen, zuerst verwandelt und dann, vergeben, ganz in GOTTES heiligen WILLEN hinein verblassen.”
(EKIW: Lektion 326, 2.)

Gerechtigkeit

Der Anspruch auf Gerechtigkeit, das Verlangen nach Fairness und das Versprechen von gerechtem Verhalten sind omnipräsent, ob in Philosophie, Psychologie, Soziologie, Theologie oder Politik. Wir alle sehnen uns nach Gerechtigkeit und können das Gegenteil kaum ertragen. Wir laufen diesem Ideal Zeit unseres Lebens hinterher, ohne es erreichen zu können. Schon an uns selbst scheitern wir kläglich: Wer ernsthaft behauptet, stets gerecht zu sein, ist höchstens selbstgerecht. Unser Ideal ist eine Illusion.

Schauen wir einmal, was sich hinter diesem monströs aufgeladenen Begriff verbirgt: Einst waren es die Kreuzzüge. Später Feldzüge. Globaler Terror heute. Im Namen der Gerechtigkeit wurde und wird gefoltert und gemordet. Was für die einen ein gerechter Krieg, ist für die anderen völkerrechtswidrige Aggression. Der jeweilige ideologische Blickwinkel definiert einen Sachverhalt mal als Recht und mal als Unrecht; oft sind Interventionen legitimiert als Kampf um die Wiederherstellung einer rein subjektiv argumentierten Gerechtigkeit. Oder anders ausgedrückt: Jede Kultur und jede Epoche haben ihre eigene “Gerechtigkeit”. Ein dynamisches Etwas, das nur im Rahmen der jeweils zeitgeschichtlichen Einordnung für einen Moment greifbar zu sein scheint.

Seit Menschengedenken philosophieren Philosophen über das Thema Gerechtigkeit. Max Horkheimer sagte einmal: “Marx ist nicht darauf eingegangen, daß Gerechtigkeit und Freiheit dialektische Begriffe sind. Je mehr Gerechtigkeit, desto weniger Freiheit; je mehr Freiheit, desto weniger Gerechtigkeit. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - wunderbar! Aber wenn Sie die Gleichheit erhalten wollen, dann müssen Sie die Freiheit einschränken, und wenn Sie den Menschen die Freiheit lassen wollen, dann gibt es keine Gleichheit.“

Und wie verhält es sich mit den völlig unterschiedlichen Ausgangssituationen der Menschen? Wenn ein Mensch mit Behinderung zur Welt kommt, was ist ihm dann gegenüber gerecht? Aber auch sozial und intellektuell kommen wir mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Welt. Was bedeutet das für das Thema Chancengleichheit? Und dann sind da noch die Fragen im Zusammenhang mit Besitz. Ist Erben gerecht? Und wie sieht es mit der Freiheit des Einzelnen aus, wenn seine Freiheit die Freiheit anderer einschränkt? Globalisierung, weltwirtschaftliche Probleme, Klimawandel und demografische Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass neben Fragen der innerstaatlichen sozialen Gerechtigkeit auch die der Generationengerechtigkeit, Klimagerechtigkeit und einer gerechten Weltordnung in den Vordergrund rücken.

In den Konflikten des Alltags geht es üblicherweise nicht um das Große und Ganze. Es sind die vergleichsweise kleinen Ärgernisse, die uns streiten lassen. Ungerechtigkeiten im persönlichen Mikrokosmos. Störungen des Gefühls der Ausgewogenheit wie auch Schuldzuweisungen sind Zutaten beinahe eines jeden Streits. Die unbewältigte Vergangenheit dominiert die Gegenwart. Allzu gerne wird dann der Weg vor die Gerichte gesucht. Ein Irrweg als Folge eines Irrglaubens.

Doch Rechtsnormen können in dieser Situation in der Regel keine befriedigende Kompensation bieten. Die Empörung über erlittenes Unrecht bzw. darüber, ungerecht behandelt worden zu sein, wiegt gewöhnlich weitaus schwerer als rechtliche Aspekte, die in einem Urteil berücksichtigt werden. Es kann weltliches, in Gesetzen festgehaltenes Recht gesprochen werden. Damit ist Gerechtigkeit jedoch längst nicht hergestellt. Gerechtigkeit bleibt subjektiv. Sie unterliegt individueller Deutungshoheit. Die Gerechtigkeit gibt es nicht.

Die Gerechtigkeit gibt es nicht in dieser Welt der Illusionen. In einer Welt, die selbst eine Illusion ist, ist Gerechtigkeit selbstverständlich ebenfalls eine Illusion. Mit dem Versuch, in dieser Welt Gerechtigkeit herzustellen, lenkt uns das Ego von der Gerechtigkeit des HIMMELS ab. Das ist eine zentrale Strategie des Egos! Durch den Versuch, das Unmögliche zu erreichen, lenkt es uns von der Wirklichkeit ab.

Im Neuen Testament findet sich das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Bibel EÜ, Matthäus 20,1-16), in dem Jesus seinen Jüngern Folgendes erklärt: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Im Laufe des Tages kamen immer wieder Arbeiter hinzu. Als am Abend alle Arbeiter – unabhängig von ihrer Arbeitszeit – vom Gutsbesitzer einen Denar erhielten, murrten diejenigen, die länger gearbeitet hatten. Da erwiderte der Gutsbesitzer einem von ihnen: “Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?”

Die Gerechtigkeit des HIMMELS hat nichts mit linearer Zeit zu tun. Sie hängt einzig und allein davon ab, ob wir bereit sind, diese Vorstellung von Zeit loszulassen, um damit DER GERECHTIGKEIT GEGENWART wiederzuerkennen.

Die Gerechtigkeit des HIMMELS ist die Wirklichkeit. Doch was bedeutet das für uns? Wenn wir gewillt sind, von allen Wirkungen der Sünde befreit zu werden, heißt das, dass wir allen Werten dieser Welt entsagen werden zugunsten des HIMMELS Frieden. Das heißt, dass wir auch jeder Idee von weltlicher Gerechtigkeit entsagen.

“Du kannst sicher sein, dass jede Antwort auf ein Problem, das der HEILIGE GEIST löst, immer eine sein wird, bei der niemand verliert. Und das muss wahr sein, weil ER von niemandem ein Opfer fordert. Eine Antwort, die den geringsten Verlust für irgend jemanden fordert, hat das Problem nicht gelöst, sondern ihm noch etwas beigefügt, es vergrößert, schwerer lösbar und ungerechter gemacht. Es ist unmöglich, dass der HEILIGE GEIST Ungerechtigkeit als eine Lösung sehen könnte. Für IHN muss das, was ungerecht ist, berichtigt werden, weil es ungerecht ist. Und jeder Irrtum ist eine Wahrnehmung, in der zumindest einer ungerecht gesehen wird. So wird dem GOTTESSOHN keine Gerechtigkeit zuteil. Wenn irgend jemand als Verlierer angesehen wird, ist er verurteilt worden. Und jetzt gebührt ihm Strafe statt Gerechtigkeit.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 3.)

“Die Problemlösung des HEILIGEN GEISTES ist die Weise, wie das Problem endet. Es ist gelöst, weil ihm mit Gerechtigkeit begegnet worden ist. Solang das nicht geschehen ist, wird es wiederkehren, weil es noch nicht gelöst ist. Der Grundsatz, dem zufolge Gerechtigkeit bedeutet, dass niemand verlieren kann, ist für diesen Kurs entscheidend. Denn Wunder hängen von Gerechtigkeit ab. Nicht, wie sie mit den Augen dieser Welt gesehen wird, sondern wie GOTT sie kennt und wie Erkenntnis in der Sicht gespiegelt wird, die der HEILIGE GEIST verleiht.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 5.)

“Dem HEILIGEN GEIST ein Problem zur Lösung übergeben heißt, dass du seine Lösung willst. Doch es für dich behalten, um es ohne SEINE Hilfe zu lösen, heißt dich dazu entscheiden, es solle unbewältigt, ungelöst und dauerhaft in seiner Macht der Ungerechtigkeit sowie des Angriffs bleiben. Niemand kann ungerecht zu dir sein, wenn du dich nicht zuerst entschieden hast, ungerecht zu sein. Und dann erheben sich unweigerlich Probleme, um deinen Weg zu versperren, und der Frieden wird zerstreut durch den Wind des Hasses.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 7. 5.-8.)

“Jedes Wunder ist ein Beispiel für das, was die Gerechtigkeit vollbringen kann, wenn sie jedem gleichermaßen angeboten wird. Sie wird gleichermaßen empfangen und gegeben. Sie ist das Bewusstsein, dass Geben und Empfangen dasselbe sind. Weil sie dasselbe nicht ungleich macht, sieht sie keine Unterschiede, wo es keinen gibt.”
(EKIW: Kapitel 25, IX. 10. 4.-7.)

Was also bleibt noch aufzuheben, damit wir DER GERECHTIGKEIT GEGENWART wiedererkennen? Nur das: Wir haben eine unterschiedliche Auffassung davon, wann Angriff gerechtfertigt ist und wann wir denken, er sei ungerecht und solle nicht gestattet werden. Wenn wir ihn als ungerecht wahrnehmen, denken wir, eine Reaktion des Ärgers sei jetzt gerecht.

“Was heißt das, wenn du Angriff in bestimmten Formen als dir gegenüber ungerecht wahrnimmst? Das heißt, dass es manche Formen geben muss, in denen du ihn als gerecht betrachtest. Wie sonst könnten einige als ungerecht bewertet werden? So wird denn einigen Bedeutung gegeben, und sie werden als vernünftig wahrgenommen. Und nur manche werden als bedeutungslos gesehen. Und das verleugnet die Tatsache, dass alle sinnlos sind, gleichermaßen ohne Ursache oder Konsequenz, und dass sie keinerlei Wirkungen haben können. IHRE GEGENWART wird durch jeden Schleier verhüllt, der zwischen IHRER leuchtenden Unschuld und deinem Bewusstsein steht, dass sie deine eigene ist und jedem Lebewesen, mit dir zusammen, gleichermaßen angehört. GOTT begrenzt nicht. Und was begrenzt ist, kann nicht der HIMMEL sein. Es muss daher die Hölle sein.”
(EKIW: Kapitel 26, X. 2.)

“Ungerechtigkeit und Angriff sind ein Fehler und so fest verbunden miteinander, dass, wo eines wahrgenommen wird, das andere auch gesehen werden muss. Du kannst nicht ungerecht behandelt werden. Der Glaube, du werdest es, ist nur eine andere Form der Idee, dass du durch einen andern und nicht dich selbst Entzug erleidest. Die Projektion der Ursache des Opferns ist die Wurzel von allem, das als ungerecht und nicht als dein gerechtes Verdienst wahrgenommen wird. Doch bist es du, der dieses von sich selber fordert in tiefer Ungerechtigkeit dem GOTTESSOHNE gegenüber. Du hast keinen Feind außer dir selbst, und du bist in der Tat ein Feind für diesen, weil du ihn nicht als dich selbst erkennst. Was könnte ungerechter sein, als dass ihm das, was er ist, entzogen wird, dass ihm das Recht, er selbst zu sein, verweigert und er aufgefordert wird, die LIEBE seines VATERS und die deinige zu opfern, da sie ihm nicht gebührt?”
(EKIW: Kapitel 26, X. 3.)

“Hüte dich vor der Versuchung, dich als ungerecht behandelt wahrzunehmen. Aus dieser Sicht versuchst du eine Unschuld zu finden, die nicht die IHRE ist, sondern allein die deine, und zwar auf Kosten der Schuld eines anderen. Kann Unschuld dadurch erworben worden, dass du einem anderen deine Schuld gibst? Und ist es Unschuld, die dein Angriff auf ihn zu bekommen versucht? Ist es nicht Vergeltung für deinen eigenen Angriff auf den GOTTESSOHN, die du suchst? Ist es nicht sicherer zu glauben, du seist dessen unschuldig und deiner Unschuld ungeachtet zum Opfer gemacht worden? Auf welche Art das Schuldspiel auch gespielt wird, es muss Verlust geben. Jemand muss seine Unschuld verlieren, damit ein anderer sie ihm nehmen kann, um sie zu seiner eigenen zu machen.”
(EKIW: Kapitel 26, X. 4.)

“Was diese Ungerechtigkeit dir antut, der du ungerecht beurteilst und so siehst, wie du geurteilt hast, kannst du gar nicht abschätzen. Die Welt wird trübe und bedrohlich, keine Spur des ganzen frohen Funkelns, das dir die Erlösung bringt, ist für dich wahrnehmbar, auf dass es deinen Weg erhelle. Und so siehst du dich, als seist du des Lichts beraubt, dem Dunkel preisgegeben und ungerecht und ohne Zweck in einer nichtigen Welt zurückgelassen. Die Welt ist gerecht, weil der HEILIGE GEIST die Ungerechtigkeit dem Licht im Innern überbracht hat, und dort ist jede Ungerechtigkeit aufgelöst worden und durch Gerechtigkeit ersetzt und Liebe.”
(EKIW: Kapitel 26, X. 6. 1.-4.)

Täter-Opfer-Illusion

Schuld bildet die Basis des Ego-Denksystems. Es ist unvermeidlich, dass diejenigen, die unter Schuldgefühlen leiden, diese zu verschieben suchen, weil sie ja an sie glauben. Ihre Hauptsorge ist, die Quelle der Schuld außerhalb von sich selbst wahrzunehmen, jenseits ihrer eigenen Kontrolle. Nicht nur für Einzelpersonen, sondern für alles, was wir tun – als Nationen, als Rassen –, gilt die gleiche Logik des Egos: Die anderen sind anders. Die anderen sind schuld. Wir hingegen sind die Guten, wir sind die Opfer ihrer bösen Taten.

Die Dualität von männlich und weiblich ist jenes Thema, das das Ego zurzeit ganz besonders intensiv für sein Täter-Opfer-Spiel nutzt, um sich selbst zu bestätigen. Bei diesem Thema ist es daher sehr wichtig, uns daran zu erinnern, dass es zwischen dem Denksystem des Egos und dem des HEILIGEN GEISTES keine Überschneidungen gibt. Aussagen aus dem einen Denksystem ergeben daher im anderen keinen Sinn.

“Weder GOTT noch das Ego vertreten ein partielles Denksystem. Jedes ist in sich stimmig, aber sie sind einander in jeder Hinsicht diametral entgegengesetzt, so dass eine teilweise Treue unmöglich ist.”
(EKIW: Kapitel 11, Einleitung, 1. 3.&4.)

In Wahrheit gibt es weder Täter noch Opfer. Im HIMMEL gibt es keine Trennung, aber selbst in dieser Welt geschieht alles entsprechend unseres Verlangens.

“Niemand kann Verlust erleiden, außer wenn es seine eigene Entscheidung ist. Niemand erleidet Schmerz, außer wenn seine Wahl diesen Zustand für ihn aussucht. Niemand kann sich grämen oder ängstigen oder denken, er sei krank, außer wenn dies die Ergebnisse sind, die er haben will. Und niemand stirbt ohne seine eigene Zustimmung. Nichts geschieht, was nicht deinen Wunsch darstellte, und nichts wird weggelassen, was du wählst. Hier ist deine Welt, vollständig bis in alle Einzelheiten. Hier ist ihre ganze Wirklichkeit für dich. Und hier allein ist die Erlösung.”
(EKIW: Lektion 152, 1.)

Im Denksystem des Egos ergibt diese Aussage keinen Sinn. Auf diesem Planeten, auf dem fast die gesamte Menschheit noch immer völlig unbewusst im Ego-Denksystem gefangen ist, wird daher selbstverständlich zwischen Täter und Opfer unterschieden. Es geht auch nicht darum, die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Es ist unmöglich, die Wahrheit der Phantasie zu überbringen und aus der Perspektive der Illusionen zu lernen, was die Wahrheit bedeutet. Wenn wir uns jedoch ernsthaft auf einem spirituellen Weg befinden und aus der Illusion der Trennung erwachen wollen, müssen wir uns unserer eigenen Perspektive auf das Thema “Täter und Opfer” stellen.

“Es ist unmöglich, dass irgendetwas zu mir kommen könnte, was nicht von mir erbeten wurde. Sogar in dieser Welt bin ich es, der mein Schicksal beherrscht. Was geschieht, ist das, wonach ich verlange. Was nicht geschieht, ist das, wovon ich nicht will, dass es geschehe. Das muss ich akzeptieren. Denn so werde ich an dieser Welt vorbei zu meinen Schöpfungen geführt, den Kindern meines Willens im HIMMEL, wo mein heiliges SELBST mit ihnen weilt und mit IHM, DER mich schuf.”
(EKIW: Lektion 253, 1.)

Wir müssen bereit sein, die Quelle unserer Wahrnehmung zu betrachten.

“Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt. Die Welt, die du siehst, ist das, was du ihr gegeben hast, nicht mehr als das. Doch wenn sie auch nicht mehr als das ist, ist sie auch nicht weniger. Deswegen ist sie für dich wichtig. Sie ist das Zeugnis für den Zustand deines Geistes, das äußere Bild eines inneren Zustands. Wie ein Mensch denkt, so nimmt er wahr. Suche deshalb nicht, die Welt zu ändern, sondern entscheide dich, dein Denken über die Welt zu ändern. Die Wahrnehmung ist eine Folge und nicht eine Ursache.”
(EKIW: Kapitel 21, Einleitung, 1. 1.-8.)

Wenn wir uns primär mit unserem körperlichen Aussehen identifizieren, dann werden wir die Erfahrung machen, wie ein Ding behandelt zu werden. Gilt unsere primäre Identifikation hingegen unserem Kontostand, dann werden wir die Erfahrung machen, wie Geld behandelt zu werden. Entspricht unsere primäre Identifikation unserem persönlichen Bekanntheitsgrad, dann werden wir die Erfahrung machen, wie eine Erinnerung behandelt zu werden. So werden wir beispielsweise zu Veranstaltungen eingeladen, weil wir reich, schön oder berühmt sind, aber nicht, weil wir ein Kind GOTTES sind.

Im Zustand der Ego-Identifikation werden die “Vorzüge“ dieser falschen Identifikation meist gerne in Kauf genommen – sie sind schließlich das Ziel des ganzen Spiels. In diesem Zustand wollen wir jedoch die dunkle Seite dieses Spiels nicht sehen. Und hier wird es heikel, wenn wir uns dem hochaktuellen Thema der Täter-Opfer-Dynamik zwischen Mann und Frau nähern. Jesus weist im Kurs ganz klar darauf hin, was es bedeutet, sich mit dem eigenen Körper zu identifizieren und ihn zu benutzen, um andere anzuziehen.

“Schmücken des Körpers sucht zu zeigen, wie schön die Zeugen für die Schuld sind."
(EKIW: Kapitel 27, I. 6. 8.)

“Kannst du einem Gerippe rote Lippen malen, es in Liebreiz kleiden, liebkosen und verwöhnen und es lebendig machen?”
(EKIW: Kapitel 23, II. 18. 8.)

“Sieh dir den ganzen Flitter an, dazu gemacht, den Körper zu behängen, ihn zu bedecken oder von ihm gebraucht zu werden. Sieh all die unnützen Dinge, dazu gemacht, dass seine Augen sie erblicken. Denk an die vielen Angebote für seine Lust, und erinnere dich daran, dass sie alle dazu gemacht sind, um etwas schön erscheinen zu lassen, was du hasst. Möchtest du dieses verhasste Ding einsetzen, um deinen Bruder zu dir hinzuziehen und seines Körpers Augen anzulocken? Lerne, dass du ihm nur eine Dornenkrone bietest, die du nicht als das erkennst, was sie ist, und dass du versuchst, deine eigene Deutung ihres Wertes dadurch zu rechtfertigen, dass er sie annimmt. Dabei verkündet die Gabe doch, für wie wertlos du ihn hältst, wie auch sein Annehmen und sein Entzücken den Mangel an Wert bestätigen, den er sich selber beimisst.”
(EKIW: Kapitel 20, II. 1.)

Es gilt zu erkennen, welchen Wert wir uns selbst und unseren Brüdern beimessen, wenn wir dieses Spiel spielen. Und es gilt zu erkennen, wie wir immer wieder versuchen, unseren Selbsthass nach außen zu projizieren.

“Nur Selbstankläger verurteilen. Während du dich vorbereitest, eine Wahl zu treffen, die andere Ergebnisse zur Folge haben wird, gibt es zuerst etwas, was es intensiv zu lernen gilt. Es muss zu einer Gewohnheit des Reagierens werden, die so typisch ist für alles, was du tust, dass sie zu deiner ersten Reaktion auf jegliche Versuchung und auf jede Lage wird, die sich ergibt. Lerne das, und lern es gut, denn hier wird die Verzögerung des Glücks um eine ungeahnte Spanne Zeit verkürzt. Du hasst deinen Bruder nie um seiner Sünden, sondern nur um deiner eigenen willen. Welche Form seine Sünden auch anzunehmen scheinen, sie verschleiert nur die Tatsache, dass du glaubst, sie seien deine und verdienten deshalb den gerechten Angriff.”
(EKIW: Kapitel 31, III. 1.)

Verschleierter Götzendienst

Eine besonders subtile Strategie des Egos auf dem spirituellen Weg ist es, den Umgang mit Götzen zu verschleiern. Dann reden wir uns ein, wir können machen, was wir wollen, wir dürfen uns nur davon kein Glück erwarten. Aber seien wir doch ehrlich: Warum sollten wir etwas tun, wenn wir uns davon nichts erwarten? Solange wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, befinden wir uns in der Illusion der linearen Zeit und in der Illusion der Entscheidungen. Jede unserer Entscheidungen ist somit mit der Erwartung eines bestimmten Ergebnisses verbunden.

Ein erleuchteter Geist ruht im Hier und Jetzt und hat jedes egoische Verlangen wirklich losgelassen. Er erlebt von Augenblick zu Augenblick Vollkommenheit und Ganzheitlichkeit und darin die exquisite Schönheit, Ehrfurcht und Heiligkeit. Nun wird jede Beziehung zu einem Ausdruck des Heiligen, und es entsteht die Freude an einem exquisiten Gefühl der Lebendigkeit. Das ist es, was es bedeutet, die Welt zu transzendieren.

Ein erleuchteter Geist trifft keine persönlichen Entscheidungen mehr, weil es nichts zu entscheiden gibt. Er sieht überall den Ausdruck der LIEBE GOTTES. SIE hat keinen Anfang und kein Ende. SIE wird als unendlicher Raum erfahren, der sowohl die Persönlichkeit als auch Zeit und Raum transzendiert. Für einen Erleuchteten spielt es keine Rolle, ob er in einem Luxusrestaurant oder bei McDonalds sitzt oder einen Porsche oder ein altes Fahrrad fährt. Er ist weder dafür noch dagegen. Er hat sich nicht persönlich dafür entschieden, sondern schaut mit vollkommener LIEBE auf das, was sich in diesem heiligen Augenblick auf der Ebene der Form entfaltet.

In diesem Zustand der Vollkommenheit kann alles, was auf der Ebene der Form geschieht, augenblicklich beendet werden, ohne dass ein Gefühl des Verlustes entsteht. In diesem Zustand hoher Energie, voller Freude und Glückseligkeit, gibt es kein Gefühl des Verlustes. Das liegt daran, dass wir nicht in der Vorfreude leben, sondern im Jetzt. Die Natur des Erlebens entsteht aus der Vollkommenheit in jedem Augenblick.

Solange wir uns aber für oder gegen etwas in der Welt entscheiden, haben wir noch Erwartungen an die Sache oder das Geschehen und das ist nicht der Frieden GOTTES. Wir sollten uns nicht selbst belügen, was unseren Geisteszustand betrifft.

“Die Angst vor Heilung entsteht letztendlich aus dem Unwillen, eindeutig zu akzeptieren, dass Heilung nötig ist. Was das leibliche Auge sieht, ist nicht berichtigend, und der Irrtum kann auch nicht durch irgendeine Einrichtung berichtigt werden, die physisch sichtbar ist. Solange du an das glaubst, was deine physische Sicht dir mitteilt, werden deine Berichtigungsversuche fehlgeleitet sein. Die wirkliche Schau ist verschleiert, weil du es nicht ertragen kannst, deinen eigenen entweihten Altar zu sehen. Da der Altar jedoch entweiht worden ist, wird dein Zustand doppelt gefahrvoll, es sei denn, er wird wahrgenommen.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 8.)

“Diesen Kurs zu lernen erfordert die Bereitwilligkeit, jeden Wert in Frage zu stellen, den du hast. Es gibt nicht einen einzigen, den du versteckt und verschleiert halten kannst, ohne dein Lernen zu gefährden. Keine Überzeugung ist neutral. Eine jede hat die Macht, jede Entscheidung zu diktieren, die du triffst. Denn eine Entscheidung ist eine Schlussfolgerung, die auf allem gründet, was du glaubst. Sie ist das Ergebnis der Überzeugung und folgt ebenso gewiss darauf wie Leiden auf die Schuld und Freiheit auf die Sündenlosigkeit. Es gibt keinen Ersatz für den Frieden. Was GOTT erschafft, hat keine Alternative. Die Wahrheit geht aus dem hervor, was ER weiß. Und deine Entscheidungen kommen ebenso sicher von deinen Überzeugungen, wie alle Schöpfung in SEINEM GEIST erstand, aufgrund dessen, was ER weiß.”
(EKIW: Kapitel 24, Einleitung, 2.)

“Was ist ein Götze? Glaubst du es zu wissen? Denn Götzen werden nicht erkannt als solche und nie als das gesehen, was sie wirklich sind. Das ist die einzige Macht, die sie haben. [...] Sei es ein Körper oder Ding, ein Ort, eine Situation oder ein Umstand, ein Gegenstand, den man besitzt oder gerne haben möchte, oder ein Recht, welches gefordert wird oder erlangt - es ist dasselbe.”
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 1.)

Komplexität

Es ist immer so, dass wir es nie mit den einfachen Dingen versuchen, weil wir denken: ”Das ist so einfach, dass es nicht wahr sein kann”. Aber die Wahrheit ist immer einfach, sie ist nie kompliziert. Sie braucht nicht kompliziert zu sein. Nur Lügen sind kompliziert. Sie können nicht einfach sein, denn wenn sie einfach wären, würden sie sofort auffliegen.

Unsere Art zu denken ist bei dem Versuch, mit unserem Unwissen und Misstrauen umzugehen, unglaublich kompliziert geworden. Dies spiegelt sich in einer ständig wachsenden Komplexität der Welt wider. Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unser Gesundheitssystem, unsere Kommunikationssysteme, genauso wie das Finanzsystem sind komplexe, dynamische Systeme. Digitalisierung und Globalisierung schaffen ein besonders hohes Maß an Komplexität.

Komplexe Systeme weisen eine ungeheure Vielfalt an Phänomenen auf, die nicht verstanden werden können, wenn man die Elemente einzeln betrachtet, und genau das versucht das Ego zu tun. Es zerlegt die Welt in immer kleinere Teile und versucht dann, zwischen diesen Teilen Gerechtigkeit, Ausgleich oder eine Richtungsänderung herbeizuführen. Es ist ganz typisch für komplexe Systeme, dass man, sobald man anfängt, sie zu kontrollieren, das Gegenteil von dem erreicht, was man damit erreichen wollte.

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind."

(Albert Einstein)

Es hat keinen Sinn, zu versuchen, die Welt auf der Ebene des Egos zu verändern, denn die Welt ist die Wirkung des egoischen Gedankensystems. Andererseits ist es sehr wohl sinnvoll, unsere Gedanken über die Welt zu ändern. Dadurch ändern wir die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst ändern. Die Wahrheit ist ganz einfach, es braucht nur etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Die Einfachheit liegt im Denken. Das Gedankensystem des Heiligen Geistes ist die Einfachheit! Es hat nichts mit Bildern zu tun, nichts mit der Ebene der Form, es ist die Neuinterpretation der Bilder, die Neuinterpretation der Welt der Formen. Wir können in einer Megacity oder in der Wüste vollkommen glücklich sein. Die Komplexität hat nichts mit den Bildern zu tun, nichts mit der Form, es ist das Denken! Das Denken des Egos ist komplex. Das Denken des Heiligen Geistes ist einfach.

Jesus weist uns im Kurs auf Folgendes hin:

"Dieser Kurs ist deswegen einfach, weil die Wahrheit einfach ist.
Komplexität ist vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego,
das Offensichtliche zu verschleiern."

In Lektion 64 heißt es:
"Bereite dich im voraus auf alle Entscheidungen vor, die du heute treffen wirst, indem du daran denkst, dass sie alle in Wirklichkeit ganz einfach sind. Jede führt entweder zu Glück oder zu Unglück. Kann eine so einfache Entscheidung wirklich schwer zu treffen sein? Lass dich nicht durch die Form der Entscheidung täuschen. Komplexität der Form lässt nicht auf Komplexität des Inhalts schließen. Es ist unmöglich, dass irgendeine Entscheidung auf Erden einen anderen Inhalt haben könnte als diese eine einfache Wahl. Es ist die einzige Wahl, die der HEILIGE GEIST sieht. Deshalb ist es die einzige Wahl, die es gibt."

In Lektion 79 heißt es:

"Niemand könnte all die Probleme lösen, die die Welt scheinbar in sich birgt. Sie scheinen auf so vielen Ebenen aufzutreten, in so unterschiedlicher Form und mit derart mannigfaltigen Inhalten, dass sie dich in eine unmögliche Situation versetzen. Verzweiflung und Depression sind unausweichlich, wenn du sie ansiehst. Manche tauchen unerwartet auf, gerade wenn du glaubst, die vorigen gelöst zu haben. Andere bleiben unter einer Wolke der Verleugnung ungelöst, suchen dich heim von Zeit zu Zeit, nur um wiederum, noch immer ungelöst, versteckt zu werden.

Diese ganze Komplexität ist bloß ein verzweifeltes Bemühen, das Problem nicht zu erkennen und es deshalb nicht lösen zu lassen. Könntest du erkennen, dass Trennung dein einziges Problem ist, gleichgültig, welche Form sie annimmt, dann könntest du die Antwort akzeptieren, denn du würdest sehen, dass sie zutrifft. Nähmest du die Konstanz wahr, die allen Problemen, die sich dir zu stellen scheinen, zugrunde liegt, dann würdest du verstehen, dass du die Mittel hast, sie allesamt zu lösen. Und du würdest die Mittel einsetzen, weil du das Problem erkannt hättest."

Identifikation mit Wissen

Wahres Wissen ist Erkenntnis, aber Erkenntnis bedeutet Transzendenz und liegt jenseits der Dualität von Wissen und Nichtwissen.

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen sind voller Wissen, die anderen sind voller Unwissenheit. Es gibt Leute, die sagen: “Wir wissen Bescheid.” Ihr Ego gründet sich auf ihr Wissen. Und es gibt Leute, die sagen: “Wir wissen gar nichts.” Sie sind erfüllt von ihrer Unwissenheit. Sie sagen: “Wir haben keine Ahnung, wir wissen nichts.” Die einen sind mit Wissen identifiziert, die anderen sind mit Nichtwissen identifiziert - aber beide besitzen sie etwas und sind somit nicht frei. Schiebe beides beiseite, Wissen wie Unwissen, so dass du keins von beidem bist, weder unwissend noch wissend. Schiebe sowohl das Positive wie das Negative beiseite. Wer bist du dann? Plötzlich wird es sich dir offenbaren, dieses “Wer”. Dann wird dir bewusst, was jenseits ist, was transzendiert.

Die List des vom Ego getriebenen Verstandes besteht darin: Er kann zwar das eine, nie aber beides zugleich ausräumen. So können wir die Unwissenheit weglassen, dann klammern wir uns ans Wissen. Oder wir missachten alles Wissen, alle Bücher und pochen auf unsere Unwissenheit. Das sind die “großen Entsager”. Sie missachten das, woran sich die anderen klammern - und klammern sich ans Gegenteil! Aber das Klammern bleibt dasselbe. Das Klammern ist das Problem; denn wer klammert, der kann nicht frei sein.

Die Strategie des Egos im Zusammenhang mit Spiritualität besteht meist darin, Wissen als Besitz zu betrachten und danach zu streben. Dazu kann natürlich auch die Beschäftigung mit Ein Kurs in Wundern missbraucht werden. Wir erkennen das daran, dass wir “predigen” und dabei ständig Zitate aus dem Kurs mit genauer Quellenangabe verwenden. Wenn wir für jede Textpassage, die wir verwenden, die genaue Stelle im Kurs kennen, dann ist offensichtlich etwas schief gelaufen. Die falsche Verwendung von Wissen als Besitz kann zu verschiedenen falschen Vorstellungen führen, z.B:
  • zur Idee, dass man durch Wissen für andere anziehender wird.

  • zur Idee, dass Wissen uns unanfechtbar oder unverletzlich machen kann. Dies ist jedoch eine Abwehr gegen die dahinterliegende Angst, verletzbar zu sein.

  • zur Idee, dass Wissen das Individuum wertvoller macht.
Es klingt widersprüchlich, paradox, doch alle Worte aller Mystiker dienen nur dazu, uns zum Tempel des Schweigens zu bringen - uns zum Schweigen zu bringen, uns ins Schweigen zu locken. Jesus hat uns nicht umsonst einen Kurs mit über 500.000 Wörtern gegeben. Wenn wir uns bis an den Punkt mit Worten vollgesogen haben, an dem wir still werden könnten, dann gilt es alles Wissen wegzuwerfen; es ist wertlos, ja es ist gefährlich, es mitzuschleppen. Wenn wir endlich erkannt haben, dass Sprache nichts bringt, gefährlich ist, dass dieses innere Wortemachen die einzige Schranke ist, und wenn wir bereit sind, still zu sein, dann dürfen wir nicht vergessen: Schleppen wir nichts von dem mit, was wir gelesen oder gehört haben. Denn die Wahrheit lässt sich nicht in Worte fassen, und alles, was sich in Worte fassen lässt, kann nicht die Wahrheit sein. Worte können nur in die Richtung der Wahrheit weisen. Worte sind wie Wegweiser, je weiter wir vom Ziel entfernt sind, desto mehr sind wir auf sie angewiesen. Wenn wir unser Ziel erreicht haben, brauchen wir sie nicht mehr. Werfen wir die ganze Last ab. Deswegen heißt es im Kurs “Dieser Kurs ist ein Beginn, kein Ende.”, “Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass Worte nur Symbole von Symbolen sind. So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.” und weiters “Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem GOTT.”

Der Versuch die Wahrheit in die Illusion zu bringen

Eine weitere Strategie des Egos besteht im Versuch, die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Dies wird in den meisten Religionen und spirituellen Konzepten versucht, und obwohl wir nun seit Jahrtausenden die Erfolglosigkeit dieses Versuchs beobachten können, wird er in immer neuer Form wiederholt. In den Religionen zeigt sich dieser Irrtum am deutlichsten in der Vorstellung eines zugleich liebenden und strafenden Gottes.

“Da ist kein Teil des HIMMELS, den du nehmen und in die Illusionen einflechten kannst. Und es gibt nicht eine einzige Illusion, mit der du in den HIMMEL eingehen kannst.”
(EKIW: Kapitel 22, II. 8. 1.-2.)

Natürlich versucht das Ego auch, den Kurs in Wundern zu nutzen, um die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Dann wird versucht, den Kurs in eine besondere Beziehung, in die Familie, ins Berufsleben oder in die Politik zu integrieren. Das bedeutet, dass das persönliche Selbst versucht, den Kurs intellektuell zu interpretieren, ohne die Illusion eines persönlichen Selbst in Frage zu stellen. Dies steht im kompletten Widerspruch zu den Kernaussagen des Kurses. So wird aus dem Kurs nur ein weiteres Konzept, mit dem sich das Ego identifiziert, aber Erlösung ist so unmöglich.

Eine weitere Herausforderung für uns westlich Gebildete besteht darin, all unsere psychologischen Lösungsversuche wieder zu verlernen. Verlernen ist wahres Lernen in der Welt. Aber wir haben Jahrzehnte damit verbracht, uns Wissen anzueignen, und wir identifizieren uns bis zu einem gewissen Grad damit, und so ist die Versuchung groß, zu versuchen, gleichzeitig psychologische Lösungskonzepte anzuwenden und dem HEILIGEN GEIST zu folgen. Aber das ist grundsätzlich unmöglich. Wir können entweder weiterhin versuchen, unsere Probleme auf der Ebene der Psychologie und damit auf der Ebene der Trennung zu lösen, oder wir können unsere Irrtümer dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung übergeben. Wir können nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

Ein Beispiel: Solange wir uns als ein von unseren Mitmenschen getrenntes Individuum betrachten, macht die Aussage, dass wir ein Kind GOTTES sind, keinen Sinn, denn GOTT hat keine Trennung geschaffen. Wir können nicht einerseits an der Idee der Trennung festhalten und uns gleichzeitig als Kind GOTTES erleben. Es ist unmöglich, die Wahrheit der EINHEIT in die Illusion der Trennung zu bringen.

“Für ein Kind GOTTES ist es unmöglich, seinen Nächsten nicht so zu lieben wie sich selbst.”
(EKIW: Kapitel 5, Einleitung, 3. 6.)

Wie sehr das Ego versucht, auch den Kurs für sich zu vereinnahmen, zeigt sich schon allein daran, dass es in den USA mittlerweile fünf Versionen des Kurses gibt und es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen um das Copyright gekommen ist. Hinzu kommt die verrückte Idee, den Kurs im Geiste und Stil bestimmter Personen zu interpretieren, die an der Veröffentlichung des Kurses beteiligt waren. Auf diese Weise ist seinerzeit auch die christliche Religion entstanden. Sie beruht weitgehend auf der Interpretation der Lehre Jesu durch eine einzige Person, den Apostel Paulus. Der Kurs kann nicht im Sinne bestimmter mit dem Kurs beschäftigter Personen interpretiert werden, der Kurs kommt von Jesus und verweist auf die Wahrheit, die kein Gegenteil kennt.

Tatsache ist, dass es nur eine mögliche Interpretation vom Kurs in Wundern gibt, wenn man ihn wirklich versteht. Ändert man ihn, was immer wieder vorkommt, ist es nicht mehr Ein Kurs in Wundern. Im Kapitel über die “Gesetze des Chaos” lautet das erste dieser vom Ego gemachten Gesetze, die die vom Ego gemachte Welt beherrschen: “Die Wahrheit ist für jeden eine andere.” Und so versuchen alle unbewusst mit dem Ego identifizierten Geister, ihre Wahrheit zu finden und auszudrücken. Ihre so genannte Wahrheit ist dazu da, sie dort festzuhalten, wo sie sind. Jesus lehrt in seinem Kurs, dass die Wahrheit nicht für jeden eine andere ist. Sie ist nicht relativ. Jesus sagt, die Wahrheit ist die Wahrheit, egal ob wir sie verstehen und mit ihr einverstanden sind oder nicht. Die Wahrheit unterliegt ebenso wenig der Interpretation wie der Kurs. Jesus ist der Lehrer, wir sind seine Schüler.

Die Wahrheit kann nicht interpretiert werden, die Wahrheit IST. Die Wahrheit lässt sich nicht interpretieren, sondern nur erfahren. Erst die Erfahrung einer Offenbarung lässt uns den Unterschied zwischen Interpretation und Wirklichkeit erkennen. Dann verschwindet all die Verwirrung um die Worte dieses Buches, denn Worte sind nur Symbole von Symbolen. So sind sie zweifach von der Wirklichkeit entfernt.

In vielen modernen westlichen nondualen Konzepten ist davon die Rede, dass echte Nondualität die Dualität integriere. Selbst dieser Widerspruch, der schon in den Worten offensichtlich ist, wird weiterhin geglaubt, weil es genau das ist, was das Ego hören will. Doch nur weil wir neue Worte dafür verwenden wird es nicht wahr. Das ist die Wiederholung des gleichen Irrtums wie wir ihn in den christlichen Kirchen finden, die die Erschaffung der Welt Gott unterstellen. Doch die Wirklichkeit kann die Illusion nicht integrieren, die Wahrheit kann keine Lüge integrieren. Ein wahrhaft spiritueller Weg versucht nicht die Dualität zu integrieren, sondern transzendiert sie.

“Unsere Vereinigung ist deshalb der Weg, dem Ego in dir zu entsagen. Die Wahrheit in uns beiden liegt jenseits des Ego. Dass es uns gelingen wird, das Ego zu transzendieren, verbürgt uns GOTT, und ich teile diese Zuversicht für uns beide und uns alle.”
(EKIW: Kapitel 8, V. 4. 2.-4.)

“Wahrheit und Illusion haben keine Verbindung. Und das wird ewig wahr bleiben, wie sehr du sie auch miteinander zu verbinden suchen magst. Illusionen aber sind immer miteinander verbunden, wie es auch die Wahrheit ist. Jede ist vereinigt und ein vollständiges Denksystem, mit der anderen total unverbunden. Das wahrzunehmen heißt begreifen, wo die Trennung ist und wo sie geheilt werden muss.”
(EKIW: Kapizel 19, I. 7. 1.-5.)

Tatsächlich beruhen die meisten modernen westlichen nondualen Konzepte auf einem Missverständnis. Sie beziehen sich auf Advaita-Vedanta, die heute populärste Richtung der indischen Spiritualität. Wesentliches Merkmal des Advaita-Vedanta ist die Wesensidentität von Atman und Brahman, deshalb die Bezeichnung Advaita-Vedanta, also „Vedanta der Nichtzweiheit“. Richtig verstanden verweist dies auf die Einheit GOTTES (Brahman) und seines SOHNES (Atman), häufig als wahres SELBST bezeichnet. Der SOHN GOTTES, das wahre SELBST, ist der reine geeinte Geist, die ewige Essenz des Geistes. Diese EINHEIT ist die Wirklichkeit. Der Traum der Dualität (Maya), den das Ego - also der schlafende Geist - träumt, ist kein Teil der Wirklichkeit und kein Gegensatz zur Wirklichkeit - er ist ein Traum.

"Die Wahrheit kann kein Gegenteil haben. Das kann nicht oft genug gesagt und überdacht werden. Denn wenn das, was nicht wahr ist, ebenso wahr ist wie das, was wahr ist, dann ist ein Teil der Wahrheit falsch. Und die Wahrheit hat ihre Bedeutung verloren. Nichts als die Wahrheit ist wahr, und was falsch ist, ist falsch."
(EKIW: Lektion 152, 3. 5.-8.)

"Denkst du, dass du die Wahrheit der Phantasie überbringen und aus der Perspektive der Illusionen lernen kannst, was die Wahrheit bedeutet? Die Wahrheit hat in der Illusion keine Bedeutung. Sie selbst muss der Bezugsrahmen ihrer Bedeutung sein. Wenn du versuchst, die Wahrheit den Illusionen zu überbringen, dann versuchst du, Illusionen wirklich zu machen und sie beizubehalten, indem du deinen Glauben an sie rechtfertigst. Illusionen der Wahrheit übergeben heißt jedoch, es der Wahrheit zu ermöglichen, die Unwirklichkeit der Illusionen zu lehren, und es dir daher zu ermöglichen, ihnen zu entrinnen. Behalte dir nicht eine einzige Idee vor abseits von der Wahrheit, sonst stellst du Rangordnungen der Wirklichkeit auf, die dich gefangen nehmen müssen. Es gibt keine Rangordnung in der Wirklichkeit, weil dort alles wahr ist."
(EKIW: Kapitel 17. I. 5.)

"Sei dir gewiss: Es ist unmöglich, dass GOTT und das Ego oder du und das Ego einander je begegnen werden."
(EKIW: Kapitel 23, I. 3. 1.)

Eine andere Beschreibung des Versuchs, die Wahrheit in die Illusion zu bringen, nennt sich Spiritual Bypassing.

Spiritual Bypassing

Sei positiv, verbreite gute Vibes, übe einfach nur die richtige Atemtechnik oder chante ein bisschen, dann geht es dir wieder gut. So mancher spirituelle Weg endet - unbemerkt und trotz bester Absichten - in einem goldenen Nebel aus spirituellen Methoden und Ideen, die uns von unserer Lebendigkeit und damit von wirklicher Entwicklung abschneiden, statt uns zu wahrer Befreiung zu führen. Kurzum, in Spiritual Bypassing.

Der Begriff Spiritual Bypassing wurde vom Psychologen John Welwood im Jahr 1984 geprägt. Gemeint ist damit, dass spirituelle Praktiken und Überzeugungen genutzt werden, um sich schmerzhaften Gefühlen - deren Basis letztendlich immer Angst ist - nicht stellen zu müssen (der englische Begriff „to bypass” heißt „umgehen” oder „überbrücken”).

Menschen, die spirituell vermeiden, sind in ihrem Selbstbild entweder „erleuchtet“, „frei und wild“, „haben gutes Karma“, „tragen bedingungslose Liebe in sich“ oder haben sich ganz generell „von allem Ballast befreit“. Es wird sich eine persönliche Philosophie zurechtgelegt, die scheinbar jede Beschäftigung mit Negativität subjektiv unnötig macht. Es ist die Phase, in der wir uns, wie Simba und seine neuen Freunde Timon und Pumbaa im Film Der König der Löwen, in der Philosophie des “Hakuna Matata” verlieren („Es gibt keine“ (hakuna) „Probleme/Schwierigkeiten“ (matata)”). Das ist der Geisteszustand von “Don’t Worry, Be Happy”, der aber nicht der Friede GOTTES ist.

“Es abzulehnen, anderen Geistes zu werden, ist kein Beweis dafür, dass die Trennung nicht stattgefunden hat. Der Träumer, der die Wirklichkeit seiner Träume bezweifelt, während er noch träumt, heilt seinen gespaltenen Geist nicht wirklich. Du träumst von einem getrennten Ego und glaubst an eine Welt, die auf ihm beruht. Das ist für dich sehr wirklich. Du kannst es nicht aufheben, wenn du dein Denken nicht darüber änderst. Wenn du bereit bist, auf deine Rolle als Hüter deines Denksystems zu verzichten und es mir zu öffnen, werde ich es ganz sanft berichtigen und dich zu GOTT zurückführen.”
(EKIW: Kapitel 4, I. 4. 2.-7)

“Niemand kann Illusionen entrinnen, wenn er sie nicht ansieht, denn durch Nicht-Hinsehen werden sie geschützt.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 1. 1.)

Vergebung als Vermeidungsstrategie

Wenn wir beginnen, unsere Irrtümer dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung zu übergeben, ist eine Strategie des Egos, diese Übergabe als Vermeidungsstrategie zu benutzen. Das Ego versteht die Wahrheit nicht und benutzt daher das Konzept der Berichtigung, um unangenehme Gefühle zu vermeiden. Es versucht also, einen oberflächlich als falsch erkannten Gedanken der Berichtigung zu übergeben, ohne die damit verbundenen Gefühle an die Oberfläche kommen zu lassen. Deshalb räumt das Ego dem Berichtigungsprozess auch viel zu wenig Zeit ein, Zeit, die es bräuchte, damit die unterdrückten Gefühle an die Oberfläche kommen können. Auf diese Weise findet keine wirkliche Berichtigung statt, und das Glück und der tiefe Frieden des heiligen Augenblicks stellen sich nicht ein. Erst wenn wir unsere Irrtümer vollständig dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung übergeben haben, verschwinden alle Auswirkungen aus unserem Geist und die Schönheit der wahren LIEBE kommt zum Vorschein.

“Nähere dich nie dem heiligen Augenblick, nachdem du versucht hast, alle Angst und allen Hass aus deinem Geist zu entfernen. Das ist dessen Funktion. Versuche niemals, über deine Schuld hinwegzusehen, bevor du um die Hilfe des HEILIGEN GEISTES bittest. Das ist SEINE Funktion. Dein Teil ist nur, IHM eine kleine Bereitwilligkeit anzubieten, dass ER alle Angst und allen Hass entferne und dass dir vergeben werde. Auf deinen kleinen Glauben, verbunden mit SEINEM Verständnis, wird ER deinen Teil an der SÜHNE bauen und sich vergewissern, dass du ihn leicht erfüllst. Und mit IHM wirst du eine Leiter bauen, die im massiven Felsen des Glaubens verankert ist und bis in den HIMMEL reicht. Und du wirst sie nicht benutzen, um alleine in den HIMMEL aufzufahren.”
(EKIW: Kapitel 18, V. 2.)

Lektion 23 führt die Idee ein, dass wir in der Welt, die wir sehen, nicht gefangen sind, weil ihre Ursache verändert werden kann:

“Diese Veränderung erfordert, dass die Ursache erst identifiziert und dann losgelassen wird, damit sie ersetzt werden kann. Die ersten beiden Schritte bei diesem Vorgang erfordern deine Mitwirkung. Der letzte nicht. Deine Bilder wurden bereits ersetzt. Wenn du die ersten beiden Schritte tust, wirst du sehen, dass dem so ist.”
(EKIW: Lektion 23, 5. 2.-6.)

Vergebung ist ein zutiefst mystischer Prozess, der sich unserem intellektuellen Verständnis entzieht, und doch können wir einige Punkte beachten, wenn wir Vergebung üben:
  1. Alle Gefühle zulassen. Es geht nicht darum, etwas zu vermeiden, sondern darum, etwas mit dem HEILIGEN GEIST anzuschauen.

  2. Den Irrtum im eigenen Geist identifizieren.

  3. Den Irrtum loslassen.

  4. Den HEILIGEN GEIST bitten, uns SEINE Sicht auf diese Situation zu zeigen. Anders formuliert: Den HEILIGEN GEIST bewusst um SEINEN Ersatz für die Dunkelheit bitten. Dies ist nur scheinbar ein Ersatz, es kommt ganz einfach die Wahrheit wieder zum Vorschein.

  5. Zum Prozess der Vergebung gehört ganz grundsätzlich die Erinnerung dazu, dass wir träumen.

  6. Dem Vorgang genug Zeit und Raum geben.

Die entscheidende Frage ist aber immer - wollen wir überhaupt vergeben oder wollen wir lieber noch an unseren Urteilen festhalten?

Bei der Vergebung geht es nicht nur darum, dem HEILIGEN GEIST lediglich eine Idee zu übergeben, von der man intellektuell verstanden hat, dass sie falsch ist, sondern darum, die ganze Dunkelheit ans Licht zu bringen. Zu dieser Dunkelheit gehören die egoischen Grundüberzeugungen und die darauf aufbauenden Ideen und vor allem auch die damit verbundenen Gefühle. Es gilt, neben den Urteilen und dem damit verbundenen Ärger über unsere Brüder auch den dahinter liegenden Selbsthass, die Schuldgefühle und die Angst zu spüren und dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung zu übergeben. Wir dürfen uns vor dem Ego nicht fürchten und deshalb versuchen, etwas zu vermeiden, sondern wir müssen uns der Dunkelheit in unserem gespaltenen Geist stellen. Nur wenn wir die Dunkelheit mit dem HEILIGEN GEIST anschauen, wird sie verschwinden. Je länger wir die Angst anschauen, um so weniger sehen wir sie und desto klarer wird uns dann, was sie verbirgt. Erst wenn der Selbsthass verschwunden ist und die SELBSTliebe erscheint, ist der Vergebungsprozess abgeschlossen.

Wenn wir aber dem Vergebungsplan des Egos folgen, werden wir sehr schnell bereuen, ohne uns wahrhaftig unserer Dunkelheit, unserem Hass, unserer Wut zu stellen. Erst werden wir wütend, und hinterher bereuen wir. Wir bitten um Verzeihung. Warum tun wir das? Weil unsere Wut unser Selbstbild ins Schwanken bringt. Es ist uns unbehaglich zumute. Plötzlich denken wir: “Ich - und wütend? Bin ich so schlecht, dass ich wütend werde?” Unser Selbstbild des “guten Menschen” kommt ins Wanken. Jetzt müssen wir es wiederherstellen. Augenblicklich sagen wir: “Das war schlecht von mir. Ich will’s nicht wieder tun, verzeih mir.“ Indem wir um Vergebung bitten, wird unser Selbstbild repariert. Wir sind wieder okay, wieder da, wo wir vor der Wut waren. Wir haben unsere Wut weggewischt, indem wir um Verzeihung baten. Wir haben uns nur deshalb schlecht genannt, um “gut” bleiben zu können. In diesem Sinne wird auch häufig das Enneagramm verwendet. Nur um „gut“ bleiben zu können, besteht Bereitschaft, sich die dunkle Seite der Persönlichkeit anzusehen. So wird von einer Entwicklung zum Guten auf der Ebene der Person ausgegangen. Das ist Wahnsinn, denn entweder entrinnen wir dem Elend ganz oder gar nicht.

“Du verstehst die Vergebung nicht. Wie du sie siehst, hältst du damit nur offenen Angriff in Schach, ohne dass dies Berichtigung in deinem Geist erforderte. Wie du sie wahrnimmst, kann sie dir keinen Frieden bringen.”
(EKIW: Lektion 126, 5. 1.-3.)

Darum können wir es uns leisten, ganze Leben lang wütend zu sein, dies und das zu sein - ohne es je zu akzeptieren. Das ist der Trick des Egos. Was immer wir tun - es spielt sich ja nur an der Peripherie ab! Im Mittelpunkt bleiben wir “gut”. Wenn wir aber akzeptieren, dass wir voller Wut stecken, dass der Kern unseres falschen Selbst Wut ist, dann ist das nicht mehr nur ein Wütendwerden, dann ist es nicht nur momentan. Vielmehr erkennen wir die Wut dann als einen Teil unserer geistigen Verfassung. Dann ist es nicht mehr der andere, der uns zur Wut reizt, dann ist die Wut auch da, wenn wir allein sind. Auch wenn wir nicht wütend sind, ist Wut da, die Wut ist unsere Energie - ein Teil von uns als Individuum. Dies zu akzeptieren heißt, unser Selbstbild über den Haufen zu werfen. Wir können nicht egolos sein, ehe wir uns nicht die Wurzeln unseres Egos angeschaut haben, um es IHM zur Berichtigung zu übergeben. Bei wahrer Vergebung geht es nicht darum, dass uns ein anderer vergibt, sodass wir uns persönlich wieder okay fühlen, sondern darum, dass wir unsere Fehlwahrnehmungen, unsere Irrtümer von IHM berichtigen lassen. Der zentrale Irrtum in unserem gespaltenen Geist betrifft unsere Identität.

Wenn wir mit dem Kurs beginnen, werden wir lernen, falschgesinnte Gedanken zu erkennen und darauf mit rechtgesinnten Gedanken zu antworten und den HEILIGEN GEIST um Berichtigung zu bitten. Aber solange dies nur als intellektuelle Spielerei auf der Ebene des Verstandes geschieht, ist nicht viel gewonnen. Es ist wie mit dem positiven Denken, natürlich hat es eine gewisse Wirkung allein dadurch, dass der falschgesinnte Gedanke nicht weiter verfolgt und vertieft wird. Aber der Prozess der Berichtigung, d.h. das Erwachen aus der Illusion der Trennung, die Erleuchtung unseres zutiefst gespaltenen Geistes, ist ein viel tiefer gehender Prozess.

“Du, der du dein Leben damit zugebracht hast, die Wahrheit der Illusion und die Wirklichkeit der Phantasie zu überbringen, du bist den Weg der Träume gegangen. Denn du bist vom Wachsein in den Schlaf gegangen und immer weiter in einen noch tieferen Schlaf hinein. Jeder Traum hat zu anderen Träumen geführt, und jede Phantasie, die ein Licht in die Finsternis zu bringen schien, hat nur die Finsternis noch tiefer gemacht. Dein Ziel war Finsternis, in die kein Lichtstrahl dringen konnte. Du hast eine so vollständige Schwärze gesucht, dass du dich für immer vor der Wahrheit verstecken könntest, in vollständigem Wahnsinn. Was du dabei vergessen hast, ist nur, dass GOTT SICH SELBER nicht zerstören kann. Das Licht ist in dir. Die Finsternis kann es zwar bedecken, aber nicht auslöschen.”
(EKIW: Kapitel 18, III. 1.)

Allein dieser Absatz lässt erahnen, wie tief wir in die Illusion der Trennung eingetaucht sind und welch gewaltiger Prozess es ist, aus diesem Traum zu erwachen. Im Prozess der Vergebung gilt es uns zu erlauben, die Dunkelheit und die unangenehmen Gefühle zu fühlen, wenn sie hochkommen. Anstatt uns dafür zu verurteilen und zu versuchen, sie zu verdrängen, gilt es, sie willkommen zu heißen. Das Ego will das Unbehagen minimieren, also ist es ein großer Schritt, wenn wir beschließen, uns nicht dafür zu verurteilen, wie dieser Prozess aussieht oder sich anfühlt. Dies bedeutet, dass die Dunkelheit nur erleuchtet werden kann, wenn sie ans Licht gebracht wird, d.h. wenn wir uns auch der Dunkelheit gestellt haben, wenn wir die Angst angeschaut haben, denn nur so kann der HEILIGE GEIST uns auch davon befreien.

“Unter jedem Eckstein der Angst, auf dem du dein wahnsinniges Glaubenssystem errichtet hast, liegt die Wahrheit verborgen. Das kannst du jedoch nicht erkennen, denn dadurch, dass du die Wahrheit in der Angst verborgen hast, siehst du keinen Grund zu glauben, dass du, je länger du die Angst anschaust, sie um so weniger siehst und dass dann desto klarer wird, was sie verbirgt.”
(EKIW: Kapitel 14, VII. 2. 7.&8.)

Der egoische Zustand ist ein Zustand der doppelten Verleugnung, zuerst der Verleugnung des Lichts und dann der Verleugnung der daraus resultierenden Dunkelheit. Solange wir die Dunkelheit dieses Zustandes verleugnen, werden wir das Licht nicht erreichen. Wir müssen die Dunkelheit ans Licht bringen, um Erleuchtung zu erfahren.

Und es ist der Ego-Geist, der versucht, die Dunkelheit auf der Ebene des Verstandes zu "vergeben", um sie gar nicht erst betrachten zu müssen. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Ego-Geist versucht, es selbst zu tun, anstatt den Prozess SEINER Führung zu übergeben. Wir erkennen das daran, dass uns neue, unerwartete Situationen sehr schnell wieder völlig aus der Bahn werfen, bis wir sie wieder intellektuell eingeordnet haben. Das ist keine wirkliche Befreiung, sondern eine Strategie des Egos, um die Illusion der Trennung erträglich zu machen, aber gleichzeitig an ihr festzuhalten.

“Lass mich die Vergebung wahrnehmen, wie sie ist.”
(EKIW: Lektion 134)

Bei der Vergebung geht es darum, wirklich zu sehen, was in unserem Geist ist, und es dann loszulassen. Das ist unsere innere Arbeit. Man kann nicht wirklich zum HEILIGEN GEIST sagen: "Ich habe ein verrücktes Leben. Würdest Du es bitte in Ordnung bringen?" Stattdessen bringen wir alles, was wir über unser Leben und diese Welt, über Zeit und Raum glauben, zum HEILIGEN GEIST zurück. Und wenn wir dies wirklich vollständig tun, werden unsere Probleme verschwinden. In den Prozess der wahren Vergebung gehen wir mit dem HEILIGEN GEIST hinein, um die Dunkelheit zu vertreiben, und wir werden zur Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks zurückgebracht.

Das Vergeben einzelner Aspekte einer fragmentiert wahrgenommen Welt ist ein Üben, denn letztendlich geht es einzig und allein darum, zu erkennen, dass wir tatsächlich glauben, uns von GOTT getrennt zu haben und dass dies derart unerträglich ist, dass jemand anderes daran schuld sein muss.

Im Berechtigungsprozess des Geistes geht es insbesondere darum, die fundamentale Wahrheit des Nichtgetrenntseins immer wieder zu erleben - bis zu dem Punkt, wo wir wieder im Wissen dieser Wahrheit ruhen. Der Geist kann nicht durch das Erleben eines Essenzzustandes (Heiliger Augenblick, Offenbarung) allein geheilt werden. Jede erneute Erfahrung der essenziellen Wahrheit vertieft aber unseren Kontakt zum wahren SELBST.

Zu diesem Weg der Vergebung - der wirklich funktioniert - gehört, dass wir alle unsere Projektionen zurücknehmen und die volle Verantwortung für unseren Geist und unsere Gedanken übernehmen. Jede Projektion ist in Wahrheit ein Bild dessen, was wir zu sein denken und wie wir uns selber sehen. Wir können unsere Projektionen daher nur zurücknehmen, wenn wir erkennen, dass wir in Wirklichkeit nicht das sind, was wir projiziert haben. Vollständige Vergebung bedeutet zu sehen und tief zu erfahren, dass nichts passiert ist. Das ist wahrer Geistesfrieden, der höchste Zustand.

Vergebung bedeutet, nach innen zu gehen, unter die Angriffsgedanken und in die Unschuld dessen zu kommen, was wir sind, in unsere Göttlichkeit. Vergebung kann sich tiefgreifend, sehr tief und sehr mystisch anfühlen. Vergebung tut im Stillen nichts. Sie wartet und beobachtet, und sie urteilt nicht. Es ist einfach ein heiterer, tiefer, stiller Geisteszustand. Wenn Vergebung unsere Funktion ist, sind wir von Natur aus glücklich. Vergebung ist unser Schlüssel zum Glück!

Der Glaube an die Schwierigkeit der Erlösung

Wie immer in der Welt der Dualität gibt es auch eine zum Thema „Spiritual Bypassing” entgegengesetzte Strategie des Egos, den es zu beachten gilt: die Angst vor der Einfachheit der Erlösung und die dahinter verborgene Angst vor unserer eigenen Größe – oder anders formuliert: der Glaube an Schuld und die darauf beruhende Angst vor GOTT.

“Wie einfach ist doch die Erlösung! Alles, was sie aussagt, ist, dass das, was niemals wahr gewesen ist, auch jetzt nicht wahr ist und es niemals sein wird. Das Unmögliche ist nicht geschehen und kann keine Wirkungen haben. Und das ist alles. Kann das denn schwer für jemanden zu lernen sein, der möchte, dass es wahr sei? Nur ein Unwille, das zu lernen, kann eine derart einfache Lektion schwierig machen. Wie schwierig ist es denn zu sehen, dass das, was falsch ist, nicht wahr sein und dass das, was wahr ist, nicht falsch sein kann? Du kannst nicht länger sagen, dass du keine Unterschiede zwischen wahr und falsch wahrnimmst. Dir wurde ganz genau gesagt, wie du das eine von dem andern unterscheiden kannst und was genau du tun sollst, wenn du in Verwirrung kommst. Warum beharrst du dann weiter darauf, derart einfache Dinge nicht zu lernen?”
(EKIW: Kapitel 31, I. 1.)

Letztendlich liegt es an der ungeheuren, grenzenlosen Macht und unglaublichen Lernfähigkeit unseres eigenen Geistes. Wir haben uns selbst beigebracht, an Trennung zu glauben und die Trennung als real erscheinen zu lassen. Wir haben uns selbst beigebracht, dass wir jemand anderer sind. Wir haben uns gelehrt, GOTTES SOHN sei schuldig. Die Lektionen, die wir selbst gelehrt haben, sind derart übermäßig gelernt und gefestigt worden, dass sie sich gleich schweren Vorhängen erheben, um das Einfache und Offensichtliche zu verschleiern. Die Macht unserer Lernfähigkeit zeigt sich daran, welche Mühe wir auf uns genommen haben, um die Lektionen pausenlos zu üben und sie in jeder vorstellbaren Form zu wiederholen. Sogar das Lernen selbst ist eine Fähigkeit, die wir gemacht und uns selbst gegeben haben. Es gibt keine größere Macht in der Welt. Die Welt wurde durch sie gemacht und hängt auch jetzt von gar nichts anderem ab. Für uns, die wir uns all diesen unglaublichen Wahnsinn gelehrt haben, kann es nicht schwierig sein, die einfachen Dinge zu erlernen, die uns die Erlösung lehrt! Es ist nicht so, dass es schwer wäre, wir haben Angst davor.

Der ganze Reinkarnationsprozess ist Ausdruck unserer Angst vor der Einfachheit der Erlösung. Das gilt auch für all die modernen Ideen, wonach wir noch einiges aufzulösen hätten. Letztendlich beruhen sie alle auf der Idee, dass wirklich etwas Schreckliches passiert wäre und dass uns die Trennung von GOTT tatsächlich gelungen wäre. Das Einzige, was wir erkennen müssen, ist, dass wir das HIMMELREICH nie verlassen haben und es daher in Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun gibt. Kapitel 18 Abschnitt VII trägt die berühmte Überschrift “Ich brauche nichts zu tun”. Es gilt zu verstehen, dass die Befreiung SEINE Funktion ist.

“Das ist es, was den heiligen Augenblick so leicht und so natürlich macht. Du erschwerst ihn, weil du darauf bestehst, dass es mehr geben muss, was du zu tun hast. Du findest es schwierig, die Idee zu akzeptieren, dass du so wenig nur zu geben brauchst, um so viel zu empfangen. Und es fällt dir schwer einzusehen, dass es keine persönliche Beleidigung ist, dass dein Beitrag und derjenige des HEILIGEN GEISTES in einem solchen Missverhältnis zueinander stehen. Du bist noch immer davon überzeugt, dass dein Verständnis ein mächtiger Beitrag für die Wahrheit ist und sie zu dem macht, was sie ist. Doch haben wir betont, dass du nichts zu verstehen brauchst. Die Erlösung ist einfach, gerade weil sie nichts verlangt, was du nicht gleich jetzt geben kannst.”
(EKIW: Kapitel 18, IV. 7.)

Hinter all dem Glauben an unseren riesengroßen Beitrag, den wir zu leisten hätten, und der ungeheuren Schuld, die wir aufarbeiten müssten, verbirgt sich die Angst vor der Erkenntnis, dass Schuld und Sünde eine Illusion sind. Denn diese Erkenntnis bedeutet das Ende des Egos.

“Was wäre, wenn du nach innen schautest und keine Sünde sähest? Diese furchterregende Frage ist eine Frage, die das Ego niemals stellt. Du aber, der du sie jetzt stellst, bedrohst das ganze Abwehrsystem des Ego zu ernstlich, als dass es sich noch Mühe geben würde, so zu tun, als wäre es dein Freund.”
(EKIW: Kapitel 21, IV. 3. 1.-3.)

Scheinlösungen versus Erlösung

Auf dem spirituellen Weg bietet uns das Ego zwei Scheinlösungen an, um uns vom Erwachen abzuhalten, aber es gibt einen dritten Weg, der funktioniert:
  • Die erste Scheinlösung des Egos besteht darin, die Dunkelheit, d.h. die Angst, die hinter jedem unangenehmen Gefühl steckt, nicht an die Oberfläche kommen zu lassen, um sie nicht anschauen zu müssen. Es ist der Versuch, alles Unangenehme sofort mit ein paar "spirituellen" Affirmationen wegzuzaubern. Dieses ganze Bemühen mit positiven Affirmationen findet aber auf der Ebene des Egos, also in der linearen Zeit statt und kann daher nicht wirklich funktionieren, auch wenn man sich eine Zeitlang etwas besser fühlt.

    Der Friede, den wir durch die Unterdrückung der Dunkelheit erlangen, ist ein Scheinfriede, es ist der Friede eines Friedhofs, wir unterdrücken nicht nur die Dunkelheit, sondern auch alles Lebendige in uns.

  • Die zweite Scheinlösung des Egos besteht darin, die Dunkelheit für die Wirklichkeit zu halten und sie weiter zu bestätigen. Genau hier unterscheiden sich alle weltlichen therapeutischen Richtungen vom “Kurs in Wundern”. Alle weltlichen therapeutischen Richtungen versuchen, die Wirkungen eines vergangenen Geschehens zu heilen. Der Kurs hingegen lehrt, dass der Glaube an die Vergangenheit und ihre Wirkung das Problem ist. Die Idee einer Vergangenheit und ihrer Wirkungen ist die zentrale Illusion, aus der wir uns befreien müssen.

    “Wenn du nicht lernst, dass der vergangene Schmerz eine Illusion ist, wählst du eine Zukunft der Illusionen und verpasst die vielen Gelegenheiten zur Befreiung, die sich dir in der Gegenwart bieten würden.”
    (EKIW: Kapitel 13, IV. 6. 5.)

    Ein häufiger und sehr zentraler Irrtum im Zusammenhang mit Spiritualität und Heilung ist der Glaube, dass ”nach innen gehen” bedeutet, in die Vergangenheit und in den Schmerz zu gehen. Aber “nach innen gehen” bedeutet nach Hause gehen, und unser Zuhause ist das wahre SELBST, der Ort vollkommener Liebe und Glückseligkeit. Heilung und damit Vergebung bedeutet nicht, innerhalb der Illusion von Raum und Zeit zu versuchen, etwas zu lösen, sondern von unserem wahren ZUHAUSE aus, das heißt mit dem HEILIGEN GEIST, auf die Illusion zu schauen und sie als Illusion zu erkennen.

  • Die einzig wahre Lösung ist, sich der Dunkelheit zu stellen. Das bedeutet, die Angst hinter allen unangenehmen Gefühlen, hinter allen unglücklichen Zuständen anzuschauen, um sie SEINER Berichtigung zu übergeben. Dies bedeutet, den heiligen Augenblick einzuladen, um sich für die Wahrheit zu entscheiden, das heißt für die LIEBE. Im heiligen Augenblick wird die Macht des HEILIGEN GEISTES obsiegen, weil wir uns mit IHM verbunden haben. Wenn der Schmerz der Trennungsillusion nicht verdrängt, sondern gefühlt wird, wird automatisch die Anziehungskraft des heiligen Augenblicks und damit der LIEBE immer größer und die Entscheidung immer leichter. Der heilige Augenblick ist das Ergebnis unserer Entschlossenheit, heilig zu sein. Er ist die Antwort. Das Verlangen und die Bereitwilligkeit, ihn kommen zu lassen, gehen seinem Kommen voraus.

    “Wie einfach ist doch die Erlösung! Alles, was sie aussagt, ist, dass das, was niemals wahr gewesen ist, auch jetzt nicht wahr ist und es niemals sein wird. Das Unmögliche ist nicht geschehen und kann keine Wirkungen haben. Und das ist alles.”
    (EKIW: Kapitel 31, I. 1. 1.-4.)

Illeismus

Im Zusammenhang mit Spiritualität ist es eine beliebte Strategie des Egos, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen, um den Eindruck eines erleuchteten Geistes zu erwecken. Auch viele spirituelle Lehrer tappen in diese Ego-Falle.

Wenn es um zeitliche Aspekte der persönlichen Geschichte geht, dann ist es durchaus natürlich, dass ein aus der Identifikation mit dem Körper und seiner Geschichte befreiter Geist beim Verweisen auf diese Geschichte die dritte Person verwendet. In Matthäus 17,22 heißt es: “Als sie in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert werden”.

Aber wenn es um den Ausdruck einer Erfahrung im Hier und Jetzt geht, dann ist die Verwendung der dritten Person in der Regel eine Strategie des Egos, um den heiligen Augenblick zu vermeiden. Diese vom Ego-Denken geschaffene Dualität - ich und mein Selbst, Subjekt und Objekt - ist die Grundursache für all die Komplikationen, Probleme und Konflikte in unserem Leben. Die durch die Selbstreflexion des Bewusstseins bewirkte Spaltung ist das Problem und nicht die Lösung. Diese Spaltung findet im eigenen Bewusstsein statt, die “3. Person” gibt es gar nicht, man kann ihr also auch keine Verantwortung zuschieben.

In diesem Sinne ist Illeismus eine Strategie des Egos, die Trennung erträglich zu machen, um sie aufrechtzuerhalten. Es ist der Versuch, unter der Maske der Unschuld die dunkle Seite des persönlichen Selbst, die zu lehren das Konzept des Selbst gemacht ward, zu verbergen. Der gespaltene Geist des egoischen Zustandes ist selbst schon eine Dissoziation, in diese eine weitere Dissoziation einzuführen, bedeutet nur, Illusionen auf Illusionen zu häufen und so die Berichtigung doppelt schwierig zu machen.

Menschsein

"Menschsein" ist ein Konzept. Ein Drogeriemarkt wirbt mit der Aussage: "Hier bin ich Mensch. Hier kauf ich ein." Auf den sprichwörtlichen "gesunden Menschenverstand" ist ganz offensichtlich auch kein Verlass. In Verbindung mit Spiritualität wird ebenfalls gerne vom "ganz Menschsein" gesprochen. Es klingt gut, vom Menschsein zu reden, aber was bedeutet das?

“Das ist der Antichrist: die merkwürdige Idee, es gebe eine Macht über der Allmacht, einen Ort jenseits des Unendlichen, eine Zeit, die über das Ewige hinausgeht. Hier ist die Welt der Götzen hingesetzt durch die Idee, dieser Macht und diesem Ort und dieser Zeit sei Form gegeben, und sie würde die Welt gestalten, in der das Unmögliche geschehen ist. Hierher kommen die Unsterblichen, um zu sterben, die Allumfassenden, um Verlust zu leiden, die Zeitlosen, um zu Sklaven der Zeit gemacht zu werden. Hier verändert sich das Unveränderliche: Der Friede GOTTES, der allen Lebewesen in alle Ewigkeit gegeben ist, macht dem Chaos Platz. Und GOTTES SOHN, der so vollkommen, sündenlos und liebend wie sein VATER ist, kommt, um eine kleine Weile lang zu hassen, Schmerz zu leiden und schließlich zu sterben.”
(EKIW: Kapitel 29, VIII. 6. 2.ff.)

“Ganz Menschsein” ist das Problem und nicht die Lösung. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Begriff “Hölle” nicht auf etwas Zukünftiges verweist, sondern unsere Welt und das Menschsein meint. In der Illusion von Trennung zu leben und scheinbar auf dieser Erde zu wandeln, ist die Hölle. Dies zu beschönigen, ist Selbstbetrug. Dies ist die Welt des Egos. In der Sprache des Sports ist das ein Auswärtsspiel, das wir hier absolvieren.

“Wir sprechen heute für jeden, der auf dieser Erde wandelt, denn er ist nicht zu Hause. Er wandert in endloser Suche ungewiss umher, sucht in der Dunkelheit, was er nicht finden kann, und begreift nicht, was es ist, das er sucht. Er macht sich Tausende von Heimen, doch keines stellt seinen ruhelosen Geist zufrieden. Er versteht nicht, dass er vergeblich baut. Das Zuhause, das er sucht, kann nicht von ihm gemacht sein. Es gibt keinen Ersatz für den HIMMEL. Alles, was er je gemacht hat, war die Hölle.”
(EKIW: Lektion 182, 3.)

In jedem Fall ist der Körper immer ein Teil des Konzepts vom Menschsein. Menschsein bedeutet also in einem verweslichen Körper zu stecken und von Anfang an auf dem Tod zuzugehen, Menschsein bedeutet Leiden, Hunger, Verlust, Krankheit, Alter und Tod, Menschsein bedeutet Krieg und Terror, Menschsein bedeutet Missbrauch, Vergewaltigung und sonstige Grauslichkeiten - aus menschlicher Sicht. Als Mensch scheinen all unsere Hoffnungen, Wünsche und Pläne in der Hand einer Welt zu liegen, über die wir keine Kontrolle haben. Menschsein bedeutet daher latent ängstlich und latent unbefriedigt zu sein. Das ist es, was wir verteidigen, wenn wir uns auf das Menschsein berufen. Auf dem spirituellen Weg geht es darum, als Mensch zu erkennen, dass Menschsein nicht unsere Wirklichkeit ist, sondern dass unsere Wirklichkeit darin besteht, reiner göttlicher Geist zu sein. Vollkommene Sicherheit, vollständige Liebe, vollständige Freude, vollständiges Glück und damit vollständige Erfüllung sind unsere Wirklichkeit. Deshalb kann Menschsein nicht unser wahrer Wille sein - und ist es Gott sei Dank auch nicht.

"Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin."
(Bibel EÜ, Johannes 17,16)

“Wie kannst du Freude finden an einem freudlosen Ort, außer durch die Einsicht, dass du gar nicht dort bist? Du kannst nirgendwo sein, wohin GOTT dich nicht gestellt hat, und GOTT hat dich als Teil von SICH erschaffen. Das ist sowohl, wo du bist, als auch, was du bist. Es ist vollkommen unveränderbar.”
(EKIW: Kapitel 6, II. 6. 1.-4.)

Bild Versucht das Ego, spirituell zu sein, wird daraus eine Religion, die das Menschsein verherrlicht. Jesus lehrt uns im Kurs, dass wir kein Mensch sind und verlangt lediglich die Bereitschaft, dies anzuerkennen. Wenn wir jedoch weiterhin das Menschsein als Argument verwenden, um unsere Handlungen zu rechtfertigen, dann fehlt es uns ganz offensichtlich an dieser Bereitschaft. Bereitschaft bedeutet, das Menschsein nicht mehr als Argument gelten zu lassen, sondern einzugestehen, dass wir uns geirrt haben, und den HEILIGEN GEIST um Berichtigung zu bitten.

Die raffinierteste Strategie des Egos in Bezug auf die Idee des Menschseins ist der Versuch, ein guter Mensch zu sein. Das ist die subtilste und raffinierteste Form der Selbsterhöhung. Als guter Mensch ist man automatisch ein besonderer Mensch, der sich über alle schlechten Menschen erhebt. Dieses Gutsein lässt einen Angriff als "Selbstverteidigung" gerechtfertigt erscheinen.

Das ist jener Aspekt des illusionären Selbst, der das Gesicht der Unschuld darbietet, jenen Aspekt, auf welchen eingewirkt wird. Es ist dieses Gesicht, das lächelt, bezaubert und sogar zu lieben scheint. Es sucht nach Gefährten, und es schaut - zuweilen mitleidsvoll - auf die Leidenden und bietet manchmal Trost an. Es glaubt, gut zu sein in einer bösen Welt. Dieser Aspekt kann ärgerlich werden, denn die Welt ist seiner Meinung nach niederträchtig und unfähig, die Liebe und den Schutz bereitzustellen, den die “Guten“ verdienen. Und so ist dieses Gesicht oft tränennass angesichts der Ungerechtigkeiten, die die Welt scheinbar jenen zumisst, die großzügig und gut sein möchten.

Anders gesagt, die Welt verbessern und ein guter Mensch sein zu wollen, bedeutet folgendes: Wir befinden uns in der Hölle und bemühen uns, die Hölle zu einem besseren Ort zu machen, aber wir sind nicht daran interessiert, uns und unsere Brüder aus der Hölle zu befreien, im Gegenteil, indem wir uns bemühen, eine angenehme Atmosphäre in der Hölle zu schaffen, versuchen wir, den Aufenthalt in der Hölle so erträglich wie möglich zu machen und schwächen gerade dadurch den Wunsch, aus der Hölle befreit zu werden. Indem wir uns damit zufriedengeben, gute Taten zu tun und ein guter Mensch zu sein, geben wir uns damit zufrieden, denen zu dienen, die in der Hölle leben, statt uns für den HIMMEL zu entscheiden. Indem wir unser Menschsein betonen, erheben wir Anspruch auf unsere menschliche Natur und weisen unsere göttliche Natur zurück.

Der Ruf nach mehr Mitmenschlichkeit ist ein weltlicher Ruf, um den Wahnsinn dieser Welt zumindest einigermaßen in Schach zu halten. Jesus hingegen ruft uns auf, zu erkennen, dass wir im Geiste eins sind. Jesus erinnert uns daran, dass es überhaupt keinen anderen Menschen gibt und dass wir alles, was wir einem scheinbar anderen antun, in Wirklichkeit uns selbst antun. Jesus ruft uns nicht zur Mitmenschlichkeit, sondern zur Mit-Göttlichkeit auf.

Folgende Lektionen erinnern uns daran:
108: Geben und Empfangen sind in Wahrheit eins.
126: Alles, was ich gebe, wird mir selbst gegeben.
128: Die Welt, die ich sehe, birgt nichts, was ich will.
129: Jenseits dieser Welt ist eine Welt, die ich will.
199: Ich bin kein Körper. Ich bin frei.
  97: Ich bin reiner Geist.

Wenn wir uns als reiner Geist wiedererkennen, wenn also unser gespaltener Geist erleuchtet und damit geheilt ist, dann wird das, was durch unseren Körper geschieht, mit großer Wahrscheinlichkeit auch von der Welt als gut beurteilt werden. Aber unser Geist kennt keine Dualität mehr, in unserem Geist herrscht LIEBE ohne Gegenteil und deshalb kämpfen wir gegen nichts mehr in der Welt. Auch wenn die Welt uns für einen Verbrecher hält und uns kreuzigt, werden wir in LIEBE sein. Wir sind in LIEBE und geben allen Dingen vollkommene Freiheit, zu sein und zu tun, was sie wollen.

Genau genommen ist nicht das “Menschsein” an sich das Problem, also die Inkarnation in dieser physischen Welt, sondern das mit dem Menschsein verbundene Ego-Denksystem, das Vergessen unserer Wirklichkeit als CHRISTUS im Zuge der Inkarnation. Das Problem ist der durch die Identifikation mit dem Körper entstandene Illusion begrenzt zu sein, der Versuch, die Macht des CHRISTUS zu verleugnen, der wir in Wahrheit sind ... die Macht, in jeden Moment das Wunder der LIEBE und der Erinnerung und der SÜHNE zu bringen. Wir sind in der Tat unbegrenzt in jeglicher Hinsicht, für immer. Wir sind das, was das LICHT und die LIEBE GOTTES in die SCHÖPFUNG ausdehnt durch unsere Bereitschaft, unser Menschsein durch das LICHT verwandeln zu lassen. Mit anderen Worten: Es geht darum, zu erkennen, dass die Inkarnation nichts an unserer unveränderlichen Wirklichkeit geändert hat.

Die Illusion von Graden

Wenn wir beginnen, unsere Projektionen zurückzunehmen, ist es in der Regel nicht allzu schwer zu erkennen, dass wir das, was uns am anderen stört, auch von uns selbst kennen, aber oft versuchen wir, die Vorstellung eines unterschiedlichen Ausmaßes aufrechtzuerhalten. Im Sinne von: Ja, ich mache das auch, aber nicht so extrem wie die anderen. Wir versuchen also, die Illusion von Graden aufrechtzuerhalten, aber es gibt keine Grade - ein Irrtum ist ein Irrtum, eine Illusion ist eine Illusion.

Wenn es darum geht, unsere Angriffsgedanken zu berichtigen, unterscheiden wir häufig nach ihrer scheinbaren Bedeutung. Es gibt den leichten Ärger über den Hund des Nachbarn und den heftigen Ärger über den Ex-Partner. Wir glauben, dass nur der heftige Ärger im Zusammenhang mit den scheinbar großen Problemen berichtigt werden muss. Auch machen wir eine Unterscheidung hinsichtlich unseres Ärgers über die Probleme in der Welt. Dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass einige Formen von Angriff gerechtfertigter sind als andere. Doch der Grad des empfundenen Gefühls, von leichter Verärgerung bis zu heftiger Wut, ist dabei nicht von Belang. Jedes Gefühl, das nicht reine LIEBE ist, verschleiert die Wahrheit.

Wir werden uns am spirituellen Weg zunehmend bewusst werden, dass ein leichter Anflug von Verdruss nichts anderes ist als ein Schleier über einer heftigen Wut. Und so werden wir aufhören, zwischen konkreten Formen zu unterscheiden. Unser Weg zurück zu GOTT ist ein Weg vom Konkreten zum Abstrakten, von der Form ins Formlose, vom Vorstellbaren hinein ins Unvorstellbare.

“Das Wunder unterscheidet nicht zwischen Graden der Fehlwahrnehmung. Es ist eine Einrichtung zur Wahrnehmungsberichtigung, die völlig unabhängig sowohl vom Grad als auch von der Richtung des Irrtums wirksam ist. Das ist seine wahre Unterschiedslosigkeit.”
(EKIW: Kapitel 1, I. 49.)

“Vielleicht wird es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass sich niemand über eine Tatsache ärgern kann. Es ist immer eine Deutung, die negative Gefühle aufkommen lässt, ungeachtet ihrer anscheinenden Rechtfertigung durch das, was als Tatsachen erscheint. Ungeachtet auch der Intensität des Ärgers, der hervorgerufen wird. Es mag lediglich eine leichte Gereiztheit sein, vielleicht zu milde, um überhaupt deutlich wahrgenommen zu werden. Oder er mag auch die Form intensiver Wut annehmen, begleitet von Gedanken der Gewalt, phantasierten oder augenscheinlich ausgelebten. Es ist nicht von Belang. Alle diese Reaktionen sind dieselben. Sie verschleiern die Wahrheit, und das kann niemals eine Frage von Graden sein. Entweder ist die Wahrheit klar, oder sie ist es nicht. Sie kann nicht partiell begriffen werden. Wer sich der Wahrheit unbewusst ist, muss auf Illusionen schauen.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 17. 4.)

Die Illusion von Rangordnungen

“Es gibt keine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern. Eines ist nicht »schwieriger« oder »größer« als ein anderes. Sie sind alle gleich. Alle Äußerungen der Liebe sind maximal.”
(EKIW: Kapitel 1, I. 1.)

Eine Rangordnung von Wundern existiert nicht, weil ein Wunder eine Berichtigung in unserem Geist ist und es für den Geist keinen Unterschied macht, ob er sich einen Elefanten oder eine Maus vorstellt. Deshalb lautet die erste Lektion des HEILIGEN GEISTES: “Damit du hast, gib allen alles.”

Der Glaube an eine Rangordnung von Schwierigkeiten ist die Basis für die Wahrnehmung der Welt. Es sind die aussortierenden und kategorisierenden Tätigkeiten des Geistes, in die Irrtümer in der Wahrnehmung Einlass finden. Und genau hier muss die Berichtigung vorgenommen werden. Es kann keine Rangordnung der Schwierigkeit in der Heilung geben, einfach weil alle Krankheit Illusion ist. Des Körpers Augen werden weiter Unterschiede sehen. Aber der Geist, der sich hat heilen lassen, wird sie nicht länger anerkennen.

Wir handeln nach einer scheinbaren Rangordnung unserer Bedürfnisse. Aber in Wirklichkeit gibt es auch keine Hierarchie der Bedürfnisse. Wir haben sie nur erfunden, je nachdem, wie wir uns selbst wahrnehmen. Die Idee einer Rangordnung der Bedürfnisse ist deshalb entstanden, weil wir uns - nach dem Begehen dieses grundlegenden Fehlers - bereits in Ebenen mit unterschiedlichen Bedürfnissen fragmentiert hatten. Wenn wir uns selbst integrieren, werden wir eins, und dementsprechend werden unsere Bedürfnisse eins. Geeinte Bedürfnisse führen zu einem geeinten Handeln, weil dies Konfliktlosigkeit erzeugt.

Es gibt auch keine Rangordnung der Beziehungen. Entweder sind sie, oder sie sind nicht. Eine unheilige Beziehung ist keine Beziehung. Sie ist ein Zustand der Isolation, der etwas zu sein scheint, was er nicht ist. Nicht mehr als das.

Diese Welt scheint viele Zwecke anzubieten, ein jeder anders und mit einem anderen Wert. Doch sind sie alle gleich. Und wieder gibt es keine Rangordnung, sondern nur eine scheinbare Hierarchie der Werte. Nur zwei Zwecke sind möglich. Der eine ist der Götzendienst, der andere die Heiligkeit. Dazwischen gibt es nichts.

Auch die verschiedenen Rangordnungen der Wirklichkeit existieren nur scheinbar, denn diese Welt, der wir scheinbar einen Rang unterhalb des HIMMELS zuweisen, ist nicht wirklich. Gegensätzliche Rangordnungen der Wirklichkeit würden die Wirklichkeit bedeutungslos machen - doch die Wirklichkeit ist Bedeutung.

Der ERSTE in der Ewigkeit ist GOTT der VATER, DER sowohl der ERSTE als auch der EINE ist. Über den ERSTEN hinaus gibt es keinen anderen, denn es gibt keine Rangordnung - keinen zweiten oder dritten - und nichts als den ERSTEN.

Kompromiss

Jesus beschreibt in Kapitel 23, III. Erlösung ohne Kompromiss sehr genau, dass Erlösung unmöglich ist, solange wir glauben, ein Kompromiss wäre möglich. Wenn wir der Idee des Kompromisses Einlass in unseren Geist gewähren, ist das Bewusstsein vom Zweck der Erlösung verloren, weil sie nicht wahrgenommen wird. An Kompromisse glauben bedeutet, daran zu glauben, dass ein wenig angreifen, ein wenig lieben möglich wäre und wir den Unterschied erkennen können. Doch es ist nicht möglich, wegen diesem anzugreifen und wegen jenem zu lieben und die Vergebung zu verstehen. Diejenigen, die glauben, der Friede lasse sich verteidigen und Angriff sei gerechtfertigt um seinetwillen, verstehen die Vergebung nicht.

Was bedeutet das nun in der Praxis? Jeder noch so kleine Ärger über einen unserer Brüder hält uns gefangen in der Illusion der Trennung. Es ist unmöglich ein paar sogenannte ganz besondere "Herzensmenschen" zu lieben und andere Menschen zu verurteilen und trotzdem Erlösung zu erfahren.

Noch allgemeiner ausgedrückt bedeutet dies, dass wir einen Film betrachten und aus der Identifikation mit diesem Film nur dann erwachen können, wenn wir den gesamten Film vergeben haben, den ganzen Film als Illusion erkannt haben. Es ist unmöglich, nur teilweise zu vergeben.

“Wer kann von neuem in Christus geboren werden außer dem, der allen, die er sieht oder an die er denkt oder die er sich vorstellt, vergeben hat? Wer könnte freigelassen werden, solange er irgendjemanden gefangen nimmt? Ein Gefängniswärter ist nicht frei, denn er ist zusammen mit seinem Gefangenen gebunden. Er muss sicher sein, dass er nicht flieht, daher verbringt er seine Zeit damit, Wache über ihn zu halten. Die Gitterstäbe, die ihn begrenzen, werden zu der Welt, in der sein Wärter lebt, mit ihm zugleich. Und von seiner Freiheit hängt der Weg zur Freiheit ab für beide.

Halte daher niemanden gefangen. Befreie, statt zu binden, denn so wirst du befreit. Der Weg ist einfach. Jedes Mal, wenn dich ein Stich des Ärgers trifft, sei dir klar, dass du ein Schwert über deinen Kopf hältst. Und es wird fallen oder abgewendet werden, je nachdem, ob du beschließt, verurteilt oder frei zu sein. So stellt ein jeder, der dich zum Ärger zu verleiten scheint, deinen Erlöser aus dem Kerkerhaus des Todes dar. Und also schuldest du ihm Dank statt Schmerz.”
(EKIW: Lektion 192, 8.-9.)

Der Kurs ist leicht, gerade weil er keine Kompromisse schließt. Gleichzeitig bedeutet dies, dass unser „Normalzustand“ als Mensch kein Zustand wahrer Vergebung ist. Wahre Vergebung können wir nur im heiligen Augenblick oder im Moment einer Offenbarung erfahren. Dauerhaft im heiligen Augenblick zu ruhen, ist das Ziel des spirituellen Weges.

Ausnahmen

Wir neigen dazu, immer wieder Ausnahmen zu machen, uns zum Beispiel zu sagen: “Ich bin kein Körper. Ich bin frei”, aber gleichzeitig halten wir uns an ein strenges Ernährungskonzept, oder wir sind bereit zu vergeben, dass in jeder Minute elf Kinder auf diesem Planeten verhungern, aber wir sind nicht bereit, dem Mörder eines besonders geliebten Menschen zu vergeben.

“Ich rufe dich auf, dich daran zu erinnern, dass ich dich erwählt habe, um das HIMMELREICH dem HIMMELREICH beizubringen. Bei dieser Lektion gibt es keine Ausnahmen, weil das Fehlen von Ausnahmen die Lektion ist.”
(EKIW: Kapitel 7, XI. 4. 1.-2.)

Häufige Irrtümer am spirituellen Weg

Inhaltsverzeichnis

Prolog
Technik und Lehrer
Wahrheit
Moderne esoterische Konzepte
Die Idee vom Abgrenzen
Me Time, Zeit für mich
Bedürfnisbefriedigung
Selbstfürsorge
Jeep Liberty oder die Illusion von Freiheit
Der Wunsch nach persönlicher Autonomie
Der Wunsch nach persönlicher Wertschätzung
Persönliche Probleme
Positives Feedback
Positives Feedback in der Welt der Wirtschaft
Positives Feedback für jedermann
Psychologie
Im Prozess sein
Das “Innere Kind”
Positives Denken
Sich zeigen
Authentizität
Der Adler, der nicht fliegen wollte
Der Irrtum hinsichtlich unserer Autorschaft
Den Raum halten
Unterschied von Konsequenz und Resultat
Manifestieren
Minimalismus
Besitz
Opfern
Loslassen
Themen auflösen
Erdung
Energie
Fixierung auf einen Pol
Ernährung
Berührung
Polyamorie
Verbundenheit
Verborgenes
Glück im Angesicht dieser Welt
Die Berichtigung von Fehlern
Dankbarkeit
Vergleichen
Geben und Empfangen
Langeweile
Leben im Jetzt
Verpflichtung
Ziel

Prolog

Es ist so, dass an dem Tag, an dem wir unseren spirituellen Weg begonnen haben, unser Ego ihn begonnen hat, und für jedes spirituelle Motiv, das wir haben, gibt es auch ein Ego-Motiv. Das ist kein Grund, Angst zu haben, aber es ist ein Grund, sich dessen bewusst zu sein, denn es liegt in der Natur der Sache, dass das Ego die Gesetze GOTTES nicht verstehen kann und deshalb versucht, sie in seinem Sinne zu interpretieren, d.h. es versucht, die Form beizubehalten, aber den Inhalt zu verändern. Wir brauchen die Hilfe des HEILIGEN GEISTES, der uns die Gesetze GOTTES so interpretiert, dass wir ihnen in unserem täglichen Leben folgen können.

Dies gilt selbstverständlich auch für Ein Kurs in Wundern. Wenn wir ihn aus der Perspektive des Ego-Denksystems lesen, werden wir ihn nicht verstehen. Auch dafür benötigen wir SEINE Hilfe. Überlassen wir das dem Ego, wird es auch den Kurs für seine Zwecke missbrauchen.

“Gesetze müssen mitgeteilt werden, sollen sie hilfreich sein. Sie müssen für jene, die andere Sprachen sprechen, sogar übersetzt werden. Nichts desto weniger verändert ein guter Übersetzer, obschon er die Form dessen, was er übersetzt, verändern muss, niemals dessen Bedeutung. Tatsächlich besteht sein ganzes Ziel darin, die Form so zu verändern, dass die ursprüngliche Bedeutung erhalten bleibt. Der HEILIGE GEIST ist der Übersetzer der Gesetze GOTTES für jene, die sie nicht verstehen. Du könntest dies nicht selber tun, weil ein Geist, der mit sich in Konflikt ist, nicht nur einer Bedeutung treu sein kann und daher die Bedeutung ändern wird, um die Form zu bewahren.”
(EKIW: Kapitel 7, II. 4.)

Viele Irrtümer auf dem spirituellen Weg entstehen schlicht und einfach dadurch, dass der Zusammenhang zwischen den Gesetzen GOTTES und der Wahrnehmung nicht verstanden wird.

“... Das steht im Einklang mit dem Grundgesetz der Wahrnehmung: Du siehst das, wovon du glaubst, es sei da, und du glaubst, es sei da, weil du es da haben willst. … Das ist die an diese Welt angepasste Wahrnehmungsform des grundlegenderen Gesetzes GOTTES: dass die Liebe nur sich selbst erschafft, und nichts als sich selbst.

GOTTES Gesetze gelten nicht direkt für eine Welt, die von der Wahrnehmung beherrscht wird, denn eine solche Welt könnte nicht von dem GEIST erschaffen worden sein, für den die Wahrnehmung keine Bedeutung hat. SEINE Gesetze spiegeln sich indessen überall wider. Nicht dass die Welt, in welcher diese Widerspiegelung ist, gar wirklich wäre. Es ist nur so, weil SEIN SOHN glaubt, sie sei wirklich, und ER SICH von SEINES SOHNES Glauben nicht völlig separat sein lassen konnte. …”
(EKIW: Kapitel 25, III. 1.-2.)

“Indem das Ego seine eigene verzerrte Fassung der Gesetze GOTTES anwendet, benutzt es die Macht des Geistes nur dazu, das wirkliche Ziel des Geistes zu vereiteln. Es projiziert den Konflikt von deinem Geist auf andere im Versuch, dich davon zu überzeugen, dass du das Problem losgeworden bist.”
(EKIW: Kapitel 7, VIII. 2. 5.-6.)

Es ist ironisch, dass Menschen mit starken spirituellen Überzeugungen oft viel starrer sind, viel unbewusster urteilen und sich in ihrer Umgebung unwohler fühlen als Menschen, die wenig Interesse an mystischen, religiösen oder metaphysischen Lehren haben. Denjenigen, die das Konzept der Einheit schätzen, fehlt oft der Wunsch, Einheit und Gleichheit mit anderen zu fühlen. Die Corona-Pandemie hat dies sehr deutlich gezeigt.

Es ist nicht leicht, Vertrauen in GOTT aufgrund eigener Erfahrungen zu verstehen und zu entwickeln und es uns zu erlauben, uns hinzugeben und in das, was IST, hinein zu entspannen - ganz einfach weil unser vom Ego dominiertes Denksystem bei dem Versuch, mit unserem Unwissen und Misstrauen umzugehen, so verdreht und so komplex geworden ist, dass wir seine Bedeutungslosigkeit nicht sehen können. Unser Geist ist in so viele Fragmente zersplittert, die ständig mit der Realität und miteinander kämpfen. So erfordert es eine Menge Arbeit, Intelligenz und Energie, die dicke Schicht der Komplexität und Dunkelheit zu durchdringen, um zu entdecken, worin die eigentliche Wahrheit besteht. Die Wahrheit selbst ist sehr einfach und unkompliziert, doch wir können ihre Einfachheit nicht sehen. Wir können die Normalität unseres natürlichen Zustandes nicht sehen, daher irren wir im Dunkeln umher, wie ein Betrunkener, berauscht von unserer eigenen Wahrnehmung der Welt. Die Anzeichen, aus denen wir Schlussfolgerungen ziehen, sind falsch, und deshalb stolpern wir und fallen auf die Steine, die wir nicht gesehen haben. Wir sind uns nicht gewahr, dass wir durch die Türen gehen könnten, die wir für geschlossen hielten, die aber vor unseren blinden Augen offen stehen und darauf warten, uns willkommen zu heißen.

Die Welt des Egos ist ein totales Chaos. Eine Strategie im Zustand der Ego-Identifikation besteht im Versuch, dem eigenen Chaos zu entkommen, indem man sich mit Spiritualität beschäftigt und dies als Ausrede nutzt, um sich den weltlichen Problemen nicht stellen zu müssen. Wenn man in dieser Welt kein finanzielles Auskommen findet, Probleme in seinen Beziehungen hat oder sein Familienleben nicht auf die Reihe kriegt, ist die Versuchung groß, sich mit Spiritualität zu beschäftigen, um den Herausforderungen des menschlichen Lebens zu entfliehen, ohne sich aber für GOTT zu entscheiden.

Es kommt sehr oft vor, dass wenn man in der Welt gescheitert ist, wenn man in der Welt im Unglück lebt, wenn man nirgends Erfolg haben kann und wenn man das Gefühl hat, dass sich der eigene Ehrgeiz nicht erfüllt und das Leben verstreicht, dann wendet man sich dem Spirituellen zu. Derselbe Ehrgeiz fordert nun auf diesem Gebiet Erfüllung. Und hier lässt er sich ohne Weiteres erfüllen - ohne Weiteres deshalb, weil man sich im Spirituellen leicht etwas vormachen kann. In der äußeren Welt, in der Welt der Materie, kann man sich nicht so leicht etwas vormachen.

Wenn wir versuchen, uns in der äußeren Welt etwas vorzumachen, wird man uns für verrückt erklären. Aber im Spirituellen ist das ganz leicht. Wir können sagen: “Meine Kundalini ist aufgestiegen.” Nur weil wir irgendwelche Rückenschmerzen haben, ist unsere Kundalini aufgestiegen. Nur weil unser Gehirn etwas aus dem Gleichgewicht ist, glauben wir, die Chakras öffnen sich. Nur weil wir dauernd Kopfschmerzen haben, glauben wir, das dritte Auge öffnet sich. Wir können uns was vormachen, und keiner kann uns dreinreden - und keinen interessiert es. Aber es gibt Pseudolehrer, die dann sagen: “Ja, so ist es.” Und dann werden wir euphorisch sein.

Auf dem Egotrip zu sein heißt, dass wir nicht wirklich daran interessiert sind, uns selbst zu transformieren, dass es uns nur darauf ankommt, uns den Anschein zu geben. Sich den Anschein zu geben ist leicht, das ist billig zu haben. Und die Sache beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn ein Guru, ein so genannter Guru, sagt, dass wir erleuchtet sind, hat natürlich er uns dazu gemacht, also müssen wir diesem Guru unsere Reverenz erweisen. So etwas beruht auf Gegenseitigkeit.

Lass dich daher nicht verwirren. Denn am Ende dieses Zeitalters kommt ein ganzes Sammelsurium jener, die beteuern, Lehrer der Erleuchtung zu sein, die dich in die vollkommene Erkenntnis führen werden. Schau sorgfältig hin und sieh, ob sie verlangen, dass du ihnen folgst? Verlangen sie von dir, dass du dein eigenes Unterscheidungsvermögen aufgibst? Oder feuern sie dich an, tiefer nach innen zu schauen: Was fühlst du gerade? Was denkst du? Was willst du tun? Bist du bereit, die Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen? Was glaubst du? Was willst du? Du bist frei. Ich bin dir ebenbürtig. Ich bin nur vorübergehend für dich in der Rolle eines Führers und eines Tages wirst du weit jenseits von mir sein.

Wie sprechen sie? Was lehren sie? Fließt ihre Angst in ihre Worte? Glauben sie, dass sie dich lehren müssen, die Kräfte der Natur zu kontrollieren? Lehren sie dich, dich gegen das Böse zu schützen? Es gibt viele davon, und es wird noch viele mehr geben. Und wenn du diese Dinge hörst, die von ihnen kommen, dreh dich um und meide ihre Gegenwart! Denn du brauchst sie nicht. Du bist bereits jenseits von ihnen.

Wenn du auf einen Lehrer triffst, frag dich selbst Folgendes: Bietet er mir Einfachheit an oder Kompliziertheit? Bietet er einen einfachen Frieden an oder muss ich eine bestimmte Aufmachung um mich herum haben? Gibt er mir komplizierte Meditationen und Gebete und Dinge, die ich tun soll, oder erinnert er mich einfach an die WAHRHEIT und bittet mich, in ihr zu ruhen? Will er mir erzählen, dass ich eintausend Pilgerreisen unternehmen soll? Oder erinnert er mich daran, dass der HIMMEL in diesem Augenblick gegenwärtig ist.

Technik und Lehrer

Einige spirituelle Lehrer sprechen sich klar gegen Techniken (Methoden) aus. Doch gegen Techniken zu sein, ist auch wieder nur eine Technik. Das ist eine der ältesten Techniken überhaupt, daran ist nichts neu. Man muss also verstehen, dass “keine Technik” tatsächlich eine der grundlegendsten Techniken ist. Das “keine” wird deshalb betont, damit dem vom Ego getriebenen Verstand weniger Angriffsflächen bleiben. Der Verstand kann nur zwei Standpunkte einnehmen - Ja oder Nein. Das Nein kennt nur eine Technik, das Ja kennt hunderte Techniken. Die besonders witzigen unter den spirituellen Lehrern behaupten, man brauche keinen Lehrer, das sagen sie, aber während sie als Lehrer auftreten.

Das Ego ist sehr raffiniert. Wenn ein Lehrer dir sagt, dies seien die Bedingungen - keine Methode, kein Anklammern, kein Meister, keine Schrift, keine Botschaft, keine Technik -, dann wirst du dich an ihn klammern. Es gibt viele, die sich an ihn klammern. Das Ego hat sich wieder eine Stütze geschaffen - und so war die ganze Mühe umsonst. Das Wesentliche ist, dass diese Technik des “keine Technik” nur hilfreich sein kann, wenn du jegliche Stütze zerstörst, wenn du dich an überhaupt nichts mehr klammerst. Und das ist sehr schwer. Das ist praktisch unmöglich. Das ist der Grund, warum mit den vielen Menschen, die jahrzehntelang diesen “es gibt keine Technik”, “es gibt keine Botschaft” Lehrern zuhören, überhaupt nichts passiert ist.

Täuscht dich also nicht selbst. Dein Ego mag gern hören, dass “ich keine Unterstützung brauche”. Das Ego bildet sich immer ein: “Ich bin mir selbst genug.” Aber das Ego wird dir nicht weiterhelfen. Es wird zur denkbar größten Sperre werden. Erkenne, dass du allein dadurch, dass du einem Lehrer zuhörst, der dir sagt, dass du keinen Lehrer brauchst, zum Ausdruck bringst, dass du einen Lehrer brauchst, denn sonst wärst du nicht hier.

Vereinfacht kann man sagen, dass es eine Technik und einen Lehrer braucht, bis der Zustand erreicht ist, in dem es weder Technik noch Lehrer gibt. Auch die Idee von Schüler und Lehrer ist eine Illusion. Wenn also der Schüler aus der Illusion dieser Welt erwacht, verschwindet auch der Lehrer. Solange es aber scheinbar noch einen Schüler gibt, gibt es auch einen Lehrer. Am Anfang des spirituellen Weges sind die Lehrer immer auch Menschen, aber das Ziel des Weges mit dem Kurs ist es, den Zustand zu erreichen, in dem unser innerer Lehrer - der HEILIGE GEIST - unser einziger Lehrer ist.

Wahrheit

Die Verwendung des Begriffs "Wahrheit" in einem spirituellen Kontext unterscheidet sich grundlegend von der Bedeutung, die er im alltäglichen Sprachgebrauch hat. Die Welt des Egos ist eine Welt der Illusionen. In ihr gibt es keine spirituelle Wahrheit, keine Wirklichkeit.

Im Russischen gibt es tatsächlich zwei verschiedene Wörter, die ins Deutsche mit “Wahrheit“ übersetzt werden: pravda (правда) und istina (истина). Beide Begriffe haben unterschiedliche Bedeutungen.

“Pravda“ (правда) bezeichnet die alltägliche, praktische “Wahrheit“ oder Richtigkeit. Der Begriff bezieht sich oft auf eine moralische Vorstellung von Recht oder auf ein auf der Ebene der Form faktisches Geschehen. Der Begriff ist auch als Name der berühmten Zeitung in der historischen Sowjetzeit bekannt.

“Istina“ (истина) steht für die fundamentale, absolute und objektive Wahrheit. Beschreibt universelle Fakten oder tiefere philosophische Prinzipien.

Die Botschaft von Ein Kurs in Wundern ist radikal nondual. Jesus trifft eine grundlegende Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, zwischen Erkenntnis und Wahrnehmung. Erkenntnis ist Wahrheit – unter einem einzigen Gesetz, dem Gesetz der LIEBE oder GOTTES. Die Wahrheit ist unveränderlich, ewig und unzweideutig. Sie kann unerkannt sein, aber sie kann nicht verändert werden. Sie gilt für alles, was GOTT erschaffen hat, und nur das, was ER erschaffen hat, ist wirklich. Sie liegt jenseits des Lernens, weil sie jenseits von Zeit und Prozess liegt. Sie hat kein Gegenteil, keinen Anfang und kein Ende. Sie ist einfach.

“Die Wahrheit ist wahr. Nichts anderes ist von Belang, nichts anderes ist wirklich, und alles Übrige ist nicht vorhanden.”
(EKIW: Kapitel 14, II. 3. 3.-4.)

“Denn die Wahrheit ist wahr, und nichts sonst ist wahr.”
(EKIW: Lektion 138, 4. 6.)

“Nichts als die Wahrheit ist wahr, und was falsch ist, ist falsch.”
(EKIW: Lektion 152, 3. 9.)

Moderne esoterische Konzepte

Die meisten der modernen esoterischen Konzepte sind Ausdruck einer zentralen Strategie des Egos, der Verwendung spiritueller Konzepte für seine eigenen Zwecke. Es ist dies der Versuch, die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Dies geschieht seit Jahrtausenden in den großen Weltreligionen und setzt sich nun einfach in den modernen esoterischen Konzepten fort. JP Sears, ein YouTube-Komiker, bringt es auf den Punkt:


Es gibt einige sehr deutliche Zeichen, an denen wir das Ego-Denksystem erkennen können, auch wenn es sich durch häufige Wiederholung der Worte “Licht” und “Liebe” zu tarnen versucht:
  • Der zentrale Trennungsgedanke: Wir die Guten gegen die Bösen, wir die Lichtarbeiter gegen die dunklen Mächte. Der Glaube an eine Bedrohung von außen. Es ist dies die wahnsinnige Idee vom Kampf der Dunkelheit gegen das Licht, der in einem epischen Showdown endet, in dem die Dunkelheit letztendlich besiegt wird. Doch es gibt keine Schlacht, die vorbereitet, keine Zeit, die aufgewendet, und keine Pläne, die geschmiedet werden müssen, um das Licht einzubringen.

    Es gibt einen alten Kampf, der gegen das Licht geführt wird, doch das Licht reagiert nicht, weil der Krieg nur innerhalb der Illusion von Dunkelheit stattfindet und das Licht überhaupt nicht berührt.

    So gibt es auch keinen Sieg der Liebe. Nur die Illusion der Liebe kann über die Illusion des Hasses triumphieren, aber immer nur zum Preis, aus beiden Illusionen zu machen. Solange die Illusion des Hasses währt, so lange wird die Liebe eine Illusion für uns sein. Dann ist die einzig mögliche Wahl, die uns noch bleibt, die, welche Illusion wir vorziehen.

  • Der Glaube an die eigene Besonderheit. Besonderheit ist ein Mangel an Vertrauen in irgend jemand anderen als an das eigene persönliche Selbst. Glaube wird in die eigene Person allein investiert. Alles andere wird zu einem Feind. Ganz gleich, welche Sanftheit die Besonderheit anbietet, sie ist nur Täuschung, ihr Hass jedoch ist echt.

  • An einem lässt sich daher der Unterschied zwischen dem Ego-Denksystem und wahrer Spiritualität leicht erkennen: Im Ego-Denksystem geht es um persönliche Angelegenheiten, wie körperliche Heilung, materiellen Wohlstand oder weltlichen Erfolg, bei wahrer Spiritualität geht es um GOTT. Das Wort Gott findet man in der modernen Esoterik nur sehr, sehr selten. In der Esoterik geht es meist um persönliches Wohlbefinden, bei wahrer Spiritualität geht es genau um das Gegenteil, um das Erwachen aus der Illusion einer handelnden Person, darum, sich wieder als reiner Geist eins mit GOTT zu erkennen.

    Ein wahrhaftiger spiritueller Lehrer hat kein Interesse daran, Einfluss auf das Geld, die Lebensentscheidungen oder das Privatleben eines Menschen zu nehmen. Viele von ihnen weigern sich sogar, Fragen dieser Art zu beantworten. Stattdessen veranschaulichen sie ein Prinzip und sprechen darüber. Es bleibt dann dem Schüler überlassen, zu erkennen, wie dieses Prinzip in einer bestimmten Situation anzuwenden ist.

  • Der Glaube, dass die Erlösung allein durch eigene Anstrengungen, ohne Hilfe des Heiligen Geistes, erreicht werden könne. Begriffe wie Gott oder Heiliger Geist werden daher meist vermieden.

  • Woran wir selbst erkennen können, dass wir uns für den falschen Weg entschieden haben, ist Angst. Angst ist das entscheidende Merkmal, denn sie ist die Folge der oben angeführten Irrtümer. Wenn wir auf unsere eigene Stärke vertrauen, haben wir allen Grund, besorgt, ängstlich und furchtsam zu sein. Dann haben wir Angst vor bestimmten Nahrungsmitteln, Angst vor Krankheit, vor Chemtrails, vor 5G, vor KI, vor Überwachung, vor großen Konzernen, Angst vor Ablehnung oder negativer Bewertung, Angst vor “Fremdenergien”, Angst vor allem Möglichen. Ohne Gottvertrauen ist das weltliche Leben die Hölle.
Was Jesus und seine Jünger schon vor zweitausend Jahren feststellten, dass nämlich die sogenannten Heiden viel leichter für die Wahrheit zu begeistern waren als die Juden, zeigt sich in ähnlicher Form auch heute. Menschen, die sich einmal einer esoterischen Weltanschauung angeschlossen haben, tun sich mit Ein Kurs in Wundern oft viel schwerer als Menschen, die sich noch gar nicht mit einer konkreten Form von Spiritualität beschäftigt haben, aber grundsätzlich nicht daran zweifeln, dass es etwas gibt, das über diese Welt hinausgeht. Jesus weist uns im Kurs auch darauf hin, dass das Aufgeben des Urteilens an sich nicht schwer ist, sondern dass es so viel Zeit braucht, weil wir es als persönliche Kränkung empfinden. Wir empfinden es als persönliche Kränkung, uns einzugestehen, dass wir uns grundlegend geirrt haben.

Ich gehe davon aus, dass Helen Schucman als klinische Psychologin und damals bekennende Atheistin von Jesus für die Übermittlung des Kurses unter anderem deswegen ausgewählt wurde, weil damit sichergestellt war, dass keine festgefahrenen spirituellen Konzepte der Übermittlung im Wege standen.

Die Idee vom Abgrenzen

Das Ego ist das Verlangen nach Trennung, daher ist der mit dem Ego identifizierte Geist ständig mit Fragmentierung und Abgrenzung beschäftigt. Auf dem spirituellen Weg, dem Weg des Wiedererinnerns an die göttliche EINHEIT geht es um das genaue Gegenteil, um Bewusstseinserweiterung, darum, alles einzuschließen, nur noch Einheit wahrzunehmen.

“Vergiss nicht: Wenn das Bedürfnis in dir aufsteigt, wegen irgendetwas defensiv zu sein, hast du dich mit einer Illusion identifiziert. Und fühlst deshalb, dass du schwach bist, weil du allein bist. Das ist der Preis für alle Illusionen. Es gibt nicht eine, die nicht auf dem Glauben beruht, dass du getrennt bist.”
(EKIW: Kapitel 22, V. 6. 1.-4.)

Die Idee vom Abgrenzen, also das Verlangen nach und der Glaube an Trennung, ist die Ursache dieser Welt der Dualität und damit die Ursache allen Leids in dieser Welt. Das Ego ist allerdings so raffiniert, dass es uns die Ursache für unsere Probleme als Lösung für unsere Probleme verkauft.

Jedes Mal, wenn wir glauben, das Verhalten eines anderen Menschen sei übergriffig und wir müssten uns abgrenzen, bestätigen wir die Illusion der Trennung. Die Begriffe “übergriffig” und “abgrenzen” ergeben in Wahrheit überhaupt keinen Sinn, weil Wahrheit Einheit ist. Der Versuch, uns abzugrenzen, ist Ausdruck unseres Verlangens nach Trennung und hält uns damit in der Illusion der Trennung gefangen. Wie für das Denksystem des Egos typisch, stellt auch dieser Versuch eine selbsterfüllende Prophezeiung dar. Wenn wir daran glauben, angegriffen werden zu können, dann werden wir auch die Wahrnehmung von Angriffen machen.

“Meine Angriffsgedanken greifen meine Unverletzlichkeit an.

Es ist sicher offensichtlich, dass du, wenn du angegriffen werden kannst, nicht unverletzlich bist. Du siehst Angriff als eine wirkliche Bedrohung an. Das ist so, weil du glaubst, dass du wirklich angreifen kannst. Und was durch dich Wirkungen hat, muss auch auf dich Wirkungen haben. Es ist dieses Gesetz, das dich letztlich erlösen wird, aber jetzt missbrauchst du es. Du musst deshalb lernen, wie es zu deinem Besten genutzt werden kann statt dagegen.

Weil deine Angriffsgedanken projiziert werden, hast du Angst vor Angriff. Und wenn du Angst vor Angriff hast, musst du glauben, dass du nicht unverletzlich bist. Angriffsgedanken machen dich deshalb in deinem eigenen Geist verletzlich, dort, wo die Angriffsgedanken sind. Angriffsgedanken und Unverletzlichkeit können nicht gemeinsam akzeptiert werden. Sie widersprechen einander.”
(EKIW, LEKTION 26, 1.-2.)

“Ich bin im Irrtum, wenn ich denke, man könne mich auf irgendeine Art verletzen.”
(EKIW: Lektion 119, 1. 2.)

"Wenn ich mich verteidige, werde ich angegriffen."
(EKIW: Lektion 135)

“Die Welt ruft nichts hervor als eine Abwehrhaltung. Denn Bedrohung bringt Ärger, Ärger lässt den Angriff als vernünftig, redlich provoziert und im Namen der Selbstverteidigung gerecht erscheinen. Dabei ist die Abwehrhaltung eine doppelte Bedrohung. Denn sie zeugt von Schwäche und stellt ein System der Abwehr auf, das nicht funktionieren kann. Jetzt sind die Schwachen noch mehr geschwächt, denn draußen ist Verrat und ein noch größerer Verrat im Innern. Jetzt ist der Geist verwirrt und weiß nicht, wohin er sich wenden soll, um ein Entrinnen aus seinen Einbildungen zu finden.”
(EKIW: Lektion 153, 2.)

Den eigenen Ärger und die eigene Angst auf jemanden zu projizieren ist ungefähr so, wie Gift zu schlucken und zu hoffen, dass der andere stirbt.

Gerade im Zusammenhang mit Spiritualität taucht immer wieder die Idee auf, wir müssten uns von “negativen Fremdenergien” abgrenzen - aber es gibt keine Fremdenergien! Die Welt ist eine Projektion unseres gespaltenen Geistes. Es ist unser tief verdrängter Glaube, uns tatsächlich von GOTT getrennt zu haben, der in uns enorme Angst und Schuldgefühle erzeugt, die wir dann in die Welt projizieren. Wenn wir also versuchen, uns von "negativen Fremdenergien” fernzuhalten, suchen wir unser Heil in Trennung - aber dort ist es nicht zu finden. Deshalb ist es eine wunder-volle und wichtige spirituelle Übung, uns immer wieder Situationen auszusetzen, die wir noch als negativ beurteilen, um sie IHM zur Erlösung zu übergeben. Das kann ein Besuch des Bahnhofsviertels, einer Spielhalle oder eines Boxkampfes sein, um zu lernen, dass alles, was wir sehen - solange es nicht reine LIEBE ist - unser eigener Ruf nach LIEBE ist.

“Verletzung ist unmöglich. Und dennoch bringt die Illusion die Illusion hervor. Wenn du verurteilen kannst, kannst du verletzt werden. Denn du hast geglaubt, dass du verletzen kannst, und das Recht, das du für dich festgesetzt hast, kann nun gegen dich verwendet werden, bis du es als wertlos, unerwünscht und unwirklich niederlegst. Dann hört die Illusion auf, Wirkungen zu haben, und die, die sie zu haben schien, werden aufgehoben. Dann bist du frei, denn Freiheit ist deine Gabe, und du kannst jetzt die Gabe, die du gegeben hast, empfangen.”
(EKIW: Lektion 198, 1.)

Metaphysisch gesehen, ist es der Glaube an unsere eigene Schuld, der die ganze Idee einer externen dunklen Macht oder Hölle projiziert. Da das Ego an Gegensätze glaubt und Angst vor GOTT und der LIEBE hat, erfindet es Ideen wie die Hölle, den Teufel, “negative Fremdenergien" und die Sünde.

Me Time, Zeit für mich

Wir leben in einer Zeit, in der das Ego uns mit Ratschlägen zum Thema “Me Time” überschüttet. Me Time bedeutet nichts anderes, als sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Diese Me Time muss dann mit einer “Self-Care-Liste” organisiert werden. Zur Selbstfürsorge gehört auch, dass wir darauf achten, “ausreichend zu schlafen, gesund, lecker und ausgewogen zu essen und genügend Wasser zu trinken.”

All dies dient dem falschen Selbst. Diese Idee und die damit verbundenen komplexen Konzepte sind vom Ego und nichts anderes als der Versuch des Ego, das Offensichtliche zu verschleiern. Einerseits steckt hinter der Idee von Me Time die Idee von Graden und andererseits eine scheinbar harmlose Form der Abgrenzung, der Wunsch nach Zeit für mich allein ist nichts anderes als der Wunsch nach Trennung. Noch allgemeiner ausgedrückt, allein die Unterscheidung zwischen Zeit für mich und Zeit nicht für mich ist eine völlig abstruse Vorstellung und ist Ausdruck eines zutiefst gespaltenen Geistes. Der Wunsch nach “Me Time” ist das Verlangen nach und der Glaube an Trennung – genau das ist das Ego.

Selbstverständlich streben wir auf unserem spirituellen Weg immer wieder Zeiten des Alleinseins an, aber die entscheidende Frage ist: Wozu? Wollen wir allein sein, um uns ganz auf GOTT – und damit auf die LIEBE – konzentrieren zu können? Oder geht es um einen Rückzug vom Bruder? Wir sollten uns bewusst sein, was wir eigentlich tun, wenn der Wunsch nach Alleinsein ein Rückzug vom Bruder ist. Warum Me Time in unserer Zeit so extrem wichtig erscheint, liegt einfach daran, dass wir in unserem individuellem Ego-Wahn einander kaum noch ertragen können, weil wir uns so weit von der LIEBE GOTTES entfernt haben, dass wir in unserem Bruder eine Belastung sehen, vor dem wir uns schützen müssen, anstatt eines Geliebten.

“Es ist nicht Liebe, die ein Opfer fordert. Die Angst hingegen heischt der Liebe Opfer, denn in der Gegenwart der Liebe kann die Angst nicht weilen. Damit der Hass aufrechterhalten werde, muss man die Liebe fürchten - und nur manchmal darf sie gegenwärtig, manchmal muss sie fort sein. So wird die Liebe als verräterisch gesehen, weil es so aussieht, als sei ihr Kommen und ihr Gehen ungewiss und biete dir keine Stabilität. Du siehst nicht, wie begrenzt und schwach deine Treue ist und wie häufig du gefordert hast, dass die Liebe sich entferne und dich still allein in »Frieden« lasse.”
(EKIW: Kapitel 29, I. 7.)

Hinzu kommt, dass sich neben dem individuellen Ego-Wahn eine weitere Vorstellung stark verbreitet hat: der Glaube, spirituell zu sein und somit nur noch Liebe zu empfinden. Die Aufrechterhaltung eines derartigen spirituellen Selbstbildes ist sehr anstrengend, denn sich liebevoll zu verhalten ist ein Tun und Tun ist immer anstrengend. Von dieser Anstrengung sind wir erschöpft und brauchen eine Auszeit, eine Zeit für uns, in der wir uns nicht verstellen müssen. Das ist der entscheidende Grund, warum gerade in spirituellen Kreisen die Me-Time so wichtig geworden ist.

LIEBE hingegen ist kein Akt; sie ist nicht etwas, das man macht. Wenn man sie macht, ist es nicht LIEBE. Tun hat mit LIEBE nichts zu tun. SIE ist ein Seinszustand, kein Handeln. Niemand kann vierundzwanzig Stunden lang ununterbrochen etwas tun. Wenn wir Liebe “machen”, dann halten wir das natürlich nicht vierundzwanzig Stunden durch. Jedes Tun ermüdet, bei jedem Tun wird man gelangweilt. Und dann muss man sich nach jedem Tun entspannen.

Jesus widmet dem Thema “Rückzug vom Bruder" im Kurs sehr viel Raum beim Thema besondere Beziehung:

“Du hattest dich entschieden, dein Bruder sei dein Feind. Manchmal vielleicht ein Freund - vorausgesetzt, dass eure separaten Interessen eure Freundschaft eine kleine Zeit ermöglichten. Aber nicht ohne einen Graben wahrzunehmen zwischen dir und ihm, sollte er sich wiederum in einen Feind verwandeln. Als du ihn dir nahe kommen ließest, tatst du einen Sprung zurück; als du dich nähertest, da zog er augenblicklich sich zurück. Eine vorsichtige Freundschaft, begrenzt im Umfang und sorgfältig eingeschränkt im Ausmaß, wurde zu dem Vertrag, den du mit ihm geschlossen hattest. So teiltest du mit deinem Bruder ein eingeschränktes Bündnis, in welchem eine Trennungsklausel war, die ihr beide übereingekommen wart unversehrt zu erhalten. Und gehen diese zu verstoßen wurde als ein unzulässiger Vertragsbruch angesehen.”
(EKIW: Kapitel 29, I. 3. 4.-10.)

Die moderne Vorstellung von Me Time im Sinne von allein sein ist eine relativ neue Erfindung. In meiner Kindheit lebte ich auf einem Bauernhof mit acht Personen aus drei Generationen in einem gemeinsamen Haushalt. Dazu kamen immer Nachbarn und Verwandte, die bei der Arbeit halfen, und die Kinder aus dem Dorf zum gemeinsamen Spielen. Ich schlief mit meinen zwei Brüdern in einem Zimmer. Niemand - weder die Erwachsenen noch wir Kinder - hatte und wollte Zeit für sich allein. Me Time - im Sinne von alleinsein - war damals eine Strafe und keine Form der Selbstfürsorge.

Aber schon allein die Unterscheidung zwischen Freizeit und dem Rest der Zeit spiegelt uns den Wahnsinn in unserem gespaltenen Geist. Was ist die übrige Zeit, wenn sie nicht frei ist? In diesem Zusammenhang begegnet uns auch der merkwürdige Begriff der Work-Life-Balance, ein Begriff, der offen zum Ausdruck bringt, dass Arbeit nicht Leben ist. Ein erleuchteter Geist kennt derartige Unterscheidungen nicht, für ihn ist alles eine Meditation, ein stilles Gebet - egal, was er auf der Ebene der Form zu tun scheint. Und alles Tun entspringt dem Augenblick und nicht einem Konzept der Selbstfürsorge. Er ist verbunden mit einem inneren Ort der Stille, wo er nichts tut und inmitten aller Geschäftigkeit, in die er gesandt ist, in Ruhe ist. Er braucht sich nicht um Konzepte der Selbstfürsorge zu kümmern, weil er von der LIEBE GOTTES erhalten wird.

Was daher für den gespaltenen Geist sinnvoll und notwendig ist, sind Zeiten der Stille und Zeiten des Gebets. Aber beides - Stille und Gebet - braucht nicht den Rückzug vom Bruder, sondern im Gegenteil:

“Du kannst ebenso wenig für dich alleine beten, wie du für dich alleine Freude finden kannst. Das Gebet ist die erneute Formulierung der Einbezogenseins, geleitet vom HEILIGEN GEIST nach den Gesetzen GOTTES. Erlösung ist von deinem Bruder. Der HEILIGE GEIST dehnt sich von deinem Geist zu seinem aus und gibt dir Antwort. Du kannst die STIMME FÜR GOTT nicht in dir alleine hören, denn du bist nicht allein. Und SEINE Antwort ist nur für das, was du bist. Du wirst das Vertrauen, das ich in dich setze, nicht erkennen, wenn du es nicht auf andere ausdehnst. Du wirst der Führung des HEILIGEN GEISTES nicht vertrauen oder glauben, dass sie für dich ist, wenn du sie nicht in anderen hörst. Sie muss für deinen Bruder sein, weil sie für dich ist. Hätte denn GOTT eine STIMME nur für dich erschaffen? Könntest du SEINE Antwort hören, außer wenn ER allen SÖHNEN GOTTES Antwort gibt? Höre von deinem Bruder, was du möchtest, dass ich von dir höre, denn du kannst nicht wollen, dass ich mich täusche.”
(EKIW: Kapitel 9, II. 6.)

Die Zeit, die wir mit Gebet, Meditation und Liebe zu allem und jedem verbringen, ist die wahre „Me Time“, denn sie dient der Ausrichtung auf das wahre ME, anstatt endlos um ein illusorisches Me zu kreisen.

Bedürfnisbefriedigung

Viele Selbsthilferatgeber – insbesondere im Umfeld der Esoterik und psychologisierten Spiritualität – lehren heute, die eigenen Bedürfnisse klar zu erkennen und einzufordern. Dahinter steht oft die berechtigte Einsicht, dass Menschen sich selbst verlieren, sich anpassen oder ihre eigenen Grenzen übergehen. Das Aussprechen von Bedürfnissen wird dann als Weg zu Selbstachtung, Authentizität und innerer Heilung verstanden.

Die gewaltfreie Kommunikation stellt gegenüber diesem bloßen “Einfordern“ tatsächlich einen Fortschritt dar. Sie ersetzt Forderungen durch Bitten. Das Gegenüber soll nicht unter Druck gesetzt, manipuliert oder moralisch verpflichtet werden, sondern in Freiheit antworten können. Dadurch entsteht mehr Bewusstheit für Beziehung, gegenseitige Achtung und Verantwortung. Gewaltfreie Kommunikation erkennt an, dass echte Verbindung nicht durch Anspruch entsteht, sondern durch Freiwilligkeit und menschliche Offenheit.

Und dennoch bleibt auch dies auf einer psychologischen Ebene stehen. Denn der spirituelle Weg zielt letztlich nicht darauf ab, dass das Selbst immer feiner, bewusster und geschickter seine Bedürfnisse organisiert. Es geht nicht darum, das Selbst besser durchzusetzen, sondern darum, die Identifikation mit diesem Selbst überhaupt zu durchschauen, um sich daraus zu befreien.

Alle wahrhaft spirituellen Traditionen sprechen davon, dass Leiden nicht nur daraus entsteht, dass Bedürfnisse unerfüllt bleiben, sondern dass das Ich ständig um sich selbst kreist: um Anerkennung, Sicherheit, Bestätigung, Kontrolle oder emotionale Versorgung. Sogar ein sehr achtsames und höfliches Bitten ist meist immer noch Ausdruck dieser inneren Zentrierung auf das eigene Ich.

“Seit der Trennung sind die Worte »erschaffen« und »machen« verwechselt worden. Wenn du etwas machst, tust du das aus einem bestimmten Gefühl des Mangels oder einem Bedürfnis heraus. Alles, was für einen bestimmten Zweck gemacht wird, lässt sich nicht wahrhaft verallgemeinern. Wenn du etwas machst, um einem von dir wahrgenommenen Mangel abzuhelfen, so drückst du damit stillschweigend aus, dass du an Trennung glaubst. Das Ego hat zu diesem Zweck viele raffinierte Denksysteme erfunden. Keines davon ist schöpferisch.”
(EKIW: Kapitel 3, V. 2. 1.-6.)

Der spirituelle Weg beginnt dort, wo der Mensch nicht mehr primär fragt: “Wie bekomme ich, was ich brauche?“, sondern: “Was geschieht, wenn ich das ständige Kreisen um mich selbst loslasse?“ Dann rücken andere Qualitäten in den Vordergrund: Hingabe, Demut, Mitgefühl, Stille, Präsenz und die Fähigkeit, auch Unvollständigkeit auszuhalten, ohne sofort daraus einen Anspruch abzuleiten.

Das bedeutet nicht, Bedürfnisse zu verleugnen oder sich selbst zu opfern. Aber es bedeutet, die psychologische Ebene nicht mit Spiritualität zu verwechseln. Die Arbeit an Bedürfnissen kann hilfreich und manchmal notwendig sein. Doch sie ist nicht das eigentliche Ziel des spirituellen Weges, sondern höchstens eine vorbereitende Klärung. Der spirituelle Weg führt tiefer: weg von der permanenten Selbstbezogenheit hin zu einer Erfahrung von Verbundenheit, die nicht mehr um das eigene Habenwollen kreist.

Das Ego erkennt die Bedeutung der Liebe nicht. Wenn wir uns also mit dem Ego identifizieren, ist das unsere Behinderung. In vielen Paarbeziehungen sagt keiner: “Ich liebe dich nicht (mehr).” Stattdessen wird stundenlang über Bedürfnisse geredet. Alles klingt wie ein Mediationsgespräch nach einem Fahrradunfall. Die Partner versuchen oft, Gefühle als Kommunikationsproblem zu behandeln, weil Kommunikationsprobleme lösbar scheinen. Manche formulieren inzwischen alles wie die HR-Abteilung eines modernen High-Tech Unternehmens.

Generell verwenden oft in GFK geschulte Menschen Ich-Botschaften wie andere Leute Pfefferspray. Doch Gewaltfreie Kommunikation kann emotionale Defizite nicht ausgleichen. Am wahnsinnigsten ist, dass viele Menschen jetzt so reden, als wäre fehlende Liebe ein Kommunikationsfehler.

Die Maslowsche Bedürfnishierarchie ist ein sozialpsychologisches Modell des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow (1908–1970). Allgemein bekannt ist sie als Bedürfnispyramide. Dieses sehr verbreitete Konzept entstammt vollkommen dem Ego-Denksystem. Auch die um “Transzendenz” erweiterte Maslowsche Bedürfnispyramide ist falsch, da sie die Transzendenz als Teil der Pyramide darstellt. Transzendenz (von lateinisch transcendere, „überschreiten”) bezeichnet das Hinausgehen über die Grenzen des Bewusstseins, der Erfahrung oder der materiellen Welt. Das bedeutet ein Hinausgehen über die persönliche und damit sozialpsychologische Ebene.

Für einen erleuchteten Geist gibt es keine Hierarchie der Illusionen – und somit auch keine Hierarchie von Bedürfnissen. Ein erleuchteter Geist hat überhaupt keine Bedürfnisse mehr – er ruht in GOTT. Jesus ist das beste Beispiel dafür. Für ihn gab es nicht einmal mehr die weltlichen Existenz- und Sicherheitsbedürfnisse.

Im Zustand der Ego-Identifikation handeln wir nach einer scheinbaren Rangordnung unserer Bedürfnisse. Aber in Wirklichkeit gibt es keine Hierarchie der Bedürfnisse. Wir haben sie nur erfunden, je nachdem, wie wir uns selbst wahrnehmen. Die Idee einer Rangordnung der Bedürfnisse ist deshalb entstanden, weil wir uns - nach dem Begehen dieses grundlegenden Fehlers - bereits in Ebenen mit unterschiedlichen Bedürfnissen fragmentiert hatten. Wenn wir uns selbst integrieren, werden wir eins, und dementsprechend werden unsere Bedürfnisse eins. Geeinte Bedürfnisse führen zu einem geeinten Handeln, weil dies Konfliktlosigkeit erzeugt.

“Der HEILIGE GEIST wird dich lehren, zu uns und zu dir selber zu erwachen. Das ist das einzig wirkliche Bedürfnis, das in der Zeit zu stillen ist.”
(EKIW: Kapitel 13, VII. 16. 5.-6.)

“Begierden sind Mechanismen des »Habenwollens« und stellen das Bedürfnis des Ego dar, sich selber zu bestätigen. Das gilt genauso für die körperlichen Begierden wie für die sogenannten »höheren Egobedürfnisse«.”
(EKIW: Kapitel 4, II. 7. 5.-6.)

Wichtig zu verstehen ist, dass die normale Maslowsche Bedürfnispyramide nichts darstellt, was dauerhaft zu befriedigen wäre, sondern vielmehr eine Infrastruktur oder Logistik zur Bedürfnisbefriedigung, die stets Arbeit erfordert. Es ist anstrengend, zu versuchen, eine Lüge (das Selbst/Ich) wahr zu machen.

“Das Wunder schafft das Bedürfnis nach Belangen niederer Ordnung ab.”
(EKIW: Kapitel 2, V. 11. 1.)

Selbstfürsorge

“Du musst auf dich schauen und dich um dich kümmern.“ rät die Stimme des Egos.

Wer sorgt da für wen? Oder auch Selbstliebe – wer liebt da wen? Es scheint, als gäbe es ein Subjekt und ein Objekt. Wer sind die beiden? Das ist eine dissoziative Identitätsstörung. Wenn wir diesem Gedanken weiter folgen, werden wir erkennen, dass genau diese Art von dissoziativer Identitätsstörung der Heilung bedarf.

Jesus lehrt uns daher, dass wir uns selbst im Stich lassen müssen, damit er uns helfen kann.

“Ich werde dich genauso wenig je im Stich lassen wie GOTT, aber ich muss so lange warten, wie du es wählst, dich selbst im Stich zu lassen.”
(EKIW: Kapitel 4, III. 7. 8.)

Das Ego versteht die Wahrheit nicht. Nur in der Verwirrung ist es Experte. So hat es auch bei diesem Thema wieder etwas völlig missverstanden, das an sich einen wahren Kern enthält. Worum es in Wahrheit geht, ist, mehr Zeit damit zu verbringen, Selbst-beobachtend zu sein; und weniger Zeit damit, besorgt zu sein darüber, was in der Welt vor sich geht; und keine Zeit damit, die Welt für unseren Seins-Zustand zu beschuldigen - nicht die Eltern, nicht die Gesellschaft, nicht GOTT. Wenn wir wirklich einen Punkt erreichen, zu einhundert Prozent - also die ganze - Verantwortung anzunehmen für das, was wir denken, was wir fühlen, was wir sehen, was wir erfahren, erschafft dies einen Quantensprung in die andere Richtung, hin zu Selbst-Beobachtung, hin zu der Freiheit, die wir suchen, hin zur Heilung der Seele, hin zum Erkennen unserer Bestimmung, hin zu Freiheit, hin zum Erwachen. Ohne die Annahme von Verantwortung steigen wir niemals wirklich auf. Und die Verantwortung des Wunderwirkenden ist die, die SÜHNE für sich selbst anzunehmen. Das Annehmen der SÜHNE für uns selbst ist Selbstfürsorge im spirituellen Sinne.

Jeep Liberty oder die Illusion von Freiheit

Jeep Liberty, Ford Mustang, Chevrolet Nomad oder Land Rover Discovery – schon ihre Namen versprechen Freiheit, Abenteuer und Grenzenlosigkeit. In den Werbespots gleiten sie durch weite Landschaften, über einsame Straßen und durch unberührte Natur. Der Fahrer ist allein, ungebunden und scheinbar frei. Nie sehen wir dasselbe Auto im Stau auf dem Weg zur Arbeit, zum Fitnesscenter oder zum Nagelstudio.

So spricht das Ego zu uns. Es verspricht Freiheit in den Formen der Welt und lädt uns ein zu glauben, dass sie irgendwo außerhalb von uns zu finden sei. Manchmal suchen wir nach einem neuen Auto, manchmal nach einer anderen Beziehung, einem anderen Beruf oder einer gerechteren Gesellschaft. Doch auf dieser Ebene ist sie nicht zu finden.

Wollen wir Freiheit? Wollen wir uns durch nichts und niemanden einschränken lassen – schon gar nicht vom Staat und seinen Behörden?

Wollen wir Freiheit, ohne Verantwortung und ohne Pflichten übernehmen zu müssen?

Es gibt nur einen Menschen, der so leben kann: ein Baby.

Wenn wir diese Art von Freiheit wollen, sind wir kindisch. Wir kämpfen dann um das Recht, ein Baby zu sein – versorgt, beschützt und von anderen abhängig, aber ohne selbst Verantwortung tragen zu wollen.

Wenn wir jedoch Freiheit im geistigen Sinne suchen, sind wir auf dem Weg ins Himmelreich. Dann sind wir auf dem Weg, uns wieder als KIND GOTTES zu erkennen.

Dann sind die Bedingungen und Umstände dieser Welt nicht länger unser Gefängnis. Wir müssen die Welt nicht mehr verändern, damit wir uns frei fühlen können. Wir sind frei, weil wir erkannt haben, dass unsere Freiheit nicht von äußeren Umständen abhängt.

Dann sind wir sogar in einem Gefängnis frei.

Die Philosophie beschäftigt sich mit dem Thema Freiheit, seitdem es sie gibt. Jesus sagt uns in Lektion 10 des Kurses ganz klar, was davon zu halten ist: “Meine Gedanken bedeuten nichts.“ Die Gedanken, die Freiheit an äußere Umstände knüpfen, stammen nicht aus unserem wahren SELBST. Sie sind die Stimme des Ego, das uns unaufhörlich nach etwas suchen lässt, was wir in Wahrheit nie verloren haben.

Das Ego flüstert uns zu, Freiheit bedeute, als Person grenzenlos tun und lassen zu können, was wir wollen. Der HEILIGE GEIST erinnert uns dagegen daran, dass Freiheit kein Zustand der Person ist, sondern der Erkenntnis. Wir erinnern uns wieder an sie in dem Augenblick, in dem wir aufhören, GOTTES WILLEN einen eigenen Willen entgegenzusetzen.

Freiheit ist nicht etwas, das wir finden müssen. Sie ist das, was bleibt, wenn wir aufhören, an die Gedanken des Ego zu glauben. Das Ego versucht uns beizubringen, dass wir uns GOTTES WILLEN widersetzen wollen. Diese widernatürliche Lektion kann man nicht lernen, und der Versuch, sie zu lernen, ist eine Verletzung unserer eigenen Freiheit.

Der HEILIGE GEIST widersetzt sich jeder Gefangennahme des Willens eines GOTTESSOHNES, in der Erkenntnis, dass des SOHNES WILLE derjenige des VATERS ist. Der HEILIGE GEIST führt uns stetig weiter auf dem Pfad der Freiheit und lehrt uns, wie wir alles, was uns zurückhält, außer Acht lassen oder darüber hinwegsehen können.

“Die Unterweisung des HEILIGEN GEISTES geht nur in eine Richtung und hat nur ein Ziel. SEINE Richtung ist die Freiheit, und SEIN Ziel ist GOTT. Indessen kann ER sich GOTT nicht denken ohne dich, weil es nicht GOTTES WILLE ist, ohne dich zu sein. Wenn du gelernt hast, dass dein Wille GOTTES WILLE ist, könntest du ebenso wenig ohne IHN sein wollen, wie ER wollen könnte, ohne dich zu sein. Das ist Freiheit, und das ist Freude. Verweigere dir das, und du verweigerst GOTT SEIN REICH, weil ER dich dafür schuf.”
(EKIW: Kapitel 8, II. 6.)

Der Wunsch nach persönlicher Autonomie

“Das Ziel des Ego ist ganz ausdrücklich Ego-Autonomie. Von Anfang an bezweckt es also, getrennt zu sein, sich selber zu genügen und von keiner Macht abhängig zu sein außer seiner eigenen. Deshalb ist es das Symbol der Trennung.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 4. 4.-6.)

In dieser hochgradig vernetzten und arbeitsteiligen Welt ist Autonomie eine so offensichtliche Illusion, dass es kaum zu glauben ist, wie wir uns vom Ego immer wieder etwas vormachen lassen. Wenn wir als Prepper nach größtmöglicher Autonomie streben, vergessen wir völlig, dass unser ganzer Selbstversorgungs- und Selbsterhaltungs-Wahn nur deshalb scheinbar funktioniert, weil jemand anderes die Werkzeuge für uns hergestellt hat, und dass unser Geländewagen und unser Notstromaggregat nur deshalb funktionieren, weil jemand auf dieser Welt Öl aus der Erde holt und ein großer Konzern daraus Treibstoff macht. Und was ist das überhaupt für eine verrückte Idee, einen “Weltuntergang” auch nur überleben zu wollen?

Aber das Problem liegt viel tiefer: Der Glaube, auf der Ebene der Form autonom sein zu können, ist ohnehin völlig lächerlich, aber die Illusion, auf der Ebene des individuellen Geistes unabhängig zu sein, ist viel schwieriger zu durchschauen. Solange wir noch völlig mit dem Ego identifiziert sind, glauben wir, Herr unseres Geistes zu sein und sind stolz auf unser unabhängiges Denken und unseren freien Willen. Doch in Wahrheit sind wir gefangen im Denksystem des Egos, dem Glauben an und dem Verlangen nach Trennung. Wir sind gefangen im Todeswunsch und glauben frei zu sein. In diesem Zustand sind wir Marionetten des Egos. Im Zustand der unbewussten Ego-Identifikation wird jedoch die Gefangenschaft im egoischen Wollen als freier Wille erlebt, auch wenn es das nicht ist. Es ist weder ein freier Wille, noch ist es unser wahrer Wille. Auf dieser Ebene gibt es keine Unabhängigkeit.

“Deine Unabhängigkeit ist die der Schöpfung, nicht die der Autonomie. Deine ganze schöpferische Funktion liegt in deiner vollständigen Abhängigkeit von GOTT, DER SEINE Funktion mit dir teilt. Durch SEINE Bereitwilligkeit, sie zu teilen, wurde ER ebenso abhängig von dir, wie du es von IHM bist. Schreibe IHM, DER nicht von dir unabhängig sein will, nicht die Arroganz des Ego zu. ER hat dich in SEINE Autonomie eingeschlossen. Kannst du denn glauben, Autonomie getrennt von IHM sei bedeutungsvoll? Der Glaube an Ego-Autonomie kostet dich die Erkenntnis deiner Abhängigkeit von GOTT, in welcher deine Freiheit liegt. Das Ego sieht jegliche Abhängigkeit als bedrohlich an und hat sogar deine Sehnsucht nach GOTT zu einem Mittel verdreht, um sich selbst zu etablieren. Lass dich aber von seiner Deutung deines Konflikts nicht täuschen.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 6.)

Und so ist überall auf der Welt ein ständiger Kampf um Autonomie im Gange. Und wir merken nicht, dass wir gerade dadurch unsere wahre Befreiung verhindern, weil wir nicht begreifen, was der einzig wahre Sinn und Zweck unseres Lebens ist.

“Das Ego greift immer zugunsten der Trennung an. Da es die Macht dazu zu haben glaubt, tut es nichts anderes, denn sein Ziel der Autonomie ist nichts anderes. Das Ego ist völlig verwirrt, was die Wirklichkeit angeht, aber es verliert sein Ziel nicht aus den Augen. Es ist viel wachsamer als du, weil es sich seines Sinns und Zwecks völlig gewiss ist. Du bist verwirrt, weil du den deinen nicht begreifst.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 7.)

Der Wunsch nach persönlicher Wertschätzung

Die Sehnsucht nach persönlicher Wertschätzung ist Ausdruck von Mangel und beruht darauf, dass wir uns unserer wahren IDENTITÄT nicht bewusst sind. Unser wahrer Wert liegt jenseits der Wahrnehmung, weil er jenseits des Zweifels liegt. Unser Wert wird nicht durch Lehren oder Lernen begründet. Unser Wert ist von GOTT begründet. Solange wir dies bestreiten, wird alles, was wir tun, angstbesetzt sein, besonders jede Situation, die sich für den Glauben an Überlegenheit und Unterlegenheit anbietet.

Solange wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, werden wir daher ständig danach streben, “Jemand” zu sein und versuchen, uns mit anderen Egos zu verbünden oder sie anzugreifen - immer mit dem Ziel, gesehen zu werden, als “Jemand” erkannt und anerkannt zu werden. Unser mit dem Ego identifizierter Geist manipuliert ständig, um sein wackeliges Selbstbild aufrechtzuerhalten. Es ist eine Tarnung für die tiefe Angst, dass das, was darunter liegt, nicht liebenswert ist. Die Angst, als unwürdig erkannt zu werden, ist der Nährboden für Lügen, Geheimnisse, Ängste und Selbstoptimierungen aller Art.

In spirituellen Kreisen ist es sehr beliebt, den verlangten finanziellen Beitrag für eine Dienstleistung als “Wertschätzung” oder “Wertschätzungbeitrag” zu bezeichnen. Das ist besonders skurril, denn gerade dort sollte es doch darum gehen, die eigene IDENTITÄT und damit wahre Größe wiederzuerkennen.

Wenn wir in dieser Welt aufwachsen, gibt es eine Menge Druck und hohe Erwartungen, etwas Konstruktives zu tun und spezielles Wissen zu erlangen, um Fähigkeiten zu entwickeln, mit deren Hilfe wir uns selbst versorgen können. Es wird uns gesagt, dass es wichtig ist, immer höhere Ausbildungsabschlüsse zu erwerben und immer mehr Spezialwissen anzuhäufen. Uns wird gelehrt, unsere Stärken zu erkennen und stolz auf sie zu sein. All das nur, weil unser Selbstwertgefühl damit verknüpft ist. Das ist anstrengend und entspringt einem starken kulturellen Glauben an die persönliche Verantwortung, der im Kern Schuld beinhaltet. Er ist in das System eingebaut, und es scheint edel und gut zu sein, doch der Druck zur Selbstverantwortung schadet uns. Das Ego hat uns dazu gebracht, ständig gestresst zu sein und immer zu denken, dass es etwas gibt, das wir ändern oder besser machen könnten. In diesem Zustand haben wir jedoch keine Ahnung von unserer einzigen wahren Stärke.

“[...] Wir können uns weder beurteilen, noch brauchen wir das zu tun. [...] Es ist weder unsere Rolle, ein Urteil über unseren Wert zu fällen, noch können wir erkennen, welche Rolle die beste für uns ist und was wir tun können in einem größeren Plan, den wir nicht in seiner Gänze sehen können. Unsere Rolle wird uns im Himmel zugewiesen, nicht in der Hölle. Und das, wovon wir denken, es sei Schwäche, das kann Stärke sein; was wir für unsere Stärke halten, ist oft Arroganz.”
(EKIW: Lektion 154, 1.)

Die Basis des persönlichen Selbst sind Schuld und Angst – und damit einhergehend auch das Gefühl der Unwürdigkeit. Wenn wir nun versuchen, dieses Gefühl auf persönlicher Ebene loszuwerden, indem wir ein besonderes Selbstbild aufzubauen versuchen, und es uns zu gelingen scheint, sind wir zwei Schritte von der Wahrheit entfernt. Erst wenn wir bereit sind, uns all die Schuld, Angst und Unwürdigkeit in unserem gespaltenen Geist anzusehen, um sie dem HEILIGEN GEIST zur Berichtigung zu übergeben, sind wir nur noch einen Schritt von der Wahrheit entfernt. Nur so können wir am Ende der Zeit unsere wahre Größe erkennen, denn diese liegt jenseits der Illusion einer Person.

Der Versuch, das persönliche Selbstwertgefühl zu steigern, ist der völlig falsche Ansatz. Die Persönlichkeit ist ein Witz. Es ist der wahnsinnige Versuch, eine Identität jenseits unserer göttlichen Wirklichkeit zu erschaffen. Der Versuch, dieses illusionäre Ich-Gefühl zu verbessern, ist Teil des Wahnsinns. Die Erlösung besteht darin, sich von dieser illusionären Identität zu befreien und unsere wahre Identität als SOHN GOTTES wiederzuerkennen.

Ein immer wieder geäußerter Wunsch im Zustand der Ego-Identifikation lautet: "Lieb mich so, wie ich bin!" Auch im spirituellen Kontext wird oft die Meinung vertreten, wir müssten andere so lieben, wie sie sind. Das Ego versteht diese Aussage jedoch falsch und glaubt, es ginge um die Liebe zur Person, also um den Körper und den ganzen Ego-Wahnsinn im gespaltenen Geist. Doch darum geht es nicht. Es geht nicht darum, den anderen so zu lieben, wie er ist, sondern darum, den anderen so zu lieben, wie er IST. Das bedeutet, die Person zu übersehen und den CHRISTUS im anderen zu erkennen.

Jesus weist im Laufe des Kurses mehrmals auf unseren wahren Wert hin: „Noch einmal: Nichts, was du tust oder denkst oder wünschst oder machst, ist nötig, um deinen Wert zu begründen. Dieser Punkt ist - außer in Wahnvorstellungen - unumstritten. Dein Ego steht nie auf dem Spiel, weil GOTT es nicht erschaffen hat. Dein reiner Geist steht nie auf dem Spiel, weil ER ihn schuf. Jegliche Verwirrung in diesem Punkt ist wahnhaft, und keine Art der Hingabe ist möglich, solange dieser Wahn andauert.“

Der weltliche Versuch der Selbstverwirklichung ist der Versuch, eine Illusion zu verwirklichen, es ist der Versuch, uns kleiner zu machen, als wir wirklich sind. Der Versuch, ein tolles persönliches Selbstbild zu schaffen und aufrechtzuerhalten, ist extrem anstrengend. Meistens wird uns das aber erst bewusst, wenn wir älter werden - dann wenn es weh tut.

Das Ego beschäftigt sich immer mit dem Mangelprinzip aus dem es entstanden ist. “Selbstachtung” wie das Ego sie versteht bedeutet lediglich, dass das Ego sich selbst dahingehend irre geführt hat, seine eigene Wirklichkeit anzuerkennen und deshalb vorübergehend weniger rücksichtslos ist. Diese angebliche “Selbstachtung” ist jederzeit anfällig für Stress, ein Begriff, der sich auf einen Zustand bezieht, in dem die Wahnvorstellung des Egos bedroht wird. Dies bringt entweder ein Schrumpfen oder ein Aufblähen des persönlichen Selbst mit sich, was zu Rückzug oder Angriff führt.

Das Ego glaubt, es sei völlig auf sich gestellt, was lediglich eine andere Beschreibung dessen ist, wie es entstanden zu sein vermeint. Das ist ein so beängstigender Zustand, dass es sich nur noch an andere Egos wenden und versuchen kann, sich mit ihnen in einem schwachen Identifikationsversuch zu vereinigen oder sie in einer ebenso schwachen Kraftdemonstration anzugreifen. Allerdings steht es ihm nicht frei, die Prämisse in Frage zu stellen, weil die Prämisse sein Fundament ist. Das Ego ist die Überzeugung des gespaltenen Geistes, dass er völlig auf sich gestellt ist.

Die unablässigen Versuche des Ego, die Anerkennung des reinen GEISTES zu erlangen und auf diese Weise seine eigene Existenz zu begründen, sind nutzlos. Der reine GEIST ist sich in seiner Erkenntnis des Egos nicht bewusst. Er greift es nicht an; er kann es sich einfach überhaupt nicht denken. Während das Ego sich des reinen GEISTES ebenso wenig bewusst ist, nimmt es dennoch wahr, dass es von etwas Größerem als es selbst zurückgewiesen wird. Dies spiegelt sich auch darin, dass gerade große Organisationen von dem mit dem Ego identifizierten Geist als bedrohlich empfunden werden und immer wieder diverse Verschwörungstheorien in diese Richtung auftauchen.

Eine beliebte Strategie des Egos besteht derzeit darin, sich von seinen anders denkenden Mitmenschen abzugrenzen und aus den eigenen Problemen eine Besonderheit zu machen, stolz darauf zu sein, ein Buch darüber zu schreiben und als Selbstwert-Coach aufzutreten. All dies sind wunderbare Beispiele dafür, wie komplex unser Verstand geworden ist und wie wir selbst ohne Führung durch den HEILIGEN GEIST, da nicht mehr raus finden. Wir belügen uns einfach nur immer raffinierter. Wir haben auf jeden möglichen Kritikpunkt an unserer Vermeidungsstrategie schon eine Antwort im Kopf bereit.

Das falsche Selbst, der individuelle Ausdruck des Egos, ist zurzeit derart aufgebläht, so von seiner eigenen Besonderheit überzeugt, dass es nach Safe Spaces verlangt und jedem Kritiker seines Gedankensystems eine Phobie unterstellt, mit dem eine Diskussion nicht lohnt. In einem Safe Space soll niemand befürchten müssen, mit einer Gegenmeinung konfrontiert zu werden: Wer genauso denkt wie ich, wird gehypt; wer nicht, wird geblockt. In den USA werden mittlerweile sogar philosophische Klassiker mit Triggerwarnungen versehen. Triggerwarnungen schaffen Verdrängung, aber keine Veränderung.

Der weltliche Begriff „Safe Space“ ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich, denn wahre Sicherheit ist in Zeit und Raum nicht zu finden. Diese Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Die Welt bietet keine Sicherheit. Sie wurzelt in Angriff, und alle ihre „Gaben“ der scheinbaren Sicherheit sind illusionäre Täuschungen. Wahre Sicherheit ist nur in GOTT zu finden. GOTT ist der wahre Safe Space. Wenn wir den WILLEN GOTTES teilen, DER unser Glück will - und der der Wille unseres wahren SELBST ist - finden wir wahre Sicherheit. Hier ist unser Frieden, und hier gibt es keine Angst. Hier ist Erlösung. Hier ist endlich Ruhe. „Ruhe in Frieden“ (RIP) ist ein Segen für die Lebenden, nicht für die Toten, weil Ruhe vom Erwachen kommt und nicht vom Sterben.

„Die Schuldlosen haben keine Angst, denn sie sind sicher und begreifen ihre Sicherheit. Weder appellieren sie an Magie, noch erfinden sie Fluchtwege aus eingebildeten Bedrohungen, die nicht wirklich sind. Sie ruhen in stiller Gewissheit, dass sie tun werden, was zu tun ihnen gegeben ist. Sie zweifeln nicht an ihren eigenen Fähigkeiten, weil sie wissen, dass ihre Funktion am rechten Ort zur rechten Zeit vollständig erfüllt wird.“
(EKIW: Lektion 98, 3. 1.-4.)

Persönliche Probleme

Tatsächlich gibt es keine persönlichen Probleme. Unser einziges Problem ist, dass wir glauben, eine Person zu sein. Damit müssen wir aufhören. Solange wir imaginäre Probleme für wirklich halten, können wir sie nicht erlösen. Wir müssen lediglich damit aufhören, das Unwirkliche für das Wirkliche zu halten. Der folgende Sketch kann dabei eine sehr hilfreiche Erinnerungsstütze sein.

Stop it! Bob Newhart

“Wenn du gewillt bist, deine Probleme zu erkennen, wirst du erkennen, dass du keine Probleme hast.”
(EKIW: Lektion 80, 1. 1.)

Positives Feedback

Das persönliche Selbst, das von jedem Wort, welches ihm nicht passt, erschüttert wird, erhofft sich Erlösung vom Einfordern positiven Feedbacks mit Fragen wie: "Was schätzt Du an mir?" "Worin siehst du meine Stärken?" Früher nannte man das Fishing for Compliments heutzutage heißt es positives Feedback.

Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen Komplimenten und Kritik; beides ist Illusion. So oder so setzen wir unseren Glauben in das Unwirkliche. Ob wir wahrhaftig auf dem spirituellen Weg sind, können wir auch daran erkennen, ob wir bereit sind, nicht nur Kritik, sondern auch Komplimente loszulassen. Die Versuchung ist groß, uns einzureden, dass wir über jede Kritik erhaben sind, weil wir ja der Sohn Gottes sind, aber dann persönliche Komplimente sehr gerne im Geiste annehmen. Man könnte es auch so ausdrücken: Der Weg zur Hölle ist mit Komplimenten gepflastert.

Ein wahrhaftiger Lehrer GOTTES weiß, dass er nicht persönlich die Quelle der LIEBE ist, die durch ihn in die Welt fließt. Er kennt seinen SCHÖPFER, er kennt die QUELLE seiner Inspiration, und verleugnet SEINE AUTORSCHAFT nicht.

Positives Feedback als das Gegenteil von negativem Feedback ist Teil der Dualität, das heißt, Teil der Illusion von Gut und Böse. Wenn wir glauben, unbedingt positives Feedback geben zu müssen, so tun wir das meist mit jener Art von Stimme, die Kindern geeignete Geschichten vorliest. Jeder Vokal war makellos gerundet und man kann die zusätzlichen Ausrufezeichen hören, beschaffen von einer Art an Verzweiflung grenzender Positivität.

Positives Feedback, früher nannten wir es Lob, ist immer ein Urteil. Auch wenn ich jemanden positiv beurteile, beurteile ich ihn und maße mir damit eine Position an, von der aus Urteile möglich erscheinen, ich schaffe also eine Hierarchie - ich stelle mich über den anderen. Auch wenn ich dem anderen sage, dass er ein ganz toller Mensch ist und etwas ganz Tolles geleistet hat, bringe ich damit gleichzeitig zum Ausdruck, dass ich in der Position bin, über sein Sein und sein Tun zu urteilen. Das einzige, wovon ich dem anderen ehrlich berichten kann, ist mein eigener Geisteszustand. Ich kann dem anderen zum Beispiel sagen, dass ich mich sehr freue, ihm zu begegnen.

Wenn wir uns selbst und unsere Mitmenschen mit den Augen der Heiligkeit betrachten, dann werden unsere Worte ganz automatisch die LIEBE GOTTES widerspiegeln und ganz natürlich von unseren Mitmenschen als liebevoll empfunden werden, aber das ist etwas grundlegend anderes als ein Konzept von positiven Feedback, dem mit intellektueller Absicht gefolgt wird. Der Ausdruck der LIEBE GOTTES durch uns ist immer absolut spontan, denn er findet im Jetzt statt. Der Geist eines Erleuchteten ist eine tabula rasa für alle neuen Sinneseindrücke, während ein Konzept, im Sinne einer Vorgehensweise, immer ein Konstrukt ist, das innerhalb der Illusion der linearen Zeit verfolgt wird. In dem Moment, in dem wir zwischen positivem und negativem Feedback unterscheiden, haben wir bereits unsere Unschuld verloren. Und wenn wir versuchen, es bewusst einzusetzen, dann ist es zum Kalkül geworden, dann kann es nicht mehr unschuldig sein.

Positives Feedback in der Welt der Wirtschaft

Alle Konzepte von Positivem Feedback, Positiver Psychologie oder Positive Leadership nutzen lediglich den egoischen Wunsch nach persönlicher Wertschätzung, um bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Vernünftig notwendige Arbeit wird seit jeher einfach erledigt, aber als wir den Sinn unserer Arbeit nicht mehr sahen, begannen wir über Motivation zu reden. Motivierung ist generell wie Doping im Sport: Man spürt den Schmerz nicht mehr, aber sie heilt die Krankheit nicht. Die Motivierung ist die Krankheit, für deren Heilung sie sich hält. Alles Motivieren ist Demotivieren, denn das System der Motivierung ist methodisiertes Misstrauen, es setzt voraus, dass ich davon ausgehe meine Mitmenschen könnten mehr leisten, tun es aber nicht.

“Verstehe, dass du auf nichts direkt reagierst, sondern auf deine Deutung davon. Deine Deutung wird somit zur Rechtfertigung für die Reaktion. Deswegen ist es riskant für dich, die Motive anderer zu analysieren. Wenn du beschließt, dass jemand tatsächlich versucht, dich anzugreifen oder dich im Stich zu lassen oder zu versklaven, dann wirst du reagieren, als habe er es tatsächlich getan, und hast damit seinen Irrtum für dich wirklich gemacht. Einen Irrtum deuten heißt ihm Macht verleihen, und wenn du das getan hast, übersiehst du die Wahrheit.”
(EKIW: Kapitel 12, I. 1. 4.-8.)

Die „5 Bs“ der Motivierung sind die, mit denen wir auch versuchen, unsere Kinder zu bestimmten Verhaltensweisen zu motivieren: Bedrohen, Bestrafen, Bestechen, Belohnen und Belobigen.

Ein Wesensmerkmal des Lobens ist die Tatsache, dass es immer ein Interpretationsmonopol definiert, und zwar einen, der sagen darf, was gut und richtig ist, und einen, der dieses Urteil über sich ergehen lassen muss. Unter dem Deckmantel eines „positiven Menschenbildes“ wird eine Ideologie verkauft, die einen Menschen nach den Maßgaben ökonomischer Verwertbarkeit proklamiert.

Positives Feedback für jedermann

Aus dem Verteilen von positiven Feedback an das gebeutelte Ego ist inzwischen ein eigenes Geschäftsfeld entstanden. Das kennt man inzwischen auch von Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) wie ChatGPT. Dort heißt es "KI-Sykophantie". Dazu gibt es inzwischen auch schon wissenschaftliche Studien. Eine Version von ChatGPT wurde schon wegen zu großer Nettigkeit zurückgezogen.

Die sykophantische KI bestätigte die eigene Wahrnehmung der Welt und bestärkte sie – wie auch immer sie aussieht. Es zeigt sich, dass schon nach einem “Gespräch“ mit einer Schmeichel-KI die Testpersonen egozentrischer wurden als jene, denen nicht geschmeichelt wurde. Das vielleicht folgenschwerste Phänomen: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen fanden die “schleimigen Antworten“ hilfreicher, objektiver und vertrauenswürdiger als die nicht schleimigen – und sie wollten sich künftig auch eher an die entsprechenden KI-Chatbots wenden. Diesbezüglich besteht kein Unterschied zwischen einer sykophantischen KI und einem Selbstwert-Coach der den Klienten mit positivem Feedback überhäuft. Es ist dasselbe Prinzip.

Das egoische Gefühl der eigenen Besonderheit ist, mit den Worten der Bibel, ein Haus, das auf Sand gebaut ist. Ein Haus auf Sand muss nach jedem Windsturm wieder neu aufgerichtet werden. Anders ausgedrückt: Das kleine, vom Winde verwehte Ego, das sich zum Sei-ganz-Du-selbst-Coach schleppt, wird vom Coach wie ein Ballon mit heißer Luft aufgeblasen. Die Worte aus Windhauch klingen häufig so: "Du bist etwas Besonderes". "Erfülle dir deine Träume." “Du solltest dich abgrenzen.” "Sei stolz auf dich." "Du bist eine Königin." Wenn der aufgeblasene Ballon die Praxis des Coach verlässt und davon schwebt, ist alles rosig. Aber wenn der aufgeblasene Ballon das erste Mal auf einen kleinen Dorn stößt, in Form des Partners, des Chefs oder eines Mitmenschen in der überfüllten Straßenbahn, platzt die Blase wieder und muss beim nächsten Coaching-Termin erneut aufgeblasen werden. Dies ist eine unendliche Geschichte.

Diese Art der positiven Psychologie ist die Geisteskrankheit, deren Therapie sie vorgibt zu sein. Aber auch Ein Kurs in Wundern lässt sich auf diese Weise missbräuchlich verwenden. Das geschieht, wenn wir Aussagen des Kurses, die sich auf das wahre SELBST beziehen, auf das persönliche Selbst beziehen. Doch das persönliche Selbst ist das Problem. Probleme können niemals mit der gleichen Denkweise gelöst werden, durch die sie entstanden sind. Ein Problem zu lösen bedeutet, sich vom Problem zu lösen, sich also von der Ebene des Problems zu lösen.

“Wenn du auf deine eigene Stärke vertraust, hast du allen Grund, besorgt, ängstlich und furchtsam zu sein. Was kannst du vorhersagen oder kontrollieren? Was ist in dir, auf das du zählen kannst? Was würde dir die Fähigkeit verleihen, alle Seiten eines Problems wahrzunehmen und sie so zu lösen, dass nur Gutes daraus entstehen kann? Was ist in dir, das dir die Einsicht in die richtige Lösung gibt und dafür bürgt, dass sie erreicht wird?”
(EKIW: Lektion 47, 1.)

Psychologie

Die Psychologie liefert detaillierte Beschreibungen des Ego-Wahnsinns, aber sie bietet keine Erlösung von der Illusion des persönlichen Selbst. Das grundlegende Verständnis der Psychologie ist nämlich selbst Teil des Ego-Denksystems. So nimmt es immer abstrusere Dimensionen an. Sogar innerhalb des Ego-Denksystems fällt mittlerweile auf, welch riesiges Geschäft daraus geworden ist. Diana Pflichthofer, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, schreibt in ihrem Buch “Die Psycho-Industrie: Wie das Geschäft mit unserer Psyche funktioniert und was es so gefährlich macht“ darüber.

The Onion (engl. Die Zwiebel), ein US-amerikanisches satirisches Nachrichtenmagazin, veröffentlichte im Juli 2014 einen wunderbaren Artikel über die Unmöglichkeit, mit Hilfe von Psychologie etwas über sich selbst zu erfahren. Die Psychologen in diesem Artikel warnen davor, zu glauben, dass man irgendetwas Objektives über den menschlichen Geist lernen kann, da das Objekt der Beobachtung naturgemäß auch der Beobachter ist.

Psychology Comes To Halt

“Wenn du glaubst, du verstündest etwas von der »Dynamik« des Ego, dann lass mich dir versichern, dass du nichts davon verstehst. Denn aus dir selbst könntest du sie nicht verstehen. Das Studium des Ego ist nicht das Studium des Geistes. Tatsächlich genießt es das Ego, sich selber zu studieren, und zollt dem Unterfangen von Schülern, die es »analysieren« möchten und damit seine Wichtigkeit gutheißen, vollen Beifall. Dabei studieren sie nur eine Form mit einem bedeutungslosen Inhalt. Denn ihr Lehrer ist unvernünftig, obzwar sorgsam darauf bedacht, diese Tatsache hinter eindrucksvoll klingenden Worten zu verbergen, denen jedoch jeglicher zusammenhängende Sinn fehlt, sobald man sie zusammenfügt.”
(EKIW: Kapitel 14, X. 8. 4.ff.)

Psychologie kann als eine äußerst raffinierte Strategie des Ego verstanden werden, sein wahnsinniges Denksystem in scheinbar wissenschaftliche Konzepte zu kleiden und ihm dadurch den Anschein von Objektivität und Wirklichkeit zu verleihen. Unter diesem Deckmantel werden die Grundannahmen des Ego bereits Kindern und Jugendlichen vermittelt, sodass seine Sichtweise als selbstverständlich und wahr erscheint.

Beispiel

Das Modell von Beziehung, Ziel und Selbstachtung stammt aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Es beschreibt soziale Interaktionen anhand von drei miteinander konkurrierenden Kernzielen. Da die drei Bereiche zusammen 100 % ergeben, folgt daraus die Annahme, dass die stärkere Verwirklichung eines Ziels zwangsläufig auf Kosten der beiden anderen geht. So impliziert das Modell beispielsweise, dass jemand umso mehr Selbstachtung einbüßt, je stärker er auf eine gute Beziehung achtet, und umgekehrt. Hinter diesem Modell verbirgt sich der Glaube, ich könnte auf Kosten meiner Mitmenschen etwas gewinnen. Das ist die Basis von Krieg, das ist das Ego-Denksystem, das ist der Glaube an Trennung.

Gleichzeitig kann der HEILIGE GEIST psychologische Konzepte wunderbar für SEINEN Zweck nutzen, denn dadurch wird das Denksystem des Egos immer deutlicher sichtbar. Genau das sehen wir auch im Kurs: Jesus greift gezielt auf Begriffe und Konzepte aus der Psychologie und Pädagogik zurück. Die Psychologie hat eine Menge neuer Begriffe erfunden, wie beispielsweise das Impostor-Syndrom, manchmal auch Hochstapler-Syndrom genannt. Der egoische Zustand lässt sich kaum besser mit einem Wort beschreiben. Das Konzept des Selbst - das Hochstapler-Selbst - ist ein Götze, der dazu gemacht ist, den Platz unserer Wirklichkeit als SOHN GOTTES einzunehmen. Der Aufbau eines Hochstapler-Selbst ist es, wozu das Lernen der Welt dient. Das Hochstapler-Selbst ist nichts, aber in einer Form, die wie etwas zu sein scheint. Die unausgesprochene Botschaft hinter dem Streben nach Besonderheit lautet: “Wenn ich es nur schaffe, dass mein Leben um mich herum erfolgreich aussieht, dann werde ich akzeptiert werden und dann kann ich mich selbst lieben, zumindest ein wenig. Und vielleicht kann ich dann auch andere dazu bringen, mich zu lieben.”

Der Kurs widmet dem Glauben des Hochstapler-Selbst an die eigene Besonderheit ein eigenes Kapitel und dort klingt es so:

„Nicht du bist so verletzlich und dem Angriff ausgesetzt, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das dir nicht behagt, ein Umstand, welcher dir nicht passt, ein Vorfall, den du nicht vorhergesehen hast, deine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt. Die Wahrheit ist nicht gebrechlich. Von Illusionen bleibt sie gänzlich unberührt und ungestört. Doch die Besonderheit ist nicht die Wahrheit in dir. Sie kann durch alles aus dem Gleichgewicht geworfen werden. Das, was auf nichts gegründet ist, kann nie stabil sein. Wie groß und aufgeblasen es auch zu sein scheint, so muss es dennoch mit jedem Lufthauch wanken, sich drehen und herumgewirbelt werden.“
(EKIW: Kapitel 24, III. 3.)

Im Prozess sein

Seit sich psychologische Konzepte großer Beliebtheit erfreuen, sind ihre Begriffe und Denkmodelle weit verbreitet. Wir hören und verwenden immer wieder dieselben Formulierungen, oft ohne noch darüber nachzudenken, was wir damit eigentlich sagen. Eine dieser Formeln lautet: „Ich bin im Prozess.“

Gemeint ist damit meist ein leidvoller Vorgang. Selten hört man in diesem Zusammenhang von einer ekstatisch glückseligen Erfahrung.

Wenn wir im üblichen Sinne davon sprechen, „im Prozess“ zu sein, bedeutet das daher meist: Wir befinden uns in einem Zustand der Anklage. GOTT klagt uns nicht an. ER kennt uns nur als vollkommen unschuldig. Der Ankläger in diesem Prozess können wir also nur selbst sein.

Damit begehen wir häufig gleich den nächsten Fehler. Wir sind einerseits der Angeklagte und versuchen gleichzeitig, unser eigener Verteidiger und Richter zu sein. Mit anderen Worten: Wir versuchen wieder einmal, es selbst hinzubekommen.

Dieser Doppelfehler ist der reine Wahnsinn.

Denn erstens können wir die Heilung nicht selbst vollbringen. Der Prozess des spirituellen Erwachens – die Berichtigung unseres gespaltenen Geistes – geschieht durch den HEILIGEN GEIST. Von uns braucht es allerdings die völlige Bereitschaft, uns selbst und alle unsere Mitmenschen als vollkommen unschuldig zu erkennen. Das müssen wir wirklich wollen. Daran führt kein Weg vorbei.

Und zweitens bestätigen wir mit der Vorstellung, „im Prozess“ zu sein – ebenso wie mit der Vorstellung „Das ist eben eine Phase“ – die Illusion der Zeit.

Innerhalb der Illusion fühlt es sich selbstverständlich wie ein Prozess oder wie eine Phase an. Die Heilung selbst aber geschieht im heiligen Augenblick. Deshalb können wir versuchen, weniger in den Kategorien „Prozess“ und „Phase“ zu denken und stattdessen immer wieder den heiligen Augenblick einzuladen.

Vertrauen ist dabei die wichtigste Eigenschaft, die wir auf unserem spirituellen Weg entwickeln können. Aus diesem Vertrauen können Ehrlichkeit, Sanftmut und Freude entstehen. Sie alle beruhen letztlich auf der Bereitschaft, nicht länger selbst bestimmen zu wollen, was etwas bedeutet und wohin es führen soll.

Lektion 24, „Ich nehme nicht wahr, was zu meinem Besten ist“, und Lektion 25, „Ich weiß nicht, wozu irgendetwas dient“, weisen uns schon zu Beginn des Kurses darauf hin, warum dieses Vertrauen so wichtig ist.

Auf dem spirituellen Weg können Dinge geschehen, die wir aus der Sicht des Ego-Denksystems als Katastrophe erleben. Gerade dann ist das Vertrauen in den HEILIGEN GEIST besonders wichtig. Der Verlust eines Arbeitsplatzes oder das Ende einer Beziehung können sich zunächst wie ein schwerer Verlust anfühlen. Vielleicht erweisen sie sich aber als hilfreich für unseren Befreiungsprozess. Wir wissen es nicht. Genau darum geht es: Wir wissen nicht, was zu unserem Besten ist, und wir wissen nicht, wozu irgendetwas dient.

Im Prozess der Vergebung gilt es deshalb zunächst, uns zu erlauben, die Dunkelheit und die unangenehmen Gefühle zu fühlen, wenn sie in unserem Bewusstsein auftauchen. Nicht, um sie zu analysieren, zu rechtfertigen oder zu verändern. Und auch nicht, um uns dafür zu verurteilen.

Wir dürfen sie einfach willkommen heißen.

Das Ego möchte Unbehagen möglichst schnell beseitigen. Deshalb ist es ein großer Schritt, wenn wir beschließen, uns nicht dafür zu verurteilen, wie dieser vermeintliche „Prozess“ gerade aussieht oder sich anfühlt.

Oft fließen Tränen, wenn wir beginnen, wirklich alles willkommen zu heißen. Wir können dann zu uns selbst und zum HEILIGEN GEIST sagen:

„Jetzt heiße ich das willkommen, auch wenn es nicht schön aussieht und sich nicht gut anfühlt. Egal, wie es aussieht, egal, wie es sich anfühlt – ich will nicht länger dagegen kämpfen. Lass uns gemeinsam die Heilung geschehen lassen.“

In diesem Prozess scheint tatsächlich manches auseinanderzufallen, sich aufzulösen, zusammenzubrechen oder zu zerbröckeln. Doch vergessen wir nicht: Das Ego interpretiert jeden einzelnen Schritt.

Und seine Interpretation ist gewöhnlich negativ:

„Das tut zu sehr weh. Es ist zu schmerzhaft. Wenn GOTT Liebe ist, warum schmerzt es dann so sehr in meinem Herzen?“

Das Ego wird durch die ersten Erfahrungen von Annahme und Vergebung in unserem Geist aufgewühlt. Sie sind wie kleine Nadelstiche in seiner Fassade.

Doch sobald wir gemeinsam mit dem HEILIGEN GEIST beginnen, zu vergeben, und uns immer weiter öffnen, erleben wir zunehmend etwas anderes.

Was zunächst nur wie kleine Schimmer von Akzeptanz erscheint – hier und da, vielleicht nur für einen kurzen Augenblick –, beginnt sich zu stabilisieren.

Wir enthüllen unsere scheinbaren Geheimnisse vor SEINEM gütigen Licht und erkennen, dass dieses Licht die ganze Zeit in uns geleuchtet hat. Ein anderes Wort dafür ist Anerkennung.

Wir beginnen zu erkennen:

„Das ist wirklich, wer ich bin. Das ist, wer ich immer gewesen bin: der EINE, der EINE GEIST.“

Die schwierigste Zeit ist der Beginn der Umkehr, aber wenn wir wirklich in den vollen Schwung der Umkehr des Geistes kommen, stabilisiert sich alles. Es fühlt sich so natürlich an, so mühelos! An diesem Punkt braucht es nicht einmal mehr Wachsamkeit; es ist, als würde man von einem friedlichen Strom getragen.

Wie schwierig kann das sein?

Die gesamte Reise der Heilung und des Erwachens ist im Prozess der Vergebung enthalten. Die Erleuchtung – das vollständige Erkennen unseres wahren SELBST – ist die Vollendung dieser scheinbaren Reise.

Die Erleuchtung steht nicht deshalb am Ende, weil wir uns persönlich Schritt für Schritt dorthin entwickelt hätten. Die Wirklichkeit war von Anfang an da. Sie wird lediglich erkannt, wenn die Hindernisse, die wir der Erkenntnis entgegengestellt haben, verschwinden.

An diesem Punkt hört der HEILIGE GEIST auf, für uns ein Bote oder eine Brücke zu sein. ER ist nicht länger ein Vermittler oder ein notwendiges Bindeglied zur Kommunikation.

Denn wir sind EINS. Wir sind GEIST. Eins mit GOTT.

Und nun noch eine etwas prosaischere Version dessen, was hier beschrieben wurde:

Der Verstand ist unser Schiff, der HEILIGE GEIST unser Lotse, und der menschliche Wille der Kapitän.

Der Herr über das menschliche Boot sollte die Weisheit haben, es dem göttlichen Lotsen vertrauensvoll zu überlassen. Nur aus Eigensucht, Trägheit und Verblendung kann der menschliche Wille die Führung eines so liebevollen Lotsen ablehnen, kann die irdische Laufbahn an den üblen Klippen zurückgewiesener Barmherzigkeit und an den Felsen bejahten Irrtums Schiffbruch erleiden.

Mit unserem Einverständnis wird uns dieser treue Lotse unversehrt durch die Sperren der Zeit und die Behinderungen des Raums zur Quelle führen.

Das “Innere Kind”

Der Begriff des “Inneren Kindes“ wird häufig als eine Metapher für die Summe der in der Kindheit erlernten Muster des Fühlens, Denkens und Handelns verwendet. In diesem Sinne beschreibt er das biologische kleine Kind, das Frühstadium der Person in der linearen Zeit, sowie alle damit verbundenen persönlichen Abwehrmechanismen, die dazu dienen, die falsche Identität zu stabilisieren.

Der Begriff wird in vielfältigen Kontexten gebraucht und bezeichnet teils sehr verschiedene Konzepte. Er wird sowohl in scheinbar seriösen Therapieformen als auch in populärpsychologischen, esoterischen oder küchenpsychologischen Darstellungen, beispielsweise in der Ratgeberliteratur, genutzt. In der empirischen, wissenschaftlichen Psychologie spielt er hingegen quasi keine Rolle.

Mit unserer irdischen Biografie hat dieser Begriff in Wahrheit überhaupt nichts zu tun. Erst wenn wir das “innere Kind“ als jenen Teil in uns verstehen, der sich nach der Wirklichkeit des HIMMELS sehnt, bekommt dieser Begriff eine sinnvolle Bedeutung.

“Vielleicht glaubst du, es sei das Haus aus deiner Kindheit, welches du wiederfinden möchtest. Die Kindheit deines Körpers und sein Zufluchtsort sind eine Erinnerung, die jetzt derart verzerrt ist, dass du nur das Bild einer Vergangenheit hegst, welche niemals stattgefunden hat. Doch ist ein KIND in dir, DAS SEINES VATERS Haus sucht und erkennt, dass ES hier fremd ist. Diese Kindheit ist ewig, mit einer Unschuld, die auf immer währen wird. Wo dieses KIND hingehen wird, da ist heiliger Boden. Und SEINE HEILIGKEIT ist es, die den HIMMEL hell macht und die reine Widerspiegelung des Lichtes droben auf die Erde bringt, in welchem Erde und HIMMEL sich als eins verbinden.

Und es ist dies KIND in dir, DAS dein VATER als SEINEN EIGENEN SOHN kennt. Es ist dies KIND, DAS SEINEN VATER kennt. Es verlangt so innig und so unaufhörlich, heimzugehen, dass SEINE Stimme zu dir weint, ES eine Weile ruhen zu lassen. Es bittet nicht um mehr als eine Ruhepause von einigen wenigen Augenblicken nur, um eine Spanne nur, in der ES zurückgehen kann, um erneut die heilige Luft zu atmen, die SEINES VATERS Haus erfüllt. Auch du bist SEIN Zuhause. Es wird wiederkommen. Doch gib IHM nur ein wenig Zeit, ES SELBST zu sein, in dem Frieden, der SEIN Zuhause ist, indem du in Schweigen und in Frieden und in Liebe ruhst.

Dieses KIND braucht deinen Schutz. Es ist weit von zu Hause weg. Es ist so klein, dass ES scheinbar so leicht ausgeschlossen wird, SEIN winzig kleines Stimmchen so rasch verschleiert wird, SEIN Hilferuf beinahe ungehört verhallt inmitten der knirschenden Töne, der schrillen und rasselnden Geräusche der Welt. Doch weiß ES, dass in dir noch immer SEIN sicherer Schutz liegt. Du wirst ES nicht enttäuschen. Es wird nach Hause gehen, und du mit IHM zugleich.

Dieses KIND ist deine Wehrlosigkeit, deine Stärke. Es vertraut dir. Es ist gekommen, weil ES wusste, dass du nicht versagen würdest. Es flüstert dir unaufhörlich von SEINEM Zuhause zu. Denn ES möchte dich zurückbringen mit SICH, damit ES SELBST bleiben kann und nicht dorthin wiederzukehren braucht, wohin ES nicht gehört und wo ES als Ausgestoßener in einer Welt fremder Gedanken lebt. SEINE Geduld ist grenzenlos. Es wird warten, bis du SEINE sanfte STIMME in dir hörst, die dir zuruft, ES, mit dir zugleich, in Frieden dorthin gehen zu lassen, wo ES zu Hause ist, und du mit IHM.”
(EKIW: Lektion 182. 4.-7.)

“Ich will einen Augenblick lang still sein und nach Hause gehen.”
(EKIW: Lektion 182)

Positives Denken

Jesus verweist im Kurs auf Folgendes: "Neutrale Gedanken sind unmöglich, weil alle Gedanken Macht haben. Sie machen entweder eine falsche Welt oder führen mich zur wirklichen. Gedanken aber können nicht ohne Wirkung sein." "Was ich sehe, legt dafür Zeugnis ab, was ich denke. Wenn ich nicht dächte, würde ich nicht existieren, weil Leben Denken ist."

Alles, was wir sehen, ist das Ergebnis unserer Gedanken. Es gibt keine Ausnahme von dieser Tatsache. Gedanken sind nicht groß oder klein, mächtig oder schwach und auch nicht positiv oder negativ. Sie sind lediglich wahr oder falsch. Diejenigen, die wahr sind, erschaffen ihr eigenes Ebenbild. Diejenigen, die falsch sind, bringen das ihre hervor. Ein neutrales Ergebnis ist unmöglich, weil ein neutraler Gedanke unmöglich ist.

Positives Denken ist auf der Ebene der Person ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber auf dem spirituellen Weg der Befreiung ist es ein Hindernis, das überwunden werden muss, weil es uns einerseits in der Dualität des Egos gefangen hält und weil wir andererseits glauben, unsere Gedanken selbst ordnen zu können. Der Größenwahn, zu glauben, wir könnten unsere Gedanken selbst ordnen, ist der zentrale Irrtum im Konzept des Positiven Denkens, und dieser Irrtum führt unweigerlich zu Schuldgefühlen.

“[...] Du bist es jedoch ebenfalls gewohnt, einige deiner Gedanken als wichtiger, größer oder besser, weiser oder fruchtbarer und wertvoller als andere einzustufen. Das trifft auf die Gedanken zu, die denen durch den Sinn gehen, die für sich getrennt zu leben meinen. Denn einige sind Widerspiegelungen des HIMMELS, während andere vom Ego motiviert sind, das nur scheinbar denkt. Das Ergebnis ist ein verflochtenes und wechselhaftes Muster, das niemals ruht und niemals still ist. [...] Das bisschen geistige Gesundheit, das noch übrig ist, wird durch das Empfinden einer Ordnung, die du aufstellst, zusammengehalten. [...] Doch wenn auch die Ordnung, die du deinem Geiste auferlegst, das Ego begrenzt, so begrenzt sie dich nicht minder. Ordnen heißt urteilen und durch Beurteilung arrangieren. Deshalb ist das nicht deine Funktion, sondern die des HEILIGEN GEISTES. Es wird dir schwierig erscheinen zu lernen, dass du keine Basis hast, um deine Gedanken zu ordnen. Diese Lektion lehrt dich der HEILIGE GEIST, indem ER dir die leuchtenden Beispiele von Wundern gibt, um dir zu zeigen, dass deine Art zu ordnen falsch ist, dass dir aber ein besserer Weg angeboten wird. [...]”
(EKIW: Kapitel 14, X. 4.-6.)

Marianne Williamson hat mit ihrem Buch Ein Jahr in Wundern viel zur Verbreitung des Kurses beigetragen, aber sie hat in diesem Buch versucht, den Kurs mit dem Konzept des positiven Denkens zu verbinden, was nicht der Botschaft des Kurses entspricht.

“Urteilen beinhaltet immer Zurückweisung. Es betont niemals nur die positiven Aspekte dessen, was beurteilt wird, egal ob bei dir oder anderen. Was wahrgenommen und zurückgewiesen oder beurteilt und als ungenügend befunden wurde, das bleibt in deinem Geist, weil es wahrgenommen worden ist.”
(EKIW: Kapitel 3, VI. 2. 4.-6.)

“Fürchte dich nicht, sowohl »gute« wie »schlechte« Gedanken zu verwenden [für diese Übung]. Keiner davon stellt deine wirklichen Gedanken dar, die von ihnen überdeckt sind. Die »guten« Gedanken sind nur die Schatten dessen, was jenseits liegt, und Schatten erschweren die Sicht. Die »schlechten« versperren die Sicht und machen das Sehen unmöglich. Du willst keines von beiden.”
(EKIW: Lektion 4, 2. 2.-6.)

Schon in der Genesis-Geschichte finden wir den entscheidenden Hinweis, nämlich dass die "Erkenntnis von Gut und Böse" zum Tod führt. Der Glaube an die vom Ego geschaffene Dualität der Welt schließt den Glauben an den Tod ein. Positives Denken erzeugt automatisch Negatives, weil es nur durch dieses Urteil definiert wird. Wenn wir etwas als rein beurteilen, schaffen wir damit gleichzeitig das Urteil unrein. Es ist das Ego, das teilt. Es nennt dieses gut und jenes schlecht. Dieses Teilen spaltet nicht nur die Welt; dieses Teilen spaltet auch den, der teilt. Wenn man teilt, wird man in diesem Teilen ebenfalls geteilt, und man kann seine innere Teilung nicht eher transzendieren, als bis man die Teilungen draußen vergisst. Alles, was man der Welt zufügt, das hat man sich auch selbst zugefügt.

Entscheiden wir uns dafür, zu urteilen, dann spalten wir uns selbst. Jetzt herrscht da ständig Krieg und Streit. Jetzt können wir kein “Ungeteiltes” mehr sein, sondern werden zu einem Haus voller Streit und Zank. Jetzt gibt es keinen Frieden, keine Ruhe mehr. Wir werden nur Spannungen und Seelenqualen erleiden; aber wir wissen nicht, warum.

Bild Die Entscheidung für das eine und gegen das andere ist mit enormer Anstrengung verbunden. Wir müssen ständig das von uns als positiv Beurteilte hochhalten und betonen und gleichzeitig das von uns als negativ Beurteilte unterdrücken. Wir rennen dem, was wir als positiv beurteilen, ständig hinterher und versuchen, das, was wir als negativ beurteilen, zu vermeiden. Das ist nicht nur anstrengend, sondern auch völlig kontraproduktiv.

Im Moment, in dem wir die Welt in “gut“ und “schlecht“ einteilen, erzeugen wir eine Illusion. So können wir die wirkliche Welt nicht sehen, sondern lediglich unsere Projektion.

Wenn man einen Menschen einen Guten nennt, hat man damit den Bösen geschaffen. Jetzt wird man irgendwen irgendwo verdammen müssen, denn der Gute kann nicht ohne den Bösen auskommen. Und sieh dir jetzt die Absurdität dieser Bemühungen an: Wir unternehmen alles, um die Bösen auszumerzen, und wir erträumen und erhoffen uns eine Welt, in der es keine Bösen mehr gibt – nur noch Gute. Was für ein Unsinn! Denn Gute können nicht ohne Böse existieren: Sie sind die Kehrseite derselben Medaille. Wir können nicht nur die eine Seite der Medaille ausmerzen. Sie existieren nur zusammen. Gute und Böse bilden beide untrennbar ein und dasselbe Ganze. Wenn man die Bösen ausmerzt, werden auch die Guten von der Erdoberfläche verschwinden.

Gute und Böse gehören beide ein und derselben Interpretation an, ein und derselben Weltanschauung, die da lautet: “Dies ist gut, und das ist schlecht.” Und man kann nicht sagen, dass dies gut ist, ohne zu sagen, dass das schlecht ist. Das Schlechte ist nötig, um das Gute zu definieren. Also ist das Gute auf das Schlechte angewiesen, ist die weltliche Tugend auf die Sünde angewiesen. Heilige können nicht ohne die Sünder existieren. Also müssen sie den Sündern dankbar sein – ohne sie würde es sie nicht geben. Nur in Bezug auf sie, im Vergleich zu ihnen, gehören sie unvermeidlich zu ein und demselben Phänomen, mögen sie die Sünder auch noch so sehr verdammen. Die Sünder können erst dann aus der Welt verschwinden, wenn die Heiligen verschwinden – nicht eher. Und es wird keine Sünde geben, wenn es keinen Begriff von Tugend gibt.

Die Entscheidung, zu urteilen, statt wahrhaft zu erkennen, ist die Ursache für den Verlust des Friedens. Urteilen ist der Prozess, auf dem die Wahrnehmung, nicht aber die wahre Erkenntnis beruht. Urteilen beinhaltet immer Zurückweisung. Letztlich spielt es keine Rolle, ob unser Urteil richtig oder falsch ist. So oder so setzen wir unseren Glauben in das Unwirkliche.

In Ein Kurs in Wundern geht es nicht um positives Denken, sondern um richtiges Denken im Sinne eines Denkens, das sich an der Wahrheit orientiert - an der Wahrheit, die kein Gegenteil kennt und sich nicht verändern kann. Gegensätze erscheinen nur in der Illusion als real, aber die Wirklichkeit kennt kein Gegenteil, denn sie IST alles, was es gibt. Wahrheit und Illusion, Licht und Dunkelheit, LIEBE und Angst bilden keine wirklichen Gegensätze. Wo Wahrheit IST, gibt es keine Illusion, wo wirklich Licht ist, gibt es keine Dunkelheit und wo LIEBE ist, gibt es keine Angst. Jesus weist bereits im ersten Abschnitt des Kurses darauf hin, dass das, was allumfassend ist, kein Gegenteil haben kann.

Jesus sagt sehr deutlich: “Die Wahrheit kann kein Gegenteil haben. Das kann nicht oft genug gesagt und überdacht werden.” In Lektion 99 fordert uns Jesus auf: “Wende dich IHM zu, DER deine Funktion hier mit dir teilt, und lasse IHN dich lehren, was du zu lernen hast, um alle Angst wegzulegen und dein SELBST als Liebe zu erkennen, die kein Gegenteil in dir hat.” Und in Lektion 138 heißt es: “Die Schöpfung kennt kein Gegenteil. Doch hier [in dieser Welt] gehört der Gegensatz zum »Wirklichsein«. Gerade diese merkwürdige Wahrnehmung der Wahrheit lässt die Wahl des HIMMELS als das gleiche erscheinen wie das Aufgeben der Hölle. Es ist nicht wirklich so.”

Unsere wahre IDENTITÄT liegt jenseits der Wahrnehmung und damit jenseits aller Urteile. All unsere egohaften Eigenschaften, die wir uns zuschreiben, seien sie nun positiv oder negativ, wünschenswert oder nicht wünschenswert, imposant oder herabwürdigend sind gleichermaßen unwirklich, weil wir uns nicht mit den Augen der Heiligkeit betrachten.

Sich zeigen

„Ich muss lernen, mich zu zeigen.“

Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört – gerade in spirituellen Kreisen. Er klingt nach Entwicklung, nach Mut, nach Authentizität. Wir sollen unsere Unsicherheit überwinden, uns verletzlich zeigen, über unsere Ängste sprechen und immer mehr von uns preisgeben. Und wenn wir dabei selbstsicherer werden, nennen wir das Fortschritt oder sogar Heilung.

Doch halt.

Wer ist es, der sich da zeigt?

Wer ist es, der unsicher war und nun selbstsicherer geworden ist? Wer ist es, der seine Verletzlichkeit präsentiert? Wer ist es, der gesehen werden möchte? Und wer ist es, der am Ende stolz darauf ist, dass er gelernt hat, „mehr er selbst zu sein“, dass er gelernt hat, „sich zu zeigen“?

Es ist das Ego.

Und das Ego ist ausgesprochen geschickt darin, sich eine spirituelle Verkleidung anzuziehen.

Das „Sich-Zeigen“ ist eine besonders raffinierte Ego-Strategie. Wir arbeiten an unserem Selbstbild, machen es offener, authentischer, mutiger und selbstbewusster – und glauben dabei, wir würden uns von unserem Ego befreien. Wir optimieren die Illusion und nennen das Erwachen.

Doch was soll da überhaupt gezeigt werden?

Ein Körper? Eine Persönlichkeit? Eine Lebensgeschichte? Gefühle, Ängste, Bedürfnisse, sexuelle Wünsche, Verletzlichkeiten? Ein besonders authentisches Bild von mir?

Und wer soll dieses Bild sehen?

Ein anderes getrenntes Selbst?

Genau hier liegt der Irrtum.

Es gibt in Wahrheit kein Selbst, das sich zeigen könnte. Das wahre SELBST IST. Es kann gar nicht präsentiert und bestätigt werden. In der WIRKLICHKEIT gibt es keine Trennung. Wo keine Trennung ist, gibt es niemanden, der sich einem anderen zeigen könnte.

Warum ist das „Sich-Zeigen“ überhaupt so ein großes Thema?

Weil wir uns für das Ego halten.

Solange wir glauben, dieses verletzliche, ängstliche, bedürftige und ständig bedrohte Selbst zu sein, erscheint es uns wichtig, den Mut aufzubringen, genau dieses Selbst zu zeigen. Wir erzählen von unserer Verletzlichkeit, sprechen über unsere Wunden und machen unsere Schwächen sichtbar – und bemerken dabei kaum, was wir damit ständig bekräftigen:

„Ja. Das bin ich. Ich bin ein verletzliches Wesen. Ich kann verletzt werden. Ich kann abgelehnt werden. Ich kann übersehen werden.“

Wir halten das für Ehrlichkeit und Authentizität.

Doch wir wiederholen damit lediglich die Entscheidung für eine Identität, die wir gar nicht sind.

Denn wir können nicht gleichzeitig behaupten, der heilige SOHN GOTTES zu sein, und uns im nächsten Augenblick darin üben, uns als verletzliches Ego zu erfahren.

Das kann nicht unser wahrer Wille sein.

Unser wahres Wollen ist nicht, uns immer vollkommener als Ego zu erfahren. Unser wahres Wollen ist, uns daran zu erinnern, wer wir wirklich sind.

„Nicht du bist so verletzlich und dem Angriff ausgesetzt, dass nur ein Wort, ein kleines Flüstern, das dir nicht behagt, ein Umstand, welcher dir nicht passt, ein Vorfall, den du nicht vorhergesehen hast, deine Welt erschüttert und sie ins Chaos stürzt. Die Wahrheit ist nicht gebrechlich. Von Illusionen bleibt sie gänzlich unberührt und ungestört. Doch die Besonderheit ist nicht die Wahrheit in dir. Sie kann durch alles aus dem Gleichgewicht geworfen werden. Das, was auf nichts gegründet ist, kann nie stabil sein. Wie groß und aufgeblasen es auch zu sein scheint, so muss es dennoch mit jedem Lufthauch wanken, sich drehen und herumgewirbelt werden.“
(EKIW: Kapitel 24, III. 3.)

Die ganze Idee des „Sich-Zeigens“ setzt genau das voraus, was wir angeblich überwinden wollen: die Vorstellung, dass wir ein getrenntes, besonderes Wesen sind, das anderen etwas von sich zeigen muss.

Du musst dich nicht zeigen. Du musst verschwinden.

Nicht körperlich. Nicht als Persönlichkeit. Sondern als die Vorstellung, dass du dieser Körper und diese Persönlichkeit bist.

Darum ist auch die scheinbar so fortschrittliche Aufforderung „Sei einfach du selbst!“ in Wahrheit verrückt.

Welches Selbst meinst du?

Das Selbst, das verletzt wurde?
Das Selbst, das Anerkennung braucht?
Das Selbst, das besonders sein möchte?
Das Selbst, das Angst hat, nicht gesehen zu werden?
Das Selbst, das endlich den Mut aufbringt, sich zu zeigen?

All das gehört zur Illusion.

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht über die Ego-Gedanken in unserem Bewusstsein sprechen sollten. Ganz im Gegenteil.

Unser gemeinsames Lernen besteht zu einem wesentlichen Teil gerade darin, die Versuchungen, Ängste und Irrtümer in unserem Bewusstsein anzuschauen und darüber zu sprechen. Wir können und sollen den Wahnsinn des Ego-Denksystems erkennen – in unseren Gedanken, unseren Reaktionen, unseren Beziehungen und in all den Geschichten, die wir über uns und andere erzählen.

Der entscheidende Punkt ist nur: Wir schauen uns lediglich an, was in unserem gespaltenen Geist gedacht wird. Wir legen den Irrtum offen. Wir machen ihn sichtbar. Aber wir erklären ihn nicht zu uns. Denn das Ego ist nicht Teil von uns.

Wir sind nicht das Selbstkonzept, das wir von uns gebildet haben. Wir sind nicht unsere Geschichte. Wir sind nicht unsere Ängste. Wir sind nicht unsere Verletzungen. Wir sind nicht einmal unsere Persönlichkeit.

Wir sind der heilige SOHN GOTTES.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen dem „Sich-Zeigen“ und dem gemeinsamen Anschauen des Ego-Denksystems.

Beim „Sich-Zeigen“ versuchen wir, einem anderen Menschen ein besonderes Selbst zu präsentieren und damit dessen Realität zu bestätigen.

Beim gemeinsamen Anschauen des Ego-Denksystems tun wir genau das Gegenteil: Wir schauen auf die Illusion, um sie als Illusion zu erkennen.

Wir sagen nicht: „Schaut her, so bin ich.“

Wir sagen vielmehr: „Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte, aber bitte glaube sie nicht. Das wird in meinem gespaltenen Geist gerade gedacht. Aber das bin ich nicht.“

Das ist keine Selbstoffenbarung. Es ist Vergebung.

Wir geben dem Ego nicht dadurch Macht, dass wir seine Gedanken anschauen. Macht geben wir ihm erst dann, wenn wir glauben, dass diese Gedanken unsere Identität bestimmen.

Deshalb sollten wir alles anschauen. Wir dürfen nichts verdrängen. Wir müssen nichts beschönigen. Wir müssen uns nicht spirituell darstellen. Wir sollen sogar den ganzen Wahnsinn sehen – aber wir dürfen ihn nicht zu unserem Wahnsinn machen.

“Was leidet, ist nicht Teil von mir.
Ich habe die Wahrheit nicht als mein Eigen anerkannt. Lass mich jetzt ebenso getreu darin sein, die Falschheit nicht als mein Eigen anzuerkennen. Was leidet, ist nicht Teil von mir. Was sich grämt, das bin nicht ich. Was Schmerz erleidet, ist nur eine Illusion in meinem Geist. Was stirbt, hat nie in Wirklichkeit gelebt und nur die Wahrheit über mich verspottet. Jetzt erkenne ich Selbstkonzepte, Täuschungen und Lügen über GOTTES heiligen SOHN nicht als mein Eigen an. Jetzt bin ich bereit, ihn wieder so zu akzeptieren, wie GOTT ihn schuf und wie er ist.”
(EKIW: Lektion 248. 1.)

Das ist die Haltung.

Nicht: Ich muss lernen, mein leidendes Selbst besser zu zeigen.

Sondern: Ich muss erkennen, dass dieses Selbst niemals das war, was ich bin.

Wir müssen das Ego nicht verstecken. Wir müssen es nicht bekämpfen. Wir müssen es nicht töten. Wir müssen es nicht verbessern. Wir müssen es nur als das erkennen, was es ist – und als das, was wir nicht sind.

Denn wir sind der heilige SOHN GOTTES. Und der SOHN GOTTES muss sich nicht zeigen. Er muss nur wiedererkannt werden.

Unsere Aufgabe dabei ist es, das Konzept des Selbst nicht mehr zu verteidigen. Nicht versuchen, es zu heilen. Nicht es zu optimieren. Nicht es endlich „authentisch“ zu machen. Sondern es loszulassen.

Jesus sagt:

“Ich werde dich genauso wenig je im Stich lassen wie GOTT, aber ich muss so lange warten, wie du es wählst, dich selbst im Stich zu lassen.”
(EKIW: Kapitel 4, III. 7. 8.)

Das ist eine radikale Aussage.

Denn wir glauben gewöhnlich, wir müssten lernen, besser für uns einzustehen. Wir müssten uns behaupten, Grenzen setzen, unsere Bedürfnisse ausdrücken und uns zeigen.

Der Kurs sagt etwas vollkommen anderes:

Lass dich selbst im Stich. Denn genau dieser Versuch hält die Illusion am Leben.

Wenn also wieder der Gedanke auftaucht:

„Ich sollte mich mehr zeigen.“

Dann müssen wir nicht anfangen, mutiger über uns zu sprechen. Wir müssen nicht unsere Unsicherheit analysieren. Wir müssen nicht üben, authentischer aufzutreten. Wir müssen überhaupt nichts tun.

Es gilt einfach still zu werden. Und den HEILIGEN GEIST (= Jesus) bitten, die Führung zu übernehmen. Kapitel 18, Abschnitt VII trägt deshalb die so unscheinbare und zugleich radikale Überschrift:

„Ich brauche nichts zu tun.“

Jesus beschreibt diesen Ort so:

“[...] Nichts tun heißt ruhen und einen Ort in dir schaffen, an dem die Aktivität des Körpers aufhört, Aufmerksamkeit von dir zu fordern. An diesen Ort kommt der HEILIGE GEIST, und dort weilt ER. ER bleibt auch dort, wenn du vergisst und wenn die Aktivitäten des Körpers wiederkehren, um dein Bewusstsein zu besetzen.

Doch wird es diesen Ort der Ruhe immer geben, zu dem du wiederkehren kannst. Du wirst dir dieser ruhigen Mitte im Sturm stärker bewusst sein als seiner ganzen tobenden Aktivität. Diese ruhige Mitte, in der du nichts tust, wird bei dir bleiben und dir mitten in jedem geschäftigen Tun, in das du ausgesandt wirst, Ruhe geben. Denn von dieser Mitte aus wirst du angeleitet werden, wie du den Körper ohne Sünde nutzen kannst. Und diese Mitte, in welcher der Körper abwesend ist, wird ihn in deinem Gewahrsein von ihm sündenlos bewahren.”
(EKIW: Kapitel 18, VII. 7.&8.)

Und Jesus flüstert uns zu: “Entspann dich, ich bin bei dir. Jetzt wird alles so leicht und einfach wie das Atmen. Es bedarf keiner Mühe, und du wirst so sanft geleitet, als würdest du im Sommer einen ruhigen Weg entlang getragen.”

Authentizität

Mit der Authentizität ist es wie mit allen Worten, es ist nur ein Symbol, entscheidend ist, was wir darunter verstehen. Worum es auf dem spirituellen Weg geht, ist nicht Authentizität im üblichen Sinne, sondern Transparenz und eine tiefe Ehrlichkeit zu sich selbst. Ehrlichkeit ist jener Akt, in dem der Geist erkennt, dass das SELBST so wichtig ist, dass er eine Verpflichtung hat, sich niemals mit weniger als seiner eigenen Wahrhaftigkeit zufrieden zu geben. Wahrhafte Authentizität bedeutet, dass der Geist einfach weiß, dass er unschuldig ist und von dort aus handelt und nicht an die Meinungen der Welt gebunden ist.

Jene wahre Stille, die die Pforte zur Erleuchtung ist, erfordert die Kultivierung von tiefer Selbst-Ehrlichkeit. Ehrlichkeit ist jener Akt, in dem der Geist nicht länger damit beschäftigt ist, sich vor seiner eigenen Dunkelheit zu verstecken. Wahre Selbst-Ehrlichkeit erfordert Zeit, weil das Ego der Versuch ist, Ehrlichkeit und WAHRHEIT durch Unehrlichkeit und Falschheit zu ersetzen. Das Ego versteht die WAHRHEIT nicht und deshalb versucht es, die Selbst-Ehrlichkeit durch seine Vorstellung von “Authentizität” zu ersetzen, indem es genau das Gegenteil von dem tut, was der spirituelle Weg der Befreiung verlangt, es versucht, die Dunkelheit im eigenen Geist zu verbergen und bastelt sich deshalb ein besonderes Selbstbild und versucht, es als Authentizität zu verkaufen.

Das Ego versucht, zwischen einem falschen und einem echten Selbstbild zu unterscheiden. Es versucht, zwischen den beiden Gesichtern des Selbst zu unterscheiden. Es ist daher sehr wichtig, Folgendes zu verstehen: Alle unsere Gesichter, alle unsere Selbstbilder sind falsch. Wir haben gar kein echtes Gesicht. Nur so entsteht überhaupt diese Frage, welches Selbstbild falsch und welches echt sei. Wenn wir unsere Wirklichkeit erkennen, wissen wir es; dann stellt sich diese Frage erst gar nicht. Alle unsere Gesichter sind unecht, falsch, darum haben wir keine Vergleichsmöglichkeit. Wir kennen unsere Wirklichkeit nicht – darin besteht das Problem.

Unsere Wirklichkeit ist nicht etwas, das man erringen müsste. Das Falsche ist unsere Errungenschaft. Das Wahre ist nicht etwas, das man erreichen könnte, es ist nicht etwas, das man kultivieren könnte. Es ist etwas, das man entdecken muss. Es ist schon vorhanden. Wir müssen nicht versuchen, es zu erreichen, weil jede Anstrengung nur wieder ein falsches Gesicht zur Folge hätte. Für ein falsches Gesicht ist Anstrengung nötig; es muss kultiviert werden. Für unsere Wirklichkeit brauchen wir gar nichts zu tun, sie ist schon vorhanden. Wenn wir einfach aufhören würden, an unseren falschen Gesichtern festzuhalten, dann würde das Falsche von uns abfallen, und das Wahre würde übrig bleiben. Wenn wir nichts mehr fallenzulassen haben und nur noch das übrig ist, was nicht fallengelassen werden kann, werden wir erkennen, was wahr ist.

Der Versuch, authentisch zu sein, führt zu viel mehr Selbstinszenierung als ohne diesen Versuch. Ohne Selbstinszenierung ist “Authentizität” gar nicht möglich, denn wir müssen uns vorher entscheiden, welche Eigenschaften uns so wichtig sind, dass wir sie zur Schau stellen wollen. Echte Authentizität ist unmöglich, weil wir gar nicht wissen, wer wir sind, und jeder wahrhafte spirituelle Weg dient genau dazu, das herauszufinden. Die entscheidende Frage ist also: “Was bin ich?”

“Nimm nicht das Urteil der Welt als Antwort auf die Frage »Was bin ich?« an.”
(EKIW: Kapitel 20, III. 6. 7.)

Diese Frage steht, richtig verstanden, am Anfang des spirituellen Weges. Aber niemand kann sie wirklich beantworten, denn am Ende der Frage steht “niemand”. Schon das Auftauchen der Frage bedeutet Konflikt.

“Keine Frage gibt es, die nicht diese eine widerspiegelt. Es gibt keinen Konflikt, der nicht die eine, simple Frage nach sich zieht: »Was bin ich?«”
(EKIW: Lektion 139, 1. 6.)

Was wir wirklich sind, ist nicht persönlich, nicht individuell und liegt jenseits der Frage. Konzeptionell ist die Frage sehr leicht zu beantworten, aber das Konzept ist noch nicht die Verwirklichung.

“Ich bin GOTTES SOHN, vollständig und geheilt und ganz, leuchtend in der Widerspiegelung SEINER LIEBE. In mir wird SEINE Schöpfung geheiligt und ihr ewiges Leben garantiert. In mir ist die Liebe vollkommen, die Angst unmöglich und die Freude ohne Gegenteil begründet worden. Ich bin das heilige Zuhause von GOTT SELBST. Ich bin der HIMMEL, in dem SEINE LIEBE wohnt. Ich bin SEINE heilige SÜNDENLOSIGKEIT SELBST, denn in meiner Reinheit wohnt SEINE EIGENE.”
(EKIW: ÜBUNGSBUCH, TEIL II, 14. 1.)

Die Wahrheit dessen, was wir sind, ist nicht wirklich in Worten auszudrücken oder zu beschreiben. Doch kann unsere Funktion uns dadurch klar werden, und Worte können davon sprechen und sie auch lehren, wenn wir die Worte in uns durch das Beispiel belegen. Wir sind die Bringer der Erlösung. Wir nehmen unsere Rolle als Erlöser dieser Welt an, die durch unsere gemeinsame Vergebung erlöst ist.

Der Adler, der nicht fliegen wollte

Es gibt viele verschiedene Versionen dieser uralten Geschichte und auf fast jeder Website verschiedener Selbsthilfe-Gurus findet sich eine Version. Die wohl älteste Version stammt aus dem Advaita Vedanta und ist bekannt als die Geschichte vom „Vedantischen Löwen“. Eine weitere weltberühmte Variante ist “Der Adler, der nicht fliegen wollte” von James Aggrey (1875 - 1927), einem ghanaischen Lehrer und Missionar.

In Aggreys Geschichte fängt ein Mann einen Adler und zieht ihn mit seinen Hühnern auf. Der Adler lebt schließlich wie die Hühner, bis eines Tages ein Naturforscher kommt, der in ihm sofort den Adler erkennt. So beginnt die Geschichte.

Das Ego kann die Gesetze GOTTES nicht verstehen und versucht deshalb, sie in seinem Sinne zu interpretieren, d.h. es versucht, die Form beizubehalten, aber den Inhalt zu verändern. So lässt es auch in dieser Geschichte die äußere Form unverändert, interpretiert sie aber so, dass sie ihm als Grundlage für das dient, was es unter Selbstverwirklichung versteht. Es versucht, sich von dem Gefühl, ein Huhn zu sein, zu befreien, um sich von nun an wie ein Adler zu fühlen. Es will sich besser fühlen als die Hühner. Es gründet seinen Erfolg, sein besseres Gefühl auf den Vergleich mit den Hühnern. Dem Ego geht es darum, der bessere Vogel zu sein. Doch alles, was uns das Ego “gibt”, das nimmt es uns auch wieder. Es ist das Wachs in unseren Flügeln. Wenn wir den Verheißungen des Egos glauben und versuchen, uns selbst zu vergöttlichen, werden wir fallen – so wie einst Ikarus.

In Wahrheit geht es aber um etwas ganz anderes: Der Mensch im Zustand der Ego-Identifikation ist in seiner physischen Welt gefangen, identifiziert sich mit Name und Form, mit Körper und Besitz, mit Wissen und Ansehen und vielem mehr. Das ist das „Huhnbewusstsein“. Tatsächlich aber ist unsere Wirklichkeit reiner göttlicher GEIST, der SOHN GOTTES, ewig und unbegrenzt. Wir sind ein Adler - der träumt, ein Huhn unter Hühnern zu sein. Der “Adler” ist also in Wahrheit kein Symbol für einen besseren Vogel, sondern für die Transzendenz der Ebene der Erdgebundenheit und somit ein Symbol für unsere Göttlichkeit.

Der spirituelle Weg ist der Weg, der uns zurückführt vom Bewusstsein der begrenzten Form zur Erkenntnis und Erfahrung unseres göttlichen SEINS. Es ist ein Weg vom Konkreten zum Abstrakten, von der Illusion der Trennung zur Erfahrung der EINHEIT. In EINHEIT gibt es aber keine “Hühner” mehr, sondern der EINE erkennt sich als Träumer des Traums von getrennten Wesen und erwacht aus diesem Traum zur EINHEIT in GOTT.

Der Irrtum hinsichtlich unserer Autorschaft

“So erschaffst du dir deine eigene Wirklichkeit.” So oder so ähnlich klingen die Ratschläge des Egos. Hinter all den Reality-Shows und ähnlichen Formen der öffentlichen Präsentation des eigenen Lebens steht die New-Age-Idee von der Erschaffung der eigenen Wirklichkeit. Diese Vorstellung entspricht zwar dem Zeitgeist, ist aber äußerst irreführend. GOTT allein ist der Schöpfer unserer Wirklichkeit! Unser wahres SELBST ist SEINE Schöpfung, doch dieses SELBST ist nicht von dieser Welt.

“Es ist nicht deine Aufgabe, die Wirklichkeit zu machen. Sie ist ohne dein Machen da, aber nicht ohne dich.”
(EKIW: Kapitel 14, IV. 8. 1.-2.)

Die Illusion ist eine Illusion und nicht die Wirklichkeit. Aber wenn wir an die Illusion glauben, dann machen wir sie für uns persönlich wirklich. Was das Ego dabei immer verdrängt, ist, dass wenn wir etwas für uns wirklich machen, das nicht der Wirklichkeit des Göttlichen entspricht, dann ist das nicht die Lösung, sondern das Problem. Es ist das zentrale Verlangen des Egos, eine von GOTT getrennte “Wirklichkeit” zu machen und solange wir diesem Verlangen folgen, verleugnen wir unsere Wirklichkeit als SOHN GOTTES, unsere Wirklichkeit als LIEBE.

Wir machen, indem wir projizieren, doch auf der Ebene der Welt erschaffen wir keine Wirklichkeit. Diese Welt ist nur im Geiste ihres Machers. Unsere Wahrnehmung ist das Ergebnis unserer eigenen Projektion. Wir sind die Ursache unserer Wahrnehmung, aber nicht die Schöpfer unserer Wirklichkeit. Die Verwechslung von Wahrnehmung und Wirklichkeit ist der zentrale Irrtum in den meisten spirituellen New-Age-Konzepten. Und was wir durch Projektion machen, ist auch nicht das, was wir wirklich wollen.

Für alles, was in unserem Bewusstsein auftaucht, sind wir in jedem Moment vollständig, zu einhundert Prozent verantwortlich. Wir haben es gewählt. Nichts hält uns gefangen außer unserer eigenen Wahrnehmung der Gefangenschaft. Nichts begrenzt uns auf irgendeiner Ebene oder Dimension der Erfahrung, außer dem, was wir gewählt haben. Aber all unsere Erfahrungen auf der Ebene der Wahrnehmung sind nicht unsere Wirklichkeit.

“Der GOTTESSOHN hat wahrgenommen, was er zu sehen wünschte, weil die Wahrnehmung ein Wunsch ist, der in Erfüllung ging.”
(EKIW: Kapitel 26, VII. 3. 3.)

Es gibt also zwei verschiedene Denksysteme: Das eine behauptet, dass ich der Schöpfer meiner selbst bin, das andere, dass GOTT MICH geschaffen hat. Das eine Denksystem ist eine Lüge, das andere ist wahr. Jesus verwendet im Kurs den Begriff Autorschaft um den egoischen Irrtum hinsichtlich unserer Identität zu beschreiben:

"Den Schöpfungen GOTTES ist ihre wahre AUTORSCHAFT gegeben, du aber ziehst es vor, anonym zu bleiben, wenn du dich entscheidest, dich von deinem AUTOR zu trennen. Da du dir deiner wahren AUTORSCHAFT ungewiss bist, glaubst du, dass deine Schöpfung anonym war. Das versetzt dich in eine Lage, in der es bedeutungsvoll erscheint, zu glauben, dass du dich selbst erschaffen hast."

"Friede ist ein natürliches Erbe des reinen Geistes. Jedem steht es frei, sein Erbe auszuschlagen, doch steht es ihm nicht frei festzulegen, was sein Erbe ist. Das Problem, das ein jeder lösen muss, ist die grundlegende Frage der Autorschaft. Alle Angst rührt letztendlich von der Verleugnung der AUTORSCHAFT her, und manchmal auf sehr verschlungenen Wegen. Die Kränkung trifft niemals GOTT, sondern nur die, die IHN verleugnen. SEINE AUTORSCHAFT verleugnen heißt, dir selbst den Grund für deinen Frieden zu versagen, so dass du dich nur in Segmenten siehst. Diese seltsame Wahrnehmung ist das Autoritätsproblem."

Den Raum halten

Wenn wir uns im Zustand der Ego-Identifikation befinden, befinden wir uns in einem Zustand des Größenwahns, denn wir glauben uns selbst erschaffen zu haben. Wenn wir in diesem Zustand eine Rolle als Trainer, Berater, Lehrer oder Heiler annehmen, taucht oft die Idee auf, wir müssten “den Raum halten”. Es ist verrückt, wenn etwas, das selbst eine Illusion ist, versucht, die Illusion des Raumes - und damit der Trennung - "zu halten".

Natürlich erleben wir diesen Versuch als anstrengend. Aber anstrengend ist nur, dass wir versuchen, eine Illusion aufrechtzuerhalten und damit die Wahrheit angreifen. Selbstverständlich ist das anstrengend! Wir denken vielleicht, dass unsere Arbeit als Trainer, Berater, Lehrer oder Heiler anstrengend ist, aber es ist nur unser Widerstand gegen die Wahrheit, der uns erschöpft und deprimiert. Das ist der Zustand des "ungeheilten Heilers", den Jesus im Kurs sehr genau beschreibt.

Der ungeheilte Heiler verwechselt sich mit GOTT. Er denkt, er habe im therapeutischen Prozess die Führung und sei deshalb verantwortlich für das Ergebnis. Die Irrtümer seines Patienten wurden so zu seinem eigenen Versagen, und Schuld wird zu einem dunklen, dicken Mantel für das, was die HEILIGKEIT CHRISTI sein sollte.

In Wahrheit geht es immer nur um die Erkenntnis, dass wir es sind, die von GOTT gehalten werden, die in GOTT ruhen. Und nur in diesem Zustand - in GOTT ruhend - sind wir ein Segen für die Welt.

“Ich brauche nichts zu tun”
(EKIW: Kapitel 18, VII.)

“Ich werde von der LIEBE GOTTES erhalten.”
(EKIW: Lektion 50)

Unterschied von Konsequenz und Resultat

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Konsequenz und Resultat ganz klar zu verstehen. Ein Resultat ist etwas bewusst Herbeigewünschtes; eine Konsequenz ist eine Begleiterscheinung. Wenn uns zum Beispiel ein spiritueller Lehrer sagt: “Wenn du spielerisch bist, wird die Konsequenz sein, dass du glücklich bist …”, und wir versuchen dann, dieses Resultat herbeizuführen! Wir gehen also hin und sind spielerisch – und erwarten als Resultat, dass wir uns glücklich fühlen. Der Lehrer hat aber gesagt, dass es die Konsequenz sein wird und nicht das Resultat.

Konsequenz bedeutet: Wenn wir wirklich im Spiel aufgehen, stellt sich ein Glücksgefühl ein. Wenn wir aber ständig ans Glücklichsein denken, dann machen wir ein Resultat daraus, und so kann es sich nie einstellen. Ein Resultat kommt durch bewusste Anstrengung; eine Konsequenz ist nur eine Begleiterscheinung. Wenn wir tief im Spielen aufgehen, werden wir glücklich sein. Aber diese Erwartungshaltung, das bewusste Verlangen nach Glück, wird uns nicht erlauben, tief ins Spiel hineinzugehen. Die Sehnsucht nach dem Ergebnis wird zu einem Hindernis, und dann werden wir nicht glücklich sein.

Glück ist kein Ergebnis, sondern eine Folge. Wenn uns jemand sagt, dass wir glücklich sein werden, wenn wir lieben, dann wird unser Glück eine Folge sein und kein Ergebnis. Wenn wir nun meinen, wir könnten lieben, um glücklich zu werden, dann wird daraus nichts werden. Das Ganze wird unecht sein, weil wir für einen Zweck nicht lieben können. Liebe passiert einfach. Es steckt kein Motiv dahinter.

Wenn ein Motiv da ist, dann ist es keine Liebe, sondern irgendetwas anderes. Wenn wir ein Motiv haben und denken, ich werde dich lieben, weil ich mich nach Glück sehne, dann wird diese Liebe falsch sein. Und weil sie falsch ist, wird kein Glück dabei herauskommen. Es kann sich unmöglich einstellen. Aber wenn wir jemanden lieben, ohne irgendein Motiv dafür zu haben, dann wird das Glück folgen.

Manifestieren

Da sich das Thema „Manifestieren“ bei der Beschäftigung mit Spiritualität zu einem absoluten Top-Thema entwickelt hat, gibt es dafür ein eigenes Kapitel (siehe Inhaltsverzeichnis). Es wird hier nur noch einmal aufgeführt, weil es sich dabei um ein Thema handelt, das mit vielen Irrtümern behaftet ist, und weil es den dualen Gegenpol zum folgenden Thema darstellt.

Minimalismus

Man braucht ja so wenig, um glücklich zu sein: ein MacBook Air, ein iPhone Pro Plus Ultra, ein Esel E-Cross Pro, ein Daypack von Souleway, eine Soulbottle, stets gefüllt mit levitiertem Granderwasser, und natürlich eine Altbauwohnung mit Bonsai-Parkett in einer angesagten City – alles ganz natürlich, vegan und nachhaltig produziert.

Das Ego ist so kompliziert und raffiniert geworden, dass es sogar aus dem spirituellen Prozess der Loslösung ein neues egoisches Konzept entwickeln konnte: den Minimalismus.

Wenige Dinge zu besitzen, hat heute nicht unbedingt etwas mit Askese zu tun. Oft geht es eher um edle Ästhetik, bewussten Konsum und die kunstvolle Inszenierung eines Lebensstils. Minimalismus kann zu einer Art Yoga des Konsums werden: Man besitzt weniger – aber dafür umso bewusst ausgewähltere Dinge. Und selbstverständlich weiß man genau, warum gerade diese Dinge die richtigen sind.

Das grundlegende Problem ist jedoch nicht der Besitz von Dingen, sondern unser Glaube an ihren Wert. Solange wir überhaupt noch an Besitz glauben, können wir aus unseren Dingen Besonderheiten machen. Wir können sie benutzen, um uns von anderen abzugrenzen, uns eine Identität zu geben oder uns sogar für besser und bewusster zu halten als andere.

Das Ego lebt von Besonderheit.

Ein besonders schönes Beispiel dafür ist der Wunsch, möglichst autark zu leben. Man zieht sich in ein abgelegenes Haus in der Natur zurück, verzichtet demonstrativ auf Strom und macht daraus eine Besonderheit. Das eigene Leben wird zum Gegenentwurf zur Welt – und selbstverständlich wird dieser Gegenentwurf anschließend in den sozialen Medien präsentiert.

Der Widerspruch könnte offensichtlicher kaum sein: Wie erzählen wir der Welt, wie großartig wir ohne Strom leben, wenn wir dafür ein Smartphone oder einen Laptop benötigen?

Natürlich lässt sich einwenden, dass man lediglich den eigenen Stromverbrauch reduzieren möchte. Doch das Argument, durch wenig Stromverbrauch bei den einfachen Tätigkeiten im Haushalt, Strom zu sparen, ist absurd, wenn man beim Surfen im Internet die Dienste einer KI nutzt oder mit einer Kryptowährung bezahlt.

Auch die Idee, auf die Bequemlichkeiten des modernen Lebens zu verzichten, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, kann eine subtile Ego-Falle sein. Denn dann wird der Alltag plötzlich sehr beschwerlich. Man muss Wasser aus dem Brunnen holen und ein offenes Feuer machen, um es dann zu betreuen. Plötzlich ist der Tag wieder mit Tätigkeiten gefüllt, die in unserer Zeit überhaupt nicht mehr notwendig wären.

Und warum?

Weil das Ego es liebt, immer beschäftigt zu sein und sich so vom Wesentlichen abzulenken. Denn auch Wasser schleppen und Feuer machen sind nicht das Wesentliche. Das Ego kann auch das nutzen, um sich daraus wieder eine besondere Identität zu basteln: Ich verbrauche weniger als du. Ich lebe bewusster als du. Ich brauche weniger als du.

Und plötzlich ist aus der vermeintlichen Loslösung eine neue Form der Besonderheit geworden.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass wir bei unserem Streben nach einem bestimmten Selbstbild häufig nicht einmal die offensichtlichsten Widersprüche wahrnehmen. Das Ego muss nicht viel besitzen, um sich besonders zu fühlen. Es genügt ihm, anders zu besitzen.

Autonomie und die Illusion der Trennung

Der Wunsch nach Autarkie ist Ausdruck eines falschen Verständnisses von Autonomie. Im Kurs wird diese Vorstellung als „Autoritätsproblem“ bezeichnet: der Versuch, unabhängig von GOTT zu sein und eine eigene, von IHM getrennte Existenz zu behaupten.

“Das Ziel des Ego ist ganz ausdrücklich Ego-Autonomie. Von Anfang an bezweckt es also, getrennt zu sein, sich selber zu genügen und von keiner Macht abhängig zu sein außer seiner eigenen. Deshalb ist es das Symbol der Trennung.”
(EKIW: Kapitel 11, V. 4. 4.-6.)

Damit bekommt auch der Begriff der Autonomie eine andere Bedeutung. Wahre Freiheit besteht nicht darin, möglichst unabhängig von allem und jedem zu werden. Sie besteht darin, die Vorstellung aufzugeben, ein vom Ganzen getrenntes Selbst zu sein.

Wenn Askese zum Lifestyle wird

Lange Zeit verband man mit dem Versuch, mit möglichst wenig auszukommen, tatsächlich ein Leben ohne überflüssigen Ballast – etwa mit dem antiken Philosophen Diogenes in seiner Tonne oder mit einem Leben als Einsiedler, fernab von den Annehmlichkeiten der modernen Welt.

Heute ist der Begriff des Minimalismus längst von der Werbeindustrie entdeckt und in einen Lifestyle verwandelt worden.

Die Wohnung wird leerer, aber die Identität wird voller.

Man besitzt weniger, dafür sind die wenigen Dinge sorgfältig ausgewählt, ästhetisch gestaltet und selbstverständlich nachhaltig. Die richtige Trinkflasche, das richtige Fahrrad, der richtige Rucksack, die richtige Kleidung, die richtige Einrichtung – alles erzählt etwas darüber, wer wir sein möchten.

Ausgerechnet die Loslösung von den Dingen kann dadurch wieder zur Anhaftung an Dinge werden.

Der moderne Minimalismus erlaubt es sogar, Konsum in eine Philosophie des bewussten Lebens zu verwandeln. Man kann weiterhin bestellen, liefern lassen, leasen, teilen und konsumieren – nur eben mit dem guten Gefühl, dies besonders bewusst und nachhaltig zu tun.

Natürlich ist daran nicht grundsätzlich etwas falsch. Es geht nicht darum, Fahrräder, Smartphones oder Lieferdienste zu verteufeln. Auch der Kurs fordert uns nicht dazu auf, die Welt der Formen möglichst kunstvoll zu meiden.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Welchen Wert geben wir den Dingen in unserem Geist?

Denn selbst ein Leben in einem Tipi oder einer Jurte kann Ausdruck von Besonderheit sein. Auch ein Leben mit nur einem Rucksack kann voller Anhaftung sein. Denn all diese Versuche dienen meist eher dem egoischen Streben nach Autonomie als dem spirituellen Erwachen. Letzteres kann man in häuslicher Gemeinschaft wesentlich intensiver praktizieren, da sich dort wesentlich mehr Gelegenheiten zur Vergebung bieten.

Und ein Mensch, der in einem völlig leeren Raum sitzt, kann genauso am Besitz festhalten wie jemand, dessen Wohnung überquillt.

Selbst aus der Packliste für den Jakobsweg kann das Ego ein Glaubensbekenntnis machen. Dann geht es nicht mehr darum, leicht zu reisen, sondern darum, die “richtigen“ wenigen Dinge zu besitzen. Aus weniger wird wieder Besonderheit.

Das Ego braucht keine hundert Dinge. Ein einziges kann genügen.

“Ich will dem Wertlosen keinen Wert beimessen.”
(EKIW: Lektion 133)

“Wenn du ein Ding wählst, das nicht ewig währt, dann ist das, was du wählst, wertlos.”
(EKIW: Lektion 133, 6. 1.)

Weniger besitzen – oder weniger anhaften?

Auf dem spirituellen Weg geht es nicht darum, wie viele Dinge wir besitzen. Es geht darum, die Wertlosigkeit alles Vergänglichen zu erkennen. Ein Lehrer GOTTES will nichts, was er nicht weggeben kann, weil ihm klar ist, dass es definitionsgemäß für ihn wertlos wäre. Deswegen sucht er nichts, was nur er behalten könnte.

Der spirituelle Weg besteht nicht darin, möglichst wenige Dinge um sich zu scharen. Er besteht darin, die Anhaftung an die Dinge aufzugeben.

Man kann in einer großen Wohnung leben und frei sein. Man kann in einer kleinen Wohnung leben und vollkommen an seinen wenigen, sorgfältig ausgewählten Gegenständen hängen.

Man kann ein Auto besitzen und darin keine Besonderheit sehen. Und man kann zu Fuß gehen und sich gerade deshalb für einen besseren Menschen halten.

Die Form sagt nichts über den Zustand des Geistes aus.

Ein erleuchteter Geist braucht nicht deshalb wenig, weil er sich auf wenige besonders wertvolle Dinge konzentriert. Er ist frei, weil er den Dingen nicht mehr die Macht gibt, seinen Wert, sein Glück oder seine Identität zu bestimmen. Er muss weder viel besitzen noch wenig besitzen. Er ist von der Idee “Besitz” erlöst.

„Ich brauche nichts als die Wahrheit.“
(EKIW: Lektion 251)

Ein Kurs-Schüler besuchte einen Lehrer GOTTES in dessen Wohnung. Die Wohnung war ganz karg eingerichtet, nur das Allernötigste war da. Der Schüler fragt den Lehrer: „Lehrer, wo sind deine Möbel? Wo sind deine Bücher? Wo sind deine Töpfe?“ Der Lehrer fragte: „Wo sind denn deine Möbel? Deine Bücher? Deine Töpfe?“ „Aber Lehrer, ich bin hier doch nur zu Besuch.“ Der Lehrer sagte lächelnd: „Siehst du. Ich bin hier auch nur zu Besuch.“

Besitz

“Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?” Mit diesen berühmten Worten antwortete Jesus schon vor zweitausend Jahren auf die Sorge um irdische Güter. Zum Thema Besitz sagte er: “Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.”

Im Kurs macht Jesus noch einmal deutlich, was er mit diesen Aussagen meint:

“Preise also den VATER für die vollkommene geistige Gesundheit SEINES allerheiligsten SOHNES. Dein VATER weiß, dass du nichts brauchst. Im HIMMEL ist das so, denn wessen könntest du in der Ewigkeit bedürfen? In deiner Welt brauchst du tatsächlich Dinge. Sie ist eine Welt des Mangels, in der du dich befindest, weil es dir an etwas mangelt. Doch kannst du dich in einer solchen Welt denn finden? Ohne den HEILIGEN GEIST wäre die Antwort nein. Doch dank IHM ist die Antwort ein freudiges ja! Als MITTLER zwischen den beiden Welten weiß ER, wessen du bedarfst und was dich nicht verletzt. Besitz ist ein gefährliches Konzept, wenn es dir überlassen wird. Das Ego möchte zur Erlösung Dinge haben, denn Besitz ist sein Gesetz. Besitz um des Besitzes willen ist das fundamentale Credo des Ego und ein grundlegender Eckstein der Kirchen, die es für sich selbst errichtet. Und es verlangt von dir, an seinem Altar all die Dinge niederzulegen, die es dich heißt, dir anzueignen, so dass dir keine Freude daran bleibt.

Alles, von dem das Ego sagt, dass du es brauchst, wird dich verletzen. Denn obwohl das Ego dich immer wieder zum Habenwollen drängt, lässt es dir nichts, denn was du bekommst, wird es dir abverlangen. Und ebenjenen Händen, die es ergriffen haben, wird es entwunden und in den Staub geschleudert. Denn wo das Ego Erlösung sieht, da sieht es Trennung, und so verlierst du, was immer du in seinem Namen bekommen hast. Deshalb frage nicht dich selbst, was du brauchst, denn du weißt es nicht, und der Rat, den du dir gibst, wird dich verletzen. Denn was du zu brauchen glaubst, wird lediglich dazu dienen, deine Welt gegen das Licht abzuschirmen und dich unwillens zu machen, den Wert zu hinterfragen, den diese Welt tatsächlich für dich haben kann.

Nur der HEILIGE GEIST weiß, was du brauchst. Denn ER wird dir alle Dinge geben, die den Weg zum Licht nicht blockieren. Was sonst könntest du brauchen? In der Zeit gibt ER dir alle Dinge, die du haben musst, und ER wird sie erneuern, solange du ihrer bedarfst. ER nimmt dir nichts, solange du es irgend brauchst. Und dennoch weiß ER, dass alles, was du brauchst, vorübergehend ist und nur so lange dauern wird, bis du von all deinen Bedürfnissen beiseite trittst und begreifst, dass sie alle erfüllt sind. Deshalb hat ER keine Investition in die Dinge, die ER zur Verfügung stellt, außer dass ER sichergeht, dass du sie nicht dazu benutzt, um in der Zeit zu verweilen. ER weiß, dass du dort nicht zu Hause bist, und ER will, dass keine Verzögerung deine freudvolle Heimkehr aufhält.

Überlasse also deine Bedürfnisse IHM. ER wird sie befriedigen, ohne sie auch nur im geringsten zu betonen. Was von IHM zu dir kommt, kommt sicher, denn ER wird sicherstellen, dass es niemals zu einem dunklen Punkt werden kann, in deinem Geist verborgen und dort bewahrt, um dich zu verletzen. Unter SEINER Führung wirst du leicht auf lichten Wegen reisen, denn SEIN Augenmerk ist immer auf das Ende der Reise gerichtet, das SEIN Ziel ist. GOTTES SOHN reist nicht durch äußere Welten. Wie heilig seine Wahrnehmung auch werden mag, keine Welt außerhalb von IHM birgt sein Erbe. In sich selbst hat er keine Bedürfnisse, denn Licht braucht nichts, außer in Frieden zu leuchten und die von IHM ausgehenden Strahlen still sich ausdehnen zu lassen bis in die Unendlichkeit.”
(EKIW: Kapitel 13, VII. 10.-13.)

“Ich habe dich dereinst gebeten, alles, was du hast, zu verkaufen, es den Armen zu geben und mir nachzufolgen. Damit habe ich folgendes gemeint: Wenn du keine Investition in irgend etwas in der Welt hast, kannst du die Armen lehren, wo ihr Schatz ist. Die Armen sind lediglich die, die falsch investiert haben, und sie sind in der Tat arm! Weil sie bedürftig sind, ist es dir gegeben, ihnen zu helfen, da du unter ihnen weilst. Bedenke, wie vollkommen du deine Lektion lernen würdest, wenn du unwillens wärest, ihre Armut zu teilen. Denn Armut ist Mangel, und es gibt nur einen Mangel, da es nur ein Bedürfnis gibt.”
(EKIW: Kapitel 12, III. 1.)

Opfern

Im Denksystem des Egos ist das Opfer ein Schlüsselbegriff. In der Ego-Welt kennen wir das so gut. Wir sagen, wenn du etwas erreichen willst, musst du dafür etwas opfern. Meistens meinen wir damit den Augenblick, wir meinen damit eine Freiheit, eine Sache, die uns am Herzen liegt, die wir nicht tun können, die wir aber gerne tun würden. Wenn wir beispielsweise beruflich oder sportlich erfolgreich sein wollen, dann wird von uns auch verlangt, dass wir auf Partys verzichten oder ein geliebtes Hobby opfern.

Am brutalsten zeigt sich dieser Wahnsinn in unseren Beziehungen. Jedes Mal, wenn wir in einer Beziehung sind, haben wir das Gefühl, dass wir dafür etwas opfern müssen, unsere Freiheit, das, was wir selbst am liebsten tun würden, vielleicht sogar unsere Selbstbestimmung. Und das Ganze macht im Denksystem des Egos durchaus Sinn, weil das Ego immer sagt, das, wofür wir opfern, das lieben wir, und wenn wir es nicht für nötig halten, für etwas ein Opfer zu bringen, dann lieben wir es nicht. Es gibt auch eine Hierarchie, denn das Ego sagt uns, je mehr du etwas liebst, desto mehr bist du verpflichtet, etwas dafür zu opfern. Denken wir an die “große Liebe” oder an die Eltern-Kind-Beziehung.

Das Folgende mag auf den ersten Blick eine erschreckende Wahrheit sein, aber es ist die Wahrheit, denn wenn wir ganz genau hinschauen, werden wir feststellen, dass wir nichts lieben können, dem wir etwas opfern. Opfern führt nie zu Liebe und wir werden nie etwas ganz lieben können, dem gegenüber wir die Vorstellung haben, etwas geopfert zu haben, denn Opfern führt nie wirklich zu Liebe, es führt zu Schuld! Frei nach dem Motto: Ich habe so viel für dich getan, jetzt erwarte ich auch das ... Ich habe so viel gegeben, jetzt könntest du auch einmal ... Ich war immer für dich da, jetzt könntest du bitte einmal für mich da sein. Ist das Liebe oder haben wir hier einen Schuldvertrag geschlossen, auf dessen Einlösung wir bestehen, gerade weil wir der LIEBE nicht vertrauen?

“Deine Verwechslung von Opfern und Liebe geht so tief, dass du dir Liebe ohne Opfer nicht vorstellen kannst. Und genau das musst du dir ansehen: Opfern ist Angriff, keine Liebe. Wenn du nur diese eine Idee akzeptieren wolltest, deine Angst vor der Liebe würde schwinden. Schuld kann nicht andauern, wenn die Idee des Opferns beseitigt worden ist.”
(EKIW: Kapitel 15, X. 5. 9.-13.)

Der absolute Wahnsinn im Denksystem des Egos ist folgender: Im Ego müssen wir immer umso mehr opfern, je mehr Liebe wir erwarten, je mehr Liebe wir scheinbar anstreben, je mehr Liebe wir uns versprechen, desto mehr müssen wir investieren, desto mehr müssen wir opfern. Und deshalb glaubt das Ego immer und lässt uns glauben, und das macht in seiner Logik natürlich auch Sinn, dass Gott von uns das ultimative Opfer verlangt, dass er uns alles aufgeben lässt, dass wir in ihm unser ganzes Leben und alles Wesentliche, was uns ausmacht, verlieren.

“Die erste Illusion, die Platz machen muss, bevor ein anderes Denksystem Einfluss gewinnen kann, ist die, dass es ein Opfer ist, die Dinge dieser Welt aufzugeben.”
(EKIW: HANDBUCH FÜR LEHRER, 13. 1. 6.)

Deshalb lehrt uns Jesus eine völlig neue Idee von Opfern und von Liebe. Wenn wir merken, meine Angst vor GOTT kommt daher, dass ich glaube, es würde ein Opfer gefordert, ER würde mir etwas wegnehmen, dann machen wir uns so schnell wie möglich klar, es geht immer nur um die Angst. Für GOTT gibt es nur ein einziges Opfer und das ist, wenn wir unseren Frieden verlieren. Das heißt, wir opfern die ganze Zeit! Auf dem Weg zu GOTT geht es darum, das Opfern wieder zu verlernen!

Jesus verspricht uns das Gegenteil des Opfergedankens:

“Wenn du erst einmal SEINEN Plan als die eine Funktion akzeptiert hast, die du erfüllen möchtest, dann wird es auch nichts anderes mehr geben, was der HEILIGE GEIST nicht für dich arrangieren wird, ohne dass du dich bemühen musst. ER wird vor dir hergehen und deinen Pfad ebnen und keine Steine auf deinem Weg liegen lassen, über die du stolpern könntest, und keine Hindernisse, die deinen Weg versperren. Nichts, was du brauchst, wird dir verweigert werden. Nicht eine einzige scheinbare Schwierigkeit wird sein, die nicht vergeht, bevor du sie erreichst. Du brauchst dir über nichts Gedanken zu machen und auf nichts zu achten außer auf den einen Zweck, den du erfüllen möchtest.”
(EKIW: Kapitel 20, IV. 8. 4.-8.)

Jesus verspricht uns also, wenn wir unsere Funktion in SEINEM Plan annehmen, wenn wir nur an unsere Funktion denken, wenn wir nur an das REICH GOTTES denken, wenn wir unser Leben immer mehr in den Dienst der Vergebung stellen, dann wird der HEILIGE GEIST alles andere für uns regeln, so dass wir uns nicht mehr um unsere Beziehungen, um unser Geld, um unsere Wohnung, um unser Leben kümmern müssen. Wir müssen uns nicht mehr darum kümmern, weil der HEILIGE GEIST sich um alles kümmert, weil wir ihm die Erlaubnis gegeben haben. Wir haben ihn in unser Leben gelassen, wir haben nicht mehr nein zu ihm gesagt, sondern ja.

Nur am Beginn des spirituellen Weges glauben wir oft, dass wir etwas opfern müssten, weil wir noch nicht erkennen, dass es genau umgekehrt ist. Es mag uns erscheinen, als würden Dinge weggenommen, und anfangs wird selten verstanden, dass lediglich ihr Mangel an Wert begriffen wird. Nur wenn das Erkennen der Wertlosigkeit als Aufgeben von Wünschenswertem gedeutet wird, wird es Konflikte in uns erzeugen. In Wahrheit geht es genau um das Gegenteil, es geht darum, nicht mehr zu opfern, denn im Zustand der Ego-Identifikation opfern wir unsere Wirklichkeit als SOHN GOTTES, wir opfern den HIMMEL, um die Hölle zu erfahren. In der Ego-Illusion opfern wir die Wahrheit. In jedem Moment des Unfriedens halten wir am Opfern fest! Also - lassen wir das mit dem Opfern!

Auf dem spirituellen Weg gilt es zu erkennen, dass von uns nicht verlangt wird, dass wir ein Opfer bringen, um GOTTES Frieden und Barmherzigkeit zu finden. Das Ende des Leidens kann nicht Verlust sein. Die Gabe von allem kann nur Gewinn sein. GOTT gibt nur. Was wir auf unserem Weg zu GOTT “opfern” sind Angst, Schmerz und jede Form von Leid.

Loslassen

Meistens wenn wir uns über das Loslassen auslassen, mussten wir uns bereits - gegen unseren Willen - von etwas trennen, von dem wir glaubten, es besessen zu haben. Doch in dieser Welt gibt es nicht wirklich etwas zum Loslassen, weil sie nichts Wirkliches enthält und weil auch die Vergangenheit nichts ist. Wir können nicht etwas loslassen, was schon vorbei ist.

“Die Zeit kann niemals einen Wert wegnehmen, der wirklich ist. Was vergeht und stirbt, das war nie da und bietet dem nichts, der es wählt. Er wird getäuscht durch nichts in einer Form, die er zu mögen glaubt.”
(EKIW: Lektion 133, 6. 3.-5.)

Im üblichen Verständnis von Loslassen geht es entweder darum, etwas loszulassen, das ohnehin schon weg ist, oder ungesunde Gewohnheiten, anstrengende berufliche Tätigkeiten oder alte Beziehungen loszulassen. In den meisten Fällen ist dies jedoch ein sehr unbefriedigender Prozess und bringt kein wirkliches Glück. Das “Loslassen”, das die Welt lehrt, funktioniert deshalb so schlecht, weil alles in dieser Welt dazu dient, uns von der Wahrheit abzulenken, und solange wir uns noch im Zustand der Ego-Identifikation befinden, bleibt ohne diese Ablenkung nur Leere, absolute Bedeutungslosigkeit, und das erzeugt Angst. Lektion 13 lautet daher: “Eine bedeutungslose Welt erzeugt Angst.” Deshalb fällt es uns so schwer, etwas loszulassen, auch wenn es uns offensichtlich quält, weil wir Angst vor einer bedeutungslosen Welt haben.

Damit das Loslassen funktioniert, müssen wir zunächst erkennen, dass all das, was wir meinen, loslassen zu müssen, überhaupt keinen Selbstzweck hat, sondern nur dazu dient, uns von der Bedeutungslosigkeit der Ego-Welt abzulenken. Nur wenn das Loslassen dazu dient, uns für etwas Neues, viel Besseres zu öffnen, kann es funktionieren. Erst wenn wir erkennen, dass das Ziel des Loslassens von dieser Welt die Erfahrung unserer göttlichen Wirklichkeit - also vollkommenes Glück - ist und dass das, was wir loslassen, eigentlich wertlos ist, können wir uns ernsthaft auf das Loslassen einlassen.

“Ich kann nur das aufgeben, was nie wirklich war.”
(EKIW: Lektion 322)

Am Beginn des spirituellen Weges, bei der Entwicklung von Vertrauen, erscheint es uns allerdings so, als müssten wir tatsächlich etwas loslassen. Es scheint lediglich, als würden uns Dinge weggenommen, und anfangs wird selten verstanden, dass lediglich ihr Mangel an Wert begriffen wird. Wir werden aber bald feststellen, dass viele, wenn nicht die meisten Dinge, denen wir vorher Wert beigemessen haben, lediglich unsere Befreiung behinderten. Nur wenn wir dieses Loslassen von Wertlosem als Aufgeben von Wünschenswertem deuten, wird es enorme Konflikte in uns erzeugen. Wenige entrinnen völlig dieser Not. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass es “eine Phase der Überschneidung” gibt, in der der Lehrer GOTTES sich dazu aufgerufen fühlt, das, was zu seinem Besten zu sein scheint, für die Wahrheit zu opfern. Es ist uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar geworden, wie gänzlich unmöglich eine solche Forderung wäre. Wir können das nur lernen, indem wir das Wertlose tatsächlich aufgeben. Dadurch lernen wir, dass wir dort, wo wir Gram erwarteten, stattdessen eine glückliche Unbeschwertheit finden, und dort, wo wir dachten, etwas werde von uns verlangt, eine Gabe finden, die uns verliehen wird.

Durch das Loslassen von Selbsttäuschungen und von Bildern, die wir fälschlich angebetet haben -, kehrt die Wahrheit wieder in Ganzheit und in Freude zu uns zurück. Wir lassen uns nicht länger täuschen. Nun ist die Liebe wieder in unser Bewusstsein zurückgekehrt. Und wir sind wieder in Frieden, denn die Angst ist vergangen, und nur die Liebe bleibt.

Ein Kurs-Schüler fragte einen Lehrer GOTTES. „Was kann ein Lehrer GOTTES mir geben?“
Der Lehrer GOTTES antwortete: „Er kann dir nichts geben, was du nicht schon hast, aber er kann dir vieles nehmen, was deiner wahren Natur fremd ist.“

Themen auflösen

“Das Ego erkennt nicht, was es zu lehren versucht. Es versucht, dich zu lehren, was du bist, ohne zu erkennen, was du bist. Nur in der Verwirrung ist es ein Experte. Etwas anderes versteht es nicht. So ist das Ego denn als Lehrer völlig verwirrt und völlig verwirrend. Selbst wenn du den HEILIGEN GEIST ganz außer acht lassen könntest - was unmöglich ist -, könntest du dennoch nichts vom Ego lernen, weil das Ego nichts erkennt.”
(EKIW: Kapitel 8, II. 1. 4.-8.)

“Gibt es irgendeinen möglichen Grund, einen Lehrer wie diesen auszuwählen? Ergibt irgend etwas außer der völligen Nichtbeachtung all dessen, was es lehrt, auch nur den geringsten Sinn? Ist das der Lehrer, an den ein GOTTESSOHN sich wenden sollte, um sich selbst zu finden? Das Ego hat dir nie eine vernünftige Antwort auf irgend etwas gegeben. Sollte nicht das allein - einfach auf Grund deiner eigenen Erfahrung mit seiner Unterweisung - es als deinen künftigen Lehrer disqualifizieren?”
(EKIW: Kapitel 8, II. 2. 1.-5.)

Eine ganz entscheidende Sache im Umgang mit dem Ego ist diese Nichtbeachtung, denn wir haben immer die Vorstellung, wenn ein Thema gelöst ist, taucht es nie wieder auf, aber das ist einfach eine irrige Vorstellung. Das Ego wird immer wieder auftauchen und die Frage ist nur, wie reagiere ich darauf. Es werden immer wieder ärgerliche oder lieblose Gedanken in einen Geist eindringen, der noch nicht vollkommen in der Ewigkeit verankert ist. Ich kann mich dann natürlich darauf einlassen und sagen, aha, hier und jetzt kommt dieses Thema wieder hoch und schon habe ich meine ganze Geschichte wieder wahr gemacht. Glücklicherweise nur für einen Moment, aber es ist eine Wahl. Ich kann in jedem Moment entscheiden, dass mir Frieden mehr wert ist als Krieg und in dem Moment habe ich die Entscheidung getroffen, nicht auf das zu hören, was das Ego sagt und fordert. Und das ist einfach wunderbar, weil es einfach ist, weil es höchst eigenverantwortlich ist und weil es auch nicht sagt, ich habe schwierige komplizierte Themen, die mich immer wieder einholen, sondern es sagt, da ist die Stimme des Egos in meinem Geist und die will ich ignorieren lernen und das geht nur mit dem HEILIGEN GEIST - dem einzig wahren Lehrer. Und dieser Lehrer ist Freude.

Erdung

Im Zusammenhang mit Spiritualität stößt man immer wieder auf den Begriff der “Erdung”, ohne dass wirklich klar ist, was damit eigentlich gemeint ist. Dieser in spirituellen Kreisen sehr beliebte Begriff ist ein Begriff aus dem Denksystem des Egos und weist auf ein grundlegendes Missverständnis zum Thema Spiritualität hin. Wir sind reiner Geist und das Ziel jedes wahrhaft spirituellen Weges ist es, uns dessen immer bewusster zu werden. Genau davor hat das Ego Angst, denn das ist sein Ende. Das Ego ist die Identifikation mit der Materie und wahre Spiritualität ist das Ende des Egos, also wird das Ego uns immer wieder einladen, uns zu “erden”, uns auf die Materie zu konzentrieren und uns mit dem Körper zu identifizieren. Daher werden zur Erdung meist Dinge empfohlen, die die Identifikation mit dem Körper stärken, wie z.B. Essen, Sex, Sport, Arbeit, insbesondere Gartenarbeit oder Barfußlaufen.

Das Ego will uns davon überzeugen, dass wir “im Körper” zu Hause sind und uns dabei einigermaßen wohlfühlen, weil der Körper seine Wohnstatt ist durch seine eigene Wahl. Der Körper ist der Tempel des Egos. Dies ist die einzige Identifikation, bei der das Ego sich sicher fühlt, weil die Verletzlichkeit des Körpers sein bestes Argument dafür ist, dass wir nicht von GOTT sein können. Das ist die Überzeugung, die das Ego eifrig fördert. Das macht den Körper zum Freund des Ego. Es ist ein Bündnis, das ganz unverhohlen auf Trennung beruht. Doch in Wahrheit sind wir reiner Geist. Kein Körper kann unseren Geist enthalten und uns Grenzen auferlegen, die GOTT nicht erschaffen hat.

“Vielleicht werden einige unserer Konzepte klarer und für den Einzelnen bedeutungsvoller, wenn die Art, wie das Ego die Schuld verwendet, erhellt wird. Das Ego verfolgt einen Zweck, genau wie der HEILIGE GEIST es tut. Der Zweck des Ego ist Angst, weil nur die Angsterfüllten egozentrisch sein können. Die Logik des Ego ist genauso einwandfrei wie die des HEILIGEN GEISTES, weil dein Geist über die Mittel verfügt, sich mit dem HIMMEL oder der Erde zu verbünden, ganz nach seiner Wahl. Aber noch einmal: Denke daran, dass beide in dir sind.”
(EKIW: Kapitel 5, V. 1.)

“Erdung” ist lediglich Ausdruck einer zentralen Strategie des Egos, nämlich der Versuch, die Wahrheit in die Illusion zu holen, d.h. an der Identifikation mit dem Körper festzuhalten, nur etwas liebevoller. Nur ein falsches Verständnis von Spiritualität führt dazu, dass Menschen sich in “spirituelle Welten” und seltsame Theorien verirren oder versuchen, mit Hilfe spiritueller Konzepte der Welt zu entfliehen. Das alles ist nicht Ausdruck wahrer Spiritualität, sondern Ausdruck eines verwirrten Verstandes, und dann ist Erdung sinnvoll, aber nicht im Sinne von Erlösung, sondern als kleineres Übel.

Wahrer Friede bedeutet nicht Erdung, sondern das Ruhen in GOTT, und das wiederum bedeutet das Ruhen ganz im Hier und Jetzt, also im heiligen Augenblick. Doch auch dieser Zustand geistigen Friedens wird manchmal von außen betrachtet als “geerdet” bezeichnet, hat aber mit der Erde überhaupt nichts zu tun - ganz im Gegenteil. Für ein reines Bewusstsein, das sich des SELBST bewusst ist, ist es völlig offensichtlich, dass jede Form - und damit auch die Erde - nur ein Traum ist, der SEINE Wirklichkeit nicht im geringsten berührt.

In jedem bewusstseinserweiterten Moment, also wenn wir einen Moment lang bereit sind unseren Geist auszudehnen um uns zu verbinden, können wir das zumindest ansatzweise erfahren:

“In diesem Entrinnen gibt es keinerlei Gewalt. Der Körper wird nicht angegriffen, sondern nur richtig wahrgenommen. Er grenzt dich nicht ein, einfach deshalb, weil du es nicht haben möchtest. Du wirst nicht wirklich aus ihm herausgehoben; er kann dich nicht enthalten. Du gehst dorthin, wo du sein möchtest, und gewinnst ein Gefühl des SELBST, anstatt es zu verlieren. In diesen Augenblicken der Befreiung aus körperlichen Einschränkungen erfährst du viel von dem, was im heiligen Augenblick geschieht: das Öffnen der Schranken von Raum und Zeit, die plötzliche Erfahrung von Frieden und Freude und vor allem das fehlende Gewahrsein des Körpers und das Ausbleiben von Fragen, ob das alles möglich ist oder nicht.”
(EKIW: Kapitel 18, VI. 13.)

Energie

Im Zusammenhang mit Spiritualität tauchen immer wieder Begriffe wie Energiearbeit, Lebensenergie, spirituelle Energie, das Energiefeld der Seele sowie die Dualität von positiver und negativer Energie auf. Es geht immer wieder darum, Energien zu spüren und sie zu verändern. In vielen spirituellen Kreisen wird ein riesiges Kasperletheater um das Thema Energie aufgeführt.

Bereits im Jahre 1905 hat Albert Einstein im Rahmen der speziellen Relativitätstheorie die Äquivalenz von Masse und Energie (E = mc2) entdeckt. Damit gilt für Energie das Gleiche wie für Masse: Alles ist Illusion. Die Tatsache, dass Energie verändert werden kann, bedeutet also, dass sie von Natur aus unwirklich ist. Energie ist nichts. Die Beschäftigung damit ist Zeitverschwendung, ein Trick oder ein weiteres Mittel ein Haus auf Sand statt auf Fels zu bauen. Für manche mag sie als Idee hilfreich sein, um sich für das Unsichtbare statt das Sichtbare zu interessieren. Gut ist nicht, dass man Energie verwandeln kann, gut ist, dass der Geist, der sie gemacht hat, ein anderes Denken wählen kann. In diesem Zusammenhang ist erneut der Unterschied zwischen Machen und Erschaffen zu beachten.

Fixierung auf einen Pol

Die Welt des Egos ist eine Welt der Dualität, ein Zustand mit zwei Polen, zwei Extremen. Es ist äußerst ungünstig, sich in dieser Polarität auf einen Pol zu fixieren. Wenn wir hingegen mit Leichtigkeit zu diesen beiden Extremen gehen können, werden wir lebendig bleiben.

Es ist hilfreich, dies zu verstehen: Bei allem, was du tust, praktiziere immer auch das Gegenteil. Wechsel immer zum Gegenteil über. Schweige ein paar Stunden lang, dann rede. Fixiere dich auf nichts. Du wirst so lebendiger und beweglicher bleiben. Meditiere ein paar Tage lang und brich dann plötzlich ab und tut alles, was dich unter Hochspannung setzt. Und dann kehre wieder zur Meditation zurück.

Oder bade im Mittelpunkt des Klangs, etwa des ständigen Rauschens eines Wasserfalls oder im akustischen Treiben eines Marktplatzes. Das ist das eine Extrem. Oder such dir einen stillen Ort und stöpsel dir die Ohren zu, um dann in dich selbst hineinzuhorchen. Das ist das andere Extrem. Der eine Teil besteht darin, die Töne zu hören, die deinem Mittelpunkt zustreben, der andere Teil darin, alle Töne zu unterbinden und den tonlosen Mittelpunkt herauszuhören.

Gehe immer zwischen den Gegensätzen hin und her. Du wirst umso lebendiger und dynamischer sein. Fixiere dich nicht. Bist du erst einmal fixiert, wirst du nicht mehr zum anderen Extrem überwechseln können. Und Leben bedeutet die Fähigkeit, zum anderen überwechseln zu können. Wenn du es nicht mehr kannst, bist du schon tot. Dieses Hin und Her tut sehr gut am Weg zum Erwachen aus der Dualität.

Gurdjieff riet seinen Schülern zu plötzlichen Wechseln. So verlangte er zum Beispiel striktes Fasten und sagte dann: “Und nun iss, so viel du kannst.” Und dann plötzlich wieder: “Fang an zu fasten.” Und danach hieß es wieder: “Fang an zu essen.” Oder er sagte: “Bleib ein paar Tage und Nächte lang ununterbrochen wach; danach schlaf ein paar Nächte.” Dieser Wechsel zwischen polaren Gegensätzen verleiht eine gewisse Dynamik, Lebendigkeit. Wer sich auf ein Extrem versteift, egal, welches, ist stärker in der Dualität gefangen als jemand, der sich darin bewegen kann.

Ernährung

„Und wenn ihr in irgendein Land geht und wandert von Ort zu Ort und wenn sie euch aufnehmen, dann eßt das, was man euch vorsetzen wird. Die Kranken unter ihnen heilt! Denn was in euren Mund hineingehen wird, wird euch nicht beflecken. Vielmehr das, was aus eurem Mund herauskommt, das ist es, was euch beflecken wird.“
(Thomas-Evangelium, Logion 14, 4.-5.)

Vor zweitausend Jahren gab es viele religiös motivierte Nahrungstabus. Die frühen Nahrungstabus hatten ihre Wurzeln in Fetischismus und Totemismus. Den Phöniziern war das Schwein heilig, den Hindus die Kuh. Das ägyptische Tabu auf Schweinefleisch haben hebräischer und islamischer Glaube fortbestehen lassen. Schon damals wies Jesus seine Jünger darauf hin, dass es nicht darauf ankommt, was sie essen, sondern was sie denken und demzufolge sagen. Und da nur der Geist krank sein kann, braucht auch nur der Geist Heilung.

Wenn unser Geist geheilt ist, wird sich dies auch in unserer Ernährung widerspiegeln, aber die Ernährung ist nur die Wirkung und nicht das Ziel. Indem wir unseren Geist heilen, verändern wir die Ursache. Die Wirkung ändert sich von selbst. Ein Mensch, dessen Geist geheilt ist, wird vor allem wenig essen, weil in seinem Geist Frieden herrscht und er das Essen nicht mehr als Ersatzbefriedigung braucht. Denken wir nur an Mahatma Gandhi oder Ramana Maharshi. Doch das Ego-Denksystem ist ein Denksystem, das auf dem Kopf steht und so vertauscht das Ego Ursache und Wirkung.

Wenn wir uns ganz unserer geistigen Führung hingeben, übernimmt diese auch die Kontrolle über unwichtige Dinge, wie unsere Ernährung. Was für eine Erleichterung! So können wir uns voll und ganz auf unsere Funktion im Erlösungsplan konzentrieren. Metaphorisch gesprochen bedeutet dies: Wer loslässt, hat beide Hände frei.

“Alles Unwichtige kann meiner Kontrolle überlassen werden, während alles Wichtige von meiner Führung gelenkt werden kann, wenn du das willst.”
(EKIW: Kapitel 2, VI. 1. 3.)

Das Wahnwitzige am Thema Ernährung ist, dass sich alle Ernährungskonzepte dieser Welt grundsätzlich widersprechen. In dem einen Konzept dürfen wir nur Rohkost essen, in einem anderen muss alles unbedingt gekocht sein. In dem einen Konzept dürfen auf keinen Fall tierische Produkte gegessen werden, in einem anderen soll es möglichst viel Fleisch sein, wie einst in der Steinzeit. In dem einen Konzept müssen die Doshas ausgeglichen sein, in einem anderen ist es der Säure-Basen-Haushalt. Gerade die Frage nach gesunder Ernährung zeigt uns, dass in der Welt des Egos niemand fragt, um wahrhaftig eine Antwort zu bekommen, sondern nur um seinen Standpunkt zu formulieren. Alle Fragen, die man in dieser Welt stellt, sind bloß eine Sichtweise und keine gestellte Frage. Auf eine Pseudofrage gibt es keine Antwort. Sie diktiert die Antwort schon beim Fragen. So ist das ganze Fragen innerhalb der Welt eine Form von Propaganda für sich selbst. Niemand im Zustand der Identifikation mit dem Ego stellt eine ehrliche Frage, denn er will keine ehrliche Antwort haben, in der der egoische Zustand endet.

Auch was das Trinken betrifft, hat das Ego Gebote entwickelt, denen wir mit geradezu religiösem Eifer folgen:
Niavarani zum Thema Trinken

Das Ego ist raffiniert und verknüpft auch heutzutage - wie schon seit tausenden von Jahren - das Thema Ernährung geschickt mit dem Thema Spiritualität, um die Anhaftung an und die Identifikation mit dem Körper zu verstärken, statt sie zu erlösen. Aber gerade die Sorge um den Körper und damit die Beschäftigung mit dem Thema Ernährung ist die Krankheit des Geistes, die in der Folge auch den Körper krank macht.

Indem wir uns um “gesunde” Ernährung sorgen, betonen wir unsere Identifikation mit dem Körper, erheben wir Anspruch auf unsere körperliche Natur und weisen unsere göttliche Natur zurück. Damit versuchen wir die Illusion der Trennung wieder und wieder und wieder wahr zu machen, einzig und allein unter der großen Headline: “Ja, ich bin verletzlich, ich bin ein verletzliches Wesen.”

Schier endlos ist die Zahl der Gesundheitsapostel, die mit ihren Ernährungskonzepten durch die Lande ziehen. Sie berichten alle - und fast alle mit großer Ehrlichkeit - von der wohltuenden Wirkung ihres Konzepts. Sie verstehen nur nicht, dass es nicht die Ernährung an sich ist, sondern ihr eigener Glaube. Sie haben das zuerst hineingelegt, was sie dann wahrnehmen. Wenn wir wollen, dass etwas, im scheinbaren Außen, auf uns wirkt - ob positiv oder negativ - so werden wir auch die entsprechende Wahrnehmung machen. So mächtig ist unser Geist.

“Was du in dir selber willst, das wirst du manifest machen, und du wirst es von der Welt akzeptieren, weil du es dadurch in sie hineingelegt hast, dass du es wolltest.”
(EKIW: Kapitel 12, VII. 7. 5.)

“Das, wonach du verlangst, das wirst du sehen. Und ist dessen Wirklichkeit falsch, so wirst du sie dadurch aufrechterhalten, dass du all die Anpassungen, die du eingeführt hast, um sie zu dem zu machen, nicht bemerkst.”
(EKIW: Kapitel 21, II. 9. 5.-6.)

Jesus weist in Lektion 76 ganz klar darauf hin, dass “die »Gesetze« der Ernährung, der Impfungen, der medizinischen Behandlung und der unzähligen Arten von Schutz für den Körper” Magie sind und Magie nimmt gefangen, GOTTES Gesetze aber machen frei. Wir denken, wir müssten den »Gesetzen« gesunder Ernährung folgen. “Schütze den Körper, und du bist gerettet.” flüstert uns das Ego ein. Dies sind keine Gesetze, sondern es ist Wahnsinn. Der Körper wird durch den Geist gefährdet, der sich selbst verletzt. Der Körper leidet bloß, damit der Geist nicht sieht, dass er sein eigenes Opfer ist. Des Körpers Leiden ist eine Maske, die vom Ego-Geist emporgehalten wird, um das zu verbergen, was wirklich leidet. Er will nicht verstehen, dass er sein eigener Feind ist; dass er sich selber angreift und sterben will. Das ist es, wovor des Egos »Gesetze« den Körper schützen wollen. Das ist der Grund, weshalb wir meinen, wir seien ein Körper.

Der Körper ist der Freund des Ego. Es ist ein Bündnis, das ganz unverhohlen auf Trennung beruht. Wenn wir uns auf die Seite dieses Bündnisses schlagen, werden wir uns fürchten, weil wir uns auf die Seite eines Angstbündnisses stellen. Wir werden Angst haben, das Falsche zu essen, wir werden Angst haben, zu viel zu essen, wir werden Angst haben, zu wenig vom Richtigen zu essen, und unsere sorgenvollen Gedanken werden sich um Nahrungsergänzungsmittel und Umweltgifte drehen. Auch der Tod ist ein Gedanke, der viele, oft unerkannte Formen annimmt. Er mag als Sorge um den Körper und in allen Formen, in denen der Wunsch, so zu sein, wie wir nicht sind, kommen. Alle Gedanken dieser Art sind nur Widerspiegelungen der Anbetung des Todes als Erlöser und als Geber der Befreiung.

"Wann immer du versuchst, ein Ziel zu erreichen, bei welchem die Verbesserung des Körpers zum Hauptnutznießer wird, versuchst du, deinen Tod herbeizuführen. Dann glaubst du nämlich, dass du Mangel leiden kannst, und Mangel ist Tod."
(EKIW: Kapitel 29, VII. 4. 1.&2.)

Diejenigen, die wissen, dass nur LIEBE WIRKLICH ist, sind nicht besorgt darüber, was sie essen und was sie trinken. Denn diese Dinge kommen in den Körper hinein und verlassen den Körper wieder. Sie sind nur damit beschäftigt, ob das, was sie um des Körpers willen zu sich nehmen, in LIEBE verspeist worden ist oder nicht. Denn LIEBE ist es, die die Umwandlung von allem erlaubt, was in das physische System gelangt und die ihm erlaubt, in das verwandelt zu werden, was die energetische Gesamtheit des körperlichen Systems unterstützt.

Es ist übrigens weitaus besser eine Flasche Whiskey in einem Zustand von vollkommener CHRISTUS-LIEBE zum Frühstück zu trinken, als neunzig Vitamine vor uns ausgebreitet zu haben, mit einem winzig kleinen, angstvollen Gedanken. Dies nur am Rande, um einmal darüber nachzudenken.

Denn sehen wir, es ist Angst, die verursacht, dass wir nicht in der Lage sind, das zu verdauen, was wir in den Körper hineinstecken - oder in den Körper der Emotionen oder den “Körper” des Geistes. Es ist das, was in dem feinen System des Körpers Stress verursacht: im Emotional-Körper, im Mental-Körper, im Kausal-Körper - die feinen, nichtphysischen Körper. Was das größte Problem verursacht, ist unsere Weigerung, das, was wir zu uns genommen haben, zu verdauen. Und genauso wie Essen eine physische Substanz ist, die in den Körper genommen wird, ist jede Erfahrung, welcher Art auch immer, eine „Nahrung“, die zu der Seele herbeigerufen worden ist. Alles, was auftaucht und nicht durch uns hindurch passieren kann, durch unsere Bereitschaft, es mit LIEBE anzunehmen, es vollkommen zu fühlen, wird eine „Verdauungsstörung“ der physischen, emotionalen, mentalen und kausalen Wesen oder Körper verursachen.

Das Ego fragmentiert ständig und strebt so nach immer mehr Individualität. In einer gottlosen Gesellschaft, in der sich die meisten Menschen fast ausschließlich mit dem Ego identifizieren, ist es daher nicht verwunderlich, dass Erkrankungen im Zusammenhang mit Ernährung immer häufiger werden. Unverträglichkeiten und Essstörungen nehmen zu, weil unser Geist immer unverträglicher wird. Anstatt Hingabe lernen wir Abgrenzung. Im Körper spiegelt sich diese Geisteshaltung unter anderem in Form von Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Magersucht wider.

Die letzte der drei Lektionen des HEILIGEN GEISTES lautet: “Setze deine Wachsamkeit nur für GOTT und SEIN REICH ein.” Wenn wir all die Wachsamkeit, die wir jahrzehntelang für unsere Ernährung aufgebracht haben, jetzt für GOTT einsetzen, ist es nur noch ein kurzer Weg zur Erleuchtung.

Berührung

Wir können jemanden berühren, ohne zu berühren, das ist nicht schwer. Wir tun das ja bereits. Wir geben jemandem die Hand, ohne ihn zu berühren, denn um ihn zu berühren, müssen wir in unsere Hand kommen, müssen wir uns bewusst in unsere Hand hineinbegeben. Wir müssen zu unseren Fingern und unserem Handteller werden, so als wären wir – unsere Seele – in die Hand gekommen. Nur dann können wir berühren. Wir können die Hand eines anderen in unsere Hand nehmen und uns daraus zurückziehen. Wir können uns zurückziehen – dann ist die tote Hand da. Sie scheint nur zu berühren, berührt aber gar nicht.

Wir berühren aber häufig nicht! Wir fürchten uns, jemanden zu berühren, denn alles Berühren ist im übertragenen Sinne sexuell geworden. Wir mögen in einer Menschenmenge stehen – in der U-Bahn, einem Eisenbahnabteil, in Berührung mit vielen Personen –, aber wir berühren sie nicht, und sie berühren uns nicht. Da sind nur Körper in Kontakt miteinander, aber wir alle haben uns zurückgezogen. Und wir können den Unterschied spüren: Wenn wir wirklich jemanden in einer Menge berühren, wird er es als übergriffig empfinden. Unser Körper mag zwar berühren, aber wir dürfen nicht in ihm zugegen sein. Wir müssen Abstand halten – so, als wären wir gar nicht da in dem Körper, als würde die Berührung von einem toten Körper kommen.

Wenn wir hingegen jemanden wirklich liebevoll berühren, seine Hand ergreifen, dann ist es nicht die Hand, die den anderen berührt: Wir sind es, der den anderen berührt, vermittels der Hand. Die Hand ist nur ein Instrument. Es gibt also zwei Arten von Berührung: Wir können den anderen wirklich berühren, oder wir können der Berührung einfach nur ausweichen. Wir können die Hand eines anderen berühren und dabei der Berührung ausweichen: Wir sind in unserer Hand gar nicht anwesend, wir haben uns zurückgezogen.

Versuch es einmal, und du wirst ein anderes, ein distanziertes Gefühl haben. Leg deine Hand auf jemanden und zieht euch beide zurück: Eine tote Hand liegt dort, ohne dich. Und wenn der andere feinfühlig ist, wird er auch eine tote Hand spüren. Er wird sich verletzt fühlen. Du täuschst ihn: Du gibst nur vor, ihn zu berühren, dabei berührst du ihn gar nicht.

Du kannst in diesem Fall sagen, was du willst, es wird falsch sein: Deine Berührung wird es beweisen. Kinder sind sehr empfindlich; man kann sie nicht täuschen. Man mag sie tätscheln, aber sie wissen, dass dies Tätscheln unecht ist. Wenn deine Hand keine strömende Energie ist, keine liebende Energie, wissen sie Bescheid. Dann ist es so, als bediene man sich eines toten Gegenstands. Wenn du total in deiner Hand gegenwärtig bist, wenn du dich in sie hineinbegeben hast, wenn dein Zentrum in die Hand eingegangen ist, wenn deine Seele darin ist, dann hat die Berührung eine ganz andere Beschaffenheit. Wenn du total in deiner Hand gegenwärtig bist, wenn du dich in sie hineinbegeben hast, wenn dein Zentrum in die Hand eingegangen ist, wenn deine Seele darin ist, dann hat die Berührung eine ganz andere Beschaffenheit.

Polyamorie

Im Kurs heißt es in einem der letzten Kapitel unter anderem:

"Die Angst vor GOTT! Das größte Hindernis, über das der Frieden fließen muss, ist noch nicht vergangen. Die andern sind vergangen, doch dieses eine bleibt noch übrig, um deinen Pfad noch zu blockieren und um den Weg zum Licht so aussehen zu lassen, als sei er dunkel und gefahrvoll, trostlos und furchterregend. Du hattest dich entschieden, dein Bruder sei dein Feind. Manchmal vielleicht ein Freund - vorausgesetzt, dass eure separaten Interessen eure Freundschaft eine kleine Zeit ermöglichten. Aber nicht ohne einen Graben wahrzunehmen zwischen dir und ihm, sollte er sich wiederum in einen Feind verwandeln. Als du ihn dir nahe kommen ließest, tatst du einen Sprung zurück; als du dich nähertest, da zog er augenblicklich sich zurück. Eine vorsichtige Freundschaft, begrenzt im Umfang und sorgfältig eingeschränkt im Ausmaß, wurde zu dem Vertrag, den du mit ihm geschlossen hattest. So teiltest du mit deinem Bruder ein eingeschränktes Bündnis, in welchem eine Trennungsklausel war, die ihr beide übereingekommen wart unversehrt zu erhalten. Und gehen diese zu verstoßen wurde als ein unzulässiger Vertragsbruch angesehen.

Der Graben zwischen dir und deinem Bruder ist nicht ein Raum zwischen zwei separaten Körpern. Und dieser scheint nur eure separate Geister voneinander abzutrennen. Er ist das Symbol eines Versprechens, euch zu begegnen, wenn ihr es wollt, und euch zu trennen, bis du und er beschließt, einander wieder zu begegnen. Dann scheinen eure Körper miteinander in Kontakt zu treten und dadurch eine Stätte der Begegnung kundzutun, wo ihr euch verbinden könnt. Doch ist es für dich und für ihn stets möglich, dass ihr eure separaten Wege geht. Unter dem Vorbehalt des »Rechtes«, euch zu trennen, stimmt ihr miteinander überein, euch von Zeit zu Zeit zu treffen und euch fernzubleiben in Zwischenzeiten der Trennung, die dich vor dem Opfern der Liebe schützen. Der Körper rettet dich, denn auf diese Weise entgeht er dem totalen Opfer und gibt dir Zeit, dein separates Selbst wiederaufzubauen, von dem du wahrlich glaubst, es werde vermindert, wenn du und dein Bruder euch begegnet."

"Es ist nicht Liebe, die ein Opfer fordert. Die Angst hingegen heischt der Liebe Opfer, denn in der Gegenwart der Liebe kann die Angst nicht weilen. Damit der Hass aufrechterhalten werde, muss man die Liebe fürchten - und nur manchmal darf sie gegenwärtig, manchmal muss sie fort sein. So wird die Liebe als verräterisch gesehen, weil es so aussieht, als sei ihr Kommen und ihr Gehen ungewiss und biete dir keine Stabilität. Du siehst nicht, wie begrenzt und schwach deine Treue ist und wie häufig du gefordert hast, dass die Liebe sich entferne und dich still allein in »Frieden« lasse."

Die "Liebe" dieser Welt ist der Ersatz des Egos für die LIEBE GOTTES. Sie ist der Verzicht auf GOTTES LIEBE und der Versuch, die Besonderheit für das persönliche Selbst zu sichern. Denn die besondere Beziehung - und sei es noch zu so vielen Partnern - hat nur für das Ego einen Wert. Ist eine Beziehung nicht von besonderem Wert, so ist sie für das Ego bedeutungslos, denn es nimmt alle Liebe als besonders wahr. Die Liebe des Egos ist immer exklusiv und nie inklusiv im Sinne wahrer Liebe zu allen Menschen und zu GOTT. Nur die Beziehung zwischen GOTT und SEINEM SOHN ist natürlich, und alle Beziehungen, die dieser nicht gleichen, müssen unnatürlich sein. Denn GOTT schuf die LIEBE, wie ER sie haben wollte, und gab sie, wie sie ist. Es gibt keine Liebe außer der LIEBE GOTTES.

Auf dem Weg zur Erkenntnis, dass LIEBE nichts Persönliches ist, kann das Thema Polyamorie auftauchen. Doch das grundlegende Problem ist, dass wir im Zustand der Ego-Identifikation die Bedeutung der Liebe nicht erkennen. Das ist unsere Behinderung. Deshalb ist es nicht entscheidend, welches Beziehungskonzept wir zu leben versuchen, ob Polyamorie, LAT, Mingle, Monogamie oder Ehe mit Trauschein. Auch ein kirchlicher Trauschein kann unser, in jedem Augenblick gültiges, Vertrauen in GOTT nicht ersetzen. Nicht die Form ist entscheidend, sondern einzig und allein die Führung durch den HEILIGEN GEIST, der jede Form für unsere Erlösung nutzt, wenn wir die Kontrolle abgeben und uns SEINER Führung hingeben.

Ein Beziehungskonzept ist lediglich ein Konzept, aber nicht Liebe. Daher ist die Verbindung eines Beziehungskonzepts mit dem Wort Liebe - wie im Falle der Polyamorie - immer eine Strategie des Egos, um das Offensichtliche zu verschleiern. Die Frage ist nicht, welches Konzept wir leben sollen, sondern “Wozu?”.

Das Ego hat seine eigene Vorstellung von einer offenen Beziehung. Das klingt zwar nach einer offenen Beziehung, aber es gibt immer noch ganz klare Regeln. Wenn unser Geist hingegen wirklich offen ist, gibt es keine Regeln. Im Sinne des HEILIGEN GEISTES bedeutet offene Beziehung, sich für den einzig wahren Zweck von Beziehung zu öffnen. Der einzig wahre Sinn und Zweck ist die Erlösung. Wenn wir den einzig wahren Zweck teilen, dann haben wir eine offene Beziehung. Wir können diese Freiheit und Offenheit ausdehnen und mit jedem teilen, ohne im geringsten zu zögern, weil wir den HEILIGEN GEIST teilen und die Freude des HEILIGEN GEISTES teilen. Der geteilte Zweck macht eine Beziehung zu einer offenen Beziehung. “Unter der Anleitung des HEILIGEN GEISTES wird jede Beziehung als eine totale Verpflichtung angesehen, und dennoch steht sie keineswegs mit andern in Konflikt.” Man könnte es auch so ausdrücken: Es geht nicht um die Öffnung irgendeines Beziehungskonzeptes, sondern um die Öffnung unseres Herzens für die LIEBE GOTTES.

“Willst du die Freiheit des Körpers oder die des GEISTES? Denn beides kannst du nicht haben. Welche ist für dich von Wert? Welche ist dein Ziel? Denn eine siehst du als das Mittel, die andere als den Zweck an. Und die eine muss der anderen dienen, zu deren Vorherrschaft führen und ihre Wichtigkeit vermehren, indem sie ihre eigene vermindert. Mittel dienen dem Zweck, und wenn der Zweck erreicht ist, verändert sich der Wert der Mittel und wird völlig hinfällig, sobald begriffen wird, dass sie keinerlei Funktion mehr haben. Es gibt niemanden, der sich nicht nach Freiheit sehnte und versuchte, sie zu finden. Doch wird er sie dort suchen, wo er glaubt, dass sie sei und gefunden werden könne. Er wird den Geist oder den Körper ihrer für fähig halten und den jeweils anderen seiner Wahl als Mittel dienen lassen, um sie zu finden.”
(EKIW: Kapitel 22, VI. 1.)

Immer wenn wir die Freiheit des Körpers wählen, werden wir den Geist als Mittel einsetzen, um uns Wege auszudenken, um des Körpers Freiheit zu erlangen. Einer dieser Wege könnte das Konzept der Polyamorie sein. Doch die Freiheit des Körpers hat in Wahrheit keine Bedeutung, und somit ist der Geist dem Dienst an Illusionen hingegeben. Wenn unser Ziel hingegen die Freiheit des GEISTES ist, dann wird der Körper zum Kommunikationsmittel in der heiligen Beziehung.

Promiskuität führt dazu, dass wir völlig falsche Vorstellungen von der Funktion unseres Körpers entwickeln. Wir entwickeln verzehrte Ideen davon, wozu der Körper da ist. Zahllose sexuelle Kontakte sind ein Versuch durch den Körper eine Art von "Einheit mit allen" herzustellen. Dabei ist es unschwer zu erkennen, dass eine dauerhafte Einheit mit allen Kindern GOTTES nicht auf körperlicher Ebene hergestellt werden kann.

Der spirituelle Weg braucht unsere totale Hingabe, unsere totale Verbindlichkeit, unser Ja zu GOTT in jedem Augenblick. Und genau diese Verbindlichkeit können wir in einer Paarbeziehung wunderbar üben. Während hingegen die sogenannten "offenen” Beziehungskonzepte sehr häufig dazu genutzt werden, um eine aus Liebe sich entwickelnde Verbindlichkeit, Intimität und tiefe Verbindung im Geiste zu vermeiden. Das Streben nach persönlicher Autonomie ist im Grunde genommen eine Ego-Motivation und so sind offene Beziehungen sehr häufig nur egoische Fluchtstrategien. Das Ego wählt bestimmte Partner, um wahre Intimität zu vermeiden, denn wahre Intimität zielt auf Einheit ab und das ist das Ende des Egos.

Was es dabei zu verstehen gibt, ist, dass die Liebe, wenn sie zur Bindung - im Sinne einer Fessel - wird, nur eine Illusion war. Tatsächlich waren wir nur bedürftig nach Bindung. Und wenn wir noch tiefer gehen, werden wir sehen, dass wir auch das Bedürfnis hatten, ein Sklave zu werden. Es gibt eine subtile Angst vor der Freiheit, und jeder möchte ein Sklave sein. Jedes Mal, wenn du etwas machst, geh tief in dich, um den eigentlichen Grund herauszufinden. Wenn wirkliche Liebe da ist, wird sie niemals zu Bindung werden.

Wenn unser Ziel die Erlösung vom Ego ist, dann kann die Liebe zu einem anderen Menschen zu einer tiefen Meditation werden - zur tiefsten überhaupt. Liebende können manchmal erfahren, was sogenannte Heilige nie erfahren haben. Und Liebende haben jenes Zentrum berührt, das viele Yogis umsonst gesucht haben. Damit es aber nicht nur bei einem kurzen Aufleuchten bleibt, muss diese Liebe zur Meditation transformiert werden. Liebe wird ja nur deswegen zu Bindung, weil keine LIEBE da ist.

Verbundenheit

“Alles ist mit allem verbunden" ist eine Einsicht, die wir nicht nur im spirituellen Kontext finden, sondern die inzwischen zum Allgemeinwissen geworden ist. Dieses Allgemeinwissen besteht aber in dem, was das Ego unter Verbundenheit versteht. Das Ego versteht darunter, dass an sich getrennte Einheiten oder Wesen auf irgendeine mystische Weise miteinander verbunden sind. Das Ego versteht die Wahrheit nicht, es kann sich EINHEIT nicht vorstellen, denn das Ego ist das Verlangen nach und der Glaube an Trennung. Das Ego versteht Verbundenheit als Verbindung in Illusionen. Aber in Wahrheit gibt es keine getrennten Teile, die miteinander verbunden sind, sondern es gibt nur EINHEIT.

“In dir gibt es keine Trennung, und kein Ersatz kann dich von deinem Bruder fernhalten. Deine Wirklichkeit war GOTTES Schöpfung, und für sie gibt es keinen Ersatz. Ihr seid so fest verbunden in der Wahrheit, dass nur GOTT dort ist. Und ER wurde nie etwas anderes statt eurer akzeptieren. ER liebt euch beide gleichermaßen und als eins. Und so wie ER euch liebt, so seid ihr. Ihr seid nicht in Illusionen miteinander verbunden, sondern in dem GEDANKEN, der so heilig und so vollkommen ist, dass Illusionen nicht bleiben können, um den heiligen Ort zu verändern, an dem ihr beisammensteht. GOTT ist mit dir, mein Bruder. Wir wollen uns in IHM in Frieden und in Dankbarkeit verbinden und SEINE Gabe als unsere allerheiligste und vollkommenste Wirklichkeit annehmen, die wir in IHM teilen.”
(EKIW: Kapitel 18, I. 10.)

“Was dasselbe ist, kann nicht verschieden sein, und das, was eins ist, kann nicht getrennte Teile haben.”
(EKIW: Kapitel 25, I. 7. 7.)

Körper sind der Ausdruck von Trennung und können sich grundsätzlich nicht verbinden. Wahre Verbindung ist nur im Geist möglich. In bewusstseinserweiterten Momenten, also in Augenblicken der Befreiung aus körperlichen Einschränkungen erfahren wir viel von dem, was im heiligen Augenblick geschieht: das Öffnen der Schranken von Raum und Zeit, die plötzliche Erfahrung von Frieden und Freude und vor allem das fehlende Gewahrsein des Körpers und das Ausbleiben von Fragen, ob das alles möglich ist oder nicht. In diesen Zuständen ist echte Vereinigung möglich. Einmal habe ich mich in einem solchen Zustand mit der Musik, die ich gerade hörte, verbunden, und alle Grenzen lösten sich auf, und ich war die Musik. Ich war jeder einzelne Ton.

“Jeder hat das erfahren, was er als ein Gefühl benennen würde, über sich hinausgehoben zu werden. Dieses Gefühl der Befreiung übersteigt bei weitem den Traum von Freiheit, den man sich manchmal in besonderen Beziehungen erhofft. Es ist eine Empfindung tatsächlichen Entrinnens aus Begrenzungen. Wenn du einmal bedenkst, was dieses Hinausgehobensein wirklich mit sich bringt, dann wird dir klar, dass es ein plötzliches Nichtgewahrsein des Körpers und eine Verbindung von dir und etwas anderem ist, bei der dein Geist sich erweitert, um es zu umfassen. Es wird zu einem Teil von dir, während du dich mit ihm vereinst. Und beide werden ganz, weil keines als getrennt wahrgenommen wird. Was wirklich geschieht, ist, dass du die Illusion eines begrenzten Bewusstseins aufgegeben und deine Angst vor der Vereinigung verloren hast. Die Liebe, die sie augenblicklich ersetzt, dehnt sich zu dem aus, was dich befreit hat, und vereinigt sich mit ihm. Und solange das währt, bist du über deine IDENTITÄT nicht ungewiss und möchtest SIE nicht begrenzen. Du bist aus der Angst in den Frieden entronnen und hast die Wirklichkeit nicht hinterfragt, sondern sie einfach akzeptiert. Du hast dies statt des Körpers angenommen und dich selbst eins sein lassen mit etwas, das jenseits von ihm. ist, einfach dadurch, dass du deinen Geist durch ihn nicht hast begrenzen lassen.

Das kann geschehen ungeachtet der physischen Entfernung, die zwischen dir und dem zu liegen scheint, mit dem du dich verbindest, und ungeachtet eurer jeweiligen Standorte im Raum, eures Größenunterschieds und eurer scheinbar unterschiedlichen Beschaffenheit. Die Zeit spielt keine Rolle, es kann mit etwas Vergangenem, Gegenwärtigem oder Erwartetem geschehen. Das Etwas kann irgend etwas sein und überall: ein Laut, ein Anblick, ein Gedanke, eine Erinnerung und sogar eine allgemeine Idee ohne konkreten Bezug. Doch in jedem Fall verbindest du dich ohne Vorbehalt damit, weil du es liebst und bei ihm sein möchtest. So eilst du denn, ihm zu begegnen, lässt deine Grenzen hinwegschmelzen und setzt alle Gesetze außer Kraft, denen dein Körper gehorcht, indem du sie sanft beiseite legst.”
(EKIW: Kapitel 18, VI. 11.-12.)

Verborgenes

Das Ego ist äußerst trickreich und raffiniert und findet für all seine Strategien scheinbar vernünftige Erklärungen. Wenn spirituelles Erwachen unser Ziel ist, müssen wir all unsere Strategien und Erklärungsversuche für unser Handeln immer wieder hinterfragen. Es gibt einige äußere Anzeichen, die darauf hindeuten, dass wir dazu neigen, unsere privaten Gedanken vor der Welt und vor uns selbst zu verbergen, um sie nicht betrachten zu müssen. Im Folgenden finden sich einige Verhaltensweisen, die wir hinterfragen sollten. Es gilt, genauer nachzuforschen, was sich auf einer tieferen Ebene hinter diesem Verhalten verbirgt.

Dazu gehören:
  • Gefallsucht (Komplimente und Schmeicheleien)
  • In Gruppen schweigen
  • Unterdrückung unangenehmer Gefühle
  • Unterdrücken unserer Telefonnummer
  • Unterdrücken von Statusanzeigen in den sozialen Medien
  • Abschalten unseres Telefons in bestimmten Situationen, in denen es nicht einem offensichtlich sinnvollen Zweck dient
  • In erster Linie über Textnachrichten kommunizieren
  • Ärger über unangemeldeten Besuch
Das Ego versucht, echte Kommunikation zu verhindern oder zumindest unsere Kommunikation unter Kontrolle zu halten. Dahinter steckt die Angst vor intimer, transparenter Kommunikation.

“Das Einzige, was das Ego wahrnimmt, ist ein separates Ganzes, ohne die Beziehungen, die das Sein ausmachen. Somit ist das Ego gegen die Kommunikation - außer dann, wenn diese dazu verwendet wird, Getrenntheit herzustellen, anstatt sie abzuschaffen.”
(EKIW: Kapitel 4, VII. 2. 1.-2.)

Je mehr wir eine offene und transparente Kommunikation zulassen, desto mehr spüren wir unsere Weite. Deshalb ist dies ein sehr hilfreiches Gebet an den HEILIGEN GEIST: "Bitte zeige mir, wie ich meinen Körper und meine Kommunikation am besten einsetzen kann, um meine Wahrnehmung zu erweitern." Diese erweiterte Wahrnehmung bringt uns dem Gefühl von Einheit mit allen und allem schnell näher.

Glück im Angesicht dieser Welt

Im Zusammenhang mit Spiritualität taucht immer wieder die Frage auf, wie man nur im Angesicht dieser Welt glücklich sein kann. Diese Frage verweist auf einen grundsätzlichen Irrtum. Zu versuchen, im Angesicht dieser Welt aus der Perspektive des Egos glücklich zu sein, stellt den Versuch dar, die Wahrheit in die Illusion zu bringen. Dies ist grundsätzlich unmöglich. Wenn wir an den Tod glauben und die Welt mit den Augen des Körpers betrachten, ist wahres Glück natürlich unmöglich.

Es ist das Ego, das uns davon überzeugen will, dass vollkommenes Glück unmöglich ist, dass Leiden zum Leben gehört. Das ist es, was das Ego unter Leben versteht, denn das Ego ist der Todeswunsch. Wahres Leben ist ewiges Leben und ewiges Leben ist vollkommenes Glück. Dies ist der WILLE GOTTES und somit auch unser wahrer Wille, denn als SEIN SOHN sind wir wie ER.

“GOTTES WILLE für mich ist vollkommenes Glück.”
(EKIW: Lektion 101)

In dieser Welt wird das Verlangen nach vollkommenem Glück oft als arrogant angesehen, aber in Wirklichkeit ist es umgekehrt: Es ist arrogant, sich dem WILLEN GOTTES zu widersetzen. Wenn wir uns für die spirituelle Sicht, die Schau CHRISTI, öffnen, die uns über den Körper hinaus in einen erwachten Zustand versetzt, sehen wir eine Welt, die in LIEBE leuchtet, völlig unberührt von Schuld. Wir sehen eine Welt, die nur die LIEBE GOTTES widerspiegelt, und wir sind erfüllt von heiliger Freude und Glückseligkeit.

“Wenn GOTT SEINE Kinder als gänzlich sündenlos kennt, dann ist es gotteslästerlich, sie als schuldig wahrzunehmen. Wenn GOTT SEINE Kinder als gänzlich ohne Schmerz kennt, dann ist es gotteslästerlich, irgendwo Leiden wahrzunehmen. Wenn GOTT SEINE Kinder als gänzlich freudig erkennt, dann ist es gotteslästerlich, sich deprimiert zu fühlen. Alle diese Illusionen, wie auch die vielen anderen Formen, unter denen die Gotteslästerung auftreten mag, sind eine Weigerung, die Schöpfung so zu akzeptieren, wie sie ist. Wenn GOTT SEINEN SOHN vollkommen schuf, so musst du ihn so sehen lernen, um zu lernen, was seine Wirklichkeit ist. Und als Teil der SOHNSCHAFT musst du dich selbst auf diese Weise sehen, um zu sehen, was die deine ist.”
(EKIW: Kapitel 10, V. 12.)

Selbstverständlich ist Gotteslästerung in Wirklichkeit unmöglich, wir lästern nur uns selbst, denn in Wahrheit ist es unmöglich, getrennt von GOTT zu sehen, weil wir nicht von GOTT getrennt sein können. Alles, was wir zu sehen glauben, was nicht vollkommenes Glück ist, ist eine Illusion, es ist der Alptraum, aus dem zu erwachen unsere einzige Funktion ist.

Worauf Ein Kurs in Wundern verweist, ist das Glück im Angesicht einer Welt, die vergeben ist. Dieser Geisteszustand, im Kurs der glückliche Traum genannt, ist ein Zustand, in dem die Verbindung mit dem wahren SELBST wiederhergestellt ist und der geistige Blick auf die Vollkommenheit GOTTES jenseits der Illusion dieser Welt gerichtet ist. In unserer vollständigen Identifikation mit dem wahren SELBST, dem CHRISTUS, dem vollkommenen SOHN GOTTES, SEINER einen Schöpfung und SEINEM Glück, für immer wie ER SELBST und eins mit IHM, hat die Welt des Egos keine Macht mehr, oder in den Worten des Apostel Paulus, “dann hat der Tod keinen Stachel mehr”.

“Wie kannst du Freude finden an einem freudlosen Ort, außer durch die Einsicht, dass du gar nicht dort bist? Du kannst nirgendwo sein, wohin GOTT dich nicht gestellt hat, und GOTT hat dich als Teil von SICH erschaffen. Das ist sowohl, wo du bist, als auch, was du bist. Es ist vollkommen unveränderbar.”
(EKIW: Kapitel 6, II. 6. 1.-4.)

Die Berichtigung von Fehlern

Die folgenden Zitate stammen aus dem 9. Kapitel Abschnitt III.

"Die Wachheit des Ego für die Fehler anderer Egos ist nicht die Art der Wachsamkeit, die du nach dem WILLEN des HEILIGEN GEISTES aufrechterhalten sollst.
[...]
Das Ego sieht es als freundlich und richtig und gut an, auf Fehler aufmerksam zu machen und sie zu »berichtigen«. Das erscheint dem Ego völlig sinnvoll, das sich dessen nicht bewusst ist, was Fehler sind und was Berichtigung ist. Fehler stammen vom Ego, und die Berichtigung von Fehlern liegt darin, das Ego aufzugeben. Wenn du einen Bruder berichtigst, dann sagst du ihm, dass er sich irrt. Vielleicht ist er zu dem Zeitpunkt unvernünftig, und es steht fest, dass er unvernünftig ist, wenn er aus dem Ego spricht. Deine Aufgabe bleibt es aber dennoch, ihm zu sagen, dass er Recht hat. Du teilst ihm das nicht mit Worten mit, wenn er törichte Dinge sagt. Er braucht Berichtigung auf einer anderen Ebene, weil sein Fehler auf einer anderen Ebene liegt. Er hat trotzdem Recht, weil er ein GOTTESSOHN ist. Sein Ego irrt sich immer, gleichgültig, was es sagt oder tut.
[...]
Wenn du überhaupt auf Fehler reagierst, hörst du nicht auf den HEILIGEN GEIST. ER hat einfach über sie hinweggesehen, und wenn du sie beachtest, hörst du IHN nicht. Wenn du IHN nicht hörst, hörst du auf dein Ego und bist ebenso unvernünftig wie der Bruder, dessen Fehler du wahrnimmst. Das kann nicht Berichtigung sein. Es ist jedoch mehr als nur ein Fehlen von Berichtigung für ihn. Es ist das Aufgeben der Berichtigung in dir selbst.
[...]
Verhält ein Bruder sich wahnsinnig, so kannst du ihn nur dadurch heilen, dass du die geistige Gesundheit in ihm wahrnimmst. Wenn du seine Fehler wahrnimmst und sie akzeptierst, dann akzeptierst du deine. Wenn du die deinen dem HEILIGEN GEIST übergeben willst, dann musst du das auch mit den seinen tun.
[...]
Jeder Versuch, den du unternimmst, um einen Bruder zu berichtigen, bedeutet, dass du glaubst, Berichtigung durch dich sei möglich, und das kann nur die Arroganz des Ego sein. Berichtigung stammt von GOTT, DER von Arroganz nichts weiß."

Dankbarkeit

Dankbarkeit im Sinne des Konzepts vom positiven Denken bedeutet zu versuchen, zufrieden zu sein, weil ein anderer mehr als wir zu leiden scheint. Wie jämmerlich und wie missbilligend solche Gedanken sind! Denn wer hat Grund zu danken, während andere weniger Grund dazu haben? Und wer könnte weniger leiden, weil er einen anderen mehr leiden sieht? Unsere Dankbarkeit gebührt nur IHM, DER jede Ursache des Kummers auf der ganzen Welt verschwinden ließ.

Wenn ich beispielsweise einem spirituellen Lehrer begegne, bei dem ich auch noch ungelöste Themen zu sehen glaube und mich darüber freue, wenn ich also irgendwie erleichtert darüber bin, dass er auch noch nicht ganz frei von Anhaftungen und Groll ist, dann gilt es, diesen Gedanken einmal zu hinterfragen. Abgesehen davon, dass es gar kein Außen gibt und ich nur meine eigenen Urteile wahrnehme, was denke ich da eigentlich? Freue ich mich wirklich, dass mein geliebter Bruder auch noch leidet?

Es ist wahnsinnig, um des Leidens willen Dank zu sagen. Doch ist es ebenso wahnsinnig, dem EINEN Dankbarkeit zu versagen, DER uns die sicheren Mittel schenkt, wodurch aller Schmerz geheilt und das Leiden durch Lachen und durch Glück ersetzt wird.

Die Liebe stellt keine Vergleiche an. Und Dankbarkeit kann nur aufrichtig sein, wenn sie verbunden ist mit Liebe. Wir danken GOTT, unserem VATER, dass alle Dinge in uns ihre Freiheit finden werden. Es wird nie so sein, dass einige befreit werden, während andere immer noch gebunden sind. Denn wer kann einen Handel abschließen in der Liebe Namen?

Unsere Dankbarkeit unserem Bruder gegenüber ist die einzige Gabe, die ER sich wünscht. Wenn wir unserem Bruder gegenüber dankbar sind, sind wir GOTT dankbar für das, was ER erschaffen hat. Durch unsere Dankbarkeit lernen wir unseren Bruder erkennen, und ein einziger Augenblick wirklichen Erkennens macht jeden zu unserem Bruder, weil ein jeder von unserem VATER ist. Nur Würdigung ist eine angemessene Reaktion auf unseren Bruder. Dankbarkeit gebührt ihm sowohl für seine liebevollen Gedanken als auch für seine Hilferufe, denn beide vermögen es, uns Liebe ins Bewusstsein zu bringen, wenn wir sie wahrheitsgemäß wahrnehmen.

“Während du lernst, den Illusionen zu entrinnen, darfst du nie vergessen, was du deinem Bruder schuldest. Es ist dasselbe, was du mir schuldest. Jedes Mal, wenn du einem anderen gegenüber egozentrisch handelst, wirfst du die Huld deiner Dankesschuld und die heilige Wahrnehmung, die sie erzeugen würde, fort. Hier kann der Begriff »heilig« angewendet werden, denn wenn du lernst, wie viel du der ganzen SOHNSCHAFT schuldest, was mich einschließt, kommst du der Erkenntnis so nahe, wie es der Wahrnehmung möglich ist. Der Graben ist dann so klein, dass die Erkenntnis leicht hinüberfließen und ihn für immer auslöschen kann.”
(EKIW: Kapitel 4, VI. 2.)

Wir sagen Dank, doch aufrichtig. Und lassen unsere Dankbarkeit Raum schaffen für all jene, die mit uns entrinnen werden: die Kranken, Schwachen, die Bedürftigen und Furchtsamen und die, die einen scheinbaren Verlust beklagen oder offenbaren Schmerz empfinden, die unter Kälte oder Hunger leiden oder den Weg des Hasses und den Pfad des Todes wandeln. Sie alle gehen mit uns. Wir wollen uns mit ihnen nicht vergleichen, denn dadurch spalten wir sie ab von unserem Gewahrsein der Einheit, die wir mit ihnen teilen, wie sie sie unausweichlich mit uns teilen.

Wir danken unserem VATER nur für eines: dass wir von keinem Lebewesen getrennt und daher eins mit ihm sind. Und so beschreiten wir denn in Dankbarkeit den Weg der Liebe. Denn der Hass ist vergessen, wenn wir Vergleiche weglegen.

“Nur meine Dankbarkeit kann ich verdienen.”
(EKIW: Lektion 197)

Das Ego versteht die Wahrheit nicht. Wenn wir uns mit ihm identifizieren, werden wir uns zwar auch manchmal in Güte und in Vergebung versuchen. Doch wenden wir sie wiederum zum Angriff, wenn wir keine äußere Anerkennung und reichen Dank vorfinden. Unsere Gaben müssen in Ehren aufgenommen werden, sonst ziehen wir sie zurück.

In Wahrheit ist unsere Dankbarkeit alles, was unsere Gaben erfordern, damit sie eine dauerhafte Gabe eines dankbaren Herzens sind, für immer befreit aus der Hölle. Es spielt keine Rolle, wenn ein anderer unsere Gaben für unwürdig hält. In seinem Geist gibt es einen Teil, der sich mit dem unseren verbindet, um uns zu danken. Es spielt keine Rolle, ob unsere Gaben verloren oder unwirksam scheinen. Sie werden empfangen, wo sie gegeben werden. In unserer Dankbarkeit werden sie universell angenommen und dankbar vom HERZEN GOTTES SELBST anerkannt.

Vergleichen

Søren Kierkegaard (1813-1855) war ein dänischer Philosoph, Essayist, evangelisch-lutherischer Theologe und religiöser Schriftsteller. Ein Zitat von ihm lautet: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Wenn man es richtig versteht, verweist dieses Zitat auf eine transzendente Wirklichkeit. Doch das Ego nutzt Vergleiche auch, um seine Illusion von Glück zu erzeugen. Das, was das Ego unter Glück versteht, ist grundsätzlich immer nur relativ. Es entsteht durch Vergleiche und Kontraste. Nur ein vorübergehend gestillter Mangel erzeugt die Illusion von Glück. Im HIMMEL gibt es keine Kontraste, sondern Glück ohne Gegenteil. Das Ego kann sich das allerdings nicht vorstellen und empfindet es daher auch nicht als attraktiv. Für das Ego ist der HIMMEL die Hölle. Unzählige Witze über einen langweiligen Himmel und sinnliche Freuden in der Hölle berichten genau davon.

“Vergleichen muss eine Einrichtung des Ego sein, denn die Liebe tut es nicht.”
(EKIW: Kapitel 24, II. 1. 1.)

Beim Thema Vergleichen ist der zentrale Aspekt allerdings der Vergleich der eigenen Person mit anderen. Das Ego benutzt Vergleiche, um sich entweder besser als der andere zu fühlen - also besonders - oder minderwertig. Doch unser Mitmensch ist der Spiegel, in dem wir das Bild von uns selbst sehen.

Wenn wir also in einem unserer Mitmenschen etwas sehen, das uns abstößt, so ist das etwas, was wir glauben, selbst zu sein, aber vor uns selbst verstecken zu müssen. Deswegen projizieren wir es nach außen. Wenn wir eine derartige Begegnung nutzen, um uns ganz in die Erfahrung des scheinbar anderen zu versetzen und das Licht der Vergebung darauf leuchten lassen, öffnen wir eine Tür in eine andere Welt, in der wir beide glücklich als eins geheilt sein mögen.

Wenn wir in einem unserer Mitmenschen etwas sehen, das dieser besonders toll macht, wenn wir einen Mitmenschen für etwas ganz besonderes halten, dann lädt uns die Stimme des Egos dazu ein, uns minderwertig zu fühlen. Doch auch hier gilt, dass all das Wunderbare, das wir in einem anderen Menschen zu sehen glauben, lediglich das Wunderbare in uns ist, das wir vor uns selbst zu verstecken versuchen, weil wir Angst vor unserer eigenen Wirklichkeit haben.

Wenn wir in einen Menschen Hals über Kopf verliebt sind, dann sehen wir in diesem Menschen das Wunderbare, das wir in uns noch nicht sehen können. Da wir uns dessen meist nicht bewusst sind, wollen wir das Wunderbare vom anderen haben und laufen ihm geblendet hinterher.

Wenn wir einen heiligen Augenblick lang innehalten und nach innen schauen, erkennen wir, dass alles Wunderbare immer schon in UNS IST, weil wir von unseren Mitmenschen nicht getrennt sind und unsere gemeinsame Freude ist grenzenlos. Unsere Freude ist grenzenlos, wenn wir sehen, wie jemand spielt, singt, tanzt, malt oder sich auf die eine oder andere Art und Weise des reinen Seins erfreut.

“Alle Gaben, die meine Brüder geben, gehören mir.”
(EKIW: Lektion 315)

Geben und Empfangen

Eine spirituelle Gesetzmäßigkeit lautet:

"Geben und Empfangen sind in Wahrheit eins."

Im Kurs ist dies Lektion 108. Die Zahl der spirituellen Sucher und Kurs-Schüler, die sich durch diese Aussage betrogen und enttäuscht fühlen, ist groß. Es wird beklagt, dass man es zwar versucht habe, ja sogar bereit war, alles auf Spendenbasis zu tun, aber die anderen nicht bereit waren zu geben.

“Du versuchst dich in Güte und in Vergebung. Doch wendest du sie wiederum zum Angriff, wenn du keine äußere Anerkennung und reichen Dank vorfindest. Deine Gaben müssen in Ehren aufgenommen werden, sonst ziehst du sie zurück.”
(EKIW: Lektion 197, 1. 2.-4.)

Der Glaube, dass es andere gibt, die von mir getrennt sind, ist die Illusion des Egos - die Dualität des Egos. In dieser Illusion bedeutet Geben immer, hinterher weniger zu haben, eben um genau das weniger, das man gerade gegeben hat. Für das Ego ist nur wertvoll, was es nimmt. Dadurch wird der Verlust des anderen unser Gewinn, und so wird nicht wahrgenommen, dass wir nie jemandem etwas nehmen können als uns selbst. Wir nehmen uns die Chance auf spirituelle Befreiung.

Der raffinierteste und subtilste Trick des Egos beim Thema Geben ist das Geben, um zu empfangen. Dies ist eine der zentralen Strategien in besonderen Beziehungen. Da im Denksystem des Egos Geben aber immer bedeutet, hinterher weniger zu haben, führt dies zwangsläufig zu Leiden. Das gilt auch für die persönliche Energie. Wer im Sinne des Egos gibt, wird sich anschließend erschöpft fühlen und irgendwann ein Burnout erleiden. Schuld daran ist jedoch nicht das Geben an sich, sondern die falsche Vorstellung davon. Was das Ego unter Geben und Empfangen versteht, ist ein Vorgang auf der Ebene der Form und geschieht in der linearen Zeit. Wahres Geben und Empfangen geschieht im heiligen Augenblick, also absolut gleichzeitig, und ist ein Geschehen auf der Ebene des Geistes.

“Der Friede und die Freude GOTTES sind dein. Heute wollen wir sie annehmen, in der Erkenntnis, dass sie uns gehören. Und wir wollen zu verstehen suchen, dass diese Gaben sich vermehren, indem wir sie empfangen. Sie sind nicht wie die Gaben, die die Welt zu geben hat, bei denen der Schenkende verliert, wenn er die Gabe gibt, und der Empfänger reicher wird durch den Verlust des andern. Das sind nicht Gaben, sondern ein mit der Schuld abgeschlossener Handel. Die wahrheitsgemäß gegebene Gabe zieht keinen Verlust nach sich. Es ist unmöglich, dass jemand gewinnen könnte, weil ein anderer verliert. Das setzt eine Begrenzung und einen Mangel voraus.”
(EKIW: Lektion 105, 1.)

Auch die in spirituellen Kreisen beliebte Idee des "Energieausgleichs" ist eine Idee aus dem Denksystem des Egos, eine Idee, die auf dem Glauben an Trennung beruht. Ein Ungleichgewicht, das es auszugleichen gilt, kann es nur zwischen Getrennten geben. Da Geben und Empfangen in Wahrheit eins sind, kann es kein Ungleichgewicht geben und folglich auch kein Bedürfnis nach Ausgleich.

Das bedeutet nicht, dass wir für eine Dienstleistung oder ein Produkt kein Geld nehmen dürfen. Es bedeutet nur, dass wir uns bewusst sind, dass Tauschen oder beschönigend ausgedrückt "Ausgleichen" eine Idee aus dem Denksystem des Egos ist, dass wir aber alles, was das Ego gemacht hat, dem Heiligen Geist übergeben können, damit ER es zu unserer Erlösung verwenden kann. Das Problem ist nie eine Handlung auf der Ebene der Form an sich, sondern immer die geistige Haltung dahinter.

Natürlich können Illusionen nicht gleichzeitig gegeben und empfangen werden, weil sie Illusionen sind. Das Einzige, was wir wirklich geben und empfangen können, ist die Wahrheit in all ihren Ausprägungen, wie Ruhe, Geistesfrieden, Sanftmut und Wohlwollen. Letztlich ist es immer LIEBE, die wir geben und empfangen und dadurch ausdehnen.

“Wenn du einen materiellen Besitz teilst, teilst du das Eigentum daran auf. Wenn du jedoch eine Idee teilst, schmälerst du sie nicht. Sie ist noch immer ganz dein, obschon du sie ganz weggegeben hast. Nimmt ferner der, dem du sie gibst, sie als seine an, dann verstärkt er sie in deinem Geist und mehrt sie dadurch. Wenn du die Vorstellung annehmen kannst, der zufolge die Welt eine Welt der Ideen ist, dann ist der ganze Glaube an die falsche Assoziation, die das Ego zwischen Geben und Verlieren herstellt, dahin.”
(EKIW: Kapitel 5, I. 1. 10.-14.)

Wenn wir uns von der Idee des materiellen Besitzes befreien, befreien wir uns auch davon, dass wir etwas verlieren, wenn wir materielle Dinge geben. Die Erfahrung, dass Geben und Empfangen sogar auf der Ebene der Form eins sind, machen fast alle Eltern mit ihren kleinen Kindern. Da wir uns mit unseren Kindern, vor allem wenn sie noch sehr klein sind, identifizieren, sie also als Teil von uns empfinden, erleben wir, dass wir alles, was wir unseren Kindern geben, uns selbst geben. Auf dem spirituellen Weg geht es darum, einen Zustand zu erlangen, in dem wir nichts als von uns getrennt erleben, also einen Zustand, in dem Geben und Empfangen grundsätzlich eins sind.

Wenn wir also einem Bettler an der Straßenecke Geld geben, dann nicht, weil wir hoffen es ohnedies wieder zurückzubekommen und schon gar nicht, weil wir auf einen armen, hilfsbedürftigen Menschen herabblicken, sondern um uns beide sowohl an unsere Einheit als auch an die Wahrheit jenseits der Form zu erinnern, die keine Armut und keinen Mangel kennt. Wir teilen mit ihm die Idee unserer göttlichen Vollkommenheit. Jeder von uns ist genau so wohlhabend wie sein Bruder, denn wir haben die VOLLKOMMENE LIEBE GOTTES.

“Glauben, dass es möglich ist, viel für wenig zu bekommen, heißt glauben, dass du mit GOTT handeln kannst. GOTTES Gesetze sind immer gerecht und vollkommen beständig. Durch Geben empfängst du. Empfangen aber heißt annehmen, nicht haben wollen. Es ist unmöglich, nicht zu haben, wohl aber möglich, nicht zu erkennen, dass du hast. Die Einsicht, dass du hast, ist die Bereitwilligkeit zu geben, und durch diese Bereitwilligkeit allein kannst du begreifen, was du hast.“
(EKIW: Kapitel 9, II. 11. 2.-7.)

Dieser Gedanke, dass Geben und Empfangen in Wahrheit eins sind, versöhnt alle scheinbaren Gegensätze. Das wahre Licht, das wahre Schau ermöglicht, ist nicht das Licht, welches des Körpers Augen sehen. Es ist ein Geisteszustand von einer solchen Geeintheit, dass Dunkelheit überhaupt nicht wahrgenommen werden kann. Somit wird das, was gleich ist, als eins gesehen, während das, was nicht gleich ist, unbeachtet bleibt, denn es ist nicht da.

“Schütze alle Dinge, die du wertschätzt, durch den Akt, sie wegzugeben, und du bist sicher, dass du sie nie verlieren wirst.”
(EKIW: Lektion 187, 4. 1.)

Wenn wir beim “Geben” erschöpft sind oder gar ein Burnout erleiden, dann haben wir in Wahrheit nicht wirklich gegeben. Wir wollten etwas haben. Im Zustand der Ego-Identifikation handeln wir meist aus dem Wunsch nach Anerkennung und Dank. Wir wollen also Anerkennung und Dank, und wenn wir sie scheinbar bekommen, erfüllt uns das mit Stolz. In diesem Geisteszustand ist der hinter dem “Geben“ verborgene Stolz meist nicht nur unbewusst, sondern wird auch noch vehement verleugnet. Diese Geisteshaltung ist ein Ausdruck von Größenwahn. Es ist leicht, Größe von Größenwahn zu unterscheiden, weil Liebe erwidert wird, Stolz aber nicht. Stolz erzeugt keine Wunder und entzieht uns daher die wahren Zeugen unserer Wirklichkeit. Durch wahrhaftiges Geben empfangen wir. Empfangen aber heißt annehmen, nicht haben wollen. Was wir annehmen, ist die Liebe GOTTES. Wenn wir also wahrhaftig geben, werden wir durch jeden Akt des Gebens gestärkt und nicht geschwächt. Dass Geben und Empfangen identisch sind, spiegelt das im HIMMEL geltende Prinzip des Überflusses und das Gesetz der Ausdehnung wider: Der Geist kann nie etwas verlieren, denn wenn man Liebe gibt, empfängt man sie.

“In der Bibel steht, dass du mit einem Bruder doppelt so weit gehen sollst, wie er dich bittet. Gewiss rät sie nicht, dass du ihn auf seinem Weg zurückwerfen sollst. Hingabe an einen Bruder kann auch dich nicht zurückwerfen. Sie kann nur zu gegenseitigem Fortschritt führen. Die Folge aufrichtiger Hingabe ist Inspiration, ein Wort, welches das Gegenteil von Erschöpfung ist, wenn man es richtig versteht. Erschöpft sein heißt uninspiriert sein, inspiriert sein aber heißt im reinen Geist sein. Egozentrisch sein ist uninspiriert sein, aber im richtigen Sinne SELBSTzentriert sein heißt inspiriert oder im reinen Geist sein. Die wahrhaft Inspirierten sind erleuchtet und können nicht in der Dunkelheit weilen.”
(EKIW: Kapitel 4, Einleitung, 1.)

Langeweile

Das Ego braucht ständig Veränderung - beruflich, privat, beziehungsmäßig, sonst wird es ihm langweilig. Das Ego sucht immer nach neuen aufregenden Erlebnissen - ob emotional, sexuell oder “spirituell”, spielt keine Rolle. Das Ego ist geil darauf, dieses zu erleben oder jenes zu erleben. Aber was auch immer es ist, es verliert schnell das Interesse daran und braucht etwas Neues.

Doch nichts ist an sich langweilig, nichts ist immer gleich und eintönig - wir im Zustand der Ego-Identifikation sind es, und wir unterlegen allem, was wir tun, unsere eigene Beschaffenheit. Kein Tun ist an sich langweilig, und kein Tun kann an sich kurzweilig sein - wir sind es, der es langweilig oder kurzweilig macht. Ein und dieselbe Sache kann uns in diesem Moment langweilen und schon im nächsten Augenblick in reinste Seligkeit umschlagen. Nicht, weil das Tun sich geändert hätte: Unsere Stimmung, die Qualität, die wir in unser Tun einbringen, hat sich geändert. Vergessen wir also nicht: Wir sind nicht deswegen gelangweilt, weil wir immer gleiche Aufgaben zu verrichten haben. Im Gegenteil: Wir sind gelangweilt - nur darum kommen sie uns immer gleich vor.

Kleine Kinder zum Beispiel wollen immer das Gleiche machen. Sie spielen ein und dasselbe Spiel immer und immer wieder. Uns wird das langweilig. Was tun sie nur? Immer wieder dasselbe Spiel. Immer wieder wollen sie dasselbe Märchen hören. Sie genießen es immer wieder, und sie sagen: “Erzähl mir die Geschichte noch mal.” Was ist nur mit ihnen los? Wir können uns so etwas nicht vorstellen, es wirkt blöd. Das ist es nicht. Sie sind einfach so lebendig, dass nichts für sie immer gleich ist. Sie haben eine andere Bewusstseinsqualität. Nichts ist für sie Wiederholung. Sie genießen es so sehr, dass ihre Freude alles verändert.

Betrachten wir es noch aus einem anderen Blickwinkel. Zwei Liebende werden jeden Tag dieselben Dinge wiederholen. Sie werden sich küssen, und sie werden sich umarmen - also immer dieselben Dinge. Und am liebsten würden sie bis in alle Ewigkeit damit weitermachen. Wenn man zwei Liebenden zuschaut, langweilt man sich sehr bald. Was machen sie nur? - Jeden Tag dasselbe. Und wenn man sie den ganzen Tag lang lässt, dann werden sie sich immerzu wieder drücken, lieben, umarmen, küssen. Was machen sie da?

Liebende sind wieder Kinder geworden. Darum ist Liebe so unschuldig - sie macht uns wieder zum Kind. Liebende kennen keine Langeweile. Jeder Kuss ist etwas absolut Neues, Einmaliges. So war es noch nie, so wird es nie wieder sein. Jeder Augenblick der Liebe hat seine eigene individuelle Existenz, nicht wiederkehrend.

Es kommt also in Wirklichkeit nicht darauf an, ob dieses oder jenes uns langweilt oder ob uns Wiederholung oder Eintönigkeit oder fade Jobs langweilen. Der springende Punkt ist, dass wir uns im Zustand der Ego-Identifikation langweilen, was immer wir tun oder nicht tun. Wir sehen in der Welt das, was in unserem Geist ist, und das, was wir sehen wollen, ist dort. Wenn wir wollen, dass GOTT in unserem Geist ist, dann wird er dort sein und wir werden IHN in allem sehen.

“GOTT ist in allem, was ich sehe, weil GOTT in meinem Geist ist.”
(EKIW: Lektion 30)

Leben im Jetzt

Wenn der vom Ego getriebene Verstand zum ersten Mal vom Leben im “Hier und Jetzt” hört und vielleicht das berühmte Buch von Eckhart Tolle mit dem Titel „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ gelesen hat, ist die Gefahr groß, auf einen weiteren Trick des Egos hereinzufallen. Gerade Menschen, deren Persönlichkeitsstruktur auf schnelle, oberflächliche Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet ist, sind besonders anfällig für dieses egoische Missverständnis. Man versucht dann, keine Termine mehr auszumachen und keine weltlichen Verpflichtungen mehr einzugehen, um spontan nach Lust und Laune entscheiden zu können. Aber das ist nicht gemeint, mit dem Leben im Jetzt, mit dem Leben im heiligen Augenblick.

Gerade spirituelle Lehrer, die im heiligen Augenblick ruhen, wie z.B. Eckhart Tolle, haben über Jahre hinweg einen vollen Terminkalender. Der entscheidende Unterschied zu einem Menschen, dessen Geist noch ganz in der linearen Zeit gefangen ist, besteht darin, dass ein Geist, der im heiligen Augenblick ruht, von all den Terminen im Kalender nicht im geringsten berührt und in seinem Geistesfrieden nicht im geringsten gestört wird.

Termine sind in dieser Welt und im Zusammenleben von uns Menschen einfach sinnvoll und notwendig. Kein spirituelles Seminar könnte jemals stattfinden, wenn sich nicht alle Beteiligten, d.h. der spirituelle Lehrer, die Seminarorganisatoren und die Teilnehmer auf einen gemeinsamen Termin verpflichten würden. Im Zustand des aus der Illusion der Zeit erwachten Geistes geschieht das “Verabreden” zwar immer noch, aber es geschieht im Hier und Jetzt unter der Führung des HEILIGEN GEISTES. Und wenn der Termin einmal festgelegt und im Kalender eingetragen ist, findet im Geist keine weitere Beschäftigung mehr damit statt. Während der vom Ego getriebene Geist ständig mit allen zukünftigen Terminen beschäftigt bleibt und entweder mit Sorge oder mit Freude darauf reagiert. Und genau dadurch wird das Hier und Jetzt vermieden. Wenn also jemand im Zustand der Ego-Identifikation versucht, Termine und Verpflichtungen zu vermeiden, dann ist das ein Ausdruck von Angst davor und nicht ein Ausdruck von Liebe und Geistesfrieden.

Für das Ego ist die Spontaneität und die freie Entscheidung auf der Ebene der Form so wichtig, weil es daraus seine Lust und Freude bezieht, während die Lust des in GOTT ruhenden Geistes daher rührt, den WILLEN GOTTES zu tun, und seine Freude die Freude GOTTES ist. Dieses Vergnügen und diese Freude sind völlig unabhängig von dem konkreten Geschehen auf der Ebene der Form.

Aber am Weg des spirituellen Erwachens, unsere Wachsamkeit nur für GOTT und SEIN REICH einzusetzen, erfordert Engagement und ist eine Verpflichtung, von der das Ego nichts wissen will. Aber gerade um das zu üben, können wir auch unsere weltlichen Verpflichtungen nutzen. Die erste Lektion des HEILIGEN GEISTES lautet: “Damit du hast, gib allen alles.”

“Die SÜHNE ist eine totale Verpflichtung. Du denkst vielleicht noch immer, das gehe mit Verlust einher, ein Fehler, den alle getrennten SÖHNE GOTTES auf die eine oder andere Art begehen.”
(EKIW: Kapitel 2, II. 7. 1.-2.)

“Unter der Anleitung des HEILIGEN GEISTES wird jede Beziehung als eine totale Verpflichtung angesehen, und dennoch steht sie keineswegs mit andern in Konflikt.”
(EKIW: Kapitel 15, VI. 1. 3.)

“Das Ego denkt, es sei ein Vorteil, sich nichts Ewigem zu verpflichten, weil das Ewige von GOTT kommen muss.”
(EKIW: Kapitel 4, VI. 6. 1.)

Verpflichtung

“Unter der Anleitung des HEILIGEN GEISTES wird jede Beziehung als eine totale Verpflichtung angesehen, und dennoch steht sie keineswegs mit andern in Konflikt.”
(EKIW: Kapitel 15, VI. 1. 3.)

Wenn wir über den spirituellen Weg und wenn wir über Beziehungen sprechen, taucht ein bestimmtes Wort auf – das Wort “Verpflichtung”. Für viele löst das Wort “Verpflichtung” Angst aus. Worum geht es bei der Angst? Es ist die Angst vor der Liebe, die Angst, sich an etwas zu binden, die Angst, gefangen zu sein. Jesus sagt im Kurs, dass das Ego nicht weiß, was Verpflichtung ist. Das Ego ist impulsiv; es kennt sich selbst nicht; es weiß nicht, was irgendetwas bedeutet. Es ist ein Hauch von Nichts. Was könnten wir von ihm erwarten? Es denkt, dass es viel weiß, aber es hat Angst vor der Liebe und weiß nicht, was Verpflichtung ist.

Jesus beschreibt die SÜHNE, die der Weg ist, um aus dieser Welt, aus diesem Traum der Trennung aufzuwachen, als eine totale Verpflichtung. Wenn das Ego also nicht weiß, was Verpflichtung ist, und die SÜHNE eine totale Verpflichtung ist, wird die Richtung offensichtlich. Der HEILIGE GEIST muss die Idee einführen, dass alle Verpflichtungen in Zeit und Raum als vorübergehende Verpflichtungen genutzt werden. Deshalb haben wir Beziehungen, Partnerschaften und Ehen. Der HEILIGE GEIST muss die Verpflichtung einführen, damit wir beginnen, unseren Geist zu disziplinieren, zu schulen und zu läutern. Letztendlich führt uns das zu unserer Verpflichtung zu vergeben, was unsere Verpflichtung ist, um GOTT zu kennen.

Jede Beziehung ist eine totale Verpflichtung in Bezug auf den ZWECK. Das Ego glaubt das nicht und fragt: “Was soll das heißen? Wie kann jede Beziehung eine totale Verpflichtung sein?” Der ZWECK verweist uns zurück auf den Geist. Es gibt einen ZWECK unter all unseren Erinnerungen und Bildern, der sie vereint und uns zu GOTT zurück bringt.

Wir können zeitlich begrenzte Verpflichtungen als Sprungbrett für eine vollständige Verpflichtung zum GEISTESFRIEDEN verwenden. In einer Partnerschaft können wir uns zum Beispiel zu einem HÖHEREN ZWECK verpflichten, nämlich Heilung zu unserer obersten Priorität zu machen. Der richtige Umgang mit Beziehungen bedeutet, dass wir lernen, Erwartungen loszulassen, nicht mehr zu versuchen, von unserem Partner etwas zu bekommen oder ihn zu verändern. Wenn wir all diese Ego-Projektionen loslassen, können wir das auf jeden übertragen, dem wir begegnen.

So kommen wir zur Agape-Liebe, zur bedingungslosen Liebe. Wir haben dieselbe Verpflichtung gegenüber allen. Es gibt keine Hierarchie, in der wir sagen, okay, hier sind die wichtigen Menschen in meinem Leben, und da sind die restlichen acht Milliarden, die mir gleichgültig sind. Wenn ich sie kommen sehe, werde ich einfach an ihnen vorbeigehen. Oder muss ich lächeln? Jesus sagt ja – sie sind alle wir, und sie sind alle wichtig. Wir müssen lernen, die Liebe auf sie alle auszudehnen. Wir müssen ihnen denselben liebevollen Segen zukommen lassen, weil wir ihn brauchen. In dem wir uns zu dieser Ausdehnung der Liebe verpflichten, erfahren wir, dass wir geliebt werden.

Was immer wir in einer anderen Person wahrnehmen, was wir absolut inakzeptabel finden, ist etwas, das wir in unserem eigenen Geist glauben. Sie spielen es uns einfach vor. Wenn wir zum Beispiel jemanden als faul, gefühllos oder unintelligent wahrnehmen, spiegelt er unsere eigene Überzeugung wider, dass dies möglich ist. Wir müssen es erst glauben, bevor wir es wahrnehmen können. So funktioniert Projektion. Wir versuchen, es zu verleugnen und denken: Oh, so bin ich überhaupt nicht und ich kann nicht mit so jemandem zusammen sein. Aber wenn wir einen Partner für einen anderen verlassen, werden dieselben Dinge, die uns vorher gestört haben, wieder reflektiert. Sie können die Form von Ablehnung, Verlassenheit oder irgendetwas anderem annehmen, das ein ständiges Muster in unserem Leben war.

Wenn wir uns unserer Denkmuster bewusst werden, können wir anfangen, Dankbarkeit für unseren Partner zu empfinden. Wir können ihm dafür danken, dass er uns unsere ungeheilten Stellen zeigt. Wenn wir anfangen zu erkennen, dass uns die Menschen nichts antun, werden wir bewusster, unser Bewusstsein beginnt sich zu erweitern. Wenn wir erkennen, dass wir uns das selbst in unserem Bewusstsein antun, können wir es stoppen. Wir müssen an den alten Denkmustern nicht mehr festhalten.

Ziel

Die Aussage “go with the flow” weist, richtig verstanden, auf eine tiefe spirituelle Wahrheit hin. Aber das Ego versteht die Wahrheit nicht und interpretiert auch diesen Spruch in seinem Sinne, indem es uns zu einer Haltung des “Lass es geschehen und schaue, was dabei herauskommt” einlädt. Danach beurteilen wir, ob es sich “stimmig” oder “unstimmig” angefühlt hat. Aber in Wirklichkeit führt das Ziel, das wir uns gesetzt haben, zum Ergebnis, und wenn unser Ziel die Wahrheit ist, dann werden wir dieses Ziel erreichen, unabhängig davon, was auf der Ebene der Form geschieht. Nicht die Situation bringt die Erfahrung. Die Situation ist so, wie sie vom Ziel bestimmt wird, und wird gemäß dem Ziel erfahren.

“In jeder Situation, in der du unsicher bist, ist das erste, was es zu bedenken gilt, ganz einfach: »Welches Ergebnis will ich? Wozu dient es?« Die Klärung des Ziels gehört an den Anfang, denn dieses ist es, dass das Resultat bestimmen wird. Im Vorgehen des Ego wird dies umgekehrt. Die Situation bestimmt über das Ergebnis, das etwas Beliebiges sein kann. Der Grund für diesen desorganisierten Ansatz ist offensichtlich. Das Ego weiß nicht, was nach seinem Wunsch aus der Situation entstehen soll. Es ist sich wohl bewusst, was es nicht will, aber nur dessen. Es hat überhaupt kein positives Ziel.

Ohne ein klar umrissenes, positives Ziel, das am Anfang festgesetzt wird, scheint die Situation einfach zu geschehen und ergibt so lange keinen Sinn, bis sie bereits geschehen ist. Und dann schaust du darauf zurück und versuchst dir einen Reim darauf zu machen, was sie bedeutet haben mag. Und du wirst dich irren. Nicht nur liegt dein Urteil in der Vergangenheit, sondern du hast auch keine Ahnung, was geschehen sollte. Es wurde kein Ziel festgesetzt, auf das die Mittel auszurichten waren. Und jetzt ist das einzige Urteil, das noch zu fallen bleibt, jenes, ob es dem Ego gefällt oder nicht; ist es annehmbar, oder ruft es nach Rache? Da es kein vorher festgelegtes Kriterium für das Ergebnis gibt, wird das Verständnis zweifelhaft und eine Bewertung unmöglich.

Der Wert, der darin liegt, wenn du dich im voraus entscheidest, was nach deinem Wunsch geschehen soll, ist einfach der, dass du die Situation als ein Mittel wahrnehmen wirst, es geschehen zu lassen. Du wirst dir deshalb jede Mühe geben, über alles hinwegzusehen, was dem Erreichen deines Ziels im Wege steht, und dich auf alles konzentrieren, was dir dazu verhilft, es zu erreichen. Es ist ganz augenfällig, dass dieser Ansatz dich dem nähergebracht hat, wie der HEILIGE GEIST Wahrheit von Falschheit trennt. Das Wahre wird das, was sich nutzen lässt, um das Ziel zu erreichen. Das Falsche wird von diesem Standpunkt aus gesehen das, was nutzlos ist. Die Situation hat jetzt eine Bedeutung, aber nur, weil das Ziel sie bedeutungsvoll gemacht hat.

Das Ziel der Wahrheit hat weitere praktische Vorteile. Wenn die Situation für die Wahrheit und geistige Gesundheit genutzt wird, dann muss ihr Ergebnis Frieden sein. Und das ganz abgesehen davon, was das Ergebnis [auf der Ebene der Form] ist. [...] Du wirst das Ergebnis erkennen, weil du in Frieden bist. Hier siehst du wiederum das Gegenteil der Sichtweise des Ego, denn das Ego glaubt, dass die Situation die Erfahrung bringt. Der HEILIGE GEIST weiß, dass die Situation so ist, wie sie vom Ziel bestimmt wird, und das sie dem Ziel gemäß erfahren wird.”
(EKIW: Kapitel 17, VI. 2.-5.)

Damit wir das Ziel der Wahrheit auch tatsächlich erreichen, brauchen wir die Führung durch den HEILIGEN GEIST, denn dem Ego fehlt das Verständnis für die Situation. Das Ego nimmt die Situation nicht als Ganzes wahr. Wenn beispielsweise in einer Gruppe jemand einen Wutanfall bekommt, dann wird das Ego diesen Wutanfall getrennt von der Gesamtsituation betrachten und versuchen, sich damit gesondert zu befassen. Nur der HEILIGE GEIST versteht, wie der Wutanfall ein Teil der Gesamtsituation ist und zur Berichtigung aller an der Situation Beteiligten in wundervollster Weise genutzt werden kann.

Was bisher geschah …

Bei gesundheitlichen Problemen gingen wir zum Arzt, bei depressiven Verstimmungen zum Psychotherapeuten, Sozialarbeiter oder Astrologen. Später nahmen wir Beruhigungsmittel, wir bekamen ein paar Hormonspritzen, versuchten es mit Schüssler Salzen, ließen unseren Mineralspiegel ausgleichen, namen Eisenpräparate, wir versuchten es mit chinesischen Kräutern, Akupunktur und Blüten Essenzen. Wir suchten einen Homöopathen auf, einen Chiropraktiker, einen Heilpraktiker und versuchten es mit Kinesiologie. Wir unterzogen uns einer Wirbelsäulentherapie nach Dorn, einer Rolfing-Therapie, einer Colon-Hydro-Therapie und versuchten die Bio-Resonanz-Methode. Wir probieren es mit Shiatsu, Akupressur und Feng Shui. Wir versuchten es mit Zittern und Schütteln nach der TRE- und FSR-Methode und mit progressiver Muskelentspannung nach Jacobson. Wir machten Qi Gong, Tai chi, Ecstatic Dance und 5-Rhythmen. Wir begannen uns mit Ernährung zu beschäftigen, wir wurden zuerst Vegetarier, dann Veganer und aßen nur noch Kohl, versuchten es mit Makrobiotik, mit ayurvedischer Ernährung, nahmen nur noch Bio-Kost zu uns, aßen keine genetisch manipulierten Nahrungsmittel mehr. Wir ließen uns auf Histamin, Gluten, Laktose und Fruktose-Unverträglichkeit testen. Wir tranken grünen Tee und versuchten, uns zu verwirklichen. Wir nahmen an einem Retreat teil, versuchten zu fasten, nahmen Aminosäuren ein, kauften uns einen negativen Ionengenerator und einen Quantensensor. Wir beklopften uns nach der EFT-Methode, wir ließen uns die Chakren ausbalancieren, gingen zur Ohrakupunktur, machten eine Irisdiagnose, ließen uns mit farbigem Licht, Klangschalen und Kristallen heilen. Wir beschäftigten uns ein bisschen mit Religion und Quantenphysik und machten einen Philosophiekurs. Wir gingen zu indianischen Medizinmännern und versuchten es mit einer Schwitzhütte. Wir bastelten einen Traumfänger und weihten ihn mit einem Smudging-Ritual ein. Wir machten Familienaufstellungen, eine Geburtstrauma-Therapie, Schattenarbeit und versuchten es mit holotropen Atmen. Wir nahmen an einer Gruppe, die sich der Erweiterung des Bewusstseins verschrieben hat, teil. Wir gingen nach Indien, fanden einen neuen Guru, entledigten uns unserer Kleider, schwammen im Ganges, starrten in die Sonne, rasierten unseren Kopf, aßen mit den Fingern und duschten nur noch mit kaltem Wasser. Wir chanteten zuerst indianische und danach indische Gesänge, durchlebten erneut vergangene Leben, versuchten es mit hypnotischer Rückführung und einer Urschreitherapie. Wir schrieen, prügelten auf Kissen ein und machten eine Feldenkrais-Therapie. Wir probieren es mit positiven Affirmationen, erstellten uns eine Traumcollage und nahmen am Rebirthing teil. Wir versuchten es mit Tarotkarten und dem I-Ging. Wir nahmen an noch mehr Kursen und Workshops teil, lasen viele Bücher und machten eine Transaktionsanalyse. Wir gingen zum Yoga Unterricht, wir beschäftigten uns mehr mit dem Okkulten, studierten Magie und unternahmen schamanische Reisen. Wir saßen unter einer Pyramide und in einem thailändischen Waldkloster und meditieren bis zum Umfallen. Wir lasen Nostradamus und bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Wir besuchten heilige Männer, wir standen Hände halten in einem Kreis, wir verzichteten auf Sex und auf Kinobesuche. Wir trugen gelbe Roben und versuchten dabei endlos viele psychotherapeutische Variationen. Wir nahmen Wunderheilmittel, aßen nur noch Grapefruit und gingen zum Palmenblatt-Leser. Wir rauchten und schluckten diverse Substanzen, um unser Bewusstsein zu erweitern. Wir dachten New Age Gedanken, verbesserten die Ökologie, retteten den Planeten, ließen uns die Aura lesen, kriegten einen Kristall und erhielten eine indische astrologische Deutung. Wir versuchten es mit tantrischem Sex und ließen uns von Baba so und so segnen. Wir traten einer anonym Gruppe bei, reisten nach Lourdes und tauchten in heiße Quellen ein. Wir trugen therapeutische Sandalen, gingen barfuß, erdeten uns, versuchten uns von Licht zu ernähren und atmeten diese fade schwarze Negativität aus.

Wir haben all das bereits versucht und wir suchen weiter. Was treibt uns an, weiterhin nach der Antwort zu suchen? Es ist das Leid, doch da steckt noch etwas mehr dahinter, eine ultimative Antwort wartet. Es ist die Sehnsucht des Lebens nach Erfüllung. Es ist eine berechtigte Suche, aber die Suche an der falschen Stelle. Das Ego sucht immer nach einem Erlebnis - ob emotional, sexuell oder “spirituell”, spielt keine Rolle. Das Ego ist geil darauf, dieses zu erleben oder jenes zu erleben, Kundalini zu erleben oder den siebten Körper zu erleben. Das Ego jagt immer hinter Erlebnissen her. Die wahre Suche ist keine Gier nach irgendwelchen Erlebnissen, weil jegliches Erlebnis uns letzten Endes enttäuschen wird, uns zwangsläufig enttäuschen muss. Denn alle Erlebnisse drängen auf Wiederholung. Dann hat man es irgendwann satt; dann wird man wieder irgendein neues Erlebnis fordern. Die Suche “nach etwas Neuem” ist das Kennzeichen des Egos. Das Ego ist eine Gier nach neuen Erlebnissen. Und jedes neue Erlebnis wird alt werden, weil alles Neue alt wird - dann wieder dasselbe … Spiritualität ist in Wirklichkeit kein Suchen nach Erleben. Spiritualität ist ein Suchen nach dem wirklichen Wesen, das in uns ist. Mit dem Erkennen der inneren wahren Wirklichkeit, des wahren SEINS, hört jegliche Suche auf. Und das ist jetzt der Unterschied zwischen echter und unechter Spiritualität: Wenn wir auf Erlebnisse aus sind, ist die Spiritualität unecht. Wenn wir auf den Erlebenden aus sind, dann ist sie echt.

Die Krise ist der Ausgangspunkt, der die Suche nach Befreiung einleitet - eine Suche, deren Ziel die existentielle Erkenntnis der eigenen Unsterblichkeit und der Einheit mit allem SEIN ist. In diesem Sinne wird die Krise zur Gnade. Doch wir verstehen das Problem nicht, denn wir wissen nicht, wer wir sind und was die Welt ist. Dieses Eingeständnis der eigenen Unwissenheit ist die Grundlage, mit diesem “Ich verstehe nichts, …”, “Ich weiß nicht, …” beginnen die ersten Lektionen des Lehrplans am Weg des spirituellen Erwachens. Und wie einst Sokrates („Wahre Weisheit besteht darin, zu wissen, was man nicht weiß.“) werden auch wir am Ende unseres Suchens in diesem glückseligen Zustand des Nichtwissens ankommen. Deswegen sagte Buddha: “Leere deinen Geist.” Erst im Zustand des Nichtwissens sind wir bereit für wahre Erkenntnis - für die Offenbarung unseres Einsseins und den Frieden GOTTES.

“Jedes Mal, wenn du zu wissen glaubst, scheidet der Frieden von dir, weil du den LEHRER des Friedens verlassen hast. Jedes Mal, wenn dir vollauf klar wird, dass du nicht weißt, kehrt der Frieden wieder, denn du hast IHN dazu eingeladen, indem du das Ego zu SEINEN Gunsten aufgegeben hast.”
(EKIW: Kapitel 14, XI. 13. 3.-4.)

Aber um überhaupt zu erkennen, dass wir uns bisher in allem, was wir zu wissen glaubten, grundlegend geirrt haben, bedarf es einiger Worte. Es klingt widersprüchlich, paradox, doch alle Worte aller Mystiker dienen nur dazu, uns zum Tempel des Schweigens zu bringen - uns zum Schweigen zu bringen, uns ins Schweigen zu locken. Jesus hat uns nicht umsonst einen Kurs mit über 500.000 Wörtern gegeben. Wenn wir uns bis an den Punkt mit Worten vollgesogen haben, an dem wir still werden könnten, dann gilt es, alles intellektuelles Wissen wegzuwerfen; es ist wertlos, ja es ist gefährlich, es mitzuschleppen.

Buchtipps


  • Ein Kurs in Wundern - Original Edition - Textbuch als Hörbuch gesprochen von Martin G. Weber-Caspers

    Aufgrund einiger begrifflicher Ungenauigkeiten in der sogenannten “Original Edition”, insbesondere in den ersten Kapiteln, empfehle ich jedem Kurs-Schüler, zu Beginn des Kurses die überarbeitete Fassung zu lesen, dessen deutsche Version der Greuthof Verlag vertreibt. Dass die “Original Edition” in den Jahren 1973 bis 1975 von Kenneth Wapnick in Zusammenarbeit mit Helen Schucman überarbeitet wurde, war nur folgerichtig und ohnedies mit Jesus abgestimmt. In der “Original Edition” finden sich neben einigen begrifflichen Ungenauigkeiten noch viele Details, die speziell für die beiden Psychologen Schucman und Thetford gedacht waren, wie z.B. eine genaue Analyse der Arbeiten Sigmund Freuds, die für viele Leser nicht von Bedeutung sind. Wer jedoch auch an diesen vertiefenden Beispielen interessiert ist, wird auch mit der “Original Edition” viel Freude haben.

    Wenn ich hier die Hörbuchversion der sogenannten “Original Edition” erwähne, dann nur wegen des gesprochenen Wortes. Wenn wir die wunderbare Stimme des Sprechers und seine Intonation hören, haben wir noch mehr das Gefühl, direkt von Jesus angesprochen zu werden.


  • Einführung in EIN KURS IN WUNDERN – Kenneth Wapnick

    Mit diesen Betrachtungen über einen anderen Weg zum inneren Frieden hilft uns Kenneth Wapnick, die wichtigsten Aussagen von Ein Kurs in Wundern besser zu verstehen. Er erläutert einprägsam die wesentlichen Schlüsselbegriffe und gibt uns eine solide Grundlage für ein umfassenderes Eindringen in dieses einmalige Werk. Behutsam lässt er die Lehre des Kurses für uns lebendig werden und zeigt, wie wir sie sinnvoll in unseren Alltag integrieren können. Diese Einführung ist ein ideales “Sprungbrett” zu einem fundierten Verständnis von Ein Kurs in Wundern.


  • This Moment Is Your Miracle - David Hoffmeister

    Ein Kurs in Wundern lehrt uns, dass Frieden unser natürlicher Zustand ist. In Davids Buch, das auf Ein Kurs in Wundern basiert, wird der Grund dafür sehr deutlich.


  • Die Illusion des Universums - Gary Renard

    Gespräche mit Meistern über Religion, Reinkarnation und das Wunder der Vergebung. Dieses Buch bietet einen guten Überblick über den Kurs und sein Anliegen und ist somit eine gute Vorbereitung auf den Kurs.


  • Loslassen. Der Pfad widerstandsloser Kapitulation. - David R. Hawkins

    Dieses Buch beschreibt den heilsamen Umgang mit Gefühlen. Außerdem enthält es eine wunderbare Beschreibung einer mystischen Erfahrung, einer Auflösung des Ich-Bewusstseins. Das Buch enthält auch einige Ideen und Konzepte aus dem Ego-Denksystems, aber für Kurs-Schüler sollte das kein Problem sein, denn es ist der Prozess des Übersehens, auf welchen der Kurs abzielt. Hawkins verweist in seinem Buch auf Ein Kurs in Wundern.

    Die früheren Bücher des Autors konzentrierten sich auf die fortgeschrittenen Zustände von Gewahrsein und Erleuchtung. Im Laufe der Jahre fragten tausende von Studenten nach einer praktischen Technik, mit der innere Blockaden beseitigt werden könnten - Blockaden bezüglich Glück, Liebe, Freude, Erfolg, Gesundheit und letztendlich Erleuchtung. Dieses Buch stellt einen Mechanismus zum Loslassen dieser Blockaden bereit. Der Mechanismus der Kapitulation, den Dr. Hawkins beschreibt, kann jederzeit im Alltag angewendet werden.


  • Eine neue Erde - Eckhart Tolle

    Das Buch beschäftigt sich mit dem geistig-seelischen Zustand der Menschheit. Nur wenn wir uns in einem „inneren Raum“ jenseits von Gedanken, Emotionen und reaktivem Verhalten bewegen, erfahren wir Liebe und eine allumfassende Intelligenz. Der Titel bezieht sich auf eine Aussage aus der Bibel, aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21. Er ist etwas ungünstig gewählt, da er sich mit dem Wort “neu” auf die Illusion der linearen Zeit und mit “Erde” auf die Wirkung und nicht die Ursache bezieht. Der Hinweis auf die Erde entspricht zwar dem Zeitgeist, aber nicht der Wahrheit. Es hat keinen Sinn zu versuchen, die “Erde” zu verändern, weil sie bloß eine Wirkung ist. Hingegen hat es in der Tat einen Sinn, unsere Gedanken über die Erde zu ändern. Damit verändern wir die Ursache. Die Wirkung wird sich von selbst verändern.

    “In der Bibel ist die Rede von einem neuen HIMMEL und einer neuen Erde; das kann jedoch nicht wörtlich stimmen, denn die Ewigen werden nicht neu erschaffen.”
    (EKIW: Kapitel 11, VII. 1. 4.)


  • Die Lehren Buddhas

    Es gibt zwar das Buch „Die Lehren Buddhas“ von Jack Kornfield, aber darauf beziehe ich mich hier nicht. Stattdessen möchte ich die Beschäftigung mit Buddhas Lehre ganz allgemein empfehlen. Dazu gibt es unzählige Bücher und mittlerweile auch eine Unzahl an Websites. Ich möchte hier nur auf eine Website verweisen. Speziell im Dhammapada finden sich Sätze, die genauso auch aus dem “Kurs” stammen könnten.

    Das Dhammapada ist eine Anthologie von Aussprüchen des Siddhartha Gautama. Dabei sind die Verse so ausgewählt, dass sie den Kern der Lehre des Buddha wiedergeben. Es ist einer der bekanntesten Texte dieser Lehre und findet seine weiteste Verbreitung im Theravada Buddhismus. Dort begleitet es die Schüler des Buddha vom Anfang bis zum Ende ihres Pfades. Darüber hinaus ist es ein Meisterwerk sowohl der frühen buddhistischen Literatur als auch der indischen Tradition des Kāvya.



  • Das Buch der Geheimnisse - Osho

    Es handelt sich um einen Kommentar zu einer alten tantrischen Schrift, das “Vigyan Bhairav Tantra”, die Shiva der indischen Mythologie zufolge der Welt übergeben hat. Diese fünftausend Jahre alte, indische Schrift über Meditation wird von vielen als der bedeutendste Text über Meditation angesehen. Tantra heißt "die Technik, die Methode, der Weg" und Vigyan Bhairav Tantra heißt "die Technik, über das gewöhnliche Bewusstsein hinauszugelangen". Vigyan heißt Bewusstsein, und Bhairav ist der Zustand jenseits des gewöhnlichen Bewusstseins und wird oft im Sinne von Gott verstanden.

    Diese Schrift enthält 112 Meditationstechniken und das große Versprechen, dass jeder Suchende dort die für ihn stimmige Meditation finden wird. Einige dieser Techniken sind für Menschen, die in der Vergangenheit gelebt haben, und einige für diejenigen, die in der Zukunft leben werden. Diese 112 Meditationen beziehen sich auf Menschen aller Art und berücksichtigen ihre unterschiedlichen Naturen und Temperamente. Sie erfordern keine große Intelligenz, um sie zu verstehen oder sie zu praktizieren. Aber lassen wir uns von ihrer Einfachheit nicht täuschen. Sie öffnen eine Tür zur Ewigkeit.

    Damit du dir vorstellen kannst, worum es bei diesen Meditationstechniken geht, hier ein paar Hinweise:

    4 Sei bewusst, wenn der Atem stillsteht
    5 Richte deine Aufmerksamkeit auf das »Dritte Auge«
    6 Achte während der täglichen Aktivitäten auf die Lücke
    13 Konzentriere dich völlig auf einen Gegenstand
    21 Konzentriere dich auf einen Schmerz im Körper
    24 Beobachte deine Stimmungen
    25 Stopp!
    26 Betrachte irgendein Verlangen
    31 Schau einen Gegenstand als Ganzes an
    32 Sieh einen Gegenstand wie zum ersten Mal
    38 Fühle dich im Mittelpunkt des Klanges
    52 Iss und trinke bewusst
    55 Achte auf die Lücke zwischen Wachen und Schlaf
    56 Sieh die Welt als eine Illusion
    57 Bleibe unbeeinflusst von Begierden
    60 Akzeptieren
    62 Benutze den Verstand als Tür zur Meditation
    65 Urteile nicht
    66 Betrachte das Unveränderliche in dir
    68 Sei ohne Hoffnung
    75 Denke daran, dass du Licht bist
    78 Entwickle reine Aufmerksamkeit
    84 Löse dich von der Bindung an den Körper
    89 Schließe alles in dein Dasein mit ein
    98 Fühle Frieden in deinem Herzen
    106 Werde eins mit jedem Wesen
    107 Erkenne, dass nur Bewusstsein existiert
    110 Sei spielerisch in deinen Handlungen
    112 Geh in den inneren Raum hinein

    Hier ist eine Zusammenfassung der Übung 25 als Beispiel: Technik_025.pdf

    Beim Lesen dieses Buches ist es wichtig, zwischen den hilfreichen tantrischen Techniken und Oshos eigenen Aussagen zur Metaphysik des Lebens zu unterscheiden. Osho war zweifellos eine wichtige Figur in der Evolution der Menschheit und hatte vieles erkannt, sein Geist war jedoch auch voller Widersprüche und Irrtümer. Osho nannte einen Menschen dann einen befreiten, einen Erleuchteten, wenn er die grundlegende Dualität der Existenz akzeptiert. Ja, es ist wichtig, die Dualität zu akzeptieren, solange wir uns noch in ihr befinden. Das ist jedoch nicht die Erleuchtung, Erleuchtung bedeutet transzendieren. Der entscheidende Irrtum Oshos bestand darin, dass er, wie einst die Brahmanen im alten Indien, das Selbst über Gott stellte. Und so endete seine Kommune im völligen Chaos als Folge dieses Größenwahns.


  • Paramahansa Yogananda - Autobiographie eines Yogi

    Autobiographie eines Yogi ist eine 1946 erschienene Autobiographie von Paramahansa Yogananda. Sie zählt weltweit zu den Klassikern der spirituellen Literatur. Sie ist seit über siebzig Jahren im Druck und in 52 Sprachen (Stand Jan. 2019) von seiner Organisation Self-Realization Fellowship übersetzt worden.

    In diesem geistigen Klassiker erzählt Paramahansa Yogananda seine inspirierende Lebensgeschichte: Er beschreibt u.a. seine Begegnung mit vielen Heiligen und Weisen, seine zehnjährige geistige Schulung durch einen erleuchteten Meister und die mehr als 30 Jahre, die er in Amerika verbracht hat, wo er die befreiende Lehre des Kriya-Yoga verbreitete. Diese tiefgründige Einführung in die Wissenschaft und Weisheitslehre des Yoga zeigt auf, dass die großen Religionen des Ostens und Westens auf die eine Wahrheit jenseits der Worte verweisen und, was auch die moderne Physik längst erkannt hat, dass die Welt nicht "physisch real" ist.

    Die Bedeutung dieser Autobiographie liegt im Verweis auf das Gemeinsame der Religionen und der modernen Wissenschaft.


  • Erwachen ist einfach: Mein Weg in die Freiheit – Barbara Vödisch

    Dieses Buch führt uns auf eine Reise in die Erlebnisse und Erfahrungen eines höchst menschlichen Lebens und in den tiefen Frieden jenseits all dieser Erlebnisse. Es erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das den Tod übt, weil es wissen will, was es noch gibt. Die Geschichte eines Teenagers, der nichts als Schmerz und Leid zu erleben glaubt. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich auf die Liebe einlässt, obwohl sie ihr Angst macht. Die Geschichte einer Frau, die immer wieder Angst hat und dennoch springt - ins Nichts, ins Ungewisse. Diese Frau macht sich von unbeschreiblicher Sehnsucht getrieben auf die Suche nach unendlicher Liebe, nach dem Einssein, nach etwas, das sie nicht benennen kann.

    Barbara Vödisch beschreibt auch, wie sie während einer Vergewaltigung die Erlösung ihrer ganzen Täter-Opfer-Thematik erlebte und in diesem Moment erkannte, dass durch dieses Geschehen auf der körperlichen Ebene ihre Essenz nicht im Geringsten berührt wurde.

    Was dieser Frau passiert ist, ist ein radikaler Vergebungsprozess, das Eintauchen in den heiligen Augenblick und der Wechsel in den glücklichen Traum. Dies ist auch das Ziel der Arbeit mit Ein Kurs in Wundern. Barbara Vödisch kannte allerdings den Kurs nicht. Das Spannende an diesem Buch ist daher, dass es wunderbar aufzeigt, dass es uns nicht frei steht, den Lehrplan zu wählen, nicht einmal die Form, in der wir ihn lernen werden. Es gibt verschiedene Formen, d.h. verschiedene Symbole, aber der Lehrplan ist immer derselbe, und in welcher Form wir ihn lernen, ist uns gegeben.

    Der weitere Weg von Barbara Vödisch zeigt uns aber auch, dass der heilige Augenblick die Notwendigkeit des Lernens nicht ersetzt, denn der HEILIGE GEIST darf uns als unser LEHRER so lange nicht verlassen, bis der heilige Augenblick sich weit über die Zeit hinaus ausgedehnt hat, ansonsten werden wir wieder den Versuchungen des Egos erliegen.


  • Blick in die Ewigkeit - Eben Alexander

    Das Buch beschreibt die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Faszinierend ist die Veränderung der Sichtweise eines reinen Naturwissenschaftlers, der bisher glaubte, das Gehirn sei die Quelle des Bewusstseins, und dann erkennen muss, dass das Bewusstsein unabhängig vom Körper existiert und Teil einer viel höheren Wirklichkeit ist. Die wenigen Aussagen des Buches über die Beziehung zwischen Bewusstsein und Geist, zwischen Bewusstsein und GOTT sind nicht ganz korrekt, aber das ist auch nicht das Thema des Buches.

    Das wirklich Einzigartige und Bemerkenswerte an dieser Nahtoderfahrung ist, dass sich das Bewusstsein während dieser Erfahrung völlig von der Identifikation mit der irdischen Person und ihrer Geschichte gelöst hat. Dies ist normalerweise bei Nahtoderfahrungen nicht der Fall. Bei den üblichen Nahtoderfahrungen ist das Bewusstsein weiterhin mit der Person und seiner irdischen Geschichte identifiziert. Was Alexanders Bericht also wunderbar zeigt, ist, dass die Basis unserer individuellen Erfahrung reines Bewusstsein ohne Identität ist. Identität entsteht erst durch Identifikation. Bei der ersten Begegnung des "individuellen Bewusstseins" mit einem Lichtwesen übermittelt dieses ihm telepathisch drei wichtige Botschaften, die in irdischen Worten etwa wie folgt lauten: “Du wirst für immer zutiefst geliebt und geschätzt.” “Du hast nichts zu befürchten.” “Du kannst nichts falsch machen.”

    Das Buch vermittelt einen wunderbaren Eindruck davon, dass alle Geister in unbegrenzter und vollständiger Kommunikation sind und von der ursprünglichen Form der Kommunikation zwischen GOTT und SEINEN Geschöpfen. Alexanders Beschreibungen geben uns eine Ahnung davon, was es bedeutet, ein vollkommener GEDANKE im GEIST GOTTES zu sein.


  • Heilung im Licht - Anita Moorjani

    Anita Moorjani erkrankte an Krebs und lag im Sterben. Doch als sie glaubte, das Bewusstsein zu verlieren, fand sie sich plötzlich in einem von Licht und Ekstase erfüllten Zustand wieder. Tiefgreifende Erkenntnisse über unsere göttliche Natur strömten auf sie ein. Sie beschloss zurückzukehren, aber sie erkannte: »Der Himmel ist kein Ort, sondern ein Zustand.« Und sie erkannte, dass es ihre Aufgabe ist, anderen Menschen davon zu berichten.

    Anita Moorjani kehrte ins Leben zurück, und in der Folge heilte ihr Krebs zur Überraschung aller Mediziner vollständig ab. Diese Erfahrung hat ihr Leben verändert. Sie weiß jetzt: Es gibt keinen Grund für Traurigkeit und Angst. Wir sind nicht nur mit allen anderen Lebewesen und mit Gott verbunden - in einer tieferen Schicht sind wir eins mit Gott. Ein zutiefst bewegender Erfahrungsbericht

    Beim Lesen dieses Buches ist es wichtig zu verstehen, dass Anita keinen spirituellen Weg beschreibt, sondern eine Erfahrung - eine ganz wunder-volle Erfahrung. Auch wenn Anita nach der Heilung vom Krebs wieder einigen Einflüsterungen des Egos verfällt, wie der beliebten Verwechslung von Selbst und SELBST - dem verlockendsten Angebot des Egos an Menschen mit Interesse an Spiritualität - ändert dies nichts daran, dass das Buch einfach wunder-voll ist.

    Im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen gilt es auch zu bedenken, dass es nie GOTT und damit unser wahres SELBST ist, das uns zurück in die Welt der Formen und besonderen Beziehungen ruft. Es ist immer unser Verlangen nach “mehr als GOTT”, also nach Trennung und damit unsere Angst vor GOTT, die uns zurückkehren lässt. Eine Nahtoderfahrung ist aber fast immer eine große Hilfe im Prozess der Berichtigung unseres schlafenden Geistes, weil sie uns die Illusion des Todes erkennen lässt und uns hilft, unsere Angst vor GOTT allmählich weiter abzubauen.

    Der Grund, warum Menschen an diesem Punkt wieder in die materielle Welt zurückkehren, ist einfach der, dass das Drama der inkarnierten Existenz einen sinnvollen, einleuchtenden Abschluss gefunden haben muss. Es ist irrig anzunehmen, dass ein Mensch in der Mitte seines Existenzdramas endgültige Vereinigung mit GOTT erleben kann, ohne die Erlösung aus der Verstrickung in die Handlung erfahren zu haben.

    Selbst der Wunsch LICHT in die dreidimensionale Dimension zu bringen, rührt aus dem Grund oder der Auffassung, dass wir etwas tun müssten, um das, was geschieht, zu korrigieren. Wie vielen von uns bewusst ist, ist das eine Auffassung, die uns immer noch antreibt. Wenn wir auf die Welt schauen, wenn wir auf unsere Brüder und Schwestern schauen, gibt es diesen Zwang, dieses Bedürfnis, sich zu engagieren und in Ordnung zu bringen. Es gibt in vielen von uns einen Glauben, dass wir, wenn wir nicht handeln, dann irgendwie weniger wert sind, weil unser Gefühl von Identität, unser Gefühl von Sein damit verbunden ist, nach außen auf die Welt zu schauen und zu beurteilen, was richtig und was falsch ist, und Meinungen darüber zu haben, was getan werden sollte, und dann oft versuchen, andere davon zu überzeugen, es auf unsere Weise zu tun.


  • Dienstanweisung für einen Unterteufel - C. S. Lewis

    Ein wunderbares Beispiel für die Versuchungen der Stimme des Egos liefert uns C. S. Lewis (1898-1963) in seinem während des zweiten Weltkriegs geschriebenen Buch Dienstanweisung für einen Unterteufel. Vor allem im angloamerikanischen Raum ist C. S. Lewis bekannt für seine inzwischen auch verfilmte Kinderbuchserie Die Chroniken von Narnia. Er ist einer der einflussreichsten christlichen Apologeten der Neuzeit. Lewis verfasste zahlreiche Schriften zu theologischen Themen, weil er den Eindruck gewonnen hatte, dass die Berufstheologen die christliche Lehre nicht entschlossen darlegten, sondern voller „Wenn und Aber“. Auch wenn sein Verständnis der christlichen Lehre nicht die aktuellste ist und er die Möglichkeit einer Hölle im christlichen Sinne als möglich erachtete, sind seine mikroskopisch genauen Beobachtungen des Ego-Denksystems einmalig und wunderbar witzig in Dienstanweisung für einen Unterteufel dargestellt. Ein ironisches Buch über einen Briefwechsel zwischen dem Teufel Screwtape und seinem Schützling, dem Unterteufel Wormwood, wobei letzterer Anweisungen und Tipps erhält, wie er seinen "Patienten" am besten davon abhält, ins "Lager des Feindes" überzulaufen. In der Sprache des Kurses ist unter dem Begriff “Teufel” das Ego zu verstehen und unter dem “Feind” sinngemäß der HEILIGE GEIST, die Wahrheit oder GOTT.

    Lewis macht - genau wie der Kurs - sehr deutlich, welch wichtiger Teil die Gedanken eines Menschen sind. Alles entscheidet sich auf diesem nach außen unsichtbaren Terrain. An einer Stelle richtet der Teufel folgende Worte an seinen Unterteufel: “Nichts spielt eine Rolle außer der Tendenz einer gegebenen Geistesverfassung unter gegebenen Umständen, eine bestimmten Patienten in einem bestimmten Moment näher an den Feind oder näher an uns heranzubringen.”

    Lewis beschreibt wunderbar, wie das Ego versucht, den Menschen dazu zu bringen, nur noch in Meinungen und nicht mehr in Wahrheit und Irrtum zu denken: “Vor ein paar Jahrhunderten brachten die Menschen ihr Denken noch mit ihrem Tun in Zusammenhang und waren bereit, aufgrund eines logischen Gedankenganges ihre Lebensweise zu ändern. Doch mit Hilfe der wöchentlichen Presse und anderer derartiger Waffen haben wir das gründlich geändert. Dein Mann ist, seit er ein Junge war, daran gewöhnt worden, dass ihm ein Dutzend einander widersprechende Philosophien im Kopf herumtanzen. Eine Lehre betrachtete er nicht in erster Linie als wahr oder falsch, sondern als akademisch, oder pragmatisch, oder fortschrittlich, oder konventionell, oder radikal. Nicht Argumente, sondern Jargon ist dein bester Verbündeter, wenn es darum geht, ihn vom Feind fernzuhalten.”

    Auch die egoische Anhaftung an Sinneseindrücke wird wunderbar beschrieben: “Schon dadurch, dass du argumentierst, weckst du die Vernunft des Patienten. Und wenn die erst einmal erwacht ist, wer kann dann die Folgen absehen? Selbst wenn dieser oder jener Gedankengang so verdreht werden kann, dass er zu unseren Gunsten endet, wirst du feststellen, dass du in deinem Patienten die fatale Gewohnheit gestärkt hast sich mit Fragen von universaler Bedeutung zu beschäftigen und seine Aufmerksamkeit vom Strom der unmittelbaren Sinneseindrücke abzuziehen. Deine Aufgabe ist es dagegen, seine Aufmerksamkeit genau an diesen Strom zu binden. Bringe ihn dazu, ihn für das wirkliche Leben zu halten und lass ihn nicht in den Sinn kommen sich zu fragen, was er mit ‘wirklich’ meint.”

    Eine Dienstanweisung an den Unterteufel zum Thema Wissenschaft, die gerade in jüngster Zeit immer mehr in Erscheinung tritt, lautet folgendermaßen: “Verstehst Du, worauf es ankommt. Dank den Vorgängen, die wir schon vor Jahrhunderten in ihnen in Gang brachten, ist es Ihnen nahezu unmöglich, an das Außergewöhnliche zu glauben, solange das Gewöhnliche ihnen vor Augen steht. Triechtere ihm immer wieder die Gewöhnlichkeit aller Dinge ein. Vor allem aber, versuche niemals die Wissenschaften, die echten Wissenschaften meine ich, als Abwehr gegen das Christentum zu verwenden. Die würden ihn geradezu ermutigen, über Wirklichkeiten nachzudenken, die er nicht anfassen oder sehen kann. Es hat traurige Fälle unter modernen Physikern gegeben. Wenn er schon in der Wissenschaft herumtappen muss, dann lenke ihn auf die Wirtschaftswissenschaft oder die Soziologie. Lass ja nicht zu, dass er sich von jenem unschätzbaren ‘wirklichen’ Leben entfernt. Am besten jedoch wäre es, wenn du ihn gar keine wissenschaftlichen Bücher lesen ließest, sondern nur das großartige allgemeine Gefühl gäbest, er wüsste über alles Bescheid und alles was er in beiläufigen Gesprächen und oberflächlicher Lektüre aufgeschnappt habe, wären die neuesten Forschungsergebnisse. Vergiss nicht, dass du dazu da bist, ihn zu verwirren.”

    Den Glauben an die eigene Besonderheit und die Idee durch eigenes Handeln positive Gefühle zu erzeugen, um so das Glück zu finden, klingt beim Teufel in Lewis Buch folgendermaßen: “Der einfachste Weg ist der, ihr Augenmerk von Ihm [GOTT] weg auf ihr eigenes Ich zu richten. Halte sie dazu an, nur auf ihren Seelenzustand zu achten und in sich durch eigene Anstrengung gewisse Gefühle zu erregen.” Weiter heißt es: “Wir haben den Vorteil, dass ihre Gedanken sich durch die Anstrengung, das Unmögliche zu erreichen, endlos um sich selber drehen.” Eine weitere sehr treffende Beschreibung lautet: “Alles Übertriebene, mit Ausnahme einer völligen Hingabe an den Feind, ist zu unterstützen. … Jede kleine Clique, zusammengehalten durch ein gemeinsames Interesse, das von andern verworfen oder ignoriert wird, hat die Tendenz, nach innen eine Treibhaushitze gegenseitiger Bewunderung, nach außen aber einen großen Hochmut und Hass zu entwickeln, deren sie sich nicht einmal schämt.”

    C. S. Lewis kannte die Wahrheit über die Zeit und den heiligen Augenblick - das Jetzt. In seinem Buch bringt er das durch folgende Worte des Teufels Screwtape zum Ausdruck: “Qualvolle Furcht und törichte Zuversicht sind gleichermaßen wünschenswerte Geisteszustände. Unsere Wahl zwischen beiden wirft wichtige Fragen auf. Die Menschen leben in der Zeit, aber unser Feind [GOTT] hat sie für die Ewigkeit bestimmt. Darum will er glaube ich, dass sie sich vor allem auf zwei Dinge konzentrieren, nämlich auf die Ewigkeit selbst und jenen Punkt in der Zeit, den sie die Gegenwart [das Jetzt] nennen. Denn die Gegenwart ist der Punkt, an dem Zeit und Ewigkeit sich berühren. Den gegenwärtigen Moment [Den heiligen Augenblick] und nur ihn allein erfahren die Menschen in einer Weise, die vergleichbar ist mit der Art, wie unser Feind die Wirklichkeit als Ganzes erfährt, denn nur hier werden ihnen Freiheit und Tatsächlichkeit geboten. Darum möchte er, dass sie sich ständig entweder mit der Ewigkeit, also mit ihm oder mit der Gegenwart befassen, also entweder über ihre ewige Gemeinschaft mit ihm oder ewige Trennung von ihm nachdenken. … Unsere Aufgabe ist, sie vom Ewigen und von der Gegenwart abzulenken.”

    Was Lewis den Teufel über die Freude sagen lässt, könnte direkt aus dem Kurs stammen: “Freude ist Seine [GOTT] Erfindung, und nicht die unsrige [Ego]. Er hat sie geschaffen; trotz unserer ganzen so weit entwickelten Forschung ist es uns bisher nicht gelungen, eine einzige wahre Freude hervorzubringen.”